Mnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 242. Dienstag, den 12� Dezember. 1899 (Nachdruck verboten.) Elfe. 1) Von Alexander L. Kielland. Aus dem Nortvegischen von Leo Bloch. I. Madmn Späckbom besaß ein Haus. daS man„Arche Noah" nannte. Unten in den Ivanuen, gcuiütlichen Zimmern nacki der Sonnenseite wohnte sie selbst; darüber wohnte Fräulein Falbe mit ihrem Bruder, und oben auf dem Boden— es gab bloß zwei Etagen— lebte in Giebelstuben. unter Treppen und hinter Schornsteinen ein Teil unreines Getier, das unter der allgemeinen Bezeichnung„die Bande" ging. Madam Späckboin war nicht bloß eine kluge Frau, sie wurde auch buchstäblich„kluge Frau" genannt; denn sie war Doktor oder— Quacksalber, wie der richtige Doktor sie nannte. Aber das focht Madam nicht groß an; sie hatte ihre gute, sichere Praxis, und ihre Kunst brachte ihr sowohl Geld als wissenschaftliche Triumphe. Der Teil der Bcvölkenmg, welcher Madam Späckbom aussuchte, war nicht der feinste, aber ohne Vergleich der zahl- reichste. Es konnte passieren, daß sie fünf, sechs Patienten in Behandlung liegen hatte— in kleinen Alkoven und Verschlügen, ■deren es eine unglaubliche Menge in dem alten Haufe gab: und besonders am Abend nach der Arbeitszeit war sie vollauf damit beschäftigt, Krankenbesuche zu machen oder Patienten jeder Art zu empfangen. Wenn dann unter diesen einer kam, der in Behandlung bei dein richtigen Doktor— Krcisphysikus Beutzen— gewesen war, da leuchtete es in Madam Späckbonis kleinen braunen Augeil. und sie schüttelte die drei grauen Hänge- locken, welche auf einem Kamm über jedem Ohr hingen, indem sie sagte:„Wenn Sie von solch' gelehrten! Herrn kommen, da kanu Ihnen so ein altes zahnloses Weib gewiß nicht helfen." Dann nlußte n?an lange unterhandeln, bis sie sich des Patienten erbarmte; aber nahm sie ihn erst in Behandlung, so zeigte sie eine ganz besondere Sorgfalt für diejenigen, welche der richtige Doktor„ausgegeben" hatte. Und unter den Stadtleuten— selbst bis hinauf zu den feineu— gingen unzählige Geschichten von Madmus Ivimder- baren Kuren; und man brauchte ihren Namen bloß vor Doktor Beutzen zu ueuuen, da fuhr der alte Herr auf, fluchte und schimpfte— mit feuerrotem Kopf—. griff nach seinem Hut uud lief davon. Die Sache war die, daß Dr. Beutzen, wenn er zu ein- fachen Leuten kani, sich nie herabließ, irgend eine Erklärung zu geben; dazu verachtete er die Unwissenheit allzu tief. Er sagte bloß: so und so sollst Du es machen, und da ist die Medizin. Aber wenn nun die Medizin nicht sofort half— und das kann mit der besten Medizin passieren—. dann bekamen die Leute das teure Apothekerwasfer satt und ebenso den strengen Doktor, welcher sich bloß aus der Diele umdrehte, einen Befehl gab und ging. Und dann kam Madam Späckbom. Sie setzte sich nieder und erklärte ordentlich, was dem Patienten fehlte. Das konnte nun eine Art„Gnst" sein; z. B. Erdgnst, oder Wassergust. oder vielleicht Lcicheugust, oder„ein Blutstropfen, der sich festgesetzt hatte," oder etwas dergleichen. So, das konnte man doch verstehen; und wenn man dann Medizin von Madam bekam, so waren das Sachen, welche sowohl rochen als Schweiß trieben, so daß man merken tonnte, es war doch nicht reiner Humbug. Uud half das auch nicht immer, so war es doch allen bekannt, daß selbst Madam Späckbom nicht über Leben und Tod gebietet; aber dann war doch gethaii, was gethnu werden konnte, und das war immerhin noch besser als von des Doktors verdächtiger Gelehrsamkeit ins Grab gebracht zu werden, wie es schon so vielen passiert war. Und außerdem ivar Madam viel— viel billiger. Zur Mithilfe in ihrer Praxis hatte sie ein junges Mädchen, das„Floh" genannt wurde. Madam hatte sie zu sich genommen, nachdem sie sie von einem schlimmen Augen- leiden kuriert hatte. Floh hatte keine Eltern. Sie hieß Else. Einen Nachnamen, glaube ich. hatte sie niemals gehabt. Denn sie lvar vermutlich die Tochter eines der fcüisteil Herren der Stadt, dessen Namen auf diese Art nicht ins Kirchenbuch kommen durste. In einem Pflegestift für kleine Kinder war Floh auf- gewachsen, nachdem ihre Mutter— ein Dienstmädchen— gestorben war. Und hier hatte sie auch ihren Beinamen er- halten. Er kani von einem dunkelbraunen Mantel, welchen sie bei einer Weihnachtsbcscheerung bekommen hatte. Jlnsangs war er so laug und reichlich, daß das Kind, wenn es darin herumhüpfte, so sehr einem Floh glich, daß schließlich einer lvitzig genug war, ihr den Namen zu geben. Und dieser Mantel war von einem so unverwüstlichen Stoff, daß er sie in ihrem ganzen Wachstum begleitete— erst als Mantel, dann