Zlnterhaltungsbsalt des Horwärts Scr. 42. Donnerstag, den 1. März. 1S00 (Nachdru-t verböte«.) Anker dein Srhnkze vez? Gefckzes. 8� Bon Maria K o» o P n i cc a. Äma» war Hanta eingetreten, noch hatte sie den Mund nicht aufgethan. als die Schlachterfran von dein Sessel, auf dem sie, aus einem Niesentopfe Kaffee tnukeud, ruhte, auf- sprang und mit geballten Fäusten sich auf das Mädchen stürzte. „Ah, Tu Diebin!" brüllte sie,„Du Herumtreiberin. Pack Dich fort zu Deiner Hökerin, zu Deiner Beschützerin l Hier hast Du nichts zu suchen! Du!..." Es märe unmöglich, das ganze Schiinpfrepertoir der ehrsamen Frau Kolasinska wiederzugeben. Es war sehr reich- haliig und mannigfach, sowohl an originellen Wendungen, wie auch an Entlehnungen ans andern, in dieser Be- ziehmig reich versehenen Sprachen. Und mit einer Gewandtheit lind Schnelligkeit wurde es vorgetragen, daß sich Hanta in ein paar Sekunden wieder vor der Thürs befand, hinaus- gestogeu. mit einer Flut vou Schimpfredeu übergössen, ivindel- weich geschlagen; Frau Kolasinska aber kehrte zu ihrem Raffeeiopf zurück und stammelte mit vollgestopftem Munde den Rest ihrer Flüche, atruete wie ein Blasebalg und schüttelte drohend die geballten Fäuste gehen die Schüre. So sendet ein llugcwittcv, wenn es vorübergezogen, seine letzten Blitze hernieder, undeutlich zwischen den zerrissenen Wolken auf- flammend. Eine Weile stand das Mädchen vor der Thüre, betäubt, rrschrockeu und rückte sich die zerzausteil Kleider zurecht. Ihre Slittce bebten, ein Pfeifen und Sausen erfüllte ihre Ohren. Leute gingen Voniber und stiesjen sie an, sie fühlte es nicht und blickte nur starr vor sich hin. Sie fing an zu begreifen, das; sie in der Stadt keinen Dienst finden würde. Es schien ihr, das; durch dieses Pfeifen, das ihre Ohren erfüllte, deutlich die Stimme der Bamblowa zu ihr sprach, und dann Kaliks Stimme, und viele andre Stiimnen, die ihr wie ein Wind im Kopfe sausten. Ein instinktiver Trieb drängte sie von der Stelle weg. Sie brach auf und ging wieder herum, ohne zu wissen ivohin, oder wozu, nur tu dem Gefühl, das; eine schwere harte Hand sie iMner weiter und weiter siies; und sie zugleich immer tiefer zur Erde drückte.'.Im Gefühl dieses Drucks zog sie den Kopf zwischen die Schultern und schleppte die Beine immer langsam vorwärts, bis sie gänzlich erschöpft hinter einem Baum zusammenbrach, der ein Kartoffelfeld einfafite. Unweit, auf einer Anhöhe klapperte eine Windmühle eintönig, und ihre Flügel warfen bewegliche Schatten auf den gelben Sand. Schon wurden die Schatten immer kleiner und kündeten die Mittagsstunde an. die heis; und sengend herannahte. Das Mädchen rührte sich nicht von der Stelle, sondern umklammerte die Knie mit den Armen und sas; da. zusammengekauert, mit geschlossenen Augen. Aber unter der Einwirkung der Sonnen- strahlen und dem Geklapper der Mühle lösten sich die Hände von einander und sanken herab, die Beine streckten sich gerade und das Haupt sank aus die Brust nieder. Sie hatte kaum einen Augenblick geschlummert, als sie das Bellen eines Hundes wecne, dem der Müller Fabich folgte, in aufgelnöpster Weste und mit dem kurzen Pfeifchen im Mnude. Schon von dem Balkon seiner Windmühle hatte er wahrgenommen, das; semand ans seinem Felde herumschlenderte, und er hatte mehrere energische Donnerlvetter der hinter dem Kann sitzenden Gestalt zngeschlendert. Nun machte er sich die Mittagspause zu Nutze, um nachzusehen, wer der Eindringling wäre; als er das Mädchen bemerkte, sing er zu schreien an, während er die ausgestreckte Pfeife drohend in der Luft schüttelte: „Was Teufel hat das Mädel da auf meinem Grund und Boden zu suchen?... Wußte sie nicht, daß das mein Feld ist?... He V" Hanta erhob sich schleunigst. „Ich geh' schon... ich habe nicht gewußt. Seien Sic nicht böse." „Seien Sie nicht böse, seien Sie nicht böse!... Das sagt sich leicht: seien Sie nicht böse! Aber ich will böse sein I Donnerwetter! Fch habe das Recht, böse zu sein, auf meinen; Grund und Beden, auf meinem Felde. Zur Arbeit sind sie nicht da. aber zum Heriimtreiben, zum Schadensttften haben Sie Zeit. Wenns ein ordentliches und gescheites Mädchen war. würde sie sich nicht ans dem Felde hernmzigeunern, sondern sich lieber zum Jäten oder Kartoffelgraben verdingen.... Ich suche Arbeiter znm Kartoffelgraben, ich zahle gut, und kann keine Arbeiter finden, und die da schläft hinterm Zaun...