Ur. 315. Abomement«- Kedingungen: Abonneminis-Pret» pränumerando: visrteliährl. SL0 Ml., monall. 1,10 M!., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntag», Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Pr-iSIiste für ILSV unter Er. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mari, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erschrinl täglich außer Wuning«. Vevltner Volksbleltt. 16. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum»0 Pfg., für politifche und g-werlschaftlichs BersinS- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anleigen" jede» Wort 5 Pfg. lnur da» erste Wort seit). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi» 3 Uhr vormittag» geofsnet. Fernsprecher: Amt I, Er. 1508. Telegramm-Adresse: „Svrialdemokr.rt Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratifchen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Beuttz-Strage 2. Expedition: SW. 19, Veutlz-Steasze 3. Die 1.898er Ernte der oberfchlesifchen Minen- und Hnttenbesitzer.*) � Die jetzigen Jahre sind für unsere Industrien Jahre des Segens, �ahre des üppigen Gedeihens. Das beste Zeugnis für diese Be« Häuptling ist die Thatsache, dah die Unternehmerschaft selbst ihre glänzende Lage zugiebt. Sie muß das freilich, angesichts der von Jahr zu Jahr steigenden Dividcndensätze und Aktienkurse. Nicht den geringsten Anteil an der gegenwärtigen Hochflut der Millionen- und Milliardeiigewinne in Deutschland haben die Berg- Werks- und Hüttenbcsitzer. Im Gegenteil: sie sind die vom Glück am meisten begünstigten. Unsere Handels- und Flottenpolitik und die Jndilstrialisierung Nußlauds kommt gerade ihnen vorzugsweise zu gute. Deshalb ist es nicht verivunderlich, wenn der Aufschwung der Industrie im oberschlesischeu Jndustricrevier. das fast ausschlicstlich voii der Montanindustrie beherrscht wird und in unmittelbarer Nähe Nustlands liegt, ein besonders grostcr ist. In allen Zweigen der oberschlesischeu Montanindustrie ist seit den letzten Jahren, im ganzen etwa seit 1893, eine überaus starke Aufivartsbclvegung zu konstatieren. Bon Jahr zu Jahr nehmen die Arbeiter zu, und doch herrschte fast fortwährend Arbeitermangel, den die Regierung vergeblich durch Zulassung von Galizicrn zu bc- heben suchte. Es nahmen ferner zu die Produktionsmengen, und zwar stiegen sie mehr als die Arbeiterzahlen. Das ließ ersehen, dast die Leistungen der Arbeiter wuchsen, infolge von Ucberstunden, Ueberschichtc». Verbesserung der Produktionsbetriebe u. dergl. Es »ahmen drittens zu die W e r t s u m m e n der Produktionsmengen. Diese aber nahmen nicht nur mehr zu als die Arbeiterzahlen, sondern noch mehr als die Produktionsmengen. Das wirkte auf die Preis- steigcrnngen der Montanindnstrieprodukte. In diesen drei Momenten zeigten sich die Vorteile der Geschäfts- läge für die Unternehmerschaft. Auch die Lage der Arbeiterschaft änderte sich. Zwei Thatsachen waren es insbesondere, die aufstelen: eine angenehme und eine im» angenehme. Die Lohnfummen in den einzelnen Branchen der Montanindustrie stiegen ebenfalls, und zwar stärker als die Arbeiter- zahlen. Das ließ auf eine Steigerung der Löhne schließen. Inder That ergiebt sich eine solche, abgesehen von Rückschlägen für gewisse Arbeiterkategorien in weniger gut situierten Beschaftigungs- zweigen, aus den jährlichen Lohnstatistiken. Aber auch die Unfall zahlen sind gestiegen, und zwar nicht mir entsprechend der Vermehrung der Arbeiter, sondern um ein ganz Bedeutendes mehr. Dies ließ auf eine stark erhöhte Ausbeutung der Arbeiter schließen, darauf, daß aus den Arbeitern mehr Arbeit herauszupressen versucht wurde, als sie leisten konnten, ohne ihrem Leben und ihrer Gesundheit zu schaden. Verglich man außerdem die Zunahme der Wertsummen mit der der Lohnsummen, so ergab sich ferner, daß jene eine viel be- dcutendere war, als diese. Den Löwenanteil an der Beute bezog die Unternehmerschaft, was auch aus andere» Thatsachen hervor- ging: die Arbeiter bekamen zwar auch ettvas von dem Ueberfluß ab: die Brosamen vom Tisch. Wäre anders auch die Steigerung der Löhne größer gewesen, als die der Wertsummen resp. der Preise, so wäre die Unternehmerschaft immer noch im Vorteil gewesen, da sich bei den Arbeitern die etwa neu erworbenen fünf oder sechs Millionen Mark auf über hunderttausend Monate verteilte, während eine Wertsummensteigerung von zwanzig Millionen Mari sim Vcr- hältnis wären diese Zahlen geringer als die angenommene Lohn- snntmensteigeruiig) sich auf einige Dutzend, höchstens wenige hundert Monate verteilt hätte. Abgesehen von diesem zahlenmäßig zu belegenden Bericht der guteil Geschäftslage gab es andere, die indcß ebenso sehr in das Auge fielen. Die Ncugründungcn von Berg- und Hüttenwerken nahmen von Jahr zu Jahr zu, daneben liefen fortwährend Er- Weiterungen der alten Werke. Insbesondere ging die oberschlcsische Unternehmerschaft darauf ans, die an Ort und Stelle gewonnenen Rohprodukte auch hicrsclbst zu verarbeiten. Waggon» Fabriken, Brückenbau- Anstalten, Walzlvcrke, Dampfkessel- und Maschinenfabriken nehmen rapide zu, und dürften noch mehr zu- genommen haben, wenn nicht ein Hindernis gewesen wäre: der Mangel an gelernten Arbeitern, die zu den in Oberschlesien üblichen Löhnen und den geltenden Lebensmittelpreisen arbeiten wollten. *) Die Ziffernangabcn nach der„Statistik der oberschlesischeu Berg� und Hüttenwerke", herausgegeben im Auftrage des ober- schlcsischen Berg- und Hüttenmännervercins von Dr. H. Voltz, Kattoivitz. Die östreichisch-polnische Arbeiterschaft genügt noch nicht den An- sprüchen, die man z. B. in einer Maschinenfabrik an sie stellt; daß die deutschen Arbeiter nur ungern nach Oberschlesien kommen, wer wollte ihnen das verdenken? Die Gründungen neuer und die Erweiterungen alter Werke haben noch eine andere wichtige Bedeutung. Sie zeigen, daß die Unternehmerschaft allen Grund hat, zu erwarten, daß die Geschäfts- läge der Gegenwart vo» Dauer, soweit man in derlei Dingen von Dauer sprechen kann, sein wird. Man legt nicht Millionen in Jndustrie-Anlagen fest, wenn man nicht ziemlich sicher hoffen darf, daß die Millionen neue Millionen hecken werden. Ein anderes Zeichen der günstigen Entwicklung der ober- schlestschen Industrie war der immer fester werdende Zusammen- schluß der llnternehmerschaft. In fast allen Zweigen der ober- schlesischcn Montanindustrie sind die Unternehmer organisiert; ihre Organisationen stehen mit denen des In- und Auslandes in Ver- bindung, viel mehr, als das vor einem Jahrfünft der Fall war. Andere Anzeichen der„guten Zeit" in Obcrschlesien übergehen wir, nur hinweisen wollen wir auf die rapide Zunahme der Be- völkerung. In den Jahren 1898 und 1893 sind zlvei neue Stadt- kreise gebildet worden. Das alte Beuthener Land, das noch 1874 einen Kreis bildete, umfaßt jetzt deren sieben I Königshütte. das als selbständiger Ort überhaupt erst seit dreißig Jahren existiert, ist seit einiger Zeit mit seinen mehr als 59 000 Einwohnern die größte Stadt von ganz Oberschlesien! Ehe wir den zahlenmäßigen Nachweis für die günstige Eni- Wickelung der oberschlesischeu Montanindustrie in den letzten Jahren erbringen, seien einige kurze Bemerkungen über den augenblicklichen Stand einzelner Zweige dieser Industrie angebracht. In der Kohle n r n d u st r i e ist Oberschlesien durch die äußerst günstigen Abbauvcrhältnisse infolge der Mächtigkeit der Flötze gegenüber allen sonstigen Kohlcnbezirken in Deutschland begünstigt. Seit dem Jahre 1887 ist die Förderung um 72 Proz. gestiegen; die Durchschnittsleistung eines Häuers betrug zuletzt cä. 389 Tonnen. Auf einen Häuer komnien in Oberschlesien zwei Füller und sechs Wagen- stößcr, während sonst für einen Fäller zwei Häuer nötig sind. Die Leistung eines HäuerS in Oberschlesicn ist deshalb eine viel höhere als in anderen Gegenden. Die Kohlenförderung hat unter allen Revieren Preußens in Oberschlesicn am meisten zugenommen. Die Zu- nähme betrug 1898 gegen 1897: 8,32 Proz. sgegen 9,39 Proz. in Preußen). Trotz des geivaltigeil Kohlenverbrauches in Oberschlesien selbst sind doch fast 79 Proz. der Förderung per Bahn versandt ivorden, im letzten Jahre 19,97 Proz. mehr als 1897. Besonders zugenonmlen hat der Versand nach den Ostieegegenden. für die dortigen Gegenden sind Tarifern, ähigungen eingetreten. Nach den oft- und tuest- preußischen Häfen' betrug 1898 das Plus des Versandes gegen daS Vorjahr 33,3 Proz.! Mit dem oberschlcsischen Eisenerz-Bergbau geht es bergab. Dem kann auch die beste Geschäftslage nicht mehr auf- helfen, da der Erzvorrat zu Ende geht. Daß dieser Umstand indes der oberschlesischeu Eisenindustrie nicht viel schadet, tvird sich unten genauer zeigen. Schon hier sei hervorgehoben, daß in Hochofen- betrieben, Gießereien, Wnlztvcrken und Betrieben für Draht-, Nagel-, Ketten- und Nöhrcnfabrikation ein mindestens ebenso flottes Aufblühen zu konstatieren ist, wie in der Kohlen- industrie. Sämtliche Werke sind meistens gut beschäftigt; sie können sogar zeittveise nicht die Bestellungen annehmen. Die ivichtigsten Förderer aber für diese Industriezweige sind die rapide Ent- Wickelung der elektrischen Industrie uno die großartigen An- forderungcn des Staats- und des Privatkapitals für Elsenbahn- und Schiffsbauzwecke. Der spanisch-amcrikanische Krieg ivar Wasser auf die Mühle unserer Eiscnindustriellen, und die Preise stiegen von Vierteljahr zu Vierteljahr. Die vereinigten oberschlesischeu Walz- werke hatten ihre besten Abnehmer in Rußland. In der Z i n k p r o d u k t i o n hat Obcrschlesien immer noch eine Art Monopol; freilich hat es noch ein Monopol anderer Art: das des„Zinkhüttensicchtums" der Zinkhütteuarbeiter, die Vergiftung der Arbeiter durch Zinkstaub, Blei- und Schwefeldämpfe infolge mangelhafter Bctricbseinrichtuiige» und zu langer Arbeitszeit. Auch die Zinkiualzwerke konnten zeittveise nicht die einlaufenden Bestellungen annehmen und die Preise der Zinkbleche gingen stark in die Höhe. Die nordamerikanische Konkurrenz in Zini kam immer weniger in Betracht, da Nordamerika ebenfalls mehr Zink verlangte als es produzierte. Die übrigen Industriezweige— Blei- und Silberproduktion, Eoakscrzcugung und die Fabrikation von Schtvefel- und schwefliger Säure sim Zusammenhange mit der Zinkindustrie)— sind von ge- ringcrer Bedeutung und können hier übergangen werden. Wir stellen in vorstehender Tabelle die Ergebnisse der gesamten oberschlesischen Montanindustrie aus den beiden Jahren 1893 und 1393 zusammen, um die Entwickclung in dem Zeitraum von fünf Jahren zu illustrieren. Einige wenige Angaben beruhen auf teiliveiser Schätzung; das Endergebnis der Uebersicht wird dadurch nicht bc- rührt. Um die Tabelle nicht zu sehr zu komplizieren, dehnen wir sie nicht auf die Unfallziffern ans; wir besprechen diese und die Durchschnitts-Lohnangabe der Arbeiter besonders. Die Tabelle bestätigt unsere obigen Angaben fast für jeden Industriezweig. Fast durchgängig hat die Wertsumme der Produktion am meisten zugenommen; in der gesamten Montanindustrie um 53,5 Proz. Eine Lohnerhöhung hat nicht stattgefunden in der Fabri- kation der schtvefligen Säure, eine direkte Lohnherabsetznng ist ein- getreten in der Blei- und Silberhütten-Jndustrie und in der Schwefelsäurefabrikation; in beiden ist die Lohnsumme um einen geringeren Prozentsatz gestiegen als die Arbeitszeit. Die direkten oder reinen Lohnsteigerungen sin Prozenten) zu bc- rechnen, überlassen wir dem Leser.*) In der gcsammtcn Montanindustrie beträgt diese reine Lohnsteigerung 15 Proz. In ähnlicher Weise sans dem Verhältnis der Produktion und des Wertes der Produktion im Jahre 1838 zur Produktion und Prodnktionswert im Jahre 1838 läßt sich die reine Wertzunahme, die Preiszunahme, be- rechnen; sie beträgt 18 Proz. Ein durchgängiger Rückgang, Rückgang der Arbeiterzahl, der Produktion und der Wertsumme, ist nur in einer Branche zu konstatieren, in der Fabrikation der schwefligen Säure. Diese ist indes sehr unbedeutend. Im übrigen bietet die Tabelle ein wahrhaft glänzendes Bild für die Unternehmer. In Bezug auf die Arbeiter ist die Entwickelung der ober- schlesischen Montanindustrie viel weniger glänzend gewesen. Wie schon angedeutet, ergeben das die Jndnstric-Durchschnittslöhne und die Unfallzahlen. Beide ergeben sich aus den folgenden Tabellen: Industriezweige 1. Steinkohlen- und Erzgruben 2. Stahl- u. Eisen« Industrie 3. Zink-, Blei- und Silberproduktion 4. Eoaks- u. Einder- Fabrikation 6. Schtvefel- u.schtvefl. Säurefabrikation Jahres- Durchschnittslöhne in Mark b.) für männliche Arbeiter über 19 Jahre b).. ,... unter„„ <-) Industriezweige 1. Steinkohlen-, � Eisenerz-, Zink- und Blei- erzgruben.... 2. Eisen- und Stahl- industrie..... 3. Zinkhütten-Industrie 4. Blei- u. Silberhütten- Jndustrie.... 5. Eoaks- und Einder« fabrikation.... 6. Säurefabrikation.. Ges. Montan-Jndustrie a) mit tödl. Ausganges 1893 194 12 2 123 1398 193 22 2 199 sinehr 92%) Unfälle b) mit nachfolgender Arbeitsunfähigkeit von mehr als 13 Wochen 1893 1398 679 151 24 14 2 792 839 292 22 29 1 1179 smehr 54%) v. wenigeralS 13 Wochen 1893 1898 3339 2975 391 29 137 59 .5997 4090 4926 499 59 293 193 8922 (mehr 49%) Die erste der beiden Tabellen erweist die allbekannte Thatsache, daß in Oberschlcsien ein wackerer Berg- und Hüttenmann noch immer nicht jährlich im Durchschnitt 1999 M. verdient, und daß noch immer massenhaft jugendliche und weibliche Arbeiter auf knapp 1 M. pro Tag kommen. Bei fünf der insgesanit fünfzehn Arbeiterkategorien sind die Jahrcslöhne sogar zurückgegangen I Welche Lebensstellung bei solchen Löhnen in Oberschlesien mit seiner Grenzsperre den Arbeitern möglich ist, das sich vorzustellen überlassen tvir dein Leser. Die zweite Tabelle zeigt, daß die Blüte der oberschlesischen Montan« industrie zum Teil leider ans der Vernichtung des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter beruht. Kein Industriezweig ohne Steigerung der Unfallzahlen! Im ganzen beträgt diese 59 Proz., während, wie angegeben, die Steiaenuig der Arbeiterzahl insgesamt nur 19 Proz. beträgt. Ganz besonders schlimm ist es in der Eisen- und Stahlindustrie zugegangen. Fassen wir die Unfallzahlen zusammen, so ergiebt sich *) Hierbei ist so zu verfahren: Man berechnet die Lohnsumm» der 1893er Arbeiterzahl unter Zngrundelcguug der 1393er Löhne, aus dem Ueberschuß der 1838er wirklich gezahlten Lohnsumme über die so berechnete Lohnsumme läßt sich die Üohnsteigernng berechnen. Bei dieser Berechnung wird freilich vorausgesetzt, daß die Znsammen- setznng der Arbeiter(aus höher gelohnten Ertvachsenen männlichen und niedriger gelohnten jugendlichen und weiblichen) dieselbe bleibt. buchstäblich die Decimieruuq der oberschlesischen Berg- und Hiittencirbeiter in den Werken der Unternehmerschaft I In der Eisen- und Stahlindustrie ist es noch schlimmer; da hat man es schon dahin gebracht, daß fast jeder sechste Arbeiter im Jahre einen Unfall erleidet bezw. jeder Arbeiter zu gewärtigen hat, dah er innerhalb des Zeitraumes von sechs Jahren einen Unfall erleidet, der ihm den Tod bringt oder die Gesundheit ruiniert, falls sie nicht bereits ohne Unfall ruiniert ist. Zum Schluß noch einen kleinen versöhnlichen Zug in diesem nicht eben erfreulichen Bilde: die Beschäftigung der Frauen und Mädchen nimmt auch in Oberschlesien ab. Montanindustrie-Arbeit ist keine Frauen- und Mädchenarbcit, und deshalb ist die Abnahme der Arbeiterinnen niit Freuden zu begrüßen. Im einzelnen kommt es natürlich immer noch vor, daß der Anteil der Arbeiterinnen an der Gesamtarbeiter- schaft verhältnismäßig groß ist, z. B. in den Erzgräbercien des nörd- lichen Teiles des Industriegebietes. Im allgemeinen aber ist der Nückgang der Arbeiterinnen nicht unbeträchtlich. Noch vor vier Jahrzehnten war es in Oberschlesien selbstverständlich daß die Frauen und die Kinder, die halbwegs dazu wr stände waren, die Männer zur Arbeit begleiteten; I808 z. B. waren ca. 60 Proz. der Arbeiterschaft in der dortigen Montanindustrie Frauen und Kinder. Diese Zeit ist vorüber. 1893 betrug der Anteil der Arbeiterinnen an der Gesamtarbeiterschast noch 13,6, 1898 betrug er nur noch 9,3 Proz.; hoffentlich geht er weiter zurück. Alles in allem: Der oberschlesische Jndustriebezirk ist ein Eldorado für die Untenichmerschast, ein hartes Arbeitshaus für die llrbeiterl Volikisthe Me&evfldjk. Berlin, den 13. September. Zur Denkschrift. Bei der ersten Lesung der Vorlage war Direktor von Woedtke der letzte Vertreter der Vorlage vom Bundesratstische, er führte eingangs seiner Rede aus: „... in der Denkschrift ist ein Material zusammengetragen, welches, wie ich glaube, draußen im Lande vielen Leuten die Augen offnen wird fZwischenrufe) über den kolossalen Unfug, der draußen im Lande-- sWiederholte Zwischenrufe. Glocke des Präsidenten.) über den kolossalen Unfug, der draußen im Lande getrieben wird bei Streiks und Terrorisierungen arbeitswilliger Leute, solcher Leute, die nicht Lust haben, zu streiken und ihre guten Gründe dazu haben, mit den Streiks nicht einverstanden zu sein. Selbstverständlich übernehmen die Verfasser der Denk- schrift die volle Verantwortung dafür, daß auf Grund des ihnen beigebrachten Materials die Denkschrift richtig aufgestellt worden Das sagte der Bundesrats-Vertreter, nachdem bereits die Leichtfertigkeit bei der Herstellung der Denkschrift und die UnWahrhaftigkeit ihres Inhalts vielseitig beleuchtet worden war. Da also die Zuchthaus spendende Regierung sich wohl auch weiterhin noch auf das Werk ihrer Geheimräte zu stützen gedenkt, so bleibt auch uns die wenig angenehme Aufgabe nicht erspart, uns ferner mit der geheimrätlichen Arbeit zu beschäftigen. Es ist schon früher darauf hingewiesen worden, daß in der überwiegenden Zahl von Fällen, die in der Denk schrift� angeführt wurden, eine Nachprüfung ganz um möglich ist. Eine Kontrolle der aufgestellten Be> hauptungen, ja ,Ubst eine Ausscheidung der Einzelfälle. eine Bestimmung derselben nach Zeit, Ort und Gelegenheit. nach Beteiligung der Arbeiter besonderer Gewerbsarten, ist so erschwert, daß nur zwei Möglichkeiten der Erklärung dieses Verfahrens übrig bleiben, aus denen auszuwählen den Verfassern der Denkschrift freigestellt bleibt: Entweder fehlt ihnen die Fähigkeit, eine wissenschaftlichen Anforderungen ent sprechende Arbeit zu machen, öder sie wollten die Nach kontrolle ihrer Behauptungen für die überwiegende Anzahl der von ihnen herangezogenen Fälle vermeiden. Da es leider unmöglich ist, die einzelnen Fälle, die tn der Denkschrift angezogen sind, auseinander zu halten und die zusammengehörigen mit Sicherheit zu gruppieren, so müssen wir trotz aller angewandten Mühe uns mit einer bloß annähernden Genauigkeit begnügen. Wir haben die Denkschrift in ca. 770 Fälle zerlegt. Darunter sind nun Sä» Fälle, bei denen jeder Anhaltspunkt zu einer Kontrolle der aufgestellten Be hauptungen fehlt; unter diesen Fällen ist ein Teil, die ohne weiteren Anhaltspunkt über die Grundlagen der Behauptungen so beginnen: „Auch nach den im Königreiche Bayern gemachten Wahr nehmungen....."„Allgemeine Mitteilungen über... werde» gemacht aus Baden."„So berichtet der Erste Staatsanwalt zu Essen unter Mitteilung mehrerer bezeichnender Einzelfälle, daß....." Kein einziger dieser Fälle wird aber angeführt! Wie soll man hier widerlegen? Wie prüfen? Wie sich überzeugen lassen? Es ist also festzustellen, daß mehr als ein volles Viertel Tausend der Denkschrift-Gruselgeschichten, ein Dritteil samt- licher angeführten Vorkommnisse von vornherein, vor jeder näheren Untersuchung, alS undiskutabel ausgeschlossen werden müssen. Aber eine weitere große Anzahl von Fällen schließt eben- falls eine Kontrolle aus, weil zwar nähere Angaben gemacht sind, aber doch nicht so, daß der Fall unzweifelhaft festgestellt werden könnte, den der Berichterstatter an das Reichsamt des Annern im Auge hatte. Man kann auch mit einem hohen Maße von Wahrscheinlichkeit annehmen, daß eine große Zahl der ganz oder teilweis„anonymen" Fälle sich auf die„namentlich" an anderer Stelle angeführten bezieht: um so größer ist diese Wahrscheinlichkeit, weil ja doch selbst die namentlich angeführten mehr- fach, zunr Teile mit völlig oder fast völlig gleich- lautendem Wortlaute an verschiedenen Stellen der Denkschrift wiederkehren. In der Ausnützung einzelner Fälle durch möglichst häufige Anführung leistet überhaupt die Denkschrift außerordentliches. Einige Beispiele mögen an- geführt werden: Der Hamburger Hafenarbeiterstreik wird 22 mal, der Torgelower Metallarbeiterstreik wird 12 mal, der der Lübecker Metallwaren-Fabrikarbeiter 7 mal, derßKottbuser Textilarbeiterstreik 11 mal, der Streik der Leipziger Maurer 13 mal ins Feld geführt, 16 mal wird der Breslauer Maurer- streik erwähnt. Damit die Anzahl der Fälle noch schreckhafter dem dummen Philister erscheint, wird z. B. ein und derselbe Maurerstreik einmal als Maurer-, ein andermal als Bau- arbeiter-, ein drittes Mal als Bauhandwerkerstreik vorgeführt. Reduciert man die Anzahl der Vorgeführren Fälle, indem man die mehrmalige Erwähnung des gleichen Falles berück- sichtigt, so schrumpft die große Zahl derselben ganz erheblich zusammen. Was dann noch übrig bleibt, ist entweder als leicht- fertige Wiedergabe unwahrer Gewährsmänner-Mitteilungen nachgewiesen, oder es sind Fälle, in denen wirklich vor- gekommene Ungehörigkeiten aus Grund der bestehenden Gesetz- gebung hinreichend und oft allzu hart bestraft worden sind.— Mißerfolge der Jnnungs-Gesctzgebung werden überall im Deutschen Reiche festgestellt. Neu gegründete Innungen lösen sich nach kurzem Bestände wieder aus, bei den Wahlen zu den Jnnungsvorsländen fallen vielfach die Jnnungs- agitatoren durch und entschiedene Gegner der Jnnungsbewegung werden als Vertrauensmänner der in die neuen Zünfte hinein� gepreßten Handwerksmeister zu Obermeistern zc. gewählt. Die Väter der Jnnungsbewegung suchen sich zu trösten, sie hoffen, daß na mehreren Jahren, wenn die neue Handwerks-Gesetzgebung si eingelebt haben wird, die Innungen gedeihen werden. Wie wenig berechtigt dieser Trost ist, beweisen die in Oestreich gemachten Er fahruugen. Seit 1886 bestehen in Oestreich Zwangsinuungcn lGe. nossenschaften), eine mächtige politische Partei, die Christliche Socialen, ist aus diesen Genossenschaften hervorgegangen und dadurch spielt das Handwerk in dem wirtschaftlich weit hinter dem Deutschen Reiche zurückgebliebenen Oestreich eine verhältnismäßig sehr große Rolle. Trotzdem haben die östreichischen Gewerbe genossenschaften sich als verfehltes Experiment erwiesen, wie aus den folgenden, dem soeben erschienenen Berichte der nieder östreichischen Handels- und Gewerbekammer entnommenen Daten hervorgeht. Es heißt da: „Lebhafte Klage wird seitens fast aller Genossen- schafts-Vor stehungen über die Teilnahmslosig- keit der Mitglieder ani genossenschaftliöhenLebcn erhoben. Drastisch sind einzelne hierüber vorliegende Be- richte: Die Handelsgenossenschaft in Schrems berichtet, daß die General- Versammlung, welche nach Ablauf von fünf bis sechs Jahren zur Neuivahl der Vorstehung stattfand, bcschluß unfähig war und bei der zweiten Generalversammlung nur sechs bis sieben Mitglieder erschienen; die Approvisionierungs-Genossen- schaft in Ubbs teilt mit, daß bei der ersten Generalversammlung von 106 Mitgliedern nur zwei und bei der zweiten Generalverl sammlung auch nur zwei Mitglieder erschienen I Ebenso beklagt die Handelsgenossenschaft Pulkau, das keine Generalverl sammlung mehr beschlußfähig sei. Es erschienen nur vier bis fünf Mitglieder. Der Vorsteher der Bekleidungsgenoffenschaft in Waidl Hofen an der Thaya schreibt, daß„ein Zusammenwirken bei den Gewerbetreibenden nicht existiere, die Mitglieder nicht einmal im Jahre zu einer Generalversammlung zusammenzubringen sind, wo sie ihre Interessen besprechen und Anträge stellen könnten; man höre nur, daß die Genossenschaften keinen Zweck haben". Der Vorsteher der Approvistoniermigs- Genossenschaft in Zwettl schreibt:„Die Genossenschaft besteht nur, weil sie bestehen muß. Die Approvisionierungs-Gewerbegenossenschast in Kirchberga. Pielach: „Es ist unmöglich, irgendwelche Thätigkeit zu entfalten, da die Mit- glieder zu einer Versammlung nicht einmal zusammenzubringen sind; es trifft zu, wenn gesagt wird, es ist alles auf dem Papier." Die Genossenschaft der Handels- und Bekleidungs gewerbe in Marbach:„Die hiesige Genossenschaft hat gar keine» Zweck, die Mitglieder bringen derselben gar kein Interesse entgegen und es werden auch schon einige Jahre keine Sitzungen abgehalten, weil nichts zu beschließen ist." Aus dem Handelskammerberichte, der den Gewerbegenossenschaften 22 Seiten widmet, ließe sich noch weit mehr über die Wertlosigkeit dieser Rettungsmaßregel für das untergehende Handwerk anführen, diese Citate dürften aber genügen. Wer wird in 14 Jahren noch von einer Wirksamkeit der deutschen Innungen reden oder gar etwas von ihnen erhoffen?