Matt de� P ?cr. 10. Dienstag, bcn 16 Januar. 1900 (Rachdnuk verholen). ioj DAS Tvoibevdovf. Roman auS der Eifel von Clara V i e b i g. ..Ieftmnrijuscp!" Wie eine Herde Schafe, vom Wolf gc- scheucht, flüchteten die Frauen in die Sirche. Da lagen sie auf den Fliesen und schlugen die Brust und beteten und seufzten zum Steinerweichen. Sie waren ganz zerknirscht. „Maria. Iongfran voller Gnaden, belvaohr o»s!" „Heiliger Donatus, sänftig dat Ongelviedcr. bau kannst et! Heiliger Donatus, rch flehen dech au, laoss mein Gcrscht net zo Schannen gä»in— sc flieht als in Mandeln!" „Heilige Maria, Moddergotts, cch Haan et net c su bees gemaant. wc cch dem frech Mensch ans appliciert Haan. Dan »verst cn Einsiehn haon— o licw Moddergöttesche, rechen et niir net an l" Dranheu kracht der Donner i!laiioneuschüsse feuert er durchs Thal, von einem Ende zum andern. „Gegrüßet seist Du, Maria— hilf, heiliger Donatnsl" „Meerstern, ich dich grüße, Gottes Mutter süße!" Der Tag ist schwarz wie die Nacht, in den Winkeln der Kircke hockt grauliche Dänimernug— jetzt bebt der alte Bau— jetzt loht ein feuriger Blitz durch die Dunkelheit, noch feuriger durch das bunte GlaS! s FeusterS, drauf das Bildnis des heiligen Donatus steht, uiitteu zlvischeu Blitzen. Ein gellendes Aufkreischen drinnen antwortet der dröhnenden Stimme draußen, imiuer lauter wird das Murmeln, immer rascher bewegen sich die Lippen. „Heiliger Donatus,— cch grüße» dech— gelowt seist du!" „Maria, Moddergotts, Vitt for ons!" ,.O Maria, ech grüßen dech dreiuuddreiszigtausendmal!" Tie Stirnen neigen sich bis auf die Fliesen; Gelöbnisse, Bersprechniigen»verde» den Wnuderthätigen geinacht. Sic brauchten nicht allzu lange mehr zu beten; so rasch »uic es gekommen, so rasch ließ das Nnivetter»ach, es zog über die Berge in einem Hui.' Bor der.Uirchthlir gackerten schon wieder die Hühner und scharrten uach-Wünucru. Spatzen schilpten vergnügt und lupften das nasse Gesieder. Die Jauche floß, durch den Regen von den Misthaufen»veggespült, guer über die Gasse, aber am blalien Hinimel stand schon»vieder die Sonne und lachte. Sic knixtei» und bekreuzten sich noch cininal an der Kirckien- thür und tlnikten den Finger ins steinerne Wcihlvafserbcckcn. „Duunerriiippchen.»vaor dat cn Wäder." sagte die eine. und die andere:„Deilvel aoch, dat kount en bees Ollverlegen- haat gän» I" Sie»varen alle guter Dinge, lachteil und schwatzten. Die Feilldinnen sprachen»vieder miteinander; mit Geschäkev machte man sich selbander auf, aus dem Wald das abgeschlagene Dürrholz zu holen. Bäbbi blieb allein zurück. Ihr Murmeln haltte»vieder in» einsamen Raum; sie hatte nicht beten können ztvischcn den andern— jetzt betete sie. Sic wußte selbst nicht, waö sie sprach, Worte»varen es kaum, nur ein Gestammel, ein schmerzvolles Lallen. Flehend richtete sie den trüben Blick ans das Marienbild; das lächelte.'. Sie nickte traurig— ja, die»var rein und heilig, darum lächelte sie auch so stumm; die verstand so viel Sündhaftigkeit »licht...Erbarm Dech!" Mit einem Stöhnen schlug Bäbbi die Stirn ans den kalten Stein— sie hatte die Hand erhoben gegen die, die den Lorenz geboren hatte, sie hatte seine Mutter geschlagen! Was»vürde der Lorenz sagen? l Wenn sie das Schreckliche,»vaS ihr Gewissen bedrückte, doch nur ciueiu Menscheuohr anvertrauen könnte! Wem» ein reinerer Mund für ste bei der � da oben den Kürsprecher machte, dann »vürde auch der Lvrcüz- ihr verzeiheil k' Eine fi»rchtbarc Äugst erfaßte sie—»ucirn er sich von ihr wendete,»venu er nicht»viedcrkchrte! Halb ii'r vor Furcht ivaud nnd krümmte sie sich und rang die Hände:„Maria, Moddergotts. verzeih»uer— Lorenz. komm Widder! Ech lvill dein Modder uf Händen tragen, sc soll niech schlaon. hals dnd schlavn, cch innren net! Komm »vidder, komm Widder!". Lange noch lag Bäbbi vor dem Ältar; snßlächelnd blickte das Marienbild nieder, kein Zug in dem Wachsgesicht ver- änderte sich. Ein�g'renzcnloscs Gcsiihl der Verlassenheit über- kam die Einsame— da»var niemand, der ihr helfen konnte! Zerschlagen ai» allen Glieoern schlich sie sich endlich fort. Als' sie bald darauf, die Hotte ans dm Rücken, den anderen Weibern nach zum Knnolvald hiiianftvandertc, schloß sich ihr Peter Miffcrt ai». Er»volltc der Zeih entgegen- gehen. Seinen zerlumpten Werktagsanzug hatte er mit den» Sonntagsstaat vertauscht; viel»var an dem auch»licht dran, aber die Hosen, die ibm soiist schlotterten, hatte er stramm heraufgezogen, die Mütze mit dein blanken Wachstuchschild saß ihm verwogen ans den dunklen Kringclhaaren. Er Pfiff und sang, aber sein Singen war mißtönend»vie da? Gekrächze des Hähers, der aufgeschreckt in den Baun»- »vipfeln flatterte und arglvöhuisch von dort niederäugte. Die Zeih mochte sich heut schön„veramesiert" haben! Piktcheu hatte sich eine Haselgeicke abgeschnitten, mit der hieb er recht? und links, daß die Blätter der Busche flogen. „Dnht dat net!" Bäbbi sah ihn ans ilircn traurigen Äugen beiveglich an.