Mtcrhaltimgsblatl des Wrwärts Nr. 27. Donnerstag, den 8. Februar. isciv (Nachdruck verboten). Pj DAS UVeibevdovf. Noiiian aus der Eifel von Clara Vi e big. Gestern tvar er durchs Dorf spaziert und hatte die aus- gesucht, die ihm zur Arbeit am tauglichsten schienen. Alle waren gelaufen gekommen und hatten sich augeboten, selbst die alte Schneidersch und die kleine Bill. Die hübschesten waren die tauglichsten. Herr Schmitz hatte sich schon ein Trüstpchen zusautiueugestellt, da kam die..Zeih deS Wegs— Donnerwetter, war das ein Frauenzimmer! Der alte Iuuggescll riß seine blauen Aeuglein auf. Merkwürdig, jahrelang hatte er nur an seine Häute gedacht— Gerberlohc trug ihm die schönste Farbe— nun blieb sein Bliek ans diesen braunen Flechten hasten, die sich so glänzend, zu einem dicken Nest gesteckt, zeigten. Linkisch galant zog er die Mütze.„He, junge Frau! Guten Tag!" Zeih lächelte, dag mau all ihre lveigen ZiihUc sah. das leicht bewegliche Blut schojj ihr in die Wangen; sie waren rot wie ein reifer Apfel. „Fett wie ein Hammel," dachte Schinitz und lies; einen väterlich wohlwollende» Blick über die junge Frau gleiten; er liebte das Völlige. Wohlbeleibte Menschen ivarcu immer ge- mntlich im Umgang; er selbst hatte sich ja auch ein Bauch lein zugelegt. Ein instinktiver Selbsterhaltungstrieb zog ihn zu ZeihS angenehmer Fülle, die doppelt auffiel zwischen den sehnig schlanken, fast hageren Gestalten der übrigen Weiber. Die war was für ihn! Die wollte er, zur Aufwärterin wählen! Ihr freundlich heiterer Blick aus klaren braunen Augen bestärkte ihn noch darin. ,.?co. junge Frau," sagte er. „haben Se et als auch gehört, dat der Schmitz hier sein Residenz aufschlage Null? He? Ach brauch' eu Frauensperson, die mer et Bett macht»u eu Tast staffee kocht— ich bin simpel gewöhnt— aber cn Buttel mnsj sie anfziehil können un auch eu Späh versteh». Im übrigen Hab' ich jcrn mein Ruh." Zeih sah ihn mit osseuem Mund an; sie verstand den Herrn nicht, aber sie lächelte. Sie gefiet ihm immer besser: die andern waren ihm viel zu geschlviud mit dem Mundwerk, besonders die eine, die junge Schlvarzc. die sie Tina nannten und die mit ihren dreisten Blicken unheimlich herum funkelte. „No." sagte er wieder und klopfte Zeih auf die Schulter, „köimen Sie bei mir die Auslvartuirg machen? Wie sieht et demiit. he? Oder sind Sic zu fein dcrzri?" Jetzt erst war ihm ihr ausgeputztes Kleid aufgefallen. dessen Saum handbreit länger war als die Röcke der andern. Die umstehenden Weiber stichelt sich an und kicherten halblaut. „Sc es dem Pittchen sein Fra", ricfTiiia keck,„däu haot gcänvt. Ewcil haot das Zeih dat Arweitcu uet mieh netig. wann hän»et bal ales versoff haot. Dann freilich! On wann däil Oberkailer Schandarm net"— „Biste still." fiel ihr Zeih hastig inS Wort und zupfte sie am Rock. Und dann mit dunkclrotem Kopf sich lviedcr zu dem Herrn wendend, flüsterte sie schüchtern, die Wimpern gesenkt: „Ech moh erscht dat Pittcheu fraon, hän es e su— e sti— cch glauwcn net, dat hän et gären sieht." Zögernd sagte sie eS. sie hätte für ihr Leben gern die Aufwartung übernommen, nicht das Geld lvar's, das. sie lockte— zu essen und trinken hatte sie ja— aber so ein Herr ans der Stadt konnte allerlei Präseilte machen, von denen mau hier nichts ahnte. Schade. bah-mit dem Pittcheu jetzt so gar nichts anzufangen ivar? Wie ein Rasender war er ans und nieder gerannt und hatte gc- flucht und geschimpft, als er von dem neuen Besitzer der Eichelhütte gehört hatte.f Mit einem Seufzer schlug sie die Augeu auf, die feucht schimmerten.„Ech darf jao uet!" Mitleidig sah ihr Schmitz nach, als sie mit gesenktem Kopf davonschritt— das war ja eine rechte Kreuzträgerin! Und so ein sanftes kreuzbraves Weibchen!—— Heute, als der Besitzer, der Eichelhütte die Schar fegender Weiber besickp tigte, bedauerte er wieder aufs neue, die hübsche Zeih nicht darunter zu sehen.. Die hätte gewiß nicht so gepoltert nnd unbinidig hantiert, sondern so nett gemächlich,' wie es einein' Mann in seinen Jahren angenehm war. Fast wollte es ihn. bedünken, als' trieben die Weibsbilder ihre Possen mit ihm; da stand die kecke Schwarze hoch oben auf der höchsten Leiter' sprosse und wippte hin und her, daß ihm der �Angstschweiß. ausbrach. Und die mit den blonden Zöpfen goß ihm einen vollen Eimer Wasser gerade vor den Füßen aus. Er flüchtete vor die Hausthür. Da stand er nun in seinen grasgrünen Pantoffeln, die Hände in den Schlafrocktaschen vergraben, einen Shawl um den Hals, mächtige Tabakswolken in den hellen Morgen hinausqualmeud. Mit behaglicher Rührung musterte er die Umgebung: so wareil ihm die Heimatberge mit ihren runden Buckeln und den daran hängenden tvinzigcn Acckcrchen manch- mal im Ttauin erschieneil l Und dann dachte er an das Mus, an...KabeS met Grombiercn on Griemen", die er sich für heute mittag beim Krummscheidt bestellt, lind sein Eifeler Magen knurrte in süßer Erinnerung. Schmunzelnd blickte er die Straße