■" Er Ivette Ae lange in seinem gebrochene» Polnisch, in das er fortwährend deutsche Brocken einstießen ließ. In Hankas Augen blitzte ein Hoffnungsstrahl auf. „Ich suche eben Arbeit." „So, das ist was andres. Jetzt ist eine Zeit, wo jeder- mann Arbeit sucht. Was Teufel nützen einein alle diese Ar- beiter ¥ Jetzt ist Geld teuer, aber Arbeiter find billig. Was würdest Du für den Tag verlangen?" „So viel, wie Sie an andre bezahlen." „Ich Zahl..." Hier wollte er den gewöhnlichen Tage- lohn nennen, aber als er die elende Kleidung des Mädchens bemerkte, hielt er sich rechtzeitig zurück und rief:„Ich zahl vierundzwanzig Groschen") dcn Tag, und Kartoffeln, so viel man verzehren kann." „Gut, ich will graben," beeilte sich Hanka zuzustimmen. „Und lvo ist der Spaten und das Laken?" „Ich Hab' keinen Spaten; auch ein Laken Hab' ich nicht." „Das ist was andres. Wenn kein Spaten und kein Laken da ist, zahl ich etwas weniger. Ich gebe zwanziz Groschen und Kartoffel zu Mittag." Hanka war resigniert. „Schon gut! Ich will graben." Der Müller Fabich nahm die Pfeife ans dem Mnud. Die Willfährigkeit des Mädchens gab ihm zu denken. „Vielleicht bist Tn aber krank? Vielleicht taugst Du nicht zur Arbeit?" Haiika erschrak. Dunkelrote Flecke bedeckten ihr ab- gemagertes Gesicht. Sie ließ ein twcknes, erzwungenes Lachen vernehmen. „Warum sollte ich nicht taugen? Ich bin gcsuud. ich bin kräftig!" rief sie, ihre magern Arme gerade reckend um» die ausgedörrten Hände mit einer Art von wilder Energie ausstreckend.„Wenn nötig, kann ich einen Stein zerkauen, über die Windmühle hinwegspringen..." „Re, ne, iic!" wehrte Fabich den Kopf schüttelnd.„Gott bewahre! Wozu die Windmühle? Die Windmühle ist nicht nötig, auch der Stein ist nicht nötig. Aber wenn ich meinen Spaten und mein Laken gebe, muß ich eine Sicherheit haben und muß wissen, wo der Arbeiter wohnt." Hanka stockte das Herz. „Ich habe gar keine Wohnung." Sie senkte ihren düstern Blick und schwieg eine Weile. Plötzlich stürzten Thränen ans ihren Augen, sie warf sich dem Müller zu Füßen. „Mein Herr! Mein lieber, goldener, barmherziger Herrl Nehmt mich zum Kartoffelgraben! Mein Herr! Ich will wie ein Hund bis spät in die?iacht arbeiten, ich will keine Scholle Erde unberührt lassen, ich will für zwei arbeiten, aber rettet mich, nehmt mich! Mein goldener Herr!" Der Müller tau erstaunt zurück. Das Mädchen brach in lautes Weinen an-s. „Ich finde keine Arbeit, ich finde feinen Verdienst! Ich habe hier keinen Schutz, keinen Freund!... Komme, waS will! Ich will lieber alles gleich heraussagen, und ihun Sie mit mir, ivaS Ihnen beliebt. Mich hat man hierher ver- schickt..." „Verschickt?" rief der Müller, stehen blridend.„Ach so l Das ist waS andres! Ach so!" Er schmatzte mit seinen dicken Lippen und schüttelte den Kopf. Nach einer Weile holte er tief Ateni, machte einige Züge ans der erlöschenden Pfeife und blies ein dünnes Rauchwölkchen hervor, dann sagte er: „Na, na!... Das ist was andres. DaS ist eine dumme Geschichte mit dieser Verschickercr... Das ist eine sehr dumme Geschichte... Aber, wenn eS so ist, kann ich so viel nicht zahlen. Wenn es so ist. kann ich nur zehn. Groschen den Tag zahlen und Kartoffeln zum Mittagessen. So, s»l Und ein Stachtlager mußt Du Dir selber suchen, und dcn *) 1 Groschen— Va Kopeke— 1 Pfennig. Späten mit dem Safcn nmjjtSDu mir jede» Abend zn Händen cibliefeni." Hanta rieb sich die Angern „Gut. Ich bin einverstanden. Gott lohn's Ihnen. Lassen Sic mir nur gleich einen Spaten geben." „Aber wozu denn gleich einen Spaten? Das wäre ja keine Rechnung. Bis zum Abend kannst Du kaum eine Furche abgraben, und ich müßte Dir ja gleich Kartoffeln geben.. Hanta machte eine entschlossene Handbewegung. „Also, ich verzichte auf die Kartoffel. Ich werde ohne Mittagessen arbeiten." „Das ist was andres! Das ist richtig I" sagte Fabich kopfuickend und befahl dem Mädchen, ihm zu folgen. (Fortsetzung folgt.) Movpsiuedev Ifrülzlittgslumpk.� Die Vcrvfscutlichuiigcn der„Insel", dieses jungen UiiteriiehmenS der Schriftsteller O. I. Bierbauin, A. W. Hcyincl und N.A. Schröder, haben im Acnhern ctivas geincinsain Charakteristisches. Sie folgen dein künstlerischen Grundsatz, die Ailsstattnng, den Buchschmuck, in ganz intimer Weise in Beziehung zum Inhalt des jewnligen BnchS zn setzen. Der Stift de? schmückenden Künstlers soll die Wirkung des Geschriebenen vertiefen und erhöhen. Als einer der ersten hat O. I. Bierbaum diesen Grundsatz bereits vor einigen Jahren mit Sntschicdenheit verfochten und in seinen Kalcudcrbücherii«Der bunte Bogel" zu vcrlvirklichcn versucht, und der Verlag von Eugen Diedc- richS in Leipzig steht an der Spitze derjenigen Verlagsimternehnningen, die eifrig ans gleicher Bahn fortschreiten. Der Verlag der„Insel", zn dessen geistigen Heiser» Bierbaum gehört, bat nun der Durchführung jenes Grundsatzes ein breites Feld eröffnet, und Ivenn es einen Künstler gicbt, der jenes Prmeip erfaßt hat, so ist es der Worpsivcdcr Heinrich Vogclcr. Er tst ungemein empfänglich für die Anregungen, die von dichterischer Seite gegeben werden. In ganz eigenartiger Weise setzt sich bei ihm das gesprochene und geschriebene Wort i» bildnerische Stiunnnug mn. und da er immer wieder ans einer landschaftlichvn Quelle schöpft, zeigt er zugleich, wie reich