Mnterhaltungsblatt des Nr. 30� Dienstag, den 13 Februar 190V ■■.,(Nachdnilt verboten). .3°). Vss NAoibevdovk. RaMM«tS t>er Eifcl von Clara V i e b i g. „Soiit Schandan». zoin Schandarm nach Oberkail\" zeterte der 5inster. „Duh kommen cch jao als här," jammerte dcrHmidclsmann. „Tiih sein ech stracks Hingcrennt. tvic onscn Wirt zo Groß- littchen saot. dän Dahler war falsch. Acwer biiii Schandann es net derhäm. Sc saon zn Oberkail, hän war nao Schwarzen- dorn, on in Schwarzenborn: nao Eifelschmitt. Ott hei dän � Slatnuitscheibt saot. hän war nao Carl". ' i.Lao kömmt hän!" schrie Bäbbi ans. sJhre sck>arfen Augen hatten den Schimmer einer Uniform am Waldrand gesehen.„Lao kömmt hän ans ein Bäsch, cch sichn de Knopp blinfmi!" „On c» Framensch haot hän bei sech." brummte schninn- zelnd der alte Krnmnischcidt.„Hä. Hahr Schandarm! Hclao!" „Hollah," brüllte Schmitz,„Sie da l" „Heuer, Feuer," zeterte der Küster. Sie erhoben alle die Stimmen, selbst der geistliche Herr rief. Endlich schien der Oberkailer zu hören: das Frauen- zininler Vcrfchlvand lvie vom Erdboden verschluckt, er selbst sprang in grasten Sätzen vorn Waldrand auf die Straste heninter. Nun kam er angetrabt.— Wer die Knude vom falschen Thaler in?. Dorf getragen,. wnsttc man nicht. Obgleich der Gendarm den Ersttvissern strengstes Stillschweigen auferlegt—„denn," sagte er,„der Hallunke darf bei Leibe keinen Wind davon kriegen, sonst macht er sich dünn"— halle einer doch geplaudert. Wie ein Lauffeuer ging'S von Hans zu Hans:„Wistt Ahr't schnus? Hatt Ihr't als gehört V Iesses, e su cbbeS! Sollt mer't glauwen. En Dahler. cn falsche» Dahlerl" Die Weiber standen alle ans der Gasse: anster Bäbbi war krinc im HanS geblieben. Sic schlugen die Hände überm Kopf zusammen ,n»d rissen Augen und Mäulcr auf. Alle möglichen Geschichten tauchten ans im Anschlnst an den falsche» Thaler: lver was zu erzählen wnstte, erzählte von Nänberu und Mördern und Einbrechern. Selbst der Cchiiiderliannes.. der vor siebzig Jahren zu Mainz Ge kistiftc. lmt leibhaftig wieder auf. Sie drängten sich zn- sammen und schauderte» und machten einander grmilen. Das stimmte und wirrte durcheinander wie ein aufgestöberter Bienenschwarm. Da? Wirtshans win de belagert; die nengicrigcn Gesichter drückten sich an die Fenster, denn drinnen fasten ja die Herren und hielten Rat. lind da war auch der Thaler zu fehern Ärlic der nur ausschauen mochte?! Hie und da mackste sich eine eine AnSrede. znln Beispiel die Tina, die ging keck hinein und kaufte für einen Groschen Klimrpcher(Bonbons), aber eS half ihr nichts, der Krnmmscheidt war ganz verstört und hatte kein Ohr sich ihre Fragen, auch niemand von den Herren rief sie an den Tisch. so sehr sie auch hiuschiclle. Sie kriegte den Thaler nicht zu. sehen. Der Schmitz führte das Hauptwort. Zn seiner Zeit hatte in jlöln einmal ein Falschmünzerprozest gespielt, den gab er nun mit alle» Einzelheiten zum besten. Eine ganze Bande war's gewesen, zehn Mann hoch, mit so und so viel HelferS- Helfern: was AchnlicheS würde wohl auch hier dahintersteckend Immer martialischer wurde das Gesicht deS Gendarmen, er drehte den Schnurrbart auf. dast ihn die Spitzen fast in . die Augen stachen, und fühlte verstohlen nach dein doppcl- -läufigen Revolver, den er unter der Uniform auf der Brust trug.„Im Namen des Gesetzes"— ha. lvie sie zitterten! Darin waren sich fast alle einig, ein Eifeler tonnte der ' Misse thäter"'nicht sein. Der Pfarrer sprach warm für die seiner Kirche anvertrauten Schaf«. Nun war er hier schon dreißig Jahre im Amt. nie. nie war ctwaS BöscS vorgefallen. j Schmitz, als geborener Eifeler. war ganz seiner Ansicht. Ja. drausten waren sie alle raffiniert, aber hier?„Ne," sagte er.„hier sind sc zu ehrlich!" Der Gendarm nickte dazu:„Und viel zu dämlich l" Nur daS Hausiererchen sagte kein Wort zur Entlastung . der Einheimischen, der hatte die praktische 5keiuttiijS für sich. .Er stöhnte und jammerte,.am meisten darüber, dast der Gendarm den Thaler eingezogen. haste, hin. ihn feinem Vorgesetzten, dem Obcrgendann zu Wittlich, abzulicfcni,„Ich. Jest." klagte er. ,.dnh sein. ech vom Räjen unncr de Tranf kommen! Hahr Scha—Schtzn— dann— cch will mein Dahler re— rednr!" Er lallte schon, sie hatten ihm'zum Trost wacker eingeschenkt, Heute brannten die Lichter in den Häusern länger denn je. mir Pittchens Hütte lag still und finster. Spät in der AbenddanuNening war Zeih in? Dorf ge- schlichen. Ungesehen hoffte sie heimzukommen, aber schon wurde sie angehalten.„Hatt Ihr't gehört? Hatt Ihr't gehört vom falschen Dahler?"