Zlntcrhaltungsblalt des vorwärts Nr. 214. Mittwoch, den 1. November. 1899 HannÄ. (Nachdruck verboten.) 231 Roman von Peter Eg�e. Autorisierte Uebersetzung miZ dem NoUvegischen von Adele Neustädter. Solihe sprang auf. Sie hatte ja das Kind... Sie dürste sich nicht toten. Sie hatte ja diesen Gedanken zuvor gepdist, in alten Tagen. damals, als sie die Gewissensbisse, die Neue am meisten plagten ... nicht seit sie seine Frau geworden... Nein, das war nicht möglich... O, arnre Hanna, wie schlimni erging es ihr!... Jetzt ging sie zu Hause herum, und prüfte Zug um Zug sein seltsames Beuehnien, und überzeugte sich, daß er ihr Verbrechen kannte, daß er zu feige war. mu offen gegen sie zu sein, zu kalt und egoistisch,»um ihr zu helfen und sie zu trösten... War er es denn? O nein, nein, nur ein Mensch, der so furchtbar litt, dag er that, was er am wenigsten wollte... Drei, vier Meter unter ihm schlug das Meer lange, ruhige Wellen die Steinmauer hinauf. Er sah lauge hinab, ehe er ziw Stadt hinausging. Er war so müde, und es klopfte ihm im Kopfe. Aber er wußte nicht, wo er jetzt hingehen sollte. Als er in eine der kleinen Straßen kam, sah er ein Hotclschild. Er zog die Thürklingel. Ein Mädchen öffnete. „Kann ich heute hier wohnen?" „Nur heute?" „Vielleicht auch die Nacht t" Sie ließ ihn ein, folgte ihm in sein oberes Zimmer, das nach den Speichern und der See lag. „Ich möchte sofort schlafen." „Wünschen Sie nicht zu esien?" „Nein, vielleicht etwas zu trinken. I. Cognac.' DaS Mädchen ging und er legte sich. Er war feige... O, wie feige er war... Ucbrigcns war es ganz gut, daß er nachmittags fort war. Er sowohl wie sie konnte nachdenken, was zu thun war; denn es mußte abgerechnet werden. O. es war Feigheit, er sagte es auch... Feigheit! Er hatte das Ilirglück von Beginn an falsch angefaßt. Das Ganze hätte anders zwischen ihnen ablaufen müssen, wenn er dieses venvünschte Grübeln nicht fortgesetzt, sondern offen mit ihr gesprochen hätte. Heute abv.id ging er nach Hailse. Heute abend, lind es mußte allcS klar werden. Wenn er jetzt nur etwas schlafen könnte. DaS Mädchen kam mit dem Cognac. Er trank ein paar Gläser und lag lauge und wartete aiif den Schlaf, bis er eindnselte. Er hörte jeden Laut in der Nähe: ein Mädchen, das Treppen und Korridor auf und ab ging, eine Droschke, die durch die Straßen rasselte an dem stillen Karfreitag- nachmittag. Er hörte sogar die Taschenuhr, die hüllen aus den» Tische lag. ticken, ticken ganze Stunden hindurch.-- Gegen sechs Uhr abends trat NechtSairwalt Hjelm in die W-hnstube ans Lövlvall. Hanna saß am Fenster und blickte hinaus. „Gnicn Abend, Frau Holthc, Sie sitzen hier allein in der Dämmerung?" „Ja, Johannes ist draußen." „Ich kam direkt herein. Ich traf niemand." „Ja. Martha ist bei Erik." Tie Stimme klang leise und monoton. Es entstand eine Pause. Hjelm wußte nicht, ob er willkommen fei. Wollte sie vielleicht zeigen, daß sie ihm noch zürne? „Johannes ist nicht zu Haufe, aber wollen Sie sich nicht fetzen und ein GlaS Wein trinken?" Hjelm wurde sofort nintiger. „Danke, Frail Holthe... Ein stiller Becher in der stillen Woche.. Sie stand langsam auf und ging hinaus, er setzte sich aufs Sofa. Bald kam sie mit einer Flasche Chanrpagner und zwei Gläsern, die auf einem Theebrett standen, herein und setzte sich ihm gegenüber, ans die andere Seite des Tisches. Sie kehrte den Rücken gegen das Fenster. „Wollen Sie öffnen?" „Das ist meine Specialität," antwortete Hjelm und griff nach der Flasche. „Sollen»vir keine Beleuchtung haben? Es ist hier etwas dmrkel." „Wenn es Ihnen nicht allzu unangenehm ist.» „Gott bewahre, Frau Holthe..." Vielleicht war er doch nicht willkommen... Die Stimme klang so seltsam. Nun wollte sie kein Licht haben...»Kr konnte keinen Schimmer ihres Gesichtes wabrnchmen. Wollte sie vielleicht eine kleine Abrechnung vornehmen wegen des Zusammenstoßes am Mittwoch? Sie goß ein und trank das Glas ganz aus. füllte es aufs neue und trank die Hälfte. „Prachtvoll I... Waren Sie heute in der Stadt, Frau Holthe?" „Fa. Sie „Allein?" „Ja." „Ist Holthe schon lange ausgegangen?" „Ja." „Er macht vielleicht einen Spaziergang?" .Ja-" Daß sie so sprach! Was beabsichtigte sie damit? dachte doch wohl an eine kleine Abrechnung.., Sie stand ans. „Entschuldigen Sie nur einen Augenblick." Dann ging sie hinaus, kam jedoch bald wieder mit Cognac in einer kleinen Karaffe und nnt einem großen Glas zurück. „Nun können Sie sich Königpjolter machen." „Danke. Frau Holthc." Sie tranken beide, sie am meisten. Hin und wieder goß sie einige Tropfen Cognac in ihren Chancpagner. Nach