k Nr. 188. Dienstag, den (Nachdruck verboten.) 25) Foseplz Ton rix. Roman von John Law.'Aus dem Englischen von I. Cassierer. So ging er weiter, bis er zu einer schönen alten Kirchs kam. Gerade, als er sie erreicht hatte, begannen ihre Glocken zu läuten. Er blieb stehen, um zuzuhören. Es hörte sich so an, als ob der Glockenklang aus weiter Ferne von her lärmenden Stadt käme, wie das Echo von Glocken, die er Vor langer Zeit gehört hatte, der Glocken seines Heimatdo�es. Er dachte an den Kirchhof, auf den seine Mutter lag, on jenen stillen, friedlichen Ort, wo durch die dunklen Myren der Mond auf die Gräber schien.„Still unh gx. rettet" stand auf seiner Mutter Grabstein geschrieben; sie hatte es so gewünscht. Jetzt lag ganz gewiß John Tatchett. der Pfarrer, neben ihr. Jos erinnerte sich des Tages, an dem er im Pfarrhause war, um Abschied zu nehmen Wie ein Blitz durchfuhr Jos der Gedanke:„Ich will wieder nach Hause gehen." Kaum hatte er diesen Gedanken gefaßt, als es ihn auch schon trieb, denselben zur Ausführung zu brwigen. Seine Mutter war tot. ebenso John Datckett. Er h5ltte zwar keine Sehnsucht, die übrigen Bewohner seines Dorfes wiederzusehen, denn diese würden ihn ja doch nur auslachen, daß er ohne Geld wiederkäme. Aber der Gedanke an seine Heimat brachte ihn, große Erleichterung. Er fühlte ficki schwach und krank. Polly hatte ihn betrogen. Diese geschäftige Stadt, in der sich ihm doch keine Arbeit bot, wo seine Dienste doch nicht ge- braucht wurden, wollte er verlassen;«rr wollte in seine Heimat zurückkehren, denn er fühlte sich so krank.„Mag sein, daß ich dort sterben werde," sagte er zr; sich. Aber ohne Geld konnte er doch nicht dorthin gehen; er mußte doch unterwegs etwas zu essen haben, selbst wenn er sich den ganzen Weg„durchfechten" wollte. Fünfunddreißig Meilen ist ja keine so große Entfernung, aber doch für einen zit viel, der sie nnt leerem Mggen zurücklegen soll. Dann fiel es ihm ein. daß seine Ulw noch beim Pfandleiher war. Er hatte immer gezögert, sie zu verkaufen, denn sie war das letzte, das er noch von seiner Mutter hatte. Er wollte jetzt das Geld, das er für sechs Uhr bekommen würde, dazu be- nutzen, um sich am nächsten Tage auf den Weg in die Heimat zu machen. Als er mit sich iw klaren war, London wieder zu der- lasse», überkam ihi» eine seltsame Beruhigung. Er mußte der -�age gedenken, che er mit seiner Mutter in einem kleinen Landhause verlebt hatte, und auch seines Arbeitsplatzes im Dorfe erinnerte Gr sich. Im Dorfe hatte er alles gemacht. von der Wiege bis zum Sarge, und nicht wenig hatte er sich auf seine Geschicklichkeit eingebildet. Erst als er nach London kam, gelausste er zur Erkenntnis, daß„er ja doch nur ein Dorf> Handwerker sei". Da unten hatte man ihn für einen »klugen" jungen Mann gehalten, für einen, dessen Verstand sich über den der gewöhnlichen Leute erhob. Bis zu seiner infolge schlechten Geschäftsganges erfolgten Entlastung gab es kcmeu hoffnungsfreudigeren jungen Mann als Joseph Coney. Er ging von der Kirche weg und suchte ein Nachtquartier S" finden.„Ich mußte morgen sehr früh auf sein," sagte er sich. Ilud beim Weitergehen muß er der alleinstehenden Frau ge- denken, die„still und gerettet" auf dem Dorfkirchhof lag. Er war nicht überschwenglich in seinen Gefühlen; aber er hatte von jeher die größte Liebe zu seiner Mutter gehabt. Nachdcin ihn Polly betrogen hatte, Ivar die Erinnerung an die„alleinstehende" Frau wieder mächtiger in ihm geworden, und zahlloser Züge liebevoller Zärtlichkeit, kleiner Aufmerk- sanikeiten, die seinem Gedächtnis schon fast entfallen waren, mußte er wieder gedenken. Sein Weg fiihrte ihn zu einem Schuppen, der von einem Eisengitter umgeben war. Innen standen verschiedene Wagen. und Jos bemerkte, daß unter dem Sitze des einen Stroh lag. Jos stieg über das Gitter und kletterte in den Wagen. Und als er schon darinnen lag. mußte er noch seiner Mutter gedenken, die bereits sechs Fuß nutcr dm Rasen lag. „Morgen", sagte er sich,„verkaufe ich niciue Uhr und gehe nach Hanse." »t! des Horiväris 26. September. 1899 XIX. Bereits nach drei Tagen befand sich Jos außerhalb Londons, auf dem freien Lande, wo er grüne Felder sehen und die Vögel auf den Bäumen singen hören konnte. Die Bäume hatten kahle Zweige, und die Landschaft sah fast ganz so aus wie im vorigen Jahre, als er sich auf den Weg nach London gemacht hatte; nur ging man damals dem Frühling entgegen, während man sich jetzt dem Winter näherte. Er hatte sich auf seinem Wege nicht sehr beeilt, dort ge- schlafe::, wo sich ihm eine Gelegenheit bot, nnd in den Kneipen, die er unterwegs fand, getrunken. Von seinem Gelde besaß er nur noch einen Schilling. Aber auch jetzt beeilte er sich nicht. Er sah krank und elend aus. Oft mußte er tief Athem holen und dann machte ein heftiger Schmerz ihn laut husten. Er