Hlnlerhaltungsblatt des Nr. 235. Freitag, den 1. Dezeinber. 1899 Nachdruck verboten.) C) Ehclenko Skroukzal. Erzählung vo» M. A. S i m ü c e k. Deutsch von Franta Hajck. VI. In dem Räume, der zwischen dem Kesselhause und der Fabrik lag, und in deni die großen Reservoire und die Pumpen standen, pflegten sich die Frauen, die draußen arbeiteten, während ihren Pausen einznfinden. Es war angenehm warm hier und Platz im Ueberfluß. Und so stürmten sie auch jetzt herein, Weiber, alt und jung und auch Mädchen, alle in dicke Kleider und wollene Tücher gehüllt, mit groben, beschmutzten Schuhen an den Füßen. Draußen traten sie die Schnitzel. Jetzt haben sie von zwölf bis ein Uhr Ruhepause. Hier wärmen sie ihre blauen, steifgefrorcncn Finger, die kaum das Stück Brot, in dem in einer Höhlung ein bißchen Butter oder Käse steckt, zu halten vermögen. Manche von ihnen haben ein Krüglein mit Kaffee mitgebracht, den sie jetzt nn'Kesselhause wärmen. Doch sind es nicht alle, die sich hier versammelt babcn. Viele von ihnen verlaufen sich in der Fabrik, Ivo sie ihre Männer oder Mütter aussuchen und bei ihnen ihre Ruhepause zubringen. So kam auch die alte Hladik jetzt ins Kesselhaus, Ivo sie schon um sechs Uhr, bei ihrer Anknilft in einem Ver- schlag über den Kesseln eine» Korb aufbewahrte. Diesem cnt- nahm sie zwei 5lrüge, die oben sorgsältig mit einem Tüchel zugebunden waren. In dem einen war Suppe, in dem andern Kaffee. Den crsteren reichte sie ihrem Manne, sie selbst behielt den zweiten, aus dem sie, auf einer� Stufe sitzend, das eingebrockte Brot auslöffelte. Als sie mit ihrer Mahlzeit fertig war, barg sie behutsam den Krug wieder in dem Llorbe und ließ ihn auf der Stufe neben sich stehen. Dann stützte sie ihren 5topf in die Hände und begann allmählich zu schlummern. Jedoch nicht lange. Ein heftiger, trockener Husten begann den abgezehrten alten Leib zu schütteln. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften, neigte sich hin und her, die Augen füllten sich mit Thränen, während das Gesicht dunkelrot wurde. „Ihr habt da einen bösen Husten, Mutter, und solltet Euch mehr schonen", bemerkte Strouhal. Sie gab keine Antwort und trocknete nur mit der Schürze ihre schweißbedcckte Stirnc. „Ihr solltet jetzt überhaupt gar nicht in die Fabrik gehen..." „Und was sollte ich zu Hause?" erwiderte die Hladik. „In der Häuslichkeit giebt es immer zu thun. Es sind da die Kinder, für die geflickt werden muß.. „DaS besorge ich am Tage." „?lbcr Ihr habt doch auch Ruhe nötig.. „Die habe ich genug, wcuu ich mich mittags hinlege und bis fünf Uhr schlafe." „Und wie lange glaubt Ihr das so aushalten zu können?" „Wie lange? Ter Herr Doktor sagte mir heute: bis zum Frühjahr." cttviderte sie gleichmütig.„So lange wird eS schon gehen müssen." „Aber Frau— es ist doch der Mann da und die Kinder! Wenn Ihr nun sterbt?" „Nun, so viel verdiene ich auch nicht mehr und da werden sie mich nicht so sehr Vennissen." „Also von dieser Seite schaut Ihr das Leben an? Aber die Kinder verlieren doai die Mutter, der Mann sein Weib..." „Auf solche Sachen hat unscr einer keine Zeit zu denken. Sic werden schon ohne mich fertig werden. Der Trost bleibt ihnen, daß ich mich nicht mehr Plagen zu brauche." „Aber habt Ihr sie denn gar nicht lieb, daß eS Euch so gleichgültig ist, sie verlassen zu müssen?" „Wer kann so was von mir sagen?" brauste die Frau nuf.„Ich sorge doch rechtschaffen für sie. damit sie nicht hungern, damit sie nicht zerrissen gehen und nicht frieren. Was soll ich noch mehr? Zärtlich thun mit ihnen und spielen? Das ist was für die feinen Frauen, aber nicht für unsereins." „Aber sich doch mit ihnen beschäftigen, mit ihnen plaudern, mit dem Knaben, was er werden soll, wenn er groß wird.. „Was Ihr für ein sonderbarer Mensch seid, Obcrhcizer l Was sollte ich mit ihnen reden? Dazu habe ich keine Zeit. Was sie zu wissen brauchen, das lernen sie in der Schule. Ziegen- und Gänsehüten, daS lernen sie von sich selbst, und arbeiten lehrt sie die Fabrik..." „Das ist traurig", seufzte Strouhal. Dieser Mann, der selbst die Eltern kaum gekannt, hatte von einer Familie andere Begriffe. Wie kam das? Er wußte es sich selbst nicht zu erklären, mir so viel stand bei ihm fest, daß ihm solch ein Familienleben nicht genügen würde. Wann waren diese höheren Ansprüche an das Leben in ihm wach ge- worden? Vielleicht damals, als er auf seiner Lokomotive durch die weiten, öden russischen Steppen fuhr. oder an den Felsen des Kaukasus vorbeisauste? Die Großartigkeit der Natur weckt in den Menschen die Sehnsucht nach Freiheit, enveckt freiere Gedanken— unter der schwarzen