Ur. 213 Abonnemtnls-Kedingungt»: Abonnements- Preis pränumerando: vierteljährb Z�o Mb, monatl. l.IV Mb, wöchentlich 28 Plg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer 3 Plg. Sonntags- Nummer mit illultrterter Sonntag«- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zett»»gZ- Preisliste für 1899 unter Hr. 7829. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Kr scheint lüglich nutzer Zvonl-g». Vevltnev Volksblakk. 16. Jahrg. Die Inserttons-Glbühr ieträgt für die sechsgespaltene Kolonel- ieile oder deren Raum tll Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Wersammlung«- Anzeigen 2l> Pfg. „Kleine Anieigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer müssen btS i Uhr nachmittags inderExpedittonabgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bii 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprrcher: Amt l, Hr. tSlZS, Telegramm- Adresse: „»oiintdrmokrnt Berlin" Centralorgan der socialdemokratiMen Kartei Deutschlands. Redaktion: LW. 19, Venth-Strasze 2. Dienstag, den 1Ä. September Expedition: SW. 19, Benkh-Steafze 3. Parteigenossen! Laut Beschluß des vorjährigen Parteitages findet der diesjährige in Hannover statt. Auf Grund der Bestimmungen der§§ 7, 8 und 0 der Partei Organisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Montag» de» 9. Oktober nach Hannover in den„Ballhof", Burgstr. ö, ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Montag, den S. Oktober und die folgenden Tage: 1. K o n st i t u i e r u n g des Parteitages. Wahl des Bureaus. Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate. 2. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: I. Auer und A. G e r i s ch. 3. Bericht der Controleure. Berichterstatter: H. Meister. 4. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit Berichterstatter: G.Hoch. 5. Die Z u ch t h a u s v o r l a g e vor dem Reichstage. Berichterstatter M. S e g i tz. 6. Erörterung über Punkt 3 des Programms. Berichterstatter: F. Geher. 7. Die Angriffe auf die Grundanschauungen und die taktische Stellungnahme der Partei. Berichterstatter: A. Bebel. ö. Die Maifeier 1900. Berichterstatter: W. Pfannkuch. 9. Anträge zum Programm und zur O r g a n i s a t i o n. 10. Sonstige Anträge. Für S o n n t a g. den 8. Oktober, ist seitens der Parteigenossen Hannovers eine Empfangs- und Begrüßungsfeier vergesehcn. Die- selbe findet von nachnfittags 3 Uhr ab im „Palmengartcn-Konzerthanö", Eingang Göthestraße, statt. Die Adresse des LokalkomitccS ist: August Lohrberg, Hannover. Burgstr. 9. Parteigenossen! Wir fordent Euch nun auf, die erforderlichen Vorarbeiten zu treffen, insbesondere die Wahl der Delegierten und die Einreichung der Anträge rechtzeitig zu belvirken. Die Anträge müssen spätestens den 1ö. Septeniber in den Händen des Vorstandes, Adresse: I. Auer. Berlin K a tz b a ch st r. 9 I sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen deS§ 8 Absatz 2 der Partei-Organisatton im„Vorwäts" veröffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage für den Parteitag Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegen- Zeichnung des Vertrauensmannes, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegafion dem Vorstand und dem Lokalkomitce recht» zeitig Mitteilung zu machen, damit dieses in Bezug auf Quartier zc. die notwendigen Vorbereitungen treffen kann. Mandatsformulare, mit deren Versendung am 8. Septeniber be- gönnen wird, sind durch das Partcibureau. Adresse I. Auer, Berlin SW., Katzbachstr. 9 I zu beziehen. Die Genoffen, welche Anträge einreichen, werden darauf auf- merksam gemacht, daß etwaige, den Anträgen bcigegebene Motive weder im„Vorwärts' noch in der dem Parteitag vorzulegenden gc- druckten Vorlage Aufnahnte finden können. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitage entweder persönlich zu vertreten oder durch befreundete Genossen vertreten zu lassen; außerdem empfiehlt eS sich, wichtige Anträge vor dem Zusammen- tritt des Parteitages in der Presse zu erörtern. Die Motive aber in die Parteitagsvorlage aufzunehmen, verbietet sich aus rännilichen Rücksichten und der damit verknüpften unvermeidlichen Wiederholungen willen. Berlin, den 8. August 1899. Mit socialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Nach dem Urteil. AlSbald nach Fällung des Urteils schrieb I aurbS folgendes für die„Petit Rspublique": Mit erhobenem Haupt und hohen Herzens haben wir das ab- scheuliche Urteil der Lüge und des Mordes angehört. Der klerikale Militarismus hat ein Verbrechen ohne gleichen vollführt. Es hat stets gerichtliche Irrtümer, stets unschuldig Verurteilte gegeben. Aber noch nie hat man Menschen gescheit, die nach Erkennt, Iis des Irrtums gegen einen Unschuldigen wüteten und ihn zum zlveiten- male verurteilten. DaS ist eine ungeheuerliche Heransforderung gegen das Gewissen und die Vernunft. Die Kaste, welche dieses Verbrechen begangen hat, steht von heute ab außerhalb der Menschheit. Entweder sind die fünf Offiziere, die Dreyfns noch einmal verurteilten, durch die Sophismen der Generale und Vfaffcn in den Glauben versetzt, Dreyfus sei in der That schuldig, und dann haben sie sich selbst vollkommen jeder menschlichen Vernunft bar erklärt, denn diese stellt die Unschuld Dreyfus, den Verrat Esterhazys mit un- bedingter Gewißheit fest. Oder, was wahrscheinlicher ist, sie haben den Unschuldigen mit dem vollen Bewußtsein seiner Unschuld venirteilt, um die schuldigen Generale zu retten, und dann stehen sie außerhalb des menschlichen Ge. Wissens. Von heute ab giebt es zivischen dieser wahnsinnigen oder verbrecherischen Kaste und der Nation nichts Gemeinsames mehr. Daher beunruhigt uns die abscheuliche Koalition der Lüge und des Verbrechens auch nicht: sie wird keine andere Wirkung haben, als die: den rcvolutiouären Haß gegen den Militarismus weiter zu verbreiten. In den großen menschlichen Schmerz, der unser Herz zusammenkrampft, mischt sich eine bittere Freude: die harte Wollust der Empörung, des Hasses und der Verachtung. Die Verbrecher des Jesuitismus und des Gcncralstabes haben ihr Verbrechen doch nicht vollbringen köfinen, ohne in der Armee selbst einen Anfang des Widerstandes zu erlvecken. Unter sieben Offizieren fauden sich zivei, die trotz des Druckes der Generale sagten:„Nein, Dreyfus ist nicht schuldig.' Binnen kurzem werden diese beiden Stimmen in den, Gcivissen der Soldaten ein lauteres Echo finden als das Urteil des Gerichts. Jeder Mensch, jeder Bürger, jeder Soldat wird sich sagen: „Wenn zwei von sieben Offizieren es ablehnten, diesen Mann zu verurteilen, gegen welchen sich die gesamten Spitzen der Armee und die gesamte Kirche verschtvoren hatten, so muß er vollkommen unschuldig sein.' Aber selbst die fünf Offiziere der Inquisition sind vor ihrem eigenen Verbrechen zurückgebebt, sie haben Dreyfus mildernde Umstände betvilligt. Warum? Weshalb? Wenn er, ein Offizier des Gencralstabs, ivirklich Vcrräterci getrieben hat, ivenn er seine Ausnahinsstellung mißbraucht hat, um dem Feinde wertvolle Geheimnisse Frankreichs auszuliefern, welche mildern den Umstände kann et verdienen? Die Wahrheit ist, daß die Henker Furcht gehabt haben, daß ihnen die Hand gezittert hat, daß sie bei der Heraus- forderung, die sie dem menschlichen Gewissen cutgegeiischleudertcu, gcschivankt haben. Welch Geständnis der Unschuld Dreyfus' I Wir werden mit verdoppelten Kräftcil den schöncn revolutionären und menschlichen Kampf gegen den verbrecherischen Militarismus auf nehmen, der in seinem Verbrechen selbst ohnmächtig ivird I Aber jetzt, hoffe ich, iverden die Ratschläge der Furchtsamen nicht gehört werden. In dieser entscheidenden Stunde würde es unsererseits ein Verbrechen sein, die republikanische Regierung durch den geringsten Vorwurf zu schwächen. Ihr ganzes Verbrechen ist gewesen, die Tiefe der verbrecherischen Gesinnung deS Militarismus nicht zu e� messen. Jetzt wäre es unverzeihlich, wenn sie auf die ungeheuerliche Herausforderung, welche die Reaktion ihr durch das Urteil von RenncS entgcgcngcschleudcrt hat, nicht kraftvoll antivortctc. Die Naiven glaubten, um de» Kampf zu gclviunen, müßte man die Generale schonen und die Verbrechen der Fälscher mit dem Mantel der christlichen Liebe bedecken. Wir dagegen glaubten, daß nur Kenleitschläge, wie sie zuweilen Labor! ausgeteilt hat, die Frechheit der Generale niederschlagen und den Panzer von Vorurteilen, mit dem die Richter umhüllt waren, zcrschmettcru konnten. Laboris Taktik, die ebenso klug wie kraftvoll Ivar, hat einen Teil seiner Freunde erschreckt, und mit bcivunderungswürdigcr Selbstverleugnung verzichtete er auf das Plaidoycr. Dcmange ist in seiner Methode der einfachen Beweisführung bewunderungswürdig gewesen, und bei niemandem, der sein Plaidoycr liest, kann auch nur der leiseste Zweifel au der Unschuld DrehfuS' zurück- bleiben. Aber die Erfahrung hat hier wieder einmal gezeigt, daß es gegenüber verbrecherischen Kasten, die ihr eigenes Verbrechen zu ver- decken haben, nicht genügt, Vernunft zu reden. Man muß den Blitz schleudern, und die rächende Leidenschaft La- boriS wäre zugleich die größte Klugheit gewesen. Ich sage dieS nicht, um für den großen Verteidiger zu sprechen, der aus diesen schmerzlichen Prüfungen mit ungebrochener Kraft und gesteigertem Ansehen hervorgeht. Ich sage es vielmehr, damit alle begreifen, welche Lehre uns die Ereignisse geben. Mut, auf zur That gegen die Banditen des Militarismus! »» DaS unsinnige und verbrecherische Urteil von Rennes verdient im Wortlaut festgehalten zu werden. Es lautet: Im Namen deS französischen VolkeSl Heute, am 9. September 1899, hielt das Kriegsgericht des 10. Armeekorps zu Reimes eine Sitzung mit Ausschluß der Oeffent- lichkeit. Der Präsident hat folgende Fragen gestellt: Ist Hanptinaun Alfred Dreyfus vom Ii. Artillerieregimcm, kommandiert zum Generalstab der Armee, schuldig, im Jahre 1894 Machenschaften angezettelt zu haben oder Beziehungen mit einer fremden Macht oder mit einem ihrer Agenten unterhalten zu haben, um sie zu veranlasse», Feindseligkeiten zu begehen oder Krieg gegen Frankreich zu»mtcrnehnicn. oder um ihr die Mittel dafür z» liefern, indem er ihr die im Bordercan anfgezählten und im Urteil des KassationShofcö vom 3. Juni 1899 erwähnten Schriftstücke überlieferte? Die Stimmen wurden gesondert eingesammelt, indem man beim untersten Grade und bei dem dienstjüngsten jedes Grades begann. Der Präsident hat seine Stimme als letzter abgegeben. Das Kriegsgericht erklärt und zwar mit eiiier Majorität von S gegen 2 Stimmen: Der Angeklagte ist schuldig, und mit Majorität, es sind mildernde Umstände vorhanden. Hierauf hat in Anbetracht der von dem RcgiernngSkommissar in seinen Anträgen gezogenen Schlußfolgerungen der Präsident den Text des Gesetzes verlesen und von neuem die Stimmen unter den gegebenen Formen eingesammelt hinsichtlich des Strafmaßes. In- folgedessen ist Alfred'Dreyfus zu zehnjähriger.Haft verurteilt worden unter Anwendung des Artikels 76 des Strafgesetzbuchs, des Artikels 7 des Gesetzes von 1830, des Artikels S der Konstitution von 4. Noycmber 1843, des Artikels 1 des Gesetzes vom 8. Juni 1850, 17., der Paragraphen 1 und 463 des Strafgesetzbuchs, der Paragraphen 89 bis 267 und 139 des militärgerichtlichen Gesetz- biichs. Das Gericht setzt die Dauer der körperlichen Haft auf das gesetzlich zulässige Minimum fest, gemäß dem Gesetze vom 22. Juli 1863, abgeändert durch dasjenige vom 19. Dezember 1871. Dreyfus ist zu degradieren. Dem Rcgicruugskouunissar wird befohlen, vor der ins Gewehr getretenen Wache dem Verurteilten unverzüglich das Urteil in seiner Gegenwart vorlesen zu lassen und ihm anzukündigen, daß ihm na<� dem Gesetz eine Frist von 24 Stunden zur Einlegung der Berufurf£ zusteht. Der Verurteilte. Eine Stunde nach dem Urteilsspruche hatte Demange eine Zu- sammcukunft mit Dreyfus. Bei seiner Rückkehr erklärte er mehreren Journalisten:„Ich habe nur einen Händedpuck mit Dreyfus ge- ivcchsclt. Er hat sich voll st än big in sein Schicksal er- geben, aber er i st bereit, weiter zu kämpfen, und ivird sein Revisionsgesuch unterzeichnen. Dreyfns erhielt noch im Laufe des Abends nach dem Urteil eine ganze Anzahl Beileidstelegramme, worin er aufgefordert wird, nicht den Mut zu verlieren, man ivcrde im Kampfe für die Gerechtigkeit nicht nachlassen. Am Sountagnachmittag wurde Dreyfus von seiner Frau und seinem Bruder Mathicu besucht. Diese letzte Unterredung mit seinem Bruder verlief sehr beivcgt, doch zeigte sich Dreyfus guten Mutes und, ivie auch seine Familie, über ocu Endausgang seiueö Pro- zcsscs sehr beruhigt. Dreyfus uutcrzeichncte das Rcvisionögcsuch gegen das Urteil des Kriegsgerichts. Die Strafart. Uebcr die Art der Strafe(äötention), die über Dreyfus erkannt wurde, wird der„Voss. Ztg." folgendes geschrieben: Artikel 20 des Code Pönal sagt:«Jeder zur Detcntion Ver- urteilte ivird in einer F e st u n g des kontinentalen Frankreich interniert... Der Verkehr mit den innerhalb oder außerhalb dcö Dctentionsortes befindlichen Personen ist ihm nach Maßgabe der im VcrordnungSwcgc ergangenen einschlägigen Polizei- Vorschriften gestattet." Die Detcution entspricht also im großen und ganzen uuscrcr Festungshaft, nicht dem Gefäugniß. Nichts desto weniger ist sie trotz der verhältnismäßigen Freiheit, deren sich nach Auslveis des citiertc» Art. 20 des Code Pönal der von ihr.Bc- troffeue erfreut, nrcht ganz so wie die Festungshaft des deutschen Reichs- Strafgesetzbuchs custodia, honesta sehrcnvolle Bewachung), vielmehr hat sie nach Art. 28 im Gefolge die„Degradation civique" (bürgerliche Entehrung). Diese schließt nach Art. 34 in sich Absetzung und Ausschließung voi, allen öffentlichen Aemtern, Verlust des aktive» und passiven Wahlrechts, überhaupt aller politischen und bürgerlichen Rechte, sowie des Rechts zum Tragen von Orden und Ehrenzeichen, desgleichen Ilufähigkcit, als Sachverständiger oder beeideter Zeuge aufzutreten, an cincin Fannlienrath teilzunehmen, Vormund oder Gegenvormund zu sein uslv.; endlich in der Armee oder National garde zu dienen, soivie irgend ein Lehramt zu bekleide». Eine weitere Folge ist laut Art. 29 Versetzung in den Znstand der E n t m ü n d i g u n g: so werden zur Verwaltung iciues VcrinögenS Vormund und Gcgenvormnnd bestellt, wie für jeden Entmündigte» sonst auch. Eine Adresse an DreyfnS. Am Sonnabendabend wurde dem verurteilten Dreyfus folgende Adresse zugestellt: Reimes, 9. September 1899. Die Unterzeichneten, in Reimes am 9. September 1899 anwesend, sind heiin Verlassen der Sitzungen des Kriegsgerichts mehr als je von Ihrer Unschuld überzeugt und drücken Ihnen den tiefen Schmerz aus, den ihnen Ihre neue Verurteilung verursacht. Zivei Ihrer Richter, zwei mutige Offiziere, haben Ihren Ver- teidigcrn recht gegeben; die andern haben ihre GewissenSunruhe er« kennen lassen, indem sie mildernde Umstände bei einem Verbrechen bewilligten, für das es eine Milderung nicht giebt. Fürchten Sie nicht, daß wir Sie verlassen; Ivir verpflichten uns, der Sache der Gerechtigkeit und der Wahrheit treu zu bleiben!— ES folge» zahlreiche Unterschriften von Professoren, Schrift- stcller», Politikern.— Der weitere Prozcßgang. Meldung der„Agence Havas': Der weitere Gang der Dreyfus- Augelegenheit dürfte,' wie hier angenommen wird, folgender sein: Nach Elnreichnng des Rrvisionsgesuches würde« die Akten sofort nach Paris, dem Sitze des Revisionsgerichts, ab- gehen. Die ziiständige Behörde werde die Akte» prüfen und sie einem von ihr zu ivählendcit Berichterstatter zustellen, der einen eingehenden Bericht liefern werde. Eine zu diesem BeHufe eingesetzte Kom- Mission werde über die Bcgründetheit der im Revisionsgesuch vor- gebrachten Punkte entscheiden und das Revisionsgericht alsdann in letzter Instanz urteilen. Wenn dieses das Urteil des Renner Gerichts kassiere, werde der Angeklagte vor ei» neues Kriegsgericht gestellt iverden, im andern Falle müßte die erkannte Strafe volle Wirk- samkcit erlangen. Andrerseits verlautet, die Regienmg werde, falls die Ver- urtcilung des Dreyfus eudgültig bleiben sollte, nicht eine aber- m a l i g'e D e g r a d i e r u n g zulassen, sondern die einfache Streichung aus der A r m e e l i st e bewirken. Möglichkeit abermaliger Kassation. Um die Äffaire Drcyfns, falls das militärische Revisionsgericht das Urteil bestätigt, von neuem vor den Kassationshof zu bringen, ist eine neue Thatsache notlvcndig. Diese soll,>vie mehrere Blätter mitteilen, in einer Veröffentlichung der i>n Bordereau auf- gezählten Schriftstücke gefunden werden. Eine große englische Tageszeitung soll sich nach langen Verhandlungen Photo- graphien dieser Noten verschafft haben und Willens sein, die Facsimiles der Noten baldigst zu veröffentlichen. Dies wäre allerdings eine Thatsache, die durchaus die Möglichkeit gäbe, den Kassationshof mit der Sache von neuem zu befassen. In Paris. Die Stimmung der Bevölkerung ist im allgemeinen ruhig. Vor den festlich beleuchteten Räumen der„Libre Parole" hatte sich am Sonnabendabend eine große Menschenmenge angesanimelt, welche Hochrufe auf das Heer ausbrachte und die Marseillaise sang. Ein starkes Polizeiaufgebot rückte zur Wiederherstellung der Ordnung heran. Telegramme der Präfekten an den Minister des Innern berichten, daß keinerlei Ruhestörungen vorgekommen sind. Die Pariser Presse. Die revisionistischen Blätter protestleren lebhaft gegen die Verurteilung. Die Richter, sagen sie, wollten die Verteidigung des Generalstabes aufnehmen, und der Kampf zwischen der Civil- und der Aiilitärjustiz dauere fort. Dves 0 it v o t sagt im„Stiele", wir werden die Revision weiter verfolgen und unser» Zweck erreichen. Cornsly fuhrt im „ F i g a r o" aus, er beuge sich vor dem Urteil, aber er v e r- st ehe die mildernden Umstände nicht und setze voraus, daß diese zu einer Aufhebung des Urteils führen mußten. ClSmeneenu sagt in einem Artikel der „Anrore", �es sei schon ein ungeheurer Gewinn, daß zwei Offiziere sich über den Korpsgeist erhoben und nur der Stimme des Gewissens gehorcht haben. Die Heuchelei des Urteils trete in dem Strafausmaß zu Tage, durch das der Regierung die Möglichkeit ge- boten werden solle, den Verurteilten, welcher bereits fünf Jahre Deportation verbüßt hat. auf Grund des Gesetzes im Gnadenwege freizulassen. „PetitJournal" dagegen sagt, da? Urteil von 1834 sei glänzend bestätigt worden.„Petit P a r i s i e n" führt aus, man müsse das Urteil als gesetzmäßige Wahrheit und den Schluß der traurigen Angelegenheit betrachten.' Ausland. Die englische und die amerikanische Presse gicbt ihrem Un- mut und ihrem Erstaunen über die Verurteilung Ausdruck, welche sie als einen Schi nt Pf für die Civilrsation bezeichnet. In New Aorker Telegrammen wird von B o y k o t t i e r u n g französischer Waren und der Pariser Weltausstellung gc- sprachen. An verschiedenen Orten fanden Kundgebungen gegen Frank- reich statt. Die„Times" sagten in einer Besprechung des gegen Dreyfus gefällten Urteils, dieses sei die gröbste und entsetzlichste Ge- rcchtigkeitsschändnng der Neuzeit, die ganze civilisicrtc Welt sei vor Schrecken und Scham erzittert. Ehre und Wahrheit seien m offenkundiger Weise, mit voller Ueberlegung und ohne Erbannen mit Füßen getreten worden. Frankreich habe sich jetzt vor der Ge- schichte zu verantworten. Aus Wien wird telegraphiert: Die gestrige Verurteilung Drehsiis' wird von den hiesigen Blättern, mit Ausnahme der anti- semitischen, als gemeiner Justizmord bezeichnet, doch hätten nicht die Kriegsrichter Dreysiis verurteilt, sondern die Generäle hätten ihn verurteilen lassen. Die., A r b e i t e r- Z e i t u n g" schreibt:„War das Urteil vom Jahre 1894 ein Justizirrtum, begangen aus menschlicher Schwäche, so ist das gestrige Urteil ein Justizmord, begangen ans menschlicher Niedertracht." Aus Petersburg wird berichtet: Die Erledigung des DrcysiiS- prozeffes erfährt in der hiesigen Presse, entsprechend der politischen Stellung der einzelnen Organe eine einander zum Teil diametral zuwiderlaufende Beurteilung. Die„Deutsche P e t e r S b li r g e r Z e i t n n g" sagt, Frankreich sei eine Niederlage zugefügt worden, die größer sei als die von S e d a n. Das Urteil des Kriegsgerichts koste Frankreich mehr an Ansehen als Faschoda. Die„ N o w o st i" behaupten, die Untersuchung wäre nicht leiden- schaftslos geführt worden. Man habe alles gethan, um die Anklage zu verichärfen und die Verteidigung abzuschwächen. Für alle leiden- ichaftslosen Menschen, die in der Angelegenheit des unschuldigen Dreyfus nur Licht und Wahrheit suchten, sei das Urteil des Kriegs- gerichts durchaus nicht d e r S ch l u ß a k t d e r e r s ch ü t t e r n- den Tragödie. Die Untersuchung habe deutlich die Unschuld des Angeklagte» erwiesen: diese Thatsache könne kein Urteil fortschaffen. Bestimmt iverdc der Tag kommen, Ivo solches ganz Frankreich auch offiziell anerkennen werde. Der�.Sivct" da- gegen schreibt, das Urteil habe deutlich die Unabhängigkeit der Vcr- irctcr der französischen giechtspflege bewiesen. Das'Blatt freut sich nnt allen wahren Franzosen über den Ausgang des Prozesses und wünscht, daß der Pariser Nebel, den die Dreyfnsfreunde verbreiteten, bald verschwinde. »« RcnneS, 11. September. Dem Vernehmen nach werden die Mitglieder des Kriegsgerichts heute nachmittag zusaimneiitreten und sich über die Uiiterzeichunng eines Gesuches schlüssig inachen, welches sich dafür aussprechen soll, Dreyfus die Strafe der Degradation zu erlassen. komische Mrbrvfichk» Berlin, den 11. September. Das Ausland und der Treyfuö-Prozest. Die berechtigte Empörung über den rnchloS feigen und un- zweifelhaft mit klarem Beivußtfein verübten Justizmord in RcnneS hat im Ausland eins Preßhetze hervorgerufen, die schon aus dem Grunde sehr entschieden abzuivehren ist, weil sie nicht die eigcnt- licheit Konsequenzen des Verbrechens zieht, souderit in einem widerwärtigen Spektakel nationalen Pharisäertums sich erschöpft. Anstatt, wie es sich gebührte, einen internationalen Feldzug gegen Militarismus und Militärjustiz, gegen Pfäfferei und Tcndeiizrc'cht- sprcchung zu eröffnen, um Europa von den Vcrwüsiiingc» des reaktionären Geistes zu erlösen, überschlägt man sich in tollen, dünkelhafte» Be- schimpfniigen des französischen Volkes und Staates. Man ist cnt- rüstet in London, wo man eben nicht einen Unschuldigen, sondern ein ganzes Volk mit Gewalt zu erwürgen sucht; man gröhlt in Wien und Budapest, Ivo doch dieselben Elemente am Ruder sitzen, die für die Schande von ReuncS verantwortlich sind; man gebcrdet sich wie»nsinnig in Rom, wo man mit dem Staatsstreich regiert und Unschuldige zahllos in den Kerker geworfen hat; ja man ivagt sogar in Petersburg anzuklagen, wo an jeder Wand das Blut schuldlos Gemarterter klebt und jeder Ostwind ans Sibirien die Seufzer der Opfer hcrübcrivcht; und man geifert nicht a», wenigsten in Deutschland, wo man auf die Erdrosselung der Ar- heiter sinnt, wo tagtäglich bürgerliche Gerichte objektiv unbillige Urteile fällen, wo die Essener Meineidigen noch nicht ver- gcsscn find, ein Koschemann seine Jugend im Zuchthaus verliert und die Löbtauer Bauarbeiter für ei» geringfügiges Vergehen wie für ein todeswürdiges Verbrechen bestraft wurden. Mag sein, daß ein Fall, wie der des Dreysiis, in keinem anderen Staate möglich wäre, in all seiner Abschenlichkeit, Geivissenlosigkeit, Lcrbrccher-Phantastik und idiotischem Fanatismus. Aber es wäre auch ein anderes unmöglich in Dentschland, in Oestreich, in Italien: Dieser heldenmütige Kampf gegen das Verbrechen, diese be- wunderuugswürdige, nie ermüdende Teilnahme eines ganzes Volkes an einer Slechtsfrage, dieser standhafte Idealismus gegenüber der Macht und Gewalt, diese schrankenlose Freiheit der Meinung all ö dieses wäre unmöglich. Außerhalb Frankreichs würden der- artige Verbrechen keine Ahndung finden, ein paar Eiitrüstungs« versuche der Oeffentlichkeit, ein paar konfiscierte Zeitnngsblätter und eingesperrte Rcdacteure, dann tiefe Vergessenheit, das Iväre da« Schicksal eines DreyfnS in den jetzt vor Entrüstnng schäumenden Ländern. Vielleicht bringt man andere Unschuldige nicht auf die Teufelsinsel, geWitz aber befreit sie keine Macht der Welt mehr von der Teufelsinsel, wenn sie einmal dort sind— außer in Frank- reich. Klagt den Militarismus an, die Militärjnstiz, die chauvinistisch- klerikale Vcrduuunuug, den Rassenhatz und die Korruption einer Banditenpresse, aber Frankreich ist nicht Mercier, und Boisdcffre und Jouaust, sondern das wahre Frankreich lebt in Zola, Picquart, James und dem um ihn sich scharenden Proletariat. Das ist Frankreich und daS verdient nicht Beschimpfungen sondern höchsten Ruhm. Vor allem aber hüte man sich, die Entrüstung zur l ä ch e r« lichenKinderei zu treiben. In den Hauptstädten Europas rüsten sich industrielle Komitees, um die Pariser Weltansstcllnng von 1.9CM) zn boykottieren. Das ist einmal kindisch; denn nach ein paar Wochen kümmert sich niemand mehr um den Boykott- beschlutz, der Geschäftsgeist und die VergnügungSgier triumphieren über den komischen Einfall deS ersten Üebereifers, und alle Welt strömt, trotz Dreyfus und Reimes, nach Paris. Dann aber könnte man mit demselben Rechte auch die anderen Staaten in Verruf erklären, wo die Auftlärnng längst noch nicht gesiegt hat. Auch in Berlin soll sich ein derartiger Ausschuß gebildet haben. Ja es verlautets sogar, dem„Berliner Tageblatt" zufolge, die Berliner Stadtverordnetcn-Vcrsammlung möge von der in Paris geplanten Sonderausstellung Abstand nehmen. Welch blöder Einfall, von dem wir gar nicht glauben mögen, daß er e r n st h a f t gc- dacht ist! Wenn irgend ein iiidnstrieller Philister für seine AusstellungS- gegenstände fürchtet und fern bleibt, wenn irgend ein Fanatiker Paris zu meiden wünscht, so ist daS eine ganz persönliche Angelegenheit. Städtische Korporationen aber haben kein Recht zu dieser sinnlosen Aechtung einer freniden Nation. Das Frankreich der Weltausstellung ist doch nicht das Land der Mercier und Gonse, sondent das schaffende Volk der Wissenschaft, der Technik, der Kunst, der Nation, die im Wettbewerb mit der ganzen Welt ihre schöpferische Kraft zu bethätigcn sucht. In dem Lichte dicü;s größeren, dieses wahren Frankreich wird die traurige Finsternis des Nnchtgctiers ertrinken. Die Weltausstellung ist das Reich der Kämpfer für Recht, Wahrheit und Freiheit, nicht die Spelunke der militärisch-klcrikalen Geister. Der Mittelland-Kanal und die Socialdemokratie. Die„Nheinisch-Westfälische Zeitung" hat die überraschende Entdeckung gemacht, daß die socialdeni akratische Partei keinen bestimmten Standpunkt zum Projekt des Rhcin-Wcscr-Elbc- Kanals eingenommen hätte. Von den 300 Millionen, die das Projekt kostet, kämen drei Fünftel auf reinen Arbeitsverdienst: „Von allem hat die Arbettcrwelt durch die Socialdcmokratie nicht das mindeste erfahren iind auch der Parteitag in Hannover soll keinen llkamn zur Erörterung darüber bieten. Wohl aber ivird die Gefolgschaft der Socialdemokratie mit einem Streit nm des Kaisers Bart tagtäglich in Anspruch gcnoiiiincn und mit Bersainmlnngsberichten darüber angeödet, daß es zum Erbarmen ist. Wir untersuchen nicht, ivelchen idealen Wert es für die lohn- arbeitenden Klassen hat, ob ihnen die Beivegung oder das Ziel, der Buchstabe oder der Geist einer Prograniutforntel entscheidend ist. Wenn näher liegende Interesse« nicht in Frage wären, möchte es ja einwandfrei sein, auch eiiiiiial diesen theoretischen Erörterungen uachzngehcn, wiewohl dadurch die Wohlfahrt der Arbeiterklasse und die Gesamtwohlfahrt nicht tmt einen Psiffcrliiig gefördert erscheint. Aber wir verweise» darauf, daß die Socialdemokratie sich wieder einmal int grellen Gegensatz zn den Pflichten einer Partei des Arbeiter st andcs bewegt, iiideiit sie sich tmt die augenblicklich Ivichtigiie, 180 bis 290 Millionen Arbeitsverdienst bedeiitcude Frage schlechterdings gar nicht bc- tiimmert, sondern ihre Leute um einer Bernsteiniade willen in Atem hält." Es ist recht interessant, daß daS Organ der Grnbenbarone plötzlich so viel Wert auf die Mitwirkung der Socialdemokratie legt, daß ihm nicht einmal die große Beachtung, die wir der Angelegenheit widmeten, ausreichend erscheint. Es dämmert also selbst diesen Leuten die Erkenntnis, daß es ohne Social- demokratie nicht mehr geht. In der Sache berichtet natürlich die„Rh.