zum Dorf hinunter— alles, rilhig und friedlich, kein Wagen, kein störender Lärm— nur eine einsame Franengestalt kam des Wegs: als sie sich benierkt sah. zögerte sie lliid trat dicht an die Mauer des Kirchhofs heran. Schmitz ständerte noch ein wenig vor der Hausthür hemm unb besichtigte dann seinetl Garten. Wenn die hohen Bäinne sich erst belaubte», mußten sie einen köstlichen Schatten geben! Mochte die Sonne noch so brenne», hier war's angenehm; man konnte eine Hängematte aufhängen und sanft darin duseln, und dort auf"dem grünbemoosten Stein- tisch mit der rätselhaften eiiigemeißeltcn Inschrift hielt sich der Moselwein gewiß kühl. Sehr befriedigt kehrte er aus dem Garten zurück; da sah er eine Gestalt am Gitter vorbeischleichen, die jetzt still stand und ucngierig durch die Stäbe lugte. Als er die Brille aus der Tasche gezogen, mit seinen plumpen Fingern daran geivischt und sie auf die Nase geschobeil hatte, erkannte er die Zeih. „Sieh eus an!" sagte er erfreut.„Weißt Du auch, meine Dochtcr. dat ich heut als au Dich jedacht Hab'?" Sic stand verlegen lächelnd. Hinter sich her hatte sie ein Holzivägclchen gezogen, drin saß ein erbärmlicher kleiner Junge. „Dat es ons Josephche," sprach die Zeih, als sie den Blick des Herrn bemerkte. „So, so— hm, hm!" Er konnte seine Verlvundcrung kaum verbergen— Ivic kam das hübsche, frische Weib zu dem elenden Kind? Der Baker mußte doch gar nichts taugen. Da hatteir die Leute doch recht, die den Miffert einen Säufer und Weiber- jäger nannten, so allerlei war ihm hintenherum über den Kerl zu Ohren gekommen. Das arme Weib!... „Kommt doch herein.". sagte er freundlich, öffnete das Gitterthor und zog selbst das Wägelchen in den Garten. Schüchtern trat die Zeih ein nnd ließ ihre Blicke au den hohen Stämmen hinauf- und hinuntcrglcitcn. Vor lauter Verlegenheit nahm sie dann das Josephchen auf den Arm und herzte es. Das Gesicht des alten Junggesellen trug alle Zeichen der Anteilnahme. Er klopfte dem Kind die aufgedunsenen Bäckchen und nahm das welke, blasse Händchen zwischen seine fleischigen Finger.„Du, du, kß, kß, kß," machte er und kitzelte es am Hälscheu. Josephchen verzog das Gesicht und fing an zu weinen: es war kein lautes, kräftiges Schreien, nur ein jämmerliches, dünnes Greinen. Zeih war heute auch einmal schlechter Stimmung: als sie das Kind weinen hörte, zogen sich auch ihre Mundwinkel abwärts; schön hingen ein paar Thränen in ihren langen Wimpern. Mit dem Peter tvar eben gar kein Aushakt mehr, heut in der Frühe war er nach Haus gekommen, stcrnhagelvoll. Gelärmt hatte er nicht, er war in einem weit schlimmeren Stadium, dem der Verbissenen Wut. Sie traute sich nicht heran; aber nachdem er dann ein paar Stunden fest geschlafen. glaubte sie ihn in der richtigen Verfassung, um ihr Anliegen wegen der Anfwartstelle vorzubringen. Aber da kam sie noch gut an l Wie ein Verrückter trommelte er mit den Fäusten aufs Bett und schrie sie an: ob sie denn noch nicht genug hätte? Noch einen Neuen dazu?!„Nä. nä", brüllte er. raffte sein Kiffen auf und warf es ihr an den Kopf.„Orr bei dem Stehler? Mein es bat Schlötzche— mein mögt et sein! Stehlerl Hal Dei Maul!" Sie wagte gar keine Gegenrede mehr, aber er sprang aus dem Bett, drang auf sie ein und trommelte mit seinen Fäusten aus ihren Rücken wie vorher aufs Bett. Das waren die ersten Schläge, die sie von ihm erhielt, und wenn er auch durch seine Trunkenheit zu entschuldigen war. übel nahm sie sie ihm doch. Uni sich zu trösten, war sie mit dem Josephchen heransgebummclt, in der Richtung nach der Eichelhütte. Eine schmerzliche Neugierde trieb sie, vielleicht daß sie, am Gitter lauschend, das Gelächter der andern hören und einen Blick erhaschen konnte in die ihr ver- schlossene Herrlichkeit. „Hei es et schien," sagte sie und sah sich mit offenem Mund staunend um; noch nie hatte ihr Fuß diesen vornehmen Grund und Boden betreten. Sie ging tvie ans Eiern. Schinitz fühlte sich sehr geschmeichelt, er führte sie in's Haus— das Joscphchen konnte derweil draußen im Wägelchen sitzen— und zeigte ihr alle Räume. Mit neidischen Blicken glotzten die andern Weiber; da standen sie nun mit geschürzten Röcken und zerzaustem Haar in Nässe und Kehricht, und die da wurde herumgesührt wie eine Dame I (Fortsetzung folgt.) eNachdriuk verboten.) Chemifdie Tvöfchevei. Die allgemein übliche Wäsche ist mit den Begriffen Seife n»d Wasser derartig eng verbunden, daß daS Sprichwort ein Waschen ohne Naffniacheu als nicht denkbar bezeichnet. Trotzdem hat sich ge- zeigt, daß die am weiteste» getriebene Neinlichkeit für die Kleidu.ig nicht mit Wasser und Seife auskommt, sondern gerade das Wasser ausschließen muß. Es giebt eine ganze Reihe von Gegenständen, welche ans irgend einem Grunde Wasser und Seife nicht ver- tragen. Man braucht nur eine wollene Hose einmal in klares Wasser zu tauchen und wird beim Trocknen Zweifel- los bcmerlcn, daß ein Gewi»» an Schönheit des Aussehens kaum zu verzeichnen