Zlnterhaltungsblatl des vorwärts Nr. 13. Freitag, den 19 Jaunar. 1900 .. Mnchdruck oertoten). 13) Dnc» LVelvevdovf. Notnon aus der Cifel von Clara Vi ob ig. - Als lic gingen, hing sie an sein«n Ann. und er schlepple beides, das Kind und das Paket. Sorgfältig hatte er selbst die Geschenke eingepackt und verschnürt, dann hatte er sich den Bindfaden um den Hals gehängt: das Päckchen banntelte. bei jedem Schritt spürte ers. Ter Weg schimmerte kaum erkennbar im Tanlienforst tvars stockfinster. Zeih that furchtsam, bei. jedem Knistern der Rinde, jedem Rtederrieseln einer Nadel fuhr sie zusammen und schmiegte sich fester an ihn. Sie ruhte mit ihrer ganzen Schtvere auf ihm. unter dem dünnen Fähnchen spürte er ihren tvarinen, vollen Körper. Cs war ihm sehr heiß, sein Atem ging nnrnhig, er schwitzte/ tropdem es nun bergab ging und der Nachtwind feucht und scharf kühl webte. Tunkcl lag Eifelschmitt: in den Hänsern wenig schwacher Lichtschein mehr, die Straße leer. Nur am eintönig plät- schernden Brunnen standen noch ein paar Weiber und Ivllschen ihre Füße in dem ausgehöhlteit Banmitamm, der als Bmnncn- trog diente. Sie hatten ibre Röcke hochgeschürzt) in dem Mond- streif, der jetzt dnrws Nachtgewölk. brach, schimmerten ihre nackten Ärnie und Beine lockend silbenoeiß. Peter fühlte wieder das selt'amc Gruseln, jenen wunder-. lick""i Schauer, der ihm leise über den Rücken hinabrieseltc, seist Blut für Augenblicke erstarren niachtc, uin es dann desto hdßer anzutreiben. Unweit ihrer Hütte strich eine Gestalt an ihnen vorbei: Peter glaubte Tina zu erkennen an ihren glitzernden Aug äpseln und den geschmeidigen Bewegimgen. Sie schlüpfte zwischen ilnt und der Hecke durch, für eine Sekunde fühlte er seine Hand gestreift von heißen, feuchten Fingern. Dann war's vorbei, verschwunden wie ein Spuk. In der Ferne noch ein leis verklingendes Lachen.— In der Nacht träumte Pittchen schwer. Cr ging denselben Weg, den er heute der Zeih entgegeu- gegangen: aber oben am Kaisergarten ivaitdte er sich rechts, gen Großlittgen zu. er mochte wollen oder nicht, er mußte dahin. Es puffte ilm von hinten>vas üi den Rücken, em starker Wind blies ihn fort. In der Feme hörte er Stimmen, sie riefen lind lockten: „Pittcheu! Kvnun, Pittchcn!" Sachen klang dazwischen.— Jetzt hörte er die Zeih rufen. und jetzt die Tina.— Jetzt fielen andere bckaitnte Stimmen ein:„Pittchen! Pittchcn!" Wo war er dornt? Erschrocken sah er sich um— da ging er durch öde Haide, der Wind stöhnte drüber hin mit unheimlichcit Klagelanten.'' Er wollte nicht tvcitergchen. umkehren: sein Fuß strauchelte über abgestorbene Strünke, es roch nach Pech und Schwefel. Eine glühende Luft schlug ihm entgegen>vie Flannnen- hauch, versengte ihm Haar und Brauen und tief innen im Leibe das Herz. Cr ivolltc Hilfe schreien und kointtc nicht. Fern, fernab tönte heiseres Hnndegebell— das waren die Hunde von Groß littgeit. Hilfe, Hilfe, dorthin! Er wollte laufen und konnte nicht. Er stand' wie fest gewurzelt. Der Boden war heiß, als brenne unterirdisches Fetter darunter. Und da ivar ein Kreis seltsamer grüiter Pflänzchen, wie abgezirkelt standen sie im.Kranz ntitten ans totem, verbranntem Land) im schwefligen Licht, das die Nacht erhellte, sah er deutlich ihr giftiges Grün. ' Hilfe, Hilfe 1 Der Hexenkranz!' Hatte ihn seine Mutter nicht schon als Kind dort, sich bekreuzend, vorübergeführt und scheu geflüstert:„Hei eS't uet gehener!" Da tanzten vormalS die Hexen uiid loderndes Feuer prasselte ans. Der Boden ver- brannte unter ihren Füßen, nur diese Pflänzchen sproßten, grüne Stengel, ohne Blatt und Blüte, das einzig Lebendige ringsum. „Pittchen, Pittchen!" Wer rief? Im Flammenschein hüpften ihm Gestalten entgegen mit raschelttden Röcken und flatternden Haaren, sie lachten und winkten und riefen und streckten die Arme nach ihm und reichten einander die Hände lind lvirbelten um ihn in tollem Tanz.-Jnnneb'tollet/'toller—- kiinner wilder, wilder— Weiber, Wezber, lauter. Weiber.!.. Und auf einmal stand die Zeih nntten im Kreis,' sie, hatte die Seidenschürze wie ein Mätttrlchen um die Schultern hängen und den neuen roten Unterrock an— weiter nichts.' Sie schlug die'-anderen ans die allsgestreckten Finger und lachte beli.,..• „Dan eS mein?" Sic warf den Unterrock und die Schürze ab— da stand sie nackt und schön im Flamnienschenl und sprach gebieterisch:-„Knas mer c nci Kleid!"' Laut kreischten dje andereil ans. heickend sprangen sie in die Höhe, sie lmirden zn Flmilinen, die ihm entgegen züngelten--- „Jesus! Maria! Joseph!"