Hnterhaltungsblatt des Worwärts Nr. 86. Freitag, den 4. Mai. 1300 (Nachdwck verboten.) 20] Attfeepkehnng. Roinan von Leo T o l st o j. „Jcjzt kommt die Entscheidung", dachte Nechljudoiv.»Wie soll ich sie rufen? Oder kommt sie von selbst?" Aber von selbst kam sie nicht. Sie ivartcte auf Klara und dachte gar nicht daran, daß dieser Mann zu ihr wollte. »Wen wünschen Sie?" fragte die Aufseherin zwischen den Netzen und trat an Nechljndow heran. »Katerina Maslowa," konnte Nechljndow kaum heraus bringen. »Maslowa, jemand zu Dir!" rief die Aufseherin. Die Maslowa sah sich um, erhob den Kopf, drängte die Brust heraus und trat mit dem ihm bekannten Arrsdruck der Bereitwilligkeit an daS Gitter, indem sie sich zwischen zwei Gefangnen hindurchdrängte. Sie sah Nechljndow erstaunt fragend an, aber erkannte ihn nicht wieder. Doch als sie an der Kleidung einen reichen Herrn in ihm crkanrite, lächelte sie. »Was wolle» Sie?" sagte sie, ihr lächelndes Gesicht mit schielenden Augen dem Gitter»äherird. „Ich wollte sehen.. Nechljndow wußte nicht, ob er „Sie" oder„Dich" sagen sollte, und entschloß sich,„Sie" zu sagen. Er sprach nicht lauter als gewöhnlich:„Ich wollte Sie sehen... ich..." „Ned mir keine Flausen vor!" schrie der ZerlnniPte neben ihm.„Hast es geuommcn oder nicht?" „Sie stirbt ganz ab, ist so schlvach.. schrie jemand auf der andern Seite. Die Maslowa konnte nicht uuäcrfchcidcn, was Ncchljudow sagte, aber sein Gesichtsausdrrick, während er sprach, erinnerte sie plötzlich an etwas, woran sie nicht erinirert sein wollte. Und das Lächeln Vcrschtvand von ihrem Gesicht und auf der Stirn bildete sich eine Kummerfaite. „Ich höre nicht, was Sie s.rgen!" schrie sie, die Auge» znsamiiienkneifcnd und mehr und mehr die Stirn runzelnd. „Ich bin gckommerr.. »Ja. ich thrre, was ich ranch, ich ihre Vnße." dachte Nechljudoiv. llird solvie er daS dachte, traten ihm Thränen in die Augen, drangen in den Hals, und er klammerte sich mit den Fingern an das Gitter nnd verstimmite und nahnr sich gewaltsam znsammcn, um nicht in Schluchzen auszu- brechen. »Wärst Du gesund, wäre ich nicht gekommen!" schrie je- nrand auf der ander» Seite. „Glaub an Gott, ich w-ciß von gar nichts!" schrie eine Gefangne auf der andern Seite. Die Maslowa sah sei ne Erregung, nnd dieselbe teilte sich ihr mit; ihre Augen brannte», Nöte trat in Flecken auf den weißen, vollen Wange»» hervor; aber ihr Gesicht blieb strenge, ' und die schrägen Aug eu starrten an ihm vorbei. „Aehnlich, aber ich erkenne Dich nicht!" rief sie. „Ich bin gekommen, um Dich um Verzeihung zn bitten!" rief er mit law. er Stimnie, ohne Vetounng, wie eine auswendig gelernte Lektion. Als er diese Worte gerufen hatte, schämte er sich rmd sah sich um. Aber sofort kam ihm der Gedanke, daß wenn cr sich schtänie, das um so besser sei, weil er Schande trage» müßte. Und er fuhr laut fort: --Ich habe schlecht, häßlich gehandelt, verzeih mir I" rief er w.eiter. Sie stand uubelvcglich und ließ ihren schrägen Blick »licht von ihm. Er konnte nicht weiter sprechen nnd trat vom Gitter zurück, indem er sich Mühe gab, das Schluchzen zu Verhalten, welches seine Brust hob und senkte. Ein Inspektor, derselbe, der Nechljndow in die Frauenabteilung geschickt hatte und sich augenscheinlich für ihn interessierte, kam in diese Abteilung, und als er Nechljndow nicht am Gitter sah, fragte er, warum cr nicht mit der spräche, die er zu sehen wünschte. Ncchljudow schnupfte sich ans, schüttelte sich und erwiderte, bemüht, ein ruhiges Aussehen zu haben: »Ich kann nicht durch das Gitter sprechen, man kann nichts hören." Der Inspektor überlegte. »Nun, man kann sie einen Augenblick hierher hinaus- bringen. Maria Karlowna", wandte er sich an die Aufseherin, „führen Sie die Maslowa heraus!" Einnndvierzigstes Kapitel. Einen Augenblick darauf trat aus einer Seitcuthür die Maslowa. Sie trat mit weichen Schritten dicht an Nechljndow heran mrd sah ihn finster an. Ihr schwarzes Haar hatte sich gerade wie vorgestern in krausen Ringeln gelöst: ihr un- gesundes, angeschwollenes, Weißes Gesicht war lieblich anzu- sehen und vollständig ruhig: nur die glänzend schwarzen, schrägen Augen leuchteten unter den geschwollenen Lidern besonders hell. »Hier können Sie sie sprechen", sagte der Inspektor und trat fort. Nechljndow beivegte sich zu einer Bank, die an der Wand stand. Die Maslowa schaute fragend auf den Gehilfen des Inspektors, zuckte tvie voll Verwunderung die Achseln und trat hinter Nechljndow zu