Anlerhaltungsblatt des vorwärts Nr. 220. Dolmerstiig. den 9. Noveinber. 1899 SZ Vankvokk. Von F. Schwarz. lSchUch-) (Nachdruck otrtottn.) Doch da? alle? ist nicht weiter ungewöhnlich und es würde nnch gewiß nicht so weit gebracht haben, wäre nicht ein anderes dazu gckonimen. Auch nichts Ungewöhnliches. etwas, das sich jeden Tag vor unseren Augen abspielt, etwas. das wie eine ungeheuerliche, unausweichliche und unHerl- bare Krankheit unsere Zeit durchseucht. Ich sagte bereits. daß ich unser bäuerliches Hinterland in sester Haud hielt. Man vertraute mir unbedingt,' ich begnügte mjch mit ciuenr bescheidenen Nutzen und fand für meine gute und darum preiswerte Ware immer Absatz. Da thut sich eines Tages eine neue Firma in unserem Städtchen auf. Erkundigungen bestätigen meine Furcht: ich hatte es mit der Filiale einer Weltfirma zu thun, die es schon lange wurnien mochte, daß sie das Getreide unserer Gegend nicht von Produzenten selbst kaufen konnte. Meine Befürchtung, daß es auf meinen Untergang abgesehen sei, daß es sich hier um einen Kampf auf Tod und Leben handle, erwiesen sich als nur zu begründet. Als ich die nächsten Abschlüsse mit meinen seit- herigen Lieferanten machen wollte, hörte ich von allen Seiten, daß die Herren X. so viel mehr geboten hätten, als ich. Man habe nicht abgeschlossen, gewiß nicht, da mau mir. schon in Anbetracht unserer langjährigen Be- zichungen den Vorzug gebe, aber die Preise bewilligen müsse ich auch. Mir blieb keine Wahl. Gab ich nicht nach. so konnte ich gleich mein Bündel schnüren, hielt ich aus, so war es möglich, nein, so war es, wie ich mir einredete, sicher, daß meine Konkurrenten nach einigen Versuchen ihr Geld nicht weiter unnütz verpulvern und mir das Feld räumen würden. Thor, der ich war! Der ich mich auf dem Standpunkt des Kleinen stellte, der das Wenige ängstlich zu lvahren be- strebt ist, und nicht bedachte, daß meine Nebenbuhler den Atem länger anhalten konnten als ich, daß sie Taufende und aber Tausende aufwenden konnten, hatten sie doch die Aussicht, am Ende Sieger zu bleiben, oder konnten schlinnnstensalls die Verluste leichter verschmerzen. Zu dieser Einsicht kani ich erst, als es zu spät war, als ich bereits einige Jahre nnt Verlust gearbeitet, niein ganzes Vermögen zugesetzt und", hier sank seine Stimme zu fast unhörbarem Flüstern herab,„schon die Hand an anvertrautes Gut gelegt hatte. Von da an war mein Leben nur noch ein verzweislungs- voller Kampf gegen die erdrückende Macht des Großkapitals. ein unaufhörliches Ringen gegen das Gespenst der Schande, das neben mir emporwuchs— riesengroß, das mir am Tage die Ruhe und in der Nacht den Schlaf raubte. Den Kampf mit dem Gegner hatte ich längst aufgegeben. Ich machte Geschäfte neben ihin— was er mir übrig ließ— was mir der Zufall in den Schoß warf. Dann suchte ich durch die Höhe des Umsatzes hereinzubringen, was mir an der Höhe des Verdienstes verloren gegangen war; ich hätte es gekonnt— wenn ich Geld gehabt hätte, Geld genug fiir die großen Käufe und Verkäufe. So!... Haha! War anfänglich der Nutzen imnier geringer geworden, so zerrann er mir schließlich ganz unter den Fingern. Kani die Not, mußte diese oder jene dringende Verpflichtung erfüllt werden, so verkaufte ich billiger als ich eingekauft hatte. Ich borgte da und dort, bald war es eine Vergeßlichkeit, die mich hatte versäumen lassen, Geld einzustecken, bald war ein Schuldner in Rückstand geraten und hatte mich in eine augenblickliche Verlegenheit gebracht. Nach den Geldern, die meine Verwandten mir anverttauten, griff ich gierig wie der Verschmachtende nach dem Trunk; ich beredete Freunde, mir ihre Ersparnisse anzuvertrauen, ich ließ mir Wechsel von allen Geschäftsfreunden geben draußen auf dem Lande. Keiner wußte vom andern, jeder fühlte sich durch das Vertrauen ge- ehrt, das ich ihn, gerade ihn vor so viel anderen auszeichnete. So ward ich ein Dieb und ein Betrüger.... so ward ich ein... Fälscher, als es weiter ging auf diesem Wege." _ Karl Hclfinger hatte die letzten Worte nur mit der äußersten Anstrengung hervorgestoßen und hielt nun einen Augenblick inne. bis er sich so weit gesaßt hatte, um fortfahren zu können.'