-W. Ztg." voll- ständig falsch über die Haltung der Socialdemokratie. Wir sind von Anfang an für den Kanal eingetreten; daß wir für ihn.p arla m e n taris ch nicht wirken konnten, ist nicht »nsere Schuld. Gerade der„Vorwärts" hat das einzige Mittel angegeben, wie die Regierung die Kanalvorlage durchzusetzen vermag: sie hatte nur nötig, das oktroyierte Wahl- gcsctz für den Landtag aufzuheben. Dann wäre es leicht gewesen, eine knnalfrcundliche Mehrheit zn stände zu bringen. Wenn uns die„Rhein.- Wests. Ztg." in diesem Streben nicht unterstützt, so trifft sie der Vorwurf, daß sie— im Gegensatz zur Socialdemokratie— die Kanalsragc nur als einen unfruchtbaren Streit tlin des Kaisers Bart betreibt. Wenn aber das Blatt sich so rührend besorgt zeigt, den Arbeitern Arbeitsgelegenheit zn verschaffen, so sollte es bc- denken, daß es nicht nur auf Arbeitsgelegenheit, sondern auf die menschenwürdige Art der Arbeitsgelegenheit ankommt, daß man darum vor allem die Organisationen der Arbeiter stärken muß in ihrem Kampf um günstigere Bedingnngen. Die „Rhein.-Wests. Ztg." aber hat bisher ihre Arbeitcrsürsorge lediglich durch eine erstaunliche Schlvärmem— fürs Zuchthaus bewiesen.—_ Transvaalkrisis, London, den 9. September. Die Ergebnisse des gestrigen Ministerrats werden von einigen Blättern, die sich darin gefallen, Herrn Chamberlain als den Anstifter des Streits nnt der Vocrenrepublik heraus- zugreifen, als eine Korrektur Chaniberlains durch Lord Salisbury gedeutet. Ich vermag in ihnen nichts dergleichen zu entdecken. Ter Beschluß, vier weitere Bataillone Infanterie nebst drei Bataillonen Feldartillerie nach dem Kap zu schicken und der Transvaal- Regierung eine energisch gefaßte telegraphische Note zu übersenden, ist alles mögliche nur keine Abweichung von Chamberlaius bisheriger Diplomatie. Es liegt absolut kein Anzeichen vor. das auf eine ernsthafte Meimtngsvevschiedenhe itim Kabinett über die Trans- vaalfrage schließen läßt. Aber die beschlossenen Truppcnsendungen sind noch nicht derart, wie sie ein Angriffskrieg niit dem Transvaal erheischen würde. Sie sind nur eine weitere Demonstration, daß England bis zum äußersten entschlossen ist, und eine Vorbereitung mehr ans dieses Aeußerste. Daß daheim und in Indien weitere Truppenteile Weisung erhalten haben, sich zur Einschiffung bereit zu halten, ist bekaimt. Die Situation ist gespannter als je, und Börse wie Handelswelt zeigen seit gestern größere Anzeichen von Besorgnis. Die Nachrichten aus Johannesburg und vom Kap melden Stockung aller Geschäfte. Die Flucht von Engländern aus dem Minendistrikt nimmt zu. Daß dieser Zustand keine lange Dauer verträgt, ist außer Frage. Wie auch der Wortlaut der beschlossenen Depesche sein mag, faktisch hat sich der Streit auf die Frage der Ober- Hoheit Englands gegenüber dem Transvaal zugespitzt. Sie ist im Moment die wesentliche Frage. Ob aus Un- beholfeuheit oder Berechmmg, oder vielleicht einer Mischung von beiden— jedenfalls hat die Transvaalregierung ihren letzten Depeschen eine Forni gegeben, die in England als ein Verstoß gegen die ihm durch den Vertrag von 1884 aus- bedungene Oberhoheit aufgefaßt wird. Die vorgestern im Volksrat von Pretoria geführte herausfordernde Sprache hat diesen Eindruck noch verschärft. Zn bemerken ist dabei, daß über die Natur dieser Ober- Hoheit zu keiner Zeit U eberein st immung zwischen London und Pretoria geherrscht hat— ja, in England selbst Meinungsverschiedenheit herrschte. Eine formgerechte Ober- Hoheit, wie sie durch das Wort Sonzeränität ausgedrückt wird, haben die Boeren nie anerkannt, sondern nur eine Oberhoheit, die sich aus dem Vormachtsverhältnis Englands in Südafrika ergiebt, das sie anerkennen. Sie haben es immer abgelehnt, ihre Republik als einen Vasallenstaat Englands zu betrachten. Anderer- seits hat England im diplomatischen Verkehr niit dem Transvaal die Sonzeränitätsfrage in den letzten Jahren niemals aus die Spitze getrieben. Man hat sie schließlich immer auf beiden Seiten umgangen und die Streitfragen lediglich gemäß ihrem sachlichen Charakter behandelt. Die Boeren haben jetzt principiell nichts anderes gethan, als was sie bei un- zähligen früheren Anlässen gethan haben. Aber was in normalen Zeiten leichthin genommen wird, wird in gespannten Sitnationen als HerauLsorderung ange- sehen. Das wiederholte Zurückkommen der Boerenregierung auf ihre Unabhängigkeit bei ihren neueren Erklärungen an die englischen Geschäftsträger hat auf englischer Seite das Verlangen.— zivar nicht hervorgerufen, denn bei vielen Politikern war es immer da, aber doch sehr gesteigert. Eng- lands Oberhoheit oder Vonnachlsrechte mit aller Entschieden- heit geltend zu machen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die angeküitdigte eng- lische Note in diesem Sinne gefaßt ist. Je nachdem würde die Regierung des Transvaal nachzugeben haben oder den castts belli liefern. Nach den neuesten Nachrichten ans Südafrika wäre das letztere das wahrscheinlichere geworden. Nicht nur die Kap- boeren, sondern auch die Boeren des Orange-Freistaats sollen mit den: zuletzt in Pretoria angeschlagenen Ton sehr un- zufrieden sein und für den Fall einer Auflehnung gegen die britische Oberhoheit dem Transvaal jede Unterstützung auf- gekündigt haben. Hier setzen die Friedensfreunde ihre Agitation gegen jede Anwendung von Gewalt gegenüber dem Transvaal eifrig fort. Komitees aller Art werden gegründet. Manifeste erlassen, Versammlungen veranstaltet. Unzweifelhaft gewinnt die Be- wegun'g allmählich an Boden, zumal sie von einer Reihe sehr verbreiteter und wirksam geschriebener Blätter unterstützt�ivird. In London sind ihre Hauplblätter„Daily Chronicle" und„Star", in der Provinz steht an ihrer Spitze der überhaupt sehr radikal geschriebene„Manchester Guardian". Daß die socialistischen Parteiorgane sämtlich energisch für den Frieden eintreten, be- darf kaum der Erwähnung. Weniger einstimmig sind in dieser Hinsicht die Gewerkschaftsführer. Eine Umfrage bei den itamhaftesten Vertretern der Gewerkschaftsbewegung hat er- geben, daß die Meinungen da ziemlich geteilt sind. Eine Anzahl von ihuen. wie C o w e y von den Bergarbeitern, Davis von den Messingarbeiterii, W i l k i e von den Schiffs- Zimmerern, M a w d s l c y von den Spinnern sind ganz und gar dafür, daß Englands Oberhoheit gegebenfalls mit Waffen- gewalt geltend gemacht wird. Entschieden fricdensfreundlich äußerten sich dagegen der sonst als so„konservativ" betrachtete T h. B n r t, die liberal- radikalen Arbeiter- Abgeordneten M a d d i s o n und S t e a d m a n und alle als Socialisten bekänn'ten Gewerkschafisführer, wie Barnes, Will T h o r n e nsiv. Heute vormittag hat auch der G e w e r k- s ch a f t s- K o n g r e s; zu Plymouth in seiner Schlußsitzung mit Mehrheit einer Resolution zu Gunsten des Friedens zu- gestimmt.— Pretoria, 11. September. In einem Interview mit einem Joimialifteil erklärte der hiesige Generalprosiirator, ein Krieg mit England erscheine ihm nnverineidlich, aber er sei überzeugt, dah die Mehrzahl der Eimvohncr der Oranje-Freistaatcs nnd der Republik von Natal sich den Boeren aiischließcit werden.„Wir besiegten bereits zweimal die Engländer, und wir werden es auch zum dritten Mal fertig kriege»." � Aemsches Weich. Wer redigiert die Kaiserredru? Es wäre von Interesse zu erfahren, wer die Ansprachen des Kaisers für die Vcrbreitnng redigiert. Kaum eine Siede nämlich wird veröffentlicht, in die nicht die lnertwlirdigsteii Wendungen hincinredigiert sind. So enthält die legte Stuttgarter Rede des Kaisers in der amtlichen Wiedergabe folgenden Satz: „Darin versinnbildlicht sich, wie in unseren Monarchien das Königtum an der Spitze cincs Volkes die einzig wirklich sichere Stiitte für die Bewahrnug von Thron und Altar, Religion uiid Sitte am Ausgang des 13. Jahrhunderts ist." Das kamt der Kaiser nicht gesagt haben, daß das Königtum die Stütze für den Thron bildet; denn das Königtum ist ja der Thron.. Auch der Karlsruher Trinkspruch wurde recht seltsam redigiert. Dem Redactcur war beispielsweise das folgende Bild unter- gelaufen: „Ob gold-rot, ob schivarz-rot. ob grün-weiß oder schwarz- weiß, so reiht sich Fähnlein an Fähnlein, und bildet in seiner Gesamtheit eine» Panzer, der nnt da» goldene Panter unseres Reiches gelagert ist, um dasselbe zn schützen und zu sichern." Das Wvlffsche Tclegraphenbiircau sieht sich heute genötigt, diesen Satz in folgender Weise' zn berichtigen:„So reiht sich Fähnlein an Fähnlein und bildet in seiner Gesamtheit den Heerbann, der um das goldne" usiv. Ebendaselbst sei in der 13. Zeile von unten zu lesen:„Möge deint das neue Jahrhundert unser junges Reich" usw. (nicht das scheidende Jahrhuudert).— Der preußische Landtag wird, wie offiziös erklärt wird, nicht vor Weihnachten cinberufen. Die Regierung kann warten!— Bcamtcnpsiichtcn. Die ministerielle„Perl. Korrespondenz" setzt anseinander, daß die Beamten keine eigene Meinung zu haben hätten. Wenn die Leute, welche diese Lausbahn einschlagen, keinen Wert auf derartige Menschenrechte legen, so ist das ihre Sache. Jnö Parla- ment gehören solche willens- und überzeugungslosen Werkzeuge jeden- falls nicht.— Ztnn Obcrpräsidcntcn in Potsdam soll Graf Stolberg, bisher Obcrpräsideiit in Hannover, ernannt sein.— Schmerzlicher Verlust. Herr Lieber, der Große im Reiche des Kuhhandels, soll der„Frkf. Ztg." zufolge der nächsten parlamen- tarischen Tagung fernbleiben. Er will nach Deutsch-Cbina reisen. um an Ort und Stelle neuen Mut für neue Marine- und Kolonial- Pläne zu gewinnen. Vielleicht will er sich auch in chinesischer Zopfpolitik üben. Den netten Herrn im Ministerium des Innern, v. Nheinbaben, charakterisiert H, v. Gcrlach, der nach der„Deutschen Tageszeitung" ein Vetter Nhciubabcns sein soll, in der„Welt am Montag" wie folgt: „Herr v. Rheinbaben ist konservativ, aber kein Polizei- konservativer von der Richtung wie Pnttkamcr und Koller. Weit eher könnte man ihn zu der' der christlich-socialen Richtung verwandten social-konservativen Gruppe zählen. In der deutschen Adelsgcnossenschaft, in der er eine hervorragende Rolle gespielt hat, und namentlich für die Errichtung von adligen Damen- heimelt thätig eingetreten ist, gehörte er zu dein social angehauchten Flügel. Für eine bloße Polizei- und Unterdrückungs- g c s c tz g e b u n g ist er nicht zu haben. Obwohl seinen verwandt- schaftlichen Beziehungen nach ausschließlich dem Kreise der Groß- grundbesitzer und Offiziere angchörig, ist er doch weder Bündler noch einseitiger Junker, lieber seine Befähigung ist bei niemandem, der ihn kennt, der leiseste Zweifel. Hervorzuheben ist namentlich seine rednerische Gelvandtheil... Kurz, er besitzt so manche Eigenschaft, die einen sagen läßt: es hätte eine schlechtere Wahl getroffen werden köiMen. „Lächerlich freilich wäre eS, sich einzubilden, daß Freiherr v. Nheinbaben eine liberale oder eine wirklich sociale Politik ein- leiten würde. Denn wenn er auch kein bloßer Polizeiminister 4. la Reffe ist, so trennt ihn doch eine ganze Welt von der liberalen Wcltanschauuug. Und wenn man ihn socialkonservativ zu nennen ivagt, so liegt doch der Ton dabei durchaus auf dein Worte konicrvativ. Im großen und ganzen wird also die preußische Politik unter ihm dieselbe bleiben wie bisher. Das liegt ja auch schon darin, daß er, der Liebling MiqnelS, zu den wärmsten Anhängern des schlauen Finanzministers gehört."— ivoit der Miuistcr-Brutaustalt. Woher kommen die Minister? Darüber plaudert H.v. Gcrlach in der„Well am Montag" wie folgt: Die preußische Politik wird immer dieselbe bleiben, so lange man nicht mit dein bisherigen RekrutierungSsystem für die Minister bricht. Bi§ jetzt holt man sie, von den reinen Fachministcricn abgesehen, fast immer aus den Obcrpräsidien oder NicgiernngSpräsidien. Das heißt, man greift auf die Elemente zurück, die die Berwaltnngs- lausbahn vom Regierungsrefercndar an— früher, che die Scheidung zwischen Gerichts- und' Rcgieruiigsreferendarcn durchgeführt war, vom RegiermigSasscssor an— durchmessen haben. Wer bringt es nun zum Regicrungsreferendar? So unscheinbar der Titel ist, so schwer ist es oft, ihn zu erhalten. Aus der riesigen Schar der Gcrichtsrefercndare ist es nur eine kleine Auslese, der man es gestattet, das„plebejische" Gericht mit der „feudalen" Regierung zu vertauschen. Nicht gerade eine g e i st i g e Auslese ist es, die vorgenommen wird. Auf Begabung und Lei- stungen wird weniger gesehen, als auf Gesinnung und Geburt. Man kann sein Refcrendnrexanien mit Auszeichnung bestanden haben und doch vergeblich an die Pforten der preußischen Verwaltimg klopfen, während ein anderer, der mit Mühe und Not zum zweiteninale die Prllfnngsbehörde genommen hat, ohne jede Schwierigkeit durch das für ihn weit geöffnete Thor hineinivrengt. Man muß nur eine gewisse Vorsicht in der Wahl seiner Eltern beobachtet haben. Ist man adlig oder durch Korpsstndentenschmisse nobiliticrt oder Reserve- Offizier oder Sohn eines Großgrundbesitzers, Offiziers oder höheren Beamten, so hat man die besten Aussichten. Jüdisches Blut bildet nur dann kein Hindernis, wenn es durch Taufe, viel Geld und feudales Leben angeblaut ist. Alles, was liberaler oder auch nur bürgerlicher Gesinnung verdächtig ist, bleibt fast ausnahmslos von der Verwaltung ausgeschlossen. Dafür sorgen schon die Regierungs- Präsidenten, von deren diskretionärem Ermessen die Annahme der Regierungsreferendare abhängt. Jedem„zweifelhaften" Bewerber schallt ein„Besetzt I" entgegen, während gut empfohlene Kandidaten, auch wenn die Zahl voll ist,„vorgemerkt" werden. So kommt es, daß die Verwallungsbeamten hoch über den„gewöhnlichen" Juristen schweben, die es nur bis zum Richter oder gar nur bis zum Rechts- anwalt bringen. So hoch, daß man sich schmunzelnd in den Regierungskreisen die Geschichte von dem Amtsrichter erzählt, den man wegen Größenwahns ins Irrenhaus sperren mußte, weil er sich einbildete, zum Regierungsassessor ernannt worden zu sein. Stellen die Regicrungsreferendare schon jetzt eine Auslese dar, so wird die Säuberung auch noch später fortgesetzt. Man fischt noch im Hälter. Die Masse der Beamten bleibt bei den Bezirks- regierungcn, macht dort die gewöhnliche„Ochsentour" durch und stirbt schließlich, nachdem sie mit dem„offiziellen Blödsinnigkcits- attest" verschen ist, wie man einen gewissen, weniger mit Rücksicht auf Verdienste als auf Dienstalter verliehenen Titel zu nennen Pflegt. Die„schneidigen" Elemente werden Landräte. Aus ihnen und aus gewissen vortragenden Räten in den Ministerien gehen die Minister hervor, nachdem das Durchgangsstadium des Rcgierungs- präsidiums überwunden� ist.— Nationalliberales DennnziantetttttM. Die„Münchener Allg. Zeitung" schreibt: „Das von der socialdcmokratischcn Gewerkschaftskominission verbreitete italienische Agitationsblatt„L'Operaio Jtalinno" hat bei den Italienern eine gute Aufnahme gefunden; aus den Reihen der Italiener sind selbst Agitatoren(Bosi usw.) er- standen, die die socialdemokratischen Lehren eifrig weiter oerbreiten. Es haben sich sogar italienische socialdenio- kratische Organisationen in Deutschland, specicll in Süd- deutschland gebildet, ein Zu st and, der auf die Dauer doch zu sehr mannigfaltigen Bedenken Anlaß geben muß. Vor etlichen Tagen hat wiederum im Badischcn eine große Versammlung italienischer Arbeiter und Arbeiterinnen statt- gefunden, denen in italienischer Sprache die socialdemokratischen Lehre» verzapft und die mit allen Mitteln zum Anschluß an die socialdemokratischen Organisationen bearbeitet wurden. R a u in für alle fremdländischen Arbeiter i st in Deutsch- l a n d; aber wir haben d o ch w a h r l i ch m i t u n s e r e r eigenen Socialdemokratie so viel zu t h u n, daß wir k e i n c n G r u n d haben, das neue P f l ä n z cki e n aufkommen zu lassen. Die italienischen Arbeiter sind in Deutschland ganz gern gesehene Gäste, aber sie haben nicht das Recht, sich hier au staatsfeindlichen Organisationen zn beteiligen." Also: Polizei hilf! Die italienischen Arbeiter haben zwar das Recht, nach Deutschland zu kommen, um hier billiger zu arbeiten und williger alle Untcrnehnierbrutalitätcn zu erdulden, wie die deutschen Arbeiter; wenn sie aber versuche», durch Organisation der Ausbeutung zu wehren und für Verbessening ihrer Lage cinzu- treten— dann hinaus mit ihnen: das läßt sich ein ausländer- freundlicher Unternehmer nicht gefallen. Denn das muß festgehalten werden:„Oa Operaio Italiano" ist ein rein gewerkschaft- I i ch c s Blatt und eS handelt sich bei den Versammlungen italienischer Arbeiter lediglich um gewerkschaftliche Agitation und Organisation. Der Profit ist in Gefahr— das ist staatsfeindlich für jeden echten Rationnlliberalen! Ileber die„königlich bayrische" Toeialdemokratie lief neulich folgendes Geschichtchcn durch die Presse: „Als jüngst Sc. kgl. Hoheit der Prinz-Regent über Urfeld am Walchensec nach Lindenhof fuhr, waren die Dörfer Urfeld usw. festlich geschmückt, die Bewohner begrüßten den Regenten aufs herzlichste. Auch die Villa des Herrn v. Wollmar hatte Fahnen- schmuck angelegt, an der Front des HanseS waren b I a u- w c i ß e Fähnchen gekreuzt angebracht, Frau v. Wollmar entbot am Thor der Villa dein vorüberfahrenden Regenten respektvoll den Grnß und dasselbe that Herr v. Wollmar von der Veranda des Hauses aus." Die geschilderte Seene ist, wie die„Münch. Post" bestimmt erfährt, zienilich wahrheitsgetreu wiedergegeben. Nur daß dabei eine kleine Verwechslung von Ort und Personen unter- laufen ist. Die Sache hat sich nämlich nicht auf Soiensaß, sondern vor dem ein paar hundert Meter davon gegen Urfeld zu gelegenen Landhaus des Berliner Professors Rietschel ab- gespielt.— Die oldenburgischen Landtagswahlen beginnen am 21. Sep- tember. Die Wahlmänner werden an verschiedenen Tagen gewählt. Unfere Parteigenossen gehen mit großen Hoffnungen in die Wahl.— Ein antisemitischer Parteitag hat am Sonntag zu Hamburg stattgefunden. Liebermann v. Sonneuberg hielt eine recht resignierte, lebensmüde Rede. Der Parteitag erklärte sich in Sachen der Zuchthausvorlage mit der gegnerischen Haltung der Fraktion ein- verstanden, nachdem Bruhn von der„Staatsbürger-Zeitung" scharf für die Zuchthausvorlage gesprochen. Die antisemitische Preffe tritt nach wie vor gleichfalls für die Zerstörung der Koalitionsfreiheit ein. Lieberinann wurde trotz seiner Rücktrittsgedanken wieder zum ersten Vorsitzenden gewählt; ziveiter wurde Zimmermann.— Paralyse. Für unsere Antisemiten ist der Kampf um das Recht in Frankreich eine verzweifelte Angelegenheit. Für dessen Unschuld ge- stritten wird, ist ein Jude,' der nach antisemitischer Völkerkunde a, priori ein Schuft sein muß. Ist Dreyfus ein Verräter,— wie herrlich bestätigt und fördert das die antisemitische Rassenhatz. Also sei er ein Verräter trotz nicht nur allem geraden Menschen- verstand, nein, trotz der klaren, eindringlichen Widerlegungen der eigenen deutschen Regierung. Zwei Berliner Blätter halten fest an Dreyfus' Schuld, an der Gerechtigkeit des Urteils von Reimes: die„Deutsche Tageszeitung" und die„Staatsbürger-Zeitung". Die Verurteilung Dreyfus' als- bald nach der bekannten hoch'amtlichen Erklärung des„RcichS-An- zeigers" hat die Antijudcn der„Staatsbürger-Zeitung" vollends pathologisch zerrüttet und sie faseln um die Wette mit dem Cernucky und Merline de Muller: Mit tiefer Beschämung aber erfüllt uns daS Verhalten der deutschen Presse, die noch in den letzten Stunden Anlaß nahm, die höchst überflüssige und mindestens in ihrer Form verfehlte Erklärung im„Reichs-An zeige r" als ein Beweisstück für die Unschuld des Dreyfus hinzustellen. Das ist eine schändliche Mache des vereinigten Judentums, eine Nichtswürdigkeit/ die zu begehen selbst, wenn auch nicht deutsch gesinnte, so doch deutsch gedruckte Blätter sich schämen sollten. Und wäre unser deutsches Volk nicht so irregeleitet in seinem Denken und Fühlen durch die Judenpresie, wie es leider der Fall ist, so müßte es sich gegen die Frechheit der Organe des D r e y f u s s y n d i k a t s mit Empörung verwahren. Aber unser Volk läßt sich ja leider von der Judenkligue in der Presse leiten. In dieser Hinsicht besteht eine Dummheit, die nicht scharf genug gekennzeichnet werden kann, und leider sind es die Kreise„von Bildung und Besitz", die sich so undeutsch, so judenkriccherisch zeigen I Als wir die Erklärung im„Reichs-Anzeiger" lasen, wußten wir sofort, daß die Dreyfuspressc sie benutzen würde, um den jüdischen Verräter als unschuldig erscheinen zu lassen, und leider leistete die Form der Erklärung diesem Treiben ja Vor- schub. Das war ja eben die Perfidie der ganzen Treibereien, daß die Sache so gedreht wurde, als müsse Dreyfus für Deutschland spioniert haben oder, wenn das nicht nachzuweisen Ivar, überhaupt kein Spion gewesen sein. Wir haben dieser Mache gegenüber wiederholt erklärt: Dreyfus war Spion, aber nicht für uns, sondern für Rußland. Der Urteilsspruch des Gerichtshofes in Reimes gicbt uns recht. Daher auch die„mildernden Umstände"!... Die„Staatsbürgcr-Ztg." hat mit Dreyfus unter einer Decke für Rußland Spionage betrieben. Daher ihre unheimliche Wissen- schaft.—_ Zum Zuchthauögesetz-Entwurf bemerkt die„Nat.-Lib. Korresp." in Anknüpfung an eine Bemerkung des Abg. Heine, daß die socialdemokratische Reichstagsfraktion zur zweiten Beratung des Gesetzentwurfs„mit positiven An- trägen hervortreten werde, die den wirksamen Schutz der Koalitionsfreiheit bezwecken" folgendes: „Bekanntlich hat der Abg. Lieber bereits bei der ersten Bc- ratung jenes Gesetzes angekündigt, daß er im Herbst dem Regiernngsentwurf einen ausgearbeiteten eigenen Eni- Wurf gegenüberstellen werde, der das zunächst schaffen und vollenden solle, was die Regierungsvorlage zu schützen unter- nimmt. Insbesondere wollte der Centrumsführer den politischen Vereinen das Recht, mit einander in Verbindung zu treten, und den BerufSvcreincn die Rechtsfähigkeit erwirken. Wie weit er in seinem Entwurf auch den Schutz der voll- endeten Koalitionsfreiheit gegen Mißbrauch entwickeln wollte, ging an? seiner Rede nicht mit Sicherheit hervor. Jedenfalls eröffnen aber diese Ankündigungen von feiten des Ccntrnms und der Socialdeinokraten die Aussicht auf langwierige und weit- ausgreifende Debatten zur zweiten Lesung des Entwurfs. Praktisch bedeuten diese Ankiindignngen etwa soviel, daß alle noch unerledigten Initiativanträge, die mit der Koalitionsfreiheit irgend in Beziehung stehen, demnächst in Verbindung mit' dem Entwurf zum Schutz der gc- werblichen Arbeitsverhältnisse auf die Tagesordnung gestellt und beraten werden sollen. Dahin gehört dann selbstverständlich auch der Antrag d er n a t i o n a l l i b e r a I e n Fraktion, durch ein„Notgcsetz" das KoalitionSverbot für politische Vereine aus der Welt zn schaffen, wo es landcsgcsetzlich noch imnier fortbesteht. In welcher Weise eine derart belastete Plenarberatung zu Ende geführt werden kann, ist vorläufig nicht abzusehen."