Wnterhaltniigsblatt des'Vorwärts S Nr. 22» Mittwoch, den 15. November. 1899 fl tNackdruck verbstell.) Iwifchen zmei Scherzen. Erzählung von L. Verni. Plötzlich rüttelte Bianca sich auf, rief nach der Jungfer und befahl ihr, den Schlafrock ihres Mannes zum Wärmen an den Ofen zu hängen. Daun kehrte sie seelenruhig zur Vergangen- heit zurück, um liebe Erinnerungen zu Iviegen, und sagte schlieszlich zu sich selbst: Es war doch ein edler Mensch, Ugo k Schade, daß er nicht aus guter Familie war.... Wenn er wenigstens reich genug gewesen wäre, um die Abstammung des Vaters vergessen z» lassen!... „Immer noch auf!" rief Alberto freudig, als er nach ein Uhr in der Villa ankam.„Ich habe Dir schrecklich viel zu erzählen. Sehr gutes Essen: ein Koch Nummer eins, der von Capitani. Hab' ein Auge auf ihn, falls er wegginge.... Verschiedene Bekannte da. unter andern... na, rate einmal ... Ugo Adinolft l Besonders deshalb aus der Lombardei gekommen. Und, Du kannst mir glauben, er hat auch eine passable Rede gehalten; anfangs verlegen... dann kam er ins Feuer... sogar zu sehr, denn er warf ein Glas Champagner um. Aber er redete ruhig weiter. Natürlich das übliche Thema, weder unterhaltend noch gut gewählt: die Arbeiter und ihre trostlose Lage, die üblichen großen Worte, die üblichen Hörer, der übliche Beifallssturm. Aber doch ein großer Einfaltspinsel, Dein Ugo l" „Wieso?" fragte Bianca, ein wenig verletzt. „Erst macht er ein schiefes Gesicht, bei der Auffordenmg zu Neschkickofs zu kommen; dann macht er Redensarten, als ich ihm einen Platz im Wagen anbot.. „Er ging immer aus Vorliebe zu Fuß." „Ach was! bei dem Regen. Und jetzt kommt erst das Tolle: in der Via di Parione hören wir Krawall, der Kutscher hält an und ich frage, was los sei. Betrunkene, die mit Messern auf einander gehen, sagt der 5kutscher. Also vor- wärts, sage ich. Inzwischen hat aber schon unser Adinolfi den Schlag aufgerissen und ist schon halb draußen. In der Sündflut haben wir ihn absetzen müssen! Nachher bei der Neschkickoff hat er mir gesagt.. „So schmutzig ist er noch dahingegangen?" -„Nein, er war am Ausgang, um mir den Schirm zurück- zubringen... Hat er mir also gesagt, er habe absteigen müssen, Iveil unter den Betrunkenen ein Bekannter von ihm gewesen sei, oder einer, der ihm einmal ein Bild angeschlvatzt hat... ein tüchtiger Künstler, aber ein Lunip. Er scheint auch verwundet gewesen zu sein, so ein halber Ungar, Polacke, was weiß ich... Dejehannis, oder so... Nein, die Ver- wundung hatte nichts auf sich.. fügte Alberto hinzu, als er Bianca erschrecken sah. „Dejehannis? Oskar Dejehannis? Das ist ja Elises Mann I" „Wirklich? Na, an dem hat sie was Rechtes! Also höre, bei der Neschkickoff war natürlich die ganze Cröme— na, und auch Zucker und Salz! Welch fade Nichtigkeiten hat uns nicht Sollini aufgetischt. Und die Zunge von Beppo di Neri kennst Du ja— nicht ungesalzen und auch nicht ungepfeffert. Aber amüsant. Wir waren den ganzen Abend zusammen..." Und in diesem Stile fuhr Alberto vergnügt und geinüt- lich fort, seine bissigen Kritiken, zweideutigen Anekdoten und mehr als zweideutigen Abenteuer zum besten zu geben. Bianca hörte lächelnd zu, allcS gern hinnehmend, auch einen derben, lauten Kuß, den er gelegentlich auf ihre zarten Lippen drückte. V. „Gute Pflege ist nötig, gute Pflege," sagte der Bezirks- arzt, den Elise Midlich wieder an das Bett der Kleinen ge- rufen hatte, und er sagte es mit jener brutalen Offenheit, mit der man nur dem Armen begegnet. Aber er war kein schlechter Mensch, nur derb und ungeschliffen. Und als er den schmerzlichen Ausdruck der Mutter sah, that sie ihm leid; er hätte das gethanc Unrecht gut niachen wollen und wußte nicht wie. Auch er watete nicht in Reichtümern; aber er spielte nervös mit ein paar Franken, die er lose in der Hosentasche hatte, und er hätte Gott weiß was darum gegeben, sie hier lassen zu können, in jenem elenden Zimmer, und fortzugehen. Aber vor dieser hohen, vornehmen Gestalt, deren elegante Be- wegungen und unbewußt herablassende Höflichkeit die vor» nehme Geburt verriet, fühlte sich der arme dicke gute Mensch, der nicht die Spur Vornehmes hatte, befangen und verlegen, und er zerbrach sich den Kopf und spielte mit seinen Franken. Wie die armen Nachbarsfrauen, die Elise so von Herzen gern beigestanden hätten, so fühlte auch er seinen Mut wanken, wenn es galt, ihr etwas anzubieten. Und während er mit gesenktem Kopf in Sätzen die Treppe hinunter eilte, tröstete er sich, trübselig vor sich hinmnnnelnd: auf alle Fälle— jetzt kommt es doch nicht mehr darauf an!... Die arme Mutter, die zurückgeblieben war. den Kopf in die Hand stützend, dachte angstvoll nach. Sie musterte den Raum, langsam einen nach dem andern der wenigen Gegen- stände betrachtend.