Zlnterhaltmlgsblati des Uorwäris Nr. 50. Dienstag, den 13. Marz. 1S00 ik>drulk verboten.) Ankev dem ZSrszusze des Gesetzes. 16j Von M a r i a K o n o p n i ck a. Eine Stunde später wurde sie in das RathciuS abgeführt lind ibre junge Herrin führte die ganze Woche nachher das große Wort in allen Daniensitzungen. Keine von ihren Be- tonnten nämlich>var im stände, von ihren Dienstmädchen einen ähnlichen„Skandal" zu berichten. VI. Als der Häscher in Hankas Begleitling in dem dritten Hof des NathansgebäudcS erschien, waren die vergitterten Fenster, durch die man hier und da die eingeschlagenen Scheiben sehen konnte, angefüllt mit Männer- und Frauen- köpfen. Davon machten selbst die sogenannten bürgerlichen „Nummern" keine Ausnahme, in denen Personen ihre Strafeil abbüßten, die nuf StandeSprivilegicn Anspruch hatten. Den Gegenstand der Neugierde dieser ganzen Galerie bildete ein schmutziger, kotbcdeckter, magerer Pudel, den der Wächter apportieren und auf den Hinterpfoten stehen lehrte. So oft der Hund eine aufrechte Haltung annahm, herrschte oben eine Stille, die nur von vereinzelten Ausrufen unter- hrochen wurde:„Er wird standhalten l... Er wird nicht standhalten I..." Sobald aber der erschöpfte Pudel seine ermattenden Pfoten vor der Zeit sinken ließ und der dicke Riemen seines Herrn von schweren Hieben auf seinen zitternden Röcken niedersaiiste, erhob sich ei» rasendes Lachen und Stampfeil mit den Füßen, das im Verein mit dem jänunerlicheu Heulen des Hundes einen wahren Höllenlärm verursachte. DaS Erscheinen des HäscherS mit seinem Fange bewirkte eine Ablenkung der allgemeinen Aufmerksamkeit von diesem Spektakel. Der Wächter versetzte dein Knud einen Fußtritt, daß er entsetzlich Ivimmernd in einer Reihe von ni»»iter- brochenen Purzelbäumen nach der entgegengesetzten Seite hin flog und die groben iind schrillen Stimmen ivaudten sich dem Nenanaekoiiiiilenen z». „Väterchen l Väterchen! Wie gehts?" „Guten Morgen, Väterchen! Gnteii Morgen l Guten Morgen!" Dem Häscher schmeichelte offenbar diese Populantät. Er erhob den Kopf, kniff das linke Auge zu, winkte scherzhaft drohend mit den langen magern Fingern zu den Fenstern hinauf, und zeigte bei seinem Lächeln einige gelbe große Zähne, die gleich Ruinen in einer Brandstätte in dein vor- heerteil Munde ragten. Ter Lärm wurde immer größer. „WaS V Kommst Du von der Jagd Väterchen? Wie ist's gegangen? Ist Beute da?" schrien die Einen. „Fräulein! Fräiileiu! Lassen Sie doch das Tuch fallen l" brüllten die Andren. „Hierher mit ihr. Zu uns l" „Bring sie her. Väterchen!" „Seid still, Ränder!" schrieen die Fmueu und sl reckte» drohend Köpfe und Fäuste durch die ciilgcworfeucn Scheiben »ach der Männerabteilung hin. „Seid selber still, Weiberpack l" antworteten die Männer. ...Hey, Dil Tölpel, hörst Dil nicht, daß man zu Dir spricht?" „Versetz ihr eins in den Nacken, Väterchen! Gut I" Hanka schritt aufrecht dahin, gleichmäßige», tascheu Schrittes, in ihren Bewegungen lag eine Art düsterer Eut- schiedcuheit. Die stark züsmumengezogencn Brauen gaben ihrem Gesichte däS Gepräge cutsetzlicheil Schinerzes. Die schmalen Lippe» zuckten leicht, und die starren Blicke fchieneil in eineil Abgrund der Verzweifluirg zu schauen. So durchschritt sie den Hos. das Thor, die Treppe, und erst als man sie am Ende des zweiten Korridors in einer Zelle unterbrachte, lehnte sie sich mit den Schnltern gegen die Wand, als müßte sie sonst umfalle»,»ahm eine gebückte Haltung an. ließ die Hände sinken, und ihre Augeil schweiften wie irre in dein großen schmlltzigcil Raum umher, Ivo sie, gemäß dem Wortlaute des Gesetzes, eiiic ztveiwöcheutkiche Arreststrafe ab- büßen sollte, für ihre Flucht aus dem Orte ihrer Verbastnunz. Diese Stube war cigeutlich kein Ge» fäi'.gnis, sondern nur eiue scheußliche Station, über die sich immer neue Wellen von Elend, Verkommenheit und Schande hiuwälzten, um hier ihre Spuren zurückzulassen� Einige schmutzige, aus rohen Brettern zusammcugefiigte Pritschen bildeten ihre einzige Einrichtung. Eilnge betrunkene Weiber schnarchten auf den Pritschen und einige andre drängten sich an die Thür, um die. Neuangekommene zu sehen und auszufragen. Sie erlebten bald ciiie Entläuschung: daS war ein „dummes Ding", mit dem mau keine zivci vernünftige Worte sprechen konnte. Zu Mittag brachte mau einen Zuber mit Grütze, bei dein ein heftiger Krieg ii»l die ranzigen Fettgricben entstand. Hanka beteiligte sich an diesem ersten Mittagsmahle nicht. Niemand lud sie ein: einen Löffel hatte man für sie nicht gebracht. Sie war zu spät