an Einzelzügen ein kleines Stück Natur sein kann. Jedes Stück Natur gleitet täglich durch eine ganze Folge von Stimmungen. Unter den reichen Veränderungen von Licht und Luft gewinnt es fortwährend neues Leben, und Vogclcr hat eine schier unerschöpfliche Menge dieser Nbivandlungcn künstlcnsch aufgefangen. Vogeler ist der am meisten volkstümlich Schaffende unter den Worpstvcdern. Er ist Liomautikcr, aber seine Romantik ist in ihren künstlerischen Mitteln durchaus realistisch. Er ist ganz eins ge- worden mit der Worpsivcdcr Natur, und indem er für seine künstlerische Bethätigung keine GcbictSgrcnzcn anerkennt, durchtränkt er alles,>vas er schassend berührt, mit dem Licht und Duft, den Formen und Farben des Worpsivcdcr Geländes. Dem erst kürzlich erschicnencii reizvollen Buche mit Zeichnungen, die Bogeler seinen eignen schlichten Versen(„Dir", Verlag der„Insel") als schönen Schnmck gewidmet hat, folgt nun in» gleichen Verlag das Mappenivcrk:„A n den Fr ü h l i n g". Es sind Radierungen, die den Künstler abermals als den Meister der Technik offenbaren, als der er bereits bekannt ist. Wir haben hier eine Probe dessen, ivas Vogclcr«iiter Buchschmuck versteht. Den» Frühling gilt die Mappe. Wir werfen einen Blick ans den llnischlag, und die Märzstinunnng. hervorgezaubert von herbkindem Wehen der Lüfte,»vacht in uns ans. Wir schreiten in den noch kahlen Laubholzivald oder an einer der knospenüber- strentei» dörfliche»» Hecken, wie sie vom Worpsivcdcr Hügel hinab ins Moorwiesenlnud ziehen, cntlaug: alles trägt noch tvinterlrchcn Eha- rakter, aber plötzlich grüßt uns von» Boden her ein grünes Kissen, besät mit weißen weitosfcncn Ancnionen. Solch einen Blick von oben her hat Vogclcr in seiner llinschlagszcichnnng festgehalten. Die Stimninng, in die der Inhalt der Mappe versetzen soll, ist mit der Wahl dieses Anemonen- Vorwurfs vorbereitet. Licht ist der ganze Umschlag gehalten, das hauchartigc Grün der Pflanzcnkvnturen, das elfenbeinfarbene Leder des Rückens und der Ecken, alles deutet .einheitlich ans die juugfräulich-schenc Zeit, da alles in der Natur in Fori»» und Farbe so zart ist. Diese bei den» ersten Blick crlvccktc Stiininung verstärkt sich durch die Mappe hin von Blatt zu Blatt, Ivie echtes Frühlingsivebcn. Wie drängen ans den» harinonisch abgerundeten Titelblatt die zahllosen Knospen des prächtigen krönenden Baumes, der die Schönheit früherer ähnlicher Zcichnnngen Vogelcrs erivciternd atmet, zun» Licht I Noch kam» der Blick das Ast- und Ztvciggewübl durchdringen, aber alles ist bereits voll von iverdendcn» Leben. Ein echter Frühlings- bann» I Quellendes Leben erfüllt die Mappe auf allen Blätter»». Nichts ist darin starr und tot, so einsan» und still das Land»md die Leute auch sind, deren Wesen sich hier dein Blick erschließt. .*) A n bei» F r n h l» n g. Radierungen von Heinrich B o g e I e r- Worpswede.(Berlin, Verlag der„Insel" bei Schuster u. Löffler.) 1809. Preis der Mappe LS M. Die Radierungen haben etwas merkwürdig UiiinItlelbareS. Der StiuinunigSzanber. den sie aitsstsömeii, hängt eng mit der Art. wie der Kimstlcr die Frühlingslandschaft zeigt,- znsainnien. Er gicbt das Einzelne und zugleich ei» Ganzes. Da wandelt auf dein ersten Blatt durchs unentwickelte niedere Kraut ein sonntäglich- allväterisch gekleideter, junger Mann. in dessen Art und Zügen Bogeler selbst unschiver zu erkennen ist. Hoch obei» in der tvolkcnloscn Luft eine Lerche, die Ivohl die erste sein»nag, die sich emporivagt. Sinnend blickt sein Auge einpor. Vogeler zeichnete die Gestalt so, daß sie in ganzer Hohe, sich klar gegen die Luft abhebend, über den weite» Horizont der dörflichen Niederung anfragt. Aber gerade dadurch leben»vir selbst uns in die herrliche frische Höhe der luftigen Landschaft ein, gerade dadurch gelvinnt sie ihre Höhe,»md zivar ihre belebte Höhe. Ilnlvillkiirlich identifiziert man»ich mit der Gestalt. Inden» Vogclcr ans diesen Blättern den natürlichen Vordergrund zur Hauptsache macht, giebt er uns de»» Nahmen, durch den»vir in der Wirklichkeit stets,»venu mich meist unbewußt beeinflußt, die Landschaft oder die Sccnc des Hintergrunds zn sehen Pflegen. So erreicht er den hohen Grad der Lebendigkeit, der diesen Gaben eigen ist. Da liegen»vir in Kraut und Gras und die voll- erschlossenen Aurikcl- Bliitcnaugcn, a» denen dunkle Bienen hänge»», schauen uns aus nächster Nähe staunend ins Gesicht; und über die Blüten hintveg, unter de»» an de»» weißen Birkenstauini gc- nagcltcn Qncrba»»» hindurch erblicken»vir fern den Bicncnstaiid vor niederen» GeHöst. Oder wir sehe»» durch Blattbüschcl eines nicderhangcildcn ZweigcS mit»Peißen Obstblüten oder mit knospenden Kastanienkcrzcil ans ein charakteristisches Hans, des Künstlers Barkcnhof. Oder ein Storch läßt sich dicht vor»mS mit gespreizten Flügeln, während Schnabel und Beine schön herabgesenkt