- da, der Boden wich ihm unter den Füßen, er that einen tiefen Fall, abgrundtief— — Mit einem Schrei erwachte Pittchen. Der Mond schien hell durchs linverhängte Fensterchen, mitten auf das zerlumpte Federbett. Der Kopf der Zeih lag schlvet ans seiner Brust und drückte ihn. Sie schlief lnit offenem Mund und schnarchte regelmäßig. Noch vorn Granen des Traumes erfaßt, rüttelte er sie: »Zeih, Zcih. Zeih!" Sie tvachte nicht ganz aus, schlaftruilken öffnete sie nur ein Spältchen die sckstveren Lider. „Dat Kleid", lallte sie,„Kleid— kaaf mer c schien nci Kleid!" � VI.:'-;.. 4 Luria Miffert hatte ihren Mann feit Wochen gequält. den goilzcn Tag und die Nacht auch. Sie hatte sich an- geschmiegt»vie ein bittendes Kind und ihn dann lvieder spröde Von sich gestoßen: sie hatte gebettelt, geschmollt, gedroht, sie bestand ans ihrem Recht, sie- wollte ihr neues Kleid. Seit gestern war der Reisende wieder im Dorf: mit Wut und Aiigst ini Herzen hatte Pittchen das Wägelchen ankoiuluen scheu.: hinten aufgeschnallt wankten zwei hohe Musterkoffer. Venn alten Knimmscheidt war der Reifende abgestiegen, da hatte er seine Muster und Waren zur Schau ausgelegt. Die Weiber rannten hin lind staunten und feilschten: auch Lucia lvar unter ihnen. Sie blieb stundenlang ans; längst waren die anderen zurück, Peter hatte aufgepaßt, sie kam noch immer nicht. Da ging er hin, sie zu holen. Es war ein- trüber Herbsttag. Unten im Thal an ge- schützten Stellen war's zwar noch leidlich, aber oben auf den Höhen fnnste der Oktoberwind mit Ungestüm und fegte ganze Lalvinen welker Blätter die Hänge h'imutter. Der Wald stand traurig. Die Dorsstraße war.schmutzig, zum Durchwaten; an Stellen, wo das Pflaster fehlte. sank nian ein bis über die Knöchel. Ein modriger Geruch stieg von Hütten und Ställen ans, eS hatte acht Tage ohn' Unterlaß geregnet. Gegen das Ende des Thales, nach Himmerod war die Attssicht versperrt: die Ruinen des heiligen Bernardus hüllten sich in Rcgendunst und Nebelwolken. Quirlend, brausend wirbelte-die Salm dahin: ihr klares Wässerchen lvar zn lehmigen Wogen gelvordcn mit Köpfen von milchigeitt Gischt. An allen Ecken und Enden tropfte es. Vom Himmel herab, der sich»vie ein Trauertuch spannte,-von den Bäumen, die zitternd die schivarzen Aeste reckten— hie und da hielt noch eine Eberesche an der Ehanssee eine Dolde verschrumpelter roter Beeren fest—; von den Dächern, die, triefend,, tief über den durchweichten Hansstiauern hingen. Alles lvar dunkler von Nässe, ohne Farbe, schwer nud »Illnstig." �'....... Als Peter am Schneiderschen Häuschen vorbeiging, hörte er hinten vorn Stall her über den Hof>veg jammernde Rufe schallell, Heulen und Winseln. Er guckte in daS papierverklebte Fenster vorn neben der Hansthnr. Drinnen in der Stube lag der alte Schneider im Bett, dahinein kroch er. solvie es kalt wurde; die Frau saß am Tisch, hatte ihre» Kaffeenapf vor sich und tupfte mit dem Finger die letzten Brotbröselchen von ihrer Schürze. Wieder das Geheul, das nichts Menschliches hatte. Und doch schrie kein Tier. Peter klopfte an die Scheiben:„Hü, Ihr! Wat es denn hei passiert?" Die Schneidersch öffnete das Fenster ein Ritzchen und steckte ihre spitze Nase heraus.„Dat Bübb," sagte sie lakonisch und wollte eilends wieder zuschlagen, als sürchte sie. ein Atom Werwe möge von drinnen entweichen. „Haalt!" Pittchen klemmte die Faust zwischen das Fenster.„Et schreit doch e su l Giest dann de Weis-Fra von Ober-Kail net geruf?" „Saogt doch liewer gleich den Hahr Doktor I" Die Alte wackelte ärgerlich mit dem grausträhnigen Kopf.„Ihr haot Wohl dat grusze Los gezillt(gezogen)? Mir sein arnie Leit, mir haon neist öwrig. Laoff se schpektaklen, se werd schuirs rohig gänn I" Und vom Bett her schalt die zornige Stimme des Alten: „Wat es dat for en Manier?! Dat Fenster zngemaach, Zapperloot!" Er hüstelte und schinipfte; rasch schlug die Schneidersch zu. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck beidoteih Vev Vktgabttttd. Nach dein Französischen von Wilhelm Thal. Wie i» den alten Zeiten hatte Etiemie, genannt„der Stell- machcr",— ein Barsch von LS Jahren, ein kleiner, sanfter und schwacher Mensch, der dieseir Beinamen führte, weil er zu den ge- schicktestcn seiner Zunft zählte.— Frankreich durchwandern wollen; die Werkstatt war ihm zu eng geworden. Eines schönen Tages war er, das Stünzel auf dem Racken, mit leerem Beutel und vollem Herze» fortgezogen; er war der Land- stratze nach Paris gefolgt, und hatte sich dabei schlecht und recht sein Brot und seinen Schoppen Wein von Dorf zu Dorf verdient. Nirgends hatte er Wurzel gcfasjt, er hatte sich nicht in den Netzen einer Häuslichkeit fangen lassen, er hatte einen ganzen schönen Monat frei, frei und stolz auf seinen Beruf gelebt. Als aber Paris nahe war und die Fabriken die Arbeiter der Landstrabe, die Unabhängigen, nicht mehr aufnahmen, war er schüchtern geworden; ja, er schämte sich beinahe... und so�zog er wie ein Vagabund in einer Wintenwcht über Montrouge in die Stadt der Trämne und Legenden ein. Schon bei der Ankunft sühlte er sich verloren, allein und ans ewig verlassen. Seit