angekommen. Die Grütze war für sie nicht„ausgerechnet", wie die älteren Bewohnerinnen der Stube behaupteten. Aber Hanta verspürte keinen Huiiger, verlangte nichts. sondern rollte sich wie ein Knäuel zusammen nnd setzte sich auf die Erde: daS Gesicht verhüllte sie mit dem Tuch. Bald senkte sich der Abend. Die Nacht kam und bei dem flackernden-Lichte der über der Thttre angebrachten Laterne konnte man das Ungeziefer wahrnehmen, mit dein die Wände besät waren. Als die Schlafstiinde da war. entstand ein neuer Kampf um die Pritschen, den erst der Wächter beschwichtigen mußte. Der Streit mn die besseren Plätze tobte so lange, bis der Wächter dazimschen trat und die Fluchenden und Jammernden zur-Ruhe zwang. Als er sich entfernte schimpfteil sie noch lange gegen einander, bis sie der Schlaf be- wältigte. Auch Hanka war in kauernder Stellung tu einem Winket eingeschlafen. Kurz nach Mitternacht weckte sie ein Lärm, ans dem Korridor. Die Riegel an der Thür, knirschten, nnd in die Zelle wurde ein Mädchen gebracht, da? unter lautem Lachen sich mit den Wächtern balgte und sie ausschimpfte. Hanka erkannte sie sofort. ES war Manka Ereskas. Sie sah aus. als hätte iiian sie umnittelbar von einem Straßenbacchanal hergeholt. Das leichte, rosige Kleidchen zeigte au der Seite einen iveiteil Riß, in den Haaren hatte sie eine- zerkuülltc Papierrose, ihre Wangen glühten, der Buseu war ungenügend mit einem Tuch bedeckt. Sie war offenbar betrunken. Sic klammerte sich an den Aerinel des Wächters, der sie fort- schleifte, nnd ivollte ihn um keiiicu Preis fortlassen, „Hil Wie kalt es hier ist! Die reine Hunde- bilde... Man kann den Hauch mit Häudctl fasse»... Hier»verde ich Euch ja zu Tode erfrieren... Herl Wächter, spendieren Sie doch mal Schnaps, oder ivas... Hil— u— u!..." „HaltS Maul!" donnerte der Wächter mit grober Stimme, während daS Mädchen ihn he rilin zerrte. Es war ihm»n- möglich, sie abzuschütteln. „Sonst aber wollen wir ein kleines Tänzlein machen, Herr, Wächter.. Sie brach in ein tolles Lachen aus und wirbelte mit ihm im Kreise herum. „Hit.. ha!" trillerte sie und stampfte mit dein Fuß zum Takte der Melodie. „Loslassen, Du!" brüllte der Wächter, außer sich vor Wut. „Was koslaffen?. I ü Ist etwa heut nicht Fasching? Nur wollen mir die Beine nicht recht dienen. Diese Bestien müssen mir i.ivaS im Schnaps eiugegebcil haben...- Nun. Herr Wächter... Vorwärts l Nach links... nach links!..." Sie wankte, stieß gegen eine Pritsche an und fiel zu Boden. Im Fallen lachte sie noch, aber sie erhob sich nicht mehr. -„An, wie mir das- im Kopf- saust-...An!" Der Wächter entfernte sich, die. Thür geräicschvoll ins Schloß werfend. Gegen Morgen gab es wieder einen Höllenlärm. Man schleppte einen Haufen Weiber herbei, die man in den Hinter-- gäßchen und Diebeshöhlen aufgelesen hatte. Sie wareil die Verkörperung der Schände uiid des Elends: abgemagert, schmntzbvdeckt. in Lumpen gehüllt: die lueisten .______________,._______._____________ waren noch jung, einige hatten blaue Beulen im Gesicht, alle trugen das Brandmal der äußersten Verlommeilheit auf der Stirn. Zwei von ihnen hatten Säuglinge an der Brust. Einige stürzten sich sofort aus die Pritschen, um sich einen Platz zu sichern, aber die von dem Lärm geweckten Inhaberinnen wehrten ihnen schreiend und fluchend den Zutritt. Andre sanken m gänzlicher Erschöpfung zu Boden. Endlich wurde es still. In dieser Stille ertönten Seufzer. Jene zwei Wochen, die Hanka ini Rathause verbrachte, hinterließen tiefe Spuren in ihrem ganzen selischen Wesen. Sie wurde welk und stark gealtert. Ter Instinkt des Hasses reifte in der stickigen Atmosphäre dieser großen schmutzigen Stube, gedieh, erweiterte sich und umspannte ihr Inneres, nistete sich in ihrem Herzen ein, wie ein giftiger Wurm. Wenn nmn zu ihr sprach, so preßte sie die Zähne zusammen, um nicht einen Fluch auszustoßen. Die Sorge lag auf ihren: Herzen, Tag und Nacht, wie ein großer schwerer Stein. Als die Frist abgelaufen war, führte man sie zusammen mit Manka nach dem Hauptgefängnis. Sie sollte, diesmal schon mit einer ganzen Partie, wieder in die Verbannung ge- schickt werden. In der Kanzlei harrte bereits ein ganzes Häuflein Arrestantinnen der Ankunft des gnädigen Herrn Rat. Ter gnädige Herr Rat hatte sich heute verspätet. Gestern hatte man bei ihm zu Hause eine Partie Whist gespielt; er hatte kein Glück gehabt und sich erst spät an: Morgen er- hoben; er war etwas verdießlich und ungeduldig. Der gnädige Herr Rat sprach gern und oft von seinen Humanitären Grundsätzen. Das versetzte ihn in