Nr. 75. (NachdniS verbolen.) 15] AusoLMehutts. Roman Hon Leo T o lft o j. Rabelais schmbt einmal, daß ein In eist, dem man einst mit einem Prozeß kam, nach Hinweis ans alle möglichen Gesehe und Perlesnng von zwanzig Seiten sinnlosen Juristen- latcins den Prozcssircndcn vorschlug, zu ivnrfeln: gerade oder ungerade. Wenn gerade, so hätte der Kläger recht,»venu an- gerade der Beklagte. Genau so war es auch hier. Gerade diese und nicht eine andre- Entscheidung wurde nicht deshalb angenommen, weil alle ihr beistimmten, sondern erstens, weil der Borsihendc, der so lange resümiert, dieses Mal versäumt hatte, zu sagen, was er immer sagte, nämlich daß sie als Antwort ans die Frage das Lerdikt abgeben könnten: ja, schuldig, aber ohne bös willige Absicht auf daS Leben; zweitens, weil der Oberst sehr breit und langweilig die Geschichte von der Frau seines Schwagers erzählt hatte: drittens, weil Nechljudow so erregt ivar, daß er die Fortlassung der.Klausel betreffs Nicht- Vorhandenseins der böslvilligen Absicht aus daS Leben nicht bemerkte und glaubte,'daß die Klausel:„ohne Absicht zu stehlen"' die Anklage hinfällig machte: viertens, iveil Peter Gerassimoivitsch nicht im Zimmer war— er war in dem Augenblick hinausgegangen, als der Obmann die Fragen und Antworten vorlas— und hauptsächlich, weil alle müde. waren und gern bald� frcikonimen tvollte.n und deshalb der Ent- scheidung beistimmten, die alles bald beenden würde. Die Geschwornen läuteten. Der Gendarm, der mit ent- blößtcm Säbel an der Thür stand, steckte den Säbel in die Scheide und trat zur Seite. Die Richter sehten sich auf ihren Plah und die Geschworenen traten einer nach dem andern heraus. Der Obmann trug mit feierlicher Miene den Fragebogen. Er trat an deii Vorsitzenden heran und überreichte ihn. Der Vor sitzende las ihn durch, breitete sichtlich erstaunt die Hände aus und wandte sich an seine Amtsgcnosscn. uni zu beraten. Der Vor- sitzende war erstaunt, daß die Geschworenen nach Hinzufügung der ersten 5llausel„ohne Absicht zn stehlen", nicht auch die zweite„ohne böswillige Absicht auf das Leben" hmzugefügt hatten. Das Ergebnis war, laut Verdikt der Geschwornen, daß die Maslowa nicht geraubt, nicht gestohlen, aber dabei einen Menschen ohne jeden ersichtlichen Grund vergiftet hatte. „Sehen. Sie, was die für eine Dummheit gemacht haben." sagte er zu dem Gerichtsmitglied links.„Das giebt Zuchthaus und dabei ist sie nicht schuldig." „Wieso nicht schuldig?" sagte daS strenge Gerichtsmitglied. „Ganz einfach. Meiner Meinung nach kommt in diesem Falle Artikel 8l8 in AiNvendtmg."(Der Artikel bestimmt, daß wenn der Gerichtshof das Verdikt ungerecht findet, er die Entscheidung der Geschwornen aufheben kann.) „Wie denken Sie?" wandte sich der Vorsitzende an daS gutmütige Gerichtsmitglied. „Ich denke auch, daß man das müßte," sagte er. „lind Sie?" wandte sich der Vorsitzende an den ärger- lichcn Richter. „Auf keinen Fall!" antwortete der bestimmt.„Die Zeitungen schreiben so wie so schon, daß die Geschwornen Verbrecher freisprechen; was werden sie erst sagen, wenn das Gericht sie freispricht! Ich gebe keinesfalls meine Ein- willigung dazu." Der Vorsitzende sah nach der Uhr. „Schade, aber was ist dabei zu machen." Und er reichte die Fragen dem Obmann zur Verlesung. Alle standen auf und der Obmann las, von einem Fuß auf den andern tretend und dabei hustend, Fragen und Ant- warten vor. Alle Gcrichtspersoncn, der Sekretär, die Amvälte, sogar der Staatsanwalt, drückten Erstaunen ans. Die Angeklagten saßen gleichgültig da; sie verstanden offenbar die Bedeutung der Antworten nicht. Wieder setzten sich alle, und der Vorfitzende fragte den Staatsamvalt, welcher Bestrafung er die Angeklagten zu unterziehen gedächte. Ter Staatsamvalt freute sich über den unerwarteten Erfolg bezüglich der MaSlolva und schrieb diesen Erfolg seiner schonen Rede zu: er sah irgendwo nach, stand ans und sagte: „Simon Kärtinki» möchte ich auf Grund der Artikel 1452 und 1453, Euphemia Botschkolva auf Grund des Artikels 1359 und Jekatcrina Maslowa auf Grund des Artikels 1454 be- strafen." Alle diese Strafen waren die allcrstrcngsten, die nur in Anwendung kommen konnten. „Der Gerichtshof zieht sich zur Nrteilsberatmig zurück," sagte der Vorsitzende und stand auf. Nach ihm erhoben sich alle und begannen in dem er- leichternden, angenehmen Gefühl, eine gute That vollbracht zn haben, hinauszugehen oder sich im Saale hin und her zu bewegen. .'.Da haben wir doch ein ganz schändliches Urteil zu stände gebracht, Freundchen," sagte Peter Gcrassimowitsch und trat an Nechljudow heran, dem der Obmann etivas erzählte. „Wir haben sie ja ins Zuchthaus gebracht." „Was sagen Sie da?" schrie Nechljudotv, der diesmal die nnaugenehme Familiarität des Lehrers gar nicht bemerkte. „Nun, aber ganz gewiß." sagte er.