Anlerhaltungsblatt des vorwärts Stt. 90. Donnerstag, den 10. Mai. 1300 eNochdrwt tctboten.) 80] Auferflehung. Roman von Leo T o l st o j „Ich weiß, ich weiß, aber was soll ich jetzt thnn?" sagte Nechljudow.„Ich bin entschlossen. Dich jetzt nicht zu der- lassen." wiederholte er.„und was ich gesagt habe, das thue ich." „Und ich sage, du thust es nicht!" sagte sie und lachte laut auf. .Katjuscha!" begann Nechljudow. „Geh fort von mir. Ich bin eine Zilchthäuslerin, und Du bist ein Fürst und hast hier nichts zu suchen!" rief sie. vom Zorn vollständig verwandelt, und riß ihm die Hand weg. „Du willst durch mich deine Seele retten," fuhr sie fort und beeilte sich, alles zu sagen, was in ihrem Innern auf- stieg.„Hast mich in diesem Leben genossen und willst durch mich auch in der andern Welt glücklich werden: Du bist mir widerwärtig, mit Deiner Brille und Deiner ganzen fetten, verfluchten Schnauze. Scher Dich fort, fort!" schrie sie und sprang nrit einer energischen Bewegung auf die Füße. Der Aufseher trat zu ihnen. „Was machst Du da für einen Skandal! Wie darfst Tu wohl.. „Lassen Sie sie, bitte," sagte Nechljudow. „Sie soll sich nicht vergessen," sagte der Anfscher. „Nein, w arten Sie. bitte." sagte Nechljudow. „ Ter Auf scher trat zum Fenster. Die Maslolva setzte sich wieder, schlug die Augen nieder und preßte ihre kleinen Hände mit gekreuzten Fingern fest zusammen. Nechljudow stand ihr gegenüber und wußte nicht, was er thun sollte. „Du glaubst mir nicht." sagte er. „Daß Sie mich heiraten wollen— daraus wird niemals etwas. Eher hänge ich mich auf I Da wissen Sie eS!" „Ich werde Dir dennoch dienen." „Das ist Ihre Sache. Nur habe ich von ihnen nichts notig. Das ist die Wahrheit, die ich Ihnen hier sage," sprach sie.„Und warum bin ich damals nicht gestorben!" setzte sie hinzu und begann jämmerlich zu weinen. Nechljudow konnte nicht reden; ihre Thräucu teilten sich ihm mit. Sie erhob die Augen, sah ihn gleichsam vettvandert an und begann mit dem Brusttuch die über die Zwangen fließenden Thronen abzuttocknen. Ter Aufseher ttat jetzt wieder heran und erinnerte, daß die Zeit verstrichen fei. Die Maslowa stand ans. „Sic sind jetzt erregt. Wenn es möglich ist, komme ich morgen wieder. Denken Sie nach," sagte Nechljudow. Sie antwortete nichts und trat, ohne ihn anzusehen, hinter dem Ansscher hinaus. „Nun, Mädchen, Du lebst jetzt fem," sagte die Korablcwa zur Maslowa. als sie in die Zelle zurückkehrte.„Man sieht, er ist stark in Dich verkeilt; paß ans, so lange er kommt. Er macht Dich frei. Reiche Leute können alles." „Wie das doch geht," sagte die Wärtersfrau mit ihrer singenden Stimme.„Für den Armen ist selbst die Nacht zu kurz zum Heiraten, der Reiche aber deirtt nur rrach, errät es. und alles kommt, wie er es gewünscht hat. Wir haben solch arigeseheneu Herrn, Schwälbchen, daß, was er unternimmt.. „Nun, hast Du von meiner Sache gesprochen?"»fragte die Alte. Aber die Maslowa antwortete ihren Gefährtinnen nicht. sondern legte sich auf die Pritsche und lag so bis zum Abend, indem sie die schrägen Augen in eine Ecke gerichtet hielt. Fn ihr ging eine quälende Arbeit vor sich. Das, was Nechljudow ihr gesagt, rief sie in die Well, in der sie gelitten hatte, und aus der sie herausgegangen war, da sie sie nicht verstand und sie haßte. Ihr war jetzt die Vergessenheit abhanden gekommen, in der sie gelebt; mit klarer Erinnerung aber au das zu leben, was gewesen, war allzu qualvoll. Abends kaufte sie sich wiederum Branntwein und betrank sich mitsamt ihren Gefährtinnen. Siebenundvierzigstes Kapitel. „Ja. so ist es! so ist es!" dachte Nechljudow, als er airs dem Gefängnis trat, und begriff erst jetzt seine ganze Schuld. Wenn er nicht versmlst hätte, sein Vergehen wieder gut zu machen und zu bereuen, würde er niemals seine ganze Frevelhaftigkeit gefühlt haben, und sie hätte niemals das Böse vollstlmdig empfunden, das er ihr zugefügt. Erst jetzt ttat alles das in seinem ganzen Schrecken nach außen. Er sah jetzt nur das, was er mit der Seele dieses Weibes onge* richtet hatte, und sie sah und verstand, was mit ihr geschehen war. Vordem hatte Nechljudow mit seinem Gefühl gespielt, mit seiner Nene herumgetändelt; jetzt ioar ihm einfach schrecklich zu Mure. Sie verstoßen— das fühlte et jetzt— konnte er nicht, und dabei vermochte er sich auch nicht vorzustellen, was aus seine« Beziehungen zu ihr werden sollte. Gerade am Ausgange trat ein Aufseher mit unangenehmem, einschmeichelndem Gesichtsausdruck und einem Kreuz und Medaillen auf der Brust auf Nechljudow zu und händigte ihm mit geheimnisvoller Miene einen Zettel ein. „Hier ist ein Zettel für Ew. Excelleuz von eurer gewissen Person", sagte er zu Nechljudow. als er ihm daL Couvert übergab. „Von welcher