Mterhattungsblatt des Horwärts Nr. 203. Dienstag, den 17. Oktober. 189S (Nachdruck verböte».) ücuum. 12] Roman bon Peter Egge. Autorisierte Uebersetzung aus dem Norwegischen von Adele Neustädter. Das Spiel war zu Ende. Hjelm rechnete. „Wir haben verloren, gnädige Frau!" Hanna antwortete ruhig: „Sie sollten nicht so viel sprechen, dann würden Sie weniger Schnitzer machen." „Noch eine Runde. Revanche, gnädige Frau!" „Nein, danke, wenn es so spät ist, taugen Sie nicht mehr zum Spielen." Hjelm lachte bewundernd und seine Frau dachte: „Das durfte ich nicht zu Alfred sagen." Hanna hatte sich in den letzten Jahren etwas verändert. Sie war nicht mehr mager. Sie hatte eine feine Fülle de- koninien, seit sie das Kind geboren, und ihr Wesen trug eine besondere Ruhe und Sicherheit. Ihre Augen prüften scharf. Die Herren gingen hinaus. Hanna kam mit Frau Hjelms Kleidungsstücken, und Hanna half ihr beim Anlegen. „Tn wnu st Mittwoch nicht in der Generalversammlung, Hanna?" „Nein, ich war leider verhindert!" „O, wirklich?" sagte Frau Hjelm vorsichtig, als bitte sie um Entschuldigung.„Ist das nicht nur ein Borwand, Hanna?" „Nein, durchaus uicht. Ein Bekannter von Johannes war auf der Durchreise hier." „Glaubst Du nicht, daß Du etlvas an Interesse für die Franeufrage verloren hast?" „Vielleicht ein lvenig. Es giebt darunter genug lang- wcilige Sachen. Traurige Auswüchse bei vielen Frauen. Außerdem diese drei, vier Stunden lange Gcncralversamm- lung, in der nian über so unendlich viel spricht, das für den Verein ebenso nutzlos ist, wie für jedes einzelne Mitglied... Mir scheint, daß man nur kämpft, um zu kämpfen, um die Kräfte zu niesscu." „Du bist zu anspruchsvoll. Ich denke, man muß mit jenen, die llusiun sprechen, Stachsicht haben und muß niemand verletzen. Wir können nicht alle einen so klaren und scharfen Gedankeiigaug lvic Du haben. Ja, ich meine es aufrichtig. Du weißt, daß ich nicht stichele, Liebste." Hanna wußte schon, daß in ihr nichts von Ironie lag. „Es ist kaum jemand im ganzen Verein, der, wenn er ehrlich sein will, uicht zugeben muß, daß Du die lieber- legeudste bist." Sie band gerade ihren Hut um. „Es ist nur Deine eigene Schuld, daß Du jetzt nicht mehr Vorstandsmitglied bist." „Ich eigne mich eigentlich nicht dazu; und es ergab sich ja auch für mich nur eine knappe Majorität, und dann wurde ich auch nur die Letztgcwühlte. Ich empfinde im Grunde genommen uicht viel Begeisterung für die Frage. Wie Du weißt, finde ich es recht nntveiblich, so herumzustehen und zu diskutieren; aber Alfred liebt eS ja." Hanna wußte alles schon zuvor und antlvortete nicht darauf. „Was ist das für ein Buch?" Frau Hjelm beugte sich über einen Einband, der auf einem kleinen Tische lag. „Es ist Balzac... Eilgenie Grandel." „Französisch?... Ach ja," seufzte Frau Hjelm,„Du bist ja so tüchtig und energisch. Ich werde nie dazu kommen, die Sprachen wieder aufzunehmen, und es ist auch einerlei, denn ich habe wohl alles vergessen, was ich auf der Schule lernte, am meisten französisch." „Wenn Du Dir täglich einige Stunden Zeit nähmst, wie ich Dir so oft gesagt habe... Tu hast ja keine Kinder, die Dich abhalten." „Wenn nur Alfred nicht Tag und Nacht so sehr von Ver- waltungssachen und Kommissionen und Prozessen und ähn- lichem in Anspruch genommen würde! llebrigens kann er sicher auch kein Französisch. Also!..." Die Herren traten ein, Hjelm im Neberzieher. „Sollen wir jetzt fortgehen, Alfred?" Die Frau faßte seinen Arm und sie gingen. Kurz darauf standen Holthe und Hanna auf der nach dem Hofe gelegenen Veranda und sahen, daß die Gäste im Einspänner"fortfuhren. Jeus, der Hofjunge, fuhr sie. Dann ging das Ehepaar in das Schlafzimmer, ein geräumiges Zimmer im linken Flügel des Hauses. Ter dicke Fußteppich und die Portiere und die Vorhänge— alles in dunkeln Farben— dämpfte für's Auge, wi e für's Ohr, hielt jedes Alchengeräusch ab. Auf dem Nachttische neben Johannes Bett bräunte eine kleine Lampe mit rosa- farbener Kugel. Sie setzte sich auf den Rand des Kinderbettes. Der Knabe schlief fest und ruhig und genoß die Stühe in langen Atemzügen. Sie strich behutsam über seine Hand, als fürchte sie, die Liebkosung möchte ihn wecken, Holthe ging ans dem Teppich ans und ab. Dann wurde er auf seine Frau und das Kind ansinerksam. Sie streichelte es weiter. Eine zurückgedrängte Zärtlichkeit, eine gedämpfte Leidenschaft, die ihn rührte. Es war ringsum so still. Nur die Atemzüge des Kindes erklangen. „Erik