..". Wie eine Bonibe fiel sie daheim in die Stube, lvo Pittchen gner übenn Bett lag. die Augen starr gegen den Deckbalken gerichtest Er hatte eben den Rausch der vorigen Nacht ausgeschlafen, nach der Friihmeffe war er erst heim- gekammen; nun schmerzte ihn der Schädel noch. Stumpfsinnig brütete er: als er feine Frau erkannte, schnanzte er sie an: „Wuh haste dech Widder cnimgedriewen?" Sic achtete gar nicht darauf, gleich platzte sie mit der Neuigkeit heraus:„Haste't gehört? Sc haon cn Dahler, cn falschen Dahler gestinnen l Sc sein dem.Kerl als uf der Spur." In gransenvollcm Entzücken schlug sie die Hände zusammen. „Dän' hängen sc us. wann se den krtehn l Pittchen, wat saofte nau?" Keine Antwort. Sie beugte sich über.ihn— schlief er schon wieder? „Pittchen. en falschen Dahlcr l Denk ehs st Hörste dann net?" Sie packte ihn am Ann. „Ech hören." Ihre Hand zurückstostend, richtete er sich mühsam ein wenig auf. seine Stimme klang heiser. „Nä, dattstc Dech aach e su wenig inderessierst." sagte sie ordentlich beleidigt,„e su ebbes passiert doch net alle Dag k Denk ehs, wann sc dän frichn, buh"— „Wäii es et dann?" Sich auf den aufgestemmten Ell- bogen stützend, sah er sie stier an.,_ „H»h." kreischte sie lachend,„maachst dau cn Visasch! Eweil könnt mer sech jao graulen!" „Wän cS et— wat saon se?" stieß er hervor. Seine Lippen zitterten, seine Hände auch. Sie zuckte die Achseln:„Dat waast ech net. Aewer ivaart"— sie ergriff gern eine Gelegenheit, wieder fortzu- kommen—„ech giehn noach ehs on hören mech att!" Schon war sie zur Thüre hinaus. Allem! Er stöhnte auf tn verzweifelter Wut. mit einem Satz war er ans, dein Bett und nebenan in der Kammer. Mit angstvoll priiseudeni, scheuen Blick sah er sich um— nichts zn entbocken! Friedlich lag sein Handwerkszeug auf den Tffch, das niedrige Oefchcn stand an der Wand, der Schemel daneben— sonst alles leer.-- Erleichtert atmete er auf. Aber da. da in der Ecke, wo Lehm und Steine, von der bröckligen Maurer herabgefallen, einen Schutthaufen bildeten! Stechend bohrte. sich sein Blick dort ein. Und dann räumte er in fiebernder Hast den Schutt in eine andre Ecke. rist dort von der Wand noch mehr dazu, und liest dem schmutzigen Estrich der ersten Stelle unbedeckt. So.war fie nicht verdächtig. In einiger Entfernung ging drallsten jemand vorüber, dumpf hallten die Schritte, Was, was, paßten sie ihm gar schon ans?! Wie der Blitz fuhr er ans und verlöschte daS Licht. Mit angehaltenem Atem schlich er im Dünkolu ans der .Kammer in die Stube zurück, und aus der Stube an die Hausthür. Vorsichtig öffnete er sie spaltbreit und lauschte nach dem Dörst hinunter. Flimmernde Lichter und Hunde- gebest, verworiene Stimmen und Rufen und Lachen. Blätter säuselten im Nachtwind. Durch das Gras huschte etwas: er schreckte ziffammen. Was. war das?! Ach..nur eine Katze, die den geschmeidigen Leib über den thaufcuchten Rasen zog und sich, leise raschelnd, unter' in nächsten Zaun verkroch. Mit bebenden Fingern strich er das wirre Haar ans der Stirn, und dann stahl er sich, gewandt lvie die Katze. im Schutz der Hecken zum Dorf hiniuiter und verschwand/ jeden Lichtstreif, der aus den Fenstern fiel, vermeidend, hinter dein ersten Haus. XIIL Das Kreisblatt zu Wittlich hatte eine Warnung erlassen, und die genaue Beschreibung des falschen Thalers stand dazu gedruckt: auch im Dauner Kreisblatt wars zu lesen. Ein Panischer Schrecken hatte die Bevölkening ergriffen, manch Väuerlein rannte nach der Wittlicher Sparkasse und ließ von den Sachverständigen daselbst seine paar Thälerchen prüfen. Sonst hatte man der Sparkasse nicht so viel Vertrauen geschenkt, da schienen die Thaler viel sicherer daheim im Kasten, warm unterm Bett, oder im Strumpf zu unterst in der Lade. Auch der Krummscheidt begab sich nach Wittlich und borgte extra dazu das Chaischen vom Pauly zu Oberkail, den Sparkasten stellte er neben sich, sorgsam mit einer Decke verhüllt; als er durch den dunklen Wald fiihr, setzte er sich darauf. Ein geschlagener Mann kam er heim. Elf von seinen Thalern waren falsch I Die hatten sie gleich dabehalten zu Wittlich und hatten ihn ausgefragt, daß ihm der Verstand knackte; er dachte nach und dachte wieder nach, aber wie sollte er's noch wiffen, von wem er die Thalcr bekomnien. Und der Obergendarm hatte ihn unter Drohung gefänglicher Ein- ziehnng zum Stillschweigen verpflichtet. Das war das bitterste, nicht einmal erzählen durfte er's I lFortsetznng folgt.) NÄknvtviTenfchaftliche Mvbrr�rchk. Von Curt Grotte Witz. Uusre Erbe mag in ihren Tiefen noch«nerincßliche Schätze ent- halten. Führt doch der Umstand, daß das specifische Gewicht nnsers Planeten nach seinem Mittelpunkte hin immer mehr zunimmt, mit einer großen Wahrscheinlichkeit zu der Annahme, daß in der Tiefe die schiverfien Metalle, darunter auch die Edelmetalle aufgehäuft sind. Allein wer kann zu dieser Tiefe gelange», in der die Temperatur eine alle Vorstellung übersteigeude Höhe erreicht I Ader auch in den oberen und leichter zugänglichen Schichten der Erdoberfläche sind ohne Zweifel noch ungeheure Massen wertvoller Substanzen ent- halten. Doch auch diese oberen Schichte» sind ja nur au vcr- schwindend wenigen Stellen wirklich durchsucht worden. Denn wie gering ist das Terrain, das die Bergwerke oder Brunnen einnehmen rm Verhältnis zu der großen Erdoberfläche, die nie auf nur einen halben Meter Tiefe dürchiviihlt