Rührung, erfüllte seine Brust mit erhabenen, seligen Gefühlen. In der Ausübung seines mühseligen Amts traf es sich häufig, daß ihn unter der linken Rippe etwas wie ein Zucken, ein Kitzeln beschlich, das ein empfindsamer Mensch vielleicht Gewisiens- bisse genannt hätte. Aber er erinnerte sich sogleich, wie human, wie sehr human er doch war, und das gab ihm die vollständige Seelenruhe, das innere Gleichgewicht wieder. Auch diesmal hatte er Grund, dieses Mittel zu versuchen, doch jenes Kitzeln war hartnäckiger denn je. Hanka. die an der Thür stand, sing an, am ganzen Leibe zu zittern. In diesem Augenblick bemerkte sie der Herr Rat und rief sie mit gnädiger Miene herbei: „Blacharrowiux I Was machst Du hier? Du bist also durchgebrannt Sie erschreck noch mehr und ließ das Haupt sinken. „Ah! Weißt Du, das hätte ich Dir aber niemals zu- getränt." Der Herr Rat verfügte über eine leichtfließendc Rede, die zuweilen sogar bilderreich werden konnte. Aber seine größte Wonne war das Moralpredigcn. Dadurch schuf er, und das war sein Ruhm, eine ethische Atmosphäre in der seiner Obhut unterstellten Anstalt. Und wenn es auch manchmal um diese Atmosphäre nicht zun: besten bestellt war, so war jedenfalls nicht der Mangel an väterlichen Ratschlägen und Ermahnungen von seiner Seite daran schuld. Jetzt freilich befand er sich in ärgerlicher Stimmung und mußte überdies auch noch die Partie expedieren, und doch konnte er sich das Vergnügen nicht versagen, eine kleine Ansprache an diese verlorenen Seelen zu halten. „Wie?" fuhr er schon in einer höheren Tonlage fort. „Ich habe Dich stets für eine ordentliche Arrestantin gehalten. die ich immer den andern als Muster hinstellte, und Du konntest Dir so etwas zu Schulden komnien lasten? Ist Dir das Herumvagabondiercn lieber als die Arbeit, als ein ehr- liches, ein rühriges Leben? Ich habe Dich als ordentliches Mädchen allein hingeschickt und da bereitest Du mir eine solche Schande vor der Welt? Na. siehst Du, sag' selber, was Du Verdienst!" Hanka schwieg. „Ein so junges, ein so hübsches Mädchen!" hob der Rat nach einer Pause wieder an.„Tu hättest za noch Dein Glück machen können I Wär's nicht besser gewesen, in Dienst zu gehen, ein ehrliche Beschäftigung zu suchen, unter anständigen Leuten ein anständiges, christliches, gottgefälliges Leben zu führen?..." Hier fiihlte der Herr Nak, daß ihm die Beiwörter aus- gingen. Doch war er sich bewußt, von seinem Standpunkt aus noch einige Bemerkungen hinzufügen zu müssen. „Das Gesetz, mein liebes Kind," rief er,„verdammt keinen. Das Gesetz will, daß der Frevler sich bessere, nicht, er zu Grunde gehe. Daher riß Dich das Gesetz mitl Absicht aus den stiiheren Verhältnissen und Verlockungen, und gab Dir Gelegenheit, ein neues Leben zu beginnen, um- gab Dich mit seinem wohlthätigen Schutz, um Deine moralische Wiegergeburt zu ennöglichen. Hier, wie dort, sahst Tu stets Menschen um Dich, die. wenn auch strenge, so doch väterlich mit Dir umgingen... Ist es etwa nicht so?" Hanka schwieg. „Man gab Dir die Freiheit wieder. Du konntest an- fangen was Dir beliebte, nur in Ehren. Du konntest, bei bescheidenem Leben und da in der Dienststellung doch Deine täglichen Bedürfnisse befriedigt waren, etwas beiseite legen, Dir ein Sümmchen ersparen und am Ende heiraten. Diese drei Jahre der Verbanpung, die Dir auferlegt waren, das war ein Segen für Dich. Du aber wolltest lieber durch- brennen. Dich einer Diebesbande anschließen!.. Nein, nein! Das hätte ich Dir nimmer zugetraut!" Hanka preßte die Lippen zusammen, aus ihren Augen fielen schwere, helle, große Thronen. Die andern Weiber seuszten, eine wischte sich geräuschvoll die Nase. lFortjetzung folgt.) Vio ZVildettbruch-Z�vemieve. (Schanspielhans:„Die Tochter des Erasmn s".) Wenn das Klatschen cincS ästhetisch völlig gleichgültigen Publikums einen Erfolg bedeutet, war es ein Erfolg. Die Zischer drangen nicht durch, tvözu freilich«in Umstand beigetragen haben mag, der mehr mit dem Dichter als der Dichtung zu thun hat. Herr Grube erschien nämlich vor dein Vorhang und teilte dem Publikum mit, daß der Dichter nicht erscheinen könne, da er schiver erkrankt darnicdcrlnge. Unter diesen Umständen zu zischen hätte einen Grad von Gefühllosigkeit erfordert, der glücklicheuveise nicht vorhanden war. Undsoivardcsdenncin Erfolg, womit wir indessen nicht gesagt haben wollen, daß es am Ende nicht auch ohne dies Gefühlsmomcnt ein Erfolg geworden wäre. Jin Gegenteil! Im Rahmen des Schanspiel- Hauses ist Wildcnbrnch ein Dichter, der nicht nur den Erfolg wach- rufen