Person?" „Das werden Sie erfahren, wenn Sie gelesen haben. Eine politische Gefangene. Ich bin in dieser Abteilung; da hat sie mich gebeten... und>venn es auch gegen die Vorschrift geht, so hat man doch hin und wieder monschltche Gesiihle..." Der Aufseher sprach unnatürlich geziert. Nechljudow war überrascht, daß ein Aufseher der Ab« teillrng, in welcher politische Gefangene interniert waren, im Gefängnis selbst und fast vor jedermamis Augen Zettel übergeben konnte; er wußte damals noch nicht, daß dieses ein Aufseher und gleichzeitig ein Spitzel war. Er nahm ttotzdem den Zettel und las ihn beim Hinausgehen aW dem Gefängnis. In dem Schriftstück war mit Bleistift in kühnen Zügen, ohne den Endbuchstaden„järr", folgendes ge- schrieben: „Da ich erfahren, daß Sie das Gefängnis besuchen und sich für eine in Hast befindliche Person interessieren, möchte ich mit Ihnen zusammentresscn. Bitten Sie um eine Zu- sammeukunst mit mir. Alan wird sie Ihnen gewähren, und ich werde Ihnen eine Menge für Ihren Schützling und polltische Verbrecher wichtiges Material überllescrn. Ihre dankbare Wjera Bogodnchowskaja." „Bogodnchowskaja! Wer ist diese Bogodnchowskaja?" dachte Jtcchljudow; er war vollständig vom Eindruck des Wiedersehens mit der Maslowa in Anspruch genammen und fand im ersten Augenblick keinen Zusammenhang zwischen diesem Namen und der Handschrift. Dann erinnerte er sich plötzlich.„Ah. die Makonstochter bei der Bärenjagd." Wjera Bogoduchowskaja war Lehrerin in einer öden Gegend des Nowgorodscheu Gouvernements gewesen, wohin Nechljudow mit seinen Kameraden zur Bärenjagd gefahren war. Diese Lehrerin hatte sich mit der Bitte an Nechljudow gewandt, ihr Geld.zu geben, um zu studieren. Nechljudow gab ihr Geld und vergaß sie. Jetzt zeigte sich, daß dieses Fräulein eine politische Nerbrecherin war. im Gefängnis saß, wo sie wahrscheinlich seine Geschichte gehört hatte, und ihm jetzt ihre Dienste anbot. Wie damals alles leicht und ein- fach gewesen war, war jetzt alles schwer und kompllziert. Nechljudow erinnerte sich lebhäft und fröhlich an die damalige Zeit und seine Bekanntschast mit der Bogoduchowskaja. Das lvar vor Fastnacht gewesen, in der Einöde, über sechzig Werst von der Eisenbahn entfernt. Die Jagd war glücklich, man hatte zwei Bären erlegt, aß zu Mittag und schickte sich an fortzufahren, als der Besitzer der Hütte, in welcher man Rast gemacht, mit der Botschaft kam, di? Tochter des Diakons sei angekommen und wünsche den Fürsten Nechljudow zn sprechen. „Ist sie hübsch?" sragtc jemand. „Lasten Sie es gut sein," sagte Nechljudow, stand vom Tisch auf, Ivunderte sich, wozu die Dinkonßtochter ihn nöttz hätte, machte ein criistcs Gesicht und trat in die Stube des Besitzers. Im Zimmer befand sich ein Mädchen im Filzhut und Pelz, nervig, mit Mflgemn, mifchsiu/.l Gesicht, in dem nur die Augen mit hochgezogeneu Brauen hübsch waren. � „Da, Wjera Jefreniowna, sprich mit ihm," sagte die alte Hausmutter,„das ist der Fürst selbst. Ich gehe fort." „Womit kann ich Ihnen dienen?" sagte Nechljndow. „Ich... ich... Sehen Sie, Sie sind reich und Werfen Geld für unnütze Dinge, für eine Jagd weg. Ich weiß Wohl, daß..."— begann das Mädchen stark be- sangen—„aber ich will nur eins, will den Menschen nützlich sein und kann es nicht, weil ich nichts verstehe." «Was kann ich aber dazu thun?" „Ich bin Lehrerin und möchte studieren, werde aber nicht zugelassen. Man würde mich schon zulassen, aber dazu ge- hören Mittel. Geben Sie sie mir. und ich beende den Kursus und gebe Jhtien das Geld zurück." Ihre Augen waren aufrichtig und gut, und ihr ganzer Ausdruck von Schüchternheit und Entschlossenheit war so rührend, daß Nechljndow, wie es zuweilen mit ihm geschah, sich plötzlich in ihre Lage hineinversetzte, sie verstand und be- dauerte. „Ich denke, die reichen Leute schießen Bären und machen die Bauern betnmken— alles das ist doch schlecht. Warum können Sie nicht Gutes thun? Ich brauche nur achtzig Rubel. Wenn Sie nicht wollen, ist es nrir auch einerlei," sagte sie böse, denn der unverwandte, ernste Blick, den Rech- ljudow auf sie richtete, wurde von ihr ungünstig gedeutet. „Im Gegenteil, ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben..." Als sie begriff, daß er ihren Wunsch gewährte, wurde sie rot und verstummte. „Ich bringe es Ihnen sofort." sagte Nechljndow. Er trat auf den Flur hinaus und traf hier einen Käme- raden, der ihr Gespräch mitangehört hatte. Nechljndow ließ die Späße des Kameraden ohne Antwort, holte das Geld aus seiner Tasche und brachte es ihr. „Bitte, bitte, danken Sie nicht. Ich muß Ihnen danken." Es war Nechljndow angenehm, sich jetzt an alle diese Vorfälle zu erinnern, wie er fast mit dem Offizier in Streittg- ketten geraten