— Von der Affaire. Es wird nach Meldungen aus Paris für möglich gehalten, daß der Regierungskommissar bei d e m R e v i s i 0 n s r a t den Bericht über die Drehfus-Angelegenheit vor Montag beendigt haben wird. Der Revisionsrat würde sich alsdann am Montag über die Berufung aussprechen und die Regierung würde am Dienstag in einem Ministerrate über das Schicksal des Drehfus schlüssig werden und beschließen, ob derselbe zu be- gnadigen sei. »« * Der Kriegsminister beschloß bezüglich der st a t i st i s ch e n Abteilung des General st abs, eine Aenderung dahin zu treffen, daß dieselbe den ausschließlich militärischen Charakter be- wahren solle und sich in keiner Weise in den Polizei- und 5lo«terspionagedicnst einzumischen habe. Die neue Verordnung tritt mit dem 16. d. M. in Kraft. Ultimatum. Die letzte Note Englands, welche das Kabinett am letzten Freitag beschlossen hatte, wurde am Dienstag in Pretoria übergeben und alsbald im V 0 l k s r a a d zur Verlesung ge- bracht. England stellt folgende Forderungen: 1. Erlangung des Bürgerrechts nach fünf Jahren; 2. ein Viertel der Sitze im Volksraad für die Gold- selber; 3. Gleichheit des Englischen mit dem Holländischen im Volksraad; 4. alte und neue Bürger haben bei der Präsidenten- wähl und anderen Wahlen gleiches Wahlrecht. Wenn diese Forde- rungcn Englands angenommen werden, soll eine gemeinsame Konferenz anberaumt werden, auf der die nötigen Maßregeln dafür getroffen werden, daß die Tranövaal-Regierung keine un- nötigen Bedingungen daran knüpft oder der Volksraad diese durch fernere Gesetze annulliert. Die Note führt weiter aus, daß der gegenwärtige Zustand in Südafrika nichr länger andauern könne und darum die unverzügliche Annahme nötig sei, anderenfalls werde England die ganzeLage in Erwägung nehmen und selbst die nötigen Maßregeln treffen, um einen Abschluß herbeizuführen. Die Depesche wurde im Raab mit Ruhe aufgenommen, dagegen herrscht in der Bevölkerung Transvaals große Erregung. Zwischen Pretoria und der Regierung des Oranje-Freistaatcs and ein lebhafter Depeschenwechsel statt. Nachdem die An- schien des Oranje-Freistaates endgültig festgestellt sein werden, öll Donnerstag früh die Antwort aufgesetzt und den beiden Volksraads unterbreitet werden. Staatssekretär Reitz, der über seine Ansicht beftagt wurde, prach sich dahin aus, daß er die Sachlage nicht für völlig hoffnungslos halte. Das Reuter-Bureau bringt aus Kap- 't a d t die allerdings recht zweifelhaft klingende Meldung: „Verschiedenen hier aus Pretoria eingegangenen, allerdings nichtamtlichen Berichten zufolge werde Transvaal die in der letzten Depesche Chamberlains enthaltenen Bedingungen an- nehi en, welche die Basis für Verhandlungen schaffen, die die Möglichkeit einer friedlichen Lösung in sich schließen."— **# Deutsches Weich. Ein köstliches Beispiel agrarischer Wichttgthuerei bringt die oben erwähnte Broschüre des Vereins Berliner Getreide- und Produktenhändler. Um den Preisveröffentlichungen bei der Central- Notierungsstelle ein erhöhtes Relief zu geben, hatte das Kuratorium der preußischen Landwirtschaftskammern triumphierend darauf hin- ewiesen, daß die 1867er Notierungen geradezu überraschend mit den Zahresangaben des Berliner Aeltestenkollegiums sich deckten. In der That läßt sich das durch die Ziffern bis in den August hinein handgreiflich darthun. Wie erklärt sich aber nun dieser Sachverhalt? Die Central-Notierungsstelle hat überhaupt erst im August 1897 ihre Thätigkeit begonnen. Was sie an vorhergegangenen Preisen verzeichnet, hat sie— wie damals alle Blätter und Interessenten— den Aufzeichnungen entnommen, die einige Journalisten im Feen« a l a st machten und alsdann publizierten, da eine amtliche Ver- öffentlichung als Börsenkurs nicht statthast war. Auch der Jahre»- bericht des Berliner Aeltestenkollegiums hält sich selbstverständlich an diese Mitteilungen und bringt dieselben Fe enp a last ziffern, die jetzt vor einem gläubigen agrarischen Publikum die Zuverlässigkeit der agrarischen Preisnotierung darthun müssen!— Die Verstimmten. Die agrarkonservativen Blätter verstehen sich nicht übel darauf. der Regierung ihre Macht zu beweisen. Täglich bringen sie Notizen, wie bald diese bald jene Gruppe der Staatstreuen ihre Verbitterung nicht länger zu verhehlen verniöge, ob der erschrecklichen Thatsache. daß die Regierung ein wenig gegen die Junker zu regieren sich ver- messe. Heute berichtet die„Deutsche Tageszeituug" von streik- lu st igen Gemeindevor st ehern: „Wir haben in den letzten Tagen von einigen Gemeinde- vor st ehern Zuschriften erhalten, in denen sie auseindersetzen, daß es ihnen nach Lage der Sache nicht mehr mö glich sein werde, bei einer eventuellen Wiederwahl daSAmt eines Gemeindevor st ehers anzunehm e n. Andere bekundeten sogar die Absicht, das Amt, wenn es möglich sei, mit Rücksicht auf die letzten Kundgebungen der Regierung niederzulegen, da sie nicht willens seien, ihre freie Ueber- zeugung den, Amte zu opfern. Die Verstimmung schlägt aber noch weitere Kreise. Es wird uns u. a. mitgeteilt, daß Herren, die seitens des Laudrats aufgefordert worden waren, an die Spitze lokaler Kriegervereine zu tteten, dies im Hinblick auf die jetzige Lage abgelehnt haben, da sie ihres Amtes nicht mit der erforderlichen Freudigkeit würden walten können". Pharisäisch fügt die„Deutsche Tageszeitung" hinzu: „Wir billigen, wie unsere Leser wissen, dieses Vorgehen nicht, möchten aber die Regierung dringend mahnen, auf diese Stimmungszeichen recht zu achten. Es liegt die Gefahr sehr nahe, daß die beiden treue st en Männer dem politischen Leben und dem öffentlichen Dienste den Rücken wenden, weil sie fürchten, ihre Ueberzeugung, wenn sie im Dienst der Gemeinde oder der Oeffentlichkeit stehen, nach Befinden verleugnen zu müssen." Es sind das dieselben Hüter von Staat und Thron, denen der K'a i s e r sagte, sie sollten ihm durch Dick und Dünn folgen. Sobald der Kaiser und seine Regierung nicht ganz ihnen Willens sind, vergessen sie alle ihre staatsretterische Geberde und drohen sie mit Beamtenstreik l—_ Ha»tt»ersteins Gnadenarie. Nach einem Telegramm der „Kreuz-Zeituug" hielt Herr v. Hammerstein, der preußische Land- wirtschaftsminister, bei derZJubiläunisfeier der königlichen Deckstation Badbergen- Osnabrück eine Rede, in der er u. a. ausfühtte: Daß die Landwirtschaft die festeste Basis des Staates fei, werde vom Kaiser und von der Regierung stets anerkannt. Die Landwirtschaft solle und müsse lohnend bleiben und Hilfe haben, wo der Landwitt nicht aus eigener Kraft sich helfen könne.— Im Privatgespräch widerlegte der Minister die Zerwngsgerüchte von seinem angeblichen Rücktritt. So imponiert die Regierung den rebellierenden Junkern, die aber für die Versöhnung nur taube Ohren haben werden.— Verplaudert. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" suchte durch sophistische Narrheiten die Versündigung der maßregelnden Re- gierung an der Verfassung zu bemänteln. Es sollte zwischen der kanalablehnenden Abstimmung und der Maßregelung der Landräte kein unmittelbarer Zusammenhang bestehen. Diese thönchte Flunkerei läßt sich aber in der Zeitungspolemik nicht durchhalten, bei erster Gelegenheit sagt das offiziöse Organ das. wa» es nicht sagen durfte. Wenn, so meint es. eine Kollision zwischen den Pflichten deS Amtes und des Mandats eintritt, so muß die Amtspflicht auch gegen den Willen des Beamten sichergestellt werden. „Dies ist," so fähtt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fort, bei den Abgeordneten, die zugleich politische Beamte waren, auf Grund der hierfür vorgeschnebenen gesetzlichen Bestimmungen durch ihre Versetzung in den einstweiligen Ruhestand geschehen, und es konnte von den Beteiligten umsoweniger ein anderer Ausgang der Angelegenheit erwattet werden, als sie rechtzeittg und mit vollem Ernst darauf hingewiesen worden sind, daß eine Pflichten- kollision in dem vorangegebenen Sinne vorhanden war." Hiermit hat das offiziöse Organ die mühsame Erdichtung deS Richtzusammenhangs zwischen Abstimmung und Maßregelung selbst zerstört und damit den Verstoß gegen die Verfassung anerkannt. Viel- leicht glaubt das Blatt das Geständnis niachen zu dürfen, indem es anerkennt, daß die soaenannte preußische Verfassung über- Haupt nicht zu Recht bestehe, also auch nicht gegen sie ver- stoßen werden könne?— Der Siiudcnbock. Der Erlaß, in dem das Staats- m i n i si e r i u in den Austtttt der Beamten aus dem Bunde der Landwirte angeordnet haben soll, drückt die Bündlerischen schwer. Jetzt aber will die„Kolberger VoPszeitung" folgendes wissen: „... Demgegenüber sind wir in der Lage positiv witteilen zu können, daß das Staatsministerium einen auf den Austtitt von politischen Beamten aus dem Bund der Landwirte bezügliche» Be« schluß bis zur Stunde nicht gefaßt hat. Dagegen ist bereits vor längerer Zeit seitens des Ministeriums deS Innern den politischen Beamten nahegelegt Ivorden, angesichts der Haltung, welche der Bund der Landwitte in der Kanalfrage an- genommen hat, zu erwägen, ob ihre Zugehörigkeit zum Bunde sie nicht in Konflikt mit ihren Pflichten als polittsche Beamte bringen müßte." Herrn v. d. Recke hat die Kühnheit gegenüber dem Zweibunde der Landräte und Agrarier alsbald das Portefeuille gekostet. Niederen Sterblichen konnte der ftühere Minister des Innern ungestraft weit mehr bieten. Nicht nur Herr Kirschner mußte lange warten, auch ein„Gewerkverein christlicher Bergarbeiter", wie der „Bergknappe" mitteilt, erwartet auf die vor mehr als zwei Jahren erfolgte Einreichung seines Krankenkassen- Statuts noch heute Ant- wott aus dem Ministerium des Innern, lieber solche Kleinig- leiten war Herr v. d. Recke erhaben. Aber spiele nicht mit Junkern!— Tie Rechtögültigkeit der preußische» Verfassung. Die „ K r cu z- Z e i t u n g bemerkt zu unseren Ausführungen von der Rechtsungültigkeit der preußischen Verfassung: „Oktroyiert" war allerdings die Verfassungs-Urkunde vom 6. Dezember 1848. In dieser ist jedoch die Revision im ordentlichen Wege der Gesetzgebung ausdrücklich vorgesehen. Diese Revision ist erfolgt, und ihr Ergebnis ist die jetzige Berfass u n gs- Urkunde vom 31. Januar 1850, die, wie der zu ihrer Verkündigung ergangene königliche Erlaß noch besonders betont, vom Könige in Uebereinftimmung mit beiden Kammern endgültig festgestellt worden ist. Hätte der„Vorwärts" recht und wäre unsere Ver- fassnng rechtsungültig, so hätten wir noch den absoluten Staat, und kein Abgeordnetenhaus, keiu Herrenhaus hätte einen Anteil an der Gesetzgebung zu beanspruchen. Auch die Verfassungsurkunde vom 6. Dezember 1843 hätte keine Bedeutung mehr; denn sie wäre, als eine oktrohiette, nach dem„Vorwärts" ebenfalls rechtsungültig. Eine geradezu erstaunliche Logik endlich entwickelt das social- demokratische Blatt, indem es einerseits d� Rechtsgültigleit unserer Verfassung leugnet und damit zu ver Folgerung nötigt, daß wir gegenwärtig überhaupt keine Verfaffung haben, andererseits unmittelbar darauf seinen Vorschlag als den einzig verfassungs- mäßigen bezeichnet! Die oben mitgeteilten Sätze geben einen erneuten Beweis für die Leichtigkeit, mit der sich die Socialdeniokratie, wenn sie am Ruder wäre, über das bestehende Recht hinivegsetzen würde. Die„Kreuz-Zeitung" hat ganz recht: Die Verfassung ist in der That nicht rechtsgültig. Würde sie aber aufgehoben, so hätten wir damit keineswegs den absoluten Staat! Sondern wir hätten eine auf Grund des alten Wahlgesetzes vom 8. April 1848 zu wählende konstituierende Nationalversammlung, die jene Verfassung zu vollenden hat, an deren rechtmäßiger Wer- abschiedung sie— mit Hilfe der„5treuz-Zeitungs"-Leute— gewaltsam gehindert worden ist. Die nachträgliche Amnestie der Kammern für den Staatsstreich hat gar nichts zu besagen: denn diese Kammern bestanden ja eben nur auf Grund des rechtswidrigen Wahlgesetzes. Nachdem einmal der absolute Staat überwunden und eine Ver- fassung gewährt war, durfte diese nur verfassungsmäßig geändert werden. Darin liegt ja gerade der Wert einer wirklichen Konstitution, daß sie eine gesetzliche Weiterentwickelung gestattet. Die ganze preußische EntWickelung in der Periode nach dem Jahre 1843, wo die Nationalversammlung gesprengt wurde, ist eine rechts- widrigeEpisod e von Staatsstreichs- und Bajonetts Gnaden. Die Zwangsverordnung vom 5. Dezbr. 1848 aufheben, heißt zu wirklich ver- fassungsmäßigen Zuständen zurückkehren. Und diese Rückkehr wäre nicht nur eine rechtniäßigc Handlung, sondern eine endliche Sühne für eine reaklionäre Gewaltthat, an der noch heute unser gesamtes politisches Leben in Preußen und darüber hinaus krankt. Aber die„Kreuz-Zeitung" braucht sich gar nicht vor solchen Ratschlägen zu ängstigen. Die jetzige„energische" Regierung hat nur drohende Worte, keine starken Thaten. Sie wird die Macht- befugnisse nicht anwenden, die ihr moralisch und rechtlich zu Gebote stehen.— Kaisertreffen» Die von einigen Blättern gebrachte Meldung, daß das russische Kaiserpaar auf'der Reise nach Darmstadt jetzt Potsdam berühren würde, ist, wie offiziös mitgeteilt wird, nicht r i ch t i g. Wohl aber wird das Zarenpaar voraussichtlich die Prinzessin Heinrich in Kiel besuchen. Eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Nikolaus ist für später in Aussicht ge- nommen.— Ter große Hofbann. Die Hofwürdenträger, Schloßhauptleute und Kamnierherren, die gegen den Kanal gestiinmt haben, sind, wie die„Deutsche Tageszeitung" aus sicherster Quelle erfährt, bis auf weiteres von dem Hofe verbannt worden. Darüber werden die Knnalgeguer sehr erfreut sein; denn durch diese Entfernung vom Hofe wird den schwächeren Charakteren die Möglichkeit gcnonmien, sich durch gutes Zureden zu Gunsten des Kanals beeinflussen zu lassen.— Die„Post" spricht auch heute noch von den„beachtenswerten Enthüllungen des enttäuscht und angewidert aus der Socialdemokratie ausgetretenen Schenderlein".— Wie viel Jahre Zuchthaus muß man eigentlich auf dem Kerbholz haben, um bei den„Post"- Leuten unmöglich zn werden.— Auf dem Wege zum Kanal. Die„Rathenower Zeitung" enthält folgendes Scherz-Jnserat: Kanalfreundlicher Kandidat (nicht Beamter) sucht Stellung im Landtag. Offerten unter„Landtag" an die Exped. d. Ztg. erbeten. Noch zweckmäßiger wäre es, den ganzen Landtag in Submission an den Meistbietenden zu vergeben und die Kanalfreundlichkeit unter die Submisstonsbedingungen aufzunehmen.— Die Wodauslcutc und die Zuchthansvorlage. Die in Hamburg versammelten Antisemiten haben nicht nur gegen den Erz- vater Abraham und für den altgermauischen Heideugott Wodan gewütet, sie haben nicht nur die Juden für Halbmcnschen erklärt. sondern auch zur Zuchthausvorlage„Stellung genommen". Wir haben das schon erwähnt, wollen die Haltung dieser Partei der Hans- narren aber nodj_ mit ein paar Worten kennzeichnen. Mau einigte sich schließlich auf folgende nichtssagende von Lieber- und Zimmer- man gemeinmm gezeugte Resolution:' „In Erwägung, daß die Rede des Abgeordneten v. Liebermann zur Zuchthausvorlage im Namen der Partei sowohl sich eutfchieden gegen die Regierung wendet als auch die positiven Vorschläge des Parteiprogramms zur Lösung dieser Frage erfüllt, erklärt sich der Parteitag mit der Haltung der Fraktion einverstanden." Gegen die Zuchthausvorlage sprachen sich nur Graf Reventlow und Abg. Raab aus. Graf Reventlow führte aus: Einen herben Tadel verdient die Fraktion wegen ihrer social- politischen Haltung, wegen ihrer Stellung zum„Zuchthausgesetz". Nach diese» letzten Leistungen kann mau von der Fraktion in dieser Beziehung kaum noch etwas erwarten. Koalitionsrecht der Arbeiter ist m unserem Programm und man stimmt für Kommisfionsberatung des Zuchthausgesetzes? Wie paßt das zusammen? Der sociale Gedanke ist uns gleichwertig mit dem antisemitischen. Machen wir werter solche Sachen, so hat kein Arbeiter mehr Vertrauen zu uns. Bloß mit antisemitischem Trompeten- geschmetter oder bloß mit Mittelstandspolitik bringen wir noch nicht den Beweis für unsere Existenzberechtigung. Unsere Partei wird nur lebensfähig sein, wenn sie social ist! Redner beantragt folgende Erklärung:„Der Parteitag erivartet von der Fraktion, daß sie den Entwurf des Gesetzes zmn Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses in zweiter und dritter Lesung ablehnen werde." Dagegen bemerkte Vielhaben: Diese Vorlage soll dem Mittelstände helfen, soll ihn befreien von dem Streikterrorismus der Socialdemokratie. Deshalb muß etwas geschehen. Der Versuch der Regierung mag ein schlechter gelvesen sein, wir werden ihn ver- bessern müssen, B r u h n- Berlin: Es ist bedauerlich, daß die Vorlage das Wort Zuchthaus auch enthält. Sie will etwas durchaus G cht e s. Sie will dem Mittelstande helfen, der am meisten unter dem Streikterrorismus leidet. Auf dieser Grundlage läßt sich etwas Brauchbares schaffen. Ich freue mich, daß Herr v. Liebermann für die weitere Beratung der Vorlage eingetreten ist und bereit ist, dem guten Gedanke» zum Siege zu verhelfen. Wir haben doch nicht nur die Aufgabe, immer nur für den Arbeiter zu sorgen. Es giebt auch noch andere Stände, die der Fürsorge dringend bedürftig sind, ror allem der Mittelstand. Der Großindustrielle kann sich vor dem Streik- terrorismus schützen, nicht aber der kleine Gewerbetreibende, der dieses Schutzes dringend bedürftig ist. Wenn mau sich von vorn- herein gegen jede solcheVorlage wenden wollte, wie es Graf Re- veutlow will, so wäre das grundfalsch. Fragen Sie nial die Gewerbe- treibenden, wie die über die Vorlage denken. Das jetzige Recht ge- währt nicht genügenden Schutz, da eine Verfolgung' des Streik- terrorismus nur auf Antrag geschieht. Ich bitte Sie, eine Erklärung dahin abzugeben,� daß die Fraktion den Gedanken der Vorlage auf- nimmt, um auf seiner Grundlage ein brauchbares Gesetz zum Schutze des Mittelstandes zu schaffen.(Beifall.) Z i m in e r m a u n- Dresden: Was das Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen betrifft, so kann ich den Staudpunkt des Grafen Reventlow nicht teilen.� Im wesentlichen ist die Organisation der Arbeiter nur eine Waffe in den Händen der Singer und Genossen. Die Vorlage war in der eingebrachten Form unannehmbar. Es ließe sich aber auf dieser Grundlage ein Ausbau des Koalitionsrcchts und ein durchgreifender Schutz des Mittelstandes, den lvir brauchen, vornehmen. Der Sinn der Resolution ist also, daß die Wodanspartei für eine„verbesserte" Zuchthausvorlage eintreten will. Hat auch niemand etwas anderes erwartet I— Enquete fiir ZuchthauSlicbhaber. Der„Bund der Industriellen" veranstaltet eine Enquete, welche die folgenden Fragen umfaßt: 1. Erkennen Sie die Notwendigkeit eines Schützes der Arbeits- willigen an? 2. Welche Fälle der Anwendung von Zwangsmitteln gegen Arbeitswillige seitens der Ausständigen sind Ihnen bekannt? 8. Halten Sie es für möglich, durch freie Vereinigungen der Arbeit- geber den Schutz der Arbeitswilligen herbeizuführen?— Oder: 4. Sind Sie der Meinung, daß nur auf gesetzlichem Wege— durch Erlaß von Strafbestimmüngen— dieser Schutz herbeigeführt werden könne? Die Herren hätten sich ihre Bemühungen sparen dürfen. Das Zuchthausresultat ist von vornherein nicht zweifelhaft.— Zum neuesten Marine-Unglück wird uns aus Kiel ge- schrieben: Mit einer grauenhaften Regelmäßigkeit sind in den letzten Jahren die schweren Unfälle in der Marine aufeinandergefolgt. Jetzt wieder sind vier blühende Menschenleben dem schrecklichen Verbreunungstode im kochenden Wasserdampfe erlegen. Wie es möglich ist, daß an Bord der„Wacht" diese schwere Kesselexplosion sich ereignen konnte, entzieht sich noch der Kenntnis. Die„Wacht", als Aviso gebaut und jetzt zu den kleinen Kreuzern gezählt, ist 1887 auf der Schiffswerft„Wefer" in Bremen vom Stapel gelaufen. Das Deplacement des Schiffes beträgt 1250 Tonnen, die Maschinen entwickeln 4000 Pfcrdekräfte und die Geschwindigkeit ist 18 Knoten. An größeren Unglücksfällen sind in den letzten 5 Jahren in der deutschen Marine, ungerechnet all die vielen Fälle, wo. ein oder zwei Menscheuleben ihr Ende fanden, folgende zu verzeichnen: 1898 erfolgte auf dem Panzer„Bayern" eine Geschützexplosiou, bei der 7 Mann ihren Tod fanden; 1894 ereignete sich die furchtbare Dampfrohr- Explosion auf dem„Brandenburg" und 42 junge Menschenleben ivaren dahin. 18LS erfolgte während einer Probefahrt eines auf der Germania- werft in Kiel gebauten türkischen Torpedojägers eine Kesselexplosion, die 13 Leben vernichtete. Wenige Monate später stürzte eine Lauf- brücke auf der eben genannten Werft ein, wobei wieder 14 Menschen ihren Tod fanden. Sind diese letzten beiden Unglücksfälle auch nicht auf das Unglückskouto der Marine zu setzen, so hängen sie doch mit dem Marinismus zusammen. Gleichfalls 1895 sank durch Kentern in der Jammerbucht bei Skagen das Torpedoboot 41. Im April 1896 wieder sank durch eine Kiollision bei Hocksiel das Boot 48 und 5 Mann waren das Opfer. Im Juni 1896 kenterte ein Ruderboot der Marine in der Dithmarfcher Bucht und 3 Mann fanden den Wellentod. Am 23. Juli ereignete sich die Jltiskatostrophe in den asiatischen Gewässern und 71 Mann wieder wurden den Ihrigen entrissen. Im September 1897 wieder sank in der Elbemündung das Torpedoboot 3 26. wobei 8 junge Leben vernichtet wurden. Im Februar 1898 wieder kenterte im Kieler Hafen eine Barkasse mit der abgelösten Wachtmannschaft der kaiserlichen Werft, und wieder waren 11 Mann das Opfer. Dann wieder fanden noch in der Memel drei Mann der Marine ihren Tod, und jetzt wieder folgt dieses letzte Unglück. Nürnberg, 13. September. Die Generalversammlung des deutscheu Vereins für öffentliche Gesundheitspflege wurde heute unter zahlreicher Beteiligung aus Deutschland. Oestreich, Ungarn, der Schweiz und Rußland von dem Geh. Sanitätsrat Dr. Lent-Köln eröffnet. Kreis-Medizinalrat Dr. Bruglocher-Ansbach begrüßte djc Gäfte namens der bayrischen Regierung. München, 12. September,(Eig. Ber.) Die 71. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte tritt vom 17. bis 23. September in München zusammen. Wir hätten keine Veranlassung, dieser zum Teil rein fachlichen Vorträgen, zum Teil dem Vergnügen gewidmeten Tagung besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wenn nicht bereits der vorjährige Kongreß in Düsseldorf mit deni alten Bann ge- brachen und eine Kommission zur Erforschung und Be- kämpfung der Tuberkulose gewählt hätte, der auch Vertreter der Juvaliditätsversicherung(Gebhard-Lübeck), der Krankenkassen(Friedeberg-Berlin) usw. angehören. Professor Hüppe, der Vorsitzende der Kommission,, die in München ihren ersten Bericht erstatten wird, sagte damals bezüglich der Permanenz der Kommission:„Ich habe allerdings noch einen gewissen Hinter- gcdanken, es werden auch weitere 5kreise unserer Natursorscherversanun- lung gewonnen werden, wenn die Leute sehen, daß wir uns auch mit Dingen beschäftigen, die unsere ganze Umgebung interessieren, daß unsere Arbeit auch volkswirtschaftliche Bedeutung hat." Professor Leube(Würzburg) sagte:„Der Vorschlag ist außerordentlich wichtig, in Bezug auf die Medizin sowohl, wie. vor allem auf das V o l k s w o h l. In anderen Ländern wird darin viel niehr geleistet als hier in Deutschland." Professor Waldeyer(Berlin) hielt es für notwendig,„daß die Versammlung es erstreben soll, fich in solchen Fragen eine gewisse'Stimme in Deutsch- land auch gegenüber der Regierung zu verschaffen. Es soll eine permanente Kommission geschaffen werden, die sich mit einer der wichtigsten Fragen nicht nur der Medizin, sondern auch der Naturwissenschaft beschäftigt". Hüppe nannte noch die Tuberkulose eine„sociale Krankheit ersten Ranges" und erwähnte, daß ini Regierungsbezirk Düsseldorf der Prozentsatz der Mortalität an Tuberkulose 45, in einer Stadt sogar 66 Prozent überschritten hat.