Nnterhaltmlgsblatt des Worwäris Nr. 237. Dienstag, den 5. Dezemver. 1399 :. �•. v.(Nnchdruck verboten.) Ehrlenke StrouhÄl. ".§] Erzählung von M. A. Simäcek. Deutsch von Franta Hnjck. ' Die Strouhal schritt schnell weiter. Als sie an Petruschs' Wohnung vorüberging, hvrte sie Äindcrgeschrci und das Zanken einer Franenstinunc. Rasch trat sie in ihre Wohnung und zog die Thür hinter sich zu. In der Stube war cS finster. Von der gegenüberliegenden Wand hörte sie LaS erstickte Weinen eines Kindes.� „Bist Du es, Mütterchen?" fragte eine dünne Stimme „Wo ist die Czermak?" fragte die Fran, ohne auf die Frage des Kindes zu antworten.' „Schon vor einer Weile ging sie fort, wollte aber gleich wieder da sein." „Und warum weint Mariechen?" fragte die Mutter weiter, uack dem Kinde tastend.„Komm her, komm zu der Mama, Maricchen," sprach sie, als sie das Kind vom Bode» erhoben hatte und an sich drückte/„Wer hat Dir was gcthan?" „CzcrmakS Ferba hat mich geschlagen!" schluchzte die Kleine. „Nun, weine nicht mehr, mein Mädchen, wir gehen von hier weg, wir gehen zum— Bater. Der wird Dich recht lieb haben, mein Kindchen." Bei diesen Worten seufzte sie lind mit der einen Hcmd das Kind haltend, suchte sie mit der anderen nach den Zündhölzern. Als es ihr gelungen, zündete. sie eine kleine Petroleumlampe an; dann sah sie sich in der niedrigen Stube um. Auf der einen Seite, rechts vom Eingange, standeit die roh gezkvnucrten, unangestricheneu Betten, ans der andem im Winökel lagen auf der Erde zwei Stroh- sacke, niit einem groben grauen Laken bedeckt, ans denen je ein Kopfkissen und eine Pferdedecke lagen. Man konnte cS deutlich wahrnehmen, daß noch vor einer Weile auf dem einen Strohsack jemand sich hcrnmgeivälzt hatte. Die Frau neigte sich iiber beu zweiten, wo unter der Decke zwei schlafende. Kinderköpfchen hervorlugten. Sic sagen quer über den Ttrohsack, da sie sonst der Länge nach nicht genügend Plah gehabt hätten. Es schliefen drei zusammen. Das jüngste Kind nahm Fran Strouhal immer zu sich ins Bett. „Stehet auf!" sagte die Mütter, die Kinder leicht be- rührend.„Wir gehen zum Bater." Beide schlugen die Augen ans, aber als sie das Licht sahen, das sie leicht blendete, wollten sie weiter schlafen. Erst nach einer Weile konnten sie vollends geweckt werden. Der Knabe war der erste, der die Decke beiseite schob uud aufstand. Müht Ihr Euch denn deu gauzcu Nachmittag herum- tvälzcu?" „Der alte Czermak hat uns schlageu»vollen, wenn wir nicht stille sind. So haben tvir uns hingelegt und haben ge° schlafen. Mariechen wollte nicht schlafen, da hat sie Ferda gehauen," berichtete der Knabe. „Und was sagst Du, Bartsch«?" wandte sich die Mutter an das zwölfjährige Mädchen, da? bei ihrer Ankirnft gefragt hatte:„Bist Du es Mütterchen?" „Oh. Ferda hat die Bartsch« gern, die haut er nicht. Die muhte bei ihm sitzen uud ihm vorlesen— er hat sie immer gestreichelt," berichtete der Junge weiter. „ES ist nicht wahr, Mutter," wehrte sich Bartsch«, schlug jedoch die Augen zu Boden." „Doch, es ist wahr, Mutter, auch wollte er ihr immer eiucn Kuh geben und hat immer gesagt, dah er sie gern hat." „Schweige doch schon endlich!" rief die Mutter in einem sonderbaren Tone.