Hlnterhaltungsblatt des Jorwäris Rr. 26� Mittwoch, den 7. Februar. 19�0 (Rachdruck verboten). y* DAS AVeibevdovf. Roman aus der Eifcl von Clara Vicbig. „Fnihjaohr." krcischlen auch jubelnd die Weiber, als sie längs der Wiesen dahin liefen, um den Betrunkenen heim- zuholen. ' Ein feuchter Duft stieg auf, ein Duft nach jungem GraS und erdiger Kraft. Sie atmeten mit geblähten Nüstern, ihre Gesichter waren rot. glühend vor Uebermut. Mit einem Schrei riß sich Tina das Tuch vom HalS und ließ es wie eine Flagge in der Luft wehen.. „Friihjaohr t Ha, helao, Pittchen. wuh stichstc ssteckst Du) r" Mit verfchnittztcm Lacheii erhob sie einen durch dringenden Gesang: ..Im Mai, im Mai. Maß wer sein zo zwei—* „Still", sagte Bäbbi und drehte sich um.„hör uf met dem schuippschnappig Lied l Hörste dann nct die Lerch? Still! Se cS Gottes Vogel." Auf einem nahen Grasbüschel saß die Lerche.„Tirili, tjriti!" Mit den Flügclchen schlagend, erhob. sie sich, jetzt schoß sie aufwärts wie ein Pfeil! in Kreisen höher und höher steigend, schmetterte sie ihr jauchzendes Tirili himinelan. „Jlvickelchen, Liwickelchen(Kosenamen für eine Lerche)!" schrien die Mädchen und sprangen, in die Hände klatschend, wie die Tollen m die Wiese hinein. Sie rauften mit beiden fänden das. kurze Gras aus und schleuderten es sich ins esicht, wie ein Regen rieselte es ihnen über Haar und Schultern; sie trappsten hin und her. mit Gelächter und Gekreisch. ihre schweren Nägelschuh traten die zarten sprossenden Hälmcheu tot. Zeih blieb ein wenig zurück, die hageren Dinger liefen ihr denn doch zu schnell. Und da sah sie auch ein paar gelbe Blumen des Löwenzahns, erstellt pflückte sie sie ab und steckte sie sich ins Haar— glänzten die nicht wie eitel Gold? Anmutig»ucktcil die leuchtenden Blüten auf dem braunen Scheitel. Kaum sah Tiua die also Geschmückte, riß sie ihr mich schon die Blumen vom Kopf. Zeih schalt lachend lind riß ihr Eigen- tum wieder an sich; das ging hin und her, ein förmlicher Kampf begann, ein halb spielerifckseS, halb ernsthaftes Balgen. Znletzt schleuderte Tiua die zerknickten Stengel von sich: ,.Dao haste dän Dreck l" Die Füße der Weiber schritten achtlos drüber weg. Bäbbi war den andern ivcit voraus, jetzt blieb sie stehen und wartete auf die Nachzügler. Mit zusammengezogenen Braneu sah sie ihnen entgegen.„Kut(Kommt), tut," rief sie unwillig...laoßt de Alfanzcreieu." „Alfanzereien?!" Tina lachte spöttisch nnd hob keck ihre Nafeuspipe zu der um ciueu Kopf Größereu.„Sei da» uor liet e su füruehm, Lenzen Bäbb, liier waaß jao doch, wän dau bist!" 5ticherlld stieß sie die Brun an, und die Vrilii stieß die Leis au. uild die Lei? die Zeih. Eine dunkle Röte stieg Bäbbi in die Wangen, aber sie sagte nichts i illit ciirenl crusten Blick sah sie von oben herunter älls die Kleinere. „Haha." fing Tina wieder an— sie hatte den Blick wohl verstanden und boste sich darüber—„dan willst ons Kouduittcir lichren— dau?!. Dan maanst wohl, dan dürfst dat. weil de noch in der elften Stund onncr de Hanlv kommen bist? Olau. e sn domm!. Mdr kennt dän Bogel. an sein Federn, lvami hau sein Stönuil nach noch e su verstellen dicht. Hähahä l"■ ■ Die Mädchen schlugen ein Gelächter auf, auch Zeih lachte, ihr gedankenloses, fröhliches Lachen. „Zeih kommt!", sagte Bäbbi und faßte sie am Arm. „laoßt cweil dat Tjna! Ein faul Ei verdirbt den gmizeu Brei!" „Hollah"— Tina packte die Zeih am anderil Arm.„hei gcbliewen l Wot saoste, Lenzen Bäbbi? Ein faul Ei— wän tuaailstc dcrmit. hä?" Sic fauchte die Große böse an, ihre Augen funkelten.„Dau Sauerpot, dan Quicsel. oniierstioh dech I Stillwässer— Grundfresser. Dnh dei Maul uf, dm« Grundfresscrsch, laoßehs hören, waorum ech faill sein? Faul!" Sie ballte die Fäuste.„Saog!" Nun stampfte sie mit den Füßen.„Saog!" „Je mich wer im Koth rührt, desto mich stinkt hän. Eck»- haon kein Lust dcrzu," sagte Bäbbi ruhig und drehte stch kurz um. Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite, aufkreischend vor Entzücken fielen Brun und LeiS einander' in die Arme; Zeih hängte sich ihr freundschaftlich an den Arm. Jämmerlich abgeschlagen zog Tina allein hinterher: einer andern Ivärc siei aus den Rücken gesprungen und hätte ihr das Fell mit den Nägeln zergerbt. Der da traute sie sich nicht. Die ging so ruhig lind sicher ihren Weg und führte die drei andern wie selbstverständlich mit sich fort. Tinas Augen lniffen sich züsänimcn wie die einer lauernden Katze: der Bäbbi konnte sie nicht ankommen, aber die Leis und die Brun lind besonders die Zeih, denen wollte sie's eintränken. „Elvcil sein mcr dao," sagte Bäbbi und wies auf einen Dornbusch, dicht am Grabenrand.