Mnlerhaltungsblatl des Horwüris Nr� 235. Mittwoch, den 6. Dezember 1899 (Nachdruck verboten.) Eheleuke Slvoulicrl. 9� Erzählung von M. A. S i nt a c e k. Deutsch von Franta Häjek. viir. Der frisch gefallene Schnee bedeckte die ganze Straße, so daß es schien, als sei es da unten auf der Erde Heller als oben. Kaum daß man die Umrisse der kahlen, die Straße einfassenden Bäume unterscheiden konnte. Einen nahenden Wagen konnte man eher hören als sehen, obwohl die Straße sich schnurgerade hinzog. Aus der Finsternis leuchteten nur die großen Fenster der Zuckerfabrik hervor, um welche sich zahlreiche kleine Häuschen gruppierten wie die Küchlein um die Mutterhenne. So schien die Fabrikkolonie eine kleine, erleuchtete Stadt zu bilden. Aus dem hohen Schornstein stieg eine weißliche Rauchwolke hervor, die der Wind gegen die Rybniker Wälder trieb, so daß er aussah lvie eine große, wehende Fahne. Strouhals Frau blickte dem Rauche nach und beschleunigte ihren Schritt. Dann sah sie sich um und bemerkte, wie die Kinder ilr kaum zu folgen vernwchten. Die kleine Betuschka war schon atemlos. So blieb sie wieder stehen und wartete. Ihr Blick schweifte zurück zn den niedrigen, durch die Finsternis blinkenden Fenster des Hauses» das sie soeben verlassen, und aus dem sie noch den Zank und Streit zu hören vermeinte. Unwillkürlich bewegte sie sich wieder vorwärts und rief den Kindern zu:„Beeilt Euch, damit wir sobald wie möglich..." und erst nach einer Weile vollendete sie:„zu Hause sind." Als müßte sie sich erst besinnen, ob das Ziel ihrer heutigen Wanderung für sie wirklich ein„zu Hause" bedeutete.' In der letzten Zeit war es das ungastliche Haus, dem sie jetzt entfloh, das sie so bezeichnete, und wenn die Kinder weinten, pflegte sie sie zu trösten:„Wartet nur, ich komme bald wieder heim." Und jetzt niit einen: Male soll es für sie alle wieder ein anderes „Heim" geben? Hatte sie ein Recht dazu, seit sie es samt den Kindern verlassen hatte? Freilich schien es ihr trotz alledem, daß das Haus ihres Mannes immer noch eher ihr Heim sei, als die verlassene Kaserne. In diesem Gefühl wurde sie von ihren Gedanken nur noch mehr bestärkt. Das war doch keine Heimat, die un- freundliche Stube, in der es dumpf war und wo sie sich um die 5ki>ider ängstigen mußte, selbst wenn sie bei ihnen war und umso mehr, wenn sie sie zurücklassen mußte bei den rohen Menschen ohne Liebe und Gefühl. Wie ganz anders war es in jenem Weißen Häuschen, in das sie Strouhal vor nicht langer Zeit heimgeführt hatte. Wie ivar sie damals so glück- lich gewesen. Er entführte sie einem drohenden, schrecklichen Elend, an seinen gedeckten Tisch, aus der Kälte in die Wanne, aus der Berzweifluiig zur Liebe, und ihren verwaisten Kindern schenkte er einen gütigen Batcr. Warum war sie also fortgegangen? Warum hatte sie dies von sich ge- ivorfcu? Wanun hatte sie es nicht lieber nnt ihren schwieligen Händen festgehalten mit aller ihrer Kraft? Wirst man denn Gold weg? Und besonders sie, eine so armselige Person, die aus Not und Elend daher kam? Und doch war sie sich dessen bewußt, daß sie sich nicht versündigt hatte. Hatte sie sich doch erst nach langem Kampfe dazn entschlossen. Ja, sie war auch heute überzeugt, daß sie so handeln mußte. Aber ihre Kinder? Warum schleppte sie die mit in ein neues Elend? Eben Wege» dieser Kinder hat sie so handeln müssen... müssen... müssen! Dreimal wiederholte Strouhals Frau dieses Wort in Gedanken, als wollte sie sich aufs neue in ihrer Ueberzcugung bestärken. Was hatte sie dazu gezwungen? Wer hatte jenes Wort„niiissen" ausgesprochen? Diese Frage scheuchte ein ganzes Heer neuer Gedanken in ihr auf. weckten aufs neue längst Vergessenes und riefen längst gesprochene Worte wieder in ihr Gedächttns zurück und wühlten Gefühle in ihr auf, die sie schon längst verstummt glaubte. Mit diesem Widerstreit in ihrem Innern schritt das ärmlich gekleidete Weib mit gesenktem Haupte vorwärts, nur ab und zu sich nach den Kindern umsehend. Und kaum, daß sie sie ermahnt und aufgemuntert hatte, spann sie wieder ihre Gedankenfädcn. Hinter der Fabrik bog die Straße nach rechts um. Vor ihnen, in der Höhe eines Menschen blinkte ihnen ein grün- liches Licht entgegen, dem sie immer näher kamen. Tonik, der mit Bartscha und Betuschka jetzt voranging, blieb bei diesem Lichte plötzlich stehen. Die Mutter, die ihnen folgte, erkannte bald das Hindernis. Vor ihnen kreuzte eine Eisen- bahn die Straße, der Ucbcrgang Ivar mit einem herab- gelassenen Schlagbaum versperrt. Von der nahen Station ertönte ein greller Pfiff der Lokomotive, bald auch das Zischen des Dampfes und das Schnauben der Maschine. Die zwei großen roten Laternen an der Stirn der Lokomotive kamen immer näher, leuchteten durch die Nacht, und das Pusten der Maschine