Decke von Hladiks Hütte, die mit der schwarzen Fabrikdecke wechselte, war kein Raum für dergleichen. Strouhal selbst gewährte es eine gewisse Befriedigung, zu wissen, daß er sich nach etwas Besserem sehnte. llnd schon glaubte er, seine Sehnsucht gestillt zu sehen. Er nahm ein Weib, das er geliebt, immer geliebt hatte, und dieses Weib verstand ihn nicht! Dieses Weib wollte nur eine Arbeiterin sein, anstatt die Hausfrau. Er sollte nicht eine Gattin, eine Magd sollte er haben. Strouhal versank in ein tiefes Sinnen.. Dieses Weib — seine Frau, sollte nun zum zweitenmal bei ihm einziehen, vielleicht schon morgen... Immer tiefer sank Strouhals Kopf... Gerade ihm gegenüber sah er die Frauen, die, nachdem sie ihr karges Mahl genossen, jetzt, in später Nacht, von ihrer schweren Arbeit ausruhten. Die einen saßen auf der Erde, die andern drückten sich in halb liegender Stellung an den Pumpen und Reservoiren entlang, und suchten die wenigen Minuten, die ihnen noch übrig blieben, zu einem kurzen Schlummer anszuuützcu. Sobald der Wächter die erste Stunde pfeift, wachen sie auf und verlassen noch schlaftrunken den warmen Saal, um draußen auf dem kalten Hof bis sechs Uhr früh die nassen Rübenschnitzel zu treten. Es sind auch Arbeiterinnen aus dem Rübcnhaus darunter, die eine von ihnen ist auch Mutter von vier Kindern, gerade wie sie— seine Frau. Vielleicht daß auch in der benachbarten Zucker- fybrik sie so dasitzt, mit gesenktem Haupte und den im Schöße zusammcugesalteten Händen, und an ihn denkt, wie er hier an sie... Aber warum ist sie hingegangen?. I. So eine Frau wollte er nicht haben! So lange hatte er gedarbt und ge- wartet, um einmal eine behagliche Häuslichkeit zu haben! Wenn er abends nach Hanse kam, wollte er sich in einer sauberen und gemütlichen Stube neben sie niederlasien, den Arm um ihren Nacken legen und sie an die Brust ziehen. Und nun?... Sie wollte so sein, wie die Frauen dort drüben. Sie wollte kein gemütliches Heiin, ihr gefiel es in der Fabrik besser... Nun kommt sie wieder zu ihm... Ob sie sich geändert hat, ob sie ihn jetzt eher begreift? Er hatte sich so unsäglich darauf gefreut. Die schönsten Augenblicke seines Lebens waren es. als er zn ihr sprach: „Dn sollst mein Weib werden; so lange habe ich ans Dich gewartet, nun habe ich Dich mir verdient. Ich will Deinen Kindern ein guter Vater sein, und als Dein Gatte und ihr Vater werde ich für alle Entbehrungen meiner jungen Jahre belohnt werden." Er hoffte aus Frieden und anstatt seiner kam der Sturm... Der Aufseher ans dem Rübenhanse kam herein. „Gafft nicht hier herum und geht an Eure Arbeit! Das würde Euch so passen, hier in der Fabrik so hernmznsanlenzen," schrie er grob die Frau an, die Mutter von den vier Kindern war.„Ist da?, ein Gesindel," fügte er noch hinzu, wobei er sich au den Oberheizer wandte. Doch dieser schwieg und senkte den Kopf immer tiefer.... Vielleicht daß zur selben Zeit auch in der Truchlincr Fabrik der Aufseher sein Weib so anschrie, bielleicht nnch solche Ausdrücke gebraucht— ihr gegenüber, seiner Fron, die seinen' Namen trägt I Der Oberheizer merkte nicht, dag die Frauen eine nach der andern das Kesselhaus verliefe», er beachtete es nicht, dag ihm die Pseife längst ausgegangen und kalt lvar.... Als er nach der langen Trennung wieder au eine Ans- söhnung nnt seiner Frau zu glauben begonnen, wie sprudelte da gleich sein Humor! Nun ist sein Humor auf einmal verflogen. Er gedenkt der Not, in der sie lebt, und erinnert sich auch jenes Augenblicks, als er zu ihr sagte:„Also, gehe denn, wenn Du willst I" Freilich hatte er nicht erwartet, dag sie es thun würde. Aber sie ging wirklich. Hätte sie gehen können, wenn sie ihn geliebt hätte? Diese Frage tauchte heute zum crstcnnläl in seiner Seele auf. Früher war ihm ein solcher Gedanke nicht gekommen, da wütete sein Grimm noch zu heftig und lieg keine andere Empfindung aufkommen. Aber jetzt war sein Zorn verraucht und die Reue stellte sich ein und mit ihr auch die Frage, die ihn nun so beunruhigte. Wenn sie nur schon hier wäre, wie gerne würde er sie darüber befragen! Sonderbar! Jetzt fiel es ihm erst ein, wie wenig sie zusammen von Liebe ge- sprochen. Er konnte cS jetzt kaum begreifen. Und er hatte doch ein Recht gehabt, davon zu sprechen, er, der sich nach dem Familieuglück so sehr sehnte. Oh, wenn sie ihn nur besser hätte verstehen wollen! Nein, sie verstand ihn nicht; und doch gab es Stunden, wo er ihrer Liebe sicher war. wo er es bestimmt zu wissen glaubte, dag auch sie ihn liebte. Dann hatte vielleicht er sie nicht verstanden? Wenn sie nur schon bei ihm wäre, gleich würde