ging eine kleine Strecke, blieb aber wieder stehen, um sich von einer Weidenhecke eine Gerte abzuschneiden, die ihm als Spazierstock dienen sollte. Auf seinen Stiefeln lag wohl einen halben Zoll hoch der Schmutz. An einen Zaun gelehnt, blickte er teilnahmslos in die Ferne. Kein menschliches Wesen und kein Haus war zu sehen, nur Felder, Bäume, Hecken und der graue Himmel, der die Erde in einen schweren Vorhang einzuhüllen schien. Ein Knabe, der sein Butterbrot aß und sich dabei ein Liedchen pfiff, war jetzt sichtbar geworden. Ein Hund be- gleitete ihn, m:d als dieser Jos' ansichtig wurde, bellte er und lief auf ihn zu, um ihn zu beschnuppern; schnüffelnd wandte er sich um und mit anstecht stehendem Schwänze rannte er wieder zurück. „Wie spät mag's. wohl sein?' fragte Jos den Jungen. „Kann's nicht sagen" war desten Antwort.„Es war wohl zwölf, als ich von Hause wegging, und ich mag wohl eine Stunde unterwegs sein." „Kann ich durch den Park gehen?" „Für Landstreicher und Wanderburschen ist er geschloffen." Jos wußte nicht recht, welchen Weg er einzuschlagen hatte. Er war wohl in den Dörfern, die seiner Heimat benachbart waren, und auch in den Marktflecken gewesen, aber niemals hier. Elmsworth lag sechs Meilen von der nächsten Eisenbahn- Station entfernt, und seine Bewohner waren von dem Einflüsse der Städte noch unberührt. Die Frauen gingen selten in die Stadt, um Einkäufe zu machen, denn im Dorfladen konnten sie alles, was sie brauchten, haben, und ein Fuhrmann brachte ihnen einmal in der Woche frisches Fleisch. Die Männer kamen wohl bisweilen in eine benachbarte Stadt. und mehrere waren auch schon einmal in London gewesen. Elmsworth lag auf einem Hügel und war von dichten Waldungen umgeben. Der Gutsherr war ein alter Herr von konservativen Gewohnheiten. Das Wild hatte bei ihn: gute Tage. Er wollte nicht einmal seinen Pächtern erlauben. Kaninchen zu schießen. Die Rebhühner flogen in seinen Gärten herum und die Hasen wurden nur durch dasLäuten einer großen Glocke erschreckt, die an jedem Morgen und Abend es den Arbeitern anzeigte, wann sie nnt der Arbeit beginnen und wann sie aufhören sollten. In seinen Gutshäusern wohnten gegen fünfhundert Arbeiter, die so unter einander geheiratet hatten, daß fast jeder des andern Verwandter war. Zwei(oder drei Landwirte hatten kleine Güter gepachtet; aber die Landwirtschaft rentierte nicht, und viele Gutshäuscr standen leer. Nicht weit von der Kirche befand sich das Psarrhaits, ein kleines, weißgcstrichenes Gebäude, an desten Wänden sich Wein und andere Schling- pflanzen emporrankten. Im Pfarrhause war auch ein Saal vorhanden, der den Dorfbewohnern zu Beratungen und ge- srlligen Zusammenkünften zur Verfügung stand. An regnerischen Sonntagen gestattete der Pfarrer den Methodisten in diesem Saal ihren Gottesdienst abzuhalten und wäre es nicht des Bischofs wegen gewesen, so würde er sogar nichts dagegen gehabt haben, wenn der Mcthodisten-Pastor von seiner eigenen Kanzel herab gepredigt hätte. Ein Parkthor stand offen, und obwohl ein Anschlag be- sagte, daß„Landstreichern und Wanderburschen" der Eintritt nicht gestattet sei, trat Jos doch ein. Der grüne Rasen er- streckte sich weiter, als das Auge reichte; verdorrte Farne und abgefallene Blätter lagen in dichten Haufen unter den Bäumen. Planlos ging Jos weiter, und als er die Vögel auf den Bäumen singen hörte, sagte er sich: «Ich wünschte, ich wäre hier geblieben; wäre ich doch uicht erst nach London gegangen." Die Zeit verstrich, während er den Park durchwanderte Oft setzte er sich hin, um auszuruhen, und wäre es nicht so kalt und feucht gewesen, wäre er gewiß eingeschlafen. Endlich kam er aus dem Park heraus in ein Dorf, dessen Wirtshaus „Zum Punschnaps" dem Ausgang des Parkes gerade gegen- über lag. „Ich werde sehen, daß ich in der Scheune schlafen und ein Glas Schnaps trinken kann," dachte Jos. Er trat in das Gasthaus. Hinter dem Schänktisch stand der Wirt und unterhielt sich mit mehreren Gästen. Längs der Wand lief eine hölzerne Bank. Jos setzte sich hierhin, und einen Zinnbecher in der Hand haltend, hörte er der Unter- Haltung zu. Hinter dem Schänktisch, in einer Art Salon, saßen die Honoratioren des Dorfes, vor demselben standen oder saßen fünf bis sechs Fuhrleute und Bauern. «Was ich wollte, Hab' ich gesagt," meinte ein junger Mann im„Salon", sich seine lange Pfeife ansehend,„das Land geht zum Teufel, daher weg nnt den Fremden. Ich würde sie schon ausjäten, aber damit müßte man hier unten in Windsor anfangen." „Aber wer soll denn hier die Fasanen schießen?" fragte ein alter, weißhaariger Mann, seiner Kleidung nach ein Wild- Hüter.„Es ist nicht mehr so, wie es früher war. Wenn ich an all die großen Herren denke, die zu Zeiten des Prinz- Gemahls hierher auf die Jagd kanren, dann sag' ich mir immer, hier ist etwas, nicht mehr in Ordnung". „Die Fasanen schießen l" lachte der junge Mann.