der Bank und setzte sich neben ihn. indeni sie ihren Kleiderrock ordnete. „Ich weiß, daß es Ihnen schwer wird, mir zu verzeihen," begann Nechljndow und hielt wieder inne, da er fühlte, daß Thrqnetl ihn hinderten,„aber wenn ich schon die Vergangen- heit nicht wieder gut machen kann, so will ich jetzt doch alles thun, was ich kamt. Sagen Sie.. »Me haben Sie mich aufgefunden?" fragte sie, ohne auf seine Frage zu anüvorten, und sah ihn mit ihren schrägen Auge» abwechselnd an und nicht au. „Herrgott! Hilf mir I Belehre niich, was ich thun soll." sagte sich Nechljudotv. indem er in ihr jetzt so verändertes Gesicht sah. „Ich war vorgestern Geschworner." sagte er,„als man Sie verurteilt hat. Haben Sie»nch nicht iviedererkannt?" „Nein, das habe ich nicht. Ich hatte keine Zeit zum Wiedererkennen und habe auch nicht hingesehen," ant- wartete sie. „Sie haben ein Kiill) gehabt?" fragte cr und fühlte, wie sei» Gesicht rot wurde. „Das ist damals, Gott sei Tank, gestorben", erwiderte sie kurz und böse den Blick von ihm abiv endend. „Wie denn,»voran?" „Ich»var selber krank und wäre beinahe gestorben," sagte sie, ohne die Augen anfzuschlagen. „Wie, haben die Tauten Sie entlassen?" „Wer wird denn ein Dienstmädchen mit einem Kinde behalten? Als sie es bemerkten, haben sie mich forgcjagt. Was ist da noch zu reden, ich weiß nichts mehr, habe alles ver- gesseu. Ist ja alles zu Ende." „Nein, ist nicht zu Ende. Ich kann es so nicht lassen. Ich will wenigstens jetzt meine Schuld abbüßen." »Da ist nichts abzubüßen; was war, das war und ist vergangen," sagte sie nnd blickte ihn, was er durchaus nicht erwartet hatte. Plötzlich unangenehm verführerisch»lud klüglich lächelnd an. Die Maslowa hatte nicht geglaubt, ihn wiederzusehen. namentlich nicht jetzt und hier, und deswegen»»achte fein Erscheinen sie im ersten Augenblick betroffen mrd zwang sie, sich au etwas zu erinnern, worair sie niemals gedacht hatte. Sie erinnerte sich im ersten Augenblick dunkel an die neue, wunderbare Gefühls- rmd Gedankenwelt, die ihr von den» reizenden jungen Mann eröffnet worden»var, der sie liebte mrd von ihr geliebt wurde; aber darin dachte sie an seine unverständliche Grausamkeit mrd die ganze Reihe Demütigungen uird Leiden, die auf dieses zauberhafte Glück gefolgt und aus ihm errtsprungen»varen. Und ihr»vurde weh. Aber da sie nicht die Kraft besaß, hiermit fertig zu»Verden, ver- fuhr sie mich jetzt, wie sie imvrer verfuhr: trieb diese Er- iuueruirgeu von sich»uid bemühte sich, sie mit dem Uebel eines liederlichen Lebens zn verdecken. Im ersten Augenblick hatte sie den vor ihr sitzenden Mann mit dem Jüngling zusamureu- gethan, den sie eilist geliebt; aber als sie dairn sah, daß das allzu schmerzhaft sei, hörte sie auf, ihn mit jenem zusamnrerr zn thun. Jetzt war dieser sauber gekeidetc. sorgsam gepflegte Herr mit parfümiertem Barte nicht der Nechlmtzirtp, -.'.;- 3' sie gdicH �aitc, sondcni mir einer von den Mäiinem, die»ach Gefallen solche Wesen ivie sie bemchteu, und die von solchen Wesen wie sie ebenfalls möglichst vorteilhaft ausgemcht werden nnchten. Deswegen lächelte sie ihm verführerisch zu. Sie schwieg einen Augenblick und dachte nach, welche» Gebranch sie von ihm machen könnte. „Es ist doch alles zu Ende," sagte sie.„Jeht haben sie mich sogar zu Zwangsarbeit verurteilt." Und ihre Lippen zitterten, als sie dieses schreckliche Wort aussprach. „Ich wußte,- ich>var überzeugt, daß Sie unschuldig wären," sagte Nechlsndow. „Sicher bin ich unschuldig. Wie kann ich eine Diebin oder Räuberin sein." „Es heißt bei uns, daß alles von dem Advokaten kommt," fuhr sie fort.„Es heißt, man müsse ein Vittgesuch einreichen. Nur soll das teuer sein..." „Ja. sicherlich." sagte Nechljudow.„Ich habe mich schon an einen Advokaten gewandt." „Man muß sich das Geld für einen guten Advokaten nicht leid thun lassen," sagte sie. „Ich thue alles, was möglich ist." Es trat Schweigen ein. Sie lächelte Plötzlich wieder ebenso. „Und ich möchte'" Sie um... Geld bitten, wenn Sie können. Etwas... zehn Rubel," sagte sie plötzlich. „Ja, ja." meinte Nechljudow verwirrt und griff nach seiner Brieftasche. Sie schaute schnell nach dem Inspektor hin, der in der Zelle auf und ab schritt. „Geben Sie es nicht so, daß er es sieht," sagte sie,„son- dern wenn er weggeht; sonst nimmt man es mir ab." Nechljudow holte seine Brieftasche heraus, sobald der Inspektor umkehrte, hatte ihr aber den Zehnnibelschein noch nicht übergeben können, als der Inspektor