ist. denn die Form ist sicher verloren und kann auch nicht so leicht wieder hergestellt werden. Manche Farben sind gegen Wasser und Seife anck nicht vollständig widerstandsfähig, so daß man Gefahr läuft, das Muster stark zu verwischen. Schließlich kann man überhaupt mit Wasser und Seife aNein nicht alle Flecken, die sich auf Kleidungsstücken finde» können, entfernen. Ans diesen Gründen regte der Wunsch nach Sauberkeit die Wahl von anderen Wnschmethoden an, und es entstand die chemische oder Trocken- Wäsche. Wenn man sich fragt, Ivodurch Kleidungsstücke im allgemeinen ihr ursprüngliches Ansehen verlieren und schmutzig werden, so muß man in erster Linie neben dem Staub das Fett als Ursache er- klären. Die menschliche Haut ist nie frei von Fett, und da ja die Kleidung mit dem menschlichen Körper vor allen Dingen in Be- rübrnng kommt, so findet sich reichlich Gelegenheit zur Fett- aufnähme. Das Fett wird auch an der Staubaufnahme, die ja weiter als Ursache des Schmutzes anzusehen ist, gleichfalls nicht ganz unbeteiligt sein, indem ein Haften des Staubes am Stoff hierdurch erleichtert wird. Wenn man also das Fett von der Kleidung fortgeschafft hat, wird man ei» reines Aussehen er- warten können. Wie soll min die Entfernmig des Fettes erfolgen? Man mußte einen Körper finden, der das Fett aufnimmt und die Kleidung unverändert läßt. Ein solches Miitel konnte nur eine Flüssigkeit sein, weil nur dieie ein glcickinäßigcs und vollständiges Durchdringen des Kleidungsstücks ermöglicbeu konnte. Eine iveiiere Forderung, die man stellen mnßte, wenn der Reinigungsprozcß den Anforderungen genügen sollte, bestand darin, daß das Lösungsmittel des Fettes leicht aus den Stoffen zu entfernen ist, damit nicht etiva die Mißfarbe des Schnintzes nur durch eine andre gleichfalls ungehörige Farbe abgelöst ivird. Natürlich kann nur ein derartiges Lösungsmittel verwertet werden, das auch in größeren Mengen für einen nicht zu hohen Preis beschafft werden kcinn. Andre Bedingungen, die noch weiter zu betrachten sind, haben sich erst im Laufe der Zeit gezeigt. als die chemische Wäscherei imnier größeren Umfang annahm und sich allmählich zu einen» Großbetriebe entivickclte. Die eigentliche» Fcttlösnngsmittel sind Kinder deS neunzehnten Jahrhunderls, in welchen» dementsprechend auch die chemische Wäsche entstand. Das einzige bereits längere Zeit bekannte Lösungsmittel deS Fettes ist das Terpentinöl, die bei der Destillation des Terpentinharzes gewonnene Flüssigkeit. Man ist aber von der Benutzung des Terpentinöls immer»»»ehr ab- gekominen, Iveil der Geruch aus den Kleidern schwer zu ent- fernen ist und weil das Terpentinöl leicht verharzt und dadurch auch Flecke erzengen kann. Die wichtigsten Lösungsmittel für Fett sind Produkte ans dem Erdöl und ans den» Stciukohlcntcer. Wenn man Erdöl oder Steinlohlenteer allmählich in einem Gefäße, welches mit einen, Abzugsrohr zun, Ableiten der sich entivickelndcn Gase und Dämpfe versehen»st, erhitzt, so bemerkt»„an, daß inner- halb bestinunter Teniperatnrgrenzcn sich wechselnde Mengen von Flüssigkeiten in Dämpfe verwandeln, die dann bein» Erkalten sich iviedcrum zu Flüssigkeiten verdichten. Diese Trennung eines Ge- »ncngcS durch Erhitzen auf verschiedene Temperaturen unter »achherigcr Verdichtung der entivickelten Dämpfe ivird als „fraktionierte Destillation" bezeichnet. Bei der fraktionierten Destillation von rohen» Erdöl erhält»nan zunächst Produkte, die bereits bei gewöhnlicher Temperatur oder nahe derselben verdampfen, z. B. das Nhigolen, das sich bereits unter 20 Grad C. in Dampf verwandelt. Ein andres Produkt ist der Peirvlcumäther, der zwischen 40 und 70 Grad C. siedet. Dam» kommt das Petrolcmnbenzin, dessen Siedepunkt zlvischen 70 bis 90 Grad C. liegt. Der Siedepunkt der Naphtha schivankt zlvischen 80—110 Grad C.. derjenige des LigroinS zwischen 80—120 Grad C. Zwischen 120—180 Grad C. siedet Benzin. Diese Erdölprodukte, deren Bezeichnung übrigens nicht streng feststeht, so daß man den gleichen Namen öfter verschiedenen Fraktionen beilegt, sind aus- gezeichnete Lösungsmittel für Fett und haben den Vorzug, daß sie durch entsprechendes Erwänuen leicht in Dampf verivandelt und hierdurch ans den Stoffen, in denen sie sich befinden, entfernt werde» können. Die Petroleiimprodukte haben außerdem den Vorzug, daß sie in großen Mengen zu erhalten sind, weil sie ans den» rohen Erdöl, bei der Verarbeitung desselben ans zur Beleuchtung bestimmtes Pe- trolcnn» entfernt iverden müssen, da sie wegen ihres niedrigen Siede- Punktes das Petroleum zu feuergefährlich machen würden. Ein andres Fettlösungsinittel, das Benzol iauch Stcinkvhlenteerbcnzin genannt), wird durch Destillation von Steinkohlenteer geivonnen. Es ivar ivohl das erste in größer»» Maßstabe angetvandte Fettlösimgsmittel, dessen Beiultznng den Beginn der chemischen Wäsche anbahnte. Die Petrolcumindustrie entivickeltc sich erst seit 18ög, ivährcnd das Benzol bereits 1843 im