kann, sondern ihn, innerhalb dieses Rahmens, auch verdient. Versuchen Ivir zunächst die Handlung zn erzählen, wie sie der Dichter selbst erzählt hat. ohne uns a,>f kritische Ausstellungen ein- zulassen. Wir werden in die Zeit der Reformation versetzt und lernen den berühmten Gelehrten Erasmus in Augsburg kennen. Der Dichter versucht zunächst, uns von den» Klang seines Namens einen Begriff zugeben. Die Patrizier reißen sich um die Ehre, ihn zn beherbergen. gekroiike und gesalbte Herren schreiben an ihn, und was derlei Dinge mehr sind. Bald erscheint auch Ulrich von Hutten auf der Bildfläche, um dem Meister zu huldige», den er schwärmerisch verehrt. Junge Humanisten folgen ihm, und der Jubel will kein Ende nehmen, bis dann der Dichter einen neuen Faden in die Handlung schlägt. Eine Frau wankt herein, die sich bald als das illegitime Weib des biederen Erasmus ausweist. Er hält sie in Löwen in einem goldenen Käfig gefangen und weigert sich, sie zu sich zu nehmen und sie vor der Welt anzuerkennen. Sic hat ihn gekannt, als ihn noch niemand kannte. Sie hat das Auge des jungen Mönchs auf die blühende Welt ge» richtet»»d als er trotz allen» die dumpfe Halle nicht vergessen konnre, schenkte sie ihm ihren Leib, mn ihn ans immer der grämlichen Askese zu entreißen. Der gelehrte Erasmus lohnte ihr das, indem er sich mit den» Töckiterchen, daö dem Verhältnis entsproß, ans und davon machte. Er liebt nur sich selbst, bemerkt das verlassene Weib, das nach Augsburg gekommen ist, um seine Tochter zu sehen; und damit beginnt die Gestalt des Erasmus, erkennbare Umrisse anzunehmen. Der gute Man» hat sich aber damit nicht beaiiiigt, die Mutter zu verlassen, er zerstört auch noch im Herzen der Tochter das Andenken der Mutter. Er scheint durch und durch ein Gemütsmensch zu sein, und sein Töchterchen entwickelt sich vorläufig durchaus nach seinem Eben- bilde. Sie liebt niemaiide» nnd sieht auch nicht ein, warrin» man das im Grunde muß. Sie putzt sich, trägt auf dem reiche» Haar eine Krone und führte die Männer ani Narrenseil. Aber wie kokett nnd herzlos sie auch sein mag, lebt in ihr doch eine Sehnsucht nach einem Manu, der fest bleibt und sich nicht an ihren Trinmphwagen schirren�läßt. In Hutten findet sie diesen Main». Er bricht schließ- lich auch den kalte» Trotz, den sie ihrer Mutter entgegensetzt,»nd »vir gewinnen nachgerade die tröstliche Zuversicht, daß sich zivischen den beiden schon elwas anbandeln»vird. Ganz glatt geht die Sache indessen nicht. Die Resonnatioi», die schließlich auch durchgeführt werden muß, bewirkt allerlei unangenehme Verzögerungen. Zunächst ist der ehrliche Erasmus wieder das Kar- nickel, das Händel anfängt nnd den Handel stört. Hullen jauchzt Luther entgegen, während Erasmus es nicht mit dem Kaiser ver- derben ivill und allerlei feine nnd gelehrte Sachen über den„rohen Haufen" orakelt, der nunmehrf beschworen werden soll. Es kommt zun» Wortwechsel und weiterhin zun» Krach. Erasmus bleibt selbstsüchtig in seiner Gelehrtenklause, während Hutten nach Worms geht. In Worms ist Luther gerade im Begriff, sich vor Kaiser' und Reich zu veranllvorten, was»vir glücklichenveise nicht in der Theater- beleuchtung Wildenbruchs zu sehen beloiiiineii. Die Seen« spielt sich auf der Gasse vor dem Saal ab, in dem Luther spricht. Hutten erscheint; er hat sich an die Spitze eines bclvaffnctcii Haufens ge- stellt, um seinen Helden Luther zu schirmen. Mit Hutten ist auch die Tochter des Erasmus erschienen, die richtig ihr Herz entdeckt hat und nun hinter Hutten herzieht, wie Käthchcn von Heilbronn hinter dem Grafen von Strahl. Schließlich erscheint Luther auf der Bildflache, gerade gut genug, um in cincin lebenden Bild, das nun von der Volksmenge gestellt Ivird, die stumme Figur zu machen. Nicht als ob wir ihn gern hätten reden hören. Ach nein! Wir haben in den Reden der übrigen historischen Persönlich- leiten von Wildenbrnchs Gnade» gerade genug und übergenug. Wir wollen nur darauf hinweifen, was so ein Theaterina»» alles unter» nimmt, um zu seinem Theatcreffelt zu kommen. Im letzten Akt sind wir schließlich in Basel. Einsam, vergrämt und verlassen finden ivir Erasmus m seinem Arbeitszimmer. Luther hat ihn überstrahlt und mit Neid erfüllt. Seine Anhänger habei» ihn verlassen und einige haben sogar(man schaudere!) gegen ihn geschrieben. Seine Tochter ist verschlvuudeii— er iveiß nicht»vohin. Ein alter kleinlicher Man» ist Erasmus geworden, der die Welt ankläfft, weil sie ihn nicht gcimgeiid feiert, und sich an den Schmeicheleien Ivärnlt, die in vergilbten Briefen