verwandelte sich allmählich in ein lang- gezogenes Donnern; gleich darauf sauste an der wartenden Frau und den Kindern der lange schwarze Zug vorüber, dessen erleuchtete Fenster wie die feurigen Schuppen einer Rieseneidechse erschienen. Dies Gepolter des vorübersausendcn Zuges benahm den Wartenden fast den Atem, verdrängte jedoch auch alle Gedanken, die sich im Kopfe der Frau ein- genistet hatten, so daß sie wieder zum vollen Bewußtsein kam; und als sich dann der Schlagbaum wieder langsam in die Höhe hob, war sie sich ihrer augenblicklichen Lage wieder voll bewußt. „Tonik, Betuschka, gebt alle acht, daß keiner stolpert! Du Bartscha, fasse die Kleine lieber bei der Hand!" Kaum daß diese Mahnung erfolgt war, lag Beta auch schon zwischen den Schienen, beim Fallen Bartscha mit sich reißend, so daß auch der von der letzteren getragene Korb dahinflog und sein Inhalt sich im Schnee verstreute. Tonik half der jammernden 5lleinen auf die Füße, während Bartscha schnell aufspringend die verstreuten Sachen wieder in den Korb sammelte. Die Mutter reinigte, so gut sie es mit einer Hand vermochte, die Kinder von dem ihnen anhängenden Schnee und tröstete sie. Die.Kleine beruhigte sich bald über ihren Unfall und be- gann darüber zn lachen, womit sie schließlich auch Tonik und Bartscha ansteckte. Die Mutter war im Begriffe, die Größer» wegen ihrer Unachtsamkeit zu tadeln, nun aber hielt sie inne. Nach dieser kurzen Unterbrechung wanderten sie weiter. Die verscheuchten Gedanken kehrten nicht wieder. Strouhals Frau dachte nicht mehr an die Vergangenheit, dafür stellte sich aber eine neue Sorge ein: was sie Strouhal sagen sollte, wenn sie kommen würde, und wie er sie wohl empfangen wird. Was wird er wohl zu ihr sagen, was zu den Kindern? Wird er sie in seine Arme schließen oder vor ihr die Thür zu- schlagen? Die Schwere dieser neuen Sorge drückte sie zu Boden. Ach ja, was soll sie ihm sagen, wenn er sie fragen wird. warum sie wieder kommt, nachdem sie ihn damals verlassen? lieber diese Fragen grübelte sie schon seit Wochen, alle Tage. Kaum daß sie sich des Abends niederlegte, waren sie schon da und beunruhigten sie wie ein Heer Fliegen, die sie nicht zu verscheuchen vermochte. Und doch kam sie zu keinem endgültigen Resultat. Oder war es vielleicht das ein Ende, daß sie jetzt zurück ging? Nein das war noch kein Ende, das wollte sie erst herbeifiihrcn. Ein bisher von ihr nicht ge- kanntes Etwas zog sie zu Strouhal zurück; sie sehnte sich da- nach zu hören, was er zn ihr sagen würde, sie sehnte sich danach, ihn wieder zu sehen, ihn zu sprechen und ihn zu nagen, ob ein ähnliches Gefühl auch ihn bcschlichcn und be- herrscht habe. Dann wollte sie sich aber wieder überreden, daß sie nur wegen den Kindern zurückkehrte, und namentlich, weil... Ter Wald rauschte ihnen entgegen. Die Straße führte sie mitten durch ihn. Hier war der Weg nicht mehr weiß, da die Bäume den Schnee aufhielten, aber ihre Augen hatten sich bereits an die Dunkelheit gewöhnt, so daß sie die einzelnen Stämme und Sttäuchcr unterscheiden konnten. Die Kinder konnten sich freilich manchmal des heimlichen Schauers nicht erwehren, wenn sie die einzelnen Erscheinungen, die der Wald in der Nacht so reichlich bietet, wahrnahmen. Lange mußten ie so an den hohen Tannen vorübergehen, doch allmählich begann der Wald an der rechten Seite zu schwinden, ihm algte eine Lichtung, die gleichsam eine Grenze zwischen Truchlin und Rybnik bildete. Sic hatten die Hälfte ihres Weges bewältigt. Hier blieb die Mutter stehen und sah sich nach einer Stelle uni wo sie- sich niedersetzen konnte. Ein SBmuiiftimistf stand in der Nähe und hier nahmen sie alle Platz, um auszuruhen. Die Mutter zog aus dem Korbe das Päckchen, das ihr der Psörtucr in der Truchliner Fabrik zugesteckt hatte, und verteilte den Inhalt unter die Kinder, die sich die Brotschnitte mit dem kalte» Fleisch trefflich munden ließen. Tonik, der zum Niedersetzen nirgends einen Platz finden konnte, begann in der nächsten Nähe herumzustreifen. Er wollte sich von einem Strauch einen Stock schneiden. Plötzlich hob er etwas von der Erde und lief damit zu der Mutter:„Ein Nest, Mutter, und es sind noch Federchen darinnen!" Die Mutter blickte nach dem runden, aus Lehm und Moos gebauten Vogelnest hin, ans dem Tonik eine Handvoll Flaum herausnahm. Wer mag das Nest herunter geworfen haben? War es der Wind, oder hatte es ein ruchloser Mensch mit einem Stein gethan? Und als er es heruntergeschlagen, waren nicht Junge darinnen? Gewiß hatte die Brut in den kleinen Flügeln noch keine Kraft gehabt, und war herunter- gefallen, zu Tode verwundet. Die kleinen Aeuglein überzogen sich mit einem bläulichen, matten Hauch, während der winzigen Brust durch den blutigen Schnabel das letzte gcängstigtc