Mnterhaltungsblatt des Wortvärts Nr. 222. Soimwg. den 12. November. 1899 fSRndibtucf verboten.) 2] Zwischen jntei Schevzvn. Erzählung von L. Verni. „Und Dein Mann ist ein so tüchtiger Maler, ein wirklicher Künstler!" fuhr Bianca in demselben begeisterten Tone fort. „Sehr tüchtig", gab Elise zurück, noch trockener als vorher. Und es entstand eine Verlegenheitspause. Nach einer langen Trennung, wenn man sich so viel zu sagen hat, geht es, wie mit einer vollen Flasche, die man plötzlich umkehrt: es gurgelt und gurgelt in der Kehle, aber fast nichts kommt heraus. Und die Fülle drückt, man möchte mehr herausbringen, aber an der Kehle fühlt maus wie einen Knoten, das; man zn ersticken glaubt. Endlich fiel es Bianca ein, dafi nicht alle waren wie sie, und daß Frauen auch manchmal Kinder hätten. „Hast Du Kinder?" fragte sie sanft. „Ja, ein Kind..." und die Schleusen der Herzen öffneten sich. Sie hatte ein Kind! ein liebes, süßes Mädchen, aber so zart, so kränklich I Es war eine Seelenpein, sie so leiden zn sehen! Und jetzt mußte Elise auch fort, schnell fort, denn die Kleine war allein zn Hanse. „Gut, geh schnell", sagte die Freundin,„ich begleite Dich." Elise sah unzufrieden ans: dann sagte sie entschieden: „Nein, komme nicht mit; wir sind arm, tveißt Du. Unser Hans ist nichts für Dich." Bianca wurde ganz rot. Was lag ihr an dem Hanse? Das Kind, die Kleine wollte sie sehen. Und während sie die nndtn-e. liebevoll zwang, einzutreten nnd sich zu setzen, fügte sie hinzu:„Sieh aus die Uhr, es ist eben zehn, ich habe gerade Zeit; Alberto frühstückt bei Thompson, ich bin feierlichst zn Tante Ida eingeladen— heut' ist ihr Namenswg— in einer Viertelstunde ist der Wagen zur Stelle. Wenn Dn einstweilen das Album ansehen willst... Ich ziehe mir schnell ein Kleid an nnd in fünf Mtnirten bin ich wieder hier..." Aber ans den fünf Minuten wurden zehn, vielleicht fünfzehn, und Elise, die sich zu Anfang in den Sessel zurück- gelehnt hatte, mit dein einzigen Wunsche, sich auszuruhen, mit der lässigen Anmut der Frau, die sich in ihren« Element befindet, begann sich nmznschen: schwere Vorhänge aus rotem Damast, alte Oelbilder, all' die tausend wertvollen NiPPs- sachen— kostspielig und überflüssig, wie manche desserts— alles voll, übervoll, alif jedem Tisch, in jeder Ecke, an jeder Wand rttvas, und etwas, das augenscheinlich sehr«vertvoll war, ein aufdringlicher Lnxns, de.r nicht unbeachtet bleiben wollte. Und je länger Elise hinsah, umso mehr richtete sie sich auf nnd nahm wieder ihre steife nnd abweisende Haltung an. Als Bianca znrückkkain, fand sie die Freundin auf cineii« kleinen Rohrstnht, stds wie eine Statue. „Wie viel schöne Sachen Dn hast", sagte sie leichthin, als Ivolle sie Plötzlich den Ton der Gesellschaft anschlagen, die zn diesem Salon gehörte. „Ja," mitwortete Bianca beim Hinausgehen,„alles Albertos Verdienst. Das Empfangszimmer hat er eingerichtet. Wenn ich Dich zu mir hineingeführt hätte, wären wir gar nicht mehr fertig geworden. Denke Dir. ich habe sogar noch das Nadelkissen mit dem Vergißmeinnicht, das Dn mir ein- mal zun« Namenstag gestickt hast." Und unter dem Einfluß dieser liebevollen Wärine, der sie unwillkürlich unterlag, taute Elise von ncnem auf. Als sie im Wagen waren, schon am Fuße des Hügels, auf dem die Villa lag, rief Bianca mit leichtem Bedauern aus:„Wie schade! wir hätten die Rosen, die in der Vase sind, mitnehmen können... Hat Deine Kleine Blumen gern?" „Ach! und wie gern!" sagte die Mutter leise, nnd beinahe traten ihr die Thrüncn in die Augen. Bianca hatte in eine offene Wunde gefaßt, denn die arme junge Frau war gerade darum, um ihrem Kinde eine Rose zn bringen, nach der eS schon lange verlangte, bis nach den Hügeln von Ficsole gegangen. Aber wie hätte sie die fünfzig Centimes zahlen können, die der Gärtner dafür verlangt hatte! Und Bianca hatte ein Dutzend Rosen bei der Hand gehabt! Deshalb that ihr der. Ton.flüchtigen Bedauerns weh. Was waren ihr diese Rosen gewesen! Bianca wurde dieser Erregung gar nicht gewahr, weil deren Gründe zu sehr außer dem Bereiche ihrer Einbildnngs« kraft lagen. Aber zärtlich, liebevoll, ahnungslos.