Mterhaltungsbl Nr. 191. Freitag, den «Nachdruck verboten.) � Fofopsz Eoneiz. Roman von John Law. Aus dem Englischen von I. Cassicrer. lSchlusj.) Das Eichkähchen glaubte, das? es im Wasser singe. Sic sprang hinauf und sah zu dem Gesicht der Sphhnx empor. Die Latente schien gerade darauf. Aber in ihrem unergriind- lichen Lachen konnte sie keinen Trost finden. Sie schlich sich zn dem steinerneil Postament, dicht an der Brustwehr. Mit dem einzigen Schrei„Ach Jos!" sprang das Eichkätzchen in den Strom. Ein Kampf, ein vergeblicher Versuch, sich an der schlammigen Wand des Einbankments festzuhalten, ein unterdrückter Seufzer. Dann nahm sie die Themse in ihre starken Anne, und sie war jetzt nicht mehr«einsam und ver- lassen". XXl. Den nächsten Morgen erwachte Jos in der Sägegrubc. Er konnte sich zuerst gar nicht entsinnen, wo er war, denn der Wind blies durch die Zweige über feinem Kopfe und trieb die abgefallenen Blätter gegen die Wände der Grube. Es war ein recht trüber Novenchertag und kein einziger Sonnenstrahl durchbrach die schweren, grauen Wolken. Jos versuchte aufzustehen, aber seine steif gefrorenen Glieder gaben immer wieder nach, und er fiel auf den Blaücrhaufcn zurück, nuter dem er geschlafeil hatte. Auf dem Kirchturm schlug es acht, und auch auf dem Glltshofe läutete es zum Frühstück. In der nächsten halben Stunde wurde die Stille durch nichts miterbrochen: aber dann hörte Jos Rädergerassel, nnd indem er sich auf feine Anne stützte, konnte er einen leichten Wagen rasch die Anhöhe hinunter fahren sehen. Zwei junge Leute, die wohl zu Markte fahren mochten, saßen darinneu und sangen. Endlich glückte es ihm, ans die Beine zn kommeil nnd er ging zn drin Fusi der Anhöhe. Von hier ans konnte er das Dorf liegen sehen. «Wenn es dunkel geworden sein wird", sagte er sich,„will ich auf den Kirchhof gehen. Daiin will ich weiter wandern. vielleicht wieder nach London ziirück." Er suchte dann nach einem Bauilie, in den er in fnihereu Jähren eintual seinen Rameil Joseph Eoney geschnitten hatte. Lauge Zeit konnte er ihn nicht finden, aber schließlich entdeckte er ihn doch auf der Rinde eines alten Stammes. Enics Souutagsvormittags auf dem Heimweg von der Kirche hatte er den Namen dort eingeschnitten und dabei init seiner Mutter von all' dem gesprochen, was er einst thnn werde, wenn er erst ein Mann sei und sich sein eigenes Brot verdienen könuc. Tie„alleinstehende" Frau hatte damals wohl nicht geahnt, Ivie es einst mit ihm kommen würde. Fünf oder sechs Jahre, bevor er nach London ging, war sie au Liliigenetltzündnilg gestorben. Er gedachte des Tages, an dein man ihren Sarg die alte Treppe hinunter trug. Die Nachbaren waren zn ihm gekommen, um ihn zii trösten, aber ihre Stimmen verhallten und er fühlte �ich tief unglücklich. In der Kirche hatte er wie geistesabwesend dagestanden nnd ein Schaudern war durch seinen Körper, von Kopf zn Fnsi, gegangen, als der Toten- gröber Erde auf den Sarg warf, lieber die Gröber ivar er gestolpert, und während noch die Glocken läuteten, war er nach Hause gegangen, und in seiner Wohnung war es so leer gewesen. Jos kehrte wieder in seine Sägegrube zurück, denn der Wald gehörte zn einem benachbarten Dorf und er Ivollte sich nicht von den Bewohnern seines Dorfes blicken lassen. Halb schlafend, halb ivachend, fast ohne Bewußtsein, lag er hier unter den Blättern. Einmal sah er auf, denn er hörte in seiner Nähe das Hornsignal eines Ingers, und er wußte, daß, wenn dessen Hunde einen Landstreicher witterten, sie ihn zn Tode hetzten. So hätten sie einmal beinahe eine alte Frau zerrissen, die in der Nähe der Sägegrube Holz gelesen hatte. Aber die Hunde zogen weiter, die Rasen dicht an der Erde; und es dauerte gar nicht lange, so hörte er den Jäger rus weiter Eutfernmig, aus den« nächsten Thal blasen. Er ivar zn schivach, um das Bedürfnis nach Nahrung zu empfinden, nur schlafen wollte er. In einem halb bewußtlosen Zustande ät des Horwärts 29. September. 1899 lag er da. und er«wachte nur daraus, wenn ein heftiger Schmerz ihn zum Husten zwang. Der Wind fuhr durch seinen alten Rock und seine zerfetzten Beinkleider, und er würde wohl gefroren haben, wenn er nicht so schläfrig gewesen wäre. Das Trinken hatte ihm eine scheinbare Kraft gegeben, die aberjetzt, >vo er keinen Schnaps mehr zn sich nehmen konnte, rasch wieder verflog. Aber auch das sonst so starke Verlangen nach Schnaps ivar vollständig geschwunden. Der Nachmittag nahte heran, und noch immer lag Jos in seiner Grube, in abgefallenen Blättern halb vergraben, das Gesicht nach unten gewandt. Hätte von den Dorsbeivohnerii jemand ihn so ivie einen Hund oder ein Stück Holz liegen sehen, so hätten sie wohl kaum in ihm Joseph Eonev, den jungen Zimmermann, erkannt, der vor einem Jahre so hoffnungsfrendig nach London gewandert war. Endlich wurde es sieben Uhr und stockdunkel. Er stand jetzt auf nnd ging auf die Kirche zu. Während