einer Weile sagte sie: „Haben Sie daran gedacht, etwas für Ihre Frau zu thun, Hjelm?" „Etwas für meine Frau thun?" Er wurde plötzlich ganz unsicher. „Ja. Es ist für nüch eine Enttäuschung, daß sie sich in ein solches Leben hineinfindet. Sie hat mich enttäuscht. Sie lieben sie sicher nicht mehr. Sie lieben ja mich. Aber trotzdem könnten Sie versuchen, ihr zu helfen, glücklicher zu leben, als Sie es jetzt thnu. Sie können es ja meinetwillen thun. Nicht wahr?" Hjelm antwortete nicht sofort. Hielt sie ihn zum besten, oder? Er sprach verwirrt, suchte nach Worten: „Ich verstehe nicht.... Ich habe nie darüber nach- gedacht. Sehen Sie, meine Frau paßt nicht für mich. Sie sollte in einem kleinen Pfarrhaus in einem verborgenen Kirch- spiel wohnen. Sie kann mir nicht im Kampfe gegeil Vorurteile und Dummheit helfen." „O nein, sie kann es wohl nicht." Hjelm griff langsam nach ihrer Hand, die auf dem Tische lag; aber sie zog sie zurück. „Aber glauben Sie nicht, daß Sie es Ihrer Frau schuldig sind, etwas für sie zu thun... für das viele Geld, das sie Ihnen gebracht hat?" Hjelm fuhr zusammen und zog sich in die Sofa-Ecke zurück. „Falls Sie nüch zum Bleiben aufforderten, um mich zu beleidigen, so hätten Sie es mir sofort sagen sollen." Sie sagte mit derselben leisen, monotonen Stimme: „Falls Guuda und ich glücklich würden, wenn Sie sich scheiden ließen.. Hjelm fuhr zurück und stieß ein„Nein" hervor. Nur das eine Wort. „So könnten Sie mit mir fortlaufen l" Hjelm sprang aus. „Haben Sie den Verstand verloren?" Er blickte wie ein Wahnsinniger zu ihr hin. I.. Es war ihm möglich, das Gesicht deutlich zu sehen. Die schwache Beleuchtung des Fensters fiel auf ihren Rücken. Sie lachte ein leises, häßliches Lachen und sagte dann ebenso ruhig wie zuvor: „Ich habe nie eine große Meimmg von Ihnen gehabt. Hjelm, aber Sic haben mich dennoch entiänscht... Wissen Sie, ich lebte mehrere Jahre ohne einen Freund, ohne einen Menschen, zu deni ich aufrichtig sprechen konnte. Aber später wurde es anders. Ich bin in den letzten sieben, acht Jahren immer offener geworden, und darin habe ich thöricht ge- handelt! denn alle, alle Menschen enttäuschen— jedenfalls mich. Ich bin wohl jedenfalls auch eine Enttäuschung... für Sie zum Beispiel. Nun will ich mich wieder in mich selbst verschliefen und alle aussperren... auch Ihre Frau und meinen Mann. In einigen Jahren schließe ich vielleicht auch mein Kind aus. Bei solch' eineni Leben fühlt man sich leer, wenig glücklich; aber man wird nicht getäuscht... Sie brauchen nicht mehr herzukommen..." Sie legte sich zurück und schöpfte Atem. Hjelm ging zur Thüre. »Sie müssen krank sein, oder vielleicht haben Sie zu viel getrunken." Sie lag mit geschlossenen Augen, antwortete nicht, und Hjelm ging. Die Brust arbeitete mühsam, und die Atemzüge bebten hörbar. Hanna drückte den Nacken in den weichen Lehnstuhl und blieb lauge so sitzen. Die Augen blieben geschlossen.-- Gegen sieben Uhr verließ Holthe das Hotel und ging schnell nach Hause. Er mußte seinen Fehler wieder gut machen. Er ivollte sie sofort davon überzeugen, wie tiefer dieschrccklichen Worte bereute, und wicer bereute, daß er sie verlassen hatte. Wie hatte'er das nur thun können!... Jetzt war es mit dem Grübeln vorbei. Er wußte Bescheid. Er mußte nun wie ein Mann handeln, das Unglück vereint mit ihr tragen...„Hanna, ich liebe Dich und den Knaben so sehr!..." Wie hatte sie wohl den Tag verbracht... Er fühlte, daß sein ganzer Körper heiß wurde und be- schleunigte unwillkürlich seine Schritte. Daß sie den Verstand nicht verloren hatte! Sie mußte entsetzlich verzweifelt sein... Aber wenn sie zu Hause war, wenn sie Ivirklich auf das hörte, was er zur Entschuldigung, Erklärung sagte, dann...„Liebling, einzige Hanna, Du verstehst nicht, wie so etwas selbst den stärksten, mutigsten Mann niederwerfen kann. In solch einer unerwarteten Eni- deckung liegt ein Schrecknis... Ich begreife wohl, daß Du ebenso gut und recht denkend wie früher bist. Ich habe nie wirklich daran gezweifelt... Der Schmerz ging mit mir durch... Das Verbrechen übergehe ich... mich empört nur das Verschweigen... daß Du nie bekannt hast... O Hanna, so bin ich einmal. Ich kann es nicht ändern...." Er warf Hut und Nock auf einen Riegel im Entrce und öffnete die Thüre schnell und leise. In der Wohnstube wars dunkel. Er blieb etwas erstaunt stehen. Die schwache Be> leuchtung der Fenster war nicht so stark, daß er sofort die Gegenstände unterscheiden konnte. „Ist jemand hier?" Keine Antwort. Plötzlich hörte er hinten ani Fenster einen schweren Atemzug. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verlöten). Das Minv. Skizze von G. M a c a s y. Der alte Bainnaun stand am Fenster und blickte unverivaudt nach der Straßenecke rechts hinab, von Ivo die Warthe mit seinem vierjährigen Söhnchen Paul aus dem Kinderpark kommen mußte. Die Uhr von, nahen Kirchturm hatte schon lange fünf geschlagen, und bei jedcnr Schatten, der um die Ecke � bog, glaubte Baumann, die beiden Gestalten nahen sehen. Bon Zeit za Zeit blickte er auf die Uhr. Ms es viertel aus sechs schlug, wurde er unruhig. So lange er sich erinnern konnte, hatte es keine solche Unregelmäßigkeit gegeben. Mit dem Schlag der Uhr betraten sie sonst das Haus und gleich darauf konnte er sich in das Kaffeehavs zu seiner Spielpartie begeben. Aber viel- leicht hatten sie Bekannte getroffen oder sie waren mit anderen Kindern so in ein Spiel vertieft, �daß sie nicht auf die Zeit achteten. Erregt ging Baumann im Zimmer auf und nieder und stach, ohne darauf zu achten, mit seinem Spazicrstock in die Teppiche. Was nur Warthe dachte, daß sie ihn so in Unruhe versetzte I Sie wußte doch, daß ihm jedesmal gleich der Schreck in allen Gliedern lag. Wenn der Kleine im Winter nur ein wenig ge- hustet hatte, war er schon nicht von seiner Seite gewichen. Und er hatte wahrhaftig keine Lust,. zuzusehen, wie ihm viel- leicht sein letztes Kind wegstirbt, so, wie ihm die anderen alle und dann seine arme Helene weggestorben war. Während er so grollend vor sich hindachte, merkte er, daß eS zu dunkeln anfing. Es war sechs Uhr geworden. Run packte ihn die helle Angst.„Da ist etwas vorgefallen!" murmelte er und rannte auf und nieder. Immer wieder blieb er am Fenster stehen. Draußen wurden die Laternen angezündet und man konnte die Menschen auf der Straße kaum mehr erkennen. Baumann überlegte, was er thun solle. Vorstellungen von allerlei abenteuerlichen Unglücksfällen und die beklemmende Angst vor etwas Unbestimmtem verwirrten ihm den Kopf. Endlich hielt er es nicht länger in der Wohnung aus. Er verschloß alle Thüren und schlug die Richtung nach dem nahen Parke ein.- Allen Leuten starrte er ins Gesicht und zuckte einige Male freudig zusammen, wenn sich die Gestalt eines kleinen Knaben näherte. � So kam er bis zum Thor. Der Park war fast schon leer.„Das ist ja Wahnsin, so lange hier in der Nachtlust sitzen zu bleiben!" sagte er sich. Er durchschritt die Anlagen und gelangte auf den Spielplatz. Vier, fünf Kinder spielten noch in der Mitte des weiten Platzes und ans den Bänken saßen noch einige Mädchen. Auf den ersten Blick erkannte Baumann, daß Warthe mit Paul nicht dabei war. MutloS blieb er stehen und schaute zwischen den dünnen Stämmen der Kastanien durch in den dunkelnden Raum. Was sollte er nun beginnen? Nun war es ihm klar, daß irgend etwas Anßcrgcwvhn- lichcs geschehen sei... Doch plötzlich fiel ihm ein: wie. wenn sie heute einen anderen Weg genoinmen hätten? Das war schon öfters geschehen und der Kleine hatte ihm dann von den schönen Auslagen in der Stadt erzählt. Und während er hier steht, sind sie vielleicht längst zu Hanse. Hastig kehrte er um, gequält von trüber Furcht.und bangen Hoffnungen. Je näher er deni Hause kam, desto.mehr beschleunigte er seine Schritte. Keuchend stand er endlich an der Wohnungsthür im dritten Stock still und schöpfte Atem. Kein Geräusch drang ans dem Innern der Wohnung. Sie waren also noch nicht da.' Mit zitternden Händen und halb ohninächtig vor Angst öffnete Baumann die Thüre und trat in das dunkle Vorzimmer. Ein schwaches Geräusch kam aus der Küche. Hastig riß Bau- mann die Thüre auf: da stand Warthe vor ihm. „Ja, was soll denn das heißen?" rief Baumann aufbrausend. „Wo ist denn..." Nun erst fiel ihm die starre Haltung der alten Magd auf. „Wo ist denn Paul?" fragte er langsam und kleinlaut. „Der ist weg..." erwiderte Warthe. „Weg!...'Was?..." „Weg ist er. Verschwunden.. „Paul ist..." „Ja I Ich war schon bei der Polizei und überall. Er ist tvcg..." „Das ist aber doch.. stotterte Baumann.,... Das ist ja... gar..." Plötzlich kam die Wut über ihn und er schrie mit heiserer Stimme: „Natürlich! Hat man jemals so etwas gehört. Sie... Sie alte Hexe... was haben Sie denn niit dem Kind gethan? He? Was?..." Er stampfte mit beiden Füßen auf den Boden und schüttelte die geballten Fäuste vor MartheS Gesicht, während er kreischte: „Wo Paul ist, will ich wiffcn. Wo mein Kind ist, will ich wissen. Mein Kind, mein einziges Kind!" Dann wurde er plötzlich still. Die Thräncn kamen ihm herab, er lehnte sich erschöpft au den Kochherd und sagte mit zitternder Stimme: „Er kann doch nicht nur so davon gelaufen sein? I" „Nein," erwiderte Warthe tonlos.