„Lieber Euch selber erschießen. Ihr wißt ja selber, wie sehr Ihr auf- passen mußtet, als im vorigen Jahr ein fremder Prinz hier jagte. Diese fremden Herren verstehen nichts von der Jagd; sie sind ihr nur gefährlich." „Mag sein," bestätigte der alte Wildhüter.„Es wurde mir ordentlich angst, wenn er eine Flinte in die Hand nahm; und doch that er mir leid; es schien ihm hier in Windsor nicht zu gefallen." „Ich hörte im Schloß, daß die Königin ihn nicht leiden mochte." warf der Wirt ein. „Auf die Königin lasse ich nichts kommen," nahm der alte Wildhüter wiederum das Wort.„Es sind jetzt fünfzehn Jahr, da lag ich am Rheumatisnius darnieder, und da kam die Königin und besuchte mich. Nicht viele können von sich er- zählen, daß die Königin sie besucht hat. Ich lag zn Bett und die Glieder thaten mir damals so weh, daß ich mich nicht rühren konnte. Sie wird jetzt alt, und wenn sie jetzt auch das nicht mehr thun kann, was sie sonst that, so bin ich nicht der Mann, der es vergißt, daß sie mich besuchte, als ich den Rheumatismus hatte." „Es hat ja mit der Königin nichts zn thun. wenn die Landwirtschaft nicht mehr rentiert und die Güter keine Pächter finden", meinte der Wirt.„Sie hat ja mit dem Jubiläums- geschäft ihr möglichstes gethan." Der junge Mann brach in ein schallendes Gelächter aus. „Im ganzen Jahr, das seitdem vergangen ist, Hab' ich so etwas Schönes noch nicht sagen hören." Der Wildhüter schüttelte den Kopf. �»Ihr jungen Leute wollt immer die Welt umdrehen." sagte er.„Aber Gott sei Dank, daß Ihr es nicht könnt. Junger Mann, wenn Ihr erst so alt sein werdet wie ich, dann werdet Ihr auch anders denken." Jos hörte dies nicht mehr, er hatte den Kopf an die Wand gelehnt, die Beine unter der Bank gestreckt und war eingeschlafen. Der Wirt weckte ihn. „Kann ich hier in der Scheune oder irgendwo sonst schlafen?" fragte Jos. „Ja," antwortete der Wirt,„da hinten ist Platz und liegt auch viel Stroh." Anr folgenden Tage wanderte Jos durch den Wald, und während des ganzen Tages begegnete er keinem Menschen, nur die entlaubten Bäume und der trübe, graue Himniel leisteten ihm Gesellschaft. Weder Hunger noch Durst enipfand er, nur eine große Steifheit und Ermattung in seinen Gliedern. Der Wind heulte um ihn her und machte seine Zähne klappern und seinen zerfetzten Anzug an seinem Körper hin und her schlenkern. lFortsetzung folgt.j Die Dttfe, Die Bildung muß doch eine Macht sein. Die weitverbreitete Furcht, für uugevildct gehalten zu werden, scheint mir es zu be» weisen. Als die Duse zum erstenmal nach Berlin kommen sollte, klangen begeisterte Hymnen an unser Ohr. In Wien schwammen >die paar Leute, die sich„alle Welt" zu nennen Pflegen, in Wonne znd Entzücken. In de» Journalen kamen die Superlative jäh zu un- oerdientcn Ehren. Mit der Duse beginne eine neue Epoche der Schauspiel« kunst, schr'eben die verhältnismäßig Schüchternen. Temperamentvollen Naturen konnte indessen ein so mattes Lob nicht genüge». Es handelt sich hier nicht um die Schauspielkunst, sondern um die jsilnst überhaupt, schrieben sie und sagten sie. Mit der Duse beginnt ein neues künstlerisches Zeitalter. Schminke und Coulissen liegen hinter uns. Alle Unnatur ist abgethan. Die Sonne einer neuen �eit ist aufgegangen. Die Duse spielt.... Damit hatte eigentlich schon die Begeisterung den Punkt erreicht, »•o man einer weiteren Steigerung nicht ohne Sorge entgegensieht. xrotzdem fand sich ein Jüngling, der unerschrocken genug war. diese SVügening zu vollziehe». Er löschte mit kaltem Lächeln die bis« ha.ge Geschichte der Menschheit aus. So bescheidene Kerzen wie Shakespeare und Goethe erloschen vor dem Hauch seines Mundes. Er Datiert die Knnst überhaupt erst von dem Auftreten der italienischen Schai'spielerin Eleonore Duse. Laim kam diese epochemachende Dame nach Verlin. Die Billetpi�'W schnellten in die Hohe, und die Kenntnis der italienischen Sprache �rbreitete sich wie ei» Lauffeuer. Im Tiergarten hätte man schlechthü.nicht leben können, ohne dieDuse gesehen zu haben. EinFannlien« vater. der Damen nicht zur Duse geführt hätte, wäre von der Mitwelt skrachtct und von der Nachwelt mit Schaudern genannt worden. M" mußte sie sehen, und man sah sie und ließ sich begeistern. Denn eS ist ungebildet, sich von einer berühmten Künstlenn nicht bcgcisteril zn Mfen- Und im Tiergarten sind die Leute nun einmal sehr gebildet. Leider fand keine Kritik, die die dem wahnsinnigen und schließlich auch»istdelosen Spiel ein jähes Ende bereitet hätte. Ein paar energische Pisteste ertranken in dem Posaunenklang des all- gemeinen Lobs. Wst über gewisse Dinge den Beistand nicht ver- liert, hat keine» zu usilieren. Die Berlincr Kritik verlor ihn über die Duse und bewies' so"cgativ, daß sie an gewöhnlichen Wochen« tagen