sich wieder mit dein Gesicht zu ihnen umwandte. Er drückte das Geld in der Hand zusammen. Sie ist doch ein verlornes Weib, dachte Nechljudow, indem er dieses einst liebe, setzt garstig dicke Gesicht mit glänzenden, unangenehm glänzenden, schwarzen, schielenden Augen sah. die dem Inspektor und der Hand Nechljndows mit dein zusammengedrückten Schein folgten. Wieder begann der Bersucher, der gestern nacht gesprochen, in Nechljudows Seele zu reden; er bemühte sich, wie immer, ihn von der Frage nach dem, was er thnn müsse, zu der- jenigen hinüberzuleiten, was aus seiner Handlungsweise her- vorginge und was nutzbringend sei. „Du richtest nichts mit diesem Weibe aus." sagte jene Stimme,„hängst Dir nur einen Stein an den Hals, der Dich ertränkt und Dich hindert, andern nützlich zu sein..... Soll ich ihr Geld geben, alles was ich habe, mich von ihr verab- schieden und alles für immer beenden?" dachte er. Aber da fühlte er auch schon, daß sich jetzt sofort etwas kehr Wichtiges in seiner Seele vollzöge, daß sein inneres Leben in dieser Minute gleichsam ans der Wngschale läge, die durch die geringste. Anstrengung nach dieser oder jener Seite hinuntergezogen werden könnte. Und cr machte diese An- strengung und. rief den Gott an, den er gestern in seiner Seele gespürt hatte, und Gott antwortete sofort in ihm. Er cntschlöß sich, ihr sofort alles zu sagen. „Katjnscha! Ich bin gekommen, um Dich um Verzeihung zu bitten, aber Du hast nur nicht geantwortet; hast Tu mir verziehen, wirst Du mir jemals verzeihen?" sagte er, plötzlich znm„Du" übergehend.' Sie hörte ihn nicht, sondern sah bald auf seine Hand, bald auf den Inspektor. Als der Inspektor sich umwandte, streckte sie schnell die Hände»ach Nechljudow aus, ergriff den Schein und steckte ihn hinter den Gürtel. „Wunderbar, wie Sie reden," sagte sie, lvie ihm schien, mit verächtlichem Lächeln. Nechljudow fühlte, daß in ihr etwas sei, daß ihm geradezu feindlich war, das sie als solche verteidigte, welche sie jetzt war, und das ihn hinderte, bis zu ihrem Herzen durch- zudringen. Aber lminderbamwcise stieß ihn das nicht ab, sondern zog ihn noch niehr mit einer besonderen neuen Macht zu ihr hin. Er fühlte, daß er sie geistig erwecken müsse, daß das furchtbar schwer fei,— aber gerade die Schwierigkeit der Aufgabe zog ihn an. Er. empfand jetzt ein Gefühl für sie, wie er niemals früher für sie/ noch für jemand anders empfunden hatte, und in.dem nichts Persönliches enthalten war: er wünschte sich nichts von ihr. sondern sivi'nischke nur daß sie aufhörte, so zu sein, wie sie jetzt war, daß sie erwachte und wieder so wurde, wie sie früher gewesen war. „Katjuscha, warum sprichst Du so? Ich kenne Dich doch, weiß, wie Du damals in Panowo warst..." Aber sie ergab sich nicht, wollte sich nicht ergeben. „Wozu an alte Sachen erinnern?" sagte sie trocken und runzelte die Stirn noch stärker. „Ich erinnere deshalb daran, um mein Vergehen wieder gut zu machen und zu bereuen. Katjnscha," begann er und wollte davon sprechen, daß er sie heiraten würde, aber da begegnete er ihrem Blick und las in ihm etwas so Schreck- liches und Rohes, Abstoßeudes, daß er nicht zu Ende reden konnte._(Fortsetzung folgt.) Aus dcL mullftuUfcheu Tvoche. Der deutsche Litteratiirfrennd, der England in England sell'er kennen lernen will, hat sich durch manche Enttäiischuiigen durch- zuschlagen. Kanin eine von ihnen dürfte ihm so unerwartet kommen wie die dortige Pflege Shakespeares. Von daheim ans gewöhnt an eine in Leisings Traditionen groß gewordene intensive Veschästigung mit de» Dramen des halb mtzsteriösen Dichters aus dem„lnsiigeu alten England," die sich Mühe giedt, die tiefe Kunst des Menschen- kennerS nnd des dichterischen Historikers und Philosophen ans- znichöpfe», gerät er vor eine weit weniger intensive und Pietät- volle Beschästignng mit den Dramen des Nationaldichters. die vor allem das Schauspiel im Sin» des AuSstattmigS- stnckeS pflegt nnd eS so viel nur möglich durchsetzt mit Singsang nnd mit Tanz oder wenigstens mit tänzelnden Bewegimgen. Der Zuschauer scheint am besriedigtesten zn sei», wenn ein im Stück vor« kommender Königshof ausgestaltet ist mit einem Chor von „sinAsonA-Zstis«, die ein Lied singen, wie es auch die„Halleluja- weider" der Heilsarmee leiern könnte», nnd die dazu obligaten Vallellbewegimgen mache»; nnd der Narr ist erst recht der Träger närrischer Lieder und tänzelnder Geste». Von Shakespeares tragi- schein Humor, der das innerste Reh mit