— Man darf jedenfalls auf den Bericht, den die Kommission am 20. September in München erstatten wird, gespannt sein. Von sonst hier interessierenden Vorträgen der Tagung nennen wir noch: Für U n f a l I w e s e n usw.: Scydel(Königsberg) über Psychose nach Bleivergiftung; Müller(Lübeck):„Was müssen die Berufsgenossenschastcn von den Aerzten verlangen?"; Fossel(Graz): „Volksniirtel in der steirischen Volksmedizin"; Scholenz(Kassel): „Die Frauen in der Geschichte der Medizin". Schutz den Arbeitswilligen. Die Ferienstrafkammer zu Itzehoe verurteilte zwei streikende Arbeiter zu je sechs Wochen Gefängnis; sie sollen einen Arbeits- willigen in Verruf erklärt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs' Monate und sofortige Inhaftnahme beantragt. Der Arbeits- ivillige ist ein Mann, der erst vor ungefähr einem Jahre die gast- lichcn Mauern des Zuchthauses, das er zwei Jahre bewohnte, ver- lassen hat. Dagegen ist von den Verurteilten der eine noch gar nicht, der andere mit wenig kleinen Strafen wegen Bettelns vorbestraft. Aber macht nichts> die Arbeitswilligen bedürfen des besonderen Schutzes der Staatsgewalt. Wie hieß es doch in der famosen Motivierung der Zuchthausvorlage? „Dies(der Ilmstand nämlich, daß die Arbeitswilligen durch die bestehende Rechtsordnung nicht genügend geschützt seien) ist um fo bedenklicher, als es sich g e r a d e bei d e u A r b e i t s w i l l i g e u um ruhige, in die S t a g t s- und Rechtsordnung s i ch schickende, für den Staat besonders nützliche Elemente handelt, welche in ihren mit den Staatsinteressen zu- s a m m e n f a l I e n d e u persönlichen I u t e r es s e n wirksam zu schützen eine wichtige und dringliche Aufgabe der Staatsgeivalt i st." Ein bißchen ehrlich, d. h. nicht wegen Terrorismus erworbenes Zuchthaus ist offenbar nur ein unbedeutender Schönheitsfehler auf dem Jdealbilde eines Arbeitswilligen.— Chronik der MajestätsbeleidigungS-Prozesse. Der Bergmann Theophil Brabainski aus Ruda soll sich am 2. Mai d. I. einer Majestätsbelcidigung schuldig gemacht haben. In dieser Sache wurde als Zeuge der Kleriker Adam Guttowski aus Rom vernommen. Die Verhandlung vor der G I e i w i tz e r Strafkammer fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten Gefängnis ver- urteilt.— Ausland. Hochverratsprozeß i« Serbien. Der Milanscho Rache-Prozeß in Belgrad wird fortgeführt, ohne daß irgend welche Thatfachen einer Verschwörung gegen das Leben Milans zu Tage träten. Es' ist kein Zweifel darüber, daß die Anklage das Attentat eines Verzweifelten dazu benutzen will, un: die politischen Gegner Milans und seiner Regierung zu ver- Nichten. In der Dienstagnachmittags- Sitzung erklärte der Angeklagte Ziwkowitsch, sein Vorschlag im radikalen Komitee sei nicht dahin gegangen, die Steuerzahlung zn verweigern, sondern dieselbe nicht freiwillig zu leisten. Der Angeklagte sagt, der Staatsauwalt habe ihn mit Unrecht der Teilnahme an dem Attentat angeklagt. Er habe niemals Karageoraewitsch gesehen, noch mit dessen An- hängern verkehrt. Für seine antidynastische Gesinnung sei kein Beweis vorhanden. Am Tage des Attentats sei er zu Hause ge- Wesen. Ziwkowitsch giebt seiner Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Lage Serbiens Ausdruck und erklärt es für seine Pflicht, eine Regierung zu bekämpfen, welche die wirklichen Interessen des Landes nicht verteidige. Mehrere Zeugen sagen hierauf aus,� Ziwkowitsch habe in dem Geschäft bei Pawlowitsch ein antidynastisches Gedicht vorgelesen. Andere Zeugen erklären, Ziwkowitsch habe bei dem Be- gräbuis Katitschs eine Rede gehalten, welche Beleidigungen gegen König Alexander und König Milan enthielt. Der Angeklagte erklärt aber alle diese Angaben für Lügen. In der Mittwochs-Sitzuug wurde das Protokoll über die Haus- durchsuchung bei Ziwkowitsch verlesen, bei welcher belastende Papiere gesunden fem sollen. Hierauf wird der Angeklagte P a n t e I i t s ch vernommen, de- zugiebt, mit Knezewitsch intime Beziehungen unterhalten, abe! von dem Attentate keine Ahnung gehabt zu haben. Wenn er stck schuldig gefühlt hätte, würde er geflohen sein, da er erst 16 Tag- nach dem Attentat verhaftet worden sei.— Spanien. San Sebastian, 12. September. Die Königin-Regentin unter. zeichnete ein Dekret, durch welches die koustitutionellen Garantien in der Provinz Biscaya zeitweilig aufgehoben werden.— Zum Parteitage. Infolge eines Irrtums teilten wir in Nr. 213 mit, daß auf dem hessischen Parteitage die Resolution Katzenstein angenommen und die Resolution David abgelehnt worden sei. Das Gegenteil ist richtig; angenommen wurde die von David vorgeschlagene Resolution mit dem angegebenen Stimmen- Verhältnis(49 gegen 11), die wir deshalb hier im Wortlaute mit- teilen: 1. Die Landeskonferenz der Socialdemokratie Hessens sieht m den Sätzen des allgemeinen Teiles des Erfurter Programms keine unanfechtbaren, für alle Zeiten feststehenden Wahrheiten.� Der Charakter der socialistischen Theorie als eine wissenschaftliche Lehre er- heischt ihre fortgesetzte voraussetzungsfreie Prüfung und Weiter- bildung gemäß den Fortschritten der wifsenschastlichen Erkenntnis und der praktisch-politischen Erfahrung. 2. Die theoretischen Streitfragen, die von Bernstein aufgerollt worden sind, können natürlich nicht durch Majoritätsbeschlüsse ent- schiede» werden. Die Landeskoufereuz lehnt es daher auch ab, zu den aufgerollten theoretischen Streitfragen in zustimmendem oder ablehnendem Sinne Stellung zu nehmen, ebenso wie sie jeden Ver- fuch, die Freiheit des Denkens und Forschens innerhalb der Partei einzuschränken, zurückweist. 3. Was die taktische Haltung der socialdemokratischen Partei bettifft, so ist die Landeskoufereuz der Ueberzeugung, daß das Hauptgewicht der Parteithätigkeit auf der praktischen Mit- arbeit an allen aus der Gegenwart erwachsenden social- politischen Aufgaben zu liegen hat. Dabei ist ein zeit- weiligcs Zusammenwerfen mit anderen Parteien nicht zn umgehen. Selbstverständlich darf dabei die Socialdemokratie niemals ihren Charakter als äußerlich unabhängige und innerlich festgeschlosicne Partei zur Durchführung des proletarischen Klassen- kampfes, dessen Ziel die volle politische, wirtschaftliche und sociale Emanzipation der Arbeiterklasse, verleugnen. 4. Diese auch schon seither von der socialdemokratischen Partei befolgte Praxis wird vom Genossen Bernstein in keiner Weise in Frage gestellt, sondern im Gegenteil ausdrücklich gebilligt. Die Landeskonferenz sieht darum auch in keiner Weise Benisteins Zu- gchörigkeit zur Partei in Frage gestellt, und ist der Meinung, daß alle diesbezüglichen ketzerrichterischen Wünsche doktrinärer Theoretiker energisch zurückzuweisen sind. Eine Parteiversammlung in Aachen beschloß, daß die Fraktion beauftragt werden soll, beim Reichstage wieder die Einführung des achtstündigen Normal- Arbeitstages, fowie der obligatorischen Ge- Werbegerichte zu beantragen. Ebenso soll sie für eine reichsgesetzliche Regelung des Submissionswesens durch Einführung eines Minimal- lohnes eintreten._ GemevltMzAftlittzes. Vcrlin und ttmgcgcnd. Zur Lohnbewegung der Möbelpolicrer. Forderungen haben bis Mittwcchmiltag gestellt 351 Kollegen, bewilligt erhielten 210 Kollegen, zur Kontrolle als ausständig haben sich gemeldet 106. Die andern haben anderweitig Arbeit zu den neuen Lohnsätzen an- genommen. Donnerstag früh sollen die Kollegen der Firmen, welche der„Freien Vereinigung der Holzindustricllen" angehören, Bescheid erhalten, ob diese bewilligen oder nicht. Für uns liegt der Arbeits- markt günstig, denn täglich laufen Meldungen über bewilligte Forde- rungen ein.' Die L o h n k o ni m i s s i o n. Restaurant Scheere, Blumeustr. 38. Posamentierer. Bewilligt haben nachträglich folgende Firmen: Halbing, L. Prinz, L. Knopfmacher, Gebr. Prinz. Nicht bewilligt haben: Bünger, Wendel u. Komp., H. Plischke, E. Gustedt, Köstermann u. Harinzauski, Sachs u. Schwarz, W. und G. Keßler, A. Sinsel, Hoffmann und Weiland. Wagler, Reiß u. Burmeister, F. Hoppe, M. Hoppe, Eisner u. Haussig, Przygode, B. Volmer Brehmer, H. Schmidt, Ebel Nächst. Die nichtbewilligten Firmen sind streng zu meiden. Die L o h n k o m m i s s i o n. Von der„Kommission der Arbeitgeber" geht unS ein Schreiben zu, in dem mit Bezug auf die gestrige Bekamitmachung angegeben wird, daß die Firma Hugo Schulz nur die �/Lstiindige Verkürzung der Arbeitszeit bewilligt habe. Ferner sei bei der Firnia Gebr. Prinz unter„bedeutender Abweichung" des aufgestellten Lohntarifs die Arbeit wieder aufgenommen worden. Für die Arbeiter Dänemarks gingen bei der Charlotten- b u r g e r G e w e r k s ch a f t s k o in in i s s i o n weitere 140 M. ein, darunter durch L. Pfeifer 2,50 M., vom eingegaugenen Skatklub durch Nichter 6,15. Weitere Beiträge nimmt entgegen F. B l e e ck, Pestalozzistr. 22, v. 2 Tr. bei Pankow. Dortselbst sind jeden Montag, Mittwoch und Freitag, abends von 6—8 Uhr die geschäftlichen Angelegenheiten des Kartells zu regeln. Der Vertrauensmann der Gewerkschaften Charlotten bürg s. Deutsches Reich. „Der Bureau- Angestellte". Organ für die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Bureau- Angestellten, wurde in einer be- sonderen Agitationsausgabe in einer Auflage von 15 000 Exemplaren in ganz Deutschland verbreitet. In dem Blatte wird die miserable Lage der Bureau- Angestellten geschildert und zum Beitritt zur Or- gauisation aufgefordert. Zur Aussperrung der Steiumctzen in Dresden, Pirna und Umgegend. Die vereinigten Arbeitgeber im Steinmetz- gewerbe erlassen in der letzten Nummer des„Pirnaer Anzeiger" eine lange„Erklärung", in welcher sie die Schuld an der Aussperrung den Gehilfen in die Schuhe schieben lvolleu. Die in der Erklärung gegebene Darstellung ist einseitig und fast durchaus unrichtig. So heißt es, die Gehilfen auf dem Schillingsthen Werkplatz' hätten lediglich deshalb die Arbeit verlassen, weil nian Zureiseude aus dein Streikgebiete nicht einstellte. Das ist aber nur ein Grund unter vielen ander» ni i t gclvescu. Nun berufen sich die Uuternehmcr auf das Statut ihrer Organisation, nach welchem ein Arbeitgeber Gehilfen, welche aus einem Strcikgebiet als Streikende kommen, nicht eingestellt werden dürfen. Das ist eS allerdings, was die Gehilfen aus p rin cip seilen Gründen enipört, weil eine der- artige Bestimmung ganz direkt mit den diesbezüglichen Bestim- mungeu der Tarifgemeinschaft in Widerspruch steht. Die gegen- seittg nach der Richtung getroffenen Vereinbarung en gehen dahin, daß der Unternehmer die Gehilfen, wie sie kommen und gebraucht werden, einzustellen hat. Dadurch sollte ja gerade, was ja auch Nar ausgesprochen ist, dem Unfug der schwarzen Listen, Matz- regelungen, vorgebeugt werden. Und das weitz das Unter- nehmertum ganz genau, und deshalb ist sein Vor- gehen eine unerhörte, mutwillige Provokation der Arbeiter zu nennen. Es ist dann weiter gesagt, datz es im Gwnde den Ge- Hilfen hauptsächlich um die Abschaffung der Accord- arbeit zu thun sei, datz sich die Arbeitgeber dazu auf keinen Fall entschlietzen würden, wegen der ungünstigen Folgen für die bau« lichen Verhältnisse, st!> Mit dieser Redensart setzt man sich ohne Anführung einer einzigen Thatsache über die wichtige Frage hinweg. Es wird noch ausdrücklich betont, datz ein Nachgeben der Unter- nehmer st a t u t a r i s ch ausgeschlossen sei. st> Sie scheinen aber doch tüchtig in der Klemme zu stecken. Denn gleichzeitig werden die königlichen, städtischen und kirchlichen Behörden um Verlängerung der Fristen ersucht. Die Arbeiter sind nach wie vor entschlossen, den Kampf durchzuführen. Kräftige Hiebe versetzte der Agitator der Münchener Centrums- gewerkschaften, Braun, dem Angsburger„ordnungsliebenden" Arbeiterverband und den Hirsch-Dunckerschen Waschlappenorganisa- tionen in einer Versammlung in Augsburg, die zum Zwecke der Förderung der christlichen Gewerkschaftsbewegung einberufen war. Er nannte die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine auf Wirtschaft- lichcm Gebiet Schmarotzerpflanzen und ein Zwitter- ding und meinte:„Wir auf christlichem Gewerkschafts- gebiete fühlen uns auf Ivirtschaftlichenr Gebiete viel näher bei den Socialdeinokraten als bei den Hirsch-Dunckerschen." Die„Ordnungsliebenden" begleitete» die Ansfllhnlngen des Redners mit einem Wutgeheul, was ihn aber nicht hinderte, weiter in das Wespennest zu stechen. Dabei fiel auch manch derber Puff für die sich katholisch nennende und im Dienste der Augsburger Unternehmerklique stehende Presse ab. Einige Widerlegungsversuche fielen recht kläg- lich aus. Socislos. Kapitalistischer Kindermord. Die„Volks-Zeitung" giebt in Anknüpfung an den in Budapest jetzt tagenden Äinderschutz-Kongretz nach den Verhandlungen deö internationalen Fraucnkongresscs in London in ihrer heutigen Nnninier einige Mitteilungen über Kinderausbeutung, die jeden Menschenfreund erschüttern müssen. So arbeiten beispielsweise in England 144 025 Kinder unter vierzehn Jahren von 72 bis 87 Stunden wöchentlich! Unter diesen Kindern sind 17 084, die bei einer so langen Arbeitszeit nicht einmal 50 Pf. die Woche verdienen, andere bringen es bis auf 7 M.. und 131 der regelinätzig arbeitenden Kinder— 09 Knaben und 62 Mädchen— haben noch nicht einmal das schulpflichtige Alter von sechs Jahren erreicht. Eine derartige Ausnutzung der kindlichen Arbeitskraft ist nur möglich in Folge des„lralk day law", eines Gesetzes, welches gestattet, datz die Kinder die Hälfte des Tages arbeiten, wenn sie die andere Hälfte in der Schule verbringen. Da viele Kinder nun aber schon mit zehn Jahren aus der Volksschule entlassen werden— nämlich wenn sie nach Anslveis eines Examens alles wissen, was in der englischen Volksschule gelehrt wird, und das ist nicht viel— und da sie erst mit vierzehn Jahren unter das Arbeiterschutzgesctz kommen, so sind sie vier Jahre lang ohne jede staatliche Aufsicht und also der umfangreichsten Ausbeutung preisgegeben. Und diese Zeit wird von den Eltern auf das grausamste ausgenutzt. Das schlimniste, und für die Zukunft der Kinder verderblichste, ist jedoch die Art der Arbeit, die ihnen auferlegt wird. Oft müssen die Knaben Stunden, ja Tage laug, die vor einen Wagen gespannten Pferde behüten, während der Kutscher die Auf- und Ablade-Arbeiten besorgt. Wenn sich diese Beschäftigung Wochen- und inonatelang wiederholt, so wird nalurgemätz aus dem so an- stellten Jungen ein Fanlenzer und Idiot, der im später» Leben lieber bettelt als arbeitet. Und wenn ein Mädchen fast den ganzen Tag auf der Stratze zubringt, ohne Aufsicht und Ueberwachung ihre kostbarste Lebenszelt mit Botengängen ausfüllend, so entivickelt sich in ihr die gefährliche Neigung zum Umhertreiben, die später durch keine philanthropischen Bemühungen mehr auszurotten ist und das Mädchen langsam ihrem Ruin entgegenführt. Und wie hier der Geist und die Seele der Kinder langsam ertötet werden, so wird in anderen Fällen der Körper durch tystematische Ausnutzung geschwächt, ja oft ganz ruiniert. So mutzte ein Knabe von 13 Jahren in London dreitzig Stunden wöchentlich für cincn Lohn von 4 M. als Billard- ftiiclcr jede Nacht bis 12 Uhr thätig sein; ein anderer mutzte von 3� Uhr niorgens bis zum Anfang der Schule und»ach dem Schlutz der Schule bis 9 Uhr abends für seinen Vater, der einen Grünkramladen hat, schwer arbeiten. Am allerausgemergeltste» sehen aber die Kinder aus, welche neben ihrer Schularbeit die ganze Nacht, von acht Uhr abends bis sechs Uhr morgens, als Stragenfeger be- schäftigt sind. In diesen Kindern scheint physisch und geistig alles ertötet zu sein. Welch traurige Bürger des Staates wachsen aus rhiien heran I In Spanien sieht es noch schlimmer aus. Dort arbeiten täglich rn Kataloniens Tausende von Kindern unter 6 Jahren in den Magnesiummiiien. Die Schächte sind so eng, das Erwachsene nicht hineinkönnen, so werden die jüngsten und kleinsten Kinder zur Ausbeutung der Minen ausgesucht. Durch die giftigen Dünste, die sich darin entivickeln, entsteht eine entsetzliche Krankheit, die„ooliea saturnans", die täglich ihre Opfer fordert und sich zu gewisse» Perioden im Jahre zu einer Epidemie steigert. Doch das verhindert die entmenschten Kapitalisten nicht, die kleinen Kinder immer wieder für den allerkärglichsten Lohn zu dieser furchtbaren Arbeit heran- zuziehen. In Andalusien müssen die Kinder unter 3 Jahren die fehlende Wnsserleitnng ersetzen i sie tragen acht Stunden am Tage schwere Eimer voll Wasser auf dem Kopfe in die Felder, um die keimende» Saaten vor dem Verdorren zu schützen. In Italien sind die entsetzlich vielen Krüppel, die sich inühsain zu den Vorübergehenden hcranschleppen und ihre fleischlose Hand mit flehender Geberde nach einer Gabe ausstrecken, meistens aus den in den Schwefelmiuen Siziliens beschäftigt gewesenen Kindern herangewachsen. Das Tragen von schweren Säcken mit Schwefel auf den schmalen Leitern und in den niedrigen Schächten zwingt die Kinder, stets gebückt zu gehen, und dadurch werden ihre noch so zarten Gliedmatzen in der Entwicklung gehemmt und der Ver- krüppelung preisgegeben. In drei bis vier Jahren sind die Kinder meistens unbrauchbar, und dann werden sie ihrem Schicksal— das dort betteln heitzt— für den Rest ihres Lebens ohne Erbarmen überlassen.— Mit Recht macht übrigens die„Volts- Zeitung" darauf auf- merksam, datz man auch aus Deutschland traurige Bilder von der Kinderausbcutung, z. B. in der Laudivirtschaft(und in der Haus- industrie, fügen wir hinzu) enttverfen könnte. Wir haben schon bei Mitteilung der Tagesordnung des Kinder« schutz-Kongresses darauf hingetviesen. wie die allgemeinen socialen Verhältnisse, die Ausbentung und wirtschaftliche Notlage der Ar- beiter, der Eltern der Kinder, als die Hauptursache dieses Kindes- mordes anzusehen ist, gegen den der sagenhafte bethlehemitische ein Spiel ist, und fügen dem heute hinzu, datz wir, so sympathisch uns alle Bestrebungen zum Schutze der Kinder sind, doch von den Ver- Handlungen dieses Kongresses sehr ivenig für eine ernsthafte Ein- schränkung der Kinderaüsbeutung erwarten können. Jedenfalls können wir uns aber der Meinung der„Volks-Zeitung" nicht anschlietzen, datz der schmählichen Kinderschlächterei nur durch internationale Be- ratungcn und Beschlüsse beizukommen ist. Wir sind im Gegenteil der Meinung, datz gerade auf diesem Gebiete jeder einzelne Staat durch lelbständige Gesetzgebung, ohne auf die anderen Staaten zu warten, sehr vieles bessern könnte— wenn die matzgebenden Faktoren wollten. WaS„Restles Kindermehl" einbringt. Bei Gelegenheit einer usion der Kindermehlfabrik Restle in der Schweiz, die mit einem ktienkapital von 2 Millionen Franks arbeitet, wurde bekannt, datz die auf SOOV Franks lautende Aktie dieser Fabrik in den letzten Jahren jährlich eine Dividende von 9000 Franks gleich 180 Proz. Dividende erhielt. In richtiger Würdigung dieses Entbehrungslohnes würden die Besitzer dieser 2 Millionen Franks Aktien ftir das neue Unter- nehmen Aktien im Nennwerte von 20 Millionen, also das zehnfache erhalten, so datz sie daim, wenn das neue Unternehmen dieselbe Rente abwirst, nur noch 13 Proz. Dividende bekommen. Allerdings nur durch ein Rechenexempel. Gerichts-Zeitung. Ein Nachtbild aus der herrlichste» der Welten. Einen traurigen Anblick gewährte gestern die erste Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Auf der Anklagebank befanden sich 13 Schul- k n a b e n, welche des Bandendieb st ahls beschuldigt waren und als Belastungszeugen wurden zehn Knaben aufgerufen, Ivelche ebenso viel gestohlen haben, wie die Angeklagten, aber bereits ab- geurteilt sind. Der Zuhörerraum vermochte die Zahl der weinenden Mütter nicht zu fassen. Die Angeklagten waren geständig, bestritten aber, datz sie sich zu einer Diebesbande vereinigt hätten. So wie sie sich auf der Stratze getroffen hätten, seien sie zusammen fortgegangen, um Diebstähle auszuführen. Die Angeklagten haben besonders den Norden Berlins unsicher gemacht. Sie hatten es in erster Linie auf Gegenstände abgesehen, die die Ladeninhaber an der Thür aus- gehängt hatten, auch betraten mehrere zugleich den Laden, einer mutzte den Verkäufer durch einen kleinen Einkauf beschäftigen und die anderen suchten zu stehlen, was sich in ihrem Bereich befand. Ein Teil der jugendlichen Diebe haben nicht zur Verantwortung ge- zogen werden können, weil sie das strafmündige Alter noch nicht er- reicht haben. Die bereits wegen Diebstahls vorbestraften Burschen erhielten längere, die unbestraften leichtere Gefängnisstrafen oder Verweise. Datz das Gefängnis am allerlvenigsten geeignet ist. verdorbene Kinder zu bessern, weitz jeder Einsichtige. Wo aber giebt es sonst eine Rettung? Um notdürftig Brot zu schaffen, arbeiten beide Eltern meistens Tags über autzer dem Hause und kehren abends ab- gespannt und verdrossen in ihr elendes Heim zurück. Die Kinder haben unterdessen die Stratze zum Aufenthalt gehabt und waren allen Verführungen preisgegeben und sehen die Eltern höchstens in später Abendstunde um sich.' Kann da von Pflege des Familienlebens die Rede sein, ja ist es nicht geradezu Wahnivitz, unter solchen Um- ständen von den Eltern zu verlangen, datz sie ihre Sprötzlinge erziehen und zum Guten anhalten sollen? Die oft beobachtete Entrüstung der herrschenden Klasse üder solche trüben Sittenzustände wird aber dann wicderwärtig, wenn man erwägt, datz sie sich allen Bestrebungen der Arbeiterklasse, die wirklich zur besseren Pflege des Fannlienlebcns führen können, mit aller Macht widersetzt. Gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit auf ein erträgliches Matz, gegen eine noch so bescheidene Erhöhung des Arbeitslohnes stemmt der Kapitalismus sich in allen Fällen mit dem ganzen Druck der Macht, die ihn« zu Gebote steht. Und wo diese nicht ausreicht, Müssen neue ZnchthauSparagraphen herhalten. Wenn das sittliche Niveau der Arbeiterklasse sich bei alledem gehoben hat, so hat sie es ihrer eigenen Energie zu verdanken I Hochwasser und Ueberschwemmungen haben Schlesien, einen Teil von O e st r e i ch, sowie Bayern in gefährlichem Umfange heimgesucht. Aus eiiier ganzen Anzahl Orte liegen Hiobsbotschaften vor, von denen wir die wichtigeren hier Wiedergeben. So meldet man aus Breslau voni Mittwoch: Die Flüsse Katzbach und Steinbach sind heute Nacht infolge an- haltenden Regens hoch ausgeufert. Weitere Wasscrmengen werden von dem oberen Thal envartet. Mit den Räumungsarbeiten ist begonnen worden. Der Regen dauert fort. Auch aus H i r s ch b e r g wird gemeldet, datz Bober und Zacken weite Strecken überfluteten und Steingcröll zu Thale führen. Die Mittagblätter melden weiteres, meist starkes Steigen der Gebirgsflüsse. Vielfach sind die StromregulicrungS- Arbeiten gestört. Nach einer Meldung aus L a u b a n trat der Queis Dicnstagnachmittag aus de» Ufern und überflutete die weiten Wiescnebencn bei Steintirch, Holzkirch, Wünschendorf und Logau. Auch aus dem Qncllgebiet der Oder wird weiteres Steigen gemeldet. Wie der«Bote aus dem Riesengebirge" meldet, erreichte in Hirschberg mittags das Wasser mit 4,50 Meter deir höchsten Stand und fällt nachmittags bei aufklärendem Wetter langsam. In den Oberläufen stieg das Wasser zwischen 7 und 9 Uhr vormittags bis zur Höhe von 1897, flotz aber infolge der Flutzregulicrungen schnell ab und staute sich wieder in Hirschberg vor der Sattlerschlucht. Der an den Uferbefestigungen angerichtete Schaden ist grotz. Jn Krummhübel wurde in, Stadtteil Tannicht ein Haus eingerissen. Die Grumnieternte ist streckeniveise völlig vernichtet. Luftstcge und Zäune ivurden in grotzer Zahl sortgeschwemmt. Die Eisenbahn Erdmannsdorf— Krummhübel stellte vormittags wegen llnterspnluug der Loumitzbrücke den Verkehr ein, nahm denselben je- doch nachmittags wieder auf. Die in den Sommerfrischen befind- lichen Fremden verlaffen dieselben in grotzer Zahl. Aus Warmbrunn wird mitgeteilt: Am stärksten scheinen der Zacken und das Hcidcwasser anaeschivollen zu sein. In Warmbrunn erreichte heute morgen um 9 Uhr die Hochflut ungefähr den Stand des Jahres 1897. Der Verkehr nach dem Bahnhof ist an verschiedenen Stellen durch Uebcrschwemiuuug unterbrochen. Autzerhalb des Ortes stehen verschiedentlich Kartoffelfelder unter Wasser. Mehrere Stallungen und Häuser haben geräumt werden müssen, in anderen sitzen die Be- wohner eingeschlossen, durch Wasser vom Verkehr abgeschnitten. Bäume und Sträucber am Flutzlaufe ragen mir noch mit den Spitzen aus dem Wasser hervor. Auch in H c r m s d o r f u. K. und in Herischdorf sind mehrere Stratze» überschwemmt. Die Gasbahn zwischen Hirschberg und Hermsdorf hat den Verkehr einstellen müssen. Gegen Mittag' machte sich ein geringes Fallen des Wassers bemerkbar. Infolge anhaltender Regengüsse ist Hochwasser der Weistritz, Peile und der Gebirgsbäche cingetreteu. Der Schaden ist bedeutend. Die Kirche in Schweingfcld steht unter Wasser. In H o h e n e l b e betrug Mittwoch früh der Wasserstand plus 1,80 Meter. Die neu hergestellten Uferbanten sollen gefährdet sein. Die Telegraphenlinie ist unterbrochen. AuS T r a u t e n a u wird gemeldet: Infolge anhaltenden Regens tritt inr Aupagebiet Hochwasser auf. Viele Wege und Brücken mutzten gesperrt werden. Die Gemeinde Freiheit ist schwer bedroht. Den amtlichen Meldungen zufolge, welche gestern bis 1 Uhr nachmittags in Breslau eingegangen sind, bringen sämtliche links- scitige Oderzuflüsse und die O l s a teillveise recht erhebliches Hoch- waffer, das indessen in den Qucllgebieten bereits zu fallen beginnt. Aus Dresden meldet die königl. Wasserbau- Direktion: Die Elbe in Böhmen ist in starkem Steigen begriffen; morgen früh ist hier ein Wasserstand von 200 Centimeter über Null zu envarten.