„Nein!" sagte sie leise, als faßte sie das Ergebnis der Musterung zusannnen,„nein, ich muß Bianca bitten. Ein Bissen von ihrein Mittagbrot reicht aus, reicht für sie", und sie blickte inbrünstig zu ihrem Kinde. Wie sie in das liebe blasse Gesicht sah, war ihr, als hinge alles daran, um diesen Bissen zu bitten. diesen Bissen zu er- halten: es erschien ihr als der letzte Lichtstrahl in der Fernem der, wenn sie ihn nur erreichen könnte, ihr neue Ausblicke der Hoffnung gesichert hätte. Dann verdunkelte sich ihr Gesicht blitzartig durch einen nicht gerade edlen, aber doch mensch- lichen Gedanken. Bianca würde alles durch den arroganten Diener herschicken. Sie würde die Hand ausstrecken, sie würde Danke sagen müssen, und der Mensch faßte sich nicht einmal an den Hut! Aber gleich darauf bereute sie diese Regung, schämte sich ihrer. Was kam darauf an? Angesichts dieses Geschöpfes, dieses lebenden Leichnams war alles, alles gleichgültig. Ein lebender Leichnam! Und gegen ihren Will« trat m ihrem Geiste die traurige Frage hervor, die sie sich in ihrem Innersten so oft während der Besuche der Freundin gestellt hatte: wie konnte Bianca zusehen, wie ein lebendes Wesen sich vor ihrenAugen verzehrte, verlosch irndstarb, und unablässig dieselben Spielsachen, dieselbe ewigeBouillon schicken? Wie konnte sie immer wiederkehren mitdemselbensanften Lächeln, den- selben Brillanten, denselben liebevollen Redensarten? Nie ew ehrfürchtiges verstehendes Schweigen, nie ein aus dem Herze« hervorbrechendes Wort. Daun packte sie von neuem die Reue, sie schäurte sich ihres Nndankes. Bianca ist guten Herzeics, dachte sie— es liegt nur daran, daß sie manches nicht begreift... und das ist natürlich! Bei ihrein allseits leichten, glatten Leben, wie konnte sie das verstehen? Ich muß mir ein Herz fassen und sie bitten. Während sie aber mit allem Eifer diesen Erwägunge» nachging, brach es aus ihrem Herzen hervor wie ein heißer Strom der Empörung. Heiliger Gott I Wie konnte n,a» das nicht verstehen! Hätte sie selbst es nicht verstanden a» Biancas Stelle, hätte nicht jeder andere Mensch es verstanden? Und wenn sie verstanden hätte und helfen wollen— was hätte die Zaubernlacht des Geldes nicht thuu können: be- rühinte Aerzte, nahrhafte Speise, Ausenthalt im Freiem Fahren in frischer Lust, in einem weichen Wagen, den man je nach dem Wester schließen oder öffnen kann, ohne Erschütte- rung. Und das arme Kind— sie wollte es nicht einnial sich selbst eingestehen, so bitter machte sie der Gedanke— das Kind würde sich erholen, würde leben. Die Mutter ertrug de» grausamen Gedanken nicht. Sie sprang ans; um ihn ab« zuschütteln, sing sie an, im Zimmer aufzuräumen, und zwang sich, durch Uebcrlcgcn den Impuls zurückzuhalten, wie einer, der gewaltsam ein Verstil schließt über einem Keffel mit allzuhohem Druck. Mechanisch sagte sie vor sich hin: ich muß mir ein Herz fassen rmd sie bitten, Bianca ist im Grunde ein guter Mensch, meint es gut mit uns. Es war eine Art Wiegenlied, um die ümere Marter einzulullen... Elise ist gut, dachte Bianca, einige Kilometer von beide» entfernt, ungefähr um dieselbe Zeit; es bedurfte der ganze» Kraft des alten Freundschaftsbandes, damit sie diese schmerz- lichen Besuche machte. Denn gewiß— und wäre es mir um Marys willen— muß es ihr lieb sein, wenn ich komme; nach der Art, wie sie mich empfängt, sollte man es freilich nicht meinen I Es scheint immer, als wäre sie eS, die ein« Gunst erweist. In der That, Elise fühlte, daß Bianca ihr gegenüber einen elwaS andern Ton hatte als früher; er war vielleicht nicht weniger herzlich, aber daS frühere Gefühl der Verehrung und Bcwuuderuug hatte sich plötzlich in ein liebevolles Mitleid gewandelt; sie selbst sah Bianca anders an. ein wenig von oben herab. Sie sah auf sie herab von der ganzen Höhe eines Berges tapfer ertragenen Leidens, wie ein von der Schwere eines langen Lebens Bedrückter auf ein gedankenloses Kind blickt, das mit seinen Spielsachen tändelt. So öffnete sich zwischen beiden Freundinnen eine Kluft, die schließlich ein Abgrund geworden wäre, deren Dasein aber beide heute schon schmerzlich enipfanden. „Mütterchen, komnrt meine Bianca heute.. „Ich hoffe.. sagte Elise mit matter Stimme,„ich glaube bestimmt", fügte sie schnell hinzu, als sie sah, wie bei dem Zweifel, den ihre Antwort barg, die Kleine einen schnierz- lichen Ausdruck annahm.