Mnterhaltungsblalt des Horwäris Nr. 41. Mittwoch, den 23. Februar. 1SW) (Rachdruck verboten.) Mtttev tft%n Schutze des Gesetzes. 71 Von Maria Konopnicka. Das Mädchen entfernte sich. In ihrem Kopfe schwirrten unklare Gedanken. Es war wohl das Glas Anis, das sie jetzt im Lkopf wirr machte, vielleicht auch die Hitze in der Schänkc oder das Gerede des Burschen. Draußen bemerkte sie, daß sich schon die Dämmernng hcrniedersenkte, und daß im blassen Abendrot vicr Lanrpen auf dcm Niirgplatz flackerten, gelb und qualmend. Davon konnte also nicht mehr die Nede sein, daß sie die Schlächterfrau heute noch aufsuchte. Sie der- schob es auf morgen. Sie durchquerte die Straße und blieb stehen. Morgen... lind jetzt? Wohin sollte sie sich jetzt wenden? Wo über- nachten? Die Thür des Schauklokals knarrte, Kalik trat her- aus und sah sich links und rechts spähend um. Das Mädchen trat in einen Thorweg und wartete, bis er vorüber war. Erst als eine beträchtliche Entfernung sie trennte, trat sie heraus und schleppte sich nach der entgegengesetzten Seite. Es war ein ruhiger, warmer Abend, ein feuchter, Perl- grauer Nebel hing tief über der Erde, hier und da vernahm man das Knarren eines BrnnnenschwengclS und das Lachen der Wasser schöpfenden Mädchen. Hanka ging etwa eine Stunde laug, wandte sich um, blieb stehen, gleich wie ein verirrtcs Schaf, das sich von der Herde getrennt hat. Durch die niedrigen Fenster der Holzhäuschen konnte man die Be- wohner in den beleuchteten Stuben wahrnehmen. Hier und da setzte man sich an den Tisch zum Abendessen, der Duft frisch gekochter Kartoffeln und Speck drang heraus. Wie sie es bei Tag den Menschen gegenüber gcthan, so wandte jetzt Hanka von diesen Fenstern das Gesicht ab und verbarg es unter dein weiten Tuch. Sie wußte, daß keines dieser Fenster sich für sie aufthue, daß keine dieser Thüren ihr Einlaß gewähren würde... Die paar trocknen Semmeln hatten sie nicht gesättigt, und auch der Fuß fing jetzt erst an, sie heftig zu schmerzen. Aber sie ging immer weiter, denn sie wußte nicht, wo sie stehen bleiben sollte, bis sie in der Luft den Geruch von frisch gemähten He» verspürte, und sich auf einer kleinen Vorstadtwicse befand, zwischen Häuflein von ans- getrocknetem Grummet. Unter einem dieser Häuflein ließ sie sich nieder inid lehnte das Haupt gegen dasselbe. ... Sobald der Morgen da wäre, dachte sie, würde sie sofort zii der Schlächtcrsfran gehen, würde sie selbst hingehen und würde bitten, bitten, bis sie eine Stellung sände. Niemand würde sie bereden, weiter ein solches Leben zu führen... Sie würde sich schinden, sich die Hände wund arbeiten, aber sich nie mehr zum Bösen verleiten lassen... Der Kalik kann reden, so viel er will, auch die andern können reden, aber sie würde sich nicht mehr verführen lassen... Dieser Beschluß stand fest in ihr... Sie würde nun den Herrn Jesus inn Hilfe anflehen, und den heiligen Antonius dazu... Ach, lieber Herr Jesus, und dn, heiliger Antonius... Im Namen des' Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes... Vater unser, der du bist im Himmel... Sie schob sich tiefer in das Heu, senkte den Kopf und schlief ein... Sie hatte einen schweren, quälenden Traum. Sie träumte, daß ihr Vater, der alte Kaspar Vlecharz, Schustermeister in Pnoiaiiice, für sie Schuhe fertigte, kleine, winzige Schuhe. Er näht und näht, schlägt mit dem Hämmerchen auf die Sohlen, zieht die Pechfäden kreuzweise fest, schnitzt Holzstifte, und das alles für sie, für ihre weite Reise, denn sie geht in die Verbannung..'.. Sie aber ist ein so kleines Mädchen, so klein, daß sie kaum zehn Jahre zählen kann.... Die Mutter zieht ihr ein tveißes Hemdchen an, flicht ihr die Zäpfchen, die ältere Schwester wäscht für sie die Schürze, der Bruder schirrt den Wagen, um sie in die Verbannung zu geleiten.... Der Pfarrer kommt, singt Lieder mit dem Organisten, besprengt den Wagen mit Weihwasser, und dann donnern die Glocken.... Sie erbebt und er- wacht. Der Nachtwind hatte die Nebel weithin verstreut, das dunkle und tiefe Saphirzclt wölbte sich über sie, u»d drinnen in der Mitte brannte ein Stern, gleich einem großen goldnen Funken. Der Mond hatte sich nach dem Westen gewandt, und die Wiese lag, so weit das Auge reichte, unter einem silbernen Nebel, wie unter einem See hingebettet. Der Wachtelkönig ließ sich bald näher, bald serner vernehmen, eine feuchte Kälte drang bis in die Knochen. Sie kauerte sich zusammen, wandte den Kopf nach der andern Seite und schlummerte von neuem sanft ein. Wieder träumt sie, daß ringum ein großes Wasser braust und tobt und höher und höher steigt, und sie steht in der Mitte, das Wasser überflutet sie— nur noch einen Augenblick, und sie ertrinkt. Sie erhebt den Kopf noch einmal über das Wasser, aber sofort fällt von oben ein Stein herunter und trifft ihren Scheitel. Blut überrieselt sie, und sie geht wieder in die Tiefe. Das Wasser braust und rauscht. Kälte durchdringt ihren Körper... Schon