>vie sie war, that sie tausend verfängliche Fragen nnd drang freundschaft- lich auf eine Antwort, eine vollständige Antwort ohne Rück- halt, so daß sie schließlich die herbe Verschlossenheit Elises fast besiegte. Jene aufrichtige nnd unbefangene Güte hatte eine un- widerstehliche Gewalt und drang in die arine verhärtete Seele wie eine Liebkosung. So nahin Elise Beinerknngen hin, die ans andern« Munde sie in sich selbst hätten zusammenziehen lassen wie einen Igel, den man anfaßt, nahn« sie hin, ohne sich dessen belvnßt zu werden. Auch ihr eigenes abgetragenes Kleid kam ihr nicht znin Bewußtsein, der völlige Mangel jeden Schmuckstückes— sie hatte nicht cinnial ihren. Trauring. Der Äontrast zn jener anmntigen kleinen Fran in dem herrlichen Pelz, mit dein Hütchen voll Blnmen und- Federn, den beide«« riesigen Biillanten in den kleinen Ohren— nein, all das kam ihr nicht zilin Bewußtsein. Diese Einzelheiten in den« weichen eleganten Wagen trugen aiich dazu bei, einen Zustand har- monischen, träumerischen Wohlseins in ihr hervorznrnfen. lind Blatt für Blatt öffnete sich ihre Seele lvie eine Blume unter den Strahlen der Sonne. Wie viel wurde in der halben Stunde, während der Fahrt von der Villa der Gräfin Sassoriuovo zu Elises Wohnung gesagt,«vie viel verschtvicgen? Konnte Elise, die freilich ciiie romantische Heirat gemacht hatte, aber gegen den Willen der Eltern, ohne die Zustiinmnng der Gesellschaft, zu der sie gehörte, konnte sie jemals all die moralischen Wl»«den, all das Widerwärtige und Geineme aufdecken, die diese Ehe für sie zur Folge gehabt hatte? All die schmählichen Ans- Wege, die Schulden nnd so weiter? Und«vie viel von alle- dem hatte die rosige Bianca aus den flüchtigen Anspielungen verstanden, sie, die immer in parfümierter Welt gelebt hatte? Gewiß ist, daß Bianca nicht erstaunt war, sich auf einer engen, dunklen, steilen Treppe zu befinden, auch nicht, als sie einen Ausdruck des Ekels auf dem Gesichte der Freundin sah bei dem Tone einer männlichen Stimnie, die dann glücklicher- «veise in der Ferne verhallte. Wenn sie sich auf dein letzten Teile der Treppe, die alls Holz war und ganz durchlöchert und bei jedem Schritte knackte, eines Gefühls der Beängstigung nicht erwehren konnte, so vergaß sie doch, an der Thür an- gelangt, alles andere über dem Verlangen, die Kleine zu sehen. Während Elise den Schlüssel umdrehte, schien ihr Plötz- lich ein Gedanke zu kommen: sie«vandte der Freundin ihr Gesicht zn— ein so sorgenvolles Gesicht „Verzeih, aber mir fällt ein, daß Maih««ie einen fremden Menschen sieht; ich möchte nicht, daß es sie a«lfregte... verzeih... ich beirachrichtige sie vorher... warte einen Augenblick hier..." Und dann ließ sie Bianca auf dem Treppenabsatz stehen. Die Wohnung tvar sehr eng, so daß Bianca nicht anders konnte, als alles verstehen. Ein leises Flifftcrn drang a» ihr Ohr; erst sprach Elise, dann eine kleine schrille Stimme, schivächlich, aber entschlossen: „Nein, nein, ich will niemaildcn; nur meine Mama. Ganz für mich. Niemanden will ich. niemanden!" Und dann wieder das leise Flüstern, Elises Stimme, die augenscheinlich zn überreden suchte, aber sanft, ohne Eifer. Für sie waren jetzt die Wünsche ihres Kindes heilig geworden, etlvas, denen anf alle Fälle gelnillfahrt«verde«« mußte. Beim Tone des Kinderstinimchens, das iuiiiier schriller und kreischender tvlirde, in einer krankhaften Aufregung, fühlte sich Bianca das Herz zusammenschnüreii. Sicher«var es besser, ein Ende z«« machen; es«var auch so kalt auf dem Treppen- absatz. Und sie stieß die Thür a«lf. Sofort verstnninite die Kiilderstiuime: Die kleine«« magere«« Aermchen, die um den Hals der Mutter geschlungen waren, sanken herab, das schmerzlich verzogene Gesichtchen glättete sich, vo«« einem sanften Lächeln erhellt. „Oh, Maii«a... ist es die Mutter Gottes?" rief die Kleine, voll Bctvnndoruug die Visioi« anschauend. Ach über die glückliche,«vohlthätige Sicherheit