— Die diesjährigen Divisionsmanöver deS XII. Armeekorps sind ab- gesagt worden. Als Folge deS andauernden RegcMvetters wird auch aus allen Teilen Ober-Bayerns und der angrenzenden Alpenländer ein Anschwellen der Flüsse gemeldet. Auch die Isar ist stark an- geschwollen. Ganz besonders bedrohlich ist das Hochwasser der Salzach, in deren Gebiet mehrere Brücken mit fortgerissen worden sind und der Eisenbahnverkehr teilweise eingestellt werden muhte. Wenn das Steigen anhält, droht eine Katastrophe ähnlich derjenigen von 1897. Infolge einer Dammrutschung zwischen Brannenburg und Fischbach ist der Verkehr zwischen München und Innsbruck vorläufig unterbrochen. Ein Güterzug ist entgleist, Verlust von Menschenleben ist dabei»idjt zu beklagen.— Auch auf der Linie Rosenheim— Salzburg ist infolge Hoch- wassers bei Traunstein eine Dammrutschung vorgekommen. Der Verkehr Wien— Salzburg— München mutz über die Linie Simbach— München geleitet werden. Ferner ist wegen Eeleisunterspülung der Gesamtverkehr auf den Bahnhöfen Traunstein, Ruhpolding, Prien, Aschau, Marquardstein und Uebersee eingestellt worden. Der Regen dauert seit Sonntag fast ununterbrochen an. Die Isar steigt noch. Aus Wien wird berichtet: Sämtliche Nebenflüsse der Donau sind erheblich gestiegen. Der Wasserstand der Donau steigt stündlich um etwa 10 Centimeter. Vorläufig ist das Wienflutzgebiet nicht in Gefahr. Aus München wird weiter vom Mittwoch gemeldet: Die Isar ist seit heute vormittag rapide gestiegen und hat den höchsten Stand seit 40 Jahren erreicht. Auf' der von zwei Jsararmcn ge- bildeten Kohleninsel, auf der sich die Sport-Ausstellung befindet, ist das Erdreich mit Bäumen fortgerissen worden und ein Haus ein- gestürzt. Die übrigen Hänser wurden durch die Feuerwehr geräumt. Sämtliche hölzerne Brücken, welche über die Isar führen, sind Polizei- lich abgesperrt. Besonders bedroht sind das neue Volksbad und die Elektricitätswerke. Eine Reihe von Kehern steht unter Wasser. Auch einzelne Teile der Allgemeinen deutschen Sport-Ausstellung sind ge- fährdet. Die Isar führt eine grotze Menge von Baumstämmen und Trümmern aller Art mit sich. Die Feuerwehr und das Mililär, so- weit letzeteres nicht im Manöver ist, sind zur Hilfeleistung an den ge- fährdeten Punkten bereit. Da noch weiteres Steigen des Hochwassers gemeldet wird, sind die Bewohner verschiedener Stratzen veranlatzt worden, die Keller zu räumen.— Der Eisenbahnverkehr nach Kuf- stein ist voraussichtlich für mehrere Tage unterbrochen. Die Nord-Süd-Expretzzüge verkehren nur bis München; die Ku'- steiner Schnellzüge nur bis Rosenheim. Der Orientexvretzzug wird nur bis Salzburg durchgeführt. In München mutzte der ü c- trieb der elektrischen Trambahnen nachmittags eingestellt� werden, da das städtische Elektricitätswerk zum Teil überschwemmt ist. Eine amtliche Bekanntmachung besagt, datz voraussichtlich die elektrische Beleuchtung für heute abend unterbleiben mutz. Die Isar steigt noch weiter. Aus allen Teilen Ober-Bayerns kommen betreffs der Gebirgsflüsse gleiche Nachrichten. In.Tölz stürzte die grotze Brücke zwischen Tölz und Krankenheil- Tölz ein. In Tegernsee und Schliersee mutzten zahlreiche bedrohte �Häuser geräumt werden. In Rosenheim und Wasserburg stehen die äntzeren Stadtteile unter Wasser. Die Bahn Freilassing— Rcichenhall- Berchtesgaden ist unterbrochen. Zwischen den Trümmern von Holz- stammen', welche die Isar durch München mit sich führte, bemerkte man zwei männliche Leichen und einige Tierleichen. Der Regen hält ohne Unterbrechung an. Später wird aus München gemeldet: Infolge besonderer Matznahmen gelang es, für die Stadt München die elektrische Be- leuchtung zur Hälfte durchzuführen. Der Berkehr der elektrischen Trambahnen blieb eingestellt. Am Nachmittage ist die beim englischen Garten über die Isar nach Bogenhausen führende eiserne Brücke eine gestürzt. Da die Brücke seit dem Vormittage abgesperrt war, sind Verluste an Menschenleben nicht zu beklagen. In Rosenheim, wo einzelne Stratzen unter Wasser stehen, ist ein Fuhrmann �niit seinem Fuhrwerk vom Wasser weggerissen worden. In Stock bei Prien am Chiemsee ist ein Haus eingestürzt. In Wasserburg am Inn, das vollständig unter Wasser steht, kann der Verkehr nur mit Kähnen aufrecht erhalten werden. Auch Bad Aibling sit teillveise überschwemmt. Uetzke Mschvichken und Vepeschen. Frankfurt a. M., 13. September.0 datz die Offiziere nicht mehr nötig haben, falsche Brillen, Bärte und Kleider zu tragen. Paris, 13. September.(W. T. B.) Die„Rspublique Fraiisaise" meldet: Mcline richtete an eine Anzahl seiner politischen Freunde ein vertranlichcs Schreiben, in welchem er sie um ihre Ansicht über eine sofortige Einbernfnng der Kammern befragt und die Gründe hervorhebt, ivegen deren dieselbe notwendig sei. In dem Schreiben wird um sofortige Antivort ersucht.— Die„Liberts" berichtet zu der Frage der Eitibenifung des Parlaments, die Regierung be- absichtige, die Einberusimg'der Kammern bis zum Dezember hin- zuziehe» und zwar unter dem Vorwande, datz die Deputierten- kaminer nach dem Gesetz nicht tagen könne, während der Senat als Staatsgerichtshof versammelt sei. Paris, 13. September. sW. T. B.) Der„Teinps" schreibt: Im Auslande fällt man ein strenges Urteil über den Richterspruch von Rcnues. Die Feinde Frankreichs werden sich nicht ändern. aber die unbefangen Denkende», die Frankreich nicht hassen, jedoch aufrichtig glauben, Frankreich sei entehrt, werden bald wieder zu einer zutreffenderen Würdigung der Dinge komme». Deshalb wollen ivir in Frieden arbeiten, und schliehlich werden uns die Sympathien der Ausländer wieder, und zwar in gesteigertem Matze, zu teil werden. Brüssel. 13. September. lB. H.) In der heutigen Kammer- sitznng machten die Socialistcn Obstruktion, indem sie den Namens- aufruf forderten, wobei sich ergab, datz die Kammer nicht be- schlntzfähig war und die Sitzung infolgedessen aufgehoben werden mutzte. London, 13. Sept. sB. H.) Die letzte Post aus Nuinea meldet. datz auf einem französischen Dampfer aus Havre eine Meuterei ausgebrochen ist. woran sich ein Teil der Matrosen und Offiziere beteiligt hätten. Bei der Ankunft in Numea wurden alle Meuterer, einschlietzlich der Offiziere verhaftet und ins Gefängnis abgeführt. Rom, 13. September. lB. H.) Im Vatikan wird jede Auskunft über das Befinden des Papstes verweigert. Dr. Lapponi ist seit gestern im Vatikan. Pretoria, 13. September.' lMeldung des„Rcutschen Bureaus".) Hier ist heute eine»veitere Mitteilung der britische« Regierung eingegangen, die besagt, obwohl dieselbe sehr darauf bedacht lei, eine prompte Antwort von der Transvaal-Regierung zu bekommen, so wünsche sie doch, mit Rücksicht auf den Ernst der Lage nicht, Transvaal zu einer Antwort schon binnen 43 Stunden zu nötigen. Pretoria, 13. September.(Meldung des„Reutcrschcn Bureaus"). Präsident Krüger und der AuSsührrnde Rat hielten heute früh 7 Uhr Beratung ab über die aus die letzte britische Depesche, zu erteilende Antwort; die Beratung wurde dann unterbrochen und um 10 Uhr vormittags wieder ausgenommen.— Die Regierung der Südastikanischen Republik steht in fortwährendem telcgraphischcm Verkehr mit der Regierung des Oranje-Freistaats.__ Hierzu 2 Beilage» uud Unterhaltniigsblatt. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tch. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. pt. 2i5. 16, mmm. 1 Keilllge des ,Fmarts" KeMer AldsdlM.<899. Streiks und Streikvergehen im Jahre 1898. Die Fraqe der Ausschreitungen bei Streiks spielt gegenwärtig eine große Rolle, will man doch aus der angeblichen Häufigkeit der- selben und ihrer Schwere die Zuchthausv'orlage begründen. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, die bislang ihre Streikstatistik nur vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus führte, ist dadurch und durch die einseitige Art der amtlichen Streikstatistik in die Notwendigkeit gedrängt, auch ihrerseits weiter zu gehen und die Streikvergehen mit in den Bereich ihrer Betrachtungen zu ziehen. Für das Jahr 1898 ist es, wie schon mitgeteilt, nachträglich geschehen, und das soeben erschienene „Korrespondenzblatt" bringt die Ergebnisse der Unifrage, die wir im Auszuge hier folgen lassen wollen. Gewonnen ist das Material durch Umfrage bei den Vorständen der gewerkschaftlichen Central- verbände. In diesen besteht nun die statutarische Bestimmung, daß jeder Streik dein Vorstande zu melden ist. Erfolgt diese Meldung nicht, so wird den Streikenden die Unterstützung aus der Verbands- lasse vorenthalten. Somit kann als sicher gelten, daß jeder Streik gemeldet wird und, wie es ferner in den meisten Organisationen Vor- schrift, wöchentlich über alle Einzelheiten der Vorstand Bericht erhält. Daß trotzdem die Streikstatistik in den ersten Jahren, in welchen ihre Veröffentlichung durch die Generalkomniission erfolgte, nicht voll- ständig war, lag daran, daß die Vorstände aller Organisationen Auf- zeichuungen über die aus den Zweigvereinen einlaufenden Streik- berichte machten. Dies ist vielfach erst auf die alljährlich von der Generalrommission erfolgte Umfrage über die Streiks hm erfolgt und geschieht jetzt in allen centralisierten Gelverkschaftsorganisationen. Es können deshalb in der Streikstatistik der letzten Jahre nur solche Streiks fehlen, an welchen organisierte Arbeiter resp. Mit- glieder gewerkschaftlicher Centralvereine nicht beteiligt waren. Diese Streiks werden aber weder sehr zahlreich, noch umfangreich sein. Für 1898 ist bei den Vorständen auch nach diesen Streiks Umfrage gehalten, doch konnte nur ausnahmsweise Mitteilung von solchen Streiks gemacht werden, und auch dann fehlte es fast immer an ge- nügenden Angaben, um diese Streiks in der Statistik führen zu können. Inwieweit das Gesamtergebnis unserer Statistik durch auf dem genannten We�e nicht zur Meldung gelangende Streiks ge- ändert würde, läßt sich nicht abschätzen. Auch die Angaben über die Zahl der bestraften Personen dürften als zuverlässig zu gelten haben. Da den Mitgliedern der Gewerkschaften Rechtsschütz gewährt wird, wenn sie in Strafprozesse infolge ihrer Thätigkeit für die Organi- sation verwickelt werden, so sind den Vorständen alle solche Vor- kommnisse zu melden. Auch bei Strafverfügungen der Behörden nehmen die GeWerk- schaftsmitglieder Rat und Hilfe der Organisationsbeaniten in An- spruch, so daß auch hier der Vorstand in jedem Einzelfall Kenntnis erhält. Es fehlen demnach in diesen Angaben der Streikstatistik nur die Bestrafungen, welche bei Streiks vorkamen, an welchen geWerk- schaftlich organisierte Arbeiter nicht beteiligt waren. Trotzdem dürften die Zahlen der Kriminalstatistik, falls für 1898 nicht eine andere Gruppierung erfolgt ist, eher niedriger als höher sein, weil dort nur die Bestrafungen, welche auf Grund des Z 153 der Gewerbe-Ordnung oder in Verbindung mit anderen Paragraphen des Strafgesetzbuches' erfolgten, specialisiert geführt werden, während die Vorstände auch solche Bestraftmgen bei Streiks angegeben haben, bei welchen der Z 153 der Gewerbe-Ordnung nicht in Betracht kam. Diese Fälle sind allerdings nicht sehr zahlreich. Soweit können wir wohl mit Recht erklären, daß die Streikstatistik für 1898 in allen Teilen ein im allgemeinen zutreffendes Bild der Verhältnisse giebt. Ehe wir aber auf die Streikvergehen selbst eingehen, lassen wir zunächst eine Tabelle folgen, in welcher die Zahl der Streiks und die Beteiligung an den Streiks seit 1899—1893 und deren Resultate für die Streikenden angegeben sind: Personen schuldig zu machen) wegen Handlungen bestraft, welche alle anderen Staatsbürger als ihr gutes Recht ansehen und aus- üben. Die Polizeivorschriften werden oft während eines Streiks erlassen und somit ein Ausnahmezustand für die Streikenden ge- schaffen. Wenn auf grund solcher Vorschriften oder willkürlicher Anwendung von, für ganz andere Delikte bestimmte, Gesetzes- Paragraphen Streikende bestraft werden, so kann man nicht sagen, daß sie eines Streikvergehens schuldig sind. Die Begründer und Verfechter der Zuchthausvorlage verlangen\a auch hauptsächlich vermehrten Schutz der Streikbrecher. Die vielen Bestrafungen wegen angeblichen groben Unfugs und Uebertretung von Polizeivorschriften liefern aber un- widerleglich den Beweis, daß die Behörden die Streikenden aufs schärfste überwacht haben und daß deshalb jede Verfehlung eines Streikenden bestraft worden ist, weil sie den Augen der Gesetzes- Wächter nicht entgangen sein kann. Es sind also auch die Streik- vergehen, welche nicht strafrechtlich verfolgt werden können, nichts als ein Phantasiestück der Leute, welche die Gesetzgebung ihren Jutcr- essen dienstbar machen wollen. Es ist aber nicht nur die verhältnismäßig geringe Zahl der wegen Streikvergehen Bestraften, was bei Beurteilung der Verhält- niste in Betracht kommt. Nach den Aeußerungen der Regieruiigs- Vertreter, welche das Zuchthansgesetz empfehlen, sowie nach den Darlegungen in der Denkschrift, welche die Regierung zur Be- gründüng' des Gesetzes ausarbeiten ließ, müßte man annehmen, daß bei jedem Streik anarchische Zustände herrschten, die Streik- brechcr ihres Lebens nicht sicher sind, alle Bande frommer Scheu gelöst seien. Nun ergicbt aber die Statistik, daß 1893 in 44 Gewerben gestreikt wurde, aber nur in 21 Gewerben Ausschreitungen bei Streiks vorkamen. In diesen Gewerben sind aber ferner solche Ausschreitungen nur bei 107 von 668, das sind bei 1k Proz. dieser Streiks, vorgekommen. Von den gesamten Streiks verliefen �0.2 Proz. ohne das geringste Vorkommnis, das polizeiliche oder gerichtliche Bestrafung ver- anlaßt hätte, und nur bei 19,8 Proz. der Streiks waren solche Vor- kommnisse zu verzeichnen. Diese Thatsachen sprechen so zu Gunsten der streikenden Arbeltcr, daß man annehmen möchte, die Zuchthausschwärmer sollten ihre reaktionären Pläne aufgeben, um nicht allzu deutlich darzuthnn, daß sie den Schutz der Streikbrecher nur als Deckmantel benutzen, um eine ihrem krassen Egoismus dienende Gesetzgebung zu erlangen. Auch die Behauptung, daß die Vergehen bei Streiks schwerer Natur sind, ist falsch. In der nachstehenden Tabelle geben wir eine Uebersicht über die bestraften Personen nach der Art der Straf- delikte. ' Diese Zusammenstellung ist nicht nur interessant, weil sie ein annäherndes Bild der in diesem Zeitraum geführten wirtschaftlichen Kämpfe giebt, sondern weil sie in gewisser Beziehung auch Aufschluß giebt über die Ursachen des periodisch stärker hervortretenden Drängens der Unternehmer, die Regierung zu einer Verschärfung der gegen die gewerkschaftliche Bewegung gerichteten Gesetzgebung zu veranlassen. Wie bekannt, folgte die Regierung diesen Anforderungen durch Einbringung des verschärften§ 153 der Gewerbe-Ordnung im Jahre 1899 und durch Vorlegung des Zuchthausgesetzcs im Jahre 1399. Dem letzteren ging das Geheim-Rundschreiben des Grafen v. Posadowsky im Dezember 1897 voraus. Das Unternehmertum vcranlaßte den gesetzgeberischen Versuch von 1899, weil die Streikbewegung Ende der achtziger Jahre erfolgreich war. In den folgenden Jahren war bei der ungünstigen Wirtschaft- lichen Konjunktur die Streikbewegung nur gering und auch die Gewerkschaften gingen an'Mitgliederzahl zurück. Zivar hat in dieser Periode das Unternehmertum keinesivegs nachgelassen, die Verschärfung der Gesetzgebung im Sinne des 1899 beantragten§ 153 der G.-O. zu fordern, doch ivurde diese Forderung nicht so intensiv vertreten, als dies vorher und sofort wieder geschah, sobald die Gewerkschaften stärker, die Streiks zahlreicher und mit mehr Erfolg geführt wurden. Daß es sich hier nicht um eine willkürliche Annahme handelt, wird aus der Streikstatistik erwiesen. Die Zahl der erfolgreichen Streiks steht 1891 mit 27,8 Proz. am niedrigsten, um dann auf 45, 43, 47,1 und 54,1 Proz. in den folgenden Jahren 1895—1898 zu steigen. Die Zahl der A b w e h r st r e i k s betrug 1892 nicht weniger als 72,6 Proz. aller Streiks und ging 1896 auf 31,3 Proz. zurück. Die Abwchrftreiks waren nur zuni geringen Teil erfolgreich, so 1894 nur zu 26,3 Proz. Die Angriffstreiks wiesen allgemein einen hvhercn Prozentsatz im Erfolge auf und wurden in den Jahren 1395 bis 1893 mehr als 59 Proz. der Streiks erfolgreich durchgeführt. Die erfolglosen Angriffstreiks machen 1892 49 Proz., 1896 nur 14,5 Proz., die Zahl der erfolglosen Abwehrstreiks 1892 45,3 Proz., 1896 38,4 Proz. und 1893 nur 29,8 Proz. aus. Diese Zahlen sagen deutlicher, als dies in langen Auseinander- sctzungen geschehen kann, Ivo die Ursache des Zuchthausgcsetzes zu suchen ist. Die Unternehmer nützen die ungünstige wirtschaftliche Konjunktur rücksichtslos aus. Suchen die Arbeiter Widerstand zu leisten und greifen zum Streik, so unterliegen sie, ihre Organisa- tioncn werden geschwächt und die Hcrabdrücknng der Lebenshaltung imiB hingenommen werden, ohne daß ernstlicher Widerstand geleistet werden kann. Sobald die wirtschaftliche Konjunktur günstiger wird. suchen die Arbeiter die verlorene Position wieder zu erreichen. An- statt daß die Unternehmer nun auch den Arbeitern einen Anteil an dem Höheren Gewinn zugestehen, müssen diese sich jeden Groschen Lohnerhöhung erst durch mit vielen Opfern verbundene Streiks er- kämpfen. Müßte nun nicht der einfache Gerechtigkeitssinn die Unternehmer veranlassen, anzuerkeiinen, daß die Arbeiter, wenn sie zum Streik greifen, nichts anderes thun, als was die U n te r n e h m c r während der u n g ü n st i g e n G e s ch ä f t s p e r i o d e gethan haben, nämlich die Verhältnisse zu ihren Gunsten auszunutzen bemüht sind? Dieser Gerechtigkeitssinn scheint nicht vorhanden zu sein, denn an Stelle der Vereinbarung, niit den Arbeitern über die Gewährung eines erhöhten Anteils an den Erträgnissen der Produktion zu unter- handeln, wird an die Regierung die strikte Forderung gerichtet, die günstiger gewordene Position der Arbeiter durch die Gesetzgebung zu vernichten. Die Regierung ist 1899 ebenso wie 1897/99 dieser Anforderung nachgekoinmen, ohne zu untersuchen, ob die nacktesten und krassesten Unternehmerinteressen durch eine solche Gesetzgebung gewahrt, die Interessen der Arbeiter aber� aufs tiefste geschädigt werden. Die Regierung kann sich unter solchen Umständen nicht von dem Vorwurf frei machen, daß ihre gegenwärtige gesetz- geberifche Altion eine Klassengesetzgebung im ausgeprägtesten Sinne des Wortes ist. Die Behauptung, daß bei den Streiks in den letzten Jahren eine so große Anzahl von Ausschreitungen zu verzeichnen ist. daß die geplante Gefetzgebnng darin ihre Rechtfertigung findet, ist als richtig nicht uachgewiescn worden und wird nicht nachgewiesen werden konne.i. Durch Thatsachen ist das Gegenteil erwiesen, und auch für 1893 ist trotz des schärfsten Vorgehens der Behörden und Gerichte eine nennenswerte Steigerung der Bestrafungen wegen Streikvergehen nicht eingetreten. Die Annahme, daß die heutigen Gesetze unzureichend wären und nicht alle Vergehen zur Strafe ge- zogen werden können, wird durch die Gerichtsverhandlungen, bei denen Streikvergehen in Frage kommen, ohne weiteres als irrig dargestellt. Sind Bestrafungen wegen Streikvergehen nicht in gröberem Maße zur Strafe gezogen, so aus dein einfachen Grunde, weil solche Vergehen nicht vorgekommen sind. Die massenhaften Streikausschreitungen existieren thalsächlich nur in der Phantasie der Personen, welche wünschen, daß sie vorhanden wären, um eine gegen die Arbeiter gerichtete Gesetzgebung zu rechtfertigen. Wie wenig Be- rechtigung das Geschrei von den vielen Ausschreitungen hat, zeigt die untenstehende Tabelle. Danach sind also im Jahre 1893 infolge Streikvergehen von den 69162 Streikenden nur 399 insgesamt mit 27 Jahren, 6 M o n a t e n u n d 4 T a g c n Gefängnis bestraft worden; außerdem wurde auf 16�/2 Woche Haft und 634 M. Geldstrafe erkannt. EL kommen auf 1999 Streikende also nur 4,9 Bestrafte. Es sind dabei allerdings die bei dcni Streik in T o r g e l o w wegen Landfriedensbruch bestraften 26 Personen nicht mitgerechnet. Die Ausscheidung dieses Ausnahmefalles ist gerechtfertigt. Die Streiken- den waren durch den auch in der Schwurgerichtsverhandlnng in Stettin festgestellten Wortbruch der Fabrikanten aufs äußerste gereizt und gegen die Streikbrecher erbittert, welche es den Fabrikanten ermöglichten, das den Arbeitern gegebene Wort nngehindert brechen zu können. Es liegt uns fern, das Vorkommnis zu entschuldigen, aber man wird nicht umhin können, bei allen zu Gnustcn der Bestrasten sprechenden Verhältnissen ihnen niildernde Umstände zuzuerkennen. Selbst wenn wir aber diese Personen, welche für ihren Fehltritt furchtbare Strafen zu verbüßen haben, unserer Aufstellung zuzählen, so kommen doch auf 1999 S t r e i k e n d e nur 5,4 B e st r a f t e, ein Prozentsatz, der an und für sich, besonders aber mit Rücksicht auf das nach zcder Richtung hin verschärfte Vorgehen der Behörden und Gerichte, als äußerst niedrig bezeichnet werden muß. Die Bestrafungen Ivegen groben Unfugs und der Uebertretung von Polizeivorschriften können hier nicht mit ein- gerechnet werden. Es handelt sich hier um eine rechtlich nicht an- zucrkettiiende willkürliche Anwendung des Z 369 Nr. 11 des Straf- gesetzbuches. Die Streikenden werden(wie z. B. wegen des Streikposten- stehens, ohne sich einer Belästigung von Streikbrechern oder anderer l e w e rb e Bäcker..... Bauarbeiter.,. Bildhauer... Brauer.... Dachdecker... Former.... Glasarbeiter.. Handschuhmacher. Holzarbcitcr(Vcrb.) Maler..... Maurer.... Metallarbeiter.. Porzcllanarbciter. Schneider... Schuhmacher.. Steinarbciter.. Steinsetzer... Tavakarbeiter.. Textilarbeiter.. Töpfer u. Ziegler. Zimmerer... Es wurden bestraft Personen auf Grund Q V 53 56 s® Q � 25 *5 wegen K 49 26 55 3 22 S•§ s> 5 17 K 1 24 6 17 44 34 13 es Aus dieser Aufstellung ergicbt sich, daß schwere Ausschreitungen nur in geringem Maße zu verzeichnen waren. Es kommt dies ja auch in der Höhe der Gesamtstrafe zum Ausdruck. Die Richter sind vielfach unter dem Höchststrafmaß geblieben und haben an Stelle der Gefängnisstrafe Haft und Geldstrafen gesetzt. Nach den im •) Ferner 26 Personen wegen LaudfriedcusbrnchL(Torgelow). 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 II 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 iewcrbe Bäcker........ Bauarbeiter.... Bildhauer..... Brauer........ Dachdecker...... Former........ Glasarbeiter.... Handjchuhniacher Holzarbtr.(Verb.) Maler......... Maurer....... Metallarbeiter Porzellanarbeitcr Schneider...... Schuhmacher... Steinarbciter.,. Steinsetzer...... Tabakarbeiter... Textilarbeiter... Töpfer u. Zicglcr Zimmerer...... Summa... 