„Bei dem Busch liegt hän unnen." Mitleidig beugte sie sich über, mit einem Ruf der Ucberraschung fuhr sie zurück. Da unten lag wohl noch der Peter und schnarchte, aber neben ihm hockte eine Francns- Person, den Obcrrock über den Kopf gezogen: ihr grcllroter Unterrock blähte sich wie eine große Mohnblume. Die Traut t Mit ein'eM' triumphierenden Lächeln sah diese aufwärts in 9 die verblüfften Gesichter; sie hielt Pittchens Kopf in ihrem' Schoost. Ein vierstimmiger Schrei antwortete dem Lächeln, mit einem Satz lvar Tina unten, Brun und Leis stürzten sich nach: dann folgte die Zeih. Das war ein Gcwalze von Leibern im Gräben, ein Gewirr von Armen und Beinen, ein Schimpfen und Lache», Zanken und Zerren. Emen Augenblick sah Bäbbi darauf nieder, dann machte sie Kehrt. Mit raschen Schritten ging sie davon. Kurz vor'm Dorf blickte sie noch einmal zurück, die stille Luft trug ein Getöse au ihr Ohr, eim Stimmengewirr, als ob ein Heer anrückte. Da tauchten sie in der Ferne auf. von der Märzsonne grell beschienen, wie von goldenem Flimmer umhüllt. Als Kernpunkt der Peter: von den einen geschoben nnd den andern gezogen, nahte er lvaukend. XI. Eine Aufregung war im Dorf, kaum weniger groß, als bei der Heimkehr"der Männer. In das stille Dorf war's gefallen wie ein Kanonenschuß und hallie unaufhörlich von allen Ecken und Enden wieder— ein Mann, ein Herr l Ein reicher Herr! In. der Eichelhütte würde er wohnen, die hatte er dem van Beuren abgekauft. Aber nicht blos ein paar Jagdtage wallte er da verweilen, nein, den ganzen Sommer sicher und vielleicht auch den Winter. Der Kruminscheidt hatte es erzählt nnd sich schmunzelnd dabei die Hände gerieben: er. lvittcrte dabei einen sicheren Verdienst. Denn der Fremde hatte einen zartrötlichen Hauch aus der Nase und seine etwaö vcr- schwommenen blaßblauen Augen blickten gemütlich in die Welt. Gleich bei der ersten Einkehr hatte der Wirt das Nähere und Nächste erfahre». Herr Anton Nikolaus Schmitz,„Rentner", wie er sich schrieb, hielt durchaus nicht mit seinen Angelegen- Heiken hinterm Berge. Er erzählte gern. Er stammte aus der Eifcl. Als armer Waisenknabe war er ausgewandert und hatte sich durchgefochten bis unten an den Niederrhein, da hatte er noch einen entfernten VcNvapdten wohnen: der that ihn zu einem Gerber in die Lehre. Es glückte ihm: der Lehrling wurde Geselle, der Geselle Meister— jetzt paßte bald daS' Sprichwort::■ „Oätitchcu, wie stinkst d». Geldche», lvie klingst du." Zuletzt hätte er eine große Gerberei in Köln besessen. Aber- was sollte er sich noch länger schinden? Junggeselle war er, nähere Verwandten hatte er keine, seist'Haar lvar grau geworden. die Gicht suchte ihn öfters heim und der Hals kratzte ihn vom Lohstaub. Jetzt war's Zeit, stch zur Ruhe zu setzen. Da meinte der. Herr van Beuren, den er beim Früh- schoppen in der„Käferdosc" zu Köln kennen gelernt. das grüne Salmthal, das so geschützt und lieblich zwischen den Bergen läge, das wäre recht der Ort für so einen. Sie besuchten mit einander die Eichelhütte, und was noch mächtiger wirkte, als das eifrigste Zureden des Herrn Van Beuren, das war das Heimatsgefühl, das plötzlich in dem geborenen Eiselcr erwachte. Nun standen die Fenster der Eichelhütte weit offen, der laue Frühlingswind durchfächelte die Stuben und spielte mit großblumigen Vorhängen des gemütliä)en Himmelbetts Mit allem, was da lag und stand, hatte der Schmitz das Haus gekauft, von den Geweihen und rostigen Flinten an den Wänden bis herab zum Wildschmeinsfell vor der Thürschwelle. Er wanderte in seinem doppcltgefütterten Schlafrock, die lange Pfeife im Mund, von einem Raum in den andern, trieb freundliche Scherze mit den Weibern, die da fegten und scheuerten, und fühlte sich ganz als Herr und Besitzer. tFortsetzung folgt.) (Nachdruck verbalen.) Eines Kleides tnegen. Skizze von S t a r z y. Die Nähmaschine rasselte so heftig, daß die dünnen Fenster- scheiden des Stiibchens klirrte» und die Lampe auf der Kommode, deren kleine Kuppel zitterte, jeden Augenblick zu fallen drohte. Die kleine Schneiderin aber gab nicht acht darauf, sondern beugte ihr schmales Gesicht, das auf der gelblichen Hautsarve zwei kreisrunde hochrote Flecke» zeigte, noch tiefer über die Arbeit. Die Ballen der kleinen Füge bewegten eifrig die schweren Pedale. Unregelmäßig hob und senkte sich die schwache, vom bcschleuuigten Ahnen angestrengte Brust. Auf der Platte der Maschine glitzerte und glänzte ein rosa Seidenstoff, der zu der dürftigen Zimmereinrichtung einen krassen Kontrast bot. Drauhen, hinter dem blankgeputzten Fenster umwob der kurze sinkende Wintertag alles mit einem grauen Schleier und verwischte die Formen der