— Zustand. Der Hochverratö-Prozest in Serbien. Aus der Sonnabendvvrmittags- Sitzung wird noch berichtet: Oberst Nikolie ivird aufgefordert, sich über den ihn betreffenden Teil der Anklage zu nnßern. Er erwidert, die ganze Angelegen- heit sei ihm unbekannt, er könne das beeide», er habe zu der radikalen Partei in keinen Beziehungen gestanden. Der Branntwein- schänkcr Tiinie behauptet, nichts von der Angelegenheit zu wissen, er habe niemals Knezevie gesehen und sei völlig tut- schuldig. Hierauf wird die Aussage Knezcvics v o m 9. Juli verlesen, welche besagt, daß Knczevic, Nikolie und ein Unbekannter, angeblich Peter Karageorgewitsch, sich in Gegenwart des Dimic über das Attentat ans Milan verabredeten. Auf Befragen bestätigt Knezevie die Nichtigkeit dieser Aussage. Die Nachmittags- und die Sonntags-Vormittagssitzung waren vollständig dem Verhöre Pasites gewidmet. Pasitc erklärte, die gegen ihn persönlich erhobenen Anklagen beträfen die radikale Partei, die indessen die Opposition stetS in legalen Grenzen betrieben habe. Pasite betonte seinen dynastischen Geist und erklärte, er habe stets anerkannt, daß aller Fortschritt, ja der Bestand Serbiens von der Stabilität der Dynastie abhänge; alle Errungenschaften Serbiens seien dem Hause Obrcnovitsch und' dessen Einvernehmen mit dem Volke zu danken. Pasitc leugnet entschieden, aufrührerische Beziehungen mit Nikolie gehabt zu haben. Er schwöre bei seinen Kindern, locdcr verbotene Zeitungen oder Broschüren gesehen noch gelesen zn haben, auch habe er niemals aufrührerische antidynastische Acußcrungen gethan. Vier Zeugen erklären, Pasic habe im Park von Poscharewatsch in Gegenwart zweier Bauern gesagt: Beunruhigt Euch nicht; binnen kurzem wird in Serbien ein wichtiges Ereignis eintreten. Grüßet unsere Leute, sagt ihnen, sie sollen bereit sein. Pasic leugnet demgegenüber und behauptet, gar�nicht im Parke gewesen zu sein. Der Präsident des Standgerichts verständigte dieZeitungS- berichter statter, daß er ihnen, falls sie nicht objektive Berichte brächten, den Eintritt in denGerichtssaal ver- bieten werde. Es ist wohl zu glauben, daß es den Schergen des ungeheuer- lichen Justizvcrbrechens, das in Belgrad verübt wird, nicht gefällt, wenn die Leichtfertigkeit der Anklage, die Scheußlichkeiten der Milan- Bande dem europäischen Publikum mitgeteilt werden.— Die Pest. Oporto. 10. September. Gestern sind zwei Personen an der Pest gestorben. Drei mit Serum behandelte Pestkranke befinden sich auf dem besten Wege zur Genesung. Ein Bericht der französischen Aerzte spricht sich dahin aus, daß die Pest noch andauern könne, ohne jedoch an Umfang zuzunehmen; es sei kaum möglich, andere europäische Städte vor einer Ansteckung zn schlitzen; aber die Seuche werde nur in den Städten auftreten, die keine zur Wahrung der Gesundheit erforderlichen Maßregeln getroffen haben. Der Bericht beklagt das Vorhandensein des sanitären Kordons in Lissabon, in Erwägung, daß eine Steigerung der schlimmen Lage in Oporto der Verbreitung der Pest Vorschub leisten werde, das Geld für Bestreitung des Kordons würde besser zur Organisation von hygienischen Maßnahmen in Oporto angewandr werden. Neber SO OOS Fabrikarbeiter in Oporto sind durch die Ab- sperrung brotlos geworden. Der Anblick der Stadt ist trostlos. Die Agitation gegen die Absperrung wächst. London, 11. September. Wie der„Standard" aus Konstanti- nopel meldet, ist im Lazarett zu Beirut ein Pestfall fest- gestellt worden. Derselbe soll an Bord eines von Alexandrien ge- kommencn französischen Dampfbootes aufgetreten sein. Oestreich- Ungarn. Eger, 10. September. Gestern abend fanden hier wiederum große socialistische Kundgebungen gegen die Deutsch-Nationalen statt.— Spanien. Barcelona, 10. September. Der Klub der Autonomisten in Katalonien verbreitet eine Proklamation, in welcher die Autonomie der Provinzen gefordert wird, die das einzige Mittel sei, durch das Spanien gerettet werden könne. Die Proklamation wird in er- regier Weise besprochen. Rnftland. Ueber die Petersburger Hochschul- Verhältniffe wird uns mitgeteilt: Die Petersburger Hochschul- Professoren sind von ihrer Obrigkeit einem Verhör unterworfen worden; sie wurden befragt, wie sie sich den Studenten gegenüber zu verhalten gedenken, welches ihre politische Ueberzeugungcn sind, ob ihrerseits nicht ein schädlicher Einfluß auf die Studenten zu erwarten ist. Die Folge dieses Verhörs war, daß die besten Professoren der Peters- burger Universität sowie der höheren Fratien- kurse von ihren Ae m tern zurücktreten mußten, es sind dies die Professoren der russischen Litterawr Wengerow und Kotlja rew s ky, der russischen Geschichte K a r e j e w, der allgemeinen Geschichte F o r st e n, der Geschichte des Mittelalters G r e w s. Von den Studierenden, welche wegen ihrer Beteiligung am Studentenstreik verhaftet wurden, befinden sich zur Zeit noch in Petersburg im Gefängnis die Studenten der Universität Koljajew, Sokoloiv und Nosdriu; der Forstakademie Safonow, Ladygin, Tscheru- jaew und die Schülerin der Roschdestweuschen Hebammenschule Archangelskaja, In den nächsten Tagen beginnt in den russischen Hochschulen das Wintersemester— es. wird allgemein angenommen. daß die Studentenunruhen von neuem ausbrechen werden.— In Saratow sGouverncmcntSstadt an der Wolga) wurden im August verhaftet drei wegen Beteiligung an der Studcntenbewegung relegierte Studenten sMalinin, Tschegodajew und Chischow), elf Ar- beiter der Eisenbahnwerkstätten sSosuowzew, Kornilow, Luschnikow, Tereschkin, Fokin, Tschernjawsky, Jegorow, Chasin, Kostin, Schutarin, Kudrjaschow— die vier letztgenannten sind bereits ans der Haft entlasscii),— der Arbeiter der Behringschen Fabrik Plaksiu(dieser ist gleichfalls schon entlassen) sowie zwei Arbeiter der Wolgaer Stahl- fabrik. Außerdem wurden bei einigen zur„Intelligenz" gehörenden Personen Haussuchungen vorgenommen, darunter bei zwei Schivcsteru, von denen eine derart erschrak, daß sie, als die Polizei iu ihr Zimmer drang, durchs Fenster hinauSspraug. Anlaß zu diesem Vor- gehen der Gendarmerie gab das Erscheinen der Hektographisch her- gestellten Zeitung„Der Arbeiter von Saratow"— drei Nummern dieser Zeitung waren bereits erschienen.— Ktovkei-UlrnJir whken. Neumünster, 10. Sept. 1899. Der alle zwei Jahre stattfindende Parteitag für Schleswig- Holstein, daS Herzogtum Lanenbnrg, Fürstentum Lübeck nnd Hamburg hat Sonntag in Nenmünster seinen Anfang genommen. Anwesend sind ca. SO Delegierte, Vertreter der„Schlesw.-Holst. VolkSzcitung". des„Hamburger Echo", der„Nordwacht" und deS „Lübecker Voltöbotcn". Außerdem sind anwesend die Agitations- kommission und die Reichstags- Abgeordneten F r o h in e und v. E l in. Aus der reichhaltigen Tagesordnung heben wir besonders her- vor: die Berichterstattung der Agitatiouskommission und die übet die Presse, und die Stellungnahme zu den Kommunalwahlen in der Provinz. Die Agitation ist je den Mitteln entsprechend nach besten Kräften erfolgt und haben sowohl die Nachwahl im Plöner Kreise im November 1897. lvie auch namentlich die Hauptwahlen 1898 die Agitationskonnnission sehr in Anspruch genominen. Trotz der auch diesmal wieder besonders beliebten Lokalabtreibung, des Drucks von Oben, ist die Stimmenzahl für unsere Partei in der Provinz auf 81 000 gestiegen, gegenüber den 128 000, die insgesamt die Gegner auf sich vereinigten. Politische Organisationen sind 44 vorhanden. In den zwei Jahren der Berichtsperiode sind an Druck- schristen, Flugblätter 1 600 000 verbreitet und 1.5 Millionen Stimm- zettcl verteilt worden. Die Abrechnung der Agitationskommissioit schließt in Einnahme mit 1ö 179 M., davon ans Berlin 6500 M., Hamburg 2700 M.. Altona 1427 M„ Kiel 763 M.. Itzehoe 655 M., Neuniünstsr 402 M., und einer Ausgabe von 13 657 M. Für Agitation einschließlich der Reichstagswahl sind 12 904 M. ver- ausgabt worden. In der Debatte werden die Fragen der Agitation im allgemeinen und der Landagitation im besonderen, und die Niederlage im Kieler Kreise erörtert. Vom Abg. Frohme werden die Ausführungen der Agitationskommissioit dahin ergänzt, daß auch die Leistuugen Altonas für den 10. Wahlkreis mit in Rechnimg gesetzt werden müßten. Nicht weniger wie 12— 13 000 M. seien für diesen Wahlkreis verausgabt worden. Für die Agitation sei nichts wichtiger, als daß der die Agitation betreibende Genosse auch dem Denken, Fühlen und Empfinden des Volkes nahesteht und deshalb solle man nur solche Guossen nehmen, die hier den Ansprüchen genügten, und da erscheine es bei der Eigenart des hiesigen Volkes, namentlich auf dein Lande, weniger rütlich, so vielfach, wie in der Provinz geschehen, Frauen zur Agitation zu verwenden. Verschiedentlich ivird der Verlust des Kieler Kreises auf die zu große Sicgeshoffnuug der Kieler Geuvsscn und der infolgedessen etwas zu lässig' betriebenen Arbeit zuriickgeführt. Von den Kieler Delegierten wird der Verlust darauf zurückgeführt, daß die bürgerlichen Parteien es Meister- Haft verstanden, in der Frage der Flottcnvermehrung daS lokale, persönliche Interesse des einzelnen Wählers in den Vorder- arund zu rücken, was teilweise nicht ohne Wirkung geblieben sei. Ebenso haben auch die Bauarbeiter-AuSstände in Neumünster und Preetz zahlreiche Wähler vom Orte fern gehalten. Ein Antrag, den Sitz der Agitatiouskonmiission von Nenmünster nach Kiel zu. verlegen, wird mit dem dadurch ermöglichten besseren Hondinhandarbeiten der Presse und der Agitationsleitung be- gründet. In der Lcindagitation wird verschiedentlich etwas größere Arbeit verlangt. Man dürfe nicht alles über einen Leisten schlagen und nur nach einem Rezept arbeiten. Dem Entwickluugs- gang müsse man sich anpassen und den Leuten die Sache so dar- stellen, wie sie ihnen verständlich sei. Ilm 7 Uhr abends wird die Verhandlung geschlossen und auf Montag vertagt. Die hessische Landeskonferenz wurde am Sonntag in Mainz abgehalten. Anwesend waren 78 Delegierte. Ulrich erstattet den Bericht über die Thätigleit des Landeskomitees. Die von der vor- jährigen Landeskonferenz gewünschte Herausgabe eines Agitations- kalenders konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, weil das Landeskomitee es für richtiger hielt, die disponiblen Mittel für die bevorstehenden Landtagswahlen zu reservieren. Die Vorbereitungen für letztere sind getroffen. Ein zur Verbreitung im ganzen Lande bestimmtes Flugblatt, das in sachlicher Weise über die Thätigleit der socialdemokratischen Fraktion im Landtag berichtet, wurde in 60(XX) Exemplaren hergestellt. In den neun Kreisen, in denen wir uns an der Landtagswahl beteiligen, sind unsere Kandidaten aufgestellt, überall sind wir fertig zum Gefecht.— Der Kassierer des Landes- komitees. Gen. Orb- Offenbach, berichtet über die Kasscnvcrhältnisse. Dieselben haben sich nach Einführung einer einheitlichen Landes- beitragsnrarke wesentlich gegen früher gebessert. Die Einnahmen beliefen sich— einschließlich eines Bestanbes von 143,32 M.— auf 2296,91 M.. die Ausgaben auf 1649,50 M. Der Kassenbestand bc- trägt also 647,41 M. Landtagsabgcordneter Haas- Mainz berichtete sodann in auS- führlicher Weise über die Thätigleit der socialdemokratischen Fraktion im Landtag. Da im„Vorwärts" über die Landtagsverhandlungen berichtet worden ist, sehen wir von einer Wiedergabc des Haasschen Referats ab. Annahme fand mit geringer Mehrheit ein Antrag H e i l m a n n- Offenbach: Das Landeskomitee wird beauf- tragt, nach jeder Landtagsperiode einen gedruckte» Bericht herauszugeben, ähnlich dem Handbuch für focialdemokratische Reichstagswähler. Einstimmig erklärte sich die Landeskonferenz mit der Thätigleit der Landtagsfraktion cinverstandeir. Nach der Mittagspause spricht Abg. C r a m e r- Darmstadt über die bevorstehenden Landtagswahlen. Nach einer kurzen aber treff- lichen Charakteristik der Nationalliberalen, die früher den Landtag beherrschten, schildert Redner die früheren Wahlen, die mehr oder weniger unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfanden. Seitdem sich unsere Partei an den Wahlen beteiligt, ist das anders geworden. Der Referent giebt dann eine Ucbersicht über die Wahlaussichten in den einzelnen Kreisen. Er stützt sich dabei auf die bei den letzten Reichstagswahlen erzielten Stiinmenzahlen. Danach sind unsere Aussichten die denkbar besten, da wir in den meisten Bezirken mehr Stimmen hatten, als die gegnerischen Parteien zusammengenonunen. Die Schwierigkeit liegt in der Hauptsache in dem indirekten Wahl- system. Cramcr ermuntert zu eifriger Agitation und spricht die Hoffnung aus, daß in dem»euen Landtag unsere Fraktion stärker vertreten sein wird, als seither. Eine kurze Debatte ergiebt die Ucbereinstimmung des Parteitages mit den Ausführungen des Referenten.— Für die Beteiligung an den LandtagSwahlcn im Großherzogtum Oldenburg sprach sich eine Parteivcrsanunlung in Delmenhorst nach einem Referate des Genossen H u y aus, nachdem sich eine gleiche, jedoch sehr schwach besuchte Versammlung am 26. August dagegen ausgesprochen hatte. Berichtigung. Zu dem Bericht über die Kreiskonferenz des Wahlkreises Bochum teilt uns der Kreisvertrauensmann mit, daß außer den als Einnahme verrechneten 85 M. noch 509,94 M. zum Preßfonds und 250,26 M. diverse Beiträge eingegangen waren, so daß sich die Gesaniteinnahme mit den 61 M. Kassenbestand auf etivas über 900 M. stellt. I» Brüssel tagte am Sonntag im Maison du Peuple der Kongreß der socialistischen Gcineinderäte Belgiens, der äußerst stark beiucht war. Nach dem Bericht der Delegierten und dem des Generalsekretärs der„Vereinigung der socialistischen Gcineinderäte" wurde über kommunale Steuerfragcn, Medizinalangclcgenheiten 2C. diskutiert; die einzelnen Punkte wurden besonderen Kommissionen überwiesen. Der nächste Kongreß wird die Frage der Volks- bibliotheken behandeln. In einer scharfen Resolution wurde das Verhalten der fünf Feiglinge ,n R e n n e s gegeißelt, die auf Befehl einen Unschuldigen verurteilten._ GeivevkschÄfklirhes. Berlin und llingcgcud. Heber die gester»(Montag) erfolgte Arbcitöeiiistellnng der Kohlenarbeiter«nd-Kutscher wird uns noch folgendes mit- geteilt. In Rücksicht des am Sonntag erfolgten Beschlusses(siehe „Bcrsammlungen"), wurden ani Montagvormittag seitens der Vertrauensleute die Forderungen der Arbeiter sämtlichen etwa 80 llnter- nehmern zur schriftlichen Aiicrkennung vorgelegt. Etiva 18 Firmen mit ca. 300 A r b e i t e r n'haben sämtliche Forderungen sofort bewilligt, 7 Firmen dagegen kurzweg abgelehnt. Bon den übrigen etiva 50 Firmen niit ca. 1500 Arbeiten! wurden nur teilweise Zugestäodnisse gemacht, so daß dort sofort die A r b c i t s c i n st e l l u n g erfolgte. Die Haltimg der Ausständigen ist eine siegesfrcudige und eine durchweg musterhafte. Bisher waren auch nur etwa 30„Arbeitswillige" zu verzeichnen. Wie uns ferner mitgeteilt wurde, soll der Berliner„Central- Arbeitsnachweis" beschlossen haben, während der Dauer des Streiks Ardeiter für die Kohlengeschäfte durch Plakate an den An- schlagsäulen nicht mehr zu suchen. Zur Lohnbchicgung der Möbclpolierer. Nach den bis Montagnachmittaz eingegangenen Meldungen haben eine größere Zahl schon ohne Arbeitsciustellung ihre Forderungen bewilligt er- halten. Ausständig sind 149 Mann. Einige größere Fabrikanten ivollen erst die Montagabend tagende Versanimlung der Freie n Bereinigung der H olzindn st ri eilen abwarten. Die Forderungen der Polierer werden den Fabrikanten in ihrer Ver- sammlung gedruckt kingchnudigt. Näheres heute, Dicnstagabeiid, in der Versammlung der Möbelpolierer bei Ficbig, Gr. Frankfnrter- straße 28.(Siehe Inserat.) Die K o m in i s s i o n. Zur Lohnbewegung der Holzbildhauer Berlins. Wie die Lohnkommffsion in der gestrigen außerordentlich stark besuchten Versammlung berichtete, wurden auf Grund des Beschlusses von voriger Woche soweit dies hisher festgestellt werden konnte, ani Sonilabend in 120 Bildhauer-Wcrkstätteu mit 450 Gehilfen und in 45 Tischlereien amd Fabriken mit 158 Gehilfen die Forderungen den Unternehmern amterbrcitct. Die 50 stündige Arbeitszeit Ivn'rde in 98 Bildhauer- Werkstätten mit 450 Gehilfen bewilligt; ferner in 100 nnt 400 Gehilfen der Minimallohn, in 75 Werkstätten mit 350 Gehilfen die lOprozentigc Lohnerhöhung, in 72 Werkstätten mit-306 Gehilfen die 50 Prozent für Ueberstundcnarbeit zugestanden. In den Fabriken und Tischlereien wurde die 50stllndige Arbeitszeit in 40, der Minimallohn in 42, die 10 prozenlige Lohnerhöhung in 80, die 50 Proz. Aufschlag für Ueberstunden in 37 Werkstätten anerkannt. Insgesamt sind in ca. 150 Werkstätten mit 550 Gehilfen die Forderungen bewilligt. Von der Vereinigung selbständiger Bildhauer ist der Lohn- kommisfion ein Schreiben zugegangen, in dem sie sich zu VerHand- lung über die aufgestellten Forderungen mit einer Kommission bereit erklären. Im Gegensatz hierzu hat die freie Verciiiigung der Holziiidustriellen ein Cirkular an ihre Mitglieder versandt, in welchem sie sich vorläufig gegen die Bewilligung der Forderungen wendet. Am Dienstag wird eine von den selbständigen Bildhauern einberufene Versammlung stattfinden, die zu den Forderungen Stellung nehmen soll. Während einige Redner für die sofortige Arbeitseinstellung in allen den Werkstätten, wo die Forderungen nicht bewilligt sind, plä- Merten, befürworteten andere in Rücksicht auf die gegebenen Verhältnisie das Resultat der gemeinsamen Verhandlungen abzuwarten. Die Konjunktur ist eine günstige und wird dieselbe längere Zeit anhalten, so daß die Durchfuhrung der minimalen Forderungen nicht allzu schwer fallen dürfte, zumal in der großen Zahl von Werkstätten die- fclben bereits anerkannt worden sind. In allen den Werkstätten, wo Kündiguiigsfristen bestehen und die Forderungen nicht bewilligt sind, soll sofort gekündigt werden, Am Freitag findet eine Versammlung bei Stechert, Andreasstraße statt, in der über das Resultat der VerHand- lungen mit den Prinzipalen und den verwandten Branchen berichtet wird. In dieser Versammlung sollen dann auch alle weiteren Maß- nahmen beschlossen werden. Die Arbeitscinstellung ist bis dahin zu vermeiden. Die Berichte aus allen Werkstellcn sind bis Donnerstag an die Lohnkommission einzusenden. Das Bureau der Lohn- kommisfion befindet sich bei Spielbcrg, Kvpeniäerstr. 62. Telephon- Amt VII 3932. Posamentierer! Es haben bisher folgende Firmen bewilligt: O. Wille, E. Schulz, Merz, F. Epstein, Zeidler, Quast Nachf., Gebr. Prinz, F. Queitsch, Noa Nachf., Kaufe und Darnbitsch. Die übrigen Firmen sind bis auf weiteres zu meiden, in Arbeitsangelegenheil wende man sich nur an den Arbeitsnachweis Alte Jakobstr, 66 bei Witschet. Unsere Kollegen von der Tapeziererbranche ersuchen wir, unserer Bewegung moralische Unterstütznng angcdeihen zu lassen. D i e L o h n k o ni m i j s i o n. An die Barbier- und Friseurgehilfen Berlins und der Vororte! Kollegen! Seitdem die Bestimmungen über die Sonntagsruhe auch iin Friscnrgcwcrbe Anwendung gefunden haben, sind die Geschäftsinhaber, besonders die in Innungen organisierten, bemüht gewesen, diese zu umgehen und zu übertreten. Unterstützt wurden sie in ihrem Vorhaben noch dadurch, daß von feiten der Behörde fast gar keine Kontrolle stattfindet. Und so ist es glücklich wieder so weit gekommen, daß des Sonntags bis 3, 4. selbst 5 Uhr nach- mittags gearbeitet wird. Auf dem diesjährigen Kongreß der Innung in Karlsnihe wurde der Vorstand nun beauftragt, bei der Behörde vorstellig zu werden, dahingehend, daß an dem Sonntag vor Weihnachten sowie Neujahr die Gehilfen sowie Lehrlinge bis in die Abendstnnden hinein beschäftigt werden dürfen. Kollegen, dies ist der erste Schritt zur� Bescitigung resp. Verschlechterung der Sonntagsruhe-Bestimmungen ini Friseurgewerbe. Es ist daher notwendig, daß wir dieses Vorgehen mit voller Wucht, mit aller Energie zurückweisen. Die am 14. d. M. bei Schiller, Rosenthalerftr. 57, stattfindende Versammlung wird sich mit dieser Angelegeuheit beschäftigen und ist daher zahlreiches Er- scheinen der Kollegen notwendig. D i e K o m m i s s i o n. Deutsches Reich. Aufruf an die gesamte Arbeiterschaft Teutschlands. Die von den organisierte» Uliternehniern der S t e i n i n d u st r i e D e u t f cb l a» d s inscenierte Aussperrung, welche in den Bruch- gebieten Schlesiens und in Berlin mm schon 2 Monate dauert und cirka 1000 Mann umfaßt, dauert immer noch fort. Die Ursachen derselben sind bekannt. Die Steinarbeiter der vorgenannten Orte benutzten den ihnen aufgedrängten Ausstand, um mit der Verderb- lichen Accordarbcit zu brechen und allgemeinen Tagclohn einzuführen. Durch imiiicrwnhreude Kämpfe innerhalb unserer Gewerkschaft, im Jahre 1898 wie in diesem Jahre, ist unsere Kasse so in Mitleiden- schaft gezogen, daß wir nicht umhin können, die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands um finanzielle Unterstützung an- zurufen. Hierzu kommt noch, daß am 7. September durch einen Gewaltstrcich der Unternehmer 1500 Steinarbeiter in Dresden, Pirna und N e u n d o r f ausgesperrt wurden. Soeben wird uns bekannt, daß dieselbe unerhörte Maßregel mich in Leipzig zlir Ausführung gelangen soll, mithin noch 500 Mann hinzukämen. Wir betrachten den Kampf, den wir um unsere Organisation führen, als einen Vorläufer für andere Organisatioiicn, und fühlen uns verpflichtet, darin auszuhalten, bis wir einen zufriedenstellenden Abschluß erhalten können, ebenso wie wir die sichere Hoffnung hegen, daß unser Appell an die Arbeiterschaft Deiltschlands nicht vcr- gcblich sein wird. Der CentralauSschuß der Stei narbeiter Deutschlands. I. A.: C. H i r t m a n n, Berlin-Rixdorf, Steiumetzstraße 14, I. blL. An die Gewcrkschafts- und Parteipresse richten wir die Bitte, diesen Aufruf abzudrucken. In Brcölau sind die Arbeiter der CentralHeizungs- Branche in Differenzen mit den Uiiternchmcr». Zuzug ist fernzn- halten. Ter Lederarbeiter- Ausstand in Wilster dauert noch fort. Eine Verhandlung, welche der Cciitralvorstand in den letzten Tagen mit den Fabrikanten anbahnte, scheiterte an der Halsstarrigkeit der Arbeitgeber. Diese erklärten jetzt ganz offen, daß sie die Ver- l ä n g e r u n g der Arbeitszeit und zugleich die Verkürzung des Lohnes vornehmen wollen und daß sie einmal den Arbeiter» zeigen werden, wer die Macht besitzt. Der Austritt aus der Organi- sation wird auf das cntschiedcuste verlangt. Wie unberechtigt eine Verkürzung des Lohnes ist, zeigt uachstchcndcr, von einem Agenten der Arbeitgeber geschriebener Brief: Herrn...... in Kronsmoor! In Beantwortung Jbrcs Schreibens vom 14. September teilen Ihnen mit. daß Sic sofort antreten können und werden wir Ihre Wünsche bezüglich der Ihnen zuznerteilenden Arbeit nach Möglichkeit berücksichtigen. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß unsere Arbeiter streiken und werden diese es nicht unversucht lassen, Sie von der Arbeit abzuhalten. Sie wolle» uns deshalb schreiben, wann Sic hier eintreffen und werden wir Sie dann von der Bahn abholen. Der Tagclohn beträgt in unscrer Fabrik je nach der Persönlichkeit 2,50 M. bis 3,— M. Doch könncn Sie im Accord arbeiten und wenn Sie fleißig sind, noch mehr ver- dienen. Zur Vedinguiig machen wir, daß Sie nicht dem Lederarbeiter- Verbände angehören. Ihr Schwiegersohn kann sofort anfangen und würde hier, ivciin er fleißig und folgsam ist, eine angenehme und lohnende Stellung haben. Achtungsvoll W. Hanse n. Vor einiger Zeit wurde in Unternehinerblättern recht markt- schreierisch von horrenden Löhnen, welche die Lederarbeiter in Wilster verdienen, geschrieben. In diesem Brief ist nun cinmal gezeigt worden, was die Herren gewillt, sind für Löhne zu zahlen. Was es unter hentigen Verhältnisfen heißt, bei 66 stündigcr schwerer Arbeit 15—18 M. zu verdienen, das werden die Arbeiter zu beurteilen wohl in der Lage sein. Und ivie es in der Regel nicht so genau genommen wird, wie die Herren in solchen Fällen die Löhne noch höher preisen als sie nachher erreicht werden, so liegt es auch hier. Warum wollen aber die Herren die OrganisationS- zugchörigkcit vcrbictcn? Nun, sie wissen, daß sie mit den Arbeitevi wegen der Löhne oft in Streit kommen und da ist ihnen die Organisation, die den Arbeitern in dieser Bczichnng helfend zur Seite ficht, ein Hindernis. Dieses Hindernis soll beseitigt werden, damit man die Löhne alsdann ganz nach Belieben zahlen kann. Die Arbeiter werden dann selbst wenn sie alle gcwüiischtcn Eigen- schaften besitzen, also wenn sie jung, stark, fleißig, willig, folgsam und Iver weiß noch etivas sind, nichl einmal mehr 2,50 M. pro' Tag bei llstündiger Arbeitszeit verdienen. Die Arbeiter stehen noch wie am ersten Tage fcftgcschlosscn zusammen und iverdcn die Arbeit keines- falls unter verschlechterten Bedingungen aufnehmen. Die Verhältnisse liegen noch sehr günstig. Die Saison ist vor der Thür, und Arbeitswillige wollen sieb hihi durchaus nicht finden. Angesichts dieser Verhältnisse muß der Kampf, der vom lliiternchnicrtum. be- stärkt durch das brutale Vorgehen des benachbarten dänischen Unternehmertums, zu einer Machtfrage gestempelt ist. unbedingt weiter geführt werden. Wir ersuchen, uns daher in diesem überaus schweren Kampfe, der nun die 16. Woche andauert und 2000 Per« soncn betrifft, thatkräftig zu unterstützen. Gelder wolle man an A. Winkel, Gerber in Wilster(AhrenS' Herberge) senden. Tie Zimmerlcnte in Köln haben auf allen Werkplätzcn, die den geforderten Stundenlohn von 50 Pfennigen nicht bewilligt haben', die Arbeit niedergelegt. Die Zimmergesellen werden daher Köln meiden. Das Leipziger Gewerkschaftskartell und der Verband der Buchdrucker. Wie hinlänglich bekannt sein dürfte, sind die Leipziger Buchdrucker(alter Verband) schon seit Jahren im dortigen Kartell nicht vertreten. Das Leipziger Kartell stellte sich auf den Stand- Punkt, daß die Tarifgemeinschaft eine vom Boden des Klassenkampfes abweichende Vereinbarung sei und ließ deshalb nur die Gegner der Vereinbarung(Gaschiancr) zu. Nachdem der Frankfurter Gewerk- schafts-Kougreß die Tarifgemeinschaft anerkannt hatte, wurde Die Frage der Zulassung wieder akut. Das Leipziger Kartell hat sich mehrfach mit der Frage beschäftigt,*-kam jedoch abermals zu dem Beschluß, den Buchdrucker- Verband nicht zuzulassen. Gegen diesen Beschlntz legten die Buchdrucker Protest ein und wandten sich an die Gelicrallommission. Diese sollte das Leipziger Kartell auffordern, dem Frankfurter Beschluß nachzukoimnen. andern- falls solle die Gencrallommission dahin wirken, daß die Central- verbände ihre Delegierten vom Kartell zurückziehen. Auf die er- gangene Aufforderung der Generalkommission hin hat das L e i p- z i q'e r Kartell nun folgende Resolution angenommen:„Das Lcip- zig'er Gewerkschaftskartell gestattet den Mitgliedern des Buchdrucker- Verbandes den Zutritt zum Kartelle, vorausgesetzt, daß sie sich den Beschlüssen und dem Statut des Kartells in jeder Hinsicht unter- ordnen."