dem Boden zuspüren, auf de»» übcrivässcrtc» Ufcrsnnm nieder und gegenüber setzt sich das Landschastsbild in» starreudcn Röhricht, das den Winter überdauerte, und in den» cinsanien Gelände fort. Oder ci»i Stück hoher Fichtenivipfel, ans dessen Seiten zlvischen den mit saftfrischen Trieben bcsäctcn Radelbüschelu kl>»gä»gig eine Schtvarzainscl thront, schauen wir im Gefühl crgnickcndcr Freiheit»veit hinaus ms lichte busch- durchsctztc Niederland, in den, die charakteristische Mühle ragt, ein Blick, ivie er von» Worpsivcdcr Weyerberge ans die Sinne entzückt. Oder»vir stehen endlich im Zinuncr an» Fensterbrett, auf den» der Rosenstock im irdenen Topf blüht, und schauen durch den Spalt der hellen geblümten Gardinen in den Garten hinaus, Ivo Bauern graben und pflanzen, und fern über den Strohdachfirst des Bauern- hanicL hinaus zeichnen sich im Gelände lichte Ackcrstrcifen ab. So »vird alles in die nächste Nähe des Beschauers gerückt, Vordergrund und Hintergrund vcrsthinelzen, iiidem sie ihre Slinnnung einander mitteilen. Die letzte Radierung, ein typisches BancrnhanS des Worpsivedcr Landes, in tiefster Abenddäininrrnng von mächtigen, aufstrebenden Buchenstäimileil überragt, zivingt den Beschauer in seine Slinminiig hineilt;»na» hat das Gefühl, selbst unter diesem Baumdunkel über den fcnchten Grund zn schreiten, und die»»» den» äußeren, noch düsterer gehaltene» Rahmen leuchtenden Sterne drängen die Enipfindiing der schnell hereinsinkenden Nacht nnlvillküriich aus. Dieses Blatt gehört zn de» besten der Mappe. Gleich hoch schätzen »vir auch das Amselbild und ein weiteres für VogclcrS Gemütsart besonders bezeichnendes Bild ein, daS ein Motiv a»S den» Märchen von» Froschkönig andentet und ans dein der bekannte »nid nntnentlich in den Zcichiiniigci» VogclcrS zur„Vcrsuukciicil Glocke" vcrivertcte anmutige, kindlichzartc Mädcheukopf durch ans- geblähte Weidciilätzchen über den Bachrand hiiiablngl. In dieser Nadirrimg gelangt der iindliche Zug in VogclcrS Wesen so recht innig zu»» Ausdruck, und»vieder kviimit die Enipfindiing über»in?, als»vartc daS deutsche Märchen ans seine Mappe ans VogclcrS Hand.— Franz Dicdcrich. Kleines Feuilleton» g. Tie g rosten Gärte»«. Nack» dein Kaffee lehnte sich Herr Behrens in die Sofaecke nnd nahm die Zcitmig. Die Frauen ränniten daS Taffengesckiirr zusammen. Nachdem sie mich die Häckel- dccke tvieder über de» Tisch gelegt, folgte Bertha der Base in die Küche. Auf dem gclbgcstrichcncn Bretterstuhl sitzciid, sah sie ihr z»: „Es gefällt Euch also doch nicht hier? Eigentlich ist cS doch aber ganz hübsch". Tri, de Behrens zog ein Gesicht:„Hübsch?— na ja— hübscher allerdings als in der Kcibclstraßc. Ein modernes HauS i»id nin Knrftirsteiidaiinn; aber sonst— im!"... Sic bückte sich nnd schloß die Milch in das Litstspind; erst als sie»vieder anfftand, sprach sie»veiter: „Jetzt,»vo die Sonne vorkommt, geht csja, imWintcrtvar csknnmanszn- halten vor Külte. Kämist es Dir ja denken, unten der Keller, rechts ein Hansflnr. links ein Hausflur, nnd dabei mußte man noch alle Augenblicke die Fenster aufreißen. Eben klingelt hier einer nnd»vill Bescheid haben, dann geht es»vieder an» Hcrrschaftsluifgang lvs. Naß ist es anck» noch. Hinter den Bette» läuft das Wasser buch- stäblich, die Wände herunter. Franz»vird das Reißen gar nicht mehr los." „Ja, Franz sieht schlecht ans." „Sicht er anch, nnd ivie soll er nicht? Ich habe dein Wirt gesagt, er möckist uns die Wohnnng in Ordnimg bringen lassen, aber»vaS meinst Du? Das ist ihn» zu teuer,»veim es uns nicht paßt, kömiteil tvir ja gehen." „Und das möchtet Ihr nicht 7' «Eher heut wie moiflen. Aber kann man denn? Was soN man dciin anfangen,>vo Franz die lahmem Beine hat? Wenigstens sitzen wir doch hier mietefrei, und was man zum Lebeil braucht, verdient er mit seiner Klebe-Arbeit." .Und leicht hast Dn es auch nicht." „Ach nee Die Arbeit 1 Alle Woche zweimal die Treppen reinemachen, siiufe vorn nnd zweimal fünfe hinten, anslvischen und Decken bürste», Fenster putzen und den Messingbeschlag abreiben nnd dann noch den ganzen Tag ans der Lauer liegen: Klingelt auch keiner, dein Dn aufmachen mnstt? Und dann das Wohnnng-Acigen I Eben ist man die vier Treppen runter gekoinmen, dann imijj man wieder rauf." Sie brach ab nnd machte sich am Herd zu schaffen, wandte sich aber schon im nächsten Moment mit ausbrechender Heftigkeit hermn: „Und was hat man für all die Schinderei? Ein elendes Loch, Ivo man sich den Tod holt; und wenn nicht den Tod, so doch genug fürs Leben... Und Dn hast cS auch nicht am besten." «Nein, das Hab' ich nicht." Die andre seufzte.