groteSkostem Scherz zu vereinigen weiß, weiß dnS„Instige Jnng-England" das Ergebnis ist— ein Gastspiel deS E e rr t r a l- T h e a t c r S in /rricirt Hans mit einer so im- gefähr neu ansgestatteten Darbietung der�„Geisha". Ich weiß nicht, welche Nnmmernfolge bei andern Auffüh rnugen eingehalten wird, weiß nur, daß sie eine andre war als die des saloppen Textbuches, für das man seine'50 Pfennig zahlen durfte. Ich weiß auch nicht, ob sonstwo in Denlschland die dankbarste Eigeirschast solcher Stücke und fpectcH dieses: die Gelegenheit, viel, viel Grazie zu entfalten, genügend arisgeiiutzt wird; hier dürfte dieses Verdienst in der Haupt- fache— vielleicht noch Mary Hagen eingeschlosien— auf M i a Werber beschränkt bleiben, die einem mit ihr rrn anmutigen, anSdtricksvolleir Spiel, mit ihrem silberhellen uair.n Sprechen. Lachen nnd Singen und mit ihren schrillen Döllen nnd manchmal geradezu herausgekrachten Vokalen so viel Friü'ide nnd Bedänern erweckt, daß man sie am liebsten ohne weiteres fap'en nnd zur Arrsbessenrna ihrer GesangSkunst zum Professor Hey»'ragen möchte. Ich weiß auch nicht, Ivie weit die„Geisha" bei man.chen als ein Fortschritt der Operelte gilt. Meint man damit«ine Uebr/r- legenheit über den„Mikado", so mag dies von ihrer zartere», kunstvollere» Musik'immerhin gelte»; meiiit man daprit eine Vorstufe zn der in Andrans„Puppe" erreichten Höhe, so thnt man diesem Welk und seinem so gut mnsikalisch-dramatischen Aufban entschieden Urt- recht. Hier ein Ganzes, dort die Znsammenstnckelriiig. Indessen paßt diese Auffrischniig eines Stiickelwerks immerhin in die gegenwärtige Jahreszeit. Die großen ganz eigens kiiiisilerischen Darbielnngcn und die, so den Schein solcher einhalten müssen, sind vorüber. Nun füllen die ruhigere Zeit einzelne Speeialiläten a»S. Iii regelmäßigem Zug ziehen die altgewohnten Orgelloiizerte ihre Bahn weiter, Stückchen an Stückchen reihend, rirrd die Konservatorien lassen ihre Ltekrutenarmee» ans die Freunde und Agentejr loS; beide Galiimgen für gewöhnlich fein Gcgenstnnd imficS Nefernts. weint wir' uns auch für hier und da ein Herausholen besonders charakteristischer Leistnngen vorbehalten. Wichtiger sind uns schon die Beftrebnngen mancher Vereine, die von ihnen begünstigten Novi- täten und Ausgrabungen in dieser stilleren Zeit zur Geltung zu bringen; nieist Werke oder Gruppen von solchen, die nicht so ohne weiteres durch sich selber wirken und die meist noch speciell mit dem Flnch der Kunterbnnihcit beladen sind. Dafür Ivar in den letzten Tagen ein Hanptbeispiel das., D r e i z e h n l i n d e n- F e st s p i e l". Wer Friedrich Wilhelm Webers allgemein gepriesenes EpoS »Dreizchnliudeu"(zuerst 1878 erschienen) nicht kennt, wird vielleicht doch von der Ansnütznng dieses parteilos un- schuldigen Werks durch ultramontane Parteitrciberei gehört haben. Nun haben vor etwa drei Jahren zwei' sonst anscheinend unbekannte Komponisten daraus ein Festspiel gemacht: Maria von Arndts vertonte eine Reihe von Liedern aus dem Epos, und Karl Paust gab das übrige, insbesondre Chöre, dazu. Ansterdem wurde eine verbindende Deklamation zurechtgeschnittc» und ei» Chklus„lebender Bilder" eingefügt. Sonst nichts! Man must schon bei einem Melodram—'also bei �Deklamation mit Musik— ei» gut Stück Selbstverleugnung haben, um sich in eine solche Kombination hineinzufinden; ivie viel mehr erst hier, wo ma r voin Lied ins Sprechwort, von diesem zum Chor, von da zum lebenden Bild geworfen wird, und Ivo der Zusammenhang bald Lücken hat, bald manches auf zwei oder drei Wegen vorführt, das Bild einmal vor, einmal nach der deklamatorischen oder singenden Interpretation. Die Musik bringt manches hübsch Melodiöse, viel LeiennästigeS und Liedertafelartiges, manches, das zu der bekannten Frage reizt:„Woraus ist denn das mir? I", viel mechanische Imitationen und taktsklavische falsche Accente, und endlich überaus wenig gegensätzliche Charakterisierungen: Episches und Lyrisches, Rede» und Gegenreden und Berichte gehen recht gleichmästig durcheinander. Das Wohlgefallen, das ein solches— nicht Gesamtkunstwerk, sonder» Sammclkunstlvcrk bei persönlich Interessierten zu erwecken pflegt, ist eine ganz gefährliche Sache: es täuscht über die Minderwertigkeit des Ganze» wie des Einzelnen hinweg und stumpft gegen' künstlerische Forderungen ab. Den deklamatorische» Teil besorgte Fräulein Aruanld nnt viel Geschick des Tons und Ausdrucks, wenn auch manchmal ein Abschnappen der letzten