Piepen entfuhr. Und das Weibchen, die Mutter, wie äugst- lich sie hcrumslatterte, als sie zurückkehrte und auf dem Baume das Nest nicht fand und vergebens nach ihren Jungen suchte! Wie hat sie geschrien nnd dann wieder gclanscht, aber kein Lebenszeichen ihrer Brut hat sie vernommen... „Wenn ich Strouhals Haus nicht mehr fände, wenn es jetzt in Flammen stünde und ich morgen nur die öde Brand- statte wiedersähe.. Die Frau warf das Nest weg, stand auf und Tonik den Korb zusteckend, eilte sie vorwärts, immer schneller ihrem Ziele zu, so daß die Kinder gar nicht mehr nachzukommen vermochten und jeden Augenblick ihr zuriefen: „Mutter, lauf nicht so!" Schließlich nahm sie auch noch Betuschka auf den Arm, und so die beiden Kleinsten tragend, eilte sie weiter, Tonik und Bartsch» zum fchucllcreu Lauf autreibend. So ging es immer weiter durch Nacht nnd Kälte. Es mußte' schon Mitternacht sein, als die Frau vor Strouhals weißem Häuschen in Rybnik stand, von lautem Huudegebell empfangen. Fast atemlos trat sie an das Nachbarhaus und klopfte an das Fenster. Ter Bewohner, ein alter Manu, blickte heraus, und als er die Frau mit den Kindern erkannte, schlug er vor Verwunderung die Hände zusanimen. „Alte, gieb doch den Schlüssel von Strouhals Hause her I Ihr müßt nämlich wissen." erklärte er der draußen Harrenden durchs Fenster.„Euer Mann hat für den Fall, daß Ihr zurückkommt, wenn er nicht daheim ist, den Schlüssel hei uns gelassen. Gut, daß Ihr bei uns angeklopft habt. Auch findet Ihr in der Küche das Essen bereit: seit Ihr fort seid, hat er es alle Tage für Euch in Bereitschaft ge- halten." „Ich bitte Euch, Rehak, laßt mich lieber bei Euch solange warten." bat die Frau leise. „Ja. geht Ihr denn nicht Heini?" „Ich kann nicht, so lange Strouhal nicht da ist." AIS man ihr ausgemacht hatte, war sie nahe daran, mit ihren beiden Kindern umzusinken. Man mußte sie halten. In der Frühe, vor sechs Uhr schon, schleppte sie sich, im- geachtet aller Reden, vor Strouhals Haus. Der Schnee fiel immer dichter und hängte sich an sie und die Kinder, die vor Ermüdung sich kaum auf den Füßen hielten. Hatten sie ja kaum vier Stunden geschlafen— die Mutter hatte kein Auge zugemacht.--- IX. Frauen in Tücher gehüllt, in einer Hand den Korb, in der andcrcn einen blechernen oder irdenen.Krug tragend. Männvr, die Mützen über die Ohren gezogen, einen Stock in der Rechten, in der Linken eine Laterne und die Pfeifen im Munde, kleine Burschen, die Hände in den Hosentaschen, Mädchen mit bunten Kopftüchern, die Hände in die Aermel ihrer Jacke gesteckt, alle vor Frost zitternd, zogen an der wartenden Strouhal und ihren Kindern vorüber. Durch Schneegestöber und Finsternis eilten sie alle der Fabrik zu; halbwüchsige Burschen drehten Schneebälle und bclvarfe» einander oder warfen sie den Mädchen nach. Ab und zn horte man ein lustiges Aufkreischen oder einen Fluch, lautes Ge- lächtcr oder auch Ermahnungen der Aelteren, alles die be- gleitet von dem gleichmäßigen Geräusch schwerer Tritte und dem Anschlagen der Stöcke. Strouhals Fron erkannte an der Stimme rnanchc Be- kannte und drückte sich in-den Schatten des Hanfes, daö allein unter allen unbeleuchtet lvar, als ob es trauerte. Der Strom der Arbeiter floß schon seit einer Viertelstunde. Ausangs gingen sie in kleinen Gruppen zn zweit, zu sunft. später ve» cinzelt, der Mann mit der Frau, der Vater mit dem Sohn oder Tochter, der Bursch mit dem Mädchen. lFonsetzung folgt.) (Nachdruck vcrSoten.) Von Sknmbttts K o n st a n t i» o p e I, November 1809. Der Herbstregen rauscht wolkenbmchartig herab imb sendet wahre Gietzbäche die abschüssige» Gassen der Sicbenhngclstadt hinunter zum Bosporus oder zum Goldenen Horn. Der Tag des Heiligen Dimitri— der Teiler„Sfajiiu", wie ihn die Türken nennen. da er das Jahr in zwei Hälften teilt— ist gekoinmen und das arme Volk der Gasse, mag eS nnn d u beherrschten Nationen oder dem herrschenden Volke angehören, rüstet sich für den Winter, so gut es kann, für Entbehrungen aller Art, Hnnger, Kälte nnd Krankheit. Unter dem rauschenden Regen gehe» die Leute der Gasse dahin, kotbcspritzt nnd durchnäßt— die unzähligen Händler, von deren Rufen die Straßen vom Morgen bis zmn Abend wiederhallcn. Im Orient kennt man weder Markthalle» noch Marktplätze— man bleibt zu Hanse nnd läßt sich Waren aller Act bis an die Hausthür bringen. Deshalb verkehrt täglich eine wahre Armee von Verkäufern. schwer mit Körben beladen, auf den steilen, schlecht oder gar nicht gepflasterten Straßen. Zuerst erschallt der Ruf der Milchhändler, die in aller Frühe von draußeu an? der Campagne in die Stadt gekommen sind. Die Mehrzahl sind Vulgare», niacedonische Slavcn. die durch würdiges, bescheidenes Benehmen angenehui von der einheimische» christlichen