«Wen» mir unser klein Lieschen erst Ivicdcr gesund wäre I Der Doktor sagt, sie soll aufs Land, ja Ivie denn? Geld dazu Hab' ich nicht. In die Fericnkolonie kriege ich sie auch nicht, ich kann ihr ja keine Kleider dazu kaufe, i. vielleicht ist sie bis dahin auch schon tot." Sie sah hoffnungslos ins Leere. „Ja, das Leben ist schlvcr." «Aber nicht für die Neichen." �„Nein, für die nicht— ich sehe eS ja oben— wie die schon blog wohne», so etwas hast Dn iiherhanpt noch nicht erlebt. Ich werde cS Dir mal zeigen. Soll ich?... Ja, komm!" Sie hatte die Küchcnschnrze an de» Riegel gehängt; nun griff sie nach einen, Schlüsselbund. Die Base erhob sich zögernd:«Aber, aber Du bist müde— die Treppen..." «Ach, ob ich sie einmal mehr steige oder nicht, darauf konunt cS nun auch nicht an. ll>!ach nur, che cS dunkel wird.. Wir gehen über den Hcrrschaftsanfgang, heut sind sie oben alle ausgcfahrc», da kann ich cS riskieren." Langsam stiegen sie die tcpplchbclegtcn Marmorstufen empor. Trudc Behrens lvics auf die glänzende bunte Pracht:„Das Haus hier ist das feinste am ganzen Knrsürstendainni. Hier in der ersten Etage wohnt der Wirt und in der zweiten ein Konnncrzicm'at. Die beide» oberste» stehen leer, die dritte ist aber schon vermietet, da zieht Ostern ein Fabrikbesitzer ein. Die werde ich Dir zeigen." Sic hatte die hohe Fliigeltbür anfgcschlossen, ein weiter geräumiger Korridor nahm sie ans. Trnde ging voran.«Siehst Du. hier vorn, das sind die Salons. Vier Ziunner in einer Flucht, und jedes hat einen Balkon, ist dps nicht schön?" Die Base strich mit der Hand über die farbenprächtige Tapete. „Die fühlt sich loie Sammet an." «Ja, das ist eine ganz neue?l>t. die findet man nur i» den seinen Wohnungen. Sieh mal, die Thüren hier kann man seitlvärts in die Mauer schieben, dann ivird aus zwei Stube» eine große, da haben sie Raum, wen» sie tanzen lvollen. Und hier ist das Musik- zimmcr."� Sic traten in einen kleineren Ranni, der ganz in, Stil einer Rvscnlanbc ausgemalt war. während ans den Ecke» die Reliefs bedeutender Musiker hcrnntcrgriißten. Tic Base ging kopfschüttelnd weiter.„Was ist denn das hier?" „Das Hinterzimnicr? Ach das kann nian nehmen, ivozn man Ivill; die unten haben cS als Gärdcrobcnzinnncr eingerichtet. Die .Dame, die hier einzieht, will es, glauoc ich, auch dazu nehmen, aber »nn könnn' man nach de», Speisesaal, jetzt gehen ivir nach hinten." Durch die große Bcrlinerstubc traten sie ans eine» zweite» Korri- dar, die Baic wies nach links:„Das sind wohl die Schlafstuben?" Die andre lachte:„Das? Ach Ivo! Das liegt»ach dem Hof und den Pscrdcslällen; das ist die Mädchenkammer und die Dicuerstube. Die Schlafzimmer liege» hier uaai den Gärte», hast Du es nicht ' draußen am MielSzettcl gelesen, nach große» Gärten?" Tie Angeredete antivortcte nicht, sie eilte durch die Zimmer- flucht, die sich von neuen, vor ihnen äufthat und stieß in dein letzten die Balkontbiir ans, mit einem Ruf des Entzückens blieb sie ans der Schivelle stehen:„DaS ist schön!" «Ja. das ist noch schöner als die Straße vorn." Trnde Ivar neben sie getreten:„Wenn es Frühliiig wird, ist da allcS ein Blühen. Ein Springbrunnen ist. auch drin. Sich I" Aber die andre folgte dem weisenden Finger nicht, sie stand wie in, Traum:„Wein, meine Liese da hineinkönnte!" „Ja, oder»icin Mann." „Dürft Ihr denn nicht?" «Wir? Ach ivas denkst Du! Das ist bloß für die Herrschaften. Höchstens mal, wenn ich die Wege fegen muß." „Ach so," die Base trat einen Schritt vor nnd beugte sich über die BalkoNbrüstung, Trudc faßte ihren Arm:„Nein,»ein, thn das nicht, man könnte uns sehen." Aber die andre kau, nicht, sie stand noch immer und sah über die großen Gärten fort, und während sie nachdenklich ins Leere blickte, sagte sie:„Eigentlich ist das ganze Leben bloß für Herr- schaftc» da." „Eigentlich ja." „Sie haben alles, Ivas sie wünschen können. Sic wohne» in den schönen Wohnungen, an den großen Gärten, Ivir können nie hineist.", „Ja. ich habe auch schon manchmal gedacht, es sollte iibethaupt bloß Herrschaften geben. Wozu sind wir noch da?". „Um die Wege zn fege», Trnde." „Ja, um die Wege zu fegen." Und als faßte sie plötzlich ein Grauen, schlugen sie die Balkon« thür zu und stürmte» durch die leere Wohnung„ach dem Aus« gang.— — Erinncriingei« an Tharkcray und Diekens. Der„Frank« fnrtcr Zeitung" wird aus London geschrieben: In einem kürzlich veröffentlichten autobiographischen Werk giebt der als Theaterdirektor bekannt gewordene John Hollingshcad einige Erinnerungen an Charles Dickens und William M. Thackeray zum besten. Hollingshead war seiner Zeit Mitarbeiter dieser beiden Schriftsteller und half Thackeray, als dieser„Cornhill Magazine" herausgab. Seinen damaligen Chef schildert er folgendermaße»:„Thackeray war tveder stolz, noch aufgeblasen. Er schämte sich nicht, auf einen, Omnibus zn fahren, nnd zwar a», liebsten auf dem Sitz neben den, Kutscher. Oft habe ich ihn durch Rcgcntsstreet fahre» sehen: eins seiner Beine hing weit über den Tritt hinab. Der Mann ans dem Boll kannte ihn nicht so gut wie Charles Dickens, er war