Nnterhaltungsblalt des Vorwäns Nr. 205. Donnerstag, den 19. Oktober. 1899 (Nachdruck Mtfiottn.) Hamm. 14] Roman von Peter Ezsse. Autorisierte Uebersehung aus dein?ror!vegischen von Adele Neustädter. Lolthe blickte eine Weile>vcih ins Blaue. Die einzige Entschuldigung, die er l.atte, war, daß er wußte, sie habe ein Kind geboren, ehe sie heiratete, und daß er über dieses Kind nie etwas erfahren hatte... sie hatte es ihm verheimlicht... Er blieb mit cnuyit Nucke stehen. Sein eigener Gedanke traf ihn wie ein Stoß und sein ganzer Körper wurde heiß. Sic hatte es ihm verheimlicht!... Warum? Er fand keinen Grund. Dafür aber wimmelte es in seinem Gehirn von neuen Gedanken. Er konnte sie nicht lenken, sie nicht von einander scheiden. Er empfand sie nur in einer großen Angst. Er streckte die Hände ans. um sich zu wehren; aber er vermochte es nicht. Sie drangen vor, übermannten ihn, und er stöhnte. Er eilte ans Fenster und riß es ans. Die Fmhlingsluft war kalt und frisch wie der ncugcsallene Schnee. Er legte sich halb ins Fenster, als könne er nicht genug Lust und Kälte einziehen. So lag er eine Weile, fuhr mit der Hand wirr durch das Haar und mehrere Male über die Stirue. Er wehrte die Gedanken nicht länger ab. Er hielt in der Erbitterung an einem einzigen fest: Warum hatte Hanna ihm nie von diesem Kind erzählt? Es war erklärlich, das; sie es geheim gehalten hatte, während sie verlobt waren, und in dem ersten, in dem zweiten Jahre der Ehe. während sie unwisicnd, ungebildet, naiv war. Aber dann?... In den letzten Jahren, als sie das gebildete, reife Weib wurde... Warum eNvähnte sie es nicht? Er hatte freilich der- sprachen, sie nie über die Vergangenheit auszufragen. Aber sie kannte ihn so gut. Sie wußte, er hatte keine Vorurteile, wußte, sie würbe nicht ein Haarbreit scinerAchtnng verlieren, wenn sie es erwähnte. Sie mußte wissen, daß eine solche Offenheit sie zu- sammenbringen, sie enger um das einzige Kind, das sie besaßen, schließen mußte... Warum fürchtete sie sich. über die Ver- gangenheit zu sprechen? War diese»�glücklicher als die feine gewesen? Nein. Dann mußte sie ja die Gegenwart um so glücklicher empfinden. Sie liebte ja ihren Mann und den Knaben. Sie hatte alles, was sie wünschte, war von allen geachtet. Hatte sie keinen anderen Grund zum Schweigen, als daß er versprochen hatte, sie nie über ihre Vergangenheit auszufragen? Keinen anderen, als daß ihm ihre Ver- gangenheit nichts kümmere?... Warum erwähnte sie dieses Kind nie? Er preßte die Hände ans Gesicht und weinte, weinte in einer Angst, die er nicht von sich werfen, der er nicht cnt- rinnen konnte. Er ging ins Entree, nahm Hut und Rock und rannte über die Wiesen, bog dann links ab und ging über einen Acker. Die gelben Stoppeln stachen durch die dünne Schneedecke. Plötzlich brach die rote Sonne hervor, und um ihn hemm ans dein Felde»vimmclte es von Farben. Aber er sah es nicht, dachte nicht daran. Er bückte sich, nahm beide Hände voll Schnee»md legte sie ans die Stirn. Er blieb lange so stehen. Der Schnee schmolz und floß über die Handgelenke und Arme. Dann schlenkerte er sie und flüsterte erbittert: „Ich bin nähe daran, verrückt zu werden." Er schritt hier gerade so erregt umher, wie gestern Abend und dachte reinen Unsinn. Hatte er denn gar keine Macht über sich? Seine Vernunft, seine gesunde Urteilskraft sagte ihm ja, daß seü» Argwohn die reine Unmöglichkeit sei. Es wurde ja klar, daß sie nicht über die Vergangenheit ge- sprachen, weil er nicht gelviinscht hatte sie aufzufrischen»ind weil er ihr versprochen, sie»üe darüber auszufragen. Sie kümniere ihn nicht, hatte er gesagt. Er hatte früher nie ge- wünscht, sie keimen zu lernen. Nie! Nicht damals, als er um sie warb und nicht später, als er voll ihrem erstell Kinde hörte. Nie hatte er gewünscht, darüber etwas zu hören... Wamm sollte er jetzt anfangen, darin zu wühlen? Nur um des einen ängstlichen Blickes willen, den sie ihm nach- geworfen hatte?... Nein, diese Grübeleien mußten jetzt ein Ende nehmen! Er nahm wieder Schnee vom Felde auf und legte ihn auf die Stirn und die Wangen; warf ihn weg, kehrte um und sah nach der Mole, wo der Morgenzug fortsauste und eine große, dicke Randwolke hinterließ. Am besten, er sing zu arbeiten an.... Er hatte gestern fünftausend Kilo Heu verkauft, und sie sollten heute ausgewogen werden: denn morgen war ja Feier- tag— Gründonnerstag. Er sah auf die Uhr: Neun vorbei. Tann ging er schnell zum Hof hinunter, als wolle er den Gedanken entrinnen, die ihn umlauerte«. Hanna wartete vielleicht mit dem Frühstück. Er stellte sie sich vor, in der Küche ein- nud ausgehend, Martha fragend, ob.sie nicht gesehen habe, wo er hingegangen sei. Oder sie ging auf die Treppe hinaus und rief ihn. Sie hatte keine Ahnung von- seinen schuftigen und widersinnigen Ge- danken, sie war