war. der aus der Sache einen schlechten Scherz machen wollte, wie ein andrer Kamerad ihm beisprang, und er infolge dessen näher mit ihm zusymnien kam; wie die ganze Jagd glücklich und. fröhlich verlief, und wie ihm an- genehm zu Mute war, als man nachts zur Eisenbahnstation zurückkehrte. Der zweispännige Schlittenzug bewegte sich nn Gänsemarsch in leichtein Trabe auf dem schmalen Wege durch bald hohe, bald niedrige Wälder mit Tannen, die von dicht gehäuften Schneeflocken erdrückt wurden. In der Dunkelheit glänzte etwas mit rötlichem Schein, und jemand rauchte eine duftende Cigarctte an. Ossip, der Treiber, lief von Schlitten zu Schlitten, bis an die Knie im Schnee, setzte sich nieder und erzählte von Elentteren, die jetzt auf tiefen Schneefeldern gehen und Espenrinde fressen, und von Bären, die jetzt in ihrem dichten Lager den warmen Atem durch das Lustloch schnauben. Nechljudow fiel das alles und besonders das glückliche Gefühl dxs Belvußtseins seiner Gesundheit, Kraft und Sorg- losigkeit wieder ein. Die Lunge trieb den Halbpelz auf und atmete die Frostluft ein: auf das Gesicht fiel Schnee von kleinen Zweigen, die das Krummholz gestreift hatte; der Körper war warm, das Gesicht frisch, und im Herzen weder Kunimer noch Vorwürfe, noch Furcht, noch Wünsche. Wie war das schön! Aber jetzt? Mein Gott, wie war jetzt alles qualvoll und mühsam! Offenbar war Wjera Jefreniowna eine Rebellin und als solche eingesperrt. Er mußte sie sehen, besonders weil sie ihm Andeutungen zu machen versprochen hatte, wie er das Los der Maslowa erleichtern könnte. Achtundvierzig st es Kapitel. Als Nechljudow am andern Morgen erwachte, siel ihm alles wieder ein, was gestern gewesen war, und er erschrak. Aber ungeachtet dieser Furcht beschloß er fester als je, das angefangene Werk fortzusetzen. In diesem Gefühk des Bewußtseins seiner Pflicht fuhr er von Hause fort und fuhr zu Maslennikow, um ihn um Er- laubnis für seinen Besuch im Gefängnis außer bei der Mas- Iowa auch bei der alten Menschowa mit ihrem Sohn, für welche die Masloiva Fürsprache bei ihm eingelegt, zu bitten; außerdem ivollte er eine Zufamcnkunft mit der Bogoduchows- kaja erwirken, die der Maslowa nützlich sein konnte. lFortsetzung folgt.) AZevv Schlailtjev««d die.»Fveiv Volksbühne". In der letzten Geiieralversammliiiig des Vereins wurde auch über die Kritiken des Herrn Schlaikjer gesprochen, und der Vor-- sitzende soivie einige Glieder des Ausschusses hielten mit ihren von der Auffassring des Kritikers abweichenden Meinungen nicht zurück. Wenn die„Kritik" frei ist, wird irnn wohl auch, denken wir, die gleiche Freiheit für eine Kritik der Kritik in Anspruch genommen werden dürfen. Da Herr Schlaikjer zu rursern, Bedauern nicht anwesend war, legten sich die Diskussionsredner, die zu der Sache sprackien, große Zurückhaltung arrf. Ein Schweigen ivar, da aus der Versammlung heraus die Anfrage kam, ausgeschlossen. Herr Schlaikjer hat es hierauf für gut befunden, in dem ihn zierenden Tone der lleberlegenheit nunmehr dem Verein und der Vcrcinsleitnng den Text zn lesen.(„Vorwärts" vom 8. Mai.) Der Verein, der gcgenwärtig 6300 Mitglieder zählt und im nächsten Winter die 7. Abteilung erhält, ist mit einmal—„litterarisch tot",„sinkt zn eine m ästhetischen Zirkel der besseren Art, bei ungeschickter Leitung zn einem solchen der schlechteren Art herab". Freilich, Herr Schlaikjer hat die Güte, sein Urteil einzuschränken: Der Verein ist littcransch tot, nur wenn er denselben Charakter, den er seit je getragen und mit dem er groß geworden, beibehält. Hingegen läßt uns Herr Schlaikjer freundlich weiter- leben, wenn der Verein sich einer großen nagelneu von ihm er- fnndcncn Radikalkur unterzieht; wenn er»äinlich sich als experimcn- tierende Secessionsbühne aufthnt, verkannte Talente aufstöbert und zw diesem Behuf womöglich einen„Dramaturgen", einen„anständig bezahlten Main»" anstelit. Unter diesen Umständen wird es Ivohl für uns bei dem„litterarischen Tode" von Herr» Schlaikjcrs Gnaden sein Bewenden haben müssen. Denn daß ein Volksbühnenvcrein die hier gewiesenen Pfade einschlagen sollte, ist für jeden, der die Verhältnisse kennt, von vornherein ausgeschlossen. Der jämmcr- lich magere Ertrag der laufenden Bühnenprodnktion, der bereits von den öffentlichen Theater» vergebens nach erträglichen Erzeugnissen durchsucht wird— der würde gerade auch die Änstellung eines von Arbeitergroschen zu unterhaltenden Spccialdramnturgcn löhnen! Die der„Volksbühne" eingesandten Stücke, darunter solche, die dann später an öffentlichen Bühnen aufgeführt wurden, haben alles andre nur nicht in dieser Beziehung ermunternd gewirkt. Ratschläge sind eine gute Sache; nur sollte der Ratgeber die Menschenfreundlichkeit besitzen, die