Bevölkerung abstechen. Ihnen folgt ans dem F-nße der Kasjab, der Fleischer, und der Arnaute,»vclcher die Leber und Lunge der ge- schlachteten Tiere besonders verkauft. Deutsche Znnstschivärmcr ivürdcn hier ihr Ideal verkörpert finden. Die Trrttnung der Esnaf, der Zünfte, geht hier so weit, daß der Fleischer beileibe nicht dem Dschierdschi, dem Lcberverkäuser, i»S Handwerk pfuschen darf. Im Morgengrauen sind unterdessen am Siamlmlcr Brückenkopf die Kähne mit Gemüse und Früchten nnS Anatolicn nnd von dem enropäischcil Ufer des Marmarameeres gelandet. Man könnte an eine slavische Juvafioii glanben, wen» man die Scharen stämmiger Kroaten und Bulgaren- dort warten sieht, bis man die Traglörbe ihnen mit ivundervollem Gemüse und duftenden Früchten gefüllt hat. Ist das geschehen, überschreiten die einen die Brücke, um in»»unterbrochener Prozession die Straßen Peras nnd Galatas zn durchziehe»: die anderen bleiben ans dem Stnmbuler Ufer und dringen in die stillen Tiirkenviertcl der alten Snltaiisstadr ein. Ihr Ruf. mit Steiilorstunnie anS- gcstvßcn. erschallt rauh und unartikuliert. Die Filzlappe auf dein Kopfe, den richtigen pilas der Alten, die Jacke aus einhciinifchcni Tuche: die oben iveitcu uud unten engen, Potnr genannten Hosen ans Filz an den Bestien, um den Leib den Rnschak, den Gürtel, der in unzähligen Windungen hennngcschlniigen ist: an den Füßen urwüchsige Schiihe ans' hartem Lcder. so sind sie im stände, jedem Wetter z» trotzen: die nickst enden ivollende» Regengüsse, die»in diese Zeit fallen, stellen in dieser Hinsicht keine leichten Aufordcrnngcn an die Leute. Konslanunopel verproviantiert sich. An den Hmisthnre» cr- schcilieii die Hanshcrrinnen oder die„Dnlcs"—- Sklavinnen! � Die Dienslmndchcn in tiefem oder in tiefstem Negligee»nd feilschcil mit den, Bulgaren, den, sie bei diesen Gelcgenhciim nngcschent ihre iingeschminltcn, oft nicht gerade verführerische» Reize zeigen. Selbst wenn er bei dieser Gelegenheit eine Huri des Paradieses sähe, er wurde keine Zeit haben, darauf zu achten. Cr iimfe seinen schweren Kord wieder ansnchmeu und im Schweiße seines Angesichts die Gasse weiter hiliansstcigcii. Ans der keuchenden Brust steigt der rauhe Ruf herauf, verdrosicn und dumpf, wie das mürrische Brülle» eines gefangenen Löiven. Die Bnzantincr nannte» nicht ohne Grund das Land der Slavcn— Sitavinia, das Land der Sklave». Aber wie oft haben sie vor' den» Freiheitsdrang dieser Knechte zu zittern gehabt, die sie zu verachten vorgaben, nnd seit jener Zeit haben selbst die Balkanslaven ihren Sklavencharaktcr vor- gesse» und wiederholt gezeigt, daß sie ihre Freiheit mit Blut einzn- taufen entschlossen find. Das Leben beginnt allgemach in den Straßen zu erwachen. Die Stambulcr Kaufleute strömen an? Pera über die Brücke in ihre Comptoirc hinüber: die fetten, gclbgesichtigcu, fcz- bedeckten. levantinischcn und griechischen Negociauten und BanquierS, die europäischen Konimissionärc und Warenagentcn — aus denen die fremde Kaufmannschast vor aNem besteht— die Geldivechsler, alle die Anbeter des goldenen Kalbes, begeben sich an ihren Götzendienst, um zu crnien, Ivo sie nicht gesät haben, nnd eventuell in einer Stunde soviel und mehr Prosit zn machen, wie unser bulgarischer Gemüsehändler in den ganzen Jahren seiner ©tmnfcirtcr Kukchlschast nicht zu nmche» im ft»ude ist. Eine Ivahrc I Prozession von Regenschirmen zieht dahin,— ohne viel Lärm, denn »na» geht i» Uebcrschuhcn— auf den Tischen der Stragciuvechsler klingt(Lold- und Silbergcld. Es ist einfach unerhört, daß man nicht ein Franlstnct wechseln kann, ohne 5— IE Centimen zn ver- lieren. Tiefe Parafilcu von Wechsler» ziehen das spärliche Klein- gcld vollständig an sich, so das; lein GeschnftSmami ohne Verlust auf einen Frank herausgeben kann. Au den Häuserreihen entlang sitzen die Stiefelputzer, die Lnstrcdschis. die Acrmstc» der Armen nm diese Zeit des ewigen Regens. In der Kälte und Nässe haben sie den ganzen Tag anSzudanern; mitten im Schmutz und dem faulen Geruch der Gasse. Alle Nationen des Ostens sind unter ihnen vertreten— Griechen, Armenier, Türkei» und die spanischen Inden, für deren Ehrlichkeit es der beste Beweis ist, das; ein groger Teil von ihnen vergebens sich ans dein Elend enchorznarbeiten sucht. Sie sind Lastträger für kleine Lasten, für g roste sind sie zn schwächlich und degeneriert—, Fensterputzer, Glaser und Klempner. Ter jüdische Djchamdjchi, mit feinen Glasscheiben unter dem Arm, und der Tenekschi, init seinem Vorrat von blechernen Petrolcnmkaimeil ans dem Niickcn, sind typische Figuren der Stonihnler Straste,— Sie scheinen sehr zahlreich zu sein— überall klingt das stolze Kastilianifch, der alte spanische Dialekt, den sie sich aus der alten Heimat in die neue hinübergerettet haben. Sic sind