„Er ist gestohlen worden." Bainnaun starrte sie verständnislos an. „Gestohlen?..." Warthe nickte. Dann erzählte sie, langsam, stotternd und oft von Schluchzen unterbrochen: Sie seien wie alle Tage auf dem Spielplatz gesessen und wie alle Tage sei die schöne schwarzgekleidete Dame gekommen, die Paul so gerne hat und ihm häufig Bonbons und Backwerk mitbrachte. Manchmal hätte sie sogar mit ihn, gespielt und er sei ihr nach- gelaufen, um sie zu fangen. Auch heule sei sie gekommen und lange bei ihnen gewesen. Und dann hätte Paul gesagt, er wolle sie bis zum Thor begleiten. Warum hätte sie das nicht erlauben sollen? Sie konnte ihn doch das kleine Stück Weg in, Auge behalten. Und so hätte sie ihnen nachgeschaut, wie sie langsam Hand in Hand zum Thor gingen. Da sei das Entsetzliche geschehen. Ehe sie noch Zeit gehabt' halte, zu nlscn oder aufzuspringen, sei die Dame mit Paul in einen Wagen gestiegen, der schon vor dem Thor gestanden, und davon gefahren.' Bis sie zun, Thor stürzte, sei von dem Wagen weit und breit schon nichts mehr zu sehen gewesen. Die Leute hätten ihr suchen geholfen, und alle Wachstuben hätte sie alarmiert.... Sobald man etwas finde, werde er benachrichtigt Iverden. Dann schlvieg sie, setzte sich auf den niedrigen Schemel neben dem Herd und weinte still in ihre Schürze hinein. Baumann ging umher und stöhnte und sagte ohne Unterlaß: „Mein Gott, mein Gott I Am helllichten Tage wird mir mein Kind gestohlen!" Dann fragte er Warthe aus, und sie mußte ihn, immer wieder erzählen, wie alles vor sich gegangen, in welche Richtung der Wagen gefahren, wie die Schwarzgekleidete ausgesehen und was sie sonst ge- sprochen habe. Marths zündete ein Licht an und begann stets von neuem ihren trübseligen Bericht. Plötzlich sagte Vaumann: „Geben Sie ans die Wohnung acht und bleiben Sie auf: falls etwas von der Polizei kommrl" „Wo wollen Sie denn hin, Herr Baumann?' „Fort! Suchen!" „Jetzt bei der Nacht?" „Soll ich warten, bis man mir mein Kind vielleicht ans der Stadt fortschleppt?" schrie er. Dann entfernte er sich. Die Straßen waren schon leer, alle Gewölbe geschlosien. Banmann irrte kreuz und quer durch� die Stadt. Er ging in die Bahnhofshallen, durch die Restaurants, in die Wachstuben. Alle Menschen fragte er, ob sie keine schwarzgekleidete Dame mit einem kleinen Knaben gesehen hätten. Viele blickten ihm dann kopfschüttelnd nach und hielten ihn für irrsinnig. Immer weiter lief er, über eine Brücke am Donaukanal, und kam plötzlich in die lange Prater-Allce. Als er um sich blickte und keine Häuser mehr sah, kehrte er um. In der Stadt wurden die letzten Schenken und Kaffeehäuser geschlossen. Einige Betrunkene trieben sich noch durch die dunklen Straßen. Er wußte schon längst nicht mehr, wo er sich befinde und was er eigentlich wolle. Nur manchmal blieb er stehen, besann sich und schrie plötzlich wie ei» Verzweifelter:„Pauli" Eine Weile horchte er, dann setzte er seinen Weg wieder fort— planlos von Straße zn Straße. So verging die Nacht. Als das erste fahle Frührot in die stillen Straßen schimmerte. machte er sich aus den Heimweg. Mühsam hielt er sich noch auf- recht, mühsam stieg er die steile Treppe hinauf. Als er sein Zimmer erreicht hatte, brach er erschöpft zusammen. (Schluß folgt.) Kleines Feuillckon. an. Von den Wundern einer IZstiindigcn Ballonfahrt bc- richtete Hermite, der bekannte französische Luftschiffer, vor der Pariser Akademie der Wisseuschasten. Er stieg am 16. September mit einem Begleiter gegen Ve? Uhr abends von den Gaswerken von St. Denis auf, erreichte eine Höhe von 4700 Meter nud kam nach 15 Stunden und 8 Minuten in einer Entfernung von 655 Kilometer bei heftigem Sturme an der Rhoncmündung zur Erde. Der Ballon hatte einen Rauminhalt von 1950 Kubikmeter. Außer verschiedenen Juslrnmcnten und Apparaten war Ballast mitgcnonimen. der zum Teil in Papier bestand, nämlich in 10000 Fragebogen, die vorher in bcstiimnter Weise geordnet und numeriert waren und während der Fahrt in festgesetzten Zwischenräumen ausgestreut wurden. Viele dieser Frage- bogen lvurden nachher durch die Post a» Hennite eingesandt und haben sich dadurch als ein sehr lvcrtvolles Mittel erwiesen, um mit Genauigkeit die Flugrichtung des Ballons und seine Geschwindig- keit während der ganzen Fahrt und jedes einzelnen Teiles derselben genau festzustellen. Beim Aufstieg war der Himmel sehr belvölkt. Der Ballon flog beständig in südöstlicher Richtung und war von Wolken uingcben. Nur in leltcncn klaren Momenten wurde die Erdoberfläche sichtbar. Der Mondschein brachte