Gegenstände. Das Halbdunkel ver- dichtete sich, der grelle Glanz des Stoffes wurde schwächer und schwächer. Die Schneidcrm liest die Hände auf die Knie sinken, die Augen fielen ihr zu und das müde Köpfchen neigte sich auf die Stuhllehne. Welche Wohlthat, auszuruhen I Wenn man es nur länger dürfte I Doch die Arbeit drängt. In einer Stunde mnst das Kleid fertig fein. Sie wird es flugs hintragen und dann... um die dünnen, blutlosen Lippen spielte ein glückliches Lächeln— dann, ja dann wird sie auf die Hochzeit gehen; das erste Mal wieder nach so vielen Jahren wird sie den Abend nicht über der Maschine zubringen... DaS Mädchen zündet eilig die Lampe an und jetzt sich an die Arbeit. Das Licht, das unter der Kuppel hcrvorschciiit, wirft einen verschönenden Schimmer auf die glattgekämmten blonden Haare, auf die blauen Aederchen an den Schläfen, auf die abgehärmten Züge, die eines gewisse» Reizes durchaus nicht entbehren. Die feinen Finger lasieü mechanisch den knisternden Stoff vorwärts gleiten, doch die Gedanken gehen weit in die Ferne. Es scheinen angenehme Gc- danken zu sein, die sie bewegen: die Falte, die sonst ihre Stirn verunziert, ist geschwunden, und die ernsten grauen Angeu schauen auf einmal sehr fröhlich aus. Mühsam tritt sie die Pedale. Dabei denkt sie jedoch, dast sie in einigen Stunden ihr gutes Kleid anziehen, ein neues Bändchenr kk jährige Mädchen schickt. Und wie sie getanzt hatte I So lange, bis sie ganz erschöpft war. Die Herren waren gar nicht aus ihrer Nähe fortzubringen. Der alte Geiger, der Adam, lachte noch, und der dicke Apotheker, ein.Weltmann", der de» Damen französische Komplimente zu sagen liebte, rief der Mutter zu:„Madame, Sie gleichen einer blühenden Rose. aber, bei der heiligen Jungfrau, Ihre Tochter einer reizenden Knospe l" Die jungen Leute lachten. Sie selbst wurde rot und verlegen... Da knackte plötzlich etwas in der Maschine. Das aus seinen Träumen aufgeschreckte Mädchen zuckte zusammen, neigte das Ge- fichtchcn tiefer und überzengtc sich mit einem erleichterte«: Seufzer, dast nur eii: in Verwirrung geratener Faden gerissen war. Sie besserte den Schaden aus»nd fuhr im Nähen fort. Aber die Gedanken nahmen abermals eine ganz andere Richtung. Sie dachte daran, wie der Vater erkrankte und die Stellung in der Fabrik verlor, wie er sich späterhin erholte, aber doch nickt mehr arbeiten konnte, und wie dann die Zeiten schlecht wurden, sehr schlecht! Die Mutter nahm Arbeit in's Hans. Sie nähte und die Tochter half ihr oft bis zun: graqxndei: Morgen, eine eilige Arbeit zu be- enden. Zwar lebten sie sehr eingeichräiikt: als aber die Sorge einmal eingelreten war, konnte:na» sie nicht mehr verscheuchen. Der Vater starb, bald folgte ihn: die Mutter, und sie blieb, eine arme Waise, allein zurück. Aber sie klagte nicht. Man gab ihr Arbeit und sie blieb von Krankheit verschont. WaS wollte sie mehr? So ging es ihr seit jener Zeit einmal besser, ein-- mal sckilechter, doch nienials sehr schlecht. Ihre einzige Furcht war: Mangel an Arbeit. Eiiunal war es vorgekommen, dast die Nähmaschine ganz und gar Ruhe hatte und sie in krankhafter Aufregung innncr» fort zum Fenster hiuausblickle. ob nicht jemand niit einem Paket käme, das Arbeit und Brot brächte. O, das ivaren entsetz- liche Tage! Aber sie sind vorüber und werden hoffentlich nicht wieder- kehren. Sie fand eine Daine, die ihre Sachen stets rühmte und versprach, sie ihren Bekannten zu empfehlen. Für sie mnst auch da? rosa Kleid heute um sechs Uhr fertig sein, und die Schneiderin eilt und eilt, so dast kleine Schweisttropfeu auf ihren Haaren sichtbar Iverden. Niemals hat sie ihr Wort nicht gehakten, wenn sie versprochen, ei» Kleid werde zur bestimniten Zeit fertig sein. Allerdings mnstte sie manchmal spät sitzen, oft anstatt eines warincn Mittagbrotes kalte Kartoffeln essen, aber dafür hatte sie auch ihren Ruf als tüchtige und pünktliche Arbeiterin. So war es auch mit diesen: Kleide. Sie versprach es zu heute und sie wird es auch vollende::. Sie hat ja nur noch ein paar Nähte zu steppen. Die Maschine rnht. Das Geklirr der Scheiben und das Ge- klappcr der Lampe hören auf. Das rosa Kleid gleitet mit leisem Geknister auf den Fnhboden und bedeckt zun: Teil die miidei: Knie der Schneiderin. Sie hebt es sorgsam auf, fallet es vorsichtig, packt es zusammen und eilt flink die Treppen hinuitter. Drausten empfängt sie ein schneidend kalter Wind. Eii: Zittern überläuft den zarten Körper. Der dünne, fadenscheinige Vtantel wärmt wenig und sie beschleunigt ihre Schritte. Der hartgefrorene Schnee knarrt unter ihren Fiistei«. Tie Dächer der Häuser glänzen. Immer mehr nähert sie sich dem