wohl ruhig, während er... Ja, das Verhältnis hatte sich in diesen acht Jahren unleugbar verändert. Jetzt war sie an der Reihe, die Leitende, die Ueberlegene zu sein... Vielleicht war es so am besten. Sie war vielleicht klarer als er. Aber etwas hatte sich er- halten, und weder die Vergailgenheit. noch dumme Grübeleien sollten es vernichten: es war ihr gutes Verhältnis zu einander, die tiefe Jnuigkeit, die sie verband. Alles Grübeln mußte schwinden; er wollte sie bewegen, von ihren ersten Äindem zu sprechen. Er wollte ihr zeigen, wie schwach er war; er wollte sich ihr ergeben, sie um Stärke, wie ein Bettler, der ihre Neberlegenheit nicht zu tragen vermag, bitten... Und dann hatte sie ja Erik!... Er erinnerte sich, wie sie gestern Abend jden Knaben entkleidet hatte, als er ins Schlafzimmer trat. Sie war ruhig und scherzte mit dem Jungen, und sie that es gerade, nach- dem er geglaubt, er habe Angst bei ihr bemerkt, Angst, daß ein schreckliches Verbrechen, das sie begangen hatte, heraus- kommen möge... ein Verbrechen, das sie ungefähr zehn Jahre mit sich hernmgettagen, ohne zu bereuen, ohne zu be- keimen.... Wie naiv er fein konnte?... „Du bist eigentlich ein naiver Grübler, Johannes!" Er mußte sich jetzt dieser Worte erimieru, die sie einmal lächelnd gesprochen hatte. Er ging ins Speisezimmer, wo Hanna und Erik am Tisch saßen. „Liebster, wo bist Du gewesen? Wir mußten ohne Dich anfangen l.. „Ich machte einen Spaziergang und verspätete mich wohl etwas." Er setzte sich, um zu essen; aber es gmg schlecht. Er konnte das Essen nur mit Mühe herunterschlucken. Es quoll im Attnide und schmeckte flau. Er bat»in» kalte Milch und trank sie in großen Zügen. „Ich fahre, Vater... ich halte die Zügel," rief der Knabe. „Ja richtig. Das hatte ich fast vergeffcn." Zugleich fühlte er, daß Hanna ihn anblickte, als wolle sie untersuchen, ob ihm etwas fehle, oder prüfen,»vas vorlag. Sofort schämte er sich; es mußte sie verletzen, daß er schon vergessen hatte, was er ihr»urd dein Knaben gestern abend so freudig versprochen. Er sah aus Erik und sagte: „Ja, mein Kind. Du, Mutter und ich, wir werden eine lange Fahrt niachen." Und der 5knabe lachte mit dem Munde voller Speise. „Wenn Tu vielleicht nicht Zeit hast, können»vir ganz gnt allein fahren." „Gewiß, ich habe Zeit. Mit dem Abtvicgen des HeueZ hat's bis zum Nachmittag Zeit." Es wurde still. Er verstand, daß sie wußte, es fei ihm etwas quer gegangen. Als sie vom Tische anfstanden, wollte er hinmisgehen, um JenS zi» bitten, anzuspannen. Hanna stand ihm jedoch— wie ihm schien, fast zufällig— im Wege. Sie blieb stehen, sah ihn ruhig und müd an, und er konnte ihrem Blicke»licht ausweichen. Ticsc Milde und Nuhe machte ihn weich, sind verwirrt. Cr fühlte, Ivie verwirrt er gewesen war, wie unmöglich seine Grübeleien waren. Er zog sie an sich und küßte sie übers ganze Gesicht. Sie wunderte sich über solche Heftigkeit und war nahe daran, sich zurückzuziehen. Aber da sah sie, daß seine Augen so seltsam blickten. „Was ist Dir, Johannes?" „Betrübt es Dich, daß ich die Wagenfahrt vergaß?" Sie wollte laut auflachen und ihn von sich stoßen; aber sie that es nicht, lächelte nur erstaunt und schlug ihm mit der Hand. „Nein, daß Tn so etwas denken kannst! Liegt wirklich nichts anderes vor?" Er antwortete nicht, sondern strich über ihr Haar. „Liegt wirklich nichts anderes vor, Johannes?" „Ich fühle mich nicht ganz wohl, aber ich glaube, daß es bald vorübergeht. Jetzt werden wir fahren." Er ging leicht ruid schnell zur Thür hinaus. O, wie sorglos und fröhlich sie war! Er stemmte die Hand hart gegen die Brust; er niußte ruhig sein. Sie sollte nichts von diesem Häßlichen, das er mit sich schleppte, merken. Er trug selbst schuld daran... nur er selbst... ivie gut sie war... und ruhig I lFortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Asbos?. Tchou die Alten hatten unverbreiinliches und»uvcrwnstlichcS Papier, und in jüngster Zeit hat man in Frankreich ein sogenanntes „Archivpapicr", sowie in Berlin einen„Urknndcnstofs" hergestellt. Bei der Herstellnng des„Archiopapiers" nimmt man zu zwei Drittel gewöhnlicher Papicrmasse ein Drittel A s b e st fasern, und rührt das Ganze gemeinsam in einer Lösung von Kochsalz und Alan» durcheinander. Achnlich ist die Fabri- kalion des„Urkundenstoffcs", wobei LS Teile ASbcstfascrn bester Beschaffenheit in einer Losung von übermangansaurcin Kalium gewaschen und mit schwefliger Säure gebleicht, genommen, mit fünf Teilen geschliffenen und gemahlenen Holzstoffs versetzt und dann weiter mit Lcimwasscr und Borax verarbeitet werden. Da dieser llrkundenstoff eine Temperatur bis über bOO Grad C. vertragen soll, auch eine dauerhafte Druckfarbe, die natürlich eben so wichtig ist ivie das nnverivi'istliche Papier, durch eine Mischung von Platin- Clorid und Lavendclöl, nebst