des ganzen WegeS hielt er sich dicht an den Hecken und mir ganz langsam konnte er vorwärts kommen. Ab nnd zu blieb er stehen, um nach den erleuchteten Fenstern im Dorfe zu sehen. Einmal sagte er laut vor sich hin:„Ich hätte auch ganz gern einmal den Platz besucht, auf dein ich früher ge- arbeitet habe. Aber er fürchtete sich, zu nahe an die Häuser heranzugehen. Er nahm daher seinen Weg über ein Feld, das sich bis zur Kirche efttreckte, und verbarg sich dort in einem angrenzenden Gebüsch. Durch ein Fenster des südlichen Seitenschiffes der Kirche strömte Licht heraus und erhellte gerade den Stein auf dein Grade seiner Mutter. Seine» Blick nach der Kirche wendend konnte er sehen, wie sich auf dcnl Orgelchor Gestalten hin und her bewegten, und auch singen hörte er. Es wurde eine Ncbnng des Chores abge- halten. Seine Mutter lag unter einer alten Föhre, nicht weit von dem Begräbnisplatz der Kinder, jener kleinen Dinger, für die er so manchen Sarg gemacht hatte. Jede Familie hatte ihren eigenen Platz, der eingefriedet und mit Blumen bepflanzt ivar; aber für die Kinder, die durch ihre Schulkameraden zu Grabe getragen wurden, war ein besonderer Platz frei gelassen. Die Lichter wurden ausgelöscht und die Sänger gingen nach Hanse. Nachdem das Kirchhofsthor geschlossen, und die Fußtritte verhallt waren, wagte er es. aus seinem Versteck hervorzukommen. Er tastete sich nach dem Grabstein, auf dem geschrieben stand,„Still und gerettet". Hier legte er sich hin. Erst streckte er einen Arm ans, dann ein Bein, so wie es die Leute auf dem Rasen in Londoner Parks thun, die Leute. „für deren Dienste man keine Verivendung hat": den Kopf legte er auf den Hügel, unter dem seine Mutter ruhte. Im Dickicht schrien die Eulen und im Dorfe bellten die Hunde, es ivar aber doch viel ruhiger, als in London. Der Wind hatte sich gelegt. Es war Jos auf einmal, als ob er Musik hörte, einen feierlichen Gesang, der aus dem Boden aufzusteigen und in der Luft ein Echo zu finden schien. Solche Musik hatte er noch nie gehört, selbst nicht in der St. Pauls Kathedrale, die er oft, als er„außer Arbeit" ivar, besucht hatte und in der er unter den traurigen Reihen jener Leute,„deren Dienste man nicht brauchte", saß. Unter den Tönen der Musik schlief er ein. Als er wieder nufivachte. ivar es schon Mitternacht geworden. Nur mit Mühe vermochte er, auszustehen. Eine eisige Hand schien ihm die Kehle zuzuschnüren, und nur schwer konnte er Atem holen. Er fiel ans den Grabstein und von da auf den Rasen zurück. Kalter Schweiß trat auf seine Stirn und seine Glieder wurden starr. Wie in einem Spiegel sah er sein ganzes früheres Leben vor sich, und in der Zeit eines einzigen Augenblickes kam jedes Wort, das er gesprochen, jede Handlung, die er begangen, jeder Gedanke, den er gefaßt, in se�cn Geist zurück. Dann verschwand diese Erscheinung wieder. Wie ein Leichengcwand hüllte kalter Schweiß seinen Körper ein, und die eisige Hand preßte seine Kehle so fest zu- stimme», daß er zu röcheln begann. Da wußte Josef Coney, daß seine letzte Sstlnde ge- kommen ivar. »* Um acht Uhr des nächsten Morgens schlug die Glocke auf dem Kirchturm zwauzigmal an und hielt dann innc. Dann begann sie von neuem: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, und die Dorfbewohner wußten somit, daß der Mann oder die Frau, die gestorben war, das Alter von sechsund- zwanzig Jahren erreicht hatte. Der neue Pfarrer war gerade mit dem Füttern seiner Hühner beschäftigt, als die Glocke zu läuten anfing. Er stellte den Futterkorb nieder und lauschte so aufmerksam, daß er gar nicht merkte, wie die Hühner über das Futter her fielen. „Wer mag wohl gestorben sein?" fragte er sich. Er ging an den Turm, an welchem der alte Totengräber das Seil zur Glocke mit einem Fuße bediente und dabei gleichzeitig sein Frühstück verzehrte. „Was ist es?" fragte er. „Ein junger Mann, Herr Pfarrer, der vor einem Jahre nach London ging. Seine Mutter war eine alleinstehende Frau und sein Vater ist am Suff gestorben. Wir haben ihn heute morgen auf dem Grabe seiner Mutter tot auf- gefunden." „Wo liegt die Leiche?" „Wir haben sie einstweilen auf den Altar gelegt und in der Wcrkstätte, in der er früher gearbeitet hat, einen Sarg bestellt." Der Pfarrer trat in die Kirche; er schritt durch das Gitter, das den Altar umfriedete und hob das Tuch, mit dem die Leiche zugedeckt war. Mit geschloffenen Augen, die Hände auf der Brust ge- faltet und das Gesicht mit einem friedlichen Lächeln verklart, lag Joseph Coney da. „Armer Kerl I" sprach der Pfarrer vor sich und fuhr nach einer kleinen Pause fort:„Wie glücklich er aussieht!" Später legte man die Leiche in den Sarg und brachte sie nach den„Beiden Fasanen", wo die Sektion stattfinden sollte. Der Doktor gab nach derselben sein Gutachten dahin ab, daß der Tod infolge Entkräftung erfolgt sei, denn der Körper habe nur noch aus Haut und Knochen bestanden und nicht mehr ein bischen Fleisch sei an demselben vorhanden gewesen. Die Jury stimmte jed..h dieser Meinung nicht zu, weil man in der Westentasche noch einen Penny gefunden hatte. Es war dies das Geld, um welches Josef Coney das «Eichkätzchen" gebeten hatte, als sie von der Polizeiwache kommend am Schnapsladen vorbei gingen.