stehen. Er hat verhindert, daß Hutten in Basel aufgenommen ivnrde und trägt so die Schuld, daß er weiter»vie ein Wild durch die Lande gehetzt »vird. In dieser vergrämten und befleckten Einsamkeit erscheint nun seine Tochter. Es gicbt eine Ausciiiandersctzuug, und mitten in dieser AuScinandersetziing bringt ein Bote die Kundc von Huttens Tod. Die Poppe— pardon, die Tochter des Erasmus, schlägt langt hin, steht dann aber wieder ans und trennt sich von ihrem Vciter, dein sie es nicht vergeben kann, daß er an Hutten zum Verbrecher wurde. Erasmus bleibt zurück, ein alter Mann in einer alten Welt. Wie man ficht, handelt es sich gar nicht um ein historisches Drama, obgleich Herr Wildcnbruch historische Persönlichkeiten in einer Fülle aufmarschieren läßt, die selbst einem modernen Shakespeare zu schaffen geben könnte. Herr Wildenbrnch hat es allerdings be- quem: er giebt seinen Helden einen historischen Namen und läßt sie dann laufen. Am meisten kann man dem Stück noch abgewinnen, wenn man es alS eine Gelehrtentragödie auffaßt. Der peinliche Eindruck, den der grobe historische Theaterapparat vcr- ursacht, bleibt allerdings bestehen. Wenn der Dichter die Neforniation bemüht, kommt er mit einer Gclehrtentragödie schlechthin nicht davon; er mutz uns dann freundlichst eine historische Gelehrten» tragödie geben und davon kann, wie gesagt, gar keine Rede sein. Aber mich als psychologische Dichtung ist daS Sliick schließlich grob und dürftig. DaS Uni-iind-bei überwuchert vollständig, und statt tiefer Psychologie erhalten wir eine Charakteristik, die mit den billigsten Mitteln arbeitet. Hier und da merkt man in einer Einzelheit freilich immer»och den Dichter. Man sagt gelegentlich unwillkürlich„Donnerwetter!" und bekommt ordentlich so ettvas wie Respekt. Zwei Minnten später steht man dann Tantalusqualen aus, weil die Handlung auf der Bühne ins unfreiwillig Komische um- zuschlagen droht. Poetische Lichtblicke wechseln mit Stellen, die so seicht sind, daß einem geradezu die Schamröte in die Wangen steigt. Um der Lichtblicke willen ist die Kritik dem Dichter sehr entgegen- gekommen. Da Wildenbrnch unter keinen Umständen Schaden an- richtet, ist dagegen auch nicht viel zu sagen. Daneben wollen Ivir aber doch lieber nicht vergessen, daß die ganze Sache mit der dramatischen Kunst gar nichts und mit der Kunst im allgemeinen wenig, sehr wenig zn thun hat. Die Darstellung war gut, wenn sie auch die laugivciligcn Gestalten natürlich nicht zu fröhlichem Leben eriveckcn konnte. Das beste Los hatte Pohl gezogen, der den Erasmus dar- stellte und besonders im letzten Akt sehr sein und sehr wahr spielte.— Erich S ch l ai kj er. Kleines �enillekon. —- Nebcr Totcngebränche und-Sagen in der Mark Brandenburg hielt Robert M i e l k e in der„Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zn Berlin" einen Vortrag, in dein er nach einem Bericht der„Voss. Ztg." folgendes ausführte: Toteiigebräuche, in der breiten Masse des Volks ausgeübt, sollen einerseits das Wohl der Verstorbenen noch nach dem Hingänge fördern, andrerseits das Andenken bei den lleberlcbenden dauernd erhalten. Oft schon füllt in den Lenz des Lebens ein Schatten von dem unabwendbaren Geschick, wenn man zn gewissen Zeiten, in den Zwölften, der Nenjahrsnacht, dein ersten Jahrestag ze. die Anzeichen zn erkennen glaubt, wann und wo der Tod seinen Einzug halten wird. Oder es sind gelegentliche Zeit- erscheinimgen, wie ein zirpendes Heimchen' im Hause, das Ticken des HanswurmS, das plötzliche Stehenbleiben der Uhr, die den ungebetenen Schnitter verkünden sollen. Auf dem Werbellin lacht es laut über die Wellen beim Herrannahen des Gevatters Tod, und ans dem Gohlitzer See bei Lehnin tanzt ein grüner Hut als Unheilsbote umher. Und manche ängstliche Seele zählt an den Rufen des Kuckucks die ihr noch vergönnten Jahre. Nach dem Verscheiden öffnet man das Fenster, um die Seele hinauszulasscn; die Spiegel werden verhängt, Stühle oder Böcke, auf denen der Sarg stand, werden umgestürzt, damit nicht noch mehr Tote im Hause sich finden würden. Andrerseits kann eine Berühniug des Toten gewisse Krank- heitcn heilen, und so nimmt man denn' auch gern etwas von den Stoffen, die zur Beisetzung diciiten; ja, man icheute sich noch vor vier Jahren nicht, in die Rndower Kirche bei Potsdam einzubrechen, um einen Fetzen vom Leichentnche zu erlangen. Daher werden auch im Spreewald alle Ecken und Zipfel der Kleidung mit Nadeln festgesteckt, die Trag- bahre umgekippt(in der Altmark)' oder das Stroh, die Wagenrunge und-Leitern, auf denen der