einem Znsatz voii Lainpenrusz und Firniß herzustellen ist, so dürfte man nicht iveit von dem Ziele, ein für Nrknndcn geeignetes nnzerslvr- bares Papier herzustellen, sein. Jedenfalls ist in dieser Hinsicht dem Asbest eine ganz besondere Ausmrrksamkcit zu schenken,»m so mehr, als schon bei den alten Griechen Asbestpraparate wegen ihres Wider- standcs gegen das Feuer hochgeschätzt wurden. Asbest, vom griechischen asbestos,„nnbcrbrcnnlich", ist der Gc- famtnamc einer Sieche zum Talkcrdegcschlccht gehörigen Mineralien von sehr faseriger Struktur, bestehend ans Kiesel-, Talk-, Kalk- und Thoncrde sotvie Eiscnkalk. Es giebt davon vier Arten. Der gemeine oder unreife Asbest besteht aus groben, öfters haarförungen, wenig bieg- samcn Fasern. Sein Glanz ist pcrlmnttcrartlg, nur an den Kanten durchscheinend. Der Bergkork, auch Bcrglcdcr'gcnannt, hat filzartig in einander gewobene Fasern, die-schwer einzeln zu erkennen und von einander z» trennen sind; größere Stücke erscheinen läppen- artig. Er ist matt und nur ivcnig schüiuncrud und durchsichtig, die Farbe ist entlvcdcr grau, grün oder braunrot; er kommt in Schweden anf Erzlagern, häufiger in Serpentin und anderen Gesteinen vor, am St. Gotthard, in Tirol und Spanien. Der HolzaSbcft oder das Bergholz ist weich, halbvcrfanltcm Holze ähnlich, und in mancher Hinsicht rätselhast. Endlich der Amianth, vom griechischen amianthes,„unbefleckt", oder mich reifer Asbest, ist die merk- würdigste und bekannteste Art, die sich an vielen Orten, besonders anf Korsika, in Tirol, Piemont, Savohen, am St. Gotthard, zu OisauS in der Dauphine, im Gouvernement Perm, Ivo er bei Zlew- jans einen ganzen Berg bildet, und namentlich in Kanada, findet. Cr kommt in verschiedener Farbe vor. gewöhnlich gelblichgrau oder grünlichweiß, mit seidenartigem Schiller und hat ein deutlich ans- gebildetes, langfaseriges Gcsiige. Die parallel laufenden, meist geraden, zuweilen einen halben Meter langen Fasern sind immer nur lose und bei dem schönsten Amianth gar nicht mit einander vcr- bunden, so daß der Asbest einige Aehnlichkeit mit dem Flachse hat, weshalb er auch zuweilen Bergflachs genannt wird. Obgleich die Fasern sehr bscgsam sind, brechen sie dennoch, wenn sie kurz ab- gebogen Werde» und verraten dadurch ihre steinartige Ratur. Diese Asbestart läßt sich. Wiewohl mit Mühe, zu Garn spinnen, das anf dem Webstuhle, oder durch Flechten oder Stricken in eine Art Stoff verwandelt werden kann, welcher, wie das rohe Material ein Glühen aushält und dadurch gereinigt werden kann. Ter Asbest mit ganz freien Fäden eignet sich am beste» zum Spinnen; sind die Fasen« verbunden, so muß er erst dazu tauglich gemacht werden. Dies geschieht dadurch, daß man den lang- und feinfaserigen Asbest so lange ins Wasser legt, bis er davon durch- dnipgen ist, und dann auf einer hölzernen Tafel«nit einem Klops- Holze vorsichtig klopft, worauf er mit vielem, anfangs kochendheißem Wasser so lange ansgctvasche» wird, bis das Wasser nicht mehr milchig, sonder» ganz klar abfließt, wobei man die Fäden behutsam auseinander zieht. Dann Werde» die Fäden auf einen« Siebe schnell getrocknet und mit feinen eisemcn Kämme» vorsichtig gekämmt. Wo die Asbcstfaser in« großen verarbeitet«vird, öffnet man die Steine auf Kvllcrgäugei« und reinigt die Fasern, so gut es geht, anf Schüttel- sieben. Während man die für die Pappenfabrikation bestimmten Fasern keiner weiteren Vorbereitung zu untertverfe«« braucht, müssen die für Spinuzlvecke bcstimmtci« auf Schlag- und Rcißivölfcn noch weiter geöffnet werden. Vielfach wird die Asbcsifascr in Vcrbindmig mit einem feinen Flachsfadcn, an Ivelchen die erstere gelegt wird, ge- spönnen,«!««« cincn haltbaren Faden zu erhalten, worauf man dann den daraus gewebten Stoff ansglüht, mi« den Flackissadcn zu zcr- stören nnd rcincS Asbestzeug zu erhalten. Auf diese oder ähnliche Weise gewonnene AsbestleiiNvand sasbestirnsum) war schon im Altcrtnin bekannt. In ihr Ivnrden die Leilben vornehmer Personen verbrannt, um die Asche nnvcnnischt mit Holzkohle zu erhalten; doch «vnr sie teuer, Ivie schon Plinins erwähnt. Daher waren wohl auch die Asbestleinensachen selten. Karl V. besaß ein Tafcltnch ans ASbcslfaseri«, das dci Gelegenheit von Festlichkeiten zur Bclnstignng der Gäste und zum Zwecke der Sieinignng ins Feuer geworfen Ivllrde. Während mithin die Alten die Asdesipräparate kannten, scheint man in der späteren Zeit diesen««ntcrcsfanie» Material iveuig oder gar keilte Beachtmig geschenkt zu haben, bis ciiva zu Ende der sechziger Jahre dieses Jahrhunderts die Amerikaner— und zwar wohl nicht zun« geringsten infolge der Einführung der Danipsinaschinen— ans die vorzüglichen Eigcnsckiastcn dcS ASbestS, als da sind Nu- verbrcnnbarkcit, Jndisscrentismus gegen Säuren nnd Alkalien, und schlechte Wärme- nnd Kältekcitnng, die Aiis>«>crksai»keit lenkten,«vor- ans die Verarbcilung des Asbcsts sich schnell«viedcr über die ganze Welt verbreitete. In der Mitte der siebziger Jahre entstände!