intelligent, ansdaucrnd und zuverlässig. Ihr Thpus ist oft ivcrllvürdig rotblond und ganz und aar nicht semitisch. Vielleicht beruht das ans ihrer Vermischung»ist den Karaitrn der Krim, die von Sultan Mehmed Jl. nach der Eroberung von Kassa in Stainbul angesiedelt ivnrde» und als die Nachkommen der jüdischen Chazore» anzusehen sind, also eines ural-altaischcn Volkes von lvahr-, scheinlich nordischem TnpnS. fSchlnst folgt.) Mlviues Jsonillekon. ie. Wciblirhe Acrztc stci Ra<»trvSlker«. Tic weiblichen Äerzte sind zahlreicher, als man gemeinhin denkt, und zivar- ganz besonders bei de» Naturvölkern. Aus der Insel Nias, die westlich von Sumatra ctlva unter dein Aeqriator gelegen ist, hat jeder Ort Mittlerer Gräste seinen Arzt und seine Aerztin. Ans der Insel Bali in der Nachbarschaft von Java haben sich die tveibliche» Nerztc sogar z» Speeialisten ausgebildet»nd behandeln vorzngsiveise bestimmte Krankheiten, die sie besonders studiert haben. Freilich unterscheiden sich diese Iveibtiche» Jünger AeScnlaps ei» ivcnig von ihren Geschwistern europäischer Kultur, sowohl iw Kenntnissen wie in Sitten n»d Pflichten. Ans Celebcs ist ihnen n. a. das Heiraten verboten, dafür gcnicstcn sie aber ein priestcrlicheö Ansehen. Ist jemand ertrankt, so schickt man nach der„Medizinsran" sodcr viclnichr dem„Mebizinsränlcin"), deren Geluihren bei der Behandlung ihres Patienten ctivaö an die Gebräuche der Indianer Nordivesl-AmerikaS erinnert. Sic tritt ans in Mäimerkleidimg, das Haupt mit einem hohen Aufputz von Federn und Bogeklöpfen gc- schmückt, Schellen in den Händen und laut singend. Hat die Aerztin ihre Ecrcmonic beendet, so zieht sie sich wieder zurück, aber nicht ohne eine reiche Gabe an Früchten und anderen Estwaren rnit- zlinrhmen, die angeblich zur Befriedigung der bösen KrankhcitZgcisier dienen. Auch ans den australischen Inseln sindet man Medizin- srancn, die meist eine nnSgcdclznle Kundschaft nicht u»r nnler den Enigeborcncn. sondern auch miler de» in jene Gegenden, cin- acivandcrtcn Chinesen besitzen. Auch dort bringen sich diese Weiber durch Tanz»nd Gesang in eine Art von Rausch, i» dem sie ihre Diagnose stellen und den Ausgang der Krankheit prophezeie».-Sehr häufig, ja fast allcnihalhc», sind ivcibliche Acrztc ans den Philippinen vertreten. Ans der Halbinsel Malacca ivählcn sich die chinesischen� Acrztc tveibliche Assistenten. In Eochiuchiila hat jedes Dorf eine Hcilhmdige. Bo-jaon genannt, ausziilveiscii, zu deren Hexenkniiste» die Eingcborciien ein-»nbegrenztrs Vertrauen besitze», und ihr wird die Keinitnis vieler Dinge zugeschrieben, die für andere Sterbliche ein einiges Gehciinnis bleiben, Sie sieht die Geister und iveist mit>hiic>i in' Verbiiidtnig zn treten, auch kann sie in der Znkimft lesen. Wird jeniand krcmk, so weist die Bo-jaon, ivoher die Krankheit konunt und ivic sie zu vertreiben ist. Ans der Jiisclgrnppe der A»da»nanrii vertreten viele Frauen die Stelle, die bei niiS vor Zeiten der„Bader" einnahni, indem sie Schröpfköpfe zu fetzen niid zur Ader zu lassen verstehen.— Niufik. — Unser Berliner Mnsikbodcn scheint sich allmählich zu einem Paradcplatz der„grostcu Tiere" zn entfalten. Glückliches Berlins das alles das geinehc» darf, Ivns anderswo als Eigenbau empor- gcivachscil ist! glückliches Pnbliknin, das dann vormittags in seinem Lokalblatt das obligate Interview lesen n»d abends»in erhöhte Preise das Wiliidcrticr sehen und hören kami! Diesmal hatte unser altes O p e r n t h c a t e r den Parkeltsitz bis auf 1ä Mark hinauf- getrieben— galt es doch, die Iveltberühnitcsic der Weltberühmten, die kurz so genannte Melba, und allster ihr noch zlvci Gäste zu hören. Am Montag also sang sie die Lucia in DonizettiS weit- gclvandcrter Oper„Lucia von La»i in e r in o o r", diescin Gipfel dc-Z- italienischen OpernivesenS, diesem Mnster von künst- sicher liiiterdrückimg einer Epik und Dramatik, die der Anlage des ganzen Stückes eigen sind, die auch unter der Pnmkdccke einer groben Ancmnusik noch hrrvorlugc», und die selbst in der so recht iinküiiftlensch angelegten Aussührnng vom Montag noch einiges Künstlerische cmp'ortrieben, Bon den drei Gäste» sangen zivei n litten in die sonst deutsche Aiifsührnng hinein italienisch. Zunächst die Melba. Sie ist in der Thal die wundervolle Säiigcriii. als die sie gilt. Ihre nicht große, aber sehr tragfähige Stimme ist überaus ivohlklnigcnd und ist tadellos ausgebildet; die Kraft, mit der auch in den-höchsten Lagen, die Figuren hcrauskommen, fällt ganz bc- sonders auf. Die Uiiterschcidnng zwischen lyrischem und dramatischem Sopran läßt hier wcnigstcus iusofern in Stich, als der Gesamt- Icistung eine tvarme nnd anSdrnckSvolle Darstellnngskraft nicht adzusprcche» ist. Nechnen ioir noch das eigenartig Vornehme dieser ganzen