ein vernunftbegabt'� Wesen ist. In den Herzen der Mtschen Schauspieler mag es wunderlich ausgesehen haben. Man ke'"' am Theater auf mannigfache Weise berühmt werden. Einmal durch seine Kunst, was ani längsten dauert und am unficherstc»'st- Dann durch ein paar kritische Vettern, durch seine Schulds?' durch einen sensationellen Kontrakt« bruch, durch seine Brillanten istd durch seine Liebhaber. Der Theater- rühm ist ini allgemeincn billig Z" haben. So billig aber. wie ihn die Duse erlangte, hat ihn unsstes Wissens doch noch keine deutsche Schauspielerin' erlangt. Jedes Mnnenherz mußte durch dielen rasenden Preissturz auf dem Mari des RuhmS entzückt sein, freilich nur. um gleich wieder dem Elend dei Ernüchterung zu verfallen. Die Berliner Kritik ist nur toll bei Nordi�rdwest. Im allgemeinen ver- mag sie sehr wohl einen Kirchturm V» einem Lateruenpfahl zu unterscheiden. Oder ivar sie gar nicht toll? Vielleicht halte sie insofern wirk- lich mit Hainlet etivas gemein, als ihr Walstßim nur Maske Ivar. Wir verkennen keine» Augenblick, daß Theatcrtarsiellungen ein Ge- schüft sind. Auch reicht unser Verstand aus, umenizuschen, daß hohe Villetpreise ein besseres Geschäft ergeben als niedrige. Vielleicht lagen hier und da hinter der wilden Begeisteriiisi hachlt trockene Er- wägiingcn. Indes: wir sind in so' feinen Dinge» nicht zu« ständig. lieber den riiilstlerischeu Wert der Duse sich ein srteil zu bilden, ist nicht leicht, auch dann nicht, wenn nian die Stück'- in denen sie austritt, genau bis in die Einzelheiten kennt. Ich glaifle, ihr Ruhm würde erbleichen, wenn sie sich einmal so weit' wcgiv'iseu sollte, deutsch zu lernen. Die Mystik ihrer Erfolge erklärt sich am Ende aus der simplen Thatsache, daß den meisten Thcaterbeslchern die italienische Sprache auch ein Mysterium ist. Dann frcillh. auch aus dem Umstand, daß man sie nie in einem Ensmlüe von Künstlern, sondern immer in einer Truppe von untcrgcordieten Handwerkern sieht. Aus dieser Umgebung herauszutreten, ist\,ne sehr bescheidene Kunst. Wir bekennen, daß wir in einige Verlegst" hcit geraten, wenn wir unsere Meinung über die Duse niederschreibe? sollen. Wir haben so ganz und gar nichts Ungewöhnliches zn melden, weder im Guten noch im Bösen. Wir haben einfach über einen Theaternbend zu berichten, der vielfach interessiert, stelleniveise ergreift, im allgemeincn aber doch kälter läßt, als beispielsweise eine gute Aufführung im.Deutschen Theater". Ueber die Wahl der Stücke wollen wir mit der Duse nicht rechten. Es ist eine Eigenheit ihrer Kunst, daß sie sich aus dem Ab- hängigkcitsverhältniS heraussehnt, in dem sie schließlich doch einzig und allein gedeihen kann. Jeder Schauspieler sehnt sich nach dem Gut, das seine Kunst ihm grausam verweigert, nach Selbständigkeit. Er möchte sich von dem Stück emanzipieren, um ganz er selbst zu sein. Das gelingt ihm naturgemäß bei schlechten Stücken am besten. Je weniger ästhetischer Gehalt vorhanden ist, umso weniger kostet es ihm, ihn ganz aufzuheben und die Dichtung in eine Rolle zn verwandeln. Mit Sudcrniann ist in dieser Beziehung leichter fertig zu werden als mit Ibsen. Wenn dieDuse also in der Wahl der Stücke sündigt, müssen ihr ohne weiteres mildernde Umstände cinqeräunit werden. womit ja nicht gesogt ist, daß wir von ihrer Virtnosenmomer entzückt find. Das Wort„Virtuose" kommt uns in die Feder und so sei gleich gestanden, daß wir nicht wissen, ob wir in der Duse eine Künstlerin oder nur eine blendend routinierte Virtuosin vor uns haben. Ihre Ein- fachheit könnte zu der günstigeren Annohme verführen, wenn es nicht eben Virtuosen gäbe, die klug genug sind, noch den stillen Wirkungen zu trachten, die sonst der Kunst eigentümlich sind. Daß sie eine Schauspielerin ist, die die Mittel ihrer Kunst souverän beherrscht, steht fest. Mehr als diesen immerhin etwas trockenen Satz können wir zu unserem Leidwesen mit gutem Gewissen nicht ausspreche». Unseren begeisterten Kollegen wird er freilich etwas nüchtern vor- kommen. Aber am Ende ist die Nüchternheit ein Verdienst, seitdem die Begeisterung so allgemein geworden ist.