« solche Fabriten in England nnd Italien und einige Jahre später auch in Denischland, Ivo gegenivärlig vier Fabriken dieser Art bestehe», deren Fabrikate hinsichtlich ihrer Volllonunciiheit den ersten Siang behaupten. Selbst die älteren englischen Fabriken sind von ihnen überholt worden, so daß Großbritannien nicht das kleinste Absatzgebiet der deutschen Fabrikate dieser Art ist. Die in Hamburg bestehende Fabrik hat uns sogar unabhängig von Amerika gemacht, obgleich Kanada für die Verarbeitnng den besten Asbest liefert, da ans den dortigen Asbcststcincn die größte Menge verspinnbarcr Fasern geivoniicn«verde«« köniicn. Außer den« kanadische» Asbest«vird auch viel sibirischer verarbeitet, obgleich seine Fasern slninpser nnd lvenig clnslisch sind. Daher benutzt man ihn für Gewebe erst dann, wem« kanadisches Material zu gleichen« oder doch annähernd gleichen« Preise nicht zu haben ist. Was min die Hcrslcllnng von Asbestpräparatcn in der Gegen- «vart bclrifst, so zerfällt dieselbe in zivci Hauptabteilungen, nämlich in die Pappen-»nd Papierfabrikalion und in die Asbesispiiinerci. Während«na» für die Spinnerei die besten ASbesisteine rcrivcndcn muß, genügt für die Papierfabrikalion ein inindcrlvertigcs Material. Große Fortschritte sind bezüglich des Spinnens der Asbcsifascr ge- «nacht, indem jetzt die Hcrslellnng eines FadcnS möglich ist, von dem 40» Meter auf ein Kilogramm gehen nnd der etwa den« Wollgarn Nr. 2,3 entspricht. Alle anderen Fabrikate anS Asbest sind nur noch «veitere Verarbeitungen der Fäden oder der Rsbcstpappen. Während man ans ersteren Stoffe webt. Seile nnd Schnüre dreht, Packungen flechtet oder ssnstige Konseküoiien macht, werden letztere in chemischen Laboratorien als Kvchnntersätze angewendet. Ilm aber einer starken Flamme ausgesetzt werden zu können. bedürfen dieselben einer besonderen Präpariernng. da sie sonst allmählich wie Mehl zersaltcn, indem de» Fasern durch die Hitze der natürliche Wassergehalt entzogen«vird. Es ist daher nicht ganz zutreffend, daß der Asbest absolut feuerbeständig ist; er wird zwar nicht zersetzt, aber bei großer Hitze leidet doch die Faser, da sie kalcinicrt und brüchig wird. In der Hamburger Fabrik werden daher solche Platten hergestellt, nachdem ans die Äsbeftfaicr chemisch Thonerde niedergeschlagen worden ist. Derartige Platten sind absolut feuerbeständig, da sie sich in« offenen Kesseisener 24 Stunden lang bei einer Hitze von etiva 1100 Grad vorzüglich beivnhrt haben. Eine Iveit größere Vcnvendnng als die Asbestplatten finden die Asbestgewebe, namentlich für DichtnngSzlvecke. Zu diese»« Behnse wird das ASbcffinch«Nittels einer Lösung von Kautschuk imprägniert und dann zu Platten-, Mannloch- oder Stossvüchsenschniircu in den verschiedensten Ansführnngen verarbeitet. Außerdem hat«na» Vor- teile ans der schlechten LcitungSfähigkcit des Asbcsts gezogen, indem »in» Dainpfkesscl nnd Leitungen mit As best Präparaten, die teilweiße mit Infusorienerde vermischt sind, bekleidet, wodurch ein Wärme- vcrlnst von70— koProz. verhindert«vird, was mitciiicr enormen Kohlen- ersparnis glcichhedciitcnd ist. Umgekehrt werden Wnsicrlcilnngseohre durch solche Uinklcidmigcn vor den« Gefriere» geschützt, da der Asbest die Eigcnlvärme des Wassers mir schwer nach außen leitet. Eine andere«vichtige Berivenduug des Asbestgewebes findet zu Bckkeidnngsgegciistnndc» statt; es werden daraus vollständige An- züge angefertigt, Kapuzen, Schutzhelme nnd Handschuhe für Feuer- wehrlente und' besonders auch zmn Schutze der Arbeiter in Pulver- und chemischen Fnbrikcn, in Eisen- und Kohlenwerfcn, welche mit Säuren zu thun haben oder dem direkten Feuer ausgesetzt sind. Auch gebrauchen die Feuerwehren RettungSleiteru, Gurte und Seile, welche aus Asbestfasern hergestellt sind. Eine Ivcitere ausgedehnte und wirksame Anwenduiia finden die Asbcststoffe für Filtcrationszwecke, da es keinen Stoff giebt. der Säuren besser zu filtrieren und ihnen zugleich so erfolgreich Widerstand leistcit kann als Asbesttuch. Nicht minder schätzbar ist das Material als Mittel, um der verheerenden Macht des Feuers vorzubeugen. Die verschiedenen Brände in den Qnnispeichcru in Hainburg haben die Gefährlichkeit der Eisenkonstruktiou bei solchen Bauten erkennen lassen. Mau ist daher wieder zu Holzkonstruktioncn zurückgekehrt, aber hat von Etage zu Etage durch eine Zivischcnlage von Asbcstpnppe in der Decke eine Isolierung hergestellt, so dah das Feuer auf eine Etage beschränkt bleibt. Außerdem iverden gazenrtige Gewebe hergestellt, um damit Könlissen und Dekorationen auf den Bühnen zu überziehen, die dadurch unverbrennbar iverden. Bei vielen großen Theatern ist dies Verfahren vom Gesetz als unerläßlich geboten worden. In Sibirien verfertigt man seit längerer Zeit nicht nur Stoffe, sondern auch gestrickte Sachen miS Asbest; ebenso in den Pyrenäen. In Eonio(Obcritalicn) iverden sehr schöne Arbeite» dieser Art angefertigt, namentlich Spitzen, die so fein und ivciß sind, daß sie von inittelfeincu Zwirnfpitzrii kaum zu unterscheiden find. Ans der Insel tkorsika, Ivo sich cbciifallS ein sehr guter Ainianth in größerer Menge ffndet, setzt man ihn dem Töpfergeschirr zu i dieses ivird dadurch leichter, porös und weniger spröde, so daß es plötzliche Teiiipcraturwcchsel besser ertragen kann, ohne zu springen.