Nr. 89. Mittwoch, den 9. Mar. 1900 (Nachdruck ucifotcit.) soj- Aufevftelzung. Noin an von Loa T o l st a st ..Hat cr. vielloicht gelännt, oder llmS?" sagte die .storablrloa mit Bezug ans Wastilstlo und bist kleine Stückchen Zucker mit ihren festen Zähnen ab. Er ist nur für seine Kameraden eingetreten. Denn Prügeln ist heute nicht er- laii&t." „Cr sott ein guter Mensch sein," fügte Fedosia in nn- bedecktem ftopf mit langen Zövsen hinzu: sie fast ans einem Holzscheit gegenüber der Pritsche, aus Ivclcher die Thce- könne stand. ,.?a* müßte man Htm sagen, Michailowna," ivandte sich lue Bahnivärtcrin zur MaSlowa; sie verstand aber unter „ihm" Ncchljudotv. „Ich»verd's ihm sagen. Er thnt alles für mich." er- widerte die Mnslowa. lächelnd mit dem lkopf nickend. „Ja, aber doch erst,»veim er kommt; aber jene, heißt es. kommen gleich, um sie zu holen," sagte Fedosia.„ES ist schrecklich." meinte sie stöhnend.- „Ich habe einmal gesehen, wie im GutSgericht ein Bauer geprügelt wurde. Mein lieber Schwiegervater schickte mich zum Vorsteher; ich ging hin. aber er. seht ihr.. begann die Wartersfrau eine lange Geschichte. Die Erzählung der Bahnwärterin wurde durch den Schall von Stimmen und"Schritten tm oberen Korridor unterbrochen. Die Weiber verstummten rnid horchten. „Sie haben ihn hingeschleppt, die Teufel." sagte Tausendschön.„Jetzt peitschen sie ihn mit Ruten. Die Aufseher sind sehr böse ans ihn. weil er ihnen nicht uachgiebt." Oben verstummte alles, rmd die Wärtersfrau erzählte ihre Geschichte zu Ende, wie sie sich im Gutsgericht erschrocken hätte, als man dort im Schrippen den Bauern gepeitscht, und ivie sie innerlich zurückgeschaudert sei. Tauscudschöu aber er- zählte, ivie man Schtscheglorv gepeitscht, er aber keinen Laut von sich gegeben. Dann räumte Fedosia den Thee ab. inrd lkorablelva»ird die Wärtcrsfran machten sich an ihr Nähzeug! die Maslowa aber saß mit rimschlungeiien Knien auf der Pritsche und härmte sich vor Laugerveile. Sic schickte sich eben an. wieder eiirzuschlafcir und sich hiirzlrlege», als die Aufseherin sie ins Bureau zrr eiuem Besucher rief. „Sprich auf jeden Fall von rirrs," sagte die alte Mensch kowa zur Maslowa. rmihrerid diese ihr Brusttuch vor einem Spiegel mit halb fehlendem Suecksrlber zurechtzog.„Nicht wir haben das Feuee angezündet, sonder» er selbsl, der Bösewicht, und ein Arbeiter hat es gesehen: die Seele tötet er nicht. Sag' Dir ihm. daß er Mitrij herausruft. Mitrij ivird ihnr alles darlegen, ivie auf der flachen Hand: da wird man nun cirigesperrt.>vo mau nicht das geringste verbrochen hat: er aber, der Böservicht, lebt rvie ein Fürst mit dem sreinden Weibe rmd sitzt in der Schenke." „Das geht gegen das Gesetz!" bestätigte die Korablewa. „Ich sag's ihrn, sicher, ich sag's," crividerte die Maslowa. '„Jetzt noch einen Schluck, um Couragc zu kriege»," fügte sie mit einem Auge bUrrzelrid hinzu. Die Karablewa schenkte ihr eine halbe Tasse voll ein. Die Masloiva trauk. wischte sich de» Mund ab rrird trat irr der allerhciter sterr Stinrnrirng unter Wiederholung ihrer letzten Worte„rrm Courage zu kriegen", den Kopf rviegeird und lächelnd hinter der Aufseherin in den Korridor. F ü n f rr rr d v i e r z i g st e S 5k a p i t e l. Nrchljlrdoiv ivnrtcte schon lauge irir Flirr. Im GcfängurS angelangt, hatte er an der EiirgärrgSLHür stelärrtet und dem dienstthnenden Arrsseher den Crlanbiiisschein des StaatsarrwaltS gegeben. „Wen wünschen Sie?" „Ich möchte die Gefangene Masloiva sehen." ..Das geht jetzt nicht: der Inspektor ist beschäftigt." „Jrii Bureau?" fragte Nechljirdolv. „Nein, hier im Besuchszimmer," erwiderte der Arrsseher estvaS verwirrt, wie e? Nechljudow vorkarn. „Wird deim heute Besuch empfangen?" „Nein,, eine besondere-Angelegenheit." strgte er.' „Nie käiln ich ihn denn aber zu sehen bekommen?" „Er kommt hierher, dairir sagen Sie ihm Bescheid. Warbest Sie ihn ab." In diesem Arrgeublick trat aus einer Seiteiithür ein Feld- webel mit glänzerrderr Tressen, strahlendem, leuchtendem Ge< ficht rmd- einem von Tabaksrarrch durchzogenen Schnurrbart s er Ivandte sich strenge an den Aufseher. „Warum haben Sie jemand hierher gelassen?... Ins Bureau..." „Mau sagte mir, der Inspektor sei hier," sagte Nechjndow und wuuderte sich über die Unruhe, die auch am Feldwebel bemerkbar war. In demselben Augenblick öffnete sich die Jiiircnthür und erhitzt und in Schweiß gebadet trat der starke Petrow ein. „Der Ivird daran denken," begann er, an den Feldwebel gewandt. Der Feldwebel deutete mit den Augen auf Ncchljndolv. rmd Petrow verstummte, runzelte die Brauen und schritt zur Hilltcrthiir. „Wer wird daran-denken? Warum sind sie alle so verwirrt? Wäruiir hat der Feldwebel ihm dieses Zeichen ge- macht?" dachte Nechljudow. ..Sie dürfen hier