1 16 26 19 5 18 5 10 90 10 248 69 8 5 24 24 3 20 14 10 43 jQ£?• s C 00 1105 3728 290 673 315 294 392 828 6779 1175 19569 2746 393 850 2218 3244 60 446 3315 302 4150 66852872 Es wurden auf Grund des§ 153 der G.-O. oder 88 des St.-G.-B. wegen Streikvergehen bestraft iör! 100,0 81, h 4,0 21,0 40,0 11,1 60,0, 10,0 10,0 10,0 12,5 7,2 12,5 20,0 21,0 4.2 33,3 10,0 21,4 20,0 41,9 16,0; Zahl der Summe der Desäugntp- strafen 15 78 3 ß 7 Ä 9 a 16 11 78, *9: i! 3 Iii 3; 1 2 51 3 44 f Ir 24 49 8 1 2 1 5 2 12 120 II 1 9 |243i300iS330— 4,168,684— 116 51 134 89 1,35 2,09 1,03 0,88 1,90 50v,68 2,29 8�>171 500,36 — 0,24 — 0,08 — 0,39 — 0,33 — 0,25 — 0,35 200,49 — 0,09 — 1,66 500,44 0,15 0,99 1,06 Es erfolgten ferner Bestraftingeii wegen (Sroben Unfug» Zahl der A. llebertretu»» von spolUel» vorfchrlftcu er. Zahl der 5 12 391 1 87: 15s/7 81/' 4 I ill 56,11 267 353 861 90 166 100 264 16 19i 191 18« 190 128 60 Gesammtzahl aller Streiks im Jahre 1898: iJn 44®CtDCt6eil|985|60162|l07| 10,8||243j300|[330|—| 4?1 _ 138 1331234�527?! 2177!Ml68-!l3tz702 • Ferner ivurdeu bestraft wegen LandfriedensbruchS bei demSlrelk tu Torgelow 5 Pars, mir 8 Lahre» Zuchthaus und 21 Personen mit u Zadrea« Mo», wefangntß. Jahre 1898 von deutschen Gerichtshöfen gegen Streikende gefällten Urteilen haben wir aber nicht die geringste Veranlassung, dieses Er- gebnis auf Konto der Milde der Richter zu setzen, sondern es steht fest, daß die Mehrzahl der zur Strafe gezogenen Vergehen nicht schwerer Natur war und nicht gut mit einer höheren Strafe belegt wetSÄr konnte, als geschehen. Womit läßt sieb nach allen diesen Thatsachen das Zuchthaus- gesctz begründen? Mit einem Hinweis auf Vorkommnisse in früheren Jahren unter keinen Umständen. Stellen wir die Zahlen der Streik- statistik und die der Kriminalstatistik von 1892 bis 1897 gegenüber und nehmen das Ergebnis der Statistik für 1898 hinzu, so kommen, wie sich aus der nachstehenden Aufstellung ergiebt, während des ganzen Zeitraumes auf 1000 Streikende nur 3,7 Bestrafte. ML ÄS«Slf" 1892 73 3 022 74 24,5 1893 116 9 358 38 4,1 1894 131 7 329 47 6,4 1895 204 14 032 93 6,6 1896 483 128 808 252 2,0 1897 578 63119 249 4,0 1898_ 985 60 162 300 4,9 Sa.: 2570 285 828 1053 3,7 Es sei nochmals ausdrücklich bemerkt, daß seitens der General- tommission mangels ausreichender Berichterstattung, besonders in den ersten Jahren, nicht alle Streiks gezählt werden konnten. Das Ver- hältnis der Zahl der Streikenden zur Zahl der Bestraften ist that- sächlich für die Arbeiter bei weitem günstiger, als es sich nach dieser Aufstellung ergiebt. Aber auch die vorstehenden Zahlen sprechen eminent zu Gunsten der streikenden Arbeiter, wenn man dle That- fache in Berücksichtigung zieht, daß nach der Kriminalstatistik im Deutschen Reich auf 1000 strafmündig e*P e r s o n e n 10,8 B e- strafte, also fast die dreifache Zahl der von 1000 Streikenden wegen Streikvergehcn bestraften Personen kommen. Für 1897 weist die Krinnnalstatlftik gar 12,48 Be st raste pro 1000 Personen der strafmündigen Bevölkerung auf. Nun berücksichtige man die Erregung, die bei einem Streik herrscht und die auch von den Freunden des ZuchthauS-Gesetzcs als vorhanden zugegeben wird. Man berücksichtige, daß die Arbeiter, welche sich als Streikbrecher benutzen lassen/ den Streikenden nicht nur eine Niederlage im Kampfe bereiten helfen, sondern die oft in ihren Arbeitsstellen alt und grau gewordenen Arbeiter aus diesen verdrängen, dann kann man vollständig begreifen, daß die Streik- brecher seitens der Streikenden eine freundliche Behandlung nich: erfahren können. Trotzdem aber stellt sich die Zahl der Aus- schrcitungen gegen die Streikbrecher so überaus gering, bei weitem geringer, als die Zahl der allgemeinen Bestrafungen strnfmündiger Personen in Deutschland. Damit ist den Streikenden ein Zeugnis für ihr musterhaftes Verhalten ausgestellt, das durch verleumderische Verdächtigungen nicht beseitigt iverden kann. Will man trotzdem und alledeni eine Gesetzgebung schaffen, die sich gegen streikende Arbeiter richtet, so möge man wenigstens offen sagen, daß diese Gesetzgebung dazu dienen soll, die Arbeiter zu hindern, durch Vorcnthaltung ihrer Arbeitskraft bessere Arbeits- bedingungen zu' erreichen und eine Verschlechterung derselben ab- zuWehren. So möge man offen sagen, daß diese Gesetzgebung den: durch das deutsche Unternehmertum repräsentierten Klasseninteresse dienen soll. Das wäre offen und ehrlich gehandelt und würde den Kampf ums Recht wesentlich erleichtern und vereinfachen. Man verschone aber das deutsche Volk damit, mit heuchlerischeni Augenaufschlag von den Missethaten der Streikenden zu sprechen und aus Mitgefühl für die des Schutzes e n t- bohrenden Streikbrecher eine Gesetzgebung zu fordern und zu empfehlen, die den: in nacktester Form auftretenden Unternehmer- interesse dienen und die Arbeiter daran hindern soll, der rücksichts- losesten Ausbeutung Widerstand entgegensetzen zu können. Nus dev Isrsuenbetvegung. Au die Parteigciiossinncn erläßt die Redaktion der„Gleich- heit" in Gemeinschaft mit der Genossin Wengels-Berlin einen Auf- ruf zum Parteitage. Es heißt darin: „Wie gelegentlich früherer socialdemokratischer Kongresse erscheint es ratsam, daß auch im Anschluß an den Parteitag in Hannover Genossinnen und Genossen ihre Ansichten austauschen bezüglich der Agitation unter den proletarischen Frauen. Je rückständiger die Masse der Frauen noch ist, je geringere Bewegungsfreiheit ihnen Klasscnsklaverei und Geschlcchtsfklaverci lassen, kurz, je größer die Schwierigkeiten sind, welche sich ihrer Einbeziehung in'das. Heer der Befreiungskämpfer entgegenstellen, um so notwendiger ist es, daß man einheitlich und planvoll an das Werk der Aufklärung und Organisation des weiblichen Proletariats geht. An vielen Orten läßt diese Arbeit noch sehr zu wünschen übrig; in einzelnen ist an die Stelle früherer Energie eine gewisse Flauheit getreten. Ein Meinungsaustausch erscheint deshalb dringend geboten, und zwar ein Meinungsaustausch, an dem womöglich Genossinnen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands teilnehmen. Genossinnen, rüstet Euch also zum Parteitage. Laßt Euch angelegen sein, darauf hinzutvirken, daß auch an den Beratungen der Socialdemokratie in Hannover weibliche Delegierte teilnehmen. Bekanntlich hat der Parteitag zu Frankfurt a. M. den Ge- nosfinnen das Recht eingeräumt, in öffentlichen Frauenversainm- lungen eigene Delegierte zn wählen. Wir empfehlen Euch, von diesem Rechte nur dort Gebrauch zn machen, wo Ihr infolge der reaktionären Fassung und Handhabung der Vereins- und Versamm- lungsgesetze den allgemeinen Partciversammlungcn fernbleiben müßt, oder dort, wo besondere lokale Ilmstände ein Vusammenaehen mit den Genossen bei den Delegiertcnivahlen'I absolut unmöglich mache». Wir sind überzeugt, daß die Genossen nicht aus kleinlichen Erwägungen die Genosstnnen betreffs der Wahl einer Delegiertin auf die besonderen Frauenversammlungen verweisen. Wo keine zwingenden Gründe für solche Versammlungen vorliegen, ist es jedenfalls vorzuziehen, die Wahl von Genossinnen— als gleichberechtigter Kämpferinnen unter Kämpfern— in den allgemeinen Partciversamnilungcn in Vorschlag zu bringen. Besondere Frauen- Versammlungen zum Zwecke der Stellungnahme zn dem Parteitag sollten nur nach vorausgegangener Verständigung mit den Genossen einberufen lvcrden. Wenn wir die Wahl der weibliche» Delegierten durch Genosstnnen und Genossen zusammen auch nachdrücklich be- fllrworten, so empfehlen lvir doch den Genossinnen dort,>vo die gemeinsame Wahl undurchführbar ist, für die Entsendung einer Delcgiertin durch eine Frauenvcrsammlung einzutreten. Genossinnen, ans Werk l Sorgt für rege Beteiligung der geschulten Proletarierinnen an den Versammlungen, die Stellung zu den hochbedeutsamen Fragen nehmen, welche den Parteitag be- schäftigen. Sorgt dafür, daß in den Versaminlungen die Interessen des weiblichen Proletariats die ihnen zukommende Beachtung finden, daß Eure Wünsche gehört. Eure Anregungen geprüft werden. Sorgt dafür, daß die anwesenden weiblichen Delegierten auf dem Partei- tage und ihre ernste, verständnisvolle Mitarbeit Zeugnis davon ab- legen, daß Ihr nicht als großmütig geduldete, sondern als nnt Recht geschätzte Mitkämpferinnen in Reih' und Glied der Social- demokratie steht, daß Ihr gleichberechtigte und gleichwertige Partei- gänger seid."_ Tic Hauöfraucn in der Dieustboten-Bewegung. Der Unterstützungsverein der Dienerschaft Deutschlands hatte zu Dienstag nach den A u g u st a V i k t o r i a- S ä l e n in der Lutherstratze eine Versammlung einberufen, zu der Berliner Hausfrauen, vor allem der Hausfrauen- Verein von Frau Lina Morgenstern, persönlich eingeladen worden waren. In der Furcht, der friedfertige, die Harmonie zwischen Herrschaften und Dienstboten zum Ausdruck bringende Charakter der Versammlung könnte durch»wüste Agitation" ge- stört werden, hielt der Verein die Pforten des Saales sorgfältig bewacht, und gestattete nun den glücklichen Be sitzern von Einlaßkarten den Zutritt. Die Versammlung bestand etlva zu zwei Dritteln aus Dienstmädchen und zu einem Drittel aus Hausfrauen. Die Referenten des Abends— Herr Schröder, der Vorsitzende des Vereins, Fräulein Schlesinger, die Mit- herausgeberin des Vereinsorgans, und zwei Dienstmädchen, deren Namen im Getümmel unverständlich blieben— schlugen die sanftesten Töne an; galt es doch, die Herrschaften zur Unterstützung der Be wegung zu gewinnen. Herr Schröder verwahrte den Verein aufs entschiedenste dagegen, s o ei a l d e m o k r a tis ch zu sein, und be kräftigte seine Verstcherung dadurch, daß er erklärte, die Social- demokratie habe seit vierzig Jahren nichts für die Dienstboten gethan. Er hütete sich bor der Erwähnung irgend welcher krasser Fälle aus dem Leben der Dienstboten. Aber schon bei dem Worte „Hängeboden" erhob sich unter den vorn in Reih und Glied fitzenden Hausfrauen ein Entrüstungsgemurmel, das zu heftigem Geschrei lvurde, als er von der geringen fteien Zeit der Dienstboten und davon sprach, daß sie zur Gesellschafts�eit bis in die tiefe Nacht arbeiten und früh am Morgen ivieder ber der Arbeit sein müßten. „Das kommt gar nicht vor!" tönte es aus den Reihen der Haus- frauen. Erregt gestikulierend erhoben sich viele von ihren Sitzen, so daß der Redner sich kaum Gehör verschaffen konnte. Der vor den Herrschaften katzbuckelnde, jede radikale Gesinnung innerhalb und außerhalb seines Vereins ivütend verfolgende Herr Schröder war für diese Damen ein wilder Revolutionär. Schon während seiner Ausführungen verließen einige Hausfrauen unter dem Beifalls geklatsch der Dienstmädchen den Saal. Die nächste Rednerin, Fräulein Schlesinger, goß Oel auf die Wogen. Sie sprach von Frieden und Harmonie, von den Fehlet» der Dienstboten und den guten Herrschaften, und suchte ihnen den Verein dadurch stimpathisch zu machen, daß sie von dem neu ein- gerichteten Stellungsnachweis sprach, durch den die Herr- schaften sicher sein könnten, nur gutes Personal zu bekommen. In zwischen war unter den Anwesenden ein Eirkular verteilt worden, das sowohl die„Diener-Lehranstalt" des Herrn Schröder als den Stellungsnachweis empfiehlt und den charakteristischen Satz enthält:»In unseren Verein werden nur solche vollkommen gesund, gute Treue, Fleiß und Nüchternheit ist für die Herrschaften gewiß die Dienstboten von dem Verein, die Abschaffung der Dienstbücher fordert, dieser Dienstbücher als Mitglieder zugelassen Leute aufgenommen, welche Zeugnisse über Ehrlichkeit, aufweisen können." Das sehr angenehm, daß aber der bekanntlich auch je nach dem Inhalt werden oder nicht, ist mindestens eigentümlich. Aber alles münd liche oder schriftliche Liebeswerben sollte umsonst bleiben. Auch als die Fräulein Schlesinger ablösende Rednerin, ein Dienstmädchen, betoute, daß der Vorstand ihres Vereins sie stets zu treuer Pflicht- erfüllung ermahnte, wich das Mißtrauen der Hausfrauen nicht. Jede noch so leise Kritik der Behandlung der Dienstboten seitens der Herrschaften begleiteten sie mit steigender Unruhe, die bei der Rede der letzten Referentin, auch eines Dienstmädchens, zu einem derartig wüsten Geschrei ausartete, wie wir es bisher noch nicht erlebten Die Redncrin hatte, getreu der ausgegebenen Parole, durchaus ruhig gesprochen, die Fälle von fchlechter Behandlung, die sie anführte, gehörten zu den mildesten, trotzdem kam es zu förmlichen Wutausbrüchen seitens der„Damen der besten Gesellschaft". Der überwachende Schutzmann machte bereits ein be- dcnkliches Gesicht; der Vorsitzende schrie aus Leibeskräften und er- mahnte die Damen, sich doch anständig zu benehmen. Nichts half; das Geschrei wuchs bis zum Kreischen. Schließlich entschloß sich der Vorsitzende, die Versammlung auf fünf Minuten zu vertagen. Während dessen verließen viele Hausfrauen mit zorngeröteten Ge- sichtern den Saal. Nach der Wiedereröffnung meldeten sich einige der Damen zum Wort. Eine Frau Dr. L u b l i n s k y erklärte mit vor Aufregung zitternder Stimme, daß die Forderungen der Dienstmädchen übertrieben seien, und berichtete mit erstaunlicher Naivetät, wie ihr eigenes Dienstmädchen über- lastet sei und sie trotzdem schon die dritte Schwester aus der- selben Familie— natürlich von: Lande— habe. Lautes Gelächter scholl ihr entgegen, als sie mit der Miene gekränkter Unschuld sagte: „Was wollen Sie denn von uns, wir können Ihnen doch nicht helfen." Um eine Schattierung milder sprach sich Frau A n d r ö e aus, obwohl auch sie die Forderungen der Dienenden für zu hoch geschraubte hielt. Nach ihr bestieg Frau Lina Morgen st ern die Bühne. Nachdem sie die Beivegung, solveit sie in ruhigen Bahnen sich bewegt, ihrer Sympathie versickert hatte, hielt sie die be- kannte Rede auf ihre eigenen Verdienste: Schon im Jahre 1875, so erzählte sie, hat der Verein um Abänderimg der Gesinde- Ordnung petitioniert, dann pries sie ihre Gründung eines Prämienfonds von im ganzen ca. 3000 M. zur Belohnung braver Dienstboten, ihre Kochschule und ihren Stellungsnachweis, und aus dem Pathos ihrer Sprache konnte ein jeder entnehmen, der es ctiva noch nicht wissen sollte, daß trau Lina Morgenstern die Dicnstbotenfrage schon längst gelöst hat. ie verschwieg wohlweislich, daß sie seit dem Jahre 1875 den allgemeinen Marsch nach rückwärts mit den liberalen Parteien mit- gemacht hat und zlvar so Iveit, daß sie inzlvischen um eine Ver- fchärfung der Dieustboteuordnuug vorstellig wurde. Eine Köchin, die nach ihr sprach, blieb so gut wie unverständlich. Einige skandalöse Geschichtcken, die sie aus ihrer Dienstzeit bei den: Rechtsanwalt Fritz Friedniann zum besten gab, trieben wieder eine Anzahl sittlich entrüsteter Damen hinaus. Einige kehrten, von Neugierde getrieben, nochmals zu ihren: Platz zurück, als Genossin Lilh Braun die Tribüne betrat. Sie benutzte die Gelegenheit, wie sie sich noch nie so handgreiflich darge...: hatte, um die Dienstinädchcn zu tragen, ob sie nach den Vorkommnissen dieses Abends noch an die Harmonie zwischen Herrschaften und Untergebenen glaubten? Ein lautes Nein scholl ihr darauf von allen Seiten entgegen und erstickte die Ent- rüstungsrufe der Damen. Sie widerlegte ferner die Ausführungen des Herrn Schröder über die vierzigjährige Unthätigkeit der Partei, und geißelte sowohl die Haltung der bürgerlichen Parteien gegen- über der Dienstbotenfrage, als die der Presse und der Hausfrauen gegenüber der so gemäßigten und friedlichen Bewegung.„Nicht durch das Liebeswerben der Socialdemokratie," so sagte sie,„würden die Dienstboten zu ihr getrieben, die bürgerliche Gesellschaft selbst züchte.sie zu � Socialdenwkraten." Der lebhafte Beifall bewies, daß die Dienstmädchen, die bis vor kurzen: solcher Behauptung entschieden zu ividcrsprechcn pflegten, in kurzer Zeit viel gelernt und viel erfahren haben. Mit kurzen Worten charakterisierte Genossin Braun noch das Verhallen der Frau Lina Morgenstern, und ermahnte die Dienstmädchen schließlich, sich durch die heutige Erfahrung nicht einschüchtern zu lassen, sondern einzusehen, daß von Harmonie zlviscken ihnen und den Herrschaften nie die Rede sein könne, und sie allein auf die eigene Kraft vertrauend, einen schweren Kampf zu kämpfen haben. Als Genossin Braun unter lebhaftem Beifall geschlossen hatte und sich zu ihrem Platz zurück begab, be- grüßten sie unier zustimmenden Zurufen viele Dienstmädchen, während die fß.fein erzogenen",„gebildeten" Damen sich's nicht versagen konnten, hinter ihr her zu schimpfen. Nach einigen nichtssagen- den Worten, mit denen Frau Morgenstern sich zu verteidigen suchte, und einer kurzen Auseinandersetzung zwischen Frau Lublinsky und Genossin Braun, hielt der alte Rektor B u ch h o l z es noch für nötig, Frieden zu predigen. Seine Witze wurden zwar wie früher belacht, aber seine Mahnungen und Versöhungsgedanken fanden nicht mehr so gläubige Zuhörer. Die Dienstboten-Bewegung hat einen tüchtigen Schritt vorwärts gethan, und wir wünschen ihr noch recht viele Hausfrauen-Versaminlungen, dann werden die armen, bisher blinden und tauben Dienstmädchen erstaunlich hellsehend und feinhörig werden. Zur Lokalltste. Die Parteigenoffen in Berlin und der Um- gebung wollen Notiz davon nehmen, daß uns das Lokal S a h m s Hotel'am Kranichsberg in Woltersdorfer Schleuse nicht mehr zur Verfügung steht. Man wolle also daS Lokal des Herrn Sahm auch bei Wmterpartien strengstens meiden. Die Lokalkommission. Das Berliner Schnlclcnd wird in den nächsten Wochen eine weitere Steigerung er- fahren. Zu Michaelis sollen wiederum keine eigenen Ge- meindeschul-Häuser fertig werden. Wo kommen da die Schulrekruten hin, die jedes neue Halbjahr den Gcmeindeschulen zuführt? Man.hilft" sich aus verschiedene Weise. Da wird zunächst jeder irgend noch verfügbare Raum in den vorhandenen Schul- Häusern als Klassenzimmer benutzt, da wird die Frequenz in den untersten Klassen der Maximalzahl 69 so nahe wie möglich gebracht, da werden Wohnhäuser gemietet und trotz ihrer den Forderungen der Schulgesundheitspflege manchmal geradezu hohnsprechenden Be- schaffenheit als Schulhäuser benutzt, da werden„fliegende" Klassen geschaffen, die von Klassenzimmer zu Klassenzimmer wandern und überall da unterkriechen, wo eine turnende, eine später anfangende oder früher schließende Klasse ein Zimmer für eine Stunde unbesetzt läßt. Die„Volks- Zeitung" weist darauf hin, daß am 1. Oktober 520—530 Klassen, d. h. 29 Schulen fehlen werden, und das dürfte ungefähr zutreffen. Danach kann man sich ein Bild davon machen, wie lange noch mit dem trefflichen Mittel der Mietsschulen und der„fliegenden" Klassen gewirtschaftet werden muß und wie es z. B. schon in dem kommenden Wintersemester in den Berliner Gemeindeschulen aus- sehen wird. Die„VolkS-Zeitung" knüpft an ihre Ausführungen die Frage, ob„sich nicht endlich ein Stadtverordneter finden wird, der so viel Interesse für unsere Gemeindeschulen besitzt, daß er mit dem Schulrat und dem Stadtbaurat einmal ein kräftiges Wort redet." Nun, dieses„kräftige" Wort ist in der Stadt- verordneten- Versammlung schon recht oft gesprochen worden. Die socialdem akratischen Stadtverordneten haben in den letzten 10 Jahren nicht zehnmal, neinj hundertmal auf diese Zustände hingewiesen. Sie sind nicht müde geworden, immer und immer wieder zn zeigen, wie sehr der Erfolg des Berliner Volksschulwesens von einer nachdrück- lichen Herabsetzung der Klassenfrequenz und der rechtzeitigen Beschaffung der notwendigen Schul- Häuser abhängt. Die Frage sollte so lauten: Wird sich nicht endlich einmal ein freisinniger Stadtverordneter finden, der Interesse genug für unsere Gemeindeschule besitzt, um mit Ent- s ch i e d e n h e i t auf Besserung unserer Schulzustände zu dringen? Aber die Antwort auf diese Frage ist leider ziemlich trostlos. Unter den sich freisinnig nennenden Stadtverordneten ist nur ein ganz geringer Teil b�eit, für eine Förderung des Ge- meindeschulwesens einzutreten, und auch die thun das mit einer solchen Lauheit, daß man ihnen sofort aniuerkt, wie wenig sie mit dem Herzen dabeisind. Die auf Besserung der Berliner Schulzustände abzielenden Forderungen der Arbeiter- Vertreter im Roten Hause wären ja längst verwirklicht, wenn sie nicht bei der Mehrheit des Freisinns auf den hartnäckigsten Wider- stand stießen. Deshalb hilft es auch nichts, das„kräftige Wort" mit dem S ch u I r a t und dem B a u r a t zu reden. Sind denn der Schulrat und der Baurat unumschränkte Alleinherrscher in der Gemeinde- Verwaltung? Hat sich nicht besonders Herr Bertram— lange bevor der neue Baurat kam und durch seine Langsamkeit die Schul- not noch steigerte— seit vielen Jahren und bis auf den heutigen Tag in dem Maß seiner Wünsche nur nach dem leider sehr geringen Maß des guten Willens gerichtet, das er bei der Mehrheit derStadtverordneten-VersammlungvorauSsetzen durfte? Nein, das„kräftige Wort" muß mit der freisinnigen Stadtverordneten-Mehrheit geredet werden, und vor- läufig nicht mehr in der Stadtverordneten-Versammlun.g, sondern jetzt zunächst bei den Wahlenl Die Wähler sind jetzt an der Reihe; an i h n e n ist eS jetzt, ihre Pflicht zu thun I Alle, die ihre Kinder in die Gemeindeschule schicken müssen— die gesainte Arbeiterbevölkerung, die kleinen Gewerbe- und Handeltreibenden, die gleichfalls schwer um ihren Erwerb ringen müssen, auch die zahlreichen niederen Beamten, die bei ihrem er- bärnckichen Gehalt eine oft recht elende Existenz führen— sie alle mögen dafür sorgen, daß die Vertreter des werkthätigen Volkes, die socialdem akratischen Stadtverordneten, in möglichst großer Zahl ihren Einzug in das Rote Haushalten. Um die Zukunft der Berliner Gcmeindeschule braucht dann niemandem bange zu fein. Die Krankcnkaffe„Hilfe", von der aus Anlaß der Unter- schlagungen des Subdireklors M. Urban in letzter Zeit viel die Rede war, hielt gestern abend im Restaurant Sedan-Panorama eine außer» ordentliche Generalversammlung ab zwecks Statutenänderung sowie un: den Kassenmitgliedern zu ihrer Beruhigung eine kurze Ueber- ficht über den Geschäftsgang und Vermögensstand der Kasse zu geben. Dabei wurden die Veruntreuungen Urbans eingehend erörtert. Bon dem Vorsitzenden H e n n i g wurde ausgeführt, daß bei einer im Juli vorgenommenen Revision der von Urban ver- walteten Zahlstelle ein größeres Deficit entdeckt und U. deshalb einstweilen vom Amte dispensiert sei. Da sich alsbald herausgestellt habe, daß U. bei seinen zerfahrenen Vermögeusverhältnisscn die ver- untreute Sumnie der Kasi'e nicht zurückerstatten könne, sei die Straf. Verfolgung eingeleitet worden. Zur Beruhigung der Mitglieder könne aber mitgeteilt werden, daß diese für die begangenen Ver- untreunngen nicht aufzukoinmen brauchten, da hier die Gründer der Kasse, die einen Betnebsfonds von 12 000 M. hinterlegt hätten, herangezogen würden, so daß der„Hilfe" pekuniärer Schaden durch U. nicht erwachse. Besorgnisse über eine Gefährdung des Fortbcstandes der Kasse seien unbegründet, tvenn auch nicht geleugnet werden könne, daß beträchtliche Außenstände vorhanden feien. Zur Zeit zähle die Kasse rund 31 600 Mitglieder, sie verfüge über einen Bar- bestand von 7200 M. und habe in der ersten Jahreshälfte 64 000 M. Krankengelder verausgabt.— Die Versammlung beschloß, einen be- soldeten'Kassenrcvisor anzustellen, die Mitgliederbeiträge um 20 pEt. zu erhöhen und dafür auch die_ Auszahlung von Sterbegeldern statutarisch festzulegen. Wenn diese Zahlen richtig sind, so ergeben sie, daß von einem günstigen Stand der Kaste kaum gesprochen werden kann. Zur Durchführung der elektrischen Beleuchtung in der Leipzigcrstraße, zwischen Friedrichstraße und Spittelmarkt sind die Masten bis zum Dönhoffsplatz aufgestellt. Die Masten erreichen eine Höhe von 12 Meter. Die Bogenlampen werden in einer Höhe von 8 Meter angebracht. Fernsprecher Berlin-PnriS. Im Reichs-Postamt haben mit französischen Delegierten, die sich im Auftrage des Ministers der Posten und Telegraphen in Paris hier eingefunden hatten, wegen der Herstellung von Fernsprechverbindungen zwischen Berlin und Paris Verhandlungen stattgefunden. Nach den Abmachungen sollen zunächst zwei Telephonverbindungen hergestellt werden und zwar eine Leitung von Frankfurt a. M. nach Paris und eine zweite, die die beiden Hauptstädte direkt verbinden soll. Die Einrichtungen sollen derart getroffen werden, daß auch die von Paris nach Frank- furt a. M. führende Leitung an letzterem Orte nnt einer der bereits bestehenden Fernsprcchleitungen Frankfurt-Berli» verbunden werden kann, wenn der Sprechverkehr zwischen Paris und Berlin größeren Umfang annehmen sollte. Jede der beiden Verwaltungen, ist ver- pflichtet, die Leitungen bis zur Landesgrenze auf eigene Kosten her- zustellen. Welche Verwirrnug die Dreyfuö-Affaire sogar auf der— Kochmaschine anrichten kann, zeigen verschiedene Neuerungen, die der Wirth eines Lokals in der Kommandantenstraße seinen geduldigen Gasten vorgesetzt hat. Da findet sich auf der Speisekarte seit einigen Tagen verzeichnet:„Filet a la D r e y fu s".