„De arm Dinger! Ain Busch sein sc e sn lästig grün, Ihr hant-se as. du liegen sc kapot nf der Straß on gann zertrct!". „Waorom net gaor" sagte er leichthin, aber er hieb doch nicht mehr. Schtpeigend gingen sie beide»veiter. jedes in seine Gc- danken versimken. Plötzlich schluchzte Bäbbi ans, schwer ließ sie sich auf einen Stein am Wege fallen.„Glauwt Ihr, dat dän Lorenz»vidder könmit?" stieß sie hervor; ihr Blick bohrte sich mit angstvoller Frage in Pittchens Gesicht. Er fühlte ihre Angst hcrairs nnd lachte gutmütig!„No, Waorom dann»»et? I Wäor soll ha»» da»» anncrschtcr gichn? I" „Maant Zhr? Mannt Ihr»verklich?" Sie preßte seine Hand— o»vie gut that ihr seine Zuversicht! Schluchzend hielt sie ihn am Acrmcl fest und lehnte die Stirn an seinen Rock. „Aelver, Bäbb, seid doch net gäckig!" Ob schön oder häß- lich. er konnte kein FraueNzimincr weinen sehen; er war ganz gcrübrt von ihren Thränen, er qiretschte sich neben sie auf den Stein»md streichelte ihre Hand.-„Bäbb, Bäbbche, kreisch doch net e su!" „Wtuin häi» mcch net mich lie»o haot. duhn cch»uer en Laad an,"»nurmelte sie iilit finsterer Entschlossenheit. Das traf Pittchen»vie ein Schlag—»venn ihn die Zeih nicht mehr lieb hätte,»vaS würde er dann thnn---? Er sprang so hastig aus. daß Bübbi ihn erschrocken ansah. „Eweil giehl» ech— adjeS!" Das war nicht sein gewöhirlichcr fauler Sck'lendergang, bei dem er die Füße kam»» hob n»id nnr langsam»veiter- schlorrte; or ratinte. Tannen rechts, Tannen links. Schivarze Riesel»»vändc, die cinei» schmalen Streifen Hii»»>nel cinrahincn. Keine Hütte, keil» Stückchen bebautes Land mehr. 5»eiil Mensch, keine grasende Kuh, keine»neckcrnde Ziege, a>lch kei»» Wild, kein Bogel. Ohne eine Nadel zu regen, in majestätischer Größe stehen die Tannen,»vie aus der Urwelt stammend mit ihren Riesen- bärten von abgestorbenen» grauem Moos, ihren überband- laugen braunen schuppigen Zapfen, ihrem dunkelfliissigen Harz, das in zähm Rinnsal auS der zerklüfteten Borke sickert. Tiefstes Schlvcigcn. Ein.Schlveigei», in dein auch der leicht- herzige Wandrer stumii»»vird;. eine gebieterische Hand streckt sich ans dein Dunkel der Aeste und legt sich ans seinen Mirnd: „Still!" Hinter den finstren Sstiinmc»» tm»chen Gedanken a»>s. dänlmernde ahnungsba>»ge Gebauken; tücsiich brechen sie hervor »vie Räirber ans dem Hinterhalt und iiöerfallei, den Harm- losen. Man erschrickt vor dem eigenen Fußtritt. mau hält den Atcin an und steht und lauscht, nud dann packt einen die Äugst im Genick,»vie ein schlvarzeS Tuch fällt es einem über dm Kopf— weg ist der Frohsin». Em grüblerischer Ernst hält dm Menschen umklammert und läßt»hi» nicht los in dieser Ei>»sa»»keit. Weltabgeschiedei» ist der gewaltige Wald—»ver hier Hilfe schreit, wird nicht gehört; was man hier treibt, wird nicht gesehen; wer etwas verbergen will vor anderer Augen, kann's hier dreist, ein Schutzdach wölbt sich über ihn und um ihn. Pittchen pfiff und sang nicht,/ er rannte auch nicht mehr; argwöhnisch bohrte sich sein Blick rechts und links in die Tannen— ob die Zeih allein daher kam— wenn sie nun hier ginge, begleitet von einem andern---?! Der verfluchte Wald! Hätte der Weg über freies Feld gc- führt, würde er sich gar keine Gedanken machen, aber so-- 1 Grüblerisch hing er den Kops ans die Brust--- da ging die Zeih von Manderscheid fort, auf der Chaussee be- gcgnetc ihr einer, es schlich ihr Ivohl gar einer nach von Mander- scheid,— nun kam der große Wald, nun gingen die zwei mit- einander hinein, immer tiefer ins heimliche Versteck. Kein Mensch sah sie. nicht einmal die Sonne lugte verstohlen; eS dämmerte bereits, Abendwolken verschleierten das Himmelsauge. Denr Manne tvurde warm an der Seite der schönen Zeih, er redete verliebtes Zeug, und sie lachte dazu— Peter hörte ihr halblautes Gekicher, so kicherte sie auch, wenn er zärtlich wurde— sie wiegte sich in den Hüsten, der Dreiste faßte sie um die Taille, sie wehrte sich nicht, sie lachte nur— »Kotzdonner noch ehs l" Peter fluchte ingrimmig in sich hin. Jetzt fuhr er zusammen, deutlich erklang das Lachen, das verfluchte Lachen! Er stand tvic der Teckel vorm Fuchs- bau, zitternd, lauernd, aufgeregt.(Fortsetzung folgt.) Uorv Gitex. (Lessing-Theater.) Lord Qucx ist ein Lebemann in den reiferen Jahren, der seine Grundsätze ändern und sich mit einer jungen Dame seiner Kreise verheiraten will. Seine früheren»Beziehungen" sind alle in glück- lichcr Weise gelöst, bis ans ein Verhältnis zu einer jungen Herzogin, die bei ihm gesucht und gefunden hatte, was ihr 7t) jähriger Gemahl ihr mit dem besten Willen nicht geben konnte. Aber auch diese Sache würde schließlich in Ordnung kommen, da die Herzogin eine kluge Dame ist, die von ihrem Liebhaber nichts Unmögliches verlangt. Das Spiel würde glatt ausgehen, wenn es nicht einer andern kleinen Dame einfiele, ungebeten ein'wenig mitzuspielen. DaS Fräulein heißt Sophie Juligarney und ist Inhaber eines Salons, in dem die Londoner Gesell- schast sich die Nägel schneiden und polieren läßt. Da tadellose Fingeruägel für diese„Gesellschaft" eine Sache von hoher Bedeutung sind, ist auch Miß Fullgamey so etwas wie ein Faktor, mit