er sie darüber fragen. Die Sehnsucht nach ihr verwandelte sich in ein ficber- Haftes Verlangen, das er zu verbergen trachtete. Er begann mit schnellen Schritten das Kesselhaus zu durchmessen. Wie hatte ihn das alles mit einem Male so aufgeregt I Wie konnte es sich so lange unter der Decke seines Zornes verbergen? Er wunderte sich darüber und begann sich selbst wegen seiner Handlungsweise der Frau gegenüber Vorwürfe zu machen... Sonst stand es bei ihm fest, daß sie an allem die Schuld trage, aber heute kam er zu der Erkenntnis, daß er auch nicht freizusprechen war. Wenn sie nur schon hier wäre! Ja, kann er denn nicht hingehen zu ihr, nnch Truchliu? Gewisi, und er will gleich morgen, so bald die Schicht vorüber ist. zu ihr gehen. Er fühlte sich beruhigt, als er zu diesem Entschlusi ge- konmien. Ein unbekanntes EtlvaS schien in seinem Innern zu jubeln, freudig und siegcsfroh. Die Liebe. Strouhal hatte es begriffen, und als könnte er die Freude dieser Erkenntnis nicht tragen, setzte er sich wieder und gab sich einem beseligenden Grübeln hin. Lange und lauge blieb er nnt seinen glücklichen Gedanken bei seinem Weibe. Er merkte es nicht einmal, daß der Heizer Lebeda sich entfernte, nach einer Weile aber nnt verstörtem Gesicht zurückkam. Er merkte es nicht, daß er dann sofort zu Hladik leise sprach, und dieser nun, die Hände entsetzt' zusannnenschlagend, au ihn, den Obcrheizer, herantrat. Erst als dieser ihm die Hand auf die Schulter legte, blickte er den Heizer an, der mit zuckenden Lippen vor ihm stand und vor Belvegung kein Wort hervor- zubringen vermochte. Inzwischen kamen auch schon die übrigen Männer herzu. Eine eigentümliche Bewegung belebte den ganzen Kreis, aus dem nun einzelne Ausrufe hcrvorklaugcn.„Ist das ein Un- glück!"—„Die armen Kinder, was fangen die au?" Aber daß er nicht um Hilfe rief?"—„Jesus Maria, wie konnte es nur geschehen?!" Dabei rangen sie die Hände, schüttelten entsetzt die Köpfe und wandten sich alle langsam zu Strouhal. Dieser wußte immer noch nicht, was geschehen war. Hladik stand vor ihm, keines Wortes mächtig, mir sein Kinn zitterte heftig und auch seine Hand zitterte, mit der er Strouhal berührte. „Was ist geschehen, so sprecht doch!" wendete sich der Oberheizer an die anderen. „Sthblik.. sprach Lebeda. „Verbrannt", ergänzte ein Zweiter. „Ist schon ganz verkohlt...", versicherte Wesselh. „Kinder, hinunter!" befahl Strouhal. Dahin. waren seine schönen Träume. Die traurige Wirklichkeit hatte sie ver- scheucht. Mit festem Schritt trat er an die Fallthüre und stieg in den Aschenkanal hinunter. Ihm folgte Lebeda, dann Hladik. Die andern, die sich ebenfalls anschließen wollten, mußten auf des Oberheizers Befehl oben zurückbleiben.- Unten ging Lebeda voran, und führte die beiden zu dem Gewölbe, in dem die Asche glühte. Aus derselben ragte ein Fuß hervor, auf dem ein zerrissener Stiefel glomm. Als sie sich bückten, kam ihnen ein erstickender Geruch entgegen, ühn- lich demjenigen, wenn ein Schmied beim Beschlagen der Pferde die Hufe ausbrennt. „Kehrt behutsam die Asche weg," ordnete Strouhal an, nachdem er einen Augenblick entsetzt das Bild betrachtete. „Es ist keine Schaufel hier!" sprach Lebeda, sich um- schauend. „Ist auch verbrannt," bemerkte Hladik, auf ein langes, noch glimmendes Stück Kohle hinweisend. „Holt eine andere!" Lebeda ging und kehrte sogleich mit einer Schaufel zurück. Sorgfältig entfemtm sie die Asche und erblickten die furchtbar entstellte Leiche Stybliks.� Als sie versuchten, sie aufzuheben, zerfiel sie unter ihren Händen in Stücke... lFortsetzung folgt.) Die Enkwicklung des Velenchkungstvefens im neuttzelznken Inhehundeet. (Nach einem von Prof. N ernst in der„Urania" gehaltenen Vortrage.) Wenn man eine antike Lampe mit einer ans der Zeit des dreißigjährigen Krieges oder selbst»och auS dem vorigen Jahr- hundert vergleicht, so findet man in ihrem eigentlichen Wesen keinen Unterschied: ein pflanzliches oder tierisches Ocl liefert den Brennstosi. der von einem Docht angesaugt wird und, allmählich vergasend, der Flamme neuen Stoff zuführt. Die Ausführung dieser Lampen war im kunstsinnigen Altertum oftmals eine viel schönere, als in dein verwüsteten Deutschland, Ivo der dreißigjährige Krieg die Kultur zurückwarf. Noch bis in unser Jahr- hundert hinein blieben die gewöhnlichen Lampen in ihrem Wcjcn unverändert, wenn man nnch recht komplizierte Vorrichtungen er- sann, um das Ocl, dos vom Docht nur nnboll kommen angesaugt wnrde, in die Höhe zu pumpen und vollständiger und reichlicher auszunutzen. Erst mit dem Ailfkomnicn der Petroleumlampen um die Mitte des Jahrhunderts