Zlnterhalluttgsblatt des Horwärts Nr. 33. Freitag, den 23. Februar. 1L00 (Wc.i-.iruS verboten.) Anker vom Sthukze des Gesetzes. 4J Von Maria Konopnicka. Maczuski wurde blau vor Wut. die Augcu quollen ihiu noch mehr aus den Höhlen, und während er den Hals noch mehr vorsteckte, uni die Aufmerksamkeit der Obrigkeit von dem Familiendrania abzulenken, das sich hinter seinem Rücken ab- spielte, stieß er mit dem Fuß wütend nach hinten, wo er den kleinen vermutete. Aber der Fuß traf ins Leere. Er war nahe daran, vom Schlage gerührt zu werden. „Vater", verkündete der Junge weiter.„Mutter sagt, daß sie ihn aufziehen wird." „Daß Dich die Hölle verschlinge", fluchte mit gedämpfter Stimme Wiceks zärtlicher Vater und streckte die Hand nach rückwärts auS. deren Finger kranipfhaft gespreizt waren, um Wirek beim Schöpfe zu fassen. Aber der gute Stern des kleinen Schlingels rettete ihn auch diesmal. Schon stand er wieder hinter den: Rücken seines Vaters. „Er ist scheckig, und Vater soll gleich nach Hause kommen." Jetzt verlor Maczuski jeden Rest von Selbstbeherrschung. Er stemmte sich auf den linken Fuß und schlug init deni rechten kräftig aus, gerade in dem Moment, als der Herr Bürgermeister ihn vor sein Antlitz rief. Ter unglückliche Wicek hatte sich offenbar allzunahe an die väterliche Person herangewagt, denn gleichzeitig mit jener bürgcrmcisterlichen Aufforderung ließ sich ein unbestimmtes Miauen vernehmen, dann schlug etwas gegen die Thür wie ein schweres Holzstück, und schließlich erscholl das hastige Stampfen des Angegriffenen, der eilig mit den nackten Füßen davonlief. Maczuski atmete erleichtert i cf auf, scharrte einigemal mit den Stiefeln, um das letzte Echo der stillen Tragödie zu übertönen und trat vor das Oberhaupt, noch blau von der Aufregung, aber schon in ganz amtlicher Positur, voll obrigkeitlichen Ernstes. „Wo bleibt denn dieser Maczuski? Was ist das für ein Lärm dort? Kann man denn keinen Menschen herankriegen", donnerte der Herr Bürgermeister, nicht so sehr auS Zorn gegen Maczuski. wie um seine Energie den Juden zu zeigen, die ihn mit einem Garn voll süßer Lockungen umgaben. „Gar keine Ordnung im Dienst!" — Jetzt wurde seine Stimme sanfter. „Zeig' mal das Mädchen dem Faderenko, damit er sie kennt... Hier ist der Paß für sie... Und Dil schleudere nicht herum, sondern such' Dir einen Dienst...." Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als im Hausflur plötzlich ein Tumult entstand und durch die weit geöffnete Thür die Frau Stadtkassierer hereinrollte. Sic war über und über rot und atmete schwerer als gewöhnlich. „Guten Morgen. Herr Präsident!" schrie sie»och au der Schwelle.«Wissen Sie schon, was vorgefallen ist?" Der Herr Bürgermeister sprang von seinem Sessel empor, schob ihn der Frau Kassierer zu und fing cbcusalls an zu schrein: „Guten Morgen! Guten Morgen! Wie ist das werte Befinden, meine Gnädigste?" Doch die Dame mar offenbar nicht dazu aufgelegt, ge- sellschaftliche Höflichkeiten auszutauschen. Sie sank auf den Sessel hin und rief: „So wissen Sic noch gar nichts?... Diese Kubisiakoivna aus Warschau, diese Internierte, die bei mir diente, wissen Sie, diese Dicke, die ist mir ja diese Nacht durchgebrannt. Und obendrein, sag' ich Ihnen, Herr Präsident, hat sie bei Pillchen einen Rock mit Besatz gestohlen, bei Sefchen ein Paar Strümpfe mit Streifen und mir zwei Leintücher. Mach da, was Du Ivillst. Such den Wind im Felde!" Der Herr Bürgermeister klatschte in die Hände. „Unmöglich!" "'Jetzt brach der Sturm los. „Was sagen Sie unmöglich? ES ist doch so? Wenn's wenigstens ein altes Leintuch wäre! Aber nein I Funkel- uagetneu. sag' ich Ihnen. Vom Dutzend genommen. Daß sie... I" Der Herr Bürgermeister stand betroffen da irnd kraute sich an der Glatze. Durch seine geschlossenen Lippen kam etwas wie„Der Teufel hol' Euch alle!" Die Juden schwatzten unter einander, einer von ihnen machte eine wegwerfende Be- tvegung mit der Hand und lachte leise auf. Das scharfe Auge der Dame bemerke diese Geste. „WaS ist das für ein Gekicher?" fragte sie von oben herab.„Solch ein Verlust, da ist gar nichts zu kichern dabei." „Vielleicht möchte die Gnädigste sich zu meiner Frau hinüber bemühen?" beeilte sich der Präsident zu intervenieren. „Ja, gut, daß Sie mich daran erinnern. Ihre Frau tvar's ja eben, die mich.i>azu beredete, diese Diebin ins Haus zu nehmen. Was werden Sie darauf geben, sagte sie, eine solche oder eine andre, das ist alles eins. Eine jede muß man überwachen. Und wenn sie keiner in Dienst nimmt, gehen sie vollends zu Grunde. Na. sehen Sie, das Hab' ich davon." Sie holte einigemal tief Atem. Der Bürgermeister stand vor ihr wie ein Schuljunge, sehr unzufrieden mit sich, daß er die Frau zu so ungelegener Zeit erwähnt hatte. Die Dame schlug niit der Hand gegen die Seitenlehne des Sessels. „Ich muß Ihnen sagen, Herr Präsident, daß hier in der Stadt von nun ab keiner mehr einen Verschickten in Dienst nehmen wird. Damit hat's ein Ende. Oho, ich gehe von hier aus direkt zur Apotheke, auch zu Doktors gehe ich, um sie zu warnen, denn dort nimmt man diese Diebinnen lvieder zum Waschen. Alle werde ich warnen. Und auch Ihre Frau mag sich in acht nehmen.... Solch eine billige Magd, das ist eine sehr kostspielige Magd, die bemißt selber ihren Lohn, wie es ihr gefällt...." „Natürlich, natürlich," stammelte der Bürgermeister, immer mehr verwirrt. „Was wird das also werden mit dieser Kubisiakoivna?" fragte die Dame.