den, man rechnen muß. Tie kleine Miß nun hat eine Abneigung gegen Lord Quex. Die junge Dame nämlich, mit der er sich verheiraten will, ist ihre Milchschivestcr und unter Wahrung der Distance natürlich — auch ihre Freundin. Daß diese Freundin nun einem rücksichtslose» Lebemann ausgeliefert werden soll, kann und will sie nicht zu- geben. Um es zu verhindern, tvill sie der jungen Braut den Beweis liefern, daß ihr würdiger Verlobter sich nicht geändert habe, sondern immer noch der alte Schürzenjäger ist. Eine Einladung nach dem Gut. auf dem sich ihre Freundin aushält, begünstigt den Plan. Zu- nächst geht sie selbst ins Feuer und läßt alle Künste der Koketterie spielen, um den edlen Lord zu einer«»überlegten Handlnng hinzu- reißen. Einmal aber traut er ihr nicht und zum andern liebt er seine Braut wirklich, so daß er gegen die Künste anderer Weiber gc- seit ist, wenigstens zunächst. Wenn nicht die Herzogin dazwischen käme, wäre die kleine Jntrigunntin aus Liebe also verlören. Die Herzogin aber bringt durch ihre romantischen Schrullen die»ölige Verwicklung zu stände, was übrigens nicht nur sür Miß Fullgarucy, sondern auch sür den Autor ein Glück ist. Tic Herzogin also ist eine sehr gefühlsreiche Danie, die ihren Ehebruch mit einem Heiligenschein von Romantik umgeben hat. Nun, da es auS ist, will sie zwar entsagen, aber sie will wissen, daß sie entsagt. Sie Ivill»och einmal mit ihren» Liebhaber znsamnien sein, wie sie an jenen, ersten Abend zusammen waren, als ihr Verkehr begann. ES soll sozusagcn eine Schlußscene in bengalischer Beleuchtung geben, bevor sie die Bühne ihrer Liebe verlätzt, uin' sich in der Garderobe zu einer ehrbaren Frau ninzuschininken. Lord Ouex ist von dieser Romantik nicht sehr erbaut, aber er fügt sich schließlich und stellt sich in mitternächtlicher Stunde im Geniach der kenschen Herzogin ein. Durch eine Jntrigue, die wir uns hier schenken können, hat die kleine Miß Fnllgarncy es fettig gebracht, die Herzogin als stellvertretende Kanunersinigfer zu bedienen. Natürlich horcht sie und wird Zeugin der nächtlichen Zusammenkunft, deren Harmlosigkeit— es handelt sich ja um einen platonischen Abschiedsbesuch— sie nicht ahnen kann. Schließlich entdeckt der Lord die unbequeme Zeugin und die Herzogin flieht entsetzt in ein anderes Zimmer. Der Lord und Miß Fullgaruey bleiben allein. Die Verwicklung erreicht ihren Höhepinikt und die Katastrophe erscheint unvernieidlich. Ich sage: scheint; denn in Wirklichkeit glaubte in, Publikum kein Mensch an die Katastrophe. Poeten wie Herr P i n e r o machen eine Sache nur verwickelt, um nachher unter allerlei Witzen und Witzchen zu zeigen, daß sie gar nicht verwickelt war. Sie sieben in dieser Beziehung mit Taschenspielern auf einer Stufe, die aus den, Jahrmarkt vor den erstaunten Bauern Wunder-. dinge produzieren, um nachher zu zeigen, daß Fingerfertigkeit und kleine Ganklerkuiffe keine Hexerei sind. Lord Quex begegnet der List der Horcheriii mit einer noch feineren List. Er räsonniett:„Verehrtes Fräulein! Ich bin verloren, daran ist »un einmal nichts zu ändern. Aber Sie sind es auch I Wecken Sie nur ruhig das Ha»s. Ich werde sagen, daß ich mit Ihne» hier ein Rendezvous verabredet habe, da wir wußten, daß die Herzogin diese Nacht i» einem andern Zimmer sei» würde. Die Herzogin wird meine Aussage bestätige» nnd Ihr guter Ruf ist rettungslos zun, Teufel. Ihr Bräutigam ist, wie Sie wissen, ein sehr eifersüchtiger Herr nnd Ivird ans de», Vorfall ohne Zweifel seine Folgeniiigen ziehen! Mo bitte: Wecken Sic nur das Haus!' Miß Fullgamey ist konsterniert. Sie sieht keinen AnSwcg und ist schließlich bereit, über das Vorgefallene zu schweigen. Dam, aber fällt ihr plötzlich ein, daß sie die ganze Kampagne ja nur zu Gunsten ihrer Freundin unternommcn hat. Mit de», Edelmut, der in Theaterstücken nicht selten ist, nimmt' sie ihr Sckiicksal auf sich und erklärt:„Wohlan! Alles für meine Freundin! Auch die eigene Schande!" Rumnehr überkonunt�auch den Lord der Edelmut. Ei» so austäiidigeS Weib kam, er nicht unglücklich mache» und er öffnet die Thür, um sie hinaus zu lassen. Selbstverständlich kam, sich wiederum die Miß so etwas nicht bieten lassen, ohne gerührt zu werden. Sie erkennt, was wir von Anfang a» wußten, daß der Lord sich>v irklich gebessert hat, nnd die beiden Liebende» kriege» sich, waS auch nie einem vernünftigen Mensche» zweifelhaft war. Und damit wären wir zu Ende. Wir sind anssührlich gewesen und mußten es sein, NM einnmk zu zeige». daß ein Theaterstück dieses Genres im letzten Grunde ein IccreS Nichts ist. Der Verfasser— Herr Pinero— hat in seiner englischen Heimat Erfolg gehabt, was uns nicht weiter Wunder nimmt. Bei uns haben ja die Schwänke Blunienthaks Erfolg und diese Erzeugnisse eines doch immerhin menschlichci» Geistes sind noch viel schlechter, als der etwas langweilige„Lord Quex". Wir habe» nur wenige Theaterhandwerker, die Herrn Pinero überlegen sind, aber Ivir haben freilich einige. wie beispielsweise Siiderniaun nnd Schnitzler. Dagegen ist es allerdings