— ;(Nachdruck verboten). M r v z V n. Bis zu Anfang unseres Jahrhunderts fanden zur Kerzen- fabrikation, die bis dahin eine ganz primitive ivar, nur Talg und Wachs Verwendung. Erst durch Einführung von Kunstprodukten, Walrat, Stearin, Erdwachs(Ceresin) und Paraffin, nahm die Technik einen bedeutsamen Auffchwung. Es werden seitdem an derartige Erzeugnisse die mannigfachsten Anforderungen gestellt, die eine sehr sorgfältige Behandlung des zur Verwendung kommenden Materials bedingen. Gute Kerzen sollen möglichst hell und sparsam brennen, weder knistern noch flackern, keinen Rauch oder üble Gerüche er- zeugen, weder zu fettig noch trockcn-bröcklig sein, endlich auch eine schöne, ebenmäßige Form und klare Färbung aufweisen. Eine wesentliche Verbesserung der Talg'kerzen wurde allerdings schon im vorigen Jahrhundert dadurch erzielt, daß man das Olein von den schwerer schmelzbaren Fetten trennte, und dann nur diese zu Kerzen verarbeitete; das Olein fand dann in Seifensiedereien Ver- Wendung. Derartig hergestellte Produkte sind wesentlich besser als die früher gebräuchlichen Talglichte, vermögen aber mit Kerzen aus Stearinsäure in keiner Hinsicht zu konkurrieren. Die Stearinsäure bildet neben Palmitin einen Hanptbestand- teil des Talgs, und wird aus letztcrem ausfolgende Weise gewonnen: Zunächst wird das ausgeschmolzene Fett zum Abscheiden des Glhcerins in großen Holzbassins mit bleiernem Gefäßeinsatz„ver- seift". Es geschieht dies, indem man den Talg durch überhitzten Dampf, der in den zwischen Holzkufe und Blecheinsatz verbleibenden Hohlraum eintritt, zum Schmelzen bringt und ihm in Wasser ein- gerührten Kalk(ca. 5 Proz.) zusetzt. Unter beständigem Umrühren des Bassininhalts scheidet sich die Kallseife von dem Glycerin, welches im Wasser gelöst bleibt. Hierauf wird die gewonnene Seife mit heißer, stark verdünnter Schwefelsäure zerfetzt, um die Fettsäuren abzuscheiden. Die Schwefelsäure bildet mit dem Kall Gips, und sinkt als unlöslicher Bestandteil auf den Gefäßbodeii, während h*e geschmolzenen Fettsäuren oben auf der Flüssigkeit schwimmen und von dieser abgeschöpft werden können. Sie gelangen nun in Wasch- gefäße, in denen sie durch Spülen mit reinem Wasser von der etwa noch vorhandenen Schwefelsäure befreit werden, um sodann durch Heber in kastenförmige Gefäße zu gelangen, deren Form sie beim Erstarren annehmen. Man erhält auf diese Weise ein Gemenge von fester Stearin- und flüssiger Oleinsäure, welche man unter Anwendung von starkem Druck mittels hydraulischer Pressen von einander trennt. Das zurückbleibende feste Produkt bildet dann hinlänglich gereinigte Stearinsäure zur Kerzenfabrikation, während die Oleinsäure in der Seifeufabrikation Verwendung findet. Bei Perwertung von Talgsorten geringerer Qualität, inbesondere unreiner fettiger Abgänge, Küchenreste und dcrgl. pflegt man die festen Fettkörper nicht mit Kalk zu verseifen, sondern sogleich mit starker Schwefelsäure zu zersetzen und die geivonnenen Fettsäuren entweder direkt zur Kerzenfabrikation zu verwenden, oder sie zuvor einer Destillation mit gespannten Wasserdämpfeu zu unterwerfen. Häufig wird die auf die eine oder andere Weise erzeugte Stearin- säure, welche übrigens niemals im reinen Zustande, sondern stets mit Palmitinsäure versetzt gewonnen wird, mit einer gewissen Menge von Paraffin zusammengeschmolzen, da sie audenifalls krhstallinisch und brüchig ivird. Derartige Kerzen werden unter ändert» als Apollo- oder Melanykerzen bezeichnet. Das Paraffin, ein in neuerer Zeit fiir die Kerzenfabrikation hochwichtiges Produkt, wird durch trockene Destillation von Holz, Torf, Braunkohle usw. gelvonnen. Ein dem Paraffin hinsichllich der chemischen Beschaffenheit ähnliches Produtt ist das Ceresin, welches aus dem in Galizien vorkommenden Ozokcrit oder Erdwachs gewonnen wird. Dagegen gehört der Walrat, ein zur Fabrikation von Luxnskerzen häufig verwendeter Stoff zu den thicrischcn Fetten und ist Haupt- sächlich durch seinen Gehalt an Palmitinsäure für diese Technik geeignet. Von großer Wichtigkeit für die Herstellung guter Kerzen ist die Beschaffenheit des Dochtes, welcher der Flamme vermöge seiner Kapillarität den flüssigen Brennstoff zuzuführen hat. Er darf weder zu schnell verzehrt werden, da bann der rasch schmelzende Kerzenstoff herabläust, noch zu langsam verbrennen, da in diesem Falle der Flamme nicht genügend Fette zugeführt iverden. Es soll ferner möglichst wenig verkohlter Docht zurückbleiben, da dieser die Leuchtkraft der Flamme bedeutend beeinträchtigt und ein häufiges„Putzen" der Kerze verlangt. Man