— _ Erich S ch l a i k j e r. Kleines �euillekon. � DaS Kunstwerk eines Arbeiters. Ein Arbeiter in Fahrafel hat sich, wie die.Wiener Arbeiter-Zeitling" mitteilt, vor zwei Jahren zur Aufgabe gemacht, eine Holzpendelnhr herzustelle», und nun geht das Werk seiner Vollendung entgegen. Die Uhr ist eine Sehenswürdigkeit. Sie ist ans Linden und Haselnuß gearbeitet. Alles ist durchweg Freihondschnitzerci. Die Uhr hat eine Höhe von 120 Tentimeter und eine Breite von 70 Centimetcr. Sie steht auf einem Gestell von Meterhöhe. Sie hat sechs Zifferblätter und zeigt auf diesen folgende Städtezeiken an: Wien, Poris, London, Petersburg, Madrid und New Uork. Außerdem enthält es ein Zifferblatt mit Llstündigcr Sonnenzeit, ein Zifferblatt, auf dem die Mondbewegnng dargestellt ist, und endlich ein Zifferblatt mit Dotumzeiger, dos auch Tag und Nacht unterscheidet. Im oberen Teile des Werkes ist ein Nondean angebracht, in dem sich 12 Figuren befinden. Stündlich wird eine sichtbar. Zwei weitere Figuren besorgen den Minutendicnst. Eine schlägt die Minuten und die andere nimmt den Hut ab. Ein Glocken- spiel mit 1ö Tönen, dos jede halbe Stunde durch daS Uhrwerk in Bewegung gesetzt wird, ist die weitere Bereicherung des Kunstwerkes. Das Uhrwerk hat GS Zahnräder, 2 Betriebsketten für den Uhrgong, wovon jede ans 109 Gliedern zusannnengesetzt ist, eine Vctricbskette zum Glockenspiel mit 322 Gliedern und vier holzgcschnitzte Glieder- ketten zur Verzierung. Der Vcrfertiger heißt Jakob Jawurek. Er hat lvedcr eine Profession noch sonst etwas gelernt. Er begann die Arbeit im Jahre 1897, und heute ist die Uhr bereits vollendet und auf das gcnnucste reguliert. Der Hersteller Jakob Jaivnrck ist in der Bcrndorfcr Metallivarcn-Fabrik beschäftigt, so daß ihm nur die Zeit der Sonn- und Feiertage und noch Feierabend zur Verfügung gestanden hat. Er beabsichtigt, sein Werk zur Besichtigung aus- zustellen.— — Künstliches Hagelwetter. Dr. Krcnschner in Dornrstodt ist es jüngst gelungen, in seinem Laboratorium einen Hagelfall iir kleinem Maßstäbe experimentell in nachstehender Weise zu erzeugen: Wenn man die beiden Poldrnhte eines starken elektrischen Stromes so anordnet, daß der eine von unten in ein Wasserbecken eintritt und bis nahe an die Oberfläche reicht, während der andere von oben bis nahe an die Wasserfläche tritt, ohne dieselbe jedoch zu berühren, und sodann einen starken und hochgespannten Strom durch- schickt, der. um seinen Ausgleich zu sinden, die Unterbrechungs- stelle zlvischen beiden Poldrahtcnden überspringen muß, so ver- tieft sich zwischen beiden Enden die Wasseroberfläche in Form eines anfangs seichte», später aber immer steileren Trichters, aus deni kleine Wnssertröpfchcn mit Vehemenz hcrausgesckileudcrt werden. Breitet man um die Wasserschale Papier aus, so hört man deutlich den Moment, wo keine Waffertröpfchcn mehr herausfallen, sondern winzige Eiskörnchcn von der Gestalt der Hagelkörner. Aber das ganze Experiment mißlingt, wenn in der Umgebung nicht die absoluteste Ruhe herrscht; die geringste Lufterschütternng in- folge einer raschen Handbewegung des Experimentierenden und der Strom seiner Atniungsluft, wenn er dem Apparat zu nahe kommt, genügen schon, um die Eisbildung zu verhindern, und es verbleibt alsdann bei dem Tropfphänomen. Ganz ähnliche Verhältnisse herrschen in den Minuten vor dem Ausbruch eines Hagelwetters, mit dem einzigen Unterschiede, daß daS Wasser nicht unten, sondern oben ist, und sich nicht in flüssiger Gestalt, sondern in Form des seiner Kondensation nahen Wasserdampfcs vor- findet, welche Verdichtung zu Tropfen bei Abkühlung der Luft unter den Taupunkt an den in der Luft schtvinnnenden Staubteilchen sofort beginnt. Im übrigen sind auch in dem Gclvitterbezirke ganz Ivie bei dem Versuche entgegengesetzte Elektrieitäten vorhanden, die sich aus- zugleichen bestrebt sind, und die unheimliche Ruhe und Windstille, die dem Hagelschlag vorangeht, ist analog der für den Laboratoriums- versuch erforderlichen Abwesenheit jeglicher Luftbclvcgung.— Theater. Freie Volksbühne: Faust.(I. Teil.) Ueber das Ver- hältnis Goethes zum Theater sprachen wir bereits früher an dieser Stelle. Auch über das Verhältnis Goethes zu uns sagten wir da- mals, was wir eben zu sagen hatten und somit können wir auf die allgemeinen Betrachtungen verzichten, die eine Fanst-Aufführung in der„Freien Volksbühne" sonst zur Pflicht gemacht hätte. Die Goethe- Feier, zu der die Arbeiter sich gestern im Ostend-Theater zusammenfanden, darf mit Freuden als eine durchaus gelungene bezeichnet werden. Das ist»in so höher anzuschlagen, als einmal die„Freie Volksbühne" mit Schwierig- leiten kämpft, die ein öffentliches Theater nicht kennt und als zn'm andern der Faust zu den Dichtungen gehört, denen die Bühne nichts geben. aber alles nehmen kann. Eine Faust- Ailffiihnnig ist immer ein Wagnis, selbst wenn man unter Umständen arbeitet, die ebenso günstig sind, als diejenigen der„Freien Volksbühne" ungünstig. Wie leicht zerfließt der feine lyrische Duft, dcrwieGlanz derMorgensonne über einzelnen Scenen ruht! Wie leicht werden die Scenen in Auerbachs Keller lärmend, ohne komisch zu sein I Wie leicht verführt der Faust zur pathetischen Deklamation, das Gretchen zur Sentimentalität und der Mephisto zur Darstellung eines handfesten Thcaterböse- Wichts! Diese Klippen alle wurden gestern glücklich umschifft. Be- sonders Frau P a u k- S t e i n e r t bot als Gretchen eine Leistung, an der selbst der verwöhnteste Theaterbesucher seine helle Freude haben mußte. Sie war ein