dein Morgen hatte er nichts gegessen. ES war drei Uhr nachts, die Strahen erschienen kalt, leer und endlos lang, und seit dem Abend- regnete eS. Etienne bekam Furcht, es war ihm, als käme er in ein Land der Verzweiflung, in eine verlassene Gegend, er glaubte, er würde bis zpm Tagesanbruch durch die Ruinen einer einst berühmten Stadt irren,— und selbst mit dem Tage würde er sie nicht erwachen sehen, den» sie erschien ihm tot! Die Stadt der Träume und Legenden I... Alle Kameraden, die er in den Werkstätten, auf dem Wege getroffen, die Stell- macher, die von der großen Reise zurückgekehrt waren, hatten von Paris gesprochen und dabei hatten sie mit den Fingern geknackt, und die Neulinge, die Lehrjnngen dachten ans Fortziehen, um diese Feerie zu sehen, an die sich die Alten ihr ganzes Leben lang er- innerten!... Etienne fühlte sich in Feindesland. Die Häuser sahen wie mißtrauisch ans, sie waren vom Keller bis zum Giebel verbarrikadiert; die Straßen waren krumm und schlecht; die Einsamkeit drückte schwer. Von Hunger geschwächt, vor Ermüdung fast zusammenbrechend und ganz den Schreckniffen und der Angst anheimgegeben, blieb Ettcnne auf dem Pont des Saints-Pöres stehen und betrachtete das Wasier. Diese Nacht war die schwärzeste seines Lebens l Der Anblick der Seine, die schwerfällig und düster dahinfloß, lähmte ihn. Er glaubte, sie bliebe unter der Brücke stehen, sie würde zu ihm heraufdringen, ihn bei der Kehle packen und fortschleppen! Notre- Danie zeigte in dem niedrigen und schweren Himmel ihre massige Architektur, und er sah sie wie ein Ge- spenst in der Nacht über den Fluß gleiten und immer größer werden, und heniiedcrsteigcn, um ihn zu erdrücken! Doch er konnte nicht fliehen; der Hunger und die Abspannung bannten ihn an die Stelle; Etienne dachte nicht einmal daran, sich dem Alp zu entreiße», der ihn peinigte. Plötzlich beruhigte ihn ein Geräusch von Schritten; Stimmen erhoben sich klar und heiter in dem tiefen Schweigen. „Zwei Bourgeois,- sagte sich Etienne, glcichsain zum Leben zurückgerufen, und aus der Ferne den nächtlichen Wandrer» zu- lächelnd, die in warme Pelze gehüllt daherkamen. Sie achteten nicht auf den Vagabunden; einer von ihnen machte beim Vorübergehen eine bcfricdigle Handbeivegnng und sagte: „Man darf da? Glück nicht urißbranchen!... Ich habe heute nacht zivcihundcrt Louisdors gewonnen und lasse de» Rest dem Klub!" Etienne war ohne bestimmten Gedanken den beiden Wandr«-" gefolgt, als wenn er dem Glück folgte, rein instinktiv, nnr um in ihrer Atmosphäre zu atmen. Doch als er sie gestikulieren sah, als er sie lachen und kaut sprechen hörte, während ihm der Hunger im Magen wühlte und die Furcht ihn an der Kehle packte, kn», ihm ein Gedanke: diese reichen und glücklichen Menschen würden ihn, gern ein paar Sous, vielleicht sogar ein Silberstück geben, wenn er sie demütig ansprach und ihnen sei» Elend erzählte... dann könnte er essen, schlafen, warten und mit einem bißchen Kraft für den nächsten Tag die verlorene Hoffnung wiederfinden... Dennoch ließ ihn ein Gefühl der Scham, wenn er daran dachte, langsamer gehen; er hatte Hunger, er fror, er wußte jedoch nicht, wie ein Arbeiter um Almosen bittet, und gar z» gern hätte er an einer Straßenecke den Versucher, der ihn anlöckte, aus den Augen verloren, aber er besaß den Mut nicht, sich jetzt noch von ihm zu entfernen. „Ah bah 1" sagte er sich mit lauter Stimme, um sich anzufeuern und Mut zu machen,„das Geld drückt ihn nicht I Er hat es in, Spiel ge- Wonnen! Er kann also auch dem Arbeiter, der morgen, um ein paar Frank z» verdienen, schwer arbeiten»mß, soviel geben, daß er essen und schlafen kann!- Und von dem verzweifelten Mut, der wohl bisweilen die Schüchternheit fortreißt, angestachelt, redete er plötzlich den reichen Mann an: „Geben Sie mir ein paar Sons, mein Herr; ieh habe nicht ge« geffcn, nicht geschlafen; ich bin ein arbeitsloser Arbeiter I" Die beiden Männer blieben erschreckt stehen und suchten zitternd in ihren Taschen nach einer Waffe, ohne etwas zu finden. Indessen faßte sich der glückliche Gewinner vor der jämmerlichen Miene dcS Hungerleiders, nahm eine ruhige Miene an und wollte ihn mit einer Handbctvegnng verscheuchen; dann zog er. völlig beruhigt, als wenn er ans Dankbarkeit gut werden wollte, eine Handvoll Gold» und Silbcrstücke aus der Tasche, wühlte mit den, Finger darin her- »m und betrachtete aufmerksam die geöffnete Hand; dann aber sagte er mit bedauernder Geste: „Mein arnier Freund, ich habe kein kleines Geld.. Damit steckte er das ganze Geld wieder in die Tasche, und drehte dem Unglücklichen den Rücken. Dieser sah einen Augenblick dem Mann»ach, der sich mitleidslos an. Arm seines Freundes ent- feinte. Doch plötzlich, von der Erinnerung an das Gold, das er gesehen, geblendet, von dem Klappern, das ihm noch immer in