„Es ist mir schon weniger um das Kleid und die Strümpfe zu thun, aber die Leintücher vom Dutzend kann ich doch nicht verlieren. Raten Sie mir,>vas ich thun soll. Ich will gern dem Fedorenko etwas extra bezahlen, et soll nur suchen, nur sich erkundigen." „Aber gewiß, gewiß, meine Gnädigste?.. „Und Stauieivicz soll auch suchen.. „Er wird suchen.?lllc werden suchen!" sprach der Bürgermeister, glücklich, weil er sah, daß die Dame sich von ihrem Sitze erhob.„Das ist ja meine Pflicht, gnädige Frau!" fügte er hinzu, indem er sie zur Thür begleitete. „Und daß mau überall nach diesen Leintüchern sich er» kundigt." „Aber gewiß! Natürlich! Mein Wort darauf, gnädige Frau!" „Und Ihre Frau müssen Sie auch warucu!" „Natürlich! Selbstverständlich!" Unter unaufhörlichen Verbeugungen entfernte sich die Dame. Hanka vernahm das ganze Gespräch mit einer dumpfen Unruhe. Sie wich nicht von der Stelle, senkte den Kopf und starrte einen Knorren auf dem Fußboden an, der sich von den gelb an- gestricheneu Dielen dunkel abhob. Bisweilen schien es ihr, daß sie es eigentlich war, die daS Kleid mit Besatz und die gestreiften Strümpfe gestohlen hatte. Und ihre Augen blickten unruhig umher, bald auf die Dame, bald auf die Thür, durch welche Stanieivicz und Fedorenko jeden Augenblick eintreten konnten. Wenn sie kämen, sie würden sie sicherlich abfassen. Bald jedoch kehrte ihre Besonnenheit wieder. Nein, sie war es doch nicht; sie hatte weder ein Kleid, noch Strümpfe, noch zwei neue Leintücher vom Dutzend gestohlen. Sie wußte ganz genau, daß sie es uicht gestohlen hatte. Fedorenko und Stanicüiicz mögen sie absuchen, so viel sie wollen Sie beruhigte sich, ihre Augen wurden wieder starr»lud blickte» mit dumpfer Besorgnis unverwandt aus den Knorren an der Diele. Der Knorren schien sich zu vergrößern, sich za bewegen und sie anzublicken wie ein großes dunkles Auge. Noch war Hanka die Treppe nicht hinnntergesticgen, als Maczuskis Wicek, der lvieder in einer Mission herbei kam, und sich diesmal vorsichttg im Hintergrund hielt, bemerkte, wi« fein Papa dein Fedorcuko daS Mädchen übergab. Mutig schrie er aus: „Die Warschauer Diebin I Die Warschauer Diebin I Seht da die Warschauer Diebin!" Ueber Hankas Haut zitterte es. wie eine Gasflamme. Sie hatte viel Schmach und Schande während all der Zeit schlucken müssen. Aber das war bei Gericht, zwischen den Wänden, doch jetzt, aus der Straße, vor aller Welt.... Ihr war's, als hätte ihr jemand ein Messer ins Herz ge- stoßen. Dem tapferen Wicek hatten sich inzwischen zwei oder drei Freunde aus der Nachbarschaft angeschlossen, die augenblick- lich nichts Besseres zu thun hatten. Alle sprangen in der Straße umher und brüllten aus vollem Halse: ..Eine Warschauer Diebin! Eine Warschauer Diebin!" tFortsetzung folgt.) Kulturgeschichtliche Studie von Heinrich Tannenberg. (Schluß.) Für die Zusammenlünfte der Alten ergab sich von selbst die Geselligkeit der Mahlzeiten. Der genossenschaftliche Geist erforderte eine förmliche Gemeinsamkeit des Schmauses uuter Teilnahme aller. Das war nur möglich, Ivcuu jede einzelne Haushaltung au Nahrungsmitteln beisteuerte, was sie verfügbar hatte. Zu den Vor- bereitungen des Aufbruchs muß daher eiust das Sammeln dieser Naturalien gehört haben. Gerade das ist in den Faslnachtsbräuchen gut konserviert. Ju der Mittelmark und im Obcrbcrgischc» ziehen noch heute die Knechte, der vorderste mit einem Spieß bewaffnet, durch das Dorf, um Gaben abzuholen. Derartige Nnignngc. oft allerdings zu einem Kinderbrauch zusammengeschrumpft, finde» sich auch in Schwaben, in der Schweiz, im Elsaß, in Baden, rudimentär selbst in Frankfurt am Mai». Dabei treten die Beteiligten häufig mit Nuten ausgerüstet auf. Ii» der Grafschaft Schaumburg dringe» die Burschen mit Zweigen der Stechpalme in alle Häuser, um Frauen und Mädchen zu peitschen, bis sie ihnen Wurst und Branntwein auftragen. Als Lohn wird dann der Wirtin das Gedeihen des Flachses verheißen. Am Harz treiben die Kinder, wie Ncinsbcrg-Düriugsfeld berichtet, die Er- wachsenen mit Birkcnreiseni aus dem Bett und erhalten Brezeln als