als Jacke, darauf als Taille und schließlich als Mütze mit rosenroten Kinnbändern. Sie steckte noch in dieser Kindennütze mit rosenroten Kinnbändern, als sie das Augenleiden bekam. Beutzen als der Stistsavzt, stümperte ein halbes Jahr lang an ihr herum, bis sie wie ein kleines Tier in einein dunkeln Winkel lag und schrie, wenn man sie nach dem Licht drehte. Aber da brachte Fräulein Falbe sie heimlich in Madam Späckboms Bchcmdknng, und od eS nun daher kam oder nicht: das Kind erholte sich. Doktor Bolchen tnnnlphierte: endlich war es ihm geglückt, diese hartnäckige Entzündung zu bewältigen. Aber da konnte Madam Späckbom nicht länger schweigen. und es gab einen großen Skandal. Fräulein Falbe mußte aus der Stistsdirektion austreten, wo sie übrigens schon vor» her herzlich verhaßt war; Doktor Beutzen war rasend, und selbst die kleine Eise mußte für ihre neuen blanken Allgen büßen. Aber da nahm Madam Späckbonl das Kiud zu sich,— teils weil sie wohlhabend nnd gutherzig war,— teils, weil Elses klare Augen ihr ein Zeugnis als Augenarzt ausstellten, — und endlich brauchte sie das Kind, um Doktor Beutzen damit zu ärgern. Nie konnte er an der Arche Vorbeigehen— und sein Weg führte ihn oftmals am Tage dort vorbei— ohne daß Madam Späckbom das Kind ergriff, es am Fenster auffetzte und in den Nacken puffte, damit es dem Doktor zunicken sollte. Und»Venn sie ihn so dazu bekomme» konnte, daß er mit seiner erbosten Fratze hineinsah, da schüttelte Madam Späckbom ihre sechs Hängelockeii und gab Floh ein Stückchen Zucker. Als Else heranwuchs, wurde sie ein feines, schlankes Mädchen— blond und etwas blaß, aber trotzdem gesund. Sic lvar munter und behende»md hatte ein eigenes Geschick, sich selbst und alles um sich herum nett lmd in Ordnung zu halte«. Aber als Madam Späckbom anfange» wollte, sie waschen, scheuern und nähen zu lassen und„sich nützlich zu uiachen", zeigte sich der Floh völlig untauglich dazu; da that es ihr weh, bald hier, bald dort, und alle guten Ratschläge und bitteren Tropfen von Madam blieben ohne Wirkung. Madame Späckbom war. wie gesagt, auch eine kluge Frau. Sie kannie diese Krankheit gut, die gerade an Scheue» tagen kam und immer wie durch Zauberei am Sonntag lnorgen verschwand. Aber da sie ciusah, daß die Krankheit hier in einer unheilbaren Form auftrat, beschränkte sie sich darauf. ihre Hängelocken zu schütteln und etwas von„diesem verflucht feinen Blut" zu iminucla. Aber die Kranken liebten Floh, obgleich sie eigentlich keine treue oder aufopfernde Krankenpflegerin■ war. Aber sie brauchte bloß durch die Stube zu gehen oder den Kopf in die Thüre zu stecken, so war das, als ob es Schmerzen und Langeiveile erleichterte, und Madam Späckbom lvar sich lvohl bewußt, welchen Anteil an ihren Kuren sie FlohS lustigem Lachen schuldete. Denn daS war ein Lachen von anderer Art, als all daS Lachen, welches man sonst je in der Arche Noah gehört hatte. CS konnte die Treppen hinauf laufen und hinunter in die Keller, durch daA Schlüsselloch hinein bis zu den Kranken und geradelvcgs in das Herz der Leute, daß einige ganz wann wurden, andere mitlachen mußten; aber alle bätten sie alles in der Welt darum gegeben. Floh lachen zu hören. Und sie lachte gratis über alles oder nichts, wie es sich traf. Sie hatte rote Lippen und gesunde, starke Zähne; aber die Augen überstrahlten alles— das war Madam Spückboms Stolz, denn der gelehrte Doktor hatte sie ja„auf- gegeben". Madam Späckboms Arche war nicht so sorgfältig gebaut wie die Noahs. Sie war— rund herausgesagt— ein alter Rumpelkasten von Haus, das nur stand, weil es mit neueren und stärkeren zusammengebaut war. Aber da es sich— wie alle Alten— nicht darein finden konnte, Unterstützung von der Jugend anzunehmen, warf es sich immer niehr auf die Seite, um gegen die Verbindung zu protestieren, und dadurch kam es, daß es bedrohlich über der steilen Anhöhe hing, welche auf der Ostscitc zum Hasen und zu den Schiffsbrücken hinunter- führte. Es war ein Eckhaus, weiß angestrichen nach der Straße und rot auf der Hinterscite. Alle Arten von Krümmungen, schiefe« Linien, schrägen Thüren, Auswüchsen schienen nach dieser Arche Repräsentanten gesandt zu haben, und wie sie in all ihrer Unmöglichkeit dastand, war sie ein ebenso großes Rätsel für die moderne Architektur wie die Noahs. Aber solide mußte sie doch immerhin sein, denn sonst wäre die Bande sicher längst hinunter in den Keller gefallen— bei dem Leben, welches da oft herrschte. Für Falbes war es ciile große Plage, besonders in der Nacht, wenn es oben bei der Bande unruhig war. Am Tag waren sowohl