verschwand diese Schwierigkeit; denn daS Erdöl oder Petroleum wird von dem Docht zu ganz erheblichen Höhen gesangt, und bei diesem Oel kann daher mit Leichtigkeit für eine vollständige Verbrennung gesorgt werden. Weitere Fortschritte der Beleuchtung knüpften sich an die bcffere Erkenntnis von den thatfächlichen Vorgängen in der Flamme. Immer sind es Gase, welche brennen; wenn eine einfache Kerze verbrennt, so muß der Stoff, aus den, sie besteht(Wachs, Stearin), zunächst geschmolzen werden; der Docht sangt die Flüssigkeit an, die durch die Hitze vergast wird und als Gas brennt. Hält man ein gebogenes GlaSröhrchcn in die Flamme, so kann man an ihrem Ende die brennbaren Gase aufsteigen sehen und anzünden. Eine solche Kerze ist also im wesentlichen eine kleine Gasanstalt. Dies wird noch deutlicher, wenn man die Kerze in einer Netorte erhitzt; sie verwandelt sich dann in Gas, das ans der Oeffnung der Retorte aufsteigt und dort entzündet werde» kann. Zur Herstellung des Leuchtgases benutzt man jedoch nicht die teuren Rohprodukte einer Kerze, sondern die in der Erde so iveit verbreitete billige Steinkohle. Die Einführung dieses philo- sophischen Lichtes, wie cS anfangs genannt wurde, das ohne Docht brennt und dadurch eine Reihe von Ilnbcqnemlichkeiten beseitigt, war aber durchaus keine überraschend schnelle. 1702 erhellte der Schotte Murdoch sein Haus mit Leuchtgas. 1798 wurde» die Werkstätten der Maschinenfabrik von James Watt damit ver- scheu; aber erst 1812 erhielt London eine öffentliche Gas- belenchtung, und Berlin begann damit sogar erst im Jahre 182li. Betrachtet man einen der Londoner Gasbrenner von 1812. so fällt die Kleinheit der Flaunne und ihre geringe Helligkeit auf. Ans fünf kleinen Ocffnmigcn entströmt das Gas, das in fünf auseinander- gehenden Strahlen brennt. Der leuchtende Stoff ist, wie in de» ander» Flammen. Kohle; kleine Kohlctcilchen schweben in der Flamme und werden durch ihre Hitze zum Glühen gebracht. Hält man eine kalte Porzcllanschale über die Flamme, so schlägt sich die Kohle als Ruß nieder. Wenn man für eine bessere Verbrennung sorgt, so sollte man meinen, tuüibc durch die gröbere Hitze die Kohle auch stärker leuchten. Aus dieser Ueberlegung eiitstnnd der Schnittbreniier. dei dein dnS Gos ans einem breiten Spalt ausströmt, so dost zn beiden Seiten der breiten Fläche die Luft bequem herantreten kann. In der That sind diese Brenner den ältesten schon bedeutend iiberleqen. Noch qröjzere Wirkunq erzielte der Argandbrenner, bei dein ein Ctzlinder notivendig ist, um den nötigen Luftzug z» erzeugen, dainil an die röhren- förmige Flamme überall genügend Luft herantreten kann. Eine vollständige Verbrenniuig des Gases ivird im Bimsen- brenner erzielt, in dem sich das Gas schon vor der Entzündung reichlich mit Luft mischt. Aber die Flamme dieses Brenners, die Ivege» der vollständigen Verbrennung des Gases nuszerordenklich Heist ist, leuchtet fast gar nicht! denn die Kohle, der Träger des LenchtenS, verbrennt hier so völlig, dah glühende, leuchtende Kohle überhaupt nicht vorhanden ist. Man kommt also hier an eine Grenze, wo die Steigerung der Temperatur die Leuchtkraft nicht mehr vermehrt, sondern vermindert, lveil sie den Träger des Leuchtens. die Kohle, beseitigt. Die Gasbeleuchtung blieb längere Zeit ans der mit dein Schnitt- brenner und Argandbrenner erreichten Höhe, bis anfangs der achtziger Jahre die drohende Konkurrenz des elektrische» Lichtes zu neue» Anstreiigmigen anspornte. Erwärmt man das Gas. bevor es zur Entzündung kommt, so must man osfenbar in der Flamme eine höhere Temperatur haben, ohne dast durch stärkeren Luftzutritt eine zn reichliche Verbrennung eintritt. Aus dieser Ueberlegung entstanden die R e g e n e r a t i v b r e n n e r von Friedrich Siemens, in denen die durch die Flamme selbst ge- lieferte Hitze benutzt wird, um das Gas, bevor es an die Flamme tritt, vorzuwärmen. Eine gröstere Verbreitung hat diese schöne Erfindung nicht gefunden, lveil sie vom Auerlicht überflügelt tvurde. Zu erivähnen ist hier auch das Acethlenlicht. Das Aeetylen erhält man auf die denkbar einfachste Weise. wenn man Calci»»»» carbid in Wasser wirft. Es entsteht dann dieses austerordentlich kohlereiche Gas, von dem man daher ein besonders Helles Licht er- warten darf. In einem gewöhnlichen Gasbrenner liefert es aller- dings nur eine stark rüstende, durchaus nicht sehr helle Flamme. Sorgt man aber durch einen besonderen Brenner für genügenden Luftzutritt, so tritt reichliche Verbrennung und infolgedessen sehr hohe Temperatur ein; weil das GaS aber so austerordentlich kohlereich