„Gewiß, sie ist gestern nicht ge- kommen, auch vorgestern nicht..." und für sich dachte sie: Armes Kind, ihr verlangt nur nach dem glänzenden Scheine des Reichtums. � „Mutterchen, ich habe Hunger.. Die Mutter wandte ihr Gesicht ab und sagte mit un- sicherer Stimme:„Ja, mein Herzchen, ich bringe Dir die Bouillon." Auf dem Tische in der Küche stand die übliche Bouillon in der üblichen Flasche, wie Bianca sie täglich sandte. Die junge Frau nahm das Papier, worin die Flasche eingewickelt war, brach aus dem Mauerwerk unter dem Herde zwei kleine Rohrstäbe, nahm die Qucrstange eines alten Stuhles und brach sie durch; mit all dem steckte sie ein kleines Feuer an und stellte die Fleischbrühe in einem irdenen Töpfchen auf. Als die Mutter zurückkam, sah die Kleine angstvoll auf die Tasse und den Teller: es war nichts, als die Bouillon. „Mutterchen, nichts weiter?" „Nein, mein Herz, ich glaube, es ist bester so", sagte Elise mit zitternder Stimme, ohne die Tochter anzusehen. Es war nichts da, außer ihrem Stück kalter und vertrockneter Polcnta, aber für den geschwächten Magen des Kindes wäre das ja geradezu Gift gewesen; es ihr geben, hieße sie töten. Die Kleine sagte kein Wort weiter, richtete sich mißmütig auf, die Augen fest auf die Tasse geheftet; sie kostete die Fleisch- brühe und sagte niüde:„Sie ist nicht ordentlich warm." „Annes Mäuschen", rief die Mutter mit erzwungener Lebhaftigkeit,„was für eine Mama, was für eine dumme Mama Du hast I Nicht einmal ein bißchen Bouillon kann sie Dir warm niachen I Aber jetzt ist einmal das Feuer schon aus, ein andermal mache ich es besser, nicht wahr?" „Ja l" und die kleine Stimme wurde immer schwächer. „?lber die Bouillon ist sehr gut, sehr kräftig l" „Ja, ja!" wiederholte die Kleine kaum hörbar. Diese extraktartige Fleischbrühe, ohne irgend etwas dazu zu essen, war ihr so widerlich, geradezu ekelhaft geworden, daß sie die- selbe kaum herunterwürgen konnte. Zwei große Thränen rannen langsam die hohlen, wachsfarbenen Wangen herunter. Die Mutter sah sie und das kleine Mädchen verstand, daß sie sie gesehen. Dennoch wiederholten beide zusammen:„Ja, sehr gut und kräftig I" Ich muß unbedingt Bianca bitten, dachte Elise. Als dann aber Bianca später erschien, rosig, mit den blonden, wohlgeordneten Locken auf der glatten Sttrn. mit dem anmuttgen Wesen eines Menschen, der vollkommen mit sich selbst im Frieden, in ungestörtem inneren Gleichgewicht lebt, da fühlte Elise ihr Herz klopfen und eine Spannung an der Kehle, die kein Wort hinausließ. Sie sah auf das zierliche Gesichtchcn, auf die großen Brillanten, die das wenige Licht der Stube sich anzueignen schienen, und lächelte mit erzwungenem Lächeln bei den liebenswürdigen Worten, den gutgemeinten Redensarten. Nicht, daß all diese Aeußer- lichkeiten als solche ihr verhaßt gewesen wären: durchaus nicht; aber sorgenbedrückt und matt, wie sie war, schien ihr die Eleganz des Anzugs, der Glanz der Brillanten, die freudige Lebhaftigkeit in eins zu verschmelzen, in ein etwas voll jubelnden Frohsinns, das ihreni eigenen Selbst voll- ständig fremd war. Sie hörte wie betäubt zu und zwang sich mühsam zum Lächeln. Bianca fühlte sich verletzt, wie so oft vorher. Was sollte das bedeuten? Sie war eine ein- fache Natur, die weder durch die MißHelligkeiten des Lebens noch durch die Heftigkeit der eigenen Enipfindung je jene inneren Katastrophen durchgemacht hatte, aus denen der Mensch hart und starr hervorgeht; so hatte sie keinerlei Schlüssel zu Elises Charakter, und sie wurde dadurch ge- kränkt. Heute aber gewann ihre gute Laune die Oberhand und da sie mit der Absicht gekomnien war. beiden die Zeit zu vertreiben— die Aermsten sahen ja nie einen Menschen— so wollte sie nicht umsonst gekommen sein. Gerade aus diesem Wunsche und auch infolge der Fastnachtsstimmung der letzten Tage war sie von einer Gesprächigkeit und einer Ausgelassen» heit, die bei ihr selten waren. Sie erzählte die Vergnügungen der letzten Tage: Den Ball bei Roschettts, die große Oper, das Diner bei Steniloff, wo alle in Kostüm erscheinen mußten, aber in einem komischen Kostüm, und wo ein sehr magerer Herr in einem Stiefel erschienen war— in einem Papp» stiefel, versteht sich,— aber wir haben alle darüber gelacht i Als es dann aber Zeit war, zu Tisch zu gehen, wie sollte er es fertig bringen, sich niederzusetzen?... (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verdoten.) Oio Vtnmetttkgrttbeu uoit ZZimvcvle»x. Von den Städten des englischen Gebietes, in das gegenwärtig die Boeren einen Vorstoß nnternommen haben, hat Kimberley die höchste Bedeutung, nicht sowohl wegen seiner Große, denn es zählt nur etwas über 30 000 Einwohner, sondern wegen des Reichtums seiner unmittelbaren Umgebung an Diamanten. Während noch vor dreißig Jahren Indien und Brasilien die Haiiptbezngsqnellen für Diamanten waren, sind sie jetzt gegen die südafrikanischen Diamanten» distrikte vollständig zurückgeblieben, und von der gesamten Produktion an den sogeiiamiten Kapsteinei» liefern wiederum neun Zehntel die Gniben von Kimberley. Die ersten Diamanten Südafrikas wurden im Oranjeflnß und Vaalflnß gefunden, wo man sie ans dem Geröll der Fluß- betten i» den river diggings, den Flußwäschereicn, gewann. Mehrere Jahre hindurch ahnte niemand, daß auch außerhalb dieser Flußgebiete Diamanten anzutreffen wären. Erst im Dezember des Jahres 1870 fand man zufällig auf der Farm des Boeren Du