nicht warten, bitte, gehen Sie ins Brncarr." wandte sich der Feldwebel wieder an Nechljudow, nnd?i'echljlido>v wollte schon fortgehen, als ans der Hinter- thirr, noch verwirrter als seine Untergebenen, der Inspektor trat. Er holte rrmmtcrbrocheu schwer Atem. Als er Nechljudow erblickte, wandte er sich au den Aufseher. „Fedotolv, die Masloiva aus der fünften Wciberzelle ins Bureau," sagte er. „Bitte," wandte er sich dann an Nechljudow. Sie gingen auf einer steilen Treppe zu einem kleinen Zimnrerchen mit einem Fenster, einem Schreibtisch und einigen Stühlen. Der Inspektor setzte sich. „Schwere, schwere Pflichten," sagte er an Nechljudow gewandt und holte eine dicke Cigarctte hervor. „Sie sind scheinbar ermüdet," sagte Nechljirdow. ..Ermüdet vom ganzen Dienst,— es sind sehr schwere Pflichten. Will man ihnen ihr Los erleichter», geht die Sache schief: man hat wohl zu denken, wie man überhaupt fertig wird; es sind schwere, schwere Pflichten.. Nechljudolv wußte, wicht, worin eigentlich die Schwierig- kert für den Inspektor bestände, aber er bemerkte hellte an ihm eine ganz besondere, Mitleid erregende, nredergeschlagene, verzweifelte Stirnninng. „Ja, ich glaube, sie sind sehr schwer," sagte er.„Warum übernehmen Sie aber diese Pflichten?" „Ich habe keine Mittel und Familie." „Aber loejlir es Jhricri schwer fällt..." „Nim, man stiftet doch trotzdem, soweit die.Kräfte es eri larrben/ Nullen und lindert, soviel man kann Ein andrer an meiner Stelle würde gewiß nicht so verfahren. Da? spricht sich leicht ans: über zweitausend Menschen, rrnd Ibas für welche! Man mnsz mit ihnen um, zugehen wissen. Sind auch Menschen, man bedauert sie. Aber die Zügel darf»ran doch nicht locker lassen." Der Inspektor begann einen kürzlich vorgekornineiren Fall von einer Schlägerei zwischen Sträslingerr zu erzählen, die mit Totschlag geendet hatte. Diese Erzählurrg wurde durch den Eintritt der Moslalva uilterbrocheil. der ein Arrsseher voraufschritt. Nechljrrdolv erblickte sie in der Thür, als sie den Inspektor noch uicht wahrnahm. Ihr Gesicht war rot. Sie schritt dreist hinter dern Aufsehrr her. lächelte und wiegte miaiisharlich den Kopf hin und her.- Als sie den Inspektor Wahrnahm, starrte sie ihn mit erschreckter Miene am faßte sich darrrr aber sofort rmd wandte sich fröhlich und dreist an Nechljudolv. „Griten Tag." sagte sie singend und lächelnd rrird schüttelte kräftig, nicht so wie damals, seine Hand. ,lJch bringe Jhrreir hier das Bittgesuch zur Uutcrschrist." sagte Nechljudow, etwas verwundert über den dreisten ArrL- druck, mit dem sie ihm heute begegnete.„Ter Advokat hat das Bittgesuch aufgesetzt, das muß imterschriebeu worden. darr» schicken wir es nach Petersburg." „Warum nicht;,. das kann man ja. unterschreiben. Man kann alles." sagte sie mit einem Auge blinzelnd und lächelnd. Nechljudoiv holte einen zusammengefalteten Bogen Papier ans der Tasche und trat an den Tisch. „Kann nian hier unterschreiben?" fragte Nechljudow den Inspektor. „Komm her, setz' Dich," sagte der Inspektor:„da hast Du eine Feder. Kannst Du schreiben?" „Ich hab's mal gekonnt," sagte sie, brachte lächelnd ihren Rock und den Aermel des Leibchens in Ordnung, ergriff mit ihrer kleinen energischen Hand ungeschickt die Feder und schaute Nechljudow lächelnd an. Er zeigte ihr, was und wo sie unterschreiben müßte. Sie tauchte vorsichtig die Feder ein, strich sie ab und schrieb ihren Namen hin. «Weiter ist nichts nötig?" fragte sie und schaute bald auf Nechljudow. bald auf den Inspektor und legte die Feder bald auf das Tintenfaß, bald aus das Papier. „Ich muß Ihnen etwas sagen," meinte Nechljudow und nahm ihr die Feder aus der Hand. „Nun, sprechen Sie nur." brachte sie heraus und wurde plötzlich ernst, als ob sie über etwas nachdächte oder schlafen wollte. Der Inspektor stand auf und ging hinaus; Nechljudow blieb mit ihr unter vier Augen. Sechs ilndvier zig st eS Kapitek. Der Aufseher, der die Maslowa hergeführt, setzte sich auf die Fensterbank, unweit vom Tisch. Für Nechljudow brach die entscheidende Minute herein. Er hatte sich unaufhörlich Vorwürfe darüber gemacht, daß er ihr beim eisten Zusammen- treffen nicht die Hauptsache gesagt: daß er die Absicht hätte. sie zu heiraten, und war jetzt fest entschlossen, ihr das zu sagen. Sie saß auf einer Seite des Tisches, Nechljudow ihr gegenüber auf der andern. Im Zimmer war es hell, und Nechljudow sah zum erstennial in geringer Entfernung deut- lich ihr Gesicht; die Runzeln um die Augen und Lippen und das geschwollene Gesicht. Und sie that ihm noch mehr leid als früher. Er stützte den Ellbogen so auf den Tisch, daß er vom Aufseher am Fenster, einem Menschen von jüdischem Typus mit grauem Backenbart, nicht gehört wurde, sondern nur von ihr, und sagte: „Wenn das Gnadengesuch keinen Erfolg hat. wenden wir uns an die allerhöchste Instanz. Wir werden alles thun, was möglich ist." „Wenn das nur früher geschehen wäre; ein guter Advokat hätte schon alles besorgt..." unterbrach sie ihn. „Mein sogenannter Verteidiger war ein großer Schafskopf. Hat mir fortwährend Komplimente gemacht." sagte sie und lachte.