sollte aufivachen", sagre Hanna plötzlich. „O nein, laß ihn schlafen. Das ist besser sur ihn." Die Ursache ihrer heftigen Zärtlichkeit dämmerw schnell vor ihm auf. Hjelm hatte von einem Mädchen gesprochen, das heute verhaftet t norden, weil es hennlich geboren und das Kind ge« tötet hatte. Es war nicht weiter darüber gesprochen worden. Hjelm kannte nicht die Einzelheiten der Sache. Vielleicht sagte deshalb liiemand etwas Verdamiuelldes oder Entfchul- digendes über das Mädchen. Holthe hatte seine Frau flüchtig angesehen: Wer wußte, ob sie, die unehelich geboren, nickt schmerztich der Vergangen- heit gedenken mußte, wenn sie von solch einem schreck- lichen Verbrechen hörte. �.. Würde das nicht jedes brave Weib, das ein uneheliches Kind gehabt, thun? Sie hatte Hjelm ruhig angesehen. Hatte nichts gesagt. Nun war es ringsumher so still geworden nach dem Spielen lind Plaudern. Während er in der nächtlichen Stille stand, schien sich das Zimmer fönnlich anzufüllen mit der düsteren Er- innenlilg des Unglücks, das sie beide heute abend erfahren hatten. Holthe hatte in den letzten Jahren nicht oft an das erste Kind seiner Frau gedacht. In dem stillen Heim, lvo beide ihre Arbeit hatten, und wo beider Freude und Hosinungeu sich im Sohne begegneten, gab es wenig Veranlassung, über alte Zeiten zu grübeln. Die Gegenwart war so viel glück- lichcr, als die Vergangenheit, so daß das. was hinter ihrem Zusammenleben lag, zu etwas Fernem, Undeutlichem wurde, sich von Jahr zu Jahr mehr verwischte. Er glaubte sogar, daß er mehr an die Vergangenheit dachte als sie. Was sie ihm eininal gesagt hatte, als er über«.die Thorheiteu seiner Jugend sprach, war gewiß wahr: „Daß Du herumgehen und daran denken kanust, Johannes l Du bist eigcutiich ein naiver Grübler." Er hatte gestutzt. Dies hatte er selbst gedacht, es sich jedoch nie so klar und bündig gesagt. Später gebrauchte er diese Worte als Selb stlva sie, wenn seine Gedanken sich an manches Häßliche aus der Vergangen- heit klamuierteu. „Du bist eigentlich ein naiver Grübler, Johannes." Er hatte darüber gestutzt, auch weil sie eine dieser Aus- lasstnigeu waren, durch die sie sich ihm plötzlich eröffnete. Wenn er solche treffenden Worte hörte, lvar er sich nicht immer klar darüber, ob sie ans cincni gesunden Instinkt oder einer klaren Reflexion kamen. Sie erfreuten ihn, diese breiten Einblicke— auch weil er sich sagen konnte: „Ich bin es, der sie erzogen hat. Ich habe ihr den Weg gezeigt. Ich habe sie die ganze Zeit geführt." Selbst als sie Wege zu schreiten begann, die nicht die scineii waren, ließ er es ruhig gehen und dachte: „Das ist nur vorübergehend. Sie wird zurückkehren..> Und wenn sie es nicht thut, wird sie in ihrer Auffassimg immer gesund bleiben, lveil sie glücklich ist,... und lveil sie I unter lNeinem ständigeu Einslnß steht." So oft ihn tikfc ScbnuTcu befchnsiigten,'\) er sie vor' sich in den Gesellschaften bei Hjclins, wo d.e Damen der Frauenbewegung roten KopfeS über die„Privilegien" diskutierten. Die Worte fielen flach und fanatisch, während sie ruhig dabei saß und zuhörte. Sie war vorsichtig, wartete mit dem Aussprechen ihrer Meinung. Aber wenn eine kleine Pause entstand, oder jemand sie frug, so kam das, was er meinte, und die Worte waren zumeist nicht die erwarteten und erregten gern Widerspruch. Die Damen liebten sie nicht. Sie war innner so apart. Entweder verhielt sie sich in Schweigen oder in Widerspruch. Als sie zur Vorsitzenden gewählt wurde, war in dem Verein ein Kanipf geführt worden. Sie verdankte ihre Stellung wesentlich Rechtsanwalt Hjelm und der Agitation eines anderen Mannes. Als das Jahr verflossen war, verbat er sich die Wiederwahl. Seither war sie immer passiver in ihrer Wirksamkeit geworden, so daß nicht die Rede davon sein konnte, sie wiederzuwählen. Holthe begann wieder ans dem Teppich hin und her zu schreiten. Nach einer Weile blieb er hinten am Fenster stehen und sah durch den Vorhang. Das Land war schneefrei und die Finsternis ruhte überall. Man sah nur in der Stadt und am Hafen Licht- strahlen. „In dieseni Jahr wird es sicher bald Frühling", sagte er halblaut, blickte dabei aber nicht ins Zinnner. „Es kann noch viel Schnee kommen." „Aber die Luft ist mild." Es lvurde still. Er sah noch eine Weile über die graue, schwere Ocde, oben und unten, wandte sich dann nach innen und sagte: «Willst Du nicht schlafen?" «Ja." Sie küßte den Knaben. Und Holthe bemerkte es, weil sie es nicht jeden Abend that, ehe sie zur Ruhe ging. Sie schwebte über den Vodcn, ging zum Tisch, stellte den Lampenschirm, daß der Schatten auf sie siel und kleidete sich langsam und stumni aus.