„Wir haben in der Antwort nicht gesagt:„schuldig, aber ohne böswillige Absicht auf daS Leben". Der Sekretär hat mir sofort mitgeteilt, der ! Staatsanwalt hängt ihr fünfzehn Jähre Zwangsarbeit auf." „Die Entscheidung ist so getroffen," sagte der Obmann. Peter Gcrassimowitsch begann dagegen anzugehen und behauptete, es vccstände sich von selbst, daß sie, da das Geld nicht von ihr entwendet sei, auch nicht die Absicht gehabt haben könnte, ihm das Leben zu nehmen. „Ich habe aber doch die Antworten vorgelesen, bevor wir hinausgegangen sind," rechtfertigte sich der Obmann.„Niemand hat einen Einwand erhoben." „Ich war unterdessen ans dem Zimmer getreten," sagte Peter Gcrassimowitsch.—„Aber tvie konnten Sie die Zeit verpassen"" „Ich habe gar nicht nachgedacht," sagte Nechljudotv. „So! Sie'habcn nicht nachgedacht." „Aber man kann das doch wieder gut machen," sagte Nechljudow. „Stein. Jetzt ist'S auS." Nechljudow schaute die Angeklagten an. Diese selben Menschen, deren Schicksal jetzt entschieden wurde, saßen immer noch ebenso unbeweglich hinter ihrer Barriere vor den Sol- baten da. Die Maslowa lächelte über irgend ctwaS. In Ncchljndows Seele regte sich ein schlimmes Gefühl. Vordem, als er ihre Freisprechung und ihr Bleiben in der Stadt voraussah, war er unentschlossen, tvie er sich gegc» sie ver- halten sollte. Denn dieses Verhältnis war schtver. Die Zwangsarbeit aber und Sibirien vernichteten mit einem Male die Möglichkeit jeder Beziehrnig zn ihr; das halbtote Vögclchen würde nicht aufhören, in der Jagdtasche mit den Flügeln zn schlagen und an sich zn erinnern. V i e r n n d z w a n z i g st e s K a p i t e l. Die Vermutung Peter Gcrässitnotvitsch wurde gerecht- fertigt. Nach seiner Rückkehr aus dem Beratungszimmer nahm der Vorsitzende ein Blatt Papier und laL: „Im Jahre 188' am 28. April hat im Namen Seiner kaiserlichen Majestät gemäß Entscheidung der Herren Geschwornen auf Grund der§§ 3, Artikel 771, 3, Art. 773 und Artikel 777 der Kriminalprozeß-Ordnung das Kreis- gericht in N. in seiner Kriininalabteiluug bestimmt: den Bauer Simon Kartinkin, drciuuddrcißig Jähre alt, und die Kleinbürgerin Jckateriua Maslowa, sicbeunudzwauzig Jähre alt, nach Aberkennung aller Staudesrechte zur Zwangs- arbeit zn verschicken: den Kartinkin ans acht Jahre und die Maslowa auf vier Jahre mit den betreffende»-Folgen für beide, laut Artikel 25 des Strafgesetzbuchs. „Die Kleinbürgerin Euphemia Boischkowa, dreinnd- vierzig Jähr ali, nach Aberkennung aller Sonderrechte, persönlicher und Standcsrcchtc sowie Vorzüge, auf drei Jahre ins Gefängnis zn sperren, mit Folgen laut Artikel 49 des Strafgesetzbuchs. Die Gerichtskosten in dieser Sache den Verurteilten zu gleichen Teilen aufzuerlegen und im Falle von deren Unvermögen ans KronSrechnung zu über-. nehmen; die Bclveisstückc in diesem Prozeß �zu veräußern; den Ring zurückzuerstatten; die Gläser zu vernichten." Kartinkin stand immer noch ausgereckt, die Hände mit ausgespreizten Fingern an den Nähten, und bewegte die Backen. Die Botschkowa schien ganz ruhig. Maslowa wurde purplirrot, als sie das Urteil hörte. „Ich bin unschuldig, unschuldig!" schrie sie plötzlich durch den ganzen Saal.„Das ist ungerecht! Ich bin nicht schuldig! Ich hab's nicht gewollt, nicht gedacht! Ich spreche die Wahrheit, wahrhaftig!" Und sie sank auf die Bank nieder und schluchzte laut. Als Kartinkin und die Botschkowa hinausgegangen waren, stand sie noch immer auf ihrem Platz und weinte, so daß der Gendarm sie aur Aerniel ihres Sträflingskleids be- rühren mußte. „Nein. so kann es unmöglich bleiben", sagte sich Nechljudolv. Er vergaß vollständig das schlimnic Gefühl in seinem Innern und eilte, seiner selbst nicht mächtig, in den Korridor, um sie noch einmal zu sehen. In der Thür drängte sich eine lebhafte Menge herauskommender Ge- schworner und Advokaten, die mit der Beendigung des Prozesses zufrieden waren. Dadurch wurde Nechljudow einen Augenblick an der Thür zurückgehalten. Als er aber in den Korridor hinaustrat, war die Maslowa schon fern. Mit schnellen Schritten, ohne an die Aufmerksanikeit zu denken, die er sonst auf sich verwandte, setzte er ihr nach, überholte sie Und blieb stehen. Sie hatte bereits aufgehört zn weinen und flammte nur jäh ans; dann trocknete sie ihr nnt roten Flecken bedecktes Gesicht am Ende ihres Bnisttuches ab und ging an ihm vorüber, ohne sich umzusehen. Er ließ sie vorbei und kehrte eiligst zurück, um de» Vorsitzenden zu suchen; aber der Vorsitzende war schon fortgegangen, Nechljudow erreichte ihn erst im Portierzimmer. „Her-r Vorsitzender." sagte Nechljudow. der in dem Augenblick an ihn herantrat, als jener schon den hellen Ueberzieher anzog und den Stock mit silberiicm Knopf aus der Hand des Portiers entgegennahm,„kann ich mit Ihnen über den Prozeß reden, der soeben entschieden ist? Ich bin Geschworner." „Aber gewiß, Fürst Nechljudow. Sehr angenehm, wir haben uns schon getroffen," sagte der Vorsitzende und drückte ihm die Hand. Er erinnerte sich mit Vergnügen, wie munter, besser als alle jungen Leute, er an jenem Abend getanzt hatte, wo er Nechljudow begegnet war.