einige merk- würdige Erscheinungen hervor, zunächst erschien den Luftreisenden gegeit 8 Uhr abends zur Linken und unter ihnen ein deutlicher Regenbogen, der aber keine Farbe zeigte; sodann ivurde nichnnals der Schatten des Ballons sichtbar, der sich von den Wolken ab- zeichnete und von einer kleinen, ebenfalls farblosen Aureole umgeben war. Die Feuchtigkeit nahm, dem allgemeinen Gesetz Ivider- sprechend, eine Zeit laug mit der Höhe zu und erreichte den Sättigungspnukt in 2800 Meter Höhe. In der größten erreichten Höhe von 4700 Meter zeigte das Thermometer kurz vor Eintritt der Morgcndäinnieruug 5 Grad über dem Gefrierpunkt. Während der Dämmerung nahni der Ballon eine Richtung gerade nach Süden ein,' die Schnelligkeit des neuen Luft- stromeS wuchs beständig und nahm schließlich den Charakter eines furchtbaren Stiirmes an. In 2500 Meter Höhe, etwas_ südlich von Chalons an der Saone, umhüllte eine Wolke in Gestalt eines Trichters den Ballon, um den sie sich wie in einem Wirbel herumdrehte, so daß sogar das Gleichgewicht deS Luftschiffes in bedenklicher Weise erschüttert ivurde, während man sonst bekanntlich im Ballon von der Bewegung der Luft nichts spürt. Der Ballon nmtzte in eine Art von Wirbelsturm geraten sein, der sich an der Grenze zweier Luftströmungen entwickelt hatte. Nach einer vorübergehenden Senkung stieg das Fahrzeug wieder in höhere Regionen und überholte die Wolke» in 3800 Meter Höhe. Nun gewahrte» die Luftschiffer das wunderbare Schauspiel eines Meeres von wellenförmigen Wolken unter sich, aus denen im Hinter- gründe die Hauptgipfcl' der Alpen hervorragten; der Mont Blaue diente lauge zur Orientierung. In 4100 Meter zog der Ballon durch eine Wolke von durchsichtigem Eis, ans mikroskopischen Krhstallen bestehend, die sich mit einem eigentümlichen System auf alle Teile des Ballons und auf seine Insassen nieder- setzten. Das Bild der Sonne wurde jetzt von dein Wolkcumeer wie von einem Spiegel blendend zurückgeworfen. Nunmehr ging die Reise über dem linken Nhone-llfer entlang, die Wolken lösten sich nach und nach über dem Fluffe auf und warfen sich, vom Sturm gejagt, auf das Gebirge. Unter den Luftschiffern öffnete sich nun ein Heller Abgrund, auf deffen Grunde die Ortschaften mit Blitzesschnelle vorüberzogen. Als das Meer am südlichen Horizont auftauchte, war keine Zeit mehr zn verlieren, und bei fortdauerndem Sturm und nach einigen fürchterlichen Stößen gelang schließlich die Landung in der Landschaft Crau, nur wenige Kilometer vom Meercsstrande ent- femt. Während der Fahrt wurden einige gute Photographien auf- genommen. Uebrigens hatte der Ballon gcnan die Richtung cinge- schlagen, die am Morgen der Abfahrt von dem meteorologischen Ceutralburenu als die wahrscheinlichste angegeben worden war.~ — Tie Gezcitcnwclle ans der Seine. Diese eigentümliche Erscheinung, von den Franzosen„Iv mascärst." genannt, wiederholt sich regelmäßig und läßt sich am besten zur Zeit der Hochflut während der Friihlingsäquiuokticn, beobachten. Von Havre aus wälzt sich in ungestümem Laufe mit kolossaler Geschwindigkeit die Welle die Seine'entlaug bis nach Ronen, wo sie dann schließlich verebbt. Nachdem sie ungefähr ein Drittel ihres Weges zurückgelegt, erscheint sie in ihrer ganzen Bewunderung und Schauer einflößenden Pracht bei Caudebec, wo wegen der reißenden Strömung, die die Seine dort hat, die Wasser der Flut außerordentlich hoch geschleudert werden. Schon mehrere Minuten, bevor die Flut wie ein scheu- gewordenes Pferd dahineilt, hört man das Donnern und Brausen der aufgeregten Wasser, und wenn sie vorbei ist, so ist das Niveau um ca. 18 Fuß gestiegen und noch lange wirbelt und rauscht das Wasser nach. Von Caudebec aus gehen ihr auch Dampfer entgegen, die auch, ohne irgendwie Schade» zu leiden, sie stromabwärts schneiden.—(„Mutter Erde".) Musik. Man könnte vermuten, daß in unserer Zeit der Modernitäten der musikalische Vortrag einen Zug des höchst Ausdrucksvollen, der Entfaltung individueller Gewalt, der scharfen und ticfdeutcudcn Acccnte zeige. Eine solche Möglichkeit liegt jetzt um so näher, als in den letzten Jahrzehnten zwei Männer in die geschichtliche Entwicklung jenes Vortrags eingegriffen haben, die beide das Herausarbeiten aller Bestandteile des Kunstwerks zu möglichst plastischen Gestalten als nächste Aufgabe des Vortrags hinstellten. Bülow that es praktisch, als Dirigent, und Riemann that es theoretisch, hauptsächlich in sciner Phrasierungslehrc. Sie haben beide nicht ganz vergebens gewirkt, zum Teil vielleicht sogar zu äußerlichen Befolgungen verleitet. Das elegante