worden ist. In den europäischen Ländern hat man ja allenthalben von Staats wegen eine geologische Ausschließung des Bodens ausgeführt, allein diese erstreckt sich doch im allgemeinen nur auf wenige Meter Tiefe. Aber selbst so nahe am Tageslicht enthält der Boden sehr viele brauchbare Stoffe. Es sei nur an den Torf erinnert, dessen Bedeutung allerdings durch die Billigkeit andren Feuenmgsmaterials sehr gesunken ist und sich nur allmählich durch die Verwendung für andre Zwecke wieder hebt. Obwohl nun für die Wiffenschäft der praktische Wert eines Stoffes von untergeordneter Bedeutung ist, so giebt er doch in vielen Fällen der Forschung die Veranlassung, ja die einzige Möglichkeit, sich mit der betreffenden Substanz zu beschäftigen. Und auch ganz nahe der Oberfläche giebt es noch mancherlei seltsam« Stoffe, deren Zusammensetzung oder Entstehung von großem Interesse ist. So lenken G. Krämer und». Spilker in den Berichten der Deutschen chemischen Gesellschaft(1899, S. 2940) die Aufmerksamkeit auf eine Erdschicht, die sich unter dem Grunde eines Sees in der Uckermark befindet. Der See, der zum Terrain des Gutes Ludtvigshof gehört, fft jetzt wasserlecr. Sein Boden besteht ans Torf und erst unter diesem befindet sich eine Schicht, die wegen ihres Stickstoffgchalts als Dünger benutzt wird. Diese Schicht nun, die durchschnittlich fiebeu Meter Mächtigkeit besitzt und aus einer graubraunen, fettigen, zu einer hornartigen Masse eintrocknenden Substanz besteht, stellt ein Lager von Diatomeen— mikroskopisch kleinen Kieselalgen— dar. Erdschichten, die ans den Uebcrrcsten von Diatomeen bestehen, sind keine Seltenheit, diese Pflauzenkolonien setzen im Gegenteil sehr weit ansgedehute Steinniassen der Erdrinde zusammen. Eine Bedeutung aber erhält diese Diatomecnmasse in der Uckermark erst dadurch, daß es den beiden Forschern gelang, ans ihr mittels Benzol eine Substanz herauszuziehen, die dem Erb- wachs außerordentlich gleicht, das in Galizien in der Nähe der Pcttoleumlager gesimden wird. Die aus der Diatomecnmasse gewonnene'Substanz ist gleich wie da? Erdwachs Paraffin- artig, schwarzbraun, fettglänzend und sie schmilzt bei 50 bis 70 Grad. Das wichtigste ist aber, daß sich aus dem Diatomeenwachs ebenso wie aus dem Erdwachs(bei der Destillation unter Druck) Petroleum gewinnen läßt. Nun ist zwar dieses ans Diatomeenwachs erhaltene Produkt nickt ganz mit dem in der Natur vorkommenden Petroleum identisch. Aber der Unter- schied ist doch so unwesentlich, daß die Untersuchungen Krämers und Spilkers zu einer neuen überraschenden Ansicht über die Entstehung des Petroleums führen, lieber diese Frage bestehe» mehrere Meinungen. Nach derjenigen, die bisher die meiste Wahrscheinlichkeit fiir sich hatte, ist das Petroleum eine Umwandlung tierischen Fettes. Irgend eine Meeresbucht wurde durch einen sich bildenden Damm vom weiten Ocean abgeschnitten. Das Wasser verdunstete, und der Salzgebalt wurde dadurch immer stärker. Wird nun durch irgend eine Katastrophe der Damm zerrissen, so ergießt sich die starke Salz- lösung in das Meer und vernichtet hier auf weite Strecken alles Leben. Die Kadaver sinken zu Boden und werden allmählich mit Ab- lagenmgeu bedeckt. Kommen nun diese tierischen Ueberreste im Lause der Erdepochen in die warme Tiefe, so findet eine Destillation der tierischen Fette unter dein Druck der darüber lagernden Erdschichten statt, und es entsteht so das Petroleum. Allein es ist doch immer sehr fraglich, ob hierbei so große Tier- massen nbcreiuandcrgehäuft werden, daß wirklich so reiche Petroleum» quellen entstehen können, wie sie beispielsweise in Nordamerika und in Südnißland vorhanden find. In dieser Beziehung ist die An- nähme Krämers und Spilkers weit einleuchtender. Abgesehen davon. daß hier aus dem Erdwachs wirklich Petroleum dargestellt werden konnte, erklärt das rasche WachSttnn der Kieselalgeu auch den Reichtum der Petroleumqnellen vollständig. Denn schon die Menge Erdwachs, die in dem See bei LudwigShof anfgcspeichcrt ist, kann auf 4 Millionen Centtier veranschlagt werden. Es steht aber nichts der Annahme entgegen, daß sich ähnliche Snb- stanzen wie in diesem See so an vielen andern Stelle» der Erde in beliebiger Ausdehnung gebildet haben können. Es mag vielen auffallen, daß die wertvollsten Produkte der Erde, Gold, Silber, Eisen, Kohle u. a. meist in gebirgigen Gegenden gc- fuudcn werden. Es liegt dies lediglich daran, daß in Gebirgen uralte, ans der Tiefe der Erde stammende Gesteinsschichten, die lvichtige Mineralien enthalten, in die Höhe gestülpt sind und daher leicht gefunden werden konnten. In der Ebene dagegen liegen diese Schichten tief unter Tage, und was sie an Kost- barkeitcn enthalten, das könnte nur durch sehr kostspielige Bohrungen und Untersuchungen erschlossen werden. So ist zum Beispiel die norddeutsche Tiefebene meist mehrere Hunderte von Metern hoch mit dem ziemlich wertlosen Glctschergervll der Eiszeit überschüttet. Dieses also muß