„Wenn man damals gewußt hätte, daß ich mit Ihnen bekannt sei, wäre alles anders geworden. Aber so? Die denken, wir sind lauter Spitzbübinnen." „Wie ist sie heute sonderbar," dachte Nechljudow und wollte gerade seine Botschaft nnttcilen, als sie wieder zu reden anfing: „Ich will aber noch etwas sagen. Bei uns ist eine Alte, über die sich, wissen Sie, einfach alle wundern. Ist eine so prächtige Alte und sitzt ohne jeden Grund, sies und ihr Sohn, und alle Welt weiß, daß sie unschuldig sind, aber nian hat sie wegen Brandstiftung angeklagt, und nun sitzen sie. Die Alte hat gehört, daß ich mit Ihnen bekannt bin." sagte die Maslowa, den Kopf drehend und sah ihn dabei an,„und meinte:.Sag' ihm doch/ meinte sie,.daß er den Sohn herausruft— der wird Ihnen alles erzählen. Menschow ist ihr Name. Nun, wollen Sie es thun? Wissen Sie, es ist eine so prächtige Alte, man sieht sofort, daß ihr Unrecht ge- schieht. Lieber Freund, bemühen Sie sich um die Alte," sagte sie, schaute ihn an, schlug die Augen nieder und lächelte. „Gut, ich werde es thun, ich erkundige mich," sagte Nech- ljudow, immer mehr und mehr über ihre Ungezwungenheit verwundert.„Aber ich wollte über eigene Angelegenheiten mit Ihnen sprechen. Sie erinnern sich, was ich Ihnen damals ge- jagt?" fragte er. „Sie haben viel gesagt, was haben Sie damals gesagt?" meinte sie, unaufhörlich lächelnd, und wandte den Kopf bald auf diese, bald auf jene Seite. „Ich habe gesagt, daß ich gekonmien bin, um Sic um Ver- zeihung zu bitten," sagte er. „Ach was, verzeihen und immer verzeihen, das hat ja keinen Zweck... Sie sollten lieber..." „Daß ich meine Schuld wieder gut machen will,",' fuhr Nechljudow fort,„und nicht mit Worten, sondern durch die That. Ich habe mich entschlossen, Sie zu heiraten." Ihr Gesicht drückte Plötzlich Schrecken aus. Ihre schrägen Augen blieben stehen, sahen ihn an und sahen ihn nicht an. „Wozu ist das nötig?" meinte sie mit bösem Stirn- runzeln. „Ich fühle, daß ich das vor Gott thun muß." „Was haben Sie denn für einen Gott entdeckt? Reden Sie doch nicht so. Gott? Welcher Gott? Sie hätten damals an Gott denken sollen," sagte sie und hielt mit offenem Munde im Reden inne. Nechljudow spürte erst jetzt den starken Branntwein- geruch aus ihrem Munde und begriff die Ursache ihrer Er- regung. „Beruhigen Sie sich," sagte er. „Ich brauche mich nicht zu beruhigen. Denkst, ich bin betrunken. Ich bin auch betrunken und weiß doch, was ich sage," begann sie plötzlich schnell zu reden und wurde über und über purpurrot;„ich bin eine Zuchthäuslerin und Sie ein Herr, ein Fürst, und Du brauchst Dich nicht mit mir zu beschmutzen. Scher Dich fort zu Deinen Fürstinnen." „Wie grausam Du auch redest. Du kannst Doch nicht das aussprechen, was ich fühle," sagte Nechljudow leise, am ganzen Körper zitternd. „Du kannst Dir nicht vorstellen, bis zu welchen: Grad ich meine Schuld vor Dir fühle...1" „Schuld fühle... I" äffte sie ihm bösartig nach.„Damals hast Du sie nicht gefühlt, sondern mir hundert Rubel eiuge- gesteckt. Das war— der Preis." lFortsctzung folgt.) ZVvmlisO ES find düstere und unheimliche Bilder, welche zerstörte, durch die furchtbare Gewalt der Elemente zerstörte Schiffe in der Seele des Betrachtenden wachrufen. Noch erinnere ich mich lebhaft des Anblicks von vier nahe beieinander liegenden Wracks am Strande bei Veracruz. Die Küste» Mexikos entbehren an sich jedes Reizes, überall herrscht Flachland vor. Dieser heiße, gefürchtete Küstenstrich ist im Verlauf der Jahrhunderte die Grabstätte zahlloser prächtiger Schiffe geworden. Wenn die schwere» Wogen der Nortcs, der Nordstüriue deS Winters, dnherbrauscn, dann bietet der unvoll- kommen geschützte Hafen von Vcracrnz keinen Schutz: dann heißt es, mit Verlust von Anker und Ketten im schwere» Kampfe gegen das empörte Meer die hohe See gewinnen oder sich auf das Unvermeidliche, den Verinst des Schiffs und des Lebens gefaßt machen. Auch wir»mßten damals gegen den Aufruhr des Meers, der nnsre Sicherheit bedrohte, hinaus auf die hohe See. lind die alten Wracks am Strande, umtost von dem Donnern der Brandung, halb gekentert, geborsten, entplanlt und cntmastet, schienen mis in ihren schwarzen Umrissen wie dämonische Ungetüme, die uns, das dumpfe Grollen übertönend, zuriefen:„Unser Schicksal ist auch bald das eure I" Allein diese düsteren umbrandcten Ungetüme hatten keine Macht über nnS und unser Geschick. Unheil