Interhaltungsblatl des Vorwärts Nr. 243. Mittwoch, den IZ. Dezember. 18S9 2t Elfe. (Nachdruck verboten.) Von Alexander L. K i c l l a n d. Aus dem Nortuegischcn von Leo Bloch. In der Arche hatte man mehr Angst vor ihr als selbst vor Madam Späckbom, und sogar die mutigsten von der Bande gingen auf Zehen, wenn sie Fräulein Falbes Treppen- absah passierten. Es Mar übrigens eine umständliche, alte, knarrende Treppe, die sich mit ihren vielen Absätzen girte Zeit lies;; aber zum Schlus; ivurde sie steil wie eine Leiter. Es gehörte zu Flohs Licblingsvergnügmigen, ans dem Geländer von ganz oben bis ganz herunter zu rutschen, mit einem kleinen Hops auf jedem Absatz, das heißt,»venu Fräulein Falbe in ihrer Schule tvar. UebrigenS tvar daS Fränlcni immer freundlich zn Floh— auf ihre etwas strenge Art. Am Abend, wenn Madame Späck- bom mit ihrer Praxis beschäftigt tvar. saß Else oben in der Stube bei Falbes und las oder besah Bilder, während das Fräulein Aufsätze korrigierte. 5lam dann Ehristian heim, sowarfdie Schwester einen schnellen Blick ans ihn. und je nachdem derselbe nusficl, wurde Else hinuntergcschickt oder aufgefordert, zu bleiben. Dann konnte Christian sich hinsetzen und mit ihr scherzen oder Dame spielen, und Fräulein Falbe sah mit ihrem netten Lächeln von ihren Aufsätzen auf.»venu sie recht herzlich über einander lachten. Trotzdem amüsierte Floh sich noch bester oben auf dem Boden bei der Bande. Ein eigenes. geheimnisvolles Dunkel war da oben über all den wnudcrlichen Winkeln und kleinen Lochern ausgebreitet. Außerdem ivußte man nie, wer eigent- lich da wohnte, denn die Gesellschaft wechselte beständig. Bald waren rS bloß zwei, drei von den festen Mietern, bald konnte es in jedem Winkel von Menschen wimmeln— meistens von Männern, welche schliefen, Karten spielten, tranken oder die Köpfe znsammrnstecktcn und zischelten. Die Hauptperson auf dem Boden tvar die„Lcnepirppech ein großes, starkes Frauenzimmer mit dunklem Haar, kleinen Augen und einer ungewöhnlich dicken Unterlippe. Sic mietete alle Rännie hier oben im Ramsch von Madam Späckboin. tvaS sür Madam sehr bequem tvar. Aber sonst tvar das Verhältnis zlvischen dm beiden Damen nicht ohne Reibungen, denn die Bande tvar durch Musik und Lärm und dergleichen eine große Störung für das HauS; überdies brachte sie die Arche in der ganzen Stadt in schlechten Ruf. Aber es mochte mm gehen, wie es wollte, Leucpuppe ließ sich nicht vcrtreibem Ost hatte Madam ihr gekündigt, und ein paarmal war Lenepnppe auch gegangen. Aber nach kurzer Zeit trat eine Versöhnung ein, und sie kehrte zur Arche zurück —„ganz tvie die Taube mit dem Oelblatt"— wie sich der alte Schirriuelster ausdrückte. Der alte Schirrmeister tvar ein versoffener deutscher Musiknut, welcher vor vielen Jahren mit einem heriitureiseuden Orchester hier heranfgekonune» tvar. In, Anfang ging es ihm gut. Er spielte reckst hübsch Violine und war auch sonst im stände, jedenfalls ganz respektabel ans fast allen möglichen Instrumenten zu spielen. Er bekam deshalb Empfehlungen an die besten Häuser. Aber nach und nach kam er außer Mode; das Trinken nahm überhand, und schließlich that er seine Lnnipen zusammen mit seinem ehemaligen Dienstmädchen Leue, welche er„meine Puppe" zu nenuen pflegte. Davon bekam sie im Bolksinnird den Kosenamen: Leneplippe. Jetzt tvar der alte Künstler darauf reduziert, vom Rotei, schreiben und von LenePuppeS Gnade zu leben. Nicker dem schrägen Dach stand sein altes Klavier, welches als Tisch zun, Notenschreiben, Essen und Trinken diente, und ganz hinten an der Wand stand der Violinkaste», verborgen, verstaubt und vergesse». Wen» Else mit dem alten Schirrmcister allein war, konnte sie ihn dazu bekommen, zn spiele»; aber das war nicht oft. Denn der alte Musikant war so weit gekommen, daß es ihm weh that, Musik zu hören. Dazu mußte er meist ettvas betrunken sein; aber dann konnte er spielen, daß das alte .Klavier seufzte und weinte, und Floh saß atemlos atls dem Bettrand und weinte mit. So Imige er ettvas zu trinken hatte, spielte er weiter, indem er teils saug, teils ihr erklärte, was er spielte; und so kam er dazu, seine Jugend zu schildern, voll von Hoffnung und Musik und Lustigkeit; wie er„Commers mit den Göt- tinger Studenten" gespielt hat und tvie der große Spohr ein» mal seine Hand ans seinen Kops gelegt hat und gesagt:„Er wird es weit bringen." Und der alte Schirrmeister wars seine hellblonde Perrücke fort, damit sie den Kopf selbst sehen sollte, ans welchem die Hand des großen Meisters geruht