den Öhren klang, erregt, redete Etienne ihn von neuem an; er versuchte ihn zu rühren; er flehte, er demütigte sich und machte sich klein, um ei» Stückchen Brot zu erlangen. Da er jetzt wußte, daß er von diesem Hungerleider nichts z» fürchten hatte, pflanzte sich der andere vor ihn, auf, stieß ihn zurück und versetzte ihn, mit seinem Rcgeuschiri» einen Schlag in die Beine... Etienne machte keine Vewcgnng; der Schlag hatte ihn, nicht wehe gethan. aber er war im tiefsten Herzen verwundet. Mit herab- hängenden Arme» blieb er auf den, Trottoir stehen. und rnit dumpfem Schmerze sah er de» Mann sich entfernen. Dan» packte ihn ein Schauder. Er war allein, aber er glaubte, zwei wuchtige Hände stießen ihn an den Schultern vorwärts,»ud er folgte de», erste» Man», der seinen Ar», gegen ihn erhoben hatte.... Die Nacht erregte ihn. die Einsamkeit machte ihn kühner, kurze Worte liefen über seine Lippen. seine zusamnicngekrainpsten Fäuste fuhren in die Luft, und seine Nägel drangen tief ins Fleisch. Er war beleidigt, er war beschimpft, der Arbeiter, der ehrliche Mann, dessen Tagewerk kein Meister nach seinem wahren Werte bc- zahlt hatte; und sein Beleidiger— jedenfalls ein Müßiggänger— entfernte sich ruhig und lachend, wahrend seine Finger in de» im Spiel gewonneneil Goldstücken wühlten! Er wollte, ihm ans der Ferne seinen Haß und seine Verachtung zuschreicn, als er sah. wie der Mau» sich unter einer Gasflamme von seinem Freunde trennte und allein in eine dunkle Gasse einbog; nun verfolgte er ihn wie ein Wahnsinniger, erreichte ihn im Augenblick, da er sich in ein HauS flüchten wollte, denen Thür sich nicht öffnete, und griff ihn mit geschlossenen Fäuste», heulend, brüllend, schäumend und trunken vor Wut an. Der andre zog, ohne auch nur an eine Verteidigung zu denke», daS Vermögen aus der Tasche, mit den, er eben vor den Augen des Stellmachers gespielt hatte, und reichte es ihn, mit zitternden Händen indem er ausrief:»Da! Nehmen Sie! Nehmen! Aber thun Sie mir nichts zu leide..." Etienne sah, plötzlich beruhigt, in seinen Händen so viel Geld, daß er. wenn er wollte, sich in seinem Dorfe als Stcllmachermeistcr hätte niederlassen könne»; Etienne sah das alles, doch er schloß die Augen. Diese Goldstücke, die er nicht verdient, die man ihn, nicht aus Scelengüte gab, sonder» aus Furcht, diese Goldslücke, die er ge» stöhlen zu habe» glaubte, lvarc» zu sschwer, und seine Hände, die doch an die harten Werkzeuge seines Berufs gewöhnt waren, zu schwach, sie zu halten, sie bräunten auf seiner rauhen Haut. Mit einer Bewegung des Ekels warf er sie zur Erde und rief, als er seinen Beleidiger, vom Schreck gelähmt, an die Mauer ge» drückt sah:„Feigling I". Daun zuckte er verächtlich mit den Achseln und wanderte in die Nacht hinaus, ohne sich noch einmal unizusehc».— Kleines Feuillekon. — Die Entstehung der Bicncnzellen. Gegen die herkömm- liche Anschauung, die den Wabenban der Bienen als eins der wunder- barsten Beispiele für den Knnstinstinkt in der Tierwelt betrachtet, sind schon wiederholt Einwendungen erhoben worden, mit dem Bestreben, die regelmähig sechseckige Gestalt der Wabenzellen ans physi- kalische Eigenschaften des Stofss zurückzuführen. Einen neuen Ber- such in dieser Richtung haben jüngst die britischen Chemiker Charles Dalvson und S. A. Woodhcad gemacht. Ucber diesen berichtet die„Tügl. Rundschau": Dawson beobachtete, während er mit Wachs � und Harpen Versuche anstellte, dah die Mischung dieser Stoffe beim Abkühlen das Bestreben hatte, sechseckige Formen zu bilden, und er kam dadurch ans den Gedanken, datz der Umriß der Biencn�ellen ursprünglich auf der notK-lichen Gestaltung beruhe, die bei der Abkühlung von Wachs entsteht. Die Unter- fnchnngen, die er daraufhin gemeinschaftlich mit Woodhcad aus- führte, zeigten zuerst, daß die Beimischung von Harzen zum Wachs den Sechsecken zivar eine schärfere Form gicbt, daß diese Gebilde aber auch in reinem Biencnwachs entstehen. Wenn man eine dünne Platte Bienenwachs in einem flachen, gleichmäßig er- wannten Troge schmilzt und das Gefäß mit dem flüssigen, etwa eineinhalb Millimeter tiefe» Wachs dann zu allmäh- lichcr Abkühlung in warme, zngsreie Luft bringt, so sieht man an seinem Boden nach und nach sechseckige Formen von der gewöhn- lichen Größe einer Arbciterinnenzelle der Bienenkörbe entstehen, und eine Reihe ähnlicher Sechsecke bildet sich an der Oberfläche des Wachses an de» Seiten des Gefäßes. wo das Wachs sich zuerst abkühlt; man nimmt auch wahr, tvie die Seiten der Sechsecke sich um so Iveiter bilden und abzweigen, je mehr die Abkühlung des WnchscS vorschrcitct. Diese kristallartigen Gebilde kommen nach der Angabe der Beobachter dadurch zu- stände, daß das Wachs beim Abkühlen zuerst runde Kerne tSphäroide) von nahezu gleicher Größe bildet, die während der weiteren