verwunderlich, daß Herr Pinero in seiner Heimat nicht mir als Dichter gilt, sondern als solcher sogar gefeiert wird. Das ist nur möglich, wein» in eine», Lande die ästhetische jknltur vollständig »„tergegangen ist. Pinero ist»atürlick, kein Dichter und ist schließlich auch nur ein reibt mittelmäßiger Theaterhandwcrker. Die beste» Theatcrhandwerker haben— wie beispielsweise Sardou in der „Cyprienne"— eine» feinen psychologischen Griiiidgedankcn, den sie in einer witzige» Fabel vorzutragen wissen. Wein, man das Theater verläßt, hat man sich amüsiert nnd nimmt auch noch eine Kleinigkeit mit nach Hanse, den erwähnte» psychologischen Gedanke» nämlich. Dam» konnilen die Handivcrker, die zwar nichts z» sagen haben, die aber über allerlei Dinge, die mit der Handlnng nichts zu thnn haben, allerlei geistreiche An- merk,»igen zn iiiackien wissen nnd die zudem Menschen nnd Sitnationen w übermütig durchcinaiiderwirbcl». daß mai, sich schließ- lich amüsiert, wenn auch vom Amüsement am letzten Ende nichlS als ein schmerzender Kopf zurückbleibt. Schließlich folgt die letzte und traurigste Sorte, die Leute„ämlich, die weder einen Gedanken noch Geist haben, die aber dafür jede Situation zerreißen und jedes ästhetische Gesetz durchbrechen,»nr ,»» einen Kalauer oder eine» Jux oder einen Reqnisitenscherz an den Man» zn bringen. Die beiden ersten i»id besseren Sorten gedeihe» am häusigsten in Frank- reich; mit der letzte» sind ivir in Deutschland überreich gesegnet. Herr Pinero repräsentiert eine Haltmig. die vielleicht nicht ganz ohne naiionale Eigenart ist. Er bat in der Charakteristik und i» andern Dingen ctivas von der Ehrlichkeit seiner Kollegen ersten Ranges; aber leider hat er gar keine Gedanken nnd wenig, sehr Ivenig Witz. Seine Kollegen zweite» Ranges sind leichtsinniger, aber dafür auch amüsanter als er. Er wandelt einen verhängnisvolle» Mittelweg. Sein Lord Quex ist ein korrekter Gentleman, der nicht durch Taktlosigkeitei, anstößt; aber er ist langiveilig, langweilig» langiveilig I—_ Erich S ch l a i k j e r. Kleines L'euillelon. Ikr. kliiicr dem(Sifc mid auf dem Schnee. Zwischen den Gewässern und der Luftschicht, die sonst sich minnttelbar berühren, liegt jetzt eine trennende Wand, die Eisdecke. Sie scheidet nicht nur das Waffer von der Luft, sondern auch die Lebewelt unter dem Wasserspiegel von einer ihrer wichtigsten Sauerstossquellen. Die Wasserpflanze», die in der Vegetationsperiode ständig daS Waffer mit dem von ihnen ausgeschiedenen Sauerstoff bereichern, habe» ihre Thätigkeit eingestellt. So lange im Winter mm die Geiväffer noch offen sind, nimmt das Wasser selbständig Sauerstoff aus der Luft auf, so daß die Fische zunächst keine Not leiden. Unter der CiL- decke aber nimmt der Sanelsioff deS Wassers beträchtlich ab; kein Wunder daher, daß die Fische in strengen Wintern sich in Scharen zusamincndrängcn, wem, Löcher in das Eis geHaue» werden, um hier»ach Luft zu schnappen. Sie lassen in ihre»» Lust« Hunger die Vorsicht außer acht, die sie sonst auszeichnet, und diesen Umstand machen die Fischer sich im Winter zu Nutze. In größere» Seen, die durch einfließende Bäche und Gräben ständig' frisches smierstoffyaltiges Waffer zugeführt erhalte,». Ivird der Fischbcstnnd auch im strengen Winter nicht gefährdet. I» seichten Teichen hat «kier z. 93. der Winter 1800/91 den Filchbesland vielfnch teils vcr- mchtet. teils slarl herabgesetzt; infolge der abgeschnittene» Zufuhr von Sanerstoff erstickten die Tiere. Tie Schädignngc» würde» noch viel gröher gewesen sein, lvenn die Lebensthätigkeit der Fische im Winter nicht ohnedies sehr stark herab- gesetzt wäre, so daß sie dann bedeutend weniger Sauerstoff verbrauchen als im Sonnner. Winterschlaf hat man aber bei unsere» Fischen nicht feststellen können. Di« Frölche dagegen, Inngenatmcnde Tiere, die im Winter außerhalb der Geivässer verhungern oder er- frieren und unter der Eisdecke ersticken wurden, entziehen sich der Gefahr, indem sie sich beim Eintritt des Winters in den Schlamm vergraben und in völlige Lethargie verfallen, aus der sie erst die Frühlingssonne erweckt mid zur Quaksiufonie begeistert. In diesem Zustande der Starrheit verbrauchen die Frösche jedenfalls leine» Eauerstost: sie gehen aber zn Grunde, wenn der Schlammboden einsricrt und der Frost sie erreicht. Man kann einen Frosch einfrieren lassen und ihn wieder lebendig sehen tverden, wenn man ihn vom Eise befreit, ehe sein Körper starrgcfrore» war; ist dies aber einmal geschehen, so kann er nicht wieder zum Leben erweckt werden. In dem schon erwähntet» strengen Winter 1890 91 drang der Frost so tief, daß er in vielen Teichen auch die Schlammschicht mit den„Ivnntcrschlafeiiden" Fröschen erreichte und sie in Massen tötete. Das kann natürlich nur in seichten Gewässern vorkomme», den» die stärkste Eisschicht, die in jenen» Winter bei iuiS beobachtet wurde, ivnr 80 Centimcter dick, so daß ciuc Wnstcriiefc von einem Meter schon einen genügenden Schutz gegen das AnSsrierc» bildet. Den Hauptschutz bildet bekanntlich das Wasser selbst in