Steinlohlenteer aufgefunden wurde. Das Benzol hat übrigens seine Bedeutung für die chcinische Wäscherei jetzt ver- koren. Ursprünglich war die Verlvendung hierfür die wichtigste Be- nntzung desselben. Mit der Entwicklung der Tccrfarbcn-Jndustrse hat sich aber für das Benzol in dieser Technik eine viel vorteil- Haftcrc Verwertung ergeben, weshalb das„Fleckwasscr" ans Stein- kohlentcer immer»nehr verschwindet und durch Petrolenuibcnzi» ersetzt Ivird.. Die Ausführung der chemische» Wäsche ist»m Princip sehr einfach. Es kontint darauf an, die für die Lösung des FcttcS vorteilhaftesten Bedingnngei» zn wähle» nnd die lösende Kraft möglichst vollständig nnszunntzen. Die Lösung erfolgt am besten in der Wärme, deshalb kam» das Benzin envärmt iverden, tvas aber nicht»ottveiidig ist. Weil aber die Petroleunibeiiziiie infolge ihres niedrigen Siedepunktes leicht verdampfe»», tvendet mal», sobald es sich um einen größeren Betrieb handelt, geschlossene Apparate an, um jeden Verlust an Benzin, der Kosten verursacht, aber auch wegen der Brennbarkeit Gefahren herbei- führen kann, zu vermeiden. Um das Benzin möglichst gründlich »nit dem zn reinigende» Stoff in Berührung zu bringe», läßt mau die Kleidungsstücke nicht ruhig im Benzin liegen, sondern sorgt durch stete Beivegmig dafür, daß iinmer neue Flüssigkeitsteile»»it dein Stoff in Berührnng kommen. Die Waschmaschinen sind nun geschlossene Troinmeln, in ivelche die zu behandelnde Ware mit Benzin gebracht»Verden. Die Trommeln iverden in Drehung versetzt und hierdurch die Bewegung des Inhalts bewirkt. Wenn die Behandlung beendet ist. hat man dafür Sorge zu tragen, daß nicht mit Fett bcladencs Benzin ans dem Stoff zurückbleibt, wodurch»ach den» Verdunsten des Benzins Flecke entstehen müssen. Es ist also cinö möglichst vollständige Trennimg von Flüssigkeit und Stoff notwendig. Man erreicht dieselbe am besten durch die Aiiwrndiiiig von Ccntri- fugen, in denen die fmchte Ware durch Aiiwendmig der Centrisngal- traft ansgeichlcudert wird. Tie Cciitrisiigc» sind Cylinder. deren Wandinigen Oeffmmgen haben. Bei der schnelle» Drehung dieser Cylinder Ivird die Flüssigkeit voi» dem festen Stoff iveggeschlendert. Ein fester Mantel, der den durchkochten Cylinder mngiebt, fängt das Benzin ans, das dann abgeleitet ivird. Der Stoff wird mm getrocknet, wem» nicht eine nockinalige Bchandlmig mit Benzin für notwendig gehalten wird. Bei diesem Trocknen ivird gleichzeitig eine Appretur vorgenommen. Man bringt das Kleidungsstück auf durch Dampf geheizte Bretter und bewirkt durch die Wärme ein Bügeln mit Dampf. Bevor diese letzte Arbeit vorgenommen ivird, entfernt man noch von den Stoffe» Flecke, ivelche durch Benzin nicht fortgenonniien werden können. Wenn die Farbe durch Einwirkung von Säuren gelitten hat, Ivird beispiels» weise der Schaden durch Benzin nicht geheilt werden können, und man muß andre Mittel anwenden. Man versucht, die Wirkung der Säure dadurch aufzuheben, daß nian sie durch eine Base, Ammoniak, in ein Salz überführt. Natürlich muß hierbei sehr vorsichtig ver- fahren werden, damit das Heilmittel nicht etwa für sich eine»»eucn Fleck hervorruft. Die Entfernung der Flecke», anch„Detachieren" genannt, ist eine Aufgabe, bei der die Geschicklichkeit und die Er- fahnuig eine große Rolle spielt, denn man nmß durch vorsichtiges Probieren festzustellen such-n, welches Mittel man in dem besonderen Einzelfall niit Vorteil anzllweiiden hat. Das Benzin, welches bereits einmal zur Reinigung gedient hat, ivird so lange zu weiteren Wäschen benutzt, bis es derartig mit Ver« unreiniglmgen angefüllt ist, daß man befürchten mnß, die Kleidungs» stücke nicht zu reinigen, sondern am Ende noch schmutziger zu mache». Cr 5 wird dann notwcndiq, das Benzin selbst zu reinigen. Dies gc- fchicht am besten durch Destillieren, wobei die gelösten Stoffe zurück- bleiben, während das Benzin in Danipsforin fortgeht und in Vor- lagen, die gekühlt sind, verdichtet wird. Auch eine Filtration des Benzins Über jsiiochenkohlc und dergleichen kann angeivendet werden, doch ist die Destillation das beste und sicherste Mittel zur Reinigniig und Wiedcrauffrischnng des Benzins. Die Anwendung der Petrolennidesiillate in der Wäscherei ist wegen der Fcucrgcfährlichkcit nicht unbedenklich. Eine sclbstverständ- liche Vorsichtsmaßregel ist der Ausschluß von Flammen und Feuer in den Arbcitsrmunen. Wenn Warme benutzt werden muß, darf nur wanner Dampf vcrivendct werden, der außerhalb des eigentlichen Ar- beitssaales erzengt und zugeleitet wird. Es gelingt aber durch diese Maßregeln noch nicht, jede Gefahr zu venncideii, wenn das Benzin zn anscheinenden Selbstentzündungen neigt, als deren Ursache sich elektrische Funken, die an Transmissionen und dergleichen leicht auf- treten können, erwiesen haben. Man kann dein Uebelstandc dadurch abhelfen, daß man etwaS Seife in Benzin löst. Aber dieses ein- fache Mittel kann nicht vollständige Sicherheit schaffen. Je größer