verwendet aus diesem Grunde zur Herstellung der Dochte' niemals Wolle oder Seide, sondern Baumwolle, bisweilen aber auch Leinen- gani, Binsenmark und dergl. Man hat es nun in der Hand, durch Verarbeitung von Dochten mit parallel liegenden, gedrehten und ge- flochtenen Faden von erforderlicher Qualität und Stärke die Ver- brennung nach Wunsch zu regeln. Für Stearinkerzen pflegt man z. B. die Dochte aus drei Fäden zu flechten, deren Enden sich ivährend der Verbrennung auflösen, umbiegen und sich in dem heißen Mantel der Flamme schnell oerzehren. Im übrigen erreicht mau durch Imprägnierung der Dochte mit geeigneten Stoffen eine vollständigere Verbrennung, so daß nur ganz geringe Aschenreste zurückbleiben. Unter anderem findet häufig eine Lösung von 60 Gramm Borax, 30 Gramm Chlor- kalinm, 30 Gramm salpctersaureni Kali und 30 Gramm Salmiak in 3,6 Liter Wasser Verwendung. Nach einem Vorschlage PaycnS pflegt man den Docht auch mit einer schivachen Borsäurelösung zu tränken; dieselbe schmilzt mit der Dochtasckie zu einer kleinen Perle zusammen. deren Gewicht das Niederbiegen der Fäden bezw. die schnelle und vollständige Verbrennung derselben bei Berührung mit dem Sauer- stoff der Lust bewirkt. Das Formen der Kerzen kann nach zwei verschiedenen Methoden, durch„Ziehen" oder„Gießen" erfolgen, und zwar kommt das „Ziehen", ein sehr altes Verfahren, heute nur noch bei der Talg- und Wachskerzenfabrikation zur Anivendung, während Walrat-, Stearin-, Paraffin- und Cercsinkerzcn jetzt stets durch Gießen erzeugt werden. Beim„Ziehen" werden die baumwollenen Dochte, welche die doppelte Länge der Kerzen erhalten, mit ihren Enden zusammen« gelegt und die so entstehenden Doppelfädcn in angemessenen Ent- fcrnuugen auf einen Stab, den sogenannten„Lichtspicß", gehängt, in die flüssige Fettmasse getaucht und nach Dnrchträuknng herausgezogen und mit den Fingern glattgestrichen. Nach erfolgter Erhärtung werden die so gewonnenen Stäbchen wiederholt in eine etwas kältere dickflüssige Masse getaucht und mit der Hand nachgeformt und geglättet, bis sie die gewünschte Stärke erhalten. Um die Arbeit schneller fördern zu können, bedient man sich häufig an Stelle des Lichtspießcs eines über dem Talggefüß horizontal angeordneten und vermittels einer Zugvorrichtung auf- und abwärts beweglichen Rades, an welchem die Dochte aufgehängt werden. Unter dein Gefäß liegt ein regulierbarer Heizapparat zum Schmelzen der Masse; letztere darf jedoch' nie zu heiß werden, da andernfalls die bis zn einem gewissen Grade erhärteten Kerzen beim Wiedereintauchen aufs neue schmelzen würden. Das„Gießen" erfolgt unter Vcrlvendung von röhrenartigen Formen aus Zinn oder Glas, ivelche sich an einem Ende trichter- förmig erweitern, an dem andern in eine konische und mit einer kleinen Oeffuung versehenen Spitze auslaufen. Diese Formen werden in einem entsprechend durchlochtcn Gießtisch derartig befestigt, daß die konische Endung, welche der Lichtspitze entspricht, nach unten gekehrt ist, und der trichterförmige Ansatz auf der Tischplatte ruht. Der Docht wird durch die untere feine Oeffuung eingezogen und am oberen Ende durch einen am Trichter befestigten Drahthaken oder einem ösenfönnigen Blechansatz, dem sogenannten„Dopsen", in centraler Lage fest- gehalten. Nur bei völlig korrekter Anordnung des Dochtes' in der Kerzenachse ist eine gleichmäßige Flamme und ein sparsamer Ver« brauch des Brennstoffes zu erzielen. Man Pflegt vor Erstarren der Masse die Dochte am unteren Ende noch fester umzuziehen, um etwaige durch das Eingießen des breiartigen Stoffes bewirkte Krümmungen der Fäden zu beseitigen und sie in die axiale Lage zurückzubringen. Da das Eingießen der Fettsäure in die einzelnen Fmnien z» viel Zeit in Anspruch nehmen wurde, läßt mau die Masse direkt aus dein Schmelzkessel frei über den mit Metall bekleideten und mit metallenen Randleisten versehene» Gießtisch laufen, bis alle Formen vollständig gefüllt sind. Das Lösen der Kerzen ans den n» der Innenfläche ganz glatt bearbeiteten Formen erfolgt nach hinreichender Abkühlung der Gnßmasse ohne Schlvierigkcit. In großen Fabriken geschieht das Gießen der Kerzen jetzt aus- schließlich unter Anwendung von Maschinen, von denen einige sehr sinnreich konstruiert sind. Eine solche von Cahonet n. Moräne her- gestellte Maschine enthält z. B. in ihrem untersten Teile soviel Dochtspulen, als Formen vorhanden sind. Zwischen diesen und dc» Dochtspnlen liegt eine entsprechende Anzahl von Metallröhrchen, welche dazu dienen, die Dochte de» Formen zuzuführen. Oberhalb des Formenkastens werden sie durch Vlcchschieiien in angemessener Lage festgehalten. Beim Gießen hat mau die Formen durch Wasserdanipf, welcher durch ein Rohr zugeleitet wird, vor- znwnrnien, dann die Stearinsäure einzufüllen und endlich durch Eiiiblnscn kalter Luft die Abkühlung zu bclvirken._ Die Auslösung der Kerzen erfolgt hierauf durch eine auf