„Dreyfus-Brötchen", „Schnttzcl a la 2 a b o r i". Für 1,25 M. erhält man eine„Dreyfus- Affäre", für denselben Preis wird ein„Rennes'er Reinfall" serviert. Eine Erklärung für diese seltsamen Speisen bietet folgender auf den Speisekarten enthaltener Vermerk: Mit Rücksicht auf das heldenhafte Auftreten des edlen Hauptmanns Dreyfus vor der ganzen Welt habe ich mich entschlossen, sämtliche bisher unter der Bezeichnung meines Lokals aufgeführten Speisen fortan mit dem Namen des obengenannten H e l d en Dreyfus zu benennen. Für die vorzüglichste Zubereitung der Speisen werde ich besorgt sein. Wir nehmen an, baff diese Versicherung zutrifft und daff die Schnitzel des Wirtes nicht ebenso ledern sind, wie seine aus Gc- schäftsspekulation unternomniene Dreyfus-Begeisterung. Auf den Hund gekommen. Was einem jungen Handlungs- g eh i Ifen heutigen Tages zuweilen zugemutet wird, zeigt ein An- gebot, das ein 2(Zjähriger Kaufmann kürzlich auf eine Bewerbung erhalten hat. Das Schreiben lautet: „Infolge Ihrer Offerte bin ich bereit, Sie bei einem Anfangs- geholt von 70 M. zu engagieren. Da Sie ja nur ein kleines Salair beanspruchen, so nehme ich an, daff es mit Ihren Kenntnissen nicht weit her ist und Sie sich bei mir weiter ausbilden könnten! Zu Ihren Obliegenheiten würde es gehören, daff sie den Kunden täglich die Waren per Handwagen zufahren mufften, was nicht besonders schwer, da Sie durch einen Hund hierbei kräftig unterstützt werden. Femer hätten Sie sich den Anordnungen meiner Buchhalterinnen zu unterordnen, genaue Portokasse zu führen usw. Ihrem gefl. Be- suche sehen wir entgegen und zeichnen achtungsvoll N. U. Lüne- burgcrslraffe." Daff Geschäftsinhaber derartige Zunmtungen sich erlauben dürfen, liegt wesentlich daran, daff ein sehr beträchtlicher Teil der Kaufleute es immer noch verschmäht, einer Organisation beizutreten. Die„gebildeten" Herren könnten in diesem Punkte von den Arbeitem noch manches lernen. Fremdenverkehr. Im Monat August logierten in Gasthöfen 65 894 Fremde, in Hotel garnis und Chambre garnies 4237 und in sonstigen Beherbuugsanstalten 11263 Fremde, insgesamt also 80 334 Fremde. Häffliche Verkehrsstörungen im Straffeubahn-Betriebe wurden vorgestern durch das unverständliche Verhalten der Direktion der Groffcn Berliner Strnffcnbahn am Molkenmarkt rcsp. in der Spandaucrstraffc herbeigesührl. In der Spandancrstraffe zlvischcn Molkenmnrkt und Königstraffe mufften bekanntlich'infolge der Ver- breiterung des Straffeuzugcs die Geleise verlegt Iverden, zu welchem Zwecke seitlich aitz den Bürgerstcigcn Schienen eingelassen wurden. Merkwürdigerweise wurden jedoch die Stromkabel bei den Geleisen schon gestem vormittag entfernt und infolge dessen konnte den Motorwagen keine Kraft zugeführt werden. Die Wagen muhten am Molkenmarkt und an der Äö'uigftraffe stehen bleiben, bis ein Sammler- Wagen nahte, ivclcher den betriebslos gewordenen Zug fortraugierte. In der Zwischenzeit sammelten sich a» den beiden erwähnten Stelle» förmliche Wagenburgen an, ein Schauspiel, welches fortgesetzt Menschenansammlungen hervorrief. Dieser seltsame Betrieb wurde bis in die Nacht beibehalten. Beschlagnahmte Tpielerlistcu. Beschlagnahmen von Listen der Spieler in ausivärtigen Lotterien haben in den letzten Tagen bei mehreren Losehändlern durch die Kriminalpolizei stattgefunden. Bei einem Cigarrcnhändler in der Roscnthalcr Vorstadt, wo erst vor etwa zwei Jahren bei einer Haussuchung eine Liste mit iveit über 4000 Namen von Spielern auswärtiger Lotterien beschlagnahmt tvurde, fiel der Kriminalpolizei jetzt wiederum eine Liste mit 3(XZ0 Namen nebst vielen Lotterielosen in die Hände. In einem Cigarren- und Losegeschäft am Spittelmarkt tvurde bei der Durchsuchung von den Kriminalbeamten eine Liste mit 1200 Spielern der Sächsischen, Hamburger und Mecklenburger Lotterie vorgefunden und bcschlag- »ahmt. Die Loskäufer werden denninchst vor den Kriminal- Wachtmeistern ihrer Polizeibezirke vernommen werden. Die Straf- festsetzungen werden sich auf 3—20 M. belaufen. Für die Weitcrsührnng der Pankotver elektrische» Strastcnbah» von Siemens u. Halske, die jetzt noch an der Ecke der Garten- und Elsasserstratze ihren Endpunkt erreicht, ist nun auch in der Prinz Friedrich Karl-(der früheren Stallstraffe) und in der Gcorgeiistraffe mit der Verlegung der Schienen begonnen worden. Sobald die Bahn zu ihrem definitiven Endpunkte in der Charlotten- straffe geleitet ist, wird eine wichtige Verbindung zwischen Pankow und der Friedrichstadt hergestellt sein. Von einer Mordthat, die auch für Berlin Interesse hat, wird folgendes gemeldet: Bei einem hiesigen hochgestellten Beamten stand im Juni d. F. die unverehelichte Rosa Riegcr ans Gaggeuau bei Rastatt in Dienst, tvelche eines Tages ihre Stellung aus unbekannten Gründen heimlich verlassen hatte und spurlos verschwand. Alle Recherchen nach ihrem Verbleib hatten keinen Erfolg. Jetzt ist das Mädchen durch Mörderband getötet worden. Nachdem es vor einiger Zeit seinem in der badischen Heimat wohnenden Bräutigam Stefan Bauer den Verlobungöring zurückgeschickt hatte mit der Begründung, einen andern heiraten'zu»vollen, wollte es � jetzt zu den Eltern zurückkehren. Der verabschiedete Bräutigam,»velcher der ungetreuen Maid den Tod gesch»voren hatte, bekam Kenntnis von dem bevorstehenden Eintreffen derselben und lauerte ihr auf dem Bahnhof auf. Das Wiedersehen zwischen beiden war kühl und auf den» Wege zur elterlichen Wohnung zog Bauer plötzlich ein Dolchmcsscr hervor und stach es dem Mädchen so heftig in die Brust, daff die BcdaucrnSivcrtc sofort tot zusannnen- brach. Der Mörder floh nach der grauenhasten That in den Wald und versuchte sich durch Messerstiche ebenfalls zu töten; er tvurde bald daraus durch Polizcimnnnschaftcn verhaftet und»vegen seiner zwar nicht lebensgefährlichen, aber immerhin docki erheblichen Ver- wundungen einstlveilcn einein Krankenhause zugeführt. Schwerer Nufall. Gestern vormittag 9Vs Uhr»varf der Maurer Bruno Schwäger in einem Umbau Schönhauser Allee 33/34 aus dem dritten Stockwerk ein Stück Asphalt heraus, welches dem Arbeiter Wilhelm Petzold auf den Kopf fiel und ihn erschlug. Die PartcitagS-Liste Nr. 2426 sie er) ist verloren gegangen. Der Finder»volle sie abgeben bei H. Raschle, Hochstr. 32d. Eine 1k jährige Arbeiterin ist gestern in der Druckerei von Ferd. Nshelm, Neue Grünstr. 32, dadurch schwer zu Schaden gc- kommen, daff sie mit dem rechten Fnffe in die Maschine geriet. Der Bedauernswerten wurden fünf Zehen abgequetscht. Heute, Donnerstag, wird der in der Urania stattfindenden Bor- fnhrung:„Der Sieg des Menschen über die Natur",»achimttags um 6 Uhr ein Experimenlal-Vortrag von Dr. P. Spies vorausgehen. Ans den vkachbnrorteu. Rixdorf. Den Mitgliedern des Socialdemokratischen Vereins „Vorivärts" zur Nachricht, daff Dienstagabend 8l/e Uhr eine Mit- aliederversaminluna im Apollo-Theater sPH. Thomas), Hermann- straffe 48/50 stattfindet, Tagesordnung: Vortrag des Genossen Max Schütte über Robcspierre. Gäste haben Zutritt. Neue Mit- gliedcr iverden aufgenommen. Der Vorstand. Die gut erhaltene Graburne, die, wie berichtet, vor kurzen» in den Kornerschen Kiesgruben zu Britz gefunden Ivurdc, ist jetzt von kundiger Hand im Beisein des Stadtrats Friedel-Bcrlin und mehrerer Rixdorfer Stadträte geöffnet worden. Sie enthielt die Brandrcste eines menschlichen Körpers nebst Ohrringen und anderen »vriblichen Schmuckgegcnständen aus Bronze,»vie sie um die Zeit der Völkerlvanderung den Toten mitgegeben Ivurden. Aufferdem barg die Urne eine Perle und mehrere Zahnwurzeln. Auf dem Gelände der Körnerschen Kiesgruben in Rixdorf ist noch ein anderer »vertvoller Fund gemacht worden. Es ist das Skelett eines Mannes von kleiner Statur, aber auffallend großem Schädel. Daneben lag ein Bronzering. Beide Funde sollen dem Märkischen Provinzial- Museum überiviesen»verde»». In Tegel Ivill die Groffe Berliner Straffenbahn ein besonderes Depot einrichten, sobald der elektrische Betrieb auf der Tegeler Linie eingeführt sein»vird. Ein bedenkliches Poftknriosm», das im Reiche des Herrn v. Podbielski wohl nicht seinesgleichen hat, ist aus Groff-Lichter- f e I d e zu melden. Dort ist ein Postbriefkasten acht Tage überhaupt nicht geleert»vorden. Die Einzelheiten dieses merkwürdigen Falles, der von den in postalischer Hinsicht ohnehin nichts weniger als ver- wöhirten Belvohnern des genannten Villenortes lebhaft besprochen »vird, sind interessant genug, um hier erwähnt zu»verde». Herr- Paul Roth zu Groff-Lichterfclde, Bahnhofftraffe 34, hatte sich»vegen Nichtbestellung verschiedener Briefschaften beschiverdeführend an das dortige kaiserliche Postamt I sAnhalter Bahn) gclvendet. Darauf ist ihm setzt vom Postamt ein Bescheid aelvordcn, der im wesentlichen »vie folgt lautet:„Eine aus Anlast Ihrer Beschwerde sofort vor- genommene Prüfung des Briefkastens Bahirhofstr. 12/13 hat leider ergebei», daff derselbe durch einen aus Anlah der Erkrankung eines Unterbeamten neu eingestellten Aushelfer in der Zeit vom 21. August früh bis 23. August vormittags überhaupt nicht geleert »vorden ist." In einem schrecklichen Zustand ist gestern im Grunewald bei S ch i l d h o r n ein Mann aufgefunden»vorden. Durch Hunde- gebell ivurden Spaziergänger nach einer Grube gelockt, in der ein Mann lag, der förmlich in seinem Blute schwamm. Er»vurde hervor- geholt und gab»och schlvache Lebenszeichen von sich; er sagte, er sei überfallen und entsetzlich zugerichtet»vorden. Der Unglückliche war nämlich in einer hier nicht»viederzugebenden Weise»»»menschlich ver- stünimelt. Seme Behauptung, daff andere ihn» die Wunden bei- gebracht, hielt er aufrecht, obwohl»»an ihm vorhielt, daff er selbst »vohl der Urheber seiner entsetzlichen Verletzungen geivesen. Ter Schwerkranke»vurde auf Veranlassung des diensthäbendei» Gendarmen nach Berlin in ein Krankenhans geschafft. Tie Eröffnungsfeier des Uckermärkischen Museums zu Prcnzlau hat dieser Tage stattgesiinden. KreiL- Bau-Jnspektor Lehlngrllbuer hielt bei dieser Gelegenheit einen Vortrag über die Bau- und Kunstdenkinäler der Uckermark. GevMzks-Beif uttfl» Erbschaftsgcschichtcn mit romantischem Beigeschmack lagen der Anklage»vegen Betruges und Urkundenfälschuirg zu Grunde, die den Frnhri». Rudolf v. Grabow gestern vor die dritte Fcrien-Straf- kainmer des Landgerichts führen. Der Vater des Angeklagten hatte »»»it seiiier Gattin ein»vechselseitiges Testament gemacht, wonach der Angeklagte gleichzeitig mit cinein Sohne der aus Amerika stammende»» Mutter zmn Erben eingesetzt»vurde. Da dieser Stiefbruder des Angeklagten sich in hervorragender Vermögenslage be- findet,»vurde festgesetzt, daff er nur die Hälfte der Silber- fachen als Mnttcrtcil erhalten sollte. Als die Mutter gestorben»vor, hat nachträglich in Gcmäffheit eii»er vorhandenen Testamentsklausel der iuzlvischen auch verstorbene Vater ein Testaiucnt geinacht. In diesem»vurde festgesetzt, daff, da der Angeklagte, entgegen dem ausdrücklichen Verbot des Vaters, eine bestimmte Daine geheiratet habe, seine Einsetzung zrim Erben aufgehoben und er n»if die Hälfte seines Pflichtteils, d. h. auf 15 000 Mark beschränkt »verde. Zu seiner Erbin eniannte der Vater die Schivestcr der verstorbenen Frau, Mist Sarah Wood in Anierika, mit der Maffgabe, daff,»venu die Ehe des Angeklagten rechtsgültig geschieden, oder durch Tod aufgehoben»verde»» sollte, die Tante zu Gunsten des Neffen über den Nachlaff verfügen solle. Um diese Bedingung zu erfüllen und den Angeklagten in den Besitz des Nachlasses zu bringen, hat die Ehefrau des Angcklagrcn eine Komödie aufgeführt, zu der,»vie die Anklagebehörde annehmen zu dürfen glaubte, der Ehemann thatkräftigcn Beistand geleistet haben sollte. Die Anklage behauptet nämlich, daff der Angeklagte in» Soinmer vorigeu Jahres in Lübbe»» mit seiner Gattin verabredet habe, diese solle dort plötzlich verschwinden, es solle ausposattnt»verde»», daff sie beim Baden ertrunken sei, es soll auch die Absicht bestanden habe»», die Schlveslcr der Frau zu bestimme»», eine der vielen dort anschlvemmendcn Wasserleichen als die Leiche der Schtvester zu recog- noszicren. Im August vor. Js. hat sich das Ehepaar nach Lübben begeben. An» 7. September in der zehnten Abendstunde hat dort der Angeklagte mit seiner Frau und noch zivci Männern ein Boot bestiegen und eine Kahnfahrt gemacht. Unterivegs kam die Frau auf den seltsamen Gedmiken, trotz der vorgerückten Abendstunde noch in der Spree zu baden, sie stieg ans und der Angeklagte fuhr mit seinen Begleitern weiter. Nach einiger Zeit kan» er zurück und da»var die Frau verschwunden; ihre Kleider lagen au» Ufer, von ihr selbst aber »var keine Spur zu entdecken. Mau durchsuchte das Wasser bis zim» frühe» Morgen, ohne Erfolg zu erzielen. Es lag auf der Hand: die Frau»»nffte ertrunken sein; dieser Uebcrzeugung gab auch der Angeklagte Nilsdruck, der auf die Auffindung der Leiche eine Belohn iiiig von 100 Mark aussetzte. Die Leiche»vurde aber nicht gefunden und dies kan» daher,»veil die Frau überhaupt nicht ertrunken»var, sondern gesund und munter i» Berlin lebte. Sie»var mit doppelten Kleidern auf das Wasser hinausgefahren, hatte, als sie ihrer angeblichen Li»st zum Baden nachgab, die eine Garnitur von Kleidern am Ufer nieder- gelegt und sich sofort nach Berlin begeben und in der Oranieu- straffe von einer Frau Dieinicyer ein Zinnner abgemietet. Sie halte sich dort zmiächst als ein Fräulein Engelle ausgegeben und ihren Gatten, der sie bald darauf hier in Berlin besuchte, zunächst als ihren Collsin vorgestellt. Das Märchen erhielt sie aber nicht lange aufrecht, sondern erzählte bald der Wirtin, daff der angebliche Cousin ihr Ehcmani» sei und machte eingehende Mitteilung von der ausgesührten Komödie. Sie soll dabei auch geäußert haben, daff in» Falle des Scheiterns des Planes die Absicht bestanden habe, sich pro forma bis auf weiteres scheiden zu lassen, daniit der Angeklagte ans diese Weise in den Besitz der Erbschaft gelangte.' Die Wirtin»vill aics diesen Erzählungen den Eindnick gewonnen haben, daff der Ehemann diese Komödie niit seiner— jetzt übrigens nicht auffindbaren— Ehefrau vollständig verabredet hatte. Von dieser Annahme ging auch die Anklagebchörde bei der Konstruktion des Betruges aus. An» 8. September telegraphierte der Angeklagte an den hier»vohnendc» Kaufniann Majuuke, mit dem er einige Gcldgeschüste geniacht hatte: „Großes Unglück geschehen, sofort herüber kommen!" Als M. das Telegramm zunächst unbeachtet ließ, erschien an» nächsten Tage der Angeklagte bei ihn» in Berlin und erzählte ihm, daff seine Frau beim Baden ertrunken sei. Majuuke behauptet, der Angcklagte habe eine groffe Aufregung zur Schau getragen und seine durch den Todessoll verursachte traurige Lage so gc- schildert, daß er dein Angeklagten aus diesem Grunde Geldopfcr in Höhe von etwa 130 M.' gebracht habe. Der Angeklagte bestritt »nit Entschiedenheit, daff dies reine Darlchnsgeschäft mit dem Todes- fall irgend etwas zu thim gehabt habe. Im übrigen habe er sich der von seiner Frau ausgeführten Todeskomödie vollständig fern- gehalten und thatsächlich'geglaubt, daff sie ertrunken sei. Als cr sie einige Tage später lebend in Berlin vorgcsicnden, habe er gegen die Gerüchte von den» Unglücksfall leinen Widerspruch mehr erhoben,»veil es ihn genierte, seine Familienangelegenhcite»» zun» Mittelpunkte des Geredes zu»nachen.— Was die Urkundenfälschung betrifft, so handelte es sich dabei gleichfalls um eine Koinödie,»velche der Tante in Amerika vorgespielt werden sollte. Diese hatte dem Angeklagten von den ihm zukommenden 15 000 Mark bisher erst 8000 Mark ausgezahlt. Um ihr n,»»» zu zeigen, in»velche Schlvierigkeiten der Angeklagte hinein gerate, »vurde folgender Trick ansgesührt: Es»vurde ein Wechsel über 700 M. angefertigt, der die Unterschrift einer Frau trug und voin An- geklagten acceptiert Ivlirde. Von dritter Seite»vnrde da»»»» der Tante nahe gelegt, daß sie gut thate, diese» Wechsel einzulösen, denn es habe sich herausgestellt, daff er g e f ä l s ch t sei, und der Angeklagte seine Diskontierung n»>r mit Hilfe falscher Vorspiege- luu'gen über seine Vermögenslage erzielt habe. Wenn die Tante das Geld nicht bis zu einem bestimmten Termine schickte, »vürde der Neffe umveigerlich verhaftet»verden. Dieses Mittel, auf die Taute einen Druck auszuüben, hatte der Gerichtshof vom Gesichtspinlkte der Urkundenfälschung aus zu prüfen, und die Prüfung fiel zu Gunsten des Angeklagten aus. Er lieferte den Nachtveis, daff die Dame, deren Name als Ausstellerin auf den Komödie- Wechsel gestellt worden war, ihm gestattet hatte, ihren Namen zu gebrauchen,»venn es sich darum handelte, der Tante auf irgend eine Weise die Pflicht nahe zu legen, den Angeklagten aus seiner Notlage zu befreien. Aufferdem war vor dem Wechsel von Anfang an nicht unter der Behauptung, daff es ein echter sei, Ge- brauch gemacht»vorden. Auch im übrigen fiel die Belveisaufnahme nicht zu Ungunsten des Angeklagten aus, namentlich gab Herr Majunke zu, daß er ihin auch ohne die Mitteilung von dem Ertrinkcu seiner Ehefrau Geld gegeben haben»vürde.— Der Staatsanlvalt beantragte in Ucbereinstimmnng mit dem Ver- theidiger Ncchtsai»>valt Dr. Z ei dl er die Freisprechung, da die Urkundenfälschung»vegfalle und im übrigen die Behauptung des Angeklagten, daß seine Ehefrau ohi»e sein Wissen gehandelt, nicht zu»viederlegen sei. Der Gerichtshof schloff sich diesen Ausführungen an, sprach den Angeklagten srei und ordnete dessen sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft, die seit dem 18. Mai »vährte, an. Vevtnifltzkes. Arktische Expeditione»». Aus Kopenhagen wird vom Mittivoch berichtet: Die Amdrupsche Grönlands-Ex- p e d i t i o n ist in der letzten Nacht hier eingetroffen. Dieselbe hat die Küsten von Ost-Grönland, von Angmalsik auf 65 Grad 50 Min. bis 67 Grad 22 Min. uördl. Br. untersucht und kartographische Aufnahmen der Küsten bis Kangerdlugsnak angefertigt. Es wurden Proviantdepots errichtet für die nächste Amdrupsche Expedition,»velche die Küsten von Scoresbysund auf 40 Grad südlvärts bis zu den» jetzt erreichten Punkt auf 67 Grad 22 Min. ui»tersuchcn»vill. Amdrup fand auf dem 67. Grad einen Wohnplatz eines ausgestorbenen Eskimostammes und»»ahn» Gerippe solvie eine Sammlung ethno- graphischer Gegenstände mit. Die Expedition stellte zahlreiche Beobachtungen über die Eisverhältnisse, das Nordlicht und den Wasser- stand an, sowie Beobachtungen meteorologischer und magnetischer Natur. Ferner»vird aus Malmö genieldet: Die NathorstscheExpedition. welche Dienstagnachmittag an Bord des Dampfers„Antarctic" hier eingelaufen ist, hat die Franz Joscf-Bncht an der Ostküste Grönlands durchforscht, und dort eine Reihe»euer Meerbusen entdeckt,»velche aufgenominen Ivurden. Zu der Kcssclexplosio» auf den» Kreuzer„Wacht", über die»vir bereits gestern berichtet haben, wird aus Kiel»veiter ge- »neldet: Das Linienschiff„Bayern" schleppte Dienstag früh den havarierten, manövrierunfähig geivordcnen Kreuzer„Wacht" ein. Dieser flaggte Halbstocks und brachte die vier Toten mit, deren Namen bereits gemeldet wurden. Ferner befanden sich an Bord zehn Ver- wundete. Letztere wurden ins Marinelazarett befördert. Das Unglück erfolgte durch Platze» der Feuerbuchse. Die Wirkung des ausströmenden heißen Dampfes»var entsetzlich. Das Schiff hat auffer der Kesselhavarie keine Beschädigung erlitten. Unter den zehn Verwundeten befinden sich zivci schlv'er Verletzte.— Ter getötete Obenuaat Schneider»var verheiratet und Vater eines Kindes; er war in Gaarden»vohnhaft. Der getötete Oberheizer Geiffler lnicht Geichlcr) stammt aus Duisburg, Trimmler aus Breslau, Meyer aus Hittfeld in Hannover. Die„Wacht" befindet sich in der Staatslverft. Ungetreue Bankbeamte. Der„Haniburgischen Börsenhalle" »vird von der Direktion der Commerz- und Diskontobank in Ham- bürg niitgetcilt/daff zlvei langjährige Beamte der Bank, ihre Ver- traueiisstcllnsig mißbrauchend, sich verschiedene Veruntreuungen haben zu Schulden kournien lassei», aus»velchen jedoch der Bank voraus- sichtlich ein Verlust nicht erwachsen»vird. Die von» König von Württemberg bei Gelegenheit der Kaiserparade ain 7. September gehaltene Rede hat im„Darmst. Tägl. Anz." einen ganz seltsamen Inhalt bekomme»». Nach den in Nr. 212 des Blattes enthaltenen Mitteilungen sagte der Köi»ig u. a. zum Kaiser: „Ich gebe meinem Dank dafür Ausdruck, daff Elv. Majestät auch heute den Lcistltngsn,„eines Arnieekorps ein hatte Aufmerksainkeit erregt, und er fühlte, daff nian das, was man that, etivas anders that,»veil er hier»var. Dieser Zug hastete auch den» jungen Mann in der Guttaperchajacke und dem Weibe im Gefängnisrock und sogar den» Liebespaar an. Er »var nicht Vorhemden nur bei den» schivindsüchtigen jungen Mai»n, den» hübschen Mädchen i»iit runden, braunen Augen' und de»n zerlmnptci», dnnklen Mann mit siefliegenden Augen, der mit dem »vohlivollendcs und lobendes Urteil gespendet haben. Der Stolz des Soldaten ist es, seine»» obersten Kriegsherrn zu zeigen, daß er ebenso wie auf dein Paradefeld fähig sein»vird,»venn der Ruf des obersten Kriegsherrn an ihn ergeht, in ernster Waffenthat sich z» beivähren und sein Blut für Kaiser, König und Vaterland zu vergießen." So kann der König von Württe»»berg unmöglich gesprochen haben. A»»S Kattoivitt»vird berichtet: Eine furchtbare Dynainit- explosiv n fand in der Kohlengrube Niwka bei Sosnoivice statt. Zlvei Bergleute ivurden in Stücke gerissen, drei schrecklich verstümmelt und getötet, mehrere schlver verletzt. In Berdlii» entstand Dienstagabend eine heftige Feuers- b r»i n st in einem Gebäude, in dem eine Anzahl Pferde der manövrierenden Artillerie untergebracht»raren. Mehrere Soldaten, die sich an den RettmigSarbeiten beteiligten, wurden schlver ver- lvnndct und ins Spital gebracht. Das Gehöft mit den Pferden und den» Material der Artillerie ist verbrannt. Qnarticrgrbcr»» zur Nachachtung. Der„Mannh. Volksst." wird ans Durlach berichtet: Am Dienstagnachmittag fand sich ein Quartierinachcr des Jnfanterie-Rcgiments Nr. 112 bei eine»» Partei- genossen ei», un» ihm die übliche Bescherung in Gestalt eines jugcnd- lickicn Kriegsknechtes anzuzeigen. Das alte Mütterchen, das unserm venvitlveten Parteigenossen die �Wirtschaft besorgt, sagte zu dem Quartiermacher:„Aber, hören Sic, Herr Gefreiter, mein Sohn ist nämlich Socialdemokrat." Dieser humorvolle Einspruch der alten Mutter gegen die Einquartierung beantwortete der quartiermachende Gefreite mit der Bemerkung:„Dann gehören den» S ch>v e i n- Hund zwei Man» I" Unser Parteigenosse ließ, nachdem er die Sache erfahren hatte, keine lange Zeit vergehen, bis er den Beleidiger bei seinem Voi'gesetzten zur Anzeige brachte. Der Gefreite erhielt sofort 3 Tage Arrest,»in» darüber nachzudenken,»vie man Dur- lacher Socialdeinokraten beim Quartlermachen behandelt. Für unscrn Parteigenossen hatte die Sache die angenehme Wirkung, daß er keine Einquartierung erhielt. Lrobatum est! Eine der gefährlichsten GeldverdienmigS- Maschine», Cornelius V a n d e r b i l t, der Chef der groffcn amerikanischen Millionärsfamilie, ist,»vie telegraphisch schon kurz gemeldet, Dienstag i» Nciv Uork gestorben. Er»vurde als der Sohn William Vanderbilts an» 27. November 1843 zu State» Island geboren. Sein Vater hinterlieff ihm und seinen sieben Ge- schlvistcrn ein Vermögen von ziveihundert Millionen Dollar und eine entscheidende Stimme im Eisenbahnlvesen der Union. Ebenso wie William Vanderbilt ist Cornelius Vanderbilt Präsident oder Direktor von einigen dreißig amerikanischen Eisenbahnen ge- Wesen; so vor allen der Nciv Aork-»nid Harlein-Eisenbah».