..... „Und während ich so tiefer und tiefer sank, häuften sich die äußeren Ehren. Das Vertrauen und die Anerkennung meiner Mitbürger verfolgten mich geradezu. Ich halte nnch in der verhältnismäßig sorgenlosen Anfangszeit meiner geschäft- lichenThätigkeitnach Kräften um dicJntereffen des Gemeinwesens bemüht, als ich dann später begann, mich zurückzuziehen, sprach man mir von Bürgerpflichten, von übertriebener Be- scheidenheit und dergleichen mehr. Ich ließ mich gern bereden, übertäubte die Stimme meines Gewissens gern damit, daß meine rastlose, unermüdliche Thätigkeit im Dienst des Ganzen eine Sühne sei sür die Schuld, die ich auf mich geladen hatte, die ich immer neu auf mich lud. Zuletzt dachte ich gar nichts niehr. Willenlos ließ ich mich von den Verhältnissen treiben: hier klammerte ich mich fest und dort, alles, alles war niir recht, das nach Rettung, das selbst nur nach Auf- schub aussah, was meine Scheinexistenz um Wochen, um Tage fristen konnte. Man sagt, man zahlt für den ersten Schritt? Wohl wahr! Aber man zahlt neu bei jedem folgenden. Was war auch der erste? O. noch weiß ich's wie heute. Freund L., der Großbauer und Mühlcnbcsitzer aus Jlfingen hatte bei uuS vorgesprochen. Nach dem Kaffee rauchten wir eine Cigarre miteinander und im Laufe des Gesprächs erwähnte L., er habe dieses Jähranch die Frucht seines Schwagers, der einen schlimmen Fall gethan hatte, mit zu verkaufen. Sic sei ausgezeichnet schön, ob ich vielleicht Abnehmer dafür sei. Ich erschrak. Mein Lager war bereits so groß, daß ich Bedenken trageil mußte, noch mehr zu kaufen. Auch waren meine Barmittel erschöpft. L. bemerkte mein Zögern.„Nichts sür ungut, lieber Freund. der X, nimmt's gern, wollt's Ihnen nur zuerst anbieten, weil wir alte Freunde sind und die Ware wirklich ausnahmsweise schön ist." „Weiß, weiß? Nehme sie auch gern, will nur erst mal in meinen Büchern nachsehen, wie iveit ich bereits engagiert bin. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick!" Ich hatte das alles hcrausgestoßen und war dann ins Nebeilzimmer geeilt. Um in liieiucn Büchern nachzusehen? Ach nein! Wie ein wildes Tier in seinem Käfig lief ich auf und ab. Was thun? Ihn zum Konkurrenten ziehen lassen? Niemals! Die Ware nehmen?... Ja. aber womit bezahlen? Dem Freuild meine Lage aufdecken! Seinen Rat, seine Hilfe erbitten... Mir wurde es leicht bei dem Ge- danken. Schon wandte ich mich... Doch nein! Ein Frennd ist doch auch nur ein Mensch. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfährt eS ein anderer. Es sickert durch... man weiß nicht wie. Um mich, um meinen Kredit ist's daim gethan. Aber was... was thun! Mein Blick blieb an der altmodischen Kommode hängen. Jawohl I Da drinnen liegt, was mich retten, mir über diese augenblickliche Verlegenheit hinaushelsen könnte. 5000 Mark, die mir Nachbar M. neulich zum Aufheben gegeben hatte. Eine Depesche hatte ihn spät am Abend zu einer Reise genötigt; den Bankier konnte er nicht herausschellcn und zu Hause mochte er's auch nicht lassen. Nahm ich die, sür ein paar Tage nur, so war mir geholfen. Die Preise hatten angezogen, ich konnte hier preiswert kaufen und ein schönes Geschäft stand mir in sicherer Aussicht. Keinerlei Gefahr dabei, und ich war dem Nachbar doch hoffent- lich noch sür 5000 Mark gut?— So beschwichtigte ich mich selbst... und so... nahm ich das Geld. „Mann. was haben Sie? Sie sehen ja aus wie ein Stück Tuch 1" fragte L. besorgt, als ich»vieder ins Zimmer trat. „Nichts! Ein leichter Schwindelanfall I" „Sie arbeiten zu viel, Sie sollten etwas ausspannen. Na, und wie ist's mit unserm Geschäft?" Das war der Anfang vom Ende. Statt der Preis- steigerung, die damals mit Händen zu greifen schien, trat ein Preisrückgang ein. Große Vorräte, die seither don Speku- lanten zurückgehalten worden waren, wurden auf den Markt geworfen. Ich war in Verzweiflung. Hätte ich Geld gehabt, ich hätte nur helfen können. Noch mehr dazu gekauft zu niedrigem Preis, alles auf eine Karte gesetzt! Aber so! Keine Mittel mehr... mehr noch... fremdes Geld auf dem Spiel. Ich half mir. Gott weiß, wie ich mir �lulf, von Verwandten Geld ausbrachte, von Freunden, von FrcUndcn, wo immer ich es bekommen konnte, ohne mich blostzusteven. Dobei immer noch die Hoffnung, nein, die fixe Idee, die Scharte wieder auswetzen zu können, auch innerlich vor dem eigenen Gewissen wieder so rein dazustehen wie vor der Außenwelt. Wäre ich schlecht gewesen von Haus aus, ich hätte den Teufel danach gefragt, aber so... Grüßte mich einer weniger zuvorkonunend als sonst, gleich packte mich die Angst, er wisse um meine Lage; traf mich ein forschender Blick, wenn ich einen Freund bat, mir aus einer augenblicklichen Verlegenheit zu helfen, so glaubte ich mich durchschaut. O, der Qual t O, der schlaflosen Tage und Nächte. Am Abgrund dahin, immer am Abgrund I Verziehe kein Gesicht, zucke nicht mit der Wimper, eine im- vorsichtige Bewegung und du zerschellst in der Tiefe... Und wie habe ich gearbeitet! Gesorgt und mich ge- müht bei Tag und Nacht. Wer mag aufftehen und sagen, es sei anders? Und wie haben wir gedarbt, ich und die Meinen. In der Stille, wo es niemand sah, niemand ahnte. Ich war kein Spieler, kein Spekulant und doch ein Betrüger— und doch ein Fälscher und ein Dieb. Und warum? Warum? Warum? Weil ich ein armer Schlucker war von Haus aus, gerade weil ich kein Spieler werden, weil ich ehrenhaft bleiben wollte! O, ich bin es nicht allein. Könnte ich ihnen die