können die Wracks nur an- stiften, wenn sie dcni Strande entgangen sind; wenn sie ruhelos auf dem Meere iimhertrciben. Und' sehr groß ist die Anzahl dieser treibenden verräterischen Klippen, wenn man die zerstörten Schiffskörper so nennen will. Nach der Wrackkarte des Kapitäns Clover vom Hydrographische» Amt in Washington wurden in den Jahren 1887— 185)1 auf der amerikanischen Seite der Welthandels- straße des Nordatlantic allein 5175 treibende Wracks beobachtet. Man kann annehme», daß auf der atlantischen Hochsecstraße des Welt- Verkehrs durchschnittlich 20— M Wracks zu jeder Zeit die SchisfahA unsicher machen. Diese Wracks stammen vielfach von Holzschisfen her, die von Skandinavien ans in der nordatlaiitischen Holzfahrt verwandt Ivurden. Alte Schiffe, die für den Oceandienst mit wertvollen Frachtgütern nicht mehr taugen und daher von den Schifföklassi- fikatious-Gesellschaftcn nicht niehr klassifiziert werde» können, werden mit Vorliebe von den Norwegern aufgekauft. Natürlich sind nicht alle Wracks norwegischen Ursprungs; auch die übrigen scefahrt- treibenden Nationen sind dabei beteiligt. Die verheerende Wut der Elemente hat diese einst so stolze» Fahrzeuge cntmastet und zum Teil zerstört; nach hartem Ringen und unter Lebensgefahr hat die Besatzimg sie auf hoher See verlassen müssen. Und dann, nachdem die Schiffe unfähig geworden sind, den Menschen nutzbar zu seiir, verwandeln sie sich in rachsüchiige Ungehener, als welche sie in un- heimlicher Weise den Ocean unsicher machen. Getrieben durch den Druck der Segel oder durch die gewaltige Kraft des Dampfes durcheilt ein mächtiges Fahrzeug die dunklen Fluten des Nordatlanlic. ES ist Nacht; finstre Schatten lagern *) Ans der„Kö l n i s ch e n V o l k S z e i t u» g auf den rauschenden Wogen, und die Fernsicht ist sehr degrenst, Urplötzlich taucht eine schivarze Masse dicht vorm Vugc auf, „Hart Backbord 1'„Volle Kraft rückwärts!" lauten die Kommaudos. Zu spätl Ter geivaltige Schissskörper gehorcht nicht so rasch dem Ruder oder der Maschine. Ein furchtbarer Krach! Tin gellender Aufschrei, ein einziger Todcsruf, und bald schlagen die Wellen zusammen über dem vorhin noch so stolzen Bau und all dein Leben darin. Der finstere Zerstörer aber setzt wie ein schleichendes Ungeheuer seinen Weg fort. Zwar sind die großen Occauschuclldampfer mit so vielen wasserdichten Abteiliurge» versehen, daß ein derartiger Zusammenstoß das Schiff in ernstlicher Weise schwerlich gefährdet; aber die zahllosen Frachtdampfer und Segelschiffe sind nicht nüt diesen kostspicligen Einrichtungen versehe»; diese gehen bei einem so schtveren Zusammenstoß zu Grunde. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß eine ganze Reihe spurlos vcr- schwundener Schiffe, sowohl Segler als Dampfer, infolge eines Zu- sammcnstoßes in voller Fahrt mit einem Wrack eine Beute der finster» Tiefe geworden ist. Durch secgerichtliche Nntersnchnngen ist eine beträchtliche Zahl von Fällen bekannt gcivordc», in denen ein Zusanuncustoß mit einem Wrack stattfand und schivcrc Beschädigungen verursachte. Die Lebensdauer dieser treibenden Unholde ist oft außcrordeut- lich lang. Der Schoner„Famin Wolstou* mußte von der Besatzung in einem wrackarligen Zustand im Oktober 189! ans hoher See ver- lassen werden. Dieses Wrack machte in einen» Zeitraum von etiva drei Jahr., eine ganze Rundreise auf dem»ordatlaiitischcu Ocean; zun» letztenmal gesehen ivurde es im Mai 1894 umveit der Stelle, Ivo inan es anfangs seinem Schicksal überlassen hatte. Ein andres Holzschiff,„David Hual", trieb 1888 von der amerikanischen Küste quer über das Weltmeer nach Madeira, es legte in 350 Tagen 5000 Seemeilen zurück und wurde dem Hydrographischen Amt in Washington in der Zivischenzeit 41mal von vorbeipassierendcit Schiffe» geincldct. Der eiserne Biennaster„Hourcsfcld", von Liverpool nach San Francisco bestinnnt, hatte das schwere Unglück, durch Selbstcutzündung Feuer in die Ladung zu bekommen. Alle Anstrengnngei» der Maunscbaft, desselben Herr zu werden, scheiterten; es blieb keine andre Wahl, als das brcuueude Schiff zu verlassen. Dies geschah am 13. Dezember 1892 im Stillen Ocean in der Nähe des Aequators umveit der amerikanischen Küste. Nachdem daS brennende Schiff darauf noch einmal von einem andren Schiff genieldet worden, lief die letzte Nachricht über dieses Wrack von einem einsamen Walfischfahrer ein, der es im Dezember 1895 in der Nähe der Karolinen gescheit hatte. Die große Acquatorial- strömmig und die herrschende» Passattvinde hatten den ausgebrannten Rumpf mit den kahlen eisernen Masten über mehr als die halbe Breite des Großen Occaus getragen. Seltsam waren die Erlebnisse der Mannschaft des englischen Dampfers„John Blake". Das Schiff erlitt au der