eisernen Trägern laufende Hebevorrichttmg, vermittelst deren beim Drehen einer Kurbel die obengenannten Blechschienen nnd die an diesen hängenden Kerzen emporgezogcn werden. Durch diese Bewegung wird gleichzeitig ein neues Stück Docht von der Spnle abgelvickelt und in die Formen eingeführt, so daß man das Gießen darauf ohne weiteres fortzusetzen vermag. Eine große Verbreitung fand ferner die Gießmaschine von R. Wiinschmami. Bei dieser Maschine liegen die Formen in cincin auf zivci gußeisernen Stütze» ruhenden Kasten, auf lvelchcm sich nn- mittelbar der Gießtrog aufsetzt. Unter dem Formenkasten liege», in einer gemeinsamen Eisenplatte befestigt, die Stempel lPistons) zum Ausstößen der Kerzen ans den Formen, während die Dochtspulcn in einem kastenartigen Behälter ain Fuße der Maschine eingelegt sind. Vor dem Beginn der Gußarbeit tverden die Dochte durch die zu diesem Zwecke durchbohrten Pistons, sodann durch die Formen und den Gießkasten hindnrchgeführt und in einer über letzterem angeordneten Klemmvorrichtung befestigt. Nach Einfüllen der flüssigen Kerzenmasse»nd Erstarren derselben fährt man mit einem scharfen Messer, das durch einen feinen Horizontal- schlitz eingeführt Ivird, auf dem Grunde des Gicßtrogs hin und trennt so den überschüssigen Docht am Fnßcndc der Kerzen ab. Hierauf ivindct man die Ausdriickvorrichtung, auf deren Bodenplatte die Pistons sitze», mittels Kurbel in die Höhe, wodurch die Kerzen anS den Formen gestoßen und von der oberen Klemnivorrichtnug aufgeiiommen werde». Hierbei wird der Docht weiter nachgezogen, so daß nach Niederschrauben der Pistons sofort ein neuer Guß be- ginnen kann. Die besseren Kerzen pflegt man nach Entfernung ans der Form noch einer iveiteren Bchandlnng zu nntcrlvcrfen, um ihnen ei» ge- fälligeres Aenßcre zu verleihen. Sie tverden zunächst untersucht, ob sie irgend welche Schönheitsfehler anftvciscn, und wenn dies der Fall ist, tviedcr eingeschmolzen. Die fehlerfreien Stücke tverden dann durch Luft und Licht gebleicht, durch feine Kreis- oder Bandsägen am unteren Ende gestutzt und schließlich poliert. Die Polierapparate weisen in der Regel folgende Einrichtung anf: Vor einem Kasten mit geneigtem Boden, tvelchcr die Kerzen nnfninnnt, bcivegt sich eine mit Rinne» versehene Walze; sie verschließt eine Oeffnnng am tiefsten Punkte dieses Behälters und nimmt bei ihrer Ilmdrehung in jede Rinne eine Kerze anf, um sie anf eine schiefe Ebene bezw. ein durch Walzen belvegtcs Tuch ohne Ende zu befördern. Diese Walzen sind derartig angeordnet, daß sie die Kerzen gleichzeitig gegen mehrere über den» Tnche rotierende glatte Stahl- und Stcinrollcn anpressen, tvobei die Flächen der Kerzen fein geglättet und poliert tverden. Durch das rollende Tuch tverden die Kerzen unter diesen Poliertvalzcn weiter fortgeführt»nid schließlich in einen Kasten befördert, anS dem sie dann direkt zur Verpackung entnommen tverden. Die vorstehend beschriebenen Verfahren sind für alle gcbränch- lichcn Matcrj flic» mit Ausnahme des Wachses anwendbar! letzteres verlangt eine wesentlich andere Behandlung, da es sich nur schiver von der Form ablöst und beim Gießen minder fest an den Docht anschließt, so daß im Innern der Kerze leicht Höhlungen entstehen. Man pflegt daher die Wachskerzen nicht in Formen zu erzeugen, sondern durch Begießen der zu diesem Zwecke über dem Schmelz- kesscl aufgehängten Dochte mit der flüssigen Masse. Haben die Kerzen anf diese Weise eine mäßige Stärke erlangt, so tverden sie aist einer Holztafel gerollt, dann aufs neue mit Wachs begossen und so fort, bis sie die gewünschte Form erhalten; schließlich werden sie noch anf einer Marmorplatte sorgfältig geglättet. Die Herstellung von Wachskerzen' kann auch noch nach einer zweite,» Methode erfolgen. Das Wachs ivird in warmem Wasser erweicht und zur Erziclnng einer gleichmäßigen Konsistenz durchgeknetet. Sobald es genügend bildsam geworden, tverden dünne Stäbchen geformt und in mehr oder minder kunstvoller Weise um den angespannten Docht hermiigeflochten. Roch einfacher ist die Herstellung der Wachsstöckc: Der Docht wird zunächst mit dünn- flüssigen» Wachs getränkt und dann durch de» Schinelzkesscl ge- zogen, ii» welchem sich Wachs von derartiger Konsistenz befindet, daß es gerade in gewünschter Menge an den» Docht hasten bleibt und beim Zutritt der Luft sofort bis z»» einem getvissen Grade erhärte». Das von Natur gelb gefärbte Wachs wird bor seiner Verwendung zur Kerzelifabrikatton gereinigt nnd gebleicht; und ztvnr geschiebt dies durch Znsatz von Alaun und Terpentinöl beim Schinelzen des Wachses, das nach dem Erkalten der Eintvirknng des Lichtes und der feuchten Lust überlassen Ivird.— _ Arnold R o h d e. Kleines Feuilleton. — N»iS der Handtverksbnrscheuzeit. De!