einfaches Bürgermädchen, ohne mit ihrer Einfachheit zu kokettieren; sie sprach' ihre Verse decent und stimmungsvoll, ohne in schmachtender Sentimentalität zu vergehen; sie war durch die Liebe Fausts überreichlich beglückt, ohne doch das Vcwnßtseiir ihres jungfräulichen Werts zu verlieren. Sie rettete die ganze Poesie des GretchenS und doch sah man ihr an, daß sie im Haus ihrer Mutter wacker arbeiten mußte. Es ist in Berlin mit der Kritik der Schauspielkunst nicht wohl bestellt. Es giebt so viele Premieren, daß die Zeitungen vollauf damit zu thun haben, den verschiedenen Stücken den ästhetischen Leichenschein aus- zustellen. Die Schauspieler kommen zu kurz. Den bekannten Künstlern wird die bekannte Censur ausgestellt; die übrigen mögen sehen, wo sie bleiben. Nun wird aber kein Mensch als bekannter Schauspieler geboren, und so wird jungen Talenten das Leben unendlich schwer gemacht. Ihr Schicksal ist allzusehr von Agenten und Direktoren, allzuwenig von der Kritik abhängig. Es gelingt ihnen selten, in den Besitz einer guten Nolle zu kommen, und wenn es ihnen gelingt, finden sie nicht die gebührende kritische Beachtung. Häufig genug stehen für sie Lebens- intcressen auf dem Spiel, die dann am nächsten Tage mit zwei Zeilen abgethan werden. Den einzelnen Kritiker trifft keine Schuld. Die Schuld trifft vielmehr mit voller Wucht den hirnlosen Brauch, von jedem dreiaktigen Unsinn Notiz zu nehmen, nur weil er eben den Vorzug genießt, in drei Akten verabreicht zu werden. Leute, die ohne die Schauspieler mitlciderregcnde Hampelmänner wären, werden mit aller Ausführlichkeit besprochen, während sämt« liche mitwirkende Schauspieler sich mit zusammen sechs Zeilen begnügen müssen. Hier könnten die„Freien Volksbühnen" eine gute That thun. Mit dem schlechten Brauch können sie selbstverständlich nicht aufräumen; aber sie könnten die ehrlich ringenden künstlerischen Arbeiter, die nichts verbrochen haben, als daß sie unbekannt sind, aus dem Dunkel des ChorS Heransziehen. Sie könnten eine Zufluchtsstätte des schauspielerischen Talents werden und kämen dabei smäßiges Honorar) nicht nur auf ihre Kosten, sondern würden sich überdies noch tausendfältigen Dank verdienen. Jedesmal, ivenn man eine Schauspielerin erfolgreich auftreten sieht, drängt sich diese Betrachtung von neuem auf und jedesmal muß sie unseres Erachtens mit Wärme zum Ausdruck kommen. — Herr Klein war als Mephisto allzu bewußt satanisch. DaS könnte einem Teufel gegenüber ja fast wie ein Kompliment klingen; aber der Teufel legt kein besonderes Gewicht darauf, als Teufel erkannt zu werden, Ivenn er unter Menschen geht. Der Goethesche Teufel bestätigt das zu allem tleberfluß noch mit eigenen Worten. Im übrigen spielte Klein natürlich wie ein Schauspieler, der seiner Sache sicher ist. Dein Faust des Herrn Monnard fehlte der feste Halt. Die Rolle beherrschte ihn, nicht er die Rolle.— E. S. Schauspielhaus:„Ewige Liebe". Schauspiel in drei Aufzügen von Hermann Faber. Der Besuch einer der- artigen Nichtigkeit gehört jj« den Dingen, die dem kritischen Beruf einen melancholischen Anstrich geben. Im Mittelpunkt steht ein Gymnasiallehrer, der in seinen freien Stunden auch Gedichte macht. Wir-rfahren von diesen Gedichten— das gehört zu den Vorzügen des Stücks— nicht viel. Vom Dichter aber erfahren wir immerhin genug, um zu der Hoffnung berechtigt zu sein, daß seine Erzeugnisse von den schnöden Redactenren der' Wirklichkeit zurückgewiesen worden wären. Man kann mit wenig Temperament ein braver Gymnasiallehrer sein; mit gar keinem Temperament aber kann man selbst beim besten Willen nicht brauchbare Gedichte schreiben. Der Herr Gymnasiallehrer hat aber kein Temperament, und das ist auch für uns schmerzlich, denn auf seiner Temperamentlosigkeit beruht daS Stück. Als Student hat er sich mit einer Dame verlobt, die er nicht mehr liebt. Das ist ein menschliches Schicksal, das Teilnahme wecken kann. Leider aber schwindet daS schöne Gefühl sofort, ivenn man die Neigung betrachtet, mit der der Held angen- blicklich eine Geigcnkünstlc'rin beglückt. Er liebt sie— und er liebt sie doch wieder nicht. Obwohl er selbst Gedichte macht, kann er nicht einschen, daß einer Künstlerin die Kunst über den Haushalt geht und auch gehen muß. Er steht zwischen zwei Frauen, aber weder sagt er entschieden„ja", noch entschieden „nein". Wir legen das wehmütige Geständnis ab. daß er an diesem Punkt der Handlung unsere Teilnahme völlig verscherzt hatte. Für ihn mag es tröstlich sein, daß sich schließlich doch noch eine Aussicht auf Versöhnung nnt der ersten Braut eröffnet. Für uns ist es nur eine triste Bestätigung der tristen Thatsache, daß Kompromißnaturen sich aus jedem Handel mit einem Kompromiß herausziehen.