Loskaufsgcld. In den Dörfern zwischen Halberstadt und Braun- schweig ziehen die erwachsenen Burschen mit Tannenrciscrn von Haus zu Haus, suchen die Bcivohncr zu peitschen und empfangcit überall Gaben, welche in Eßwaren bestehen, in einein Korbe gesammelt und am Abend in der Schenke verzehrt werden. Hier und da in der Altmnrk trifft mau einen Umzug der Knechte, die in jedem Hofe der Reihe nach die Wirtin, die Töchter und die Mägde niit Birkcnreiscr» stäupen. Sie erhalten von der Haus- frau Schnaps, in einigen Dörsern auch Eier nnd Mettlvnrst, während die Spende der Mädchen iu einem mit bunten Bänder» geschmückten Strauße aus Bnchsbaum oder andern» Grün besteht, der an den Hüten befestigt wird. Die Würste werden au eine große Gabel gereiht. All diese Bräuchen, die noch um zahlreiche Barintionen vermehrt tverdeir köniiteitz sprechen deutlich für die Auffassung, daß wir es niit dem Einholen von Vorräten für das Mahl zu thun haben. Ganz bezeichnend ist es. dabei fast i>nmcr auf die Frauen abgesehen, denen ja die Speisekammer unterstand, und das Peitschen läßt vennuteu, daß die Männer bei ihrem Begehren innnchcu Widerstand zu übenvindeu hatte», und nicht eben zart verfuhren. Bis in die Alt- nnd Neumark hat sich zur Fastnacht örtlich das öffentliche Schlachten des Ochsen erhallen,»vas die Einleitung des Schmauses selbst veranschaulicht. Im Waldcckscheu und i» der Gegend von Brilon tvird dieser Akt noch syinbolisch dargestellt. Man führt einen künstlich zurecvtgemachten Ochsen umher, der vcr- handelt und geschlachtet tvird. Dein Darsteller ist ein großer Topf vor die Stirn gebunden, auf welchen der Metzger mit der Axt schlägt; sobald der Schlag trifft, fällt der Betreffende zum großen Jubel der Umstehenden wie tot zur Erde. Das Mahl kehrt auch iu den besonderen Fcsigerichten der Fast- nacht wieder. In der Mark Brandenburg werden Pfannkuchen gebacken, in andern Gegenden Fastcnbrczcln. Schwäbische Spccialität find die Fastenknchle oder Fastnachtsöhrle. Die Bayern bringen ihre Faschingtrapfe» aus den Tisch, während man im Hessischen die Kreppein hat. Besondere Speisen sind in Frankfurt a. M. kleine runde, inivendig mit Schinctten gefüllte Brötchen, die heiß gegessen werden, oder in Brottciq eingewickelte und niitgebackcne Würstchen. In hessischen Dörfern bestand das Fastnachtsmahl noch in neuester Zeit aus Erbsenbrei und Rippenfleisch. Die Bewohner der Gegend von Stendaresse» Sauerkohl undKiiackwnrst und bei Osterode hebt der Bauer sorgsam seine Bkativurst auf, um sie zur Fastnacht anzuschneiden. Meist handelt es sich um altüberlomincne Gerichte, von denen manches vielleicht schon den» taciteischen Germanen bekannt war. Das Festhalten an dein urväterlichen Menü ist insbesondere hirch .Kulirücksichten geboten.*) Um die Geister, die man einst zum Schnrause lud, nicht irre zu machen, blieb es bei den einmal ein» geführten Speisen, nnd mancherlei Aberglaube deutet noch heute di» ursprüngliche Beziehung au. Auch die fönnliche' Beivirtnng der Geister ist in den Fasching?» bräuchen zu beobachten. Der hessische Bauer in der Schwnlmgegend steckt die abgegessenen Rippen seines Festbratens in den zur Aussaat bcstiminten Leinsamen, um guten Flachs zu erzielen. Das ist noch die Teilnahme der lieben Geister, von denen der Erntescgen erivartct »vird, wenn ihnen auch der haushälterische Wirt nur mehr die Knochen bietet. Vordem Ivar es damit freilich besser bestellt. Da ließ man mn Sonnabend vor Fastnacht leckere Gerichte ivohlgernstet mit Spcisegeräten und bei offenem Fenster auf den» Tische stehe»». Dam» kamen,»venu die Hansleute schliefen, die lieben Englein,»m von den Speisen zu genießen. Die Engel waren christlich, doch ließen sie es sich nicht nehmen,»ach altem Göttcrbrauch zu schmausen. Durch solche Umdentnng ist mancher heidnischen Sitte der Fort» bestand in, Christentum gesichert worden. Die Beziehung zur Geisterivelt drückt sich auch in den verschiedenen Arbeitsverbotcn aus, die an der Fasinnchtzcit hafte»». Solche Verbote sind ein besondres Merkmal der alten Festfeier. Die Geister mögeir eS nicht leiden, daß der Mensch, während er sie zu Gaste lädt, aus Fürsorge für sich selbst sie vernachlässige. Unter der Kasuistik des Volks, die für jeden einzelnen Fall eine besondere Begründung fand, ist dauir der wunderlichste Aberglaube entstanden. Man darf nicht nähen, sonst legen die Hühner nicht, als hätte man sie vernäht; nicht spinnen, sonst»verde»» die Hühner blind oder der Flachs gedeiht nicht: nicht zu»» Brunncii geh», sonst verschleppen die Hühner die Eier; nicht stricke»», sonst gicbt es Streit; nicht haspeln, sonst be- konlmen die Kinder das Kopsivackeln u. dgl. m. Dagegen ist es geboten, viel zu tanzen und dabei hoch zu springen. um ein gutes Frühjahr zu erzielen. In