— Der Gründer des Hauses, der im Jahre 1794 in Staplcton geborene Cornelius Vanderbilt I. stammle von ganz armen Elteri» und starb als hmidcrtfachcr Dollarmillionär, Besitzer von fast hundert Schiffen und Präsident der lvichtigsten nordaineritanischen Eisenbahnen. Briefkasten der Redaklion. Tie juristische Tprcchsiiindc wird Dienstags, Donnerstags und Freitags abends von K bis 8 Uhr abgehalten. H. R. Drcödeuerstr. 128/29. Weigt. Wir finden iveder in» Parteiprograinnl noch sonstwo die Be- stinliiuing, die socialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten verbietet, Bolleiche Milch zu trinle». Vt. N. 37. Nein.— W. Rixdorf. In der Mark Brandenburg, ein- schliebltch Berlin, aber mit AuSschlust von Scheerrneisel und Grochow herrscht Eutertreimung, falls nichts anderes vereinbart wird.— Adolf Leopold. Ja: nach dem Gesetz mich der Arbeiter zwei Drittel, der Arbeitgeber ein Drittel der Krankenkassen- Beiträge einrichten. — M. P. 1. Der Antrag auf Vornahme eines Siihnetcrmins zwecks Ehe- scheidiing nebst Ladung zu demselben kann ohne Anwalt zu gericht- lichem Protokoll oder schriftlich(in formell richtiger Weise) gestellt werden. 2. Sie erhalten vom Armenvorsteher die erforderliche Bescheinigung nach Prüfung Ihrer Vermögensverhältnisse. Unter Ueber- rcichung desselben und des Siihne-Attestcs beantragen Sie dann beim Landgericht Bewilligung des Armenrechts. 3. Elfteres nicht, letzteres ja. Sie mühten aber vorher gegen die Frau Ruckkehrbesehl beim Amtsgericht beantragt haben und dieser mühte erfolglos geblieben sein. 4. Durch 3 erledigt. 5. Ja.— Wilh. M. Sie mühten schleunigst aus Herausgabe der Möbel und eventuellen Schadenersatz klagen.— Stiele». Außer Gütergemeinschaft, es sei denn, Sie haben Ihren ersten Wohnsitz in Schermeisel oder Grochow genommen.— N> Kommen Sie zur Sprechstunde. 1 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 14. September 189S. Zeitweise aufklarend, voriviegend noch trübe und regnerisch bei ziemlich frischen nördlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. WitternngSnbersicht vom IS. September l8Sg, morgens 8 llhr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien le a> g h 758 762 757 S 5 a•ff NNO N NNW 762 MW 759 W 752 ISO Wetter «s c � 6 Regen 1 heiter 5 Regen 4 wolkig 5Megen 2|Regen Stationen LS 6 i« i| »- Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris B 3 8 S 765 766 N 763®© 765 NNO Wetter -öS «ä* bedeckt 1 heiter lchedeckt 2wolkenl Marktpreis« von Berlin am 12. September 18SS nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »)Weizen D.-Ctr. »)Rogaen„ Futter-Gerste, Hafer gut, . mittel„ ,, gering. Richtstroh» He» Mrbfen« •)Speisebohncn» ••)Liuse» Kartoffeln, neue Nindfleisch, Keule 1kg do. Bauch. ») Ennittelt pro Tonne von der Centralstelle der Prenh. Landwirt- schastskammern— Notiennigsstelle— und uuigerechuet vour Polizeipräsidiuui für den Doppel-Centner.-f) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 13. September. Weizen war am heutigen Markte 0,75 bis 1 M. billiger zu haben, Roggen schwach behauptet, für Frühjahrslieferungen billiger offeriert. Hafer lag fest, gute alte Ware wurde bevorzugt; Rüböl blieb im Preise unverändert. 1,10 1,- 1,— 2,— 2,60 1,20 1,20 0,90 1,20 0,80 1,20 0,80 2.- Am Spiritus m arkt war die Tendenz flau. Aui Markte waren 25 000 Liter 70er, welche nur zu dem ermäßigten Preise von 43,30(— 0,10) Nehmer fanden. Termine lagen lustlos und gaben 0,20 M. nach. Käuser beobachteten größte Zurückhaltung. Städtischer Schlachtvieh markt vom 13. September 1899. Zum Verkauf standen: 615 Rinder, 1861 Kälber, 1350 Schale, 9363 Schweine. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 00—00, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 00—00, c) mähig genährte junge und gut genährte ältere 00—00, ck) gering genährte jeden Alters 50—52.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes 00—00, d) mähig genährte jüngere und gut genährte ältere 00—00, o) gering genährte 52—53.— Färsen und Kühe: a) voll- fleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachlwerts 00—00, b) voll- fleischige, auogemäslete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 00—00, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00—00, cl) mähig genährte Kühe und Färsen 51—53, e) gering genährte Kühe und Färsen 47—50.— Kälber: a) feinste Mast- kälber(Vollmilchmast) und beste Saugkälber 72—74, d) mittlere Mastkälbcr und gute Saugkälber 68—70, o) geringe Saugkälber 65—67, 6) ältere, gering genährte Kälber(Fresser) 45—47.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 61—63, d) ältere Masthammel 55—59, o) mähig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 47—53. ä) Holsteiner Niederungs- schafe(Lebendgewicht) 25—30.— Schweine: a) vollfleischige, der feineren Raffen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1>/« Jahren 49— 50, b) Käser 48—49, c) vollflcischige 46—47, d) gering entwickelte 43— 45, e) Sauen 00—00. Verkauf und Tendenz. Vom Rinderaustrieb blieben ungefähr 40 Stück unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich ziemlich glatt. Bei den Schafen wurde etwa die Hälfte des Auftriebs verkaust. Der Schweine- markt verlies ziemlich glatt und wurde geräumt. Älidhimer! Am Freitag, den IS. September, abends 8 Uhr, im Lokal des Herr» Stcchcrt, Andreasstrafte 21: (Deflfcntl. Vevinmnllung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission über die statlgefundencn Verhandlungen 2. Definitive Bcschluhsassung. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht 21/2 vi« I.oIuiKommlaaloii. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Lviedvichsfelde. Donnerstag, den 14. September, abends 8Vz Uhr. im Lokale des Herrn vnde, Prinzen-Allee 30: Vezirks-VechmmlNg bes DeuWu Holzarbeiter-Vtrbandes Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl des Bezirksleiters. 4. Verbands- angelegenheiten oder Verschiedenes. ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. äfM Laut Versammlungsbeschluh vom August finden die Bezirks- Versammlungen von jetzt ab jeden Donnerstag vor dem 15. statt. 121/8 Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwnltnngsstclle Berlin. Freitag, den 15. September, vormittags 10 Uhr, in den Ariuinliallen, Kominandantenstr. 20: V er Sammlung der streikenden Klempner. Bewilligt find die Forderungen der Klempner ferner von folgenden Firmen: Bach u. Mahlow; Nitschke n. Meper, Ramlerstrahe; Witwe Schulz, Veteranenstrahe; Iah». Brunnenstrabe: Bock. Kastanien-Allee; Gebr. Ntechnig: Neumaun, Keflelstrahe; Drehler. Lichtenbergerstrahe; Hcuneberg. Wahmaniistrahe; Gebr. Koppe; Karney; Weber n. Eie.; Sachse, Elsasserstrabe; Geister; Schrapla» u. Sohn; Sacger. Koppen- strahe; Peters Nachf.; AndreeS jn»., Salzwedelcrstrahe; Stand, Wilmersdorf; Pietschmau», Petcrsburgerstrahe. Insgesamt arbeiten zu den neuen Bedingmigeit 306 Kollegen. Im Ausstand befinden sich die Kollegen folgender Betriebe: Gerccke, Prinzenstraße; Bauer, Mohrenstrahe; Hille, Charlottcnstraße; Bogt ». Uerpmann; Fantcr«. Baabe, Schöneberg; Kunil«; Dhom; Dietrich; David virovc; Stet», Markgraienstrahe; Heber, Melchior- strahe; Mulack, Wasserthorstrahe; Busse, Tegelcrstrabe; F. F. A. Schulze, FchrbeNiuelstrabe; Worm«. Schiller, Prinzenstraße; Lmthardt, Ritter- strahe; Wcndt, Thnrmstrahe; Pfuhl, Thurmstraße; Sicfcrt, Steglitzer- strahe; Grund, Adnlbertstrahe. Letztere Firma hat die Bewilligung zurück- gezogen. Insgesamt sind ausständig 450 Kollegen. 113/20_ VI« Oi'tn Verwaltung, Steinarbeiter. Freitag, den 15. September, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der jetzige Stand des Streits. 2. Ver- schiedenes. s274/10s_ vi« IiOhnltoniinl..lon. Achtung!"WU SÄT Achtung! Isolierer u. Rohrumhüllcr. SMT* Donnerstag, den 14. d. M t s., abends 8 Uhr,-MW bei vn.K«, Grenadierstr. 33: Oeffentl. yensammlung. Tages-Ordnung: Bericht der Lohnkommission und Stellung- nähme hierzu._ Die Loh»ko»l»iissio». I. A.: W. Praekel. Achtung! Bau-Arbeiter (lokaler Richtung). Am Sonntag, den 17. September, mittags 12 Uhr, im Lokal „Englischer Garten", Alexanderstr. 27«: Oeffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Geiiosseil Baumeister B««.!««. 2. Diskussion. 3. Unsere Lohnforderung und die Zugeständnisse des Arbeitgeber-Vertreters. 4. Unser Sammel- und Uliterstütziliigslvesen. 5. Verschiedenes. erschenien. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu 31/18 _ Per Yei'ti'anensmann. 2 öffentl. Vorträge S.O."fr, Donnerstag, d. 14, Sept., Manteuffelstr. 95, b. Behrens, über: i,nnL«n- und Bagonlcldeii. Freitag, d. 15. Sept.,„Sanssouci", Kottbuserstr. 4 a, über: jHlinncrleiden. 1. Vortrag ist für Männer n. Frauen, der 2. nur für Männer; beide werden an gr. Lichtbildern vom pr. Natnrheilk. Grundmauu erklärt.— Gäste Ein- tritt 20 Pf., Naturarzt frei. 25161, Berliner Naturhcil-Verein C. Sprechst. Magazinstr. 17: 11— l, 6—8. Sonnt. 11—12. vodns Festsäle, Beuthstrasse 20 Amt I, 1722. Empfehle meine Festsäle mit Bühne, von 100—1000 Personen fassend, zu Versammlungen mid Festlichkeiten. 2286L» Sonnabende und Sonntage im September und Oktober noch zu haben. Achtung! MAURER. Achtung! gnitm, ii« 15. StjWtt, lcklidS 8 llhr, in Zubkilg lokal, Liicknßrqc Uli; Bandepullerlen•Versiammluug: der Maurer Berlins und der Vororte. 191/3 Tages-Ordnung: 1. ver zaktlnftlgc Arbeltsnachwei. im Baurergewerbe. 2. Gewerkschaftliches. Jeder Bau muh durch einen Delegierten vertreten fei». Die Berbandsleitung. I. A.: Knrl Panscr. r Freie Tolksbülme. M Sonntag, 17. Septbr 23/(, Lesilng- Theater: Die Jonrnallstcn. Die Mitglieder aller Abteilungen werden dringend ersucht, W ihre neuen Mitgliedskarten bis Freitag, 15. d. Mts., aus den Zahlstellen abzuholen, da die Karten sonst anderweitig vergeben werden. Mcne Mitglieder zur 6. Abteilung; können sich täglich in allen Zahlstellen zur Aufnahme melden. Die 2. Serie beginnt am 34. September im Ostend-Theater mit Goethes Faust(I. Teil) unter Mitwirkung hervorragender Gäste.[230/19] Der Vorstand. I. A.: 0. Winkler. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. c-- o Am Sonnabend, de» 23. September, abends 8 Uhr, in KellerS Gefamt-Fcsträumcn, Koppenstrahe 29: 7. Stiftungsfest bestehend in #«KOIV ZERT«* ausgeführt vom Nene» Berliner Konzert-Orchester, Dir. Und. Uetz (40 Mann starke Kapelle) unter gütiger Mitwirlung der Opcrnsängerin Frau Clara Urban und des Berliner Männer-Quartetts�..Harmonie". Nveitntionvn: Herr Heinr. Wibker. == Grosser Ball.= Das Rauchen ist nicht gestattet.— Während des Konzerts bleiben die Saal- thürcn geschlossen; ebenfalls muh jede Störung vermieden werden. Die Kollegen werden gebeten, sich rechtzeitig mit Billets zu versehen, an der Kontrolle werden keine verlaust. Billets sind auf allen Zahlstellen und auf dem Bureau, Amienstrahe 39, zu haben. Ansang 8 llhr. Gntree: Herren SV Pf., Damen 30 Pf. Tanz frei. MW MM"" Programm gratis. 121/9 Das Komitee. Picheiswerder. Mein diesjähriges Wurst u. Well- fleisch> Gsseu findet am Sonntag, den 17. September statt und lade alle Freunde und Bekanuten ganz er- gebenst dazu ein._[2517g*]_ Der alte Frennd. ioS-Ä Flora- Säle, Weberftr. 17. htounabendc und Sonntage SiV frei."MS[21720* VcreinLziminer 20—150 Personen.— Veriammlungen:c. jc. 99 FlnkautV- Verein Vorteil liaft" llerllii 111/2* liefert seinen Mitgliedern zu billigsten Pretken Fabrviider, Vilh- inaHchlncn uubZnbeliOr zu coulanten Bedingungen. Näheres durch die GeschästSstellc Warschauerftr. 23. Ma» verlange Statuten. Teiizahl. Oranienstr. 181. ■VI U wJf U I Eonlante U 7 M| pmonf Beamten _ Zahl..»rd. n. am.>.e«eill. ohne Anzahl. v RI>9 ckahre Garantie. Vollkommen sohmerzloses Zahn- / n l! II R/ Ülfä flehen 1 M. Plomben 1,50 M. Teiizahl. wbchentl. I M builliw Im eis. Zahnarzt Wolf. Lelpzigerstr. 22. Sprechst. 9-7. Ärbeiter-Berufsartikel«.Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Specialität: Arbeiter- Berufskleidung: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Größe mit 10 Pf., blau Köper-Hosen, in allen Längen, M. 1,65. Arbeiterhemdc«, Blusen, Maler- kittet u. Montenrhemden. v. Wurzel& Co., Wrangelsir. 17. Bruch-Preßkohlen Ctr. 75 Pf. sowie sämtliche anderen Brenn- Materialien sind billig zu haben bei hiebnlz, ttrbanstr. 171. 2551b tili"1 1 auf Teilzahlung. ■Iii Ii IN d. Kellermann, «VIVVV4 Prlnzenstr.07, parterre, Eingang vom Flur, s* iLmpfehle allen Freunden u. Bekannten 0mciii W'elHs-, Bayrischbicr- und gjr. Spelsegcschäft. 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M., morgens 7 Uhr, nach langen schweren Leiden sanft enlschlaien ist. Um stilles Beileid bittet im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Der tiefbetriibtc Gatte: Julius Gruppe, Biesenthalerstr. 23. Die Beerdigung findet Freitag, den 15. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. Panlskirchhofes in der Seestraße aus, statt.[255bb Bttbllnb delltscher u. (Filiale Berlin.) Am 12. d. Mts. verstarb nach schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied 162/13 Frau Marie Gruppe, geb. Fiesker, im 36. Lebensjahre. Chre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag- nachmittag 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Pauls-Kirchhofes, Chaussee- sttahe, aus statt. Die Ortsverwaltung. Vödes- Anzeige. Central-Krilnken- n. Zterbe- lasse der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. Ortsverwaltung Berlin H. Am 11. d. M. verschied nach langem Leiden das Mitglied unserer Kasse Emt GQntber im Alter von 39 Jahren. Die Beerdigung findet am DonnerS- tag, den 14. d. M., nachm. 4 Uhr, van der Leichenhalle des EmmauS-Kirch- Hofes aus statt. 184/16 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. vanksaxnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer unvergeblichen Tochter, Schwester und Braut 2556b Hlara Doberitz sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Persona, derLuxus-Papierfabrikvon Einstu.Co und dem Gesangverein„Lyranta' misem tiefgefühlten Dank. l)!e trauernden»Interbllebenen, Bon der Reise zurückgekehrt. Bbr. Rölim, Specialarzt für Wasserheilversohrc», SW., Schützenstr. 63.[111/9* Mm- ii. Ledernmechbrik Oskar Gundau, Oranienstr. 30, Ecke Adalbertfirahe, emvfiehlt sein grobes Lager alle: Auen V I- e d e r w a r e n-ME und blchmncksiacken. von 1,25 Hk. an. Ferner: Broschen, Ohrringe,?lr>.i- bändcr, Colliers, Ringe, 11!:, leiten, Kämme zc. zu den billigsten Preisen leb wohne fetzt: Ilomtjgrätostr. 27 I Sprachst. 9-1, 4-7.[24292* Dr. med. Schaper, Iiomüop. 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Er schilderte an der Hand eines sorgfältig zusammengestellten Materials die Schäden und Mangel,— als gewerbliche Nebenbeschäftigung, ungenügende Er- Nahrung, Krankheiten, mijzliche Familienverhältnisse sc.— unter teilen schulpflichtige Kinder, vorzugsweise aber die des Proletariats zu leiden haben. Dag im gegenteiligen Falle sehr oft Prügel als das geeignetste Mittel der Nachhilfe dienen sollen, ist bereits genügend erwiesen, sowie auch die Thatsachc, daß die lieber- bürdung der Lehrer zum System geworden ist. Trotz seit Jahren wiederholter� Anträge, nach dieser Richtung hin Reformen zu schaffe»,_ ist es beim Alten geblieben. Redner lchildert hierauf die in den Schulen herrschenden hygienischen isusiaude, die in gleicher Weise ungünstig lägen; Geld sei in Preußen- Deutschland eben nur da für den Militarismus. Zum Schluß trstisiert der Referent das bekannte„Gutachten" des Professors Bergmann. Abhilfe dieser Mißstände in den Schulen könne nur durch eine geeignete Volksvertretung herbeigeführt werden. (Lebhafter Beifall.) An der sich hieran schließenden leb- basten Diskussion beteiligen sich Zu b eil. Schütte und Mnesting im Sinne des� Referenten. M. fordert zum Austritt ans der Landeskirche auf. Unter„Verschiedenes" giebt der Vorsitzende be- kannt, daß in allen Zahlstellen noch Billets für die Sternwarte zu haben sind. Z u b e i t fragt an, inwieweit die Reorganisation des Wahlkreises gediehen sei, wozu der Vorsitzende äußerte, daß in aller Kürze dies vor sich gehen werde. Z n b e i l äußert sich hierauf sehr mißliebig über die letzte Verteilung der Flugblätter. Den» Vorstand wird aufgegeben, die Sache zu prüfen. Der Wahlvcrcitt dcS 4. Wahlkreises hatte für Dienstag- abend eine Vcrsammlmig bei Breuer, Gr. Frankfurterstraßc, einbc- iiifeii, die zahlreich besucht war. Der Vorsitzende, Sctiueidcr, gedachte zunächst unseres verstorbenen I a c o b e y, dessen Andenken in her- gebrachler Weise geehrt wurde. Alsdann nahm Stadtverordneter B r u n s das Wort zu einem Referat über die Lage der arbeitenden Bevvllerung Berlins. Redner ging von dem Beginne der mechanischen Bctricbsformen ans. von denen ideal gesiimte Träumer das Ende der Frohnarbeit für die Menschheit erhofft hätten; das Gegenteil aber ist eingetreten; die Maschine hat erst die heutige Allmacht des Kapitals geschaffen und die arbeitende Klasse so von den Besitzenden geschieden, daß Männer wie Pastor Gohre heute förmliche Entdeckungsreisen machen, um das Leben des Arbeiters kennen zu lernen, so wie man den nn- bekannten Pol zu erforschen sucht. Nur ein verschwindender Anteil der errungenen Kulturfortschritte ist der Arbeiterklasse zugefallen und auf dem Lande, namentlich im Osten, sind die Verhältnisse solch elende, daß ein ständiger Zuzug von dort nach den großen Städten sich vollzieht, dessen llcverschuß 1805 für Berlin je 10(XX) Männer und Frauen betrug, entsprechend den in Berlin geltenden ortsüblichen Tagelöhnen, die das Doppelte der Hunger- löhne des Ostens ausmachen. Es ist nicht Uebermut, der die Leute vom Lande treibt; andererseits aber schafft das vermehrte Angebot gerade in Berlin eine ständige Quelle der Lohndrückerci für das Unternehmertum. Die Wohnungsverhältnisse sind mich in Berlin sehr schlechte; dabei muß der Arbeiter ein Viertel und mehr seines Ein- konmienS für Wohnungen hergeben, die schlechter sind als Kasernen und Gefängnisse. Dic Sterblichkcitoziffcr ist daher auch für die Arbeiterklasse ain höchsten. Fiir das Gedeihen der Kinder sollte Berlin große Spiel- Plätze schaffen, so wie London: solche WohlfahrtSeinrichtuiigcn aber sind unseren freisinnigen Stadtverordnete» immer der erste Schritt in den Zukunftsstaat. sHeitcrkeit.) Ein Schmerzenskind war von jeher das Schulwesen: welches Odium ruhte noch in neuester Zeit auf den einstigen Armenschulen? In den untcreu Klassen hat ein Lehrer oft 70 und mehr Schüler: dabei nimmt einen großen Teil des Lehrplans noch statt lebendigen befruchtenden Wissens der sogenannte ReligionSiinterricht in Anspruch, totes ÄnSwendiglernen von Bibelsprüchen und dergleichen. Daneben lastet ans vielen Jliiideni schon die Erwerbsarbeit, gegen die ein- zugreifen längst die Pflicht der Schnlvcrwaltung gewesen wäre; die Arbeiterklasse wird sich dem nicht entgegenstellen. Seit dem Jahre 1848, wo man zuerst versuchte, sie von ihren Forderungen abzubringen, ist die Arbeiterklasse bestrebt geblieben, ans eigener Kraft ihre Lage zu verbessern; bei allen politischen Fragen giebt sie heute ihr Votum ab. Lassalle hatte sie die geringe Bedeutung der Schnltze-Dclitzschschcn Theorien für ihr eigenes|LoS und andererseits den Wert der politischen Machterringimg auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts er- kennen lasten, wenn er mich optimistisch genug war, eine baldige Unigeftaltimg voranszuschcii, und nicht bedachte, ivie langsam nur in den Köpfen der Arbeiterschaft die Ideen der socialen Acndcrnnge» reifen können. Als Beispiel für die wachsende Konzentration des Kapitals führt Redner an der Hand der Schrift von Dr. Hirschbcrg, „lieber die sociale Lage der Arbeiterklasse", Zahlen über die Er- Yöhung der Kapitalien von 23 Berliner Banken und von großen AkticiigcseNschaften an. welche innerhalb der Jahre 1804 bis 1800 bei ersterrn von 488 auf 601, bei letztere» von 318 auf 412 Millionen gestiegen waren. Ein nationallibcralcr Abgeordneter hat gesagt, die Arbeiter hätten nichts in die Wagschale zu werfen, als ihre Massen. Wir acccptieren das, wolle» aber von dieser Waffe auch vollen Gebrauch machen. Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen werden uns hierzu Gelegenheit geben; auch sie können einen Schritt auf unscrcm Wege bilden. Was wir aber hierzu brauchen, das ist eine Arbeiterschaft, die gewillt ist, vorwärts zu schreiten, ihre Organisationen als Gegenmittel gegen jede Lohndrückerci zu stärken und von allen ihren Machtinitteln Gc- brauch zu machen. ILcbhaftcr Beifall.) In der dem Referate sich mischließendeii Diskussion bemerkte noch ein Genosse ans Königsberg, wie es ja eben nur die ganz clcndcii Verhältnisse im Osten bewirken, daß der Arbeiter nach Berlin und den Städten des Westens getrieben und hierdurch das Angebot von Arbeitskräften vermehrt werde. Ans Anlaß einer Beschwerde über Mißstände bei den letzten Fliigblattvcrtcilungcn richtete der Vorsitzende noch das Ersuchen an die Genossen, ihrer Pflicht stets pünktlich und zahlreich nachzukommen: Ort und Zeit würden rechtzeitig bekannt gegeben. Hierauf schloß die Versammlung. Der Wahsverci» für den K. Verlincr NcichstagS-Wahl- fi'cis hielt am Dienstag im Lokale von Schneider. Bclfvrtcrstraßc, eine Mitgliederversammimig ab. Vor Eintritt in die TageSordnnng gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des dahingeschiedenen Genossen I a c o b c y, zu dessen Ehren sich die Versammelten von ihren Plätzen erhoben. Alsdann hielt Genosse M a r k lv a l d einen Vortrag über die Svcialdemokratie im Roten Hause. Der Redner ging davon aus, daß bei de» bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen die Vertreter aller Parteien den Arbeitern und dem soge- naimten kleinen Mann versprechen würden, die Interessen derselben mit allen Kräften zu fördern. Wenn man jedoch untersuche, welcher Partei die Genannten ihre Stimmen geben könnten, so bleibe mir allein die Socialdcmokratie übrig. Zum Beweise dafür läßt der Redner die Sündenregister der bürgerlichen Parteien im„Roten Hause" in oftmals drastischer Weise Revue passieren. An der Diskussion bc- teiligten sich Schmidt und Kiesel. Es gelangte sodann nach- stehende von Kiesel eingebrachte Resolution zur ciiiftimmigen Annahme:„Die Versammlung jc. erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Bezüglich der Mißstände, welche innerhalb der Berliner Äoimumie vorhanden sind, verpflichten sich die Anwesenden, trotz des erbärmlichen Dreiklassen- Wahlsystems, welches infolge der Rückgratlosigkeit des Freisinns heut noch besteht, dafür zu sorgen, daß bei den nächsten Stadtverordneten-Wahlen in der dritten Klasse Männer gewählt werden, die es verstehen, auch den Angriffen der preußischen Regierung auf die Selbstverwaltung gegenüber keinen Schritt von' dem' durch Gesetz verbrieften Rechte abzugchen und die gewillt sind, die Rechte der Mehrzahl der Berliner Bevölkerung zu wahren. Die Versammlung erklärt, daß der Freisinn und die demselben verwandten Parteien das Recht ver- wirkt haben, sich Vertreter der Berliner Kommune zu nennen. Des- halb verpflichtet sich die Versammlung, mir Männern ihre Stimme zu geben, welche gewillt sind, alle Mißstände zu beseitigen, sowie oen von der Kommune Berlin beschäftigten Arbeitern, ivclche zur Verschönerung der Stadt beitragen, bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen zu verschaffen. Das sind aber nur allein die von der Socialdemokratie aufgestellten Kandidaten." Mit einem Hoch auf die Socialdemokratie fand die Versammlung ihren Abschluß. Die Arbeiter und Arbeiterinneu der Wäsche- und Kra- vattenbrauchc hielten am Dienstag im Lokal von Niest eine öffent- liche Versammlung ab. Genosse Hermann Faber referierte über: „Der Staat und die Arbeiter." Seine belehrenden und zum Kampfe gegen jedwede Arbeiterentrechtung ermunternden Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Dann erstattete TrinkS den Bericht über die Thätigkeit der Gewerkschaftskommission. Redner betonte, daß er Gutes und Böses zu melden habe. Als das Böse erscheint ihm die Neu- rcgelung der Abstimmung und der Vertretung in der Kom- Mission. Er habe dem Antrage, daß der alte Modus bestehen bleibe, zugestimmt; auch sei er persönlich gegen eine weitere Vertretung in der Gewcrkschaftskomnnssion. Er habe keine Bezeichnung für das Verhalten der Centralistbit. In der Wäsche- und Kravatten- brauche sei eine Eentralisation unmöglich, da die Branche nur in wenigen Städten vertreten sei.