Vcrssilben, einige unrichtige Klänge wie„drabb" statt„drob" und manche unpassende Wortbetonnng störten. Neben dem an solchen Anfführnnge» häufig beteiligten' bekannten Sänger Heine- mann fiel die Altistin Frl. Rintelen doch etwas ab. Auch der letzte Vortragsabend des„Verbands zur Förde- rung des deutschen Schrifttuurs" war, zumal in An- betracht seines Programmtitels„Moderne K o m p o n i st e n", ein Stück- und Stückelwerk. Zwar was ein so längst bekannter und geschätzter Tonkünstler wie Wilhelm Berg er darbot, zeugte durchaus von cinein bcträchtlickicn Können und stach gegen die vor« hergegangenen Kompositionc» Jüngerer insbesondere durch eine grostc Geschicklichkeit und durch einen Reichtum der Licderbeglcitungen her« vor. Allein die Einrcihnng unter„modern" war doch irreführend; und was mein liebenswürdiger Nachbar aus deiii Land der Bcrgerianer mir von Melodie und von Vielseitigkeit und Bescheidenheit des Künstlers sagte, konnte mich für diese Lieder doch nicht so erwärmen, dag ich etwas besonderes dabei gefühlt und das Effektartige des„Mich friert" nur auf das geschoben hätte, was der Tenorist Syburg— mit einer guten Gesaugstcchnit— dabei an Force aufgeboten hat. Da- gegen fielen mir liier von Berger selbst vorgetragene Klavierstücke vorwiegend phantasicrcichcn Charakters als interessant und dankbar und als über bloste Geschicklichkeit binanSIiegend ans. Von den übrigen Begünstigten des Abends mustte ich die Nanien Schnitze- B i e s a n tz. E i ch b e r g, E i ch b e r g- W e ru. e ck und Fuhr- "m e i st er der unabsehbar späten Zeit opfern; was ich noch hörte, waren drei Lieder von Ganz, die über eine modern verkappte Sentimentalität nicht recht hinauskamen, und vier von R o t h st e i n, � die wenigstens mehr Temperament zeigten. Zu diesen pastte die Sängerin Frl. Schot recht gut; doch störte, die Znsanunensetznng ihrer Stimme aus dünnen uiid vollen Registern.— sz. Kleines IseuMelon- — Vom Wiener Vnrgthcatcr. In einem Wiener Theater- bricf des„V. T." stand jüngst zu lesen:„... Die Hauptstützen der Bühne(Burgthcater) sind eben schon zu morsch. Die eine Gröste bedarf vieler Wochen, um eine lliolle auswendig lernen zu können, die andre, will überhaupt nichts mehr lernen. Der bernfsmästige Charmeilr leidet am Zipperlein. die Darstellerin der ver- . führcrischcn jungen Witwen hat Schwindelzustäiide.und Blut- ' Wallungen zum Kopf, die Naive muß sich ein neues Gebiß ' einsetzen lassen und blciht unsichtbar, bis es fertig geworden. Besonders angenehm mag ein solcher Thcaterfcldzng mit einem Heere, das auf der Bühne immer noch jung erscheinen möchte, in , Wahrheit aber aus Invaliden besteht, nicht sein____ Einige Tage später schrieb in der„N. Fr. Pr." Ludwig Speidel über den jetzt nach .Hamburg geheudeir Alfred Freiherr v. Berg er:„Es-giebt in Wien keinen Mann, der das Burgtheater so genau kennt wie Baron Berger, auch keinen, den Einsicht, Bildung und Erfahrung so sehr be- fähigen, das Burgtheater zn leiten. Cr ist ein Wiener Kind, aufgewachsen in den Ncbcrliefcrnnge» des Bnrgthcaters, und durch seine Stellung begünstigt gewesen, arbeitend und beobachtend in alle'EfgentümIichkeittii' und Geheimnisse des Instituts einzudringen. Das hat auch August Förster gewußt und gewürdigt, der ihn stets als seinen legitimen Nachfolger betrachtet hat."— In Wiener Litteratur-Kaffechäusern kursiert folgende Geschichte: Ein junger Tiroler Dichter hat ein Stück geschrieben und dem Bnrgtheater eingereicht. Das Stück hat bloß einen Akt und wäre in einer halben Stunde zn erledigen. Aber im Bnrgtheater niacht man alles gründlich. So gründlich, daß unser Dichter wochenlang ohne Nachricht bleibt. Sein Werk ist inzwischen im Buchhandel erschienen und hat durch seine knappe, wahrhafte und eindringliche Weise Aufsehen ge- niacht. Im Deutschen Volksiheater hört man davon, ist nicht lange„gründlich", sondern nimmt es zur Ausführung an. In allen Zeitungen wird das mitgeteilt. Da bekommt der Dichter auf einmal vom Direktor des Burgtheatcrs die Ein- ladnng, ihn doch in seiner Kanzlei zu besuchen. Er geht neugierig hin, der Direktor empfängt ihn sehr feierlich und sagt:„Nim, ich habe Ihr Stück gelesen und kann Ihnen die angenehme Mitteilung machen, daß ich nicht abgeneigt bin, es zur Annahme in Aussicht zn nehmen!" Der Dichter sieht überrascht ans und fängt zu lachen an. Der Direktor wundert sich und schaut.