Drüberwegkommen, von dem aus der Zeit etwa Mendelssohns berichtet wird, ist wenigstens grundsätzlich überwunden; war ja doch auch Richard Wagners Dirigieren auf seinen unfreiwilligen Konzertreisen nicht vergeblich. Und minderwertige Künstler zerreißen, was ihnen unter. die Hände kommt. Allein im Gegensatz dazu scheint es uns, als thäten manche sonst vollwertige Künstler für heute doch gar zu wenig; es macht sich fast so, als sollte jetzt zu Gunsten eines an- geblichen Klassizismus wieder schön akademisch gesimpelt werden— nur um alles in der Welt keine mächtigen Acccnte, kein Hinab- steigen in geheimnisvolle Tiefen! Nicht an Mittelmäßigkeiten denken wir dabei, sondern an das, was vielen unserer besten' Künstler und Kllnstlergescllschaftcn nur eben zur Vollendung fehlt. In diesem Sinn äußerten ivir uns schon öfter; und zu gleicher Aeußerung mußten wir uns in den letzten Tagen entschließen, als wir sowohl eines der Qunrtettkouzcrte Waldemar Meyer, als auch den ersten Kammermnsikabcnd von Barth und den Seinen als auch den Klavierabend der Klothilde KIceberg hörten— alle drei „populär", was aber weder an der Spiclweiie noch am Populus etwas wesentliches änderte. Herr W. Meyer ist vielleicht noch der temperamentvollste von all diesen; aber seine Partner mitzureißen, dazu reicht auch seine Lebhaftigkeit nicht. O du Veilchen von der Viola, daß dn inmitten dieses Quartetts im Verborgenen blühst! Wer gut aufpaßt, hört von dir so viel, daß er weiß: das ist einer von denen, die„in dem Ganzen aufzugchn" glauben, wenn sie nichts wagen. Wie verschwandest du unter dem Cellisten— und wie wenig eiferte Hinwider der, als es z.V. im Andante usw. von Beethovens E-ckur-Quartett galt, zu zeigen, daß der Komponist hier just dem Cello das seinige gab! Eine Novität, die dort zu hören war, Josef Miroslav Webers(geb. 1854) gekröntes Quartett H-rnoll, ist jedenfalls eine sehrsolidcLcistung: demKoniponistenfälltmnnchesein, erverarbeitet gut, bringt nicht viel bloßes Füllsel und.wird im Finale originell; iiur daß ein Sturmwind über uns dahinfegen könnte, brauchten wir nicht befürchten. Ungerecht war der geringe Beifall; gerecht war der große Beifall, als Spohrs ernste und höchst wohlklingende Sonate für Harfe und Violine, mit Herrn W. Posse an der Harfe, uns für den vielen Flitter schadlos hielt, den wir sonst an diesem Instrument zu hören bekommen. Aber konnten denn die Professoren Barth, Wirth, HauSmaun im ersten Satz des L-äur-Trios von Beethoven op. 97(l) beispielsweise die zuerst in G-dur kommende Accordfigur durchaus nicht charakteristischer spielen, da ihnen doch das folgende Scherzo und in der Cellosouate G-moll von Chopin das Largo so gut gelang? Auch die berühmte Klecberg macht die hübschen Stückchen als solche sehr geschickt und gefällig, sofern sie nicht das, was mehr verlangt, hin» wischt und hinbrilliert; doch ihr Beethoven war ein anderer als der angehende„Titane"— eher ein Bonvivant des Klaviers.— sz. Psychologisches. ie. Der M u n d als Verräter deS Charakters. Ein Mitarbeiter des„Medical Record" weist darauf hin, daß be- — 8 sonders bei Fronen die Fonn und Forde der Lippe» sowie ihre Umriblinien in hohen» Motze charakteristisch seien. Er behauptet, datz keine Frau mit dein kleinen roten Munde, der wegen seiner Form von den Dichtern mit dem Bogen des Cnpido verglichen worden ist, jemals geistig oder seelisch bedeutend geivesen ist. Es mögen sich daher alle die, deren Mund nicht die von den Dichtern gepriesenen Schönheitslinicn zeigt, trösten, mnsomehr, als ihnen sogar verraten werden kann, datz ein breiter, gerader Mund mit starken, wcitzen Zähnen auf hohe Intelligenz, wirkliche Herzcnsgiite und festen Sinn schlietzcn lätzt»nd ans alle sonstigen Eigenschaften, die wir alle gern besitzen möchten. Schlietzlich gicbt unser Psychologe den Fraueii noch einen anderen guten Rat:' sie sollten sich keine Mühe geben, entsprechend ihren Mund leicht geöffnet zu halten, was ihnen nach der gegenwärtigen Mode jenen unschuldig fragenden Ausdruck verleihen soll, der den Heldinnen alt- modischer Romane eigen Ivar, aber durch Radfahren und andere moderne Belnstigungen verloren gegangen sei. Der geöffnete Mund sei nicht nur unschön, sondern auch sehr ungesund, und es sei iu jedem Falle besser, den Mund energisch geschlossen zu halten.