— Otto Lehmann. Klvinvs Feuilleton. st. Tic Wichtigen. Da stand der Monteur in der Hauptstraße des große» Dorfes. Tie elektrische Straßenbahn, die er eben vcr- lasse», fuhr weiter durch die schwärzlichen Lachen, daß das Wasser ausspritzte. Die Frauen, die mit ihm ausgestiegen waren, suchten sich einen Weg durch die Pfützen und gingen vorsichtig über den aufgewühlte» Weg. Die rohen großen Ziegelbauten sahen in der mit Nuß durchtränkten Regenlnft noch fchnmtzigcr, zerfallener ans als sonst. Am Ende der Straße, wo sie sich zum Platz erweiterte, erhob sich das große Jiukwalziverk und die Schlvcfcl- säurehütte. Die Bäume, die dort standen, waren kahl, nur wenige Blätter hingen a» den Bäumen, zerfressen von dem ans den breite» Hallen der Hütte sich hcriibcrwälzcndcn Säurciidampf. Ten Monteur durchfuhr ein Schauer. Der seine Regen rann ihm ins Gesicht. Er wußte nicht, welchen Weg er gehen sollte, um zu den Verivnltungsgebändeu zu gelangen. Auf den Straßen des großen Ortes wäre» nur einige barfüßige Kinder zu sehen, die über die offenen Abflußgräben sprangen. Daß in dein Ort auch Männer lebten, verriet nur-er Rauch und Dampf, der unaufhörlich auS den Schornsteinen und schivarzeu, reihcnlvcise aus den Dächer» emporragenden Röhren aufguoll. In diesem Augenblick trat auS einem der schmucklosen Häuser ein Mann. Sein rotes, volles Gesicht, aus dem zivci listige Augen lugten, der dicke, enganschließende Anzug und die sauber gclvichftcn Stiefel kennzeichneten ihn als Bcainlen. Der Monteur, der er- freut war. jemand zu finden, der ihm sicher Auskunft geben konnte, trat auf ihn zu nnd fragte höflich. Ivo die Verwaltung zu finden sei. „Ja", antworlete der Beamte,»unsere Verwaltung ist groß. WaS wollen Sic denn?" „Ach. ich... ich komme wegen Stellung". „So, so!" machte der Beamte freundlich:„Sie. sind gewiß Monteur oder so ivaS..■.. Na, das sah ich Ihnen gleich an.... Da kann ich Sic gleich au die rechte Schmiede bringen.... Drüben, im Gasthof zur Hütte, da sitzt der Schichtmeister.... Sehn Sie, da, am dritten Fenster. Oh. der kann viel machen... ja, der I" Ganz geheimnisvoll und voll Ehrfurcht sprach er von dem Schicht- mcisler. lind der Monteur war froh, solch Glück zu haben. Er ging rnit dein Beamten hinüber nach dein Gasthof. Unterwegs meinte der, immer noch in demselben ehrerbietigen Ton: „Ja. wenn Sie sich init dem verständigen können, wen» Sie sich mit dem gut stehen— das ist viel wert. Wenden Sie sich nur au den, der wird Ihnen ganz gewiß niitzlich sein können, der hat ein gutes Herz! Sehn Sie, das ist ja heutzutage die Hauptsache, daß man sich mit den Untcrbeaniten gut steht. Das sind ja die eigent- lichen Vorgesetzten. WaS die znnl Direktor oder zum Sekretär sagen, gilt ja doch immer. Das ivciß ich aus eigener Erfahrung. Ich tun Lagcrmcistcr— na, und wenn ichs richtig schiebe, gehts ja doch nach»reinem Willen. Ja, mit den llnterbeamten müfseu Sic cS hälteu. Die bedeuten in den Fabriken gerade so viel wie die Unteroffiziere und Feldtvebel bciin Kommiß. Die sind ausschlag- gebend— maßgebend I" Der Monteur wurde ganz warin: da würde er wohl bald Ivicder Stellung nnd Verdienst haben und brauchte nicht so lange Herinn- zulagfen. Er trat hinter dem Lagermcisler iir die Gaststube. Der führte ihn gleich au den Tisch, wo der Schichtmeister saß, ein kleiner Manu mit etwas aufgeblasenem, prahlerischem Gesicht. Der Lager- »icislcr begrüßte ihn niid rief noch ein paar entfernter sitzende Mäuuer heran, die iir ihrer halb modischen, halb vernachlässigten Kleidung und mit den lcichtsiunig-verschlagcncn Gesichtern den Ein- druck von Agenten machte».. „Nicht Ivahr, Sie trinken doch Kognak?" fragte er dann den Monteur. Der wagte nicht„Nein!" zu sagen, trotzdem er noch nichts Ordentliches im Magen hatte.„Fünf Kognaks!" rief sofort der Lagermcistcr. Und bald bestellte er noch eine Lage Bier— und wieder Schnäpse. Die Agenten witzelten nnd behandelten die beiden Beamten mit gezierter Achtung. Der Monteur ivar ganz glücklich, daß die Beamten so freundschaftlich wohlwollend zu ihm waren. Er erschrak wohl, als die Zeche so anwuchs. Aber wenn jetzt auch sei» letztes Geld drauf ging— die Hauptsache war, daß er Stellung bckain. So zahlte er denn, als die Beamten ausstanden, sie selbst machten auch gar keine Miene, für sich selbst zu zahlen. AIS er nun neben dem Schichtmeister über den Platz auf daS Werk zuging, war es ihm, als habe er die Anstellung schon in der Tasche...