Toit auf dem Plateau zwischen dem Baal und dein Modder einige Dia- manten, und hier entstand nun alsbald die erste der vier bedeutendsten Gruben Kimberleys, die Du Toit-Grube. Nicht lange darauf wurde die ziveiw Fundstelle auf der Farm Vooruitgigt des Boeren de Beer entdeckt, die nur einen Kilometer von der ersten Grube entfernt ivar und Bultfontein-Grube benannt wurde. Auf derselben Farm ivurde dann die dritte, nördlich gelegene de Bccrs- Grube angelegt, und unweit dieser, etivas mehr nach Westen, traf man auf die vierte Fundstelle, wo die Colesberg- Kopse- Grube entstand. Zwischen den beiden letzten Gruben wurde von den herbeigeströmten Digger- scharen die Stadt Kimberley gegründet. Infolgedessen erhielt später die Colesberg- Kopse- Grube den Namen Kiniberley- Grube. Sie wurde die ertragreichste von allen. In den folgenden Jabren wurden noch an sechs anderen Stellen im. weiteren lim» kreis von Kimberley diamantenführende Ablagerungen entdeckt, die aber an Ertragfähigkeit die vier ersten Grube» nicht entfernt er- reichen. Die Umgebung von Kimberley zeigt, tvie auch sonst die Karru- wüste, an ihrer Oberfläche eine dünne Lage von rotem Thon, unter dem sich stärkere Schichten von Kalktuff hinziehen. Unter dein Kalk- tust findet sich das sogenannte Riff vor, das ans grünlich-graucn Schiefern besteht. Dieses Riff ivird nun an den Punkten, Ivo die Grubeil liegen, von kraterförinigen Kanälen durchbrochen, deren Ausfüllmigsinasse sich scharf von den Schiefern abhebt. Die bläulich- graue Ausfllllungsmasse, der blaue Grund nach der Sprache der Diamantgräber, macht im wesentlichen den Eindruck getrockneten Schlamms, der zahlreiche Bruchstücke eines grün- öder blau-schlvarzen, scrpcntiuartigcn Gesteins miteinander ver- kittet. Der blaue Grund nun bildet die Lagerstätte der Diamanten. Aeußerlich niachten sich die trichterförmigen Kanäle, bevor sie abgebaut lvurdcn, kenntlich durch kleine Erhebungen, die von de» umwohnenden Boeren als Kopse, Köpfchen bezeichnet ivurden. Der Durchmesser der Kanäle belauft sich auf 200 bis 300 Meter. Die Tiefe der Kanäle hat noch nicht festgestellt werde» können. In der Kimberlcy-Grnbe, der tiefsten von allen, ist man bis 1300 eng- lischc Fuß vorgedrungen, ohne damit das Ende der diamautführeuden Gesteinsschichten zu erreichen. Anfänglich betrieben die Diamantgräber in de» diamant- haltigen Kanälen einen bloßen Raubbau. Die Gruben ivurden in Parzellen von etivas über 80 Quadratincter, die Claims, ein- geteilt, in denen ein jeder Digger mit einigen gcniietcten Kaffern auf seine Faust arbeitete. De BecrS zählte 591, Bultfontein 880, du Toits Pan 1430 und die Kiinberley-Grube 331 ClaiinS. Die j Auswahl unter den noch freien Claims stand einem jeden Digger frei. Für jeden Claim lvareu dem Grundeigentümer wöchentlich 10 Schilling Entschädigung zu zahlen. Das Gestein wurde mit der Spitzhacke losgelöst, von den Kaffern in Fellsäcken heraus- getragen, mit hölzernen Keulen zerkleinert und mehrfach gesiebt. Der Rückstand von nüttlerem Korn ivurde darauf in einer dünnen Schicht auf einem Tisch ausgebreitet und nach Diamauten durchsucht. Im Lause der Zeit vertieften sich die Claims immer inehr und zivar in einem recht verschiedencn Maße, da nicht in allen gleich- mäßig gearbeitet wurde. So bildete bald ei» stark bearbeiteter Claim eine quadratische Vertiefung mit mehr oder weniger senkrechten hohen Wänden, von denen sich fortwährend Stücke ablösten und herunterfielen. während längsam bearbeitete Claims als hohe Säulen stehen blieben, die dann zuweilen einstürzten und die Nachbarschaft überschütteten. In der zuletzt angebauten Kimberley-Grube ging man allerdings etwas umsichtiger zu Werke. Man ließ hier zwischen den Claimreihen Verbindungswege bestehen, die wenigstens die Fortschaffung der ausgelesenen Gesteinsmassen auf Karren ermöglichten. Da sich aber die Claims auf beiden Seiten der Verbindungswege mehr und mehr vertieften, so ragten diese bald als hohe Mauern auf, die nun aber- malS mit der Gefahr des Einstürzens drohten. Zudem war das Gestein der Verbindungswege ebenfalls diamantenführeud. Man fing daher später an, auch die Verbindungswege abzubauen und errichtete nun rings am Rande der Grube hohe Holzgerüste mit Winden, mit denen an Drahtseilen die Eimer, die mit dem Gestein gefüllt waren, heraufgezogen wurden. Die Grube bot zu dieser Zeit einen Anblick, als ob sie mit einem Netz von Spinneufäden über- zogen wäre. Aber auch dieser Zustand war von keiner Dauer. Infolge des regellosen Betriebes rutschten große Gesteinsmassen vom Rande der Gruben in die Claims, beispielsweise im Jahre 1882 bei der Kimberley-Grube ein Niffstück im Gewicht von 350 Millionen Kilo- gramm, Grubeniväsier stellten sich ein, und mit der zunehmenden Tiefe wurde die Hcrausschaffuug des blauen Grundes immer schwieriger. Der Beivältiguug derartiger