zu- nächst durchbrochen werden, ehe nian auf den eigentliche» Boden dieses Tieflandes gelangt, auf die in tertiärer Zeil gebildeten Snmpflandschaften, die an mehreren Stellen als Braunkohlenlager erhalten sind. Was unter diesen tertiären Schichten vorhanden ist, das ist freilich nur an lvenigen Stellen erschlossen. Es ist aber au- zunehmen, daß sich in der Frühzeit der Seluudärepoche, in der so- genannten Triassorination, noch allenthalben in der norddeutschen Tiefebene Muschclkallschichten finden iverdc»,>v!e sie bereits jetzt in wenigen Lagern, vor allem in Rüdersdorf bei Berlin, bekannt sind. Der Rüdersdorfcr Muschelkalk ragt als einsame Berginsel aus dem Geröllmeer der EiSzcit hervor und eben diesem Umstand hat er es zu danken, daß er früh- zeilig entdeckt lvurde. Außer diesem Berge ans triadiscber Zeit ist östlich der Elbe im norddeutschen Flachland kein andrer lw- kannt. Trotzdem ist es sehr wahrscheinlich, daß auch nndcc Erhebungen ans jener Zeit nahe an die Oberfläche, aber doch nicht so weit an das Tageslicht trete», daß sie bisher aujgcssindcn ivorden wären. Für das Vorhandensein solcher Muschelkalkbcrge spricht ein merttvürdiger Fund, den W. Deecke in den Mitteilungen aus dem naturwissenschaftlichen Verein für Vorpommern und Rügen bc- schreibt. Es sind zivei Kalksteinstücke, die bei Neubrandenburg in Mecklenburg gesimden Ivurden.' Das Kalklager, von dem diese Steine stammen, braucht sich min nicht gerade in der Nähe des Ortes zu befinden, an welchem die Sleiue aufgelesen wurden. Denn diese find offenbar zusanunen mit dem Gesteins- Material, daß die Eiszeitgletscher aus dem Norden herbei- führten, verschleppt lvordeu. Die große Sandmeuge und die Feldspatart.— Mikrokli«—, die diese Kallsteiue enthalten, sind ein Beweis dafür, ja sie deuten darauf hin. daß das Geröll, welches die Steine von den, Kalkberge abschlug, von den mikroklinreichen Graintfclsen Bornholms, Blekinges oder SmalandS stamme. Der Kalkberg mag also auf der Linie zwischen Renbranden bnrg und der Insel Rügen zu suchen sein. Freilich kann niemand wissen, ob er sehr weit heran bis an die heutige Bodenoberfläche ragt oder ob er von dem gleitenden Glctschergeröll nicht bis auf eine große Tiefe hinab abgeschliffen und abgetragen worden ist. Merkwürdig ist es, daß dieser Kalkbcrg etlvas später abgelagert sein muß, als der Rüdersdorfer Muschelkalk._ Er enthält nämlich nicht genau dieselben Versteineningen Ivie dieser, er ist vor allem reicher an Fisch- und Sanncrresten und schließt sich eher thüringischen Muschelkalkschichten an. Die Ablagerungen dieser unbekannten Kalkschichten lassen darauf schließen. daß sie in belvcgtem, nicht zu tiefem Wasser, aber doch fern von der Küstenbranduug erfolgtem Die Erde mag nun unter ihrer Oberfläche noch so viele Schätze verberge», ja es mögen sogar die Stellen genau bekannt sein, an denen sie zu finden sind, immer wird es heutzutage doch die erste Frage sein, ob es auch lohnt, jene an das Tageslicht zu fördern. Der Bergbau ist eine höchst komplizierte und kostspielige Sache und wenn nicht ein Profit dabei hcranskomnit, so läßt jeder die Schätze liegen, wo sie sind. Oft freilich steigert die wirtschaftliche Konstella- tion den Wert irgend einer mineralischen Substanz, und dann wird eifrigst danach gegraben. So habe» die überaus seltenen Elemente Thor und Cer,' die noch vor kurzem kann: ein Chemiler beachtete, jetzt infolge ihrer Verwcndn»� zu Gliihsirninpfen fkr Bcleiichtungszwecke eine grotze Bedentmig gewonnen und sind natürlich im Werte ganz gewaltig gestiegen.' Znm Glück find andre Erdschütze so hänfig vorhanden, daß sie auch bei reichstein Verbrauch nicht zu erschöpfen find. Die Thonerde, ans der das Almnniinm gewonnen wird, ist durch die zunehmende Fabrikation dicieS Metalls nicht verteuert worden. Auch Wasser- und Sauerstoff, die der Mensch doch ebenso nötig braucht wie das tägliche Brot, sind merk- würdigerweise noch umsonst zu haben, wenn auch schon Waffcr in manchen Fällen znui Gegenstand des Handels gemacht wird und der Plan niehrfach aufgetaucht ist, die große»! Städte mit Sauerstoff zu versorgen, d. h. ihnen solchen zu verkaufen. Wasser fehlt dabei wirklich in vielen Gegenden und oft ist es mlr aus sehr tiefen Brunne» oder durch sehr innständliche tcbcwerke nnd ivcitreichcnde Leitungsrohre zu beschaffen. Sauer- off dagegen erscheint uns weit unerschöpflicher, aber doch ist es deknnnt, daß in Großstädten auch daran ein Mangel ist, der äußerst gesundheitsschädlich wirkt. Sauerstoff ist dabei derjenige Stoff, der auf der Erde, soweit wir sie nach ihrer Oberflächeubeschaffcnheit kennen,»vcitauS der häufigste ist, ja ein Drittel aller Erdrinden- snbstanz beträgt; die Menge, die in der atmospbärischen Luft e»t- halten ist, wird dagegen häufig überschätzt. Gerald StvncH berechnet im»Philosophical Magazine" sl8L9 Ser. 5, Vol. 47) den Gebalt der Atmosphäre sowie den der Erdrinde nach Ge- wicht. Da die Atmosphäre, die 22.7 Prozent Sauerstoff