„Womit kann ich Ihnen dienen?" „Es ist ein Mißverständnis bei der Antwort in Bezug auf die Maslowa passiert. Sie ist unschuldig an der Vcr- giftung, und dabei hat man sie zu Zwangsarbeit venirteilt", sagte Nechljudow mit angestrengt finstrem Aufsehen. „Der Gerichtshof hat das Urteil auf Grund der Ant- Worten gefällt, die auch von Ihnen abgegeben worden sind", erwiderte der Vorsitzende und bewegte sich zur Ausgangsthür. „Allerdings sind auch dem Gerichtshof die Antworten als nicht der Sache entsprechend erschienen." Er erinnerte sich, daß er den Geschlvornen hatte auseinandersetzen wollen. daß ihre Antwort:„Ja schuldig", ohne Ausschluß vorsätzlichen Totschlags, vorsätzlichen Tot- schlag feststellte; daß das in der Eile aber von ihm vergessen worden war. „Ja, aber kann man denn den Fehler nicht wieder gut machen?" „Ein Grund zur Kassation ist immer zu finden. Da müssen Sie sich an die Anwälte wenden," sagte der Vor- sitzende und bewegte sich, den Hut etwas auf die Seite schiebend, weiter nach den: Ausgange. „Aber das ist doch schrecklich." „Sehen Sie, der Maslowa stand eins von beiden bevor," sagte der Vorsitzende, augenscheinlich im Wunsche, möglichst freundlich und höflich gegen Nechljudow zn sein! dabei strich er den Backenbart über dem Rock- kragen auseinander, faßte Nechljudow leicht am Ellbogen und fuhr dann, gegen die Ausgangsthür gewandt, fort:„Sic gehen doch auch?" „Ja," sagte Nechljudow. kleidete sich schnell an und ging mit ihm. fort. Sie waten in die helle, heitere Sonne und mußten als- bald infolge des Gerassels der Räder auf dem Pflaster lauter sprechen. „Sehen Sie. das ist eine eigentümliche Situation," fuhr der Vorsitzende mit erhöhter Stinime fort,„ihr, dieser Maslowa. stand eins von beiden bevor: entweder nahezu Freisprechung, Gefängnisstrafe, wobei die Zeit, die sie schon gesessen, mitangcrechnet werden, konnte,— ja sogar nur Haft,— oder Zwangsarbeit; dazwischen giebt es nichts. Wenn Sie die Worte hinzugefügt hätten:„aber ohne Vorsatz, den Tod herbeizuführen," so wäre sie freigesprochen worden." „Unverzeihlich, daß ich das versäumt habe," sagte Nechl- judow. „Darauf beruht die ganze Geschichte," sagte der Vor- sitzende lächelnd mnd sah nach der Uhr. Es waren nur noch drei Viertelstunden bis zur letzten Frist, die für Klara festgesetzt war. „Jetzt wenden Sie sich, wenn Sie wollen, an einen An- Walt. Nötig ist, einen Grund zur Kassation zu finden. Den kann man immer finden.— Nach der Dworjanskaja," ant- wartete er einem Droschkenkutscher,„dreißig Kopeken, mehr bezahle ich nie." „Euer Excellcnz, bitte sehr." „Meine Empfehlung. Wenn ich mit irgend ctwaS dienen kann; Hans Dwornikow in der Divorjanskaja: leicht zu be- halten." Und er verneigte sich höflich und fuhr davon. Fünfundzlvanzigstes Kapitel. Das Gespräch nnt dem Vorsitzenden und die reine Luft hatten Nechljudow etwas beruhigt. Er dachte jetzt, die Empfindung, die er durchgemacht, sei infolge des unter so ungewöhnlichen Umständen verbrachten Morgens von ihm übertrieben. Allerdings ein wunderbares, erschütterndes Zusaniinen- treffen! Man mußte unbedingt alles mögliche thun, um ihr Los zu erleichtern, und mußte das bald thun. Sofort. Ja, man mußte hier im Gericht erfahren, wo Fanarm oder Mikischin wohnte. Er entsann sich zweier be- kannter Advokaten. Ncchljudotv kehrte in das Gericht zurück, nahni seinen Ueberzieher ab und ging nach oben. Schon im Korridor des ersten Stocktverks begegnete ihm Fanarin. Er hielt ihn an und sagte, daß er ein Anliegen an ihn hätte. Fanarin kannte ihn von Angesicht und dem Namen nach und sagte, er würde ihm gerne in jeder Beziehung gefällig sein. „Ich bin allerdings etwas abgespannt... aber wenn es nicht lange dauert, so erzählen Sie mir Ihre Angelegen- heit; kommen Sie, hier." Fanarin führte Nechljudotv in irgend ein Zimmer, wahr- scheinlich in das Arbeitszimmer irgend welches Richters. Sie setzten sich an den Tisch. „Nun, mein Herr, um was handelt es sich?" „Vor allen Dingen möchte ich Sie bitten," sagte