ist, bleibt noch genug Kohle unverbranut, die nun in stärlstes Glühen gerät und ein austerordentlich Helles Licht ausstrahlt. Diese Belenchtiuigsart, die heute sehr empfehlenswert für Häuser ist, die keinen Anschlnst an gröstere Centralen haben, wird sicherlich in der nächsten Zeit noch erhöhte Bedeutung gewinnen. Von ganz anderer Art ist das z» so ungemeiner Verbreitung gelangte A n e r s ch e G l a S g l ü h l i ch t. Vergleicht man eine Aner- slamine etwa mit einer Aeethleuflamme, so kann man die erstere nicht etwa erheblich lveister �nennen; vielmehr reiht sie sich über- Haupt nicht in die Reihe der bisher betrachteten Flammen ein. Bei diesen allen war Kohle der Träger des LenchtenS. Kohle aber sendet bei hoher Temperatur nicht nur die Strahlen ans, die unser Auge als Licht empfindet, sondern in ebenso hohem Mäste auch die unsichtbare» Strahlen, vor allem auch diejenigen Strahlen, welche eine starke Wäriuewirkimg erzengen. Könnte man Stoffe finden, die bei hoher Temperatur vornehmlich Lichtstrahlen aussenden, Wärmestrahlen dagegen in sehr viel geringerem Mahe, so wäre damit eine ganz andere Art von austerordentlich rationeller Beleuchtung geschaffen: denn der gesamte Betrag, der in der Form von Wänne von einer Lichtquelle ausgestrahlt wird, geht ja der Beleuchtung verloren. Auer fand solche Substanzen in den seltenen Erden. Doch kostete es jahrelange Arbeit, bis ein brauchbares Licht zn stände ge- kommen war. 188ö hatte Auer seine eiste Lampe konstruiert, in welcher ein feines Gewebe, der hohen Temperatur der Bimsen- flamme ausgesetzt, in starkes Leuchten gerät: doch erst 18S1 konnte diese neue Beleuchtung als lebensfähig gelten und ihren Siegeslaus durch die Welt antreten. Eine groste Schwierigkeit bestand in der Beschaffung der Substanzen, die zur Herstellung des Gliihlörpers nötig sind. Dieselben waren bis dahin nur im Raritätenkabinett deS Chemikers zn finden gewesen. Aber die Natur erwies sich als im Bunde mit dem schöpferischen Genius: die seltenen Erden waren notivendig. und sie fanden sich in Hülle und Fülle. In kurzer Zeit entwickelte sich eine groste Industrie der Edelerden. Wie gewaltig dieselbe geworden ist, kann man z. B. daraus ersehen, dast der Preis für Thorinmnitrat, einen dieser Stoffe, in wenigen Jahren von ItKX) M. pro Kilo auf 35 M. herabsank. Indessen entwickelte sich auch das. elektrische Licht. Ein elektrischer Strom bringt eine metallische Leitung, wenn sie dünn und der Strom stark genug ist, z» lebhaftem Glühen. Aber zur Beleuchtung war dieser Vorgang nicht verwendbar; denn die Drähte schmolzen schnell durch, womit denn der Strom und seine Wirkung aufhört. Erst S w a n und vor allen Edison konstruierten brauchbare elektrische Glühlampen, indem sie auf die Kohle in Forin dünner Faden als Lichtträger zurückgingen. Bei Anwendung stärkerer Ströme kann man bei diesen Lampen auch eine gröstere Helligkeit erzielen; dach leidet darunter die Lebensdauer der Kohle und somit der Lampe. Geht man zu starken Kohlenstäben über, so kommt man zur elektrischen Bogenlampe, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Beide Arten elektrischer Lampen sind mit grostem Geist und Scharfsinn näher ausgeführt und verbessert Ivorden; weil aber Kohle der Lichtträger ist, haben sie eine bestimmte Grenze der Leuchtkraft und strahlen überdies stets erhebliche Quantitäten von Wärme ans. Es liegt nahe, auch hier nach Substanzen zu suchen, die ähnlich wie bei dem Auer-Licht wirken. Das naheliegendste waren die Gase. die, durch den Strom ins Glühen gebracht, ein eigenartiges Lieht ohne sonderliche Wärme aussenden. So interessant die Versuche Teslas in dieser Richtung auch sind, und so ideal daS Tesla-Licht darin ist, dast fast gar keine Energie sich in Wärme umsetzt, so wenig scheint es doch, bisher wenigstens, für die Praxis brauchbar z» sein. Von der Kohle als dem Lichtträger Ivar in belvustter Weise auch der russische Ingenieur Jablochkofs ll87ö) abgegangen. Er benutzte Kaolin, das allerdings die Elektricität nicht leitet: doch er- reichte er durch Anlvendnng hoch gespannter Ströme, dast eine Funkenbildung eintrat, in Ivelcher das Kaolinblättchen glühte. Die Herstellung der hohen Spannung war aber damals sehr teuer, und deshalb sowie auch wegen der damit verbundenen Lebensgefahr sind Jablochkoffs Versuche trotz ihrer gesunde» Grundlage völlig in Ver- gessenheit geraten. Der Weg Jablochkoffs wurde noch von Nern st betreten, wobei Auers Erfolge als Wegweiser dienten. Gelang es, Substanzen ans- zufinden oder herzustellen, die im elektrischen Strome ein eigenes Licht nach Art des Auerlichtes ohne