cnt- bält, einen Druck von l033 Gramm durchschnittlich auf jeden Qnadratccnlimctcr der Erdoberfläche ausübt, so beträgt die Menge Sauerstoff, die sich in jedem Quadrateentimeter des Erdbodens be- findet, 234,S Gramm. Ebensoviel Sauerstoff aber enthält bereits eine mir 264 Eentinictcr tiefe Wagcrschicht. Eine Erdschicht ferner von derselben geringen Mächtigkeit enthält in ihrem Gestein, über- Haupt in ihrem Boden in der Regel noch mehr Sauerstoff als selbst das Waffer. Daraus folgt, daß die Erdrinde bis zu der geringen Tiefe von noch nicht drei Metern ebensoviel Sauerstoff enthält, wie die ganze Atmosphäre, die über ihr ruht. Man kann init großer Sicherheit annchincn, daß die Erdrinde mindestens 27 Kilometer dick ist und daß sie überall aus Gestein besteht, das den uns bekannten ähnlich ist. Alsdann enthält die gesamte Erdrinde mehr als zehn- tauseiidnial so viel Sauerstoff wie die Lust. In der Erdrinde ist allerdings dieses Lebenselcment chemisch gebunden und daher für die menschliche Lunge unverivcndbar. Obwohl nun Mensche» und Tiere unaufhörlich von dem geringen Vorrat an freiem Sauerstoff, loie er fich in der Luft befindet, zehren, so lvird dieser doch nie erschöpft, da die Pflaiizenivclt das Quantum, das Menschen und Tiere vcr- brauchen, der Luft immer von neuem zuführt. Ausgaben und Ein- nahmen stehen hier glücklicherweise noch inuner in einem erfreulichen Gleichgeivicht,—_ Kleines Feuilleton. — DaS Ende eines FrcihcitSbalimrS. Wir lesen in der .Züricher Post": Kaum war der König Lndivig Philipp in den letzten Tagen des Februars 1848 verjagt, so begann man Freihcils- bäume z» errichten. Die Geistlichkeh gab dem Zeichen ihren Segen, was freilich nicht hinderte, daß die Bäume raich verdorrten. In Paris erstand der erste derselben mitten vor dem Haupt- enigang der Tnilerien. Ter Thronseffcl,»velchen man nachher ans dein Knrnsselplntz verbrannte, wurde nm ihn herum getragen und die Menge sang die Marseillaise. Der Banm, eine schlanke Birke aus dein Schloßpark, wurde mit flatternden Bänden! geschmückt. den Gipfel zierte die phrygische Mütze. Eine Deputation erstattete der Stcgicrinig Kunde davon nnd wurde belobt. Dararif erhielten das Hotel de Ville, sämtliche Maine» nnd schließlich fast jeder öffentliche Platz eine solche Zierde. Aber bald zitterte die Repnhlik vor innerer.Entkräftnng. Die Polizei hieb viele Bäume um.ans Rücksicht für den Verkehr", und nach der Iimijchlacht fielen auch die übrige». Nach dcni Staats- streich suchte man ninsonst nach der schönen Erinnerung. Ein einziger Freihritsbanm stand in Paris noch aufrecht, eine Ulme, und zivar im Poissonniörc-Qnarticr vor der Paffage d» Caire. Er ward nicht beachtet von den Organen der Ordnung, hatte nichts Auf- reizendes an sich nnd Iväre vielleicht in Ehren alt geworden— aber da kostete ihm ein loser Streich das Leben. An eine»! Maimorgen des Jahres 1858 wehte eine mächtige rote Fahne mit der In- schrist:.Zum Gedächtnis BnndinS" von seinen Aesten her- nnler. Es war jener Abgeordnet« Dr. Bändln gemeint, der im Dezember 1851, als er das Volk zu den Waffen rief, auf einer Barrikade den Tod fand. Der Anblick Ivar zu interessant, als daß die Pariser nicht in hellen Haufen herbeigeströmt wären. Die Polizei aber rückte im Sturmschritt an, das Terrain zu säubern; ihr folgte ein Trupp Arbeiter mit einem Karren: der Freiheitsbaimi, welcher sich zum Dank dafür, daß man ihn vergesien, so schnöde bc- nominell, Ivar gefällt, mitsamt den Wurzeln ausgehoben, aufgeladen »nd wegtrnnspörticrt. Die Masse johlte nnd pfiff, einige Burschen wurden abgefaßt. Man ebnete gleich die böse Stelle, pflasterte sie, und aus war die Geschichte. Verschiedene Blätter brachten eine kurze Notiz, mehr nicht; die Preffe hatte damals alle» Grund zur Schweigsamkeit. Ein kleines Nachspiel blieb indessen nicht ans. Es Ivnrde ein Fingblatt kolvortiert, ein scharf gepfeffertes Gedicht auf den gesellschastsrcttenden Akt, nach dessen Provenienz die Häscher sich leidenschaftlich erkilndigten. Man schrieb es vielfach Bäranger zu, sprach doch zu viel, eigentlich alles gegen die Annahme, daß es von dem greise» Chansonnier her, nhrte. Mehrere junge Deutsche hatten damals in Paris einen littcrarischen Klub gegründet, welchem auch A. Ebeling, der Ver- fasser der Denkwürdigkeiten ans der Zeit der zweiten französischen Empire, angehörte. Sie versammelten sich, erzählt er, in dem Cass de la Rotonde des Quartier Latin, wo hauptsächlich Studenten verkehrten. Diese Deutschen hatteills>i"t angesehn, wie der Freihcits- bauni niedergemetzelt worden war, nnd um so lebhafter interessierten sie fich deshalb für das Poem, welches ihnen heimlich in jenem Lokale zugesteckt wurde. Man beschloß, es ins Deutsche zu übertragen, und die beste Ucbersetzung sollte mit einer Bowle Glühwein gekrönt iverdcn. Mehrere Proben wurden rasch geliefert, doch fand keine rechten Anklang. Da zog eines Abends der ebenfalls znr Runde zählende Vorleser Heinrich Heines ein Papier ans