„Na," meinte der Schichtmeister,„das ist selbstverständlich, daß Sie angestellt iverden. Wenn ich es besorge... ich muß mal sehn.. mal Mit dem Sekretär sprechen.. oder mit dein Portier.. Man kann ja auch nicht alle? durchsetzen. Am besten ist's, Sie gehen mal selbst zum Sekretär! Da drüben ist die Verwaltung!" Und rasch verschwand er hinter dein Zaun, der das Werk umgab.-- kg. Wie sah Shakespeare ans? Es giebt eine große Zahl von Porträts Shakespeares, aber es sind nicht zwei darunter, die einander völlig entsprächen. Im Oltobcrhcft von„Caffcls Maga- zine" widmet I. Munro dieser merkivürdigen Thatsnche eine ein« gehende Studie. Dasjenige von den Shakcspcarcporträls. das am ehesten authentisch scheint, ist die Büste, besser der Torso, der in einer Nische der Kirche in Stratford- on- Avon errichtet ist. Die Familie hat die Büste zwischen IllUZ und 1023 von Gerard(oder Gerald) Johnson, einem m London wohnenden Holländer, der Grab- dcukniäler ausführte, oder von dessen Sohn und Nachfolger au- fertigen lassen. Einer Traditition zufolge soll dieser sich einer von Dr. John Hall, dem Schwiegersohn des Dichters, angefertigten Totenmaske bedient haben. Die Arbeit ist übertrieben polychroin; der Dargestellte hat kastanienbraune Haar-, braune Augen, einen rötliche» Bart, ein scharlachrotes Wams, das sich über einer schtvarzen Weste öffnet, ivciße Kragen und Manschetten. Vor dem Dichter be« findet sich ein Kissen, dessen Oberseite grün und dessen Unterseite karmesinrot ist,»lit zwei großen goldenen Eicheln. Die Perspektive ist so gut beobachtet, daß es genau so aussieht, als ob der Torso auf das Kissen gesetzt iväre. Der Dichter ist dargestellt, ivic er eine Feder und ein Blatt in der Hand hält, scheinbar in Er- Wartung der Inspiration. Das Gesicht ist rund, pausbäckig und hat ein Doppelkinn. Die Augen und die Nase sind verhältnismäßig klein, die Lippen ivie.die eines Schlemmers, der Hals kurz und dick, das Aussehen etwa das eines Fallstaff— gcivöhnlich. stumpf. Munro meint, wenn dieses Bild wirklich ähnlich wäre, könne Shakespeare unmöglich der Verfasser der Dramen, d«r große Dichter sei». Eine andere' Büste, die man im Theater in Stratford auf- betvnhrt, ist gleichzeitig mit der von Ben Jonson im Schutt des Dnke-ThearcrS in London gefunden worden. Es war bekannt, daß Sir William Davenant, als er 1002 dieses Schauspielhaus errichten ließ, an der Fassade diese beiden Bildnisse anbringen ließ. Hier sieht man ein längliches Gesicht mit eingefallenen Backen und einer ungeheuren Adlernase. Die einzige Aehnlichlcit mit der Büste' in der Kirche sind die dicken Lippen. Die erste vollständige Folio- Ausgabe der Werke Shakespeares lvurde sieben Jahre nach seinem Tode, 1023, veröffentlicht. Sic hatte als Titelblatt ein von dem Holländer Martin DroeShont gestochenes Bild. daS von allen Freunden des Dichters für voll- lommen erklärt wurde. Der Kopf ist noch länglicher, als bei der Theaterbüsle, aber die Backen sind aufgedunsen, ivie bei der Büste in der Kirche. Der Mund ist fast klein. DaS in der National Gallery bcivahrte Porträt scheint nicht uichr authentisch als die drei beschriebenen zu sein. ES soll nach dem Leben von Richard Bnrbage gemall sein, der es dem Schauspieler John Taylor schenkte. Taylor vermachte cS Sir William Davenant nnd dieser wieder dem Herzog von EhandoS. Daö Gesicht ist länglich, die Lippen dick, die Backen gewöhnlich, die Nase gerade und die Augen sehr groß. Es giebt noch ein Dutzend ebenso„anthentischer" Bilder Shakespeares.— Musik. „Sinfonische Dichtungen' sind in der letzten Feit ein beliebter und noch immer vom Kampf der Meinungen umstrittener Gegen- stand unserer größeren Konzerte. ES handelt sich hier um die so- genannte Programm-Musik, d. i. kurz um musikalische Darstellung, sei es von Vorgängen oder von Zuständen, sei es von etwas in der Außcnivelt oder von etivas im seelischen Innern; nur daß die „sinfonische Dichtung" erstens noch eine mehr oder minder merkliche Achnlichkcit mit der Form der Sinfonie hat(am wenigsten »och bei Liszt) nnd zweitens sich mehr a» poetische als an natürliche Gegenstände hält. Die Progranml-Mustk überhaupt reicht wenigstens ins 10. Jahrhundert zurück; ans dieser Zeit sind unter anderen einige musikalische„Schlachten" erhalten. In der ersten Zeit »nscrcr großen Klassikerperiode, im 18. Jahrhundert, ivarcn mnsika» lischc„Darstellungen" eine gebräuchlichere Sache, als es uns zu- nächst scheinen mochte; indessen dürfte dabei einerseits die Wieder- gäbe von Aenßcrlichem bevorzugt