„Franks. Zeitung* Ivird geschrieben: An» 29. Mai 1785 erließ die Fürstlich Octtiug- und Octting-Spiclbcrgischc Regierinig eine Wauderordnung, die fest- setzte, tvie lange Zeit jeder Handtverkcr auf der Wanderschaft sein nnd an welchen Orten er sein Gewerbe lernen»lüsse. Dieser Wanderordnung ist eine Tabelle beigegeben. die deswegen von besonderen» Interesse ist, weil sie zeigt, ivelche Gewerbe' damals in den einzelnen Städten vornehmlich in Ausehen standen. Von den letzteren marschiert Wien an der Spitze. Hier- hin können die Zimnierlentc nnd Schreiner, die Schlosser nnd Maurer, die Schuhmacher, Schneider. Messerschmiede, Sattler, Pcrrückenniacher, Büchsenniachcr, Glaser, Bäcker, die Kaminfeger, Bader. Hafner, sowie die Gold- nnd Silbcrarbeiter wandern'. An ziveiter Stelle steht das geivcrbihätigc Straßburg, an dritter Berlin. Die vierte Stelle nimmt Frankfurt ein. Hierhin muß seine Schritte lenken, wer sich in» Backen und Faßmachen weiterbilden will. Die Kan»>n-, Hut- und Knopsinacher, die Gärtner. sowie die Gold- und Silbcrarbeiter, die verschiedene» Schmiede, die Spengler und die Zimigießer dürfen hier ihren Wanderstab nieder- setzen' und sich in ihrem Gctverbe vervollkommiic». Auch wer die Behandlung der Weine lernen will, kann hier vieles profitieren. Auf Frankfurt folgen dann Nürnberg nnd Negensbnrg. I» einzelnen Ge- werben zeichne» sich a»is: Rothenburg nnd Weisenburg im Borden- wirken, Geißlingeu n»d Berchtesgaden in Drcchslerarbeiten, Pforzhenn in Gürtlerwaren, Kassel, Gölt'ingen, Brannschweig nnd Haniburg tvcgei» des„Wnrslmachcns nnd Eiupökclus": in Suhl blüht das Schlossergetverbe, in Mannheim die Schneiderei, in Neuwied die Schreinerei, in Hanau genießen die Zengtveber, in Biberach die Weißgcrber, in Erlangen die Säcklcr sLederarbeiter)«nd Strumpfwirker großes Ansehe». Auch über die Zeit des Wauden»? werden genanc Vorschriften gegeben! so nn'issen die Strninpfivirker nur zivei, die Leinctveber drei,' die Dreher, Buchbinder, Glaser. Gärtner. Müller ustv. vier Jahre auf die Wanderschaft gehen. Fünf Jahre sind für die Sattler, Perrückemnacher, Schlosser, Schmiede und Schreiner vorgeschriebe», sechs für Maurer und Zinnnerlente, Gerber, Färber, Bäcker nnd Büchsenmacher. Acht Jahre müssen die Leb- lüchler, Schneider und Schuhmacher wanden», und zehn allein die Metzger.— — Der Narr in der Familie. Der„Ostasiatische Lloyd" giebt folgende chinesische Fabel Ivicdcr: Eine reiche Chinesin hatte einen Narren zun» Sohn, für den sie eine Frau aus einer vornehmen Faniilie ausgesucht hatte. Als er den Eltern seiner Braut den ersten Besuch»lachen sollte, tvics ihn die Mutter an, tvie er sich be- nehmen und lvas er sagen sollte, denn sie ivünschte, daß man nicht sofort»nerkte, daß er schtvachsinuig sei. Sie überlegte daher, tvas für Fragen man ihm Ivohl vorlegen könnte, und gab ihn» an, tvas er darauf antlvorten sollte, um nicht allein den Fragenden zu befriedigen, soliden« auch zu verhindern, daß dieser weitere Fragen stelle. Da der junge Main» nun einen kostbaren Fächer trug, auf dem eine Landschaft gemalt tvar, meinte die Mutter, er könne gefragt werden, was für eine Gegend das Bild vorstelle; darauf sollte er dann sagen:„O. das ist frei crfnuden." Weil er iveiter ein sehr schönes Maultier ritt, meinte seine Mutter, jemand könne darüber einige anerkennende Worte verlieren und nach dem Preis des TicreS fragen. Sie tvies ihren Sohn deingemäß an, mit höflicher Be- scheidenheit zu erklären:„Das Bich ist ein ganz gewöhnliches Last- tier, das anf»uiserem Landgut groß gezogen ist,»nid nicht wert, daß Sie es beachten." Als mm der junge Mann vor den» Hause seiner Braut ankam, begrüßte ihn als erste seine zukünftige Schwiegennutter und er- kundigte sich nach dem Befinden seiner Mutter, ivoranf er er« widerte:„Das Vieh ist ein ganz gewöhnliches Lasttter, das auf unseren» La»dg»lt groß gezogen ist, nnd nicht tvcrt, daß Sie eS beachten." Außer sich fuhr die Schwiegermutter zurück; halb ohn- »nächtig rief sie nur ans:„Ich dachte, Sie stammten ans einer ordentlichen Faniilie." Der Narr besann sich, und da er meinte, er hätte die erste Antivort brauchen sollen, die ihin seine Mutter ein« getrichtert hatte, erwiderte er:„O. das ist frei erfunden."— Musik. Seit im letzten Frühjahr die nun ein Viertcljahrhundert alte Operette von Johann Strauß„Die Flederinaus" von unserem Openrthcatcr als eine Art Novität eingeführt wurde, hat sie diesem einen Erfolg eingetragen, wie er in, Lebe» eines sonst klassisch ernsten Hoftheatcrs recht selten ist. Diesen Erfolg recht- fertigt zwar nicht eine selbständig musikalische Künstlerschaft der Kom- Position, wohl aber einerseits der gelungene„Grandnlk", den der Text darstellt, andererseits die Grazie, die den musikalischen Teil belebt. So hat das Werk mehr als einen ganzen Sommer lang unter lvcchselnden Besetzungen die Kasse der .Königlichen" bei Kroll gefüllt, was nach den sonstigen Novitäten ''''-'----■-.....'.