ist sie am Ufer, schon hat sie ein Schilf- rohr erfaßt, schon taucht sie auf, holt Atem,— da, sieht sie, ani Ufer steht eine große Menschenmenge, ein jeder hält einen Stein in der Hand und wartet nur, um ihn ihr entgegen zu schleudern... Sie faltek die Hände und bittet... Ihr guten Menschen, ihr guten, gnädigen Herren! Werft eure Steine nicht. Wartet ein wenig, laßt mich ans Ufer gelangen, laßt mich ans diesem Wasser, ans diesem Abgrund an die Luft gelangen... DaS Schilf Pfeift am Ufer, das Wasser rauscht und tobt, sie klammert sich an die kleinen Erdhänflein fest, teilt die Flut, arbeitet sich bis ans Ufer heran... Da— plumps! Das Wasser zischte auf. der größte Stein trifft sie am Kopf, sie sinkt zurück, die Flut verschlingt sie... Und die Leute lachen und klatschen in die Hände und das Wasser rauscht über ihr, und das Schilf am Ufer pfeift... Sie erlvacht. Ihr Herz Pocht laut. Im Halse fühlt sie eine Trockenheit wie von einem angestrengten inneren Schreien. Sie reibt sich die Augen und setzt sich gerade auf. Es war Morgen. Der Himmel überzog sich am Ost- rand mit dem rosigen Morgenrot. Wilde Gänse, die vor dem Abzug nach fernen Gegenden auf dem nächsten Stoppel- felde ein Abschicdsmahl hielten, erheben sich mit lautem Ge- schnntter, ordnen sich in eine lange Reihe und wiegen sich in der stillen Lnft, wie ein Band, das von der einen Seite von der aufgehenden Sonne vergoldet wird und von der andern den bläulichen Schimmer der Wiesenncbel tvicderspicgelt. Hanka blickte nach oben und betrachtete sie lange. Das Band schwebte immer höher, immer ferner dahin, und herunter drang seine Stimme, gleich dem Summen einer entfernten Laute. Zuweilen nur durchschnitt der Schrei eines Gänserichs dieses Sunimen und hallte weithin durch die Stille des Morgens. Hankas Augen öffneten sich weit, ein tiefer Seufzer hob ihre fchniächtige kleine Brust, die vom nächtlichen Tau durchfeuchteten Haare fielen ihr auf Gesicht und Hals hernieder. lind aus der Kehle drang ein kurzer abgerissener Ton, gleich- sam ein unwillkürlicher Aufschrei des unbezwingbaren Gefühls der Freiheit und der Unabhängigkeit... Aber das dauerte nur einen Augenblick. Als der letzte Ton der in den Lüsten entschwebenden Laute verhallte, blickte das Mädchen spähend nach allen Seiten um sich, und eine nnwillkürliche Scham überfiel sie. Ihr Kopf senkte sich, die Hände schob sie tief in die Acrmcl der groben Jacke hinein; sie kniff die Lippen zusammen inid kehrte langsameil Schritts nach dem KraShäuflein. wo ihr Tuch liegen geblieben war. Sie»nißre sich beeilen, um bei der Schlächtersfrau rechtzeitig anzulangc» und um die Dienststelle anzuhalten. In den Häuschen der Stadt erwachte die TageSarbeit, in den Höfen blökten schon die Schafe, hie und da stiegen düime Rauchsäulen aus den Schoriffteinen. Sie ging, ohne aufzublicken und sie dachte all die nächtlichen Tränine, an die dniÄ) die Lüfte in die Ferne segelnden wilden Gänse» und in ihrem Kopfe rauschte und tobte es wie von einem großen, großen Wasser... Die Hökerin, bei der Hanka Tags zuvor Semmel ge- kauft hattet die Besitzerin des Bettbezugs für vier Personen und allerhand sonstigen HauSratS, die dem Mädchen den Dienst bei der Schlächtcrfrau cvipfohlen, konnte nicht lange an sich halten und verriet ihrer Gevatterin uild Nachbarin, ficr M(itc»Zzo>va, daß sie der hochnmtigen KalasinZka einen Streich spiele nnd ihr eine Verschickte als Tienstmagd ein- schmuggeln würde. Die Matenszowa hört gedankenvoll zu. Es traf sich nämlich, daß sie gerade an jenem Tage zivei Kalbsfüße auf Kredit nehmen mußte, und sie überlegte, daß um den Preis einer solchen Neuigkeit das Gelvünschte leichter zu erhalten sein könnte. Ohne zu zögern, uahni sie das Tuch und den Korb und eilte in den Schlächterladen. Die vertrauliche Unterhaltung der beiden ehrsanien Frauen hatte einen doppelten Erfolg. Die Mateuszowa trug im Korbe drei graue, zottige Kalbsfnße nach Hause, die sie auf Kredit bekommen hatte, und war rot voni eifrigen Sprechen und von den paar Gläschen Pomeranzenwein, niit denen die Laden- bcsitzerin sie traktiert hatte; diese aber wälzte sich die ganze Nacht auf dem Lager, schnaubend und keuchend vor Wut und erwartete ungeduldig den Morgen. Von selber hätte sie viel- leicht eine Verschickte in ihren Dienst genommen, zumal eine solche sehr wenig Lohn erhielt, aber daß eine ihr zum Possen mit Absicht so was unterschieben wollte I... Nein, das konnte sie sich nicht bieten lassen, das sollte keiner erleben!... tFortsetzung folgt.) (Nachdruck verbotrn.)' Dev folzscndo 29» Fiebrnsv 1900» Unser Kalender ist gar keine so einfache Einrichtung«nd enthält noch heute ein ungelöstes Problem, das freilich für nnsre Zeit dem einzelnen Menschen keine besonderen Schmerzen z» verursachen braucht. Augenblicklich können wir mit nnsrem Gregorianische» lralendcr ganz zufrieden sein nnd können die Ungenügsamkeit nnsrcn Astronomen überlassen. Jmmcrhin bedeutet das jetzige