Abkühlung gegeneinander gepreßt und an ihren Berührnngs- stellen abgeflacht werden, so daß die sechseckigen Gebilde entstehen. Auf senkrechten Durchschnitten durch die Masse erkennt man bei ge- nauercr Untersuchung, daß die Grenzflächen zlvischen der oberen und der unteren Schicht dieser sechseckigen Körper ebenso geordnet sind, tvie in der Bienenwabe. Nachdem Dawson und Woodhcad diese Thatsachcn festgestellt hatten, nahmen sie eine Platte Wachs, in der sich solche sechseckigen Formen gebildet hatten, und legten sie in einen zu Bcobachtungszivecken hergestellten Bienenkorb. Die Bienen stürzten sofort auf das Wachs und gruben in den Mitten der Sechsecke nahe den Rändern der Platte runde Löcher, wobei sie das herausgeschaffte Wachs rings an dem Rande jeder Höhlung anhäuften. Wenn sie die Bcrührungsebencn der sechseckigen Körper erreichten, so gruben sie nicht wciier, entweder weil sie die schwach erhabenen Ränder an der Oberfläche fühlten, oder, was wahrscheinlicher ist. weil sie die zunehmende Dichtigkeit des Wachses bemerkten. Es konnte dann Ivahrgenommcn werden, daß die Gnind- flächen der Höhlungen dieselbe pyramidale-Form halten, wie in den Biencnzcllcn. Ein Teil dcS ausgegrabenen Wachses wurde von den Bienen über den Rändern der Sechsecke aufgehäuft, ein anderer Teil wurde für künftigen Ge- brauch beiseite gebracht. Die dem Rande deS Sechsecks aufgelegten Massen hafteten fest und erstarrten rasch; dann wnrde eine weitere Schicht darauf gebracht und so fort. Dabei glätteten die Bienen die inneren Oberflächen der Zelle, indem sie sich nach den durch die sechsseitige Form bedingten Flächen und Winkeln richteten. An Stellen, Ivo die Wachsplatte von ungleicher Tiefe war oder sich rasch abgekühlt hatte, zeigte die Wabe ein regelmäßiges Aussehe», indem die Zellen in ihrer Form de» regelmäßig sechseckigen Grundflächen folgten; diese Erscheinung war für das erfahrene Auge eines Bienen- kundigen sehr auffallend. Dalvson und Woodhcad meinen nun, daß die Bienen unter natürlichen Verhältnissen, nachdem sie das von ihnen ausgeschiedene Wachs zu einer kleinen, hängenden Platte geformt haben, durch ihre Mnssenansammliing die zur Er- Weichling oder Weichhnltung des Wachses nötige Wärme erzeugen und es sehr allmählich abkühlen lassen; dann würden sich nach und nach die scckiseckigen Körper in der. Platte bilden, und bald nach ihrem Entstehen würden diese ausgehöhlt und die Zellen aufgebaut werden. Es war den beiden Beobachtern bis zur Veröffentlichung ihrer Versuche noch nicht gelungen, in einer größere» Wachsplatte so vollkommen regelmäßige Gruppen oder Reihen von Sechsecken zu erzeugen, wie wir sie in einer natürlichen Bienenwabe finden. Die Bienen aber stoßen sich nicht daran, sondern nehmen das ihnen Dar- gebotene als Grundlage ihres Zellenbanes, anstatt die Wachsplatte zu zerstören und zur Erzielung größerer Regelmäßigkeit neu her- zurichten.— Litterarisches. c. Die englische Bücherproduktio« hat, tvie aiiS dem soeben in„The PnblisherS Circular" veröffentlichten Register hervor- geht, inr Jahre 1899 einen kleinen Rückgang erfahren. Es er- schienen in diesem in England 5971 neue Bücher, im Jahre 1898 waren es über 6000 und 1897 noch mehr. Sicherlich zeigen sich auch bicr die Wirkungen des Krieges, die manche Veröffentlichung vcr- hinderten. Neue Auflagen älterer Werke erschienen bogen 1596 gegen- über 1508 im Jahre 1898. Die politische Litteratur zeigt eine be- sonders starke Abnahme, 70 Vcrvffcntlichiingen weniger als 1893 und 177 weniger als 1899. Die politische Lektüre hat nicht mehr den. Reiz wie zu GladstoneS Zeit; dagegen werden Reisebeschreibungen mehr verlangt. Die größte Zunähme zeigt sich bei den schönen Wissciischasten. Es erschienen im vergangenen Jahre 290 Bücher Essays und kritische Monographien gegen 188 im Vorjahr, und sie sind auch gut verkauft worden. Die„Konkurrenz der Toten" wird aber in England immer stärker. Viele der besten Romane sind jetzt auf gutem Papier und mit gutem Druck für 50 Pf. läuflich. Billige und gute neue Ausgaben von Meisterwerken der Litteratur sind an der Tagesordnung, alle großen Finnen wettcifeni darin.