Hindernisse war der einzelne Claimbcsitzer nicht gewachsen. Allmählich wurden mehr und mehr Claims in den Händen kapitalkräftiger Digger vereint, diese schloffen sich wiederum zusammen, und aus solchen Vereinigungen bildeten sich allmählich Aktiengesellschaften. Die Führung dieser Aktiengesellschaften übernahm bald die Gesell- schast äs Beere Consolidated Mines Limited. Wie einflußreich diese Gesellschaft gegenwärtig ist, geht daraus hervor, daß von den 2 415 655 Karat Diamanten, die im Jahre 1890 gewonnen wurden, 2 195 112 Karat im Werte von über 67 Millionen Mark ihr allein zufielen. Mit der Bildung der Aktiengesellschaften begann die Aera des bergmännischen Abbaues und des Maschinenbetriebes, wie er jetzt auf den vier Hnuptgrnben üblich ist. Ii« den blauen Grund werden gegenwärtig Schächte getrieben, von denen die Stolle» abgehen. Die Gruben, in denen die fast nackten, schlveißtriefenden Kaffem das Gestein mit der Spitzhacke ablösen, sind elektrisch beleuchtet. Dampfmaschinen be- wegen die Förderwagen auf Schiene», Dampfmaschinen heben die Behälter mit dem blauen Grund zu Tage und Dampfnraschincn setzen die Apparate in Belvcgnng, in denen die Gesteinsmassen ge- ivnschc» werden, um die Diamanten freizugeben. Jedoch sind zu diesem letzteren Prozeß nicht alle Gesteinsmassen sofort verwendbar. Ans einigen Gruben muß das geförderte diamantenführende Gestein erst einem Anfbercitungsverfahrcn unterworfen werden. Zu diesem Zweck wird das Gestein in großen gepflasterten und umzäunten Feldstreckcn ausgebreitet und der Einwirkung der Witterung über- lassen. Unter solchen Umständen vergehen bis zu neun Monaten, che es so mürbe geworden ist, daß es verwaschen»Verden kann. Der Wert der Diamanten macht es erklärlich, daß die ein- gcborciicu Arbeiter, trotzdem sie fast nackt gehen und fortgesetzt be- wacht iverdcn, dennoch zahlreiche Diebstähle begehen. Um diese zu verhiiidern, hat mau neuerdings das sogenannte Compound- System ei»igeführt. Man hält die sarbigen Arbeiter während ihres dreimonatlichen Kontraktes in hohen,»nehrere Morgen großen Gehegen, die von einem Drahtnetz übcrsponucn sind und sorgfältig be- wacht Iverdeir. In den Gehegen befinden sich die Hütten der Kaffern, aber auch Verkanfsstände mit Nahrnngsmittelu, Schul- Häuser, Kirche und Bade-Anstalten. Die Farbigen kounnen ausschließlich mit Beamten der Gesellschaften in Berührung und verlassen die Gehege nur, um zur Arbeit in den Gruben zu gehen. Am Schlüsse des Kontraktes werden sie vor ihrer Entlassung nicht nur genau untersucht, sondern sie erhalten auch sehr kräftig niirkende — Laxiere, um etlva verschluckte Diamanten an das Tageslicht zu befördern! Die Erfahrung hat gelehrt, daß gegenlvärtig die Welt im Jahre ungefähr für 80 Millionen Mark Diamanten zu Schinucksteinen und zum technischen Gebrauch zu kaufen Pflegt. Um den Preis nicht zu drücken, baut man daher in Kimberley jährlich nur 3 Millionen Karat Diamanten im Gelvicht von 600 Kilogramm ab. Die Gesamtmenge der seit 1367 gelvonnenc» Steine beträgt 51 Millionen Karat oder 210 Centner.—7 Wilhelm Freege. Kleines Feuillekon« b. Die Biene» als Meteorologen. Die Bienen haben ein Interesse daraii, die Annäherung eines Regenwetters rechtzeitig zu erfahren und sich vor ihm in Sicherheit zu bringen. Man kann sich denke», daß ein Regenguß, der einen Bienenschivarm beim Honig- sammeln überraschen»vürde, ihn nicht nur um einen Teil des mühsam erbeuteten Blütenstaubes, sondern vielleicht auch zu ernstem Schaden an seinem eigenen Leibe brächte. Daher haben die Bienen eine Art von Sicherheitsdienst eingerichtet, der sie vor derartigen Zufällen schützen soll. Ist der Himmel trübe, bewölkt oder nebelig, so verlassen die Bienen niemals im ganzen Schwärm ihre Behausung, sondern man sieht nur eiiizelue Insekten ihren MorgenanSflug antreten. Liegt das Herannahen eines Regens im Bereiche der Möglichkeit, so bleibt das Volk lieber im Bienenstock, nnablässig nach dein Himmel ausschauend, ob sich die Wolken verziehen, und erst dann erfolgt ein Ausfli»g in die Felder. Auch bei Nebel fliegen die Bienen nicht aus, wahrscheinlich a>»s einem doppelten Grunde: erstens der Kälte und zweitens der Feuchtigkeit wegen, die von den Bienen beide als Todfeinde betrachtet»verde». Die Abneigung der Bienen gegen den Nebel ist so ausgeprägt, daß man nach der Häufigkeit von Nebeln im Frühjahr, ohne sonst etlvas von der Bienen- zucht zu verstehen, geradezu die Güte der nächsten Honig- ernte voraussagen kann. Auch wenn nicht geradezu Nebel eintreten, so hat ein kalteS und nasses Frühjahr in jedem Falle einen nachteiligen Einfluß auf die Honigernte, nicht nur, weil die Blüten dadllrch zurückbleiben, sondern auch,»vcil die Bienen eben das nasse und kalte Wetter fürchten. Wenn eine dicke Wolke die Sonne verschleiert, so kann man oft eine plötzliche Rückkehr der