— Volkskunde. ch». Das„Berufen". Der Glaube an die schädigende Wirkung des Bernfcns oder Beschreiens ist so ziemlich über die ganze(hrde verbreitet. Man findet ihn sowohl im Innersten Afrikas, im Orient, wie im fernsten Norden. Selbst der aufgeklärte Kultur- mensch kann sich vielfach nicht ganz davon freiumchen und setzt den Lob- preisungen seines Glückes rasch ein„Unberufen" entgegen oder fügt ihnen hinzu:„Ich will es nicht beschreien." Die Grundimlrzcl des ergenartigen Glaubens ist unziveifelhaft die Furcht vor dein Neid, und dadurch erhält er eine tiefe Syinbolik.„Neid ist die Wurzel alles llebcls", hcitzt eS in der Bibel. Laut gerühmtes Glück weckt den Neid, den schnellen oder„bösen Blick", der die Wohlfahrt des Beneidete» zu zerstören sucht. Nach dein Volksglaiiben genügt schon der klotze Wimsch, dein Beneideten Böses zuzufügen. Dieser zauberhasten Wirlnng z» steuern, haben die verschiedenen Nationen mich allerhand Zanbcr- mittcl, die ebenso mcrkivürdig wie charakteristisch sind. Der moderne Deutsche pflegt dem abwehrenden„Unberufen" auch ein dreimaliges Klopfen auf den Tisch oder an die Wand folge» zu lassen, oder er markiert ein dreimaliges AnSspcicn. In ländlichen Volks- kreisen fürchtet mau das„Beschreien" in erster Linie für das Kind. Wenn das junge Kind irgend welch' llcbclbcfindcil zeigt, mutz es„beschrien" sein. In Böhnien und Mähren bildet die Kunst, de» Zustand des Beschricnseins heraiiszubckomincu und ihm e»t- gegeuzuwirkcn, eine förmliche Wissenschaft, die von alten und jungen Weibern eifrigst kultiviert wird. Da giebt eS ein„Beschreien im Traun»', ein Beschreien durch den„scharfen" und ein ebensolches durch den„finstern Blick" und tvaS dergleichen»lehr ist. In katho- lischen Kreisen hänge» Mütter ihren Kindern ein aus Wachs oder Balsam gefertigtes.Ägnus Dei lGotteslaunn) um den Hals, das sie vor den» Bernsen schützen soll. Nach dem Kardinal BaroniuS ist dieses Sinnbild an die Stelle der.Bullae" getreten, einer herz- formige» oder rundcü, ein Zaubermittel nnischlirtzendeu Kapsel, die der Rvmcr aus gleiche,» Gründen während seiner ganzen Jugend am Halse trug. Auch ei» anderes gleichen Zivcckcn dienendes Ainulctt der Rö»ncr. aus Bronze gegossene Hände»nit ausgestreckte»» Zeige- finger, hat sich bis auf»nisere Tage erhalte»»: man findet es solvohl bc» Türken, Griechen. Anneniern nnd Juden im Orient als in Italien und Spanien, selbst einige Teile Frankreichs haben es accepliert. Ebenso findet mau hier auch noch Amulette in ekelerregender Form, die das beschrcicude Lob dcö Kindes schnell in eincii AuSrnf des Abschcus Venvandel»». Denselben Abscheu sucht man in Pcrsien zu erlvcckcn. indem man den Kindern die Gesichter schlvärzt, auch»»nter den Negern an der Ostküste Afrikas keilnt man den Brauch, Hier»verde»» die Kinder zum Schutz vor dem bösen Blick uird dem Beschreien wie kleine Teufel angestriche»».— Technisches. — Ein« Eisenbahn auf den Montblanc. Das „Lllzenicr Tageblatt" schreibt: Mit dein Bau einer Eisenbahn auf den Montblaiic scheint eS ernst werden zu»vollen. Die Jilugfrau- Bahn lätzt den Franzosen keine Ruhe: sie»vollen dein Monlblauc von der zu ihrem Laiide gehörigen Seite ans niit einen» Schienen- weg« a»lf den Leib rücken. An Plänen für eine solche Bahn hat eS in den letzten Jahren nicht gefehlt: aber man konnte nicht recht an ihre AnSfühning glauben, da sie zum Theil dem Gebiete der Phantasie angehörterr. Jetzt si,»d aber Sachverständige ersten Ranges an der Arbeit,»im die Grundlagen für das autzcrordcntliche Werk festzustellei». Sie sind über die Möglichkeit des Baues eins geworden. Der Berlmif des SchicnenivegeS ist festgestellt und der obersten Behörde dcS Departen»ei»tS Hoch-Sovoyen übergeben»vorden. Die Bahn soll von OucheS, einer der drei französischen Gemeinden, die ein Eigentinnsrecht an den höchsten Berg Europas haben, ihren AuSgang nehmen und geht zunächst in eine»» Tunnel du»!ch harten Fels aufwärts. Auf diesem Teil»vird der Betrieb der einer Zahnradbahn sei»: als treibende Kraft wird Elektricität benutzt»Verden. Die Arve, die am Futze des Montblanc mit einer sehr bedeutenden Geschwindigkeit strömt, liesert die nötige Kraft. Sie führt zu jeder Jahreszeit viel Wasser und ist schon beim Platze Ehedde zum Betriebe einer Fabrik für chlorsaures Kali benutzt ivordcn. Berältlwortlicher Revacleu:: Pa»t i,. hu in Berti» 6— Etwas weiter oberhalb, bei Ehatelard, wird ein weiteres Kraftwerk für die Eisenbahn Fayet-Chamounix unter Berivertung eines Wasser» falles von 4V Metern und zur Erzeugung von 3000 Pferdekräften angelegt. Es unterliegt keinem Zlveifet, datz die Arve auch für die Mont» blanc- Bahn die nötige Elektricität zu liefern vermag. Im ganzen »vird die Bahn eine Länge von 11 Kilometern erhalten»md 12 Stationen anfiveisen. Von der Bahn a»lS»verde» die Reisenden begnei»» das»vundervolle Panorama genietzen können. Eme Station ivird u. a. der Gipfel des Goutcr auf den Rochers des Bosse? er- halten, von Ivo Ausflüge m die interessailtesten Teile des Montblanc iiiiteriioiiuncn»verde»» können. Der Endbahnhos soll auf die PetitS Rochers Rouges zu liegen kommen und besondere Einricktnnge« erhalte»,»iu» die Reisenden vor den unbehaglichen Einflüssen des geringen Lnftdrucks mid der streugeu Teinperatur zu schützen.