Ncchl- judotv,„daß niemand erfährt, daß ich an dieser Sache be- tciligt bin." „Gewiß. Das versteht sich von selbst. Also..." „Ich war heute Geschworner, und wir haben ein Weib zn Zivangsarbeit verurteilt, die— unschuldig ist. Das quält mich." lFortsetzung folgt.) lNachdruik verboten.) Tölzev Vunff: Hell leuchten die Gesichter der Bauern und der Fremden auf, und eine hell leuchtende Erscheinung wächst dort an der Straßen- biegnng in den grünen Rahmen der oberbayrischen Landschaft hinein. Ein Wagen, von geschmückten Ochsen oder Pferden gezogen, reich beladen mit Hausgerät, geführt von dem einen oder andern lustigen Burschen, zieht langsam des Wegs daher. Freude ringsum: es ist ein„Kammerwagen"; er bringt die Aussteuer der Braut in ihr künftiges Heim. Und er bringt auch sie selber: hoch oben auf all den Kasten und Geräten sitzt thronend die Braut... Wie lange noch die oberbayrische Sitte des„Kammerlvagen- fahrens" sich halten ivird, wer weiß eS?I Sie gehört einer noch lange nicht verfchloundenen, aber längst schon einschrumpfenden Welt an: der stammcseigencn Kultur jenes Landes zwischen Innthal und Jsarthal, das durch seine„Haberfeldtreiben" so geheimnisvoll be- rühmt war, und dessen heimische Kunst wohl noch lange den Kunst- freund reizen wird, ivann auch der letzte„Tölzer Kasten" in eiucin Museum eingesargt sein ivird. Einst blühte dort diese Kunst so reichlich, daß die Ausfuhr dieser Kästen isarabwärts zum Stolz des Landes gehörte. Im Jahr 1863 ivar es zum letzcnmal, daß eine solche Sendung durch Tolzer Flösser hinabging ins Unterland, das ihrer inmitten der uiodernen heimatlosen Industrie nicht mehr bedarf. Droben im Jsarland waren es Bauern, die in Dörfern und Märkten neben ihrem Mdban cmch noch das Handwerk der„Kistler" betrieben. Sie verfertigten die Möbel, die den Kammcrwagen füllen sollte», zumal eben die„Tölzer Kästen". Ans Fichtenholz die Hauptteile, angelegt auf Brauchbarkeit, klar in der Konstruktion, arm an tektoni- scher Gliederung; aus Lindenholz die seit dein lö. Jahrhundert üblichen Schnitzereien am Möbel. War dieses soweit fettig, so be- gann die Arbeit der Frauen: das Bemalen, allerdings wohl erst seit der Zeit des Rokoko. Meist wurde Leinifarbe verlvendet, mit nach- folgendem Firnis. Die Farbe vernried jede Imitation. Die Grund- färbe war meist blau, seltener grün; die bildliche Bemalung erstreckte sich auf Blumen und Früchte der Heimat, die in kräftigen Farbe» aufgetragen wurden. Wer je diese schlichten Kunstiverke gesehen, in denen sich die Originalität und Traulichkcit der süddeutschen Wohnungen wie in einem Centrnm zusammenfaßt, wird sie nie vergessen. Ich habe sie droben in einsamen Banernhütten gesehen, wo sie— wenn nicht schon vom Liebhaber weggckauft— von den Vätern her stehen. Ich habe sie in einsamen Ecken jener mit aller gegenwärtigen Kunst errichteten Villa des Herrn v. H. gesehen, die nahe bei Tölz wie eine moderne Wartburg in die Alpen hineinblickt. Ich habe sie endlich— am klarsten und reichlichsten— gesehen in dein prächtigen Buch von Franz Zell:„Bauernmöbel aus dem bayrischen Hochland"(Frank- snrt a. M., H. Keller. 1809), aus dem einige unsrcr vorangehenden Notizen stammen. Daß es nicht die Kästen. Truhen und sonstigen Möbel allein seien, in denen sich der künstlerische Geist jenes Volksstamms aus- spricht, läßt sich von vornherein denken! und thatsächlich genügen einige Blicke ins Nationaluiuscum zu München, in die knnstgcwerb- lichen Stätten zu Partcnkirchen und in andre örtliche Saiiunelpnukte, »in ein weites Reich lokaler Volkskunst zu erschließen. Welche Fülle von Leistungen hat nicht die einzige Stadt Weilheim durch ihren Angcrmeyer, ihren Krumpcr, ihren Dehler in die Welt hinaus- gesendet I Nach einem„oberbayrischen Lokalninsenm", das ei» centrales Bild dieser gesamten Kunst geben sollte, rief vor einiger Zeit ein Artikel in der Zeitschrift„Kunst und Handwerk". Manche kleine Sammlung war da genannt; aber gerade die eine fehlte, die so breit und tief in das jahrhundertelange Kunstleben jenes Landes blicken läßt, und die gerade in der Heimat der„Tölzcr Kästen" erwachsen ist, auch wenn just nicht diese Möbelarbeiten, sondern andre Zweige des oberbayrischen Kunstgewerbes ihren Stamni bilden. Herr Bezirksgeometer S t a n d i n g e r in Krankenheil bei Tölz ist ein braver Manu. Er.hat gesammelt und gesammelt, bis ihm sein Häuschen über den Kopf vollgepfropft war und die Bauern anfingen, ihren Urvätcr-Hnnsrat den neu anrückenden Liebhaben! so in die Höhe zu treiben, ivie es sonst die Länderspekulanten oder die Kriegslieferantcn thu». Aber nun hat er auch etivas, um das sich die Kunsthistoriker