die Betriebe werden, um so mehr steigt auch die Gefahr. Bei der wachsenden Ausdehmuig der chemischeil Wäscherei ist die Frage des Bcnzinersatzcs immer dringender geworden. Es gilt also iunnnehr die Bcdingnng der Feucrsicherhcit, welche früher beim Kleinbetriebe weniger wichtig war, zu erfüllen. Man ist daher eifrig bemüht, ein andres Lösungsmittel für Fett in die Wäscherei einzufnhren, wobei die Fencrsgefahr vermieden ist. Natürlich ivill man ans die sonstigen Vorzüge des Benzins nicht verzichten, sondern verlangt alle giltcn Eigenschaften deffelben auch bei dem Ersatzmittel. Es handelt sich also um gutes Lösuugsvcrmögcn für Fett, Billigkeil und leichte Entfernbarkcit ans den behandelten Stoffen. Augenblicklich ist die Frage noch nicht gelöst. Schwefel- kohlenstoff, der ein gutes Lösnngsinittel für Fett ist, kann kaum als weniger feuergefährlich wie die Erdöldestillate bezeichnet werden und besitzt noch den Nachteil, ans die Gesundheit der Arbeiter schädlich zu wirken. Chloroform ist nicht billig»nd ivird bei Anwendung in größerem Maßstabe auch gesundheitliche Gefahren herbeiführen können. Die größte Aussicht, das Benzin zn verdrängen, besitzt zur Zeit der Vierfachchlorkohlenstoff(Kohlenstofftetrachlorid), ein Stoff, dessen fabrikmäßige Herstellung vor etwa zehn Jahren be- gönnen wurde. Es ist aber nicht so leicht, Stoffe, wie die Erdöldestillate. ans die man seit Jahrzehnten eingearbeitet ist. plötzlich ans den Fabriken zn verdrängen, zumal den Gegnern des Benzins natürlich auch Freunde desselben gegenüberstehen. Jedenfalls ist die Frage des Benzinersatzcs besonders seit einem Jahre in Fluß gebracht worden, so daß über kurz oder lang eine Acnderung im Betriebe der chemischen Wäscherei zu erwarte» ist.— Julius Ephraim. Kleines L'euillelon» g. Die Gegend.„Ja, die Wohnung ist hübsch,"— die Freundin ließ den Blick noch einmal in die Nnnde gehen,—„wirklich sehr hübsch. Ich habe es nicht so elegant und modern wie Ihr, aber Ivohnen möchte ich doch nicht hier, weißt Du,— die Gegend 1* „Gott, ich möchte wissen, was Du gegen die Gegend hast." Frau Käthe versuchte ein Anflachen, es gelang ihr aber schlecht. „Mir gefällt die Gegend recht gut. Sie'hat doch sehr bequeme Verbindungen. Und sind die Straßen nicht alle breit und schön? Und haben wir das Trmpelbofer Feld und die Heide nicht ganz in der Nähe? Nur zehn Minuten, und wir sind mit den Kindern im Freien." „Aber das Volk, baS hier wohnt." Die Freundin verzog den Mund.„Stört Dich denn das gar nicht? Nein, ich sage, man kann die ganze Straße heraufgehen und trifft nicht einen Herrn und nicht eine Dame, faktisch nicht einen Herrn und nicht eine Dame, bloß solche alten Weiber, die Esse» tragen, und Männer in dreckigen Arbeiterröcken. Pfui, nein, solch' Volk, man fürchtet sich, über die Straße zu gehen." „Das ist aber wirklich nicht nötig!"— Frau Käthe schüttelte den Kopf—„Ich Iveiß nicht, ich bin schon manches Mal spät in der Nacht, Ivcnn inein Mann im Dienst ivar und ich aus der Oper kam, ganz multerseelenallei» hier gegangen, und es hat mich niemand auch nur im geringsten belästigt." „Wirklich nicht?... Nu» ja. Du hast Mut. Ich würde mir das nie getrau'»." Die Freundin maß Frau Käthe mit einem be- wundernden Blick.„Aber sich' mal, Tu mußt doch selbst zugeben, es ivohnt entsetzliches Publikum hier draußen. Nimm bloß das Haus hier. Ich habe vorhin den stillen Portier gelesen,'n Bier- fahrer und'n Schlosser und'n Posamentier und Euer Flumachbar ist sogar'« Briefträger, denke,'n Briefträger!... Nein, ich danke!" „Na ja, im Gehcimratsviertel sind wir allerdings nicht. Es wohnen aber lauter anständige Leute hier, die sich ihr Brot durch ehrliche Arbeit eriverbcn. Ich fühle mich sehr wohl hier, und mein Mann auch." „Gott, ja, Ihr seid eben anspruchslos!" Die Freundin zuckte die Achseln.„Ich könnte mich in solcher Umgebung nicht wohl fühlen, ich muß feine Menschen unr mich wiffcn, und die findet man doch nur im Westen, besonders bei uns in der Magdeburger- straßc." „Ja, Du bist ja nun auch gezogen."— Frau Käthe nickte— „nun es freut mich, daß Du es gut getroffen hast." „Na ja gut— was man so gut nennt I" Die Freundin wiegte den Kopf.„Die Wohnung ist ja ganz niedlich— da kann ich nicht klagen. Und es ist auch ein hochhcrrschaftliches Hans— verschlossen — mit Portier und apartem Aufgang für die Dienstboten— aber, weißt Du,— es sind doch so mancherlei Unaimchmlichkciten." „Das ist ja schade! Was ist den»?" Frau Käthes Gesicht nahm einen teilnehmenden Ausdruck an. „Gott, waS ist denn— eigentlich ist gar nichts. Aber, siehst Du, komisch wirkt es doch. Da wohnt nun ans meiner Etage ein Regierungsasscffor, feiner Mann, sage ich Dir, reizend feiner Mann! Aber immer hat er solche, na ja, solche„Damen" bei sick. man kann schon gar nicht mehr über die Treppen gehe», ohne so einer Person zn be- gegne». Eine kommt immer abends und eine mittags, das soll aber'ne Banliersfran aus der Motzstraße sein. Ich habe