künstlerischen Persönlichkeit dazu, so können ivir von einem ansgezcichneten Gesamtbild berichten. Ob freilich die Künstlerin, ivon» man sie öfter und in verschiedenen Rollen hört, nicht schliestlich den Eindruck einer— zumal gegenüber moderner Dramatik— enge begrenzten nnd vielleicht auch ein wenig ein- tönige» Kämst»lachen ivird, liest sich an diesem Abend mir eben von fcriie fragen z daß aber mmiche nnsercr heimischen Kräfte neben ihr ganz Ivohl bestehen,»inst mit Entschiedenheit vermerkt werden. Italienisch sang auch der bekmmte Bariton d' An d r a d e als t'lslhoii t über seine treffliche Stmiine nnd SangcSlveise ist kaum ctivas Neues zu bemerken; daß seine Spieliveise. mit den Be- ivegniigcn eines Feldtelegraphe»»isiv., au alle Schrecknisse italienischer Aühnenspiescrci erinnerte, ninstte selbst in diesem Rahmen ausfallen. Als Edgardo ivnr ans dem Prograuim der Gast -Herr Marconi verzeichnet; ivie ich nachträglich höre, ersetzte ihn ein anderer Gast, Herr Bnrrian, was dem Pnbliknin doch hätte mit- geteilt werden sollen— a»S seinen» Gebrauch der dentschci» Spmche nnd ans dem Anblick griiiier Zettel in de» Hoflogcn konnte»nm» es doch noch nicht wissen. Der Sänger paßte init seinem etwas grob- köringen Spiel mm erst recht nicht zu dieser Lucia; allein er verfügt über eine gute»nd große Stimme, bereit Wert freilich durch eine zn»» Teil niischöne Vokalisienmg und durch ein Klemme» mancher Töne gestört ivird, nnd er rntivickelte einen hingebenden Eifer, den das Publikum zuletzt, nachdem die Melba zu Ende ivar, schnöde ignorierte. Die heniiischen Kräfte, abgesehen von dem gtcinzenden, nur manchmal wieder zu lauten Orchester unter Dr. M n ck, konnten begreiflicherweise nicht viel repräsentieren, nnd Herr Philipp als Arthur ivar schon gär nicht zinn Rivalisieren da; doch sei der sympathischen, wenn auch in der Stimme Verhältnis- mäßig nicht sehr glanzreichcn Darstcllnng des Naimund durch Herrn M ö d l i» g e r gedacht. Unser Opernhaus hätte es nicht»ölig, von Gästen zu leben nnd hinter den Erstanfführniigcn im nbrigen Teutschland in iveiten Ab- stmideu znriickzublciben; ivohl aber hätte dieses Theater cö nötig, seine zum Teil so vorzüglichen Kräfte zn cigeiisten Gesamtlcistnngen znsaniinknznhaltcn.—'. sz. Knnstgewepbe. — Zu dem großen Werk über die Stoff s a m m I n n g de s Berliner K u ust g e>v c r b c- M ns e nni s, welches Professor JnlinS Lessing bei Ernst WaSnuith i» Berlin demnächst herausgeben ivird, hat der Staat eine Subvention von TO 000 M. geivährt. Das Werk cischliestt die textilcn Schätze des MnseninS, die ivohl die bedenleiidstc Sanunlniig dieser Art in Europa darstellen, in aiiSgcdchiitcstcr Weise. Eine Fülle der schönsten Geivebe, von den Tagen der Sassaniden bis zn jenen des Barock und Rokoko, Ivird in farbiger Wiedergabe dargeboten, und zwar in eincr Technik, die an Vollköiniiienheit nichts zu ivünschen übrig läßt. Die Muster Iverdcn durch ein cigciitünilichcS Verfahren mit Hilfe der Photographie, mittels welcher die Stoffe unter Spiegellicht aufgenommen werbe», inid de« lim- drucks auf den Stein übertragen nnd dann farbig ivie jede andere Lithographie behandelt. Selbstverständlich ist für die Farbengebung eine größere Anzahl von Platten notivendig, je nachdem eben Farben in dem Muster vorkoiinne». Mit dem zur Amvendung gebrachten Ber- fahren ivird die höchste Genanigkeit in der Wiedergabe erzielt, so daß nicht nur Zcichnnng nnd Kolorit, sonder» auch Biiidimg nnd sonstige Be- sondrrhciten der Stoffe genau zn erkennen sind. Das Werk ivcndct sich also in sehr crivünschter Weise nicht mir an den Künstler, sondern auch an den Technologen, der sich mit der Herstellung von Geivebe» und den dazu erforderlichen technischen Hilfsmitteln befaßt. Weiter steht die Herausgabe eines midereu hervorragenden Werkes durch Professor Lessing bevor, das die mittelalterlichen Wandteppiche zum Gegenstände hat. Auch dieses ivird eine Reihe technisch, künstlerisch und kmisthistorisch wichtiger Leistungen mittel- ältrrlicher Knüpf-»nd Mebekiinft in großen farbigen Tafeln zur Anschaumig bringe».— GcsiindhcitSpflcge. — Das Augenbad ivird genouiinen, iiiden»»nan eine Schüssel mit Wasser füllt nnd die Stirne init den Auge» ins Wasser taucht. Iii, Wasser ivcrdcu die Augen geöffnet, so lange dies ohne Aiistrengimg geschehen kau», das sind einige Sckmiden. Dann hebt »iaii den Kopf, zivinkert mit den Augen. um das darin enthaltenc Wasser auszupressen und wiederholt das Eintauchen. Das kaiin»ach Belieben zivei- oder dreimal geschehen. TaS Waffer soll 18 bis 23 Grad Neaninur niesse». Kneipp verordnete ganz kaltes Wasser. Das ist aber nicht Jeder- rnaims Sache und nucö nicht für alle Augen tauglich. Beim Anfang ist deshalb die milde Wanne von größerem Vorteil? allmählich wird man sich auch an kaltes Wasser gewöhnen. Das Augenbad wird bei thränenden, schwachen und überanstrengten Augen mit bestem Erfolge angewendet. Bei heftigen Entzündungen soll es täglich fünf- bis sechsmal gebraucht werde». Je heftiger die Entzündung ist, desto höher muß das Wasser temperiert sein(18 bis 25 Grad 9t.). Gesunde sollen das Augenbad täglich morgens und abends gebrauchen, besonders, ivenn sie die Augen viel anstrengen müsscu.