•• ter das ei» Gereiste um die Billette, als vorgestcm das Hmidcrtcr-Julnläinn der„Ktrdenuaus� im alte» Theater selber und mit verschiedciitlichcin BuuU'um uud Drum mid Drau angekündigt Ivarl In einem der l»enichtigte» ol>ercn Winkel des Gebäudes, de» wir»och ihn ein Preruicreugcld erobern konnten, licstcn»vir denn all diese lustigen Seenen und langivcilig gejtanipftcu Musikstüikc ans der Epigouenzeil der Operette an uns vorüberzicheu. Was lmscr Openihans— begreiflicherweise— leisten kann, das kam dies- mal wieder sehr günstig zmn Vorschein. Mich. Siran st dirigierte und gab auch diesem Werk das Seine im doppelten Sinn, ein- schli estlich der spcciclleu Wnlzcrciiilagen. Eine andere Einlage war eine Arie aus Douizetli, gcsimgrn vo» Krau Schumann-Heink — der Unterschied machte sich etwas stark fühlbar. Unter den Säageriunen waren Krau Herzog und Fräulein Rathäuser, im, Spiel auch Fräulein Dietrich vorzüglich; unter den Sängern Herr Philipp und Herr B n I st ebenfalls trefflich. Zum Glück >oar noch irgendwo ein Thealcrzcttel zu erwische»; ganz wie bei den dortigen Proben der Sinfoiiic-Kouzcrte. Hoffentlich greift da ein- mal die Thcaterverwallung ordentlich ein.— sz. Auö dc«t Ti erleben. t. Ueber«in grostcs Kischsterben im Neckar wir d der.Allgemeinen Fischerei- Zritnng' aus Wühihausen a. R. ge- schriel'e»: Am 8. und b. September trieb«, zwischen Cannstadt und Hofen auf einer Strecke w>» ti Uilometcr Tnnscnde und Aber- lause ude von Fischleichc» stroinablwiirts, um sich schiiestlich in m>- gehen eien Hansen au dem Wehr zwischen Hosen und Mühl tum seil nufznstanen. Die Fische waren zum gröstteu Teile Nasen- und Rot- angen, es faudcu sich aber mich Beirbrn und tSarpfe«. sogar einige tote Aale: verschiedene Exemplare erreichten das Geloichi von zwei bis drei Psmid. Als Ulfa che des Kischsterbens war ein schtvercs Un»>etter«mzusehc». das am Abend des 7. September über die Gegend van Stuttgart und Camistadt hereingebrochen»nd nngetvohn- lich groste Masse, inengen vom Hiunncl hcrabgetnowt halte. Der Neckar War durch die vorausgegangene lange dürre»seit sehr niedrig. u«d selbst der Regen trug nicht viel dazu bei. seinen Wasferstaud amf«ue»vcitere Strecke hin sichtlich, z» erhöhen. Nnu kam von Stuttgart her taiigsn», das durch abgeschtoemmte Erde und Schlamm Verdickte Wasser den Klnst hinab. den Fische» sicheres Ver- derbe» bringend. Eine halb« Stunde nach dem Gewitter tmf nnfcr Gewährsiiiauu eine viertel Stunde unterhalb Caiinstadts zahlreiche Knaben, die die halbtoten Fische»>it deu Hände» srngen. und bald gesellte sich auch eine ganze Anzahl rrwachsriier Personen brnjn, nn, fich an dem leichten. ertragteichn, Fange zn beteiligen. Einige klilomelcr weiter abwärts konnte der Einflnst der WasserWrimmnigung mrs die Fische geradezu beobachtet werden. Zunächst war das Wasser noch klar, aber bald stiegen Millionen junger Ftschchen a»s der diesjährigen Biiit an die Oberflarbe, begierig iiach Luft schiiapchend und endlich sckmreirweise über Wasser springend, t>ald folgtri» diesen noch grösterc Fische, mid zngkrich sah man. ivie vom Giimdc ein schwarzer Schlamm ans- stieg. Auch hier fanden die Fische schiiestlich den Tod. da immer gröstere Massen von Waffer. das durch Weinbcrgcrde und Kanalschlaniii, verimreinigt war. herabkamen. Tic Frage, ob eine besonders Hohr Lnstsenchtigleit während des Gewitters als unmittelbare Ursache des Fischsterbeus betrachtet>verdni kvimr, wird von dem Fffcherei-Sachven'tändtgcn Dr. Hofcr in München dahin beantwortet, dast ein Eiiiflnst der Sirftsenchtigkeit an' die Fische in, Waffer nicht denkbar sei. Eine hochgradige Vcrschlanminng des Waffers genügt zur ErNärung rincS Fischstelbens, besonders wenn gleichzeitig her Samrstoffgehalt des Wassers durch die organischen Bestand- täte de« Schlammes vermindert wird; die Fische geraten dann zwiefach in Atemnot, einmal ivegen Sanerstogmangels. z,ml anderen wegcu der Verklrbung nnd Verstopfung der ltiemen durch den Schlamm, Der letztere Einst, ist ist sogar weniger gesährkich. da gesunde ungeschwächte Fische die Verstopsung ihrer Kinnen durch kräftige Aiembewegnngeu leicht z„ beseitigen nnffen, fie können ihr aber alsbald unterliegen, wenn ihnen die normale Atmnngs- thätigkeit durch Fehlen voii Sauerstoff oder durch Arnvesenheit irgend einer chemffchen Bermireinigmig im Waffer erschwert wird.