Schwester wie Bruder meistens auswärts. Sie hatte eine Mädchen- schule in dem feineren Teile der Stadt, und er war jedenfalls nicht in der Arche. Sie gehörten einer alten Beamtcnfamilie an, aber mit ihren» Vater war etwas vorgefallen. Das Gerücht sagte, er hätte sich erhängt oder erschossen— wegen Unterschleif, aber das war eine Reihe von Jahren her und in einer ganz anderen Ecke des Landes, so daß niemand recht Bescheid wußte. Gewiß ist. daß die Kinder halb fremd in der Stadt blieben und einsam und ärmlich lebten. Die Mädchenschule des Fräulein stand in großem Ansehen, obgleich sie selbst gar keine beliebte Persönlichkeit war. Dazu war sie allzu selbst- ständig und originell. Fräulein Falbe mochte etwa fünfunddrcißig Jahre alt sein— der Bruder war zwei, drei Jahre jünger— sie war blond mit großer, gebogener Nase und ernsten Augen. Aber manchmal konnte sie so freundlich lachen, daß die Leute, welche es zum ersten Mal sahen, ganz erstaunt waren. Christian Falbe ähnelte seiner Schwester, aber er war ein hübscher Mann; die große Familicnnase kleidete ihn besser. Um diese selbe Nase sammelte sich indessen schon in seinem dreißigsten Jähre ein rötlicher Schein; denn Christian Falbe trank sehr viel. Wenn er in einer großen Stadt gelebt hätte, wäre er wahrscheinlich ein ganz mäßiger Caföhausbesuchcr geworden. Aber in einer kleinen Stadt, wo es nicht angeht, Restaurationen zu besuchen, verlegt man sich auf Schleichwege und da lernt man trinken. Die ganze Stadt wußte das natürlich von Falbe, wäh- rend die Schwester sich einbildete, daß sie es vor allen vcr- borgen hielte, denn das war ihr stetiger Gedanke und ihre ewige Sorge vom Morgen zum Abend und oft vom Abend zum Morgen. Sie hatte es aufgegeben, ihn zu bessern; sie war aller seiner guten Gelübde und mißglückten Versuche müde; nun galt es, bloß ihn ans irgend eine Art oben zu halten und dann— es zu verbergen. Sie kannten das Geschick ihres Vaters; aber bei ihr hatte sich der Familienstolz in Energie gesammelt, bei ihm hingegen in niiißiger Unzufriedenheit und Bitterkeit. Er war flink und sehr begabt. Wenn er seine besseren Perioden hatte, gab er Privatunterricht in Sprachen. Aber dann kam das Trinken wieder über ihn. und er verschwand für ganze Wochen und kehrte in der kläglichsten Berfassnng zur Arche zurück. Die Schwester verdiente genug für beide. Sie that Geld in sein Portemonnaie, während er schlief; sie lächelte ihm zu, U&IUI« am Abend. betrimle» heiniaekommen war; sie bereitete das Essen— das beste Essen, welches sie für ihn finden konnte. Er atz und trank und dankte nie. Aber das war auch Fräulein Falbes einzige Schwäche; das sagte sie sich selbst in einsamen Sümden. Sonst war sie tüchtig, mutig, selbständig und unennüdlich thätig. tFortsetzung folgt.) Die SreeMonsvühne. (Der Besiegte. Der Kammersänger.) Uni es gleich zu sagen: veistanden habe ich das.mystische Drama" nicht, das Herr von Scholz unter dem Titel„Der Besiegte" geschrieben hat. Ich bin lintmlich nicht roh genug, um den Grund dieser betrübenden Thatsache in der symbolistischen Poesie des Dichters zn suchen. Vielmehr räume ich gern ein, daß ich am Ende nicht den besondere» Verstand habe, den Scholz und die Übrigen Propheten für ihr Brimborium brauchen. Wenn mich dabei etivas tröstet, ist es der Umstand, daß diese Sorte von Verstand in Berlin überhaupt nicht sehr verbreitet zu sein scheint. Ich fragte im Foyer manchen, der für einen guten Kopf gilt, ob er das Stück verstanden habe. Die Antwort lvar immer ein eut- schicdcnes„N e e" I Unter so bcwandten Umständen blieb einem gewissenhaften Manne nichts anderes übrig, als im Buch zn suchen, was er in der Aufführung nicht finden konnte. Ich verschaffte mir also die erhabene Dichtiing und benutzte den frostNaren Wintertag, um mich in ihre nichts weniger als llarc Poesie z» vertiefen. Mein Fleifi wurde auch sofort belohnt. Nicht etwa, als ob ich die dimkle Sache ver- standen hätte. Ach, nein I Derartige Dichtungen würden ihren Berns verfehlen, wenn nian sich etivas bei ihnen denken könnte. Um alles in der Welt nicht denken I Nichts ist so kompromittierend wie ein Gedanke, heißt es irgendwo bei Nietzsche. Mein Lohn war anderer Art. Ich erkannte, daß eS keineswegs so blamabel sei, die Dichtung nicht zu verstehen, als ich anfangs angenommen hatte.' Ich glaube zn der Annahme berechtigt zu sei», daß Herr von Scholz sie auch nicht.versteht. Wenigstens warnt er sein Publikum ein- dringlich, bestimmte Gedanken in dem Stück zu suchen. Man höre den Anfang des Prologs: Sucht nicht das Wort, da? alles lösen kann, tvns