Bieuenschivärme zu ihrer Behausung beobachten, auch wenn sich noch gar kein Regen einstellt. Man sieht dann Hunderte von Bienen ans allen Richtungen hcrzufliegen, die sich zum Haupteingange des Stockes drängen, um diesen nicht weniger eilig zu verlassen, wenn sich die Besorgnis als unnötig erlviesen hat. Aber auch die Bienen lasse» sich trotz aller Wachsamkeit zuweilen von einem Geivitter über- raschen und erleiden dann sicherlich großen Schaden. Wenn z. B. am Morgen ein Gelvitter aus Südlvesten oder Nordlvesten aufzieht, und erst dann zum Ausbruch kommt,»venu die äußersten Gelvitter- Wolken bis über den Zenith hinaufgestiegen sind, so fehlt den Bienen augenscheinlich die Möglichkeit, die Gefahr zu erkennen, weil die Sonne auf der anderen Hälfte des Himmels»vährenddcssen un- verhüllt bleibt, bis das Unwetter wirklich begonnen hat. Dasselbe kann eintreten, wenn ain Nachmittag unter ähnlichen Bedingungen ein Gelvitter aus Ost oder Nordost plötzlich hereinbricht. Belvvlkt sich der Himmel aber laugsam und berschlvindct die Sonne all- »nählich hinter einer Wolkeubank, oder setzt ein Unwetter schon in größerer Fcnie mit grollendem Donner ein, so verstehen die Bienen sofort die warnenden Zeichen und machen sich eiligst von bannen, um bei Zeiten den sicheren Hafen ihres Stockes zu gewinnen.— c. Nene Forschungen über den Tran»». Der italienische Gelehrte Sante de Santis hat an Kindern und Greisen,-an gesunden und kranken Menschen eingehende Untersuchungen über die Ver- schiedeuartigkeit ihrer Träume angestellt, deren interessante Ergebnisse er in seinem neueirBuch:„Isogni, studi psicologici e cünici" veröffentlicht. Bei Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren steht die Häufigkeit der Träume im umgekehrten Verhältnis zu ihrem Alter. Die Fähigkeit, sich an Träume zu erinnern, ist im allgemeinen schlvach cntlvickelt. Bei sehr belvegten Träumen bleibt oft nur die Empfindung ,. die während des Trauilies vorherrschte. im Gedächtnis, während ihre Ursache und alle phantastischen Neben- umstände des Traumes vergessen werden. Auch bei Greisen hat Sante de Santis die Beobachtung gemacht, daß die Häufig- keit der Träume mit zunehmendem Älter abnimmt. Die Träume sind nicht mehr von lebhaften Gefühlen begleitet und bestehen hauptsächlich aus dem Wiederaufleben alter Erinnerungen. Die Träume der Greise sind vor allem abhängig von atmosphärischen Einflüssen, der Windrichtung, barometrischen Schlvankungen usw. Das hängt tvohl auch mit der Thatsache zusammen, daß bei großen Barometcr-Schivaukuugen der Schlagfluß stets außerordentlich häufig eintritt. Ucber die Träume bei normalen erlvachsencn Menschen giebt der italienische Forscher folgende interessante Statistik: Circa 13 Proz. der Männer und 33 Proz. der Frauen träumen immer, 27 Proz. der Mäitner und 45 Proz. der Frauen träumen oft. Selten träumen 50 Proz. der Männer und 13 Proz. der Frauen, und niemals 9 Proz. bei beiden Geschlechtern. Bei 35 Proz. der Männer und 72 Proz. der Frauen steht der Inhalt ihrer Träume am häufigsten in Beziehung mit den Thatsachen des täglichen Lebens. Hysterischen und nervösen Menschen scheinen die Träume oft viel länger zu dauern als normalen. Das hängt aber von dem Gefühls- iuhalt ihrer Träume ab. Schmerzhafte Ereignisse, eine Agonie z. B.. rufen die Illusionen hervor, daß der Traum sehr lange gedauert hat. Außerdem nimmt bei nervösen Menschen die Erivartung und Spannung heftigere Formen an.— Musik. Der Kultus, der fast überall, besonders aber in Wien und in norddeutsche»» Städten, seit langem mit dem Komponisten Brahms getrieben»vird, hat seit geraumer Zeit eine ähnliche Erscheinung, nur in kleinerem Maße, an seiner Seite: den Kultus des Komponisten Dvorschak. Hier wie dort ist über eine doppelte Ungerechtigkeit zu klagen: über die gegen andere Koinponisten, die dadurch wider ihren Wert zurückgedrängt»verden, und über die gegen die Verherrlichten selber, deren Bedeutung dadurch verdunkelt, insbesondere bei den nun zur Opposition Gereizten verkleinert»vird. An t 0 n D v 0 r s ch a k, geb. 1841 in einem böhmischen Ocrtchen, ist seit etwa 26 Jahren mit zahlreichen, vorwiegend instrumentalen Kompositionen an die Oeffent- lichkeit getreten und hat sich als ein tüchtiger Meister belvährt: er besitzt wohl nicht den tiefen Ernst, dessen Brahms häufig fähig ist, dafür aber einen temperamentvolleren, klangfrcudigeren, Volks- tümlicheren Zug, in»velchem besonders die Verwendung von böhmi- scheu Volksiveisen oder von derartig klingenden Motiven hervortritt und Gegenstand von sehr verschiedentlicher Beurteilung gelvorden ist. Seine.sinfoinsÄe Dichtung".Heldenlied"(op. III) wurde am Montag(und in der von nn-Z besuchten Probe am Sonntag) von den Philharmonikern imtcr Nikisch zum erslcnmal aufg'cfiihrt, wahrscheinlich auch überhaupt zum erstenmal. Eine Programm- musik im Sinne wie Richard Strauß'.Heldenleben", wo alle' erdenk- liche Rechtfertigung des Titels versucht wird, ist es nicht, und sein Titel ist nicht eimnal so weit begreiflich wie der von Beethovens »heroischer Sinfonie'. Was eS auszeichnet, ist eine ganz be- sonders einheitliche Entwicklung der Grundgedanken. Es setzt so eine Reihe von Sinfonien fort, die seit etwa 1841, seit Schumanns D-moU- Sinfonie. an die Stelle der älteren, die Sätze unabhängiger»irbeneinander stellenden Werke dieser Art getreten sind und später auch von LiSzt anderswo, z. B. in seinem zweiten Klavierkonzert �.