Anterhastungsbsatt des vorwärts Nr. 52. Donnerstag, den 15. März. 1S00 (Nachdruck verboien.) Jtnfvv dvm S�xutzv des Gefekzes. 181 Von Maria K o n o P n i ck a. Der Knabe beeilte sich, aber es verfloß eine geraume Weile, bis er in Bcgleiinng des Schulzen und des Gemeinde- Wächters zurückkehrte. Beide vermochten mir mit Mühe die Zunge zu bewegen. Gleichwohl war die Beredsanikcit des Schulzen so überzeugend, daß der Wächter einen Augenblick später die Arrestanten unter der Obhut seines Kollegen von der Gemeinde und zweier Baueruburschen überließ, die sich freiwillig erboten, die Diebe zu überwachen und mit dem Schulzen ins Wirtshaus trat, um sich em wenig zu erwärmen. Der Gemeindelvöchter war von Natur weichherzig und wenn er sich betrank, konnte man ihn vollends um den Finger wickeln. Als daher einige Arrestanten über die grimmige Külte zu klagen anfingen, wurde eine und die andre Flasche herausgebracht, um sich daran zu erwärmen. dann noch eine und wieder eine. Ein jeder öffnete ein Bündel, und wer einen Groschen besaß, der leistete sich und andren etwas. Unmerklich rückte die Gruppe dem Wirtshaus näher, um es bequemer zu haben, sich zu verproviantieren, und da man von hier die Fiedel schon ganz genau hörte, krempelte so mancher die Rockschöße in die Höhe und machte Miene, die wankenden Beine im Tanze zu schwingen. An dem Thor des Wirtshauses erschienen Burschen und Mädchen, die die Arrestanten neugierig betrachteten. Werda schritt ans eine von ihnen zu. Sie drehte sich heftig um und zeigte ihm die halbe Schulter. „Hab' auch was Besseres zu thun.... Mit einem solchen... rasierten Kopf..." Sie wurde rot wie eine Kirsche. Die andren stimmten ein Lachen an. Hanka schritt aus Mauka Czerkas z». die das Tuch fort- geschleudert und sich bei den Seiten gefaßt hatte: Manko wüg.e sich in den Hüften und trällerte leise vor sich hin: „Ging das Mädchen in den Hain „Pflückte Blumen am grüne« Rain.. ..Manko," flüsterte die andre.„Mauka!" Das Mädchen sah sie mit vom Branntwein umflorten Augen an. Sie sang falsch. Bald stiinmte sie eine andre Weise an: „Ich weiß mir schon zu helfen, lind habe Geld in Hansen. Die schwarzen Küchlein schlag ich los Und will ein Hauö nur kaufen..." Hanka zupfte sie am Aenncl. „Manko, so hör' doch... Mauka! Willst Du mit?" Aber Manko hüpfte seeleuvergnügt herum. „Und Was mir dann noch fehlt, Wird vom Bruder genommen, Und ist's noch immer zu wenig, Werd' ich's vom Freund bekommen... „Hu. hu!" jauchzte sie im Takt der Fidel und der Trommel. Hanka zerrte sie wieder am Arm. „Höre. Du unglückliches Geschöpf, Du wolltest doch entfliehen, Du lvolltest doch fort..." Sie sprach nut gcdämpfer, fieberhaft erregter Stimme. Manko sah sie wie geistesabwesend an. „Ich mach mir nichts aus dem Durchbrennen," sagte sie laut,„gebt noch SchuapS Herl" Hanka blickte sich erschreckt um, aber alle waren mit sich selbst beschäftigt. Sie schlich sich leise in den Schatten, weitab von der frohgestimmten Menge. Als aui Morgen darauf der Wächter die Arrestanten dem inzwischen ernüchterten Ortsjchulzcn übergab, bemerkte er das Fehlen einer„Nummer". Dreimal ordnete er sie in Reih und Glied, zählte zuerst von rechts nach links, dann von links nach rechts, aber er konnte die fehlende„Nummer" nicht hercinbrümen.„ Zuerst war er darüber sehr betriibt, dann ward er wütend, bearbeitete die Nacken der Arrestanten mit der Faust, und als er sah, daß auch dieses Mittel nichts half, spuckte er aus, brummte einen Fluch durch die Zähne und ging mit dem Gemeinde- schreiber, der zu Manko verliebte Augen machte, eine Cigarettc rauchend, ins Wirtshaus, um sich ans den Weg etwas zu erwärmen. Die Arrestanten lachten sich in die Fäuste. Sic wußten ganz gut, ivcr fehlte.