dieser Stunde schwerer Däminertraum Glich bringen wird. Ei» scheuer Bann rührt, wenn der Tag versprüht in Duft und Schanm, oft Eure Seele» ivehend an. bis Ihr allein seid, Ihr im leeren Raum I Kein Wort sagt Euch, was Ihr empfindet— es wird aus Wolken, bis es wollig schwindet. Da so der Dichter mit einer in ihrer Art ancrkcnnenSwcrten Be- schcidenheit selbst einräumt, daß man unmöglich aussprechen kann. ivas man bei seiner Dichtung fühlt, bescheidc ich mich gern. Es bleibt mir demnach nichts iveitcr übrig, als einfach meinen Lesern zu er- zählen, was denn nun eigentlich vorgeht. Die nicht eben angenehme Aufgabe wird durch den Umstand erleichtert, daß eine solche Wieder« gäbe zugleich die beste, ja genau genommen, die einzig mögliche Kritik ist. Also: es treten in diesem„mystischen Drama" nicht Personen auf, auch nicht„handelnde Mensche»", wie cS eine Zeit lang unter dem Naturalismus Brauch war, sondern„Gestalten". Die erste ist „die Sage", die in einem Prolog das Publikum ans die Mystik schonend vorbereite» soll. Nachdem so die geistigen Ansprüche herab« gestimmt sind, beginnt das eigentliche Spiel. Ich würde meine Pflicht verletzen, wenn ich nicht erwähnte, daß die schleierhafte Gc- schichte im Neuen Theater nun auch wirklich hinter einem Schleier gespielt wurde. Man hatte einen durchsichtigen Vorhang herabgelassen, der während des ganzen Spiels nicht aufgezogen wurde. Auf diese Weise zog die„Handlung" wie ei» Nebclzng am Auge vorüber, was eine ebenso billige als licfsinnigc Kniistwirkung genannt werden niuß. Das Stück spielt ans einer deutschen Burg in irgend einer sagenhaften Zeit. Die Herrin der Burg ist„cm schönes, volles Weib, hcllgckleidet sgrünviolett mit iveißen Aermcln), duiikelrote.s Haar. Sie' ist in der Mitte der Dreißiger, eine BrünhildSgcstalt." Die Danie hat neben ihrem Galten einen Liebhaber, der Wolf heißt und als groß, täppisch und ungeschlackt geschildert wird. Dieser Wolf kämpft mit einem fremden Liitler, der seine Dame gehöhnt hat. Da er mehr ein Mann von Miiskeln, als von Vcr- ständins, besiegt er ihn auch und führt den„Besiegten" seiner Herrin als Diener zu. Das hätte er min freilich lieber nicht ihn» sollen, denn niit dem„Besiegten" zieht ein wahrer Höllcnspnk ein. Die Geschichte fängt jetzt an sehr dunkel zu iverdcn und ich gestatte mir ein kurzes Stoßgebet, ehe die Nacht der Mystik mich verschlingt. Also: der„Besiegte" scheint mit einem spnkhastcn Ritter i'dciitisch zu sein, der bereits seit uralten Zeiten in der Gegend sein Wesen treibt. Er hat die Eigentümlichkeit, als Ritter ins Hans zn kommen, die Dame des Hauses zu verführen und dann in geheimnisvoller Weise als Mönch zn verschwinden. Wenn ich recht verstanden habe, sterben die Damen regelmäßig, nachdem sie von ihm in dieser Weise bedacht sind. Der Besiegte gewinnt also zunächst daS Herz der Herrin, wie es scheint, durch einige mittelmahige Verse. Darauf gehen beide ab— ins Schlafzimmer. Die leere Stube füllt sich nun mit dem Herrn des Hauses und seinen Freunden, die ein wildes, aber sympathisches Zechen beginnen. Man unterhält sich von dein sagenhaften Ritter, der wieder gesehen sein soll, und stellt ihm einen Humpen hin, falls er er- scheinen sollte. Er erscheint nun wirtlich und zwar als Mönch, wie die Sage vernieldet. Die Ritter sind natürlich vom Schreck gc- lähmt, und das benutzt der ehrenwerte Mönch, um ihnen eine moralische Standrede über ihr verruchtes Kneipen zu halten. Wie er dazu komnit, ist mir nicht recht klar geworden. Es scheint nur immer noch harmloser, die Nacht beim Becher, als in einem fremden Ehebett zuzubringen. Aber na I Der Mönch hält seine Rede, wirtschaftet mit seinem Krucifix herum und geht. Dann kommt die Herrin aus dem Schlafgcmach. Die Liebe hat sie offenbar lyrisch gemacht: sie singt, und zwar singt sie von einem Liebsten, den sie gehabt hat und den sie durchaus wiederhaben will. Der Ehemann wohnt dieser Scene natürlich mit sehr ge- mischten Empfindnngcn bei und rennt ihr schliesilich einen Säbel in den Leib. Wie eS scheint, in einer Anwandlung von Frömmigkeit holt man den Mönch zurück, der an ihrer Leiche ein Gebet sprechen soll. Er weist die Anwesenden hinaus, läsit Totenterzen bringen und hält nun eine» lyrischen Sermon. den ich nur teilweise ver- standen habe. Schließlich gebietet er dem Mond, sich zu verfinstern und benutzt die Dunkelheit, um in geheiinnisvoller Weise zu ver- schwinden. Das wäre alles. Wenn die„Seressioiisbühiic" uns noch einmal mit derartigem Nonsens komnit, dürfte sie bald nicht mehr iit der Lage sein, wieder zu kommen. Wir haben