Masken herunter reißen, ihnen allen, die mit sorgen- loser Miene cinhergehen ihres Kredites wegen und in deren Herzen die Verzweiflung wühlt, die es aushalten, bis irgend ein Glücksfall sie befreit oder der Tod sie erlöst oder die den Weg gehen, den ich ging. Arme Opfer des Scheins! Aermere Opfer des Systems, das den Geldsack auf den Thron gesetzt hat, den Vampyr, der alles aus- saugt: die Tüchtigkeit und die Arbeit, den Geist und das Genie. Ich war tüchtig wie einer und habe gearbeitet wie einer. Da kam das Geld, die Uebermacht des großen Kapitals, und nahm mir die Ruhe und die Ehre und schlug mich tot. Und nun bin ich tot. Einer mehr, der dem gefräßigen Polypen geopfert wurde, nicht der erste und bei weitem nicht der letzte. Sehen Sie sich doch um, hier im Saale um, meine Herrn Geschworenen und Richter, lesen Sie, was auf diesen bleichen. Sttrnen geschrieben steht: nicht der erste und nicht der letzte! Und das Kapitel wird ihnen das Blut aus den Adern saugen und die Freudigkeit aus den Herzen; sie werden einhergehen bleich und scheu, wie ich ging, und werden nicht wagen, einander in die Augen zu sehen, wie ich that und werden vernichtet werden— wie ich." Karl Helfinger, der sich hoch emporgerichtet hatte, daß es aussah, als sei er um Haupteslänge gewachsen, sank bei den letzten Worten wieder in sich zusammen. Nach einem tiefen Atemzug kam es leise und ruhig von seinen Lippen:„Meine Herren Geschworenen und Richterl Als das Unheil über mich hereingebrochen war, da habe ich seit vielen Jahren zum erstenmal wieder geschlafen, wie in Kinderzeiten. Das Schwerste, daß es meine Familie und so viele Un- schuldige mitgetroffen hatte, das vermochte ich nicht wieder gut zu machen... was Sie mir thun können, das wird nicht auf mir lasten... Und nun verurteilen Sie mich 1"— Dio Ueoniven.) Ms Chladni im Jahre 1794— vier Jahre»ach deni durch mehrere Hundert Augenzeuge» bestätigten, von der Pariser Akademie aber für Blödsinn erklärten Mctcoritenfall von Juillac in der Gascogne — in der berühmten Schrift„Ueber den Ursprung der von Pallas entdeckten Eisenmasse und einige damit in Verbindung stehende Natur- erscheinungen" klar und beftinimt den Nachweis führte:„erstens, daß öfters Stein- und Eisenmnssen vom Himmel gefallen sind, und dieses als historische Thatsache anerkannt werden muß; zweitens, daß dieses Ereignis identisch mit Feuerkugeln ist, und diese nichts anderes als eine solche brennende Masse sind; drittens, daß diese Massen kosmisch sind, d. h. Ankömmlinge aus dem Welteuraume, welche vorher der Erde und ihrer Atmosphäre fremd waren"— da übeffchüttetcn ihn Gelehrte und llngelehrte mit Hohn und Spott; man rechnete ihn „unter diejenigen, welche alle Weltordnung leugnen»nd nicht bc- denken, wie sehr sie an allem Bösen in der moralischen Welt schuld sind". Kaum war Chladni auf diese Weise gerichtet, da regneten am 16. Juni 1794 zu Sieua Steine vom Himmel, gleich als wollte dieser selbst der Wahrheit zum Siege verhelfen; ein Jahr später, am 13. Dezember 179S, kam die gleiche Erscheinung in Woldcottage in *) Aus der Wochenschrift„Mutter Erde", W. Spcmann, Berlin. Dorkshire; am 26. April 1803 endlich fielen in L'Aigle in der Nor- mandie Taufende von Steinen und Steinchen zur Erde nieder. Hundert Jahre sind seitdem vergangen: Chladnis Ansicht tvurde durch spätere Forschungen nicht nur glänzend bestätigt, sondern auch erweitert und vertieft. Das Jahr 1333 bildet einen neuen Aus- gangspunkt für die weitere Erkenntnis des Wesens der Meteore. Da- nials nämlich erkannte Denison Olmsted in New-Haven während des berühmten, auf Nordamerika beschränkten Novemberphänomens (12./13. November), daß die Sternschnuppen alle von einem Punkte des Himmels im Sternbild des Löwen st�somZ) ausstrahlten und hiervon nicht abwichen, wiewohl der Punkt Höhe und Azimut ver- änderte. Damit ivar der Beweis erbracht, daß die Erscheinung nicht irdischer, sondern kosmischer Natur ist. Zugleich erinnerte man sich jenes herrlichen Sternschnuppeufalls, den Huniboldt und Bonpland in der Nacht vom 11. auf den 12. No- vember 1799 in Cuniana in Venezuela beobachtet hatten. Darüber sagt Humboldt in seiner„Reise in die Acgninoktial- gegcndcn des neuen Kontinents":„Die Nacht vom 11. zum 12. No- vember war kühl und ausnehmend schön. Gegen Morgen von 2�2 Uhr an sah man gegen Ost höchst merkwürdige Feuer- meteore.... Tausende von Feuerkugeln und Sternschnuppen fielen hintereinander, vier Stunden lang. Ihre Richtung war sehr regelmäßig von Nord nach Süd.... Alle Meteore ließen 3 bis 16 Grad lange Lichtstreifen hinter sich zurück, was zwischen den Wendekreise» häufig vor- kommt... Fast alle Einwohner von Cuniana sahen die Erscheinung mit an, Iveil sie vor 4 Uhr aus den Häusern gehen, um die Früh- messe zu hören. Der Anblick der Feuerkugeln war ihnen keineswegs gleichgültig; die ältesten erinnerten sich, daß dem großen Erdbeben des Jahres 1766 ein ganz ähnliches Phänomen voraus- gegangen war...