-- Blutrot und ohne zu strahlen stieg die Sonne am Himmel empor, als Hanka, die denselben Weg. den sie gekommen war, anss Gcradewohl zurücklief, endlich die ihr wohlbekannten Hintcrgäßchcn an der Weichsel erreichte. Sie hatte diesmal die Flucht ohne Ucberlegung, ohne Berechnung unternommen, nur der Stimme gehorchend, die ihr im Innern zurief: „Rette dich!" Sic selber wäre erstaunt gewesen, wenn man ihr gesagt hätte, das sei eine Flucht. Sie rettete sich bloß, nichts weiter. DaS Schicksal war ihr außerordentlich günstig. Sie wanderte und wanderte, anfangs hatte sie den Abendstern, dann den Morgenstern über wem Haupt. So oft sie am Abend Menschen begegnete, ging sie langsamer. Mancher rief ihr ein Grußwort zu; aber niemand konnte ahnen, daß diese schmächtige unbedeutende Gestalt eine..Verbrecherin", eine fliehende Arrestantin wäre. Erst als weit und breit ringsum keine lebendige Seele mehr zu merken war. fing sie an, aus allen Kräften zu laufen, während der Wind, der von der entgegen- gesetzten Seite blies, ihr fadenscheiniges Kleidchen blähte. Endlich ruhte der Wind, sie aber ging weiter, immer weiter. Sie ging, und in ihrem gequälten Herzen regten sich nene unbestimmte Hoffnungen. Als sie in dem Labyrinth der Hinkcrgäßchcn angelangt war, machte sie einen Umweg, um bei der Walentowa ein- zukehren, sich dort einen Tag verborgen zu halten, und mit Anbruch der Dämmerung die Wanderung fortzusetzen. Sie hatte Glück; der Hausmeister stand nicht, wie gewöhnlich, am Thore. Atemlos eilte sie zu den Kellerwohnungen. AIS sie an den langen, dunklen Korridor gelangte, war sie erstaunt darüber, daß es hier so hell war. Sie drang- etwas iveiter vor und bemerkte, daß diese Helle durch die offen stehende Thür der Walentowa kam. Ihre Verwunderung steigerte sich und sie ging weiter. Es herrschte vollkommene Stille. Endlich war sie bei der Thür und trat unwillkürlich einen Schritt zurück. Die Stube war völlig leer, nur in der Mitte, auf dem ein- gestampften schwarzen Boden, lag ein aufgelöstes Bund Strob. Noch bevor Hanka sich besinnen konnte, knarrte die gegenüberliegende Thür, und an der Schwelle erschien eine Frau mit einer Kanne in der Hand. „Zu wem wollen Sie, Fräulein?" fragte sie.. „Zu der Walentowa. der Wäscherin... aber ich sehe, sie ist sortgezogcn von hier..." Die Frau schüttelte den Kopf. „Ach ja, sortgezogcn von hier, fortgszogen. Nur ist sie aber nicht von selber fortgezogen, sondern andre haben sie fortgczogen." Hankas Augen öffneten sich plötzlich weit. Sie betrachtete die Sprechende wie bewußtlos. „Heilige Mutter!" flüsterte sie nach einer Pause mit ver- sagender Stimme. „So. so, mein Fräulein. Die arme Frau ist tot. Ge« hören Sie etwa zur Familie. Mein Gott, jetztj werden aller- Hand Leute kommen, um nach einem hinterlassenen Groschen zu schnüffeln... Aber als die Alte niemanden hatte, der ihr einen Tropfen Wasser reichte, da zeigte sich kein Mensch. Ein verlassenes Greisenalter, zum Erbarmen..." Hanka stand regungslos wie eine Säule und starrte daS auf dem Boden liegende Stroh an. Die Nachbarin seufzte und sprach weiter. „Die Leiche blieb vier Tage liegen..*1 sie war— Gott gcb' ihr ewige Ruhe!— aufgedunsen, fürchterlich. Wie sollte sie nicht ansgedunscn werden? Das war doch so eine Krank- heit, daß ihr zuerst die Beine anschwollen, dann immer weiter hinauf, bis es zum Herzen kam, da konnte die Arme nicht länger aushalten.... Hm, ja. Wäre nicht mein Mann, so würde sie bis heute liegen, denn es war nichts vorhanden, lim einen. Sarg zu kaufen. Aber wir nahmen uns der-Sache an, machten der Behörde Mitteilung und verkauften den Hausrat. Aber was nutzte das I Als der Hauswirt anfing, die Miete abzuziehen und allerhand 5Ueimgkeiten abzurechnen, blieb auch nicht viel fürs Begräbnis übrig.... Ach, sie wurde fürchterlich gequält, so daß wir sie auf die Erde übers Stroh legen mutzten� solch einen schweren Tod hatte sie...." Jemand rief jetzt die Frau, sie seufzte noch einnial laut und ging. Hanka konnte sich nicht von der Stelle rühren. Mit gc- rungenen Händen stand sie da, ganz ihrer selbst vergessend. Hinter dem Ofen kam die graue Katze hcrbeigeschlichcn und miaute mit erstickter und heiserer Stinime. Ihre Seiten waren eingefallen, die Augen glühten wie zwei gelbe Funken; sie trat näher und fing an die Schnauze an dem Fuß des Mädchens zu reiben. UeberHauka kam plötzlich ein heftiges Weinen. Sie warf sich mit dem Gesichte auf das Bund Stroh und ein dumpfes Schlucbzcn schüttelte ihren armseligen Leib. Endlich beruhigte sie sich und küßte die Erde, welche die Fußtapfen der alten Wäscherin eingetreten hatten. Die Katze miaute noch immer, aber schon immer schwächer. Da bückte sich Hanka, hob sie aus und verbarg sie unter dem Tuch, dann schweiften ihre Blicke noch einigemale durch das Zinnner und sie entfernte sich. VII. Die Behausung der Pajenczakowa lag in einem