— Musik. Man wird sich vielleicht noch des„Chorals von Leuthen� erinnern, jenes Repertoirestückes unserer Lchrersänger, von dein wir im Vergleich mit E. Schultz„Der Reiter und'sein Lieb" sage» mußten:„ihn schmückt nicht einmal die schlichte Bescheidenheit, ihn ziert etwas andres, das beim lieben Reiter zum Glück noch fehlt: der Effekt." Komponist ist Profeffor Rein hold Becker (geb. 1842), seit langem als Komponist von Männerchören u. a. ge- schätzt, zeitweise Licdertafeldirigent zu Dresden, jetzt sirre ich nicht) ebenda als Theoriclchrer lebend. Eine Oper„Frnncnlob" hatte 1892 zu Dresden, eine andere,„Natbold", 1898 zu Köln Erfolg. Vergangenen Mittwoch ist nun diese Oper auch an nnsrer König- lichen mit freundlichem Erfolg und lebhaften Hervorrufen in Scene gegangen, anschließend an eine Wiederholung des von uns bereits gewürdigten„König Drosselbart". .Ratbold" ist ein typischer moderner Einakter vom Hochdrama- tischen Kaliber. Der Text— in Versen— stammt von Felix Dahn und trägt denn auch die Züge dieses in großen Linien zeich- »enden, Gcrmancn-Stimniungen darstellenden, gewaltig rhetorischen, modernen Feinarbeit fernstehenden Dichters. An der friesischen Küste spielt sich in der Gegenwart ein Drama von bräntlicher Treue, böser Leidenschaft, Verrat, Sinnesänderung, Selbstüberwindniig und der- gleichen mehr ab— das Nähere thut auch hier nichts zur Sache. Die Musik macht zunächst den Eindruck, als sei eigens die Aufgabe gestellt worden, Musterproben von Sehnsuchtsausdruck, von Langen und Bangen, von Meeresstimmung je. zu geben. Eine LeidenSarie der Braut mit Sentimentalität und Violinsolo stellt sich als unvernieidlich heraus. Daim naht selbstverständlich der Unglückselige, und nun steigert sich die Duoscene zu einem Ausdruck von Leidenschaftlichkeit, der sich der ncuitalienischen Opernwcise im guten Sinn zur Seite stellen darf. Ein allmählich aufziehendes Gewitter, begleitet von interessanten Chorstimmen, führt zu der wohl wertvollsten Seite des Ganzen: der musikalischen Darstellung von Sturm und von Wogenbraus. Als eine RettnngSthat im Meer die Ausinerlsamkeit aller aufs höchste fesselt, muß nun. damit alles gut ausgeht, dem rasenden See der Opernhaftigkeit ein Opfer gebracht werden: hinter den Coulissen schleicht sich der Geist MeyerbeerS heran und läßt den Strandwart singen:„Nun sinket alle auf die Knie..." Das thun sie denn auch— natürlich die Gesichter vom Ereignis ab- und dem Publikum zu- gewandt— und singen«inen flehenden Chor, der in seinen originellen Hannonienfolgen sehr interessant wirkt. Eine spätere ErlennungS- scene bildet wieder einen trefflichen Höhepunkt, gefolgt von gut recitativischen Stellen— wie denn überhaupt die Deklamation hier sehr sicher gehandhabt ist. Mit einem Quintett beginnt wieder, trotz geschickter Stimmenführung, die Theatermache, bis mit einem be- kannten„Wehe" u. dgl. das Ende naht. Ein merkwürdiger Gegensatz zu den auf Opernbühnen so be« liebten Streichungen waltete hier insofern, als die Auffühnnig zahl- reiche und zwar keineswegs überflüssige Stellen brachte, die in dem vom Theater ausgegebenen Textbuch fehlen— ein Mangel, der dem Anschn des Dichters recht unangenehmen Eintrag thun kann. Die Titelrolle, der finstere Unhold, Retter und Selbstbestrafer, war in den Händen Herrn B e r g e r s dadurch gut aufgehoben, daß dieser seine dankbare Rolle mit Kraft und Leidenschaft und doch mit würdiger Ruhe durchführte. Bielleicht die ansprechendste Leistung war die von Fron E o e tz e in der Rolle der ewig leidenden und von Ohnmacht zu Ohnmacht fallenden Mutter. Fräulein R o t h a u s e r ist jedenfalls eine gute Sängerin; für diese Straudbraut dürfte ihre schauspielerische Persönlichkeit aber doch zu kühl und vornehm sei». In Ehren seien noch genannt die Herren Sonimer und Stammer und dann der Chor, der von Kapellmeister Schalk ziemlich glücklich über seine vielen schwierigen Aufgaben hinwcggehoben wurde. Alles in allem eine erfolgreiche Bereicherung des Repertoires» wenn auch nicht, trotz Ivicderholter anerkennenswerter Einzelheiten, der Kunst selber.— sz. AuS der Vorzeit. — Ueb er die menschlichen Wohnungen i n der jüngeren Steinzeit in den deutschen Gebieten schreibt A. Götze in der neuesten Nummer der Monatsschrift„Himmel und Erde": Die Wohnungen sind meistens recht primitiv gewesen: ein- fache Erdgruben von einem oder mehreren Metern Durchmesser, welche zuweilen von einer mit Lehm bcworfencn Rcisighütte überdeckt waren; daneben benutzte man in altgewohnter Weise Höhlen. Außerdem verstand man, kunstvoll und planmäßig ausgeführte Anlagen zu schaffen, die noch heute wegen ihres zum Teil sehr großen Ilnifangcs unsere Bewunderung erregen; die Pfahlbauten. Freilich beschränkt sich ihr Vorkonimen auf das südwestliche Deutschland, aber um so zahlreicher treten sie dort auf; am Bodensee z. B. reiht sich eine Station an die andere. Außerhalb Deutschlands waren sie im wesentlichen über das Alpen- - 5� ffrbict ticrl'icitct, für dcsien stille Sccn sie eine»NeserisKe Stnswge «flkgebeu hiibc» luiisseir Hrrvdvt beschreibt svlche PwNbinueii, ztvnr nicht die fteiiizeitlicheii DentschlinidS, siiilder» die viel späteren der Thraker in, See Prasias, der Unter- schied ist aber sicher nicht gros; gcmcserr Cr sagt;„itVittcn in dem See stehen znp»nmicn>srftigte Gerüste nnf hohen Pjüdlen «nd dahin führt voi» Lande nur eine einzige Brücke. Die Pfähle, nnf denen die Gerüste stehe», richteten in den nltcn Zeiten die Bürger insgefnnit ans. nachher, aber