— (Fortsetzung folgt.) GevhÄvk Haupkimum�s „FLiodensfoPk.** (Deutsches Theater.) Dr. med. Scholz war bereits ein Ivcitgercistcr und intelligenter Mensch, als er sich eines Tags in ein junges Lärvchen vergaffte. Sic war arm, aber darüber dnrftc er sich himvegsctzcn. da er vermögend ivar; sie war ungebildet, aber ihr Verstand war ja gut. Und wozu wäre er da. ivenn er sie nicht bilden sollte? Freilich: für seine wissenschaftlichen Pläne und Ennviirfc hatte sie gar kein Verständnis; aber sie hatte Jugend und Frische, die sein Auge entzückten. Warum sollte alles klebrige nicht lomincn?— Es kam indessen nicht. Die Bildung kam nicht, das Verständnis kam nicht— nichts laut von der Jugend des Geistes, de» Dr. Scholz so nötig brauchte ivic die Jugend des Leibes. I» de» ersten Jahren ging es trotzdem gut. Die ungewohnte Nähe eines jungen Weibes schuf in dem Arzt einen Stansch, der ihn bunt umfing und leicht durchs Leben trug. Dann kam aber eines TagS ein Gast ins Hans. Nein lieber Gast von Bildung und Verständnis, sondern eine mürrische Frauensperson, die sich verdrossen an den Herd setzte und verdrossen sitzen blieb. Die Gewohnheit kam... An einem grauen Morgen fühlte Dr. med. Scholz sich durch seine Frau peinlich berührt. Es war etwas in ihrem Anzug, schließ- lich auch in ihrer Ansdnicksweisc. das häßlich und ernüchternd wirkte. Er hatte es früher nicht gesehen, aber es war da— das sah er unangenehm deutlich. Er machte darauf aufmerksam, denn schließ- lich lvar sie seine Frau und er tvar gelvisserinaßcn für sie vcranttvort- lich. Er durfte gar nicht anders. Sic erlaubte sich die bescheidene Bc- -nerluug, daß er davon früher nie gesprochen habe, und fsigte hinzu, daß er ja�. im übrigen ausgiebige Zeit zur Ilnterricbtimg hatte. als er sie nahm. Es kam zum Zank und kam in der Folge sehr oft zum Zank. Die Wände der Wohnung niurden grau und kahl, als die Liebe ihre bunten Guirlanden herunterholte und die Geivohnheit verdrossen am Herde saß. In dieser Ocde fror es Dr. Scholz. Er zog sich in das obere Stockivcrk des Landhauses zurück und hauste dort für sich allein. ES fraß an seinem Innern, daß er niemand hatte, mit dem er reden konnte. Um diese Zeit war es, daß er seinen Hausknecht zu seinem Freund und Vertrauten avancieren ließ. Einmal ivar dieser Hausknecht ein Mann und Dr. Scholz hatte sick' in seiner Ehe so etivaS wie einen Ekel vor der Frau geholt. Und dann noch ein anderes. Dr. Scholz halle"b in seinem kalten Vcrlaffenscin den Rotwein angewohnt und a:uu in diesem Punkt brachte ihm sein Faktotum ein Verständnis entgegen, das a» Wärme und Lebhaftigkeit nichts zu ivniischcu übrig ließ. Nim ist der Rottveiu(wcim er gut ist) an und für sich eine schöne Sache, aber wenn man ihm zu viele Rechte einräumt, geht es mit der Arbeit zurück. Dem Doktor glitt die Zeit nnS den Händen; er las dies nicht und las jenes nicht, und da er nicht eingestehen mochte, etwas Wertvolles versäumt zu haben, urteilte er absprechend über die Dinge, die er nicht kannte. DaS hinderte aber die Dinge nicht, in der Welt Verbeitmig und Geltung zu finden und nun urteilte Dr. Scholz absprechend über die Welt. Es kam ein keifender, zänkischer, bitterer Ton in seine Aussätze und eines TageS wurden sie ihm von den Fachzeitschriften zurückgesandt. Dr. Scholz lvar durch seine Unduldsamkeit nnd hohle Absprccherci unmöglich ge- worden. Da begann eS jäh in seinem Gehirn zu tagen: er wurde verfolgt. Man wollte ihn mundtot machen. Man fürchtete ihn. Diesen berühmten Lump in X. Ivar um seine schäbigen Theorien bange. Die kleiiien, aber mächtigen Neider hatten ein Komplott gebildet, daS ihn verderben sollte. Pfui. Teufel, über die Jammerbande. Er trank mit seinem Faktotum auf die Wcltverachtung. I» ivissenschastlichrn Arbeiten konnte der Arzt seine Galle nun nicht mehr los werden. So entlud sich sein Grimm in der Familie. Er hatte zudem bemerkt, daß mau auch hier ihn zu knebeln ver- suchte. Seine Frau tastete seine Selbständigkeit an und die— in- zwischen herangewachscncn— Knaben hielten mit der Mutter. Noch ivar er indessen Herr. Um es zeige», tyrannisierte er das ganze Hans, was ihm»m so leichter fiel, als er anS dem Rausch und damit ans der Brutalität gar nicht mehr herauskam. Die Er- zichimg der Kinder wurde ein Spiel seiner despotischen