dessen, der immer gern gesehen, inniier bewundert nnd geliebt«vorden — SSO— ist! Elise, die so staik lind tapfer tvar gegeu die Ronhheiten deS Lebens, hätte ine das«zlcichc gewagt: und sie sah Bianca sprachlos an und auch in ihrem Blick lag Bewundcrung. Dann sägte sie mit ungewohnter Herzlichkeit: „Komm herein, Bianca, und sehe Dich nieder." Und diese, die unbeweglich ans der Schwelle gestanden hatte, setzte sich der Kleinen gegenüber. Mary war kein hübsches Kind,— wenige Mädchen so um die zehn Jahre herum sind hübsch,— aber ihre blauen Augen leuchteten groß und mit einem mondscheinartigen Schimmer in dem abgezehrten wächserneu Gesicht, und sie hatte ein liebes Lächeln, so müde, so herbstlich für ein Menschenkind, daS noch nicht den Frühling erreicht hat! Bianca hatte sich einen Handschuh ausgezogen und begann mit ihrer weichen Hand die knochige Hand der Kleinen zu streicheln. Von Zeit zn Zeit traf eins der gelblichen mageren Fingerchen in die weihen Grübchen, und der halb scheue, halb liebevolle Blick des kranken Kindes suchte den ihren. Ein Strom lebhafter Sympathie hatte sich schnell zlvischm beiden gebildet, sei es auch nur dank des großen Kontrastes, der zlvischen ihnen bestand. „Und sage, willst Du mich haben?" fragte Bianka kokett. „Ja, ja, immer, immer.. antwortete das Kind fast inbrünstig. Und Bianca versprach, zu kommen, Spielzeug und Blumen zn bringen. Elise sah und horte alles gleich- gültig an. Seit sie in diese eisige, kahle Umgebung zurückgekehrt war, hatte sie die Euipfindung, als gerönne alles Blnt in ihren Adern; nach dem blitzartigen Lichtblick senkte sich die Marter des täglichen Lebens noch bleierner ans ihre Seele, und sie sah auf die rosige, lächelnde junge Frau in dem warmen Pelz, mit den Brillanten in den Ohren, mit den wohlgeordneten Löckchcn auf der Stirn, und auf ihr Kind mit den zu großen und zn leuchtenden Augen. Gleichgültig, zerstreut wiederholte sie:„Danke, danke." Allmählich empfand Bianca den Ans- druck ihrer Angeu und die Kälte dieses„Danke", und da sie cS sich nicht erklären konnte, begann sie sich sehr nngemütlich z« fühlen. Der magnetische Sfrom zwischen ihr und dem Kinde schien unterbrochen, und da sie nicht wnßtc, was thnn oder sagen, begann sie unmerklich, die Gegenstände um sich herum zu mustern. :.(Fortsetzung folgt.) SottnkLigsplttnverer. Der verheerende Streit»in den richtige» Anfang deS neuen Jahrhunderts— hie 1900, hie 1901!— wird im» glücklicherweise doch seine endgültige Erledigung siiidcn. Nicht mir die kleinen, schlvachhirnigcn Mciischlein, sondern auch der iin Thatenstunn rastlos wogende Wcltgeist selbst ist sich nicht klar geworden Über den wirk- lichen Beginn deS 20. JalnhniidcrtS, und»m allen Weiterungen und jeder Möglichkeit des JrrtimrS— der Wettgeist darf ja nimmcr irren— zn entgehen, hat er dnrch die Anordnung cincS koSini- schen Droschkcngauljlurzes das Problem zwar nicht gelöste ober beseitigt. Um' den beschämenden Schnitzer zn vermeiden, daß das Jahrhur rdcrt an unrechter Stelle wechselt, wird cS überhaupt kein neues Jahrhundert geben. Noch rechtzeitig, bevor wir mis zu cnt- scheide» hätten,»vauir wir die Morgenfeier des»erien Zeitabschnitts rauschend begehen sollen, wird ein eigens zn diesem Ziveck delegierter Komet uns der Mühe deS Entschlusses und der Gcfabr eines chrono- logischen TänschnngSvcrsnch« entheben, indem er sacht gegen den Erdball läuft und ihn in ein Häuflein elliptisch kreisenden Wcltjtnubs verwandelt. Freilich wird dnrch diesen Unfall nebenbei auch vcr- hindert, daß PodbiclskiS geniale Idee, nationale bestgesinnte Wahl- flugblärtcr, sowie reich-, thron- und altartrcnc Leitartikel in der handlich-anschnulichcn Form bon AgitationS-Bricsinarken mit vater- ländischen Sceiicn und Symbolen zu einem wahren perpetuurn mobile sclbstthätigcr Militär-, Flotten- und Zuchthanslvcrbung zu gestalten, in der Wirklichkeit fiCa bewähre. Auch muß der schöne Gedanke des schwimmende» Deutschland i>n Keime ersticken, ehe cS erreicht ist, daß jeder mündige Deutsche sein Paiiznichiff