bestimmte» sie durch. etil Gesch, da st für jede Feiui. die einer heiratet, er drei Pfähle aus den» Ge- lnrgc halt»nd aufstellt. Es niifimt sich aber ein jeder viele Weiber. Daselbst nun wähnen- sie uns folgende- Art.. �edcr hat ans Pein Gerüst eine Hütte, darin er lebt, und eine Fallthür durch das Gerüst. die hinuntergeht in den See. Die kleinen Rinder binden sie mit einem Seil an eine»» Fnst a», anT Furcht, dast sie hcrnnlcr- fallen. Jbren Pferden und ihrem Lastvieh reichen sie Fische znni Fniier. Deren ist eine so graste Menge, dast. luenn irgend einer die Fatlihür aufmacht und eineir leere» Rvrb an cinei» Strick herunter, Instl in den See und zieht ihn nach kiirzer Zeit ivicder herauf, so hat er ihn ganz voll Fische." Zur Ergäiiznng dieser Beschreibung sei crivnhiit, dast bei den steiiizeitlichcii Pfahlbanten die auf der Plattform errichteten Holzhütten inir Lehm beworfen und mit Holz- thiiren versehen ivaren, die sich in Angeln drehten. Auster den oben geschilderten Pfahlrostbauteii errichtete mau auch Packivcrkbanten, bei dencii man durch Aufcinnnderhänfeii von Material grwisseriuasten künstliche Inseln bildete.— Physiologisches. en. Der menschliche Ger u ch. Es ist bekannt, dast ge- wisse Tiere und unter ihnen besonders die Hunde die Spnr eines ihnen bekannten Menschen zu verfolgen vermögen, amh wen» sich dieser allster jeder Gesichts- und Hörweite befindet. Die Physiologen sind daher längst zu der Ansicht gelangt, dast jedes nicnschlichc Wesen einen hestiinniten Geruch besitzen«Iltisse. Eine Bestätigung dafür bringt Dr. Bett im Archiv für die gesamte Physiologie, in dein er mittirilt, dast etiler seiner Bekanilten im stände fei. mit verbmideuen Augen, ganz ohne jede weitere Uuterstntznng, ander, der deö Gernrst- finlis, Personen zu erkennen, mit denen er bekannt ist. er vermag sie bei ihrem Eintritt in das Ziunner schon in der Entfermnui von «iingen Schritten richtig i»it Rmnen- zn nenucn. Die Bersuchc Ivnrden»nit den verschiedensten Abänderung«» lvicderholl, aber stets erkaiinte die betressendc Person mit der mitlii glichen Sicherheit eines Spürhimdes jedes Fndibidm»», das ihr vorgeführt lourde, Bett lveist»och> andre Beistüelc von ähnlicher Schärfe de? Geruchfinlis anzuführen und vertritt auch die Behauptung, dast jede Familie einen all ihren Mitglieder» cigenlünllicheil Geruch besiht. Der Man», mit dem jene Versuche angestellt ivnrden, bestätigte diese Meilimig' nnd fügte die Mitteilung Hinz», dast bei den einzelnen Faniilieninitgliedern die Stärke deS betreffenden Geruchs verschieden wäre, so dast er doch jedes einzelne zu miterscheideii Wülste.— Meteorologisches. — lieber den E in flust dcS Mondeö auf die Polar- liLhter und Gelvitter geben, wie wir einem Bericht des „GlobnS" klitlichnicn, N. Ekholni nnd S. Arrhenins folgende Zn- sännUenstellnug! Ileberall, Ivo Polarlichter beobachtet worden sind. von den Wendekreisen bis zn 80 Grad nördlicher Breite niid 70 Grad südlicher Brcste, herrscht, so weit die Bcobachlungen gehen, dieselbe gesetzmästige Periodicität dieser rätselhaften Naturerscheiuimg, iudei» die mittlere Intensität derselben von der einen zur audercli Mond- wende tLunislitinni) in» Verhältnis 1: 2 schwaukt, ihren grösttcn Wert in nördlichen Breiten bei der südlichen,»nd i» südlichen bei der nördlichen Mondwende erreichend. Durch diese» Gegensatz der beiden Erdhalbkugcln«»terschcidet sich der Einflust des Mondes ganz- bcftinnnt von dem der Sonne auf die Polarlichter. In der letzteren, die solvoht in einer tägliche» »nd jährlichen, Ivie in einer alljährlichen, mit den Sounenflccken verknüpften Periode hervortritt, zeigt sich kein solcher ans- gesprochener Gegensatz der beiden Halbkugeln; nicht einmal, wie es scheint, in der jährlichen Periode, wenn man von der Ein- wirknng der Soniienbelcllchtniig auf die Sichtbarkeit der Er- scheimmge» absieht. Statt dessen tritt in den Sonnenpcrioden ein bestimmter Unterschied zlvische» den niedrigeren»ud höheren Breiten derselben Halbkugel hervor. Die Eiiiwirinngen des Mondes und der Sonne sind ctiva von derselben Gröstciiordnmig; aber die Art. dieser Einivirknnge» ist, wie es scheint, gänzkich verschieden. Die Moiidstellmig ändert nämlich das elektrische Poieittialgesälle-, die Soinic wirkt aber ans das Leistnngsverinöjte» der Luft, wahrschcin- lich durch ultraviolette Strählimg nnd vielleicht auch durch ihre Übrige Licht- nnd WärmeslrahlMig ein. Dost die Sonne ailch eine besondere clektromagiietische Einlvirkmig ausübt, ist bis jetzt nur eine »iibcwicsene»nd unwahrscheinliche Hypothese.'