reißen können und die Kunslbehörden der so- genannten Knltnrstaateii reißen könnten und sollten, wenn—... Zwar einiges ist der Art nach bereits bekannt und auch anderswo vor- Händen, ivcnngleich kaum irgeiidwo in solcher Fülle wie hier. Wer je zu München im Nationalmuscum bewundernd vor den Elfenbein- schnitzereicn Christof Angerinchers gestanden, wird hier von der ganze» Breite dieses KnnstzweigS, dem jene Specialwcrke an- gehören, erst den rechten Eindruck bekommen. Wer Ivollte alle diese elfenbeinernen Madonnen. Christnsse, Relicfporträts usw. aufzählen, — wer all die Kombinationen beschreiben, in denen dnS Elfenbein mit andren Stoffen wie Holz oder Zinn verwendet ist, wer den Humor andeuten des hölzernen Pilgers mit seinem Engcrl? Wohl ebenfalls nur ein Glied einer einigermaßen gut bekannten Kunst- Produktion sind die Holzschnitzereien. Den ganzen Reichtum dieser Kunst Oberbayerns allein, der schon würdig lväre. in einem Museum verewigt zu iverden, das zu dem schleswig-holstcinschcn Thaulow- Museum in Kiel ein interessantes Gegenstück darbieten würde, lernt man allerdings nicht gerade hier am besten kennen! allein manches von diesem Vorrat, teils bemalt, teils nicht oder nicht nichr bemalt, neben heiligen Figuren auch z. V. romanisch stilisierte Löwen, ein Lanzknecht ans dem 16. Jahr- hnndert u. v. a. ergänzt nnsre Kenntnisse dieses Zweiges. Sehr wichtig aber scheint mir hier die Specialität eingelegter Holz- arbeiten zu sein. Zum Teil sind es prachtvolle Renaissancelverke. Unter den Formen der Einlage-Arbeit, namentlich in Tischen, fallen besonders rundliche Gebilde ans, figürliche und architektonische, die an osteuropäische Klippelfomicn, an altchristliche Figurenbilder und dergleichen niehr erinnern. Ich habe ähnliches ini Kirchenschatz der großartigen Rokokokirche zn Ottobcucrn gesehen, besaß auch selber einmal ein solches Tischchen, vielleicht' eine Tiroler Arbeit des 18. JahrhundettS; ein Kenner der oberbayrischen Kunst vermutet hier slavische Einflüsse— jedenfalls ist es eine seit Jahrhunderten heimische Art. Hierher gehören auch die reichen Einlagewerke mit anderem Stoff, die allenthalben als„Boule"- Arbeiten wohlbekannt sind und hier in einer hübschen Menge von Schmuckkästchen und dergleichen wiederkehren. Ans eine wahrscheinlich lange blühende Specialität deS Kunstgewerbes weife» Hafnerarbeiten aus Schlicrsee hin: mehrere Christusbilder ans Thon, und natürlich die allbekannten alten Oese». Ans einer Art von weißem Thon und ans Glas, mit selbständigen Malereien, sind zahlreiche Krüge vorhanden! dann andre Werke aus blauem Glas, ans Majolica usw. Eine besondere Freude bereiten dem Freund„altdeutscher" Kunst die vielen Krüge ans Zinn, zum Teil mit symbolischen Gravierungen und dergleichen; ihre Formen entfalten eine Wekt von geometrischer Phantasie. Das vielleicht wertvollste Werk der ganzen Sammlung mag eine Schiissel mit Kanne sein, in den vornehmsten und reichsten Formen der Renaissance gehalten, würdig eines Bcnvennto Cellini; ihre, meist symbolischen. Neliefgebilde zu beschreiben, Ivürde einen ganz eignen Anlauf erfordern. Am interessantesten im speciellcn Sinn dieses Worts ist ein oder das andre Unikum: vor allem ein altes Lederkästchen mit Gold- Pressung, innen mit Elfenbein und landschaftlicher Malerei geschmückt, aus dem Besitz des letzten Prälaten vom Kloster Benediktbeuern; n. dgl. m. Manche reizende Oriinmentmalcrci der Renaissance seine von ihnen ans der Rückseite zweier Orgelflügel, wahrscheinlich von Peter Candid), zahlreiche Uhren, niannigfaltige Werke auS ge- triebencm Kupfer, und was sonst in solchen Sanunlungen mehr oder minder typisch ist; endlich Musikinstrumente: eine Laute, ein Elfen- bein-Flagcolett(Art Flöte), eine primitive Baßgeige, Bauernzithern — dieser ganze Rest, der oen Athem des Aufzählenden erschöpfen würde, sei wenigstens angedeutet. Wenn man sich erinnert, daß bedeutende Knnstsanimlnngen ihren Ursprung in glücklichen Ankäufen fanden, die der Weltberühmtheit der Gegenstände voranscillen, so scheint es, daß hier dem Klugen noch ein Glück zu erhaschen bleibt, das nicht so bald wiederkonmtt. Ich hörte so etwas von 50(XX) M., um die der Eigner dieser Sammlung sie hergeben würde. Fehlt nur noch der reiche Engländer oder Amerikaner, der durch sein Angebot das Gewissen heimischer Mächte wecken müßte.