der Tasche nnd trug den Freunden das„Grablicd" in einer Verdeutschung vor, die sofort zündete. Ebeling teilt dieselbe mit: Man hat ihn umgeschlagen. Den stolzen Freiheitsbanm, Noch eh' er Frucht getragen.. Es Ivar ein schöner Trau»!. tliid als das Beil. das blanke, Den reinen Stamm berührt, Da kam uns der Gedanke. Wer wohl den Schlag geführt. Der jüngst mit Mordgeselle» Die Republik besiegt, Kann einen Baum wohl fällen, Der schnell am Boden liegt. Sitzt jetzt auf goldnem Throne Gar frech im Königshaus, Trägt die stibitzte Krone, Der Dieb, und lacht uns aus. Ja, wenn der Hut alleine Und weil» der Rock es thät', Dann wärst Du eine feine Eäsareimiajestät. Doch nnter'm Rock, da drohte Sein Schwertals Weltgeschick, Und unter'in Hut, da lohte Sein Jmperatorblick. Von all dem nichts, Gevatter, Hast nichts von Königsart, Vom großen Heim qaatre Auch nur den Ziegenbart. Geduld I und stets im festen Vertrauen auf der Wacht: Noch immer hat am besten, Der, lver zuletzt gelacht. Die Fahne bleibt, die rote, Dein Volk als Hoffnungshort, Und auch der große Tote Lebt unvergessen fort DaS Beil laßt nicht verderben, Bis es dereinst zum Lohn Ihm schlägt in tausend Scherben Die Krone mit dem Thron I Der Jüngling, welcher mit dieser Ueberraschnng aufgewartet, war so wenig zum Dichten veranlagt, daß niemand in ihm den Thäter vermutete. Eher neigte man sich zu der Ansicht,— sie lag auch nahe genug— Heines Feder habe das geleistet. Doch jener bestritts, erklärte, die Strophen seien anonhin dein Dichter zu- geschickt ivorden, nnd dieser habe ihm die Kopie gestattet. Es klang dies etwas dunkel, und Heine selbst drückte sich zu Ebeling, der bald nachher ihn besuchte, nicht klar ans. Ob er sich ivirklich in seiner Matratzengruft noch eine» Scherz erlaubte? Wahrscheinlicher ist, daß er dabei mithalf.— Theater. Freie Volksbühne: Hamlet von Shakespeare. In dem cinleitciideii Feuilleton, das wir vor einigen Tagen brachten, legten wir dar, warum Hamlets große Natur nicht so ohne weiteres durch den Mord des Lnmpenkönigs befriedigt werden konnte. In Laertcs sehen wir Hamlets nnd seiner Sache Gegenstück. Der Sohn des Polonius ist ein junger tbntkräftigcr Mensch mit Durchschnitts- bildnng nnd mit Durchschnittsgeist. Wie er vom Mord seines Vaters er- fährt, reißt er sofort den Degen aus der Scheide, mn den Mörder über den Hausen zu rennen nnd hätte er es vollbringen können, wäre die Welt für ihn sofort wieder in Ordnung gewesen. Shakespeare hat den Gegensatz LaertcS-Hamlet mit klaren Worten so klar bezeichnet. daß eigentlich jeder Streit über den Hamlet schiveigcn muß, sobald der Gegensatz begriffen ist. Er ist aber nichts andres als eine besondere Form des Gegensatzes zwischen Diirchschiiittsintclligenz und Genie. Hamlet besitzt die Eigenschaft, die nach Schopenhauer jedes Genie besitzt, die Eigenschaft nämlich, sich überfein persönliches Schicksal erheben nnd mit der Allgemeinheit fühlen zn können. Der Tod des gekrönten Lotterbuben würde seine Weltanschamliig nicht im geringsten bestimmen. Der Umschwung in seinem Denken und Fühlen, seine Melancholie und sein pcsfiniistischcr SarkasnmS beruhen auf der Er- kenntnis der allgemeinen Nichtigkeit nnd Schlechtigkeit der Welt. Hat man einmal diese geniale Natur Hamlets erkannt, so ist auch der tragische Siimj seines Todes ohne iveitcrcS klar. Fiele er nur einem Bubenstück zum Opfer— was wäre das? Ein Fall, der in die Chronik der unglücklichen Ereignisse gehörte und weiter nichts. Hamlet fällt dem zum Opfer, was feines Wesens Adel nnd Krone ist: seinem Genie. Eben Iveil er eine geniale Natur ist, reißen ihn die Ereignisse aus allem heraus; eben iveil er die Welt anschaut nnd das Ganze überschlägt, versieht er sich in Dingen, in denen der unverfrorene Lacrtes sich nie versehen würde. Und somit lvird er schuldig. In seinem Genie wurzelt seine Schuld. Aus seinem Genie wachsen die Schatten, die ihn so mächtig umdunkeln, daß er die Welt für ein Gefängnis hält und den tapfern Degen sinken läßt. Seine Schuld imirzclt in seines Wesens bestem Teil nnd wenn wir ihn auch nicht lossprechen könne», rinnt an seiner Leiche doch Hegels Wort durch unser Belvnßtsein: es ist das Vor- recht großer Seelen, so schuldig zu»verde». SBcim mau die.Aussiihruug der /Freier» Valksdiilme" kritisiere!» tvill.»i!is> mau natürlich all die Nachsicht tvakten lassen, die einer 'Vnhuc gediihrt, die unicr den dctlkbar schlvierijrsten Ilinsiändru ideale .Ziele verfolgt.. Wir lvnbien von vornherein, dajz Ivir niancheS vcr- missen iniiszten, lvas u»S lieb geworden ist. Wir wnstteu, daß die Bühne des Carl Weist- Theaters uns manches schuldig bleiben würde. und unser Wissen hat fidi bestätigt. Trotz alledem blieb vonHamlci genug übrig, um die Herzen zu ersreiren. Dast manches zu nninschen i war, soll unten in einer Weise ausgesprochen lverden, der man .zum»lindesten leine Uiillarhcit znni Borivurf machen kann. /Der Träger des ganzen Abends war Eduard von Winter- .stein, der' den Hamlet