(Alls dem„Praktischen Wegweiser", Würzburg.)— Geologisches. — Eine Darstellung des geologischen AnfbaueS von Südafrika gab Dr. A. Schenk in der Dezembersitzung der„Ge- sellschaft für Erdkunde." Südafrika ist seiner Gestalt nach mit einein umgekehrten Teller zu vergleichen, dein sich nach Norden hin im Tonga- beöken und im Tsadseebcckeu zlvei iveitere solcher Schüsseln an- schließen. Der sandig-kallige Boden, der nach Norden abflußlosen, «ach Süden zum Oranjefluß entwässerten Kalahariwüste wird von Gebirgsländern umgeben, die teils Tafelländer, teils Hochebenen dar- stellen, bald sauft, bald stufen- oder mauerförmig zur Mste hin abfallen und deshalb von der Meeresküste her nicht leicht zugänglich sind; auch findet sich kein schiffbarer Fluß von der Küste aus. Die Kapkolonie hat im Süden und im Südwesten Gebirge, die sich als Granit, alter Schiefer und schwach gefaltete überlagernde Thonschiefer charakterisieren, ivi« in den Zivartebcrge». Diese Aaltmigen streichen zwischen Port Elisabeth und East- London bis ans Meer hinaus und sind am Ocean durch reichliche Nieder- schlage ausgezeichnet. Die zwischen den Zwartcbergcn inid der Kalahari erscheinende sogenannte Karrooformation, ans Qnarziten und Diabasen bestehend, umfaßt den Osten und Norden der Kap- kolouie, den Oranje-Freistaat, Natal und einen kleinen Teil von Transvaal. Den besten Einblick in die Formation des südafrikanischen Gebiets gewinnt nian beim Aufstieg von der Küste Natals bei Durban auf die Terasse bei Pietermaritzburg, wo schon die tropische Flora der Küstengegend aufhört und sich Wcideflächcn finden. Noch höher hinauf liege» die DrakenSberge. eine zweite Terrasse, der tafelförmige Eiiizelhöhen aufgesetzt sind, und die durch cannouartige Flüsse durchschnitten wird. DaS Gebiet des hier auf de» hohen Terrassen liegenden Orange-Freistaats ist wegen seiner hohen Lage sehr gesund und für Viehzucht besonders geeignet. Der Acker- bau erfordert künstliche Bewäffcrung. Transvaal zeigt nicht so ein- fache Bodenfonnatioii wie Natal. Zwischen 24 und 28 Grad südlicher Breite gelegen, stellt es sich als alte Spalte der Erdrinde dar, im Osten ist das Land zur Tiefe gesunkeu, im Westen blieb es stehen, und dadurch, daß vulkanisches Material aus der Wunde in der Erd- rinde emporquoll und erkaltete, vernarbte die Wunde selbst. Granit, Schiefer, Quarzit bilden die mit tiefen Erosiousftlrchcil streichcitden Gebirge, die nicht so viele horizontale Schichten aufweisen, als die Gebirge im Oranje-Freistaat. Die Witwatcrsrandmulde ist durch den die goldführenden Konglomerate durchsetzenden Sandstein charaktcri- siert. Man kann vier Gruppen der Bodenfont, ation in Transvaal scheiden: Das Vorland bis zum Lebombogebirge, den Abschnitt zwischen diesem und den Drakensbergen, das 1500 Meter hoch ge- legeue mit den Plateaus der DrakenSberge verbundene Hochfeld, endlich das Bnschfeld im Norden und Westen des Landes. DaS Hochfeld, auf dem Johannesburg liegt, ist kälter als das Bnschfeld. Im Norden des Landes findet man tropische Vegetatton und im portn- gicfischen Gebiet herrscht schon Fieber. Britisch-Vetschuanalaiid stellt sich als Uebergang des Gebirges zur Ebene dar.— Bergbau. — Die Klußspatgewinn un g i n N o r d a m e r i k a be- spricht, wie wir den,„Prometheus" entnehmen. Sqtlicr im„Enginee- ring and Mining Journal". Flußspat ist in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bisher nur in der Grafschaft Crittender in Kentucky und in der Grafschaft Harbin in Illinois in abbauwürdige» Mengen gefunden worden. Er bildet 2—10 Meter dicke Lager von sehr ver- schiedener Längenerstreckung zwischen iveißem Kalkstein und gelblichem Thon und ist von etivas Blei. Kalkspat begleitet. Der Flußspat von Kentucky ist vorherrschend tveiß und rein, der von Illinois iveuigcr rein und verschiedenfarbig, beide sind fest. DaS mächtigste Flußspat- lager Kentuckys ist 5— 10 Meter dick, auf eine Längcncuffcrnnng von über 400 Meter erforscht und zieht sich an eiitcm Hügelhange in nordsüdlicher Richtung hin. Der Flußspat liegt bereits dicht unter der Grasdecke des Bodens. Der Hanptschacht der dortigen Grube ist 28 Meter tief. Von seiner Sohle laufen nach Norden und Süden zwei knapp 2 Meter hohe und 1,5 Meter breite Förderstrecken innerhalb des Flußspatlagers und durchschneiden meist feste