bereits früher ans- geftihrt, daß wir Vereinsbnhnen für eine litterarische Nvtlvendigkeit halte»! aber natürlich nur dann, wenn sie Dinge anfführen, die der Ausführung wert sind. Wenn man Bühnen' gründet, mn seine lyrischen Vettern aus ihrer bescheidenen Verborgenheit herauszuholen, treibt man Unfug. Die Eitelkeit ist am Ende eine berech- tigte Eigentümlichkeit kleiner Lyriker. So lange sie ihre Befriedigung in genialen Frisuren, mystischen Krawatten und derartigen Dingen findet, ist sie auch hannlos. Wenn sie aber Bühnenvereine gründet und unbescholtene Leute zwingt, stundenlang ihren» übcrtägigcn Zauberkram beizuwohnen, wird sie gemeingefährlich, lieber die Mystik in der Kunst mag man denken, wie man immer will. Was aber Herr Scholz bringt, ist gar keine Mystik, sondern verworrenes Zeug, das aus eincin offenbar nicht ganz entwickelten Gehirn stammt. Dein„Besiegten" folgte ein barocker Schwan! von Frank W e d e k i n d. Er macht allerlei satirische Randglossen zu dem Schicksal eines Kammersängers, der von liebestollen Weibern, verkannten Komponisten usw. übel geplagt wird. Viel Kunst steckt nicht darin, genau besehen vielleicht gar keine. Dafür aber hat der Autor einigen Witz, über den das Pnbliknnr sich»Üt Recht freute. Notwendig war die Aufführung des Stückes keineswegs, aber eine direkte Versündigung an der Aufgabe der Vcrcinsbühnen war sie aber auch nicht. In dem Bewußtsein, daß man sich eine halbe Stunde ganz nett amüsiert hat, kann man über die ganze Sache zur Tages- ordiiinig übergehen. Die Darstellung war gut. Besonders der„Besiegte" war von Martin Zickel unverdient fein insceniert. Von den Schauspielern traten im ersten Stück G r e g o r i, im zweite» P a g a y und etiva noch B i e n s f e l d hervor.— _ Erich S ch l a i k j e r. Kleines �euillekon» g.('ine Gcmeiulicit. Das Berliner Zimmer lag in geiniit- lichcm Halbdunkel. Die niedergelassenen Jalousien ließen auch nicht einen Schimmer der beginnenden Morgendämmerung herein. Milde gedämpft durch das rote Krystnll der Glocke floß das Licht der Ampel von der Decke herab. Die Familie schlief noch den festen, friedlichen Schlaf der Gesunden und Sorglose». Zwischen den breiten Nußbaum- bettstcllcn der Eltern stand das rosavcrhangene Himmelbett des kleinen Mädchens. Sie hatte de» blonden Lockenkops tief in die Iveichcn spitzenbesctztcn Kissen gedrückt. Die seidene Steppdecke war ctivas zur Seite geglitte», aber die mollige Wärme, die der Kamin ans- strömte, ließ sie es nicht empfinden, daß ihre Beinchen unbedeckt waren. Tiefe Stille; nur die Atemzüge der drei Schlafenden füllen den Raum. Da plötzlich ein schriller Laut. Vom Korridor herein tönt ein helles langgezogenes Klingeln. Das kleine Mädchen zuckt zu- sammen und wirft sich schlaftrunken hin und her, dann fährt sie zäh empor, namenloses Entsetze» malt sich in ihrem Gesicht. „Mama I... Mama!" Die Frau richtet sich mit einem Ruck in die Höhe:„Erna!... Mein Himmel, Erna, was ist denn los?" Vom Korridor her tönt noch einmal das lange Klingeln. „Mama... horch doch nur, Mama I" Das kleine Mädchen faßt der Mutter Hand.—„Wer kommt denn da? Es ist doch Nacht? Ach, Mama, ich graule mich so 1" sie beginnt zu weinen. Auch der Vater ist waai geivordcn, ärgerlich dreht er sich ans die Seite:„Na, was soll denn der Spektakel bei nachtschlafender Zeit." Die Mutter tätschelt nach dem Kinde hinüber:„Ist ja nichts, Ernachen, schlaf nur, schlaf, mein Mäuschen." Und zu dem Mann gewandt:„Hat sich wohl einer in der Thür geirrt. Vielleicht der Student von oben, der ist ja ohnehin immer betrunken, lvenn er nachts ans seinen Damenkneipcn kommt... Schon wieder? Das ist aber tark!" Das Klingeln tönt ohne abzusetzen. „Da werd ich aber doch mal nachsehen!" Sie springt mit beide» Füßen zugleich ans dem Bett und wirft den Morgenrock über und eilt hinaus.' Erst nach einer ganzen Weile tritt sie wieder ein, zornbebend ivirft sie eine Zeitung ans den Tisch: „Nein, es ist ein Skandal!... Ein Skandal ist es.' Weißt Du. wer es war? Das kleine Zeitungsmädchcn. Sie bekam das Blatt nicht durch den Spalt, iveil es so dunkel ist; draußen liegen lassen wollte ie es nicht, sagt sie— sonst würde es wieder gestohlen, wie neulich, und sie müßt' es bezahlen. Darnni klingelt solch' Balg einen früh morgens 6 Uhr aus dem Schlaf I... Na, Ernachen, schläfst Du denn noch nicht wieder?" Sie tritt an das Bett des Kindes und treckt ihni die Arme entgegen:„Na, dann komm in Mamas Bett hinüber, Mäuschen. Komm... komm geschwind! Siehst Du, nun liegen wir wann, nun werden wir schön schlafen beide, nicht Ivahr, mein Herz?" Sie zieht das Deckbett über sich und das Kind, aber während die Kleine sich wohlig in ihre Arme schmiegt, erwacht in ihr der Aerger von neuem;„Nein, ich schreibe es nachher dem Spediteur, diese nichtsnutzige kleine Jöhre! Selbst das Kind hat sie mir wach gemacht mit ihrem tollen Klingeln, selbst das Kind, so eine Gemein- heit— Ivo alles schreit, daß eS ungesund ist. die Kinder aus dein Morgeuschlaf zu scheuchen. Ich schreibe es dem Spediteur... er soll sie vornehmen... so eine Gemeinheit!"