Mecklenburg ist auch das Peitschen, wobei die Kinder das Fcstgebäck der„Heede- wecken" erhalten, dem Gedeihen des Flachses förderlich. Einpfohlcn »vird ferner das Backe»» auf dein Herde,»veil sonst die Hexen darauf tanzen, die sich ja nach dem Volksglanbcn hier gern einstelle»», aber das geschäftige Treiben des Menschen und das Feuer fliehen. In den Maskeraden,»vclche der Faschingszeit das Gepräge vcr» leihen, steckt ein Stück uralter K>»ltübcrlicfernng. Den Ausgangs- Punkt bilden offenbar die Gestalten der Götter und Geister, die bei de»» Religionsübungcn der Vorzeit unter allerlei Vermummungen persönlich dargestellt wurden. Je nach der Gegend ziehen noch heute die vcr- schicdcnsteu Erscheinungen»»»»her, denen man die mythologische Ab- kirnst anmcrlt. In» Schwarzwald treffen»vir das schellcnbehnngeue „Hanscli" mit einen» Fuchsschwanz auf dem Rücken und mit Flitter- gold oder bunte»» Papierschninck dekoriert. Das Hanscli von Donau- eschingcu verteilt bei seinen Rundgängen auch Aepfel und Nüsse unter die Kinder. In den Dörfern des Vinschgaus geht zur Faschingszeit das„Krautweibele" um, eine vcrnlummte Gestalt, welche die Be- gkgnendeii niitfaulcn»Krant be>virft. Die„Schemen" in derselben Gegend sahrcn den» Vorwitzigei», der ihnen zu nahe kommt, mit rußgeschwärzte»» Besen ins Gesicht. Charakteristisch ist in einigen Orten Tirols das „Perchtenlanfeu" am letzten FaschiiigSabend. Die Pcrchtcn, unter drncil es gute und böse gicbt, laufe» durch die Gassen nnd dringen in die Hänser, Ivo die guten Geschenke hinterlassen, die bösci» mit Asche werfen. Ihr Name bekundet, daß es sich um Repräsentanten desselben VorstelluugSkrciscs handelt, den» insbesondere die Göttin Bcrchta angehört. Das„Hudlcrlaufen" in der Gegend von Hall in Tirol,»vobci auch„Hexru" ans Kchrbeseu reiten, ist etwas Achnliches. Eine alte Gölterfigur tritt uns nnnieullich iu dem „Schimmelreilcr" entgegen, der in Schivaben, in der Mark und in Thüringen, in Oberschlesici», in» Waldcckscheu und iu der Gegend von Brilon unter verschiedener Darstellung zur Fastnacht seineir Nmzng hält.")■ Der Bär, den die Dcutich-Böhnic» aussühr-i». ist gleichfalls nichts andres, als ein alter Gott in seiner Fetischgcstalt; das wird bestätigt, wein» im Saazcr Kreise die Franc» dein Darsteller das Stroh, von den» er nmivickelt ist. ausrupfen, unr es den Hühnern in die Nester zu thun, damit sie besser legen. Die Anivcscnhcit der Götter war den Altvordern durch das Mal verbürgt, das draußen auf der Dingstätte ragte. Mit de»» ttcbcrgang ziu» Christentum wurde das aiiderS. Das uralte Währ- zeichen des Kultus fiel und machte den Heiligtümern der Kirche Platz. Doch dein Volke schien keilte rechte Festfeier möglich ohne die Synrbolc der Borzeit. So entstanden die alten Göttersitzc oft noch eimnal für die Daner der festlichen Zeiten. Diese Bedeutung haben jene grotesken Puppen, die mau zur Fastnacht ans Holz oder Stroh anfertigt. Das Bezeichnende dabei ist, daß diese rohen Bildiverke nur hergestellt scheinen, um vernichtet zu werde»». U.nsre Vorfahren mögen»vohl die rekonstruierlei» Fetische nach jeden» Feste wieder beiseite gebracht habe»». AIS den Späteren *) Schon der Wilde setzte bei der abgeschiedenen Seele die« selben Bedürfnisse und Nciguugcn voraus,'wie der Mcirsch sie Halle. Daraus ergab sich für die Ueberlebrnden die Pflicht, dem Toten insbesondre Speise und Trank zu biete»» und ihn nicht zu vergessen. »vein» es galt. Feste zu feiern nnd fröhlich zu sei». Das übertrug sich auch auf die Gottheiten, die ja nur aus Meuschenseelen empor- gelvachseN tvarei». ") Es muß nicht Wodan sein, da der Schiminel überhaupt den Führer kennzeichnete und daher auch ohne weiteres den berittenen Göttern zukam.---.' 8« Sin» für die Sache verloren gegangen, blieb der legiere Akt als das Wesentliche zur-sick, und auch die'Kirche dürfte nicht wenig zu dieser Deformation beigetragen haben, weil nun das Ganze als die Zerstörung der heidnischen Knltniale erschien. Das ist in den Bräuchen des„Todaustragcns" oder„Wintervcrbrennens" erhalten, die wir am Fastnaibtstage und während der folgenden Zeit finden. Gewöhnlich wird diese Handlung auch das„Fnsibingbegraben" und ähnlich genannt. In Böhmen Pflegt man am letzten Tage der Fast- nacht oder an Aschermittwoch eine große ansgeslopfte Figur in Gestalt eines Mannes ans einer Tragbahre henim�utragen und zuletzt ins Wasser zu werfen oder im Schnee zu begraben. Die Strohpuppe dem Wasser zu übergeben, ist auch in Westfalen üblich. Andcrivärts in derselben Landschaft, wie in Marsberg, wird die Puppe, die während des Festes auf dem Tanzboden steht, in einem Düngcrhanfen verscharrt, was das Begraben des„Fasf lawent" heißt. An der Aar trug man bis vor wenig Jahren einen Strohmann unter Gesängen zum Thor