„Macht lieber, daß ihr fertig werdet, damit wir hier sortkonimen— nur fort, nur fort! Bartsch«, zieh.Dir die Schuhe au und hilf Beta anziehen. Binde ihr unter die Jacke ein Tuch, damit sie nicht friert und Du, Tonik, spute Dich auch, ich zieh' derweil Mariechcn an." Die Kinder sprangen davon. Die Mutter und Bartscha gingen in die Ecke, Ivo ihre Truhe stand, und begannen Tücher, Kleider und Schuhe hervorzusuchen. Alles- war schon alt. verblichen und geflickt, die Schuhe grob und ungewichst und die Jacken von Flanell. Bartscha setzte sich mit Bctnschka, die mit ihren Händchen an ihren Augen wischte, auf die Erde, und zog"ihr die Schuhe an...'.- V. Die Mutter zog inzwischen Mariechcn an, in allerlei verblichene rosarote Nöckchen und wickelte sie dann in ein großes Tuch ein. Tonik hatte derweil sich mit seinen harten Stiefeln zu quälen. „Aber Musters," meldete sich mit einem Male während des Anziehen?. Betnschka, s, ich habe HnNgör, wir haben noch nichts gegessen." „Ja, hat Euch Frau Czermak nichts zu essen gegeben „Ja. aber nur wenig." antwortete Tonik. � Sie sagte.. Der Knabe verstummte. In die Stube trat mit schwerem Schritt ein großes Frauenzimmer von unfreundlichem.Gesichts- ausdruck. In der Hand trüg sie einen großen Topf, den"sie sofort auf den großen, in einer Ecke stehenden Ofen stellte. «Haben die Kinder noch nichts zu essen bekoiiunen?" fragte Frau Strouhal. „Muß ich doch die andern erst befriedigen. Ihr seht doch, daß-ich ihnen die Suppe bringe. Und damit es nicht vergessen wird,» einen» Mozartschen Quartett tin Ls-ckur), i»»velcheui»vieder die Gebrüder Borisch ihr seines, ineinandergelcbtcS Spiel hören ließen. Daß sie das„.Ajidaiito con moto" eilvas gar langst»»» und das Finale mit etlvas gar schuclleui ruid stark veränderlichen» Zeitmaß liahiileu, ning Sache eines Gc- schrnacksstreites sein; daß sie aber den(noch dazu nur als Alle- gretto bezeichlictcu) Menuett i» ein»noderucs Scherzo verlvcuideltcu, darf doch ohne Gefahr des Pedaliterie-Vorwurfö angekreidet werden, zumal diese unhistorische Lerwischmig auch sonst häufig ist.— sz. Archäologisches. fc. A l t ä g y p t i s ch e Zöpfe. Der Zopf ist fast so alt tvie die Menschheit; er gehörcke schon zitulTypnS des altägyplischen Back- fisches. Auf diese' Thatsache»nacht v. Bissing in der soeben er- schicilenel»„Zeitschrift für ägyptische Sprache nnd Altertumskunde" aufmerksau». Bei sonst kurzem Haar hängen ein oder mehrere Zöpfe hcriiutcr. die unten durch eine Quaste abgeschlossc»»»verde»». Die älteste» Beispiele reichen in die 5 Dynastie zurück. Die Tracht wird augeiischeiulich von dcu ganz junge» Mädchen bevorzugt. Von den, kurzen Haar löst sich hinten eine eiuzcllle Flechte ab, die lose herab- hängt. Das Ende dcrFlcchte ist»ach oben gebogen, Ivo sich da? natiirliche Haar an der Spitze biegt. Mit der 0. Dynastie wechselt die Mode. Ans einen» Grabrelicf in Gise trägt die hinter de»» Sitz ihres VatcrS stehende Tochter das lange anliegende Frauengeivand mit Trag- bäiidern nnd Halskragen»n»d kni'zcs Haar. An