im Meer- stall hat— aber wenn man ein solck, wichSigcS Ereignis wie den Lusanmtcnstvß zweier Weltlörpcr erleben darf, soll»lau eben lernen, anf einige minder bedeutsame Annehmlichkeiten ruhig zn verzichten. CS ist allgemein bekannt, daß am 13. November 1899 jenes Vorkommnis sich erfüllen ivird, das wir in unserem Größen- Wahn als Weltuntergang bezeichnen. In Wahrheit meinen wir nur eine Verstauchung des winzigen ErdgeslirnS, eine Begebenheit, die im Verhältnis zu dem Haushalt der Welt, deS Universums, in der That nur de» Wert hat, den wir in irdischem Vergleich einem Droschkengaulstnrz beimessen. Ja eigentlich ist'S»och weit toenigcr, denn diese ganze Katastrophe wird auf den Straße» des Alls nicht für den Bruchteil cincS Angrnbkicks VerkehrSslönnigen hervorrufen, und lein Marsbewohner tvird dnrch ein klirrendes Fenster aus seinem Schlaf»nd seinen Träumen gerissen werden, die von dem dortigen Visioncii-stpidikat anf Bestellung, nach Wunsch und Maß jede Nacht frisch geliefert werden. Indessen, man kann zugestehen, daß mich ein zn einem Erdiintcrgang zusammengcschrimipster Wcltbrand für uns Erd- bcivohncr eine lnnlänglich starke Sensation bedeutet. Um so wunderbarer ist es, daß»ieinandeil die Sache sonder- lich erregt. Keine Spur von dem Grauen der Ver- uichtung, von dem rasenden Anfbämnen des Lebensgcfühls und der DaseinSbegierdeu! Nur die RcdaktivuSuzrr sind fleißig und fragen bei einer vcrehrlichcu Schrislleittmg an, um wie viel Uhr die Welt unterginge und ob nrau das Ereignis in Berlin sehen könne. Prophetische Händler verkaufen Weltuntergangs- Ansichtspostkarten, und es fehlt mir»och, daß findige Unternchmer Tribünen errichten. um das Schanspic! bequem zn verfolgen. Kurz die Rirküiidigung beschäftigt nur die Witzbolde und Possenreißer, und kein Millionär schenkt einem Bettler einen Thaler, weil in ein paar Tagen ja doch Silber nur als tote chemische Materie gleichgültig von den Trümmern der alten lebenden und schaffenden Bewußtseins beraubte» Erde sinnlos im Rieseukreiie rundum getragen Iviirde. Höchstens, daß bemittelte Geisteskranke, die Jahr für Jahr ihre rmheimkichc» Delirien über den Uutergaug der Welt in wüste» Büchern dein Publiken anbieten, heuer eine vennchrte Produktion anfwciscu. So hat kürzlich jemand in einer z» Hamburg erschienenen Schrift das Weltend: aus den Bildern der geheimen Offenbarniig des heiligen Apostel Johaimes enträtselt und gegen- über dem Komcteudatum Fnlbs das J>rbr Ivöl berechnet, indem er die Anfangsbuchstaben der vier Evmmclwn als römische Zahlzeichen »cbciicinnndcr setzte. Und i» einer Tafel der irdischen Ereignisse hat der Mann dar folgende weltgeschichtliche Mcun entworfen: EphesnS 1. Kirchzeit.' Smynia 2. Kirchzeit. Pcrganius 3. Kirclizcit. Thyatira SardiS 4. Kirchzeit. 5. Kirchzeil. Siehe HolzhanferS sieben Kirchzcitcu. Philadelphia 9. Kirchzcit. I1/» Stunde Pause. Katt'vnaliSmuZ, Materialismus und Spiriiisnins. Leo EIIL) Triumph der Kirche:„Ijuls arckens" Retter aus Sivn. 1. Pofarute: Landkrieg. 2. Posamre: Seekrieg. Laodicia Auseng: 3. Posaune: Uoliglo ckL- l papnlala I 4. Posaune: kickes ü:-( kreplga f 6. Posaune: Großer mnhamcdanischcr Weltkrieg. V. Posanne: Laster angekienz. 7. Ernrordnng der zwei Zeugen. V Siegel in Lacdicia: Pastor et uanta, Wcgzng dc-Z Papstes von Rom. Flos Horum, Babel ist gefallen XI?. 8. Rcpctitie» XVIU. Kap. Auszug der Inden ans der heidnischen Welt nach Jcrn- salem. De modietatc iuaae, Berändernng der Dinge. Os Uboro Solls, BSeltlricg(Pro pH. Joel 3. 14— 20). 1. Zornschalc: Gcschlvür-Kraukheit. 2. Zornschale: Vcrderlnmg des Meeres. 3. Zornschale: Vcrdcrbnng der Flüsse und Wasscrqncllcn. 4. Zornschalc: Große Somicnhitzc. 5. Zonischale: Verfinsterung des babylonischen Reiches. 6. Zornschale: Versammlung aller Antichristen zmn Streite GotteS. 