hinaus und verbrannte ihn. So verfährt man noch heute in Richtcrschwyl am Züricher See, wo die Puppe auf einer Wiese ganz wie die alten Fetische an einer hohen Stange bc- festigt wird, um alsdann verbrannt zu werden. In Osterode am Harz wird noch ein wirklicher Mensch in einen Backtrog gelegt und symbolisch begraben, was dem Ur- spnuige des Grundgedankens näher steht, da es in der That Geister von Toten waren, die einst dem Feste bei- wohnten und deren man sich nun entledigte. Die Rede, ivelche die Ostcroder bei diesem Akt halten. spielt ans das„Ausgraben der Fastnacht" an, und das läßt verniuten, daß man vordem die Reste der vergrabenen Heiligtümer auch bei dieser Festzeit, wie sonst zur Kirmes, ivicder hervorsuchte. In diesen dramatischen Darstellungen ist zugleich schon der Ge- danke des Geisterbannens eingeschlossen. Obivohl sich die Alten keine Fcstseicr ohne Teilnahme der Götter und Seelen denken konnten, wollten sie doch nach dem Feste vor diesen Gäste» Ruhe habe». Man scheute sich darum nicht, sie mit einiger Gewalt zu verscheuche», und wenn man ihre Fetische fortbrachte, mußte man wohl auch sie selbst loS sein. Förmliche Anstreibnngsakte bilden noch den Schluß der Fastnacht. Ein bevorzugtes Mittel sind Fenerbräude, vor denen die Geister nach alter Erfahrung einen heillose» Respekt haben. So zündet man in Rheinhessen am Fnstnachlsdicnstagc draußen im Freien große Feuer an, die man„Halfeuer" nennt, Iveil sie den„Hai" verbrennen sollen. Der„Hol" ist der uralte Begriff der Totenstätte und des Scelcnreichs; der Hesse räuchert also alles, was zur Gcislerwclt gehört, gründlich ans. In Oldenburg und Westfalen wurden bis in jüngste Zeit brennende Strohbiindel heriungctragcn. worauf die bekannte ans Stroh gefertigte Figur den Flamme» übergeben wird. Dieses Ans- fencrn ist namentlich am Sonntag»ach Fastnacht üblich; so i» Schwaben, in der Schweiz usw. Auch der LäriN scheucht die Geister, und die einzelnen Gegenden find nicht gerade in Verlegenheit, wenn es gilt, recht geräuschvoll zu verfahren. In Basel wird am erste» Sonntag der Fasten von ftnh bis spät Straße ans und Straße ab getronnnelt, daß die Fenster klirren. Durch die ganze Fastcnpcriodc ziehen sich charakteristische Bräuche der Faschingszeit, iveil ja gerade in diesen Abschnitt die alte Frühlingsfeicr fiel. Nach der im Eingänge erörterten Verschiebung des Volksfestes blieben an der Fastenzeit freilich nur diejenigen der überlieferten Veranstaltungen hängen, welche sich mit der kirch- lickic» Zucht vertrugen; so insbesondere verschiedene Anstreibnngs- alle und jene Aufführungen, wie das„Todauslragen" und dergleichen mehr. Nach alledcnr gehört Fastnacht zn denjenigen nrgermauischen Fest- zciten, die ihren rein volkstümlichen-Charakter nnd zahlreiche Merk- male ihrer Herkunft bewahrt habe», weil sie entweder, wie die Kirmes- Zeit des Herbstes, von vornherein außerhalb der kirchlichen Festkreise lagen oder diese doch zu umgehen vermochten.— Nleinvs Feuilleton» g. Wenn Main» nähen ninsi. Ein enges Zimmer nach dem Hofe hinaus,- die Wände kahl, die Einrichtung ärmlich, nur auf das notwendigste beschränkt. Ain Fenster steht eine Nähmaschine, eine Frau sitzt daran und läßt die Räder fliege». Sie ist noch nicht alt, aber ihre Augen haben tiefe Ränder. Ihre Wangen sind welk und farblos, ein Zug von Müdigkeit' liegt um ihren Mund, jene tiefe Müdigkeit, die von Hunger und Elend, von durchwachten, durcharbeiteten Nächten spricht. Ohne aufzusehen zieht sie den feinen Batist durch die Maschine. All ihre Bewegungen sind von jagender Hast. Sie muß sich ranhalten; wenn sie nicht vis fünf Uhr im Ge- schäft war, wird die Kommission morgen nicht mehr verrechnet, und die Nachtjacken reißen doch den ganzen Wocheiiverdienst heraus. Zwölf Mark diesmal, eine hübsche Summe. Sie hat zwar bei- nahe alle Nächte dafür aufsitzen müssen und noch den Sonntag durch- gearbeitet, es schadet, aber nichts. Wenigstens kann sie nun die sieben Mark Mietsrest bezahlen nnd braucht nicht mehr vor der Exniission zu bangen. Wie es mit dem Lebensunterhalt werden soll, ist ihr freilich noch unklar. Fünf Mark Wirtschaftsgeld für sieben Tage, damit ivar schlecht haushalten. Ob ihr der Wirt noch zwei Marl ließ? Na, der hatte schon vorige Woche ein Gesicht gemacht, nnd die Schuld stand auch schon so lange, noch von damals her, wo ihr Mann starb. Nein, dem Wirt sagte sie lieber nichts. Aber wie den»?