seiner merkwürdigen phyfikalischcn Eigenschaft, bei H- 4 Grad Celsius die größte Dichtigkeit zu befitzen. Das wäruiere Wasser hält sich infolgedessen als das schtvcrere aus den» Grunde und wenn die kältere obere Schicht gefriert, so bildet die Eisdecke als schlechter Wärntcleiter ei» weiteres gutes Schutzmittel. Je ivciter wir übrigens in der Stufenleiter der Lebewesen abwärts steigen. desto zahlreicher finden tvir Arten, die den Frost mit Leichtigkeit überstehen. Den Gipfel erreicht hierin die blutrote Schneea'lge, nicht nur weil sie ausschließlich auf Schnee vor- konnnt, sondern weil sie mit diesem auch die Gipfel der Alpen erreicht. Zun, ersieniual beobachtete Saussure vor 140 Jahren rot- gefärbten Schnee in den savoyischcn Alpen und beschrieb die Er- schein, ing als Roten Schnee. Bald wurde der Blutschnee dann auch in den schweizer und östreichischen Alpen nnd anderen Hoch- gebirgen, an, großartigste» aber in der Bassinsbai im arktischen Nordamerika von John Roß entdeckt. Der über- raschende Anblick der lebhaft roten vereisten Klippe» ver- anlatzte den Entdecker, sie Crimson-CliffS lCannoisin-KIippen) zn nennen. Die r»>te Färbung erstreckt sich nur bis etwa Handtiefe und die färbende Substanz erweist sich unter dem Mikroskop als eine Ansammlung ivinziger kugeliger Zellen, deren Protoplasma—>»'ie bei allen echte» Pflanzen— von grünen Chlorophyllkörnern durchsetzt tvird, nur daß die grüne Farbe hier durch einen eigenartigen rote» Farbstoff völlig verdeckt wird. Man bemerkt daS grüne Chlorophyll erst, wenn nian de» roten Farbstoff durch ei» geeignetes LösungS- mittel aus der Alge auszieht. Das eigentliche Leben der Blritalge beginnt erst in» Hochsommer, ivenu der Schnee an seiner Oberfläche Schniclzlvasser bildet. Daun kommt Leben in die Kiigelchen. sie wachsen und teilen sich in vier bis acht Tochlerzcllen. die aber zunächst nicht kugelig, sondern eiförmig werde»» und an einem Ende ztvei lange Wimpersäden besitze», mit denen sie sich in» Schmelzwasser lebhaft hcnm, tummeln, um a»»f diese Weise jedenfalls Ortsveränderungen auszu führen und die Art weiter zn verbreiten. Endlich lonnue» die Schwimmer zur Ruhe, verlieren die Wiinpern und wandeln sich zn Kiigelchcn. bis daS Spiel von neuem beginnt. Es ist klar, daß selbst so tvinzige Lebewesen nicht von Wasser allein leben können. Nim behält aber der Schnee seine jungfräuliche Reinheit nicht lange. So schnell wie in der Großstadt verliert er in den von der Blutalge betvohnten Regionen allerdings bei weitem nicht seine leuchtende Weiße, aber Veränderungen erleidet er auch dort. Aus der Luft zieht er«in gciviffcS Gas an; er absorbiert Kohlcndioxyd. Feiner schlägt sich ans dem Schnee allerlei von den Winden herbeigeführter Staub nieder. Zun» Teil soll er ans dem Weltrmnn stammen, sogenannter kosmischer Staub, zum Teil besteht er aus irdischen» Staub, den Wirbelivinde in die Höhe führen. So»st z. B. beobachtet worden, bah der Blütenstaub dcr Radelholzbänme ans die Schneeselder geivcht wird nnd daß die Blntalge sich von ihnen nährt. Gewiß eine be- scheide»? Existenz I Sicher liegt es mir an der NahrungSarmnt des Schnees und der Gletscher, daß außer der Blntalge und wenigen anderen Lebewesen, z. B. Glelscherfloh. kein Leben aus ihn, gedeiht? die Kälte des Schnees würde an sich wenig Hindernis bilden. Selbst höhere Gewächse machen sich oft Ivenig daraus. Nachdem»in» Berlin die Schneedecke. hier»nid da weggethant ist, kann»nan beispielsweise das Gänseblümchen in den Anlagen bei»» Bahnhof Wannsce in Menge blühend finden und der Schreiber dieser Zeilen hat die Pflanze»nit unversehrtcn Blüten auch unter der Schneedecke hervorgegraben.— — Etwas vom Eisenbahureise». Der.Köln. Volkszeitmig" Wird geschrieben: Bekanntlich hat die Jugend ein großes Interesse an Dampswogen und allem, ivas damit zusammenhängt, besonders mich dem Reisen mit der Eisenbahn selbst; ganz natürlich. Bei letzterem richtet sich,»vic jeder denkgewohnte Mensch sich erinnern wird, die Anfmcrtsamkeit nicht nur mis die vorüberfliegende Landschast, sondern sehr stark auch ans die Einrichtiuigen der Bah» selbst, ans die Wageiicinrichtuug und auf die Geschwindigkeit des Zuges. Man möchte natürlich gern wissen, wie schnell mm» fährt. Wenn ma» mm weiß, Ivie weit die Telegraphenstangei, auseinanderstehen, mißt man nach der Uhr die Zeit, tvelche zwischen dem Vorüberhuschen von je zwei solcher Stangen verfließt. Mau hat auch noch einen kleineren Maßstab, das sind die Schienenstöße. Fährt»nan von einer Station ab. so folgen diese immer schneller ans einander und ,na» hat einen Maßstab für die zunehmende Schnellig- kcit. Bo» diese»» Stößen gehen bei den ältesten Schienen etiva elf, bei den eingeführten längeren etiva acht und bei den Goliatschienc» sechs auf den Zlvischenranm zwischen je zwei Telegraphenstangei». Ucber diese jeden» anfmcrlsa»» reisenden Knaben bckamitc Sache verbreitet sich»im die„Wiener Abcndpost"»nd sagt n. a.: Es werden drei Läi..,e»iypen von Schienen angeivendct, solche»nit 0, 9 und 12 Meter. Eine Ansragc bei dem Schaffner genügt, um zu erfahre», welcher Thp bei der betreffenden Strecke verwendet Ivnrde." DaS möchte ich nicht sagen, denn mancher Schaffner tveiß das nicht eiinnal. Ich habe schon vorhin angegeben, wie'.man den Typus der Schiene mit Hilfe der Telegrapheiislangc» selber feststellt; der erfahrene Reisende tan» sich aber auch lediglich auf sei» Gefühl verlassen, lvenn er nur eben einmal zun» Fenster hinansvlickt»nid die Geschwindiflkeit, mit der die Landschast vonibcrflicht, mit der Häufigkeit der Schienenstöße vergleicht.