Jahr für die lebende Generation insofern ein chronologisches Ereignis, als in der Zeit« rechnnng ein Umstand eintritt, den kein Mensch szlveimal und den überhaupt von allen Menschen nur ein kleiner Teil erlebt. Es ist jedem bekannt, daß nach drei gewöbnlichcii Jahren immer ein Schaltjahr einzu- treten pflegt, in dem auf den 28. Februar noch ein 29. folgt. Schalt« jähre sind demnach zunächst alle die Jahre, deren Jahreszahl durch vier teilbar ist. Bei dem Jahr 1900 ist dies auch der Fall und doch ist dieses Jahr kein Schaltjahr nnd cS giebt nur einen 28., aber keinen 29. Februar. Es ist ganz interessant, sich die Begründung dieser Ein- richtnng jetzt einmal zn vergcgcinvärtigcn. Als Tag bezeichnet die Menschheit von Alters her den Zcitramn einer cinmatigen Umdrehung der Erde»nn ihre Achse, gemessen an der Bclvegnng der Gestirne nnd zwar vorzugsweise der Sonne. Mit andern Worten: ein Tag ist der Zeitralini. der ztvischen einem Durchgang der Sonne durch den Meridian eines Ortes und dem nächsten Durchgang verfließt. Diese Zeit wird in 24 Stunden ein- geteilt und heißt der„Sonnentag". Im Gegensatz zn ihm unter- scheidet man den bürgerlichen Tag, der in seiner Länge um einen positiven oder negativen Betrag von dem Sonnentag ablveicht. Die Einrichtung des bürgerlichen Tags ist dadurch»otwciidig geworden, daß die Länge des Sonnentags im Verlans eines und desselben Jahres ivechselt, ein derartiger Wechsel für die Zwecke dcS bürgerlichen Lebens jedoch unzuträglich ist. Der bürgerliche Tag stellt also die Durchschnittslänge des Sonnentags dar, nnd wenn der Aslronoi» den bürgerlichen Tag in den Sonnentag umrechnen will, so hat er gewöhnlich einen Betrag Hinz» zn zähle» oder ab« zuziehen, der ihm durch die sogenannte Zeitgleichnng angegeben wird. Die Zeitgleichnng findet sich in jedem astronomischen Jahrbuch tnbcl- larisch für jeden Tag des JahrcS angegeben. Diese Differenz zwischen bürgerlichem Tag und Sonnentag würde auf den Kalender leinen Einfluß zu haben brauchen, die Schluierigkcit tritt erst mit der Thatsache ei», daß die Umdrehung der Erde um ihre Achse, also der Tag, nicht glatt in die Umdrchungszeit um die Sonne, also das Jahr aufgeht. Bekanntlich enthält das astronomische Jahr un- gefähr 3lZ5t/< oder genau 305,2422:10 Tage. Diese Differenz zu be- scitigen, mußte die erste Aufgabe eines guten Kalenders sein, und dieser Forderung genügte der alte Julianische Kalender insoweit, als er jedes vierte Jahr einen Tag einschob und in dieseir Ztvischen- räumen zn dei» 305 Tagen des geivöhnlichen Jahres aus den vier übriggebliebenen Vicrtcltageii den 300. hinzufügte. Wir haben nun aber gescheit, daß das Jahr auch nicht genau 305'/« Tage in sich faßt, sondern etivas weniger, nämlich nur 303,242210. Daraus ergiebt sich, daß das alte Julianische Jahr durchschnittlich etwas zu lang, und zwar um den Unterschied von 0,25 und 0,242210 Tagen. Dieser Irrtum hatte sich bis zum Ende des 10. Jahrhunderts derart summiert, daß der bürgerliche Kalender gegenüber dem astronomischen schon um 10 Tage zurück lvar. Es mag auf den. ersten Blick nicht ganz klar erscheinen, tvarnm eine Verzögening des Kalenders ein- treten mußte, wenn nia» einen zu hohen Betrag der Verbesserung durch den Schalttag eingeführt hätte. Eine kurze Ueberlcgung wird die Erklnrmig geben. Der Schalttag, der als 29. Februar alle 4 Jahre in den Julianischen Kalender eingeschoben wurde, war, wie wir gesehen haben, ctlvaS zu lang, er hätte nicht 24 Stunden vc» tragen sollen, sondern etwa 233/4 Stunden. Wenn er aber doch zn 24 Stunden gerechnet wurde, so war die selbstverständliche Folge, daß der Eintritt des folgenden 1. März verzögert wurde. Und diese Verzögerung hat sich eben zu der Differenz summiert, in der gegenwärtig z. B. die deutsche Zeitrechnung gegen die russische steht. Am Ende des 10. Jahrhunderts betrug der linterschied wie gesagt 10 Tage und der Papst Gregor XIII. faßte den Beschluß, ihn aus der Welt zu schaffen, indem er ans Donnerstag, den 4. Oktober des Jahres 1582 als nächsten Tag Freitag den 15. Oktober 1852 folgen ließ. Von diesem Augenblick an führte der Kalender den Namen des Gregorianischen. Am frühesten nahm Frankreich die Acnderung an, indem König Heinrich III. durch öffent» liche Verordnung festsetzte, daß auf Sonntag den 9. Dezember 1532 als Montag der 20. Dezember 1582 folgen sollte. In England dauerte dagegen infolge hartnäckigen Widerstandes eines Teils der Protestanten der alte Stil bis zum Jahre 1752. während Schottland den Gregorianischen Kalender schon im Jahre 1000 angenommen hatte. Diese getvaltsame Berichtigung des Kalenders, die sicher für die Zeitgenossen nichts Angenehmes gehabt hat— ob die Staats- bcamtcn für den um'/s gekürzten Monat das volle Gehalt erhalten haben, ist mir nicht bekannt—, wäre ohne dauernden Erfolg geblieben, wenn nicht zu gleicher Zeit eine organische Veränderung eingeführt worden wäre. Diese bestand darin, daß eine Ver- Minderung