Leute, die dem Rat nicht folgen wollen, nicht gleich im voraus tot zu sagen. Ihr Relief erhält diese liebenswürdige Prognose durch die Vc- Merklingen zum Programm der freien Volksbühnen unresonnicrtcn Stils. Herr Schlaikjer stellt sich als außerordentlich tolerant hin: Leichte Unterhaltungsware könne und müsse mit unterlanscn, nur müßten„die guten Stücke überwiegen". Wie bescheiden! denkt der Leser sicher bei diesen Worten. DnS müßte doch schon eine ganz miserable Vcreinslcitung sein, die nicht einmal solchen niedrig gestellten Ansprüchen gerecht würde. Aber es giebt offenbar solche Vereinsleitnngcn l Dann fährt Herr Schlaikjer fort:„Immer wird die Kritik die Sache der Volksbühnen vertreten, sei es auch unter Umständen gegen die Männer, in d e r e n H ä u d e n die Sache augenblicklich r n h t." Nach dem Zusammenhang des Ganzen kann der Leser bei dieser Stelle mir an die Leitung der„Berliner Volksbühne" denken. Gegen diese Leitung also muß„die Kritik", und zlvar eine Kritik, die ihre Ansprüche so iveit herabsetzt, sich der guten Sache annehnien I Die beste Antlvort darauf giebt eine Ilebersicht des winterlichen Repettoires. Es ivnrden aufgeführt:„Faust", FreytagS„Jonnialisten", Drehers„Winterschlaf",-.Minira von Barnhelm", SchnitzlerS„Vcr- mächtnis", Ibsens„Rosmcrsholm",„Hamlet",„Die Töchter deS Herrn Dupont" von Brioux, Björnsens„Neuvermählte", zivei Ein- alter von Hartleben, einer von SUdennann nnd einer von Schnitzler. Wenn auch die Aufführung des von Herrn Schlaikjer dem Vereüi eingereichten nnd später) im Schiller� Thealer gespielten„Hinrich Lornsen" abgelehnt ist, dürfte diese Auswahl sich doch immerhin sehen lassen I Zum Schluß kommt Herr Schlaikjer auf den schauspielerischen Wert der Vcrcinsvörstellungcn im Ostend- und Lessingthcater zn sprechen. Das Lessingtheatcr bildet, nach seine» Kritiken zu schließen, den negativen Gegenpol zum Schiller-Theatcr; sowie dort alles Licht, ist hier' alles Schatten. Es ist das eine Privatmeinung von Herrtr Schlaikjer, mit der, wenigstens was das Schillertheater betrifft, seine Leser ja hinlänglich bekannt sind. Aber es wäre erwünscht, wenn er über die Wirkungsgrenzen seiner Privatincinung sich keiner Täuschung hingäbe. Hoffentlich führt er seine Drohung ans: falls sein Appell an die Leitung, an Neumann-Hofer, nn die Schauspieler frnchllos. bleibe. an die Arbeiter zu appellieren, die schließlich nicht dazu da sind, sich verhöhnen zu lassen(II). Die nächste Generalversämmlung unseres Vereins bietet ihm die beste Gelegenheit dazu. Wenn der Appell auch keinen weiteren Erfolg haben sollte, vielleicht trägt die Diskussion dazu bei, den von Herrn Schlaikjer, und zwar, nicht nur gegen unser». Verein, beliebten Ton in Zukunft etwas herabzndämpfen. C o n r a d S ch m i d t, Vorsitzender der Berliner Freien Volksbühne. Atzgivnisches uon Stndk mii* ITantr. (Von Prof. Dr. M. R u b n e r. München und Leipzig. 48 S. Preis 1 M.) Die Gefährlichkeit der Zunahme und des Wachstums der großen Städte für die VolkSgefnndheit gilt den meisten mehr als ein Dogma, denn als eine beiviesene Thatsachc. In den meisten Ländern hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte die Zahl der Städter bedeutend vermehrt; so wohnt jetzt fast die Hälfte aller Deutschen in Städten, vor 27 Jahren war eS nur der dritte Teil. Dieses Wachstrnn ist natnrnotwendig und wird noch vorschreiten. Statistisch läßt sich nachweise», daß die Sterblichkeit in der Stadt im allgemeinen größer ist als auf dem Lande und zwar besonders bei Männern in der Blüte der Fahre, wcmger bei Frauen. Auch für die erste Kindheit ist das Land günstiger.— Zur Erklärung dieser Thatsachen durchforschte R. die äußeren Ver- Hältnisse des städtische» Milieus»nd die Lebensweise des Einzelnen. Die Stadtluft ist ein Ivenig(0.5—2° Res.) wärmer als die des freien Landes und windstiller, ivird also weniger oft erneuert. Sie ist aber auch schlechter, weil reicher an Staub, Bakterien und Verbrennnngsbeftandteilen. die zum Teil von industriellen An- lagen herrühren; im Centnnn ist die Luft am schlechteste». Eine solche Luft schädigt nicht nur unmittelbar Leute mit kranken Atmnngsorgancn, sondern giebt auch Veranlassung zur Entstehung von ungesunden Nebeln, wie in London und Hamburg, nnd erfüllt die Atmosphäre über der Stadt mit einem Dunst, der dein für alles Organische so wichtige» Sonnenlicht den Durchgang erschivert. Es ist erwiesen, daß die Stadt iveniger Sonnenschein hat als das Land, nnd zivar gerade im Winter, Ivo mau seiner am meisten bedarf. Ist die Straßenluft schon schlecht, so ist es die der Wohnnngcn noch mehr, zumal wenn sie durch den Aufenthalt vieler Menschen, durch Heizung und Beleuchtung, durch das Gewerbe verdorben wird. Den Hanptantcil an der Gcsnndhcitsschädlichkcit der Wohnnngs- Inst trägt die llebervvlkcrung der Wohnräume. Dabei bieten ohnehin die Wohnnngcn dem Einzelnen meist eine» zu kleine» Luftraum. Zudem sind sie teuer: der städtische Arbeiter giebt etwa'/«, der ländliche noch nicht Vl« seines Einkommens für Wohnnngsmicte ans. Für diese» Nebelstand sieht R. das Heilmittel in einer gründlichen WohmingSrefon«. der auch die besser Sitnicrtcn ihre volle Aufmerksamkeit zinvenden sollten; denn ungesunde Wohnungen sind zur Zeit der Epidemien Brutstätten der Seuche» und als solche eine Gefahr für die Gesamtheit.