Launen. Bald behandelte er sie ivic Sklaven und bald ließ er sie wie Strolche verwildern. Mit dem Doktor versank die ganze Familie in Gemein- hcit. Die Mutter wurde beschimpft und sie beschimpfte wieder den Vater. Die Kinder sahen nichts als Schmutz und so heftete sich der Schmutz an alle Regungen ihrer Seele. Schließlich kam es z» einer Katastrophe. Der jüngste Sohn Wilhelm, der zum Jüngling herangereift ivar, erhob»ach einer er- regten Seene die Haut» gegen seinen eigenen Vater. Da verließ Dr. Scholz das besudelte Hans nnd auch Wilhelm ging in die Welt. I» sechs Jahren kam niemand von ihnen tvicdcr. Wilhelm wurde draußen ein Künstler nnd gewann die Hand eines jungen Mädchens, das eben so rein und gut ivar. wie seine Familie schlecht und häßlich. Die Mutter des Mädchens, eine liebenswürdige und wannhcrzige Dame, wußte ihn zu bewegen, sich mit seiner Familie anSziisöhnen. An einem Wcihnachts- abend fuhr er ins Elternhaus zurück,— wo eben vorher fein Vater als ein vom Laster ivimdgchctztcr Mann angekommen war. ES kommt zu einigen Scenen, die zn den stärksten gehören, die Haiiptmaim überhaupt gcsckniebcn hat. Eine Bcrsöhnnng zwischen Vater und Sohn kommt zn stände. Die übrigen Fainilicnmitglicder werden durch den ergreifende» Anstritt weich gestimmt nnd so wird ein„FriedcuSfest" gefeiert, während die Kerzen dcS Wcihnachts- baumcs festlich brennen. Was aber in Jahren gebaut ist, läßt sich nicht in einer Stunde niederreißen. All das Niedrige, das sich in langen Jahren in einer Seele fortgesetzt hat. kann nicht durch ein schönes Gefühl hinweggcschwcmiiit werden. Wie die Familienmitglieder beisammen sind, erwachen die alten Erinne»Hilgen, erwacht der alte Haß, er- Ivacht die alte Gemeinheit nnd bald ist der Friede gebrochen nnd die Gedanke» des Friedens sind besudelt. Der alte Doktor, der als todkratkkcr Maün" hcnnkam, stirbt an den fnrchtbarcn Scenen. Der eine Bruder verläßt das HanS und Wilhelm geht mit seiner Braut zurück, woher er kam. Der Fall der Familie Scholz ivar inkurabel. Alan hat dem Stück vcn�cworfe», daß es von einem guälcnde« Pessiinismus sei. Daß es hier und da dem Zuschauer ans die Nerven fällt und mithin giiält', ist richtig. Nur liegt das nicht an einer peisimistischen Tendenz, sondern au der kleinlickicil nnd mitunter .peinlichen Manier, die Hallptmann bei der Milienzeichnung an- ivendet. Das häßliche Milieu muß natürlich ohne Rücksicht auf die ästhetischen Klagclvciber gezeichnet werden, aber es könnte freier und größer gczcickinct sein, ohne doch an Kraft der Farbe zii verlieren. Nicht die»maiigcnehmcn Familien- scciicn quälen nns, ivohl aber die Breite, mit der sie dargestellt sind. Größe und Wucht des Ausdrucks iviirdcn hier ebenso befreiend, ivic genaue Beobachtung»iid sorgfältiges Registrieren niederdrückend wirken. Das quälende Moment liegt in Hauptmanns damaligcin Stil, nicht im Pcssiinismils der Dichtung. Im Gegenteil! Man könnte dem„Friedens fest" eher den Vorwurf drs OptimiSinns »lachen. Es schließt mit einem lichten Ausblick auf daS Schicksal Wilhelms. Daß niin die Liebe seine Seele reinigen kann, ist ja imbeslreitbar. Das Drama aber hat es— mit Vergimst!— mit der N o t>v e n d i g k e i t zu thnn, nicht aber mit der Möglichkeit. Mehr als eine Möglichkeit aber liegt nicht vor. Indes: mein Vorwurf richtet sich nicht sowohl gegen das„Friedensfest", als vielmehr gegen die dramatische Gattung, der es angehört, gegen das. ivas man im besonderen Sinne„Schau» spiel" iiciint. Ich stehe diesem Genre mit ciingcm Mißtrmieu gegenüber. Eine ästhetische Iliitersuchung über seine Existcnzbcrechtigmig würde indes an dieser Stelle doch zu weit führen.■ Die Darstellung im„Deutschen Theater" war schlechthin vollendet.— E r i ch S ch l a i k j e r. 811— Kleines Feuilleton. — Kiniirst. Bei Wilhelm Hertz(Berlin) ist soeben ein inter- essnntes Buch»Deutsches Volks- und Studenten- Lied in vorklassis cher Zeit" von Arthur Kopp erschienen. Wir entnehmen der Sammlnnc; nachstehendes Volksgesangl, das heute als am letzten Kinuetztag noch den Reiz der Aktualität besitzt. Die NItenburger Bauten K i r m s. Auf ihr Bnrscha sitt vull Freda, tanzt und springt su gut ihr knnt, Spelnion spon du deine Saita, dost es klingt fein contrabund; fedclt fein bchcnga, dost wir kun gesprenga: Gevatter HonS streich du en Tennre, dost es klingt wie uf den Chure. Schmeret eure Fiedcl-Bngan, dost die Geigen ivadlich schrein, wen» die Saiten aufgezngan fedelt dick und dune