— Friedrich Müller. Kleines Feuillekon» Ostasiatische Dekorationsmaler ans der Pariser Welt» ansstellnng. Interessant ist es, so wird der„Köln. Volksztg." geschrieben, die fremdländischen Arbeiter, welche in den ostasiatischen Pavillons am Trocadcro die Dekorationsarbeit besorgen, bei ihrer Beschäfttgnng zu beobachten. Da sitzen oder knien sie auf leichten Gerüsten, den langen Zopf zusammengerollt und unter eine Pelzkappe gesteckt, um den Hals große Shawls aus blauer Wolle oder griiner Seide, deren Enden ihnen gelegentlich auch als Taschentücher dienen, denn sie sind sehr empfindlich gegen die Kälte. Neben ihnen stehen schadhafte Tassen aus chinesischem Porzellan oder Fayence, in die sie den Pinsel tauchen und dann mit flinker Hand in leuchtendein Not, Grün oder Blau zierliche Blumengewinde, dicht gedrängte Personen- gnippcn oder schreckliche Drachen auf die Wände malen. Dabei rauchen sie französische Cigaretten in dünnen Cigarrenspitzen aus Bambusrohr und sprechen zii einander, oder versuchen auch mit leb- haften Gesten, sich den französische» Arbeitern verständlich zu machen. So haben sie ihren Pariser Kameraden zu verstehen gegebe», daß sie die Franzosen in Paris und Marseille so viel freundlicher und liebens- würdiger fänden, als im fernen Jndo-China, wo sie sich oft als harte Herren anfspielen. Trotzdem haben sie auch hier ihr Mißtrauen noch nicht ganz überwunden, denn sie gehen nur gruppenweise von und zu ihrer Arbeit. Um S Uhr nehmen sie ihre Abendmahlzeit. Eine anamitische Frau bringt eine Reihe von Blechkannen und Päckchen an einem Stocke hängend, den sie ans der Schulter trägt. Das Essen besteht in gelochtem Reis und klein geschnittenem Rindfleisch mit einer sckwarzen Zwiebelsance, das sie mit ihren Gabeln aus der Schüssel aufpicken. Einige essen Brot dazu, andre rühren es nicht an. aber alle mögen den Wein gern. Einige der Pavillons sind ganz fertig und eine Menge von Ausstellern in roteni Fez, gelben Pantoffeln, weißem Burnus nehmen Besitz von ihren Plätzen und überwachen das Auspacken ihrer Waren.— — Die Barisal- Schüsse. Im Distrikt Bakcrgnnge an det Mündung des Ganges hört man von Zeit zu Zeit dumpfe Detonationen, gleich dem Donner schwerer, sehr entfernter Geschütze, ohne daß es bis heute möglich geworden ist, den Ursprung dieser Donnerschläge zu ergründen. Sicher ist nur, daß sie weder von Gewittern, noch vom Abfeuern der Geschütze herrühren können, übrigens aber weiß man weder, ob sie ans der Luft oder auS dem Boden kommen. Schon im Jahr 1880 hat die Asiatische Gesellschaft in Kalkutta Fragebogen verschickt, um möglichst viel Material über die Einzelheiten des geheimnisvollen Phänomens zusammen- zubringen, indessen haben die eingelaufenen Antlvorten kein Licht über den Ursprung desselben verbreitet. Nur soviel ergab sich unzweifelhaft, daß ähnliche Detonationen auch 220 Kilometer von Barisal entfernt bei Tnmlrok von Zeit zu Zeit ver- nommen werden. In jüngster Zeit hat, nach einem Bericht der „Köln. Ztg.". Henry S. Schuer während eines fast zweijährigen Aufenthalts im Distrikt Bakcrgunge ans vielen Reisen durch diesen Bezirk der Erscheinung eifrig nachgeforscht. Hiernach ertönen die Schüsse am häufigsten in den Monaten Februar bis Oktober, nie- nials aber bei schönem Wetter, sondern nieist vor oder nach Regen- fällen. Sie kommen im allgemeinen aus Süd und Südost, doch gelegentlich auch aus allen andern Weltgegenden. Merkwürdig ist, daß die Schüsse meist zn dreien gehört werden, einer nach dem andern in regelmäßigen Intervallen von etwa drei Sekunden, selten in längern Zwischenpausen. Manchmal hört man am Tage nur einnial diesen dreifachen dumpfen Donner, ein andres Mal aber wurden 45 Detonationen vernommen. Sie sind von Schüssen auS großen Kanonen, die in beträchtlicher Entfernung auf- gestellt werden, nur schwer zu unterscheiden, auch scheint der Zustand der Atmosphäre nur einen sehr geringen Einfluß darauf auszuüben. Man hat angenommen, daß diese Detonatioilen aus, dem Jnncpli� «> — o bev Erde ftamnien und t>lilk«iiischcn Ursprung.? sind, aSrin gerade in jenen Gegenden Ostindiens, lvo die Schüsse vernrnninen werde», kommen rmlkanischc Erscheiiurngen nicht vor. Endlich ist noch �n bemerke», dab ähnliche Detonationen cinch im mittler» Belgien gehört»verde» und dort unter dein Namen„Wlist- Pocfferö" belannt siitd. Die Schüsse konnnen dort häufig an schönen Tagen vor, und»nn sich den Ton derselbe»! vorzustellen. »nng man das Wort Vinn! sehr tief aussprechen, llebrigenS sind ganz ähnliche Detonationen auch in andre» Gegenden Europas ve- kannt, so das„Schicken der Herren von» Siotthale" in der Srtuveig, welches an schwulen Tagen im Siegen vernomnicn Ivird. oder auch der sogenannte Auszug des Burggeistes von der verfallenen Ritter- bnrg Schnellerl nach der Burg Rodenstein im Odenivalde. Am Bodensee kennt man die dumpfen Detonationen unter dein Namen „Seeschicszen" gelegentlich kommen solche auch an andern Orten vor. so an» 1"! Oktober 1809. in der Nähe von 5iöln, Ob diese Schüsse mit der Witterung in einem gcivissen Zusannuenhange stehen, ist zweifelhaft, doch scheint ihr Ursprung in der Atmosphäre ziemlich sicher zn sein. Für die ain Bodensee gehörten Detonationen hat »»an bezüglich des Ursprungs nn Lawinenstürze in den Alpen gedacht, ohne das; diese Hypothese jedoch alle Schnnerigleiten ans den» Wege räumte, ganz abgesehen davon, das; auf diese Weise die Mist- PoesferS in Belgien und die Barisal-Tchiissc au der EaugeSinündung nicht erklärt werden können. Theater. Nene Freie Volksbühne:„'s Nnllcrl," Bolksstiitk bau Karl Morre.