Sarg stand, an gewissen Stelle» de»? Dorfmark abgeivorfen und verbrannt. Nach uraltem Herkommen legte man dem Toten einen Zehrpfennig(Totenmüuze) in den Sarg, vielfach ailch in den Mund— ein Gebranch, der an den Obolus der Griechen erinnert. Mehr als mau annimmt, wird auf dem Lande an diesem alten Brauche festgehalten. Mit diesem Toteupfennig zogen die Seelen der Abgeschiedenen, um ihn zu verspielen, nach einem merkwürdigen Ort zwischen der Oberwelt und dem Totcnreich, der im Volksmunde Owerskrng, Abers-, Obis-, Nobis- oder Räbers- krug heißt, sich in der Marl Brandenburg und in Norddeutschland in sehr vielen Flurnamen erhalten hat, und eine Brücke vom altgermanischen Mythus nach der christlichen Anschauung schlägt. In der Mark war es vor einem Menschenzeitalter ganz allgemein Üblich, durch Kronen und Kränze, die in den Kirchen aufgehängt wurden, das Andenken zu erhalten. Ursprünglich ist diese Sitte vielleicht in ganz Norddentschland üblich gewesen; am längsten hat sie sich in der Mark und den östlichen Provinzen gehalten. Die Uckermarck, die auch in andrer Hinsicht eine kulturgeschichtliche AuS- iiahinestelluna einnimmt, zeichnet sich durch zähes Festhalten am Alten ans. Ihr Verschwinden dort ging Hand in Hand mit dem in der Prignitz. wo sie sich nach der Elbe zu immer mehr verliert. Neben der Krone spielt noch der Kranz eine Nolle, der, eben- falls mit Bändern verziert, aufgehängt wird. Häufig ist derselbe dein Jüngling, die Krone dagegen der Jungfrau zugewiesen, wobei es auch vorkommen konnte, daß der Jünglingskranz aus Myrthe geflochten war. Beide, Kranz und Krone, blieben bis zur Ernst auf dein Sarge, wurden bisweilen aber auch dein Verstorbenen aufs Haupt gesetzt und erst nach der Bestattung in die Kirche über- geführt. Ein solches auS dem Jahre 1671 stammendes Wand- oder Totcnbrctt mit darauf befindlicher Krone ans künstlichen Blumen ist noch in Schwanebcrg bei Prenzlau vorhanden. Einen schönen Zug verraten uns die Kranzbänder, welche zuweilen Monogramm, Sprüche und Lebenslauf enthalten. Auch Bitten an die lieber- lebenden, ihre Thränen zu stillen, kehren häufig wieder und erinnern an die uralte, schon in der Edda und dein Nibelungen- licd erwähnte und von Helmold für das 12. Jahrhundert bezeugte Sage von dem Thränenkrüglein, das durch die Thränen der Mutter zum Ileberlanfen voll wird. Diese durch zahlreiche Volks- lieber bestätigte Sage findet auch durch eine wendische Anschauung ihre lliitcrstütznng, nach der man dem Toten die Ruhe raubt, wenn man auf den Sarg eine Thräne fallen läßt. In der Grabdenkmälerform lassen sich drei Entwicklungsstufen verfolgen: Pfahl, Stele und Kreuz. Der einfache Pfahl ist aus Holz, selten verziert und ursprünglich Wohl schon neben den Kronen üblich. Neben ihm tritt die Stele auf, um Namen und Daten aufzunehmen, und schließlich bildet sich aus dem Pfahl. unter Aufgabe der Stele, das Kreuz mit Inschrift. Interessant ist es, zu verfolgen, wie Sinnbilder, die heute nicht mehr in ihrer Bedeutung verstanden werden, zu Mythen Veranlassung geben. So hat eine schadhafte Stelle auf dem Grabstein des Bischofs Johann v. Wöpelitz in Habclberg, der dort augebrachte Hund die Sage verursacht, daß der Bischof durch den Stich eines Lindwurms getötet worden sei. Auch der Humor hat sich hin und wieder aus die Kirchhöfe gewagt. So lautet in Teinplin eine der Grab- inschriften:«Hier ruht meine Frau,— Die soviel Jahre gezankt mit mir.— Wandrer gehe fort von hier,— Sonst zankt sie noch mit Dir." Weniger uugalant ist das Gedächtnis einer Bauernfrau in Gräbendorf(bei Königs-Wiisterhausen) geehrt:„WaS gesprochen ist gehalten,— Ja es fanden sich noch Spalten, die das— Besprochene wollten spalte».— Gott gab mir einen kräftigen Sinn,— Es ist ein köstlich Ding, geduldig sind:c. 1814." Sehr beliebt waren Anspielungen auf die Thätigkeit der Verstorbenen. In Salzwedel lautet eine solche auf den 1711 verstorbenen Postmeister:„Eile nicht, WauderSmann, als mit der Post. Auch die geschwindeste erfordert Verzug im Posthause. Hier ruhen die Gebeine des Herrn Matthias Schulzen, königl. Prenß. 25jährigen unterthänigst treu gewesenen Postmeisters zu Salzwedcl. Er kam allhier 1655 als ein Fremdling an. Durch die heil. Taufe ward er in die Postcharte zum himmlischen Kanaan eingeschrieben. Darauf reisete er in der Lebenswallfahrt durch Schulen und Akademien mit löblichem Verzug. Hernach bei eingetretenem Postamt und andren Berufssorgen bewies er sorgfältig sein Christentum; bei vorkommenden Unglücksposten richtete er sich nach dem göttlichen Trostbricfe. Endlich bei seiner Leibesschwachhcit, dem gegebenen Zeichen der ankommenden Todespost machte er sich fertig. Die Seele reiste den 2. Juni 1711 hinauf ins Paradies, der Leib heruachmalS in dies Grab. Gedenke, Leser, bei deiner Wallfahrt beständig an die prophetische TodeSpost: Jesaia XXXVIII. 