Ilnterhallungsblatt des Hsrwärts Nr. 47. Donnerstag, den 8. März. 1900 lNlilfctmick verboten) Ttnkcv dem SFx»zkze dos Gofotzcs. 131 Von Maria K o n o p ii i ck a. Mitten in dein Menschenstrom, der aufrecht und sicheren Schrittes, die Straßen mit dein Echo seines lebhaften Treibens füllend, sich munter vorivärts bewegte, huschte die Bretter- Aäune entlang ein Verschivindendcr, gebückter Schatten, ein Mädchen, das sich ängstlich nach allen Seiten umsah. Es war Hanta. Sie ging rasch. und vorsichtig, jedem Stoß ausweichend. sie machte sich so klein als möglich, um nur so viel Raum einzunehmen, als nötig war. die nackten, an Holz schuhen steckenden Beine vor sich zu schieben. Ihre mageren Arme Ware» hart gegen die Seiten gepreßt, die Hände tief in die Aermel der von den gekrüminten Schultern herabhängen den Jacke geschoben, ein kleines, graues Tüchlein verdeckte nur ungenügend das dunkle Haar. Es war dasselbe Tuch, in deni Hanka ihre zehn Gnldcn am Busen aufbewahrte: aber jetzt hatte sie nichts mehr anfzilbcwckhren, der Schatz war dahm und der Ankanf von Schuhen in das Reich der unerfüllbaren Träume übergegangen. Eine Woche ivar schon vorüber seit ihrer nächtlichen Flucht anS dem Magistratsarrest von Grojcc und erst jetzt stahl sich Hanka nach Warschan hinein, unter dem Schiitz der Abend- dämmernng, in dem Eeivühl der aus den Fabriken heim- kehrenden Arbciterscharcn. Von cinenl Instinkt geleitet, hatte sie auf der Stelle einen Scitcmvcg eingeschlagen, der sie weitab von der Hauptstraße führte, mid zwar nicht gen Warschau, sondern nach einer seitwärts gelegenen Ort- schnst: sie übernachtete im Gebüsch, suchte verborgene Pfade auf und kehrte in die verlassenen Feldschänkcn nur ein, um sich zu wärineu und Brot zu kaufen. Woher sie den hierzu nötigen Verstand nahm, kam ihr selber wie ein Wunder vor. Das, tvas sie im Zustande des Fiebers und unter dein Ein- fl»ß einer unbestimmten Angst unternommen, lveckte in ihr den Geist dumpfer Auslehnnug und hartnäckigen Widerstands. Das ivar ein völlig neues Gefühl in ihr, und es verursachte eine gründliche Umwälzung in ihrer passiven. durch die dreijährige Kerkerhaft vollends eingeschüchterten mid betänbten Natur. Ihre Handlungen und die Thätigkeit ihrer immer noch stumpfen Gedanken waren auch jetzt über- wiegend instinktiv. Aber der Instinkt hatte bedeutend an Schärfe gewonnen, seit dem ihm daS Bewußtsein anf- dämmerte. daß sie einzig auf sich allein rechnen dürfe. Sie schweifte daher nach links und»ach rechts, wie ein von der Meute gehetztes Wild. Zweimal packte sie das Fieber und sie mußte in den Torfscheurien liegen bleiben. Hunde zcr- fetzten ihr die Kleider, Hunger und Strapazen hatten ihr die Säfte aus dem Leib gesogen, aber erst, als die Kräfte sie zu verlassen anfingen, konnte sie einlenken und in großem Bogen sich der Stadt Warschan nähern, stets die Hauptstraße beiseite lassend, und nur deren Richtimg genau verfolgend. Warschau erschien ihr als der sicherste Schlnpswinkel. Justinktmäßig erriet sie, daß es ihr leichter sein tvürde, sich in der volkreichen Stadt verborgen zu halten. Sie durchwanderte daS eine und das andre Hintergäßchen, sich immer an die Bretterzäune und Maucrwände drängend und im Schatten verschwindend, bis sie endlich bei einem kleinen Pförtchcn anlangte, das sie ein wenig öffnete: sie schlüpfte durch den Spalt und stand in einem kleinen Hof, der mit Brettern und Holzklötzen an- gefüllt war. Das Grundstück hatte kein Frontgebände, aber zu beiden Seiten des HofeS erhoben sich Seitenflügel. Hanka>var hier nnt der Lage offensichtlich vertraut, denn sie wandte sich nach links, trat in den Hausflur, hinter der schmutzigen, kotbedecktcn Treppe bückte sie sich nieder und ver- schwand in einer schwarzen, gähnenden Oeffnnng, die nach den Kellerwohnnngen führte. Stockfinster war es hier, und das Mädchen strauchelte einigemal, bald über einen Trog mit Scifeuwasser, bald über einen Besen oder Spaten, den der Hansmeister hier hatte stehen lassen. Immer an der Wand entlang schleichend, gelangte Hanka zu der letzten Thüre, auf die durch ein zur Hälfte mit Stroh verstopftes Fensterchen ein wenig Licht von der Straßenlaterne fiel. Halika stieß die Thür zurück und bückte sich nieder, um durch die Oeffnnng zu kommen. Zuerst konnte sie nichts wahrnehmen, denn der Raum war aus- gefüllt von einem undurchdringlichen Wasserdampf, der anS dem Waschtrog aufstieg, der den Ehrenplatz am Kamin ein- nahm. Nur das Plätschern des Wassers und ein lautes, schweres Atmen verrieten, daß die Wäscherin, Frau Walentowa, anwesend war. „Wer da?" rief cS vom Trog her, als die zurückprallende Thür mit dem Schloß gegen die Wand stieß. Hanka antwortete nicht sofort. Schwer Atem holend lehnte sie gegen den Thürpsosten. Die Walentowa wischte sich das Seifcnwasser von ihren roten Händen an der feuchten Schürze und trat näher. „Alle guten Geister!... Hanka, daS bist Du ja!" rief sie aus, halb erstaunt, halb erfreut.