— Geologisches. — Antarktische Felsgesteine. Aus der Form der Eislvälle und Eisberge und der Beschaffenheit dcS Eises in den antarktischen Meeren schlicht man mif das Vorhaildenseii, eines antarktischen Kontinentes, der gmiz oder fast ganz m,tcr Inlandeis begraben liegt. Anstehendes Gestein ist nia an wenigen Rand- pmckten mid auf emigen aniarktischen Inseln bekamtt. so dast man i« übrigen ans daö Gestein angewiesen ist. des vom Inlandes als Moräne mitgeschleppt Ivird ,md beim Zerschmelzen der abgebrockcnen treibenden Eisberge ins Meer sinkt. In.The Scottish Geographica! Wagazme" stellt nach dem.Prometheus" Sir John Murray bei Behandlung der Frage des antarktischen Kontinentes die bekannt gewordene« antarktischen Felsarten zusanonen, so dast sich daraus est, wenn anch grobes Bild über die am Aufbau des mit- arklischr« Landes beteiligte» Gesteine ergirbt. Die Challengev» Expedition hat eine Menge des vom Landers ius Meer geschleppte» Gesteinsniateiiais a» Bord gezogen. Nach diesen Probe» ist das Inlandeis über Gnciffc. Granitc, Glimnie, schiefer, körnige Quarzite. quarzhaltigc Divritr. Sandsteine. Kalksteine nnd Thonschiesrr ge» gangen, D'IIrville berichtet von felsigen Iusrlchc,, aus Gneis nud Granit bei AdeI»e-Lo>U?. In der Nähe dieses Landes fand WilkeZ auf einem Eisl>ergc Basall- und rotes Sandstcingcschicbc, Borch» grcviiif brackitc vou Kap Ndarc Gliuimenchicser, Drimld von der Foiiwillc-Jnscl rote» Jaspis mit Radiolarieu nnd Kajiuamiurcstcn. und La, sc» vo» der Seymour-Juscl ein Stück fossile» Eonifereuholz und fossile Schalcurestc vou Encullara, Cythcrca. Cvpriua. Tceedo n. rn. die den ans drin britischen und poiagouischcii Uiltertcrtiär bckmmtcn Formen sehr ähnlich sind. Bon besonderem Jnlcrcffc ist das auf der Seymaiu-Iujel gefundeuc foisilc Conifcretcholzstück. das kau», der ciuzüzc R,st einer in tertiären und älteren Gcbirgsschichten be- grabciicu Laudstora sein wird und das dam, ans ei» milderes Klima über de», antarktisdien Lmütc zn srnhcrcn geologischen Zeiten hin- weife» würde.— Hu»torististlics. — A» s w c g..Tbnt mir leid, lieber Neffe. Deine Schnlden kann ich Dir nickn mehr bezahlen! Al'er das eine will ich thun, ans dem Gut, das Du mal erbst, ein Fideitommist machen; das können Dir die Halunken dam, wriiiflsteiw nicht pffändcn k"— — Dar» ,». A.:.Ich war dreimal iifichcimfci." B.: �Sic sehen auch sehr leidend au«."— (.Ingeü».-) — Auf der Seknndärbnhn. Fohrgast(zum Loko- nwlivsnhrer. welcher, trotzdem die Abfabltszeit schon seit etlichen Minute» mstrichen ist, die Maschine nicht in Bewegung setzt, dafür aber wir beseffen der Dampfpfeisc schrille, langgezoczene Pfiffe e„i- locktl:„Fetzt sagt's ma nur, iveg'n was sahr'n mir denn not? lind weg'n was pfeift's es denn so närrisch V" Lokomotivführer:.Ja, mir kinna no net abfahr'n— im Wirtshaus fitzt»o einer, der a mit will, nnd weil er si' vevsamt, dniin pfeif' i' ihm I"— Notizen. — Ellen Gnlbranson tritt im Oktober in den Verband der Berliner Oper. Die dramatische Sängerin der Strastburger Oper. Frau Plaithinger. dercn festes Engagement am 1. September 1900 beginnen soll, beginnt im Oktober ihr Gast- spiel.— — Eine groste französische Schau spielcrtruppe wird, wie das„Berk. Tagebl." erfährt, iw Januar im Belle» >, lliancc-Thcatcr gastieren. Dir Trnp'pc wird aus namhafte» Pariser Künstlern zusanmieiigretzt und steht unter der Tireitiou der ersten Tragödii, des Sarah Bernhardt- Theaters. Madame M arthold. Die Gesellschaft wird»elvi, dem klassischen Repertoir das moderne srmiztisilchf Drama vorsülircu. Di« Klassiker sollen für die Nachmillags-Vorstclltingci, reserviert bleilv». Die Trupp« wird ciwu Monat laug hier gastin-en.„L a N o» l o t t c", das eigenartige Pariser littcrarischc Bariötö. wird gleichfalls im Bellealliauee-Ttcatcr iin kommeudeit Monat ein zehntägiges Gastspiel absolvieren.— — Von E l s b e t h Meyer-Förster ist ei» Drama in vier Aufzüge»,.Der gnädige Herr", vom Laudcs-Thcater zu Prag zur Anfführmig aiigenonunen wordcw— — Ein« Mnsterdarstcllniyz der.S ch ö i, e ,, H e le>» a" bereitet das Pariser Theater des Varietes vor. Der Leitung dieser Bühne wurde von den Erbeit JacgneS Offcnbachs die Original-Handschrift der Operette zur Verfügung gestellt, und darin fände» sich noch eine ganze Anzahl Nnmmcru, die noch nie auf den, Theater vorgeführt wurden, tdarimter anch ein Ballett, die nunmehr sämtlich bei den Milstcr-Vorstellimge,, in Paris zn Gehör gebracht werden solle».— — Der Maler Sega,, tini. der ans dem oberen Sdiafberg- Restaurant im Konto, i Graubündten in der Höhe von 2700 Metern mit der Volleudnng eines groste,, Gemäldes beschäftigt war. ist»ach einer Mcldnng der„9k. Fr. Pr," an einer schwere» Blinddarm- cntziindniig erkrankt. Seine TranspoNicrung ins Thal ist einst- weilen nicht uiöglich.— — Das Germanische Museum wird voratissichllich in Zukunft ans öffentlichen Mitteln einen jährlichen Znschnst zur Vc- strcitmig der Vcnvattmigskosten iu der Höhe von 10ö 000 M. er- halten. Davon trägt das Reich zwei Drittel mit 70000 M., in das letzte Drittel teilen sich der bayrische Staat mit 25800 M. und die Stadt Nürnberg mit 9183 M,— — Megalithische Bauten der Vorzeit find anch in Italien festgestellt worden. Sie finden fich inbcffcn nur im Südosten der Halbinsel, in der Terra d'Ltranto. eine», Landstrich, dcffen Kultur auch nach den Zcngnisscn des Altertmus eine sehr alte ist.— Die nächste Nummer des UnterhalrnngsblattcS rrschemt am Sonntag, der 1, Oktober. Bcramwvttlicher Nedsrleur-. Robert Schmidt in Berlin. Dnut und Verlag von Max Babing in Berlin.