— Ein lokalorganisierter Maurer(Trebs?) stellte die Einführung des neuen Modus als eine große Ungerechtigkeit dar.— Cohen, Metallarbeiter, trat beiden Vorrednern entgegen. Die Frage, ob in der Wäschcbrauche eine Eentralisation möglich sei oder nicht, habe hier völlig auszuscheiden. Ent- scheidend sei allein, ob die bekämpften Neuerungen der Gerechtigkeit entsprächen. Gerecht wäre es aber, jedem Mitgliede einer großen Organisation soviel Recht einzuräumen, wie jedem Mitglieder einer kleinen Vereinigung. Organisasionen, die für viele Mitgliede Bei- träge zahlten, müßten hiernach auch entsprechend vertreten sein. Er bitte darum, wieder einen Vertreter in die Gewerkschaftskommission zu entsenden.— S t a n o w s k y glaubt, daß die Mehrheit der Gewerkschaftskommission nur bezwecke, die kleinen Gewerkschaften nebensächlich zu behandeln. Eine Entscheidung darüber, ob man sich in Zukunft in der Kommission oder im Kartell der Lokal- organisierten vertreten lassen Ivollc, sei durchaus notwendig.— TrinkS: Was Cohen gesagt habe, höre sich schön an. Damit bc- folge er aber nur die auch von anderen in der Kommission an- gewandte Methode, die Leute mit Aufwendung aller Redekunst betrunken zu machen. In Wirklichkeit gestalteten sich die Dinge anders.— H e r g t(Wäschcarbeiter) spricht lebhaft für die weitere Vertretung in der Gewerischaftskommissioii. Gegen diese spräche auch nicht der geringste Grund. Auf jeden Fall sei es mit Freuden zu begrüßen,' daß die Kommission einmal gegen die kleinen Spccialvcrciiichcn Stellung genommen habe. Man niöge sich nicht mit Kleinkrämcrcicn einlassen.— Cohen vertrat dann noch einmal seinen Standpunkt und fand damit bei der Vcrsanimlung Beifall. Der schon erwähnte Maurer behauptete, die Centralistcn unter den Maurern hätte» dieses Jahr den ManreranSstand angezettelt, um die Lokalorganisation zu zersprengen. Infolge eines Schlnßaiitragcs wurde nnumehr die Debatte geschlossen. Es waren noch sünf Redner eingezeichnet. Der Vorsitzende wünscht, daß sich. eine neue Ver- sammlung eingehend mit der Sache befasse, bevor endgültig StcNuug gcnommcu werde. Schneider voni Plättcriiincnvcrcin schließt sich dem an, wobei er von den Machinationen der großen Verbände spricht.— T r i n k s ist dagegen und rät jetzt, vorläufig einen Dclc- gierten in die Gewcrkschaftskvnimissiou zu schicken, der beobachten solle, wie sich die Situation iveiter gestalte. Als Delegierter tvird darauf Trink s und als sein Stellvertreter Keller geivählt. Eine öffentliche Versammlung der Drechsler und Berufs genossen fand am Dienstagabend im Englischen Garten statt. Man besprach zuerst die Verhältnisse des mit dem Arbeitsnachweis deS Holzarbcitcr-VcrbandcS verciuigtcu Arbeitsnachweises für Drechsler, und zwar trat man, da der zum Referenten bc- stiminte Kollege M a a ß nicht erschienen war. gleich in die Diskussion des Themas ein. Mehrfach tvurdo beklagt, daß die DrcchSlcrgchilfen den Arbeitsnachweis nicht genügend benutzen. Freilich trügen daran die Meister die Hauptschuld, von denen ein Teil bei Arbeiter- bedarf nach ivie vor in der„Volks-Zcitnng" inseriere, anstatt sich an den bestehenden Arbeitsnachweis zu tocndcn. JnnnngS-Ober- nt e i st e r Schulz giebt dies zu, meint aber, daß zum Teil daran die saumselige Geschäftsführung im Arbcitsnachweis-Burcau die Schuld trage. Der Arbeitsnachtveis müsse besser funktionieren, als es jetzt der Fall sei. Jedenfalls'wolle er nach Kräften dahin wirken, daß die Meister das Inserieren aufgeben und sich des von den Ar- beitern mitcrhaltcncn Arbeitsnachweises bediene». Andererseits müßten aber auch die Arbeiter durch ihre Orgnnisasion dahin wirken. daß die arbeitsuchenden Gesellen nicht den Jnscratcu der„Volks- Zeitung" nachlanseu, sondern sich ansschließlich an de» Arbeits- Nachweis wenden. lieber das K r a n k e n k n s s e n w e s c n d e r D r e ch s l e r in Berlin referierte darauf der Kollege T o st. Er hebt die Schädigung hervor, die der Orts-Krankenkasse der Drechsler durch die gänzlich überflüssige Gründung einer JnnungS-Krankenkasse erwachsen sei. Die OrtS-Krankenkaffe sei die bei weitem größere; sie habe im letzten Geschäftsjahr etwa 104 000 Mark Einnahmen gehabt, die Jnnnngs- lasse nur etwa 38 000 Mark. Die Leistungen der Orts-Krankenkasse seien für die Arbeiter günstiger: beispielsweise unterstütze diese die erkrankten Mitglieder 28, die JniiungSkasse nur 13 Wochen. Da die Arbeiter auch durch den forllvährcndcn Wechsel der Kassen beim ArbeitSwcchsel nur Schade» erleiden und zudem in der Orts- Krankenkaffe einen größeren Einfluß auf die Verwaltung ausüben können, so müßten j'ich die Arbeiter gegen das Weiterbestehen der Jnnmigskasse wenden und dahin streben, daß die Orts-Krankenkasse die alleinige Krankenkasse der Berliner Drechsler werde. In der Diskussion tvnrde mehrfach sowohl für ivie gegen die. Jnnungs« Krankenkasse Partei ergriffen. So legte der Rendant der JimungS- lasse, Herr K e r b s. dar, daß diese letztere große Uebcrschüsse er- ziele, die im Interesse der Versicherten verwandt werden müßten, und überhaupt viel gnnstigcr wirtschafte als die Orts-Krankenkasse, weil diese mit dem Arbeiterbestand der Fabriken usw. mich viele Frauen, Nrbcitöbnrschen und dergleichen zu Mitgliedern habe, welche� Elemente einer Krankenkasse viel größere Ausgaben verursachten, als die bei der Jnnungskasse versicherten ertvachscncn männlichen Gc- Hilfen.— Hierauf wurde ans der Versammlung allerdings crlvidert, daß es die Pflicht der Gehilfen sei, auch für die weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte solidarisch mit einzutreten. Für die Vorzüge der Orts-Krankenkasse spricht unter anderen deren Vorsitzender L i e b e n o w. Obenneistcr Schulz erklart, daß er ebenfalls gegen das Bestehen ztvcicr Kassen sei und daß er auch seiner Zeit gegen die Gründung der Jnnungskasse gewesen sei. Daß die Arbeiter in der Orts-Krankenkasse mehr Rechte und größeren Einfluß auf die Vcrivaltung hätten, träfe jedoch nicht zu, da den Junungsgescllen gesetzlich derselbe Einfluß auf die Kasse gesichert sei. Ilebrigcns hätten es ja die Gehilfen, deren Mehrzahl vom 1. Januar ab der Jnnungskasse angehören werde, in der Hand, in den' General- Versammlungen der Kasse auf die Auflösung derselben hinzuwirken. Die gut besuchte Versammlung beschloß darauf die folgende Resolution:„Da das Vorhandensein mehrerer Krankentaffen in einem kleinen Gewerbe für die Arbeiter von Schaden ist, ver- pflichten sich die Anwesenden, für die Auflösung der Jnnungskasse zu agitieren und, soweit sie Mitglieder der Jnnungskasse sind, in der Generalversammlung der letzteren am 27. September vollzählig zu erscheinen." In einer Versamuiluug der Kohlenarbeiter, die am Diens- tag stattfand und von etwa 800 Personen besucht war, berichtete Werner über den Stand der Bewegung. Während am Montag unter den Arbeitern noch volle Einmütigkeit herrschte, hatten es die Ilnteriiehmer dennoch verstanden, durch Einschüchterungen aller Art einen Teil der zaghaften Arbeiter, namentlich der nicht- organisierten, schwankend zu machen. Die Lohnkommission der llnternchnier hatte zu diesem Zwecke ein Schriftstück verbreitet, wodurch einzelne Forderungen der Arbeiter voll- ständig, einige nur teilweise, Punkt 12 und 13(Be- zahlung des' vollen Tagelohnes auch bei Nicht bcfchäftigmig; Abladen aus den Kähnen pro Stunde 50 Pf. ec.) g a r n i ch t be- willigt wurden. Einzelne Forderungen sollten„möglichst bcrücksich- tigt" werden. Es konnte demnach nur festgestellt werden, daß 28 Firmen nnt etwa 700 Arbeitern bereits ganz oder teilweise bc« willigt, etwa 40 Firmen mit ungefähr 800 Arbeitern nicht be- willigt hatten, weshalb bei diesen Firmen die Arbeitscinstellmig noch fortdauert. Die Firnia Ackermann, S t u ck ti. C i e. hatte fast sämtliche Arbeiter entlassen. Die Gcmaßrcgclten sollen aber mög- lichst bald untergebracht oder unterstützt werden, und zwgr erhält ei» jeder vorläufig 0 M. und für jedes Kind 1 M. p r o W o ch e. Bei allen Firmen, die die Forderungen der Arbeiter entlvcdcr zum größten Teil oder rundweg abgelehnt haben, dauert also dieArbeitS- e i n st e l I u n g fort. In der allgemeinen Besprechung lvurde von den meisten Rednern das ungetreue Verhalten der Kutscher aufs schärfste getadelt. Dagegen hatte eine Firma einer anderen die verlangte Unterstützung in nncrlcnncnslvcrter Weise abgelehnt, bis die Forderungen der Arbeiter belvilligt seien! Am Mittwoch, den 13. September, früh, sollen die Forderungen nochmals den Unternchmern unterbreitet, bczw. deren Zugeständnisse geprüft werden. Alle Vertrauensmänner sind verpflichtet, Mit- teilungcn über alle Vorkommnisse an das Bureau, Bischof« st r a ß e 13, zu richten. In einer Versa m m l u n g am Sonn- tag, den 17. September, abends 7 Uhr, bei Cohn, B e u t h st r a ß e 20, soll alsdann weitere Beratung und Beschluß- fassung erfolgen. Verband deutscher Barbiere»»d Friseure. Dainicrstag, abeudS lO'/f. Mir, Sitzung bei Schilter, Rosenthalerstt. 57. Ausnahme der Teilneynier an der diesjährigen Fachschule. Eciitralverbaud der Konditoren.(Mitgliedschaft Berlin.) Henke, Donncrötagabeiid, präc. S1/, Uhr, bei Schiller, Rosenthalerstr. 57: Außer- ordentliche Mitgliederversammlung. Gäste willkoiiimcii. Kostüm- Schneider. Heute, Donnerstagabend N/, Uhr: Wcrtftatt- und Geichästsdelegierten- Sitzung in den„Arminhallen", Äommandanien- straßc 20._ G e m crl» srh a ftlMzes. Für die ausgesperrten Arbeiter Dänemarks gingen bei der Berliner G e>v e r I s ch a st s ko m nl t f s i o n folgende Beiträge ein: Steindrnckcr und Lithographen der Filiale II d. Schvpke 42,20. Angel- klub Stelerliug 4.-. D. Bogt 11,85.. Tischlerei Sauer, Mant-iiffelstraße, 10,30. Holzarb.-Berb., Zahlst. Riimmclsbnrg 32,45. Tischleret von Höhnen. Kräuter, Krautstraße, 8,10.„D. Bettrauxusmann v. Rummelsburg 20,25. Dauipserpattie v. Schneidern b. Getfon u. Hcckeuberger 11,55. Getan g- vcrciit LiedeSIust II, Moabit v. Erntefest 20,—. Stammgäste v. Neusers Säiigerheim 4,55. Schneiderwerkstatt Grtider 10,--. Arme 00 jährige Witwe, 2. Rate 1,-. Möbelfabrik Groschkns 2,-. Möbeltischler v. Barth, Fruchtstraße, 17,00. Bananschläger Berlins d. Fendjus 17,90. Am Bietttsch b. Wiedemann 2,50. Drechslerei E. Reinian» nebst Wüstenvogel 6,-». Holzarb.-Berb., Zablstellc II b. Miihlke, Koppenstr., 7,40. Guitarren-Äoiizert Ncn-Mühle 3,20. W. Fricdläudcr 11,50. Eigarrenfabrik v. Bausdorf 3,- D. Putzer Berlins 32,25. Rote Bäckerhochzctt, Pappel-Allee, 5,—. Hennig —,50 ertra. Gemütliche Kegclschieber in. Wirt, Datldorferstr.. 4,—. Pianofabrik v. Manthey 5,-. Möbelfabrik v. I. E. Pfaff, Saal 4, 9,00. Wäsche- brauche MTrinks d. lustige Brüder(5) 17,15. D. H. Weiß 8,45. Zither- policrer, Prinzcnstr. 89, 2,60. Pcrs. d. Bnchdr. Jantszcwskv, 8. Rate 4,45. Möbelfabrik Friedrich, Fruchtstr., 3. Rate 5,50. Tischlerei Stern, Seliger- u. Co. 6,90. Ncberschuß vom Sommerfcst deS Gesangvereins Rote Nelke II inkl. 2,— bei Rosin 92,-. Steinsetzer d. Grabitz 20,80. Tischlerei Th. Wichr. Flirbnngerstraße, 9,55. Sämtl. Arbeiter d. Möbelfabrik v. Hülscbeck, Kroll u Co., 9. Rate, 41,10. E. K. 6,75. Gold- u. Silberarb. d. Brückner 72,55. 7 Kollegen von Butzle 2,—. Sammlung der Kaufleute ans Listen 67,95. Lese- imd Diskniicrllub„Freies Wort" 4,45. Pianofabrik von Schopf 7,30. Schonheim 5,20. Arbeitsnachweis d. Bügler. Fchrbcllinerstr., 4,50. Piano- fabrit v.Otto, 7. Rate, 16,—. Mehrere Goldleisteiigrundierer 8,—. Tapeziererwerkstatt v. Jahn 4,80. Lithographen d.Tilchcndörier, Vorschuß auf Listen 140,—. Porzellanarbeiter d. Rcichardt 20,60. Tischlere! von Anders, KvnigSberger- straße. 11,20. Arbeiter von Vülzkvw, Ritterstraste, 15,40. Möbelfabrik von C. Müller, Schönhauser Allee, 11,25. Drechslerei G. Bredow, Schönhansex Allee, 6,55. Küchenmöbelfabrik von Schwarzer, 3. Rate, 7,50. Tischlerei von Schulz, Rudersdorferstrabe 27, 7,40. Tischlerei von Hennig, Wein- straße, 6,—. Tischlerwerkstatt von Schön nebst Budiker n. Bildhauer 5,—. Durch H. Fabcr 0,90. Zimmerer vom Hofzimnicrmeister Krause, Platz Ziimiieriiiann u. Sohn, 8,60. Glasschleifer durch Leutel, Vorschuß auf Listen, 23,—. Möbelpolicrcr von Seifert u. Wolf, Fnichtstraßc, 11,—. Durch Nielsen 5,80. Tapczicirr Fort, Krctschmar u. Co., 6. Rate, 16,—. Drechslerei von Pape, Pallisadenstraße, 2,60. Tischlerei von C. Müller, Köpnickcrstr. 109, 18,50. II. Wahlkr. durch Werner, darunter 15,- vom Gesangverein„Freiheit", West, 184,05. Möbelfabttk L. C. Pfaff, Warschaucr- straße, 20,—. Tischlerei ZIabing mit Budiker 6,25. Bnchdrurkerei v. Grcve, 7. Rate, 6,85. Klaviaturfabrik von Schwohls mit einer Ausnahme 10, 9v. Gesangverein der Buchdr.-HilfSarbciter„Solidarität" 10,—. Arbeiter der Möbelfabrik von Kruse, Königsbcrgerstraße, 9,45. Pianofabttk Gicse u. Reinicke 6,05. Drechslerei von Wcgclebcn 15,50. Tischlerei von M Schulz u. Co., Elisabeth- User. 12,55. Bautischlern von Glatzer, Blücherstraße, 7,75. Tischlerei von Boß, Görlitzer Ilser, 6,—. Vom Bcr- trauensmann in Weißcnsee, Menk, 23,50. P. F.—,80. Möbelfabrik von Voigts, Alte Jakobstrabe, 14,40. Möbelfabrik v. Schütz, Kransenftraßc, 6,30. Tischlerei v. TönSmann». Co., 3. Rate 9,30. Pianomechaniksabrik Gentz u. Co., Blumenstraße, 2. Rate 12,95. Anilinfabrik Treptow 14,70. Funs DrcysuSfrenndc2,50. Bauarbeitcr'der Acciimulatorcnfabrik Oberlchönewcide 8,70. Sattler d. A. Riedel 60,10. Arb. d. Möbelfabrik v.Klug, Warschauer- straße, 50,20. Tischlerei v. Osten, Brnniicnstraße, 6. Rate 6,—. Lager von Eik u. Straffer 5,—. Vergiiügiingöverein„Lustige Brüder", Schulstraßc, 3,—. Verein der Cheniigraphen Berlins durch Sabin 65,80. Bauarbeiter Berlins durch Roack 21,70. Tischlerei von Becker, Oranienstr. 189, 11,20. Tischlerei von Ptlzicker, Kastanicn-Allee, 5,—. Tischlerei von M. Kaiser, Liebeiiwalderstratze, 10,25. Ueberschnß vom Erntefest Kiautschou 24,60. Arbeiter von Frost u. Söhne 4. Rate 10,60. Vom Verkraitenöinann der Graveure u. Ciicleurc 19,75. Holzbearb.-Masch.-Arb. d. Jaeck, darunter Werk- statte Mühmel 6,20. Außner 10,80. P ristatz u.«leger 4. Rate 6,20. Kose u. Sohn 10,75. Wagner n. Dünnebeil 6,40. Vogelmaim u. Schuhiu acher 3.30. Aktiengesellschaft Weißensee 7,75. Pianomechaiiikfabrit v. Köhler 34.1 o. Masch.-Arb. v. Müller, Schönhauser Allee, 2,25. Masch.-Arb. v. Seisert n. Wolf 1,55. Masch.-Arb. u. Tischler v. König, Weißensee, 9,60. Roy. Ren- mann— ,50. Widerstand 3. Rate 6,40. Schmiede d. Lieseaaiig 39 30. Tnchlcret v. Hecht, Sliidreaöstraße, 6,—. Maschiiiisten u. Heizer d. Zabel 83,50. Pianoforte- fabrik v. Lehma»», Königsbcrgerstraße, 29,50. Tapezierer d. Leo Schmidt 7v,—. Klaviatursabrik von Kießner u. Co., Diessenbachstraße, 3. Rate, 12, vo. Möbel- fabrik von I. C. Pfaff, Saal II, 10,20. Maurer vom Bau, R»»ge- straße 17, 6,-. Tischlerei RöSler u. Schmidt, 6. Rate, 4,70. Tischlerei von Kraft, Fürftenstraße, 3. Rate, 5,45. Handelshilfsarbeitcr, lokal, d. Nthes, 4. Rate, 104,05. W. Bendin. Bernau, 15.40. Modelltischler v. Petzold n. Co., Waldstrabe, 14,30. Kuntze 7 16. Drullfehler-Berichtigung aus Nr. 208: Arbeiter-Gesangverem„Hoffnung Nr. III, Fried richsberg, 10,—. � �, Weitere Beiträge werden in» Berliner Gewerkschaftsv u renn, Annenstr. 16, I, vormittags 9—1 Uhr, nachmittags 6—8 Uhr, entgegen ge« nommen. DerAusschuß der Berliner Gewerkschasts-Kommission. Nur de» Inhalt der Inserate übernimmt die Nedakiion dem Pnbliknin gegenüber keinerlei Bcrantlnortnng. Tlzeczkev. Donnerstag, 14. September Opernhaus. Oavalleria rnstioana Bajazzi. Anfang?l/z Uhr. Schauspielhaus. Auf Strafurlaub Anfang?V- Uhr. Neues Oper»> Theater(Kroll) Die Fledermaus. Anfang 7»/, Uhr Deutsches. Kollege Craiuoton Anfang?>/, Uhr. Lessing. Neigung. Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7 Uhr. Schiller. Die Ehre. Ans. 8 Uhr. NeueS. Die heilige Frau. Vorher l Die Frau Major. Anfang 7V, Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7V, Uhr. Viscsten. Die Reise nach China Anfang?>/, Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7'/2 Uhr. auifcit.� Romeo und Julia. Anfang Central. Die Geisha. Anfang 71/2 Uhr. Ostend. Um tausend Mark. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die weiße Henne. An- fang 7V2 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Die Reise nach der Teufelsinsel. Ansang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht. Anfang Il/z Uhr. Belle-Alltauce. Specialitäten-Vor- stellttng. Anfang 7 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Ncichshallen. Stettiner Sauger. Anfang 8 Uhr. Passage> Panoptikum. Speciali- tätcn-Vorstelluug. Urania. Jnbalideustr. ß7/03. Tiiglich abends von ö-10 Uhr: Sternwarte. Tanbenstr. 48/4». Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. Cchik-Thfliter (Wallncr- Theater). Donnerstag, abends 8Uhr: »1« kü»-«. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Freitag, abends 8 Uhri vi« Llrrv. Sonnabend, abendsSUHr: Zum erstenmal: viel littpm um nicht*. LW.Carl Weiß-Thellter. ®*. grankfnrtcrstraste 138. Taglich: llm tausend Mark. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Borstellung. PZfm/ Die GÄlle��' 6et Ileinen 8riejjrillj-MheW.THttttt Chausseestr. 25/26. Abends 8 Uhr: Zum 3. Malet DieRtistUchderTeilfelsillsel Burleske Abenteuer-Posse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Musik von Albert Wichcr. In Scene gesetzt vom Dir. Max Samst. 1. Bild: Ans zn DreyfuS. 2. Bild: Verbündete Mächte. 3. Bild: Attentat nnd Verrat. 4. Bild: Das belagerte Haus. S. Bild: Die Gerichtsverhandlung, 8. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Der Glöckner von Notre- Dame. Schauspiel in b Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Crnkral'Dhvtttev Direktion: so»« ssorovorx. Die Geisha ober: Eine japanische Theehaus- geschtchte. Operette in 3 Akten von Owen Hall. Musik von Sidney JoueS. Anfang 7Vz Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntag, nachin. 3 Uhr, zu halben Preisen: Der Bettelstndent. Ope- rette in 3 Akten von Millöcker. Urania Tnnbenstras*« 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: Der Sieg des Menschen über die Natur. Im Hörsaal: Dr. 8ple* über: Flüssige I-nft. In-valldenstr. 67/08: Tägl. Steriiwarte. _ Nachmiltafl» 6—10 Uhr._ Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Heute und folgende Tage: Sensationeller Erfolg! Der Platzmajor. Gesangsposse in 3 Akten von Kren und Schönfeld. Musik von G. Wanda. Prachtvolle neue Ausstattung! Im L.Akt: Gr. Mutoscop- Terzett. Anfang 7i/z Uhr. Ende IG/z Uhr. Vor der Vorstellung Konrsrt im Tunnel. Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. Direktion: Itlchard Scholz. Jane Plerny, Alice Bonhcor, Flenry Kayband-Trio, The 6 DnineiTs, V v v l i n I n rl j i! und das sensationelle SpeclalltiUen- Programm. Anfang 7i/a Uhr. Ende 11 Uhr. DaS Rauchen ist in samt- lichen Räunien gestattet._ Apollo-Theater. — Stürmischer Erfolg!— Abends 9 Uhr: FrauLuna " Ferner: Otto Reutter, Tumata Tiero, Paulette Darty etc. etc. etc. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim'„KUnetlerdank", Unter den Linden 69. Passage-Panopticum Geöffnet von » Uhr früh btS 10 Uhr abends. Rippeis Stettiner Duartett- u. Humoristen- Ensemble. CASTANS PANOPTICUMl DREYFüS-LÄBORl! ESTERHAZY ♦ MERGIER Ohm KRÖGER* Mc'KINLEYi und viele andere Neuheiten. Vorzügliche Damen-Kapalle.{ Lebende Photographien. V iotoria- Theatei* C. Alexanderstr. 40. Fernfp. VII 1711. Direkt.: V. Bauaenwein u.C. Emmerich. Anfang VzS Uhr. Zum 6. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! Die tveisse Henne. Novität! (La poule blanche). Vaudeville in 3 Akten von Hennequin und Mars. Deutsch v. Bolten-BäckerS. Musik v. V. Roger. In Paris mit sensat. Erfolge über 500 mal gegeben. Palast-Theater AM- früher__ Feen- Palast, Bnrgstraste 82 In den wunderbar renovierten »lesen- Pracht- Käniuen allabendlich um S1/, Uhr die mit grossem Erfolg aufgenommene Berliner Ansstaltungs- Gesangsposse »3 p v e e"X o tf rli c n I Erdmann..... Rich. Winkler. Herzchen..... Wilh. Fröbel. Spree-Lottchen... Helene Boss. MM- Stürmischer Beifall!"9® Helene Voss und Wilhelm Fröbel als Tanz-Duettisten(Pankow kille zc.) Dazu das phänomenale grosse Speelalltilten- Programm. Anfang 7Va Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kassenöffnung 1 Stunde vor Anfang. Billet-Vorverkauf vorm. v. 11—1 Uhr. CIRKUS BUSCH. Sonnabend, den 16. September, abends � Uhr: ! Grosse Gala-Premiere! Unsere Marine. Grosses Ballett, getanzt von 180 Damen des Corps de Ballet. Auftreten der neu engagierten Schulreiterinnen Miss lida Lee und Fräulein-lllartha Molmke. Ziethen d7m Busch. Quadrille in pompösester Ausstattung : auf 12 Schulpferden. PrateivTheater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: In Frend und Feld. Volksstiick mit Gesang und Tanz von Hugo Schulz. Musik von A. Kersten. Kostümsoubrette Fräul. Lucle Sarow. Gebr. Hilardo, Grot. Duett. Tauma- Quartetf, Gesang und Tanz. Die 3 8ohönbrunns, humoristisches Bilder- buch. Llttle Parhlns und Miss Llzzie, Musikal. Ercentrics. Vendaro-Trlo, Exercitien am Hand-Trapez. HM- Konzert und Ball, Eintritt Sonntags und wochentags 3» Pf., mim. Platz 50 Pf. Kalbe. Neichshalsen. Stettiner Sänger (Niehscl. PIrtro, Vritton, Steidl, Krone, Kirch m„»er, Schneider und Schräder). Zum Schluss, neu: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. SKT* Tenor Böckniann (Wachtel redivivus). Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11—1 Uhr. Die Plätze zu de» numerierten Sitzen sind stets 8 Tage vorher zu haben! Sanssonci Kottbnserstr. 4 a. Täglich ausser Sonnabends Holfinanns Norddeutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entrce(Vorverkauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree öo u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tanz-Krtlnzchen. W. Noacks Tlieater. Brunnensirasse 16. Täglich: Theater- it. Specialitäten- Vorstellung. Das Uaditiager in der Jungfernheide. Posse mit Gesang in 1 Alt von Robert Linderer. Musik von Michaelis. Berliner Leben. Burleske mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gerick«. Musik von Schmidt. Im Saale: Taiizfränzcheii. Hie neu engagierten Heithtinstler Mr. Charles Clarke, Miss Annie Clarke, Miss Darling. DirektOP Busch mit«einen neneaten Original-Meister-Dressuren. Der Billet-Verhauf findet im„Invalidendank" und an der Clrkuskasse ab Freitag, den 15. September, von 10 Uhr vormittags ununterbrochen statt. Preise der Plätze: Logensitz 5,— M. Balkon 2,— M. 2. Platz 1,— M. Sperrsitz 3,— M. 1. Platz 1,50 M. Galerie 0,60 M. Sonntag, den 17. Septemer; 8 Torstellnngen, 4 und 7I/j Uhr. Zur Nachmittags-Vorstellung auf jedem Platz 1 Kind frei; weitere Kinder halbe Preise. Alcazar-Theater Variete I. Ranges Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Ailsttckil höh ch'M ct(tllöf(iöcit Spccinlitötcii Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. 23688*1 Die Direktion: lllohard Winkle r, R. Baiischmieders „Kastanieuwäldclien" KöMtgaktell ii. Pruchtsiile Badstr.16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. T ä g l i ch: Gr. Prouienadeii- Konzert. Jeden Donnerstag: Elitc-Streich-Konzert. Sonntags: Grofter Ball im nenerbanten Saal. Empfehle meine Säle zn allen Fest- ichkeiten. B. Ballsohmleder. Victoria-Brauerei Lntzoivsira�e 111/112. Im Xatnrgarten oder Saal: Täglfcli Hnmoristische Soiree der «orddeulseliell Sänger (PUhrmano, Horst, IValde). Auf. Sonntags präc. 7, wachen- tags 8 Uhr. Entree SV Pf. Vorverk. 40 Pf. Familienbillets 3= 1M. Sonntag und Donnerstag»ach der Vorstellung: Xanzkriiazclien. ffiaehrs Theater Oranienstr. 24. Der Herzverfiihrer. Operette in 1 Akt v. Leopold Elp. Brothers Bunge. Breres Alexandra. Franziska Held. Else Messer. Trude Bürgel. Gustav Eulenburg. Paul Frey etc. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugskartcn an Wochentagen gültig. 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Für den klnkerateutetl verantwortlicb: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiu.i in Berlin