„Aber, Herr Direktor", ruft der Dichter aus,„mein Stück ist seit drei Wochen im Volks- theatcr angenommen— in welcher Welt leben Sie denn, daß Sie das nicht wissen?" Mit Würde versetzt der Direktor:„Ich lese keine Zeitungen l"— Litterarisches. c. Der kitterarische Geschmack i n A m e r i k a. Die Amerikaner haben ein erstaunliches Bedürfnis nach neuen Romanen. Es vergeht kaum- ein Monat, in dem nicht ei» neuer Schriftsteller sich die Gunst des Publikums erringt und einen Absatz findet, der die Autoren andrer Länder mit Neid erfüllen könnte. Das letzte derartige Beispiel ist der Roman„Dtuz Gentleman frorn Indiana" von Booth Tarkington. Seine beständig wachsende Popularität wird in folgender Tabelle veranschaulicht, die der„Boston Traascript" verösjentlicht; 4067 Exemplare wurden im Monat November verkauft, 8403 weitere Exemplare im Monat Dezember, 13 015 Exemplare im Januar. 17 703 Exemplare im Februar. 22 040 Exemplare im März. Inder erste» lviärzwoche wurden allein über 0000 Exemplare abgesetzt. Am erfolg- reichsten ist aber in Amerika jetzt der historische Roman, der in Hnnderttansenden von Exemplaren verkauft wird. Der New Uorker „Coimucrcial Advcrtiscr" kann den jungen amerikanischen Schrift- stellcrn keinen besseren Rat geben, als historische Romane zuschreiben; denn das ist jetzt das cinträglichstc Geschäft. Dieses fachkundige Blatt giebt den Schriftstellern einige„Anweisungen", wie man am besten beim Schreiben dieser Romane dem litterarischcn„Geschmack" des amerikanischen Publikums gerecht wird. Das Blatt schreibt: „Jeder Mensch mit etnais litterarischer Begabung und einer Fähigkeit zur Kompilation hat auf diesem Gebiet große Aussicht auf Erfolg. Die Kritiken sind milde und das Publikum wohlwollend, und es giebt viele Leute, die immer sagen, der fünfte historische Roman wäre besser als die früheren vier, und der sechste Noch Wunderboller. Dabei ist es eine Arbeit, die systematisch gemacht werden kann und an die Schöpferkraft ver- hältnismäßig leichte Anforderungen stellt. Es ist ein gutes, klares Geschäft, in dem das Material fertig zur Hand liegt. Der eine Teil besteht darin, gewisse wohlerprobte Eigentümlichkeiten auf eine neue Art zu arrangieren, und einige Teile könnten beinahe ans Sub- kontrakt ausgeliehen werden. Fast jeder wird bald fähig sein, die George Wajhington-Sccnen zu handhaben und Duelle werden bald eine bloße Sache der geistigen Otoutine werden". Weder Stil, noch Technik bietet nach dem„Comniercial Advcrtiscr" in dieser neuen Art Romane irgend welche Schwierigkeiten.„Man braucht keine Atmosphäre zn schassen. Sie liegt bereits vor. Historische An- knüpfniige» helfen ans, wenn die Kunst fehlt. Man.stelle eine» Menschen hin iir dünne» Kleidern und. seidenen Strümpfen, gebe ihm ein Schwert ulid eine Pcrrücke und vier oder fünf alte Füllworte, ein lebhaftes> Temperament und ein braves Herz, und die Sache ist schon beinahe fertig. Man werfe einige„ans" und „tweres":c. in den Dialog hinein, und die Unterhaltung wird zn jedem Jahrhundert passen, das man wünscht... Aber nichts von alledem wird bemerkt, wenn nnr genug vorgeht. Das ist das eine unerbittliche Gesetz unsres modernen historischen Romans. Der Held muß vom Anfang bis zn Ende thätig gehalten werden, mit keiner auch nur augenblicklichen Pause in seinem Heldenmut. Die Kunst, die einen Charakter so aufbauen kann, daß er unahbängig von hervor- ragenden Thaten das Interesse wach hält, ist hier nicht nötig. In der Thätigkeit, zu den Masten sinkender Schiffe enipvr zn klettern, gegen Insulten sich- zu verteidigen, unbewegt in einem furchtbare» Blutbade zu stehen und auf eine stolze kapriziöse Schönheit z» wartön, die seinen Wert erkennt, ist gar kein Charakter notwendig. Er ist kein Mensch, sondern nur ein litterarisches Centrum des Sturmes, und erfordert nnr vier oder fütif große einfache Tugenden und eine gute körperliche Konstitution".