erhebliche Wärme ausstrahlen, so ivar daS Problem gelöst. Kohle und Metalle sind nicht geeignete Stoffe, lveil bei ihnen mit der Lichtstrahlung auch die Wärmestrah- lung zimiinmt. Man war daher auf uichtleilende Stoffe angewiesen. Es giebt nun aber ganze Reihen solcher Stoffe, die in höheren Temperaturen leitend werden. Schaltet man solche Stoffe, z, B. einen Magnesiastist, in den elekrischen Strom ein, so erhält man zunächst keine Wirkung, weil der Strom nicht hindurchgeht. Erwärmt man mm aber den Stift durch eine Flamme, so wird er leitend, der Strom geht hindurch und der Stift gerät in das lebhafteste Glühen. So hat man eine elektrische Lampe mit prachtvollem Licht, die jedoch zum Gebrauch erst angezündet werden must. UebrigenS kann man das Anzünden auch automatisch besorgen, indem man einen Heizkörper in den Strom einschaltet, der sich von selbst ausschaltet, sobald der Strom durch den Glühkörper geht. In wie Iveit dieses Licht, das den beiden anderen elektrischen Lichtarten entschieden überlegen ist, praktische Bedeutung gewinnen wird, must schon die nächste Zukunft lehren; denn noch vor dein Schlnst deS Jahrhunderts Iverden die sog. R e rn st- L a m p e n dem Verkehr übergeben Iverden.— Lt. Nlcines Feuilleton. K. Ter„kritische" Turgenjew. Nene Briefe von Turgenjew werden soeben im.Atlantic Mouthly" veröffentlicht. Sie stammen arösttenteilS ans den siebziger Jahren und enthalten sehr schroffe Aeusternngen Turgenjews über zeitgenössische Btusiker und Künstler. Sie sind an Wladimir Stastow, einen der noch lebenden Freunde deS Dichters gerichtet. Dieser schildert das erste Zusammentreffen mit Turgenjew in einer Gesellschaft in folgender Weise:.Turgenjew kam spät und als er ins Zimmer trat, blieb er zunächst stehen, um einer Dame, die neben mir fast, den Grund seiner UnPünktlichkeit zn erkläre»:„Ich habe eben Schumanns Quintett zum erstenmal gehört... Meine Seele ist ganz in Aufruhr," sagte er mit seiner weichen, zarten Stimme, die aber einen ein wenig zischenden Ton hatte. Ich drehte mich um und sah zum erstenmal in meinem Leben Turgenjews kräftige und stattliche, wenn auch etwas gebeugte Gestalt, seinen Kopf mit der mächtigen Haarmähne, die noch gar nicht grau schimmerte, und seine gütigen, etwas trüben Augen.... Die stark persönliche Kunstanschauung des Dichters kommt in folgendem Brief zn einem charakteristischen Ausdruck: „Jeden Tag wird eS mir schwerer, an der eigenen Kunst Be- friedignng zu finden. Zum Beispiel habe ich eben erst einen langen Roman für den„Messager de l'Enrope" vollendet stvahrscheinlich „Väter und Söhne"), den ich dreimal unigeschrieben habe, es ist eine Art Shsiphus-Arbeit.... Von all den jungen russischen Musikern haben nur zwei ausgesprochenes Talent'— Tschai- k o w S k y und R i m S l y K o r s a k o w. Alle die Übrigen könnten ihrem Werte nach in einen Sack gesteckt und ins Wasser geworfen werden! Natürlich nicht als Menschen— denn da sind sie sehr an- genehm,— sondern nur als Künstler. Ich kann unrecht haben in meinem Urteil über die neue russische Kunst, und Sie sind berechtigt mir nieine Unwissenheit oder Mangel an Verständnis zum Borlvurs zn»lachen, aber wie könnten Sie denken, dast ich dies nicht ans einer starken persönlichen Ueberzeugung oder Empfindung heraus sage, sondern lveil ich mich vor der Autorität der Fremden beuge? WaS zum Teufel sollte mich, einen alten Mann, der nichts in seinem ganze» Leben so hoch geschätzt hat, wie seine eigene Unabhängigkeit, dazu bringen, mich vor dielen Autoritäten zu beugen?... Ich schreibe Thöophile Gautier gar keine dichterische Be- deutnng bei... Ich habe die neuen Artikel von Victor Hugo gelesen. Jrti bedaure, dast ich nicht über genügende Ausdrucks- fähigkeit verfüge, um zn sagen, bis zu welchem Grade ich diese Artikel und diese ganze Prosa überhaupt verabscheue"... Ebenso schroff ist Turgenjews Urteil über die schauspielerischen Leistungen — 940— feiner Zeit. So schreibt er im Jalire 1882 folgende vernichtende .imlik der S a r a h Bernhardt:„Diese Frau ist klug»nd geschickt, sie kennt ihr Geschäft bis in die Fingerspitzen, ist begabt mit einer reizende» Stimme und hat eine gute Schule durchgemacht, aber sie hat nichts Natürliches a» sich, überhaupt kein kiinstlerifches Talent, und sie versucht, das durch Pariferische Zügellosigleit zu ersetzen. Sie ist durch und durch mit „Chic", Reklame und Pose erfüllt. Sie ist moiioto», kalt und trocken, kurz, ohne einen einzigen Funken von Talent im höchsten Sinne deS Wortes. Sie geht wie eine Henne, sie hat kein Mienenspiel, die Bewegungen ihrer Hände sind mit Absicht eckig, um pikant zu sei», das Ganze trieft von Boulevards, Figaro und Patschuli... Sie müssen mir erlauben, Augier zu ritieren, der einmal zu mir sagte: Diese Frau hat kein Talent; man sagt von ihr, dast sie aus einem „Paket von Nerven" besteht,— sie ist eine Sammlnug von Kniffen.