verlassenen Stadtviertel, war aber trotzdem stets voller Leben. Wenn man von außen hinsah, bemerkte man zunächst nur einen kleinen Laden mit Eßwaren; wenn man die Glasthür öffnete, erklang der scharfe Ton einer Glocke. Das wiederholte sich so oft, daß man hätte meinen können, der Laden wäre mit allem versehen, dessen die Menschen im allgemeinen und die Bewohner der Zakorczymskagasse im besonderen bedürfen. Aber das Innere entsprach keineswegs dieser Vor- stelluug. Die Schränke waren fast leer und mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Nur in den unteren Fächern lagen Cigaretteukisten uniher, vertrocknete Citronen, Tabakpäckchen, Seifenstücke, Schuhwichse und Streichhölzchen. Auf dem Ladentisch, hinter dem das bedienende Mädchen stand, befand sich ein Korb mit Semmeln und einige Glas- büchsen mit gefärbten Zuckersachen für Kinder. In einer Ecke tünnten sich über einander Haufen von Vrennholzscheiten in Bündeln, in der andern lag ein Salzsack, stand eine Flasche Petroleum und ein Sack Kartoffeln, das war alles, was man auf den ersten Blick wahrnehmen konnte. Weitn man näher zusah, bemerkte man einen zerknüllten, verblaßten Kattun- Vorhang, der zwischen zwei Schränken hing und einige Stufen verdeckte, durch die man zu den weiteren Räumen der Woh- nung gelangte. Dieser schmutzige Fetzen war fast imiuer in einer zitternden Bewegung, sei es von dem Luftzug, der von außen hereindrang, sei es infolge einer aus dem Innern kommenden gedänipften Erregung, die sich dem Vorhang mit- zuteilen schien. Wer in diesem Laden eine kurze Zeit ver- weilte, konnte leicht die Wahrnehmung machen, daß der größte Teil der Kunden Päckchen, Bündel, �zusammengeschnürte Säckchen, unter dem Mantel oder dein Tuch verdeckt, mit sich brachte, und daß auch viele' von denen, die nichts mitbrachten, anstatt etwas zu kaufen, mit dem bedienenden Mädchen geheimnisvoll flüsterten und tuschelten.- Die einen wie die andern ließ sie hinter den Vorhang trete», ohne sie lange im Laden aufzuhalten. Die drei Stufen führten zu einer müßig großen, aber gut möblierten Stube hinauf. Koffer, Schränke, Kisten waren hier mit festen Schlössern versehen, offenbar ans Rück- ficht auf. die Sicherheit; ein hochgepolstcrtes Bett an einer mit Weihpalmen und Heiligenbildern bedeckten Wand verlieh dem Raum den Eindruck von Gemütlichkeit und Ernst. Aber die Ankömmlinge verweilten hier nur kurze Zeit. Alle ivandten sich nach links, wo sie durch eine halbdunkle Speisekanimer in eine niedrige, rauchgeschwärzte, sehr ge- rännuge Stube gelangten, in der ein großer Ofen mit Dach- schirni deir Ehrenplatz einnahm, neben dem ein langer, aus ungehobelten Danuenbrettern zusammengesügter, sich auf Kreuz- bei neu stützender Tisch stand. In der gegenüberliegenden(Sche befand sich eine Art niedrige, sehr breite Pritsche mit Stroh, aus denl. mehrere dunkel- und blondhaarige Köpfchen älteker und jüngerer Kinder yervorsahen. Eine dichte Wolke von Tabak- rauch schwebte unter der schmutzigen Decke, In dieser Stube, die man auf den ersten Blick fiir eine armselige Garküche halten konnte, schlichen sich bei Tage die Ankömmlinge ver- Pohlen. Mit flüsternden Stimmen verständigte man sich hier. Nur zuweilen ertönten Plötzlich, gleich dem Zivitschern der Sperlinge, laute Kinderstimmen, die aber bald zu einem er- stickten Schluchzen und Weinen hcrabgedämpft wurden. In der Nacht dagegen ging es hier beim Lampenschein lebhaft und fröhlich zu. Kochtöpfe standen am Herd, auf dem Tisch danipften Schüsseln, Gäste lagen auf den Bänken hingestreckt, qualmten Tabak und tranken Schnaps. Es waren unter ihnen kleine Knaben, fast noch Kinder, die gleich den Er- wachsenen Brannttvein tranken und Tabak rauchten. Frau Pajenczakowa oder Pajenczewska nahm Aufstellung am Ofen. Sie war eine bejahrte Dame, etwa in den Sech- zigern. Ihre kleinen grauen Augen waren in unaufhörlicher Bewegung, und die rübrige Spitze der dünnen, von den Blattern angefressenen Nase schien nach allen Seiten hin zu wittern. Schon diese Nase und diese Augen allein hielten die stürmischen Elemente dieser Versammlung im Zaume; und doch drang häufig durch die hermetisch geschlossenen Fensterladen der Widerhall des Zanks und der Schlägereien. Die Pajenczakolva war bereits mehrere Male wegen Diebstahls abgestraft; aber