-- —„Es ist erreicht!" Die„Grenzboten" schreiben: Wenn der Indianer oder der afrikanische Wilde seinen Feinden fürchterlich erscheinen will, so streckt er sich eine lange Feder ins Haar oder durch die Nase. Der europäische Kultnnnensch, der seinen Mitmenschen groß und gewaltig vorkommen möchte, wichst sich seit etwa zehn Jahren seine Schnurrbartenden bis zu den Ohren in die Höhe. Es ivird also für künftige Kostümforscher zu den Kennzeichen einer bestimmten Epoche gehören, weswegen es wohl der Mühe wert ist, einen Augenblick über seine Ursprünge nachzudenken. lieber seine neuerliche Herkunft ist nicht so leicht ins klare zu kommen, wie über sein erstes Erscheinen. Der hochgestrichene Schnurrbart(bigote levantado)_ ist in Spanien erfunden, zu einer Zeit, als die spanische Macht in Europa schon gebrochen war, als aber ihre Ansprüche noch sehr hoch gingen, am Hose Philipps I V. Der König war ein schlaffer und weichlicher, aber sehr hosfärtigcr Herr. Ihm verdankt die Mode den Vatermörder- artig aufrecht stehenden spanischen Kragen(anstatt der bis dahin ge- bräuchlichen radsörniigcn Kranse) und er selbst trug auch zuerst mit den aufgerichteten Schnurrbart, sobald er nämlich einen hatte, denn er kam 1621 sehr jung zur Regierung. Voin spanische» Hofe aus verbreitete sich dieser Schnurrbart weiter, ihn trug Philipps Schwager, Karl I. von England, ebenso ein Teil der östreichischen Habsburger, er kam nach Belgien, und die spanischen Soldaten brachten ihn während des dreißigjährigen Krieges mit nach Deutschland; auch bei deuSchweden finden wir ihn. sowie in Frankreich unter Ludwig XIII. Unter Ludwig XIV. fällt dann der Bart, und das Zeitalter des Roloko kennt innerhalb der guten Gesellschaft nur glattrasierte Ge- sichter, bis die französische Revolution, zunächst allerdings bloß für das Militär, den Schnurrbart wieder aufbringt. In dem übrigen Europa steigt der Schnurrbart nur selten so übertrieben in die Höhe, wie in seiner spanischen Heimat. Hier wurde er mit Schnurrbart- binden und Futteralen gezüchtet, und wenn wir die Bilder von Velasquez oder Murillo ansehen, so begreifen wir, daß ein richtiger Vollblutspanier ohne solche Zwangsmittel sein Schnurrbartidcal gar nicht hätte verwirklichen können. An diesem Punkte sind tvir heute wieder angelangt. Nur besteht ein Unterschied und nicht zum Vorteil unserer Zeit. In Spanien war der anfgestrichene Schnurrbart, wie wir aus den alten Bildern sehen, eine Art Vorrecht des Kavaliers und des Soldaten. der einfache Bürgersniann trug ihn im allgemeinen nicht. Heute schmückt er den martialischten Lieutenant und den friedfertigsten Seifensieder, und aus dieser Nivellierung ergeben sich unsagbar komische Eindrücke. Aber mehr als das. Einst horte ich eine kluge Mutter ihrem zu ihr in die Ferien zurückgekehrten Sohne sagen:„Du mußt nicht so viel mit Deinem Barte aufstellen; die Leute meinen sonst, der Bart wäre die Hauptsache an Dir." Das Wort sollte sich eigentlich jeder Mann von Geschmack merken. Der Bart trägt zum Gesichtsansdruck bei, er kann ein Teil der äußeren Persönlichkeit werden. Tritt er aber so ungebärdig und vordringlich auf wie hier, so nimmt er die Charakteristik beinahe ganz ans sich. Der geistvollste Kopf und das ausgesprochene Schafs- gesicht werden auf solche Weise einander ähnlich. Dieses gewinnt vielleicht, soweit dies überhaupt möglich ist, jener aber verliert sicher, und er weiß es nicht, weil er immer nur in seinen Schnurrbart ver- liebt ist.— Theater. Lessing- Theater.