der Schaltjahre vorgenommen wurde tiiid zwar in der Art, daß die Jahre des vollen Jahrhunderts, also 1700, 1800, 1900 usw., nicht mehr als Schaltjahre gelten sollten, ivenn die Ziffer der Hunderte nicht dnrch 4 teilbar war. Daran? ergiebt sich, daß die Jahre 1700, 1800, 1900 z. B. keine Schaltjahre sein durften, während das Jahr 2000, als dnrch 4 teilbar, wieder»»» einen 29. Februar erhalten muß. De» Wert dieser Kalenderverbessernng, die aus de»» Julianischen den Gregorianischen Kalender machte, wollen wir»ins etwas näher ansehe». Es würde demnach in einer Periode von 400 Jahren 303 gemeine Jahre zu 305 Tagen»lud 97 Schaltjahre zu 300 Tagen gebe». Wenn n»an daraus die Summe zieht, so erhält umn für den Zeitraum von 400 Jahren den Betrag von 140 097 Tagen. Auch diese Zahl aber stimmt hier nicht genau mit dem astronomischen Zcitvcrlauf, denn die Multiplikation des astronomischen Jahres von 305,242210 Tagen mit 400 ergiebt um 0,1130 Tage weniger. Demnach bleibt der Gregorianische Kalender»in» etwa 1/10 Tag in 400 Jahren gegen den astronomischen zurück oder um etiva einen vollen Tag in 400 Jahren, und um auch diesen Fehler annähernd auSziiglcichen, müßte man also in je 4000 Jahren einen ganzen Tag unterdrücken, so daß z. B. das Jahr 4000 kein Schaltjahr sein dürfte, wie es die Jahre 3000, 2000, 1000 sei» mußten. In einer Periode von 4000 Jahren würden danach 909 Schalljahre und 3031 gemeine Jahre zu rechnen sein. Ist der Fehler nun damit völlig ans der Welt geschafft?— Nein, denn es bleibt uacti jener Periode von 4000 Jahren oder 40 Jahrhunderten ei» Fehler von 0,130 Tagen. Wenn man nun die immer verwickelter iverdcnde Stcchnung fortsetzt, die aber, wie gleich gesagt sein mag, doch zn einem wirk- lichen Ende zu bringen ist. so würde man nach 280 Jahrhunderten wieder cincn Fehler zu berichtigen haben, denn siebenmal 0,130 ergiebt 0,952, also fast einen vollen Tag; dieser Bc- trag tritt ein für siebenmal 4000 gleich 28 000 Jahren oder 280 Jahrhunderten. Nach dieser Periode aber wird man sich nicht mehr dadurch zu helfen haben, daß man ein Schaltjahr unter- drückt, sondern es muß im Gegenteil eines eingeschoben werden, bcni» während bisher der 29. Februar etwas zu kurz ausgefallen lvar. ist er jetzt in, Durchschnitt zu laug geworden. Allzulange kann man sich jetzt aber ohne Verwirrung bei diesen Verhältnissen nicht mehr aufhalten, und der geduldige Leser muß daher gebeten werden, das Folgende einfach als Thatsache hiiiznuehmen, wenn er sich nicht die Mühe geben will, der Nechuung für sich selbst genauer uachzu- gehen. Nach 28 000 Jahre» wird noch eine Differenz von— 0,048 Togen bleiben. Wenn man diesen Zirkel mit 20 niultipliziert, so erhält man in 500000 Jahren wieder fast einen ganzen Tag, nämlich 0,90 und es muß wieder ein Schaltjahr unterdrückt lverdcn. Mit dem dann noch bleibenden Rest von 0,04 Tagen kann man nnn glück- lich zum Ziel konnneu, denn wenn dieser Betrag mit 25 multipliziert lvird, so geht die Rechnung endlich auf, da dann genau ein voller Tag heranskomnit. Dieses Ziel ist erreicht in 25 mal 500 000 oder 14 Millionen Jahren. Nach diesem langen Zeitraum ist die Ilebereiiistimmung des bürgerlichen Kalenders mit dem astrononiischcn Kalender endlich vollkommen hergestellt, ohne daß das Princip des Julianischen bezw. des Gregorianischen Kalenders sich als unbrauch- bar erwiesen hätte. Joseph Scaligcr, ein berühniter Kalendcrrcchner des 10. Jahrhunderts, hat die zur Erzielung einer solchen Ucberein- stimmiing nötigen Kalenderpcriodcn auf 7980 Jahre angegeben, er lvar also noch weit von der Wahrheit entfernt, da der entsprechende eitraüm, wie wir eben gesehen haben, eine Periode von 14 Millionen ahrcn umfaßt. Während einer solchen Periode von 14 Millionen Jahren muß der Kalender 10 003 970 gemeine Jahre und 3 391 024 Schaltjahre enthalten, damit die Zeitrechuuiig der Menschheit mit der Zeitrcckmung des Himmels in Einklang bleibt. Diese Nechniiug scheint ja wohl dazu angethan zu sei». daS Gefühl voller Befriedigung zu hinterlassen. Es geht ja alles prächtig auf. wenn man sich dabei auch hat in Millionenzahlcn versteigen müssen, und danach ist auf dem Papier alles in schönster Ordnung. Nur ein philosophischer Fehler hostet auch dieser Rechnimn noch an und beeinträchtigt jenes Gefühl der Befriedigung, nämlich die«er- nachlässigrutg der alten Regel:„Alles fließt". Dieser Regel einiger Veränderlichkeit ist ohne Zweifel auch die Bewegung der Gestirne unterworfen. Unser heutiger Erdentag. d. h. die Zeit einer ein- maligen Umdrehung der Erde um ihre Achse, wird nicht immer die gleiche Länge haben, und auch die Umwälzung der Erde um die Sonne, die den Erdenbewohnern das Zeitmaß des Jahres hergegeben hat. muß sich verändern. In welcher Weise das geschieht, das wissen unsre Astronomen heutzutage noch nicht und werden es Voraussicht- lich auf lange Zeit hinaus noch nicht wissen. Ueber diese Zukunft und ihre Folgen für den Kalender brauchen wir daher heute noch nicht zu grübesn.