jetzt führte sie ein geregeltes Leben, und ohne den wandelbaren Launen des Schicksals zu vertrauen, war sie in einer Person eine„Passerin" und eine „Affairistin" geworden. Passerin und Affairistin haben das gemein, daß sie beide nicht selber stehlen. Und doch besteht zwischen ihnen ein großer Unterschied. Die ersterc verwahrt, kauft und ver- kauft gestohlene Gegenstände; die letztere beherbergt eine größere oder kleinere Kiuderschar, die den offiziellen Namen „das Kommando" führt und die sie zur„Arbeit" schickt, indem sie ihnen genaue Instruktionen erteilt. Das„Kommando" bringt ihr die Beute, und bekommt dafür eine Schüssel fragwürdigen Essens, einen Fetzen zur Hülle und einen Platz auf der ge- meinsamen Pritsche. Wer nichts bringt, bekommt auch etwas, aber davon erzählen die Beulen in den Gesichtern und an den Schultern der minder Geschickten oder minder Glücklichen. Die Affairistin geht immer mit Besonnenheit und Vorsicht ans Werk, um sich nicht durch falsche Wahl zu koin- promittieren, besonders was die Erivachsenen betrifft. Noch, während sie im Kerker sitzt(und gewöhnlich hat jede Affairistin dieses Stadirnn durchgemacht), wirbt sie um die Freundschaft und das Vertrauen der � jüngsten Arrestantinnen, spielt ihre Beschützerin, teilt ihnen die mageren Fleisch- rationen und die Grieben ab, borgt ihnen Seife, Zwirn, traktiert sie mit Schnaps und dergleichen. Wenn sie ihre Strafe früher abgebüßt hat, besucht sie die im Gefängnis Zurückgebliebenen von Zeit zu Zeit, bringt ihnen kleine Ge- schenke, Naschwerk, manchmal sogar einige' Groschen. Sobald die junge Verbrecherin entlassen werden soll, er>vartct sie die Affairistin beim Thor, um sie sofort unter ihren Schutz z» nehmen. Diese Rekrutierung findet unaufhörlich statt und da sie viel Zeit, Mühe und Kosten erfordert, muß sie sich auch verlohnen. Und sie verlohnt sich in der That. Das jüngere„Kommando" dagegen isb leicht zusammengebracht. Hungrige, zerlunipte, verwahrloste Kinder, die zu allem bereit sind, giebt es genug in jeder großen Stadt. Von solchem kleinen Volk hielt die Pajenczakowa ctlva zehn Köpfe bei sich. Sie galten als Waisen ihrer verstorbenen Schwester, bald als Waisen ihres verstorbenen Bruders, bald wieder als Waisen, die sie einfach aus Mitleid aufgenommen. Die ganze Nachbarschaft bewunderte das mitleidige Herz dieser guten Dame. Zuweilen kehrte das eine oder das andre. dieser Waisenkinder von einem mißlungenen Feldzug nicht mehr heim, dann hieß es, daß Tonchen oder Häuschen in die. Lehre gegeben sei und den leeren Platz auf der gemeinsamen Pritsche nahm ein andrer Ankömmling ein. Manchmal verschwand auch eines der älteren Mädchen. Die Pajenczakotva seufzte dann laut und klagte bitterlich über die menschliche Undankbarkeit und die normale Anzahl der Beulen auf dem Rücken des jüngeren„Kommandos" mehrte sich beträchtlich. Es gab aber auch eine zeitweilige Einwohnerschaft in dieser Wohnung, die kam und nach kurzem Aufenthalt wieder ging. Das waren Berufs- und Gelegenheitsdiebe, allerhand lichtscheues Gesindel; aber auch beschäftigungslose Arbeiter, Dienstboten beider Geschlechts, ohne Stellung, verirrten sich hierher, da ihnen eine andre Unterkunft fehlte; ferner kamen allerhand Herumtreiber. Bei Tag schlichen sie sich verstohlen herein. Nachts versammelten sie sich massenhaft, zankten sich, handelten und schloffen verschiedenartige Geschäfte, von denen der Gewinnst zum größten Teil in den Koffer der Frau Pajenczakowa wanderte. Wie das Verhältnis. dieser Höhlq zu der löblichen Polizei geartet war, war schwer genau zu bestimmen; aber es wäre eine Lüge zu behaupten, daß die Polizei von ihrer Existenz nichts wußte. Jni Gegenteil, die Pajenczakowa lebte mit den Vertretern der heiligen Hernrandad in ewigem Hader und ewigen Mißverständnissen, und um diese zu bannen, zündete sie ein Lämpchen an jedem Mittwoch vor dem Bilde der heiligen Muttergottcs und jeden Freitag eins vor dem Bild des Herrn Jesus an... An dieser Thür pochte Hanka an jenem späten Winter- abend. Von der Weichsel her blies ein schneidend kalter Wind, fuhr heulend durch die weiten unbebauten Strecken; die wenigen Bäume vor der gegenüberliegenden Kaserne rauschten mit ihren blätterlosen Zweigen, auf der Straße zeigte sich kein Mensch, die hier und da vereinzelt flimmernden