...■ Die Leipziger Verbands- Buchdrucker sind, wie wir aus dem „Correspondent" ersehen, mit diesem Beschlüsse nicht einverstanden. Ausland. Die gesamte Arbeiterschaft der Ziindholz-Fabriken in G r a m m o n t(Belgien) hat die Arbeit niedergelegt: es kommen 1800 Personen in Betracht. Die Ursachen sind Lohnstreitigkeiten und die brutale Behandlung seitens der Aufseher. Die Firma Max Elias, Gips- und Cement-Bangeschäft, Berlin 8.. Blücherstr. 35, sendet uns nachstehende Berichtigung: In Nr. 206 vom 3. September er. Ihres Blattes haben Sie in dem Artikel „Achtung, Rabitzspanner" auch meine Firma als diejenige angegeben, welche ebenso wie die anderen Firmen die Nabitzspanner aus- gesperrt hätte. Zur Berichtigung teile Ihnen diesbezüglich mit, daß m meinem Betriebe nicht ein einziger Rabitzspanner und Putzer weder die Arbeit freiwillig niedergelegt hat, noch solche von mir ausgesperrt wurden, sondern nach wie vor sämtliche Leute bei mir in Thätigleit sind. Uetzke und Depeschen. Leipzig, 11. September.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) In der Fabrik(Musikwerke) von Lochmann streiken 500 Metallarbeiter. Zuzug ist fernzuhalten. Osnabrück, 11. September.(B. H.) Gestern nachmittag ging hier und in der benachbarten westfälischen Gegend ein heftiges Un- Ivcttcr nieder, bestehend in Regen, Hagel und Gewitter. Auf dem Lande wurden einige Verwüstungen angerichtet. Frankfurt a.'M., 11. Septbr.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus dem Haag: Die Maschinisten und Heizer der Rhein- dumpfer zu Rotterdam und Dortrecht hielten gestern abend eine Versammlung ab und beschlossen, in den Streik zu treten. Der Streik erstreckte sich auf alle Firmen, die bis zum 9. September den Kontrakt nicht unterzeichnet haben. Es zeichneten in Dortrecht 19, in Rotterdam 22 Reeder. Frankfurt a. M., 11. Septbr.(B. H.) Die„Franks. Ztg.' meldet ans New Dork:„World" meldet. der amerikanische Konsul »nd Vicekonsul in Bremen feien ihres Amtes entsetzt worden.— Im Thalia-Sheater verurteilte eine Maffenversammlung das Urteil gegen Dreyfns, ebenso in Lonisville. St. Louis und Jiidianopolis. In letzterem Orte wurde eine französische Fahne auf offener Straße verbrannt. Die Idee eines Boykotts der Weltausstellung ist weit verbreitet.. Fraukfnrt a. M., 11. September.(B. H.) Der„Frankf. Ztg. wird geschrieben: Wie in anderen Ländern, so hat auch in Deutsch- land, und zivar schon vor längerer Zeit, der Verlauf der Dreyfus- Affaire einigen Jndustriebranchen die Anregung gegeben, von der Beschickung der Weltausstellung abzusehen. So haben, wie uns versichert wird, mehrere der namhaftesten Firmen m der Lederbrauche ihre Anmeldung zurückgenommen. Aus den Motiven dieses Schrittes machen sie kein Hehl. Da nur etiva drei Firmen bei ihrer Anmeldung beharrten, so kam der Kommissar, Ge- heimrat Dr. Richter, schließlich zu dem Entschlüsse, von der Be- teiligung der Branche überhaupt abzusehen. Vielleicht wird der Herr Rcichskoinmissar infolge der jüngsten Ereignisse auch von anderen Branchen zu ähnlichem Schritte veranlaßt werden. Wien, 11. September.(B. H.) Heute vormittag wurden der Obmann der katholischen Volkspartci, Dr. Kathrcin. und der ungarische Ministerpräsident Szell vom Kaiser in Audienz empfangen. Dieselbe steht in Zusammenhang damit, den östreichischen Rcichsrat aktionS- fähig zu machen., �,. Budapest, 11. September.(B. H.) Auf dem.Manoverfelde bei Miskolz schlug ein Blitz in ein Zelt ein. Bier Soldaten wurden gc- tötet, zehn verletzt. Lemberg, 11. September.(B. H.) Der bekannte Petrolcuin- grubenbesitzer Perkins entließ infolge des Verdiktes im Dreyfus- prozcß sämtliche französischen Beamten. Pari», 11. September.(B. H.) Ans Reimes wird gemeldet, daß während der Dauer des Dreyfus-Processes rund 10 Millionen Worte telegraphiert worden sind, was eine Gcsamteinnahme von ca. V2 Million Franks ausmacht. Paris, 11. September.(B. H.) General Mercier hat dem Vorsitzenden des Kriegsgerichts, Obersten Jouaust, einen Besuch ab- gestattet, um ihm für seine Haltung während des Prozesses scinen Dank auszusprechen. Pariö, 11. September.(V. H.) Der Anarchist Sebastian Faure wurde heute mit zwei Rcdactcurrn des Anarchistenblattes „Peuple" de» Zeugen gegenübergestellt, welche die Angeklagten während der Kundgebung vor der Josephskirche gesehen haben wollen. Die Zeugen erklärten, sie hätten sich geirrt. Infolge dessen werden den Verhafteten in Freiheit gesetzt. PariS» 11. September.(W. T. B.) Die„Dopsche" von Toulouse veröffentlicht eine Unterredung mit dem Kommandanten Carriere, der im Prozeß Dreyfus als Regicriingskommissar fungierte. Die „Agence Havas" hebt in dieser Uiiterrednng folgenden Passus hervor: Dreyfns hat eine fünfjährige Strafe der Deportation abgebüßt und ich für meine Person wüßte nicht, weshalb man ihm diese nicht anrechnen sollte. Ich glaube, daß man das Gesetz im weitesten Sinne auslegen und daß man DrevinS begnadigen wird. Es wäre das beste Mittel der Agitation ein Ende zu machen, und daher das Beste, ivas man thun könnte. Was die Degradation betrifft, so genügt die eine, man wird sicherlich die Sache so ein- zurichten wissen, daß man ihn nicht ein zweiteSinal degradiert." Pariö, 11. September.(W. T. B.) Der Staatsrat bewilligte 300 000 Franks für Schutzmaßregeln gegen die Pest. Marseille, 11. September.(B. H.) Seit drei Tagen herrscht in der hiesigen Umgegend ein furchtbarer Waldbrand; derselbe hat sich bereits auf 20 Kilometer ausgedehnt. Soldaten und die gc- famte Feuerwehr von Marseille sind an Ort nnd Stelle, um des Feuers Herr zu werden, bis jetzt noch ohne Erfolg. London, 11. September. Wie deni„Reuterschen Bureau" vom heutigen Tage aus Tripolis gemeldet wird, ist dort die Nachricht eingetroffen,' die französische Mission Joumau Lnmy sei in der Oase von Air durch eine große Zahl Tuaregs angegriffen worden, welche nach schweren Verliisten die Mission vollständig vernichtet habe». New Pork, 11. September.(Meldung des„Reuterschen Bn- remis".) Nachrichten, die auf dem Scbiffswcge in Habana ein- getroffen sind, bestätigen die früheren Meldungen über den Ausbruch einer revolutionären Betvegnng in Beuezucla. Es erheben sich zwei Parteien gegen die RegicriUlg. Berantivortlichcr Redacteur: Robert Schmidt in Berlin Für den Inseratenteil veranNvortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hier.!« 2 Beilagen nnd Ilnteihaltiingsblaii. JIr. 213. 16. LÄe des.Fmiirls" Itrlinct MsM Vavk�i-TlÄikzvLchtett« Nntriigc und Erörterungen zum Parteitag. Die Parteigenossen in Jena nahmen in einer Versammlung des Wahlvercins seine öffentliche Versammlung war ihnen verboten worden) folgende Resolution an: „Die Versammlung begrüßt mit außerordentlicher Genugthnnng und Zustimmung die für den Parteitag zu Hannover aufgestellte Tagesordnung. Sie erwartet vom Parteitage getreu der Tradition früherer Parteitage eine gründliche und zugleich energische Diskussion, besonders der Punkte 6 und 7 der derzeitigen Tagesordnung. Zu- gleich erwartet die Versammlung, daß der Parteitag bei Erörterung dieser Punkte zu dem Ergebnis kommt, daß die Partei keinen Grund hat. irgend ivelche grundlegende Aenderungen in ihren Principien und den daraus fließenden allgemein taktischen Maß- nahmen vorzunehmen, daß sie vielnrehr nach wie vor an dem Erfurter Programm und der gewohnten historisch und ökonomisch notwendig bedingten proletarisch-rebolutionären Taktik festhält." Außerdem soll dem Parteitage ein Antrag unterbreitet werden. wonach sofort die Errichtung einer eigenen Druckerei für den„Vor- wärts" in Angriff genommen und dann der.Vorwärts" täglich zweimal herausgegeben werden soll. Die Parteikonferenz des Wahlkreises Potsdam-Osthavel- land faßte hinsichtlich der bayrischen Landtagswahlen und der Vor- schlüge zur Abänderung unserer Taktik nach' einer kurzen Diskussion folgenden Beschluß: „Die Parteikonferenz hält eine Aenderung der bisher geübten Parteitaktik und des Parteiprogramnis nicht für notivendig, und erblickt vielmehr in der Komyromißpolitik der bayrischen Parteigenossen eine schwerwiegende Schädigung der Partei-Fntercssen. Die Äreiskonferenz protestiert auf das entschiedenste gegen die in letzter Zeit wiederholt aufgetretenen Bestrebungen, die' söcialdemo- lransche Bewegung durch verwässernde Lehren in das bürgerliche Fahrwasser hinüberzulciten und beauftragt den Delegierten zum Parteitage, diesen Protest auf dem Parteitage kräftig zu vertreten." Auf der hessischen Landeskonferenz, die am Sonn- tag in Mainz abgehalten wurde, referierte Genoffe David über die taktischen Streitfragen und trat warm für Bernstein ein. Eine von ihm eingebrachte Resolution, nach der die Landeskonferenz es ablehnen sollte, zu den theoretischen Strcifragen Stellung zu nehmen, wurde jedoch abgelehnt. Angenommen wurde dagegen»ut 4V gegen 11 Stimmen folgende, vom Korreferenten Katzen st ein vor geschlagene Resolurion: Die Landeskonferenz erklärt: 1- Tie Freiheit der Forschung und der Diskussion muß unan- fcchtbar feststehen. Unser Programm ist kein unabänderliches Dogma, sondern von Zeit zn Zeit, entsprechend dem Fortgange der Erkenntnis in der Partei, zn revidieren. 2. Das von Bernstein beigebrachte Material bietet jedoch keinen Grund, die bisherigen theoretischen und taktischen Grundanschaunngen der Partei zn ändern. Es ist nach ivie vor die Aufgabe der Partei: Den Standpunkt des Klassenkampfes, wie er sich aus der Zu- spitzung der kapitalistischen Entwicklung mit steigernder Schärfe ergiebt, mit aller Entschiedenheit und unter Ablehnung aller ans Verwischung der Gegensätze gerichteten Bestrebungen zur Geltung zu bringen. Die Eroberung der vollen politischen Macht durch das organisierte Proletariat als die Snche'nicht einer fernen Zukunft, sondern der Gegenwart zu betreiben. Die Vergesellschaftung der Großproduktion und die volle Vcr- wirklichung der Ansprüche des arbeitenden Volkes an ein menschen- würdiges Dnsein als ein nach deni heutigen Stande der Wirt- schafttichcn Entwicklung in absehbarer Zeit zu erreichendes Ziel zu erstreben. 3. Die Bethätigung des proletarischen KlaffeninteresseS muß neben den Mitteln des politischen Kampfes und der wissenschaftlichen Aufklärung in gleicher Weise auch auf dem Gebiete der Wirtschaft- l'.chc« Arbeit dcS Gewcrkschafts- und Genossenschaftswesens und der kommunalen Socialpolitik erfolgen. 4. Die Konferenz crivarter von den, Parteitag eine entschiedene Betonung der ivirtschaftlichcn wie der politischen Kampfmittel und unter Aufrechterhaltung voller Meinungsfreiheit auf theoretischem Gebiet entschiedene Ablehnung aller Versuche der Abschwächung unserer 5iainpfeSstellttiig in und gegenüber der bürgerlichen Gesell- schaft. Der socialdemokratische Verein in Dessau wird, wie er in einer kürzlich abgehaltenen� Versammlung beschloß, eine gründliche Diskussion der Partcigrundsätze und taktischen Anschauungen auf dem Parteitage zu Hannover mit Freuden begrüßen, würbe'es aber sehr bedauern, wenn die Diskussion in terroristische KeÄrrichtcrei aus- arten sollte. Die„ V o l k s st i m n, c" in Che m n i tz legt ihren Standpunkt zn Bernstein in einem Artikel dar, worin sie sagt, daß Bernstein niit den Anschannngcn von Marx und Engels, wie sie im Erfurter Pro- gramm niedergelegt sind, gebrochen und sich dem Bürgertrnn genähert dabo und selbst dein Kardinalsatze des Socialismns, der Bcrgescll- fckiaftlichniig der Prodnlrionsniittel, nur noch bedingte Reverenz er- weise. „Ob der Socialismns die Folge von Katastrophen ist oder lediglich die Folge der organischen Entwickelung, dariiber streiten wir uns nicht. Vielleicht wird in germanischen Ländern das letztere znlreffcn, bei den wemger gcdnldigen Romanen vielleicht das ersrere. Jedenfalls konnnt die Socialdeniokratic in Deutschland mil der Katastrophentheorie um keinen Schritt schneller zum Ziel, als ohne dicie, sonst müßten wir eigentlich schon dort sein, denn ei» Menschen- alter hindurch ist ja die Katastrophcntheorie agitatorisch praktiziert worden, ohne daß die Katastrophe Miene gemacht hätte, zn kommen. Vorläufig haben wir auf Jahrzehnte hinaus noch genug mit der Propaganda zu thun,»m die Massen zu der socialistischen Idee der gemeinsamen Lebcnsfiirsorge, worunter schließlich alles zu rangieren ist. zu erziehen. Fest steht auch für uns, daß die endgiltige Vcr- wirklichung des Socialismns nur das Ergebnis einer ganzen Reihe von wirtschaftlichen und politischen Siegen der Ar- heiter sein wird, und daß nicht die Vermehrung deS Elends, sondern die fortgesetzte Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter die Socialisicrung der Massen bewirkt; daß nicht das Chaos, sondern nur der ordnende Gedanke, die Organisation, den Soeialis- Inns gebären kann. Kurzum, was die Voraussetzungen des Socialismns betrifft, so ist uns vieles an Bernsteins Ausführungen plausibel und teilweise auch schon längst anerkannt, aber ivas den Hauptpunkt, die grundsätzliche Vcrgesellschäftlichnng der Produktions- nnltel, betrifft, da scheiden sich unsere Wege. Jnsoivcit lieber- gangsstadicu nötig sind, sorgt ja der Gang der Dinge schon selbst für solche. ... Zum Schluß: Bernstein hat keinen geringen Grad von Mut bewiesen. seine Einwände gegen das System der großen Denker Marx und Engels frei und offen vor der ganzen Partei darzulegen. Er hat dabei in gar mancher Bezichnng das ausgesprochen, was unzählige Parteigenossen im stillen dachten; damit ist ja noch nicht gesagt, daß ans diesem Grunde das, was er sag:. richtig sein müsse; wäre aber auch alles falsch, ivas er sagt, eines hat, das hoffen wir, sein Vorgehen gelehrt, daß unsere Partei wie die Arbeiterschaft überhaupt sich gewöhnen nniß, absolute Mcinungs- freiheil zu üben, wenn ihr politisches Leben in gesundem Flusse bleiben soll." Eine Parteibersammlung in Dresden«Alt st adt beschloß folgendes: „In Erwägung, daß die gegenwärtige schärfere Interpretation der strafgesetzlichen Bestimmungen sich insbesondere gegen Hand- lungen klassenbewußter Arbeiter richtet und diese als Opfer einer Klassenjustiz zu bettachten sind, spricht der Parteitag wegen der unterlassenen Registrierung des hier besonders hervorstechenden schwurgerichtlichen Urteils gegen die Löbtauer Bauarbeiter in der Rubrik„Unter dem neuesten Kurs" im„Vorwärts" sein Bedauern ans. Der Parteitag erwartet vom Partcivorstand, 1. daß derselbe die unterlassene Registrierung in geeigneter Weise nachholt; 2. daß er in Zukunft unter obigem Einfluß erfolgte Ver- urteilnngen ohne weiteres registriert." „Der Verlag der„Freien Stunden" ist anzuweisen, sin der Wahl der darin aufzunehmenden Romane mehr Vorsicht walten zu lafsen, damit in Zukunft Romane von so zweifelhaftem Wert, wie der kürzlich erschienene:„Die Töchter des Südens" vernneden werden. Sonst könnte der Zweck des Werkes, die Bildung unter den Lesern zu fördern, leicht in das Gegenteil umschlagen." Ein Genosse betonte noch die Notwendigkeit der Verbesserung der Parteipresse in den kleinen Orten und ersuchte die Delegierten, dahingestellte Anträge unterstützen zu wollen. Danach sollte die in einer früheren Versammlung begonnene Diskussion über die Taktik der Partei fortgesetzt werden. Es wünschte jedoch niemand dazu zu sprechen. Eine Parteibersammlung im sechsten sächsischen Reich Stags-Wahlkreis Streichung der Vorschrift über absichtliche und grobe Verstöße; c) Einstellung einer Vorschrift, die den verletzten Arbeitern 50 Proz. des zuletz: verdienten Lohnes verbürgt; 6) Verbot aller Sondervcrträge verlangt. Zur Altersversicherung ward eine Resolution be- schlössen, die, ohne Nennung einer bestimniten Pcnsionshöhe, fordert, daß die Pensionsberechtigung vom erreichten 60. Lebensjahr oder eingetretener Arbeitsunfähigkeit eintreten und von keiner Prämien- zahlung oder Nachwcisnng von Sclbstvorsorge abhängig gemacht werden soll. Von sonstigen Resolutionen seien genannt: ein Be- schluß, der eine wirksame Hausungspolitik der Geincinden und die Einsetzung von Mictsgcrichtshvfen verlangt; ein Antrag auf chließung aller Geschäfte an Sonntagen, ein Äntrag zu Gunsten des von Charles Dilke im Parlament eingebrachten Gc- sctzes für frühen Ladenschluß, ein Antrag zn Gunsten verschärfter Bestimmungen bezüglich der Lohnvorschriften bei Arbeits- verdingnngcn. Abgelehnt wurde ein Antrag zu Gunsten von zwangs- mäßigen Einignngsämlern, ein Antrag zu Gunsten' der Doppel- Währung, und ein Antrag, keinen Delegierten auf dem Kongreß zuzu- lassen, dessen Hut nicht die Kontrollmarke der Hutmachergeiverkschaft aufwcistt Die Wahl des parlamentarischen Komitees ergab die Wiederwahl sämtlicher bisherigen Mitglieder, mit Ausnahme eines Vertreters der Eisenbahner, den ein anderes Mitglied des gleichen Berufes ersetzt, und des Vertreters der Maschinenbauer, für den der soeben gewählte neue Sekretär der Schnhmachcrgcwerkschaft, Horendge, einrückt. Als nächster Kongreßort wurde Hndderssield bestimmt. Der Bericht über den voriges Jahr gegründeten allgemeinen Gcwcrkschnflsvcrband ergab, daß demselben rund 360 000 Arbeiter angehören, für die rund 1300 Pfd. Eintrittsgeld bezahlt sind; Präsident des Verbandes ist P e t e C u r r a n von der Gasarbeiter- Gewerkschaft, Sekretär I. Mitchell von der Maschinenbauer-Gewerk- schaft, deren Ausschluß ans dem Gewerkschaftskongreß in nochmaliger Verhandlung sanktioniert>vnrdc. Die Maßregel gilt für zwei Jahre. Nach einer Erklärung von Barnes scheint aber der Verein oder dessen Leitung vorläufig keine Lust zu verspüren, den Kongreß, wie der- selbe jetzt konstituiert ist, überhaupt noch einmal zu besuchen. Für welche Abneigung aber nicht nur jener Beschluß maßgebend ist. Ncbcr Priigelpädagogik und medizinische Sachverständige spricht Genosse Georg Wagner am heutigen Dienstag in einer bei Zubeil, Lindenstraße 106, stattfindenden Versammlung des Wahl- Vereins für den zweiten Rcichstags-Wahlkreis. Es ivird erwartet, daß die Mitglieder zahlreich erscheinen. Gäste haben Zutritt. Die Kündig, lng. „Sie wollen abgehen?"„Der Chef hat mir gekündigt." erwiderte Frl. Weiße tonlos, im Begriff, das Comptoir zu verlassen. Doch die Buchhalterin, Frl. Neu,' hielt sie zurück und forschte nach dem Grunde.„Weil ich um Urlaub gebeten habe!" war die Antwort. Das ist ja kann, glanblich!" rief Frl. Neu ans.„Es verhält sich aber so!" fuhr Frl. Weiße fort,„ich sollte erst Bescheid bekommen, und am Fünfzehnten trat„er" auf mich zu mit den Worten: .„Reisen Sie mit Gott, aber für immer! Vom Ersten ab brauchen Sie nicht mehr wicdcrznkoninien!""„Das ist ja unerhört! Wie können Sic aber als Handelsgehilfin eine vierzchntägige Kündigung annehmen! Das Handelsgesetzbuch von 1898 schreibt eine Kündigungsfrist von mindestens vier Wochen vor! Wenn Sic nichts vereinbart haben, tritt sogar sechSwöchentliche Kündigung in Kraft. Sagen Sic ihn, nachträglich, daß Sie diese ungesetzliche 14tägige Kündigung nicht annehmen können und erforderlichen Falles klagen würden!" So redete die Buchhalterin auf Frl. Weiße ein, die' indes in ihrer gedrückten Haltung verharrte und große Un- cntschloffcnhcit verriet; sie gehörte zu den Angestellten, welche vor ihrem Prinzipal zittern und nie ihn, gegenüber ein Wort der Ent- gegnung wagen.„Ich werde Sie doch noch scharf machen!" sagte Frl. Neu lächelnd. gängerin gekündigt?" eShalb wurde eigentlich meiner Vor- Sic war ja kaum 6 Wochen hier! Gleichwohl waren ihre Arbeiten korrekt!" Frl. Weiße sah sich scheu um. „Er ist doch nicht hier? Wehe, wenn er steht, daß wir miteinander sprechen!"„Beruhigen Sie sich", sagte die Buchhalterin spöttisch, „der Chef ging zum Barbier; Sie dürfen'mal frei aufatmen!"„Ich fragte nur Ihretwegen," erwiderte Frl. Weiße,„Sie dürfen, wenn Ihnen Ihre Stellung lieb ist, weder im Geschäft noch außerhalb mit dem übrigen Personal verkehren. Ihre Vorgängerin handelte diesen Vorschriften zulvider und lvurde entlassen."„Trifti'gerKündigungSqrund das 1 Im Geschäft könnte man allerdings den Verkehr auf das Nötigste beschränken, doch unser Privatverkehr geht doch den Chef nichts an!" meinte Frl. Neu. Leider fehlt auch oft bei den Gehilfen solchen Vorschriften gegenüber das Beispiel männlicher Energie. Wie viele Gehilsen blieben abends länger im Geschäft, als ihre Kolleginnen, um sich beim Chef beliebt zu machen. Anderen wieder fehlte stets der Mut, pünktlich zu gehen, und sie gaben aus Feigheit mindestens eine halbe Stunde zu! Ach, das sind traurige' Zustände!"„Ich habe auch häufig länger arbeiten müssen," sagte Frl. Weiße,„meine Gesundheit hat darunter gelitten und zum Dank dafür werde ich entlassen!"»Rechnen Sie auf Dank solcher Chcss, so ist das ebenso thoricht, wie der Glaube an das sogenannte Hand- inHandarbeiten von Chef und Angestellten. In schroffem, ui, versöhn- lichem Gegensatze stehen sich beide Klassen gegenüber, wie zwei feindliche Heerlager! Die Gehilfen sind meist noch nicht zu dieser Erkenntnis erivacht. Die Chefs aber wissen es ganz gut, daß der Schaden des Angestellten, wie: karger Lohn, überlange Arbeitszeit, ihnen zum Vorteil gereicht. Wie leicht wird der Chef mit dem einzelnen Gehilfen fertig, wer sich nicht fügt, ist leicht ersetzt durch Biegsamere. Wann wird den Gehilfen die Scheuklappe des Standesdünkels von den Augen fallen,, aus daß sie von den Fabrik- arbeiten, lernen können, sich gemeinsam gegen die Uebergriffe des Kapitalismus zur Wehre zu setzen. Wann wird auch die Ge- samtheit der Handlungsgehilfen endlich nach der wuchtigen Waffe der Organisation greifen?"