■ :- Kulturgeschichtliches. — Alte Hoch zeit s g e b r ä n ch e. Von �dcr großen griechischen Dichterin Sappho ist ein Fragment erhalten, ans einer Zeile Frage und aus' einer Zeile Antwort bestehend:„Parthcnia iMädchentum). Parthcnia; warum gehst Du und lassest inich?" > Antwort:„Nicht mehr louime ich zu Dir. nie mehr komme ich z» Dir zurück." tz. Usener nuicht in dein„Rheinischen Musen, n" vom April darauf aufmerksam, dad wir hier uuziveifelhaft Reste eines Hochzeits- «Gedichts der Sappho vor uns haben, und zwar wohl aus dein 'üblichen Hochzcitsnkt, in dein eine Braut von dem im Gedicht personifizierte» Mädchcntum Abschied nimmt. Wie sich diese Gc- brauche bis in die spätere Zeit bei slavischen Vulkcrschnften erhalten haben, dafür bringt Nsener Beispiele aus Joseph Wenzi�s West- slavischein Märchenschatz; griechische Volksvorstclluugen finden sich im Slaventnm vielfach iviedcr. So heitzt es im Märchen vom Metall- bchcrrscher:„Sie gingen sogleich zur Trauung, ohne dafi die Tochter nach althergebrachter Sitte von dem Mädchentnin Abschied nahin." Diesen Abschied pflegte die Braut in rührenden, elegischen Worten zu nehmen. Als Beispiel tvird ein mährisches Gedicht»Der ver- lorene Jnngfcrnkranz" angeführt: Hirten, Hirten, habt ihr nirgend Wo gefunden ineincn Kranz? Hab den grünen Kranz verloren lind so herrlich tvar sein Glanz l „Haben nirgend ihn gefiniden, Doch ivir sah'», tvir sahen ihn. Als ihn weit iveg Bogel trugen Unter das Gebirge hin." Weh I So ist der Kranz verloren l Dingte ich auch zwanzig Paar, Schneller Rosse, ihn zn holen, Brächten sie ihn»immerdar. Wehl So ist der Kranz verloren! Spainit' ich hundert Wagen ein, Brächten sie ihn doch nicht wieder» Wnrd' er niemals wieder mein. „Ei so klag' nicht so. mein Schätzchen, Klag' nicht so und blicke hold I Willst du für den Kranz, den grünen, Kalifen einen Kranz aus Gold!" Ach, was ist der Kranz, der gold'ue, Gegen iucinen griincn Kranz! Was ist alles Goldes Schimmer Gegen seine» frischen Glanz! In Deutschland ist daraus der Abschied von den Gespicliimen geworden, die den Jinigfernkranz gcivnnden haben. Mit dein Ab- schied von den jugendlichen sfrenndiiinen ist es zugleich der Abschied von der Jugend. Usener erzählt eine frühere Inxeniburgische Sitte, wo die Brant in einem abgezirkelten Kreis— mit Erlaubnis des Bräutigams— der Reihe nach zuerst den Frcilverber, dann alt und jung, iiiännlichen und weibliche» Geschlechts, küfit: so nimmt sie von der Jugend Abschied. Die Brautschuhe werde»»ach luxemburgischen Gebrauch zuvor versteigert. Wie alt Ccremonien mit den Fug- beklcidungcn der Hochzciter sind, geht ans einem frühbabylonifchc» (sumerischen) Text hervor, der Hochzeitsgebränchc schildert. Darin heifit es: dann ivnrdc» den Rcuverniähltcn die Sandalen unter die Füfie gelegt iind ihnen die Riemen eingehändigt, um die Schuhe zu schließen,„so fest wie einen Beutel voll Silber und Gold". So sieht der Hochzeitsschnh, ans dem unser Pantoffel geivorden ist. auf eine VOOOjährige Bergangenheit zurück.—(„Münch. Allg. Z.") Aus der Pflanzenwelt. — lieber die Herkunft der Johannisbeere, die man bisher von dein im Rordcu Europos. Asiens und Nordauicrikas heimischen Lides rubrum ableitete, legte, wie der„Prometheus" berichtet, Janczcwskli der Pariser Akademie eine Arbeit vor. in der er nachzniveiscn sucht, daß dieses Becrenobst durch Krenzung mehrerer Arten entstände» sei, und daß offenbar die in Westeuropa heimijche Art(L. domesticum) mehr Anteil an der Bildung der.Garten- formen habe, als R. rubrum, von dem man sonst annahm, daß es von den Normannen in Gesellschaft der Stachelbeere ans Schiveden »ach Frankreich gebracht worden sei, wofür die altfranzösisch« Bc- ucnnung Llrossoillisr d'outre mer als Zeugnis angeführt wurde. Rainen habe» bei den Herleitung«» von Kulturpflanzen und Tieren »ach Hehns Borgange oft eine höchst irreführende Rolle gespielt, und der Linneesche Name Lides bat sogar die Meinung aufkommen lassen, die in ganz Mittel- und Nordeuropa heimischen Lides-Arte» seien unS von de» Arabern gc- chracht worden. weil diese nämlich unter de» Namen Lides ein säuerliches Arzneipräparat verstanden. welches aber an» einer Rhabarberart(Ldeum Lides) gewonnen wurde. Es ist nicht einmal sicher, ob davon der Name Lides für die Johannis- und �tackelbeerengattuug herzuleiten ist, denn diese Beeroufrüchte heiße» auch in den germanischen Sprachen seit alter Zeit ähnlich, im Düimche», Schwedischen und Norwegische» führt die Johannisbeere die Namen Reds oder Lids, in Deutschland kommen die alte» Be- zeichnungen Ribisel und Rnbitzel(Rotbecre) vor. Namen, die ein- heinüsch oder eingeführt sein tvmie» und nichts für die Herkunft beweisen.