(So lange wir noch keine WohnnngSinspektoren haben, und wohl auch dann können Arbeiter-Sonitäts-Kommissionen auf diesem Gebiet viel Gutes leiste». Ref.) Gesunde Häuser müssen auf gesundem Boden stehen, deshalb ist die Reinhaltung des städtischen Baugrundes, für die ja, namentlich in den großen Städten, viel gcthan wird, so wichtig. Auch Bauordnungen, die nicht zn viel Massenqnarticre entstehen lassen, sondern nichr vereinzelte, durch genügenden Luftraum gc- trennte Gebäude, können segensreich sein. Das Vorortsystem hält R. für nachteilig, weil eS den Arbeiter zwingt, die Mahlzeiten außer dem Hause einznnehmen, ihm also das Leben verteuert. Geringere, wenn auch beachtenswerte Schäden sind das Fehlen guter Flußbäder, wegen der Verschmutzung der städtische» Wnsserlänfe, ferner die Minderwertigkeit vieler Nahrnngs- niid Genntzmittel, die ans dem langen Wege vom Produzenten zum Konsumenten allerlei Verfäl- schungen ausgesetzt sind. Der einzelne Städter könnte manche Schädlichkeiten seines Milieus besser abwehren, wenn er für sich und die Seinigen den Grundsätzen der privaten Hygiene mehr Geltung verschaffte. Da die Städter zum großen Teil ein Leben in geschlossene» Räumen führen, sollen sie wenigstens für gute Lüftung dieser Räume sorge» und die Muße so ausgiebig als möglich zur Bewegung im Freien benutzen. Weil bei vielen städtischen Berufe» die Muskelarbeit im Verhältnis zu der der Nerven gering ist, vermindert sich auch die körperliche Leistungsfähigkeit nnd die Lust an körperlicher Bethätignng; am Ende ihres Arbeitstages verspüren solche Leute nicht die angcnchnie Mnskelcrmüdinig, sondern nervöse Abspanmnig. Zur Entstchnng und Vermchrnng der Nervosität tragen überdies der Straßenverkehr, weil er unaufhörlich zn an- gespannter Aufmerksamkeit zwingt, der Straßenlärm, zu dessen Be- scitignug so wenig geschieht, die Erschütterungen des Körpers bei Benützung, der öffcntlilven Fuhrwerke nicht wenig bei.„Des Dienstes ewig gleich gestellte Uhr" verlangt unerbittlich die Erfüllung des täglichen Arbeitspensinns auch. von solchen, deren augenblickliche seelische oder körperliche Verfassung sie ihnen erschwert; in solchem Fall sucht man sich durch gewisse Gcnnßmittcl, namentlich den Alkohol, Spannkraft zu verschaffen. Doch wird dieser ein gefährlicher Freund, znnial wenn beim Umgang mit ihm die Aufnahme wirklicher Nahrungsmittel vernachlässigt wird. Ein Ausdruck der Nervosität mag vielleicht auch die Lust der Großstädter am Wohnnngs- Wechsel sein, die gerade bei Inhabern kleiner Wohnungen ein Opfer von etwa 10 Proz. der Wohnnngsmiete erfordern soll.' Endlich thun noch die übermäßige Arbeitszeit und die städtische Art der Ver-, gnügungen. die mehr Anstrengung als Erholung bieten»nd zudem meist die Nachtruhe beeinträchtigen, das ihrige zur Ausbreitung der Nervosität. Mit Recht hebt R. hervor, daß unter solchen Umständen der Kampf gegen den Alkohol so lange aussichtslos sei, bis man die Ursachen, die zuin. Alkoholgenuß verleiten, beseitigt habe.— Nach dein Gesagten wird man verstehen, warum unter den Todesursachen Gehirn-�— Herz- und Niercukrankheiten bei' den-Slädtcrn eine viel größere Rolle spielen als bei den. Landbewohnern.— Der schlechte Einfluß sitzender Lebensweise macht sich auch auf das Wachstum und die Entwicklung der Jugend bemerkbar; so sind in der Textil- iiidnstrie die Spinner durchschnittlich etwas kleiner nnd von schwächerem Brnstbau als die Färber, Handwerker und Tagelöhner. Solche Lebensweise schafft den Boden für das Gedeihen der Tuber- kulose. Wie der Städter diesen BcnifSschädignngcn entgegenzutreten hat, crgiebt sich von selbst. Erholung bei körperlicher Thätigkcit im Freien, gute Hantpflege, einfache, reizlose, aber kräftige Ernährung sind die Waffen des Einzelnen gegen sie. Der jährliche Landaufenthalt, schon längst ein Bedürfnis für viele Städter, kann die Fehler eines ganzen Jahrs nicht gutmachen, kann die private Hygiene nicht ersetzen. Doch kann er immerhin viel nützen, wenn man dabei seinen Körper übt nnd den Geist anS- ruhen läßt, nicht aber das Leben der Stadt ans dem Lande fortsetzt. Daher hüte man sich vor