und andererseits der Charakter einer gefälligen Spielerei, entsprechend jener Zeit, hänfig nicht ganz ver- mieden gewesen sein. Die sinfonische Dichtung, als solche ab- gegrenzt, reicht wohl nicht über BeUioz(1803—1869) zurück und scheint in ihrer weiteren Entfaltung immer noch mehr der Dar- stellung eines Inneren, eines Phantasiereiches, eines musikalischen Traumes, zuzustreben. Solche Traumbilder wurde»»ins in der letzten Zeit mehrere vorgeführt, unter ihnen die.Scheherazade' des Russe» Binisky-Korsakoff. Eine ähnliche Schöpfung ist min sein(biersätziger)„St n t n r", den man in Rusiland längst schon liebt, der in Deutschland zuerst 1881 in Magdeburg und zuletzt in Dresden bekannt geworden ist und nun gestern in Weingartners zweitem Sinfonie-Konzert die Hanptnnmmer bildete. Gegenstand: ein arabischer Dichter mit seinen Traumerlebnisieu von Feenleben, von Rache, Macht»nd Liebe. Kompositionsweise: zahl- reiche Themen von längcrem Atem, als sonst häufig in dieser Modenre üblich ist, und von interessanter Gegensätzlichkeit der langgehaltenen, schwermütigen Töne(zumal im eigentlichen Antannoti'v) und der zazellenhast, amoroS»nd festlich dahinfliegenden Tonketten. Ver- irbeitung: die lcitmotivische, mit kleinen Veränderungen. Grund- -timmuiig: eine zarte, weiche Schmicgsamkeit. Der Gesamteindruck war weniger der des Hinreigcnden und mehr der des Künstlichen als dei anderen derartigen Werken; die Ausführung in der öffentlichen Probe scheint dazu beigetragen zu haben, und der Erfolg war hier eine auffällige Gleichgültigkeit des Publikums. Einige bekannte Werke von Liszt, Smeiana und Schumann bildeten das übrige Pro- gramm.— Und wo bleiben neben jenen nns immer wieder vor- gesetzten Ausländern(zumal Russen imd Franzosen) unsere ihnen nicht eben imterlegcnen heimischen Kräfte. die epigonische» wie die modernen? l— sz. Kulturgeschichtliches. — Zwei eigenartige altostfriesische Gesetzes Vorschriften find die folgenden. Die eine aus dem Jahre 1650 stammende lautet: „Nachdem wir in Erfahnmg gebracht, dah dos Schlafen in den Kirchen allzusehr überhaud nimmt, verordnen wir allergnädigst. daß in jeder Gemeinde einige Männer aufgestellt werden, welche in der Kirche umhergehen und mit einer lange» Klatsche die Leute auf den Kopf schlagen, welche schlafen, und auf diese Weise die Kirchgänger wach erhalten, damit fie fleißiger auf die Predigt hören." Unter- schrieben ist diese Verordnung von dem regierenden Fürsten. Ii» 15. Jahrhundert standen in Ostfriesland auf Thätlichkeiten fast nur Geldstrafen, und zwar muhte bezahlt werden: Für einen bösen Schlag auf den Kopf 1 M. nach heutigem Beide, für«in aus- geschlagenes Auge ei» halbes Mannsgeld(etwa 20 M.), für eine zerschlagene Rase 9.50 M.. für einen Zahn 9 M.. für einen Finger 7 M.; der Totschlag eines Predigers oder Küsters kostete 60 M.— , Bergbau. c. Türkisen-Berg werke im alten Mexiko. Bei Nachforschungen nach Türkisen im Türkisenberg in Mohäre County im heutigen Arizona hat man nach einem Bericht des„American Antignanan" die interessante Entdeckung gemacht, dah dort schon in den frühesten Zeiten Türkisen iin Bergbau gewonnen umrde». In den Felsen dieier Gegend finde» sich diese geschätzten und allgemein von den Ureinwohnern Mexikos und von den Azteken gebrauchten Edelsteine sehr zahlreich. In dem Berg sind Terrasse» auSgehanen. auf denen die alten Bergleute arbeitete». Bei der» Ans- grabungen fand A. B. Frenze! aus New-York eine Grube und eine Anzahl Steiuhämmer und Schlägel. Die Grube ist aber nicht nur dadurch hergestellt worden, dah man de» Felsen mit Werkzeugen bearbeitete, sondern auch durch Anwendung von Feuer. Die gefundene» Steiuhämmer und Sckilägel variierten in ihrer Gröhe von 4— 10 Zoll und hatten«in Gewicht von 4 bis 15 Pfimd; die Menschen, die sie gebrauchten, müssen also ziemlich kräftig gewesen sein. Alle Geräte zeigen, dah sie viel bc- nutzt wurden und nur wenige sind in tadellosem Zustande, ganze Scbichten de» Stein» find an beiden Seiten abgesplittert. Ein anderer Ort in Arizona, der Türkisen enthält und Spuren von Ar- beiten der Ureniloohncr auflveist, ist Cochise Eounty am östliche» Abhang der Dragoon Mountains. Das ausgedehnteste Lager findet sich in Las Cerrillos, nicht weit von Santa Fs, das zur Zeit der Azteken der Hauptfundort für diesen Edelstein gewesen zu sein scheint. Im Jahre 1630 soll ein großer Teil des Berges eingestürzt sein und viele Bergleute begraben haben. Die neueren Ausgrabungen haben hier Höhlen und von den alten Einwohnern hergestellte unterirdische Räume aufgedeckt. 