— E. 3. Kunst. ar. D i e erste Ausstellung der Berliner Secession ist mn Sonntagabend geschlossen worden. Sie übte ihre Anziehung noch bis zum Sude; am letzten Tagen besuchten sie nicht iwniige'r als 2500 Personen. Die Ausstellung war überhaupt von gutem Erfolge begleitet. Während der 130 Tage ihres Bestehens ivnrde sie im ganzen von rund 70000 Personen besucht. Von den 33S ausgestellten Werken waren nur 230 verkäuflich. Davon ist nahezu der dritte Theil in Privatbesitz übergegangen. Die 70 ver- kauften Arbeite» stellen einen Gesamtwert von rund 150000 M. dar. Es scheint sicher, daß auch im n ä ch st e n Jahre eine Kunstausstellung der Berliner Secession veran- staltet tverden wird; hingegen ist es noist imbestimmt, welchen Charakter sie erhalte»»vird.' Die erste Ausstellung tvcir bekanntlich auf die nationale Kunst beschränkt.— Völkerkunde. glc.„Blond" und„Brünett" bei den Chinesen und A n a m i t e n. Daß sich in der gelben blasse zwei verschiedene Typen finden, die etiva unsere» Blonden und Brünetten entsprechen, ist eine neue Entdeckung von großem ethiwgraphischen Jntereffe. Diese Behauptmig»vird von Paul d'Enjoh in einem Aufsatz der »Lovus scientiüguö" aus Grund seiner persönlichen Beobachtungen unter mongolischeil Völkern, hauptsächlich den Anamiten, vertreten. Zu feincrillebcrraschnng hörte er von eingeborenen Auamiten, die er dariiber befragte, diese Beobachtung bestätigen. Sic erklären, daß, nach der Tradition und einer allgemein bei ihnen anerkannten Theorie, die mongolische Raste zwei deutlich von einander unterschiedene Typen umfasse. Es sind die„Muoi-son" und die„Miwi-chi". wie sie in anamitischer Sprache genannt»verdcn. Die»vörtliche llebersetzung dieser Ausdrücke lautet: die„Korallen-Lst'pcn" und die„Blei- Lippen". Es ist aber»vichtig, daß diese beiden Menschentyen in gleicher Weise die Kemizeicheu der mongolischen Russe an sich tragen. Sie haben daS breite Gesicht, dessen Hauptparrie» hervorragen. Ihre Augen sind braun»md stehen regelmäßig eng zusammen; ihre Augenbrauen sind fast gerade, und ihre Backcnkuochcu sind hervor- stehend, lvaS ihrem Geficht das charakteristische Gepräge der mou- gotischen Raste giebt. Alle habe» dichte schwarze Haare, starke Lippen und einen helle» Bort. Aber»vührend die eiuen massive, fleischige und schivarzbrauue Lippen, einen Elfcubeinteint, der»vie der eines Bleich- fichtigen aussieht, und eine kmze große Rase mit flacher Wurzel und mächtigen Rasenflugcbi haben, besitzen die anderen eiuen hellereu Teint, durch den das Blut hindurchschimmert, eine kleinere Rase uud endlich sehr schon gctvölbte Lippen, deren Haut in eiuen» lebhaften Rot gefärbt scheint. Diese verschiedenen Merlmale kommen nun nicht nur vereinzelt vor. sondern die beiden Typen find annähernd gleich stark vertreten. Höchstens scheinen die Anamiten mit schwarzen Lippen etwaS zahlreicher, als die Anainiten mit roten Lippen. Die letzteren gehören gelvöhulich den Patrizierfamilien an. Sie gelten als intelli- genter, befähigter uud bilden zum großen Teil die Klaste der Man- darinen.„Ich bin ein Ma»rn mit roten Lippen", erklärte mit demonstrativem Stolz ein Ana»,ite. der von Paul d'Eujoy befragt wurde. Ebenso finden sich diese Leute in der großen Industrie, Handel und allen Berufen, die Initiative und geistige Arbeit verlangen. Dieselben UlUcrschiede befinden sich bei allen mougolischen Kölker»!, so bei den noch»venig bekaimten Bewohnern der chinesischen Inseln des Qceaus. Ebenso fiildet man»mter den reinen Chinesen, den Chinesen deS Festlandes, den blonden>u»d brünette» Typus, und auch die Japaner machet» keine Ansnahine von dieser Regest Es läge»»ahe, den helleren ThpnS»nit roten Lippen auf eine Ver- Mischung der gelben mtt der weißen Rasse zirrückznsnhren. Aber eininal ist diese Mischimg sehr selten und unfruchtbar, und dann trägt gerade dieser Typus am deutlichste» den mongolischen Charakter. Wahrscheinlich ist vielmehr, daß die Mongolen mit roten Lippen die echten Mongolen verkörpern, während der andere dunklere Typus vielleicht in die'malaiische Gruppe gehört. Dafür würde die historische Thatfache sprechen, daß die Malaien in» 12. Jahrhundert die indo-chinefische Halbinsel in Besitz nahmen, von wo sie erst einige Jahrhiuidate später durch die Snannten verdrängt wurden.