— Dr. E. T i e s s e n. Kleines Feuilleton. v. Der„Orgclschrci". In einer Wernigeroder Urkunde des JahreS 1330, die die Einrichtung des Gottesdienstes an einem neu« gestifteten Altar der alten Pfarrkirche St. Georgs festsetzt, heißt es u. a.: Der Vikar solle die Liturgie beginnen, wenn man nnt der Orgel„brüllte wie ein Stier". ÄZie nun Paul Stöbbe in der soeben erschienenen„Zeitschrift des Harz-VereinS" mitteilt, handelt es sich hier nm einen gewaltsamen musikalischen Effekt, der in der ältesten Geschichte des Örgclspicls häufiger zu finden ist und nervöse Menschen aus der Kirche Heranstreiben konnte. ES war ein Accord, der. auf drei bis vier Tönen ruhend, eine große Anzahl Pfeifen plötzlich erklingen machte und längere Zeit am Ein- und Ausgang eines Liedes auSgehaltcn wurde. Man nannte ihn den„Orgclschm". Die große Orgel zu Winchester z. V. hatte auf jeder Taste circa 40 Pfeifen stehen, ein„Orgclschrei" mit drei bis vier Tasten brachte also 120 bis 100 Pfeifen auf einmal zum Klingen. Seine Wirkung schildert der Mönch Wolstan folgendermaßen: „Als wie des Donners Gebrüll erschüttert die eherne Stimme RingS die Lüfte, und nichts waS es fei, hörest Du sonst: Also mächtig ertönet der Klang, daß jeder die Ohren Sich mit den Flächen der Hand zuhält und nicht es verträgst, Wenn erklingt das Gebraus der viclvermischcten Töne. Ja, in der ganzen Stadt hört man den singenden Ton I" Daß diese Schilderung nicht übertrieben ist, kann man noch heute in Salzburg beobachten. Tort giebt es auf der Festung Hohcnsnlzburg ein Hornwerk, eigentlich eine Orgel mit mechanischem Betrieb, die 1S02 erbaut ist und dreimal am Tage ihre Weisen vom Turm erklingen läßt. Jedesmal vor Beginn des eigentlichen Musik- stücks ertönt ans der Orgelmixtnr mit 135 Pfeife», dem sogenannten Horn, ein mächtiger O-äur-Accord, der im Nolksmund der„Salz- dnrgcr Stier" genannt wird. I» Wernigerode scheint eS auch eine» solchen„Stier" gegeben zn haben, der jedesmal am Schluß der Lieder gespielt wurde und für den Vikar ein Zeichen war, die Messe zu beginnen.— — Der Kamm. Das Haar wurde von den Frauen von jeher mit der größten Sorgfalt gepflegt. Das Gerät, dessen man sich be- diente, um das Haar zn reinigen, zn ordnen, anfzusteekc» und fest- zuhalten oder um das ineinander geratene Haar zn entwirren, war schon im Altcrtnme der Kamm, wenngleich zu Beginn der Menschen- geschichte die fünf Finger der Hand diese Arbeit besorgen mußten. In großer Anzahl hat man Kämme in altrömischen Gräbern ge- funden und zwar die meisten in einer Lage, als seien dieselben in den Haaren des Hinterhauptes befestigt gewesen; auch Einschlag- kämme, nach Art nnsrcr jetzigen Taschcukämme, die man im Ge- wände bei sich tragen konnte, sind häufig aufgefunden worden. Alle diese alten Kämme sind aus zwei oder mehreren Stücken zusammen- gesetzt, haben bald enger, bald weiter von einander stehende Zähne und weisen am Griff Verzierungen ans. Die hauptsächlichsten Arbeiten der Kammfabrikation bestehen in der Zubereitung entsprechend geformter Platten und im Einschneiden und Zuspitzen der Zähne. Als Hnarkämme dienen die ans zwei Seiten fein gezahnten Staubkämme, ferner die spccicll zum Ans- känuncn bestimmten wcitgezähnten Kämme und die Frisicrkämme, deren eine Hälfte mit kleineren und engeren Zähnen und deren andere mit längeren und weiten Zähnen versehen ist. Zum Fest-. halten des Haares und vielfach auch als Schmuckstück dienen die Einstcck- und Seitenkämme. Zur Herstellung der Kämme dient mancherlei Material. Dem ge- wöhnlichcn Bedarf dienen die Horn- und Knutschukkämme; feinere Sorten werden aus Schildpatt und Elfenbein sowie aus Vuxbaum und Ebenholz verfertigt. Ilm das Haar dunkler zu färben, bediente man sich zuweilen verwerflicherweise der Blcikämmc. Die besseren und feinsten Känime aller Art liefern Paris, London und Wien; in Deutschland befassen sich mit der Herstellung derselben vorzüglich Berlin, Fürth und Nürnberg. Die Form der Schmnckkäinme wechselt mit der Mode. Zur Zeit unsrer Großmütter trugen die Damen mit Vorliebe Schildpatt- kämme, die den ganzen Hinterkopf umschlossen; der Grif war reich mit Perlmutter oder mit Sternchen, Blättchcn und Blümchen ans Stahl verziert und so breit und hoch, daß er weit über dem Kopfe vorstand. Dieser Schmuck- komm erforderte besondere Vorsicht beim Einsteigen in einen geschlossenen Wagen, und manche Dame mußte im letzten Augen- blick auf ein Ballfcst oder ein andres Vergnügen verzichten, weil sie mit dem hohen Kanim unvorsichtigerweise gegen die Decke des Wagens gestoßen hatte, wodurch die starken spitzen Zähne sich ihr tief in den Kopf einbohrten. Im Mittelalter wurde mit Kämmen noch mehr Luxus getrieben als jetzt; sie waren seltener und zugleich kostbarer und kunstvoller als heutzutage. Im Museum des Louvre befindet sich ein elfenbeinerner Kamm aus dem 10. Jahrhundert; er ist ein 10 Centimeter langer