„Tritt doch von der Thür weg! So komm doch näher, Hanka!" Sie schob ein Bündel schmutziger Wäsche beiseite und zog das Mädchen mit sich. Hanka ließ alles mit sich geschehen, wie ein Kind. Ein trockncr Husten schüttelte ihren ganzen Körper. Die Walentowa drehte sie mit dem Gesicht nach dem Kamin um, auf dem ein Lämpchen mit trübem, flackerndem Licht brannte, und betrachtete sie genau. Dann klatschte sie laut in die Hände. „Seht mal her, Ihr lieben Leute, was man anS dem Mädchen gemacht hat!... Die haben sie ja ausgebleicht, wie ans der Bleiche!... Einen Fetzen haben sie ja ans ihr gemacht... Da, trink ein wenig!" Sic schöpfte Wasser mit einem Blechgcfäß anS der morschen Kanne und reichte es dem Mädchen. Hanka hatte sich schon etwas beruhigt, trank daS Wasser, küßte der Walentowa die Hand und umschlang ihre Knie. Die Walentowa aber zog sie au ihre breite, schwitzende, nach Seife riechende Brust. Diese Umarmung machte das Herz des Mädchens übervoll. Sie siel auf einen Stuhl zurück und brach in ciu heftiges, lautes Weinen aus. Tie Walentowa stand vor ihr und schüttelte den Kopf. „Haben sie die aber abgeschunden! Daß sie die Pest!... Wie kniiu mau einen nur so verelenden lassen!... Das Mädchen war wie eine Blume, und jetzt würde niemand einen Blick auf sie werfen... Was willst Du nur beginnen. Hannchen? Hat man Dich endgültig freigelassen, Tu armes Ding?.. „Ach, nein!...-Endgültig?..." brach Hanka endlich das Schlvcigcn, und fing wieder an, heftig zu weine». Die Walentowa wurde unruhig. „Was ist cS nur mit Dir, Hannchen?... „Schlagt mich, tötet mich, aber fragt mich mir nicht?," antwortete Hanka und in ihrer Stimme zitterte tiefe Ver- zweiflung.„Nur diese Nacht möcht ich bei Euch verbringe», und dann geschehe schon, was da wolle..." „Habt Ihr jemals solch ein dummes Ding gesehen, Ihr lieben Leute?" rief die Walentowa, indem sie sich resolut in die Hüften stemmte.„Was. sind wir etiva nicht Landsleute, daß Du bei mir keinen Beistand finden solltest? War ich nicht die Gevatterin Deines seligen Vaters, der mir noch vier und einen halben Gnldcn ans Reisespesen nach Ezeustochown geliehen hat? Gott Hab ihn selig.. Hanka faßte wieder ihre Hand. „Seid nur nicht böse, meine liebe, meine goldene Frau Walentowa. Ich werde Euch schon alles erzählen, nur muß ich zuerst diesen Schmerz los werden... liebste Frau!.. Die Wäscherin war begütigt. „So warte doch, Hrmucheu," sagte sie nach einer Weile der Ueberlegnng.„Ich mach nur einen Sprung zum Laden. Die Wäscherei wird der Teufel nicht holen. Ich koche Die Thec, kaufe Semmel, deuu Du bist vielleicht gar huugerig, Du armes Geschöpf..." Sie nahm das Tuch vom Bett, wickelte es sich um den Kopf, suchte noch etwas tu der Stube herum und cnt- 'ernte sich. Hanka lehnte sich mit den Schultern gegen die feuchte Wand und schloß die Augen. Die Wärme fing an, ans sie zu wirken, ihr bleiches Gesicht bedeckte sich mit Schweißtropfen. die gesenkten Wimpern tvarsen lange Schatten ans die mageren Wange», die zersetzte und verschlissene Jacke hob und senkte sich in»»regelmäßigen Belvegimgcn ans der von dein schwächer tocr&cnbon Schluchze» geschüttelten Brust. Nach'eiucr Weile war sie schon ganz beruhigt, und sie schlief unter der Ein- Wirkung der feuchten Wärme, die die Stube erfüllte, ein. Inzwischen kam die Walentoiva zurück, schürte das ausgehende Feuer am Herd iviedcr an, stellte einen Topf mit Wasser hinzu, auf den Tisch legte sie ein Stück Rauchfleisch und einige Semmel, dann bückte sie sich wieder über das Feuer, das ihr breites ehrliches Gesicht beleuchtete, und blies aus aller Kraft hinein. Als alles zubereitet ivar, ging sie ans Hanta zu und blieb zögernd stehen, unschlüssig, ob sie sie wecken sollte oder nicht. Hauka schlief mit halbgcschlosscuen Lidern, ihre Lippen waren schmerzhaft verzogen. Das Leiden hatte ihr Gesicht gleichsam mit einer Maske voll schwerer Schatten überzogen. IM Wachen wurde das jugendliche, aber ausgemergelte Ge- ficht veruuschöut von einem Ausdruck der Stumpfheit und des EntscszcnS. den ihm die brutalen Schläge des Lebens auf- geprägt hatten. Im Schlafe dagegen trag dieses Gesicht den Stempel ungeteilten Schmerzes und lvard dadurch seltsam schön. Als die Walcutoiva das schlafende Mädchen betrachtete, stand sie unbewuszt unter dem Banne eines Zaubers. Sie rang ihre plumpen, rohen Hände, schüttelte den Kopf, und auf die Lippen drängten sich ihr die Worte des Gebets für die Seelen der Abgeschiedenen. „Heilige Muttcrgottcs! Heilige Mutter der große»» Bar»»»- Herzigkeit! Was haben sie ans ihr gcinacht, diese Heiden, daß die Pest sie'»vegraffe! Das Mädchen war>vic eine Rose, wie ein Reh, und seht würde sie der eigne Vater ja nicht erkennen.... Ein Vogel»uöchte ja über sie»vcincn! Bleich ist sie, als»niiszte man sie sofort in den Sarg legen!... O je, zugerichtet haben sie diese Heiden, zugerichtet! Daß Gott sie strafe! Psssk!" rief sie plötzlich der grauen Katze zu, die, von dem Geruch des Rauch- fleisches herbeigelockt, von» Kamin heruntersprang, sich kugel- rund»nachte, die Haare ans dem Rücken emporstreifte, miauend die Schnauze an dem Kleide ihrer HeiTin neb und so einen Anteil an den ans dem Tische liegenden Leckerbissen forderte:»Fort von hier, di» böses Vieh, fort!... Daß dich...1" Am nächsten Tage wurde beschlossen, daß das Mädchen so lange bei der Walentoiria bleiben sollte, bis es gänzlich '»vicdcr zu sich gekommen sein würde. ...