— Der Darsteller der Titelrolle trug ein Couplet vor, dessen Refrain in der Behauptung bestand, daß die Welt ein Narreichaus sc». Als sich nach der letzten Strophe der Beifall nicht legen»vollte, improvisierte er— so schien es mir wenigstens— eine neue Strophe, in der er alle ins NarrenhanS verwies, die das Volksftücl tot»nid ab- gcthan»vähiien. In der That war die Situation auch ganz eigentmnlich»nid wohl geeignet, einein die Unverwüstlich- teil des„Bolksstücks" zun» Betvusttsein zu bringen. Nach Geist»md Inhalt waren Stück und Publik»»»» durch eine Welt getrennt. Auf der Bühne sah»»an gelegentlich eine Unterwürfigkeit der Armut, die die Grenzen des ästhetisch Zulässigen zu' überschreiten drohte— und in» Parqnctt sasten moderne Arbeiter, die von dieser Auf- fassnng glücklichertvcise hinnneltveit entfernt sind, Trotzdcn« aber schlug das Stück durch. Man lachte,»var erschrocken, gerührt, empört— ganz»vir der Dichter es wollte. DaS»vird zun» grösttcu Teil der Naivetät des Bollsstücks zuzuschreiben sein, von der»vir bereits einmal an dieser Stelle sprachen. Ein midres Moment kommt aber vielleicht Hinz»»— die Freude an» Hoffen. Die Hoffnung lägt sich nicht uinbringen,»»»ciiit Franz Moor, der die Mcnschcnhcrzen leidlich kannte, Die Hoffnung auf den Sieg des Guten, die in» Volksstück ja immer wach gehalten»vird. scheint »virklich die heutige Generation ebenso sehr zu beglücken, Ivie die voranfgcgangcnc, lind dann der Jubel,»venu die Hoffnnng zur fröhlichen Gelviszheit»vird. Man»veiff genau, dast die totgeglaubtc Tochter, um die der Vater jamincrt, hintern» Busch steht. Wenn sie aber hervortritt, freut»nan sich, als»vcnn»na» ein litönigreich geschenkt erhalten hätte. In allen Volksstücken kann»»an dieselbe Erfahrmig inachen.. Man freut sich,»venu der Onkel anS Amerika kommt, oder lvenn der schlechte Mann, der eigentlich gar nicht schlecht ist, seilt Herz entdeckt, oder»venu sonst ctivaS cintrisft, das gar nicht ans- bleiben konnte. Ob cS einmal gelingen wird, diese unerschöpfliche Naivetät der Kunst dienstbar zll mächen? lind ob»vir dann zu einer Volkskmist großeil Slils gelangen lverdcn i Die Hoffnung läßt sich nicht»iinbringen. J>n Grunde ist Vs Rulle rl� kein gutes Stück. Die Er- inncrungen an die glänzenden Stunden, die»nan bei Anzcngrubcr verbracht hat. kominc» allzu lebhaft und lassen das Gebotene arn» erscheinen. Die Charakteristik, aiich in der besten Gestalt, streift mitunter die Karikatur. Die Sentimentalität ist schivcr erträglich und die Handknng ist alt und tausendfach bekannt. Ein starrköpfiger Bauer will nicht, daß seine Tochter einen Knecht heiratet; sie kriegt ihn aber schließlich doch. ES ist indessen.Poesie in den» Stück, nicht viel, nur ein ganz matter Souneiischei», aber genug, um sich daran zu freuen, lind dann hat eS, wie alle Volks stücke, eine große,»vcrtvolle, unschätzbare Eigenschaft: Es korrumpiert daS Pitbliln»» nicht, Blnmeuthal korrninpiert, weil er selbst litterarisch korrupt ist, DaS naive Volks- stück läßt anck» daS Publikum naiv bleiben.— Die Anffnhrnng unter Mo est s Regie war gut. Zunächst »niifsen Z i l z e r, 3»» k e r»» a»»» und I w a l d genannt»verde», Dam» aber vor allen Dingen Gisela I Urberg, die in der Rolle der Gabi die. beste und feinste Leistung bot. Unendlich»niltel- mäßig»var Herr S i e d e r. und Marie C a ß in a n n übertrieb mit schaudererregender Geistlosigkeit. Warum hat Herr Moest ihr das Handtverk nicht gelegt?