>Bon 4 Uhr an hörte die Erscheinung allmählich auf; Feuerkugeln und Sternschnuppen wurden seltener, indessen konnte' man noch eine Viertelstunde»ach Sonnenaufgang mehrere an ihrem weißen Lichte und dem raschen Hinfahren erkennen... Da bei meinem Abgang von Europa die Physiker durch Chladnis Untersuchungen auf Feuerkugeln und Sternschnuppen besonders aufmerksam geworden waren, so ver- säumten wir ans unserer Reise von Caracas nach dem Rio Neyro nicht, uns überall zu erkundigen, ob am 12. November die Meteore gesehen worden seien... Alle diese Beobachter verglichen das Phänomen mit einem schönen Feuerwerk, das von 3 bis 6 Uhr morgens gewährt." So war der Gedanke der Periodizität gegeben, der sich in der Folge für eine ganze Anzahl Meteorschwärme als begründet erwies. Wir kennen deren heute mehrere, die alljährlich mit großer Pünktlichkeit sich einstellen. So für die nördliche Halbkugel der Erde die Sternschnuppen des 1.— 3. Januar, 12.— 13. April, 19—23. April, 26.— 29. Juli, 9.— 13. August iPerseidcn oder LanrentinSschwarm), 19.— 25. Oktober, 13.— 14. November(Leonidcn), 27.-29. November, (Andromediden), 6.-13. Dezember. Manche dieser Schwärme, wie z. B. des August, treten jedes Jahr mit nahezu gleicher Stärke auf; bei anderen unterliegt die Intensität der Erscheinung starkem periodischen Wechsel. Zu letzteren gehören die Leoniden, die gegen Mitte November in die Nachbarschaft der Erde gelangen und dann zum Teil als leuchtende Meteore die Atmosphäre durchschneiden. Sie sind Mitglieder unseres Sonnensystems und bewegen sich in einer langgestreckten elliptischen Bahn, die gegen die Ekliptik in einem Winkel von 173/* Grad geneigt ist und sie in zwei Knotenpunkten schneidet, wovon der eine etwa 20 Millionen Meilen von der Sonne entfernt an dem Ort des Weltraums liegt, den die Erde um den 14. November durchschneidet, während der andere in Uranusweite von uns absteht. Die zuerst von Olbers erkannte Periodizität der Leoniden, deren Auftreten man bis zum Jahre 902 zurückverfolgen kann, umfaßt einen Zeit- räum von 33� Jahren. Jedesmal nach Verlauf dieser Zeit treten die Sternschnuppen des November besonders zahlreich und glänzend auf. Daraus folgt, daß die Masse» des Rovemberschwarms im Gegensatz zu denen des Angustschwnnns durchaus ungleichmäßig über die Bahn verteilt sind: Anhäufung an einer Stelle, sonst relative Leere. Die Stelle des Finnaments, von der die Sternschnuppen herzukommen scheinen, nennt man Radiationspunkt. Man erhält ihn, wenn man den Weg der leuchtenden Meteore rückwärts verlängert. Die Divergenz der Bahnen der einzelnen Schnuppen ist nur Wirkung der Perspektive, in Wirklichkeit sind sie nahe parallel. Aus Richtung, Geschwindigkeit und Umlanfszeit kann die Mctcorbah» berechnet werden. Dabei ist man zu höchst interessanten Ergebnissen gelangt. Kein geringerer als Schiaparclli fand eine merkwürdige Uebereinstimmnng zwischen den Bahnelementcn der Perselden und denen des Kometen III des Jahres 1862; eine gleiche ergab sich für die Leoniden und den Kometen I des Jahres 1866. Diese Thatsache ist für die Erkenntnis des Wesens der Kometen und Mctcorschivärnie von allergrößter Bedeutung. ES kann kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß wir es mit nur graduell verschiedenen Körperaggregatc'n zu thun haben. Die Kometen haben wir unS Ivohl aus Nebelflecken, d. i. undifferenzierten kosmischen Massen, ent- standen zu denken, die in den Bereich der Anziehung der Sonne gelangt sind und aus kugelförmigen Gebilden zu langge- streckten Cylindern oder Kegeln auseinander gezogen wurden. Damit ist das Kometenstadinm erreicht. Der Komet nun ist ein Körper von lockerem Gefüge. Der der Sonne zuge- kehrte dichtere Kopf hat größere Geschwindigkeit als die ent- fernteren Teile, die allmählich zurückbleiben. So wird der Komet in die Länge gezerrt, bis seine Masse schließlich die ganze Bahn erfüllt und in einem geschlossenen elliptischen Ringe um die Sonne kreist. Trifft die Erde dann irgendwo mit einem Meteorringe zusannnen, so haben wir das Schauspiel eines Sternschnuppenfalls. Die Perseiden befinden sich bereits nahezu in dem eben gckenn- zeichneten Zustande. Bei den Lconiden ist der Aiiflösungsgrozeß noch nicht soweit fortgeschritten; sie haben tcillveise noch Kometen- charakter beivahrt. Zum letzten Mal kam der Kern dieses Schwanns in der Nacht vom 13. auf den 14. November 1866 in Erdnähe: seine Wiederkehr ist für dieses Jahr zu erwarten,(und zwar, wie neulich envähnt wurde, nach den Berechnungen auf der Wiener Steniwarte, vom 13. zum 16. November, wobei das Maximum auf den 13. d., abends 9.30 Uhr fällt; nach anderer Berechnung tritt es am Morgen des 16. d. um 