_ Der TyphuS in Berlin. Eine bedenkliche Mitteilung geht uns aus dem Nordwesten der Stadt zu. In Moabit ist nämlich, wie uns zuberlässig gemeldet wird, der Typhus ausgebrochen. und zwar sind bis jetzt 17 Erkranknngsfälle konstatiert Ivorden. Man führt den Ausbruch der Seuche auf den Genuß von Wasser auS dem Reinickendorfer See zurück. Hoffentlich geschieht alles, um eine Aus- brcitung der gefährlichen Krankheit zu hindern und ihre Ursache in diesen, Falle festzustellen. Die städtische» Kanzlistc» haben beim Magistrat bekanntlich »m Aufbesserung ihrer Lage nachgesucht. In einer an die Stadt- uerordneten-Bersammlung gerichteten Petition werden die Wünsche der Petenten dahin präcisiert: 1. Die Zuschüsse an die in der städtischen Vertvaltung dauernd beschäftigten Kanzlistcn vom 1. April d. I. ab in der Weise festzusetzen, daß nach fünfjähriger Dienstzeit nionatlich 15 M., steigend von fünf zu fünf Dienstjahren um je fünf Mark monatlich, gezahlt werden, und 2. vom 1. April k. I. ab eine anderweite Regelung der Stellung der von der Stadt dauernd beschäftigten Kanzlistcn durch Anstellung in Erwägung zu nehmen. Die Petition wird demnächst den Ausschuß beschäftigel,, welcher zur Beratung der Vorlage, betreffend die Bewilligung von Altcrsvcrgütigungen an Kanzlistcn, eingesetzt werden soll. Keine Spielplätze im Winterhalbjahr. Den hiesigen Vereinen,' die sich dariim bewarben, wird gestattet, die in den städtischen Parks vorhandenen Spielplätze zum Spielen für die Jugend während des Sommers zu benutzen. Neuerdings haben aber die Vereine, bei der städtischen Verwaltung beantragt, ihnen auch die Spielplätze während der Herbst- und Winterszeit zn Ilcbungs- und Wettspielen zu über-' kassen. Dies soll aber nicht angängig sein, weil der Rasen auf den Spielplätzen sich in, Herbst und Winter erholen muß. Könnte sonst keine Abhilfe geschaffen werden? Frauen im Dienste der Berliner Waiseupflege. Die Armen- direktion, Abteilung für die Waisenverwaltung, hatte durch Rund» schreiben vom 9. Januar die Gemeinde- Waisenräte ersncht, zur Er- ledigung ihrer Arbeiten die Thätigkcit der Frauen in erhöhtem Maße heranzuziehen. Infolge dessen hat sich jetzt die Zahl der Frauen. welche den Gcmciiwe- Waisenräten beigetreten sind, erheblich vermehrt. Es sind 49 Frauen, darunter 3 unverheiratete, hinzugekommen. Die„StaatSbiirger-Zeitnng" quittiert über die Züchtigung, die wir ihr am Sonntag wegen der gegen unfern toten Kollegen Jacobcy verübten Gemeinheiten verabfolgt haben, mit folgenden verwirrten Worten:„Selbstverständlich fällt es uns nicht ein, auf die Ausfälle des Singerblattes hier zw anttvorten; das wird an anderer Stelle geschehen." Uns soll es gleichgültig sein, ob sich das Blatt nunmehr eine besondere Drcschrede leisten, oder ob es sich die Gemeinheit seiner Gesinnung vor Gericht attestieren lassen will. Dem Fnhrherrn Emil Thicn, in Firma„Berliner Fuhrwesen Thien", ist die widerrufliche Genehmigung zur versuchsweisen In- betriebnahme einer Motordroschke erteilt worden. Traurige Folgen hat der Drcyfnö Prozest auch in Potsdam gezeittgt. Hiesige Blätter bringen die folgende, für jeden Patrioten höchst betrübende Mitteilung: Das Schlafzimmer des Kaisers im Stadt- schloß zu Potsdam, das bekanntlich im Drcyfns- Prozeß eine Rolle spielte, weil der Advokat Mertian de Müller auS Lille bei einem Besuch imJahre1894 angeblich dort dieZeitm,g„LibreParole"mit einer auf Dreyfus bezüglichen Notiz gesehen haben will, wird auf An- ordnnng des Hof'marschallamis ebenso wie die übrigen Zimmer, welche dem Kaiser zun, Aufenthalt vorbehalten sind, fortan nicht mehr dem Publikum gezeigt werden. Im Neuen Palais und im Berliner Schloß sind die Räume, welche das Äaiserpaar be» wohnt, auch in dessen Abwesenheit dem Publikum nicht zugänglich. Das Potsdamer Stadtschloß war bisher das einzige Palais, in dem man zu den Gemächern des Kaisers während dessen Abwesenheit Zutritt hatte. Wenn nun auch festgestellt ist, daß die Aussage Mertian de Müllers erfunden ist, so hat sie doch zu der vorerwähnten Anordnung Veranlassung gegeben. Eine Ecrichtstragödic. Vor Aufregimg ist gestern die 62jkhrige Wittwe Ledig, Grüner Weg 37 wohnhaft, gestorben. Sie sollte in einer Privatbcleidigungssache geringfügiger Art als Zeugin vernommen werden und hatte zum crstenmale in ihrem Leben vor Gericht zu erscheinen. Schon bei den, Hinweise auf die Wichtigkeit und Heiligkeit des Eides, der in üblicher Weise seitens des Vorsitzenden an sänitliche Zeugen erging, verriet die Ledig so große Aufregung, daß sie sich kaum auf den Beinen zu halten vermochte. Während sie dann auf dem Flur des Aufrufs harrte, brach sie plötzlich zusammen. Man glaubte sie nur von einer Ohnmacht befallen und trug sie an die ftische Luft. Da ihr Zustand sich aber nicht änderte, brachte man sie nach dem Moabiter Ärankenhause. Nach etwa einer halben Stunde erschienen die beiden Personen, Awelche die Ledig fortgebracht hatten, wieder an Gerichtsstelle und meldeten, daß sie im Kranken- Hause verstorben sei. Als Todesursache sei Gehirnschlag an- gegeben worden. Die Meldung wirkte auf die prozetzftihrenden Parteien derart, daß sie es vorzogen, die Streitaxt zu begraben und einen Vergleich zu schließen. Dast die Mörderin der Wittwe Fielitz in Alt-Bnchhorst geistig nicht normal ist, geht aus folgender Zeittmgsmcldnng hervor: In der Gastwirtschaft der crniordeten Witwe Fielitz hat am Sonnabend ein Lokaltermin stattgefunden, zu welchem auch die jugcndlche Mörderin Bertha Schröter dahin gebracht worden war. Das Mädchen trug, wie das„Kl. I." berichtet, wie immer einen fast frechen Gleich- mm zur Schau und beantwortete dann die an sie gerichteten Fragen mit idiotischer Gelassenheit. Sie gestand, sie habe den Mord be« ßonfien, aber leuanete. sich das Geld angeeignet zu haben. MS der Untersuchungsrichter Kruszi sie fragte, warum sie den Diebstahl nicht zugeben wolle, entgegnete sie kleinlaut:„Ja. wenn ich Geld gestohlen habe, werde ich bestraft." Endlich nach etwa zweistündiger Vernehmung gestand sie unter Thränen, daß sie auch das Geld gestohlen habe, sie zeigte nochmals, wie sie das grauenhafte Verbrechen ausführte, wie sie der alten Frau die Schläge auf den Kopf beibrachte, dann die Schlüssel unter dem Kopskissen hervor- nahm und anS dem Kasten den Beutel mit Geld raubte. Aber als sie aussagen sollte, Ivo sie das Geld verborgen habe, weigerte sie sich störrisch und nahm sogar ihr Geständnis, die Entwendung des Geldes betreffend, zurück. Kein Versuch, auf ihr Gewissen ein- zuwirke», hals. Als man nach Beendigung des Verhörs auf dem Rückweg nach Fangschlense durch den Wald schritt, soll die Schröter sich Blumen gepflückt haben. Da das Rubrum der Akten„Schröter und Genossen" lautet, so scheint die Gerichtsbehörde der Ansicht zu sein, daß die Schröder Mitschuldige habe. Beruhen diese Mitteilungen auf Wahrheit, so kann es schwerlich zu einer gerichtlichen Verhandlung kommen und die junge Möderin wird im Jrrenhause statt im Zuchthause ihr Leben beschließen müssen. Auf der elektrischen Straßenbahn im Tiergarten ereignete sich Sonntagnachmittag ein Unfall. Eine Droschke erster Klasse stihr um 4�/4 Uhr mit einem Ehepaar und dessen etwa Wz Jahre altem Kinde nach Chnrlottenburg zu die Charlottenburger Chaussee cnt- lang. Zwar hatte der Kutscher mitten auf dem Fahrdamm genug Platz, doch hielt� er sein Gefährt vorschriftswidrig ans dem rechten Straßcnbahngelcise. In der Nähe des großen Sterns begegnete ihm ein Straßcnbahnzng. ein Motor- mit einem Anhängewagen. Un- mittelbar vor dem Zuge fiel es dem Kutscher ein, eine Schwenkung zu machen und vor dem Motorwagen vorbei über das linke Geleise hinweg zu fahren, obwohl der Führer ihn durch anhaltendes Läuten warnte. Ein Zusammenstoß war unvermeidlich, wenn auch der Führer des elektrischen Wagens aus Leibeskräften bremste. Die Insassen der Droschke schwebten in der höchsten Gefahr, zermalmt zu werden, als im letzten Augenblick noch die Rettung kann Das Droschkenpferd machte eine scharfe Wendung nach rechts, sobald es das Geleise überschritten hatte, und so wurde das Gefährt, das vorher quer vor dem olcktri- schen Wagen gestanden hatte, nach der Seite zu von den Schienen geschleudert. Der Motorwagen faßte nur noch halbschräg sein rechtes tinterrad, allerdings mit solcher Wucht, daß danach die Droschke in rümmer ging und der Kutscher in weitem Bogen Pom Äock flog. Viele Speichen und Felgen des Rades zersplitterten, so daß der eiserne Reif allein ans dem Puffer des Motorwagens hängen blieb. Während die Fahrgäste in dem Hinteren Teile der Droschke auf der Straße stehen blieben, lief das Pferd mit dem abgebrochenen Vorder- teil in den Tiergarten hinein, bis es durch Spaziergänger angehalten wurde. Die Fahrgäste kamen ganz unversehrt'davon, auch der Kutscher ohne erhebliche Verletzungen. Das Publikum war gegen den Mann, der mit bodenlosem Leichtsinn seine Fahrgäste und sich selbst in Lebensgefahr brachte, sehr aufgebracht. Ter Zusammenbruch eines Leiterwagens verursachte Montagnachinittag um SVi Uhr vor dem Gebäude der Haupt- Verwaltung der Staatsschulden eine längere Verkehrsstockung. Der einspännige Wagen war mit allerhand Bauhölzern, Leitern und Eisenzeng für Rüstungen überladen. Es dauerte zehn Minuten, bis es den vereinten Bemühungen der Pferdebahnschaffner, des Publikums und einiger Schutzmänner gelang, das Wrack fo weit beiseite zu schieben, daß der Verkehr wieder frei war. Verunglückt ist der Feuerwehrmann Beyer von der Haupt- wache in der Lindenstratze. Am Montag gegen Abend, als Zug 17 von emem Brande heimkehrte, löste sich in der Lindenstraße ein Schwengel der Spritzcnbespannung, und das dadurch eingeschüchterte Pferd, dem der Schwengel gegen die Füße schlug, drängte ungestüm vorwärts, wobei der Kutscher Beyer vom Bock gerissen wurde. Die Räder der Spritze gingen ihm über den Ann. der dadurch gebrochen wurde. Ob der Verungliickte auch innere Verletzungen davongetragen hat, ist noch nicht festgestellt. Mit Unterstützung zweier Kamcradey konnte er den kurzen Weg zur nahen Hauptwache zu Fuß zurücklegen. Vermißt wird seit dem S. April d. I. der Student der Medizin Siegfried Samuel Ackermann, der am genannten Tage zur Fort- setzung seines Studiums von hier nach Basel abgereist ist und seit- dem seinen hier wohnenden Angehörigen keine Nachricht mehr ge- geben hat. Da er bisher in Basel nicht ermittelt werden konnte, so wird vermutet, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei. Personen, welche über seinen Verbleib Auskunft geben können, werden ersuckt, sich wochentags in der Zeit zwischen 9 und 1 Uhr im Polizei-Dienst- gebäude am Alexanderplatz Zimmer 248 einzufinden. Während das Berliner Aquarium in den lctztverssossenen Wölben besonders die Abteilungen der warmblütigen Wirbeltiere, das heißt der Säugetiere und Vögel um mancherlei Neuheiten bereichern konnte, haben ihi» die jüngsten Eingänge seltene Er- gänzungen der Bestände an Meeresticren gebracht. Die Tochter- anstalt des Aqnariiinis, die zoologische Station in Rovigno, sandte in zwei Transporten acht Stück eines von ihr im adriatischen Meere erbeuteten Weichtieres, nämlich eines.achtsühigen Tintenpolnpcn, dessen acht Arme mit je einer Reihe von Saugnäpfen besetzt sind und dessen Fleisch stark nach -Moschus riecht. Die Tiere, Verwandte des vor einigen Monaten hier zu sehenden echten Tintenfisches, fesseln den Beschauer durch ihr abenteuerliches Aeußere, ihren Farbenwcchscl, die Bewegungen der Schlangenarme, ihre nierkwürdige Jagd auf Krustentiere und dergleichen und ihre eigentümliche, bei keinem unserer Tiere wiederzufindende Fortbewegung. Theater. In der'Erstaufführung' von Henrik Ibsens ,.Ro Sine rs- Holm", die am Freitag im Deu ts ch e n Th e a te r stattfindet, wirken die Damen Luise Duinoilt, Luise v. Pöllnitz und die Herren Nissen, Reicher, Reinhardt und Sauer mit.- Im Schiller-Theater ivird morgen die Ausgabe der festen, d. h. an deu Tag gebundenen Abonnements(erste Serie) für das 1. Quartal geschlossen. Feste und freie Abolinements werden in der Billet-Abteilung des Theaters und in der Trautiveinschen Buchhandlung (Leipzigerstr. 8) ausgegeben.- Im F r i e d r i ch- W i l h e l n, st ä d t i s ch e n Theater geht heute, Dienstag, die mit großer Spannung erwartete burleske Abenteucrposse„Die Reise nach der Teuselsinsel" in Scene. Aus de» Nachbarorten. Der Vertrauensmann von Pankow- Nieder-Schönhauscn teilt uns zur Lokalliste mit: Das Lokal des Herrn S ch ä f f e r in der Lindenstr. 43 zu Schönhausen ist in der Lokalliste irrtümlich als gesperrt aufgeführt worden. Das Lokal ist frei und steht uns schon seit dem S. August zur Verfügung. Trcptow-Banmschtllenwcg. Mittwochabend Uhr hält der Verein«Vorwärts" eine Versaininlung im Lokal des Herrn Acker- mann, Baumschulenstr. 73, ab. Genosse R e g g e aus Johannisthal hält einen Vortrag mit dem Thema:„Der Feind, den wir am tiefsten hassen". In der Schöneberger Stadtverordneten-Versammlnng am Montag beantragte � der Magistrat die Bewilligung von 3990 M. für die am 1. Dezember 1999 stattfindende Volks- zählung. Die Sumine wurde bewilligt. Bei der Wahleines Ausschusses für die„Anstellung eines zweiten besoldeten Stadtrats" wurde» die Stadtverordneten Müller, Richter, Nord- Hausen. Obst, Haase, F. Richter. V. Fröhlich, Heyen und Ebeling gewählt. Es fo igte die Vorlage betreffend Genehmigung der vom königlichen Provinzial- Schulkollegium vorgeschlagenen Kosten- v e r tle i l u n g für den katholischen Religionsunterricht am Reformgymnasium unb die Bewilligung der hiernach erforderlichen Mittel. Hierzu wurde vom Magistrat folgender An- trag gestellt:„Für den katholischen Religionsunterricht an dem städtischen Gymnasium werden jährlich, vom 1. Oktober d. I. ab, 279 M., nach Eröffnung der Obersekunda jedoch jährlich 369 M. bc- willigt. Zu Titel I, 3 des laufenden Schnletats werden somit 45 M. linchbcwilligt. Dieser Antrag wurde angenommen. Ans der..gemeinsame» Krankenkasse für Tempelhof und Umgegend" sollen jetzt auf eine Verfügung der königl. Regierung hin die Gemeinde T e m p e l h o f nebst den» Gutsbezirk Hasen- Heide am 18. d. M. ausscheiden, um von diesem Termin ab eine eigene Krankenkasse zu bilden. ES ist daher vom Lmidrat die Wahl der Kassendelegierten bereits auf den heutigen Dienstag angesetzt, in welcher von den Arbeitgebern 5 und von den Kassen- Mitgliedern 11 Vertreter zu wählen sind, und zivar auf 4 Jahre. Die Zahl der Kassenmitglieder beträgt in Tempelhof und Hasen Heide 1137, während 13S Arbeitgeber für 1124 Mitglieder Beiträge zu zahlen haben. Zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eiues GcmciudeschulhauseS in Schinargeitdorf bei Berlin ist ein Weit- bewerb unter den deutschen Architekten ausgeschrieben worden. Dem aus 7 Personen bestehenden Preisgericht gehören als Sachverständige an die Herren Geh. Banrat Schulze in Berlin, Stadt-Bauinspektor Egeling in Schöneberg, Gemeinde-Baurat Kleemann in Steglitz und Ingenieur Rammrath in Wilmersdorf. Der erste Preis beträgt 599, der zweite 399, der dritte 299 Mark. Die Entwürfe sind bis zum 15. Oktober d. I. an den Gemeindevorstand in Schmargendorf einzureichen; das Bauprogramm, die Wettbewerbsbedingungen und ein Lageplan können kostenfrei bezogen werden. Ter eine prächtige Fernsicht gewährende Branhansbcrg bei Potsdam ist gegenwärtig abgesperrt, weil dort der Bau der neuen Kriegsschule stattfindet. Nach AbHolzung des prächtige» Waldes soll das Gelände geebnet werden, wobei ungeheure Mengen Erde in Bewegung gesetzt werden müssen. Auch auf dem dicht dabei belegenen Berge, auf dein bisher imincr am 18. Oktober die Freuden- feuer abgebrannt wurden, herrscht emsige Bauthätigkeit, da dort ein neues Hochbecken für die Potsdamer Wasserleitung' erbaut wird. Auf einer Radfahrt ist der Oberst a. D. Karl Kreffner in Groß-Lichterfelde plötzlich gestorben. Als der Offizier in bestem Wohlbefinden Sonnabendnachmittag auf seinem Rade den Augnsta- platz zu Groß-Lichterfelde passierte, wurde er von einem Herzfchlag getroffen und stürzte entseelt zu Boden. Die Leiche wurde nach feiner in Groß-Lichterfelde, Holbeinstraße 29, belegenen Villa geschafft. Hausbesitzer kontra Bolle. Die Friedenauer Hausbesitzer hatten seinerzeit an den Amtsvorstand eine Petition gerichtet, in welcher sie die Beschränkung des Hausierhandels und gleichzeitig das Verbot des A u's k I i n g e l n s von Milch verlangten. Ii» der nunmehr erfolgten Antwort führt der Amtsvorstchcr ans, daß er alles thue, soweit es das Gesetz erlaube, um den Hausierhandel zu beseitigen. Ganz anders verhalte es sich jedoch init dem Milch- auskliiigeln, da das Publikum sich daran gewöhnt habe. Die Herren wollen sich nunmehr selbst helfen und auf ihren Grundstücken das Hausieren verbieten. Kleinlich l Durch einen Rcvolverschnß inS Herz getötet hat sich am Montagmorgen W Uhr in Potsdam der 31jährige Reisende Bruno Reiband. Die That soll die Folge von fortgesetzten Unterschlagungen sein. welche Reiband bei seinem Chef, dem Großdcstillatcnr C. I. Kallabis in Potsdam(Inhaber Alfred Dahlwcid), Jäger- straßc 6, begangen hat. Ein Tampfcr-Znsammenstoß hat Sonntagabend auf der Havel stattgefunden. Der Werdersche Turnverein, der den Stern- danipfer„Kronprinzessin Victoria", zu einer Fahrt nach dem Kaiser- turni und Spandau gemietet hatte, befand sich um 81/2 Uhr, auf der Rückfahrt begriffen, in der Nähe von Sandwerder. Anscheinend»varen die Lichter eines ciitgegcnkonnnenden Dampfers durch davorstehende Passagiere verdeckt, denn plötzlich erfolgte in der Dunkelheit ein heftiger Zusammenstoß, wobei dem Sterndampfcr der Vordersteven unter Wasser eingedrückt wrirde, so daß er infolge des eindringenden Wassers in Gefahr geriet, unterzugehen. Es entstand eine große Aufregung unter den Passagieren, zumal von dem anderen Dampfer namens'„Dorothea", einige Pasiagiere, solvie die Laterne ans den Sterndampfer hinüberstürzten. Der' Führer dieses Dampfers, der einem Maschinenmeister an der Oberspree gehört, fuhr sofort weiter. Der Kapitän Führus ließ die„Kronprinzessin Victoria", un» sie vor dem Sii»ken zu beivabren, sofort nach dem flachen Ufer des Sandwerders laufen, Ivo der Dampfer noch festliegt. Dann»vurde von Wannsee aus der Stcrndanipfer„Eitel Friedrich" durch einen Boten herbeicitiert,»velcher die Passagiere des leck ge- ivordeilen Dampfers nach Wannsee brachte, von wo ans sie mit der Bahn nach Werder zurückkehrte»». Der Müggelsee hat wieder ein Opfer gefordert. Der Gasi- wirt Brüning vom„Spreeschloß" zu Friedrichshage» veranstaltete Sonntag eine Segelregatta, deren Start und Ziel die Waldwirtschaft Rübezahl" an der Dämpferbrücke gegenüber den Müggelbergcn war. Brünings Boot„Marie" steuerte der bei ihn, Ivohnende 59 Jahre alte Bandagist Julius Nehring. Außer diesem befanden sich noch drei Mann in dem Boote. Um 3'/4 Uhr brachte ein heftiger Wind- toß, der unerivartet in die Segel fiel, die„Marie" in der Nähe von Rahnsdorf zum Kentern. Die vier Insassen fielen ins Wasser. Drei retteten sich durch Schlviminen, Nehring dagegen ertrank. Als das Boot der Rettungsstation bereits in seiner Nähe war, um ihn a»lf- zlinehlneir, ging er unter. Zehlcndorf. Eine anständige Umsatzsteuer hat die hiesige Ge- meinde eingeheimst. Das zum Gemeindebezirk Zehlendorf gehörige Gut Schönow ist von dem Bankier Neuburger-Berlin für den Preis von 3 459 999 M. erworben worden. Der Zehlendorfer Ge- incindekasse fiel dcninach eine Umsatzsteuer von 34 599 M. zu. GovichskS�Ieikung. In einen Abgrund sittlicher Verkoinmeuheit führte eine Anklage Ivegen Sittlichkeitsverbrechcns und Blutschande, die die II. Ferien- Strafkammer gegen den v9jährigen Arbeiter Ferdinand Jacobs zu verhandeln hatte. Der Angeklagte ist aus Kyritz gebürtig und war dort Besitzer eines kleinen Anwesens. Er hat zu- ;egebe>»ermaben mit seiner eigene», jetzt 16jährigen Tochter von zeren 11. Lebensjahre an in einem schmachvollen Verkehr gestanden und das Mädchen gezwungen, seine Schändlichkeiteil zu dulden. Endlich konnte das Mädchen den Ekel über das Gebahrcn des Vaters, dessen Attentaten sie sich nicht zu e»t- ziehen vermochte, nicht mehr überwinden und sie entfloh deshalb aus dem Vaterhause, um hier in Berlin in Dienst zu treten. Aber auch hier hatte sie keine Ruhe. Der Angeklagte verkaufte sein An- Wesen in Kyritz und ging gleichfalls nach Berlin, Ivo die Tochter aufs»»eue seinen Nachstellungen ausgesetzt war. Auch die Drohung mit einer Strafanzeige war nicht im stände, den verrohten Menschen zur Besinnung zu bringen. Eines Tages, als das Mädchen sich auf einer Landpartie befand und im Walde Beeren suchte, tauchte plötzlich der Angeklagte neben ihr auf und suchte sie zu vergewaltigen, indem er sie am Halse packte und zu Boden zu werfen suchte. Die Tochter riß sich mit Aufgebot ihrer letzten Kräfte los. entfloh dem sie verfolgenden Angeklagten und brachte sich in Sicherheit. Nunmehr hatte sie kein Mitleid mehr mit dem Vater, sondern erstattete Strafanzeige. Vor Gericht lehnte sie ihr Zeugnis ab, der Gerichtshof konnte aber von einem solchen absehen, da der Angeklagte die ihn belastenden ungeheuerlichen That- fachen in vollen» Umfange zugab. Der Staatsanwalt beantragte zehn Jahre Zuchthaus, der Gerichtshof erkannte auf sechs Jahre Zuchthaus und Ehrverlust. Wegen Körperverletzung stand gestern der Postschaffner Gustav Masch ke vor dem hiesigen Schöffengericht. Der Angeklagte ist Hauswart des Postgebäud'eS in der Prinzessinnenstraße, ans dessen Grundstück im Sommer ein Neubau ausgeführt wnrde, der nach der Straße zu durch einen Bauzaun abgegrenzt war. Der Bauplatz bildete den Zlelpunkt der Spielsucht der dortigen Jugend, die häufig über den Zaun kletterte und auf de>n Bauplätze herum- tollte, so' daß der Angeklagte seine siebe Not mit den Jungen hatte. Der ausführende Baumeister hatte ihm, als er sich darüber beklagte. den Rat gegeben, den Bauzaun von innen an der oberen Kante und den Fugen init einer klebrigen Masse zu bestreichen, damit sich die Jungen beim Uebersteigen des Zaunes gehörig beschmutzten und. dadurch veranlaßt würden, vom Bauplatze sich fern zu halten. Am Sonntag, den 25. Juni, nachmittags, standen vier kleine Schulknaben an dem Bauzaun und guckten durch ein ziemlich breites Loch desselben. Plötzlich schrie der eine Junge laut auf und seine Kameraden bemerkten, daß sein Ge- ficht über und über mit Farbe beschmutzt war, welckie offenbar eine ätzende Wirkung hatte, denn das Gesicht wurde, nachdem die Farbe abgewaschen war, intensiv gerötet. Da der Junge über Schmerzen klagte und verschiedene Stellen des Gesichts an- schwollen, mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Nach dreitägiger Behandlung schärbclte die GesichtShant des Knaben langsam ab. Sein Vater hatte den Strafantrag gegen Maschke gestellt, weil sein Sohn und dessen Freunde behaupteten, daß dieser dem Jungen die mit Karbol durchsetzte Flüssigkeit ab- sichtlich in das Gesicht gespritzt habe. Die Knaben blieben auch vor Gericht mit aller Bestimmtheit dabei, gesehen zu haben, wie der Angeklagte niit einem Eimer herangekommen sei, einen großen Pinsel in die Flüssigkeit getaucht lind ihn dann direkt durch das Loch, durch welches sie guckten, ausgespritzt habe. Der Angeklagte bestritt dies entschieden und behauptete, daß er lediglich den Zaun von innen bestrichen habe und dabei ohne sein Verschulden Flüssigkeit durch das Loch gespritzt worden sei. Obgleich ihm einige Zeugen bekundeten, daß er an jenem Nachmittage den Zaun gestrichen habe, hielt der Staatsanwalt die Absichtlichkcit für erwiesen nnd beantragte 69 M. event. zwölf Tage Gefängnis. Der Gerichtshof erachtete die Sache trotz der bestimmten Aussagen der vier Knaben nicht für genügend aufgeklärt und erkannte deshalb auf Freisprechung. In Sachen Kriegshcim und Genosse» ist zu melden, daß die Voruntersuchung, welche bereits geschlossen war, von neuem wieder eröffnet worden ist, da es den beiden Verteidigern, Rechts- anwälten Dr. S ch>v i n d t und Morris gelungen ist,'durchzusetzen, daß noch ein zweiter kaufmännischer Sachverständiger in der Person des Bücherrevisors Docrck hinzugezogen werden soll. Der Wer- Handlungstermin ist dadurch aufs neue hil»a»sgcschoben worden und dürfte schwerlich noch im Laufe dieses Jahres stattfinden. Wir erhalte» folgende Znschrist: In Ihrer Numnier 212 finde ich eine Notiz, worin sich verschiedene Irrtümer eingeschlichen haben. In erster Linie ist von einem Streik bei mir leine Rede gewesen, zweitens habe ich nicht Anzeige erstattet, sondern der Rohr- leger W., drittens ist der Klempner W. nicht hierher gekommen, um mit den Kollegen zufaminenzutreffei», sondern er wollte am genannten Tage mittags anfangen zu arbeilen. Was im genannten Lokale vor- gefallen war, ist mir bis vor kurzem vollständig fremd gewesen. Hochachtend I. W. Kantncr. Vevsamml nngen- Die Parteikonferenz des Wahlkreises Riederbarnim tagte am Sonnabend in Rummelsburg. Man ehrte zunächst das Andenken des verstorbenen Genossen I a c o b e y in der üblichen Weise. Dann hielt Freiwald- Pankow ein einleitendes Referat über die Thätigkeit der Agitations-Kommission für die Provinz Brandenburg. Er benierkte unter andern,, die Herausgabe einer beiondern Zeitung zur Unterstützung der Agitation in den ländlichen Kreisen habe sich als notwendig erwiesen und sei deshalb von der Agitations- kommission beschlossen worden. Der Kreis Teltow habe sich zwar gegen die Herausgabe der Zeitung ausgesprochen. Der früher erschienene„Wähler" habe so großen Anklang gefunden, daß man annehmen könne, die geplante Zeilniig werde eine große Zukunft haben.— Gerstenberger- Weißensce begründet folgenden Antrag zur Proviiizialkonferenz: Zur Entfaltung einer lebhaften Agitation unter der Landbevölkermig ist eine populär gehaltene, regelmäßig erscheinende Landurbeiter-Zeiwng seitens der Agltationskonimission herauszugeben.— Der Antrag wird nach kurzer Debatte angenoinmen, ebenso ein aus Fricdrichsberg vorliegender Antrag, welcher die Verbreitung des Kalenders „Märkischer Landbote" in der ersten Hülste des November wünscht.