kubanischen Küste so schivcrc Bcschädigimgcn, daß die Bcuiailmnia, um wenigstens das nackte Leben z» retten, in die Bote gehen mußte. Da die Küste zu iveit cntferut>var, ruderte» sie auf ein in der Ferne sichtbares Schiff zu. Zum nicht geringen Erstauncn der Schiffbrüchigen stellte sich heraus, daß das Fahrzeug ebenfalls von der Mannschaft verlassen worden war. Die Bemannung der John Blake richtete sich an Bord ein, setzte Segel il»d erreichte mit diesem Fahrzeug einen euglischen Hafen. Das Sccgericht setzte hier den Wert des Schiffs zu 1237 Pfd. Steil, fest, von welcher Summe den schiffbrüchigen Bcrgenl 350 Pfund, also 7000 M. zugesprochen Ivnrdcn. Traurig Ivar auch das Schicksal der Brigg„Glcualoon". Ein schwerer Orkan hatte daS Schiff entmastct, die Boote zerschlagen, die Deckhäuser zerstört, den Proviant ungenießbar gemacht. Als der Schoner„Laucaster" im Jahr 1872 das treibende Wrack antraf, Ivar alles Leben auf demselben erstorben. In der Kajüte läge» mehrere Leichen; die Unglücklichen waren Hungers gestorben. Auf dem Tisch lag ein Gebetbuch, daneben ein geladener' Revolver und eine mit einem Zettel versehene versiegelte Flasche. Allein keiner hatte zuletzt mehr die Kraft gehabt, die' Flaschenpost über Bord zu werfen. Unter den zerstreut uiiiherliegeuden Briefen fand man einen adressiert an„seine Dcarest Kate", uiiterzeichnet Robert C. Hart. Ter Kapitän des.Laucaster" ließ die Leichen in feierlicher Weise ins Meer versenken. Wendet man sich der Frage zu, was denn bislang geschehen sei, um die Hochstraße» der Meere von diesen gefährlichen Schiffs- körpern zu befreien, so lautet die Antwort, daß von einer plan- mäßigen Sätibcrnilg der Hochseestraßen gar nicht die Rede sei» kann. Wie groß die Zahl der Unglücksfälle ist, tvclche durch Zusainmcustvße mit Wracks verursacht werden, kann nie mit Sicherheit bestimmt werden, da die Schiffe zweifellos öfters dabei gänzlich zu Grunde gehen. Eine Denkschrift des Hydrographischen Amts in Washington gicbt indes die Zahl der bckainit gewordenen Zusammenstöße für die drei Jahre 1893—1899 im ganzen auf zwölf für den Nordatlantic an. Dies ist schon in einer verhältnismäßig kurzen Zeit eine so stattliche Anzahl, daß Anlaß zu einem eiiergischen Einschreiten vorhanden wäre. Aber ein gemeinsames Vorgehen der Seemächte, welches nur darin bestehen köniitc, Kriegsschiffe mit der Aufsuchung und Vernichtung der Wracks zu beauftragen, ist jeden- falls an der Schwierigkeit der Ausführung dieses Plans gescheitert. Gleichwohl haben in vereinzelten Fällen doch einige Kriegs- schiffe gelegentlich die Wrackvernichtung in Angriff genommen. Der britische Kreuzer.Sirius" zerstörte auf der Heimreise von Lagos daS ' Wrack der Brigg.Champion�. Der Kreuzer versuchte es zuerst mit Granaten, aber obivohl diese das Wrack dnrchlöchcrlen und vcr- wüsteten, so brachte» sie doeb keinen rechten Erfolg. Erst nachdem ein Torpedo den ganzen Schiffsboden zertrümmert hatte, sank es in die Tiefe, nur Treibstücke a» der Oberfläche zurücklassend. Ein andres englisches Kriegsschiff„Gannet" zerstörte im Jahre 1880 ei» gefähr- liches Wrack ebenfalls durch einen Torpedo. Der amerikaiiisths Kreuzer„Sau Francisco" erzielte 1899 mit einenl Torpedo mir ein«»« halben Erfolg. Der Koinniandant rammte darauf das Wrack iiud brachte es zm» Sinken. Im selben Jahre wurde das Wrack der Bark„Carmelita" durch den Kreuzer der Vereinigten Slaate» „Montgoniery" durch Sprenggeschosse vollständig ailseiilaudcrgerisseir uiii) vernichtet.— Kleines Isenillekon. 1k. Mai. Ans dem Weiß des Winters und dem Graii in Grau des Vorfrühlings hat sich in ivcitigen Tagen das bezauberitde Grün von Milliarden Knospen eutivickelt, die mit wahrem Ungetüm der Soimc entgegen die beengeitden Hüllen sprengten. Vor allem sind es die Roßkaftaitien inffrer Gärten und Straßen und die Birken und Buchen intsrer Laubwälder, die mit ihrem hellen Grün den Be- schauer in Entzücke» versetzen. Auch au den Erlen, Haselsträuchem und Bamnwcideu beginnen die Kätzchen, soweit sie nicht schon ab- gefallen sind, von den sprossenden Blättern überdeckt zu werden. Fast nur die Eiche steht noch zurück; sie bereitet die Entfaltung ihrer Mtscheiitbarett Blüten vor inid noch unverhiillt vom Blattwerk ragen die knorrigen Acste in das Gezweige der benachbarten Bäiime hinein. Auch uusre Obstbäume lassen erst' die warme Souue auf die Blüten wirke», ehe sie schattenspeudeud die Blätter über die jimgeit Früchte breiten. Ungezählte Scharen bewundern gegenwärtig das Blütcii- ineer bei Werder; ein äußerst reizvoller Anblick, aber doch ein solcher, bei dem es die„Masse bringt", die von Mettschenhättdeit zusammen- gebrachte Masse. Wer das empfiiidet, der wandert lieber nach Finkciikmg. oder einem auderu Laubwalde, wo