— Humoristisches. — Ans dem Aufsatz eines Neunjährigen.„Das Pferd ist ein Tier, es hat vier Beine, a» jede», Eck eins. Hutten hat es auch noch eius, das ist aber kcins. das ist ei» Schlvauz, da sitze» Haare dran, daran kann man ziehe», dann schlägt das Pferd. Sind die Haare alle draus, dam» heitzt es tiiicit Rattenschwanz.— vorne hat das Pferd den Kopf zun» Aufklappe». Dm»» entsteht ein Loch, da lhnt daS Pferd das Essen in. Oben auf den» Kopf sitzen die Ohren. Da hört das Pferd mit. Wenn man das Pferd kitzelt, dam» legt es die Ohren an den Kopf, dam» lauf ich»veg.Hliller den Ohren hat daS Pferd die Mähne, das sind Haare. Da hält Papa sich an fest, Iveui» er von nnscrcr Minka fällt. Aber nicht iinmer. Einmal fiel Papa ein Loch in die Hose. Da schimpftc� Mama. Das Pferd ist Mite» von Eisen. Wenn daS Knrriisscl kommt, dann sind sie von Holz. Dann kostet es 5 Pf., das thun»vir gen». Wenn der Mann es nicht sieht, dann kostet es nichts. Die Pferde sind verschieden angestriwen. Andere gar nicht. Einige Pferde dienen auch bei den Soldaten. Dann sitzt aber einer ans. Kleine Pferde heitze» Pomiis. Meine Scknv.-ster hat auch PonniS, das sind aber gemachte, die ziehen auch nicht. Wenn man das Pferd schlägt, daun'läust es. Magere Pferde heitzcn Kracken. Einige Kracken gehen tot. Andere werden geschlachtet. Dann»verde»» Matratzen und Wnrst auS gemacht. Maina mag sie nicht. Papa desto länger. Das Pferd hat vier grotze Zehe». Da läuft es»»it. Manchmal kriegt es da ein»cneö. Wenn ihm der Schmied da»vaS dran schneidet, das thue ich dein Anton in die Pfeife. Dann»var er übel."— — Immer der Gleiche. Professor(der in dem einen Hern» eincii früheren Schüler wiederzne» kennen glaubt):„Bitte, »»ein Herr, toaren Sie nicht früher cininal so ein kleiner Knabe n» i t dreizehn Jahren?"— Notizen. — Im Belle- Alliance- Theater beginnen die Schlierseer ihr Gastspiel am Sonnabend init einer Aufführnng des Volksstücks„L i s e r l vom S ch l i e r s e e".— — In Wien hat sich eine„Freie Vühne" koiistitnicrt. die allivöchentlich Vorstellimgei» im„Jantsch-Theater" gebe»»vill.— — Bei dem Verkauf der Bilder Diefenbachs, der in Konkurs gerate» ist, wurden in Wien 700 Bilder auSgeboten, die auf 27 000 fl. geschätzt wurde». Viele von diesen Umrde» für 1 fl. abgesetzt. Für mehr als 300 Bilder wurde» im ganzen 700 sl. cin- gcnoinnien. Das mif 300 fl. geschätzte Bild„Richard Wagner" wurde»»in 100 fl., die auf 300 fl. geschätzte Kopie der„Vision" nm 100 fl. abgegeben. Bezüglich des grotzen Frieses. für Ivclchen Diefenbach 50000 fl. haben ivollte lind der auf 10 000 fl. geschätzt ist, schwebe» init einen» Kallflusiigen, der 3000 fl. bietet. Unter» handlniigen.— — Die Historische Gesellschaft für den Netzedistrikt in Brom- b e r g und die Historische Gesellschaft in Pose»»Verden vom 1. Januar 1900 eine gemeinsame Zeitschrift heraiiSgcben.— — Die Pariser„ A»» r o r e". die Hanptstreiterin im DrcyfliS» Prozefi, hat nach ihi-ein jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht eine Auflage von 135 000 Exemplaren täglich, von denen 9V 005 verkauft werden. Feste Abonlicuten besitzt die„Anrore" dabei mir 4 700. In Paris allein setzt die„Anrore" täglich 24 925 Exemplare ab. in der Provinz an 49 000, im Auslände»und 13 000. Die Brli'to-Einnahine des Monats beträgt 39 205,80 FranlS»md 10 000 Franks für Annonccn. Nichtsdestoweniger schlicht die„Anrore" mit eiueui moumliche» Deficit boi» 4000 Frauken ab.— c. Eine finnische Shakespeare- U ebersetz nng. Unter dein Titel„Loppiaisaatto" hat die„Finnische litterarische Ge- scllschaft" in HelsingforS soeben Ivicder einen nenen, bereit? den 10. Band einer llcbersetziing von Shakespeares Werken iuS Finnische, die von Paavo Emil Eajandcr besorgt ist. veröffentlicht. Der erste Band enthielt„Hamlet": er erschien im Jahre 1879.— — Die russische M u r m a n- Expedition, die an Bord deS„Perwosivamiy" in diese»» Sommer eine Reihe von Forschnngen im Eismeer ausgrsiihrt hat, ist nach der„Voss. Ztg." in Berge n cingelroffen. DaS Schiff, das durch Orkane sehr ge- litten hat. soll in'Dentschlnnd ausgebessert»verde», und im Dezember zur Murmankiiste zurückkehren.— . Druck uno Bertas von Dtax Badiiig»n Berlin.