drein, fcdelt fein buinahla, lostt an gar nischt fahla, fedclt druf, dost alles krachet. wenn ihr uns den Nunipuss machet. Nu ihr angern mit Cousortcn tanzt und springt die Reihe nach, schreht nicht wie die Nommcl-Ochstcn, macht es feilt ivic ich es mach,.. trinn trni» trnm trnm trara, wir kin zu Lctilh gewahr« und kin a Wein und Bier getrenka und a nnsern Maden geschcnka. Dost ist unser Bnar Laba. wen Ivir in die Scheuka gia, und kin stets in Freda schlvaba, wenn wir beh den Madla stia; wir laban ohne Sorga, der Wirth der must ivnhl bnrga; drum so laba wir in Freda und sind lustig mit nnsern Mäda. Wenn die Kirmist konit harbey, asten>vir gute Bistla, Da kamt Hons und Grieth herey, spielen lliu die Nnstla, der Spelnion spclt den Tntelsack, wir frassen und saufen den ganzen Tag; fallalarirn, fallalarara, wir kin zu Leuth gcwahra. Hon werS nu rächt getrieba und gcschlvärint die ganze Nacht, dost kein Geld in Biltel bleba waren wir dmb hoch gcacht; gic» wir zu Biera, darfs uns iiicinand Wiera: drnin sn laben wir in Freden und sind lustig mit unfern Müden. Lamento: Wenn die KirmS ist vorbcy, suchen wirS hingern Ohra, kriegen den Treich-Flcgcl in die Hand, waren weder gcscbura, asten Stcifmatz, Kast und Brod° und hon wieder nnsra Roth, waren.weder uss neu geichura— ach du liebn Dura Dura!— le. Was ein Klokodillnagen alles beherbergt. In seinem unlängst in Paris erschienenen Buche über seine Iagdcrlcbnisse in Cenlralasrika erzählt der als Löivcnjagcr berühmte Franzose Edouard Foa folgende Episode:„Eines Morgens zogen die Eingeborenen auf der Krokodiljagd ein getötetes Tier an Land und kanicn bald darauf mit der Mitteilung zu uns. dast sich ein Mensch � in seinem Magen bestndc. Bei näherer Besichtigung ergab sich wirklich, dast die Eingeweide des Krokodils wenigstens Teile eines menschlichen Körpers enthielten. Ein Arm mit der Hand, ein Fust mit dem Knöchel und einige Rippen wurden hcransgezogcn und jedes Glied war kaum beschädigt, obgleich daS Fleisch geschwollen und die Haut unter der Wirkung der Magensäfte entstellt lvar. Ich befahl, � dast diese Ilcberrcste bestattet würden, aber niemand wollte sie anrühren. So ivarf ich alles ins Wasser zurück. Die menschlichen lleberreste schwammen auf dem Wasser, und einige Matrosen eines Kanonen- boteS. das den Strom hinauffuhr, berichteten ihrem Offizier, dast sie den Arm eines Wcistcn auf dem Flnsic gesehen hätten. Das rief in dem ganzen Distrikt eine unbeschreibliche Anfregmig hervor. Ich habe darauf alle Krokodile, die ich schost, geöffnet, und da fand ich.. oftmals jeltsamc Dinge. Zwei Jahre später wurde zum Beispiel am � lieber und hatte mit dem Violinisten Joseph M. van Veen Nhassasec ans dein Magen eines gigantischen Krokodils eine Samm- limg voir 24 knpferiicn Armbändern und ein grostcr Ball von ge- Iräuseltem Haar entfernt. DaS Tier hatte diese Dinge nicht vcr- daueu können, nachdem es die Eingeboceueu, die sie getrogen, ver- schlungen hatte."— Theater. Nene Freie Volksbühne(„Stella". Ein Trauerspiel in S Anszügcn von Goethe).— Die Neue Freie Volksbühne hat für die kommende Saison mit dem„Thalia-Theater" ein Abkommen getroffen, zu dem man sie beglückwünschen darf. Sie erhält ein festes Ensemble, Schauspieler, die sich untereinander kennen und da tvicderum auch von ihrem Regisseur gekannt sind. Zudem behält sie freie Hand in der Wahl der Stücke, so dast man die Bedingungen, die sie sich für den diesjährigen Winter geschaffen hat, unumwnnden loben must. Leider kann man die erste Ausführung nicht ganz so umnnwunden loben.„Stella" ist eine Dichtung, die uns recht fern liegt, mit ivic grostem Interesse auch iminer der ge- bildetejöittcrat in ihr die Spuren einer versunkenen Periode vcr- folgen mag. Unsere Zeit ist an Konflikten so reich, so erfüllt von Frage», die nach Antwort schreien, dast sie den erotischen Neigungen den Raliiu nicht cinräninen kann, der ihnen in„Stella" eingeräumt worden ist. Der Mann zwischen zlvci Frauen ist dem modernen Drama nicht unbekannt, aber man begnügt sich nicht da- mit, den alten Konflikt sinnlich oder auch nur überwiegend sinnlich zn motivieren. Entweder wird er psychologisch ungeheuer vertieft und— ivic cliva in„RosincrSholin"— mit den dunkelsten Pro- blemcn der Schuld in Verbindung gebracht, oder aber er bekommt einen socialen Hintergrund, so dast der Mann nicht nur zwischen zwei Francii, sondern zugleich zwischen zwei Generationen steht, ivic etwa in den.Einsamen Menschen". Der rein sinnliche Konflikt bewegt das ncncre Drama wenig. Wie man im modernen Leben derartige Sachen zu behandeln pflegt, beweist schlüssig die Zahl oder vielmehr die Unzahl der Stücke, die den Ehebruch für eine überaus lustige Sache nehinen.