zwar keine iveißeii Blüten von den Bäumen schimmern, wo aber der niannigfache Wechsel zwischen den Schattierungen des jungen Grüns an Birleu, Buchen und Gesträuch aller Art üm soZmalerischer ivirkt. Der weiße schlanke Birkeustamm mit dem kaskadeuartig hcrabwalleitdett Laube, das voniehitie Gran der glatten Buchen, die düstcru, bramtschnppigcu, eingemischten alten Kiefern mit den starren Nadeln, dies und hundert andre Dinge geben im Wandern auf Schritt und Tritt Waudelbilder von unbeschreiblichem Reiz. Auf dem Waldbodcu winkt uns überall die Iveiße Aticiuoite entgegen und Ivo der Weg uns an einer uaffeu Wiese vorüber führt, schiiumert sie gelb von den großen Blüten der Sumpfdotterblnuie. Dazwischen erscheiuenzahlreichebrattueAehreu der Seggen, bei dereiiPflückeu wir uns aber in acht nehmen miiffen, denn scharf dreikantig ist der Halm und wie ein Messer dringt er bei maucheu Arten dem ttnvorsichtige» in die Finger. Aber auch an andern blüheudeit Gewächsen ist jetzt kein Mangel mehr und mit Leichtigkeit bringen wir einen Strauß zusammen. Wir fiiideii am Rande der Wiese die zierliche Bachwurz und waldeiuwärtS das Waldveilchen. Sein Ge- ruch kann zwar mit dem des Märzveilchcn nicht im cuferuteften konlurriereu, aber es ist miitdesicus ebenso hübsch. Haben wir Glück, so finden wir unter Bucheu auch jene, oft beschränkte, Stellen, wo der Himmclsschlüssel auf fchlaukem Stiel über einer Rosette von Blättern seine ivunderbareti gelben Bliitendolden erhebt. Es giebt in nusrer Frühlingsflora wohl nichts, was diesem Gewächse an poesievollcr Erscheinung gleichläme und der Name „Himtnclsschlitffcl", den daSVolk ihm gegeben hat, beweist, wie hoch es diese Zierde nusrer Lanbwaldwicseu schätzt.— — Hebet daö salomonische Qphir sprach Professor Sie glin in der Maisitznitg der Berliner„Gesellschaft für Erdlimde". Wo lag dies mit romantischem Zauber uingebenc Goldland Ophir» von dem zieinlich übereinstimmend das im nciniteti vorchristliche» Jahrhundert verfaßte erste Buch der Könige inid das um 300 verfaßte zweite Buch der Cbroitika berichten, daß Salomo mit Unterstützmig des phönicischen Königs Hiram dahin von Ezeon Geber bei Eloth am Schilftncer im Lande der Edomiter Schiffe entsandte, die ihm heim- kehrend 420 Talente gleich 495 Centner Gold brachten? Diese Frage hat schon im frühen Mittelalter die Gelehrten beschäftigt, zahllos sind die im Laufe der Zeit aufgestellten Theorien, und es konnte nicht fehlen, daß nnsre an geographische» Entdecktingen über- reiche Zeit einige neue Erklärnngen hiiizugesiigt hat. Gesucht wird Ophir m Jndieii, Südost-Arabien, Südwest-Arabien, Spanien, Südost- Afrika, selbst in Amerika. Der Vortragende glaubt nach sorgfältigem Stiidinm sich für Indien, nämlich das Pendschab, das Münduugs- land des JndnS, entscheideii zu müssen und führt für seine Ansicht folgende Gründe an: Ein Land am Mittclmcer ist ans- geschlossen, weil eS unverständlich wäre, warum als Ausgangspunkt die Expedition nicht Tyrns oder Sidon, oder Jeppe statt des Hafens am Schilsmecr, d. i. am roten Meer gewählt worden. Auch verlautet im ganzen Altertum nichts von Goldfnnden in Spanien. Dagegen bestand seit Ende des 14. Jahr- Hunderts v. Chr. eine von Rauises II. gebaute Wasserstraße zwischen inittellätidischem und rotem Meer unter Bemchnng des östlichen Nil- Mnndungsarmes und der Bitterseen, eine schiffbare Verbindung der beiden Meere, um deren Verbesserung sich nachweislich Nccho im 7. Jahrhundert, Darins und zuletzt im 2. nachchristlichen Jahr- fiimbcrt Kaiser Hadrian l-emsiht kiabr». Ferner ist drnrrä die iijihplifche Geschichte l'cstäiiist, das; nur die Zeit Salonia?. »ach de»« Sturz einer ziveihundcrtjährigen Priestetchertichaft, die»cuen ältypiische» Herrscher von dci» Stistein der Abqcschlosicukcit qegeu die Alisicnivclt ziirüchtekounueii Iva reu und ir a. Bimduisse mit de» Phvuieieru ciiutc.qnugeu wäre», tvadnrch letzteren die Haudeivivcge der Acqyptcr delauut»ud erschlossen wurdeir Bon dc�' Äiisbrcitniig der äittztztischc» Handelsbczichttttgen aber wissen wir ans einer Inschrift von läLö rr Chr.. das; damals zum erstenmal ein Worstotz»ach Süden erfolgt imd das Land auf beiden Seiten der Strasze Lad cl tWmided in Lefitz genoininen ivordcn ist. Wird es hierdurch schon tuahrscheinlich, dag von dieser Nicdertafiung ans Berl'iudniigen mit Indien angeknüpft tvnrden, znnnrl � im Frühjahr dort Winde Ivehen, ivclche een Schiff-auch gegenHden Willen der Schiffsmannschaft nach Indien entführen" können, während inr Herbst die Winde in»ingekehrter Richtung loche», so bestätigt eine an Herodok tnid nrchrcrc Späteren iiberliefcrte. allerdings durch Schriften bisher nicht bestätigte Nachricht, das; Sesoslris lüderein- ftiinniend mit RamseS 11.) eine Expedition nach