Ceutruin der Stadt. Tie Straste» werden breiter und beffer beleuchtet. Von den Läden strahlt ein blendendes Licht und legt sich in hellen Streifen auf den Schnee, der die Trottoirs bedeckt. Die Glocken der vorbeifliegenden Schlttttcn klingen scharf und hell nnd bilden zusammen mir den rauhen Rufe» der Kutscher nnd den verschiedenartigen Stimmen der Pasianten ei» lebensvolles, brausendes Durcheinander von Tönen. Aber das Mädchen kümmert sich nicht darum, es strebt schnell voran, es läuft fast, in- dem es das Paket fester an sich drückt. Endlich betritt es eine mit einem Tcppich belegte Treppe nnd drückt behutsam den Klingelknopf, als ob es ängstlich sei, ihn zu verletzen. Ein Lakai in Livree öffnet die Thür, und auf die schüchterne Frage antwortet er von oben herab, die Herrschaft sei nicht zn sprechen, es sei Besuch da. DaS Kleid könne man aber hier lassci: »nd den Lohn ein andermal abholen. Bekümmert blickt das Mädchen aus das bunte Muster des Teppichs unter ihren Füßen. der Lakai hat die schwere Thür schon zugeschlagen. Zu Hanse hat sie mir noch 45 Kopeke», IvaS soll sie damit anfangen?... Mit einem leisen Seufzer wendet sie den: prächtigen Hanse den Rücke» und geht gesenkten HanptcS heim. Die von Frost erstarrten Hände preßt sie an ihre Brust. Sie verdoppelt ihre Schritte. In einer Minute find die trüben Gedanke» jedoch schon Verstogen, nnd sogar ein schwaches Lächeln belebt ihr Gesicht. Es ist ja nicht schlimm. Morgen holt sie sich da? Geld ab nnb neue Arbeit zugleich, aber jetzt will sie nicht an traurige Dinge deiilen. ES wartet ja ein Bergnüge» auf sie, nnd kein gewöhnliches Vergnügen I Die Freundin, die sie eingeladen hat. versicherte, dast man sich sehr amüsieren werde. Besonders erregt ihre Neugierde ein gewisser Herr Zemion, ein Telegraphenassiftent, den der Bräutigam auch gebeten hatte. Die Freundin beteuerte, sie hätte sich wahr- haftig in ihn verliebt, wenn sie selbst nicht Braut wäre. Er wird sicherlich ein sehr schöner nnd gebildeter Mann sein. Denn er hat ja fünf Klaffen vom Gymnasium in WarSzawa absolviert. Und— vielleicht wird sie ihm gefallen. Wer weist, die Freundin hat ihr ja gesagt:„Paß auf, mein Tänbchen. dast Du ihn: nicht den Kopf ver- drehst. Er liebt die Blondinen, und in Deinen Augen sitzt zmveilen ein gewisser kleiner Teufel.. Sie hatte den: bescheiden widersprochen: als aber die Freundin fort war, nahm sie verstohlen ein Spiegelglas von der Kommode und sagte zu sich selbst, dast... und wie war'S denn ai: ihrer Mutter Namenstage? Hat sie da nicht den Herren gefallen? Und der Apotheker? Vielleicht auch jetzt... Das Mädchen springt die schinalen, steilen Treppen mit einem fast freudigen Gesichtchen hinauf. Ii: seinen Augen glänzen goldene Funken. Das Teufelchen, von dein Marnschka, die Freundin sprach, war wohl erwacht. In ihren: Zimmerchen steckt die Schneiderin die kleine Lampe an, sie geht dabei so hastig zu Werke, daß ihre Hände zitteri: und sie die Zi'mdhölzer fast verschüttet. Es ist schon halb sieben durch. Eigentlich müßte sie jetzt zur Stelle sein. Und sie muß doch erst die Sttibe ausräumen und sich ankleiden. Ihr Blick fällt auf den Haufen Reste und Schnitzel auf den: Fußboden. Ach ja, sie mutz sich auch noch das Bändchen zurecht machen) o Gott, o Gott, wie sie sich beeilen mich. Sie lciht sich auf der Diele nieder, sie wühlt und durchwühlt alles, so das; sich schließlich der ganze Boden mit rosa Bändchen bedeckt. Sie beginnt ihre Arbeit, ohne aufzustehen. Die Nadel erglänzt in ihre» kleinen Fingern, die Seide knistert nnd die rosa Schleife wächst und wächst. Jetzt ist sie fertig. Das Mädchen springt auf und läuft zum Spiegel. Sie ist wie ausgelassen. Wie ihr das doch gut steht, besonders das Rosa. Auf ihren Lippen erscheint ein kokettes Lächeln: Sie wird wo- möglich dein schonen Assistenten gar nicht gefalle», weil sie jetzt gar keine bleiche Blondine mehr ist. Sie hat eine gesunde Gesichtsfarbe, die kleinen roten Flecke», die sie so entstellen, wenn sie sich an der Maschine überarbeitet hat, sind verschwunden. Die Funken in den grauen Angen beginnen immer gefährlicher zu sprühen. Warte nur, du, Telegraphcnassistcnt, wirst sehen, das; auch eine simple Schneiderin gesallen kann I Das erhitzte Mädchen fängt an, sich anzukleiden. Es glättet die blonden Haare so lange, bis sie wie pures Gold glänzen. Mit zwei Nadeln wird die Schleife an dem bescheideneil grauen Kleidchen befestigt. Jetzt lächelt es seinem Ebenbilde im Spiegel z». Ihm ist so wohl, so leicht, als ob es gar nicht die gedrückte Schneiderin Iväre, die mit großen Schweißtropfcll auf der Stirn und nialte», zitternden Knien die lange Nacht