„Stella" liegt aber nicht mir der Zeit, sondern auch dem Theater fern. Auch in einer vornehinen Ansführnng verliert die Dichtung ihre feinsten Reize; in einer mittelmähigen ist sie schwer zn ertragen und in einer schlechten wird sie unmöglich. Es ivar daher nicht ganz richtig, dast die Leitung der„Renen Freien Volksbühne" die Darsteller des„Thalia- Theaters" in einer Aufgabe debütieren liest, die mir sehr schwer gelingen konnte. Warum sie es that, ist leicht zu erraten. Sie ivollte eine Gocthc-Feier haben, wie in dicscnr Jahr alle Welt eine solche hatte. Das ist iinii zwar ein respektabler Grund, aber kein richtiger. Die„Neue Freie Volksbühne" steht— wie die„Freien Volksbühnen" überhaupt— jahraus und jahrein inr Dienste der Dichtung und der Kultur. Damit aber feiert sie Goethe in einer Weise, die besser gar nicht gedacht werden kann. Die besondere Hlildignng hätte sie ruhig den Bühnen überlassen könne», die den ästhetischen Alltagsschachcr an den litterarischen Sonntagen durch schwärmerisches Angenanffchlagen vergessen machen ivollen und mnffcil. Sollte ein übriges geschehen, wären'vielleicht Recitatioiicn am Platze,'gewesen, nicht aber eine„Stella"-Anfsührung, die notwendig gröber ausfällen ninstte, als sie ausfallen durfte. Im übrigen hatte Herr Obcrrcgisscur M o e st es ohne Zweifel weder an Arbeit noch an Talent fehlen lassen. Das Mögliche ivar erreicht, aber das Mögliche war zn wenig. Der Stil der Dichtung liegt dem Thalia- Theater zn fern.— E. S Musik. Hertha Ritter ist hier seit längerem als eine tüchtige Sängerin bekannt. Aber soweit wir uns erinnern, zeigt ihr jetziges Können noch eine beträchtliche Weitcrentwicklniig über das von ihr vordem Geleistete. Ans der Konzertflnt ist nicht bald eine Dar- biclung so sehr durch echt künstlerifche Weihe hervorgetreten, wie das Konzert der Genannten vom letzten Freitag. Ihre Stimme ist nicht eben eine der schmiegsamsten und will nicht mit d e in konkurrieren, was andere Stimmen cui Glanz und Virtuosität anfzillvendcn haben, noch auch nut der Gewalt eines„dramatischen" Soprans. Abseits von diesen älteren Kategorien ist eS hier schlecht und recht die liefe Innigkeit, mit der eine technisch im allgemeinen gut gebildete Stimme nnS ältere und neuere Lieder zu Herzen fingt. Frl. Ritter, die Tochter eines der gröstten und noch weitaus zn wenig gewürdigten Liederkomponisten, die getreue Helferin bciVeranstaltnngeii zur Pflege moderner Mnsik, stellte sich diesmal als Solistin wie andere vor, doch ohne den Eindruck eines Strebcns nach persönlichem Hervortreten. Nach einigen älteren Stücken sang sie Schumanns „Franenliebe und Leben" und dann Lieder des ihrem Vater knnst- verwandten Dichterkomponisten Cornelius. Kein Drängen im Saal und kein Rnhmeslänn! aber der warme bescheidene Beifall einer kleinen Gemeinde, der noch Liszt's„Es must ein Wunderbares sein" als Zugabc erzielte, wog um fo schwerer. Zum Lob des Begleiters Anton Schlosser genüge die Bemerkung, dast die Leistungen beider Künstler als eine wirkten. Auch die Wahl der austcrdcm mitwirkenden Klavierspielerin Muriel Elliot zeugte von einem künstlerischen Geschmack der Konzertgcbcrin, wenngleich das Spiel der Dame mehr von Solidität als von Schwung und Gröste zeugte. Ein in ähnlicher Weise solid künstlerisches Konzert war das des „Holländischen Trios". Herr Coenraad V. Bos hatte sich im vorigen Jahr günstig bekannt gemacht als vornehmer Klavierbegleiter wie durch eine Bearbeitung niederländischer Volks- w. mehrere sehr bemerkenswerte..Sonaten-Abenbe' veranstaltet. Nim haben sich die Herren mit dem Violoncellisten Jacques van L i e r zu einem bisher nur als einzigen angekündigten Trio-Abend zusammen gethau; nach dem Gehörten können wir Fortsetzungen mit Freude erivarten. Die drei Künstler sollten nur doch in ihrer Stziel- weise etwas mehr tvagen: der bewegten Phrasiming des Joachim- Quartetts und der Leidenschaftlichkeit anderer haben sie vorläufig nur eine Meisterschaft der stillen Zurückhaltung an die Seite zu stellen. Zumal Herrn Bos' Vortrag einer Sonate von Mozart litt doch gar zu sehr unter dem Mangel an Ausdruck und Warn,- blütigkcit; wie eine fremde Poesie nicht wörtlich übersetzt werden soll, so soll auch ein Klassiker nicht wörtlich.klassisch" gegeben werden.