überfüllten Modc-Ortcn, wo die Fremden- indnstrie die städtischen Bedingungen geschaffen hat, denen nian zn entfliehen suchen sollte. Das etwa ist das Resümee der vorzüglichen Schrift des bc- kannten Hygienikers, ein Resümee, daS dem Leser nur andeuten soll, welche Belehrung er von dem— übrigens mit meisterhafter Klarheit geschriebene»— Werkchcn zu erwarten hat. Die kleine Schrift ist wahrlich ein nützlicheres und geistvolleres Mittel zur not- wendigen Verbreitung hygienischer Anschauungen und Kenntnisse, als mancher dickleibige, zusainmenkompilicrte sogenannte ärztliche Hans- schätz. Sollte aber der eine oder der andre sich durch die ihm neuen Ansfühnmgcn erschrecken lassen, so mag er nur berücksichtigen, daß, wie auch R. hervorhebt', die Sterblichkeit in den letzten Jahr- zehnten in Stadt und Land erheblich gesunken ist. Was gerade für den Mann in der Vollkraft der Jahre' den Aufenthalt in der Stadt gefährlich niacht, sind nicht so sehr die Eigentümlichkeiten der Stadt als solcher, als vielmehr die Schädlichkeiten, denen er sich im Berufe, besonders in der Industrie und ini Gewerbe aussetzen muß, wie das auch ein andrer verdienter Hygicnikcr, Kruse(Bonn) in einer Schrift„über den Einfluß des städtischen Lebens auf die Volks- gcsnndhcit" jüngst bewiesen hat. Es kann auch nach diesem Gelehrten nicht im Ernst von der bei den Agrarier» so beliebten Degeneration der städtischen Bevölkerung die Rede sein. So waren z. B. in Bayern verhältnismäßig die»leisten zum Militärdienst Tangliche» nicht unter den Laudlentcn zn finden, sondern gerade unter den Angehörigen des in- dnstriellcn und gewerbliche» Berufe. Neberhaupt scheint die von manchen angenommene körperliche Entartung der kultivierten Völker eiucFabelzu sein; es ist durchaus nicht mit Sicherheit nachzuweisen, daß untre Vor- fahre» größer und stärker als wir gcivescn seien, ja es ist sogar wahr« fcbcinlich, daß in allen Kulturstaatcn die Körpcrbcschaffcnheit der Be- völkernng im großen u»d ganzen eine geringe Besserung erfahren hat. Doch darf sich der Bolksfreund damit noch lauge nicht zufrieden geben. Die Forschungen der Hygiene nnd die Ergebnisse der Statistik zeigen ihm, daß und wie die Gesundheit des Volkes noch gebessert werden kann.— o— s., Kleines Feuillekon. g. Der Mai war schuld daran. Eigentlich sollte sie schon lange zu Hanse sein, sie ging aber doch noch weiter— immer weiter. Die Sonne lockte gar zu sehr. Es war nicht einmal schön, dort wo sie ging. Alles bloß „Gegend", wie der Vater immer sagte. Rechts und links Lauben- kolonie», dazwischen Bauplätze nnd Wiescnland, aber schon die freie Luft hier draußen und das wundervolle frische Grün I Auf den Wiesen blühten die Butterblumen, wie Taufende von leuchtenden Sonnen strahlten ihre gelben Kelche aus dem jungen Gras. In den Kolonien arbeitete man. Die Frauen gruben das Land um und steckten junges Gemüse. Die Männer zimmerten Lauben und hölzerne Bänke und Tische. Hier nnd da waren schon Frühlingsblumen gepflanzt, Stiefmütterchen und blaue Vergißmein- nicht und dazwischen dunkelglühender Goldlack. An einem freie» Platz hatten sich die Kinder an die Hand gefaßt und tanzten einen Ringelreihen. Sie blieb einen.Angenblick stehen und horchte. Der Wind trug die hellen Stimmen gerade z» ihr hinüber: „Maricchen saß ans einem Stein Und kämmte sich ihr goldncs Haar...• „Und kämmte sich ihr goldnes Haar." Sie wiederholte die Worte, und während sie weiterging summte sie die Melodie vor sich hin. Ein Lächeln spielte um ihren welken Mund. All diese junge Maienpracht, dieses Frühlingssprosscn, das war so schön— so schön I Das stahl sich so.in das Herz hinein, das machte die Brust so weit— so hoffnungsfroh, als gäbe es gar kein Lcbcnselend mehr, als ginge es. mm immer so weiter hinein in das Schöne, Wundervolle— entgegen irgend etwas Großem, Nicgeahntcm— dem Glück. Dem Glück— der helle Glanz in ihren Augen erlosch, ein Seufzer rang sich ans ihrer Brust: wo war das Gluck? Sie wartete schon so lange, darauf— schon dreißig Jahre. Sie hatte es nie gc- fnnden. Sie. fand es wohl auch niemals mehr. Woher sollte es kommen? Sie dachte an ihr Heim. An die finstre Wohnung auf dem dritten Hofe, an dgs. duiikle Zimmer, wo den Tag über die Maschine rasselte, Ivo der Vater auf dem Sicchenbett lag. Da fand das Glück nicht hin. Wie ein Schluchzen ging eS über ihr Gesicht An ihrer Serte schwirrte eine Lerche ans; trillernd ncrlor sie sich im blaneu Nether. Sie folgte ihr mit den Augen, bis sie entschwand. Und wieder flammte es in ihrem Herzen empor, dieses frohe, ahnnngSseetige Hosscu: cS mnszte doch noch koiumen— das Glück. Einmal mnfltc es loinmcn,— einmal— bald, vielleicht hent noch— o sicher hent! Wenn sie nach Hans kam, war es