Indien unter- »ounncn habe. Loni Lorhandenfein eines uralten Verkehrs zwischen den Ländern am Mitteiinecr einer-, Indien»nd China andrerseits zeugt ferner die schon im 2. Lnch Mosis enthaltene Crtvähnnng von Cassia und Zinnnet, Stoffe, die zur Zeit der Niederschrift des Crodns — iin neunten und zehnten Jahrhundert— in Palästina also schon de- kannt sein innfften und ansschliefflich von jenen Ländern herkamen. Sehr wichtig ist es auch, dag als von Ovhir eingeführte Produkte genannt sind: Gold, Silber. Clsrnbein. Assen und Pfauen. Diese Produkte finden sich ausnahmslos i» Indien, aber vereint in keinem der sonst für Ophir in Anspruch genommenen Länder, auch ist das übernommene Wort„Affe" indischen Ursprungs. Ferner bezeichnet sowohl die im<1. Jahrhundert b. Chr. entstandene älteste griechische Uebersetzung des alten Testaments, die Septnaginta, als der jüdische Schriftstckter Josephns„Ophir" als Jirdie».— Archäologisches. e. C i n e Bibliothek ans T e r r a e o t t a t a f e l n. I» der letzten Sitzung derPariscr.-Leaäömio ele� in Auszug mitgeteilt. Bei dicsen Untersuchungen lvurde ein Palast der»ihkeuijchen Cpoche cutdeclt und änffcrst trich- tige Funde geniacht. LvanS hat Fresken mit Figuren von ualiir- licher Gröffe. einen Vcrschtvcnderisch dekorierten Saal für Läder»nd, «vaö von besonderem Interesse ist. eine ganze Bibliothek von Tcrracotta- tafeln zu Tage gefördert, die Inschriften in»ihkenischen Schriftzeiche» tragen; die letzteren entsprechen denen von Chpern»nd Lhcie», initrr- scheiden sich aber dnrchans von den ägyptischen Hicrpglhphcn und der assyrische» Keilschrift. Damit ist der Beweis geliefert, das; die Schrift in der hellenische» Welt wenigstens fünfhundert Jahre vor Homer und vor der Zeit, in die die Tradition de» Trojanischen Krieg verlegt, gebräuchlich tvar. Es ist heute auch sicher, das; diese primitive Schrift nicht eine Anleihe bei Aegypten oder Ässyric» ist. sondern sich an ein besonderes Schriftshstem anschließt.— In derselben Sitzung»lachte Henzcy einige siir die Geschichte der Industrie bemerkenswerte Mil- teiluugcu über den G c b r a» ch d er Muscheln bei de» Chaldäern der Krühzeit. Diese vcriratcn in ihrer Knust die Stelle des Elfenbeins, das ihnen nicht so früh bekannt geworden zn sein scheint. Die Ehaldäer benutzten die natiir- liche Konvexität der großen Muscheln, um gcivundene Sliirke herauszuschneiden, anS denen sie dann wirkliche Base» machten. Diese ivnrden dann mit Strichzeichnungen bedeckt, die oft durch ein kaum be- merkbares Relief verstärkt tvnrden. Heuzeh hat zwei Stücke dieser Art abgießen lassen-und zwei Mnschclbecher mit Relieszeichnmigen rekotlsirniert. von chcnen der. eine ans eine sehr frühe Zeit zurückgeht. Perlmutter gelangte später zur BcNvendnng als glanzlose Muscheln. De Sarzec hat eine große Fülle von Pcrlinnttcrstückcn gefunden, die in Form großer Federn geschnitten»nd mit Feder» anS rotem Stein »nd anS fchlvarzent Stein vermischt Ivarcn. Alle diese dienten dazu, in einer Art Mosaik nngehenre Vögel mit ansgebreiteten Flügeln zn- saimnenznsctzen. Mit denen die Mauern der Gebäude geschntückt ivnrden; damit ist ivieder eine ganz»nerivartete Kenntnis über die Geschichte der alte» chaldäischrn Technik gewonnen.— Ans dein Tierreiche. — Born j a p a n i s eh c n R i c s c» s a l a in a» d e r erzählt W. Breilhanpt in der illustrierten Wochenschrift„NerthnS": Als der fchtveizerische Naturforscher, Stadlphysikns und Professor der Mathe- nratik in Zürich. Cchenchzcr im Jahre 1725 die versteinerten Ucber- reste eines den, japanischen Riesensalam ander nahe verloandten Salamanders bei Oeningen am Bodenscc fand, glaubte er in diesem Skelette die Iteberbleiösel eines Siindflntinenschen geftindeu zn haben, beschrieb imd bildete dasselbe ab als llomo elilüvli et ilicoscopos und fügte die rührenden Verse Hinz»: Betrübtes Beingerüst von einem allen Sünder, Erweiche Stein»nd Herz der iicnen Bosheilkinder! Vis zur Zeit EnvierS galt dies Skelett als das betrübte Bein- gcrüit; dieser Forscher aber crkanute einen Molch in de» Ueberreste» imd bezeichnete ihn als Riescnsalnmandcr s8alaop»nckra gignntca.), ivoranf Tschndi ihm seinen jetzigen Namen gab: AndriaS Cchenchzeri, zn Eine» seines Finders. Bon den mit äußern Kicmcubüscheln ver- Lere.ntn'vrltigier Sieoacieur: Paul Joh» ni Verl» — schenen l'.nd an? diesem Gründe als PLanerobr.inelifal« s Offen- ki einer) bezeichneten Fischlnrchen klolltlivoickeat, unterscheiden sich die Cryptobraucliiata sVerborgenkiemeri durch nicht abfallende, also aus- dauernde, aber in: Körper verborgen bleibende Ltiemcn und zn diese» gehört der Riesensalamauder lOeyptobranclnis japonicuä). Das Tier lvurde von David in den Bergseen Japan? entdeckt. Hier lebt der Ricsensalainander in