7. Zornschale: Sturz der babylonischen Welt. Bcrivüjtung aller Städte der Heiden. Großer Hagel. Ankunft deS Herrn, Sieg über alle Antichrist««. Glvm Olivas. Pctruö IL Anferstchmig der Toten. Tausendjähriges Reich. Letzter Kampf. Weltgericht., ?lcile Welt. Himmlisches Jerusalem. Man n»>ß solche tollen Eingebungen cincS auS den Fugen ge- ratenen Kopfes lese», um sich in die Stimmungen jeuer Zeiten zurückzuversetzen, da die Ankündigung eines Wcltruitcrganges die christ- lichen Völker in eiiien Taumel verzückter Furcht hineintrieb. Das Gestammel eines Irren, ivie es sich in unserer Tafel irdischer Er- eignisse äußert, wäre um daS Jahr 1000 als höchste Offenbarung bestaunt worden, und die verängstigte Menschheit hätte sich, gepackt von der Seuche des WcttuntcrgangS'.vahuL, brünstig an solchen Spnk- Phantasien erregt. Heute lacht man und übermütiger Spott nmflirrt die grausige Weissagung, an die uienumd glaubt. DaS wissenschaftliche Denke» hat uns gelehrt, der strengen Gesetzmäßigkeit deS Weltwattens zu vertrauen, die menschliche Entdeckerlraft in Zahlen. Formeln, Gleichungen nüchtern und gewaltig zugleich gefestigt hat. Mit einem tühnen Bilde drtif tuet ii feißcn: Die Gestirne laufen in den Bns)»eii des ivisseiiscyastlichcu Bewußtseins, und so lauge es»ncnschlich« Wissen- schast und menschliches Denken gicbt. verniag kein furchtbares Wunder und kein regelloses llngcsähr die tvandclnden Weltkdrpcr tion diesen gesetzlichen Bahnen auch nur um ec» Fingerbreit abzulenken. Die Welt kann nicht initergehen, die(hbc nicht zerschellen, ehe nicht der letzte Menscheugednule erloschen. Das ist der EwigkeitSglanbc der nenen, von der Willkür wirr treibender Gefühle geläuterten Menschheit, die nicht mehr bebend Gespenster schaut, londern rüstig in wachender Helle Gestalten schafft. Es ist ein oft versuchtes Spiel der Dichter, sich Uorznsiclle», was die Menschheit treiben würde, wenn ihr morgen der Untergang sicher wäre. Sie pflegen nicht eben Gemälde zu ciitwcrsen, in denen sich der Kiiltursiolz der Menschheit sotmen dürfte. In orgiastlsche Siimenwiit laffen sie gern die dem Tode Verfallenen ausbrechen, in cnie Tobsucht dlulig geiffelndcn Genicffens. Nichts NcincS und Edles regt sich als letztes Wunsche». Alle Begierden werden losgekettet, was Siite und Zwang mühsam gebändigt, schäumt fesselios ans. DaS Verbrechen wird Regel, das Laster Tugend, das Unnatürlichste wird Antnr. Man erschöpft sich in der Ersüidnng unerhörter Lüste, und in schamlosem Hexensabbat tanzen die vcrivildcrten, von jeglicher Lulinr entblößten Horden der Ternichinng cnlgegeii. Würde sich wirklich das letzte Wünschen darin äußent, daß alles, Ivas sich die Menschheit in den ZahrUnisendcn mühselig»md opser- froh errungen, angesichts des Eudes abgeschüttelt wird, wie ein lästiges Infekt? Strebte die letzte Sehnsucht nach nichts Höherem. als nach dem Aecht, wieder Bestie zu sein? Mir scheint, das ist eine Verleumdung menschlichen Wesens, und andere Begehrlichkeit tvird sich aiii Rande des Nichts erheben. Vielleicht cntdockt man überrascht als letzten Wunsch die Wnnschloffglcit. Vielleicht erfleht nia» es, nur einmal für einen flüchtigen Angenbüek das gelobte Land zu sehen, das sich der Menschheit cnthnllcii ivird. nachdem es das Dorncngestrüpp des Urlvaldcs mit schmerzenden Händen durch- lichtet. Und sicher ist, daß am Ende der Erde die zwei Uöiiigskindcr des Volksliedes sich gesellen werden, zivische« denen als ei» allzu tiefeS Wasser Vorurteil mid Not scheidend strönite. Das ist der rechte Hintergrund für die Tragödie rntatmcndcr Leidenschaft: über der lcbeuspcndendru Umaruuiüg türmt sich jnst im Angcnblicl der Er- süllnng zcrtrjunincrnd der clvige Tod.... Der Spaßmacher, der Geistesgestörte, der Denker, der finstere und der hoffende Dichter haben ihre Späßc zu der Weltuntergangs- fabel geschnitzelt. TaS bunte Dasei» selbst aber rollt niibckümuiert weiter, sich endlos wähnend. Und doch ist iu Wahrheit der lll. November ein Totenfest u n t c r g e g a n g e u e r Welten. Das himmlische Fniikcngcstöber, das die Erdbewohner mi diesem Tage scheu werden, sind die für ciiien kurzen Äugen- blick noch einmal anfflammeudcii Reste einer längst gestorbenen Welt, deren Atome nun auf andere Sterne schimmernd verwehen. Einstweilen freilich können wir uns den Untergang der Erde schon deshalb nicht dculcii. weil auch der phautasiereichste Kopf sich einen Zustand nicht vorzustellen vermöchte, Ivo Fürst Hohenlohe nicht mehr Rcichslanzkcr wäre. Das ist für uns die sicherste Gewähr, daß die Erde den 13. November überleben tvird.