da, groß, lcnchlend, die ganze dimkle Stube strahlte auf in seinem wunderbaren Glanz, strahlte hell und golden, wie die Maiensonne... Zu ihren Fnszcn blühten Blumen. annseligerBicucnlauch und dürstiges Hirtentäschclkrant, sie brach sie aber doch und wand sie zu einem Stransi zusammen. Wie würde es sein, das Glück? Ach. sie wiijjte es eigentlich selbst nicht. Vielleicht war der Vater gesund geworden, vielleicht hätte Frih geschrieben,— Frih, der nun schon so lauge verschollen war. vielleicht war er drüben, jenseits des grosten Wassers zum reichen Mann gclvordcn und kam nun heim, um Vater und Schwester das Glück zu bringen, vielleicht halte sich auch nur ein neuer Mieter gefunden, und sie hatte für die nächsten Wochen etlvas weniger Sorgen als bisher.... Vielleicht— vielleicht, aber das war ja gerade das Köstliche, unfaßbar Süße, daß man so gar nicht ahnte, wie das Glück ivar, daß man mir wußte, es würde da sein, groß, strahlend, überwältigend in all seiner Fülle und Herrlichkeit. Sie preßte den kleinen Strauß an die Brust und wandte den Schritt nach Hanse. Ein Leuchten lag auf ihrem Gesicht, ihr Gang ivar schnell,— hastig fast— als könnte sie es nicht erwarten, heim zu kommen,— dem Glück entgegen... Der Kranke lag auf seinem Lager in der Ecke und grämelte: „Rein, wo bist Du gewesen? So lange fort zu bleiben— so lange!" Daun sah er den Strauß in ihrer Hand:„Ach. Du bist auf die Wiesen gegangen? Du hast Blumen gepflückt? Solch ein Unsinn! Wo hier die Arbeit wartet! Run wirst Du wieder die ganze Nacht durchnähen müssen. Nein, wie kam Dir uur der Einfall, Blumen zu pflücken?" Das alte Miidchcn stellte den welken Strauß in ein Wasserglas, daim schob sie die Nähmaschine an den Tisch, schloß die NonleauS und zündete die Lampe au, und während sie die Maschine in Bc- toeguug sehte, murmelte sie mit müder Stimme, fast als müsse sie sich vor sich selbst entschuldigen: »Der Mai war schuld daran."— Musik. — BrahmS, Schumann und Mozart. Der englische Komponist Mr. Algernou Ashton lenkt, wie die Wiener.Abendpost" der Zuschrift„Musie" entnimmt, die Aufmerksamkeit der Musik- freunde auf einen artigen Zufall:.BrahmS nnd Schnmaun schrieben je vier Sinfonien. Brahms in C-moll, D-dur, F-dur, E-moll; Schumann in B-dur, C-dur, Es-dor, D-moll. Läßt man die Grund« töne der Lrahmsschcu Siufouicn auf einander folgen, so ergicbt sich dieses Motiv: e, d. f, e. Bei Schumann resultiert. merkwürdigerweise dasselbe Motiv, nur um einen Ton tiefer: b, c, es, d. DaS Motiv ist aber ivohlbckannt, denn es bildet das Haupttheina im letzten Satze von Mozarts.Jnpiter"-Siufonie, der C-dur- S infame mit der.Schlnßfnge".— Kunst. Die.Zweite K u N st a u s st e l l u N g der Berliner Secession"»vurde gestern mittag in dem Ansstellungsgebände, das im Vorj..hi'e in der Kantstraße neben dem Theater des Westens errichtet worden ist, crvffiiet. Die Räume sind in diesem Jahre durch den Ausbau der beiden kleinen Zimmer, in denen die Zeichnungen ausgestellt waren, zu einem und durch den Anbau ciucs neuen neben dem großen Läugssaal beträchtlich vergrößert worden. Dementsprechend ist auch die Zahl der ausgestellten Kunstwerke ver- mehrt worden, cS sind aber immer noch nicht mehr als 41ö. Eine Scheidung zwischen Gemälden, Zeichnungen usw. ist diesmal weder in der Verteilung der Werke in den Räumen noch im Katalog durchgeführt. Lelgemälde, Pastelle. Agun- relle, Zeichnungen und Nadienutgeu bilden mit 858 Nummer» den eichen Teil, plastische Arbeiten jeder Art. darunter auch ein Kamin, mit 57 Nummern den zweiten. Der erste Eindruck, den man bei einem flüchtigen llcberblick empfängt, ist ein außerordentlich günstiger. Tie AnSstelliing bieter eine Fülle des Be- deutenden in glücklicher Anordnung: sie jetzt mit wenigen Worten zu charakterisieren, wäre ei» numöglichcr Berfnch. ES ist in dieser zweiten Secessions-Ausstclluug. wie schon öfter erwähnt wurde, auch das Ausland herangezogen worden, der geringe» Gesamtzahl der Werke entsprechend, jedoch in mir bescheidenem Maße. Ei» paar ausgezeichnete Bilder französischer Impressionisten, Renoir, ein prächtiger Vrangwyu, Laverh. Segantini, Whistler, Zorn fielen znnächst ans. linier den deutschen Malern findet mau im allgemeinen dieselbe» wie im vorigen Jahr. Arnold Böckli» hat neben drei älteren Werken ein neues gesandt. Hans Thoina und Wilhelm Trübner sind mit mehreren Bildern vertmen. Eine für die Geschichte der neueren deutschen Malerei besonders wertvolle Ergänzung der AnSstellimg sind die acht Bilder von dem verstorbenen Hans von Marees, von denen sechs aus dem Museum zu Schleißheim stammen. Hervorragend ist vor allem auch «erannvortliche: Reoacreur: Paul John in Berlin die kleine Sammlung von Plasliken, unter denen sich Arbeiten von Adolf Hildebrand, Constailtin Meunicr, Jules Lagae und eine von Rodin finden.