„Was V Ist sie etwa nicht eine Angehörige von»uir? Gicbt's in der Stube keine Arbeit? Wenn auch nur um Wasser zu bringen und das Essen zu kochen, so»vird das Mädel schon von 9!utzcn sein. Und dann ist's ja einem bange, daß man niemand hat, zu dein man den Mund anfniachcn köiurtc, daß man zlvischen diesen vier Wänden dahinlebt, einsam wie ein Pfahl... Wenn eine Krankheit über einen käme, nieniand wäre da, mit einein eine»» Schluck Wasser zu reichen. Freilich, das arme Mädchen ist aus- gerutscht,»vas wahr ist, ist wahr, dafür wird sie schon der Herr Jesus richten. Aber sie hat doch nicht aus Mutwille» angefangen, sondern nur verleitet von dieser dummen Lieb- schaft. Das»veiß ja ein jeder, wenn ein Kerl sich darauf ver- legt, kann er die Bravste in die Hölle verführen...." Der Entschluß, den Frau Walentoiva nach dieser gründ- lichen lleberlegung gefaßt hatte, staub unerschütterlich fest. DaS Mädchen ließ sie»»icht fort und damit basta. Hanka sah mit einer gewissen Angst der Hoffnung eines neuen ruhigen Lebens entgegen. Sie traute den» Schicksal nicht. Die ersten Tage versah sie die Ordnung in der Stube unter fortwährender Angst, bald argwöhnisch nach der Thür, bald zum Fenstcrlein blickend. Erst an» dritten Tage»vurde sie etivas beruhigt und fing an, sich an die neue Lage zu ge- wöhnen. Zu der Waleictowa sagte sie„Tante", sie streichelte liebkosend die graue Katze, und huschte leise im Ziminer umher, freudig aufatmend, und von ihrem Gesicht schien die fahle Farbe vor einein aus den» Innern kommenden Licht zu Iveichen. Nur in den Augen waren noch die früheren düsteren Schatten geblieben, wie die Nebel, die sich noch in» Walde verbergen,»venn die gauze Gegend schon vom Licht überflutet ist. Am vierten Tage saßen die beiden Frauen in der Mittagsstunde bei der Schüssel, als die Thür knarrte und der Hausmeister hereintrat. Der Löffel entfiel der Hand deS Mädchens. „Guten Morgen!" „Guten Morgen. Was giebt's denn Neues, Herr Haus- meister?" „Ich meinte betreffs der Meldung.' I." „Was für eine Meldung? Hab ich mich denn nicht gemeldet? Hab ich vielleicht keiuei» Aufenthaltsschcin ge- uommei»?" „Ich mein auch gar nicht Euch," versetzte der Haus« meister gelassen.„Ich»ncinc nur dieses Fräulein da.". Die Wäscherin wurde»mgehalten. Hauka fing an heftig zu zittern. „Nuir,»vas ist denn dabei? A»lch dieses Fräulein»vird eine Meldung l?abcn, und auch einen Anfenthaltsschein »vird sie haben. Was denkt Ihr Euch, Herr Hausincister, daß die eine solche Dame ist,»vie die andern da drüben in jenem Flügel? Bei»uir kommen gottlob solche Dimge »»»cht Vor." lFortsctzmig folgt.) (Nachdruck verdaten). Die füdnf�istonifchett Stvömo- Im südafrikanischen Kriege spiele» auch die Flüsse eine ganz be- sondere Rolle, und es haben die Engländer hier weit mehr denn in andern Ländern mit deren Eigenart zu rechnen. Mit»venig Ans- nahmen durchziehen die größeren Ströme Höhenzüge n»d wild zerrissene Gebirgsteile, die bei den meisten Flüssen Stromschnellen und gewaltige Abstürze hervorrufen. Die Ufer sind vielfach sehr steil, das Bett daher ein enges und tiefe?. Dieses füllt sich oft im Laufe Ivcniger Sülnden durch ablaufendes Rcgcnwasscr des Jnneulairdcs zlir vollständigen Höhe der Uferivände. Mit gewaltigem Tosen braust plötzlich das Wasser wie eine Sturmflut heran, alles mit sich reißend, und das Passieren einer unbekannten Furt mit dem landesüblichen Ochsen- »vagen, dem»2—10 Tiere zu je ziveic» vorgespannt sind, ist oft mit Lebensgefahr und Bcrlnst der gesamte» ausgeführten Habe ver- bundcn. An Kennzeichen, die ein Uneingeweihter gar nicht bemerkt, erkennen die Bocren, ob sie es»vagen dürfen, mit ihrem Fuhrwerk oder zu Pferde de» Flußlauf zu passieren. Die Wasscrhöhe an bemoosten Steinen im Flußbett oder an Baumstümpfe», die aus dem Wasser hervorragen, dienen ihnen als Richtschnur. Wehe dem, der mitten im Flusse fest sitze»» bleibt! Berschoncn ihn auch die oft hcranvransendcn schmutzige» Waffermnsscn, so peinigen ihn und sein erschöpftes Vieh die zu Tausenden sich einfindcndcii nnnincrsattci» Mo-.utos. Mit Beulen über und über versehen, geht man aus einem solchen, meistens nächtlichen Kampfe hervor. Durch das reißende Ansströinen der Wasser bilden sich infolge des Gegcnpralls des SeewasserS an den AiiSfliisscn Sandbänke, die stetig ihre Lage, Höhe»nid Tiefe ändern und Schiffen von größerem Tiefgang die Einfahrt verivehrcn. Es giebt Flüsse, die in der lrorkeneir Zeit vollständig ohne Wasser sind, dennoch wird der Einheimische in solchen Terrains nie verdursten, denn an dem Sprießen mehrerer Knollengewächse nndGräscr kann mandieStelleuerkennen, unter welchen nach einigem Graben Wasser sicher zu finden ist. Ein Hottcntot tränkte einst mich und mein fast znsanlnienvrcchcndcs Pferd. indem er einen langen Stork an einer von ihn» ausgesuchten Stelle in die Erde stieß und durch Rütteln und kreissörinigcs Bewegen eine sich stets crivciternde, trichterförmige Oeffnung schuf, die sich bald mit der kostbaren Flüssigkeit füllte.