-äur, eine Ergänzung gefunden haben. Diese beiden Beispiele, die wir hier genannt haben, er- gänzten das Programm jenes Konzerts, unter Mitwirkung des zur Genüge berühmten Klaviervirtrwsen E. R i S l e r. Borau ging Beethovens»Achte'; über das Zeitmaß der zwei Mittclsätze wird man sich schwerlich ganz einigen, über die Verschleppung des Trios zum Menuett jedoch, wie in jenem Konzert, darf man wohl sagen, sie war so arg, daß sie die Wirkung eines solchen Abwcchselns ver- derbte. Im übrigen gehen diese und ähnliche Konzerte in bekannter Weise weiter, so daß hier wenig zu berichten rmd zu beurteilen bleibt. Frau L i l i Lehmann ist nun einmal die große Sanges- küustlerin mit der unsagbaren Weichheit und doch reichsten Fülle des ToneS und der ruhigen und doch fest zugreifenden Vornehmheit des Vortrags. Beim Anhören ihres ersten diesmaligen Liederabends trat immerhin die Verschiedenheit deutlich hervor, daß ihr die an- mutigen, stilleren Sachen bester liegen als die gewichtigen. Das Dacapo von R. Wagners»Schmerzen' war anscheinend mehr eine Lnstandsfordcrung, das von Schuberts„Im Grünen' und von Lowes »Des Glockeutüriners Töchterlein' war das Ergebnis der allerhcllste» Publikumsfreude.— sz. Archäologisches. k. Eine römische Gießkanne. In dem soeben er- schienenen Bulletin der Pariser»Sociot« des Antignaires' berichtet Saglio über die Aussind, mg eines merkwürdigen Thongefäßcs. Es handelt sich um ein Gefäß, das von vielen kleinen Löchern durch- bohrt und wahrscheinlich als Gießkannenbraus« anzusehen ist. Diese seltsame Gießvorrichtung wurde unlängst in einem Kindergrabe in Saintes aus rönnscher Zeit gefunden. Es gilt heute als sicher, daß die Römer ihre Pflanzen nicht allein bewässerten, sondern ihnen auch mit Hilfe von Saughebern, wie sie ähnlich bei Feuersbrünsten verwandt wurden, oder mit schnabelförmigen Gefäßen, deren Strahl fie lenkten, Wasser zugeführt haben. Aus der jetzt aufgefundeneu Brause scheint aber hervorzugehen, daß sie auch das Wasser vermittels durchbohrter Gesäße zu verteilen verstanden. Ein ähnlicher Gegenstand aus Bronze wurde schon in Tasano in Italien gefunden. An einem langen Stiel fitzt eine Art Brause, die an ihren, unteren Teil von zahlreichen kleinen Löchern durchbohrt ist. Ein anderer derartiger Bronzegegciiftand befindet sich auch im Berliner Museum und wurde von Friedrichs als»Tafeluteufil. das bestimint ist, den Pfeffer zu zerstreuen' interpretiert. Der römische Gebrauch des Pfeffers, der z. v. in der Formel:.Thu' Pfeffer hinein und trage auf, zw» Ausdruck kommt, die den Schluß aller Rezepte vm, Apicius bildet, macht diese» Gebrauch nicht unwahr- scheinlich. Ein Glasgegenstand im Reapeler Museum mit zerbrochenem Stiel und abgeflachter Brause, die unten von Löchern durchbohrt ist. weist ebenfalls darauf hin. Auch die in SainteS ge- fundene Brause kann ebensowohl zum Begieße» der Pflanzen, wie zum Würzen der Gerichte auf der Tafel, oder in der Küche ver- vandt worden sein.-7 Ans dem Pflanzenlebe». vi. Verbreitung von Pflanzen durch Fische. Es ist eine längst bekam, te Thatsache, daß Pflanzen vielfach in andere Gegenden, zum Beispiel auf einsame, ferne Inseln durch Vögel in der Weise verschleppt werden, daß die Wasservögel die Früchte verzehren und die Samen an einem weit enlsemten Orte, nachdem sie den Ver- dauungskanal passiert, in keimfähigen, Zustande wieder absetzen. Auf diese Weise wurden auf den Molucken, den Hebriden und Fidschi-Inseln verschiedene Gewürzpflanzen und die Kaffecpflanze verbreitet. Bisher wußte man aber nicht, daß auch durch Fische Pflanzen verbreitet werden können. Aberdings hat schon Darwin seiner Zeit die Berinutung ausgesprochen, daß auch durch diese eine Berbrcitmig geschehen könne, aber er hatte dafür keinen Beweis beibringen können. Dieser Beweis ist neuerdings von Hochrentiner durch Versuche erbracht worden, die er in dem botanischen Laboratorium der Universität Genf angestellt hat. Er fütterte Flußbarsche, Karpfen und andere Fische mit Früchten von Bitterllee, Froschlöffel, Jgellopf und anderen Pflanzen, und konstatierte, daß die Samen durch die Verdaunngs- kanäle der Fische gehen lönnen, ohne ihre Keimfähigkeit einzubüßen, nachdem sie«in bis drei Tage im Darmkanal der Fische geblieben waren. Diese von den Fischen gefressenen Samen erwiesen sich sogar in einigen Fällen keimfähiger als die gleichen Sauren, die zun, Ver- gleich ausgesät waren, ohne de» Lerdaunugskanal der Fische passiert zu haben.