ja meinru kost- barsten Spaß dabei, aber frech ist es doch, nicht wahr?... Und dann die Etage über mir. die bat eine Landgerichtsrätiii. Sie nennt sich Witwe, aber unsre Portiersran hat mir schon gesagt, sie ist bloß geschieden und nun hält sie Pensionärinnen und vennietct Stuben. Bei der ist eine Zucht, sage ich Dir— eine Zucht, das ist einfach skandalös I Da heißt es immer, es sind Gäste oben; jawohl, nette Gäste, die alle den Hausschlüssel haben und noch nachts um vier eintreffen. Man kann manchmal kein Auge znthnn bei dem Spck- takel. Aber sonst ist es wirllich recht nett bei uns und, wie gesagt. ei» herrschaftliches Haus— ein hochherrschastliches Haus I"— — Taö Bespreugen der Eiscnbahngclcisc mit Erdöl hat man in Nordamerika eingeführt, um die Staubbildnng hintan zu halten. Dabei haben sich zwei Nebenvorteile herausgestellt. Erstens dringen die atmosphärischen Niederschläge nicht durch die oberen, öldurchtränkten Bodenschichten, sondern rieseln von den Geleisen in die nebenher laufenden Gräben. Zweitens wird das Keimen und Wachsen von Pflanzen scitlvärts von und zivischen den Schienen durch das Petroleum verhindert und dadurch die Arbeit des Reinhallens der Geleise von Unkraut überflüssig gemacht. Zum Schutz der Geleise gegen Unkraut haben, wie der„Prometheus" nach amerikanischen Zeiffchriften berichtet, einige Bahnen der West- lickien Unionstaaten besondere Unkrautverbrenucr im Gebrauch, die sich mit einer Geschwindigkeit von nicht ganz 2,6 Kilometer in der Stunde vorwärts bewegen und mit Petroleum geheizt werden. Das, Oel wird durch Druckluft zerstäubt und angezündet, und die Flamme durch einen darüber befindlichen Eiscnichirm dicht auf den Boden gedrückt. Dadurch werden die Unkrautpflanzcn und-Keime auf dem Geleise vernichtet. Die Unkosten beliesen sich im vorigen Jahre auf 6,24 M. pro Kilometer, wobei ein Apparat rund 1400 Kilo- meler säuberte nud dabei im Durchschnitt auf je 1,6 Kilometer ein Faß Oel verbrauchte.— Musik. Bei den gegenwärtigen lmigsamen Fortschritten des Ansstellungs- Wesens der bildenden Künste haben die sogcnamiten„EincranS- stellnngen" wohl den besten Gegensatz gegen das bunte Vielerlei der gewohnten Ausstellungen getroffen: Vorführungen von Kunstwerken eines einzigen Künstlers. In den noch langsamern Forlschritten des KonzertwescnS beginnen in gleicher, wenn auch spärlicherer Weise, die, etwa so zn nennenden Einerkonzerle beliebt zu werden, dnnkcnslvert besonders dann, wenn auch das Um und Auf solcher Konzerte einen erfreulichen Gegensatz bildet gegen daS, was sonst üblich ist. So war es am Dienstag mit dem in einfachen Formen allgemein zugänglichen Richard Strauß- Konzert der„Neuen F r e i e n B o l k s b ü h n e". Das Pro- gramni machte überdies unter dem Schlagivort„Die Kunst dem Volle I" auf die gemeinnützigen Bestrebungen des Verbandes anf- merksam. Für den Kritiker ist schon die Anlage eines solchen Konzertes eine freudigcAbwcchSlnug in seinem täglichen, durch die„Viel-Konzerte" erschwerten Amt, und zwar auch dann, wenn mir Geläufiges vor- geführt wird. Diesmal war auch darüber hinausgegangen. Zwar von Novitäten konnte nicht gut die Rede sein, schon iveil des Kom- ponisten jüngste Bestrebungen mehr auf dem Gebiet der sozusagen großen, viele Mittel beanspruchenden Musik liegen. Allein die dies- malige Vorführung dnrchgehendS oder fast durchgchends älterer Werke von Strauß hatte dafür das Interessante, daß man einiger- maßen in die früheren Entwicklungen dieses nunmehr so radikal modernen und selbständigen Komponisten blicken konnte. Das Klavier- gnnrtett op. 13(C-inoll) gab dazu besonders günstige Gelegenheit. Es ist der Hauptsache nach in älterer Art gemacht, hält sich aber in einer überS Epigonische hinansliegcnden Weise vornehm und bringt manche schon ganz merkwürdig eigenartige Einzclhctten, zumal bei dem schcrzoartigen 2. Satz. Doch auch in diesem, jedenfalls be- deutenden Satze stehen neben derartigen Originalitäten Motive und Wendungen von etwas traditionellerer Art; im 3. und 4. fallen solche noch mehr auf, in diesem sogar mit einigen etwaS breiten Stellen. Daß die Herren Hnlir, Müller, Dechcrt und der den Klavierpart spielende Komponist selber ihre Sache trefflich machten, insonderheit mit einer feinsinnigen gegenseitigen Unter- ordnnng. muß um so mehr hervorgehoben iverden, als das ungünstige kleine Podiuni den Klang anscheinend beeinträchtigte. Es folgten Straußische Lieder, gesungen von Frau Strariß-de Ah iia, deren korrekte und ausdrucksvolle Gcsangsknnst an der lebhaften Zustimmung des Publikums jedenfalls einen guten Anteil hatte. Von den drei Liedern(Texte von John Henry Mackay) mnv Sttlilchischc Eigeüavt tuic&cr nicht Aanz a.fcichmnfeig verteilt; so mutete iuciiiflftcii'3 mich dnS Licd„Morgen" moderner an als dir �Heimliche Slnfforderimg". Stuf dem Programm standen noch drei andere Lieder(nach Texten von Dohmel, Henckell, Bicrdamni und die Violinsonnte op. 18. Die bei solchen Vercinskonzertc» übliche Gemütlichkeit, in die sich übrigens die Künstler recht freundlich zu finden schienen, zog den ersten Programmteil so lange hinaus, dast ein liefere-? Hineinschneiden in die Nachtruhe— drausten in Keller-? Festsnle»— den �n urteilen Beauftragten nicht gut znzmnutcu war. <£mc schärfere Präcision in diese» Dingen märe dein konzertgebenden Verein anzuraten. Ans dein hier gezeigten künstlerisch- volks- pädagogischen Weg fortzuschreiten wird jedoch für jeden dazu Befähigten ein grohcs Ehrenverdienst sein.