Laternen schienen die Finsternis ringsum nur noch zu vergrößern. Das Mädchen stand schon eine Weile, zitternd vor Kälte und unwillkürlicher Angst, als von dem Turm der nahe- gelegenen Franziskancrkirche die Abendglocke ertönte. Es war etwas Markerschütterndes in diesen Tönen. Der erste Klang hallte schwer und wehmütig hinaus in den Wind, dessen Pfeifen über- tönend und sofort verstummend. Doch der Wind entfaltete die Schwingen, ließ ein fürchterliches Heulen vernehmen und wirbelte eine hohe Schneesäule empor. Und wieder war es ringsum still. Hanka murmelte mit bebenden Lippen mechanisch den Angelus. Unter ihrem Tuch niiaute mit gedämpfter Stimnie die graue Katze der Walentowa. Hanka sah sich angst- voll nach allen Seiten um; ihr Herz preßte sich unter einem dumpfen Gefühl zusammen. Wiederum erdröhnte die Glocke. Düster und schwermütig ging es durch die Luft wie ein gedehntes, unterbrochenes Weh- klagen, und vom Fluß her antwortete der Wind in einer Reihe von Senfzern und Hilfemfen. Und wieder herrschte Stille. Nur die Bäume vor der Kaserne senkten und hobeir ihre erstarrten Aeste unter lautem Knarren und Aechzen. Das Mädchen legte schon die Hand auf die Thürklinke, als sie ein Mann mit einem Sack auf den Schultern, der auch in den Laden wollte, anstieß. „Was, Teufel!" wetterte er.„Was stehen Sie da einem im Wege? Hinein oder hinaus, aber die Passage frei geben!" Hanka trat erschrocken beiseite. Die Thür ging geräusch- voll auf und zu. Hanka stand draußen, unsicher und zögernd. Die Glocke ertönte zum drittenmal, die verhallenden Klänge ihrer ehernen Zunge zerflossen in der frostigen Luft und weckten in der Ferne ein gedämpftes Echo. Wieder erhob sich der Sturmwind und verscheuchte die Töne. Hanka zögerte. Etwas hielt sie von dieser Schwelle zurück. In dem Heulen des Windes glaubte sie die Stimme der alten Waschfrau zu vernehmen, die sie ängstlich beim Rom en rief. Sie wandte das Gesicht nach dem Fluß und ihre Lippen murmelten unwillkürlich:„Ewige Ruhe!" Plötzlich ließ sich von der Stadt her ein Geräusch von Schritten vernehmen, begleitet von dem Ton frischer Kinderstimmen. Eine Gruppe von kleinen, in Lumpen gehüllten Knaben blieb bei der nächsten Laterne stehen. Sie steckten die Köpfe zusammen und schienen eifrig etwas zu betrachten. „Bin ich denn dumm," sagte einer von ihnen,„alles der Alten abzugeben? Na, das Papiergeld, das schon, aber die Silbermünzen und das Knpfergeld, das gehört uns." „Das versteht sich ja," bestätigte der Kleinste, ein Knirps von kauni sieben Jahren.„Hat man nicht geriug dafür ge- arbeitet und im Frost herumgestanden?" Wie um seine Behauptung zu bekräftigen, stampfte er auf der Stelle mit seinen kleinen Füßen und schnappte mit seinem blaugefrorncn Stumpfnäschen. „Aber Du niußt ehrlich teilen," ermahnte ein Dritter. „Dummer Kerl 1" erwiderte der Angeredete,„ehrlich soll ich teilen I Als ob Ihr heute was verdient hättet I" „So wahr ich meine Mutter liebe I Ich soll nicht den morgenden Tag erleben! Ich soll nicht lebend.ig von dieser Stelle konnnen", beteuerte der andre, indem er mit der Faust auf seine Brust hämmerte,„wenn ich nicht der erste war, der diesen Dicken attackierte." „Sieh' mal da! Er war gar der erste! Hat Wieck ihm nicht den Weg vor der Konditorei vertreten?" „Ja, ja, Wieck ist es gewesen I" bestätigte der Kleine. „Ruhe! Ruhe!" ermahnte ein andrer.„Das ist schlimm, daß man den Wieck abgefaßt hat... Teufel auch!... j La wird die Alte rasen I" i „Ein Schutzmann kommt? Ein Schutzmann I" rief plötzlich der Kleine mit gedämpfter Stimme. Augenblicklich zerstob die Gruppe nach allen Richtungen. In der That hörte man schwere gleichmäßige Schritte nahen. Hanka drückte verziveifelt die Thürklinks an. In' diesen, Augenblick ständ die Pajenczäkowa in eigner Person auf det Stiege, die von dem Laden in die Hinterstube führte. � „Was wünscht das Fräulein?" fragte sie, als Hanka an der Thür stehen blieb. Das Mädchen trat näher und küßte ihr die Hand. „Ich möchte... ich wünschte.. Sie wußte nicht, wie sie ihr Ansuchen vorbringen sollte.. „Kommen' Sie nur nnt mir," rief die Pajenczakowa und trat von der Stiege zurück. Die schmutzige Gardine hob sich, Hanka trat hinein, und der Vorhang ging zurück. „Was wollten Sie denn eigentlich?" fragte die Passerin, „Ich niöchtc hier