Doppelkamm, halb Staub-, halb Frisierkamm und weist in der Längs- mitte und an den beiden Enden prachtvolle Reliefs und andre Ver- zierungen auf. Bei manchen Völkern wird auch heute noch wie früher im alten Griechenland den Verstorbenen ein Kamm mit ins Grab gegeben. So überreicht bei einigen indischen Völkerschaften der Priester dem neuvermählten Paar zwei Kämme, de» einen zum gemeinschaftlichen Gebrauch für beide, den andern als Grabbeigabe für den zuerst Sterbenden. Es klingt uns zwar wunderlich, davon reden zn hören, daß Männer der Kämme zum Aufstecken und Festhalten des Haares sich bedienten. Allein bis vor einigen Jahrzehnten gehörte ein großer runder Kamm zur Sonntagsklcidung der alten Männer in Gebhards- gereut in Thüringen. Dieser Kamm hielt die langen Haare ringsum zusammen, und die Träger des Kamms führten de» Namen „Schüttclköpf". Auch in Märchen und Sage spielt der Kamin seine Rolle. So erhält das arme Schncewitchen den verderbenbringenden Kamm durch die böse Stiefmutter. Die Loreleh kämmt sich, wie jedermann be« kannt, mit goldenem Kamm.—(„Köln. Vollsztg.") Musik. — Selten wohl haben in irgend einer Kiinstcntwickeliiiig zlvei Meister ein so ausgedehntes und wertvolles Epigouentnin hervor- gebracht, wie in unsrer neuereii Musikgeschichte Felix Mendelssohn und Robert Schumann; selbst die ihnen doch weit überlegenen Klassiker wie Bach und Hacndcl, wie Hahdn, wie Mozart und Beethoven haben keine solche Nachbildung gefunden. Mau muß wohl Heines Bedeutung für die dichterische Lyrik ins Auge fassen, um etwas zn finden, das jener Erscheinung ähnlich ist und sie durch diese Achulichkcit gleichsam erläutert. Längst haben in scharfem Gegensatz zu jener ganzen Richtung die spc- cifisch moderne» Komponisten ein breites Feld erobert. Allein min hat sich der frühere Druck der Aeltere» auf die Neueren umgekehrt: die Ungerechtigkeit wird jetzt in entgegengesetzter Richtung geübt. Es ist, als wolle man sich dem Wohlklang, der in Werken, ivie namentlich von I. Zellner, dann etwa von Bargiel, endlich auch von teilweise hervorstehenden Meistern wie Rnbinstein, Volkmnnn, Rheinberger waltet, absichtlich entziehen und nicht dulden, daß in einer bewährten Sprache weitergesprochen wird. Und doch: so bald endlich wieder ein Werk dieser Art zu Gehör kommt, erfreut es das parteilose Publikum. Von Rcinhold Ludwig Herrn an (geb. 1840) finde ich aus den letzten Jahre» nur eine kleine pro- vinzialc Aufführung aufgezeichnet. Um so nichr ist ihm der sehr freundliche Erfolg zn gönnen, den sein noch nuveröffentlichtes K l a v i e r q n a r t c t t fand, als es Sonntags in dem letzten der diesjährigen populären Konzerte des W a l d c m a r- M e y c r- Quartetts zum erstenmal aufgeführt wurde, unter Mit- wirknng dcö Komponisten nm Klavier. Es ist in B-ckur geschrieben, mit Hiiiabspaiiimng der C- Saite des EelloS nach B. Die besondere Mcrkiviirdigkcit jenes Epigonentums, daß cS zwei seiner Zeit zum Teil gegensätzliche Komponisten als Vorbilder ver- einigt, zeigt sich hier unter(Inderin in der Verschiedenheit zwischen dem dritten Satz, Allegretto mosso con grazia, cincin prickelnden Scherzo in Mendelssohns Art, und dem Finale, das hinwieder mehr Schumaunisch und im übrigen das typische„Allogro risolato- ist. Der zweite und dritte Satz dürften wohl die schönsten sein; in dem Hnuptthema jenes, des Ackagio quasi Andante, kommt die melodiöse Konipositionsweisc des Autors ganz besonders zur Geltung. Die Anlage des Ganzen ist weit mehr polyphon als harmonisch; viel Bewegung in Harmonie und Rhythmus giebt es hier nicht. Von einer eigentlichen Originalität ist, trotz der reizvollen Themen, nicht eben zn sprechen, zumal da sich durch das Ganze die beknnnten RedewendNiigeu hindnrchziehn. Ein Genuß aber muß es sein, namentlich für den Klavierspieler, ein Werk vorzutragen, in welchem ein so lebendiger, temperamentvoller Zug herrscht wie in diesem. Größere Kamiuermusikivcrke, namentlich solche mit Bläsern, be- kommt man nicht eben häufig zu hören, lind doch sind die nicht vielen, die. cS giebt, prächtige Schätze. Von Blasinstrumenten werden dabei meist Holzblasinstrumente, vom Blech meist nur das vor- nehniste, das Horn, zugezogen. So z. B. in einem der größten der- artigen Werke, in Spohrs Nonett(wie selten wird cS gebracht I). Anderes Bleich, paßt zu den Streichern noch weniger, als dazu— nach dem Geschmack von Feinhörern— das Klavier paßt. Zwar hat Hummel neben seinem wunderschönen Klavierseptett auch eines mit Trompete geschrieben; allein es ist von vornherein als „Militärseptett" angelegt. S a i n t- S a s n s hat. in seinem Septctt für fünf Streicher, Klavier und Trompete dieses Instrument mit den übrigen dadurch möglichst ver- einbar gemacht, daß er diese und das Ganze nicht allzu fein hielt. Markante, wohlgefällige, einfache und ein wenig robuste Themen mit recht bündiger Erledigung des Drum und Dran: so ist diescS Werk jedenfalls eines der cigei'Himlichsten«nd dankbarsten des gesamten Gebiets— und trotzdem kein Stepertoire- stück. Die Waldemarer haben eS in demselben Konzert mit Stecht hervorgeholt und glänzend gespielt; Herr Hermann Schulz trompetete, daß es eine Freude Ivar. Vorher sang noch Fräulein Marie BLdcher eine Vach-Arie; ihre Altstimme ist schön, aber ohne Abgcwöhnnng von Mängeln, wie der zuckenden Unterleibs- Atmung, wird da kaum viel zu machen sein.