—"z. Aus dem Pflanzenleben. Absterbende Kirschbäume am Rhein. Der .Franks. Ztg." wird geschrieben: Ein Kirschbannislcrbc» ist am Rhein plötzlich in diesem Sommer und Herbst in bedeutendem Ninfange aufgetreten, besonders in den Ortschaften St. Goarshausen, Kamp, Osterspai) usw. Nachdem schon im vorigen Jahre die Erscheinung sich bemerkbar gemacht, hat sie dies Jahr in beunruhigender Weise um sich gegriffen, so daß etwa schon der vierte Teil der Kirschbäume der Krankheit zum Opfer gefallen ist, das Sterben sich aber auch jetzt noch immer weiter fortsetzt. Die Erscheinung ist um so rätsel- hastcr, als alle anderen Obstarten daselbst völlig gesund sind und auch der Kirschbau seit ungefähr drciszig Jahren bis jetzt mit größtem Erfolge betrieben wurde. Für die meisten der dortigen Grundbesitzer bildet der Kirschba»», fast den einzigen Erwcrbszwcig; sie werden also durch das plötzliche Eingehen der Kirschbäume ohne »Unterschied des Alters derselben in hohem Grade geschädigt. Das Gesundheitsamt hat den Professor Frank zum Studium der Krank- heit an Ort und Stelle gesandt. Dieser fand, daß eö sich um keine der bekannten Krankheiten des Kirschbaumes handelt, sondern um eine neue Erscheinung, und zwar höchst wahrscheinlich um eine In- fektionskranlheit, wobei ein biser nur an abgestorbenen Kirsch- baumästen bekannter Pilz, eine ctytisxora, häufig im Bunde mit Bakterien, die lebende Rinde von Stamm oder Acstc» befällt und zum Absterben bringt. Es ist daher die schleunige Entfernung alles kranken Kirschenholzes aus den Obstplantagcn und Verbrenne» desselben zu empfehlen, womöglich auch die bewährten DcSinfcktions- mittel, wie Teere« aller Schnittstelle» und sonstigen Wunden dcS BaumkörperS, sowie Bestreichen oder Bespritzen der Stämme und Aeste im Herbst und Frühlinge mit Bordclaiser Brühe, besonders um die nötig werdende Neuanpslauzung vor Jufcktiou zu schützen. Bereits hat sich herausgestellt, daß die Krankheit an beiden Nhdunfcru bis unterhalb Koblenz vorhanden ist.— Meteorologisches. llcber Böen st»dien bei Gewittern bringt die Monatsschrift»Himmel und Erde" folgende Mitteilungen: Bei dem Borübcrgauge von Geivitterböen'treten nieist plötzliche Druck- schwaukuugen auf, die in den Barogranuuen der verschiedenen Sta- tioncn ziemlich ähnliche Gestalt haben. Diese Luftdruckaiifzcichuuugcn, die sogenannten Gewitternascn. hat Prof. Börustein dazu benutzt. den Verlauf der Böe näher zu versolgcn. Gelegentlich des Gc- witters vom 22. Juni 1898 sind zwei solcher Nasen ausgezeichnet, und es ließ sich aus dem Zeitpunkte des zweiten Dnlckmaxiimmis an den Stationen Uslar(Provinz Hannover), Magdeburg, Potsdam, Spandau, Berlin N. und Berlin W zunächst Nichtnng der Böe(von Südwest nach Nordost) und Fortpflanzungsgeschwindigkeit (öS bis 62 Kilometer pro Stnnde) berechnen. Die Frontlänge betrug miildestcns 70 Kilometer. Tann wurden— nach dem Vorgänge von Durand Grsville in Paris— diese Zahlen zur Vervollstäiidignng der aus Tcrminbeobachtungen hergeleiteten Isobarenkarten verwendet. Unter der Annahme, daß die barometrischen Aciiderungen in Wescnt- lich gleichbleibender Form über das BeobachtmigSgebiet hingezogen find, daß also in jedem Augenblick räiimlich nebeneinander diejenigen Verschiedenheiten deS Luftdruckes bestanden haben, welche der ein- zelne Barograph zcirlich nacheinander aufzeichnete, lassen sich die Karten dadurch ergänzen, daß man durch die Stationen mit Barographen Linien in Richtung dcS BöenzugcS legt und auf diese Linien die charakteristischen Einzelheiten der Barogranune dort einträgt, wo sie— nutcr Berücksichtigung der ForiflanzungSgcschwiudigkeit— während deS ZeilpuiiktcS, für welchen die Karte gilt, aufgetreten sein müssen. Man erhält dadurch für das dargestellte Getvitter eine sehr detailreiche Isobarenkarte, in welcher sich beide Gewitternascn(eine spitze und eine breite) als schmale und breite Inseln hohen Lust- druckeS hcrailsheben. Aus einer einzelnen derartigen Darstellung des Gewitters lassen sich natürlich noch keine weitgehenden Schlüsse ziehen; mau kann jedoch erwarten, daß eine auSgedchntcre An- Wendung dieser Methode Aufschlüsse giebt über die Art. wie Böen entstehen, und mit Berücksichtigung der Temperaturverhältuisse auch über die Höhe, in welcher sich Böen bilden.