hatte. „Ja— ja— er hat es auch»vcit gebracht— der alte Schtveinigel!" sagte er darauf zu sich selbst und sah sich in seiner Tachkauuncr um, nahm einen Schluck«ud spielte weiter. Und Floh hörte zu und sah alle möglichen wunderlichen Dinge. Und strahlende Bilder breiteten sich vor ihr aus: ge- putzte Damen und Herren, Licht, Musik, Rose», Wage», und schimmernde Roste, Bräute in weißem Atlas— und wieder Rosen, deren Duft sie kannte. Au einem Sommerabeud— das Dachfenster stand offen und das Licht der untergehenden Sonne siel rötlich auf den kleinen Musikanten, der dasaß und— eine Flasche neben sich— Else vorspielte. Seme Augen waren feucht vom Trinken und von Rührung. während er sanft und auf die altmodische zarte Weise ein •ÄdaZio aus Mozarts Sonaten vortrug. Das war eine be- sondere Auftnerksamkeit für Floh. Denn sonst tvar er nicht dazu zu bekommen, die alten Klaff, ker zu spielen, was man ihm mich bieten mochte. Aber er hatte gemerkt, daß Else ihm folgen konnte. Und wenn er sah, wie er sie nach der Musik leiten konnte, so daß die klaren Augen bald voll Thränen standen, bald sich vor einer Offenbarung öffneten, da seufzte das alte Wrack:«Sie wird es auch weit bringen." Draußen aus dem Boden ließ sich ein seltsames Gepolter hören, und jemand riß an der Thüre. „Tra— tra— tra!— der Trommel ist da!" rief Schirr- mcister und schlug in einen lustigen Marsch um. Die Thür ging auf und herein kam. eine Trommel auf dem Leib, ein langer, dürrer Bursche in blauem llniform- rock mit laugen Schößen. Darauf folgte ein großer, dicker Manu mit einer Flöte unter dem Arm. Man brauchte bloß seine Unterlippe zu sehen, um sofort zu merken, daß er Leuepnppes Bruder Ivar. Aber war das mm die Schuld der Flöte, oder lag es in seinem Tenchera- ment— seine Lippe war viel dicker und hing doppelt jo weit henmter. Diese Person war ihrer Zeit Oekouom am städtischen Arbeitshaus gewesen. Ivar aber verabschiedet worden und jetzt lebte er in der Pension seiner Schwester, wie er sagte. So- weit man beurteile», konnte, stiftete er nichts Gutes,' da er kaum etwas anders that als trinke,», Flöte spielen und Be- sorgungen sür seine Schwester mache»:. Es war indessen etwas Geheimnisvolles um diese Be- sorgnngen, welche immer im Dunkeln vorgenommen wurden. Der lauge, zweireihige Rock des Oekonomen war eigemümlich ausgestopft, wenn er ausging; aber wenn er— verhältnismäßig schlank— zurückkam, wars die Schwester sich wie ein Habicht auf ihm che ein anderer ihn zu fassen bekam: den», es war bei der Bande die allgemeine Meinung, daß er nach solchen Expeditionen Geld nach Hanse brachte. Floh kannte sowohl den Oekonomen als auch Jörgen Tarn- boirr sehr gut; sie erhob sich schnell und machte Platz für sie, so gut es sich machen ließ. Jörgen Tambour brachte zu dem Konzert zwei Flaschen Bier und einen Pegel Branntwein mit. Der Oekouom blinzelte geheimnisvoll und sagte:„er hätte einen Boten gesandt". was er immer sagte. Kein Mensch wußte, was das für ein Bote war, auch nicht, wohin er gesandt worden war; aber alle wußten, daß er niemals zurückkommen würde. Ter alte Schirnnefftcr waif inztmschen einen gering- schätzige,» Blick ans die Trinkwaren und erklärte, daß er heute nicht spielen wollte. — g; „Bcfchl von Lcncpuppe!" sagte Jörgen Tainbour niit militärischer Kürze, und zu gleicher Zeit steckte sie selbst den Kopf in die Thür und sagte in einem ungewöhnlich sanften Ton:„Nun! spielt Ihr nicht? vielleicht würde es etwas Trinkbares geben?" „Ei, ei! scheint die liebe Sonne heute?" rief der Schirr- Meister, und der Oekonom nickte und putzte mit einem rotgewürfelten Schnupftuch die Klappen an seinem Instrument, während Jörgen Tambour behutsam den Branntwein in seine Brusttasche und die beiden Bierflaschen tief in seine langen Rockschöße steckte; wenn Lenepuppe traktieren wollte, konnte er das Seinige auf ein andermal versparen. Das Konzert begann mit einem Rondo grazioso von Fürstenau. Der Oekonom hatte in seiner Jugend wirklich Fürstenau spielen können. Aber mit den Jahren hatte sich gleichsam ein Schleier von Spucke über sein Spiel gelegt, und die Finger waren so dick und steif geworden, daß er sie gerade- aus hielt, wenn er spielte. Jörgen Tambour führt seine Partie mit Geschmack und Diskretion aus, indem er mit gedämpften Wirbeln verdeckte. wenn die Triller und Läufe des Oekonom eitel Spucke und Wind wurden. Aber der alte Schirrmeistcr begleitete nach seinem eigenen Kopf. Es mußte ziemlich weit mit ihm gekommen sein, wenn er an diesen Trios teilnahm: und während dessen spielte er in seinem Gram und seiner Schande eine so wilde Begleitung, daß der selige Fürstenau sein friedliches Rondo grazioso gewiß kaum wiedererkannt haben würde. Als sie gut ini Gang waren, horchte Lenepuppe an der Thür, und einen Augenblick danach kamen ein paar junge Menschen hinein; sie sahen wie Handwerksburschen ans oder etwas derart. Der eine war einäugig, und Floh wußte, daß er Blechschmicd war; der andere dagegen war ein neuer junger Bursche, der sich sofort dareiu stürzte, ihr den Hof zu machen. Else wollte lieber in Frieden sitzen und auf die Musik hören, die sie wunderschön fand; aber übrigens war sie so daran gewöhnt, daß das Mannsvolk hier oben sie kniff und liebenswürdig war, daß sie sich nicht weiter stören ließ. Lenepuppe kain nun auch selbst hinein und schloß die Thür hinter sich; und zu gleicher Zeit mit ihr, fast als ob er unter ihrer Schürze hervorkäme, zeigte sich noch eine Person, so daß es ziemlich eng in dem kleinen Raum wurde. Es war ein kleiner, blasser Mann; Floh hatte ihn neulich schon einmal hier oben gesehen und davon den Eindruck ge- habt, als ob es eine wichtige Person wäre. Indem er sich nun auf einen Schemel dicht neben die Wirtin setzte, liefen seine kleinen, wasserblauen Augen in alle Winkel, über alle Personen, hinauf durchs Dachfenster und endeten innen an der Thür, wo der Riegel vorgeschoben und der Schlüssel umgedreht war. Sein Gesicht war mager und blaß, als ob er lange im Dunklen gelebt hätte; die Haare waren hellrot, fast weiß und kurzgeschnitten, mit großen Ecken an den Schläfen. Seine Hände waren heller, als die der anderen; aber sie kamen selten vor, denn er benutzte sie, um darauf zu fitzen. Floh mußte jeden Augenblick nach ihm hinsehen: er hatte ein so wunderliches Gesicht; aber das allerwunderlichste war, daß er jedes Mal, wenn sie nach ihm hinsah, ein neues hatte. Und als er ihr Erstaunen merkte, fing er an Grimassen zu schneiden, und schließlich setzte er solch ein garstiges Ge- ficht auf. daß Floh einen kleinen Schrei ausstieß und sich er- heben wollte. Aber da lachte er still, lautlos und zeigte seine gelben Zähne. Darauf entstand ein Flüstern zwischen ihm und Lenepuppe; verschiedene Dinge, welche Floh nicht sehen konnte, gingen unter dem Tisch von Hand zu Hand; der Blechschmicd und der andere junge Mann wurden auch in die heimliche Unterredung hineingezogen. Aber wenn die Musik innehielt, sprach Lenepuppe ihm aufmunternd zu, und die Künstler erquickten sich in aller Eile und spielten weiter. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Mufeunt füv VölfteeKundc. (Die Vactzlersche Sammlung peruanischer Altertümer.) Nach laugen Verhandlungen über ihren Anlauf ist nun endlich vor kurzen» im Museum für Völkerkunde die Baetzlersche altperuauischc Eamlnlmig der Besichtigung durch das Publikum freigegeben Ivorden. 0— Die peruanische Abteilung des Museums, die bekanntlich auch die Sammlungen Macedo und Centeuo, sowie die durch die Herren Reiß und Stübcl auf dem Totcnfelde von Anco» zu Tage geförderten Gegenstände umfaßt, hat dadurch eine höchst wertvolle Bereicherung erfahren. Das Berliner Museum rivalisiert jetzt auf diesem Special- gebiet nicht nur mit den Museen in Paris, Madrid und Washington, sondern übertrifft sie noch an Reichhaltigkeit. Leider nur har die neue Sammlung nicht neben den älteren Aufftclluug gesunde». Sie ist ini Saal V des Erdgeschosses(hinter dem Schlicmann- Saal) untergebracht worden, während die Macedoschc sowie die Rcitz- Stnbelsche Sanmilung in den Sälen V und VI des ersten Stocks geblieben ist, u»d die Ceutcnosche Sammlung mit ihren prächtigen Thongefätzcn aus der eigentlichen Inka- Region verlassen auf der Galerie des Lichthofes steht. Diese Teilung der sich gegenseitig er- gänzcndeu Saminluugen ist im Interesse der Uebersichtlichkeit sehr zu bedauern. Vielleicht entschließt sich die Direktion des Museums doch noch nachträglich, den Pnrtcrrcsaal V von den persischen, turkcstauischen, sibirischen Sammlungen ganz räumen zu lassen und dafür die peruanischen Altertümer herunterzunehmen, umsomehr als ohnehin die Reiß-Stübelschcn Gräberfunde auf ihren» jetzigen Platz schlecht zur Geltung kommen. Auch die baldige Mitailfnahine der Bacßler- scheu Sammlung in den Zlatalog würde sicherlich von den Besuchern des Museums, die sich für die Vorgeschichte Amerikas interessiere»», mit Befriedig»»»»,» begrüßt werden. Die Baeßlerschc Sainiulnug umfaßt Erzeugnisse aller Industrie- zweige Altpcrus. Thongcfäße der verschiedensten Art, Gold-, Silber- und Bronzearbeiten, Gclvcbe, Fedcrverzierungcn, Waffen, HailS- und Ackergeräte, Holz- und Muschclarbcitcu': alles ist in zahlreichen Variationen vorhanden und bietet den» Beschauer ein anschauliches Bild des Kulturstaudes, den lange vor der spanischen Eroberung Perus seine Bewohner erreicht hatten. Besonders wnrcir es zwei Völkerschaften, die in stetigen» Ringen nach höheren Lebens- formen eine Höhe der kulturellen Entwicklung erlangt hatten, ivelche die spanischen Eindringlinge in Erstanncn setzte und sie zn jenen märchenhaften Berichten begeisterte, deren Nachwirkungen selbst heute noch nicht ans der ethnologischen Litterntur verschwinden wollen. Im Innern des Landes, auf dem Hochland zlvifcheu den Gebirgsketten der Anden waren es die südlichen Khetschuastämmc, unter ihnen als bedeutendster der Jukastan»»» im Cuzcothal; an der Küste, von Lainbayeqne südwärts bis zun» Jcafluß hinab war es der Sprach» stamm der Duukas, dessen Hauptzweig, die Chiim»(sprich Tschi-mn). seinen Sitz in der Gegend des heutigen Trujillo hatte. Ursprünglich waren die Nunkas völlig unabhängig von den JnkaS; auch zwüchei» ihnen selbst bestand kein fester Zusännncuhang. Jeder Stamm regierte sich nach seinem eigenci» Belieben und Herkommen. Das hat die Entstehung verschiedener einzelner Kulturccntren in den Fluß- thälcrn an der Küste begünstigt, eS hat aber auch später den Jiilas ermöglicht, die Dunkas verhältnismäßig leicht zu besiegen und deren reiche Gebiete ihrer Herrschaft einzuverleiben. Als Piznrro Iö31 in Peru eindrang, stand die einst so stolze Dm>ka-Ki»ltiir schon im Verfall. Die alten Städtcquartiere lagen teilweise in Ruinen, die Kanäle zur Vewässcnmg der Feld- und Gartenanlagcn tvarcn zcr- fallen, überall Rückgang, Siecht»»»» und Auflösung. Aus dieser Küstenregiou stammen zmneist die ausgestellten Gegenstände der Bacßlerschen Sainmlung. Zun» großen Teil sind es sogenannte„Gräberfunde", Utensilien, die aus den großen Hügel- gräbern, den HnacaS(sprich Whäkas) der Duukas stammen. Wie so manche anderen Völker liebten es nämlich auch die Dinikas, ihren Toten allerlei Gegenstände, an ivelche deren Herz zn Lebzeiten ge- hangen hatte, mit ins Grab zu geben. Betritt man den Saal V durch den Eingang von» Schliemaiiii- Saal, stößt man zunächst auf drei Doppelschräuke mit roten und schwarzen Thougefäßcn ans den Gegenden von Chepcn, Sau Pedro, Lanibaycque. Chiclavp, Guadnlupe Pascamayo, Trujillo und Ehim- bote. Die Gefäße sind mit der Hand gearbeitet, meist sorgfältig geglättet und mit Farben bemalt. Wie sich bei näherer Betrachtung zeigt, hat bei verschiedenen die Bemalung schon vor dem Brennen stattgefunden. Hervorragend sind die zun» Teil mit geometrischen Ornamenten verzierten Thomvarcn aus Trujillo. Während die ans den nördlicheren Küstcngcgcndc» stammenden Gefäße vielfach mit Tierköpfen geschmückt oder direkt Tierformcn nachgebildet sind, über- wiegt bei de» Fluide» aus Trujillo die Darstellliug von Menschen- köpfen und-Figuren, die durchweg niit Naturtreuc, manchmal allerdings etwas karikiert, den Typus der dortigen indianischen Bevölkerung tvicdergeben. Doch finden sich in der Sammlung aitch einige Köpfe mit dem Khetschua- Typus. danmter auf der Rückseite des ersten Schrankes, dritt- unterstes Bort, links, die gelungene Nachbildung eines Jukakopses. Als solchen charakterisiert ihn, ganz abgesehen von der Gesichtsform, schon jene eigentümliche Ausweitung der Ohrlappen, die den Jirkas von den spanischen Conquistadoren den Rainen„Orejones", errichtete man Bcinhnuser(Türme), und die Junkas an der nördlichen Küste bestatteten ihre Toten in so- genannten„Hiiacas*(sprich Whä-kaS). grogen mit Gängen und kleinen Gewölben oder Kammer» vcrschciic» Grabhügeln. Die ausgestellte» Mumien gehören dieser letzteren Region an. Der ein- balsamierte Tote wurde hier in hockender Stellung beigesetzt, die Knie hochgezogen, und die Arme entweder um die Knie geschlagen, oder die Ellbogen ans die Knien gestützt und die Hände zu beiden Seiten an den Kopf gelehnt. Nachdem die Leiche in diese Lage gebracht tvar, schnürte man sie fest in Zeug und Stoffe verschiedener Farbe ein, und setzte häufig auf den so cnt- standeile» Ballen einen künstlichen, ans Holz oder Zeug verfertigten Kopf. Bei den Mumien der Baefflerschen Sammlung ist diese bockende Stellung nicht zu erkennen, wohl aber bei den teilivcise halbgeöffneten Mmnienballen der Reiff und Stübelschen Sammlung im Saal VI des ersten Stockes(spcciell Schrank 109 und IIS). (Schluff folgt.) Ltlvines LcmVckon. Redivivus Heine. DaS ist der Heinrich Heine— Der lauscht ans Grabesrnh Dem Jubel ob seinem Steine Und lächelt eigen dazu. „Nun kommt das neue Jahrhundert, Nun bin ich Jubilar, Gebührend tvcrd' ich belvnndert, In Marmor gehauen wohl gar. Ja ja, so geht'S! Im Duster» Lager» die Dichter, wie Wein— lim endlich von euch Philistern Klassisch gepriesen zu sein. Ich tadle nicht, daff ihr dein toten Poeten den Lorbeer gebt; Was aber habt ihr geboten Dem Heine, der innner noch lebt? Der reclivivus Heine Geht droben tm Tageslicht Leibhaftig durch eure Gemeine; Ihr aber kennt ihn nicht. Er träumt im Gicbclstübchen, Ihn hungert nach Seelen und Brot z Seufzend sitzt sein Liebchen Am Bett, die treue Frau Not. Immer»och Ivcigert dem Dichter Der Onkel in Hamburg den Pump; Das saubre Lumpengelichter Zischt:„Heinrich ist halt ein Lump N Immer noch heulen die Hetzer: „Wie unerhört moquant! Auf, steinigen Ivir den Ketzer Hinaus zum tentschc» Land!" Nun gähnt dein giftiger Rachen, Moderne Matratzcngruft, lind erstickt erlösendes Lachen Mit Krankenstubenluft I"— So philosophiert der Heine I» seiner Grabesruh. Sie jubeln ob seinem Steine; Er lächelt eigen dazu. Bruno Wille. — Mincralgewlnnmig auf Madagaöcar. In seinem letzten Jahresbericht über Handel und Getverbe auf Madagascar kommt der britische Mcekonsul F. W. Turner auch auf die Mineralgctvinnnng ans der Insel zu sprechen. Der„Prometheus" entnimmt seinem Bericht folgendes: Unter den gcivonnencn Mineralien tvicgt daS Gold bei weitem vor. Es wurde vor etwa II Jahren zuerst in Jmerina gcnniden und seitdem bis zur Occupatio» des Landes durch die Fran- zosen in bedeutenden Mengen in den Handel gebracht, obivohl bie Gesetzgebung der Hova das unberechtigte Goldsnchen bei den Ein- geborenen mit langer Gefängnis- und Kettcnstrafe ahndete und den Europäern das Schürfen einfach verbot. Die Hanpausfnhrorte für Gold waren Majuuga an der Westküste und Mananjary und Tama- tave im Osten. Das über Tamatave exportierte Gold Ivurde vor- zngsivcise in der Landeshauptstadt angekauft, wo ein zwar geheimer, aber lebhafter Handel mit Goldstaub blühte. Trotz hoher Strafen, die sür die Eingeborenen auf dem Goldhandel stalldeii, gingen im Durchschnitt monatlich sicher über 57 Kilogramm Goldstanb ans der Hauptstadt nach Tamatave zur Ausfuhr. Der gemeinsame Gold« export über Mananjary und Majnnga ist wahrscheinlich»och größer, gar nicht zu reden vom Goldstaube, den die arabisch-indischen Händler über die weniger bekannten Häfen der siidwestlieben Küsten ausführten. Für eine genaue Bestinmnlng fehlt es an jeoer sicheren Grundlage. Alluvialgold wird in mehr oder tveniger abbau- würdigen Mengen fast überall auf Madagaskar gefunden, doch ist ans anstehende Gold>rze noch nicht ernstlich geschürft. Seiner Zeit waren Goldgräber ins Land gekommen, die auf der Insel ein Dorado zn finden hofften. und die geglückte Occupatio» der Insel führte einen Strom englisch redender Goldgräber heran; nach 6—8 Monaten aber folgte eine massenhafte Rückwanderung. Die Berggesetz- gebimg ivar den Uuternehmnugen der britischen, aiistralischen. amerikanischen und südafrikanischen Goldgräber nicht günstig und scheuchte in Verbindung mit dem Anfstande, der das Schürfen im Innern unmöglich machte, die fremden Arbeitskräfte ans dem Lande. Fetzt dürfte kaum ein Dutzend britischer und amerikanischer Gold- sncher auf der Insel sein, und diese stehen im Dienste französischer Gesellschaften. Ein Schürfschein kostet 20 M. und giebt das Recht, auf Grund einer Mntnng die Verleihung eines GrubenfeldeS von 2000 Hektar zu beanspruchen. Jeder kann zehn solcher Grubenfelder fordern, doch müssen sie 25 Kilometer unter einander entfernt liegen. Mit der Verleihung erhält der Muter für das Feld das alleinige Bergbanrecht, mit dem jedoch kein Betriebsztvang verbunden ist, sondern er behält dieses Recht, ohne einen Betrieb zn eröffnen, so lauge, als er jährlich eine Abgabe von 20 Mark entrickitet. Auf diese Weise ist fast halb Madagascar ab- gesteckt und sind bereits über 575 000 Hektar fest verliehen und dem freien Rtitbewerb entzogen. Dabei ist die Zahl der ivirklich in Betrieb befindlichen Gesellschaften im Verhältnis zum verliehenen Areal recht gering. Wird ein Feld in Betrieb genommen, dann wird es in Streifen von 1000 Meter Länge und 2öO Meter Breite zerlegt, für die an die Behörden eine monatliche Betriebsabgabe von 23 M. zn eilt- richten ist. Ein Goldausfnhr-Zoll existiert nicht, doch muff das Gold uachiveislich von einem genehmigte» Betriebe stamme». Der Gold- Handel- Schein kostet 35 000 M. Außer Gold sind bereits Eise», Kupfer, Silber und Blei gefunden. Außerdem sind Zinnerze nach- geivicscn, werden aber noch nicht gewonnen. Auch Diamanten sollen an einigen Stellen vorkommen. Daneben sind bis jetzt nnbedenteride Funde von Rubin und Halb-Edelsteinen, tvie Topas, Amethyst u. a. gemacht.— Litterarisches. — Drei Bilderbücher liegen uns vor. Bei I. H. W. D i e tz Nachf. in Stuttgart ist nach mehrjähriger Pause wieder ein „Bilderbuch für große und kleine Kinder"(Aus- gäbe 1800) erschienen. Es enthält eine ganze Reihe farbiger Bilder. darunter die Reproduktion eines Aquarells von A u g n st Specht „Else bei ihren Lieblingen", das durch ein längeres Gedicht näher erläutert wird, und von demselben Künstler zwei Bilder aus dem Tierlcben in derselben Ausführung:„Reiher und Falke" und„Igel und Ringelnatter" im Kampf, die beide auch durch Aufsätze er- klärt werde»; ferner hat H. G. I e» tz s ch eine farbige Illustration zu einer kurzen Geschichte„Am Weihnachtsabend" geliefert, und I. E. Dolleschal stellt in vier bunten Blättern Sccncn ans dcmLeben der Kinder in den vier Jahreszeiten dar. Der Tcxtteil enthält außer den bereits erwähnten Arbeiten und anderen Gedichten und Erzählungen in einem Anhange Wilhelm Hauffs Märchen„Das kalte Herz", das von O. E. Lau illustriert ist. Das Bilderbuch ist durch jede Partei-ZeitungSexpedition sowie von sämt- lichen Kolporteuren zum Preise von 75 Pfennigen zu beziehen. — Einen beachtenswerten Versuch, auch die moderne Litteratnr für Kinderbücher nutzbar zn machen und im modernen Sinne schaffende Künstler zur Illustration heranzuziehen, hat Ernst Brause- >v e t t e r in dem von ihm bei S ch a f st e i n u. C o. in Köln a. Rh. herausgegebene»„Knecht Ruprecht, Kinder- Weihnackitsblätt" gemacht.' Unter den litterarischen Mitarbeitern be- finden sich Richard D e h m e l mit Kinderliedcrn, Gustav Falke, Cäsar Flaischlen, Detlev von Lilien er on. Jakob W a s s e r m a» n u. a. Illustrationen, Text-»ud Nandzeichnungen, zum Teil farbig, haben u. a. I. B. Engl, F i d u s, G e n z m e r, Grote nreyer, Th. Heine, M ü n'z e r geliefert. Auch ztvei Kompositionen von Kinderliedcrn von Hans H e r m a n n und E. H u m p e r d i n ck sind beigegeben. Der Preis beträgt 2 M.— I. Stands Bilderbuch, das als Anschauungsunterricht für Kinder gedacht ist. erscheint bei K ü n z l i in Zürich in vier Heften mit zusammen 50 Doppeltafeln in Farbendruck und einem Anhang von Liedern, Erzählungen und Beschreibungen. Zwei Teile liegen vor; jeder Teil lostet 3,20 M.— Musik. Novitäten— daß Gott erbarm' I Wie vielen Personen des Publikums sind die allermeisten Werke unserer Klassiker und gar erst der übrigen, sagen ivir: der Neben-Klajfikcr, so gut wie neu! Dies schon deshalb, weil es sich um eine große Menge von Werken handelt, mit der ja doch das Publikum schwerer bekannt wird, als mit den entsprechenden Mengen von Werken der bildenden und der dichtenden Kunst. Große Partien der Musikgeschichte harren so, oder harrten noch vor kurzem eines Wiedererstehens. Ganz besonders gilt dies von GcorgFriedrich Händel s1685— 1759), den Gerv.nus «TS den deutschen Shakespeare pries, als den emsten tiefen Germanen gegenüber den angeblich niehr formell wirkenden und mehr südländischen ändere» wie Bach, Haydn. Mozart, und dessen Wiedererweckung der gelehrte Chrysandcr zu seiner opfcrvolle» Lebensaufgabe gemacht hat. Während das allgemeine Wachstum des Interesses an Händel seine Vocallverke, zumal seine Oratorien, bevorzugt, bleibe» seine In- struniciitalwerke dahinter zurück. Der schlimme Ausgabenstand seiner Klaviersachen wurde erst kürzlich wieder beleuchtet. VerhältuiSmähig am besten kommen noch seine vcrfchicdentlichen Konzerte für Orchester mit etlichen Solo-Jnstruniente»>veg, zum Teil gefördert durch die Hcrausgeber-Bemiihungen Kogels. Analog zu einer ähnlichen Auf- führung im vorigen Jahr hat jetzt Herr W ei ng artner im vierten Sinfonie-Konzert das v-moll- Konzert. mit zwei Violinen und einem Cello, zu Gehör gebracht. Handels schlichte Größe, in der Gesangskomposition eingeschränkt durch das Schnörkel- Wesen der damaligen Mode, kommt dagegen in solchen Werken viel freier heraus und kommt uns hier bis etwa auf die durch Haydn gekennzeichnete Distanz nahe. Man koinponiertc da- mals gerne„cviiccrtant", d. h. so, daß einzelne Instrumente führend hervortrete»; aNein es ist dies nicht die heutige Soloherrschaft— vielmehr gehen für jedes der so konzertierenden Instrumente die Selbständigkeit einerseits und die Einarbeitung iuS Ganze anderer- feit? einen Bund ein. der für alles lüujtlerische— oder sagen wir keck: auch für alles sociale Leben vorbildlich beißen darf. Die Herren Struß, Dessau und D e ch e r t spielten denn auch in diese»» Sinne; das Orchester war, nach der Probe zu urteile», hier mid i»n folgenden anscheinend so wenig vorbereitet, wie es nach Wagners hübscher Schilderung bei guten Kapelle»» eben geht: die Schwierigkeiten werden mit einen» lächelnden Vertrauen auf den alten Ntihm der N.'sche» Kapelle knrziveg überwunden. Bi z e t s Suite„Slloinn", als„Erinnerungen an Rom" ein des Komponrsten Leben mannigfach durchziehendes Werk, durfte in diesem Konzert, trotz senier Bekanntheit in vielen anderen deutschen Städten, fast als Berliner Novität gelten. Eine Progranunmusik mildester Art. mehr nur Stimnulugsmusik, hervorragend durch die reiche, schöne Thematik,>vie sie'jetzt in derartigen Kompositionen immer seltener wird. Hieße das Stück„Erinnerungen an Schuberck", so würde seine Verwandtschaft mit Schnbertschc'r Art— freilich ohne Entlehnlmgcn— Ivohl noch schärfer z» merken sein. Herr Weingartner hatte an diesen» Programm vorwiegend die für ihn passende elegante, nicht zu subtile Musik. Zum Schluß dirigierte er die„Apotheose des TanzcS", d. i. Beethovens 7. Sinfonie. Daß manchmal der Blas-»md Schlaglnrm die ftimmführcuden Streicher übertönte— mm ja; daß aber der alte Irrtum hier wiederkehrte, das Allegrctto als Adagio zu uehmen, den» Tanz- charaktcr der Sinfonie zu»» Trotz und die ganz wesentlichen Schattierungen des Staccato in» Hauptmotiv zu ig»ioricrcn, that lvehe. Diese Sinfonie-Konzerte unserer Opernkapclle halten sich nach ivie vor verhältnismäßig sehr vornehm. Geschieht ihnen also ga»lz recht, daß der sonst außerordentliche Andrang zu den Proben merklich nachläßt! Schon bot ein Agiolenr kurz vor Beginn seinen Karten- Vorrat zum Kasscupreis an. Dazu trägt auch der größere Ein- druck bei, den im Durchschnitt Gesangliches gegenüber Jnstrmucntalem auf das Publikum macht. Frau L i l i Lehmann, jedenfalls keine unvornehme GesangSkünstlerin, sah ihren dritten populären Abend swie wir lvcgcn eines Kollidicrcns mit einem Opernabcud uns be- richten lassen mußte»») ausverkauft. Er soll, reich an Wieder- holungen und Zugaben, der intcressauteste der bisherigen gewesen sein. Wie Frau Lehmann ihre Stimme, auf Grund einer gediegenen Stimmbildung, schier unvergänglich konserviert, so ist auch ihre Bedeutung für unsere Milsikpslegc eine konservierende; Fortbildungen »mseres Musiklebens»nüssen allerdings anderswo gesucht werden.— SZ. Kulturgeschichtliches. k. Eine Rechtfertigung der Musik findet sich in einer Prozeßschrifl von» Jahre 1646. Die ehrsame Gewai»dschncidcrznnst in Paderborn hatte eiiiein jimgeu Mitbürger die Aufuahine vcru>cigcrt, weil— sein Vater in der Jugend MnsiknS gewesen, seine Mutter aber eine Miillerstochter sei. Vater und Sohn versicherten, daß der erstere gar nicht der Klasse der Pfeifer und Spiellente angehört habe, die andere» für Geld dienten; die chrcilvollften Zeugiiissc w»rdc» beigebracht, vergebens, die stolzen Schneider blieben unerbittlich. Es kam zu einer Klage, die bis z: r dritten Instanz beim Neichskamniergeiicht gcsnhrt lvnrde. Dort blieb sie liegen. Bezeichnend sind aber die Gründe, die zu Ginrsteii dcrKlnger in den» Prozeß geltend gemacht worden. Die„Rene Musik-Zeitung" teilt davon folgende»nit:„Die niiiiic» ist keineswegs verächtlich zu schätzen; viel weniger daß die Kinder,»espectii parentuni(hinsichtlich ihrer Eiter»), dadurch infamicrt und von ehrlichen Acmter» ab- zuhalten sein sollte»; angesehen, daß Kaiser, Könige und Fürsten die Mllsik in hoher Aestiui habe», sich selbst darin exerzieren und andere >»»it trefflichen» solariis dazu halten und bestellen, daß auch Gott und seine Heiligen i» Kirchen und Kapellen durch die Musik fürnehmlich geehrt uiid die Gemüter zur Andacht bewegt»Verden— folgt ei» tateiiiisches Citat crnS Angnstinus' Konfessionen—: wie denn auch männiglich bekannt, daß die muska nicht allein für eine edle freie Kunst gehalten Ivird. sondern es haben auch die IsAiststoros(Gesetzgeber) darauf groß Anfinerksamkeit gehabt. Aristoteles»md Plato in ihren Büchäi»..De republica" haben viele gute Sachen davon ge- schrieben. Auch Marcus TullinS sagt(im Original ist der Text CiceroS lateinisch gegeben):„Ich stimnie dem Plato bei. daß nichts auf»vilde»vie auf milde Gemüter einen solchen Eindruck»nache.»vie der Klang der Musik, denn es ist kann» zu em»essen,»vie stark sie nach beiden Seiten hin lvirkt»>s>v." Ueber das auch die Engel selbst sich der Musik gebrauchen, und ist aus heiliger Schrift bekannt,»vie der Köi»ig David vor der Arche Gottes ans der Harpfen gespielt und miisicicrt habe,»vie daraus zu ersehen, daß die rnusica überall geehrt und nicht für ein solch Werk zu achten sei. daraus inkamin erfolge, oder denvcgcn einer von ehrlichen Aemteni auszuschließen."— Medizinisches. d. Ein merkwürdiger Fall von Vergiftung ist kürzlich in Liverpool vorgekommen. Fünf Arbeitcrfraiien, die ii'i der selben Stadtgcgcnd ivohnten. starben plötzlich kurz nacheinander unter Vcrgift»»igserschcinungen. Die Nachforschung ergab, daß sie sämtlich an deniselben Tage»n einer Bude an» St. Mariins-Markte Salzfische gekauft»md nachher gcgcffcn hatten. Professor Stelvart vom Univcrsity« College übernahm die bakteriologisckicUnteriilchung derLcicheiinnd stellte fest, daß die Vergistiing nicht durch Dtomaine(Leichengift), wie sie sich gelegentlich in toten Tieren bilde»», sondern durch das Ein- dringen eines Bacillus veranlaßt worden lvar. Der Forscher»st der Ansicht, daß bei den meisten sogenannten Fleisch-»md Wurst- vcrgifttuigcn ein Bacillus die Hauptrolle spiele, der mit dem Typhus- dacillnS vcrivandt sei und einen» in den Laboratorien schon lange nntcr dein Namen des„Kaninchen-Srptiknniic-Orgainsmns" bekanitteir Kein» ganz ähnlich sei. Die durch ihn erzeugte Krankheit verlaufe meistens sehr schnell tödlich, könne aber auch-fast genau die Erschcimlirgen des Typhus annchine»!. Daraus sind schon viel Streitigkeiten mit Bezug auf verschiedene Fälle von Fleisch- Vergiftung cittstaudcn, ob nämlich die Krankheit auf eine teilivcise Vergifttmg oder nur auf einen Ausbruch von Typhus zurückzuführen fei. In Amerika niachtc vor einiger Zeit ein derartiges Ereignis viel von sich reden,»vobci 46 bis SV Gäste eines Hochzeitsniahles, die von einem Hühnerfneasice gegessen hatten, von einer Krankheit befallen lvnrde», die bei den meiftcii ab? ein typischer TyPhuS auf- trat. ES lvarcn Klage» gegen de» Gastgeber eiirgereicht ivordr», und die Sache lvar gerichtlich sehr schwer zu ciiticheiden, weil die Verteidigung geltend machte, daß es sich eben»»icht un» eine Ver- gifttmg, sondern um eine» epidemisch auflretcnde» Typhus gehandelt hätte.— Humoristischcs. — N a ch b a r s l e u t.„Sauber sau S' beiauand»nit den» neuen Huat, Frau Sclrclttr. Wic's Eahna nur des leidtt! I red»ennid nix schlechtts nach, des»vissen S' ch. I wann alle Mittag nur an iketen Hering fresien ivollt' un an Tbce trinka. nacha kimnt» aa ansdrahn, aber dazu sau»nir zu geduldet."— („Ei,»PI.") —(Sin c g o i st i s ch c r B a t c.r.„Rinr,»»'aö bat Ihr Herr Papa dazu gesagt. Fräulein Amalie, daß ich beabsichtige, um Ihre Hand anzuhalten?" „Denken Sie sich nur. er»neiiite: Iv c u n c r S ch n l d e n b e- zahlen soll, ivill er sie wenigstens selb st gemacht haben I" Notizen. ,— Johannes M o s c r»vird einen zweiten Bortrag über die „Entdeckung des o r ck» c st r a l c» K l a v i e r k l a n g e s" anfangs Januar, ebenfalls im Saale der Hochfchlile für Musik halten.— — Wilhelm K i e n z l s. E v a n g e l i n» a n n" hat sich mit »'ciiler kürzlich erfolgte» Anfführnng in Mainz die huiidertnnd- fünfzigste Bühne erobert. Die erst? Auffühning des Werkes fand am 4. Mai ILltö in» Berliner Opc»i>ha>»sc statt.— — In der Stadt Dioklea sind soeben reiche Schätze bon Aiitikcn gefunden»vordem Nach dein„B. T." sollen an dieser Stelle im»'angreiche A u s g r abnnge» vorgcnoinmcn werden.— — Ein Goethe-Schiller-Denkmal soll in San Francisco errichtet»verde»».— — Für das große Kabel durch den Stillen Occan, das von der Regierung der Vereinigte» Staaten über die Haivai- Inseln nach den Philippinen mit Zwischenslationen ans dem Midwab- Jsland und der Insel Gnam in der Mariainien-Grnppe gelegt Ivrrdeu soll, sind die Vornntcrsuchmigcn durch mnfangrciche Meere"- lotimgen beendet»vordeu. Wie verlautet,»Verden zivci Abivcichmlgei» von der geplanten Linie»otlvendig sein, da das Borhandcnseii» ziveier unvorhergesehener Hindernisse festgestellt»vordcn ist. DnS eine besteht in einen» nntcnncrrische» Gebirge, das sich 1I2VV Fnß über die DnrchschnittSticfe des OceanS erhebt»md bis ans 82 Fade» vom Meeresspiegel gelegen anfragt. DaS zlvcite Hindernis ist cincS der tiefsten nntermeertschen Thäler, die überhaupt bisher ans der Erde gefunden sind. Die Lotimgen haben dort eine Tiefe von 29 400 Fnß ergeben.— BercnuvonIlÄe-. Reo.-.veur: Paul John in Berlin. Druck uns Vertag von Sttax Pasing m Berlik.