— sz. Geographisches. — Ueber die Insel Kreta hielt in der„Geographischen Gesellschaft zu München" Fran v. Moraivey a»S Wien einen Vortrag, dem. wir nach einein Bericht der„M. Allg.- Ztg." folgendes ent- nehmen: Die Vortragende hat die Insel»ninittelbar»ach Boeudigung der kriegerischen Wirren bereist. Die Insel ist fast diirchtveg mit Gebirgen erfüllt, die sich in die Gruppe» der Weissen Berge sLevka- oris. des Ida und der Berge von Lassiihi scheiden. Diese verdanken ihr Entstehen einer Hebung, die vom Siidraird ausging, der noch jetzt steiler und mizngäiiglicher als der Nordrand ist Der änderst durchlässige Diluvialbode» ruft Erscheinuiigen zu Tage, ivie Ivir sie ini Karst zu sehen gewohnt sind; Wasierlänfe verschlvinden und kommen oft kurz vor ihrer Miindniig lvioder an die Oberfläche. Da sich im Westen Tnlkschiefer und tertiärer Mergel finden, ist hier reichlichere Vegetation vorbände». Ist anch von den Ctzpressenwaldnngcn, die ehedem die Gebirge bis zu den Gipfeln bedeckten, wenig oder nichts mehr zu sehen, so bietet doch 5lreta neben Wein und andren Südfrüchten die reichste Ausbeute an Oel, nämlich 44000000 Kilogramm im Jahr. Leider wurde ein Sechstel der Oelpflanzungen mährend der letzten Aufstände verwüstet. Die Insel wird begünstigt vom herrlichsten Mittelmeerklima. sinkt doch im Winter der Thermometer selten unter 0 Grad Celsius, während die Sommerhitze, namentlich im Osten der Insel, durch einen ständig wehenden Nordwind gemildert wird; die Kreter erreichen daher ein ungewöhnlich hohes Älter: Leute von 90 Iahren und darüber sind keine Seltenheit, die Redneri» traf selbst einen 102jährige» Greis, der noch vier Sprachen beherrschte und allsonntäglich einen be- schtverlichen Ritt unternahm. Rur eine furchtbare Krankheit sucht anch die Bewohner Kretas heim, die Lepra: die Opfer der- selbctr wohnen in völliger Abgeschiedenheit in vier Leprosen- dörfern, ihre Zahl ist von 400 im Jahre 1838 ans mmmrhr 2000 gestiegen, da man ihnen die Ehe untereinander gestattet hat. Herrliche Landjchaftsbilder bietet die Insel allerorten: vor allem wurde auf die großartige Rnndsicht vom Gipfel des Ida hingewiesen: die Siidspltze Griechenlands, selbst Ehpern und die klein- asiatische Küste sind bei klarein Himmel sichtbar. Aicö der Grotte de-? Ida stammen wertvolle Bronzefunde phönizischer Arbeit (Schwerter. Schilde und Lanzen): sie find nebst andren wertvollen Altertümern, wie z. B. Thonsarkophagen, die noch aus der Zeit vor der Feuerbestattung Herrühren, im Museum zu Kanada aufbewahrt. Zu den interessantesten Altertümern Kreta-? zählen nach die ans dein Trümmerfeld des alten Gorthna von Halbherr 188ö ent- deckten sogenannten„Gesetzestafeln des Mino?": es ist dieS eine Inschrift von 28 Fnst Länge und v Fnst Höhe; die 03? Absätze, von denen nur einige 30 fehlen, enthielten genaue Be- stimmnngen über das Erbrecht,' die Gntertremmug Verheirateter und andre rechtliche Materien. Da Kreta seine Killt irr von Süden, von Aegbptcn her, erhalten hat. und Gorthna darun» älter als Knosso? ist,' so kann auch das Labyrinth des Altertums mit dem heutigen identisch sein. Dasselbe diente wohl, früher wie in letzter Zeit, nicht nur als Steinbruch, sondern anch als Zufluchtsort; die kunstvoll verschlnngcucn Gänge sind teiltveise nur l1/2 Meter hoch und führen zunächst in einer Länge von 023 Meter zum Saal„Trapezi", von dort zur 400 Meter entfernten Grotte„Mumide" und von da zum Ausgang zurück.— Technisches. — lieber das Löten, Verzinnen und Verzinken von A l ,l in i n i ü m wird der„Technischen Rnndschau" geschrieben: lim Aluminium mit einem andern Mechll, dessen Schmelzpnukt niedriger liegt als derjenige de-? ersteren. zu verbinden, ist es erforderlich. eine vollständig reine, metallisch blanke Oberfläche herzustellen. Dieses hat seine Schwierigkeiten lind ist anch die Ursache, warum bis heute noch kein der Praxis genügendes Verfahren zum Löten, Verzjiinen und Verzinken von Alinninium gefiinden ist. Gelötet ivird heute meistens mit der Stichstamme oder mit der elektrischen Lampe wird geschiveistt; beide? ist umständlich und anch an Bedingungen geknüpft, die in der Praxis nicht überall erfüllt werden können. Metallisch blankes Aluminium bedeckt sich an der Oberfläche sofort unter dem Einfluß des Sanerstoffs der Luft mit einer Oxydschicht. und letztere verhindert stets eine Verbindung andrer Metalle mit dem Alnmininm. Beim Löten mit der