— Joe. Kleines �euillekon« S- Helle Fenster. Die Dunkelheit bricht jetzt ftüh hercin. Die Lampen werden beizeiten angezündet; wcim man iu ocr sechsten Stunde durch die Straßen geht, sind die Fenster hell. Ich liebe die hellen Fenster. Sie erzähle» soviel, ganze Gc° schichten erzählen sie. Da sind die Fenster iu den vornchiurn Häusern, das sind die schönsten. Kein einziges ist dmikel. In lange» glänzenden Reihen ziehen sie sich au den Fronten hin. EftiMeervonLicht flutet heraus, in allen Tonen, bald_ iveiß und swahlcnd, aus fnulr luden Kronen Niederfallend, l>ald milde gcdäuchst von farbigen Scidenschlcier». Das Licht leuchtet fast die ganze Nacht. Und die Vorhänge a» diesen Feilstem— wie edel ihre Muster sind, wie spiniiwcbfcin die Gewebe! «scharf uimisicii heben sich die dunklen Ilebergardinen von dem hellen Hintergrund des Zimmers ab. Sind sie von Lammet oder von Seide? Mau kann es nicht nntcrscheidcii, aber ein kostbarer Stoff muß eS sein, er fällt so schwer und gediegen und ist so schon gerafft.... Es muß sich prächtig wohnen hinter diesen Fenstern, ich kann eS mir so lebhaft vorstellen. Man sitzt am Kamin, in iveichc Seiden- Polster geschmiegt, cinen warmen Fellteppich unter den Füße». Man sitzt und legt die Hände in den Schoß und träumt. Mau ist cigeut- lich nicht miide oder höchstens noch ein bißchen vom letzten Ball, aber es ist hübsch, so sitzen und vor sich hin Nümncn.... Draußen stürmt eS, der Regen fällt, die armen Kinder, die mit Wachs- strcichhvlzeril handeln, ducken sich frierend in ein geschütztes Eckchcu. Hier drinnen aber ist es niollig und licht. Alle Zimuicr sind hell bis in den fernsten Winkel, und wo mau hinsieht, ist etivas Schönes. Bilder und Blumen und Stafticn, weiche Tcppiche und Knute Decken, schwellende Polster mid zierliche Schräiikchcu... Nachher kommt wohl Besuch. Die hellen Zinnner füllen sich mit fröhlichen Menschen. Diamanten blitzen, seidene Schleppen ranscheu. Die Tafel strahlt von Krystall und Silber- gcschirr. Der Braten duftet, die Gläser klingen zusammen nein, ist das Leben schöiil... Aber dann find da andere Fenster. Sie leuchten nicht in ganze» Reihen, nur vereinzelt tauchen sie auf— lange dunkle Lücke» thun sich zwischen ihnen auf. Die Vorhänge sind nicht so kostbar. Das Gewelw in de» Stores ist grob, und die Nntergardincn»scheinen durch". Es brennt auch kein funkelnder Kronleuchter, nur eine schlichte Petroleumlampe, aber hübsch ist es auch hier. Das Licht kommt ans dem Hintergrund des Zimmers. Dort steht ivohl der große Familientisch. Sie haben ihn an den lvarmeii Ofen gerückt. Die Kinder spielen und schreiben Wunschzettel für Weih- nachten, die Mutter hat die Häkelarbeit in der Hand. Dann kommt der Vater vom Bureau und das Mädchen bringt das Abendbrot herein. Es ist»nur einfach", das Abendbrot. Man muß sich einrichten bei dem knappen Beamtcngehalt. Wenn man auf der Straße immer elegant erscheinen und noch die paar standesgemäßen Gesellschaften herausschlagen soll, darf das tägliche Egen nicht viel kosten. Schinkenbrötchen und ein Glas Bier und für das Mädchen ein paar Schinalzftnllcn, mehr kann man wirklich nicht erübrigen,— aber schön ist es doch, wenn man so am kalten Winterabend mit Weib und Kind am wariucn Ofen fitzen kann.... lind iviedcr andere Fenster, Fenster, die sich auch wie große glänzende Perlen aneinanderreihen. Kein prunkender Vorhang gleitet an ihnen nieder. Nackt und kahl starren die Scheiben. Blendend grell fällt der Schein der Glühlichlflammen anf die Gaffe. Welch ei» Helles Licht in den weise» Sälen, die sich hinter den kahlen Fenstern dehnen.... Feiert man dort ein Fest? Huschende Schatten taiickien anf und schwinden, sind es Tänzer, die vorüber- schwebeu? Ja, man feiert ein Fest, das Fest der— Arbeit— ja, es sind Tänzer, und der Hunger selber spielt zu ihrem Tanz die Melodie. Ohne Rast, ohne Ruh tobt er immerfort... immerfort. Zwischen sausenden Maschinen, unter todbringenden Dünste» über Stadt und Land. Wunderbare Sachen entstehen in diesem Tanz. Köstliche Gewänder, weich und schmiegsam. ftmlelndc Sebmuckstücke, herrliche Pruukgeräte...