1." Einer uralten Anschauung von dein Aufenthalte im Grabe ist eS zuzuschreiben, wenn dem Verstorbenen bestimmte Beigaben inS Grab gelegt wurde»; Gegenstände, von denen man sich eine uu- selige Einwirkung auf die Uebcrlebenden verspricht. Sie verbindet sich mit einer andren uralten Vorstellung, daß der Tote sich von seinen liebsten Sachen nicht trennen kann. Die Sitte, welche in den gebildeten Kreisen Pommerns herrscht, den Gatten die Briefe in den Sarg zu legen, die sie sich als Braut und Bräutigam geschrieben haben, findet in der Mark ihr Gegenstück in fccm Mtirthenkraiiz bei Vrcuit itnb bem TriillÄug In ber Mark auch werben bie Liilbcn qcrn init Verstorbenc» in Verbuibiuiflal, mn sich nunmehr ans eigene Fmckt durch das verzwickte Lebe» hindiirchzuschlagen. DnS Ganze ist ein Theater- stück ohne jeden dichterischen Wert, da? aber gar nicht übel gemacht ist. Nur das Malerinnenmilien im ersten Vitt ist blainabel geschildert. Nach dein Programin des..Berliner Theaters" wnrde das Stück„ z n in c r st c n m a l e" ausgeführt. Warum auch nicht Derartige kleine Scherze versüßen das Dasein erheblich.— � � Llus dein Tierlebe». — Der G r ii»sink ist, so schreibt E. Bade in der Wochen- schrift„NerthnS". einer der bckonntesten und verbrcitctsien Böget anS dem Geschlechte der Finken. Er wird in ganz Europa, mit SlnS- schlnß des hohen Nordens, und besonders in Deutschland überall in Gälten, Feld- und Vorhölzern angelroffen und zieht im Winter als Strichvogel, oft zu großen Schare» vereinigt, mehr an? dem nördlichen Deutschland»ach Süden. Zu Ende beS Februar, wem, das Wetter nicht zn ungünstig ist, sonst aber bestimmt im März. stellt er sich aus de» Vrulpl'ätzei, wieder ei». De» gcschlosseucu Wald und rciue Nobelivälder meidet er, ferner bevorzugt er die Cbciie vor de», Gebirge und i» elfterer wird er nie vergeblich in der Nähe von Dörfern und kleinen Städten, Ivo Sluen mit Kropfweiden stehen, gesucht. So lauge„och nicht die Brutzeit beginnt, oder wen» diese beendigt ist, streicht er in kleinen Verbänden, oft in Gesell- kchaft von Ammern und andren Finken auf die Felder und dort, wo Hanf gebaut wurde, ist er inuncr zu finden. da dieser seine Lieblingsspeisc ausmacht. Sonst verzehrt er mich »och den Dicstel-, Kletten-, Rübsamen k., den er von der Erde ans- liest, seltener von der Pflanze direkt nimmt. Er ist ein echter Körner- frcsscr, der animalische Nahrung gänzlich verschmäht. Schon Ende März beginnt der Grilirfuil mit dem Nestbau. Das Nest wird in der Regel auf ciuein dicken Baumastc an den Stamm gestellt, seltener steht eS. auf ciucm hohen Bnmn, nie ist eS höher als 2— 3 Meter vom Erdboden. Der Bau ist nicht„»künstlich. Er ist außen ans fciucn Wurzeln und dünnen Rcisercheu hergestellt, zlvische» denen etwa? grünes Moos uud Flechten eingebaut sind. Daun ist der tiefe Napf mit Tier- und Pslawzemvolle,.Federn und Haaren sauber ausgefüttert. Die vier bis sechs Eier find bläulich grüuweiß mit rotbraunen rostroten Pmilte» und Fleckchen geschmückt. Einzelne Eier tragen auch gelbbraune Schnörkel und Striche. Das Gefieder des Grünfinken ist. wie ja der Name schon sagt, in der Hauptfarbe grün. DaS Männchen ist an der Oberseite olivgelbgrün, Stirn. Augen- streife». Backen und Kehle sind gelb. Ohrengcgcnd, Nacken, Schwanz und die nuleren Teile sind aschgrau. Die Oberflügel sind gelb- grünlich, nuten düsterer. Das Weibchen ist schlichter uud minder lebhaft gefärbt. Der Rücken ist brauugrau verwaschen, die Flügel sind rötlichbrani, gekantet. Die Mitte der tluterbrusl ist ivcißlich. Kopf uud Schnabel sind verhältnismäßig sehr dick uud der Körper plump. Zur Brutzeit siht der Fink fast den ganzen Vormittag auf de» Spitzen der .Bä.ume oder frei auf den unteren Zweige» und läßt ohne Unter- brechung seinen Gesang erschallen. Dabei wird der Hinterleib mit beul nuSgebreiteleu Schwänz hin und hcrgeworfe» oder das Tierchen steigt bei seinem Vortrag schief in die Luft. klappt die Flügel hoch auf. beschreibt, in der Luft ztvci Kreise und läßt sich auf einen 'lwnachbgne.il Batuilwipfel nieder. So unterhält daS Männchen den Vormittag über das brütende Weibchen, oder auch eS beißt sich zur Abwechslung einmal mit den benachbarten Männchen seines Reviers herum Als Kangbogel ist der Grünfink jedem, der Äörncrfrefscr halten möchte, zu empfehle», iveil er schon früh mit dem Gesänge, der zlvar nicht sehr berühmt ist. beginnt»nd sich leicht zähme» läßt. Auch die sonstige Anspruchslosigkeit des Vogels ist groß, er läßt sich verhältnismäßig leicht in der Vogel- stnbe zur Forlpflanznng bringe», Ivo in eineni Harzerbnuerchen oder in einem in einer Astgabel bofestigten Nistkorb daS Rest gebaut wird. Mit dem Kanarienivcibchen paart sich der titäiiuliche Grünfink leicht.