— sz. Aus dem Tierleben. ie. Frißt der Fuchs Fische? In der»Allgemeinen Fischerei-Zeitnng" wurde von einem Mitarbeiter Meister Stcinccke als Fischdieb verdächtigt und dadurch eine lebhaste Erörterung hervor- gerufen, in der die einen als Verteidiger des FuchseS anftraten und alle derartigen Geschichten in das Gebiet des Jägerlateins verwiesen, während andre das Anklagcinatcrial gegen den roten Ständer noch vermehrten. In der neuesten Ausgabe jener Zeitschrist meldet sich ein erfahrener Jäger und Fischer ans Ravensburg, der seinerseits sehr merkwürdige Erfahrungen Über den Fuchs zu erzählen weiß, und für ihn ist es eine Thatsache. daß der Fuchs Fische frißt. Allerdings kann er nicht eigentlich fischen. wie z. B. der Fischotter, da er nicht seine Nase und Ohren schließe» kann, wie das letztere Tier. Der Fuchs kann daher auch nicht tauchen und längere Zeit unter Wasser bleiben, wodurch eine eigentliche Verfolgung der Fische schon an sich für ihn ausgeschlossen ist. Zuweilen aber kann der Fuchs sehr Ivohl aus einem flachen Gewässer ohne längeres Tauchen fische rauben, z. B. aus kleinen Weihern, in die vorübergehend arpfen eingesetzt ivordcn sind, um bis zum Verkauf darin zu bleiben. Die Fische drängen sich besonders bei Nacht in solchen beschränkten Gctvässern nach dem Platz znsannnen. wo daS Wasser zuströnit. um sich dort an dem reicheren Sauer- stofs des frischen Wassers zu erquicken, liud ans diese Weise ihre Kiemen zu reinigen. Dann kommen sie oft in dichten Haufen mit dem breiten Stücken über Wasser, so daß es cinenl Fuchs nicht schivcr fallen kann, mit einem Sprunge einen Fisch zu erhaschen. Uebrigcns ist dasselbe auch jeder Katze möglich. Der Gewährsmann der„Fischerei-Zeitung" berichtet sogar von langhaarige» Vorstch- Hunden, die viel im Wasser zu arbeiten hätten und dabei thatsächlich einen Fischereisport trieben. Einer dieser Hunde hat oft beim Abfische» eines Weihers die Karpfen apportiert, die neben die großen Fisch- kästen fielen und in dem Wasser von nur 20 bis 30 Ceutimetcr Tiefe zu entkommen suchten. Der Hund tauchte ohne weiteres mit dem ganzen Kopf unter Wasser und brachte die 2— 3 pfündige» Karpfen seinem Herrn. Auch auf eigne Rechnung machte er zuweilen Fischjagd und schleppte gelegentlich schivere Goldfische triiunphicrcud bis ins Zimmer, die er im Garten ans einem lveuigstcns 40 Centi- meter tiefen Spriugbruuncn-Vassin geholt hatte. Wenn ein Hund so etivas fertig bringt, so kann man dem Fuchs dasselbe zutrauen, umsomchr als dieser sich gern den Wasscrläufen entlang„schnürt", wo er gewöhnlich auf Mäuse, Wasserratten, und auch auf Igel Jagd macht.— Aus der Pflanzenwelt. — Die Cedern in Nordafrika, auf den nördlichen Randgebirgen der Sahara, schildert Behrens in einer iin„Globus" veröffentlichten Arbeit in folgender Weise: Plötzlich hebt sich der Berggrat des Tuggur aus der Ebene bis zu 2100 Meter empor, fast'ohne Vorberge zieht seine Doppelreihe gleich hoher Zinnen durch die Steppe, und schon weither erkennt man die pilzartig aus- gebreiteten Baumriesen des Libanon, die den Bergsanm spärlich betvimpern. Nichts ist dem Wüchse der Ccder zu vergleichen, alles geht riesenhaft ins Wagercchte, ganz kurz nur ins Senkrechte. Daher die tvimderbaren, iveit ausgebreiteten Laubschirme, die etagcuweise über einander stehen, unterbrochen durch nackte Stänunstücke. Erblickt man von ivcitem eine Ceder einsam auf einer Klippe stehend, so sieht sie einem Riesenpilz mcht unähnlich, aber in der Nähe löst sich diese Gestalt in einem herrlichen Etagenba» ans, und das Nadelgewirr ist betaut mit einem duftigen Blaugrün. Stiefig sind die Stämme der alten Bäume, und ihre Laubdächer breiten sich horizontal ebenso weit ans als sie hoch sind; oben ist die Krone gewöhnlich abgestorben, ein Laubschirm be- endigt sie, und ein kahles Stammende ragt als Wipfel daraus empor. Ungeheuer festes Holz besitzt der Baum: da liegen alte, umgestürzte Ricscnstäimne, ganz mit Flechten überwachsen wie die Felsblöcke neben ihnen und kaum davon zu unterscheiden, aber noch völlig hart und fest. Bor kurzem noch hat der König der Tiere im Schatten der Ccder Rast gehalten: jetzt freilich scheint er durch die Flinte des Europäers dort völlig ausgerottet zu sein.— Humoristisches. — Mahnung. Pfarrer zur neuen Köchin:»Im Kochen müssen Sie sich noch besser«; bei Ihrer Vorgängerin Hab' ich mich in der Fasten stets überessen!"