- Rur in den größten Flüssen findet man ivährend des ganzen Jahres Wasser und in diesen auch nur oftmals stellcntveise. So haben»vir in» Westen den Cnnene mit verschiedenen Katarallen, der die Grenze von Deutsch Südwest- Afrika gegen das nördlich gelegene, portugiesische Angolagebict ab- schließt und über dessen Ursprung die Nachrichten auseinandergehen. Alan vermutet, daß er mit dem östlich gelegenen Okavnngo und Tonkeflnß in unterirdischer Verbindung stchtj,»velche letztere ihren Ausfluß aus dem Ngamisce nehmen. Den südlichen Teil der deutschen Besitzung begrenzt der Orange River oder Gnriep, der,»vie die erstgenannten, von Osten nach Wcstetl fließend, sich in den Atlantischen Ocenn ergießt. Mit flachen Booten kann man diesen Fluß ans»vcite Strecken befahren, doch »vird eine Einfahrt von der See für tiefergehende Schiffe nur zu er- möglichen sein,»venu zivei Wellenbrecher, rechts und links vom Aus- fluß, geschaffen»verde». Vollständig erforscht ist der untere Flußlauf immer noch nicht und Trabers, d. h. Handelsleute,»velche in diesem Gebiet reisten, behaupten, seine Uferlvände zeigen Spuren von Kohle»» und Eisen, sie»vollen auch den typischen„blauen Grund" der Diamantenfelder an einigen Stelle» entdeckt haben. In ihn ergießt sich der in letzter Zeit oft genannte Baal River, welcher zum Teil die Südgrcnze Transvaals bildet und in der Geschichte des BoerentliinS eine bedeutsame Rollo spielt. Ebenso»vie der Oranje River nimmt er eine Reihe kleinerer Flüsse auf, die zum Teil äußerst fischreich sind. Das Gcfäll des Baal ist ziemlich steil, das Bett größtenteils schicferartiges Gestein, an manchen Punkten ganz glatt und eben, hin und»vicdcr auch sehr ausgedehnt in der Breite und oberhalb Kimbcrlehs lieferte sein Bett seiner Zeit die»verlbollsleit und schönsten Diamanten. Die Flußlänse sind in der Regel schon von Iveiien» zu erkennen, da ihre Ufer fast durchgängig niit prachtvollem Baum- und Pflanzen« »vuchs bestanden sind. Der hervorragendste der Nebenflüsse des 1' »aal ist der Mooi River. Von geringerer Bedentinig ist der siidiV.'. gelegene der westlichen Flüsse,' der Olifants River, welcher seinen Namen durch die Elefantenjagdcn erhielt, die früher an seinen Ufern abgehalten wurden. Eine mit vielen Kosten erbaute eiserne Brücke über diesen Fluß wurde von den reißenden Wassern hhiweggespiilt. Im Osten Südafrikas gewiimen wir ein ganz andres Bild, denn hier finden wir zahlreiche Flüsse, die in dein das Land durchziehenden Drakensgebirgc oder dessen Ausläufern entspringen, unabhängig von einander fließend und große, dicht bevölkerte, fruchtbare Strecken durchziehend, in den Indischen Ocean münden. Gehen wir die Südost-Küste hinauf, so finden wir als ersten erwähnenswerten Fluß den Buffalo. An seiner Mündung liegt East London, das als Einfuhrhafen eine große Bcdentnng erlangte. Mittels Baggermaschincii hat man eine breite Einfahrtslraßc durch die der Mündung vorgelagerten Saudbänke geschaffen, und der Vcr- kehr nahm dadurch große Dimensionen an. Schiffe laufen jetzt ein und aus und mit kleineren Booten kann mau beträchtliche Entfernungen den Fluß aufwärts zurücklegen. Danil kommen wir auf unsrer Wanderung zum Nintata und Umzimvubu oder St. Johns-Flussc. Der ersterc hat weniger Bc- dcntung wie der St. Johns. Zwei mächtige Felsen, die„Thore des St. Johns", begrenzen die Einfahrt und sind ein weithin sichtbares Merkzeichen für die Schiffe. Man hat verschiedentlich versucht, die landschaftlichen Schönheiten und die wunderbare Umgebung dcS Flusses mit dem halbtropischcn Baumwnchs und Laubwerk zu schildern, aber auch die regste Phantasie kann das Bild nicht in solche Farben kleiden, die erforderlich sind, um die ganze Schönheit der Natur an diesem Punkt wiederzugeben. Der St. JohnS ist deshalb auch ein beliebter Ans- flugspinilt. Kleine Dampfer vermitteln den Verkehr von dem nörd- lichcr gelegenen Durban, und die Boote können bis i2 englische Meilen den Fluß hinausfahren. In dem Hinterland, Pondoland, bilden die vielen kleinen Gebirgsfiüsse herrliche Katarakte und Wasser- fälle, von denen der Tsitza-Wasserfall der schönste und tiefste der Kapkolonic ist. lieber ein fast senkrecht abfallendes Felsstück