— Als Delegierte für die Brandenburger Provinzialkonfercnz werden gewählt: Kopp- Friedrichsberg, Ernst Krause- Pankow, O e h l ki n g- Rnmmclsbnrg. Als Ersatzniann ivird Welk- Friedrichsberg bestimmt. Die Mandat-Prüstingskommission gicbt bc- kamit, daß 19 Orte durch 23 Delegierte vertreten sind, ferner sind anwesend mehrere örtliche Vertrauensleute, der Reichstags- Abgeordnete des Kreises Genosse Stadthagen, je ein Mitglied der Preß- nnd der Agitationskommission. Hierauf folgt der zweite Punkt der Tagesordnung: Der Partei« tag in Hannover. S t a d t h a g e n, der über diesen Piuikt referiert, beschäftigt sich vorwiegend mit den zu erwartenden Deliatten über die Angriffe ans die Griindanschanungen unserer Partei, er polemisiert gegen die von Bernstein vertretenen Anschauungen nnd kommt dann aus die Frage des Kompromisses zu sprechen, wobei er unter andcrin ausführt: Wenn vor den Thoren Berlins(Kreiskonfcrenz von Obcrbnrnim) Zeitungsberichten zufolge beschlossen wurde, bei Kommmialwahlen sind Konipromissc mit bürgerlichen Parteien ab- zuschließen, so sei das ein Verstoß gegen die Bcschlnffe des Partei- tagcs, wonach Kompromisse mit bürgerlichen Parteien nicht ab- geschlossen werden dürfen. In Bayern dagegen liege kein Kompromiß, sondern ein Bündnis vor. was an sich nicht gerade zu vcriverfcn'sii, wenn auch die Bayern in dem vorliegenden Falle i'icht klug gehandelt hätten, indem sie dem Centrum die Mehr- heit verschafften. Seine Ansführnngen über die Parteitaktik faßt der Redner in folgender, an den Parteitag zu sendenden Resolutioii zusammen: Der Parteitag wolle erklären: Es liegt keinerlei Grund zu irgend einer Aendcning der Grundans chauunge» oder der Taktik der Partei vor. Von de» Vertretern der Partei innß verlangt werden, daß sie fest und entfchieden im Sinne des ParieiprograininS wirken und das Endziel der Vergcscllschastiing der PropnktionSmittel im Auge haben nnd bei der Agitation dies Endziel in erster Linie in den Vordergrund stellen, um das socialisiijche Bewußtsein der Massen zu wecken und zu stärken. Es ist insbesondere gegenüber dem von Tag zu Tag sich mehr zuspitzenden Klafsenkamps zn verwerfe», von dem Gerechtigkeitsgefühl der bürgerlichen Parteien etivas zn erwarten. Die Befreinng des Proletariats ans den Fesseln des Lohnsysteins kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Es ist an der revolutionären Grundanschalinng und an der revolutionären Taktik der Partei festzuhalten nnd jedem Versuch der Vertuschiiilg des Klasseiilailipf-Charnkters eutgegeiizutreten. Die Resolution wird eiiistiinniig ailgenomnicil. Eine längere Debatte entsteht über den bekaniiten Antrag der Preßkommission, betreffend Aeiiderung des§ 17» des Organisations- tatuts. Stadthage i> ersucht, den. Antrage yinzuzusetzeu: In Streitfällen entscheidet die Preßkommission und der Partei vorstand unter Hinzuziehung der Controlenre. John- Ober-Schöneweide bean- tragt: Der„Vorwärts" ivird vom 1. Januar 1999 an wieder Lokalorgan der Berliner Genossen. Dieser Antrag wird mit 19 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Der Antrag der Preßkommission und der Zusatzantrag Stadthagen werden ebenfallsjabgelehnt. Nachdem noch einige minder wichtige Anträge abgelehnt worden sind, ivird zur Wahl der Delegierten zum Parteitag geschritten. Hierzu liegt ein in Pankow gefaßter Beschluß vor, wonach kein Pankoiver Genosse ein Mandat zum Parteitag annehmen darf. Nachdem zwei Genossen ans Pankoiv, die vorgeschlagen wurden, sich zur Annahme des Mandats bereit erklärt halten, entsteht eine Debatte zwischen den Genossen. welche ans Pankow anwesend sind. Die Konferenz erklärt jedoch die Pankower Angelegenheit als eine lokale, die hier nickt berücksichtigt werden brauche. Als Delegierte znm Parteitag werden hierauf gewählt: H a u f s ch i l d- Weißensce und Hoffmann'- Pankow.— Numnehr werden noch folgende Wahlen vorgenommen: Krcisvcrtranensmai»» Kopp- Friedrichsberg, Mitglied der Agitationskommission Frei- wald- Pankow, Mitglieder der Preßkommission Gerstenberger- Weißensee und John- Ober-Schöne'wcide. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende G e r st e n b e r g e r schließt die Konferenz mit einem Hoch ans die Socialdemokratie. Für de» Wahlkreis Potsdam- Osthavelland fand am Sonntag in Potsdam die diesjährige Parteikonferenz statt, welche aus 13 Orten mit 23 Delegierten beschickt war. Aus dem Bericht des Kreis-Vertrauensmaimes S ch r ö e r ist hervorzuheben, dost die Porteibcwegung in den meisten Orten sehr unter dem Mangel an thätigen Kräften leidet; die Abounentenzahl auf die Presse habe sich auch nicht nach Wimsch vergrößert. Die Einnahme im Berichtsjahr betrug 1012,83 M., die Ausgabe 867,75 M. und der Bestand einschließlich eiues nachträglich ein- genommenen Postens von 193 2)f. 340,08 M. Genosse Schröcr schnitt auch die Angelegenheit des Pichelsdorfer Bierboykotls nnd die Stellungnahme der Berliner Parteileitung zu demselben au, ivorauf sich hierüber eine längere Diskussion entwickelte. Auf Antrag R i e g e r werden die Delegierten zur Provinzial- konfcrcnz beauftragt, die Boykottangelegenheit auf dem Provinzial- Parteilag zur Sprache zu bringen. Dem Kreisvertrauensmann wird zu seinem Kassenbericht einstimniig Dccharge erteilt. Das Verhalten des Genossen Huth-Brandenburg, welcher, ent- gegen dem von der vorjährigen KrciSkonferenz gefaßten ab- lehnenden Beschlüsse, für die Beteiligung der P o t s o a m e r Genossen an der Landtagswnhl eingetreten ist und für dieselbe agitierte, erfuhr von verschiedenen Diskussionsrednern eine herbe Kritik. Bei dem Punkt„Agitation und Organisation" ver- hielten sicb die Delegierten zii der von S ch r ö e r gegebenen und S ch ü l e r- Ketzin unterstützten Anregung, einen Wahlverein über den ganzen Kreis zu gründen, ablehnend; Genosse Warsewitz tcilte namens der Agitationskommission niit, daß in>iächster Zeit ein monatlich erscheinendes Blatt herausgegeben werde, welches be- sonders die Laudagitalion wirksam unterstützen und die bessere Ver- breitung unserer Parteiprcsse fördern solle. � lieber die Stellmignahme der Konferenz zu dem Punkt„Unsere Taktik und die bayrischen Landtags Wahlen" berichten wir an anderer Stelle. Als Delegierte zur Provinzialkonferenz wurden S ch r ö e r und Pieper- Spandan und Staad- Potsdam. als Delegierter zum Parteitage Schmidt- Velten und als dessen eventuellen Stell- Vertreter Hille- Velten gewählt. Genosse S ch r ö e r wurde als Kreis-Bertrancnsman» einstimmig wiedergewählt. Als Ort der nächstjährigen Kreiskonferenz wurde Spandau bestimmt. Die Lohnbcwcgnng der Klempner stand auf der Tages- ordimng einer Versammlung dieser Branche, die am Sonntag bei Cohn, in der Bcuthstraße tagte. Der Besuch war so stark, daß nicht nur der Saal, ans dem sämtliche Tische entfernt wurden, sondern auch die Nebenräume von einer dicht gedrängten Menschenmenge ge- füllt waren. Wie Rüther berichtete, sind die Forderungen der Klenipner sowohl den beiden in Frage kommenden Abteilungen des Verbandes derMetallindustriellen, als auch derKlempnerinnung zugestellt worden. Erstere haben das betreffende Schreiben gar nicht beantwortet, die Innung dagegen hat in Aussicht gestellt,'daß sie erst in ihrer Qnartalsversammlnug am 16. Oktober zu den Forderungen der Klenipner Stellung nehmen koini.(Heiterkeit.) Der Redner bemerkt dazu, zu der Zeit, Ivo die Jnnungsmeister über die Lohnbewegung zu beraten geneigt wären, würde dieselbe längst vorüber sein.' Die Haltung der beiden Zweigvereinigungen des Verbandes der Metall- industriellen könne nicht überraschen.' Die Lohnbewegung werde auch ohne Rücksicht auf dieselben ihren Fortgang nehmen. Rüther empfahl folgende Resolution: Da seitens der Unternehmcrvereinigungen keinerlei Schritte ge- than worden sind, um eine friedliche Verständigung über die ans- gestellten Forderungen herbeizuführen, beschließt die Versammlung. daß nachstehende Forderungen am Montag, den 11. September, in allen Werkstätten den Uuternehmerli durch die Kollegen zu unter- breiten sind: Durchführung der neunstündigen Arbeitszeit in allen Betrieben; 50 Pf. Miuimallohn pro Stunde. Ucbcrstimdcn dürfen nur in Ailsnahmefällcn gemacht werden und sind mit 23 Proz. Zuschlag zu bezahlen. Sonnabends muß die Arbeit unr 3 Uhr, ain Tage vor den Festen um 4 Uhr beendet sein. Bei größeren Entfernungen ist das Fahrgeld von der Werkstatt nach dem Bau zu zahlen. Der Accordtarif ist auszuhängen, den Accordarbeitcrn fft der Minimallohn zu garantieren. Genügende Ventilation und Waschvorrichtunge» in den Werkstätten. Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen für Bauarbeiten.— Ueberall dort, wo diese Forderungen bis D i e n s t a g, den 12. September, abends, nicht bewilligt sind, ist die Arbeit am Mittwoch, den 13. September ein- z u st e I l e n. Die Kollegen sind verflichtct, den, Bureau Annenstraße 39 sofort Kenntnis zu geben, wenn die Forderungen bewilligt stnd. Desgleichen ist von jeder Arbciseinstellung sofort Mitteilung zu machen. Angesichts der großen Zahl nicht berechtigter Mitglieder, welche an der Lohnbewegung beteiligt sind, verpflichten sich die Berliner Klempner, bis auf weiteres pro Woche 30 Pf. an den Unterstützungsfonds abzuführen. Fröhlich teilte mit, daß die Mitglieder des Hirsch-Dnnckerschcn Gewerkvereins sich mit den Kollegen vom Metallarbeiter- Verband solidarisch erklären und sich der Lohnbeivegung anschließen.(Bravo.) Nach weiterer Diskussion, in der alle Redner' für Durchführung der Lohnbewegung sprachen, ivurde die Resolution einstimmig an- genommen. Auf Antrag aus der Bersaminlung wurde beschlossen, daß die Klempner den Arbcisiiachwcis der Metallindustricllen zu ineiden haben. Mit eiiicni kräftigen Hoch auf das Gelingen der Lohn- bewcgnng endete die imposante Versamuilung. Die Lohnbewegung der Glaser bildete den Gcgciistand der Beratung einer öffentlichen Bersainmlniig, die am Sonntag i» den Arniinhallen tagte. Es wurde milgeteilt, daß die Lohnkommission den Arbeitgebern die am 4. September ausgestellten Fordcrimgcn unterbreitet, aber keine Antwort erhalten hat. Einzelne Firmen haben die Fordeningen bereits bewilligt, die nieisten' scheinen sich jedoch ablehnend zu verhalten. Die Versammlung beschloß, daß die Kollegen am Montag, den 11. d. M., an ihre Arbeitgeber die Frage zu stellen haben, ob sie die Forderungen aiierkeiincn oder nicht. Wo die Forderungen an, Montag nicht bewilligt werden, wird dieArbcit sofort niedergelegt.— Diejenigen Kvllcgeii,' die zu den geforderten Bc- dingnngen arbeiten, wurden verpflichtet, 10 Proz. ihres Verdienstes zum Streilfonds zu zahlen. Eine anffcrordentliche Ecncralt>ersa»»»l»»g des Per- baudeS der Möbclpolicrcr tagte am Sonntagvormittag bei Keller in der Koppenstraße. Zunächst erhoben sich die Äniveseilden zu Ehren der seit der letzten Generalversammlung gestorbenen Mitglieder von den Plätzen. Alsdann ivird in die Tagesordnung eingetreten, deren wichtigste Punkte lauten: Sind die Mitglieder gewillt, die jetzige Geschäftslage auszunutzen? und: Welche Forderungen stellen ivir? Schulz ist der Meinung, daß die jetzige Geschäftslage eine derartige ist. daß man ruhig in eine Bewegung eintreten könne. Wenn einzelnen Mitgliedern die Forderungen vielleicht etivas über- raschend komnlen, so ist daran zu erinnern, daß die 96 er Be- ivegung nur deshalb sich so lange hingezogen habe, weil damals durch die große Anzahl der Versammlungen die Mehrzahl der Kollegen erst sür den Verband gewonnen iverden mußte. Jetzt, ist die Organisation stark genug, um notwendig werdende Bewegungen rasch zu unternehmen und so zu. verhindern, daß das Unternehmertum Zeit zur Abwehr gewinnt. Fast sämtliche Redner sprachen sich in energischer Weise für ein sofortiges Vorgehen ans. mlr wenige halten die Bewegung für„über das Knie ge- brachen".— Es wird darauf beschlossen, daß am Montag jeder Kollege den Lohnsatz von 27 M. Iii i n d e st e n s z u fordern hat. Wer diesen oder einen höheren Lohnsatz bereits erhält, hat eine entsprechende Aufbesserung zu verlangen. Wird einen: Kollegen seine Fordernng abgeichlagen, so hat er sich an den Arbeitsnachweis zu wenden. Entweder wird dann von dort aus die Sache geregelt oder dem Betroffenen Arbeit zu seinen Forderungen nachgewiesen. Auf Antrag von Hüfer wird dann beschlossen, auch den'Accordarbeitern anheimzustellen, einen Accordanfschlag bis zu 10 Proz. zu verlangen, Angenommen iverden iveiter folgende Anträge; 1. Die Arbeitszeit beträgt höchstens 32 Stmidcn die Woche; in den Werkstätten, wo kiraere Arbeitszeit ist oder eingeführt wird, haben sich die Kollegen diesem anzuschließen. — 2. Kein Kollege, welcher selbst im Arbeitsverhältnis steht, hat das Recht, Lehrlinge'anzunehmen. Die Kollegen, welche einer Werkstelle vorstehen als Vorarbeiter usw., dürfen nur dann Lehrlinge an- nehmen, wenn der wirkliche Arbeitgeber, also Tischlermeister usw., seine Unterschrift mit auf den Kontrakt setzt.— 3. Kein Lehrling darf ohne schriftlichen Kontrakt angenoiiimen werden.— 4. Der Lehrling darf nicht über 21 Jahre alt'sein; die Lehrzeit ist durchschnittlich 2 Jahre. Bis zu 3 Gehilfen 1 Lehrling, bis 10 Ge- Hilfen 2 Lehrlinge und für jede weitere 10 Gehilfen 1 Lehrling.— 3. Der Lohnsatz eines Grundierers ist mindeftens 24 M. die Woche.— 6. Bei Arbeiten außer dein Hause ist pro Tag ein Zuschlag von niindcstcns 30 Pf. und Erstattung der Fahrkosten zu gewähren.— 7. Die Kollegen, welche in Nähmaschinen-, Handelsgeschäften oder in solchen Betrieben arbeiten, wo wir nur in der Minderheit sind, und die anderen Arbeiter, z. B. Metallarbeiter usw. eine längere Arbeitszeit usw. haben, sind von Vorstehendem zur Zeit nicht mit einbegriffen.— 3. Die Abschlagszahlung für Accordarbeitcr hat wöchentlich mindestens 27 M. zu betragen.— 9. Aus gesundheitlichen Rücksichten sind den Arbeitern d esi'nf ici er te Lappen und reines Werkzeug zu ge- währen. Ferner muß für mindestens sechs Personen ein Waschgefäß vorhanden sein.— Unter Verschiedenem teilt der Vorsitzende noch mit, daß die Tischler bei B e r k o w i c z am Montag in eine Bewegung ein- treten. Er bittet die dortigen Polierer, sich mit den Tischlern solidarisch zu erklären. Der Vorsitzende warnt dann die Kollegen eindringlich vor etlvaigen unbedachten Worten sogenannten„Arbeits- willigen" gegenüber und weist auf einen Fall hin, wo ein Arbeiter eine Vorladung erhielt lediglich deswegen, weil er die ihm un- angenehme Begrüßung einer solchen Staatsstütze energisch zurück- wies. Mit einem Appell an die Anwesenden, treu zur Sache zu stehen, schließt er die Versammlung. Eine öffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend tagte am 3. September im Grand-Hotel, Neue König- straße'44/43. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Ver- sammlung den so plötzlich dahingeschiedenen Kollegen August I a c 0 b e y durch Erheben von den Plätzen. Zum 1. Punkt der Tages- ordnung erstattete der Vertrauensmann David den Kassenbericht über Ein- und Ausgaben vom 24. April bis 24. August: Einnahme inklusive alter Bestand 2628,36 M., Ausgabe 433,43 M., Bestand am 24. August 2193,11 M. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Vertrauensmann Decharge erteilt. Hoffmann gab einen Kassen- bericht(lokaler Seite) von Mitte Juni bis Mitte August: Einuahme 464 M., Ausgabe 43,37 M., Bestand 415,43 M. Die Decharge konnte nicht erteilt werden, indem die Revisoren nicht erschienen waren. Sodann gab David einen Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Er verlas einige Schriftstücks die mit den Arbeitgebern gewechselt wurden, tadelte in längeren Ausführungen das Verhalten der- Arbeitgeber und fordert die Kollegen auf, in Zukunft gewissenhafter über jeden Bau Bericht zu erstatten und auch mehr für die Sammlung einzutreten. Hagen hat durchaus von den Arbeitgebern nicht mehr erivartet und meint, daß es gerade die Herren Jnnungsmeister gewesen sind, die die Löhne fortwährend gedrückt haben. T h i e m e ist der Meiiimig, die Kommission habe in agitatorischer Hinsicht ihre Aufgabe nicht genügend erfüllt. Er spricht sich dafür ans, mit den Putzern zugleich in den Streik zu treten. Hoffmann tadelt das Korrespondiere>i mit den Arbeitgebern. John weist die Vorwürfe gegen die Kommission zurück. Hilscher ist gegen den Vorschlag Thienie. indem ein großer Teil der Kollegen zur Zeit wochenlang keine Arbeit hat. und nicht genügend Unterstützung am Platze ist. Paul Hoffmann ist ebenfalls gegen den Vorschlag Thicme. D r u n s e l ist ebenfalls dagegen, mit den Putzern zugleich in Aktion zu treten; er ist der Meinung, den Kollegen, die jetzt Wochen- lang keine Arbeit haben, kann man nicht noch zuniutcn, wochenlang ohne Unterstützung zu streiken; er begreift deshalb diejenigen nicht, die einen derartigen Schritt befürworten. Aufgabe der maßgebenden Kollegen ist es, die Situation genau zu erwägen; er empft'ehlt, der Kominission freie Hand zu lassen. Lother tritt ebenfalls den Ansführiingen Thiemes entgegen und meint, man solle die Situation abwarten und der Kommission Zutrauen schenken. Beschlossen wurde, der Kommission für weiterhin das Vertraue» zu schenken, ihr aber anHeim zu geben, mehr Agitation zu treiben und in allernächster Zeit cine-Vcrtrauensmänncrsitzung und, wenn möglich, hinterher eine Versammlung einzubernfcn.— Als Kom- missionsmitglicd für den ausgeschiedenen Lipp i tz, centrale Rich- tung, wurde H a r n h 0 l d gewählt. Die Maurer(centraler Richtung) hielten am Donnerstag, de» 7. d. M., eine Versammlung bei Cohn, Bcuthstraße, ab. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, erhob die Versammlung Protest gegen den letzten Versammlnngsbericht des„Vorwärts", daß selbiger' nicht die ausgeschlossenen Mitglieder veröffentlicht habe. Alsdann nahm der Kollege F r i tz s ch zu seinem Referat: „Ziele und Praktiken der Unternchmer- Organisationen" das Wort. Reicher Beifall wurde diesem Vortrag zu teil. An der hierauf folgenden Diskussion beteiligten sich M u ck, Gröppler und S i I b e r s ch m i d t im Sinne des Referats. Alsdann gelangte ein Antrag zur einstiinmigeii Aniiahine, welcher besagte:„daß Kollegen, welche nach K 2 Abs. 2 des am 24. Juni 1899 geschlossenen Einignngsuertrages durch hohes Alter, Unfall oder Invalidität niiuderleistuugsfähig sind nnd infolgedessen nur schwer Arbeit bekonnuen köinien, vom Beitrage zum Streikfonds befreit sind, wenn ein diesbezüglicher Antrag' von feiten der Kollegen oder des Vorstandes einer zum Streikgcbiete Berlin ge- hörigen Verbandszahlsielle, oder bei Einzelzahlern von den betr. Bcitragssammlcrn an die Lohnkoiinnission gestellt und von dieser acceptiert wird. Einstimmig wurde der Kollege Dunkel wieder im Verband aufgenommen.— Fritzsch brachte hierauf einen Fall bezüglich einer Arbeitsstelle in der Ansbacherstraße vor. Bauherr ist dort der frühere Gastwirt Zicincr. Der leitende Meister dieses Baues bezahlt 60 Pf. Lohn die Stlmde, Herr Ziemer legte noch 3 Pf. pro Stunde aus seiner Tasche(oder den vorhandenen Baugeldern) zu. Am Sonnabend, den 26. August, war die Arbeit soweit fertig, daß am Dienstag, den 29. August, die Rohbau-Abnahnle stattfinden konnte. Den Maurern, welche am erstgenannten Tage entlohnt wurden, zahlte man den vollen Lohn ans, diejenigen, Ivelche bis Dienstag, den 29. September, arbeiteten, wurden, ohne daß vorher Herr Ziemer von Abzug gesprochen hatte, für 13>/s Stunden die 3 Pf. abgezogen, also pro Mann 41 Pf.; 10 Maurer ivaren bis Dienstag beschäftigt, also hat Herr Ziemer 4,10 M. gespart. Mitgeteilt wurde, daß die Namen der ausgeschlossenen Mitglieder, central sowie lokal, im Bnrean sowie in den Filialen ausgehängt und beiderseits nicht aufgenommen werden. Das Bureau wurde auf Beschluß der Vcrsainmlung zum 1. Oktober nach Neu-Kölln am Wasser Nr. 1 ver- legt. Den Steinmetzen wurden 1000 M. überwiesen. Ein Antrag des Koniitces, in diesem Jahre ein Herbst-Vergnügen in der Berliner Bock-Brauerei abzuhalten, wurde angenomnien. Tie Kohlcnarbeiter und-Kntscher hielten am Sonntagabend wieder eine Versammlung ab, die von etiva 1200 Personen, darunter auch vielen Klein-Kohlenhändlern besucht ivar. Wie aus dem Bericht der Lohnkominission hervorgeht, sind die Forderungen der Arbeiter den Unternehmern bereits am vergangenen Diensrag unterbreitet ivorden. Darauf ist von dem„Verband der Berliner Kohlen-Groß- Händler" ein Schreiben bei der Lohnkommission eingegangen, in welchem mitgeteilt wird, der Verband habe in einer Versammlung beschlossen, in Verhandlungen mit der Lohnkommission der Arbeiter nicht einzutreten. Sodann heißt es in dem Schreiben weiter: „Wir können Ihnen jedoch mitteilen, daß wir unserer Lohn- koinmission die Prüfung der Frage übertragen haben, und deren Ergebnisse seiner Zeit den Arbeitern direkt bekannt geben werden. Hoch- achtungsvoll Verband der Berliner Kohlen-Großhandler. Der Vorstand. L i ch t e n st e i 11." Die Verlesung ivurde von der Versammlung mit dem größten Unwillen entgegengenommen, nnd mit Rufen für s 0 f 0 r t i g e A r b e i t s e i n st e l l u n g beantivortet. Der Berichterstatter der Lohnkommission knüpft' daran die Be- merkung. daß die Arbeiter eben nicht Lust hätten, zu warten, bis es den Herren Unternehmern gefällig sein werde, den Arbeitern in „Gnaden" etwas zu bewilligen!(Langanhaltender Beifall.) Die ganze Lohnbewegung der bisher fast gar nicht beachteten Kohlen- arbeiter sei aus dem innersten Drang für eine bessere und menschliche Lebenshaltung hervorgegangen! Man werde nicht ivieder so thöricht sein, diesen Herren Unternehmern ebensoviel Vertrauen schenken, wie es bedauerlicherweise die Speditionsarbeiter gcthan haben. Da es sich nunmehr darum handle, den jetzt günstigen Zeitpunkt nicht wieder unnütz vorübergehen zu lassen, empfehle er der Versammlung nachstehende Resolution: „Die am 10. Septbr. 1899 in Cohns Festsälen versammelten Kohlcnarbeiter nnd-Kntscher Berlins erachten die Ablehnung der Verhandlungen seitens der Unternehmer als eine Heransforderung, die es verhindert, eine f r i e d- liche Erledigung der gestellten Lohnforderimgeii zu ermöglichen. Die Vertrauensmänner der einzelnen Kohlenplätze-c. werden beauftragt, am Montag früh, den 11 Septbr., ihren Arbeit- gcbern die Forderungen im einzelnen nochmals zur Bewilligung zu unterbreiten und, bei Ablehnung derselben, dahin zu wirken, daß sofort die Arbeitseinstellung erfolgt. Die Ver- trauenslcnte sind ferner verpflichtet, sofort dem Bureau des Ver- bandcs, Vischoffstr. 13, Mitteilung über den Verlauf und äugen- blicklichen Stand der Lohnbewegung zu machen, um die Lohn- kommission der Arbeiter zu veranlassen, sofort die geeigneten Maßregeln ergreifen zu können." Die Verlesung dieser Resolution wurde mit lebhaftem Beifall beantivortet. Um aber allen Vertrauensmännern bezw. den Arbeitern Gelegenheit zu geben, sich reiflich zu überlegen, ob sie für oder gegen diese' Resolutioii stiinmcn wollen, erfolgt Unterbrechung der Versammlnng durch eine Pause von einer halben Stunde. Nach Ablauf derselben erfolgt zunächst die Verlesung sämtlicher Finnen und Aufruf der Arbeiter derselben, sodann eine allgemeine Besprechung. Die Klein- Kohle»Händler wurden ebenfalls aufgefordert, mit den Arbeitern gemeinsame Sache zu machen, um dadurch die Unternehmer zum Nachgeben zu zwingen. Ein Kohlen- Händler bemerkte, daß sie den Unternehmern vollständig ausgeliefert seien. In der Versammlung der Großhändler habe man schon gedroht, den Kleinhändlern eventuell dicLieferungcn zu entziehen. In Verbindung mit einem diesbezüglichen Schreiben an die Unternehmer seitens der Vertrmiensinänuer gelangte noch ein bcsoiidcrerFrngcbogen, über die Zahl der Arbeiter nnd Kutscher, Lohn- und Arbeits- Verhältnisse usw. zur Verlesung, um deren Beantwortung seitens der Arbeiter und Vertrnuensniänner zu erleichtern. Ein Unternehme r hatte sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht zum Wort gemeldet. Es wurde mitgeteilt, daß bereits inehrere V e r t r a u e n s m ä n n e r g e m a ß r e g e l t scicn! Hierauf ivurde die Resolution e i n st i m m i g a n g c n 0 m m e n!: Da- mit Ivar für den Fall der A b I e h n u n g der Forderungen am Montag, 11. September, der allgemeine A u s st a n d verkündet! In dcii Verband haben sich seit den letzten Wochen etwa sechs- hundert neue Mitglieder ans diesem Beruf aufnehmen lassen. Nach einer kräftigen Ermahnnng des Vorsitzenden Schumann, während des Verlaufes der etwaigen Arbeits- e i n st e l l u n g die größte Ruhe und Besonnenheit zu bc- wahren, ivurde die Versammlung mit einem stürmischen Hoch auf das Gedeihen der Bewegung geschlossen. VevmtsiJjkes« Attentat ans eine» Eisenbahnzug. Aus Osnabrück wird vom Montag berichtet: Auf einen Personenzug ivurde bei der Station Dissen auf der Strecke Biclefeld-Osiiabrück ein Attentat versucht, indem Steine, solvie Holz auf die Schienen gelegt wurden. Es gelang, den Zug noch im letzten Augcilblickc zum Stehen zu bringen und ein Unglück zu verhindern. I» Schönheide bei Zwickau sind drei Häuser durch eine FenerSbrun st eingeäschert worden. Zivei Personen fanden in den Flammen den Tod. Aus Budapest wird berichtet, der im Bai, begriffene Turm der reformierten Kirche wurde Sonntag durch einen hier wütenden Orkan fortgerissen. Durch herabfallende Steine wurde ein Mann getötet. Lakaien im Znkunstöstaat. Eine iinponierende Stilblüte hat der preußische Ministerwechsel in einem Parteiblatt zum Aufbruch gebracht: � �,.. „Was gehen uns eigentlich der Charakter, das Gcburtszahr, die bisherige Laufbahn v 0 n L a k ai e n. d i e n i ch t e i n m a l unsere sind, an?" Daß sich die Socialdemokratie auch einmal Lakaien halten wird, ist eine radikale Umwälzung, die uns ein wenig erschreckt. fllnö Genna wird über ein E i s c n b a h n n n g I ü ck berichtet: Zwei Züge, welche nach einander von hier abgelassen lvurdcn, stießen Montag auf der' Station Campo Ligure zusannnen. Drei Personen wurden getötet, sechzehn verletzt. Der Verkehr ist nicht unter- b rochen. Nach den Schätznnae« der Fachblättcr wird die Wein- ernte des Jahres 1899 in Frankreich die vorjährige bedeutend übersteigen. Dem„Progrös vinicolc" zufolge wird dieielbe sich aus 48 Millionen Hektoliter belaufen, welche Ziffer indessen von andern Fachblättcrn als zu hoch gegriffen bezeichnet wird. Die Durch- schnittsnunahrne giebt 44 Millionen fiir Frankreich, 4!><)() für Algerien und 230 000 sür Tunesien. Im Vorjahre war die Schätzung um diese Zeit 32 000 000 Hektoliter. Dagegen werden die Ergebnisse in den Champagnergegcnden Aube, Marne und Hautc-Marne geringer als 1899 sein. Eine bedeutende Znnahmc der Ohrencrkraliknngcn in der deutschen Armece hat Gcneral-Oberarzt Dr. Biliar et festgestellt. Er hat statistisch den Nachweis geführt, daß die Armee eine vom Jahre 1831/82 beginnende erhebliche Steigerung an Krank- Heiken des mittleren und inneren Ohres erfahren hat, die mit un- erhebliche» Schwankungen andauert»ud zwar nicht infolge von Tod, wohl aber durch Dienstunbrauchbarkeit und Invalidität einen an sich sehr erheblichen nnd auch sehr erheblich steigenden Verlust, ganz ab- gesehen von dein uatürlicki auch stetig anivachsenden Verlust an Diensttagen, bewirkt hat. Diese Verhältnisse erstrecken sich gleich- mäßig auf alle Armeekorps. Ucbcr die Gründe der bemerkenswerten Erscheinung läßt sich, wie behauptet ivird, vorläufig noch kein sicherer Aufschluß geben. Etymologisches.