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit ein). Als Ergebnis können>vir festhalten: Die Leoniden sind als ein im Auflösungsprozeß begriffener Komet zu betrachten, dessen Kopf alle 33 bis' 34 Jahre seine Erd- und Sonnennähe erreicht. Die Auflockerung wird weitere Fortschritte machen, und die Bestand- teile des Schwarmes, kleinere und größere Eisen- und Steinmassen, dazu jedenfalls Kohlenlvafferstoffverbindungen, iverden sich über die ganze Bahn verteilen. Damit wird das periodische Maximum an Intensität verlieren; die Sternschnuppenfälle des November werden gleichmäßiger in den einzelnen Jahren auftreten und dann eine ähnliche Erscheinung bieten wie die Persclden des August. Allgemein gesprochen: Die' Kometen sind lockere Anhäufungen kleiner kosmischer Körper(Meteorite); die Meteorschivärme(Sternschnuppen) sind in der Anflösnng begriffene Kometen. Die Furcht vor einem Zusammenstoße der Erde mit einem Kometen ist gänzlich grundlos; die Atmosphäre ist ein genügend schützender Panzer, und die Erde ist schon öfters mit Komctenmasscn in Berührung gekommen, ohne den geringsten Schaden zu erleiden.— O. Ankel. Kleines �euillekon. Ick. Der Nachruf. Auf dem Hausflur stampfte ei» Mann den Schmutz von den Stiefeln. Dann wurde die Thür des Gastzimmers geöffnet, mit großen Schritten kam der Mann herein.„Morgen, Hinz!" sagte der Wirt vom Schänktisch her. „Morgen, Morgen!" antwortete Hinz. Er zog seinen triefenden Mantel ans, schlug den Regen vom Hut und warf sich auf die Bank am Fenster.„Schweincwcttcr!" meinte er. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu:„'n Schnaps... Und'ue Cigarre I"' Der Wirt brachte beides; bald saßen sie einander gegenüber und besprachen die Neuigkeiten des Dorfes.„Na, dat haste doch schon gesehn, dat Ivir all wedder'ne Bude hierher kriegen?" fragte der Wirt. „Ja... wat Iverden se denn haben?" „'n Panorama oder'n Museum." „Ach..." machte der Bauer, wie wenn ihm das gleichgültig wäre. Sie sprachen von anderen Dingen. Plötzlich fragte'der Bauer wieder:„Wat werden se denn haben?" Er deutete mit der Hand hinter sich durchs Fenster, ohne sich umzudrehen. „Ja... Bilder... Seeschlachten... und Wachsfiguren." „So... ja wat ick noch sagen wollte... HöftS Marie will ja nn vock in de Stadt." Wieder sprachen sie von anderen Dingen. Die nassen Kleider des Bauern fingen an jj« dampfen. Er rüttelte sich und schien sich wohler zu fühlen. Mit einem Ruck drehte er sich um, sah hinaus auf den Platz und sagte:„Abcrst, genau weeßte nich, wat se haben?" „Nee," meinte der Wirt gedehnt. Sie sahen nun beide hinüber»ach dem Wohnwagen der Buden- besitzcr. Seine grellgrüne Farbe stach stark von dem verwelkten Laub de? Gebüsches, das den Dorfkirchhof umgab. Neben dem Wagen legten zwei Männer und eine Frau Balken und Stangen über die Pfützen. Sie arbeiteten hastig und flink, ohne viel zu sprechen. Die Männer hatten die Röcke ausgezogen und arbeiteten i» Hemdsärmeln. Die Frau trug nur ein leichtes Tuch über Kopf und Kleid, zum Schutz gegen den Regen. Es rann unaufhörlich hernieder in seinen Fäden. Kein Mensch ging über den Platz. Kein Kind kam gelaufen, um zuzusehen. Die gefallenen Blätter schwammen in dem Wasser, das in den Räderspuren und in den tieferen Stellen der Straße stand. Der Bauer rüttelte sich wieder:„Jetzt möchte nian doch keinen Hund rausjagen." „Nee.. „Dat is doch eigentlich faules Pack— diese Bndenkerle. Dat is doch keene Arbeet, so'ne Bude aufstellen I' „Na..." „Nee, dat's keene Arbeet.... Na, sag mal selbst— wie dat is, dat hat man doch an de Klara gcschn, die Reetzer zu sich ge- nommen hatte." „Ja, da weeß man ja nu nischt Bestimmtes nich drüber. Der eene nieent so, der andre meent so. Also da kann man ja nu nischt sagen.... Aber heute soll ja woll Testamentseröffnung sin?" „Ja— ick war ja in de Stadt— se is abgeblitzt I" Freude und Genuglhuung klangen aus der raschen Sprache. �„Wat?.... wirklich? Dat war doch aber wirklich nich voraus- zusehen. Er hatte se doch gehalten, wie wenn se seine Frau wäre. Er wollte se ooch heiraten." „I. dat war woll man bloß so gesagt." „Nee, nee. Du kannst et glooben. Ick hab't man eenS mit meinen eigenen Ohren mit angehört, dat er sagte: Dat sich kecner an de Klara vergreist— dat wird meine Frau, die hängt wenigstens an mir un is mir dankbar, dat ick se ans ihrem Sumpf gezogen habe. Se is gut und brav un nich verbohrt— ick heirate se I" „Ja, un nu hat se der olle Reetzer doch uff'n Proppen sitzen lassen. Det hat er woll bloß so im Dusel gesagt.... Na, sage mal selbst, war dat'ne Manier, so'n Frauenzimmer aufzunehmen un se so zu halten, wie unsere Weiber? Aber der Olle halte immer 'n klcencn weg. Dat mußte man erst so lange warten, bis dat et graue Haare hatte— un denn macht dat so'ne Dummheit..." „Ja," der Wirt zog die Schultern hoch;„komisch