hindurch mit den krankhaft geröteten Angen über der Arbeit hockte. Jetzt ist' sie nicht mehr dieselbe! Jene war nur eine kleine Maschine zum Kleidernähen für fremdes Vergnügen, nun aber ist daraus ein Wesen mit heißem, schnellem Alme gcivordcn, das in sich die Jugend, das Recht zum Leben, Zinn Vergnügen spürt, ein Wesen, das gefallen ivill. Morgen— vielleicht— wird alles erlöschen, alles zu Ende sein, aber nur nicht heule, nein, heute nicht. Eilig bläst sie die Lampe ans, nimmt ein Tuch über den Kopf, läuft zur Thür hinaus, stößt aber init irgend jemand zusanuneil und eine zornige Frauenstimme ruft: „Wohnt hier die Schnejderin? Machen Sie doch Licht, man kann sich bei dieser Finsternis ja Hals und Bein brechen I" DaS Mädchen tritt wie von einer Schlange berührt zurück. Tastend sucht es die Zündhölzer. Sein Herz' schlägt stark und uu- regelmäßig. Es fühlt das heiße Lanipenglas, das die Hand brennt, nicht, die weit cicöffnetcn Augen sind ängstlich auf das nnbeweglich an der Thür stehende Dienstmädchen gerichtet, daS ein Paket in seinen roten Händen trägt. Mit schelcm Blick betrachtet dieses die schlanke Gestalt im grauen Kleide. Die kleinen, grünen Angen bleiben auf dem rosa Bändchc» haften. Da ertönt der Schneiderin Stimme:„Wünschen Sie ettvas von mir?" Die Angeredete nähert sich und mit einer groben Bcivegung wirft sie das Paket auf den Tisch.„Meine Herrin schickt Ihnen das Kleid zurück und beauftragte mich, Ihnen zu sagen, es wäre toohl in« Traum genäht. Die Taille wäre ganz gräßlich nnd der Rock an der einen Seite viel zu kurz I" Sic wickelte das Bündel auseinander und vor den Angen des Mädchens glänzte wieder jenes rosa Kleid, das sie vor einer Stunde hingetragen hatte... Wahrhaftig, die Nähte sind schief I Wie konnte sie nur träumen I Maschinen haben kein Recht zu träumen, das hat sie ja ganz vergessen. „Entschuldigen Sie mich bitte bei Ihrer Herrin," bat sie mit ruhiger, ergebener Stimme,„ich ivciß nicht, wie es kam, daß ich so schlecht nähte. Ich»verde es ansbessern und das Kleid morgen selbst hinbringen." Aber das Dienstmädchen rührt sich nicht von der Stelle. „Das Kleid muß heute fertig sein," sagt sie gebieterisch,„die Herrin fährt zum Ball bciin Gouverneur n>!d muß es mn 10 Uhr destiinmt haben." Auf den Zügen der bestürzten Schneiderin malt sich ein Plötz- sicher Schrecken. Heute! Das ist ja unmöglich!... und die Hoch- zeit?... An dem Kleid muß sie ja Ivenigstens drei Stunden arbeite»,. „Aber heute kann ich's auf keinen Fall änden»". Ivorauf das Dienstmädchen ärgerlich ruft:„So? I Das ist ja nett I Die Herrin läßt sagen, wenn Sic das Kleid nicht sofort ausbesserten,»vürde sie Ihnen nie niehr Arbeit geben und allen Bekannten erzählen,»vie zu- verlässig Sie sind". Damit beginnt eS, das Kleid wieder znsamnienzufaltcn nnd schielt dabei mit bösen Augen nach der Schneiderin. Die aber steht unbeiveglich und schiveigsam, und die Gedanken jagen einander wie im Sturme in ihren, Kopfe. Sie kann sich ja durchaus nicht entschließen, anf diese Hochzeit zu verzichten. Sie hat so oft daran gedacht, sich so sehr darüber gefreut I Diese Dame hat ja so viel, hat ja immer Vergnügen. Ein Äall niehr oder»venigcr, das ist ja nicht schlimm, aber für sie ist doch dieser Abend viel, sehr viel! Und vor ihren Augen taucht Vcrschlvoinmcn das Bild des Herrn Zeiinon auf. so»vie sie es sich in ihren letzten Träumen vorgestellt hatte.— Sie wird morgen ja zu der Dame hingehen, sie wird sich entschuldigen, ihr alles sagen. Die Dame»vird ja verstehen und ver« zeihen... Wenn sie es aber nicht thun»vird, wenn sie die Drohung ausführt, von der ihre Magd sprach?... Die kleine Schneiderin erschrak. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit stand vor ihr, und daneben Hunger und Armut. Zugleich erschien wieder das Gesicht des schönen Assistenten, und in chren Ohren er- klangen die Worte: ,Du wirst ihn» gefallen. Er liebt ja Blondinen." Eine Minute schwieg sie. dann»vandtc sie sich dem ungeduldigen Dienstmädchen, das schon gehen»vollte, zu. mit bleiche»,, aber gefaßten Gesicht, und die Furche erschien jetzt»och tiefer als sonst. .Lasse» Sie das Kleid hier, um 10 Uhr»verde ich es bringen." Als die Thür sich hinter dem Mädchen schloß, legte sie hastig das rosa Vändchen ab, als ob es sie drückte, warf es von sich und setzte sich dann ruhig und traurig an die Arbeit. Sie fühlte sich wieder als— Maschine.