— Technisches. ss. Warum die Knöpfe s o b i l l i g g c w o r d e u s i n d. Wenn jemand heute cinen.Knopf verliert, so lünnncrt er sich nicht iveiter viel darum. Vor 30 bis 40 Jahren war das noch anderSj denn die Industrie dcS.Knopfes hat in den letzten Jahrzehnten uu- geheure Fortschritte gemacht. Heute iverdcn die Oberteile von 100 Groß Messingknöpfe» durch eine einzige Maschine in vier Stunden geschnitten und gestanzt, während die gleiche Arbeit von der alten mit dem Fuß angetriebenen Presse in 42 Stunden 40 Minuten besorgt wnrde. Die Herstellung der Oese» und ihre Befestigung an den» eigentlichen Knopfe wird ebenfalls durch eine einzige Maschine ausgeführt und dauert ebenfalls für 100 Groß nur 4 Stnnbcu. während früher dazu nur 41 Stunden und 40 Minnteu gehörten. Die übrige Vervollkommunng der.Knöpfe erfordert dann noch weitere 4 Stunden anstatt früher 20, und ivenu man noch 44 Minuten auf die lleberwachung und Jnstaildhaltinig der Werk- zeuge rechnet, so wird heute zur Herstellung von 100 Groß Messing- knöpfen eine Zeit von l4 Stunden nnd 14 Minuten verbraucht gegen 113 Stunden 40 Minuten vor etwa 4 Jahrzehnten. Die Schnelligkeit der Herstellung ist also um mehr als das Achtfache gc- stiegen. Humoristisches. — Der St r n m p f- F a b r i k a u t.„Na, hoffentlich wird die lex Heinze durchgehen. Daun werde» wenigstens m-c ineTrikotS steigen!—'(„Lust. Bl.") —(Sin neuer G e s ch ii f t S z w e i g.„Zu dinmn t Da be- h.iuptet der blöde Pöbel immer, die Finanzen würden durch die neuen Flottcupläne ruiniert— gerade daS Gegenteil ist der Fall! seitdem mein Gatte als Flottenngitator angestellt ist, verdient er so viel, daß ich jede Woche ein ueucs Kleid bekomme."— — E i n Edelster der Nation.„Der Kellner im Klub will mir kein Geld mehr leihen, mein Jocketz hat mir bereits seine letzten Sparpfennige anvertraut, sämtichen Schmuck u, einer Mailresse habe ich schon versetzt— wenn jetzt mein Gant nicht geiviinit, dann muß ich versuchen, niirb durch meiner Hände Arbeit zu ernähren! dann lverdc ich Falschspieler."—(„SiiiipL") Notize». — Ernst»0» W i l b e» b r u ch?»fite? Drama„Die Tochter de« E r a S m u S" ist im Verckage von Freund«. Jeckcl als Auch erschienen.— — Clara ViebigS..Barbara Holzer" tvnrde im Wiesbadener„Residenz-Theater" in neuer Bearbeitung ans- geführt. Der Erfolg war, besonders nach dem zivciten Akt, be- stritten.— — D e r> v ii r» emb e rgis ch e Hofkapellmeister Karl Doppler ist in Stuttgart im Aller von 74 J>,h«ii gestorben.— — In' den Wettlverben»im den Großen Staats preis von je 3300 Mark erhielt den-Preis für Bildhauer August K r a ii S in Berlin, den für Architekten Bernhard F r i t s che in Heidelberg. Dem Bildhauer Georges Muri n wurde eine ehrend« Anerkeiiniiug ausgesprochen.— — Einen weibliche» A s s i st c n z n r z t, ve. med. Eleonore Fitschcn, hat die I r r c u a u st a l t„Bnrghölzli" in Zürich er- halten. — Bon dem parlamentarischen Ausschuß in R o n, ist der Ankauf der Galerie B o r g h e s e nach de», Vorschlag der Regiernng für 3 000 000 Lire beschlösse». Zur Deckung der noch fch'lendcn' 100000 Lire soll ein Ausfuhrzoll von 5 Proz. auf sämt- liche ins Ausland gehende» alten Kimftgcgciistände erhoben werden. unter gleichzeitigem Wegstill der nur für den früheren Kirchenstaat geltende» Aiisfuhrgebühren.— Die französischen Gerichte haben den Einspruch der„atiir- Ischen Erben der Brüder de Gonconrt gegen deren letztwillige Stiftung einer nach ihnen benannten liltcrarischen Akademie beseitigt. Die Einrichtung, die de» Mitgliedern der Akademie ein JahreSgehcilt von 2000 Franks sichert, soll demnächst inS Leben treten.— — Ein neuer Planetoid tvnrde am 22. Februar auf der Sternwarte in Nizza auf photographischem Wege entdeckt. Die Gesamtzahl der kleinen Planeten betrügt zur Zeit etlva 400.— — Der Buddhismus zählt in I>, p» n zwölf Sekten und verfügte 1803 über 71 010 T e in p e l. Der Sin toiSrnuS hat ebenso viele Sekten, aber 201 002 Tempel in, Lande.— Äistfliitircrtlioct Revacteur: Paul John in Bertin. Druck uu» Beriaz von iviax Baduiz m Birlm.