ihren» Hinterkopf hängt aber ein gerader Zopf herab, der»»»tcn mit einer Platte oder Kugel bcschlvert'lst. Diese»e»e Fori», des Zopfes ist bei den jringc» Uegypterimie» der 0. Dynastie vorherrschend. Die Tänzerinnen, die ii» Grabe des Mrj dargestellt sind, kleiden'flch als junge Mädcheii »ud tragen daher auch den steifen Zopf mit rnndein Gegengelvicht. Die stri'ckartige Festigkeit des Zopfes rührt»vohl von einer reich- lichen Anlvendnng von Fett her. Die eigentlichen Tänzerinnen tragen außerdem' einen kurzen Schurz, der bis zum Knie reicht, »vährend die»vciblichei» Milsikaiiten. die i» die Hände klatschen, ganz tvie gcivöhnliche Mädchen gekleidet sind. Mit der 12. Dynastie vermehren sich die Zöpfe. Zlvei oder drei»verde»» setzt hinten»uid au.de» Schläfe» getragen. DaS Gelvickit wlrd länglich. Eine der Dienerstatiici» äuS Melr z. V. zeigt drei ans drei Strähnen gelviindene Zöpfe, cinen a,» Hinterkopf, die ui, deren etwas höher an dcu Seiten nnd nur in» Ansatz erbaltcu. Wahrscheinlich ist hier auch eine Tänzerin dargestellt. Aus ucrichicdcneu Wandgemälden ans Benihastau sind die Mädchen beim Ballspiel, Hnpfe»» nud Tauzcu mit kurzem Haar und zlvei oder drei Zöpfen mit länglichen» Gc- wicht dargestellt. Auch cinc Berliner Kallsteiiistatnetie. die eine Akrobatin darstellt, hat dieselbe Haartracht»vie die Täuzcriu von Mci'r. Später scheint diese Haartracht abhanden gekommen zu sein 0 und taucht nur noch vereinzelt wieder auf, etninal bei einer Tänzern» sogar»»»it cinei» starken Hiutcrzopf und fünf dilnneret» zur Seite. Zuerst haben nur die Kinder Zöpfe getragen. In» Grabe de» Mrj Äerautivortlicher Revacicur» Paul John in Berlü trage», sechs Knaben den steifen Zopf jener Zeit. Die„Kiuderlocke", die bei den Mädchen der 5. Dynastle sich am Hiuteickopse befindet, sitzt bei den Knaben an der linken Kopfseite, behält aber dieselbe Gestalt.— Aus dem Tierlebe». — lieber die Ab stammnug n» d Herkunft d e r H ä h e r sprach Dr. Jacob! in der November-Sitzung der„Deutschen Ornitho- logischen Gesellschaft". Nach der„Voss. Ztg." fiibrte er folgendes aus: Die schönblau mid schivarz gebäudcrtc» Federn, die unser Eichelhäher au verschiedenen Stellen der Flügel, des Schlvanzes und Kopfes trägt, weisen durch ihre versteckte Lage und durch audere Ilmslände darauf hin, daß die Häher in frühere». Epochen vollständig' blmi gefärbt Ivaren.' Solche Urfonncn fludri» sich licutziitage»och in Nordamerika als der gemeine Blauhäher lLIue jay), ferner mit allmählich veränderter Blaiizeichuuiig in Japan, ganz Sndostäsicn und Kaschmir. Der in letzteren» La»id'e heimische Strichclhäher ähnelt in seine»» Betragen noch sehr dein Blauhlihcr. wie die munteren Exemplare des Zoologischen Gartens zeigen. Man darf nun mlnehmei», daß die Angehörigen der Hätzer- gattllng von Nordamerika ausgehend, längs' der Küste Ostasiens heriiiitcnvaiidcrtcn, in Japan und den» Hininlaya sich uei» ansiedelte» nnd von dort ans in mancherlei Arten einerseits nach Sibirien. andererseits nach Europa»nid Nordafrika sich ausbreiteten, um schließlich in Ostrußlaiiö zusanuiienzutreffei» und sich zu ver- niischcn.