- Behalten die Tänzer die für sich? Sic gehen in Lumpen und ihre Kleider find armselig mid alt. Und werden sie garnicht miide? Wer fragt danach? Wenn sie nur schaffen.. schaffen.. schaffen. Man braucht ja so viel von dem bunten, flimmernden Tand. Die Leute hinter den kostbaren Borhängcn brauchen so viel davon.... Aber vielleicht werden sie doch müde? Man muß einmal warten, bis die Fenster da oben dunkel werden. Wenn sie dann herab kommen in dichten Massen, dann schleichen sie so matt und gebückt dahin, dann hängen ihre Arme so schlaff, tvclk und verschlafen schatte» die Gesichter drein. Wohin gehen sie? Es ist nicht gut sein, da wo sie hineilen. Da liegen die Straßen so finster und traurig, kein Licht leuchtet aus helle» Fcnstcrn, dunkel und tot stehen die Häuser da. Mir graut vor diesen dimleln Häusern. Ich sehe durch ihre Mauern, ich sehe in die kahlen Stube» mit dem dürftigen HauSrat. Der Ofen ist kalt, die Schränke sind leer. Dunkelheit und Stille brütet über dem Raum. Dann tappen Schritte. Eine Thür geht, ein kleines Läinpchcn flackert auf. Ab- grzehrte Gestalten komme» herein und sammeln sich um den leeren Tisch. Die Mutter trägt den gewärmten Kaffee und schiebt einem jeden sein Stück Brot zu. Das kleine Mädchen holt die Schnlheste ans der Tasche und malt mit froststarre» Fingen, unbeholfene Buchstaben... eine Reihe... zwei... dann zimnteru ihre Augen, ihr Kopf fällt aus den Tisch. Sie ist nicht faul, aber sie hat den ganzen Tag das tlcine Kind der Dienstherrschaft getragen. Die Mutter löscht die Lampe, es ist zu kalt, uni länger aufzn- sitzen. Ans dem annscligcn Strohlager drängen sie sich zusammen. einer den ander» mit seinem Leibe wärmend. Dunlelheit brütet über ihnen. O diese schreckliche Dunkelheit! Wann kommt der Tag, wo sie in Licht sich wandelt, Ivo helle Fenster leuchte» überall?— — Einwirkung dcS Trewasscrö auf Metall«. Vor kurzem wurden die Ergebnisse der Versuche bekannt, die zwei Jahre hin- durch in Kiel angestellt worden sind, um die Einwirkung des See- Wassers anf die für den Schiffsbau in Betracht kommenden Metalle, Eisen, Kupfer. Zinn, Zück, Aluminium festzustellen. Blau verfuhr dabei in der Weise, daß man die Metallplauen, welche genau gleich groß und durch Striche in je zwölf gleiche Streifen geteilt waren, zuerst bis zu drei Viertel» eintauchte, und dann zweimal, jedesmal »ach Verlauf von acht Monaten, um drei Striche hob, so daß am Schlüsse ein Viertel der Platten der Einwirkung des SeewasserS mumterbrocheu zwei Jahr« lang, ein Viertel aber ihr gar nicht aus- gesetzt gewesc» war. Es ergab sich, daß die größte Widerstandskraft gegen das Seewasser die Legierung von Eisen und Zink besaß: diese wurde geringer, wenn der Prozentsatz des Zinks stark erhöht wurde. Gnte» Widerstand leisteten auch die Verbindnngen von Kupfer mit Ziim und Alnminiiiin, sowie Eiseubronzen. sobald sie im Kontakt mit Eisen in daS Wasser gebracht worden waren.— Theater. c. Der er st e Theaterzettel von Schillers »Räubern". Einen wertvollen Beitrag zur Geschichte von Schillers dramatischem Erstlingswerk bringt Rudolph Genöe im Novemberhcft der»Zeitschrift fiir Bücherfreunde". Dem Aufsatz ist nach dem wahrscheinlich einzigen noch vorhandene» Exemplar, der sich in Gcnäes Besitz befindet,' ein Faksimilie des Theaterzettels für die Crstmiffühmng in Mannheim am 13. Januar 1732 beigegeben� tu seiner ursprünglichen Erscheinung spiegelt er als.