spielte. Ohne ihn oder ohne einen gkeichwcrl'gen Schauspieler, wäre die Sache- einfach ".nicht möglich gewesen. Er blieb der Nolle innucheS schuldig,', aber lvelchcr Schauspieler bliebe den» Hamlet nicht? schuldig? Seine Ülicloiicholic war clwas weicher Art. Besonders i» der Toten- gnibersccne trat das hervor. F�ilich'st Hamlet hier mclan- cholisch: freilich senlt sich die Nacht.auf feinen Gleist; aber durch die Nacht rollt der Donner dcS Grolls und durch die Nacht zucken die grellen Blitze des Hasse? und der Verzwciflnng. Die sterbe Grvste fehlte der ganzen Leistimg. Immer aber lvm Winlcrstein cu« Künstler, der erschütterte und hinrist und Momente von pracblvoller Feinheit- hatte. Neben ihm ist zmiachst. Frau. Pank-Stcinert als Ophelia zu nennen. Frau Stcinert war, loa? sie immer ist, eine dcccute und feine Künstlerin, die niemal? die Bescheidenheit der Natur verletzt. Am Ende könnte sie hier und da etwas mehr Ton nehmen, mcht'niu der Kunst willen fach nein!), sondern um mit den Nanniberhältnissen de? Carl Weist-Thcaters zli rechnen. Herr K o b e r spielte den Poloiiiu? recht humorvoll, wobei er freilich von einem alten Komikerrecht— auf bfii Sonflenr zu spielen nämlich einen etwas.ausschweifenden Gebranch.,»achte. Voll st».immöglich waren die.Darsteller des L a e r t c s npd. de?.H o r a t i o. Derartige Leistungen inüstten und müsscii iii Znknnft in der..Freien Volksbühne" einfach ausgeschlossen sein-. Herr Stein ert hat als Regisseur die verdanimte Pflicht und Schuldigkeit, entweder vor seiner Aufgabe die Waffen zu strecken oder derartige aschetische Verbrechen zu hindern. Bon Herr» Pauly kann er am Ende nicht verlangen, dast er den König Claudius rechtschaffen spielt, Ivohl- aber könnte»iid luüstte er verhindern, dast Herr Pauli) die Reden der Königin. statt seiner eignen, aus dem Sonsslcnvkaste» holt. Vielleicht lieste es sich"alich erreichen, dast der Geist de? gemordeten jlönigs Uns mit senreln unterirdischen..Schwört" beglückt, ohne das Herr W i« t e r st e i u ihm ziveimnl das Stichwort hcrabrnfe»»inst Ebenso halten Ivir es- für keine zwiilgeude Notwendigkeit, dast dic Statisten hlilter der Scenc— beim Auftritt de? Lüertes— eist-zu lärmen anfangen, nachdem bereits der König sich»ach dem Lärm crkiuidigt hat. Das ist au gewissen rcisenden Bühnen ja ein ehr- würdiger Brauch. In die„Freie Volksbühne" möchten wir ihn abe» doch lieber nicht eingeführt ivifseir.— E. 8. Psychologisches. — Was(vir t r ä u n.l e n! Man schreibt der„Franks. Ztg.": Im setzten Heft. vo>l„Longmans Rtagazi»«" spricht H> G.-Hutchinson mit Recht seine Verlvniidcrinig darüber au?, dast die vielen Gelehrte»!. die die Trämiie bchandcl», sie nicht»ach ihrem Inhalt ordnen und betrachten. Wir träumen zwar alles Möstliche und Ilmnögliche. aber c? ist doch merkwürdig, dast gewisse Tränine bei»»■:■ Uiid bei andern immer wiederkehren. Ein solcher Tran»» ist das Fliegenkönnen: man kbinmt ans dem Laiisen ins �Schwebe» und Fliegen und genießt stolz diesen Vorzug- vor audetu Menschen. Ei» aiidrcr typischer Tramu, ist,., dast. wi» iniS im Hemde oder sonst in maugelhaftcr Bekleidung vor den Leuten zeige» müssen; nicnials aber tramncn wir, dast ivir ganz nackend sind. Hntchinson gicbt noch fünf älltjenieilie Inhalte an: t. Ma>! sinkt iii eine Tiefe, fällt von cincni Abgrund oder die Treppe hin- Hilter, 2. Man kann nicht Iveg von einem ivildcn Tier oder cinei gefährlichen Person oder Sache. 3. Rkan ivird unwillkürlich zu eine, gefährlichen Stelle, zmn Beispiel einen> Feuer hingezogen, s. Ein LieblingSivuiisch wird erfüllt. 5. Man will ans Reisen gehen nnt bekommt die Sachen nicht in den Koffer oder tvird sonsi behindert. Wir Delllschen könnten noch einige Nninniern an- fügen, z. B. ivenn wir Soldaten gcivese» sind," daß»vir antreten sollen und imser Geivehr nicht finden köimen oder daß unser Anznii nicht in Ordliimg ist. Haben wir höhere Schulen besucht und Examina überstanden, so tverden misre friihere» Mängel an im? noch im Trainnc bestraft: ivir sollen in Mathematik oder im Latein etwas leisten und sind-uns«usrer Schwäche ivohl bewustt- fchaiien dein alten Lehrer in? Auge, bis»Iis der erlösende Gedanke kommt, daß ivir nnsre Exanuiia ja langst bestanden habe». .Sodaiiu fehlt in der englischen. Liste, noch der. Tranni, dast Wir lins nicht Vom Flecke bewegen können) wobei eine Gefahr nicht »orhaikden zu sein braucht. Diese Empfiiiduiig der llubeweglichkeit ist wie dte der' maligelhafteu Beileidlmg ja leicht als ein hakbeö Beionsttseiii de?->virklichc>l-gnst«mdes- zu erklären,. aber»varuul»vi» ini Traume fliegen können oder in einen Abgrund bersinken, läßt sich schwer deuten. ES ninst übrigens auch einnial unser»» Poetc» gesagt Iverden. Iva?»vir nicht träumen. Wir trSmnen nämlich sehr, sehr selten von der oder dem GMicbteu. Wir singen nach )Franz Abt.:„Du. bist mein Tranm in stiller Nacht" oder nach Aeiidelssohii:„Wenn mir-der stille Schkummer'geschlössen die Augen kam», so schleicht das Bild(der Geliebte»» sich leise hinein in»leinen Traum"; luahr ist das aber nicht. Wem»»vir Ibivklich einen verliebten Traim» haben, so konimt nns darin viei»vnhr- jcheinlicher eine ganz nnbekamite Phantasicgestnlt entgege» als die oder der wirtlich Ersehnte. Aver vielleicht ist eS bei den Dichtern. die ja auch die Nachtigallen und andres poetisches Requisit häufiger zur Stelle haben, auch darin anders als bei»ms nüchterne»» Prosailer».