— Humoristisches. — Der geuzte Gcudar m.„Können Sic nicht lesen? Das Fischen ist hier verboten!" „Ich fisch' ja»it; ich gib ja n»r nleinen, Frosch eine Schtviinm- lektion!"— — Vorsichtig. Wohnungssuchende:„Mso,»vaS kostet daS Zimmer, ivcnn Sie mir ein Klavier' hineinstellen lassen?" H a»» S»v i r t i u:„Ja, da iiiiiß ich Sie erst»»ab spiele» höre» I"— — Republikanisch. Sachse(ans dem„Hamlet" kommend):„Hären Se,»nei Kndcster, daS is Sie ja doch ä ganz reblibligcmisches Schdick. da jchdirbt Sie ja alles, was ä bißchen»vaS isl"— Notizen. — DaS Berliner SchanspiclhanS bringt in« Dezeiilber »vahrscheinlich noch drei Novitäten heraus: an» ersten Weihuachts- feiertags ein iieiies Stück von Adolf L' A r r o n g e, vorher ein Märchendraina„Gevatter Tod" von Eberhard Köllig, später eine»»eiien Schlvank von Gustav Kadelbnrg.— — Die Schiller-Theater-Aktiengesellschaft zahlt für das Geschäftsjahr 1808/90 für Stamm- und VorzllgSaktici» eine füufprozciitige Dividende,»nackit einen Vortl-ag ans daS nächste Ge- schäftsjahr»uid verivendct 3000 M. zur Beteiligung von Mitglieder» »nid Aiigestelltci« deS Theaters.— — Eine»visscnschaftliche Thentergcsellschaft„Internationale llrania" ist»innmehr begründet»vorden. Die tcchiiisch-ivisscnschaft- liche Leitung hat Dr. M. Wilhelm M e y e r. Die»visseuschaftlich- dekorative» VvlKügc in der Art»vie in der Berliner Urania solle» auch der Provinz»md dem Auslände zugänglich gemacht»verde».— — Otto E r» st S vieraktige Komödie„Jugend von heute" wurde in» Dresdener Schmispielhanse zum ersteninale aufgeführt. DaS Stück fand sehr beifällige Aufnahme.— — An» 20»ei» er B u r g t he a t e r»vnrde zun» vierten Male der Versuch gemacht, Kleists„Prinz Friedrich von H o n» b»» r g" in das Repertoire aufzunehmen,»vieder ohne Er- folg.— — Anton ll r s p r n ch S komische Oper„DaS ll n»n ö g- lichstc vo.» allein" halte bei der Erstanfsührnng in Prag großen Erfolg.— — In Bonn wird ei» S i m r o ck- D e»» k in a k errichtet. Die Gcl'nultkosten sind ans 22000 M. veranschlagt. Die Stadt hat 5000 M. bcivilligt.— — Pros. Ol ö n t g e n hat einen Nnf an die Universität Mültchen endgültig angeiioniaie».— — Der Allgemeine deutsche Sprachverein schreibt einen Preis von 1000 M. ans für die beste Arbeit über de» Wort- ichatz der deutschen S e e u» a»» S s p r a ch e. Dabei ist der Begriff für jedes Wort in cmcr deutliche» Umsckreilnmg festzulegen, »venn erforderlich, ist zeickmerische Darstellung zi» Hilfe zu nehme». Feriwr ist die Herkunft nnd Ableitung der Wörter zu ernlitteln. soivcit dies der heutige Stand der Spräckiforschnng gestattet. Auch die Geschichte der einzelnen Wörter ist zu vcrsplgeu. Die DarsteNnng soll volkstümlich nnd gemeinverständlich sein. Die Arbeite»» müssen bis zu»».1. Llpril 1001 eingeliefert»verde»».— t. Das LOnsser im Toten Meere ist stark in» Rückgänge bc- jpisfen. Da das Wasser des Jordan und anderer Zuflüsse fi'ir Be- wässcrungSzwecke in Anspruch genomme»»»vird nnd daS Wasser in jenen Gegenden stark verdiiiiftc't, sieht der See jetzt wie ein Lager von trockenen» Salze anS.— Dniu un» Vertag von Max-vadtng in Berlin.