nicht populär nnd verschwand in der Menge ivie jeder andre gut gekleidete Gentlemen". Im Jahre 1862 spazierte Hollingshead neben Thackeray durch die internationale Ansstellung, als sie Benjamin Disraeli begegneten. Die beiden Männer schauten einander an, ohne ein Erkennungszeichen zn geben. Thackeray hatte im„Pnnch" Disraelis Roma»„Connigsby" als„Cockling-sby" verspottet, was den Staatsmann so beleidigte, daß er Tchackeray ignorierte. Als Ncdnctenr war Thackeray ein herzensguter, freundlicher und zu- gänglicher Mann. Dickens hatte als Redactenr Arckikel gern, die seit- same Züge des Lebens schilderte», und Hollingshead wurde damit beanf- tragt, ihm dergleichen Schilderungen zn liefern. Charles Dickens pflegte seine schriftstellerische Arbeit zwischen 16. Uhr morgens»nd 2 Uhr nachmittags z» verrichten; dann unternahm er seine weiten ein- samen Spaziergänge von 26 englischen Meile», in de», Wahn, daß anstrengende geistige Arbeit durch ebenso anstrengende körperliche Hebung ausgeglichen werden müsse. Hollingshcad ist der Ansicht, daß Dickens mit seinen Gewaltmärschen seine Gesundheit ruinierte. In de» fünfziger Jahre» war Dickend' LicblingSlvohusitz GadS Hill, in der Nähe von Rochesler in Kent, auf der Landstraße nach Dover, ungefähr 23 englische Meilen von, Strand entfernt. Oft marschierte er nachmittags über Waterloo Bridge erhobenen Haupts, Ivie ein Distanzläufcr, nnd kam spät am Abend todnuide auf seinem Landsitz an. Sein Geschmack in Bezug auf Kleidung ivar nicht sehr gut; er liebte schreiende Farben. Er konnte sich nicht ganz von den Ucbcrliefcrnngen seiner Jugendzeit losmachen, als der Dandy d'Orsay in der Männcrmode den Ton angab. In scincy, Hanse trug er einen seltsamen Gesellschaflsanzug: schwarze Vene- klcidcr, Lackschuhe, ivciße Halsbinde, Weste von grüne», Plüsch und schwarze Sammctjacke. Er war sich seiner gebietenden Stellung i» der Litteratur ivohl beimißt und las in den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens keine Besprechungen seiner Werke mehr. Er wußte, daß er seine Gruft in der Wcstminster-Abtci ver- dient halte.— —„Thcckesscl." lieber„Theckessel" als Schellwort findet sich in der„Zeitschrift für hochdeutsche Mnndartci," eine Studie von O. Weise, in der folgendes ausgeführt wird: Die Wendung,„das ist ein Theckessel", d. h. ei» Tölpel, ist nicht nur im Volksmnnd in Deutschland gebräuchlich, sondern hat auch in der Litteratur Eingang gefunden. Jakob Lenz, der Jugendfrennd Goethes, sagt in seinem Drama„Der Hofmeister":„Ein Malm, der es gegen ein Frauenzimmer so weit treibt, ist entivcder ein Theckessel oder ein Bösewicht". In viele» Sprachen finden sich Belege dafür, daß ei» hohler Kopf als ein leeres Gefäß bezeichnet wird. Im Französischen giebt es eine Redensart bets corame une cracbe, auch wird das Wort cogusmar (Topf, Kessel) in gleichen, Sinn gebraucht. Kessel allein bezeichnet nnßcrdcn, noch einen Ofenhocker, Stubenhocker, daher namentlich häufig einen Lehrer,»nr ist es fraglich, ob bei dieser Bedeutung von Kessel auch der Gedanke an die Hohlheit des Kopfes vorgeschwebt hat oder etwa eine ähnliche Vorstellung, wie sie in der Schiilerscene von Goethes Faust mit den Worten ausgesprochen ist:„Mir Ivird von alle den, so dum»,, als ging' mir ein Mühlrad im Kopf herum." Dann würde das Wirbeln des kochenden Wassers im Kessel dem Herumwirbeln der Gedanken im Kopf entsprechen.— Volkskunde. — Ilcbcr den Wachholder sprach Elisabeth Lemke in der letzten Sitzung des Berliner„Vereins für Vollsknnde". Wie wir einem Bericht der„Voss. Ztg." entnehmen, zählte sie einleitend die bekamikcsten und bcdcutmigsvollsten Namen dieser Pflanze auf (Glückholder, Mauchandel, Kranewitt, Kaddick, Fenerbamn u. a. m.) und gab deren Erklärung. Die immergrüne Farbe, die fast allen Gefahren trotzende Kraft„nd Lcbenszähigkeit, sowie die anßer- ordentliche Heilkraft des Wachholders haben ihn von jeher in„n- zählige Beziehungen zn Kult, Sage und Brauch gebracht. Ein« gehend schilderte die Vortragende die Benntznng von Beeren, Harz und Holz bei», Ränchern. so bei Andachten, Leicheiilregängnifsen, Krankheiten. nberglänbischen Handlungen, Festlichkeiten usw. Nriprüngkich-sollte» wohl die wohlriechenden Harze»nd Beeren den üble» Geruch des versengten Fettes bei Brandopfern mildern. Dieser Gebrauch dehnte sich schließlich dahin ans, daß daS Verbrenne» d«S Harles an die Stelle des ganzen BrniidopferS tmt. Eine gleiche Schätzung erfuhr der grüne Wachhvlder. Seine Zweige wurde» von jeher und werden noch heute, gleich den Zweigen andrer grüner Gewächse oder denen jungbelaubter Bäume, als„Lebens- rute" benutzt; der Schlag mit solchen Zweigen zielt auf Wieder- belebung schlummernder 5lrkfte, so in der Osterzeit, im Mai, zu Weihnachten, Dem in ganz Siiddeutschlmid und einem Teile Oestreichs gebräuchlichen„Pfeffern", d. h. Schlagen, steht