Masse» von reinem Flußspat. Die stark anögezimnierten Strecken besitzen schmale Geleise, auf denen ein vierrädriger flacher, niedriger Wagen läuft. Auf diesen»verde n die Körbe init dem gewonnenen Minerale gestellt nnd zu», Schachte gefahren, in dem sie an einein Seile von Pferdekraft emporgefördert werden,»nd zwar geht jedesmal ein leerer Korb nieder, während ein voller gehoben wird. Die ge- förderten Massen ivandeni in den Sortimniim. Zuerst werden die 2,5— S5 Kilogramm schweren weißen Flußspatklnmpen abgelesen nnd Vercnm» örtlich er Netwcteur: Paul Joh» in Bcrlii mit der Hacke bon etiva anhaftendem Schmutze gereinigt. Sie kommen als rein weißer Stückenflußspat Nr. 1 in den Handel und werden zur Fabrikation von FlnorwasserstoMure und in Glashütten und Emaillierwerken gebraucht. Die abgesonderten und gereinigten farbigen Stücke iverden als gewöhnlicher Stückenflußspat von' Eisen- nnd Stahlwerken gekauft nnd als Flußmittel beim Schmelzen verwendet. Das übrige wird durch grobe Siebe in Flußspntsand lind Flußspatnüsse gesondert. Die Nüsse trennt mau»a-b ihrer Farbe in Quali- täten und verpackt sie in Fässer. Flußspatnüsse werden von Hochofen- werken,.von Gießereien usw. und auch zur Fluorwasserstoffsäure- Darstellung benutzt. Die Nachfrage nach Flußspat ist. iiaiiieutlich durch seine wachsende Verwendung auf den Eisenwerken, stark ge- stiegen.— Humoristisches. — Macht der Gewohnheit. Gast:„Auf nnsercr Hochzeitsreise vor 25 Jahren haben tvir hier einen delikaten Hirsch- braten gegessen— ans Pietät inöcht' ich wieder so einen!" Kellner:„Werd' gleich nachschauen, ob noch davon da ist I" — Boshaft. Junger Arzt:„Eigentümlich, ich hatte in diesem Jahr schon fünf Patienten, die mir an Leberleiden gestorben sind!" Bekannter:„Da sollten Sie sich aber doch als„Spezialist für Lcberkraukhciten" niederlassen I"— — Salon-Malice.„Ist der Karl auf reelle Weise zu seinem Reichtum gekvninicn?" „Nein, durch die— E h e."— i i't Notizen. — Die„Neue Freie Volksbühne" bermistaltct ihre nächste Bereius-Vorstelluug am kommenden Sonntaguachuiittag aus- »ahmslveisc im Schiller-Theater. Zur Aufführung gelaugt „DcrRichtervonZalan, ea".— — Bei einer Berliner Versteigerung von Werken moderner Meister erzielte Arnold B ö ck l i n s„Frühlingshyinne" 49 600 M.; sie soll für eine Berliner Privatgalcrie augekmift sein. Für die„Tischgesellschaft" von Wilhelm L e i b l>v»rden 37 100 M. gezahlt. Fritz b. Uhdcs„Bergpredigt" erstand die Bnda- pester Rationalgalerie für 8100 M.— — Die Maler nnd Zeichner der Miiiichener Jugend, die so- geuaunte„ I u g e u d g r u p p e", die sthou diese» Soinmer im Münchcuer Glaspalast i» einem eigenen Saale mit Erfolg auftrat, haben sich jetzt dcfiuitib zu einer Küustlergruppe vereinigt, die sich „Die Scholle" nennt. Diese Bereinigung hat jetzt ihre erste Ausstellung in Berlin im Salon Fritz Gurlitt eröffnet.— — Die Anmeldungen der für die deutsche Knnstabteilniig ans der Pariser W e l t a u s st e U u n g angenommenen Kunstwerke sind in», mehr abgeschlosscu. ES werden im ganze» 131 Maler mit 205, 53 Bildhauer mit 70 Werken lind 47 Architekten ausstellen. In der letzten Zahl sind auch architcktouischc Entwürfe von deutschen Bauwerken des letzten Jahrzehnts eingeschlossen. Von der Sammel- stelle Berlin stellen 45 Maler und Radierer ans, bon München 05, Dresden 32, Düsseldorf 27 nnd Karlsruhe 12.— — In Breslau hat sich ein Ausschuß gebildet, der die Er- richtung eines G n st a v F r c y t a g- D e u k m a l s betreiben will.— — Wie nnS ans Karlsruhe geschrieben wird, ist dort ein Verein für Volksbildung gegründet. Mitglieder deS Lehrkörpers der Technischen Hochschule, ferner Musiker. Schauspieler und Opernsänger haben dem Verein ihre Milivirkinig zugesagt. Der erste Vortrag hat bereits im Hörsaal des chemische!» Laborn- toriums stattgesuiiden.— c. Victor HugoS Roman„I-sn miserables" ist dramatisiert worden und wird in lurzcni aus einer Pariser Bühne in Seene gehen.— — In Paris wurde, nach einer Mitteilung der„Voss. Ztg.", der Betrag von über einer Million gestiftet, dessen Zinsen im Be- trage von 38 000 Frs. alle drei Jahre vom Institut de France als Hunderttausend Frau kS-P reis für die ivcrtvollste Arbeit der altgclnufcneil dreijährigen Periode verliehen Iverden sollen. In der Regel sollen nur Franzosen den Preis erhalten.— — Dr. Ludwig B o r ch a r d t ist zum ä g y p t i o l o g i s ch e n Attache beim deutschen Generalkonsulat in Kairo ernannt worden. Die Stelle ist neu geschaffen.— t. Im Britischen Musen m hat man die Tier« mumicn mit Hilfe bon R ö n t g c n- S t r a h lc n Photo- graphiert. Man konnte verschiedene auffallende Abweichungen in dem Kiiochcnban der damaligen Arten von dem der heutigen fest- stellen.— . Druck uns Verlaz ccn Max'Babing in, Berlin.