den rasch stiebenden Gewässern von Zu»»an. dem östlichen Knkunor. Sctschnan iind kvnnnt auch im Fluß- gebiet des Hnn-Kiaug bor. Der Salamander ist ein unfönnlicheS Geschöpf init plattgedrücktem, breitem Kopf, ivalzenförinigem Körper. der jcdcrscitS stark hervortretende Längsfalten besitzt. Die Füße sind kurz und plump, der Scknvairz vcrhällnisniäßig lurz tind seitlich zusammengedrückt. Große Exemplare erreichen ein Gewicht von 25 Kilogramm. In den Geivässcrn, in denen der Riesensalamauder lebl, zerstört er sehr bald den Fischreichtiun dieser klarc>i Wasserläufe. Wird die Fischkost knapp. so verzehrt er Wärmer. Frosch- und Schtvanzlurche und ivaS sich sonst gerade irgendwie Genießbares vorfindet. Nachgestellt wird dem Tier nur»»> seiner Haut willen, die als Arzneimittel gebraucht tvied. Das Fleisch, welche? zart und weiß ist, wird nur selten gegessen. Den ersten japanischen Riescnsalamandcr, welcher nach Europa lebend kam. erhielt im Jahre 182g der zoologische Garten zn Amsterdam, wo daS Tier in elwa 0 Jahre» eine Länge von 1 Meter und 30 Ccntimctcr erreichte. Seit dieser Zeit sind viele Riesensalamauder eingeführt worden und auch der Aniphivicnpflegcr kann heute schon für geringes Geld dnS Tier anS geeigneten Handlungen sich beschaffen und es in einem geräumigen Aguarium pflegen; er loird indessen nicht sehr viel Freude an diesem bedächtigen und langsamen Gesellen erleben. Wie unser gemeiner Salamander besitzt auch der japanische Ricsensalainander ein Haut- gift. welches von dem Tiere an? seinen mit MnSkclringe» lind Nerven versehene» Hautdrüsen ausgespritzt wird, wem; c3 sich bedrängt fühlt. Phisaiix in Paris, der dieses Gift zum erstenmal untersuchte, gelvau» es durch Kneifen deS TiercS in seiner Nückcnhaut, Ivobei eine milchige Flüssigkeit von scharfem Geruch abgesondert tvurde. Mit diesem frischen Giflstoss geimpfte Frösche gingen»ach boranfgrgaugeucn Lähmnngöerscheinmigcn imd Hcrzerweiternngcn>» 30 bis 40 Minute» ein. konnten jedoch an das Gift gewöhnt werden, wenn die Jmpfnugcu mit kleineren Gift- mengen begonnen wurde». Bei lvarnibliitigen Tieren, wie z. B. Kaninchen, traten LähninngSerschcinnngen. die zum Tode führte», viel schneller ein. als bei Frösche». Die Berührung deS Gifts veranlaßt« schmerzhaften Hautreiz. � HmnoristlicffeS. — S n nt in a r i s ch. 5k o l o n i a l>v a r e u h ä n d l e r:„Tie wünsche», mein Herr!?" Knude:„Ein Pfmib 5t a f f c c. zwei Pfund Zucker... einen H ä r i ii g... und— wa? ich noch fragen wollte— kann ich vielleicht Ihre älteste Tochter zur Frau haben— — A ii S der G c m e i ii d e st u b e. In einem elsässischen Dorfe ist der hochivcise Genicindcrat zur Beratung des Budgets versammelt. Der Bürgermeister verliest ciiicii Titel nach dem andern. Keine EiiUvciidniig wird vom Geiiieiiiderat gemacht. Endlich bei Titel 12 der Ausgabe»— Porto 35,40 M.— macht ein neu- gcbackcncS Gciiiciiidcratöinitglied die Bemeikniig:„Halte Se, Herr Maire, die Siunine votier ich»et; ich habe le Porto(Bordeaux) trnnke; die tvuna g'soffe hau, solle en oi zahle"— Notizen. — Die zoologische Sammlung der Berliner L a n d iv! r t- s ch a f t l i ch c n Hochschule erhielt von dem Pflanzcnpaläontologcn und Polarforscher Pros. Nalhorst in Stockholm den Schädel eine? weiblichen M o s ch u So ch s c n. den er von seiner vorjährige» Piilar- expedition aus Ostgröuland mitgebracht hat.— — Die München er Jahrcsaiisstc llung 1900 wird, wie alljährlich, am 1. Juni im GlaSpalast eröffnet.— — In Mainz werden umfassende Vorbereitungen für die Feier des 500 jährigen Geburtstags Gutenbergs getroffen. Die Feste sollen vom 23. vis 26. Jnni danern. Vor allem ist ein h i st o r i s ch e r F e st z u g in großem Stile geplant, für den bisher 44 000 M. gesammelt worden sind. Der Zug soll eine Huldigung der großen Geister aller Zeiten und aller Knltimiationen für den Erfinder der Bilchdriickcrknnst darstellen.— — G l a d st o n e S Bibliothek, die 35 000 Bände um- faßt, wird in dem Dorfe H n>v n r d c n in einem besonderen Gc- bände initcrgebracht, zn dem vor kurzem der Grundstein gelegt wurde. Mit dieser Bibliothek steht eine Art Gasthaus in Ver- bindiuig. da? mir zur Aufnahme von Gelehrten eingerichtet worden ist. die gegen ein ganz geringes Entgelt hier wohnen und in der Bibliothek ihre» Stadien' obliegen können. — Zur Förderung eines nationalen spanischen Theaters sollen jährlich ca. 200000 Pesetas vom Staate ans- geworfen werden, die als Preise für die besten Bühnenwerke bc- stiimiit sind.— — Im Jahre>903 wird in Wien eine ElektrieitätS- Ausstellung slattsinden Die Ausstellung ist im größten Stil geplant und soll eine llebcrsicht über die inodcmcn Errnngenschaften der Elektrotechnik bieten.—____ . Druck uno Lerta, o«i Btax Basiug m Berlin.