— Aber Sie werden fragen: Woher dann ihr Weltruf? Was kümmere ich mich darum? Ich spreche mir von meinem eigenen Gefühl, und ich bin. froh, jemand zu finden, der meinen Standpunkt unter- stützt— Theater. N e si d enz- Th e a te r.„Die Nichtig e", Komödie in einenr Akt von T. v. Trotha.—„Busch und N e i ch e» b a ch", Schwank in drei Aufzügen von Lee und Mever-Förster.— Ei» Maler will heiraten. Er hafs dazu. Seine Bilder bringen Geld ein, über Daineubelanntschaften verfügt er auch. Also warm» nicht? Die Sache hat aber doch ihren Halen. Rcgelmäsjig entdeckt er an den verschiedenen Bräuten, mit denen er es versucht, irgend einen Fehler. Die eine hat zu viel Verstand, die andere gar keinen nsw.„Die Nichtige' findet er nie. Augenblicklich ist er mit einer Dame verlobt, die ihm zu energisch und ansbrausend ist. Er will sie los werden nud wendet dabei einen Trick an. der ihm früher gute Dienste geleistet hat. Er lügt ihr nämlich vor, daß er miniert ist, daß er sich erschießen muß nsw. Durch einen alten Tölpel von einem Diener ist dafür gesorgt, daß die Braut den wahren Sachverhalt erfährt. Natürlich bringt sie ihn nun in die tödlichste Verlegenheit, erklärt, mit ihm sterben zu wollen nsw. Schließlich nerläfit sie ihn angeekelt, und damit ist das Ding zn Ende, das Herr von Trotha eine„Komödie" nennt. Der Maler stöhnt melancholisch:„DaS war die„Richtige"— Daun folgte ein Schtoanl wie andere mehr. Ei» Konfektionär hat mit einer Probiermamsell„etivas gehabt", das heißt, er hat im Grunde nichts mit ihr gehabt. Ilm ans der Affaire herauszukommen, die gar keine Affäre ist. giebt er vor, überarbeitet und nervös zu sein. Von liebende» Ber- wandten wird er mm sofort in eine Kaltivasser-Heilaustalt gebracht. lvo eS natürlich„furchtbar komische' Sceneu giebt. In diesem Stil geht der llusinu weiter. Ein Pantoffelheld, eine böse Schwieger- multer, ein Trottel von einem Arzt, eine lüsterne Witwe usw. unterstützen den leidenden Konfektionär in seinem Bemühe», das Publikum zu erheitern. Daß auch die Zoten nicht fehlten, versteht sich am Rande. Das Publikum schien sich in der That zu amüsieren. Ich beneide es um seine Anspruchslosigkeit.— E. L. Archäologisches. — Eine alte griechische Münzpräge werk statt ist in der Darstellung eines Wandgemäldes in Pompeji erkannt worden. In dem besonders reich anSgeschmückte» Hause der Vettier, das vor einigen Jahre» ausgedeckt wurde, sind ans einem reizenden Friese kleine Eroten in mancherlei Verrichtungen deS tägliche» Lebens dargestellt. als Tnchfärber, als Winzer, kränzewindend, eine Cclprefic bedienend nsw. Eine dieser Seenen mm wurde von den einen als Werkstatt eines Goldschmieds, von andern als Münzstätte gedeutet. Der Streit wird jetzt zum Abschluß gebracht durch eine» Auisatz von Svoronos, dem Direktor des Münzkabinetts zu Athen, in dem „Journal intoruntional d'arcliäologie unmiamatique", der manche, von anderen nicht richtig erkannte Züge auf das glücklichste durck den Vergleich mit Gewohnheiten und Werkzeugen erläutert, die»och heute bei ländlichen Goldarbeitern und Schmieden Griechenlands üblich sind. Der griechische Forscher hatte hier durch die Reinitnis seines Heimatlandes eine» beträchtliche» Borsprimg vor den englischen und französischen Gelehrte», die sich mit der Deutung deS Bildeö abgemüht hatten; auch sieht man an diesem Beispiel wieder einmal, wie langlebig im Süden alte Gebräuche»nd Techniken sind, so lange ihnen die moderne Maschine lein Ende macht. Das Bild schildert von rechts nach lmls die Entstehung einer Münze aus folgende Weise: Znerst wird das Metall iu einem kleine» Tiegel geschmolzen, den ein Erot mit einer Zange in de» Ofen hineinhält, während er mit einem kleinen Blasrohr die auf das Metall fallende» Kohlen- stückchen fortbläst. Ein zweiter Erot facht das Feuer mit einem erst von Svoronos richtig erkannten Blasebalg an, den man früher für einen Schild oder eine Osenthiir hielt. Soda»» schneidet ein Arbeiter mit einem besonderen mcißeknrtigeii Werkzeug die Metalllinse, die die Prägung erhalten soll, so zurecht. daß sie die nötige Gleich- Mäßigkeit und das vorgeschriebene Gewicht erhält. Vor ihm stehen zwei Wagen, darunter liege» die bereits beschnitteneu Metallslücke. Diese iverden aber noch einmal auf ihr Gewicht ge- prüft. Ein Erot steht mit einer Wage in der Hand vor ejnetn sitzenden