bleiben... dienen..." „Bleiben? Vielleicht, um alles auszuschnüffeln und sich dann aus dem Staub zu machen?" „Nein, ich will bleiben," rief Hanka,„ich weiß nicht, zu wem ich mich flüchten sollte." „Woher also? Aus der Verschickung? Oder direkt?" Hanka schwieg. „Haben Sie lange gesessen?" „Drei Jahre..." „Ei nun... Da muß es aber schon was Ordentliches gewesen sein." Hanka ließ den Kopf sinken. In den angrenzenden Stuben erhob sich plötzlich ein Geschrei und ein Lärm. Man hörte ein dumpfes Herum- balgen und den Widerhall von Schlägen. Die Pajenczakowa wandte sich rasch nach der Thür: „Daß sie die Pest hole mit diesem Lärm... Da haben sich die Kanaillen wieder blutig gerauft... Es ist ja das wahre jüngste Gericht!" Sie wartete eine Weile aufhorchend, aber der Lärm wurde immer größer. Sie glaubte sogar fremde Stimmen zu vernehmen. „Warten Sie hier!" rief sie und entfernte sich.„Ich komme gleich." iFortsctznng folgt.) Kleines Jfeuillekon. g. Zu schwer.„Ein Dienstmädchen habt Ihr auch?" Die Tante schlug die Hände zusammen:„Wirklich, ein Dienstmädchen?" „Na, ich werde die Arbeit doch nicht selbst machen", die junge Frau rümpfte die Nase,„all' diese grobe Kiichciiarbcit— danke bestens, dazu habe ich mich nicht verheiratet." „Ja, aber ein Dienstmädchen," die Tante schüttelte bei: Kopf, „ein Dienstmädchen ist doch immer teuer, Hans fängt doch erst an. Wie»lacht Ihr denn das nur möglich, bei Eurem knappen Beamten- gehalt?" � „Ja, das mutz man eben verstehen, siehst Du," � die junge Frau lachte und griff von neuem nach ihrem Häkekzcug—„daS richte ich mir schon ein und dann, Ivcitzt Du, Dienstmädchen— Dienstmädchen kann man cS eigentlich gar nicht nennen, ist ja nur solch ein kleines Ding, noch gar nicht mal eingesegnet, bloß aus der Schule entlassen, weil sie verdienen mutz; die sind billig." „Ach so, solch eine! Ja die kosten nicht viel. Was mutzt Du ihr denn geben?".:■ „Ach, nicht der Rede wert— vier Mark im Monat. Eigentlich wollte sie fünf haben, ich Hab' aber auf vier bestanden, tvcil sie noch zweimal in der Woche zum Prediger mutz. Schlietzlich war sie froh, datz ich sie überhaupt nahm." „Glaube ich, na und ist sie denn anstellig?" „Ganz fnlnoS. Kannst es Dir gar nicht vorstellen, Tante, solch' ei» kleines verhutzeltes Ding und arbeitet wie eine Alte. Zuerst mutzt ich ja immer noch Bescheid sagen, jetzt»nacht- sie es ganz allein.) sie>var aber auch schon gilt angelernt.", „Pas sind diese Mädchen ans den» Volk gewöhnlich immer, die müsse»» alle früh heran."..-- „Natürlich, meine Mieze hat zu Hanse schon»nit elf Jahren d»e ganze Wirlschaft' besorgt, ihre Mutter cpeht.nänilich waschen." „Nun ja, dann versteht sie ja wa*." Die Tante nickte. „Die macht'mir alles; wenn sie niorgens kommt, sie mutz näm- sich schon um acht Uhr hier sein, besorgt sie uns gleich die Kaffee- »naschine und»nacht die beiden' Vordcrzinnncr rein;»iachher hilft sie »nir dein» Kochen, und nachmittags ivird gleich abgewaschen. Um vier. Uhr ist sie fertig, wenn ich dann nicht gerade Thüren oder Fenster zu putzen habe, laste ich sie Strumpfe stopfen oder'n paar Äleinigkeiteu waschen." „Ach nein!— sie wäscht auch 1' „Aber fein, sag ich Dir. Taschentücher, Strümpfe, Schürzen— das macht sie ganz famos. Gott na. die grostcn Sachen geb' ich ja natürlich ans dem Hause, mit den Handtücher» soll sie es jetzt aber auch noch versuchen, die sind ja klein, die kann sie regieren, ich spare ja wenigstens zwölf Groschen im Monat, wenn sie mir die auch noch macht."' „Nun natürlich, innner mitnehmen," die Tante lachte:„Ist ja beinah ein Theaterbillet Wcistt Du, ich werde doch mal sehen, ob ich nicht auch so eine bekomme. WaS mir die Aufwartefrau»nacht, besorgt mir solch Mädchen auch, ,md ich brauche ihr nicht in» Monat zehn Mark zu geben; es ist nur bloß»nit dem Essen, die Beköstigung »nacht alles gleich doppelt teuer." „Ach, das finde ich nicht, das kmin man sich doch einrichte»»." Die jnngeFraillicßdicArbeit siükcnundlchntesich in den Sessel zurück.