— Völkerkunde. — Ucber die Leiche übe stattung ans den Solomons« i n f e l n lvird der.Köln. Volksztg." geschrieben: Wenn ei» Anner stirbt, so wird kurzer Prozeß gemacht: man wirft seinen Leichnam ins Meer, damit die Haifische ihn auffressen. Stirbt dagegen ei» Häuptling oder ein Reicher, so ist die Sache nicht so einfach.' Trotz des heißen Klimas wird der Leichnam mehrere Tage im Hause auf« bewahrt. Alle Verwandte» und Freund« von nah und fenr versammeln sich. Die Frauen halten Lcichenwacht und klagen und jammern und weinen. Die Männer begeben sich in langer Prozession, im Gänse- marsch, die Axt auf der Schulter in de» Wald. Sie vermeiden dabei, daß zwei ans demselben Dorf hintereinander gehen; denn sie fürchten sich sehr, erschlagen zu werden. Im Walde' fällen sie Holz und kehren dann in einer gleichen Prozession zurück. Sie schlage» im Viereck vier Pfähle in die Erde und füllen den Zloischenramu mit dein herbeigebrachteu Holze. Wenn der Scheiterhaufen fertig ist, wird der Leichnam aus dem Hanse geholt. Bei der Ankunft der Männer flüchten alle Klageweiber ans dem Totenhause und kehren erst zurück, wenu der Scheiterhaufen bereits angezündet ist. Sie tanzen um den Tote» umher und singen dabei. Wenn die Flammcu dann schon hoch cinporschlagc», stürzen sie auf den Leichnam, um ihn nochmals zu küsse», wobei sie sich oft recht schmerzlich verbrenne». Jetzt bringt man auch die Frau des Toten herbei, die man erschlagen hat, tveil sie verlangt hat. i»it ihrem Manne zu sterben, um ihm auch im Jenseits dienen zu können. Die Franc» werden mit ihrem Manne verbrannt. Ist die Lcichcnverbremimig beendet, so werden, um den Geist des Verstorbenen zu uerschenchen. Zaubcrruten und alles mög- liche Schnitzwerk um die Begräbnisstätte herum ausgepflanzt. Eß« waren iverdcn hcrbcigebracht, oft in großer Fülle, damit der Ver- storbene im Jenseits sogleich etwas zu essen finde. Ist oll dieses geschehen, so verlassen die Leute das Dorf, in dem die Asche des Toten ruht, ans Furcht vor dessen Geist. Sie siedeln sich an einer andren Stelle an. Jetzt kommt die Trauerzeit, die sich i» langen und strengen Faste» äußert. Während derselbe» werde» Trauer- gürtel mn Leib und Ann getragen. Besckilosjc» wird sie mit einem großen Fest, wobei es oft hoch hergeht. Gegen Ende des Festmahls ivird noch ein Zauvertrank bereitet, und alle Anwesende» werden mit demselben besprengt, damit der Geist ihnen fernerhin nichts mehr authim konue.— Huinoriftischcö. — Unter der lex Heinz«..Warum spiele» Sie denn keinen Skat mehr, Herr Aeugstlich?" .Weil ich's nicht mehr riskieren möchte, Damen u» d B u b e n d u r ch e i n a ii d e r z u m i s ch e n I"— — Geistesgegenwart. Frau(zum Manu, der um drei Uhr nachts nach Hause kommt):»Nanu, ivie spät ist es denn?" .M a n n:.Ich glaube ein Uhr"(indem schlägt es drei). Frau:»Du mit dich, es schlägt drei." Mann:»Ach Unsinn l Die Uhr st o t t e r t."— (.Meggeud. hum. Bl.') Notizen. — Im Theater des Westens wird als nächste Novität .Rho dope", Operette von Felix. Mitte Juni zur Aussührmig gelangen.— — In der Berliner S c c c s s i o n S- A n s st e l l u n g ist schon vor ihrer Eröfsiuiug ei» Kunstwerk an eine Privatgalerie verkauft worden, Ludwig Eorinths großes Gemälde .Salome".— — In der Beuthpreis-Bc Werbung im Verein deutscher Maschineii-Jugcnieure für 181)!). die den Entwurf einer Vorrichtung zum Umladen von Kohle ans Kaualschineu m Seeschiffe zum Gegcu- stand hatte, ist, wie das»Ecntralbl. d. Banverw." meldet, nur eine Bearbeitung cingegaugen, und zivar von dem Regierungs-Bauführer Heinrich Mehlis in Berlin, dem für den wohlgelmigeuen Entwurf die goldene Beuth-Medaille und der Veilmcyer-Preis(IflüO M.) zuerkannt worden sind.— — Von Felix D ö r m a n n wurde eine drcialtige Komödie »Die K r a u Ii e r b u b e n" vom Wiener Deutschen Volks- t h e a t e r für die nächste Spielzeit zur Aussührmig angenommen.— — Die Wiener Secession hielt ihre Jahresversammlung, in der berichtet wurde, daß die drei diesjährigen Aiisstellungen von 46 ODO Personen besucht waren. Verkauft wurden 254 Knnstwerke im Gesamtwert von 55(XX) Gulden. Zum Obmann wählte man den Maler Karl Moll.— t. Die Sonne durch das größte Fernrohr der Welt, dessen Benntznng nächstens den Besuchern der Pariser Welt- ausslcllnug crössnet werden wird, soll nach den veranstalteten Proben einen wunderbaren Anblick gcioähren. Die Sonneiivberfläche erscheint in einer überraschenden Klarheit, die vulkanischen Ausbrüche (Protnbcraiizcn), die sonst nur am Rande der Sonncnscheibe sichtbar werden, sind durch dnS Siiesenfernrohr ans dem Soimenlörp« selbst wahrnehmbar.— . irui und Bern:- von Di an Badtug m Berlin.