— Technische?. — R ohhaut-Getriebe. Unter„Rohhaut" versteht man einen Werkstoff zur Herstellung von geräuschlos arbeitenden Zahn- rädern und Triebwerken, der, wie der»Prometheus" der»Werk» meister-Zeituiig' entnimmt, aus besonders zubereiteter roher Leder- haut in der Weise gewonnen wird, daß Scheiben der letzteren, mit einem eigentümlichen Kitt bestrichen, auf einander gelegt und unter hohem hydraulischem Druck zusammengepreßt werden. Die auf diese Weise gewonnene Rohhnutmasse läßt sich bohren, obdrehen, fräsen. überhaupt so bearbeiten wie Metall. Aus ihr stellt man einzelne Zahnräder für solche Triebtverke her, auf deren ge- räuschloscu Gang man Wert legt, der sich aber mit Rädern aus Stahl, Eisen oder Bronze nicht erreichen läßt. Roh- haut wird der hierzu bisher verwendeten Vulkanfiber vorgezogen. weil sie bei größerer Elasticität fester und widerstandsfähiger ist und sich deshalb tvenigcr leicht abnutzt, außerdem weniger empfindlich gegen Feuchtigkeit ist, als Vulkanfiber. Für Räder von größerem Durchmesser iverden nur die Zahnkränze ans Rohhant gefettigt und auf dein cisenien Radkörper zwischen Scheiben»Uttels Bolzen be- festigt. Rohhauträder bedürfen im Betriebe keiner Schmierung, es empfiehlt sich jedoch, sie nach den. Bearbeite» in Leinölfittiis zu tauchen und dann mit Graphit oder einem guten Graphitfett zu überziehen.— HumoriftischeS. — Auf der Hochzeitsreise.»Gnädigste sagen, daß Sie auf der Hochzeitsreise sind? Wo ist denn der Herr Gemahl?" „Der sitzt in.Nichtraucher". Er kann den Cigarettenqnalin nicht vertragen."— — AuS O st e l b i e n.„Bor allem nniffen wir darauf sehen, daß in linsen, Schulen mit Bildung und andern, modernen Kram nicht übettrieben ivird. Wenn die Jungens das Vaterunser können und wissen, wie ihr König heißt, so ist das vollauf genug."— (.Simpl.") — Neue? von Serenissimus. Der„Franks. Ztg." ivird geschrieben: Ein hoher Herr hat kürzlich irgendivo in Deutschland einen denkwürdigen Ausspruch gethau, welcher verdient, der All- gemeinheit bekannt gegeben zu Iverden. Das Ganze klingt wie eine Geschichte von Serenissimus, und soll auch, der Diskretion halber, als solche erzählt werden. Also: Serenissimus besucht eine seiner Residenz benachbarte aufblühende Stadt. Er fährt init dein Bürger- meister durch eine Straße von schönen neuen Hänsern. Gedanken- voll betrachtet er die Herrlichkeit eine Weile»nd lvendct sich dann an den Stadtgewaltigen:„Ach, aeh— schöne Straße I Häuser alle hier gebaut?"— Notizen. — Im Berliner Oper„hause wird die Oper„Grille" von D 0 e b b e r am 23. November zum erstenmal gegeben. An, 23. No- vember eröffnet die M e l b a ein Gastspiel.— — E. von Keyserlings Schauspiel„Ein FrühliugSopser' ist als Buch bei S. Fischer(Berlin) erschienen. In demselben Verlag erschien auch ein neueS Drama von Karl Hauptmann. „Ephraims Breite".— — Paul Lindaus neues Lustspiel„Der Herr im Hanse* wurde vom B n r g- T h e a t e r in Wie» zur Aufführung erworben.— — Ulrike von Levetzow ist ans ihrem Gute Tricblitz unfern Leitmeritz in Böhmen im Alter von SS Jahren gestorben. Die Entschlafene gehört durch ihre Beziehnngen z» Goethe der deutschen Litterattugeschichte an. In Karlsbad,' Ivo sie sich in den Jahren 1322 und 1823 in Begleitung ihrer Mutter nnshielt, lernte sie der greise Dichter kennen und faßte eine leidenschaftliche Neigung zu dem' jungen Mädchen. Dieser Licbcsbund ist die Beraiilassiing ge- worden zu der„Trilogie der Leidenschaft".— — Ein Preisausschreiben für ein Volksbuch, das die Gesundheitspflege in allgemein verständlicher Form behandelt, erläßt der„Deutsche Verein für Volkshygicne"(Berlin). Als Preis stehen IOOOO M. zur Verfügung.— — Im Brüsseler vlämischen Theater wurde Gerhart Haupt- manns„Fuhrmann Henschel" in vlämischer Uebersetzimg intt große», Erfolge aufgeführt.— 0.„Die Bluthochzeit" von Albert Lindner, dem unglücklichen, im Jahre 1333 in Dalldorf gestorbenen deutschen Dramatiker, will Henry Irving in der nächsten Saison am Lyceum in London zur Aufführung bringen.— — In Odessa ist ein städtisches Kunstmuseum er- öffnet worden. Besonders reich ist die Abteilung für Kunst und Kunstgewerbe der Japaner.— — Die älteste Dampfmaschine der Welt ist nach einen, 120 jährigen Betriebe außer Dienst gestellt worden. Es ist dies eine Balanciermaschine mit hölzernem Balancier, deren Cylinder einen Durchmesser von 52 engl. Zoll hat. Diese Maschine ist Eigen- tum der Kanalschiffahrt-Gesellschaft zu Birmingham und wurde im Jahre 1777 in der Maschinenfabrik in Soho bei Birmingham erbaut, die James Watt begründet hatte. .Verantwortticher Redaaeur: Paul John in Berlin. Druck und Verlag von M« Babing m Berlin.