«ie versuchte in Gedanken einen Ueberschlag zii�mache». Siebzig Pfennig gingen ab für Milch für das Kind'; dem durste nichts fehlen. Sie warf einen zärtliche» Blick zu dein kleinen Buben hinüber, der spielend auf einem Kissen in der Ecke saß l Etwas Mehl ivar noch da. Das gab für drei Mittage eine Suppe. Die andern Tage behalf man sich mit Kaffee und Schmalzstulle, etwas Wnrstabfall gab ihr wohl die Schlächterfran. Nun ja, so würde es gehen. Sie atmete ans. dann verfinsterte sich plötzlich ihr Gesicht, die Kohlen— an die Kohlen hatte sie noch nicht gedacht. Woher die nehmen? Mit einer ungeduldigen Bewegung riß sie die Arbeit herum. Ach was, es ninßte eingerichtet werden. Der Grün- kramfritze mußte»och einmal borgen. Sie wollte mit ihm sprechen, gleich nachher, wenn sie vom Liefern kam. Hundert Preßkohlen und drei Liter Petroleum, das ivar am Ende doch keine Gefährlichkeit. Würden drei Liter reichen? Sie hielt inne und sah nachdenklich vor sich hin. Na es ivar wohl schon besser, sie sprach gleich um vier an, sie mußte doch wieder die Nächte durcharbeiten, da verzehrte die Lanipe schon etwas. Sie seufzte auf, beiigte sich aber zugleich wieder tiefer über die Arbeit. Na man nicht tragisch iverden, dabei kam nichts heraus. Ilcbcrhanpt war es gleich'zwei Uhr und sie hatte noch in sieben Jacken Aermel und Kragen einzunähen. Eine fliegende Röte stieg in ihren Wangen empor. „Mamir Eine kleine zierliche Gestalt ist neben sie getreten, ein weiches Händchen legt sich auf ihren Arm. „Was denn. Fritzchen?" Sie fragt es ohne aufzusehen. „Mann, Fenster kncken I" „Aus dein Fenster kncken will das Kind? Na ja, warte nur noch ein Weilchen, ich habe jetzt keine Zeit. Geh spiele mit Deinem Hottcpfcrdchen." „Fenster kucken." Er wiederholt eS mit dem Eigensinn kleiner Kinder und versucht sich um ihren Stuhl heriunzndrängen. „Nein, hier kannst D» jcjtzt nicht durch. Du störst mich— geh 1* Der Kleine schrickt bei dem rauhe» Klang ihrer Stimme zu- stimme». Ein Weilchen steht er, den Finger im Munde, und über- legt, dann tappelt er, von einem neuen Gedanken erfaßt, zu seinem Spielzeug zurück und nimmt es auf:„Aach ja � Hotti is krank. Armer Hotti sehr krank. Zudecken. Mann, ja?" «Ja, ja— deck ihn nur zn. Nein, aber, was machst Du denn da. Du uunützer Junge? Wirst Du nial Mamas Arbeit liegen lassen l" Sie springt ans und reißt ihm die spitzeubcsctzte Jacke fort, in die er eben das schmutzige Holzpfcrd wickeln will.„So, jetzt bleibst Du hier in der Ecke sitzen und spielst, und nicht gerührt, verstanden?" Mit hartem Griff drückt sie ihn auf sein Kissen nieder und stürzt nach ihrer Maschine zurück. Schon gleich drei Uhr und noch fünf Paar Aermel! I Die Maschine rasselt von iieiiem, eine ganze Weile hört man nichts, als da? Klappern der Räder, dann plötzlich ein feines thräiiendnrchzittertcS Stiuunchen:„Nich' böse. Mann, Fritzchen gut sein— nich böse." „Nein, nein, ich bin Dir auch nicht böse, Herzchen, aber nun stör' mich auch nicht, Mama muß nähen..." „Mann— Kuß geben I" „Ja, Mama wird Dir auch einen Kuß geben, aber nachher. Jetzt geh nur— geh I" Sie schlendert die Jacke, die eben fertig geworden, zu den andren nnd nimmt eine neue aus dem Arbeits- korb; nun nur noch zivei, Gott sei Dank! „Mann jetzt Kuß geben." Er ist hinter ihr auf den Stuhl geklettert, weiche Acrmche» schlingen sich um ihren Hals. «Fritz!"— sie springt ans, ihre Augen funkeln, all' ihre Glieder zittern,„Fritz, Du kannst einen rasend machen. Wirst Du mich jetzt endlich zufrieden lassen, marsch in die Ecke!" Sie nimmt ihn am Arm nnd stößt ihn rauh in die Stube hinein. Er starrt sie einen Moment verdutzt an. er weiß gar nicht. waS er Böses gcthan hat. Sein Gesicht verzieht sich, er beginnt zu weinen. Sie Hort es wohl, aber sie achtet es nicht. Eigentlich fühlt sie sich versucht, zn ihm hinzustürzen, ihn an die Brnst zu reißen und abzuküssen, aber nein, bloß nicht— bloß nicht Zeit ver- bummeln jetzt, jede Minute ist Geld. Ach, eS war doch eigentlich ein Hundeleben.— Arbeit Tag und Nacht, nichts zu essen und dann nicht einmal Mutter sein dürfen, nein, nicht einmal Mutter sein!— Und während sie die letzte Jacke unter die Maschine schiebt, fließen große Thränen ihre abgezehrten Wangen hinab.— Kulturgeschichtliches. dl. A lt-B erlin er Maskenkostüme. Wie sich unsre Ururgroßeltern zur Maskerade kostümierten, erzählt ein interessanter Bericht aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts. Der Ludwig Pietsch von damals giebt ein recht anschauliches Bild von. den Maskenkostümen, die man auf den Redoute» im Opernhause be- wmidern konnte. Eine gewisse Phantasie scheint unser»' Vorfahren danach nicht abzusprechen zu sein. Da gab es auf einem Ball eine— Windmühle; wie das Kostüm beschaffe»,_ wird leider nicht gesagt. Auf einem andern Fest erschien: ein Astronom, ein Müller und„eine Masle mit einem Dompfaffen". Sehr großen Beifall fand eine ganze Mäskengruppe. Voran schritt ein blinder Husareninvalide, geführt von seinein Weib, ihre drei Töchter folgten ihnen,»zivei davon in ihrer ganz einfachen Tracht. die dritte vvcr frisiert, urit einem großen Hut, sehr schön angezogen, über der rechten Seite hatte sie ein Branntweinfläschchen herunter- hängen".