„Rein, Iveißt Du, da mach' ich ja nun»veiter keine Geschichten drun». Meine Mieze bekonnnt ihre Sch»nalzstnlle zun» Frühstück und mittags'n Teller Kartoffeln mit Sauce oder'n bißchen Suppe. Sonntags lege ich ihr ja natürlich ein Häppchen Fleisch dazu, in der Woche nicht. Abends— na ja abends bekommt sie allerdings zwei belegte Butter- stullcn, das ist ja richtig, das n»nß man ja schon thun, austands- halber. Dafür halte ich mir denn aber'n Töpfchen ganz billige Margarine, solch Kind schmcckt das ja nicht heraus, nnd Belag— weißt Du, als Belag nehme ich auch Margarine- Käse. oder ich bring mir ans der Halle für'»» Groschen Wurstabfall mit,— ich sage zum Schlächter, fiir meinen Hund— da sind ganz schöne Stücke darunter. Nein, daS Essen für die habe ich billig." „Nni» ja— lvenn Du es so machst, allerdings." Die Tante nickte wieder,„lind das kann man»virklich thnn V Weißt Dn. dann »nöchte ich es auch mal versuchen mit solcher Kleinen; ich dachte immer, man könnte ihnen so et>vaS nicht bieten." �„Ach Ivo, nicht bieten— kannst Di» ohne Sorgen. Hier, das giebt es,»nid damit basta! Willst Dn eliva noch lauge fragen: Was dem Fräulein gefällig ist? Dam» könnte man sich allerdings die Haare vom Kopf essen lasse». In dem Alter sind die Föhren ohnehin so gierig. Wenn ich denke, Ivos ich so von vierzehn Jahren gefuttert habe, zun» Kaffee drei Schrippen und abends meiuc vierSchinken- stullei», ja, ich»var ein Vielfraß." Sie lachte»md stand auf:„So, ui»d jetzt entschuldige mich einen Augenblick, jetzt»vill ich Mieze sagen, daß sie Kohlen aus dem Keller holt. Ach nee— ivenn ich das alles allein machen sollte, daS»väre mir doch zu schwer— viel zu schlvcr."— Medizinisches. t, ll c b e r die Behandlung von G e I e n k r h e u u» a- t i s m i» s, Gicht und Jsch ias mit heißer Lust ist ein neuer Beitrag von Dr. Lindemann-Hamlnlrg in den„Therapentischen Monatsheften" erschienen, der sich ans die Benutzung eines von ihm selbst konstruierten elektrischen Apparats gründet. Der kranke Körperteil oder der ganze Körper»vird in den Apparat hinein- gebracht nnd dort einem Luftstroin von 60 bis 170 Grad CelsinS ausgesetzt. Der Vorteil des»nit Elcktricität geheizten Apparats besteht iin Vergleich zu dem mit Spiritus oder Gas erivännten in der vollkommenen Trockenheit. Reinheit und genaue» Regelung des heißen Luftstroms..Außerdem sind in» Inneren des Apparats elektrische Glühlampen angebracht, nn» durch die Licht- strahlen die Hciltvirknng zu fördern. Auf diese Weise köimen am gai»zen Körper Temperaturen bis zu 100 Grad nnd ai» einzelnen Körperteilen, z. B. an den Händen, sogar solche bis zu IKö Grad ohne Beschwerden e.t-tragcn werde»«. Irgend welche Zufälle»vie Ohn- »nacht oder Erbrechen sind mir in sehr seltenen Fällen z» verzeichnen getvcsci», und die Wirkung ans die eigentlich erkrankten ftöt-perteile »var stetS eine gute. Nach einer ciiistiiiidigen Sitzung zeigte sich die Atnmugsthätigkeit und die innere Körpertemperatur unverändert, die Temperatur der Haut ivcscntlich erhöht,»vodurch eine»vohlthätige Schlvcißbildinig eintrat. Das Allgemeinbefinden der Kranken Ivnrde durch' die Bchandlmig selbst bei täglicher Wieder- Holling nur> venig angegriffen. Außer der Beeiiifluffnug der genannten Krankheiten stellte sich auch eine Erleichterung der Hcrz'thätigkcit nnd eine dadurch bedingte Besserung von Herz- beschivcrdei»,»vie diese z. B. in Gemeinschaft»nit chronischen» Gelenk- rhcumatismnS auftreten, heraus. Dr. Lindemmin führt eine große Zahl von Fällen an, in denen Heilnirgen oder»vcsentlichc Beffernngen erzielt»verde» konnten nnd zlvar an chronischem nnd deformierenden» GclenkrheuniatiSnnlS, rheumatischen Schivielen a» den Händen, an» Ellenbogen und an» Knie, Gelenkrheliinntisimis»nit Herzfehler. Gicht, Gelenkasfektion durch Blutergüsse nnd Brüche, chronischem Muskel» rhenniatismns, Ischias nnd Neuralgie der Arme nnd Schultern. Die Besserung von Gichtleidci» an de» Händen»vird durch einige Röntgen- ausnahtticii vor und nach der Behandlung veranschaulicht.