— Kleines �euillekon. —„Ver mak" im Eise. Schon früher haben wir kurz über die Fahrt des russischen Bicc-Admirals Makaroiv mit seinen, Eisbrecher .Dermal" berichtet, nun», ehr werden in,„Globus" folgende Einzel- heilen nachgetragen, da jetzt genauere Nachrichten von dem Eissahrer vorliegen. Eigen, sich ist die„Dermak" in erster Linie für die Karafee gebaut»vorden, um dort für die Handelsschiffe Bahn zu breche»,. Nur unter diesen Umständen, d. h. für ivirtscbaftlich nutzbare Zivecke, hatte Makaroiv die für das Uiitenicbnicu nötige Sinnine erhalten könne». DieKarasee hat imr einjähriges Eis; als sich aber der Dampfer gut bewährte, beschloß man, im Sommer 1899 die Fahrt ins Polareis nord- westlich von Spitzbergen zu»vagen. Das»vichsigste Ergebnis der Fahrt»var natürlich das Verhalte» des Schiffes in. Eise. Dabei zeigte fich ein sehr ivofentlicher Unterschied zwischen der Ostsee und dem Polarmeer. I» der Ostsee»var das Eis nirgends und niemals sehr dick, aber schon Eis von Vs bis*/3 Meter Dicke schien maiichmal niehr Kraft zu bcanspruchcii, als„Aermak" besaß. Ganz anders ist dies im Polareise, das nirgends eine unnnterbrochene Decke von eine», User zum ander», bildet»vie das Eis der Ostsee, sondern. aus einzelne» Schollen von verschiedener— und nianchmal ziemlich bedeutender— Größe und Mächtigkeit besteht. Werden dieselben nicht gepreßt, dann ist es für ei» Schiff»vie„Dennal" sehr leicht, durchzukommen, da selbst Schollen von 1 Seemeile Länge nachgeben nnd ausiveichcn. Außerdem bricht das Eis sehr leicht, so daß es Makaroiv, selbst»venu keine Pressungei« vorhanden sind, für das einfachste hält, gerade durch zu gehen. Dies scheint für dickeres Polareis sehr schivierig zu sein, doch sogar Eis von 4 Meter Dicke »vnrde mit Leichtigkeit durchbrochen, wenn»»an das Schiff arbeiten ließ, vorausgesetzt, daß für die zerbrochenen Stücke Platz zum Aus- iveichen da»var. Nach Makarolvs Untersuchmlgen kommt das daher, daß der untere Teil der Eisschollen niehr oder »venigcr eine konstante Temperatur besitzt, die Temperatur der Oberflächenteile dagegen mit der Lufttemperatur stark schwankt. Hierdurch»verde» Spannungen und Spalte»» m der Scholle hervorgerufen oder vorbereitet, an denen das Eis bricht, soivie sich daS Schiff hinausschiebt und anch ohne dies vielleicht eine halbe Stunde später bei der nächsten Teniperaturschivankung, dem nächsten Stoß zc. geborsten iväre. Dicke Scholle» zerbrechen deshalb auch leichter als dünne, die oft unter den, Kiel heraus wieder an einer Schiffsseite auftauchen, und sehr leicht zerbrach das Eis der sogenannten„Hum- mocks". Es muß nach MakorowS Beschreibung ein imposantes Schauspiel gelvescn sein,»venu sich das Schiff 3 Meter hoch auf das Eis schob, dam, mit Krachen das Eis brach und das Schiff zlvischcn ausivcichenden Schollen unterzutanchen schien, dann vorivärts ging und sich»viedcr aus das Eis schob,»vorauf sich das Spiel»vicderholte. Die Expedition brachte hiervon gelungene kineniatographische Aufnahmen mit. Bei diesem ersten Versuch mit dein Eisbrecher»vurde die ganze vorhandene Maschinenstärle fast nie ansgcnntzt. Die Erfolge hatten darunter zu leiden, daß.Nermak" aus finanzielle» Rücksichten für doppelte Zivecke koi,struiert war, idie sich,»vie sich herausgestellt, zum Teil widersprechen. Trotzdem sind die Leistungen des Schiffes so große gclvesen. daß»nai»»veitgeheilde Hoffnungen an die Verfolgung dieser Versuche knüpfen kann.— Musik. „Gegen den Sarasate ist der Wilhelinj ein Joachim." So im- gefähr soll sich einst Büloiv ausgedrückt haben. Beim neulichen Konzert des nun seit bald einen, Jahrhundert»veltberühniten Geigers Pablo de Sarasate mußte ich inimer»viedcr daran denken, sofern ich sein eigentlich musikalisch- liuistlerischcs Leisten beachtete. Zivar ist es ihin hoch anzurechnen, daß er eine Sonate von Bach nicht vcrvirtuosierte; und verärgert nnd erniattet»vor er»vohl auch. Allein das hat schlvcrlich ctivaö zu thun damit, daß nicht bald jemand so ohne irgend ein Gestalte» der Toufolgen spielt»vie Sarasate: da stehen die Töne nebeneinander, einer wie der andre: oooc usw., eine Perlenschnur; und kein 00o. kein 0 0 0 oder was es sonst an Gesialtmigc»» giebt, kommt ihm in den Sinn. Nun aber die einzelne» Töne als solche: etivaS so RundcS, Klares, Volles, insonderheit Weiches— nameiitlich in den höchsten Negioncn— und eine solche Leichtigkeit und Hexcnmeisterci,»vie sie in Sarasates eigentlich violinistisch-künstlerischcn Leistungen liegt, giebt es kaum»vieder. Kalt»vie eine Huiidsschnauze! Aber wenn jemand ausgerechnet nur nach der Geigenlunst fragt nnd dann be- hanptet:„Gegen den Joachim ist der Wilhelinj ein Sarasate"— Ivos soll man dazu sagen? I— Frau B. Marx-Goldschmidt spielte mehrere Solostücke idarunter zivei entzückend schöne des noch nicht genug geschätzten Rubinstein) sehr gut,.»virllich sehr gut," und begleitete Herrn Sarasate eilvas»veniger gut. Sollte das