— Theater. Neue Freie Volksbühne: Freund Fritz. Lustspiel in 3 Aufzügen von E r ck in a n n- C h a t r i a n.— Das Landvolk, das wir in den» Stück scheu, befremdet uns etwas. Es ist so ver- dainmt sauber, iiiiien und außen. Die rote» Westen scheinci» direkt vom Händler zu kominci»»md die weißen Hcindsärmeli« stnd so rein, als wen» ihre Besitzer ewig»nr ans dem Theater spazieren gingen. Und de» Kleidern entsprechen die Menschen. Es sind sozusagen frischgcwaschcne. schlichte und gute Menschen. Die Welt ist ei» Idyll im Dorf. Die Arbeiter lieben den gnädigen Herrn und ziehen»mter fröhlichem Gesang anss Feld hinaus. Die Bauer» find einfach, bieder und treu»md die jungen Schönen sind keusch und fittsam. Man wird an den alte»» Voß erinnert, an seine Luise, an de» siebzigjährigen Geburtstag und anderes. ES ist das Land- leben. ,»it den naiven Auge» eines harmlos-gutcn Menschen betrachtet. Es ist daS unschuldsvolle Land im Gegensatz zur sündenbefleckten Kultur der Stadt. Bereits in der Frühe tvird man durch den Gesang der Vögel erfrischt. Dann nimmt man unter der breitästigen Linde an einem sch»nick gedeckten Tisch Platz und frühstückt Landbrot, ivürzige Butter nnd Eier, die frisch aus dem Hühnerstall geholt sind. Am Tage schlendert man durch Wald»nd Flur, angelt vielleicht ein Stündchen, liest vielleicht auch ein wenig»nd freut sich vor allem über die ländlichen Menschen, die in einfacher Znfriedenheit und Treue ihren» Tagewerk nachgehen. Mit den Hühnern geht»na» dann zu Bett und steht an» iieneii Morgen mit der Swine wieder auf. In der neneren Zeit find bekanntlich Dichter auf de», Lande gewesei», die dort mehr gefunden haben als ei» Sonntagsidyll mit Glockengeläute und festlichen Trachten. Die Kenschheit' der länd- lichen Schönen hat einen herben Stoß erlitten, seitden» pietätlose Menschen die Welt ans ihre unehelichen 5ttndcr anfmerksmn gemacht haben. Auch die Bauern haben viel von ihrer frühere» Biederkeit eingebüßt. Man Iveiß, daß sie bei», Pferde- Handel betrügen wie ein Grieche nnd daß sie»» ihrer Besitzgier zu gransamcn Bestie» werde» können. Bon AnSbentung nnd Not, von Schinutz und Laster, von Elend nnd Degeneration ivisscn die modernen Dichter z» erzählen, die ihre Stoffe vom Lande holten. E r ck m a n n- C h a t r i a» gehören nicht zu diesen Dichtern. Ihre Betrachtungsweise ist noch ganz die alte naiv-optimistische und ihre Dicht, mg ist ein naiv-optiinistisches BolkSstück. Die Fabel ist so einfach, wie nur irgend möglich.„Freund Fritz" ist ein reicher Junggeselle, der stch's ans seinein Gut wohl sein läßt und die Ehe meidet ivie die Pest. Er vergnügt sich egoistisch mit Essen und Triiiken und überläßt die Sorge für die Fortpflanzung des Menschengeschlechts denen, die nicht alle werden. Ein alter Rabbiner aber kriegt ihn herum. Dieser Rabbiner ist im Stück die eigentliche dichterische Leistimg, eine wahre Prachtgestalt. Jüdische Verschlagenheit, Humor und Gute find in durchaus glaubtvürdiger Weise mit einander ver- mischt. David Sichel— so heißt der Rabbiner— bringt den Jnngesellen in die Nähe eines eben aufgeblühten holden KindeS» wo der hartnäckige Egoist denn auch alsbald Feuer sängt. Dieses hübsche junge Kind ist die zlvcite ivertvolle Gestalt der Dichtniig. Es' ist den Dichtern i» der That gelungen, sie mit einem Schimmer von poetischem Liebreiz zu umgeben. Neber- Haupt lebt in dem ganzen Stück eine naive Poesie, die die Herzen ergreift nnd die Dichtung trägt. Die Vorstellung in, Thnlia-Theatcr(Regie Friedrich Most) war gut. Vor allem sind K o b e r als Rabbiner lind Fräulein von Pazatka als Süsel zu nennen. Besonders die junge Dame hat ii»s viel Freude gemacht. Wir erinnern uns nicht, sie früher gesehen zu haben; aber wir wünschen, daß dieses erste Zusammentreffen nicht das letzte gewesen sein möchte.— E. 8. Schauspielhans:„Das Bärenfell." Schwank von K a d e l b n r g.