— Geologisches. en. Erdbebengeräusche. Der bekannte englische Erd- bebe»forscher Davidson bat im„Philosophical Magazine" einen fesselnden Aufsatz über Erdbebengcränsche veröffentlicht. In» all- genuine» werden die Lante, die als Begleitcrschcinnngci» von Erd- BermitNortlichee Redacicur: Paul John in Berti» stoßen austreten, als ein schiveres Rollen, ähnlich dein Geräusch eines Lastivagens, zn!»'cilci» werden sie auch mit den» Donner, dem Brausen eines heftige», Winds, dem Sturz schwerer Steine nnd mit ferne»» Kanonenschüssen verglichen. In der Nähe des Punkts der Entstehung des Erdbebens»vird ge- »vöhulich von einigen Leuten ein lautes Krachen ivahr- geiionuiiei», während schon in der nächsten Nachbarschaft nichts davon zn hören»st. dieses Geräusch pflegt in dein Augenblick einzu- treten, Ivo das Erdbeben an, heftigsten ist. In etwas größerer Eni- fenmiig sind die Erdbebengeräusche schon schivächcr, während man in noch größerer Eiitscrnnng nur einen erstickten Ton ähnlich den» schlvachen Rollen eines sehr fernen Donners vernimmt. Wie das Erdbeben selbst sich»nit der Entfernung von seinem EntstehungS- puukte mehr iiud»»»ehr abschwächt, so ist dies demuach auch mit den begleitende»» Geräuschen der Fall, nnd die Grenze, jenseits derer keine solche Geräusche mehr»vahrgcnoimnei» werden, läßt sich dm-ch möglichst genaue Sammlung der Beobachtungen häufig jeststellci». An dieser Grenze»verde»» die Erdbebengeränsche nicht nnr von den einen gehört und von den andern nicht, sondern sie»verde» auch von verschiedenen Personen verschieden beschrieben. In Europa ist eine Erderschntternng im allgemeiiieii von zwei Geräuschen beglestrr, von dencii das eine am Anfang, das andre am Schluß des Bebens auftritt. In Japan dagegen, dem Land der Erdbeben nnd der Erdbebeiiforschniig, hat man selbst bei den heftigsten Erschütterniigei» niemals irgend»velchcs Geräusch gehört. Ii» Europa erstrecken sich die Erdbebengeränsche von dem Entstehniigspnnkl ans selten über eine größere Entfernnug als tvenige Kilometer.— Humoristisches. — Hilfsbereit. Lieschen fwelcheS gehorcht ball: „Mama, wenn Dir Papa durchaus keil» neues Kleid kanscn»rill. fallen»vir beide in Ohltnincht."— — Z c i t g e m ii ß. Junger Arzt szn eine»»» Palientenl: „Sie leiden nn einer Lcberschivellniig: loiiiiscve:» Sie jetzt, daß ich Sie nllo— oder hoinvo— oder hßdropathisch oder psycho— oder �lcktrothcrapentisch behandle?"— —„Gewichtiger" Auftrag. Maler:„Womit kam» ich dienen, Herr Kommissionsrat?" Protz(drei Ccntner schwer):„Werfen S e m c r a u f d i e L e i n w a n d I"— (.Meggcnd. hnn». Bf.*) Notizen. — Das Deutsche Theater»vird in diesen» Jahre»och das Schauspiel„Winterschlaf" von Max Dreher aus- führe».— � — Die diesjährige Spielzeit der„M o r>v i tz- O p c r" im Schiller- Theater beginnt an» Donnerstag, den 14. I n»» i, nnd endet an» 31. August.— — DaS Gastspiel der amerikanischen Operetten- Gesellschaft in» Berliner Theater ist nach dein„B. B.-C." »»nimiehr gesichert. Das Gastspiel wird an» 1. Mai beginnen, vier Monate währen, und die Operette»tbo french raaid" bringen.— ar. Max Lieber n» a n n S Gemälde„Waise n in ä d ch e n v o n A m st c r d a m ist von» Städelschen Institut zu Frankfurt a. M. angekauft worden.— — In» H a»» b n r g e r Stadtthcatcr fand eine Oper von Alexander F i e l i z,„Das st i l l e Dorf", Beifall.— — Bor der philosophische» Fakultät der Universität H e i d e l- b e r g bestand Miß Erl« H i t t l c aus Amerika in der englischen Philologie als.Hauptfach niid in der denischci« Philologie»uid Kims!» geschichte als Rcbcnsächern das D o kt o r- E x a in c n summa cum lau äs. Es ist dies das erste Mal, daß in Heidelberg eine Dame beim Doktor-Examen den höchsten Grad errimgeu hat.— — Max Halbes„Jugend" sollte von der Wiener „Freien B ü h n e" in einer Versanm»l»ng der Mitglieder zur Anffiihrnng gebracht»verde». Als aber die ersten Sätze gesprochen »vnrden, erhov sich,»vie den»„B. T." gemeldet wird, ein»»«erkannt gebliebener Polizeikonunissar nnd erklärte die Bersammlung für ge- schlössen. Die Amvesenden protestierle»; sie mußten durch zehn Wach- lente zum Verlassen des Lokals gezwlmgen»verde».— a. D i e Honorare der amerikanischen„StarS Ueber die Honorare, die der bekannte Manager Gran den Mit» gliedern seiner Gesellschaft in den Vereinigten Staaten zahlt, werden in amerikanischen Blättern einige Einzelheiten veröffentlicht. Jeder „Star" ist fiir eine bestinnnte Reihe von Abenden Während der Saison engagiert. Die Honorare, die für jedes Austreten gezahlt werden, sind sehr hoch. Interessant ist dabei folgende Abstufung: Emma EalvS erhält für einen Abend 0000 M., die Sembrick 4800 9?., die Nordiea. Eames nnd Ternilia je 4000 M., Alvarez erhält 4000 M., van Dyck nnd Saleza 3200 M.. Edonard de Reszle 2400 M., Dippel, Blanaon»nid van Rooy jeder 2000 M.— . Druct uno Beriag von iKax Babing u» Berlin. �