war dat ja." „Na, is dat nu dem Frauenzinnner nich ganz recht, dat se so raus muß aus all' dat Schöne?" „Ja... aber wat wird denn nu ans dem Jungen?" „Na, der kriegt mal alles... Der Olle hat ihn ja anerkannt. Un Verwandte sind sonst nich." „Aber die Klara..." „Die hat vorläufig weiter nischt, als die neun Mark monatlich fürs Kind. Das Gericht hat bestimmt, dat der Vormund un nich de Mutter, die Klara, alles verwalten soll. Nu wird se woll wieder als Ausruferin bei so'ner Bude gehen... Is ihr ooch ganz recht... So'st mal sehn, die weent dem Reetzer keen Dröppken nach." Der Bauer schmauchte an seiner Cigarre. Er sah schweigend den Dreien zu, die auf dem Platz die Bude aufbauten. Jetzt hatten sie schon das Gerippe aufgeschlagen. An der einen Seite hängten sie Pläne an. Da kam am Platz entlang ein junges Weib— schwarzgekleidet wie eine Trauernde. Auf dem Arm trug sie einen zweijährigen Jungen. Sie ging auf das Gasthaus zu. „Die Klara," meinte der Bauer. Als sie ans dem Flur die Füße reinigte, sagte er:„Bin doch neugierig, ob sie wat sagt." Sie kam still herein', setzte das Kind auf einen Stuhl und be- stellte heiße Milch. Ruhig kleidete sie es aus und erfrischte es. Der Bauer starrte neugierig in ihr blasses Gesicht. Als sie gar nicht sprach, fragte er zudringlich:„Wat wird denn nu, Klara?" Sie sah ihn groß an und besann sich. Dann meinte sie ab- weisend, gleichgültig:„Weiß noch nich." Langsam drehte sie sich um mit dem Kinde. Ein unterdrücktes Schluchzen tönte durch das stille Zimmer.„Vater ist tol!" flüsterte sie dem Kinde zu. Als sie sich beruhigt hatte, sah sie empor und erblickte die im Regen Arbeitenden. Lange saß sie, betrachtete die drei und flüsterte hin und wieder dem Kinde zu: „Vater ist tot I"-- — Ein Theaterzettel. In der„Straßburger Post" veröffent- licht ein Mitarbeiter seine Sammlung komischer Theaterzettel. Die Perle der Sammlung ist solgende Anzeige, die im Jahre 1832 in einem kleinen sächsischen Dorfe angeschlagen wurde: Hennte, Diencstag, aufzuführen zum Vordeil der Gesellschaft allhie Das Schmuckkästchen oder der Weg zu Herzen! Ein Snuspil in für Akt, von Kozeburg, Dichter. Die Musigk von Richter und Mozard allda. Person I Baron Durlach, ein guter Mann.. Herr M. Amalie, seine Gadtin, jung..... Frau S. Die alte plauschette Landrättin.... Frau P. Graf Esellingcn, Schwalid..... Herr B. Chrisdiana, rührender alter Diener.. Herr M. Advogad Baueunann, komisch.... Herr P. d. 5. Sohm, Kammer......... Herr P. d. j. Die Handlung Spillt im Dcater. GelibteS Publuqum I Dieses Stug haste sogar in Wien und Berlin gefallen und ist auf alle große Deater gefallen, denn es ist Lustige» Teinperamend, die muß hie auch Bey'fall finden, weilen es Lnstig ißt und die ald Landrättin Vilcs blauscht un rädet dabey. Auch ißt Moral dabey. Preis der Plätze um 6 Uhr und mit Schlag Uhr an- gefangen. Die Gesellschaft allhie.— ie. Tie Kultur der Reger in Nordamerika. Ein Korre- spondent des Londoner„Lancct" teilt auS New Jork eine Statistik mit, die die Erfolge der Negcrbevölkernng in den Vereinigten Staaten in ihrem Streben nach Civilisation kennzeichnet. In den letzten 33 Jahren ist der Teil der Negcrbcvölkcrung, der weder lesen noch schreiben konnte, um 43 Proz. gesunken. I» den gewöhnlichen Schulen werden l'/a Millionen Negcrkindcr unterrichtet, an den höhere» Instituten befinden sich 40 000 Neger als Studenten, 30 000 nehmen die Stellung von Lehrern ein. Ferner studieren 20 000 Neger Handelswissenschast, 1200 liegen klassischen Studien, 1200 der Beschäftignng mit den Naturwissenschaften ob und 1000 bilden sich für den kaufmännischen Stand vor. Neger, die einen akademischen Grad erreicht haben, gicbt es gegenwärtig 17 000. Die von Negem begründeten Bibliotheken haben einen Umfang von 230 000 Bänden, es bestehen 136 Institute ausschließlich zur höheren Ausbildung von Negern. Die Zahl der schwarzen Aerzte beträgt 300, diejenige der vo» Sicacvn gcschrlcliciicn Viichcr 300. 250 STfflcr bckkeidcn eine Stelle in der Nechlsprecknnig. Ferner �iebt es ö von Regern geleitete Vanken, 3 von solchen herausgegebene Zeitschriften und 400 von Schwarzen geleitete Zeitungen. Der Werr ihrer Bibliotheken wird auf 2 Millionen Mark geschätzt, der Wert ihrer Schulen auf 50 Millionen. Seit dem Kriege haben die Reger selbst für ihre Er- ziehuiig etwa 40 Millionen Mark ausgegeben.— Theater. — Schauspielhaus.„Der Herr im Hause", Lust- spiel in vier Anfjügen von Paul Lindau.