— Es handelt sich«»» lachende Erben, die das Fell des Bären unter sich teile», ehe der Bär(das ist der Erbonkel) zur Strecke gebracht ist. Sie richten sich in seiner Wohnuiig behaglich ein, rauchen seine Cigarren, trinken seinen Kognak und hoffeiz siiiiidlich c»if die Niubricht, dn� bcr alte Herr in V>il)>>te» in ein besieres Lct>cn hinnberstegtinqe» ist. Tie Nnclnichl knnnnt al>cr nickt— nur der Onkel koniint und erfüllt die Erden mit Entsedcm Natürlich ist er kerngesund„nd heiratet,«im seine liederliche Ver- ivaudtschaft itu sirafen, eine Witivc, die er in« Süden kennen gelernt hat. Da» Ganze ist— selbst vom Staiidpnnkte Kadelburg» an»— ««»gelvdhnlich seicht und nichtig. Da» Sckanspielhan-Z blamiert sich mit solchen StMen entsetzlich, Glücklickrriveise ivnrde am Scklnsse kräftig gezischt, so daß der Schwank bald verschwinde» nmß, Friede sei mit«dm 1— E. 3. Musik. t. Kapell m ei st er Schalk ü bcr die BcrlinerOper, Franz Sch««lk, der Kapellmeister an der Berliner Oper,«ourde von dem Korrespondenten deZ Pariser.New-Dork Herald" über seine Berufung an die Wiener Hofoper, über die Wiener Blätter einander ividcrstreitcnde Mitteilungen«nachten, interviewt»nd erklärte diesem, er sei von« Mai a» als Dirigent nud lintcrdircktor an die Wiener Hofopcr berufen worden,.Mahler schrieb mir", sagte er.„daß ich zu ihm kbinmen sollte, wenn ich die Stellung ivünschtc. Weihnackten war ich mm in Wien und habe daö Engagement angenominen. In« Februar werde ich da? Orchester leiten und Möhler vier Wochen vertreten, während er in Petersburg die pliilharinoiiischen 5lo»zertc dirigiert,„Fidelio" ist die erste Oper, deren Aufführung ich in Wien leiten>«>erde, dann folgt der„Ring des Nibelungen", Ich verlasse da» Berliner Opernhaus wegen des dort herrschenden Systems Der Dirigent wird in künstlerische» Frage» nicht gehört, weder bei der Erwerbung»euer Stücke, noch beim Engagement der Sänger oder Musiker, bei der Aiifsteünng des Nepertoirs oder der Berteilnng der Rollen, Er ist nur daö erste Olchestcrinitglicd, Seine Autorität leidet infolgedessen. Da er keine» Einfluß hat, respektieren die Sänger seine Wünsche nicht immer, und er kann eine Oper nicht so vollkommen dirigieren, als er es ivüuschte. In Wien ist er jedenfalls ein Berater in allen künstlerischc» Dingen und er hat daher die Macht, seine Opern so gut, als eö möglich ist, hormtszn- bringen. Das Feld seines Einflusses ist nickt so beschränkt wie in Berlin, da in Wie» das Publikum iioch die Italienischen Opern gern hört i sie erscheine» oft ans dem Repertoire und»verde» ausgezeichnet gegeben. In Berlin ist dies nicht der Fall, daS Pnblikrmi mag Verdi oder Mcyerbecr nicht hören. Wen» der.Trovatore" oder die „Hugenotten" gegeben werde», ist das Theater leer. Die Berliner lieben mehr eniste Musik, während die Wiener mehr»»verfälscht i» ihrem Geschmack sind."— Psychologisches. c. Bererbllng von Trän m e n. Der italienische Forscher A. Gianelli hat. wie die.Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane" berichtet, über die Porerinnig von Träume» interessante Untersuchungen angestellt. Bisher kannte man«mtec den zahlreiche» Forschungen übcr erblich« Uebertragimg psychischer Eigen- tünilichkcitc» mir drei vereinzelte Beobachtmige». die von dem Einfluß der Vererb«mg auf da? Tramnkeben handeln Gianclli hat nnn zum erstenmal ei» reiches Material hierüber zusammengebracht. Meistens handelt es sich um Betveglingserscheinimgen, von denen die Betreffenden »ach dem Erscheinen»icktS mehr wissen. Es treten aber auch so lebhafte Visionen auf, daß sie»ach den, Envachen noch eine Weile fortbestehe», I» einen« Faü hatte ein Ljähriger Knabe«oübrend »nd nach enwm TyphnS die Vision einer großen schivarzc» Figur, die auf das Fußende des Bettes schritt und ihn mit glühende» vnge» anblickte. Genau dieselbe Erscheinung hatte sein Vater im Traum gehabt. Bei ihm war ein plötzlicher Schreck die Veranlassung dieser abnormen Traumerscheinung gewesen, die sich auf seinen Sohn übertrug. In einem anderen Fall erzählt ein 27jäbriger Veamter, daß er als Kind häufig von einem schwarze» Kater mit feurigen Augen gc- träumt habe, wie sein Vater, der im 43, Jahre an Apoplexie gestorben ist. Ein anderer abuonner Tram» war durck einen Sturz änf de» Kops hervorgerufen und vererbte sich nun ebenfaNs auf den Sohn des Vetrcsfenden, Bisweilen sind auch Fieberznstände, Erschöpfung u. dgl. die Veranlassung, durck die der Tran»« die Fähig- keit gewinnt, sich fortzupflanzen. Als Erklärung kann vorläufig nur angenommen ivcrden,«oas von der Erblichkeit überhaupt gilt: Die organische Arbeit, durch die die ucrickiedeiiei« psyckifwe» Zustände sich dem Gehirn einpräge», beivirkt eine danernde Modifikation des Echirngelvebes. die eine Uebertragimg möglich macht.— SluS dem Tierleben. — Riesenhafte R e g e n w ii r ,» e r. Die Negenivürmer gehören sicher zu de» bckauittcstei« aller Tiere,»md sie zähle» auch Wohl zu deuen, ivelche wir erst mit der Lupe sticheu»«üsfeu, Scko» unsere eiilhekniische» Arte» erreichen zum Teil eine ganz respektable Länge.