stürzen sich die Wasser 37a Fuß hinab und bieten, namentlich bei Hellem Mondschein, einen feenhaften Anblick. Auch der nunmehr in der Reihe folgende Umgcni-Fluß in Natal bildet bei dem kleinen Ort Howick einen herrlichen, 334 Fuß tiefen Wasserfall. Ein enger Felscnkcffel nimmt die gewaltigen Wasscrincngcn auf, und schon von weitem kündnzt ein dichter Staubregen das Vorhandensein dcS Falls an. Bei diesem Flusse wie auch bei dem in letzter Zeit viel genannten Tngela und einigen andern, höher hinauf gelegenen Flüssen ist ein Zügang von der See mir z« gewissen Zeiten mit kleinen Booten zu ermöglichen. Der Krokodilflnß oder Limpvpo ist zwar einer der bedeutendsten Ströme, zum Teil aber »och unerforscht, soweit seine Verwendbarkeit für die Schiffahrt in Frage kommt. Er bildet die Nordgrcnze von Transvaal und fließt, nachdem er beträchtliche, ficbcrschwangcre, sumpfige Tiefländer durchzogen, oberhalb der Delagoabai ins Meer. Bis etwa 25 Meilen binanf ist dieser Strom schiffbar, soweit bis jetzt festgestellt ist. Wir gelangen nun zum Zanibcsi. dem Könige der Flüsse des Südens. Unterhalb der berühmten Victoriafälle breiten sich die' Wasser deS Flusses bald wieder wie oberhalb der Stürze zu bedeutender Weite aus, die sich auf ca. 1200 Meter erstreckt. Dann teilt sich der Strom in mehrere Arme, von denen allein der Knama der größte und zu jeder Zeit des JahrS schiffbare ist. Unzählige größere und kleinere, dicht von Wasservögeln bevölkerte und mit üppiger Vegetation be- standcne Inseln liegen im Strome zerstreut. Es fließen ihm, von Norden und Süden kommend, eine ganze Anzahl Flüsse zu, die bc- trächtlichc Wassermcngen mit sich führen und teillveise von den Ein- gcborneu in selbstgefcrtiglcn Booten aus Banmstänuncn befahren werden. Von dem AnSflusse bilden diese Arme ein Delta von etwa achzig englischen Meilen Breite. Wie Nhodcsja-Goldsncher dein Verfasser berichteten, ist der Strom bis weit oberhalb Tete schiffbar. Heute schließt der Fluß das centrale Afrika von dem südlichen Teile ab; doch steht man im Begriff, Forschungen dahingehend anzustellen, bis zn welcher- Entfernung von der Käste der Stromlanf für Handels- zwecke nutzbar gemacht werden kann. Bis jetzt hat das in den Tief- löndern grassierende Fieber dem Europäer den längeren Aufenthalt dort unmöglich gemacht. Durch ausgedehnte Anpflanzungen, die in- folge des schnellen Wachstums der Pflanzen in diesen tropischen Strichen verhältnismäßig leicht bewerkstelligt werden können, gedenkt man auch diesen« Ilcbclstande abzuhelfen.— _ H. H i n tz e. Mleines Isettillekon» — Notiz. Nach Ablauf des Romans„Unter dem Schutze des Gesetzes" beginnen«vir mit den» Abdruck von Leo Tolstojs iicucni Roman„ A u f e r st c h n n g" in der e r st e n voll- ständigen, im Auftrage des Verfassers hergestellten Uebcrsetznng von W a d i»« Tronin und Ilse F r a p a Ii.— k. Cciisttrkunftstiiekche». Ein gerade jetzt wieder sehr aktuelles Thema behandelt Honben im letzte» Heft der Zeitschrift„Bühne und Welt". Es ist nur natürlich, daß er dabei immer wieder auf die „klassische" Stätte der Censur, das Wiener Theater in« 13. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zurückgeführt wird, über die auch das meiste Material vorliegt. Die ivichtigsten Gesetze für den Dichter waren die zehn Gebote. Vor allem verlangte daS vierte Gebot die peinlichste Berücksichtigung voii dem Dichter; iedc Auf- 7— ehnnng des Sohnes gegen den Vater war verpönt, und das Stück,«velches die„zarten Nerven" der Eltern oder Kinder antasten konnte, winde„gereinigt". Schillers„Räuber" «vurden im Burgtheater überhaupt erst 1850 durch Laube ein- gelassen, gingen sie an einem andern Theater in Wien in Sccue, io wurde aus Vater Moor ein gebrechlicher— Onkel, und auch in „Kabale und Liebe" ivurde Ferdinand der„Neffe" seines Vaters. Von erschütternder Wirkung muß dabei Ferdinands verstockte Drohung geivesen sein:„Es giebt eine Gegend in meinem Herzen, worin das Wort Onkel noch nie gehört worden." König Lear mußte auf dem Wiener Theater mit den« Leben davon kommen, damit der mißhandelte Vater über seine entarteten Kinder triumphiere, in„Don Carlos" durfte von der Liebe des spanischen Prinzen zu seiner Sticf- mntter nicht die Rede sein. Das sechste Gebot gab erklärlicher- lvcise besonders oft Anlaß zn Konflikten mit der Censur.'Es gab in Wien eine Zeit, Ivo Worte wie„Lustschloß" oder gar„Strick- nadel" Anstoß erregten, und in der Denkschrift des Censors Hägelin von 1795 heißt es:„Die Censur hat darauf zu sehen, daß nie zivey verliebte Personen mit einander allein vom Theater abtreten.... In dem Stücke:„Das Landmädchen" wnroe den bcydcn Verliebten, welche sich am Ende des Stücks in ein HauS mit einander begeben, um ihre Hcyrath richtig zu stellen, ein Proku- rator bchgcgcben." Hager, der um 1810 Vorstand der Censur war, suchte allen„Ziveidculigkciteu" ein Mäntelchcn umzuhängen. So änderte er z. B.