„ I o s e p h i n e' von H e r m a n n B a h r. Kunz von der Rosen, Du bist ein Narr. Kein Narr der Komödie, indem die Weisheit des Lebens steckt, sondern ein Narr des Lebens, der die Weisheit der Komödie nicht begreift. Ich laß Dich hängen, wenn Du grämlich thnst. Ich verkupple Dich an Blumenthal, wenn Du nicht lachst. Ich niache Fulda zu Deinem Vetter, wenn Du schäbig bist. Du sollst heut fröhlich sein. Oder begreifst Du nicht, um was es sich handelt? Um einen Witz, schwerfälliger Freund! Um einen Witz I Herr Bahr hat eine Komödie geschrieben, was an sich schon ein Witz iif. H'cnn ailch ein tri per." Er nahm??apoieoN zum fcTh-it, was den Witz in einen Kater tieriehre» iöiuire, wenn nicht Herr Bahr ein so geriebener Dichter wäre. Schlau rnntz man sein, banernschlan, premieretipjisfici— zinn Teufel. Kunz, dieÄIten waren klug und wir sind smart. Wenn es Blenschen giebt, die dein kleinen Nssen schmeicheln, der in jeder groszeu Natur steckt— warum sollt cS nicht Poeten geben, die den kleinen Affen besingen? Warum sollte Bahr in Napoleon nicht den geilen Assen zeigen und ivaruin sollte er— benifen wie kein zweiter— nicht auch de» Napoleon schildern, der bei Talina Posen studiert? Kunz von der Rosen, Du bist nicht froh. Daß der Witz nach zwei Akten ausging, scheint Dir fatal. Nicht einmal Frl. Groß hat Dich begeistern könne», obwohl sie sich auszog, soweit es die Grenzen der llnänständigkeit erlaubten. Nu» sei doch klug. Oder merkst Du noch immer nicht de« Witz? Wir waren im L e s s i n g- Tbeater. Jetzt lachst Du schon.— bl. L. Volkskunde. —„ Mn m meli s." Aus Weyersheim im Elsaß wird der.Straßburger Post' geschrieben: Ein bemerkenstverter Volks- gebrauch, über dessen Wert sich freilich streiten läßt, ivird in imjcrcm Dorfe geübt. Wenn nnsere Baiier», ob jung, ob alt, lustig anf- gelegt sind, besonders in der fröhlichen Laune nach einem guten Essen oder nach einem tüchtige» Wännertrmik, so spielen sie „Muminelis". Dieses sonderbare Spiel besteht darin. daß sich je zwei Männer mit den Köpfen anrennen, sei eS in der freien Stube, sei es auch über den Tisch hinüber, ivobei nicht selten Gläser zerbrochen werden und Teller in Scherben gehen. Die Be-. teiligten suchen sich gegenseitig so übel als möglich zuzurichten und zielen nicht nur auf den— hierzulande immerhin harten— Schädel, sondern mich auf Lippe». Nase und Augen, so daß mancher ans dein Kampfe mit eiitstclltei» Gesichte hervorgeht. Regeln giebt es bei diesem Kampsspiel nicht, Preise auch nicht; es gilt bloß»in die Ehre, den Gegner möglichst übel zuzurichten. Auch ist cS verboten, dem Sieger böse zu sein, und trotz der erlittenen Benlea. Püffe und Stöße miiß man am Ende friedlich miseinaudergehen. Dieser eigeutüinliche Sport, über deffen Entstehung nichts bekannt ist. stebt.'so viel wir wissen, im Elsaß ganz vereinzelt da. Der Name .MmimieliZ' ist zusammen zu bringen mit dein nnuidartlichen »Muuiniel' gleich.Stier.'— Aus den« Pflnnzenleben. — Der Twallang oder H o n i g b a u m. Am Ostfirande Sumatras haben, wie wir in Spemanns Wochenschrift„Mutter Erde' lesen, sich die Eingeborenen geiviffe Gebiete reserviert, die nie ver- lauft werden dürfen. An Europäer»verde» sie auch nur unter ge- wissen emschränkendrn Bedingimgen verpachtet, so dürfen Obstbäume, Giimmibänme und vor allem der Twallang oder Honigl«au>n nicht geschlagen iverden. Der Twallang gehört der Kamilie der Leguminosen an. seine Blätter gleichen denen der stacheligen Akazie, die ganz kleine» Blüten wachsen in Dolden und die Früchte sind Hülsen, deren jede nur ein Samenkorn enthält. Er ist höher als alle ander» Bännie jener f? egend. Ost setzen die ersten Aeste erst in einer Höhe von ZO Meter an. Houigbaum heißt er. weil ganze Schwärme von Bienen ihre Wabe» in sein Gezweig hnieinbauen. Der Tnwillnng ist aber eine direkte Gefahr für die Bodenkultur, da er das Wachstum anderer Pflanzen allzu sehr henmrt nnd er ivird trotz des Verbotes oft ver- nichtet. nicht gefällt, da fein Holz so hart ist, daß sich kaum ein Kuli daran»vagen würde. Er»vird einfach lebendigen Leibes ver- brannt. Man stützt den Bcnrni von allen Seiten her, füllt den Zimscheirramn zwischen den Pfeilern nnd dem Stamm zur Zeit, wo die Dschungeln verdorrt sind, n>it trockenen» Gestrüpp ans und ziindet dasselbe an. Das Fever»vird»interHalten, bis die Flamme die fast> inentzündliche Rinde dnrchdnnigen nnd das Holz selbst brcimt. Longsam brennt der Riese und stürzt dann schließlich«iit kolossalen, Krach zur Erde, da liegt er oft t>— 8 Wochen, das Holz brennt durch nnd die Rinde bleibt intakt. Auf den Zloeigen des Tivallang wächst sehr oft eine Feigenart, deren Samen von Bogel», dorthin verschleppt ivnrde»; die Wurzeln hängen zur Erde hinunter. Manchmal beivirtt aiicki der Parasit den lintergang des Baumes. Den Affen diene» die Wurzeln des FeigenbamiieS als Leiter und in ganzen Hanfe» klettern sie hinaus, um die süße» Flüchte zu »mschen.