- sie-trete» aber all« zurück gegen einige Riesen, welche sich in sreindc» Ländern finden. Von.dicien ei�ählt die Wockenickrisl „Mutter Erde":.Von Anstraliiir und zwar von Gippsland ist schon länger eil» Riesenwiirin,' der zu de» Regenivurinern gebort. nnler dem Namen Äoeinicolnlvs.mstralis MeCoy beschrieben: er erreicht die stattlicke Länge von t.20 Meter bei Fingerdicke. Noch iiv'ertroffen wird aber derselbe von einem Regenwurm, den Keller auf Madagaskar entdeckt bat»>«d der de» Ngtnen Kynotuo Darwin» führt i bei ebenfalls Fingerdicke besitzt er eine Länge von 1,50 Meter, Daß mich in Europa und zwar in Sardinien, sich «beraniwonlnver Aeoacleur: Paul John n« Verla Regenwnrnier von stattlicher Größe findet», beweist ein Exemplar vo» 70 Centimeter Län>se. Die große Bctoitung. welche die Regenwurm er für die Lockerung de? Bodens besitzen, indem sie denselben in großen Massen in den Da«'»« ans- nehmen,»in sie dann, wenn sie den Darm passiert hat. als die be- kannte» kleinen Häufchen Über der-Erdoberfläche anfznwerfci», ist durch Darwin in der dem Meister eigene», klaren Weise dargelegt worden. Er wies darauf hin, daß die Regenwünner den ganze» Bode«« geivisierinaßen umarbeite» und durch diese»atürlicke Be» arbeitmig des Bodens sich wesentlich an der Hnmnsbildnng beteilige». für viel« Pflanzen den Wohnort vorbereite»«md in ibrer stille». Wenig beachtete», oft sogar verkannte» Tbätigkeit ein H««»ptfaktor der Bodeiiverändermig find. Wie rührig schon iiiiserc heimifcke«« Würmer in dieser Thätigkeit sind, zeigen«ins die viele» kleine» Erdhäiifchcil. Ivelche dem kundigen Beobackter die AmvesenheU der Würmer unter der Erde verrate». Die Thätigkeit der großen tropisckei« Arten ist natürlicherweise»ock eine viel aiiSgiebigere. Nach den Angaben«nid Abbildungen von Keller sind die Exkremente des madagafifchen RieseiiunlrmS von ganz rest>ektabler Größe: ihr Gewickt in trockenem Ziiständ beträgt dnrchsckuiittlich IM— 150 Gran«»«, einzelne hatten sogar ein Gelvickt von 178»nd 170 Gramm«nid an nianche» Stellen fand Keller diese erdigen Crkrei»e»tha»fe«l massenhaft umherliege». Die Erdbewegung«miß daher eine ausgiebige sein«md nach den angestellten Beobachtungen kam Keller z» dem Resultat, daß diese Tiere in 50 Jahre» eine Erdichicht von 1 Meter Dicke an die Ober- fläche zn befördern bcrmöge».— Meteorologisches. — Eine prächtige N a t n r e r s ch e i»»«« g Ivnrde am Abend deö letzten Freitag,«oie von Fischern bericktet wird, ans dem Lk» r i s ch e» Haff beobachtet. Gegen 8 Uhr blitzte es plötzlich an «»ehrercii Stellen des fast reinblanen NachthimmelS auf. mid in Ellipsenfori» prägte sich allmählick ei» ockergelber, mattrot be- raudeter Streifen ans, von dessen imiciem Rand« sich seine, grüngelbe Strnhlenl'iindel nach zioei Punktcn, die man. füglich als Brenn- Winkte der fast gleichmäßigen Ellipse bezeichne»« konnte, ergossen. Die Erschciiinug loährte imgefähr 12—15 Miuntrn nird zeigte sich etwa in der Höhe vo» Sckmikeii-Sarkai«, Als die Farbemvirkmig des Gc- bildes abirah»«, erschien ein ziemlich scharf begrenzter, gleichfalls ellipsenförmiger Teil-deö östliche«« Himmels wie erhellt, während der «iitspreckcnd« Teil am westlichen Hiinmcl sick fast ganz schwarz färbte. Alte Fischer erinnern sick, eine ähnlickn: Eiichciniing in den tiOer Jahren bei großer Kälte beobachtet zu hal>en.— Hmnoriftischet. — Exakt erzogen. Herr sin der ekektrischen Bahn zu einem neben ihn» sitzenden Mädchen):„Wie alt bist Du dem«. Kleine?" Das Mädchen:.Siebe» Komme zwei fünf Jahre."— — R i« f m e r k s a ru,..Hören Sie, Herr Wirt, ich fische schon die dritte Fliege aus der Suppe!" D orf-Wirt:.Wollen Sie net lieber a Sieb habe»?"— — Prokka«Nation Direktor seiner Schmiere, zum neue«« Personal):„Endlich bemerke ich ein'für allemal, daß ich ein Feind aller Vor-, Zu-, Räch-, Schreck-«>»d Hexen- s ch ü s s e bin 1*—(„Lust. Bk.") Notizen. — In der Passage„Unter den Linden" werden wZckentlich zweimal, S««« f o n i c- M a t i«« e c n". und zwar jeden S o n»tag m i i t a g vo» 12—2, sowie jeden Donnerstag von 4—0 Uhr nacknnttag stattfinden. Dieselt«» loerden uon dem Berliner S i» s o i« i c- O r ck e st e r,. Dirigent Kapellmeister Carl Zimmer, ausgestührt. Das erste dieser Konzerte findet am Sonnmg. den 21. Januar, stttt. Der Eintrittspreis ist auf 50 Pf. fest- gesetzt.— — Vo» Karl M i l l ö ck e r solle» sick. nack dem„Kl. Journal", in einem Berliner Verlage bei der Sichtung alter Rinsikalien z wL i vollständige Parlilnreii Maimskiiple vo» Operetten gesunden Havel«, die vor«»ehr als zwanzig Jahren gesckrieben«»«d niemals veröffentlicht sind. Sie solle» beide tzeransgcgebeu und ansgefiihrt werden.— — Das Musikfest in Bremen und die gleichzeitig dort tagende Tonkünsilcr-Versammlinig findet vom 24. bis 27. Mai statt. Kapellmeister Panzner-wurde zun« Fesldirigentcn geioählt.— — Für Entwürfe eines M o>«» n, e«« t a I b r n u>« e«« S in Oppeln wird vom Kultiisiniiiisier ein Preisausschreiben erlassei«. Es sind z e b» P r e i s e z«« je 500 Mark ausgesetzt.— — Otto E r n st s Lustspiel.Jugend von heute" fand im M ii n ck e» e r Residenz-Theater eine beifällige Ausnahme, mir der letzte AN siel ab.—, — Der Kammersänger Fritz Planck, der am 2l. Dezember wäbrend einer Probe ans der Bühne deS HoflheaterS in KarlS» ruhe veruuAlückte. ist Sonntacfwnsit am Herzschlage gestorben. Er ivar ein bedeutender Wagner- Sänger.— — Eine«ceiie Oper von P nee in i„ToSca", deren Libretto nach S a r d o u s gkeichnamigcm Schauspiel bearbeitet ist, fand, wie dem.B. T."««»itteilt wird, bei der Eistausiiihnmg im Cojtanzi» Theater in Rom eine» äußeren Erfolg,— i. Driul im» Verla, von Max Badin,«n Berlm.