„Sic besitzt einen weißen üppigen Busen" um in „Sie ist vorne sehr schön gebaut". Sogar im Sousflierbuch litt er nie die Worte:„Er küßte sie", sondern schrieb immer dafür hin: „Er giebt ihr einen Kuß." Alle Illegitimitäten waren unter diesen Umständen unbedingt verpönt. Maitrcsscn und Geliebte brachte der Ccnsor regelmäßig Hilter die Haube, natürliche Kinder wurden kegitin«, gar zu iiitime Seeucn Ivurde» kurzweg gestrichen. Auch dicKlassikcr wurden dabei oft arg zugerichtet. Schon der Titel„Jungfrau von Orleans" schien anrüchig, daraus wurde„Johanna d'Arc". Die Geliebte König Karls fungierte als seine rechtmäßige„Gemahlin Maria", der Bastard von Orleans als„Prinz Louis. Vetter von Orleans", und die unnatürliche Mutter Jsabea» wurde in eine Schwester dcS Königs verwandelt. um das herbe Motiv cttvaS zu milder». Ebenso mußten sich„Kabale und Liebe" und„Fieseo" ans„AnstandSrücksichten" entsprechende Acnderungen gefallen lasse». Gegen alles, was religiöse Stoffe berührte, ging die Censur rücksichtslos vor. Hebbels„Genoveva" Ivurde in„Magellona" inngetauft und jedes Wort, das an die Heilige erinnerte, gestrichen. Der Name„Gott" durfte auf der Bühne mir vor der standesgemäßen Gesellschaft des Hoftheaters ausgesprochen werden; in Vorstadtbühuen setzte man immer für„Gott"„Himmel". So tvnrde ein VerS „Treibe nicht mit Heiligem Spolt, lind bedcnll eS lebt ein Gott I" mn gewandelt in„... lind bedenk', es lebt ein Himmel I"— mochte der Reim sehen, wie er zu seinem Rechte kam. Unter dem alten Hager lautete der Schlachtruf der„Jungfrau von Orleans" nicht:„Gott und die Jnngsran", sondern:„Der Himmel und daS Recht!" Streng ablehnend verhielt sich die Censur namentlich auch gegen jede politische Tendenz. Als selbstverständlich galt es, daß Könige und Fürsten in den Dichlungeu am Schlüsse immer recht behielten. Die Worte Posas„Ich kann nicht Fürsten- dinier sein" waren berfchmt. Unter besonderem Schutze standen vor allem auch die Hoslcute. Der„Hvfmarschall v. Kalb" wurde zum„Obcrgardcrobcinncistcr", Ferdinand stürzte also auf die Bühne mit dem Rufe:„War kein Ober-Garderobeumeistcr da V" Ebenso unantastbar waren die Militärs; die östrcichische Uniform dniftc nicht anf der Bühne erscheinen, leichtsinnige und verbrecherische Offiziere wurden einfach Civilistcn. Anf die vornehmen und die obrigkeitlichen Stände mußten die zartesten Rücksichten genommen Uierden, die Wörter Adel, Kavalier sollte» nicht so oft„im Munde handelnder Personen hernmgeschleppt" werde». Mesalliancen waren gar nicht denkbar. FreylagS„Gras Waldemar" behandelte ein solches Thema; Laube hätte es gar zu gern aufgeführt, der Wiener Ccnsor aber sagte hartnäckig Nein!„Ein Graf soll eine Gärtnertochter heiraten? In der Wirklichkeit mag'S leider vorkommen, auf dem Burgtheälcr nie!"— Kunst. — Iii. Der Name Fernand KhnopffS, des belgischen Künstlers, war für mich verknüpft niit der Erinnerung aii ein beinahe lebensgroßes Pastell, das vor. einigen Jahren in Dresden zu sehen war.„Einsamkeit" war es betitelt; dargestellt war ein zartes junges Weib, mit einem Schwerte in der Hand. Fast dilettantisch in den künstlerischen Mitteln, in der Zeichnung des Körpers wie in der Malerei in Grau, hatte das Bild doch in der Charakteristik des Gesichts eine Gewalt dcS Ausdrucks, die erschütternd wirkte. Dieser Blick ans halb verschleierten Augen war von unendlicher Wehnini. und um die schmalen Lippen lag ein so herber Schmerz, daß das Bild dieses Kopfs mich lange verfolgte... Seitdem ist Khnopff in gewissen, wenn auch kleinen Kreisen beinahe„Mode" geworden. Die Neproduktionen, denen man hier und da in Zeitschriften begegnete, hätten einen freilich irre machen könueu, wenn man nicht angenommen hätte, daß gerade bei der Nachbildung die erwartete Feinheit geschwunden wäre. Die AnSstcllung. die jetzt bei Keller und Reiner von Zeich- unngcn und Oelgcmälden KhnopffS veranstaltet ist, bringt jedoch eine völlige Enttäuschung. Es sind eine ganze Anzahl solcher Zeichnungen da wie die in Dresden, meist nur als Köpfe und in den verschiedensten Ausstafsiernngen, als Medusen, Sibyllen ic., aber ihr Ausdruck ist starr und gleichförmig, und bei &ci" Fülle der VarlakioiltN Mcrlt«INN nur zil bald. hntj dcr«iiiisller itäudiii mit denselben Mitteln zn ivieken sucht. In dein streue! jiezcichneten Gesicht lvied fast immer die Stirn dicht über den Augenbrauen vain Rahmen überschnitten, m den Augen ist das obere Lid tief über den Angapfel hcrabgcsenkt, lvahrend das untere fast in gerader Linie geht, der Mund ist gerade und schmal, oft nur noch eine Linie; von einer Modellierung des Kopfes inner- halb dieser llnirisse ist nicht die Rede. Ein geivisser Eindruck lvird durch diese Mittel wohl erhielt, aber er ist stcrcotlip. Auch Oel- gcmnlde, besonders Landschaftsstndien. sind ausgestellt, jedoch auch diese erscheinen gar zu gleichförmig in ihrer ewigen ruhigen Stinnnnng und schlvächlich in dcr tünstlerischcn Turchfnhning.