„Die alten Deutschen waren ein Prasservolk, das von den mühsamen Arbeiten der friedliebenden Slovenen lebte. Sie liebten es, auf Bärenhäuten herumzuliegen, zu spielen nnd dabei tüchtig zu kneipen. Der Meth, ihr Lieblingsgetränk, wurde natürlich auch von den Slovenen bereitet;_ sie selbst hatten es nicht einmal der Mühe wert gefunden, die spätere Welt- spräche. das„Slovenische", zu erlernen. Da sie noch das Unglück hatten, ein dummes Volk zu sein, so nicrktcn sie von der„ivort- reichen" slovenischen Sprache nur die Worte„vozls ss"(gebt doch!), wenn sie»änilich den Meth, ihr Lieblingsgetränk, von den Slovenen verlangte». Dieses„Dajtv se" ist dann unglücklicherweise an ihnen haften geblieben und hat sich dann in„Deutsche" ver- ivandelt." Also erklärt das in Trieft erscheinende slovenische Blatt „Edinost". wie den»L. N. N." mitgeteilt ivird, das verhaßte Wort . Deutsch". Das Blatt hält offenbar den Steuerfiskus für die Inkarnation des Deutschtums. Umwälzung in der Glasfabrikation. Ein amerikanisches Syndikat hat eine Glasfabrik in St. Helens eröffnet, bei der das alte System der Glasbläserei durch eine Maschine ersetzt ist, die in der Stunde 300 und im Tag 3000 Trinkgläser hervorzubringen ver- mag. Ebenso kann sie 3000 bis 4000 Lampcncylinder täglich er- zeugen. Die Maschine wird von 4 Männern und 7 Knaben bedi.nt. Nach dem alten System wurden im Tag nur 400 Trinkgläser erzeugt. Das wichtigste Mittel zur Beschleunigung der Fabrikation ist die An Wendung von zusammengepreßter Lust. Ei'ngcgaiigenc Druckschriften. Von dein Ii» Verlage der„Sächflschrn Slrbrlter> Zeitung" in Dresden>nö Deutsche übertragene» Ttonogrnmm der Verhandlungen im Prozeft Drehfus vor de», Kriegsgericht zu RenneS ist die 3. und 1 Liescrniig - a 64 Seiten 8»— erschienen. atit n c mit g 8 ii Der sticht vom 11. September l«a», morgens« llhr. Marktpreise von Berlin am S. Scptcmlicr 1899 tinch�CrmiUctmigcn des fgf. Polizeipräsidiums. D.-Cir. �)Weizcii ')Roggcii kluttcr-Gerste„ Hofer gut „ mittel, ... gering Nichlstroh. Heu ch)Erdscn„ ch)Speisetohiien Minsen Kartvfsrlii,»eile iiiindsleisch, Keule 1 stx da. Bauch„ *) Ermittelt pro 1kg 60 Stück 1 kg 1,60 1,60 1,60 2,60 4,- 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- 1,10 1,- 1,- 2,- 2,60 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- 15,20 14,60 Schweinefleisch 14,80 13,80 Kalbfleisch 13,30 12,50 Hamiuclsletsch 15,20 14,60 Butter 14,50 13,00 Eier 13,80 13,30 Karpfen 4,32 4,- Aale 6,60 4,— Kauder„ 40,— 25,— Hechte 50,— 25,— Barsche„ 70,— 30,— Schleie„ 7,- 5,- Bleie 1,60 1,20 Krebse per Schock 1,20 1,- Tonne von der CenlralsteNe der Preith. Landwirte fchnslSknmmcru— RolirniiigSsteste— tind tittigercchnct vom Polizeipräsidiitm sür den Toppel-Ceniner.-f) Kleinhandelspreise. P r o d u k tc n m a rkt vom 10. September. Von den amerikauischcu BSrscn wurden matte Notirnngeti gemeldet, gleichzeitig machte sich auch reichliches Angebot vom Jttlmtde bemerkbar. Auf diese Momente hin gab Weizen 0,25 M., Roggen 0,50 M. nach. Gegen Schlnh des Marktes trat eine lleitte Befestigung ein, als aus der Provinz Kaufaufträge eingingen und konnten daranfhin beide Brotsrüchtc zu Sonnabendpreiscu schltestcn. Hafer still, Maiö in amerikattifchcr Ware billiger offeriert, Rüböl behauptet. ?ltn Spiritusutarkt waren 20000 Litcrlvco 70cr, die mit 43,40 M. unverändert gehandelt wurden. Termine gaben 0,30— 0,40 M. nach. Kartoffelfabrt kate. Berlin, 11. September. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. 20,25-20,50 Mi., do. Snpra 21,00-20,50 M., dv. Sekunda 14—18 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. 20,25— 20,50 M., do. Snpra 21,00— 21,50 M., do. Sekunda 14,00— 13 75 M. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. 10,00 M. Gd._ »Zcttcr-Progiiose für Dienstag, den IL. September Ibtil». Etwas wärmer bei tnäßigeti nordtvestliche» Windcit mtd veränderlicher Bewölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t c r b n r e a n. Stationen te V u 5 S Twineuibe. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» 758 760 758 76 t 761 . s ß s W NNW W N W 7b8�NW Wetter Ävolkig 1 Nebel 2hlb.bed. 6 hlb. bcd. 6bedeckt 2,wollig Wetter wolkenl 2hlb.bed �bedeckt — heiter Briefkasten der Redaktion. Tie jttriftiielte Sprechslnnbe wird Dienstags. TonttcrStngS mid Frcitogs abends von. 81. 1. Nein. 2. Leider nein.— F. G. Der Ausgang des Pro- zeffcs wäre zweifelhaft.— Engler. Schriftliche Antwort erteilen wir nicht. Eine Verfolgung wegen Betruges hätte wohl schwerlich Erfolg. Sie könnte» aber vielleicht den Kauf anfechtett. Sprechen Sie eventuell mit den Papieren in der Sprechstunde vor.— 444 G. l. Es hastet leider mir eventuell die Lehrerin, nicht das Geschäft. 2. Seit 1894.— W. T. B. Schötteberg. — Alter Parteigeiiofsc. Grenadierstr. Die Betreffende könnte Testantent zu Guttstett des Kindes machen. Zu diesem tttttstte sie aber auch den Mann und das andere Kind als Erben einsetzen, jedoch nur auf den Pflichtteil. — E. Kronberg. 1. und 2. Sie müstten etwa folgendes Schreiben an den Vorstand der Berufsgenoffenschaft richten:„Mein Leiden bat sich derart verschlimmert, daß ich gänzlich erwerbsunfähig bin. Ich beantrage, die volle Rente mir zuzusprechen." Gegen einen anderen ablehnenden Bescheid steht Ihnen die Berttsung zu. 3. Sterbegeld ist zu zahlen. L. B. 149. Attstveisttttg ist unzulässtg. Deutsche,'welche ihre Slaats- angehörigkeit im Auslände verloren haben, und demnächst nach Deutschland zurückkehren, erwerben die Staatsangehörigkeit in dem deutschen Staat, in welchem sie sich niedergelassen haben, durch eine von der höheren Ver- waltungSbehürde(in Preutzett ist das der Regieruttgsvräsident, in Berlin der Polizeipräsident) ausgefertigte Aufttahmeurltinde, welche auf Nachsuchen ihnen erteilt werden muh. Wiederholen Sie also Ihren Antrag oder legen Tie gegen die Bummelet Beschwerde ein.— H. Ttotttcr. 1. In 4 Jahren seit Ende des Jahres, in dem die Forderung etilstattden ist. 2. In 30 Jahren. Die Anlage, von der Ihr Brief spricht, lag diesem nicht bei. Sotwlimnokrlltischer Wahlverem für dru 2. Berliner Reichstags- Wnhlüreis. DicuStag, de» IS. September, abruds �,2 llhr, im Lokal des Genosse» Znbeil, Lindenftraße ZOS: Versammlung TagcS- O r d n n n g: 1. Vortrag des Genolsen«vorx Wagner über:„Prllgclpädagogie und medicinische Sachverständige". 2. Disknisioit. 3. Verschiedenes. Gäste habe» Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet 238/1 6* l>cr Torstand. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, dast noch in allen Zablstellen Bilicts zur Treptoiver Stennvarte zn haben sind. Soeialdemokratischer Wahlverein für de» 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis (GNe»). Iienstng, den IL. Stpiemlier, llbeilSs 8� llhr, bei Lreuer, GwKe Frinlksürterstr. 117: DevsÄ m mlu ng. TageSordn n na: I.Vortrag dcS Stadtverordneten Genoffen llrnus über: Die Lage der arbeitenden Vevölkeritiig Berlins. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht. Gäste habe» Zutritt. Nene Mitglieder werden vor und nach der Bersamtnlung atifgenommett. 143/8* _ SWF"" Die Versammliing wird vunkrlich eröffnet._ Her Vorstand._ ZocmldmMlitischtt Mahiverein für dm 6. Dkriiner Reichstags-Wahlkreis. Tr WÄZaZZAmZ SMZg;' am Dienstag, den 12. ds. Mts., abends 8�« Nhr, in Tchncidcrs Salon, Belfortcrstr. 13. Tages- O r d n u n g: „Die Socittldeiliokrtttie im Noten Hause und die Kommlnialwahlen". Referent! Genosse Zlarttnald. DiSkusstoii. NerschicdeneS. � s248/l* Zahlreiches Erscheinen erwünscht ver Vorstand. Die nächste Vorstandssitiitiig findet Mittwoch, den 13. d. M., bei Krause. Müllcpstr. 7, statt. D. O. ßeiitsoherHolzaiMer-VerbuL Donnerstag, den 14. Scptctnbcr. abends 8 Nhr, Im liokal des Herra Scliiller, Hoscatisalcrstrtisse 57: Brailchettversammluag der Zteümacher. T a g e s- O r d n n n g! I. Vortrag über:„Weshalb organisieren wir ttits? 2. Disknssion. 3. VerbandSangekegenheiieu. 4. Verschiedenes. 121/6 _ Tie LrtSvcrwaltung. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vemaltnuftsstcllc Berlin. Mittwoch, den 13. September, abends 81. Uhr, im Lokal dcS Herrn Hohn, Venthstrastc SV LI:> Rtttrantllsmiintitr-Kotlftrel!; der Klempner. ±!t£r~ Jede Werkstatt ittitst vertreten sein."WG In der Werkstatt von Ge recke, Prinzciisttastc 33. haben sämtliche 22 Kvllegcn die Arbeit eingestellt; desgleichen bei Bauer, Mohreiistraste. 5 Kollegen. 113/18 Arn Mitttvoch, dc» 13. September, abends 8 llhr» im Lokal des Herrn Daase, Brniiiiciistrastc 134: Gr&sseW e.iai§ amtnl ung11 T a g e ö- O r d n n n g: 1. Vortrag des Kollegen 4''r!edrieti Selilegel über:„Die kulturelle Btdeiitnng der Arbeiter-Orgaitisqtioneu". 2. Diskussion. 3. Die gegen- wärtigc» Streiks und Lahnbewegnitgeii in der Metallindustrie. 4. Neu- wählen zur Bezirksleitung. I>ie OrtsvciMvalinnff. Aautiki«r-r! Dieüstllg, IL. September, itheilbs 8'� Uhr, im Lokale lies Herril Keller, KWenstr. Lg: Grofte öffentliche Versammlung der Ba&etiscliler Berlins u. Umgegend. TageSordiiung! Ter Bert auf der Bautischler-Lohiibewogmig nnd ntisere ferneren Aufgaben. Referent! Th.«locke.— Bei der Wichtigkeit der Tagesordnuiig ist es Pflicht eines jeden Btmtiichlers in der Verlaminlung zn erscheinen. sl21/3*f_ Her Vcrtraaensniann: Otto Kllnger. Ililieipciilererl .Honte. Dienstag, abends 8 Nhr: Große öffentliche Versammlung Mö olier er in Fiebigs Salon, Frankfurterftrahe Nr. 88: T a g c s- O r d n n n g! 1. Bericht über unsere Lohnbewegting. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht jedeS Kollegen ist es, zn erscheineii nnd die gedruckt vor- liegettdett Fordemngen an die Arbeitgeber in Empfang zn ttehmett, ebeino die nett gedruckten Tarife. 147/10 vic Koimnission. AAmig! UreelisleF. AAnng! DienStafl, den Vi. Septcnibcr, abcndö 8 llhr; Große öffeiitültie Nersomiillung Drechsler und Bernfsgenoffen lZtolk' n. Zlsjirmitrbtitcr, somie Perliilütt-Arbeitn) im„Englischen Garten", Alcxnndcrstrastc Nr. S7c. Tagesordnung! 1. Stelltttignahnte zur Jttnttngs-Krattkcnkasse. Resercttt: Kollege Kmit ko-t. 2. Diskiifsioii. 3. Nii'cr Arbeitsnachweis, wie er ist und wie er sein sollte. Referent! Kollege Ksazz. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der beiden wichtigen Pmikte ist«S jedes Kollegen Pflicht, in dieser Versammlung zu rrschcwcn. Die Äassetivorstniide sowie Ver- waltungöbcauttcn beider Kassen find ganz besonders etitgeladen. 121/4 Ter Einberufer: p. Nlinte, Stralaucr Allee 25. Achtmig! Dienstag, den 12. Septbr., nachm. 5l/2 Uhr: Grosse Versammlung aller Wer Derliiis«ad der Vororte in cker öruuerei vrieörielislinin, am b'rielli'jlilisllilin. Tages- Ordnung: sl91/7" Situatiousbericht über deu Stand der Bewegung. DM" In dieser Bersaiiimluiig darf kein Kollege fehle» Verein lier �ilimprApiten ele. LeulseiilANliZ. Liaklkstelle Berlin Iii für Litho�raplicn. Mittwoch, 13. Tcptcnibcr. abends 8 Nhr, im Dresdener Garten, .____ Dresdenerstraste 45:__ W?" Versa sninlniig:.'MW T a g e ö o r d n n n g: 1. Geschäftliches. 2. Moderne Nichtiittgcn im Ktitistgcwerbe. Referent! 1*. llnnoiit. 3. Der Lithograppen- Knngrch in Leipzig. 4. Ter Vergtiügniigsabetio am 30. September. 5. Verschiedenes. Alle Kollegen, insbesondere die Mitglieder, werden um vünltlichcS Erscheinen gebeten.[2ü00b] Der Borstaud. NisktttNig!"WU WW" Achtung: Radiisptttzev Ultd Plattettaitfftcller. Am Mittwoch, den l3. Tcptcmüer 1899, abcndS 8 Nhr, im Lokal des Herrn IklaNeik, Lindenstrastc 1t!r. BöIihi, Spccialarzt für Wasserhcilverfahren, 81V.. Schützensir. 63. 111/9» Daultsngttttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung nteiner lieben Frau und unvergehltchen Mutter Idereze Xi'eusekoer sagen wir allen Derwandlen, Freunden und Bekannten sowie dem Tischler- verein und dem Gesangverein unseren tiefgesiihlten Dank. 2522b H. Kreuschncr tt. Sohn. Dankfaguttg. Alleti Freunden und Bekannten so- wie dem Arbeiterverein sür Pankow und Ilmgegeitd und dem Lottericklub Glück aus! sür die Teilnahme u. Herr- lichen Kranzspenden unseren innigsten Dank. W,ve. Jlanke a. Kinder. Kranzbinderei n. Blntncn- linndlniig voll[2474S* Robert Meyer, Xo. S. Mnrlaniicnstr. Xo. 2. WidmttttgS-Krätize, Gnirlaudeti, Ball- stränsscheti, Bougiteis tc. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert- und Blttmenhandlung td Kranzbinderci von s2331L Giio Knske 19a Vdnrlral- Strasse 19a empfiehlt WidttuttigSkrättze, Sträuße, Kotillous, Topsgewächse aller Art. Hirtes Festfäle. Etnpsehle den tztercinen meinen rettovieelen Saal und Ncbeiträutne für Sonttabettd und Sonntag zu Festlich kcttcit. Auch sind Vereins- zimmer sowie 2 Kcgelbahtten zu ver- geben. 2470L» Elisnbetsklrchstr. 14. Saal, Bereiitszimmer empfiehlt 11.«allwltz, Linienstr. 96. [25036 Inttf Teilzahlung. J. Kellerniann, l,rlnzcnstr.97, parterre, Eingang vom Flur.[» 5 ii Pfi>. Brot SSM. 2 H. Albrecht's Bäckerei• KÄraugelstr 9. Krautstr. 19. Falekensteinstr. 28. Lnnjiherstr. 2. Fahrräder Stets groheS Lager erstklassiger Fabri- täte aus Teilzahl. vbue Prelser- höbung zu den eoulautZahl.' Bediitgnngeti. Katal. gratis. Mornslt& Landau LiothrlnBcrstr. 48 I. Dicht am Rvsenthaler Thor. „�ip Vop" Cigarre, groh. aualitätövoil und sehr preiswert sollte jeder rauchen und nicht die tenren Detailpreise zahlen. 100 Stück 5 M. franco geg. Nachn. Alfred Börfler, Hamluirg 11. Sfi'tilarbdteni.Ülfbfitmiiiieii. Mittwoch, den 13. September, abeudö 8 Nhr: Große öffentliche Versammlung im Lokale„Königsbatti", Grosse Fraitksttrterstrnstr 117. TageS-Ordnuttg: 1. Der Stteik bei der Firma Feibifch und die Lobttbewcgtmg der Berliner Posamentenarbeiter und wie stellen sich die Berliner Textil- arbeiter dazu? Referent: Kollege Kotzhe. 2. DislussioNi 3. Verschiedenes. NB. Die Posamentierer und die Arbeiter der Firma Fetbisch sind hiermit besondets eingeladen. Tic Slgitatiotts-Kotittitissto» der Textilarbeiter nnd Zlrbeitcriunen 199/3 für die Provinz Brandettburg. Metallarbeiter! Am Mitttvoch, den 13. September, abends SVe Nhr, in dce „Kroncu-Braucrci", Ztlt-Moabit 47—49: Geffentl. Dovt'QNltnlunT. T a g e s- O r d» n n g: Die gegenwärtige Geschäftslage in der Eiseniudnstric nnd unsere uächsteil Aufgaben. Referent Alrvia Körste». 116/10 Der'BcrtraiteitSmnnu der Berliner Metallarbeiter. 15 NN>0 labra Oai-antle. Vollkommen eolimeriloze» 2a8n. �> m, Plomben 1,50 51. Tollzahl, wöchentl. I H Möbel Wolf. Leipziporstr. 22. Sproclist. 0-7. aufTeilzähir Oranlenslr. 131. Conlante U gg/l I Beamten Zahl.-Bcd. u. a M. I-LV/Lllt.-Anzahl. B. Günzel, Lothrlngmlr. 52. Lassalle, Marx zc. in Cigarrcinpltzeii, Pseiseu, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Allsten- Bildern n. dg!., sowie jede DrcchSlerwaarc u. Rcpar.(Man verl. Preistiirant. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für deu Inseratenteil verantwortlich: Th. Gloetc in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. it. Mim. 2. KilM w„UMrls" KtrI« KcksM«i»«»«.«»>»>»«». Der Verwaltitngsbericht der Jnvaliditäts- und Altersversichernngsanstalt Berlin für daS Rechnungsjahr 1898 bietet, wie das bei einer Organisation mit verhältnismäßig so gün- stigen Finanzen und mit um so umsichtiger Leitnng zu erwarten ist, abermals manches beachtenswerte Material zur Erkenntnis unserer Arbeiterzustände und zur Entwicklungsgeschichte des Arbeiterversiche- rungswesens. Für Berlin, wie für jede Großstadt und jeden industriellen Be- zirk, hat von vornherein die Altersversorgung sder mehr-wie-70- jährigen) eine geringe Bedeutung gehabt, obwohl für die ersten An- Wärter bekanntlich auf jede oder fast jede Wartezeit-Erfüllung ver- zichtet wurde. Altersrenten wurden insgesamt in Berlin bewilligt sa) oder msolge Berufung oder Revision zuerkannt sb): a. d. 1891... 1218 145 1892... 390 42 1893... 383 25 1894... 448 23 1895... 323 11 1898... 317 18 1897... 303 14 1898... 257_ 14 Summe: 3845 293 Allzuviele Jahre bleibt der Durchschnitt der Arbeiter natürlich auch nicht im Bezüge der Altersrente; der Tod hält hier eine rasche und reiche Ernte. Bis Ende 1898 liefen durch die Rentcnlisten der Anstalt 3933 Altersrenten überhaupt, und zwar mit einer Jahresrente von zusanimen 832 327,80 Mark einschließlich des Reichsznschufses von 50 Marl für jede Rente. Bis zum 31. Dezember 1898 waren indes schon wieder ausgeschieden: durch den Tod 1192 Renten, ans anderen Gründen(also vor allem wohl, weil Greise.erwerbsunfähig" wurden und so die höhere Invaliden- reute beanspruchen konnten) 100 Renten, so daß am Jahresschlüsse ein Altersrentenbestand von 2646 verblieb. Indes vollzieht sich der Zutritt von neuen Rentenberechtigten so langsam, daß das j ü n g st e Jahrfünft(das der Rentner zwischen 70 und 75 Jahren) in seinem Anteil an der Gesamtheit der Renten trotzdem fortwährend gesunken ist. In der jüngsten Altersklasse(70—75) standen bei den Männern: 1891: 78,1. 1892: 71.6. 1893:67.7, 1898: 48.1. 1897: 43,6. bei den Frauen: 1891: 79.8. 1892: 75.2. 1893: 72.3. 1896: 46,7. 1897: 38,8, .Hiergegen st e i g e n die Anteile der � � waS besagen will, daß bei beiden Geschlechtern der Zutritt von Lltersrentnern aus der jüngsten Altersklasse nur ein kleiner ist." Anders ist das Bild in der Jnvalidcn-Abteilung. Erwerbs- unfähige, die mindestens ihre 5 Bcilragsjahre hinter sich haben, stellen sich noch immer jedes Jahr zahlreicher ein; ihre Zahl ver- einigt sich mit den fortlaufenden Renten aus den Vorjahren zu immer höheren Summen, so daß also die Leistungen an Invalide ein immer und immer größeres Uebergcwicht über die Leistungen an Greise erlangen. Die der oben mitgeteilten i Tabelle eutsprcchcuden Zlffer» für die Invalidenrenten sind: im Jahre 1894: 62.9, 1895: 55,0, 18S8: 38,4 Proz. 1894: 67,1, 1895: 57,1, 1898: 31,1 Proz. älteren Altersgruppe, bureauS„endgültig verteilten" Renten zur Grundlage, so läßt sich für die Invalidenversicherung folgende Tabelle zusammenstellcii, die zeigt, wie hier die Altersklassen unter 55 Jahren weitaus das größte Kontingent der Rentenempfänger liefern. Es stellte sich bei dem 1668 im Jahre 1898 zur endgültigen Verteilung gelangten Renten heraus: Ein Alter(beim Eintritt der Invalidität) von 20—25 Jahren .. 25-30. 0 80— 35 0 0 35—40 , 40—45, , 45—50, 0 50— 55 0 0 55-60 0 60—65 0 „ 65—70, 70 und darüber hatten Männer 34 68 84 132 121 147 120 140 196 138 35 hatten Weiber 37 33 33 29 23 41 48 46 63 70 28 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 a. 179 412 715 947 868 1360 1830 14 52 60 78 62 103 106 Summe 6347 475 ©18 zum Jahresschlüsse liefen durch die Rentenlisten insgesamt 6822 Invalidenrenten mit 900 760,80 M. Jahrcsrente. einschließlich des Reichszuschusses. Auch hier erfolgt übrigens die Ausscheidung der Empfänger ziemlich rasch, und zwar durchaus nicht etwa, wie es ja denkbar wäre, durch Wiedererlangung der„Erwcrbsfähigkcit" im Sinne des Gesetzes. Ausgeschieden ivaren vielmehr nach dem Bericht bis 31. December 1893 2200 durch Tod und nur 156„aus anderen Gründen", so daß am Jahresschlüsse ein Invalidenrenten- Bestand von 4466 verblieb. Nehmen wir von jetzt ab nicht die mitgeteilte Zahl der Anspnichsbewilligungen, sondern die Zahl der seitens des Rechnnngs- Zusammen pro 1838 1215 451 Die Rentner vom 70. Lebensjahre an kommen also überhaupt praktisch nicht in Frage: die Invaliden rente ist nicht nur höher wie die Altersrente, sondern sie fällt auch in einer derart erdrückenden Mehrzahl der Fälle jüngeren Arbeiter» zn, daß zum Beispiel die Invaliden- Rentner zwischen 20 und 25 Jahren bereits zahlreicher sind wie die mit 70 und m e h r I a h r e n. Was die Ursachen der„Er>verbSnnfähigkeit"im Sinne des Jnvalidengesetzcs betrifft, so steht, tvie man weiß, unter den städtischen Arbeitern dieLnngenkrankhcit tvcitans an erstcrStelle.„Unter den Hanptnrsachen überwiegen wie in den Vorjahren iveitauS bei beiden Geschlechtern die Fälle von Lungenschwindsucht mit 272(225) bezw. 164(147) pro Mille, oder wenn man noch die Fälle von Lungenkatarrh hinzurechnet, mit 303(265) bezw. 186(168) und wenn man den Bronchialkatarrh mit einrechnet, mit 315(274) bezw. 197(178) pro Mille. Auf die gesamten Krankheiten der Rcspirations- orgaue entfallen pro Mille aller Fälle bei Männern bezw. Frauen 394(387) bcziv. 243(223). Bei den Männern wurde demnach über ein Drittel, bei den Frauen un- gefähr ein Viertel durch eine Lungenkrankheit als Hauptursache invalide. Ein Zurückgehen des Prozent- satzes unter den wegen Lnngenleiden Invaliden macht sich im Berichtsjahre trotz der umfassenden Kranken für sorge, die gerade für Lungenleidende eingeleitet wurde, nicht bemerkbar, ja er ist sogar gegen das Vorjahr' bei de» Männern um 1 Prozent ungefähr und bei den Frauen sogar um 2 Prozent gestiegen.— Der Zahl nach schließen sich den Lungenkrankheiten beim männlichen Geschlecht die Krankheiten des Nerven shstemS mit 187(197) pro Mille aller Fälle an, wozu noch 26(34) Fälle von Augenkrankheiten und 4(2) Fälle von Ohrenkrankhcitcn kommen: es folgen alsdann die Krankheiten der Haut, Knochen und Muskeln mit 137(112), die Krankheiten des Gefäßsystems mit 103(91) und schließlich die Krankheiten der En t Wickelung und Ernährung mit 88(95) pro Mille. Bei den Frauen treten neben den Lungenkrank- heiten die Krankheiten der Entwickelnng und Ernährung vorzüglich als Jnvaliditätsursachen auf mit 207(210) pro Mille, ihnen schließen sich an dicKrankheiten der Haut, Knochen und Muskeln mit 181(235), es folgen alsdann die Krankheiten des Nervensystems mit 149(85), wozu noch 13(0) Ohren- und 49(49) Augenkrankheiten zn rechnen sind, die Krank- heiten des Gefäßsystems 92(112) pro Mille u. s. f. Bei den großen Krankheitsgruppen treten demnach bei den Männern gegen das Vorjahr nur Schwankungen von 1 bis 3 Proz. ans, während bei den Frauen eine Steigerung der Anteile der Nervenkrankheiten von 8,5 auf 14,9 Proz. bezw. ein Fallen derselben bei den Krank- heiten der Haut, Knochen und Muskeln von 23,5 auf 18,1 Proz. zu verzeichnen ist." D e m A l t e r n a ch wechselt die Stärke dieser Jnvaliditäts- Ursachen. Beim männlichen Geschlecht wurden von 100 im Alter von 20— 25 Jahren invalide gewordenen Personen 76(53) wegen Lungeickrankheiten einschließlich chronischen Bronchialkatarrhs arbeits- unfähig, ein Satz, der dann in den folgenden Altersklassen zuerst langsam, in den Altersklassen von 50 Jahren und darüber beträcht- lich bis auf 20 Proz. der über 70 Jahre alten Rentner abnimmt. Bei den Frauen zeigen die Altersklasse» von 20/40 Jahren die größte Anzahl von Lungenkranken— unter 100 Nentncrinncn der betreffenden Altersklassen waren 36 bis 46 lungenkrank—; bei den Rentnerinnen über 70 Jahre kamen Lungenkrankheiten nur in der Höhe von 7 Proz. vor. Die Nerven krankhciten als Jnvaliditäts- Ursachen traten bei den Männern vorzüglich im Alter von 30 bis 60 Jahren auf, und die Iii Trinkt vom Fass!: 24808» Goldklares Weissbier ans der Weiftbier Brauerei„Frirdrichstadt"----- Fuliuv Vorsdorf, Nene Königstr-ß- 31/32. Es ist das beste Weißbier und wird stets ohne Wasserzufah verkauft! Großer Möbelverkauf In meinem großen MSbelspeicher, Neue Königftr. 59, sollen viele Einrichtungen verliehen gewesener und neuer Möbel billig verlauft werden. Teilzahlung unter den conlantesten Bedingungen ge. stattet, Beamten ohne Anzahlung. Ganz besonders zu empfehlen ist der große Vorrat verliehen gewesener und gebrauchter Möbel, die wie neu sind und billig abgegeben werden. Braut- leute, welche eine dauerhafte und billige Einrichtung lausen wollen, bitte ich, ohne jeden Kaufzwang mein tollossaleS Lager vor Einkauf zu be- sichttgen. Verlangen Sie mein Muster- buch gratis und stanco. Durch größere Massen-Eiuläufe und Ersparuug der teuren Ladenmicte bin ich im stände, bllbsche und geschmailvolle Wohnungs- Einrichtungen für 100, 200, 300 bis 400, hochelegante von 300—5000 Marl zu liefern. Kleiderspind 14, Küchen- spind 12, Kommode 10, Waichtoilettc, Sofa 18, Spiegel 6, Muschclkleidcr- sprnd 35, Bettstelle mit Matratze 18, ohne Mattatze 8 Mark, Stühle 2, Nußbaum- und Mahagoni fouruicttc Kleiderspinden, Vertikows 32 Mark, Muschelbettstelle mit Sprungfeder- Matratze 38, elegante Säulen- trumeau 45, Salougarniturcu 50, 90 und 105 Mark, seidene Gamituren, sehr wenig gebraucht, spottbillig. Eigene Tapezier- und Dekorations- Werkstatt. Pancelsostis mit Sattel- taschen, Herrenschreibtische, ganze Speisezimmer und Schlaft inrmer. BeutlKstncisse 20 Cohns Festsäle, lm,, 1722 Empfehle meine Festsäle mit Bühne, von 100-1000 Personen fassend, zu Versammlungen und Festlichkeiten. 22868» Sonnabende und Sonntage im September und Oktober noch zu haben. iowSm*. Flora- Säle, Weberstr. 17. Sonnabende imb Sonntage frei."9(3[24728* Vereinszimmer 20—160 Personen.— Veriamniluiigen ic. ic. Unterrichten Sie sich! über das Mielsrecht nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Erschöpfende Auskunst hierüber giebt die Broschüre:[25108* A- Rechte«o Wichteil w Mieters von Rich. Lipiuski. Preis einschließlich Porto LS rfennlue. Zu beziehen durch alle Buchhaildlungeu und den Verlag von Niel». Olnlnalrl, Leipzig. Reudnitzerstrafte 11. Reparaturen jeden Systems! Transporträdcr. �6978 Lcichtcö Tureurad Mk. ILO Damenrad Lanfmäntel Schläuche Lanfglocken Cyclometer »e 170 6, SO 4,- 1,00 »- _________ Fernsprecher: Amt IV. 447. j Einsegmmgs- Anzüge 128?» g Wl. Schulmeister, Bitte genau auf die Firma zu achten am Kottb. Th. Großes Lager. Uli Ö iBGl'nÄ Polslerwai'en- Arbeit, äußerst billige M a!