daS in Norddeutschland übliche„Schmackostern" gegenüber. Bei beiden Bräuchen mutz der Geschlagene ein Geschenk geben, im Süden Honigkuchen(Pfefferkuchen, Lebzelten), im Norden Eier. Auch Tiere und Obstbäume werden geschlagen. Weiter erwähnte Vortragende der merkwürdigen Vereinigung in Namen und Brauch bei Wach- holder und Eberesche, sowie der Beziehungen des WachholdcrS zum Lebensbaum(Thntza), dem Sadebanm(äuuixsrus Labina) und der ihm verwandten, aus Gräbern anzntrefscnde» Eypresse, sodann daS Ausschmücken der Wohnung, der Kirche usiv. Der Wachholdcr gilt als Ausenthaltsort von Fabellvesen und Menschensceleu, man glaubt an Spuk, d. h, Gelächter, Musik und Licht bei den Wachholderbäumen(in Norwegen). Marleeneken(im Griuimchcn Märchen) sah Feuer ans dem Machandelbaum, Aber diesen erdichteten Eigenschaften stehen thatsächliche zur Saite: die Heil- und Würzkraft des WachholdcrS, die seine Anwendung in der Apotheke, in HauS und Küche, beim Bicrbraueu und dem Änsctzeu von Schnäpsen sichern, ferner die Vcrarbcitbarkeit deS HolzeS in der Drechslerei und Tischlerei, für Peitschenstvcke) Wauderstäbe, Futterticpe», Zäune?c. Natürlich hat sich auch der Volkshnmor der mit so eigenartigen Vorzügen be- dachten Pflanze bemächtigt. Die Dänen sagen:„Ilnsre gesamten Wünsche könne» nur dann i» Ersiillnug gehen, wenn alle Wachholdcr- beeren zu gleicher Zeit reis werden." Das ist aber nicht möglich; denn die Wachholderbeere braucht zwei bis drei Jahre, um völlig reif zu werden.— AuS dem Tierleben. — Von abgerichteten Vögeln erzählt Krohn in der Wochenschrift„Ncrthns": Jeder wird aus eigener Wahrnchimmg sich irgend eines Vogels erinnern, einer Dohle, Krähe oder Elster, der, an eine Häuslichkeit gewöhnt, frei ein- und ausssing. in Eintracht mit andrem Hofgcflügel lebte und selbst mit Hund und Katze auf kmncradschaftlichcm Fusie stand. Nun ist es zwar weniger sonderbar, daß Tiere diejenigen Plätze kennen lernen, welche ei» schützendes Dach überspannt oder die Orte, an denen die fürsorgende Hand Futter streute, aber es unterliegt keinem Zweifel, dag nicht außerdem eine eigentümliche Anhänglich- keit sie an lange benutzte Wohnorte zurückführt und dag sie sich hier thntsächlich wohler und glücklicher suhlen als andcrsivo. Sie kennen die Stimme ihres Pflegers, beobachten aufmerksam dessen Verhalten, lassen sich auf Hand oder Schulter nieder, sind zum Spiele» aufgelegt und für Liebkosungen und Schmeicheleien empfänglich, alles in unverkennbarem AbhängigkeitSgesühl und unter dem Eindruck der Dressur. I» den meisten Fällen dient die Ab- richtung der Vögel nur der Spielerei und der llnierhaltmig, den» andres läht sich ans dem Treiben der gelehrten Gänse, Papageien und sonstigen Vögel, ivelche in den heutigen Schaubuden und Specialitätentheatrrn den Parademarsch anfsühren, seiltanzen, Karre» schieben oder Pistole» abfeucni, thntsächlich nicht entnehmen. Selbst im Sprechenlehrcu ist lediglich eine Spielcrci-Ausübung zu erblicken. Für das Sprechen- lernen eignen sich besonders die Krähenvögel und der Star. Mit Leichtigkeit, wobei allerdings die Ausdauer nicht ausicr Acht gesetzt »verde» darf, ist eS möglich, diese Vögel zum Nachplappern einiger Worte und kurzer Sätze zu belvegen und zwar o h n e d a ß ihnen vorher die Zunge gelöst wird. Durch das Znngcnlöscn, »vclcheS übrigens ivohl kaum ein Mensch ausführt und »veitcr nichts ist als eine gedankenlos nachgeplauderte boniicrle Ansicht,»viirde man den Vogel einfach zn Grunde richten. Ganz besonder� lernen die Papageie» und unter diesen der dieserhalb auch vorzugsweise gehaltene Granpapagei, das Sprechen, d. h. die den» Klange nach deutliche Wiedergabe nicht allein einzelner Wörter, sondern sogar ganzer und komplizierter Sätze. Ein Papagei, der„Guten Morgen" oder„Lora Zucker haben" sagen kann, ist nur ein elender Stümper. An einen intelligenten Vogel stellt man ganz andre Ansprüche, solche, ivelche 60 Worte reciticren, sind keine Seltenheit. Einige Tiere verfügen sogar über einen ganz fabelhaft klingenden Wörterschatz, dessen Ilm- fang an LOO Worte betragen kann. Nicuiand wird glauben, das; ein Papagai, der einen Onkel oder ein andres ivichtigcö Mitglied der Familie, in welchcr er Aufenthalt hat, hochleben lägt und seinen AiiSruf mit dein üblichen„eins, ztvci, drei, Hurra" bekräftigt, sich auch ivirllich etwas dabei denkt, dagegen aber kann »licht bcztvcifelt»verde», dag er nianchc AnSrnfe, wie z. B.„Zucker", „Köpfchen lranen" zc.»e., seiner Vorstellung unterordnet, die in der That das richtige trifft. Manche kleine Vögel, darunter besonders unser einheimischer Dompfaff, lernen zivar nicht Sprechen, dagegen aber das Pfeife» und sind zuweilen echte Künstler in» Wiedergeben von Melodien, die ihnen häufig vorgepfisfei»»vurden. Auch sprechende, das heisit eiiuge Worte sageirde Kanarienvögel sind bckaimt ge- lvordc»».