Stichflamme wird diese? Oxyd teiltveise von der Alinniniumoberfläche entfernt, so daß an vielen Stellen eine thatsächliche Verbindung zwischen Lot und Alnminimn vorhanden ist, und an-? diesem Grund ist dieses Löten bis heute auch das einzige praktisch Brauchbare, aber unvollkommen ist die Bcrauiwortliche: Reoaclenr: Paul John in Berlii Lotung mich. Die Oxydschicht erneuert sich sofort, sobald das Metall mit der Luft in Berührung kommt: um also da-? Lot auf das vollständig metallisch reine Aluminium zu bringen, ist es nötig, die Oxvdschicht unter Luftabschluß zu entfernen. Ftir den Luftabschliiß eignet sich das flüssige Lot selbst ausgezeichnet, weiin nämlich der Loter nicht mehr mit dein Lötkolben arbeitet, sondert! der Lötofen oben einen Trog hat, in welchem sich flüssiges Lot(•/« Zink und> Zinn) bei findet. In diesen Trog werden die zusmnmetiznlötenden Stücke hineiugehalten und an den Stellen, an welchen die Lötimg erfolgen soll, mit einen! geeignet geformten Reiher abgerieben, so daß das flüssige Lot mit dem vom Oxyd befreiten Aluminium in Berührung kommt. Daß sich an andern Stellen Lot festsetzt, äst nicht zu be- fürchten, da eben die Onidschickn- davor schützt. GS muß'zuerst da? eine, dann daS andre Stück mit dem flüssigen Lot überzogen werden, dann werden beide Stücke ivicder eingetaucht und zusammen- gehalten. und nach dem Erkalten ist die Verbindung rein und fest hergestellt. Diese« Lötverfahre» gebt schneller vor sich wie dasjenige mit Kolben beim Zinkblechlöten inid ist anch billiger, da Löttvasier und Salmiak nicht in Gebrauch kommen. Soll die Löluitg besonders fest ausgeführt sein. wofür man bisher da? Akmiiniiüm schweißen würde, so wird einfach als Lot reines Zink im Trog flüssig gemacht. Ein mit reinem Zink gelötetes Aliimimumstück hält fester als ein geschtveißkes.— Humoristisches. — V o n der Sek u u d ti r b a h it. P a f f agier:„Das ist aber doch merkwürdig, so oft ich schon mit dieser Bahn fahre— jedes- mal bleibt der Zug auf dieser Stelle da stecken!" Schaffner(flüsternd):„Nu. da toärd'ii Sä's ja schon so tvisien— soll ich Ihnen ooch ä Debbchen Vier mitbringen?"— — D c c a d e ii c e. Gigerl:„Wie beneide ich diesen Mncki l— Mensch hat schon mit iieimzehii Jahren. eine Glatze."— — Sit m m aris ch.(Ans einer Erzählung.) Sie band ihm beim Abschied ein Tuch um den Hals und die' Fürsorge für ihre nnertvachsene Tochter auf die Seele!— („Meggeud. hutn. Blatter") Notizen — Das Deutsche Theater bringt im nächstei! Monat Shakespeares ,.M a e b e t h" zur Ansführinig— — Im O p e r n Hans e findet die Erstanfsnhrmig von ,.5i a i n". Dichtung von Heinrich B n l t h a n P t, Mtisik von E n g'c n d' Albert. in der nächsten Woche statt.— Die erste Ansführinig von Otto Erttsts Komödie„Jugend von heute" im Schauspiel- Hause ist ans den 13. Februar festgesetzt.— — Bon I. I. D a v i d erscheint ein neuer Roman„A m Wege st erbe n" bei Schuster u. Löffler.— � — Eine zlveialtige Komödie„Die neuen Schildbürger" von H. W i c g a ti d hatte bei der Erstaufführniig im B r c m e r Stadttheater eilten starken Erfolg.— — Heinrich Hof ni a n n s.. E d i t h a", eine Sage vom Herthasee in Oratociciiform, hatte bei der Aufführung in D e s f a u, einem Bericht der„Boss. Ztg." zufolge, einen unbestrittene» Erfolg.— —„M a n d r a g o l a", die vor ztvei Jahren in Berlin zum erstenmal in deutscher Sprache nnfgesiihrtc Komödie Rieeoko M a echka b ei Iis, wird in nächster Zeit anch in M ii n ch e n durch den dortigen Akademisch-Drmiiatischen Berem vor geladenem Publik»»! dargestellt werden. Der Stoff dieser allen. Komödie ist nach einer Mitteilmig des Dramaturgischen Instituts" inzwischen dem Libretto einer Operette zu Grunde gelegt worden, die in der nächsten Spielzeit in Berlin zur ersten Aufführniig gelangen wird.— — Das Wiener„Deutsche V o l k s t h e a t e r ist seinen G e i r i it g e r lo?.— — Die Briefe Ferdinand F r e i l i g r a t h s an seine Stief- niutter und au seine Geschwister sind dem Goethe-Tchilter- Archiv in Weimar überwiesen worden.— e. Ein Denkmal f ii r E r ck m a n tt. In Lunöville hat sich ein Komitee gebildet. daS sich die Errichtung eines Denkmals für den bekannten Romancier Erckniann zur Ausgabe gemacht hat. Die Ausführung des Denkmals, besten Kosten durch eine Subskription gedeckt tverden sollen, ist dem Bildhauer Bartholdi übertragen worden.— e In B o st o n gastiert gegentvärtig eine japanische Schmispielertnippe, die Shakespeares„K a n f m a n» von Venedig" in prächtiger AuSstattmig zur Atiffiihrtmg brachte. Die Trirppe will anch„Othello",...Hamlet" und„Richard III. 7 in japanischer Sprache zur Darstellung bringen.— — Von der r n s si fch e n C e n s n r wurde die Ibsen- Biographie von Henrik Inger, deutsch von Zscüalig. ferner daS Drama„W i e man Gutes i h u t" von Charlotte L e f f l e r. deutsch von Sophie Lelvald(deide Dresden und Leipzig. Heinrich Minden) verboten.— :. Druc! uno Vertag von Max Badmg m Berlin.