« nltw Preise, empfiehlt-t*-» Reichenbergerstr. 6. Auch Theilzahlung!(* Kmisllie Kmlik aller Art, Nckouvalescenten, Er- holungSbedürftige, Nervcnleidende ic. belieben sich einen Prospekt des Sanatoriums Natill'htilliiistillt Irlichellkopt Eberswalde senden zu lafien. Derselbe wird gratis und sranco zugestellt. Vorzüg- 00 1 0 liche Heilerfolge, Preise, herrliche Lage. Aerztliche Leitung. Das gaiize Jahr geöffnet. 23578» Die i r c k t i o». Kemels. »sbeii Sie Wanzen? Dann ist es Ihre Schuld! Verlieren Sie nicht Zeit und Geld mit unwirk- sameu Mitteln, sondern lesen Sie das Buch über„Ungezieferplage". welches gegen 50 Pf. Marken stanco verschickt wird durch R. llolfers, Berlin. Mantciifselstr. 02. Lieser. f. Kammerjäger u. Behörden.[24818* Krankheiten der Knochen und Gelenke bei den Personen, die das 50. Lebensjahr überschritten hatten. Bei den Frauen sind die Nervenkrankheiten in den beiden letzten Alters- gruppen von 65/70 Jahren und darüber nur mit geringen Anteilen vertreten, in den anderen Altersklassen schwanken sie zwischen 9 bis 27 Proz. Dagegen weisen die Krankheiten des Gefäßsystems und die der Haut und Knochen auch in den letzten Altersklassen bei den Frauen starke Anteile auf. Wir kommen nun noch zu der dritten Kategorie der Kassen- leistungen. zn den Beitragscrftattungc»: nach 8 30 erhalten weibliche Personen, die eine Ehe eingehen, eventuell die Hälfte der für sie geleisteteu Beiträge zurück— nach§ �1 gilt dies auch für die Wittiven und Weisen einer vorzeitig verstorbenen Person. Auch die Rückerstattungs-Bewilligimgen sind noch fortgesetzt im Wachsen. ES wurden nämlich bewilligt (v t Heirats- Todes-'* im Jayre Beitragserstattungen Beitragscrstattungen 1895 554 107 1896 4133 634 1897 6632 950 _ 1898_ 7940 1100 Summa 19259 2791 Im Durchschnitt stellten sich, den höheren Beiträgen der Männer entsprechend, die T o d e s« Beitragserstattungen auf h ö h e r e Beträge, nämlich auf 46,55 M. gegenüber 30,92 M. bei der Heirats- Riickzahlnng. Diese Summen sind freilich recht minimale, indeß müssen sie ja, lvenigstens im Todesfalle, ivcsentlich steigen, je länger das Gesetz in Kraft steht, je mehr Beiträge also entrichtet worden sind. Die Minimal- und Maximalgrenzen waren bei den Heiratscrstattnngen 17 und 60.60 M.; den Frauen mit 21 und 23 Jahren, die erst 5—7 Jahre in Versicherung standen, wurden an Beitragserstattungen im Durchschnitt 24,91 bis 29,18 M. angelviesen, die älteren Frauen mit längerer Versicherungsdauer er- hielten 30 bis 38 M. durchschnittlich ausgezahlt. Die folgende Zusanimenstellung zeigt die Zunahme des Nu- staltsvei'mögcuS feit 1891, sowie die durchschnittliche Verzinsung deS angelegten Kapitals für die einzelnen Jahre unter Zugrundelegung der buchmäßigen Ankaufswerte. Durchschnittlicher Zinsertrag vom Hundert des Ankaufspreises 3,66 3,60 3,56 8,51 3,48 3,47 3,46 3.45 auf dem Hypotheken« und Staats- und Koinmunalanlcihcn- Markt als ein nicht zu unter- schätzender Faktor. Die Bctriebsüberschllsse des Jahres 1898 lvnrden hauptsächlick, in Anleihen der Stadt München, sowie in erststelligen mündelsichcren Hvpothckcn auf Berliner Hausgrundstücke angelegt. Daneben fand eme Beteiligung an einer Anleihe der Gemeinde Deutsch- Wilmersdorf statt.' In kleineren Beträgen wurden auch deutsche RcichSanleiheu und bayrische Eisenbahn- Anlehen- Qbli- gationen erworben. Dem Vorstaude der Anstalt gehören für 1899 an: a) als beamtete Mitglieder Dr. zur. Freund, als Vorsitzender,. Ist, zur. Sträter, als Stellvertreter des Vorsitzenden; b) als geivählte Vertreter der Arbeitgeber: Maurermeister W. Bcthke\ Mitalieder Bankier Oskar Nelke/ � Mligueoer, Dr. Hugo Gerschel) al8 Ersatzmänner, Bankler Albert Schappach/ V Äer sicherten: üsf i=r"}«»»«"« So viel für heute aus dem VerlvaltungSbcricht. Auf einige be- sondere Fragen, wie die Entwicklung der lvichtigen Krankenfürsorge, lvelche der Eriverbsunfähigkcit vorbeugen oder die schon eingetretene EnverbSunfähigkeit wieder beseitigen soll, kommen wir- zurück. — ms. Reatauratlon, Miete 940 M., verlauft billig. Näh. Chauffeeftr. 30 bei Ken»*«. 24826* 23228* Tod ist ohne Gnade sicher allen Wan- zen fanit deren Brut durch das sofort sicher tötende»Concen- trierteWn»zeii-Flnid"(ges.ge- schützt) in Flaschen zu 50 Pf., Ml. 1,00, S,00. 3,00 und Literflasche Mk. 5,00. Spritz- Apparat 50 Pf. Verhindert dauernd jede Wiederkehr, durch- dringt Tapeten und Stoffe und zerstört alle Nester biS auf den letzten Nest. Hinterläßt nirgends Flecke. Ist völlig geruchlos und nicht feuergefährlich. Der Teufel holt auf der Stelle alle Schwaben initsalut der ganzen Brut bei der geringsten Berührung mit „Poudrc Martial*(«es. gesch.) in Packeten zn 50 Pf., Mk. 1,00, 2,00»nd das Pfund Mk. 4,00. Tötet wie kein zweites Mittel absolut sicher. Einzig mögliche Zlnsrottnng und totale Vernichtung. Garan- tie für radikale» Erfolg! Glänzende Anerkennungen bis ans den fernsten Ländern. Diese altbewährten unüber- trefflichen Special- Mittel sind einzig und allein nur direkt zu haben bei Otto Reichel Berlin SO., UijciihUnW gegenüber der Markthalle. Nirgends weiter: Alle Bestellungen sofort frei nach jeder Wohnung. Nach anßerhald durch die Post. Fernsprecher Amt IV. Nr. 3190 Stempel- Fabrik von[24788* Bobert Hecht, Itcrlln S., Lranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel iil bester Ansführnng. .«antjchuk-Ttipe», Perfekt" zum Zusainmensetzen einzelner Wörter owie ganzer Sätze von 1,50 At.an. Atbiiiil- y. Ledenvartilillbrik Oskar Gundau, Oranicnstr. 30, Ecke Adalbertstraße, empkiehlt sein grobes Lager aller Arten I-eder waren"98 und Schnmcksacben. Gesang bischer von 1,25 Ulk. an. Ferner: Brosche», Ohrringe, Arm- bändet, Colliers, Ringe, Uhrkeiien, Kämme ic. zu den billigsten Preisen. lob vobno zotet: �ölliggi'ätiersli'. 27 I Sprechst. 9-1, 4-7,[24298* Or. med. Schaper, liomliop. Arzt und Special- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Poliklinik.'Friedi'iclistr.lUL Sr Möbel Bürgerlich« Wohnungs- Hinrichtungen Grobes Lager.— Billige Preise. Langjährige Garantie.[24828* Wild. Lambrecht, fSleTo. 0Mi« den Inhalt der Inserate itbcrninunt die Redaktion beut lvnbliknin gegenüber keinerlei Ncrantwortnng. Thestkov. DienStag, 1Z> Septem der. Lpcrnhans. Die lustigen Weiber von Windsor. Ansang 7V- Uhr. Tchanspielhans. Wallensteins Tod. Anfang?>/- Uhr. Slencs Opern. Theater(ftroll). Die Fledermaus. Anfang 7V,Uhr. Deutsches. College Crampton. An- sang Uhr. Lessing. Grobmama. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7l/z Uhr. Schiller. Die Ehre. Anfang 8 Uhr. Vtenes. Die heilige Frau. Borher: Die Frau Major. Anfang � 7»/, Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Ansang 7Vz Uhr. Westen. Geschlossen. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7Vz Uhr. Luisen, 33 mite Kreise. Vorher: All Heil! Ansang 8 Uhr. Ventral. Die Geisha. Ansang 7 Vi Uhr. Ostend. Um tausend Mark Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die weihe Henne. An- _ fang?V. Uhr. Friedrich. WilhelmstädtischeS. Die Reise nach der Teuselöinsel. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht. Anfang 7V- Uhr. Bellc-Zlllianre. Specialitliten-Vor- stelluna. Anfang KV, Uhr. Apollo. Frau Luna. Spccialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. ReichShallc». Stettiner Skiiger. Anfang 8 Uhr. Passage> Panoptikum. Spcciali- tiiten-VorsteNuttg. Urania. Andalidenstr. 57,02, Taglich abends von b— 10 Uhr: Slcrmvarte. Tanbenstr. 48/4S. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. SlsMerÄfillter (Wallner-Theaterl. DienStag, abends 8 Uhr: Nile Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Mittwoch, abendS L Uhr: IxMjrenle auf Tanrla Donnerstag, abends 8 Uhr: IMe Ehre. Crnkvtt l T hvAtvv Direktion: lloeb 5orenorx. Div Geishtt oder: Eine japanische Thcehanö- gcschichte. Operette in S Sllten von Owen Hall. Musik von Sidney Jones. Anfang 7Vz Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Ljitnh-Cttl MlK.Thtllter. Gr. Franksurterstrasie 13%, Um tansend Mark. Anfang 8 Uhr. VorzugSbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, bei kleinen Preisen: Die Grille. Mellrich-Wilhelillst. Theater ciiauisoestr. 25, ZK. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Burleske Abcnteuer-Posie mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von.*» Musik von Albert Wicher. In Scene gefetzt vom Dir. Max Samst. 1. Bild: Zluf zu Dreyfus. 2. Bild: Berbiindete Mächte. 3. Bild: Attentat nud Verrat. 4. Bild: Das belagerte Hans. H.Bild: Die Gerichtsverhandlung. 6. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Thalia- Theater. DreSdcnerstr. 72-73. Telephon: Amt IVa No. 6440. ©eilte und folgende Tage: Der Dllitzuiajor. EesangSposie in 3 Akten von Kren und Schönfeld. Musik von G. Wanda. 1. All: Im Reiche der Konfektion. 2. Akt: Auf der Abtei in Treptow. Im 2. Akt: Gr. Mutoscop-Terzctt. AM- Sensationellster Erfolg! Anfang 7'/, Uhr. Vor der Vorstellung Konzert m Tunnel. Palast-Theater früher__ Feen- Pulast, Burgstrasie 22 In den wunderbar renovierten Riesen- Pracht- RUuiuen allabendlich um 81/, Uhr die mit großem Erfolg aufgenommene Berliner AuSstattungS- Gcsangsposie Spvev-Uottitzoir! Erdmann...... Rich. Winkler. terzchen.... Wilh. Frbbel. prcc-Lottchcn... Helene Boß. DiBT" Stürmischer Beifall! ttolene Voss und iVilhelm llröbel als Tanz-Duettisten(Pankow kille zc.) Dazu das phänomenale große Spcclalitilten- Programin. Anfang TV, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kassenöffnung 1 Stunde vor Anfang. Billct-Vorverkauf vorm. v. 11—1 Uhr. l5ictai*i£i»Tliss{ei' C. Alexanderstr. 40. Fcrnsp. VII 1711. Direkt.: V. kaueenrveln u.l:.llmmerloh. Anfang V28 Uhr. Zum 2. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! Die weisse Henne. Novität! (La poule blanche). Dandeville in 3 Akten von Hennequtn und MarS. Deutsch v. Bolten-Bäckers. Musik v. B. Roger. In Paris mit sensat. Erfolge über 500 mal gegeben. Unsnis Tanbcnatrasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: Oer Sieg des Menschen Ober die Natur. Invalidcnstr. 67/02: Tägl. Sternwarte. Nachmittag» 5—10 Uhr. Passage-Panoplicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abendS. Hippels Quartett- u. Humoristen- Ensemble. "■ CASTANS PANOPTICUM Die sensationellen PF" lebenden'« Photographien! In Lebensgrössa. Dia russische USnnnilu Damenkapelle jsIHlyuUU In moskowttlschen KostQman, Viele neue plastische Ornppen nna Figuren. Neichshalten. Stettiuer Sältger (Mcpsel, Plctro. Britto». Sleidl, Krone, K t r ch in a y e r. Schneider und Schräder). Zum Schluß, neu: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. PF" Tenor XtiSckmann fWachtel redivivus). Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. Die Plätze zu den numerierten Sitzen sind stets 3 Tage vorher zu haben! Ketropol-Vkeatör. Behrenetr. 53/57. iiard S< Direktton: Richard Schnls. Heute: ßroje Fest- und JMliiM- VorstellllNg. Zum Male: Lerlm laedt! �siis Pierny Äliee Bonliear Fleupy-Raybauö-Trio The 6 Dameffs sowie das sensationelle Cüttialitlitell-Progl'amln. Anfang 7V, Uhr. Ende 11 Uhr. Das Rauchen ist in samt- lichen Räumen gestattet. Sanssouci Kottbnaerstr. 4 a. Täglich außer Sonnabends Hoktoiaims Mord- deutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tan�-KriLnsEchen. Victoria-Brauerei Lnhotostrasse 111/112. Im IVatnrgartcn oder Saal: Tägllcli Humoristische Soiree der Morddeutschen Sänger (Fllhrmann, Horst, Walde). P Auf. SonntogS präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 60 Pf. Vorverl. 10 Pf. Familienbillets 3-1 M. Sonntag und Donnerstag nach der Vorsteuung: Tauzkriliizchen. Maehrs Theater OranlcHstr. 24. Der Herzverführer. Operette in 1 Akt v. Leopold Elp. Brothers Runge. Frsres Alexandrs. Franziska Held. Else Messer. Trude Bürgel. Gustav Eulenburg. Paul Frey etc. Anfang 8 Uhr. SonntagS 8 Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig. W. Noacks Theater, Brunnenstraße 16. Täglich: Theater- u.SPceialitäteu- Borstellung. gas Nachtlager in der Zungfernheide. Posse mit Gesang in 1 Alt von Robert Linderer. Musik von Michaelis. Berliner Leben. Burleske mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gericke. Musik von«chmidt. Im Saale: Tanzkränzchen. �Icaziar-Tiieater Taridt£ I. Randes Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. AHfeten m abjoliit trsklossigea Sjcciulitütfii Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. 23688*] Die Direktion: Richard Winkler. Prater-Theater Kastanieu-Allee 7/9. Täglich: In Erend nndEeid. Volksstück mit Gesang und Tanz von Hugo Schulz. Musik von A. Kersten. Koftümsoubrette Fräul. bucle Sarow, Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma- Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 SchSnbrunns, humoristisches Bilderbuch. Llttla Parklns und Miss Llzzle, Musikal. Excentrics. Vendaro-Trlo, Erercitien am Hand-Trapez. MM- Konzert und Ball. Eintritt SonntagS nild wochentags 30 Pf., NUM. Platz 60 Pf. Kaldo. Wsllüing'-psa'h ZI ti Her- Strasse 178. XorckclsubscZiis SÄnZsS?. Blegler, Wölk, Hohenberg etc. f* Entree 20 Pf., VorzugSbillets 15 Pf. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" Konzcrtgarte» u. PrachWe Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Strcich-Konzcrt. Sonntags: Großer Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmleder. Apollo-Theate!'. — Stürmischer Erfolg!— Abends 9 Uhr: Fi'taaiSiiiu» Ferner: Otto Reutter, Yumata Tiero, Paulette Darty etc. etc. etc. Kasseneröffuung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im /Theater und beim„Künstierdank", Unter den Linden 69._ Der Vorbereitnngsnnterricht z. Htilgehilstil- nnb Rajsage- prilsllltg des Winterhalbjahrs 1899/1000 beginnt am Dienstag, d. 20. Sep- trnrber d. I.,»achin. 6 Uhr. im Vereinslok. Wallstr. 91. Honorar 16 M. Uuterrichtsstund. Dienstags. gtechtzeitige Anmeldimge» sowie alles Nähere bei der Eröffnung oder beim Borsitzenden H. Stöst. Möckern- straße 142 II, Hetlgehilseu Koser, Wasserthorstr. 10/11 parterre, Heil- gehilfen Carl Müller, Alexandrinen- straße 114/115 I. Der Unterricht in der Massage erfolgt unter ärztlicher Leitung. I Der Vo r stand. I. A.: 8t5s». H. ßpupes Tanz-Institut, Annenstr. 16(früher Klubhaus). Sonntags-Kursus per Monat 3 M., DienStagabend-Kursns p. Monat 4M. Säle und Bcreinszimmer für Ver- sammlungen u. Festlichkeiten. 123278 Tanz«lnstitut HUbner Ehausseestr. 113 I. Am 15. September beginnen meine Wmter- Tanzkurse- Frühzeitige Anmeldung, erbet.(25115 WMemNM pr. Pf»,(gröbst« ZUM Reißen). Schlachtfedern, wie ge v. d.«an« fallen, mUttüstt DauncnM. 1.50, fönfetHget«DAnfctnpf M. 2.00, bellrrt baunige Maate m. 2.50, 3.00, beste fchneeweiße M. 3.50, russische DannenM.Z.50, weiße böhm. Tannen M. 5.00,«»< eigene ftebern m. 1.50, 2.00, 3.50, Prima gerissene m. 3.00, 2,50» Versand gegen rtachnahn». Uiütov Lustig, Erste Bettfedernfabrit m.«Itctr. Betriebe, viele Anerkenn» ngsschreib. ophastoffe b| auch ssr Neste■ in Rips, Damast, ErSPe, Phantasie. Gobelin und Plüsch spotlbilligl s2420i!« Proben flranco!"VQ £hW«|(VÄgg Oranieiistr. Skr. 158. >UIII|U|tV||t zu gi Emil Lefevre, Jedes Wort: Pfennig. . Ntir das ersit Wort fett, Worte mit mehr als 25 Buchstaben zählen doppelt. fCIeine ßnzeigen, Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis I Uhr, in der Hauptcxpedition ßcu(hstr,3 bis 4 Uhr angenommen._ \8*e A räon M Hn JfM m Verkäufe. Grüntram-Geschäst, Mcfif, Vorkost, Rolle, ist krankheitshalber billig zu ver- kaufe» Havclbergerstraßc 23, Moabit. Möbrlspeicher. Mobelverkauf Oranicnstraße 2a. Nußbaum fournierle Kleiderspinden mitMuschelaufsatz3V,V0, Ruhebetten, Mchenspindeu 18,00, Rohr- Ichnstühle 5,00, Paneelsosas 75,00, Anszugtische, Verbindnngstische 12,00, Marmortoiletten 25,00, Muschclbctten, Säulentrumeaux 35,00, Plüschgarni- tlircn S5,00, eventuell Teilzahlung._ Nnsibanmniö bel, ganze Wirtschaft, wegen Wegzugs spottbillig Waldemar- straße 68, I. links._ HAK* Möbel, bar und Teilzahlung, villtgst. grankfurter Allee 110, I, Ecke Kö n i gSbergcrstraße._ 137g* ~ Grosser Möbelverkaus, Schützen- slraße 2, Ecke gricbrichstraße. Ich führe nur gediegene Möbel und liefere billiger als jeder Händler! da ich meine eigenen Tischlereien und Tapezier- Werkstätten habe, so bin ich im stände, schon hübsche und geschmackvolle Ein- richtnugcn für 150 bis 300, elegante 400 bis 4000 Mark zu liefern. Jede Garantie übernehme. Ganz besonders zu empschlcn sind die verliehenen und zurückgesetzten Möbel, die wie neu sind, zu ganz eruiäßlgtem Preise abgegeben werden. Darunter Salon, Speisezimmer, Schlafzimmer, Herren- ziliimer, große �Posten Garnituren und einzelne t-ofas, Schreibtische, Kleidcrspindeu, Vertikow, Garderoben- und Ankleideschränkc, Blichcrspiiid, Trunicaux, sowie viele andere Möbel. Auch gebe ich an sichere Leute ans Teilzatiluna. Gekauste Möbel werden durch eigenes Gespann in die Wohnung gebracht und aufgestellt, auch nach außerhalb. 113K* Vettcn, Steppdecken, Gardinen, Tischdecken, Tcppiche, Porticrc», An- züge, Hosen, Regulatoren, Remontoir- nhren spottbillig Pfandleihe Ncander- straße 6._ 11 1/1* Strick inaschinen, bestes Fabrikat, auch ans Teilzahlung. Gustav Bredereck, Engel-User 20._[*13* Nöhmaschiiicn sämtlicher Systeme ohne Anzahlung. Bestellungen Post- karte. Lindner, Bernauerstraße 75. Rstsfbirninmöbcl-Einrichtustg spott- billig, auch einzeln. Gartenstraße SZA I lintö. 1-75* Nähmaschinen, sämtliche Systeme, Teilzahlung, ohne Anzahlung. Sauppc, Swinemündcrstraße 3. Bestellung: Postkarte. 2458b* Nähmaschinen, alle Sorten, ohne Anzahlung. Manthei, Rügener- straße 25. Bestellung: Postkarte. Cigarrenfabrik von A. Tietz, jetzt Breitestraßc 23 und Invaliden- straße 124. Die hervorragendsten Nummern 5 Ps. Nr. 21, 6 Ps. Nr. 27, 7 Pf. Nr. 22. 1-75* Ladcnspiudcn, 2, verlaust Äscher, Oranienstraße 74._ 25066 Garderobe» schrank billig zu ver- kaufen Britzerstraße 45, 1 Tr. links. Schankgrschäft, schöne angrenzende Wohnung, billig verkäuflich Weiden- wog 78, Ecke Löwestraße.-sök* Tchiieidcrlniiipc» kaust und holt ab Glogauer, Auklamerstraße 40. �Eckdcstillation wegen Todesfalls sofort billig zn verkaufen. Sturm, Neu-Weißensee, Parlstraße 3. sl-27 Vermischte inzeigen. Elektra, Prinzen straße 55, Neues Praktikum für Elektrotechnik. Aus- nähme jederzeit.__ Elektrotechnik» Am 13. September neuer Abendkursus; keine Vorlennt- nisic: anerkannt beste Lehrmethode, glänzende Resultate. Prüfung, Ab- ganaSzeugniS, Stellennachweis. An- Meldung tägNch, auch SonntagSvor- mittags. Jackson, Alle Jakobstraße 24. Elektrotechnik. Fachschule Prinzen- straße 54. Neuer Abendkursus beginnt Dienstag, den 20. September. Aus- bildung von Monteuren und Werk- meistern. Prospeltc gratis. Matthes, Jng.-Docent._ 111/6* Pereinssale. 100 bis 200, mit Thcaterbühne zn vergeben. Weniau, Schwedterstraße 23/24._ fSS* Uereinszinimer, 40 Personen sasscnd, frei. Gustav Ladcwig, Kam- mandantenstraßi 65, nahe Alte Jakob- straße.__ 132K* Gebrauchte Möbel kauft Lazarus, Anklainerstraße 20._ 2290b Elektrotechnik. Der diesjährige Abendlnrsus für Fortgeschrittene be- ginnt arn 12. September. Jackson, Alte Jakobstraße 24. s2441b* Elektro, Prinzenstraße 55. Siencr AbendkiirsnS, deginnend Donnerstag, 21. September. Gediegene praltische »nd theoretische Ansbilduiig für Elcktromonteure, Installateure, alle Mctallgcwerbe, Kausleutc. Keine Vor- kcnntnisse. DiplomzeugniS. StellnngS nackiweiö. Lehrplan gratis. Anmeldung täglich, auch Sonmngevorniiltag. Kansgesiich. Die Stenographischen Berichte des Reichstags nebst den Anlagen von der 3. Session 1830 an. Offerten unter W. 34 an die Expedition dieses BlhtteS. 25076 Zahnärztliches Institut. Jnva- lidenstraße 107, Parterre, 10—12, 3—8. Klinikprcise.__[fS* Die Beleidigung gegen Frau Becker nehme ich hiermit zurück und erkläre sie als eine ehrenwerte Frau. Frau Parpart._[fhO Friseurgeliilfen- Nacknveisebnreau Alerandrinenstraße ii0, früher Bariel- straße 1a, Bürgerliches Bierhaus. Vermietungen. Zimmer. Möbliertes großes Zimmer, Nähe Oranienplatz, bald gesucht, eventuell Hof. PrciSoffertcn Geometer Ligocki, Ädalbertstraße 71, Quergebäude III. Schlafatellsn. Schlafstelle Waßmann straße 35, Wittwe Gosiuiack. 2517b V-rbeitsmarkt. Stelleitgesuvlis. Parteigenosse, junger anständiger Mann, sucht Stell, mg als Bureau- oder Hausdiener. Offerte unter G. M. 29 an Ostermann, Ripdorf, Erkstraße 6, I. 1-22* Stsllsnaiigvdot«. Glätter verlangt Schuhfabrik An der Stadtbahn 41. Schneiderlehrling, alles frei, ver- langt Wulff, Zimmerstraße 95/96, zweiter Hof drei Treppen Z455b Ei» tüchtiger Rahmcnarbcitcr so- gleich verlangt M. Croner, MarsiliuS- straße 11._ 152g Ordentlicher Tischler, der poliert, wird bei gutem Loun als Hausdiener gesucht, dauernde Stellung. Offerlen unter X. 3 Expedition des.Vorwärts". Tapezierlehrling sucht Tischcr, Oranienstraße?4. 2505b Tüchtige Gürtler finden lohnende Bcschästigung bei Henniger si, Co� Sicusilbcrwaren-Fabiik, Berlin, Alte Jakobstraße 106. 2498b Farbiginachcr verlangt Klinke, Ei�enbahnstraße 14._ 251 8b �roci Gesellen auf BüfiettS, Ver- tilows Rummelsburg, Kantsrraße 11. Äkarniorschleifer aus O»i; und Abciter verlangen Bcutlcr sr Co., Brandenburgstraße 20. 2512b Packer verlangt C. Ritthenberg, Goldleistensabrik, Neu-Weißensee. 11-2? Sohn achtbarer Eltern unentgclt- lich- Ausbildung als Modelleur(Vcr> gütigling nach 1. Jahr). Bauer& Pähl, Brandenburgstr. 13. 2521b Tiichlerlehrling straße 35._ Degel, Lange- 2515b Tischler in Lohn Schliemann- straße 19, 2 Treppen. 1-38 Slrbeitcrtreiscn eingeführte Rei- sende, sowie redegewandte Leute können viel Geld verdienen, Buchhandlung, Rüder-Sdorserslraße 58. 2438d Korbmncher auf MnnilionSkörbe finden daucntde Beschäftigung. E. Schlesinger, Wienerstrahc 29.(25265 Tüchtiger Tischler, geübt im Ver- leime» und Fournieren von Holz- leisten, findet dauernde Beschäftigung. A. Werkmeister, Goldleisten-Fabrik, Schmidstraße sa._ 25235 Wcndcfranen verlangt. Filzschuh- sabrik Julius Goldmann, Landsberger- straße 92.__ 145/18 Nkorgenroek- Arbeiterinnen ver- langt sofort Brandt, Schliemann- straße 33, Quergebäude II. Gute Preis«!___ fSS Karton-Arbeiterinnen, geübte, Lohn, verlangt Day& Co.. Kronenstraßc 55. Mädchen, junge, für leichte Handarbeit verlangt Day& Co., Kronen- straße 55. 2b25b Mamsells auf Jacketts, 1,75—2 Mark, verlangt Schulze, Beniauer- straße 45/46, Eingang Wollinerstraße. 60 geübte Gazcbortcn-Whcrwnen verlangt Frau Langer, Forsterftr. 45. Schürzen> Arbeiterinnen verlangt Kolberg, Bernauerstraße 76, I. s-stltz Mamsells auf Capes und wattierte Räder verlangt Mebes, Ticffenbach- straßc 35, vorn III. 25205 Junge Mädchen für leicht« Hand- arbeit und Maschinennäherinnen ver- langt Laser, Zossencrstraße 55. s2516b Slrbeiter und Arbeiterinnen ver- langen Gebr. Siemens u. Co., Chax- lottenburg, Salzufer 2. 25045 Blusen. Tüchtige Arbeiterinnen auf bessere Bluien, die bei sauberster Ausführung Posten lickern können, finden dauernde Beschäftigung zu guten Arbeitspreiscn. Meldungen »ntcr Vorlage von Probcarbeit bei Orgler&, Fidslmann, Kurstraße 47/48, in.__ 2502b Arbeiterinnen auf gute Jacketts verlangt Atelier Otto Kohlmann. Kurstraße 40.... Ätptz» Kartonarbcitcri», auch Lehr- Mädchen verlangt Grüner Weg 104.* Scrviteür«Plätterinnen erhalten lohnende und dauernde Arbeit. Felix Karpe, Inhaber Stadthagen, Grüner Weg 119. 2430b Plätteriuno» auf Stehkragen und geschweifte Umlegekragen in und außerni Hause sucht M. Treppe, Schönhauser Allee 167», Fabrikgebäude vier Treoven.-- 2469b* 100 Mamsells auf Jacketts ver- langt. Seide zum Steppen gratis. Jackett 1 Mark, �hulslraße 2. Im Zlrbeitsinarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 40 Pf. pro Zeile. Kaufmännisch gebildete Kraft zur Unterstützung deS Geschäfts- führerS für ein kllrtei-�ei ton xsxeseiiäkt gesucht. Offerten mit Gehalts- Ansprüchen sind biS zum 15. September an Ehr..Hanse u. Co. in K i e l zu richten. Antritt baldigst erwünscht. Referenzen erbeten. S430L* AcMung, Tischler! In der Möbelfabrik von Flegel, Wasserthorstr. 14, haben sämtliche Tischler'wegen Differenzen die Arbeit nicdergeleat. 108/12* Zuzug femhalten l Annahme- Stellen für„Kleine Anzeigen". Osten: Robert WeugclS, Fruchistr. 30, H. L. Bogel Wwe., Soppenstr. 83. Chr. Schult!, Blumenstr. 14. Nordosten: I. Renk, Barnimstr. 42. Zkorden: W. Gahma»», Grünthalerstr. 63. Karl Mars, Kastanieu-Allee 95/96. Emil Ltolzenburg. Wiesenstr. 14. L. Tcchand, Ruheplatzstr. 24. H. Nogel, Demmiuerstr. 32. Ä. TieN, Jnvalidenstr. 124. h'ord woston: Karl Anders. Salzivedclcrstr. 8. Südtvestcn: F. Ohnesorge, Bergmannstr. 23, H. N H. Schröder, Krcuzbcrgstt. 15. Siiden: Hans Baak«, Dresdenerstr. 52/53. F. Gntschmidt. Kottbuser Daurm 8 Südosten: Fritz Thiel, Skalitzerstn 35. W. Gesche, Wrangclstr. 53. ivkarti» Mescha, Adalbertstr. 24. Oentrnn»: P. Harsch, Gipsstr. 27. A. Tiep. B reitest r. 23. OhaeIottenhni»g:: Gusi. Scharnberg, Schillerstr. 941 I>ledenan: H. Bernsee, Kirchstr. 15. Eclcdrichtiheex: Anton Kopp, Friedrich karlstr. 4. Panhorv: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Rlxdorf: E. Ostermann, Erckstr. 6. E. Retzcrau, Hermanustr. 50. Schttneherx: Wilh.Bäunilcr, ApostelPaukuSstr.13 Wcisscnsce: Heinrich Pachmann, Lehdcrstr. 1. JnliuS Schillert, Köniachauffee 39a. Rod. Liebschwager» Gustav-Adols- straße 16. Verantwortlicher Rcdactcur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin.