Anterhallungsblatt des Horwärts Nr. 249. Donnerstag, den 21. Dezember. 1899 (Nachdruck verböte».) Elfe. 81 Von Alexander L. Kielland. Aus dem Norwegischen von Leo Bloch. Es war Licht in die Nacht der Erniedrigung gekommen, in welcher Else sich so lange herumgewälzt hatte. Gedanken aus ihren guten Tagen, die sie sonst fürchtete und wegtrank, kamen wieder, ohne daß es ihr weh that. Sie konnte wirklich in der Halbdunkeln Kirche sitzen und an ihre kleine Kammer bei Madam Späckbom denken. Denn Fräulein Falbe hatte das schlimmste von ihrer Schande ausgelöscht, sie fühlte sich vom Kopf bis zur Zehe reingewaschen, und mitten in alledem freute sie sich auf die Grütze. Aber die Glocken, welche eine Weile gedämpft und gleich- sam hoch oben angeschlagen hatten, fielen jetzt mit großen, starken Schlägen ein, welche die Kirche füllten, daß es in den Ohren mitklang. Eine der Scheuerfrauen rückte zu gleicher Zeit ihr Licht so. daß alle die geschnitzten Köpfe au der Kanzel hervor- kamen. Else stierte sie an, und ihre Äugen folgten dem schwachen Licht in alle Winkel der 5iirche— über die hohen Bögen, wo neue Köpfe zwischen ausgehanenen Stcmblumen und Laubwerk erschienen. Und der starke Glockenton schien ihr schließlich aus der erleuchteten Kanzel zu strömen— ganz wie damals, als sie bebend vor Madam Späckbom saß, während der Priester gegen die Sünden donnerte und harte Worte von Hölle und jüngstem Gericht über ihren Kopf ausschüttete; und nun hatten sich alle diese harten Worte hier und dort zwischen den Stein- blumen versteckt und steckten die Köpfe heraus, um zu sehen, ob sie da wäre. Ein Mann stieg aus einer Fallthüre in die Chordiele herauf, nahm die Laterne und näherte sich. Auf der weißen Wand fuhr sein Schatten wie ein langer, schwarzer Teufel, der sie holen kam. Sie sah ihn näher kommen; die Angst lähmte ihre Glieder, sie konnte nicht von der Bank auf— sie war festgebunden;— sie war eingesperrt— allein in der Kirche eingesperrt; und da kam er, die Laterne schwingend, die Glocken brüllten ihr gleichsam ins Ohr; halb von Sinnen fuhr sie mit einem Schrei auf rmd lief; er war dicht auf ihren Fersen; tausend Köpfe und spitze Finger zeigten auf sie: da ist sie— da— da— sie stürzte sich auf die offene Thür, sie war draußen— sie war erlöst— schien es ihr— erlöst aus den eigenen Krallen des Bösen.-- Das war nach aller Meinung ein rechtes Weihnachts- ivctter; sternklar und gerade so kalt, daß man sich in seinem Pelzwerk wohlbefand. Else stürzte fort zur Arche. Oben bei FalbcS war Licht; aber sie hatte den Schreck aus der Kirche noch nicht ver- wunden, und sie wagte nicht, sobald hinauf zu gehen. Deshalb schlich sie sich in Madam Späckboms Hofraum, wo sie sich so gut auskannte. Ein Talglicht brannte auf der Llüchenbauk; Floh guckte hinein; aber niemand war da. Sic bekam eine unwiderstehliche Lust, hineinzugehen; es sah so aus, als ob sowohl Madam wie das Dienstmädchen aus wären. Sie konnte aus alter Zeit die Klinke auf eigene Art heben, so daß man es nicht hörte. Alles war Une früher; sie kannte jedes Ding, auch den Geruch in der Küche. Ein Teller mit Butterbrot stand auf der Bank. Floh war ungeheuer hungrig; aber sie rührte es nicht an; jetzt sollte�sie ja gleich auf ehrliche Art Essen be- kommen. Aber um nicht versucht zu werden, öffnete sie vorsichtig die Thür zur Stube; da war auch niemand. Die Gaslatcrne draußen an der Ecke stand mitten vor einem der Fenster, so daß es im Winter in der Stube immer halbhcll war, und auf dem Tisch sah Else drei, vier große Pakete liegen. Floh kannte den Brauch des Hauses so gut, daß sie wußte, daß es Kleider und Essen war, das Madam Späckbom am Christabend au ihre Armen verteilen wollte. Indem sie halb neugieng, halb gedankenlos jedes Paket befi'ihltc, luars sie schließlich etwas auf den Boden. Sie nahm cS aus und besah es im Gaslicht. Elfe kannte das kleine, weiche Ding: es war ihre eigene Kinder mutze, die kleine, braune Mütze mit rosenroten 5l'innbändern, welche aus dem unverwüstlichen Flohmantel zusammen ge- näht war. Sie konnte sich nicht mehr der Zeit erinnern, als sie selbst die Mütze getragen hatte; aber oft hatte sie in Madam Späckboms Schublade gesehen, und jedesmal sagte Madam, daß sie sie für ihr erstes Kind haben sollte. Jetzt mußte sie also ganz aufgegeben sein; ihre Mütze — das Einzige, was sie auf der Welt besaß, sollte ein anderer bekommen. Sie druckte die Mütze an ihr Gesicht: aber als sie den alten Geruch von Madam Späckboms Schublade erkannte, brach sie in Thränen ans. So stand sie eine Weile und weinte über ihre Kinder- mutze, während ihr Mut sank und sank, bis sie etwas auf dem Gange hörte; da steckte sie die Mütze in die Tasche und schlich sich auf dem Weg hinaus, den sie gekommen war. Die Uhr mußte über sechs sein; Fräulein Falbe wartete sicher. Floh überwand sich, in die Hausthüre zu gehen und die Treppen herauf. Aber bei Falbes Thür blieb sie stehen und horchte. Christian ging auf und nieder wie gewöhnlich; durch das Schlüsselloch konnte sie bloß seinen Schatten sehen, welcher auf der Wand kam und ging. Es war klar, das Fräulein war noch nicht heimgekommen. Floh fühlte, daß es ihr unmöglich wäre zu ihm allein hinein zu gehen, sie wollte lieber draußen warten bis Fräulein käme. Aber auf einmal schien es ihr. daß er sich der Thür näherte; erschreckt flüchtete sie einige Stufen die Bodentreppe hinauf: und während sie dastand und horchte, ob er heraus käme, hörte sie von oben einige Töne, wie sie nie zuvor ge- hört hatte. Es war weder die Trommel, noch die Flöte, noch das Klavier, sondern lange, klagende Töne, weich und geheimnis- voll— als ob sie all ihr Elend kennten und sie zu trösten kämen.— Als sie vorsichtig die Thür zu Schirnneisters Kammer öffnete, sah sie den alten Musikanten ausrecht vor der Lampe stehen; er spielte Violine. Das Licht fiel gerade in sein kleines runzliges Gesicht; aber die feuchten, schwammigen Augen hatten einen eigenen Glanz. und mit einer würdevollen Verbeugung begrüßte er Else. Er hatte seinen alten Nucken gerade gerichtet, und während der Arm mit altmodischer, steifer Eleganz den Bogen fiihrte, beugte er den kleinen Kops— er war kahl ivie ein Nettich— lauschend über die Violine. Seit Jahr und Tag hatte er sein Lioblingsinstnlmcnt nicht gespielt. Aber heut abend war es so ivnnderbar über ihn gekommen; er nahm die Violine vor, stickte die Saiten einigermaßen zusammen und nun spielte. er seine Jngcnd, seine Träume, seine kleinen Triumphe und seine große Niederlage. Er spielte Prume rmd Rode und schließlich das Adagio von Spohr, lvelches ihm den Beifall des Meisters verschafft hatte, und er spielte ohne auch nur einmal fehl zu greifen— rein und korrekt, wie es der Meister haben wollte. Da war nichts mehr von dem verhungerten Noten- schreiber und dem versoffenen Musikanten. Mit zurück- geworfenem Kopf und weit offenen Augen stand er da im Licht der rußigen Parasinlampe, und bei seinem Spiel wurde die Dachkammer zu einem Kuppclsaal mit hundert Lanrpen und Reihen von atemlos lauschenden Herren und Damen Das Elend fiel von ihm ab, rmd der Künstler stand wieder' da; und der halberloschcne Funke in seiner Seele schlug auf in herrliche Glut, als ob ihm die Musik vergäbe— die Musik, welche er geliebt und verraten hatte;— und schließlich kam der große Meister, legte die Hand auf seinen Kopf und sagte: ,,Er wird es weit bringen." Mit dem Instrument unter dem Arm und gesenkten Bogen verneigte sich Anton Schirrmeister in der Stube. Darauf legte er eilends die Violine in den Kasten, schlug das Schloß zu und warf sich auf einen Stuhl, die Hände vor den Augen. Aber als er etwas später aufsah, saß" Floh mitten vor ihm auf der.Kiste an der Thür. Auch sie hielt die Hände vor den Augen. Und das alte Wrack sah das junge Wrack an und schüttelte den Kopf. Da hörte man etlvas geschäftig die Treppen heraufkommen und dranhen auf dem Boden, als ob viele Menschen sich be- strebten, leise zu gehen. Lenepuppe guckte herein, darauf trat sie zur Seite, um den andern Platz zu niachen. Es war die ganze Bande; sie hatte sie da und dort zu- samniengelesen. Sie waren niitgckommen in der Hoffnung, daß sie etwas für sie hätte; deshalb herrschte eine aufgeräumte Stimmung. Floh wollte sich davonschleichen, aber jemand ergriff sie. Es war Svcnd. Sie hatten einander seit mehreren Wochen nicht gesehen, und als sie sich trennten, waren sie Unfrennde. Aber bei der Stimmung, in der Else war, wurde sie bei seinem Anblick weich, so häßlich und verkonimcn er im übrigen war. Svend merkte das und setzte sich zu ihr auf die Kiste und fing an sich zu beklagen und zu stöhnen, und Besserung und alles Gute zn geloben, wenn sie nur wieder zu ihm kommen wollte. Else blieb sitzen und horchte halb in Gedanken auf die bekannte Stimme und auf die bekannten Versprechen. Aber plötzlich entstand Lärm am Tisch; der Blechschmied fuhr auf und schimpfte, und alle sahen Lenepuppe mehr oder weniger döse an; je nachdem sie es wagen dursten. Sie hatte nicht nur nichts zu traktieren, sondern sie hatte im Gegenteil sie aufgesucht, um etwas für die Weihnachts- feier zu bekommen; sie hätte wirklich oft genug mit ihnen geteilt. Sie sah mit ihrem großen, groben Gesicht die Männer im Kreise an und sagte höhnisch:„Das sind nial flinke Kerle I Nicht nial soviel wie'nc Flasche Bier zum heiligen Weihnachts- abend. Pfui, schämt Euch I" Sie wurden verlegen. Der Blechschmied nrurmelte etwas von den schlechten Zeiten, Jörgen Tambour sah hinauf zum Dach, und selbst der Ockonom ließ seine Unterlippe hängen; er wagte unter so ernsten Verhältnissen nicht von„dem Boten, den er soeben gesandt hätte" zu erzählen. Nur der Mann mit den vielen Gesichtern behielt sein Lächeln. Er saß dicht bei Lenepuppe und knabberte Rosinen und Mandeln und warf die Schalen über den Tisch. Jetzt kannte Floh ihn besser als damals, als er sie mit seinen Grimassen schreckte. Sie hatte ihn an verschiedenen Orten gesehen; er kam und verschwand, und keiner schien Obacht ans ihn zu geben. Aber sie wußte, daß er aus dem Gefängnis in Akershus entwichen war und sich nun schon über zwei Jahre draußen hielt, ohne daß die Polizei ihn finden konnte. Sie nannte ihn den Mechaniker, weil er sich so gut auf die Schlösser verstand. Jetzt sagte er zu Lenepuppe mit einem vertraulichen Nicken:„Ja, darin hast Du recht. Leute, die zwei gesrinde Arme haben und Augen damit zu sehen, und sich für solch einen Tag doch nicht verschaffen können, was sie wollen—, aus solchen Leuten mache ich mir nicht groß was." „Was hast Du da?" fragte der Blechschmicd. „Ach, große Geschichten pflege ich nicht mitzunehmen," antwortete der Mechaniker gleichgültig;„aber ich bin jeden- falls satt, und nun mache ich es wie die feinen Leute—, ich esse nach dem Essen Näschereien." Damit warf er flott eine Faust voll Rosinen und Mandeln über den Tisch. Ein junger Mensch, der erst kürzlich zur Lande gekommen war, war so galant. Floh einige zu reichen, die imnier noch auf der Kiste an der Thür saß. Der süße Geschmack reizte sie— so hungrig wie sie war. Sie reckte sich vorwärts, um zu sehen, ob nicht mehr da wäre. Aber die andern hatten sie genommen; es kamen übrigens nur ein paar auf jeden, gerade so viel, daß nian den Geschmack davon in den Mund bekam. Der Blechschmied ninrmelte etwas davon, daß sich nicht alle auf die Mechanik verständen. „Das ist auch gar nicht nösig l" antwortete der andere, indem er behende eine Traube Rosinen Else zutvarf;„wo ich herkomme, da kannst Du mit einem Kaffeesack auf dem Rücken ein- und ausgehen." Aller Augen richteten sich nun auf den Mechaniker, und fie brannten alle darauf zu wissen, wo das wäre. Aber sie wußten auch, daß es gefährlich war, dem Manne auf seinen gefährlichen Wegen zu folgen, deshalb mochte keiner der erste sein, ihnr Gesellschaft zu leisten. „Wo wäre das?" wurde mit einem Male gefragt. Es war Floh. Sie nieintc nichts damit, es war bloß! Neugierde, die Rosinen waren so süß, und es war lange her. daß ihr so eüvas geboten war... Der Mann mit den vielen Gesichtern, welcher bis dahin seine Augen von einem zum andern hatte laufen lassen, wandte sich nunmehr an Else, indem er ab und zu einige Rosinen und Mandeln nach ihr oder über den Tisch warf. Hier wurden sie sofort von eifrigen Händen gegriffen, alle hatten Lust bekommen auf mehr von dem Süßen, welches sie nur reizte, ohne sie zufrieden zu stellen. „Willst Du wissen, wo es ist?" sagte der Mechaniker munter,„ja, das kostet nichts. mein Kind! Es ist hier an der Ecke, gerade vor Konsul Whits Haus, bei Ellingsen und Larsen. Der ganze Laden ist stopfenvoll von Leuten, die kaufen, als ob sie närrisch wären. Daß die sich nicht tot» fressen— die Reichen an solch einem Abend, das begreife ich nicht. Da giebt's Zucker und Syrup und Butter und Reisgries— großer Gott l— wieviel Reisgries I und feine dänische Butter und Käse— gelber Käse, der glänzt, wenn Du ihn anschneidest." Alle reckten sich ihm entgegen und machten Augen, als ob sie seine Worte verschlingen wollten und Floh trat ganz leise hinzu. Das Wasser lief ihr in den Mundwinkeln zu- sammen, und sie glaubte den fetten, gelben Käse zu riechen, der glänzte, wenn man ihn anschnitt. „Und da giebt's geräucherte Wurst und Schinken und Bier und Wein— hunderte Flaschen süßen, starken Weins, und von alledem kannst Du haben so viel Du willst, wenn Du bloß— Geld hast." „Zum Teufel!" trief der Blechschmied beim letzten Wort. und es gab ein allgemeines Knurren vor Enttäuschung und Mißvergnügen; aber der Mechaniker that, als ob er nichts be- merkte, und fuhr lächelnd und überlegen fort, während seine schnellen Augen von einem zum andern gingen und er gleichsani ein Wort hierhin, das andere dorthin richtete. „Aber, wenn Du kein Geld hast, so gehe nicht in den Laden, was solltest Dn dort!— da giebt es einen anderen Weg, welcher viel leichter ist, da ist es nicht schwierig, sich durchzudrängen, denn da giebt es keinen Menschen. Aber sie sind wenigstens so nett gewesen, eine Laterne da unten hin» zusetzen, damit Du sehen kannst, was Dn brauchen kannst." „Wo? wo?" klang es nun ungeduldig. Dieses Mal war es Svend, dessen schwarze Zigcuneraugen vor Eiser leuchteten. „Du kennst den Versteck hinter Madam Ellingsens Haus, die nächste Laterne ist an der Ecke bei der Bank, in dein Winkel ist die Thür zu dem Keller, unter dem Laden." „Ist sie offen?" fragte der Blechschmicd. „Das muß sie wohl sein. Denn ich murkste bloß ein bischen am Schloß, da sprang die Thür von selbst auf," ant- wartete der Mechaniker scherzend und machte ein paar schnelle Drehungen mit den Händen. Sie sahen ihn voll Bewunderung an, und der Oekonom zischelte beruhigend zil Jörgen Tambour:„Da kann doch nicht von Einbruch die Rede sein." „Aber da unten im Keller— könnt Ihr glaubeil, da ist Ncberfluß, da stehen Reihen von Zuckerhüten, Schinken und Würste hängen da zu Dutzenden, und Kaffeesäcke, die kmim zn heben sind; aber wenn Du ein Loch in den Sack machst und etwas rauslaufen läßt, dann wird die Last erträglich. Und oben in dem Laden ist ein Lärm, so daß man nichts hört und wenn wir unten Hurra riefen; und die Lampe steht auf der obersten Stufe der Kellertreppe, weil der Bursche ab und zu herunter kommt, um etwas zu holen. Da giebt's auch massenweise Wein— ich nahm etwas mit mir, was ich nicht trinken kann, es ist mir zu süß— koste mal!"— er hielt Else die Flasche hin. Sie nahm einen Schluck, aber er fuhr ihr dazwischen, sie sollten alle etwas haben. Und alle bekamen eine kleine Probe von dem süßen starken Liqneur, aber als die Flasche herum- gegangen war, trank Floh die letzten Tropfen aus. Wie Feuer fuhr es durch ihren Körper, der starke Ge- schmack entflammte ihre Begehrlichkeit, sie leckte sich den Mund ab und sah die anderen au, und ihr rasender Appetit schien anzustecken. Es kam eine fieberhafte Unruhe über alle, die jungen Leute setzten ihre Hüte auf. um zu zeigen, daß sie bereit wären, und schließlich sagte Svcild halbwegs in die Luft:„Wenn jemand, der gut bekannt ist, uns den Weg zeigen loollte, da—" Ter Mechaniker wechselte einen schnellen Blick mit Lenepuppe. ■„Soll da etwas Ordentliches draus werden, so müssen viele dabei sein," sagte er halblaut und sah zugleich Else an. „Wir sind dabei I" rief sie eifrig und zog Svcnd mit. „Ja— darüber ist nicht zu reden; mir sind alle dabei, wenn der Mechaniker uns anführen will." sagte nun der Blech- schmied entschieden und erhob sich. Der Mann mit den vielen Gesichtern war nun wieder ein ganz anderer. Mit festen und sicheren Worten gab er jedem seine Instruktion: der Oekonom, Jörgen Tambour und der junge Mensch sollte bloß in den Straßen Wache halten; dasselbe— wollte er— sollte auch Floh thun, aber Lene- puppe meinte, daß Elses Tuch gut wäre, um etwas darunter fort zu tragen. Man niachte es so aus, und sie sollte sich mit den anderen in dem Winkel zu innerst des Verstecks so bald als möglich treffen, so lange der Verkehr oben im Laden noch lebendig war. Sie schlichen einer nach dem anderen auf verschiedenen Wegen davon. Else und Svend gingen mit einander. Als sie an Fräulein Falbes Thür vorbeiging, drückte sie sich zwischen ihn und die Mauer. Sie hatte keine Gewissens- bisse, aber eine brennende Angst aufgehalten zu werden. Die Luft, welche sie unter diesen Menschen eingeatmet hatte, das starke Getränk, das sie gekostet hatte, hatten mit einem Schlag ihren wilden Trotz geweckt und sie zu einem gefräßigen und begehrlichen Tier geniacht, das mitten durch Feinde und Gefahren auf Raub ans mußte. Leise und geschmeidig, wie eine Katze, zog sie Svend durch die dunkelsten Schatten mit sich. Der alte Schirrmeister saß wieder allein in seiner Un- brauchbarkeit und kaute an einer Mandelschale. VII. „Fröhliche Weihnachten!" „Danke, gleichfalls!" Alle Leute riefen es einander zu, lächelten und grüßten; mit dem Hute grüßen konnte niemand, so belastet wie nian mit Paketen war. Drinnen bei den Tckikateßhandlcrn und in den Spielzeug- laden standen zwei, ja drei Reihen und strichen aneinander vorbei, und die Ladenjungen liefen sich fast zu Schanden hinter dem Tisch. Aber draußen auf der Straße stand es eben so voll von Kindern, die-in die Schaufenster sahen, obleich die Scheiben in den feinsten Läden, wo gerade am meisten zu sehen war, so beschwitzt von der Wärme drin waren, daß man in die Streifen der heruntcrrinnenden Tropfen gucken mußte, wenn man etwas sehen wollte. Da stand ein Weihnachtsmann mit schneeweißem Bart und hielt einen kleinen Weihnachtsbaum, auf welchem ganz kleine, richtige Lichter brannten. Es war das allcrschönste, was man sehen konnte; aber da war auch ein gräßliches, größeres Mädchen, welches sogar drin gewesen war; die sagte, es sei nicht richtiger Schnee, welcher über den Mann gestreut wäre und so schön in dem Baum glänzte, sondern bloß weißer Streuzucker, denn sie hätte gekostet. Das verleidete den meisten den Weihnachtsmann, und es entstand ein unnatürlicher Zustrom zu dein nächst Merk- würdigen, einem Karroussel, welches sich drehte. Und hier wurde der Haufen der Kleinen so dicht, daß die Envachsenen die ihrigen fast nicht los bekommen konnten; und doch niußten sie sich heim beeilen. Es läutete nicht mehr, die Uhr war über sechs; sie sollten heim und ausgeputzt werden, und dann erst kam das Lustigste von allem l Es konnte doch nichts Schöneres ans der Welt geben, als hernnizngehcn in den hellen Straßen, zwischen all den freundlichen Menschen, welche„fröhliche Weihnachten" I riefen. Denn nicht nur in den Fenstern war etivas zu sehen. Aber wenn man gerade im besten Gehen war, da gab es einen Krach, und dann war es ein dicker Mann, der hinfiel, weil es so schrecklich glatt war. Und all die Pakete, die um ihn herumflogen! Ja, man hätte glauben können, der Mann sei ein großer Spiclzeugmann zum Aufschließen gewesen— gefüllt mit Paketen, die nun herausquollen, weil er bei seinem Falle auf- gegangen war. „Herr Gott! der arme Mann I soll ich Sie abbürsten?" „Haben Sie sich geschlagen?" „Ja, etwas," antwortete der Dicke und rieb sich. „Es ist gefährlich auf den Mcken zu fallen," sagtejder eine. „Besonders für dicke Leute," sagte der andere. „Sie können froh sein, daß Sie so gut davon gekommen sind," sagte der dritte. „Ende gut, alles gut," sagte der vierte, welcher der witzigste war. „Fröhliche Weihnachten?" sagten alle. „Danke, gleichfalls," antwortete der Dicke und alle halfen ihm bei den Paketen— es war eine förmliche Einlieferung; und alle Pakete waren in gutem Zustand außer denen, die er in den hinteren Taschen gehabt hatte; aber da konnte ja niemand helfen. „Nun müssen wir heim gehen!" sagten die großen Kinder und nahmen die Kleinen an die Hand. Freilich wollten sie heimgehen. Da kam ja das Aller- schönste: der Weihnachtsbaum. Geschenke und Ueberraschungen— aber trotzdem: diese Seligkeit mußte lange dauern. Es war so unvergleichlich, das so schrecklich Schöne zu haben und trotz» dem das Allerschönste noch zu gute zu haben, so daß man fast Angst haben konnte, bis zu dem Aller-Allerschönsten zu kommen; denn dann war es ja bald vorbei. Aber als sie heimkamen und geputzt und besorgt wurden-- mit wenig Wasser zur Feier des Tages, kam das Feierliche über sie. Die ungeheure Spannung, welche durch die wilden Träume von Wochen, ja Monaten aufgesammelt war, war nun bis zur Höhe gestiegen; sie hatten sich dem Schlüsselloch genähert, welches wie ein kleiner Stern glänzte von all den vielen Lichtern, welche gerade drinnen am Weihnachtsbaum angezündet wurden. Jetzt brauchte sich bloß die Thür zu öffnen— die Thür sollte sich öffnen— es war nichts mehr, was sie von dem großen Wunderbaren trennte als diese Thür — diese Thür, welche sich öffnen sollte;— jemand näherte sich drinnen— es knirschte etwas im Schloß— sie bewegte sich— die Thür!— die Thür bewegte sich— ging auf— sperrangelweit auf schlugen sie die Thür I.«. (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuillekon. £. Sil der Thür geirrt.„Wer mit dem Vorschlag einvet» standen ist, de» bitte ich die Hand zu erheben l" Die Hände flogen fast alle zugleich i» die Höhe, als würden sie von einem einzigen Willen bewegt. Ein beifälliges Stimmengemnnnel füllte den kleinen Saal. „DerRechuungsrat hat ivieder denAagel auf den Kopf getroffen."... „Ja, neulich hat sich erst wieder ein alter Mann aus unserni Bezirk ertränkt wegen Nahrungssorgen."....Was soll es denn werden) eine Theateranfführung oder ein Bazar..Es hieß ja, Konzert und Kränzchen. Ich nehme gleich ein Dutzend Billets— für big Arme» kann man nie genug thun."... .Silcnttum, meine Herrfchaften!... Bitte... bitte einen Augea» blick Ruhe." Der erste Vorsitzende rührte die Glocke. DaS Stimnien- geivirr erstarb im Moment. Der Vorsitzende erhob sich:„Ich möchte einen Augenblick um Gehör bitten, meine Herrschaften... ich... ich wollte Ihnen nur danken, datz Sie die Anrcgnngen de? Herrn Rat so freundlich aufnehmen. Aber ich weiß ja. an das gute ... hn>. das gute Herz der Berliner appelliert man nicht vergebens; und ich denke, es... es wird doch auch ein erhebendes Gefühl für uns alle sein, zu wissen, daß auch wir ei» Schcrflein zur Linderung des großen Elends beigetragen haben. Es ist hier der Vorschlag gemacht worden, ein Konzert mit nachfolgendem Tanz zu ver- anstalten, ich denke, das wird auch unserer Jugend das liebste sein." .Jawohl I... Bravo I... Sehr richtig I"> Der Vorsitzende, der inzwischen aus seinem Glase einen tiefen Zug gethan, verneigte sich lächelnd nach allen Seiten:»Hin ja... dann möchte ich also die Herrschaften bitten, sich zu beraten, wer von Ihnen bei den Vorträgen mitwirken will, und mir die Namen nachher zu ncelden. Ich lasse jetzt eine kleine Pause eintreten." DaS Stimmengewirr erhob sich sofort von neuem. Mau steckte die Köpfe znsamnien und bildete Gruppe». Der Vorsitzende ging von einem zum andern:.Na, Fräulein Dalwitz, Sie geben doch wieder ein paar Lieder zum besten?" Die blonde Apothekertochter lächelte geschmeichelt und murmelte etivas von schwachen Leistungen. Er gab ihr eincir freundschaftlichen Klaps auf die Schulter.„Tatata, schwache Leistungen... wir können nicht jeder'ne Lncca sein!... Sie singen, damit basta... Na und Herr Schlomänn, auf Sie können wir doch bestimmt rechnen? Ihre neue Geigenkompositioir. nicht wahr? Scheu Sie. das wüßt' ich schon, daß man bei Ihnen keine Fehlbitte thnt. Ihr Name reißt auch's ganze Programm raus." Er trat zu einer andern Gruppe. DaS junge Mädchen, das neben dem Komponisten saß, warf ihm ciucn bewundcmden Blick zu:.Sie wollen wirklich mitspielen, Herr Schlomänn? Unter lauter Dilettanten?"—„O ich bitte Sie. gnädiges Fräulein".— er fuhr mit der Hand durch die Künstler- mähne,—„es gilt doch den Annen, was thut man nicht für die Armen I'—.Immer dasselbe gute Herz I" Sie schlug verzückt die Augen zum Himmel..Mama soll auch gleich sieben Billets kaufen: nein aber schauen Sie, was will denn die?" Sie neigte de» Kopf leicht nach der Thür hinüber. Er drehte sich nach der bezeichneten Richtung, zi'gkcich n-vd:» mich die fin&cvcn aufmerksam. In der Thür stand eine Frau. Bleich. frostzitternd, in elende Lmnpcn gehüllt stand sie da. Um ihre Schulter hing ein Tragkorb mit ChriMaumschmuck. Der flimmernde blitzende Tand bildete einen schneidenden Kontrast zu ihrer erbarm- licheir Armut. Mit flehender Geberde streckte sie ihn den An- wescndcn entgegen. Aber gleichzeitig erhoben sich die Hände wieder, als wurden sie von einem Wille» bewegt, nur daß sie diesmal alle nach der Thür wiesen: Hinaus I Das Weib schien die unzweideutige Bewegung nicht zn verstehen. Sie trat noch einen Schritt näher und hob eine Strähne schimmernden Engelshaars empor:„Wenn die gnädigen Herrschaften doch nur wollten... nur eine Kleinigkeit." Aber der Komponist sprang auf lind schob sie nnsanst nach der Thür:„Nans sollen Sie. haben Sie nicht verstanden'<■ Hier ist nicht das Lokal, hier ist ein Bereiuszimmer. Sie haben sich in der Thür geirrt. Hinaus 1" „Hinaus!" sekundierte der Chor. Die Frau zog bebend die Thür hinter sich zu. Der Komponist ging nach seinem Platz zurück. Seine Nachbarin empfing ihn mit einem beivundernden Lächeln. „Die haben Sie gut abgefertigt!" „Ja"; er fuhr Ivieder mit der Hand durch die Mähne,„ja. daS Gesindel wird zu frech! Wenn man da nicht gleich forsch anstritt, wachse» sie einem über den Kopf. Aber ivovon sprachen wir, gnädiges Fräulein? Ach ja— von dem Eleick» der Armen.. Volkskunde. o. Spinn gesellschaften in der Niederlansitz. In Grost-Kransnigk in der Licdcrlansitz besteht eine eigenartige Sitte, über die eine Zuschrift an die„Zeitschrift ft'ir Volkskunde" berichtet. Es sind die sogenannten„Spintcn"(Spinngesellsckaften), die sich iwch hellte einer großen Veteilignng erfreuen. Früher bildeten sich Spintcn von älteren Burschen und älteren Mädchen, von jüngeren Burschen und jüngeren Mädchen st4— 17 Jahren), von Schulkindern und vou ver- heirateten Frauen jeden Alters, deren Männer zu Hause blieben. Seit ' einigen Jahren sind aber die Spinten und ihreTeilnchmerzahl polizeilich festgesetzt. Burschen und Mädchen von schlechtem Ruf sind nach altem Brauch von den Spinten ausgeschlossen. Sie beginnen am Kirchlveihfest jMontag vor dem Totensonntag) und enden am Freitag vor Palmsonntag. Die Teilnehmer sitzen nach dem Alter um eine Hängelampe iin Kreise. Jeder Neliaufgenommene oder Abziehende muß seinen„An"- oder„Abzug" geben, d. b. 1 Mark zu Bier und Schnaps. Burschen und Mädchen vertrinken oann das Geld gemeinsam in der Mädchen- fpinte. Bor Weihnachten wird daS Fest der„langen Hinte" gefeiert, lvomit Ivohl die längste Rächt des Jahres gemeint ist. Auch dazu komme» die Burschen in die Spürte der Mädchen, die die Kosten für Bier. Schnaps und Grogk tragen müssen. Bor 80 Jahren ungefähr spannen sie auch dann noch die ganze Nacht hindurch. Ani letzten Spinnabend im alten Jahr imrd der „Scheideabend" gefeiert. bei dem die Kosten der Unterhaltnng vou Burschen mid Mädchen gemeinsam getragen iverden. Etlva vier Wochen bor Fastnacht findet der„Zeniper" statt. Mit Musik ivird ius SpümhauS marschiert, indem man sich an Brate» und Getränken gütlich thut. Hier versamnleln sich auch die Mädchen vor Begiin, de» ZcmperS imd iverden von den Burschen mit Musik zum Tanz ab- geholt. Am FastnachtS-Somitag ziehen die Burschen mit Musik durchs Dorf„zempern". Einige find verkleidet, der eine hat eine Heugabel zum Empfang von Schinken, Speck und Wurst, ein anderer einen Kober zu Eiern, ein dritter nimmt Geld in Ewpfaiig. Mit den Frauen, die reichlich gegeben haben, wird am Abend noch besonders getanzt, daniit der Flachs gut wächst.— Biologisches. — Neber die verwandtschaftlichen Beziehungen der drei großen Menschenaffen Schimpanse, Orang- utan und Gorilla zu einander kommt Prof. Dr. E. Selenkn nach dem„GlobuS" zn folgenden Schlußfolgerungen: Am meisten der Stammfonn entrückt, d. h. ani meiste» fpecialifiert, ist offenbar der Ornngutan. Diese Forin variiert nach mehreren Richtnngen. und einige Rasse» befinden sich»och m vollem Fluß der Ilmbil- dung. Der Schimpanse stellt sich dar als eine in ge- ringerem Grade specialisterte Gattung. Denn während der Orängutan sich offenbar immer mehr von der ursprünglichen AiisgängSfonn entfernt, also immer menschenähnlicher wird, so zeigt sich, zinnal der Gesichtsschädel des Schimpanse» konservativer. Die große Aehnlichkeit der Prämolaren und Molaren des DauergebineS mit gleichnamigen menschlichen Zäbncii scheint ans gemeinsame Ab- stainmnng des Schimpansen und Menschen von Dryopithccus ahn- licheu Forme» hinzuweisen, doch steht dieser Annahme entgegen, daß das Milchgebiß des Schimpansen weit inebr dem Oranguinng gleicht, als demjenigen des Menschen. Räch bestimmter Richtung stark differenziert ist wiederum der Schädel des Gorilla. In noch lveit höherem Grade ist bekanntlich der Mensch speciakisiert und erscheint in be- stimmt« Richtung der Stammform am weiteste» entrückt, zwual in- folge des anfrechren Ganges und der Vergrößerung des Gehirnes — neue Erwerbungen, welche u. a. die Berlagernng des Gesichls- schädcls noch unten und die Beugung der Schädelbasis und der Schädelachse zur Folge hatten. Große Aehulichkcit zeigen die Kinder- schädel der Rntbropornorpheu sowohl untereinander als auch mit dem Menschen. Doch sind schon im Beginne der erste» Zähnung typische Ilnterschiede von so durchgreifender Art vorhanden, daß der genetische Zusammenhang nur durch Zuhilfeiiahme vieler unbekannter erloschener Zwischenglieder angenonmien werden kann.— Humoristisches. — Der stille Teilhaber. Spaziergängerin: „Aber, Jmige. warum setzest Du Dich denn auf diese ganz frisch angestrichene Bank?" Junge(Sohn eines Malermeisters):„Ei, da? macht nichts; ich habe ja extra meine schlechtesten und tvaschbare Kleider an- gezogen, weil mir mein Vater anbefohlen hat, ich soll mich auf alle von ihm frisch angestrichenen Bänke setzen— damit er alle nochmals anstreichen darf."