— E. S. JsuS dein Tierleben. � Nutzen und Schaden der Vögel. Während der Laie die Singvögel für durchaus nützlich, die,»eisten andren für durchaus schädlich halt. habe» in ucncsler Zeit»ameliffüb italienische und slawische Schriftsteller alle» Vögeln de» Krieg erklärt mit der Vc- gründuiig, daß sie, Ivo nicht direkt, so doch indirekt durch Vertilgen der Vmulivoniicher Reoocieur; Pnnt Jotzn m Berti» nützliche» Insekte» schadeie» Die Wahrheit kann naliirlich mir durch genaue»visieiischaftliche Untersnchlivgeil festgestellt tverdcn, iianicntlia» durch Magenuntersnchlnigci!. G, Rörig hat nun. tvie die„llmschau" (Fraiikfiirt a, M,> berichtet. ein reiches statistisches Material an- gesammelt und zieht ans den Ergebniffen folgende Scblüffe: Es ist nicht nur wichtig, festzustellen, was ein Vogel frißt, sondern auch wieviel, und wie er die Nahrung gewinnt: Die Spechte schaden z. B, durch ihr Behacke» der Bäume mehr als sie durch Insekten- Vertilgung nütze«: ferner ob er sie verdaut: ein Vogel der Unkraut- saineu frißt, tau»» durch ihre Verbreitung schädlich»verde»,»venu er sie nicht auch verdaut. ES»st in Rücksicht.;»» ziehen, ivie eine Bogclart sich zn andren verhält: der Spatz verdrängt die Meisen und Schivalbe»: ferner ob sie selbst oder ihre Eier als Nahrung dienen. Ein Vogel kann zeitiveise schädlich sein, ivie der Star zur Tranbenreife. dennoch in» allgemeinen aber nützlich. Ein Vogel kann»ützlichc Insekten fressen, ohne direkt schädlich zu sein. »venu diese»it. großen Mengen vorhanden sind»nid er sie nicht niasseuhaft vertilgt. In» allgemeine» verzehren aber die Vögel nur sehr»venigc nützliche Insekte», besonders»veiiig von den»iitzlichfien derselben, de» Schlupfwespen und-Fliegen, den»vichtiasten Helfen» bei der Bekämpfmig der massenhaft anftretcnden schädlichen Insekten, Auf Grund dieser Betrachtiiiigen»md der Ilntersnchnng von 1755 Bogel- magen bestätigt Rörig, daß. Eulen, Bilffarde, T»n»ifnlken und Kuckuck sehr nützlich, Vlanrabe, Pirol, Storch nütztich sind, daß bei Krähen. Dohle»» und Star der Nutzen übcrivicgt, bei den Würgern der Schaden, und daß Sperber. Habicht, die übrigen Falke», Elster. Eichelhäher»ud Eisbogel schädlich, zim» Teil sogar sehr schädlich sind.— HninoristischeS. Qualifikation. E r st e r Referendar:„WaS ist eigeiitlt'ch der Kollege Mäher für ein Mensch?" Zweiter Referendar:„So ein Dutzend- und ein Durch- schliittSinciischr" E r sler Rcfcreudar:„Der Glückliche, da Ivird er sicher Richter'."— — S e i»l S e h n e 11, Frau: ,. Vierhundert Mark hast Du für den Hund gegeben V Ist er daS mich wert?" Nengca delter Bankier:„Weißt Du. Rosalie, so einen Stamurbaum möcht' ich haben, ivie der!"— („Lust, Bt.") Notizen. — Im Berliner O p c r 11 h a n s e ist eine neue einaktige kölnische Oper von E r i k M c y e r- H c l m»1 11 d zur Aufführung angenommen, DaS Werk heißt„Trischka": das Libretto ist nach den» bekannten älteren Stück„Die Tänzerin auf Reisen" von den» Koinponisten verfaßt,— — An den» Gastspiel der„ S c c c s s i 0 n s b ü h n e" in Wie n »verde»» mich Ehr» stia us, Frl. Rk a y b n r g und Frau Berkens sich beteiligen.— — Das Wiener Bnrgtheater hat das Schauspiel„Frei- l i eh t" von Georg 0t e i ck e zur Anffnhrnng a»geno>»»nen,— — In» Nachlaß von Johann Strauß fand ein Mitarbeiter der„N, Fr, Pr." außer reichem Material für eine große Operette, Operettcil-NiUimicrn u, a, cme Mappe mit acht Walzerpnrtien, jede vier Rmninern stark, vollständig iilstrumeutiert, ferner eine Reihe von Walzerpartien,»velchc zu»» Teil nicht vollständig, teils gar nicht instrnnientiert sind. Auch für Jiitrodnkliouen zu diese» Walzern fanden sich nicht wenige Motive vor,— — Ein ncueS gcrmmiistisches Fachblatt„Zeitschrift für deutsche Wortforschung" gicbt Prof, Dr. Friedrich Kluge (Freibnrgt seit dem 1. April in» Verlag von Karl I, Trübner in Slraßbnrg heraus.— t. lieber da« T e st a»n e» t deS unlängst verstorbenen berühmten Physikers HugheS»vird berichtet. daß der größere Teil de« Vermögens vier Londoner Krankenhäusern zufallen ivird, die etlva ll bis 8 Millionen Mark bekommen tverden. Mit den betreffenden Krankenhäusern sind ärztliche Schulei» verbunden. Ferner vermachte HugheS unter andren» der„Royal Society" in London und der Pariser„Akademie der Wissenschaften" je 80 009 Mark zur Stiftung von Preisen für originale Entdeckungen i» de» physikalischen Wisjenschafteii, besonders in Elektricität und Magnetismus.— — In der Bibliothek des B r i t i s ch e 11 M»1 s e u m S erregt die Platzfragc große Besorgnis. Da alle in England er- scheinenden Zeitungen seit 1897 Pflichtexemplare an die Bibliothek abgeben müsse», hat sich eine ungeheure Masse von Zcitnngen in» Britischen Museum aufgestapelt. Die Londoner Zcitnngen allein er- strecken sich über eine Länge von 900 Meter, während man fast fünf Kilometer zurücklegen muß.»nn den Olann» abzugehen, der den übrigen Zeitnngci»(englische Provinzialzeitmigcn»md ausländische Blätter) ziigewicsen isi. Wie cS heißt, soll dem Parlament ein Gesetzesvorschlag vorgelegt»verde», durch daS die lleberschweinnmng des MuseumS»uit alle»» englischen Zeitungen ein tveing eingedämmt werden soll.—_ . Druck uuo Besag vs» Mar Babing m Berlin,-