— Technisches. — Fisch schupp en. Im Handel uud in der Teckmik unter- scheidet mau unter diesem Rauwu verschiedene tierische Stoffe. In Apotheken und D rogueuhaudlniigen versteht man die getrocknete, unter der Haut des Tiiltenstsches befindliche Rückeuschaie. Benutz! ivird davon die»vciße schtvammig-blätterige Maffe," die unterhalb der harten, spröden Schale befindlich ist'. Früher benntzte man die pulverisierte iveiße Masse als Material für Zahnpulver, als Fieber- und Magenmittel iimerlich nnd zum Begreibe» von Tin teuf chrift oder Tintenflecken von Papier. Borzüglich geeignet ist die weiche Masse anch zur Herstellniig von Gußfarm«» tleineren llmfangS znm Gießen edler Metalle. So z. B. lasten sich Münzen vorzüglich in die glattgeschnisteiw Fffchschnppe eindrücken und geben auf diese Weise eine Giißfonn, luie sie kam» ans einem anderen Material schö»,er hergestellt werden kann. Die Technik venvendet heute auch dir Schuppen von Weiß« und anderen silberglänzenden Fischen zur Her- siellnug f.rtv Flüssigkeit, mit der»nan Glasperlen das eigentümliche lüsterariiße Anssehe»! der echten Perlen geben kaum— l.Techn. Rundschau'.) Hillnoristisches. — Häusliche Gens u r.»Du bestehst also darauf, den Süudenfall malen zu wollen?" „Ja gewiß l' „Run, ich muß gestehen, daß ich diese Idee für einen jungen Ehemann durchaus uiipaffend finde!"— — Bon ihrem Standpunkt. Sanitätsrat:„So so. also Sie ftihlen sich jetzt innner matt l Waim stehen gnädige Frau alliuorgendkich auf?" K o m m e r z i e n r ä t i n:.Wann werd' ich anfstehn»? Zwischen 12 und 1 Uhr,—»vi« alle Welt!"— — Der Mäccn. Geldprotz sznm Gelehrtens:.Ich Iveiß, junger Nkan», Sie möchten gern berühnit»verde». Gehen Sie hin, entdecken Sie den Nordpol! Ich bezahl's I'— (.Lust. Dl.') Notizen. — Von Ernst Preczang ist eine Ncnaufloge der Dichtung „W e i h n a ch t" erschienen. Die Biichhaudlung Vorwärts hat. de» Vertrieb des Heftchcus, dessen Preis 10 Pfennige beträgt, über» iiomuien.— — Von Arno Holz erscheint in den nächsten Tagen im Berlage von Johann Saffenbach, Berlin, ein neues Buch: .Revolution der Lyrik'.— — Adolph L' A r r o n g c s neues Schauspiel, das am Weihnachtstage im Schaiispiclhanse i» Sccne geht, führt den Titel: «Otto L a ii g m a n i» Wwe."— — Otto Ernst 8 vieraktige Komödie„Jugend von heute" ist bereits vom Berliner Schouspiefimuse, ferner von Theatern in München, Stuttgart. Wiesbaden, Magdeburg rmd Hamburg angenoin»»en.— — Siegfried WagnerS.Bärenhäuter' kommt im Berliner Opernhause im Febriuir zur Aufführuug.— — Im Berliner Opernhause ivird die dreiaktige Märchen« oper.Das eherne Pferd", Text von Scribe. Mnstk von A u b e r. neu einstudiert. Engelbert Humperdinck hat sie für die deutsche Bühne neu bearbeitet.— — Eine dreialtige Oper von Georg He nischel„Nnbia" fand bei der Erstaussühruug in der Dresdener Hosoper eine freuiidliche Aiifuahme. Der Text ist von Max Kalbeck mich«liier Novelle von Richard Boß verfaßt.— — In einem Anfafl von Schwermut stürzte sich in Dresden der miter dem Namen.Mikado" bekaante Schriftsteller Edler v. d. Planitz ans seiner Wohnung anf den Platz herab und blieb sofort tot. Er ist besonders als Versaffer der„Sächsi- scheu Schnadahüpfln' in den.Fliegenden Blättern' bekannt ge- tvorden.— — Josef K a i n z erhält nach seinem neuen Vertrage mit dem Wiener Burgtheater. der ihn für zivölf Jahre verpflichtet, eine Jahresgage von 18 000 Gulden»md lvutraktliche» Urlaub für seine Gastspiele.— — Eine neue Operette von Ludwig Eng I ii u de r. D e r kleine Korporal" hatte im Wiener Kari-Theater bei der Erstaufsührmig eine» lebhaften Erfolg.— — Henrik Ibsens neues Drama führt den Titel„Wenn die Toten' erwache»,. Dramatischer Epilog".— — Im A m st e r d a m e r Theater wurden im letzten Jahre 4B Stücke gegeben, von denen nur acht holländische waren, nnd unter diesen nur eine Premiere.— — Der holländische Rom-Preis ist jüngst einen, Fräulein M y>» s s c» znerkinmt»norden. DaS Werk der jungen Künstle,"in. ein den Frühling darstellendes Standbild, ist mit der goldneii Medaille beivertet»vorden.— — Die Operette„La fille de Madame Ängof von L e c o e q erlebte mehr als 20 000 Anfführmigeii und erzielte b0 Millionen Frauks Einnahureii.— — An der ganzdn O st k n st e Koreas,„ainerdlich in der Gegend von Ulsan, findet iiwn, nach dem„Ostas. Lloyd', j a p a- nische Frauen, die dem schweren»ud gefahrvollen Beruf von Tauchern nachgeben. Fast alle stanime» ans Shima, Miy« Ken, einem der bekanntesten Fischerriplätze Japans. Diese Tauche- rinuen sind zwischen 17 und 30 Jahr alt Sie machen ineist auf Agar-Agar, Tang, Seerohr usw. Jagd. Sie erhalten von den Unter- nchmcni fteie Station und verdienen außerdem zwischen 12»md 10 Den letiva 48—04 M.) im Monat.— Kerlimioortlicher Revacienr: Paul John in Berlin. Druck u:U> Vertag von Max Babing in Berlin.