8t einem dieser Räume fand man einen Steinhaimner von eine,» «wicht von 13�/«) Pfnnd. Auch in dein Tafelland Anahuae wurde» Türkisen gefunden.' Die ehemaligen Bewohner dieser Gegenden schätzten den Türkis sehr hoch, wie aus der Erzählung von Bernal Diaz und den Berichten der Eoronado-Expedition, die von 1540—42 von Mexiko nordwärts nach Eibola ging, hervorgeht. Er wurde als Körperschmuck verwendet und bildete ein HandclSobjekt zwischen den verschiedenen Stämmen. Auch die Portale der Häuser der Haupt» linge wurden mit Türkisen geschiuückt. Der Mönch Marcos de Niza traf auf seinem Wege nach Elbola Sonora-Jndiancr. die Türkisen in Nasen und Ohren hatten mid deren Gürtel mit solchen Steinen besetzt waren. In eineni Dorf trugen die Häuptlinge Halsbänder von Türkisen. Auch den Göttern wurden sie als Opfer dargebracht, und die Frauen trugen Armbänder von Türkisen. Wo die Steine jedoch gefunden wurden, wird in den Berichten. wahrscheinlich absichtlich, nicht erwähnt. Den Anhängern Monicznmas waren die Türkisen- Bergwerke heilig. Teile von Halsketten und Gehäuge in Form kleiner, länglicher Kügelchen sind in der Erde ge- filnden ivorden. Im Salt River Valley fand sich unter anderem eine Muschel, die mit einer schöne» Mosaik von würfelförmigen Türlissteinen ausgelegt war. Im Britische» Museum in London ve- findet sich ein menschlicher Schädel, der mit einer ähnlichen Mosaik ausgelegt ist und wahrscheinlich auch ans dem allen Mexiko stammt. Der Gebrauch und die hohe Wertschätzung der Türkisen läßt sich in jenen frühen Zeiten vom nördliche» Arizona bis zum alten Mexiko südwärts und»och darüber hinaus feststellen. Die weite geographische Verteilung der Fundorte macht dies erklärlich.— Technisches. — Sehr bemerkenswerte Beobachtungen hat man nach der „Voss. Ztg." in der Berliner P o rz e l t a n m a» n f a kt>« r ge- macht. Sic betreffen de» Hitzegrad, der für die Herstclliing des Hart- Porzellans im sogenannlen Scharffcuer erforderlich ist. Man hatte früher angenommen, daß dieser Hitzegrad criva 2000 Grad bc- trage, ist aber dann dahinter gekommen, dag er noch unter der Platinschmelze, also unter 1740 Grad liegt. Auch in diesem Falle zeigt sich wieder, wie notwendig es ivar, daß die Technische Reichs- ansialt in Charlottenburg die Herstellniig von geeignete» Thermo- Metern für die genaue Messung hoher Temperaturen, wie sie im Hüttenbetriebc, im keramischen Betriebe und in vielen anderen Zweigen der Industrie vorkomme», in die Hand gcnoinincn hat. Das Er- gebnis in der Porzellannianufaktur ist selbstverständlich für die Fabrikation»nd Dekoration von Hartporzella» von hoher Wichtigkeit. Sehr wahrscheinlich wird es mit der Zeit möglich werde», den Kreis der Unterglasurfarben für reines Hartporzellan, der sich bisher nur auf Kobaltblau beschränkt, zu erweitern. Nicht unerwünscht ist die Thatsache, daß Kobalt seit diesem Sommer in nicht zu weiter Eut« ferinmg von Berlin in ziemlich beträchtlicher Menge»nd in guter Qualität gesunde» wird,»nd zwar bei Bad Liebenstei» i» Thüringen. Das Metall, ans dessen Oxyden die Koballfarbc» dargestellt werden, kommt dort in Verbindung mit Kupfererzen bor.— Humoristisches. — Gute Auskunft. T o u r i st:„Du Kleiner, wo kann man denn im Dorfe am besten speise»?* Bauern bub: ,Sio' allioei' beim Herrn Pfarrer."— _— See nudärdah n-Gedanken. Wartender:„Da —- jetzt Ivird endlich das Einfahrtssignal gezogen. Wen» ich das sehe, überkommt mich immer ei» ganz eigenes Gefühl. So>»»!; dem KoluinbnS»ms Herz gewesen lein, als er das erste Treibholz von der Küste Amerikas erblickte."— — Kathederblüte. Professor:.... Vom hygienischen Standyimlt anS betrachtet, hat auch die idealste Kuhmilch ihre zwei Seiten, so lange sie nicht gekocht ist."— („Meggend. hum. Bl.") Notizen. — Als nächste Novität des Berliner S ch a n s p i c l h a n s e S wird wahrscheinlich gegen Ende dieses Monat» Paul Lindaus neues Lustspiel„Der Herr im Hanse" in Scenc gehen. Im November folgt. S chla r a f f e u l a n d" von Ludwig Fulda.— — Klara ViebigS satirische Komodie„Pharisäer" hat bei der Erstaufsührmig im Bremer Stadt-Thcalcr Erfolg gehabt.— — Eine neue Operette„Der Wahrheit? m und" von dem Dresdener Komponisten Heinrich Platzbccker errang im Alte» Theater zu Leipzig einen starken Erfolg.— — Die„Gedichte" der Johanna Ambrosius find bereits in der 37. Auslage erschieueu I— — Eine Auswahl von MnktatnIiS Werken, die Wilhelm S p o h r besorgt hat, ist bei BnmS in Minden erschienen.— — Eine Biographie von Thomas H u x I e h, die von seinem Sohn verfaßt ist. wird nach einer Mitteilung des„Litt. Echo" im Herbst bei Macmillan erscheinen.— — In Mailand ist eine Subskription für ein S e g a n t i n i- Denkmal eröffnet, das auf dem Friedhof von M a l o j a errichtet werden soll.— — Der V e r n e r Zunftgesellschaft zum„Affen" wurde für ihre zwei schönsten Z n n f t b e ch e r ein auf 100000 Fr. lautendes Angebot von einer Firma in Frankfurt a. M. gemacht; es wurde aber zurückgewiesen.— Veianiwortlicher Revacieur: Robert Ichuiidt tu Berlin. Druck uns Benag von Dtax Vading in Berti».