�klassischer Zeuge" die Stimmung der Zeit getreu wieder. Es ist eine Ansprache des Dichters an das Publikum, die mit ihrer pathetische» Uebcrschlvcnglich- leit charakteristisch ist für den Schiller jener stiinnischen Jugendepoche. Solche erläuternde oder lobpreisende Ankündigungen waren auf den Theaterzetteln damals sehr gcbräuchlich.aber sic gingen sonst bom Theater- dircktor ans, während hier der Dichter selbst es war. der zum Publikum sprach. Der Text lautet: Der Verfasser an daS Publikum. Die Racubcr— das Gemaehlde einer verirrten großen Seele— auSgeruestct tnit allen Gaben zum Fuertrefflichcn, tmd mit allen Gaben— verloren— znegclloses Feuer und schlechte Kameradschaft verdarben sein Herz, rissen ihn von Laster zu Laster, bis er zulezt an der Spize einer Mordbrcnnerbande stand, Graetiel auf Graencl haeuste, von Abgrund zu Abgrund stnerzte, in alle Tiefen der Verzweiflung— doch erhaben und ehrwnerdig, gros und majestaetisch im Unglucck, und durch Unglueck gebessert, rucckgefuehrt zum Fncrtrcfflichen.— Einen solchen Mann ward man' im Ltaeuber Moor bctvcinen und hassen, verabscheuen und lieben. Franz Moor, ein heuchlerischer, heimtueckischer Schleicher— entlarvt, und gesprengt in seinen eigenen Minen. Der eilte Moor, ein allzu schwacher nachgebender Vater, Verzaertler, und Stifter von Verderben und Elend seiner Kinder. In Amalien die Schmerzen schwaermcrischcr Liebe, und die Folter herrschender Leidenschaft. Man wird auch nicht ohne Entsezen in die innere Wirtschast des Lasters Blicke Wersen, und wahrnehmen, wie alle Vergoldungen des Gluecks den inneren Gctvissenswurm nicht tocdtcn— und Schrecken, Angst, Neue. Verzweiflung hart hinter seinen Fersen sind.— Der Jueng- ling sehe nnt Schrecken dein Ende der znegellosen Ausschweifungen nach, und der Mann gehe nicht ohne den Ilnterricht von dein Schauspiel, daß die unsichtbare Hand der Vorsicht auch den Boesewicht zu Werkzeugen ihrer Absicht und Gerichte brauchen, und den verworrenstcil Knotcii des Geschicks zum Erstannen anfloesen koenne.— Offenkundig ist in der Ansprache das Vestrebcn, die inoralische Tendenz des Stückes stärker hervortreten zu lassen und es so bei dem Publikum gut einzuführcu, auch die ganze Bearbeitung für die Mannheimer Ausführung, die im Einvernehmen mit dem Intendanten Dalberg vorgenomnien Wiwde, zeigt ja dieses Strebcii deutlich. Der junge Dichter war sogar in seinem Eifer, de» Wünschen des Inten- dailten entgegeuzukonimcn, noch weiter gegangen. Der Entwurf der Ansprache enthielt nach den Worten„Reue, Verziveiflung hart hinter seinen Fersen sind" noch den Satz:„Der Zuschauer weine heute vor unserer Bühne— und schandre— und lerne seine Leideuschnfteu unter die Gesetze der Acligiou und des Verstandes beugen."— Musik. Zu nnscrn Betrachtungen über die heutige Spielweise in der Kanuiieruiusik geben einen interessanten Beitrag die Eindrücke, die wir neulich in dein Konzert des Streichquartetts Gebrüder B o r i s ch bckonnncn haben— um so interessnntcr, als wir diese Vereinigung am nächsten Abend der„Freien Volksbühne" wieder hören werden. Auch diese Kammcrinusikcr gehen in dem Streben nach vornehmem, fein ausgearbeitetem Spiel und in der Scheu vor allem Derben, Wilden so weit, daß einen nianchmal nach einer Portion von solcher Derbheit und Wildheit hungert. Neulich beim Professoren- Trio sBarth nstv.), als ein Stück gerade wieder gar zu bescheiden gespielt winde, vermutete meine Nachbarin, die Spieler seien jetzt müde stvas wohl gar nicht anzunehmen war): und dann bei Borisch fragte tnich mein Nachbar, ob denn die Herren nicht zu schillmäßig, zu korrekt spielten. Beide Aeußcrnngen sind ein Zeichen, daß jene Spiellveise auch den, Fcrnerstehcnden so vor- kommt, als fehlte noch etivas Leben. Die vier Brüder aber, voran der Primarius, haben dafür hinwidcr zwei höchst schätzenswerte Borzüge. Erstens einen, wenn auch ziemlich kleinen, so doch tibcr- aus wohlklingendeii Ton, mit dem sie ein meisterhaftes, echt kaminer- musikalisches(nur vielleicht wieder die Mittelstimmcn zu sehr zurück- haltendes) Zusannnenspicl anfbanen. Auch negativ war dieser Vorzug dadurch zu merken, daß die paar mehr soloartigen Riimincrn des Slbendes weniger gut gerieten. Zweitens. Von den z>vei die„Phrnsicrung" ausmachenden Faktoren, dem„ngogiscken"