— — Gemütliche Ehe.„Deine Frau scheint aber auch bei jeder Kleinigkeit zu weinen." „Ach Gott, die macht von früh bis spät der Wasserleitung Konkurrenz."— — Aus dem T a g e b u ch e eines Backfisches.... Er- schntternd ivirkte der Anblick der Stätte des Eisenbahnunglücks. Da lag die Lokomotive umgestürzt— die Räder in der Lust— und sehnte sich nach den Schienen zurück.— („Meggend. hinn. Bl.") Notizen. — Karl H e lmerd in g ist gestern früh nach langem Leiden gestorben. MS Komiker und Eharakterdarstellcr ist er hauptsächlich durch seine langjährige Thätigkeit am Wallner-Theater den Berlinern bekannt geworden. Sein Name ist mit der Geschichte der alten Berliner Lokalposse ans engste verknüpft, als Stils etile im„Gebildeten Hausknecht", als Wichtig im„Registraior ans Reisen", als Josef in„Aurora in Oel", als Weigelt in„Mein Leopold" und in vielen ähnlichen Nolle» ist er eine populäre Figur in Berlin ge- worden.— Helmerding hat ein Alter vou 77 Jahren erreicht.— — Nahezu 2000 Vorstellungen französischer Stücke fanden im Jahre 1889 ans deutschen Bühnen statt; in England wurden französische Autoren 1021, in Siorlvegeu 3öS mal auf- geführt.— — RaimnndS„ V e r s ch lv e n d e r" wurde am Sonntag zum crsteinnale im neue u Burgtheater gegeben. Die Rosel spielte Frau Schratt, den Valentin Josef K a i n z.— — DaS Wiener Stadttheater hat, lvie lvir einem Z- richt des Direktors entnehme», für a l l e S t ü ck e T a n t i e m e n gezahlt. Für Anffnhrniigcn von Werken Schillers. Goethes und Shakespeares fließen die Tantiemen der Denffch-östreichischen Schrift- steller-Genosscnschast zn. Melden sich dürftige Rnchkoiimrcn von Autoren, deren Werke vcrcitS tantiemefrei geworden sind, so erhalten diese einen kleinen Anteil von dein Ertrage.— — Wieder einmal unternimmt es ein«Wiener Verlag", sBnchhaiidlnng L. Rosner), die litterarische Produktion Destreichs. specicll Wiens, für den Markt zn organisieren. ES ist ihm bereits gelnugeu. eine Reihe heimischer Autoren zu gewinnen, deren Werke vo» Weihnachten 1899 a» in rascher Folge im Buchhandel erscheinen werde». So Hennaini Bahr, Felix Törmann, Max Graf, C. Karl- weis, Baron Lcvetzoiv. Julius v. Ludasiy, Gustav Macasy, Max Messer, Felix Saiten, Richard Specht, Susi Wallner u. a.— c. Populäre V o r st e I l n n g e n tu B e I g i e»l. Lugnä- Poe, der Leiter der Jbscn-Ansfühnmgcn am Gymnase-Theater in Paris, hat eine Einladimg der belgischen„Älaisems du peuple" angenommen. eine Reihe vou populären Vorstellungen von Ibsens „Volksfeind" und Björnsons„lieber die Kraft" in Lodeslinsart bei Charleroi zu gebe». Die Säte der..Z-laiscrns da peuple'' sind außerordentlich groß; der Eintrittspreis beträgt nur 2— ü SonS.— — Eine v l ä m i s ch c Oper„Onintin Massys" von Emil Wambach, Text von Vcrhnljr. erzielte bei der Erstaufführung in Antwerpen einen großen Erfolg.— — Die bedeutende Sammlung orientalischer Manu« skripte, die der kürzlich verstorbene srauzöstsche Orientalist S chefer zusaunnrngebracht Halle, ist für die französische National- bibliothek angekauft worden. Sie enthält 1 160 Schriftstücke in 700 Bänden. Der Kaufpreis beträgt 100000 Franks.— t. Ter Telegraph n m oberen Kongo hat laut einer in Brüssel nngelangteu Depesche die Acquntor- Station erreicht. Die Gesamtlänge der Telegraphendrähte beträgt etlvaS über 1200 Kilo- nreter.— — Ter Bakterien gehakt de? künstlichen Eises. Dr. Wescnbcrg weist in der„Hygienischen Rundschau" ans die Unter- snchungen hin. lvckche bezüglich des BaktcriengchaltcS des künstlichen Eises angestellt wurden. Es lassen sich bei dem künstlichen Eise meist zwei Zonen«rkeinien, und zivar ist eS ei» trüber Kern, der vom klaren Eis nnrschlofien wird. Die Analyse ergab, daß fast alle Salze, die Schwefelsämc und Ehlorteilchen und ebenso die meisten Bakterien sich im Trübeise ansammeln, während da» kkare Eis fast nur ans reinem Wasser besteht. LaboratoriumSverjuche haben er- geben, daß. wenn auf den Kubikeentimetcr Waffer 71 Mikroorga- niSnicn entfielen, das KlareiS dieses Wassers nur 8 bis 10 Bakterien enthielt, während sich in einem Knbikeeiitimeter TrübeiS etwa 400 Bakterien vorfanden.— Verantwortlicher Sbwacieur: Paul John in Berlin. Drua uno Veriax von Max Badtng m Berlin.