— Geographisches. — lieber seine z lv e i t e Pamir-Expedition sprach in der Märzsihung dcr„Gesellschaft für Erdkunde" dcr Oberlicntcuant Olnfsen auS Kopenhagen. I» dein Vortrage führte er nacki einem Bericht dcr„Rat. Ztg." folgendes auS: Tie Reise ging durch Trans- kaSpien mit der Bahn bisÄndiSjn». von dort nach Osch. Dort»inszte ein Augriff dcr Kirgisen nbgcivchrt werde». Nachdem man de» Proviant, die wissenschaftlichen Instrumente und ein zerlegbares Boot auf Pferde geladen und sich mit Magazingewehren bcivasfnet hatte, schlug man, begleitet von cinheiniische» Führern und Dolmetschern zunächst den Weg nach Süden, in die Rlai- Gebirge, nördlich vom Pamir, ein. Auf schmalen Fußpfaden wurden diese 7000— 8000 Fust hohen Alaipässe überwunden, ofi nnchten die schweren Lasten hart an Abgründen vorbcigeführt werden, so das; bisweilen nur ein geringer Weg am Tage zurück- gelegt ivnrde. Mail begegnete oft den chinesischen Handelskaraivanen. die Tanscude von Kamelen und Pferden führen, ivie den höchst malerisch gekleideten nomadisierenden Kirgisen. Dcr See Jaschil-kul war das erste Reiseziel. � Man stieg auf die 14 000 Fuss hohe Olghu- steppe, de» Olghnlug. dcr frische Wasscrlänfe aufweist; Wachholder findet sich hier und eine Fauna, in der Mnrmcllicre zahlreich sind. Die Kirgisen ivohncn in ihren Filzhütte» oder Jurten, ihre Weiber zeichnen sich in dcr Weberei insbesondre durch die schönen Muster aus, die sie herstellen, und die kaum mit ihrem sonst so niedrigen Kultur- zustand in Zusammenhang zu bringen sind. Der Weg führte nun- mehr hiiimif zur Alaistcppc, die mcnschculecr ivar; der im Juli mit Schnee bedeckte Pamir bot das Bild einer Polarlandschaft, allein in den schuccfrcicn Thälern. auf 3000 Fuss Höhe gelang das Vordringen in trockenen, steinigen Flussbcttcn, die von hohen Bergen begrenzt sind und aus deren Färbung man Schlüsse auf den Metallgehalt ihres Gesteins machen kann. Das grosse Pamirschaf kommt in diese» Regionen vor. Es herrschte niedrige Temperatur. Dcr See Karatul, dcr nur nach Süden Abfluss hat, stellt sich in seiner elvigcn Ruhe, von uackleir Gebirgsmasseri umzogen, in einer starren Schönheit dar. Er liegt in einer Höhe von 14 400 Fuss. Von hier ging es in 22 Tagen über den Akbaital-Pass nach der 12 000 Fuss hoch gelegenen nnsischen Militärstation Pamirskh- Post. In sieben weiteren Tagen lvar alsdann der See Jaschil-kul erreicht, 3910 Meter über dem Meere. Der See ist durch imposante Gebirge, die blau, grün, grau, gelb und rot schiminern. umgeben, von deren Höhen Gletscher herabsteigen. Dcr sehr fischreiche. be- sonders viele Karpfen bergende Jaschil-knl, dessen lluigebnng eine ungeincin reiche Fauna an Gänsen. Enten, Adler», loie an Wölfen und Luchse» zeigt, ivnrde mit dem Faltboot befahren. Hcisse Quellen. von den Kirgisen als Heilquellen benutzt, bis zn 78 Grad CclfinS finden sich hier oben; dazu komiucn chinesische Ruinen am See, an Figuren auf Steinen kenntlich, sowie afghanische Gräber. Die Erscheinung, dass in Turkcstan und in Buchara die Wasscrmcnge bei dein dortigen spärlichen Regelt abnimmt, ist aus dem Rückgänge dcr Gletscher des Pamir zu erklären, durch die dcr Amudarja stCxnS) und der Syrdarja gespeist werden. Der Schiefer als Untergrund dieser Gletscher hält den Schnee nicht, und das erklärt ein Zurückgehen dcr Pamirseen. Der Jaichil-kul wird von einem Quellsiuss des Amudarja durchströmt. Am 22. August 1898 hatte die Expedition sich gegen einen Ilcbersall dcr Kirgisen zu vcr- tcidigcn. Dcr Weg ivard dann südtvärls nach der Provinz Wakhan fortgesetzt, an deren Siidrand der Hindnkusch bis zu 23 000 Fuss aussteigt. In den Thälern des Pamir treffen wir die Ackerbandörfer ans de» Terrasse», Ivo mit guter Beivässernug Weizen, Gerste, Hirse, etwas Baumwolle und Tabak gebaut wird. I» diesen Gegenden gicbt eS fast keinen Rege». Aus aufgefuudeucn Ruinen konnte bewiesen werden, dass die heute nördlich von Kabul wohnenden Siaposchcu ehemals im Pamir ihre Sitze gehabt habe». Die sehr primitiven Wohnstätteu dcr Wathaner besiehe» ans rohen Steinen, sie enthalten neben einem Fremdengemach, einen Raum für Männer, einen zweiten für Frauen, beide ohne Fenster. Ter Rauch ans dcr in dcr Mitte dcr beide» Gemächer angebrachten Fcucrstelle zieht durch eine Oeffnung im Dache ab. An den Wänden des Frauen- rannis sind Hürden für Gerät angebracht. Die Dächer der dicht au einander gebauten Dorshänser tragen bisweilen einen Turin, der zur Verteidigung dient, und ans dem Steine von zweiseitige» Bogen ge- schösse» werden. Ein Garten fehlt an den Häusern selten; ausgeblasene Ziegenschlänchc dienen als Brücken oder Boote. Die Kleidung ist in jeiicn Gegenden sehr einfach. lieber Jschknschiui ging es nordwärts, längs des Päudschsinsses nach Chorolk in Schngna». Hier herrschen noch sehr einfache Kulturzustäude. Man richtete eine meieorologische Station ein. inachte physikalische Beobachtnnge» n»d j ethnographische Sindien an de» hier ansässigen iranischen Volks- j slämine«, die gröbere Züge als die Perser zeigten. Von Mitte November ab war die Expedition dort fast eingeschneit. Die Nahmig bestand ans Schaffleisch, Reis, Konserven nnd afghanischen Aepfcln. Es herrscht hier noch Fraueiikanf, der Islam ist nur oberflächlich. Anfang März 1899 stieg die Forschmigskarnwmie von ihrer Station herab nnd erreichte nach 47, durch den Frost erschwerten Tage- Märschen, zurück durch Wakhan und Pamir den' turkeftanischen Frühling.