—: Gefnudheitspflege. — L ä h m n n ge il durch" K'l i m mz-ü g e. Dast die Kliiiim- znge,- die beim Tnrinnite reicht, auch i>l. Schulen viel/ geübt Iveröe», oft, licht ganz iingefnhrltch sind, beweift eine- Mtteilinig von Stabsarzt Dr. Sehrwnld in der lienesten Nummer der„Deiltschen »iediziilifchci» Wochenschrift". ES»verde» zlvei Fälle veröffentlicht. in denen durch die Miiiniizüge. mehr oder»veniger starke Lähninngen der Arme hervorgernfen wurde». Besonders"stark aus- geprägt»vär der eine dieser Fälle, Ivo die Lähininig zu einer de- trächttichen Abniagennig der MnSkcln an einem Arm geführt hatte. AIS Ursache dieser traurigen Folgen ist eine allzu starke Dchimug des zu den Armen gehenden Rerveiistaimiies anzusehen. Sehr- 'bald warnt ans Grimd seiner Ersahvimge» davor, dast man schivachc inid migeiibte Turner, denen die Kliminzüge schwer werden, bis zum nächsten Klimmzng in voNständigen Langhanq übergehen läßt;"sie sollen nach jeden» gellnigeiien oder erfolglos versuchte» Kliinniziig sofort abspringen. Besonders zu Vcrdamnml ist die Unsitte, den Körper des im Latighang Hängenden zu fassen »iid gewaltsam nach nbivärks zu ziehen, um so de» folgenden Klimm- zun noch schwieriger zu machen; dadurch»vird die Entstehung der gefHilderten Lähinuitg leicht befördert. Wird nach Kliniiiizägeii liber auffallende Müdigkeit' und Schiväche. oder über Schivachc inid Taub- sein in den Armen geklagt, so schenke»iiä» diesen Klagen gebnhrcude Beachtung und»eh»>e nicht voreilig Fcinlheit von seilen de? Tiwiiers oder Simulation an.— Humoristisches. --.Der Verliebte.„Ich glaub' halt, es ist l-esser, ich erklär' dem Annerl meine-Liebe schrifllich. Wenn sie mich»et mag mid ich sag's ihr, so krieg' ich'» paar tüchtige hinter die Ohren. ivenn ich's' ihr schreib', trieg' ich nur'n sa u g r o b e n B r i e�sb' — An? der G e s ch i ch t s st» n d?. Lehrer(vortragend)': ... lind hitzig tobte der Kamps ans- beiden Seiten, als plötzlich der Ruf ertönte... Mei)er. grinse« Sie nicht fortwährend!— — a n f m ä ii n i s ch e L o flick. K o i» in i S:„Ich wollte Sie bitten. Herr Chef, mir einen achttägigen Urlaub zur Erholung zu bewilligen." „C h e f:„Was, Sic waren doch schon l l Tage k r a n k h e i t?- b a l l> e r v o m Geschäft»v e g g e b l i e b c n, haben Sie sich da noch nicht genug erholt?"—•"(„Lust. SM.") Notizen. — Das Schicksal de? B e r l i n e r T h e a t c r? scheint immer noch nicht gesichert. Aach der einen Meldung wäre zwar seine finanziellc Existenz durch Zuschüsse des Fniaiizkonsortinmö sicher ge- stellt mid die Bestätigung Paul Linda»? nl? Direktor sollte in der allernächsten Zelt erfolgen; aiidrerseil? erhält sich aber das Gerücht. dast daö Theater ar» Siemens.,,. Halske vcr kaust ist und der Abbruch»chon am Ende dieser Saison erfolge» soll.— .— Direktor Bau s c n w ein hat sich mit dem bisherige»» Direltor Kr a» S vv»» B e ll e- A l lin» c e- T-l, c a t e r nffoeiiert; es sollen in den» Theater iu Znknnft große Ensemble-Gastspiele stattfindend— — Ein neues O p e r et t e n- R a nch t h ea t e r nach fwnzö- sischem Muster soll in» Be rliiier ,. Neucn America n- Theater" eingerichtet ivcrde». Direktor Schnnbl hat zu diesem Zivecl eine Konimaiidiigescllschaft gebildet. ES sollen hauptsächlich verlinische und altberlinische eiiiartige Operetten- und Singspiele ge- gflegt, auch ans die alte,» Wiener»md Fräuzosr» zurückgegriffei« werde»».— — Die Gri'iiidlnig einer O p e r n s ch u l c i» Berlin soll nach dem ,.B. B.-C." Generalintendant Graf Höchberg planen. Die Mittel sollen von privater Seite aufgebracht werden.— — MacchiavelliS ,.M a n d r a g o l a" wurde vom M ü n- che n er Akadcinisch-Drainatischcn Verein aufgeführt und von eine»« geladenen Publikum beifällig aufgeiioninie».— — Die Wiener Ol>ercttensäugrrin I l l a Pal n»n h»vill sich im Herbst-voin Theaterleben zuriickzicheii.— — Der Schriftsteller E h r i st i a n Benkard ist im Alter von s6 Jahren in O b c r u r s c l an» Tamms gestorben.— — Die teuerste Eiche, die-je im Spessart verkaust wurde. kam bei der letzten Holzversteigermig in Lohr a. M.. zinn Verkauf. Sie stammt aus dem Distrikt Rohrbrnnn, ivar>4,80 Meter lang bei 71 Eeiilimeter Durchmesser und 5,80 Kubikmeter Inhalt. Dieser Prachtstam»»»vurde um 1025 Mark von eincr Miuichuor Firma erivorbei». Der Kubikmeter konunt auf 174 Mark zu Die'K o st e n der. s i l> i r> s ch e»e E» s e n b a h» betragen ilisgesaiiit 750 Millionen Mar k.—__ Beralitwortlicher iReeactcur; Paul John ni Berlin. Druck und Berickg von Mar«avtng in Berlm.