geflügelten Mädchen, das sich, wie eine Handbewegimg zeigt, von der Nichtigkeit des Gewichts überzeugt. Ganz falsch wurde sie früher für eine Käuferin von Gold- schmuck erklärt. Sie ist die Aufseherin der Werkstatt, ganz wie eine solche„Psyche' bei der Oelbereitung den anSgepreßten Saft kostet. in der Tuchfärberei die Güte des Stoffes kontrolliert, die fertigen Kranze betrachtet nsw. Hinter der Psyche endlich sehen wir. wie die Münze fertig gemacht ivird. Ei» Erot hält mit einer langen Zange auf einem Ambos die beiden Stempel, zwischen denen das Metallstück liegt, ein anderer schwingt mit beide» Händen an langem Stiele einen großen Hammer, um mit einem einzigen Schlage die Prägung zu vollziehen. Es ist für die nntiken NmniSmatiker von großem Wert, hier zum erftenmale die Prozedur des Münze»- lchlagens in allen Einzelheiten vor Augen zu sehen. DaS graziöse Thun dieser kleine» nackten Flügelbnben, die mit Eifer n»d Sach- keimtms.Münzarbeiter' spielen, geht in der Erfindung sicher auf griechische Vorbilder der hellenistischen Zeit zurück.— („M. Allg. Ztg.") HumorlstlicheS. — Serenissimus ivar neulich in Rom und hat das Kapital besucht. Als er der r ö m i s ch e n W ö l f i n ansichtig lvird. und Kindeniianu de» Mmid anfthuu ivill, ihm die Figur zu erklären, winkt Serenissimus schnell ab: „Aeh, weiß schon, was Sie sagen wollen, lieber Kindermann. iveiß schon, üh. St o in e o und I u l i a, Stammeltrru Roms— äh — kenne die Geschichte."— — H o ch z e i t S g e s ch e n I e. Braut:„Keine zwei Menschen denke» gleich, beHaupt' ich." Besuch:„Das werde» Sie nicht mehr sagen, tvenn Sie Ihre HochzeitS-Geschenke ankommen sehen."— — Na jal Schuhmacher:„Dieser Stiefel paßt Ihnen lMlnöglich, Madame. Versuchen wir es mit der»ächsteii Nummer." Dame Kategorisch):„Rein, durchaus nicht I Bringen Sie die gleiche Nummer, nur ein ganz klein Bißchen größer."— („Jugend".) Notizen. — von Clara Müllers Gedichtsammlung„Mit roten Kressen" ist eine z u> e i t e veränderte Auslage erschiene».(Großen- Hain, Baumert und Rouge.)— — Tie Leipziger Stadtverordneten lehnten den Aulrag auf Ausschreibung der Renverpachtnug des S t a d t t h e a t e r S ab. S t a e g e m ä» u bleibt also bis 1000 Direktor.— — Das Zustandekommen der V o l l S- H o ch s ch u l- K u r s e für M a n» h e i m ist gesichert. Die Mannheimer Arbeitervereine hatte» sich an die D o e e u t e n der Universität Heidelberg mit der Aufrage gewandt, ob sie geneigt wären, VolkS-Hvchschnl-Kurse für die Mannheiiner Arbeiters ibast abzuhalten. In einer Versaimu- kniig der Tveenteii wurde fast einstimmig beschlossen, aus diesen Vorichlag einzugehen. Es bildete sich ein.Ausschuß sür Bolls- Hochschnl-Kurse der Universität Heidelberg", der sich auch andere» Städten zur Verfügung stellen will.— — Henrik Ibsen hat ein neues Drama vollendet, das de» Titel„Harald Winge" führt. ES behandelt das Problem des nneheliche» Kindes.— — An den vier niederländischen Universitäten studieren 100 Frauen. Die Gesamtzahl der Studenten beträgt 2882. Die©indeuliinien verteile» sich ans folgende Fächer: Theologie 1, Iura 0, Medizin 25, Natmwijseujchasten 11, Philologie und Philosophie 07.— c. In London hat sich ein Komilee gebildet, da? die Er- richtmig einer b r i t i s ch e n a r ch ä o l o g i s ch e» S ch n l e in St o m betreibt. Die Kosten der Begründimg werden auf 00 000 M., die der laufenden AnSgabe» auf 20 000 M. angesetzt.— c. Die Londoner Gesellschaft für„TJniversity Extension" verzeichnet in ihrem letzte» Jahresbericht befriedigende Fortschritte. 100 Kurse wurden abgehalten, an denen 12120 Zuhörer teil- nahmen. 2184 Zenguisse imirden erteilt. Tie Zahl der Kurse, die sich über mehrere Semester erstrecke», hat zugenonnnen.— t. In der Londoner Geographischen Gesell- s ch a f t teilte der Vorsitzende mit, daß die Mittel sür die S ü d p o l- Expedition einschließlich der von der Regierung beivilligten Summe den Betrag von 1800000 M. erreicht hätten, doch wäre die Bewilligung der ganzen Summe noch davon abhängig, daß aus anderen Quellen»och tveitere 100 000 M. beschafft werden töunten.— — Die bedeutendste Zeitung der Kapkokoni e,„The Eape- TimeS", bat in ihren große» Geschäftsräume» eine Dampfpfeife anbringen lassen, die jedesmal, wenn wichtige Telegramme eingelaufen sind, die Stadt Capetoivn durch einen markerschütternde» Pfiff davon beuachrichtigt. Daun eilen die Beivohner herbei, nm die Special- ausgaben zu kaufen.— Die nächste Nummer des UuterhaltuugSblaltes erscheint am Somitag. den 0. Dezember. Veraulivortlüyer Siccccieur: Paul John in Berlin. Dm-t«no Benag von Sias Babing u. Berlin.