— Aus dem Tierleben. — Insekten fang eines Turmfalken. Der Tum, fall ist in erster Linie fliegenden Vögeln ans freiem Felde, iininenttich Tanben, gefährlich, während alle Kleinvögel, die sich nahe dcr Erde halten, und Vögel auf dem Wasser vor ihm uerhältnisinässig sicher sind. Demgegenüber ist das Gebahrcn dieses Räubers, das Robert Berge, au dein sogciiannteil Filzteich, ciiicin grossen von sninpfigen Ufern mnsäumtcii Gcbirgsteich in der Gegend bon Kirchberg im Erzgebirge bcobnchretc, ganz ungelvöhiilich. Dieser Forscher kam. wie die„Tägliche Nuudschnn" berichtet, an cincni regnerilchc» Tage auf einer oriiithologischcn Strciferei auch an jenen Teich. Der Turmfalke hielt von dem dürren Wipfelzacken einer Eiche aus zunächst Ilmschan, strich dann im Boge» nach dein Teich hinüber, seine Fluglinie zulvcilcn durch Rütteln nutcrbrechend. Weder der Stockcntcu noch der Kleinvögel bemächtigte sich die geringste Unruhe; auch der Turmfalke nahm keine Notiz von ihnen, sondern begann über dem Wasserspiegel eine Thäligkcit, die keiiien Zivcifel licss, dass er. Insekten sing. Er rüttelte so dicht über der Oberfläche, dass ciiic Grenze zivischen Wasser und scineni fächerartig ansgcbrcitctcii Schlvniizcnde nicht nrehr zu iiuterschcidcii war. Während dessen oder ivähreud er sich flatternd langsam fortbewegte,»ahm er mit dem Schnabel öfters etwas auf, nicht aus dein Wasser, svudcrn aus der Luft. Dann flog er stückweise Weiler, wich oft in grösseren Kreise» ans, lies; ab imd zu sein nicht z-i lantcS Ki hören. setzte das alles eine germnne Zeit iir beständigem Wechsel fort nnd glich dabei im allgcineiiicii genau iiisclteilsangciidc» Cchlvalhc». Erst beim Eintreten eines nrucn Regenschauers strich er ab. Hatte er vielleicht ivegen des misreuud- lichen WettcrS seine Morgcnsättigung nicht gefiluden, so dass er sich schliesslich mit dieser Kost begmigeu mnsste?— Humoristisches. — Begreiflich. A.:„Sehen Sic mal, IvaS die Katze für ciueu k r u m in c u B u ck e I macht!" B.:„Ja, die gehört auch einem H o f b c n ui t c n!"— — Faste n. Herr Essle lnachdei» er zwei Stimdcn kaiig von de» delikateste» Fastenfpeisen geschnianst);„Jetzt Hab' ich aber genug— beim bestell Willen kann ich nicht länger faste»."— — Schön eingegangen. Gast fein schlecht cingcschäiiktes GlaS Bier zun» Aussüllc» zurückgebend:„Marie— da schann S' her l" K c l l n c r i n(»achdem sie. inissverständlich, fest daraus g c- trunken):„ S o—» d a n l' f ch v u!"— („Meggcnd. Hiiiil. Bl.".) Notiz:;:. — Die Mitglieder des Verein S v c r l i» c r 5!i"i»stlcr haben die von ihnen geforderte I n r h f r c i h c i t für die Grossen Berliner Kiinstaiisftcllnngcii nicht durchgesetzt.— — Die Polizei i n H n n Ii o vcr, die vor kurzem dem Hcine-Ensenible die Aiisfiihrinig von H n r t l e b c n S ,. E r z i c h» n g zur Ehe" im Stadtthcnier nuterfagte, hat mminchr auch die Auf- fühnilig des Einakters„Die sittliche F o r d c r n n g" von dein- selben Autor v erböte n.— — F e n e r s i ch e r h e i t der Theater. Bei dem Bau des » c n c n Deutschen Schau spiel hanscS in H a m b» r g sind nur 2ö0 Kubikiileter Holz verwendet. In das Wiener R i n g t h c a t c r Ivareu»och 30 000 Kubikmeter Holz eingebaut.— — Bei den Priislinge» für S t a a t S- Ei s e n b ah n b c a m t eu, die vor kurzem in S n ch s c u cingesührt iviirdc». hatten 75 Proz. das v i c r z i g st e Lebensjahr erreicht; eine grossere Anzahl von ibiien ist»ach Ablegmig der Priismig au dcr R c u r a st h e i» i e fNervenjchlväche' erkrankt.— t. 223 500 P o st b u r c a n S gicbt cS nach einer soeben veröffentlichten Znsannnciijlelluiig dcS Jiiteriialionalcn PoftburealiS zu Bern in der ganzen Welt.— — Poröse Ziegelsteine. Iii Anbetracht der vielseitigen Vcrlvclldiliig poröser Steine sind Iliitersiichnirgcn von Interesse, die in Amerika über gebrannte Thonzicgrl mil Sägemehlzusatz ausgeführt ivnrdeii. ES stellte sich nach einer Mitteilung dcr„Tech». Rmidich." heranö, dass ina» de» Ziegeln vor den» Breuncn bis zu 70 Proz. Sägespäne zugebe» konnte, ohne dass sie zcrsielen, dass aber von etwa 25 Proz. eine starke Abnahine der Zug-»lud von ctiva 30 Proz. an der Druckfestigkeit ciutrat.— «eplilirwoaliwe. JicOncicur:- Paul Jotz» in Berlin. T ruck uns Bcricz vor. 2.':ax Pading ir. Berltr..