— Aus dem Pflanzenleben. — Der w i» t e r h a r t e C i t r o n e n b a» n» aus I a p a». Die in»nsreni Hanshalt so vielfach verwendeten Früchte des EckronenbaumS müssen bekanntlich ans südlichen Ländern bezogen werden, da diese Pflanze in»»nsrem nördlichen.Klima nicht gedeiht. Erst in neuerer Zeit hat man heransgeftinden. dasi eine in' Japan heimische Citronenart selbst strenge Winter mit Kälte- temperatnren von über 20 Grad Reaumur ohne Bedeckung im Freien olishält und auch in kälteren Ländern mit Erfolg in» Freie»» gezogen werden kann. Die ersten Anbailvcrsnche mit diesem Winterhärten Citronenbaum»vurden im nördlichen Amerika gemacht. Professor Masseh berichtete damals in der Zeitschrift„Orchard and Garden", dag selbst ganz kleine Exemplare, die er zwischen die Hügel von Nordmaryland pflanzte, sehr gut gediehen und später auch Früchte' gc- tragen haben, trotzdem sie im Winter ohne jeglichen Schutz einer an- dauernden Kälte von 13 Grad Fahrenheit unter Null(mehr als 20 Grad Kälte nach nnserm Reaunmr-Thermvmetcr) ausgesetzt waren. Jetzt werden diese Eitronenbänine dort drüben schon sehr viel zur AiiSschmückmig der Gärten verwendet und jedenfalls auch als Kulturpflanze zum Masse nbau einmal eine grosie Nolle spielen, wenn die in neuerer Zeit vom Ackerban-Ministcrimn der Bereinigten Stantci» angestellten Versuche, durch Be- frnchtnng dieser tvinterharten Eitrone mit andern Orangeartcn, auch von letzteren, besonders der Apfelsine, Winterhärte Rassen zu erziele», ei» günstiges Resultat ergeben. Auch in Deutschland vcr- sucht man jetzt, diese ivintcrharte Eitrone cinznführen. Einer gärtnerischen Exportfirma ist es im vorigen Herbst gelungen, eine grosic Anzahl solcher Eitronenbänine nnS Japan zi! importieren; dieselben haben sich auch hier in Deutschland als vollständig Winter- hart enviesen.—'(„Mutter Erde.") HumoristtscheS. � Sie tveisi eS doch. Vater(zur Tochter):„Du solltest nur daS ewige Nadeln lassen nnd Dicki etwas mehr nni die Küche bcliimmeru; ich glaube, Dil weißt noch nicht einmal, woraus Brot gebacken wird!" Tochter:, Oho! Brot ist ein Mehlteig. der durch Bildung von Alkohol, Milch nnd Essigsäure einen eigentümlichen Geschmack erhalten hat, durch die erzeugte Kohlensäure anfgelockert ist und durch schnelle Erhitzung einerseits von dem übcrschiissigen Wasser nnd Alkohol befreit ist, während audrerscilS in dem Gemenge von Klebe- stofsen nnd Stärkcguinmi die crstcrcn ciivcigarlig geromicil sind mtd auch der letztere eine Nösimig erfahren hat, welche den Wohlgeschmack des BroteZ wesentlich bedingt."— — I m mer bei in F a ch. A.:„Kennen Sie das Fränlcii» Schulze'{' O b e r f ö r st e r:„Gewig, da? Mädel ist sehr h o ch st ä m m i g und von knorrigem Charakter 1"— — A n ck eine K r i t i k.„Also Mama hat Dich auch in die Gemäldegalerie»nitgenoiunien— wie war'S denn dort?" L i e S ck e i»:„O, beinahe so schön, lvie unsre AlisichtSkarten- Canimknig!"— („Meggcnd. hnm. Bl.") Notizen. — M a t k o w? k l) nnd Frl. Poppe wurden zu„ k ö n i g- l i ch e n Hofschan spiele rn" ernannt.— — Bogt, der bekannte Wagnersänger, der seit 1802 Opern- sänger in Mmickeu ist, lvill. nach dem„B. B. in den R u h c- stand treten. Er ist öö Jahr« alt, hielt also für einen Tenor lange an«. Er null nur noch Landlvirt nnd SpiritnSbrenller fein und sein Mnstergnt Dcixlsnrlh bei Starnberg benürtschaften.— — Oberscklesischen Blättern zufolge beabsichtigt die Stadt- vertvaltiiiig in Königshütt«, infolge einer vom Minister des Innern erlassenen Berfügnng, eine Verb esse rnng der Theater- Verhältnisse dadurch aiiznstrebe», das; sie eine Vereinig»»«; der Städte Benthen. Glciivitz. Kattoivitz nnd KönigShütte zu einem The ack er bezirk anregt. Der Ziischng, den jede der vier Städte zn leisten haben soll, würde etwa fnnstansciid Mark betragen. Die Theatergesellschast niiigte nach zn trcssenden Vereiubariiuge» in den vier Städten abwechselnd spielen.— c. Richard Strauß, der Kapellincister der Berliner Oper. wird, lvie Pariser Blätter melden, das nächste Lamonreux-Konzert am 4. März dirigieren. Das Programm des Konzerts enthält die Ouvertüre zun».�König Lear" von Berlioz, die G-moU-Sinfonie von Beethoven mid des Dirigenten sinfonische Dichtimg„Ein Helden» leben".— — Der Direktor der Brüsseler Klinstakademie Band er» stappcn veranstaltet ziveimal im Monat für seine Alademiker litterarische Vortrüge, für die er die hervorragendsten belgischen Dichter nnd Schriftsteller gelvoinien hat. Emile Verharre n, Camille L e m o n n i e r lind George E ck h o n d t machen den Anfang.— — Gabriele d'Aniilincio lvill in einer Reihe heroifcher Episoden die Geschichte des italieilischen Volks„von der Landilug des Aeneas bis zur Belagermig von Macallö" besinge».—_ � Vcle.mivortlicher Nedcicleiir: Paul John in Berlin. TruS und Verlag von Dtax Badtnz m Berlin.