— Meteorologisches. '— E l e k t r i s ch'e Leitungen und die Gewitter. Ilm fir die Entschcidmig der wichtigen Frage, welchen Einfluß die Telegraphen- und Ferusprechan lagen ans den Verlauf der Gewitter ausüben, iveitern Stoff zn gelviiliieil und namentlich um festzustellen, ob die yieldrähtigen Linienzüge der Feinsprechnetze in de» größeren Städte» sich als geeignet erlveifen, den Gcbänlichkeitc» einen»oirl- samen Schutz gegen Blitzgesahr zu bieten, sollen in Zukunft vom Meteorologischen J»»stitnt i» Berlin»nid von der dentschcn Reichs- postverivaltnng geuiemsome Beobachtungen angestellt werde». Zn diesem Zirwcke hat man ans den verschiedenste» Gegenden Deutschlands 28 Orte a»isgewählt. in denen beide Behörde» gemeinsam den Gewirtcr-Erscheinimgen und besmiderS den Blitzschläge» erhöhte Aufmcrksoiukeit zuwenden solle»». Die Orte find in der Weise ansgeiliählt worden, daß je zivci— ein joaenaunteb Seoblnbtimgspaar— in klimatischer Beziehung eine möglichst große Uebereinstünnnmg ouswesien,»vührend sie sich andererseits durch die Dichtigkeit de» voihaiideiieii Drahtleitnngsnetzcs betrückittich unter- »tzeraiinvortlicher Redacieur: Robert Schmidt in Bi 2— scheiden. Die Beobachter sollen alle durch Blitz fvirlungen ver- ursachten Zerstörungen sorgsam untersuchen und neben der Prüfung aller sonstigen in Betracht kommenden Umstände ihr Augenmerk auch daraus richten, ob und welche Wirkungen etwa in der Nähe befindlichen Telegraphen- und Fernsprechanlagen zuzuschreiben find. Nach längerer Zeit glaubt man durch die Gegenüberstellung der Bcobachtuiigsergebnisse der jeweils zu demselben Paar besti»nmten Orte den Beiveis für die blitzableitende Wirkung der Telegraph«»- und Fernsprechleitungen erbringen zu lvniieu.— Humoristisches. — Sein Volk. Serenissimus sam Morgen seines Geburtstages):«Ich werde ans den Balkon hmaustreten, um mich dein Volke zu zeigen. Seh' Er einmal nach, ob mein Volk ver- sanunclt ist," Kammerdiener:„Jaivohl, Hoheit, zu dicuen, e r steht schon vor dem Schloß."— — Lakonisch. Hein:„Wo gehst hin?" Hin neck:„Koofmann," Hein:„Wat willst vor?* H i n n e ck:„Tabak." Hein:„Schnupf?" H i n n e ck:„Nee." Hein:„Rauch?" H i ii n e ck:„Nee," Hein:„Herr GottSdnmicr—" H i n n e ck:„Kau!'— — Der R a d f e x.s«Ja,»vir sind den ganzen Weg zu Fnß gegangen." Radfex:«Zn Fitßl Wie habt Ihr denn das gemacht?"— („Lust. Bst") Notizen. — Ludwig Büchner hat noch kurz vor seinem Tode eine Reihe von Abhaiidlnngen vollendet, die unter den» Titel„Im D i c n st e d er Wahrheit" demnächst im Verlag von Emil Roth in Gießen erscheinen»verde».— — Paul Umlauft Hot eine koniische Oper ii» drei Aufzügen «Betrogene Betrüger" komponiert.— — Im München er Schanspielhause hatte Hermann Fabers„Eiv ige Liebe" keinen Erfolg,— — Wie die„Nene Badische Landcs-Zcituug" ans Karlsnihe meldet, hat das Ministerium für Justiz, Kultus und Unterricht gegen- über einer B e s ck» lv e r d e des Erzbisch ofs von Freiburg ve»'- fügt, daß der Ausführung von Halbes„Jugend" m den b a d i s ch e>» Annpan stalten nichts im Wege steht,— — Eine nachträgliche Goethe-Feier soll im Wiener Bilrgtheater veranstaltet werden. Nach der„N. Fr, Pr," findet eine Gedenkfeier statt,»vclche durch einen Prolog Hugo v. Hosinaims- thalS eingeleitet wird. Dam» folgt das einaktige Schmispicl«Die ©eschivister", hieraus das Schäferspiel i» Verse»„Die Launen deS Verliebten". Zum Schlüsse»vird Kaiuz eine Reihe Goclhcscher Gedichte vortrage»».— o. Wie's„gemacht"»vird, zeigt wieder folgender Vorfall, der ans Brüssel gemeldet»vird. Eine junge Pariser Künstlerin sollte in der dorligcn Oper als Gast auftreten, die Borstellimg mußte aber ver- schoben Iverdcu. Trotzdem brachten ein Dutzend Pariser Blätter vom folgenden Toge— e n t h n s i a st i s ch e mid ausführliche Berichte über ihren„T r i n n» p h", über die„großartigen O v a t ijo n e n" usw. I Die Dame halte vergessen, die v o r b e st e l l t e Arbeit rechtzeitig abzubestellen,— t. Eine große Halle für öffentliche Vorlesungen wird am 1, November d. I. au dem amerikmiischcii Museum für Naturwissenschaft in Washington eröffnet»verde»». Der Saal»vird Raun» für eine Zuhörcrsckiast von 1700 Menschen bieten.— — Das von einer russischen Expedition„eindeckte" G e- b i r g e in Stid-Abessynien»var,»vie der„Boss. Ztg." ge- schrieben wird, der Wissenschaft durchaus nicht mehr so unbekannt; den» wir treffen dort,»uestlich des mittleren Onw, auf die Rontei» Antoine d'Abbadieö ans den vierziger, EeechiS und Ehiarinis sowie Borellis aus den achtziger Jahren, ganz abgesehen von den Reise- wegen Botteao-- ans neuester Zeit(t8v0>, und ein Blick ans eine bessere Ueberfichtskar-te lehrt, daß angcsichts dieser Forschungen für eine mehrere hundert Werst lange Bergkette, die nnbekaimt geblieben sein könnte, dort kein Platz»st.— — Genen den Pips der Hühner. Ohne die Zungen- haut abzureißen und die Zmige zu verstümmeln, läßt sich,»vie der „Praktische Wegtveiser", Würzbnrg, mitteilt, der Pips ohne große Mühe heile», und das Thier auch vor schwerer Entzündung bewahren, mdrm man dos kraute Huhn beim ersten Gelvahren seines Leidens au einem trockenen, hellen Ort einsperrt, ihm nur»veichcs und nahr» Haftes Futter giebt(Milch und Brod), die Rachenhöhle täglich zlvei- mal mit Citroncnsäure oder Essigwastcr ausspült»md zur Kühlung etwas Fett(Buiter, Speck, Schmalz) eingicbt. Nach zivci bis drei Tagen lvird das Hohn nnmter sein»md legeir.— :kin. Druck mit» Vertag von Btax Naving m Berlin.