„Mir gefiel das Fannlienftiick sehr"— sagt unser Recensent—„es verriet viel Geschmack nnd Natur, mit Kunst verschönert".—— Weniger Gefallen findet er dagegen an einer„Flora";„die ganze Figur sah wie eine hölzerne Draht- puppe aus"— heißt es von ihr. auch hatte„die Göttin soviel Schminke aufgelegt, daß sie wie ein Fenerbrand glühte. Alles foppte daher auch diese Maske. Neben ihr erschienen„Tag nnd Nacht", der eine Iveiß. die andre schivarz gekleidet, ein uralter Tcutschcr mit einem ellenlangen wachslciiiwandnen Haarbentcl, eine Maske als alter Mann, mit einer Perrücke von HobelspKhnen, sowie ein Mann und eine Frau nach dem älteste» Geschmack lwie dieser älteste Geschmack beschaffen ist, wird leider nicht gesagt). Viel Spaß erregte ein Bauernjunge,„der alles bewuuderte und belachte, weil alles so bunt- scheckigt herumlief. Zugleich fragte derselbe, ob die Leute toll wären". Ebenso machte eine große Dame, die altdeutsch gc- kleidet und frisiert, viel Aufsehen. Ihr ganzes Gesicht glänzte gleichsam von Nöte. In der Hand hatte sie einen großen zerrissenen Fächer, mit welchem sie nach rechts nnd links mit solcher Fertigkeit wehte,„daß alle Masken herbeikamen und sich über daS Windmachen ergötzten." Von den andren Masken werden noch er- wähnt: ein ungemein dicker Fleischer, vier bis sechs weiße und rote Müller, sechs bis acht Nonnen, Mönche verschiedener Orden, Brah- mincn und andre Opferpriestcr.„schöne Tirolerinuen". Römer, Genuesen, Japaner. Schulmeister, Türken, Indianer, Eulen, ein Wahnsinniger s!) und eine Maske, die„vorne ivie ein Christ und hinten ivie ei» Jude aussah". Schade, daß die nicht photvgraphiert worden ist!— Ans dem Tierreiche. -�Der Barsch kommt in den verschiedensten Zubereitungen fast auf jeden Tisch, trotzdem er von Gräte» starrt und in der Regel kaum 12ö Gramm schwer wird. Grätig ist er in hohe»» Maße, Bei jeder Berührung oder Annäherung eurer Gefahr stellt er die Rücken- flösse in die Höhe, und die Stacheln dieser Flosse gleichen dann den feiusten Nadelspitzen, die den Unkundigen oft genug ihre Schärfe fühlen lassen: selbst im Tode wehrt sich der Fisch noch, dcun so- bald beim Abstreifen der Schuppen die Köchin ihn nicht geschickt anzufassen lveiß, hat sie auch gleich jene spitzen„Dinger" im Finger. Dagegen erscheint es auch für den Konsumenten sehr angenehm, daß sich die Gräten in gut gekochten» Zustande auf- fallend leicht lösci», und bei der Trennung des Fleisches vom Gerippe bleiben jene fast ausuahinslos am Rückgrat hängen. In Süddeutsch- land wird diese Fischart zmneist mit der Wnrmangel in Flüssen, Bäche» nnd Teichen gefangen; doch Pflegt er nur selten über 250 Gramm schwer zu werde». In Seen dagegen, speciell in» Boden- sce, erreicht der Barsch oft ein Gclvicht»so« 1 bis 2 Kilogramm. Er verdankt aber dieses auSuahmSlvcisc große Wachstum in erster Linie der überaus reichlichen Nahrung, die ihm hier zu Gebote steht; als Raubfisch fallen ihn» die kleinen Fischche» zu Hunderte» taglich zun» Opfer. Vmuittelst seines weit aufgespreizten NachenS find diese schnell gefangen und vertilgt. Der Barsch fährt nämlich in die arglos»mhcrschlvinuncndc Fischbrut und räumt hier in sehr unliebsamer Weise auf. Handelt es sich hierbei nur minderwertige Fischartcn, sogenannte Futterfischc, so hat dies nichts zusagen; anders dagegen verhält es sich, wenn er in Teichen seil» Umvcscn unter den Edelfischen tvie Forellen und dergleichen treibt, tvcshalb man nie Barsche in AufzuchtSteichc oder-Bäche bringen darf, die mit Jung- fischen von Forellen und dcraeicheu besetzt sind oder besetzt Iverdcn sollen. Der Körper der Barsche ist beschmppt; der Flußbarsch, in der Schweiz„Egli" genannt, auch unter dein Namen Bersig, Kretzer und dergleichen bekannt, hat zwei Rückenflossen, Der Kicmcu- deckel ist schuppenlos; im Maul befinden sich kleine, gleich» uräßige Hcchelzähne in überaus großer Anzahl. Der Körper ist seitlich auffallend platt, zusannueugedrückt,»lessiuggelh bis grünlich mit schwarzen Qnerbinden und schwarzem Angcu- fleck am Ende der ersten Rückenflosse. Brust- und Bauch» flössen sowie Afterflosse sind rötlich- gelb. Schwanzflosse rot oder grün mit rotem Anflug. Unterarten sind der ForcNenbarsch und der Schwarzbarsch: ersterer verdankt sein Dasei» Verständnis» voller Paamng mit der Forelle, letzterer ist in Amerika heimisch. Weitere Abarten sind»och der Hechtbarsch nnd der Kaulbarsch. Der Fang geschieht, wie schon erwähnt, außer mit Netze» sehr häusig mit der Wiirniangel; ganz besonders»vährend leichter Regcnsällc beißt der Barsch sehr gern. Da er aber den Transport in Gefäße» nicht lange aushält, so thut»um besser daran, ihn an Ort und Stelle zu töten. Der