— Mit einem Kollegen einigte ich mich im Zwischenakt auf„harmlosen Blödsinn-'. Immerhin aber muh bemerkt werden, dah der Blödsinn nur darum Harm- los ist, weil Herr Lindau ein abgethaner Litterat ist, den mau laufen lassen kann. An und für sich ist das Handwerk, das er treibt. ganz und gar nicht harmlos. Es wird sofort gemeingefährlich, wenn es einen„goldueu Boden" bekommt. So lange mir die Abomieuten des Schauspielhauses gezwungen werden, de» widerwärtigen Kinderbrei zu löffeln, den Herr Liiidan anrührt, ist zur Benmaihigimg kein Grund vorhanden. Sollten in der Folge aber die sähe» Schüfteln auch auf andern Tafeln dampfen, mühte die Kritik doch Anstalten treffen, sie hinwegzuräiimeu und dem Sudelkoch sein Gewerbe zu legen. Der Fall scheint indessen, wie gesagt, nicht einzutreten. Auch in der litterarischen Spekulation giebt es so etwas wie eine„Entwicklung" und von dieser Entwicklung ist der geistreiche Paul überholt. Herr Blumenthal hat von der Konkurrenz seines gleichwertigen Kollegen nichts zu fürchten. Einen eigentlichen Inhalt hat das„neue" Stück selbstverständlich nicht. Ebenso selbstverständlich aber ist es, dah Herr Lindau einen Inhalt wenigstens vorspiegeln muh. Wenn dadurch eine Erzählung entsteht, in der der eine Satz immer vom nachfolgenden anderen aufgehoben wird, so ist das lediglich ein dramatischer Vorzug. Es bleibt auf diese Weise schließlich nichts übrig und das Publikum wird also auf dem Heimwege auch durch nichts beschwert. Die Fabel, die Herr Lindau der Lammsgeduld seines Publikums zumutet, ist etwa folgende: Mann Weib und Hausfreund leben einträchtiglich zusammen. Der Hausfreund ist aber gar kein Hausfreund, sondern einfach ein heiratsscheuer Junggeselle, der sich einer gefefteten Moral erfreut. Schließlich ist er aber auch nicht einmal ein hciratsscheuer Junggeselle, denn er heiratet einen reichen Backfisch vom Fleck weg. Auch die sozusagen gemeinsame Ehefrau ist keine schnöde Sünderin. Der bekanntlich sehr keusche Paul würde so etwas nie zulassen. Vielmehr ist sie eine edle Seele, die der Heirat ihres Hausfreundes, der gar kein Hausfreund ist, loyal ihren Segen giebt. Somit löst sich der Unsinn in das pure Nichts auf und vom Stück bleibt nichts übrig, als der berühmte »glänzende Dialog". Was es mit dem„Glanz" dieses Dialogs auf sich hat, mögen unsere Leser an einem Beispiel erkennen. Äne alte Tante vergleicht die Ehefrau mit einer Klette, die sich der Hausfreund an sein Leben gesetzt hat und dann hält sie dem Bedauernswerten etwa folgende Rede:„Alles in der Welt ist in einer großen und einer kleinen Ausgabe vorhanden. Es giebt einen großen und einen kleinen Bären, ein großes und ein kleines Ehrenwort, einen großen und einen kleinen„Meyer". So giebt es auch eine große und eine kleine Klette. Die große wird gefahrlich durch die gemeinsame Schuld: die kleine durch die Macht der Geivohnheit. Sie, mein Freund, haben die kleine Klette." Soviel über den„Glanz" des Dialogs, den man nach dieser Probe Sebuhreud zu würdigen wissen wird. Das etwas wehmütig ge- immte„Berliner Tageblatt" ist so glücklich, in dem Mit- geteilten einen„Ansatz" zu einer„Moral" zu sehen, der leider nur nicht ganz ausgereist ist. Wenn das intelligente Blatt genauer hin- gesehen hätte, hätte es mit seiner eminenten Fachkenntnis auf diesem Gebiet leicht entdecken müssen, daß wir einfach eine Rcdeblüte vor uns haben, deren Kelch- sämtliche Wohlgerüche des„Geistes" ans- strömt, der im„Ulk" so liebevoll gepflegt wird. Gespielt wurde der dialogisierte Unsinn gut.— E. 8. W**—»-i: Technisches. — Die industrielle Verwertung des Maises. von Jahr zu Jahr wachsen die von den ungeheuren Ebenen Nord- amerikas erzeugten Getreidemengen. Vor allem ist es der Mais, der mit größter Leichtigkeit vom' Boden produziert wird und als Nahrungsmittel für Menschen und Tiere auch in Europa eine jähr- lich steigende Rolle spielt. Gegenüber Weizen und Roggen ist er in- folge seines niederen Eiweißgehaltes und seiner schweren Verdaulich- keit als minderwertig zu erachten: dagegen ist er als Stärke- kieferant von höchster Bedeutung für die Zukunft, möglicherweise von größerer als Roggen, Weizen und Kartoffeln zusammengenommen. Run ist besonders angesichts der außerordentlich bedeutenden diesjährigen Maisernte der amerikanischen Fanner nicht nur der zunehmende Gebrauch dieser Frucht als Nahrungsmittel, sondern auch der sich stetig erweiternde Maisverbrauch in der Industrie von erhöhtem Interesse. Während der letzten Jahre hat die Verwendimg des Maises zu iudustrielleu Zwecken eine so starke Steigerung er- sahren, daß er gegenwärtig für etwa zwanzig verschiedene Fabrikate das Rohmatericil liefert. Die vornehmlichsten Produkte, für welche Mais jetzt das Rohmaterial, find: Traubenzucker(Ofylcoss) Dextrin. Stärkemehl, Oel, Oelkucheu(aus den fettreichen Keimen), Spiritus und Kantschuksurrogat(aus Maisöl). Der Deraiilwortlichcr Redaeieur: Paul Joh» in Berlli Maiszucker wird verwendet in der Brauerei, bei der Herstellung von Limonaden und Fruchtkonfcrveu. das Maisstroh m Papierfabriken. als Polstermaterial und Rohstoff für Rouleanx usw. Thaffächlich hängt also bis zu einem gewissen Grade eine ganze Reihe wichtiger Industriezweige von dem Erträgnis der Maisfelder ab. Betreffs des neuesten Maisgebrauches zu industriellen Zwecken find es daher in erster Linie zwei Fabrikate, welche einen umfangreichen Koiffnm von Mais in Aussicht stellen. Einmal ist damit die Ber- Wendung des Mais bei der Herstellung von rauch- schwachem Pulver gemeint. Hunderttausende von Gallonen Maisspirttns sind bereits in den Pulverfabriken gebraucht worden. Roch mehr verspricht aber, nach Ansicht der„N.