Absicht gelvesen sein, um— ihn nicht zu blmnicren?? Schön, aber ausdruckslos: das»var uiis gleich»viedcr in anderer Weise»d«»ch hübsche Orchester wir tiuigen: das alle« erleichtert dem Mnsikreferenteu den"Verzicht ans ein natteiiegeudes Äritikertvort. Im selben Konzert gab es durch ciu Pracktstiick von Vach und durch einen d/ Äl b e r t scheu Vortrag des sowohl an Gezw,-»geiiem wie au Iinponicrcnden, reichen z>r»citc» KlavierlonzertS von BrahinS sviersätzig. eine Seltenheit) so viele Ge- ichsie. aber auch so viele Anstrengniigeii des Hörens, das; ein ge- naucrcS Eingehen darauf Kraft und Jianm übersteigen würde. Die gerade jetzt bedenklich steigende Zahl von Geigcntünstlern wurde in einem Konzert a», Sonntagabend vermehrt durch Herrn Ja cq u eS T h ich a u t. erster Sologeiger des Orchesters Cotonue (Druckfehler des Progrmuins:„der Örchestcr-Colotme") aus Paris. an dem, abgefchn von der obligaten Technik, ein cigentümlich herb- sonorer Ton merkwürdig ist. lieber dieses, in der Hauptsache dem Harmonium gctvidnieke Konzert müssen wir uns einen Nachtrag vor- behalten.— s?. Völkerknude. — lieber„Gottesurteile" bei den K i» g a in Dcntsch- Ostafrika finden sich in den„MissionS-Berichten" folgende Btittei- lungen: Die Kinga haben eine Art Feuerprobe. Meidet z. V. ein Bestohlener dem Zauberdoktor, deren es genug giebt, einen Diebstahl. so muß er die Leute, die er im Verdacht hat. zur Stelle bringen. Der Zauberer nimmt eine Kalabasse, deren Hals abgeschnitten ist. salbt sie mit Zanbermedizin. legt etivaS Feuer hinein und reibt da»» mit diesem Geffih. die Oeffnung gegen den Leib des Betretenden gekehrt, auf diesem hin n»d her. Sangt sich das Gefah fest, brennt die Haut des Betreffenden, so ist er des Diebstahls überführt. Der Zauberer sagt:„iooo" oder„yesoe", er ist gestorben(nämlich der Hunds. Diese Redensart rührt von der Sitte her. nach der man bei sehr giftigen Medizinen, die sonst auch znm AuSlveiS vonSchuld vderUnschnld in Amvendnng koinmen, nencrdingS Hunden dieselbe einflöstt, Ivie es früher bei Menschen geschah. Stirbt solch stellvertretender Hnnd, so ist der Dieb oder dergleichen entlarvt. Giebt er die Medizin von sich, heistt eS ivoxile oder zickvxile, und der Betreffende ist schuldlos. Die Feuerprobe hat zunächst der Bestohlenc zu bestehen, denn viel- leicht ist der Dieb in seiner Verwandschaft, da»» brennt cr selber. und die Sache ist erledigt. Erst wenn er sich als schuldtos erwiesen, kommen die Verdächtigen an die Reihe. Der Verbrannte ist der Dieb, die Kalabasse kann nur mit Gewalt von dem Leibe de? Betreffende» entfernt werden. Der Dieb»inst bezahlen.- Die Prozedur heistt ulcupoKvla. Ebenso ist das auch im Kondelande bebannte lagula. hier liigüla, im Schwange. Hierbei wird ein Holz- brecher. mit der Oeffnnna nach»»teil, auf der Erde bin- und hergeriobeii. Der Betreffende, für den diese Prozedur ans- geübt Ivird, ist der Dieb. Einige der Zauberer operieren init einer Art Würfel. Drei Eisennägel»nt allmählich stärker tverdendern Äopf werden in einen enge» Bainbnsbechcr gesteckt. Ist der. für den diese Würfel befragt werden, schuldig, so vereiingen sich die Nägel. ist er unfchnldig. sieht jeder Nagel für sich. Beteuert der also er- tappte Dieb ferner seine Unschuld, wird ihn» ein Ohr durchbohrt und einer der Nägel da durchgesteckt resp.-gezogen. Geht er glatt durch, ist der Betreffende unschuldig.-»»»dernffrltS bleibt der Nagel mit dein Kopfe im Ohr sitzen. Oftmals versucht ein und dieselbe Person alle vier Arten bei de» verschiedenen Zauberern und wird, ol-gleiib unschuldig, von allen viere» für schuldig erklärt, zumal wen» der Ankläger dem Zanbcrcr kurz vorher eine Ziege oder dergleichen gc- zahlt hat.— Meteorologisches. io. Eine großartige E r s ch c i n n n g v o» Wasser- hosen wird in einer bneslichen Mitteilung an die Pariser geogra- phiscke Gesellschaft beschrieben. ES handelt sich um die Küste von Neu-Siid-WaleS, wo derartige Naturereignisse imgeivöhnlich häufig sein müssen, da seit dem Jähr 1*88. in döm regelmäßige Wittenmgs- beobachtnngcn eingerichtet wnrdrn. nicht»veniger als 38 mal Der- artiges in mehr oder weniger niisfalleiidem Grade bemerkt lvorden ist.'' Ost ist eS zur glrnb'zcitigen Entwicklung von 3 bis ö'Waffrr- säulni auf dein Meere geköintnen. aber alles Bisherige tvnrde über- troffen durch das Phänomen ill. vorigen Fahre, das von dein Hafen- platz Eden aus ivahrgenommen ivnrde und 20 Wassersäulen zu gleicher Zeit in jeder' Wirbelbewegung über die McercSfläche hin eilend zeigte. Der Morgen des betreffenden TagS war schön»ud das Meer ruhig. Ilm b Uhr erschien, von einem Rordostlviiidc gelrieben, am Horizont