— Humoristisches. — D i e verkannte Natter. Aus Ehingen wird der »lllmer Zeitung" folgendes Geschichtchcn mitgeteilt:„Do Bim l" sagte ein Bauer in Muudingcn zu seinem Sohn,»bring de Säu Beramwönlichcr Redaaeur: Stöbert Schmidt in Bei nmol die Kartofle do I' Der Junge gehorchte und ging in den Hof. Als er jedoch eben im Begriffe war, die Thür des Schweinestalls zu öffnen, sah er aus einer Ritze ein mächtig langes, gelbes Ding herausbaumcln, das verdächtig hin- und herzüngelte.'Entsetzt ließ er seine Erdäpfel fallen und lief zurück in'die Stube.»Herr Jeses, Herr JescS!" schrie er seinem Vater entgegeii.»im Sau- stall ischt a wütig grauße Natterl" Dem Bauern blieb bei dieser Nachricht ein Rädle Sluttgartcr Wurst, das er eben zum Nachtbrot verzehren wollte, im Halse stecken. Doch faßte er bald wieder Mut und ging mit einer Hengabel nnd einem Beil versehen auf den Schlveincstall los. Richtig, da schwänzelte das verwünschte Ding immer noch aus der Ritze heraus. So groß und so giftig hatte er es sich aber doch nicht gedacht und der Gedanke, es'ohne Beihilfe umzubringen, verging ihm bei dessen Anblick ganz und gar. „Lauf was de kahnst zu», Schmied I" rief er deshalb seinem Jungen zu.„und sag' em, er soll tapfer mit a paar Zange' konnne."— Der Junge lief, was er laufen konnte und kam in wenigen Minuten mit dem Schmied und 10— 12 NachbarSlcnten zurück. Jetzt ging da? Debatlicren los; kein Mensch machte sich an daS gesährliche Ding heran, bis sich eiid- lich der Schmied dreimal räusperte, die Augen zukniff und mit einem mächtigen Stemmeisen d'ranf loshicb. In diesem Augenblick fing die San im Stall d'rin ein mörderisches Geschrei au. Man riß die Thür auf und sah, wie das Tier nntcr jämmerlichem Grunzen im RingelS'rum lief und sich vergeblich an dem Schwanz zu lecken suchte.— Alle standen da und sperrten Maul und Nase aus; aber niemand sprach ein Wort.„Vater!" sagte endlich der Sohn. „des Ding, des do a»s dem Loch ransgnckt h.it, ist, glapb' i, der S a u s ch w a n z gcwrse und l o i N a t t e r l"— und so war eS auch.— Notizen. — E m a n n e l Reicher bat eine„Hochschule für dramatische Kunst" begründet, in der er den Unterricht streng nach den Principien der modernen Schauspielkunst erteilen will.— — JnlinSSchanmbcrgers drciaktigcs Schauspiel„Pepi Da» egger" fand bei der Ersl.mssührnng im M ü n ch e» e r Schauspiclhanse Beifall.— — Otto Ernst läßt in den nächsten Tagen bei Conrad Kloß in Hamburg unter dem Tilel„Jagend von heute" eine »Deutsche Komödie in 4 Alien" erscheinen.— — Charlotte E m b d e n» H c i n e, die Schwester Hein- r i ch Heines, ist am Sonnabend im Alter von 99 Jahren in Hamburg gestorben.— — In Jena werden auch in dem bevorstehenden Winter- hnll'jnhr Iviffenschastliche Torlcsnngen für Volks schul- l e h r e r abgehalten. 200 Lehrer sind bereits als Teilnehmer gc- meldet.— — Als Tagungsort des nächsten O r i e n t a l i st c n- K o n- gresseS wurde Hamb n r g gewählt.— c. Eine Facsimile-AuSgabe der kleineren Ge- dichte MiltonS, deren Manuskript seit mehr alS zwei Jahr- hnndcrtcil in der Bibliothek des Drinity College in Cambridge aufbewahrt werden, ist von Dcw- Smith besorg! worden. Das Mannskript. daS größtenteils von Milton selbst geschrieben ist. besteht anS 47 Seiten und enthält die Gedichte»Lrcades", Eonins", »Shcidas", mehrere Sonnclte. den ersten Entivurf des„Verlorenen Paradieses"-> als Drama und Notizen für Gedichte. Jeder Seite des Facsimile ist ein wörtlicher Abdruck in gewöhnlichen Leitern beigegeben.— — Die französische Regierung hat snr die archäologischen Forschungen in Algier den Posten eines BcueraliiiipektorS der wisjeiischaftlicheu und archäologischen Museen von Algier ge- schaffe».—' — Theater-Konsumvereine werden jetzt nach dem „B. B.-E." ans Anordnung der russischen Regierung bei den Hof- thcatern in P c t e r S b u r g, Moskau, W a r s ch a u usw. errichtet. Das gesamte Theaterpersonal vom Intendanten bis zum Logenschließer ist verpflichtet, diesen Konsnmvercinen beizutreten, deren llcberschüsse zur Uuterstützuna alter nad invalider Bühiicuangchöriger verwendet werden sollen. Die Beiträge richten sich nach der Gage.— — NervösesHautjucken beseitigt man, wie der»Praktische Wegweiser", Würzbnrg, schreibt, durch 28 Grad■+■ Reauinnr Vollbäder, denen cttvaS Essig zugesetzt ist.� Lust- und Sonnenbäder. Ganzpackimgen, Abwaschungen mit heißem Eitroncnwasjer lönuen ebenfalls in Bciracht kommen.— — Im Jahre 1898 exportierte die Champagne im ganzen 19 830 000 Liter unverfälschten Champagner im Werte von 91 327 552 Frank.—__ in. Druck und Senag van Max Babing in Berlin.