Barsch vennehrt sich sehr; Fische mittlerer Größe legen zur Laichzeit, die in die Monate April n»d Mai fällt, 300 000 bis 400 000 Eier in muldenförmige Bertiesimgen, die sie sich an ruhig fließenden Wasserstellen selbst Herrichten. Das Fangen von Barsckic», die da? Mindestmaß von 1ö Ccntimeter nicht erreichen, ist gesetzlich verboten: in Württemberg dauert die Schonzeit von» 1. April bis 1. Mai, in Baden dagegen vom 1. Mai bis 80, Juni, in andren Länden» ist dieser Raubfisch ganz ohne gesetzliche Schonzeit. Die Eierbebrütung findet nur in freien» Wasser statt; i» Brutapparaten ist sie unmöglich, weil sich die Eier infolge ihrer Kleinheit nicht in» Sieb halten läffen und sich, falls das Sieb sie nicht durchläßt, ballen, ivorauf der Pilz alsbald in zerstörender Weise auf sie ein- wirkt,—(„HanS. Hos, Garten.") Techuische?.'" Elektrische Trockenfleisch-Erze» gnng. Die Natur- Völker vieler Länder»vissen sich Trockenfleisch zu erzeugen, mdein sie das Fleisch frisch getöteter Schlachttiere in lange Streifen schneide»» und an der Sonne trocknen. Es verliert dadurch zwei Drittel bis drei Viertel seines Gewichts und wird zu einer trocknen, kautschukartigen. lange haltbaren Konserve, welche diejenige»», die daran gewohnt sind, mit Appetit verzehren. Man nennt solches Fleisch in Nordamerika Peinmilan. in Südamerika carne seco oder Tasajo, in Südafrika Bittong, bei den Arabern der Sahara Kadhd oder Kelia. Es ist wohl nicht allgemein bekannt, daß man in der Schweiz, auf deren Bergen die Soimenstrahlen sehr mächtig sind, ein ähnliches Produkt gewinnt. Ein Mitarbeiter des„Promethelis" bekam es vor vielen Jahren in einer Sennhiütte des Engadin vorgesetzt und erregte die entschiedene Mißbilligung des Seirncn, als er den Genuß dieses„schieren Fleisches", wie es genannt lvurdc, verweigern»nnßte. Ein Chemiker in Massachusetts hat nun entdeckt, daß man n»it den Strahlen des elektrischen Lichtes ebenso schönes Pemniikan erzeugen kann, wie»nit denen der Sonne. Das entfettete Fleisch wird gleichzeitig cillem Strome heißer und trockener Luft und einen» stariei» elektrischen Lichte ausgesetzt, Ivobei e-Z so austrocknet, daß eS leicht in Fleischinehl vcrivaiidelt werden kann. Der Reisende kann auf diese Weise Fleischnahrnng für zwei Tage in einer Dose»mterbringen, die nicht erheblich größer als eine Sch»»lpf- tabaksdosc ist.— HmnoristischeS. — Klassisch, Ein Junge erblickt auf den» Rachitische seiner Mutter einen falschen Zahn:„Mama, was ist das?" Mutter isenfzend):„Der Zahn der Zeit".— (., Jugend".) — Sein Ende. Arzt:, nnd dann, Herr Hnber, müssei» Sie linbediiigt das Trinken lassen. Bier ist Gift f ii r Sie'" „Herr Doktor, dann mag ich»licht»»»ehr leben; bann vergifte i ch n» i ch!"— Notizen. — Otto Hellmuth Hopfen hat ein Drama verfaßt, das unter dem Titel:„ H c i>» r i ch von Kleist, ein Dichter- leben in fünf Akten" socbei» bei Heinrich Minden in Dresden erschienen ist.— —„Die Prinzessin von S c st r i", ein Lustspiel von Alfred Bock, das mit Erfolg in» Lübecker Theater gegeben wurde, ist soeben im Verlag F. Fontane. Berlin, als Buch er- schienen.— —„Donna Flora". Oper in einen» Akt von N. van W- st c» h o n t mit Text von A. C o l a u t l i. wird in nächster Zeit an, Stadt-Theater z» Vrcsla»» zum erstcunial in Deutsch- land anfgcführt werden.— — Der Konipoiiist Johannes D o c b b e r ist als Kapell« meister für daS königliche Th eatcr zu Hannover verpflichtet worden.— — F r ä n I e i» v. Schönerer tritt an» 31. Mai von der Leitung des Theaters an der Wie»» znnick.— c. In„Alt-Pari das einen der HauptanziehnngLpmikte der WeltanSstellmig bilden soll, wird das„Große Theater" für 1900 Personen Platz bieten. Alle großen Kiinsilcr von Paris und den» Auslände sollen dort der Reihe nach auftreten.— — Die Pariser O p 6 r a- C o m i g» e wird in einer Reihe von Matineen die Geschichte dieses Theaters durch Beispiele ans seinem großen Repertoire von seinen Ansängen bis auf die jüngste Zeit vorführe».— — In den Kappen der Ehorgelvölbe dcr Kirche zu Groß- B»i r g U> e d e l in H a n n o v e r sind Wandgemälde a u S den» Mittelalter entdeckt worden, die in Form nnd Farbe große Aehnlichkeit mit den Kirchhorstcr Gemälden haben.— — Bei der Z w a n g S v e r st e i g e r» n g der Bilder deS Malers K, W. D i e f e ii b a ch»n Wien erzielten viele Gemälde mir den ProiS von einer Krone. Andre Angebote bewegten sich zwischen 3 nnd 20 Kronen. Der Erlös deS ersten VersteigcrnngStages dürfte 4300 Kronen nicht übersteigen.— — Auf dcr Feldmark zu L i p p s p r i n g e halten sich seit Wochen 24 Trappen auf.— Die nächste Rummer des Nnterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 2Z. Februar.'_ Vercnnwortlicher Redacreur: Paul John in Berlin. DruS uns Bertas von Max Bading in Berlin.