eine dirkc Wolke, von der ans verschiedene clek- irische Entladniigen nach dein Meer hin erfolgten. Um tl Uhr bildete sich plötzlich ctiva im Abstand von einer Meile eine Wasserhose, die sich senkrecht ivie ein Fabrikschornstcni bis zu einer Höhe von 15>00 Meter erbob und in heftiger Drehung gegen Südivesten be- wegte; als sie einen Abstand von vier Meilen von der Küste er- reicht hatte, verschivand sie plötzlich. Nack dieser ersten Wassersäule bildeten sich nacheinander 19 iiene, jede von besonderer Eigenart. Sie erhoben sich ä»S dem noch immer ruhigcn Meer WS zu der dicken Wvlkenschicht. Die nächste mag sich ctiva acht Meilen von der Küste befunden habe», die entfernteste ctiva 3V Meilen. Von einem Observatorium aus ivurde die Höbe der Wasserhose zu: 1900 Meter gemessen, ihr Durchmesser zn 30 Meter. Mit einem Fernrohre liest sich die Bildung. der ungeheuren Wassersäulen, die sich gegen das liefe Sckuoarz der- Wolle» deutlich abzeichneten." genau beobachten. Zunächst geriet die Meeresfläche an einer Stelle in Bclveguug. die Woqenkämme, von denen sich graste Schaum- flocken loslösten, eiste» wirbelnd in einem Kreise hermn. dessen Durchmesser elwa 900 Meter betragen mochte. Dieser Wirbel »ahm an Dnrchniesier allmählich ab. nnd gleichzeitig begann in der Mitte des Wirbels das Wasser anzusteigen, bis sich nach zivci oder drei Minnten eine lleine Wassersäule gebildet hatte. Ann stieg von der Wolke ans ein kegelförmiges Gebilde herab, das an seinem unter» Ende ciue eigentümliche kugelige Gestalt bcstist nnd von einer rapiden schraubenartigcn Bewegnng beseelt erschien. Immer mehr näherden sich in aufcüianderfolgendeii Stöstcn die auf- und ab- steigenden Säulen, bis sie sich begegneten und zu einer einzigen Säule vereinigte». Die so gebildete Wasserhose behielt ihre kreisende Bcwcgnng bei nnd verschwand nach einer Dauer von 10— 12 Minnten in dein Nebel der Wollet Aufsalleiid war der Umstand, dnst während dieser-Entwicklung die Wolke immer dicker wurde, je mehr sich die Wassersäule» anSbildctcn. Die Wirbelbcivegnug schien abznnehmen. ivcnn die Säulen ihre volle Entivicklnug erreicht hatteir. UebrigcnS ist die Entstehung von Sandhosen auf dem Lande ciue ganz»ihn- lichc nnd kaum minder gewaltig, da sie in Australien gelegentlich ganze Teiche durch Anfsanguug trocken gelegt haben,>ve»» sie darüber hiinveggingcn.—' Humorististßes. — Z w er Gescheite. Der Dachdecker- Toni soll beim Mottenbancrn einige neue Ziegel ins Dath einsetzen. Er»inmtt seinen Lehrjungen mit. schiebt im ersten Stock dcS schadhaften Hanse? ein lange? Brett zum Fenster himuls, setzt sich rittlings auf dasselbe nnd macht sich so an die"Arbeit, während der Lehrjunge iniien in der Slnbe den ibeitauS längeren Teil dcS Brettes halten»inst. Plötzlich entgleitet dem Dachdecker ein Ziegel, fällt hinunter und zerbrüht. „Hanireh", sitz reit cr beim Fenster hinein,„hol' mir a neue P l a t t' n I".' Der springt auf und eilt iii den Hof.— Zu seine»» giöstten Erstaunen findet er dort schon seinen Meister, der inzivischen natürlich mit dein Brett hcrnntcrgcpnrzclt ist, zornig auf dem Mist- Hanfe» sitzen.'..' „Aber Meischtcr". sagt HanncS verdutzt.„ivaS pressieret Ihr denn so? I' hätt' Ilich'S Plättle jchon'nnnftrage' l"— — Bor Gericht. Richter:„Sie sind Schneider I., i Selbständig?" Zeuge:„Nein— verheiratet!"— Notizen. — Die bekannie Berliner Baufirma„Ende»'. Böckmanu" ivird nach IVjährigcr Thätigteit ausgelöst, da beide Teilhaber wegen vorgerückten Alters sich zur' Stiche setzen.— — Die Aufführung de? betauittcn Schauspiels„Schuldig" von H c i n"r i ck Boss,"die"eüie" drainätische Gesellschaft„Frenndschaft" in Mtzlan verunstalten-ivollte,.ivnrde von der A in t s h a upl- m a» n s ck n fi Plauen verboten, und zwar„aiis sittlichen Gründen und aliS sta a tsc r h a lt c n de in Interesse". Ins- besondere würde dnrch die Aufführung eine Erbitterung gegen die Justizl'ehördcn hcrvorgernfe»..—.• — L>» d>v i g F u l d a S„B e r l o r e n e S Paradies" hatte bei der E r st a u f f ü h r u n g iii K o p e u h a g c n einen grosten Er- folg.—'- — Bon Heinz T o b o t e erscheint im Laufe des Februar ein »euer, nur bisher nngcdrncktc Arbeiten enthaltender Novellenband unter dem Titel: ,.D i e rote L g t e r n c."— — Von einer ucuen Zeitschrift„Blätter für Volks- bibliothekest" nnd Lesehallen" ist daS erste Heft er- schienen: eS ist zugleich Beiblatt deS„CenträtblattS für" VibliothetS- wesen". Herausgeber ist Dr. A"Gracsct.: — G o et h e S Vi u t t e r. die"„Fraii Rät",' lvird in Fr a n k( furt ans öffentlichem Platze ein Denkmal bekomnu'». Ein großes Francn-Konritee hat sich zu diesen, Zwecke organisiert.—