— Technisches. — DaS Herstellen dichten MetallgtisseS ist eine der schwierigste» Ausgaben der Hiittenleiite,»nd man hat dieselbe in verschiedener Weise zu lösen versucht. Um die GnScinschliisse ans dem Eisen zn entfernen, setzt»nan ihm leicht oxydierbare Metalle, �besonders Atiimininm,' hstizn, lvelche?, fiifvni es sich mit dem Saner- sioff in, stuisigeü Liieii verbindet, als Öxyd nnsscheldet, Whitivorth, der bekannte englische Genbiitzsabrikaut. soll schon vor mehr aiö 20 Jahren die Sladlblöcke für feine Gtffliiitze der Wirkung hydraulischer Pressen ausgesetzt haben, die aus den noch flüssigen Stablblock einen Druck von 10 000 Rilogranim nnf den Quadrat« centimeter nnsüblen. Durch diew Berdichlniig soll die Zerreist- festig kcht deS. Stahls, erheblich gesteigert lvorden sein. Whitworth hielt die Ansfühmiig seines Verfahrens geheim, dasselbe hat aber, sci es wegen seiner Rmiiyieligkeit oder wegen nicht -gleichwertiger Erfolge, tue»ig Nnchahvinug gefunden. Seit dem Jahre 1�06 hat. lvic der„Prvliretheils" der Zcilschrist„Stahl inid Eisen" cillniunut, das Fenenverls-Laboraiarilmi zn Siegbnrg sich init ahnt che» Versuchen bcfnstt u»d ist dabei zu befriedigenden Er- gebnissen gelangt. Man verwendete ciierne. ganz oder teikiveisc mit Wasser gekühlte Giistformen. die man so am Widerlager einer Presse anbrachte, dast durch ihren Eingnst der Drn.lstenipel der Presse nnf daS Guststiick einwirken konnte. Durch den Druck und die Kühlung der Gilstioriii, die ein schnelleres ErNarren deS flüssigen MetallrS bcwirltc, lourde eine gröster« Dichtigkeit des Gllststücks erzielt, jedoch nur dann, wenn der Prestdruck in ciuem ganz bestimniten, von der Art des Metallrs oder der Legierung abhängigen Angenblick ein- setzte. Beginnt der Druck zu früh,»venu der Gnst noch zn Heist ist, so treten Stelgennigeu ein, beginnt er. weini das Metall lvarni- brüchig ist, so zerfällt es unter dem Druck. Ein voller Erfolg ist von dem Erfasseil des richtigen Angenblicks für den Begiun des Drucks abhängig; das Erkennen desselben ist Erfahrnilgssache.— Humorinn cd c». k. E i n englischer S ch n l in sp e kt o r will, die Schüler einer Klasse dahin bringen, dast sie klassifizicre». Als er zu diesem Zlvcck vorn Allgrnieiurn zum Besonderen übergehen ivill, rntspimit sich folgendes Gespräch:„Seht in ich an, ich bin ein Mann, Aber welche Art von Mann?" Er wollt» hören:.Ein Geistlicher". Die Antwort lautet aber prompt':„Ein kleiner Mann".—„Ja. ja. etwas klein, in der That I Rienuwd liebt es aber, lven»»irnt iiim sagt, dast er klein ist. besonders loci'.» es sich so verhält. Ich bin wirklich nicht'besonders grvst. Aber das Wort wollte ich nicht hören. Bcrsiuht cS, eine andre Äntwort zn geben."—„Ein kurzer Man»".— „Das ist ungefähr dasselbe une klein I Versucht cS»och einmal!" Kleine Pause. Dann meldet sich ein Jlnigc:„Ein— höstlicher kleiner Mann!" Der Schnlinsprklor>r>ar nicht lveitcr begierig zu wissen, ivas für ein Mann er wäre.— — Strafbar.„Weshalb mustte denn der Huber ans dem Abslinenzlerberein aiistreten?" „Er psiff bei der letzten Sitzung die Melodie:„Es steht ein WirtShanS an der Lahn" leise vor sich hin!"— —, A ii n o» e e. svtar kehre zurück zu Deiner tiefbetrübten Frau; es ist Dir alles verziehen! Ella. Ick S. Bitte, schicke mir von Deinem Aufenthaltsorte eine An- sichtskarte.— Notizen — Ein iicues Bübnenlverk von Felix Philippi„Der goldene 5räfig" geht am Lt. d. M. im Berliner Theater zilin erstcumale in Sccne.— — Die nächste Novität des L c s s i n g- Th c a t c r S ist ,. D r c i- b i e r t c llv e lt" von Richard J a f f ö und Rudolf S t r a tz.— — Boit Edgar Allan Poes Prosadichtungen hat, ivie daS„Litterarischc Echo" lnitteilt, der Verlag I. C. C. Bruns, Minden i. W., eine erste dentschc Gesamtausgabe uorbcrciteu laste», die von Februar 1000 ab i» sechs Blinden erscheine» lond. Die Ausgabe enthalt zum grosten Teil Dicbtimgcu, die seither in Deutschland inibekamit geblieben sind. Uiitcr diesen nimmt ein Cykliis„Liebcswchen" einen hervorragenden Platz ein. Auch einen nniibcrtragcncn Roman, den einzigen Poes, ivird die Ausgabe bringen:„Die Abenteuer Gordon TlpnS". Die llebersetzmig hat H e d d a Moeller-Bruck besorgt, die kritische Einlcitimg Arthur Moeller-Briick— — Die Wiesbadener Maifestspiele werden am IG. Mai mit der Wiesbadener Bearbeitung von Webers „ O b e r o«" eröffnet. ES folgen: Schillers„DemetrinS", L o r tz i ii g s„Zar mid Zimmennmm"»nd A» b e r S„Fra Diavolo" in völliger Neninscenierung.— — Infolge einer erheblichen Heräbsetzung deZ herzoglichen Zu- schusseS sind cnn H oftheater in Gotha zahlreiche Ründi, g n�i g e ii-ergangeit.—......- � — Der Stadtrat in Mannheim hat für das in Jena zn errichtende S ch ri ftstc ll c rh eim S00 M. gestiftet.— — Der Preis für die G u t e n h e r g- P o st k a r t e Ivnrde von der Mainzer Rommission für die Gnteiibergfeier dem Entwurf des Malers Carl G o e b e l- Berlin zuerkannt.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 21. Januar.__ Berantivortlutzer Redacceu.: Paul Johl» in Berlin. Druck uns Be»»o» von Max Babing in Berlin.