-D. H.-Z.", die zuletzt aufgekommene Verwendung des Maises zur Herstellung eines Kautschuksurrogats. Es wird von den Erfindern des letzteren vehauptct, daß dasselbe zu einem Preise von 50 Pfennig pro Kilo- gramm hergestellt und in Verbindung mit einer gleichen Menge von Paragummi für alle Kantschulartikel venvendet werden kann.' Mau braucht dies nicht zu glauben� aber seit einiger Zeit werden der- artige Behauptungen so oft wiederholt, daß man auf die ihnen zu Grunde liegenden Thatsachen neugierig wird. Immerhin wäre es möglich, daß sich ans Maisöl ein Kaiitschiikersatz(Faktis) gewinnen ließe, wie aus dem bisher dastir Vertvendeteu Leinöl und Baumwoll- samenöl.—(„Techu. Rmidsch.") Humoristisches. — Schlau. Der Schneider-Jakl kam Sonntag mit einer der- art zerrissenen Hose in die Kirche, daß er bei einigen frommen Gemütern Anstoß erregte und ihn der Pfarrer nach Schluß des Gottes- dienstes zu sich heranwinkte.,„Schämst Di net," sagte er.„mit auer solchen Hosen in d' Kirchen z' temma? Du bist ja a Schneider, warum flickst D- Dir's uet?" „Schaun S', Hochwiirden," meinte der Schneider-Jakl,„i Hab jetzt su viel Arbeit, wo i was verdea»', daß i ini mit auer solchen Flickcrei, für dös mir kans was zahlt, net aufhalten kann." „So, so," sagte der Pfarrer,„damit Du net z' kurz limmst, gib i Dir fufzig Kreuzer und dafür wirst Du Dir Sei' Hosen schön sauber herrichten." Der Schneider-Jakl sagte:„Vcrgelt's Gott zehntausendmal!" und ging. Wer aber am nächsten Sonntag wieder mit einer zcr- rissenen Hose in die Kirche kam. war der Schneider-Jakl. Jetzt wurde dem Herrn Pfarrer die Geschichte zu bunt; er ließ sich den Jakl rufen und herrschte ihn an:„Du Lump, Du! Hab' i Dir net vorigen Sonntag fufzig Kreuzer geben, damit Du Dir Dem' Hosen flickst und jetzt kimmst mer no' allweil s o daher?" __„Das hat scho' sei' Richtigkeit", sagte der Jakl bedächtig,„aber wissen S', Hochwürden, i Hab mir die Hos'n z' Hans g'nau an- g'schaut; die iS so zerrissen, das i's beim besten Willen unter an Gulden net flicken kann!"—(„Meggend. hum. Vl.) Notizen. —«Uebe» Land und Meer" ist seit Beginn des neuen Jahrganges zn einer etwas besseren„Woche" geworden. Das Papier ist glatter, der textliche Inhalt geringer; an die Stelle der Holz- schnitte sind Autotypien getreten. Dieses Verfahren ist um mehr als die Hälfte billiger als der Holzschnitt. Die Folge der Aeude- rimgeu ist, daß die il y l o g r a p h i s ch e A u st a l t der deutschen Verlagsanstalt(vorm. Ed. Hallberger) in Stuttgart vom 1. Januar 1900 ab aufhören wird zn existieren. Zn diesem Termin ist sämtlichen 16 Gehilfen des Justituls gekündigt worden.— — Für das Goethe-Denkmal in S t r n ß b u r g i. E. wird ein Preisausschreiben in kurzem veröffentlicht. Die Samm- lnngen haben den Betrag von 110 000 M. überschritten.— — Ein neues Schauspiel von Paul A. K i rste i n ist für das neue Hamburger Schauspielhaus zur Aufführung angenommen. Das Stück führt den Titel„Das Ende" und behandelt einen Konflikt ans dem Ehe leben.— — Zur Zeit der Weltausstellung 1900 sollen in Paris Auf- stihrungen der schönsten, zum Teil bisher unbekannten H y m u e» aus der Zeit der Revolution veranstaltet werden. Ans der Zahl der Werke(mehr als hundertsiinfzig!) werden die hervorragendsten ausgesucht werden; Werke von Mehnl. Cherubini, Lesneur. Cossec, Martini und anderen. Unter diesen Arbeiten befinden sich einige von sehr beträchtlichem Umfang; das größte ist vielleicht der „Nationalgesang vom 14. Juli 1800" von Mehnl, das für drei Chöre und drei Orchester geschrieben ist. Alle diese Werke wurden komponiert und zu Gehör gebracht in den 10 Jahren von 1790 bis 1800.— — Leonardo da Vineis„Heiliges Abendmahl" ist, wie dem„B. T." aus Mailand berichtet wird, in Gefahr, durch Feuchttgleit der Wand völlig zerstört zu werden. Das Bild ist bereits mit einer Schicht Schimmel bedeckt. Eine Kommission von Fachmännern wird versuchen, der weiteren Zerstörung Einhalt zu thun.— — Eine Volks-Sternwarte nach Art der„Urania" wird st, Kanada ans den Mitteln einer privaten Stiftung errichtet.— — Inder Redattion des„ P e t e r b n r g s ki Listok" fand vor kurzem eine interne Feier statt: der mtter dem Psendonom „Dossushi" schreibende Mitarbeiter I. N. Gerson hatte seine 500000 Zeile in den Druck gebracht.—_ . Druck und Verlag von tvtax Badtug in Berlin.