— Technisches. — Holzbeizen. Reue Borschriften zur Beiznng von Holz, die sich durch Einfachheit auszeichnen, geben die. Mitteilungen des Beramworrlnver Redacreur: Paul John in Berli» Technologischen Getverbc-Mufemns' in Wien. Einer Losung von 5V Granu» des käuflichen AlizarinS in 1 Liter Wasser tropfentveise Salmiakgeist zugesetzt, bis der scharfe Geruch desselben bemerkbar ist. und darnit ein vorher gut getrocknetes Holz ztveimal angestrichen, ergiebt für Tannenholz und Eichenholz eine Färbung von gelbbraun, für Ahornholz rötlichbraun. Wird das Holz jedoch vor dieser Be» Handlung mit einer Lösung von 10 Gramm Chlorbarhum in 1 Liter Wasser bestrichen, so färben fich Tannen- und Eichenholz braun, Ahorn» holz dunkelbraun. Wird jedoch das Chlorbarhum durch 10 Gramm krhstallisiertes Chlorkaliuni ersetzt, so tvird Tannenholz braun, Eichen- holz rötlichbrau» und Ahornholz dnnkelbrnnn, während bei Anwendung von 20 Gramm schwefelsaurer Magnesia Tannen- und Eichenholz dnnkelbrauii und Ahornholz dunkclviolettbraun werden. Bei Imitation von Alteichenholz ist dieses Verfahren unstreitig empfehlenswert. Mit Alaun und schivefelsanrer Thoncrdc wird Tannenholz hochrot. Ahorn- und Eichenholz blutrot, während Chromalaun Ahorn- und Tannenholz rötlichbrann. Eichenholz havannabrann und Eichenholz nußartig dunkelbraun durch Anwendung von schwefel» saurem Mangan gefärbt wird.— HttnnoristischeS. — Politik i n N i e d e r b a y e r n.„Hast g'hört, Mab'n? Geht Dei' Alter heut mit in Banernbnnd? Ansschnßivahl haincr!" „Warum nit gar! Woaßt denn nit, daß er au tvchen Fnaß hat?" „So so! Nachher knnust mer wenigstens sein Hacklstccka lciha, daß i cppcs in der Hand Hab, wenn Iva» vorkiunut!"— („Jugend".) — D a S G e r m a nfi s ch e Museum ans der K i r m e ß. Der„Franlftirter Zeitung" wird geschrieben: In einem kleinen Nest der Pfalz war ein historischer Fund gemacht worden. Der Direktor de-Z Germanischen Museums in Nürnberg liest davon mit großem Interesse in der Zeitung und da ihm dies eine gute Acanisition für das Museum zn sein scheint, so fetzt er sich kurz entschlossen auf die Bahn und fährt hin. Dort angekonmie», geht er stracks zum Bürgermeister und beginnt sein Aniiegcn, indem er sich zunächst vorstellt: „Mein Name ist R. 9t, Direktor vom Germanische» Museum in Nürnberg--" „Ja, lieiver Mann," unterbricht ihn da aber die Ortsobrigkeit, „ja deß thut mer sehr leid, mer hawwe awwcr schont e Karussell, e Schießbud. e Niesedame nn e Affe-»n Hundetheater nn jetzt komme Sie zwaa Tag vor der Kerb mitJhrm Ger- manische M u s e u m l"— Notizen. — Im Deutschen BoltS-Theater in Wien tvird von der kommenden Spielzeit ab ei» auf zwei Jahrgänge berechneter Eleve»kurs eingerichtet. Der Unterricht tvird unentgeltlich erteil!. Die Eleven des erste» Jahrgangs haben, um Bühnen- sicherhcit zu gewinne», in der Comparscrie mitzuwirken, während später ans den Teilnehmern des zweiten Jahr- gaugs der Chor zusannuengektellt wird, dessen Mitglieder ein entsprechendes Honorar erhalten. Ein Tanz- und ein Fechtkurs sind in Aussicht genommen. Begabte Eleven sollen uaa, Absolvicrnng des Kursus fix engagiert und vorerst zn kleinen Rollen herangezogen werden.— — Der LandesauSschnß in Prag hat die Leitung des czcchischen Ratio nal-TbeaterS»ach einer Meldung des „B. T." Prof. Schm v ranz übertragen, der seinem Fach' nach zwar Architekt und Direktor der Präger K n n st g c w c r b e- schule ist. aber zur j n u g czechischc» Partei gehört.—' e. R o st a n d S. L' A i g l o»" wurde in Paris schon zum 50. Male gegeben und hat bisher im ganzen eine Einuahmc von 506 743 Fr. erzielt.— — Eine„United StateS?! a t i o n a l- O p e r a" soll in New U o r k mit reichen Mitteln begründet werde». Die Unternehmer beabsichtigen, falls sie kein geeignetes Theater in New York finden oder für ihre Zwecke Herrichten lassen können, ein eignes HanS zn erbauen. Die Borstellungrn sollen vorwiegend in englischer, gelegentlich aber auch in deutscher Sprache gegeben werden.— — Der Borstand der Dcntschen Shakespeare-Ge- s e l l s ch a f t hat nach der„Boss. Ztg." beschlossen, im nächsten oder in einem der nächsten Jahre zugleich niit der akademischen Kunst- ansstellung in Berlin eine S o n d c r a u s st e l l n n g von hervor- ragenden Knnstivcrkcn, Gemälde» oder Stichen, deren Inhalt mit Shakespeare oder seinen dramatischen Schöpfungen in ideeller Bc« ziehnng steht, zu veranstalten.— — Die geographischeBerbreitnng des gemeinen Hasen(Lepus tirnidusl umfaßt nach dem„Prakt. Wegweiser" in Europa mit Ausnahme des höchsten Skordens den ganzen' Kontinent. Im Norden kommt der Hase bis zn 70 Grad nördlicher Breite vor. nämlich bis Südschweden und Schottland. In den Polarländern wird der genicine Hase von den veränderlichen Hasen(Lexus variabilis) vertreten.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblatts erscheint am Sonntag, den 0. Mai. . Druck uno Vertag von Max Babing m Berlin.