— — Der gelehrige Sprößling. Der Konnnerzicnrat Pölte hatte es selbst sehr weit gebracht, er war ein praktischer und ehrgeiziger Mann. Leider war sein einziger Sohn nicht nach seinem Sinn geraten. Er war ein sehr wenig begabter und fauler junger Mann. Der Vater hatte alles mit ihm versucht, um ans ihm etivaS zn machen, aber alles scheiterte an dem Mangel an Intelligenz de» jungen ManncS. Endlich bot sich iviedcr eine Gelegenheit, den Sohn zu lancieren, und diesmal hoffte Papa Pölte sicher' Erfolg zu haben. Es galt nach England zu gehen und dort ans einer großen KonknrSanktion vorteilhaste Einkäufe zu machen. Der Papa' hatte ihm alles genau eingeschärft, was er kanfen und wie viel er bieten sollte, und wenn alles fertig wäre, sollte er telegraphieren: „Perfekt. Papa". Alles nwr in schönster Ordming und der Sohn fuhr hoffmmgS- voll ab. Sehr stolz blieb der Vater zurück, bis er statt des erwarteten Telegramms ein andres bekam, daS so lautete: ,, W a r n m bin ich hier. Papa?"—(„Simpl.'j k. Eine Stimme von oben. Von einer Openisängerin, die die Stolle der Hngenottcuprinzessin in MeyerbecrS Oper„Die Hugenotten" sang, wird folgendes Gcschickitchcu erzählt. Obgleich sie eine ausgezeichnete Stimme besitzt, ist ihre Figur für die Stolle der jungen Prinzessin etwas zu rundlich, was sich bei einer Gelegenheit für ihren Partner als höchst ungünstig erwies. Dieser war nur für den durch einen Zufall verhinderten Sänger eingesprungen und fand sich mit der Vkusik sehr gut ab, aber in der aufregenden Scenc. in der er die ohnmächtig gewordene Prinzessin in die Arme nehmen und forttragen sollte, zögerte er sichtlich: er Ivar nur klein»nd schinächtig I Während das Pnblikui» mm atemlos der kommende» Dinge wartete, hörte man plötzlich eine helle jugendliche Stimme von der Galerie:„Nehmen Sie»nr, lieber Mann, soviel Sie können, und holen Sie dann daS übrige I" Der Vorhang fiel als- bald.— Notizen. — Das Gesamt- Gastspiel deS Wiener„Deutschen Volkstheaters" im Berliner„Deutschen Theater" wird nach dem„B. B.-C." am 9. Mai d. I. beginnen und bis zum 9. Juni währen. Das gesanitc Personal der Wiener Bühne kommt hierher. Zn diesem Personal gehören». a. Frau Rosa Reith, Frau Odilo», Frl. Glöckner, die Herren Weiße, Eppcns, Retty.— — DaS erste bayrische M n s i k f e st wird in den P fing stta gen in N ii r n b e r g abgehalten. Eine Garantie- summe von 40 000 M. ist dafür gezeichnet. Das Münchencr Hof- o r ch e st e r hat die Beteiligung abgelehnt, weil es in diesen Tage» stärkt» Anspruch genommen sei,„da das Hofthcater aus Anlaß der Obcrammergancr PassionSspiele und des damit ivährcnd dieser Festtage zu erwartenden größeren Fremdenverkehrs auf ein besonders reiches, bereits für die Besucher von Obcrammcrgau publiziertes Repertoire bedacht sein muß."— — Die städtische Kapelle in Mainz brachte im letzten Sinfonie- Konzert Richard S t r a n ß'„Heldenlcbcn". Das Orchester war wesentlich verstärkt, doch fand, abgesehen von einzelnen Stellen, das Werk keinen Anklang beim Publikum.— c. Ein P n v i s d e C h a V a n» e S- D c n k in a I wird von Auguste R o d i ii geschaffen. Der Entwurf ist jetzt fast fertig. Die Büste PnviS de ChavenucS ruht auf einer nicht sehr hohen Stele, gegen die sich ein Geniiis lehnt, der den Kopf an den gebogenen Arm gestützt und„ruhmgekrönt, friedlich einschlummert. Der Ruhm wird durch einen Lorbccrstranch symbolisiert, dessen Laubwerk einen leichten Schatten auf das Gesicht de? Genius wirst, wodurch eine ergreifende Wirkung hervorgerufen wird. Diese symbolische Figur wird in Bronze, die Büste in Marmor ausgeführt. Die Steinstele wird von außerordentlich strenger Einfachheit sein. Rodin hat sich geweigert, der Architektur durch Verzierungen mehr Anmut zn ver- leihen.— — D i e 72. V e r sa ni m ln n g deutscher Naturforscher und A e r z t e tagt vom 17. bis 22. September in A a ch e n. Von den beiden allgemeinen Sitzungen ist die erste dazu bestimmt, eine» Rückblick auf die Eutivicklnng der Ratiirwissenschasten und der Medizin im 19. Jahrhundert zü geben. Die Darlegung dieser Ent» Wicklung wird in vier Vorträgen stattfinden. Die erste soll die Euiwickluug der exakten Natnrwtffenschasten, der Physik. Chemie und der sich daran anschließenden Gebiete behandeln: Prof. van f Hoff- Berlin hat diesen Vortrag übeniommen. Den zweiten Vortrag, einen Rückblickanf die Entwicklung der Biologie im 19. Jahrhundert, wird Prof. Hertwig-Berlin halten. Im dritten Vortrag wird Prof. Naimyn-Straß- bürg die Entwicklung der inneren Medizin in Verbindung mitBaktcriologic und Hygiene darlegen, im vierten Vortrag wird Hofrat Chiari (Prag) die Entwicklung der pathologischen Anatomie mit Berück- sichiigung der äußeren'Medizin bespreche». In der zweiten Sitzung werden ii. a. sprechen: Prof. Holzapfel(Aachen)„lieber die deutsche» Kohlenlager", Prof. v. Drygalski(Berlin), der Leiter der im Jahre 1901 beginnenden Südpolar-Forschniigsreise,„lieber den Plan und die Aufgaben der deutschen Südpolar-Erpcdition".— Verainioortlicher Rcvacie�r:. Paul John in Berlin. Truc! und Berlaz von Max Bading m Berlin.