N». 819. Adomitment»- Ktdingungt»: »bonnemtni»-Prel» prünumerand«! vterteljährl. Z.M Mt.. monatt 1,10 SHV «-öchi»lttch 28 Pfg. fiel ins Hau,. Slnjelne Nummer S Pf,. Sonntag», Nummer mit Illustrierter Sonntag», Beilage.DI« Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ILO Mark pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung», Preisliste für ISVV unter»r. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und L-sterreich- Ungarn a Marl, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. Erscheint täglich«utzrr»»»lag«. 16, Jahrg. Verlinev VolkesblÄkt. M, Jnstrtions- Gebühr betragt stir die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum ,0 Pfg., für volttische und gewerks chastltche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ..Klein« Anseigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fel». Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags tn derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen btS 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1003. Telegramm- Adresse: „Lorialdemokrat verlin» Centraiorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Urdaltlio»! SW. 19, Veuth-Slratz- 2. Dienstag, den 19. September 1899. Expedition: SW. 19, Venth-Strilfze 0. Der Anteil der Masse. n. Nachdem sich Herr Raphael May in der am Schlüsse des ersten Artikels geschilderten Weise sein Operationsfeld präpariert hat, stellt er folgendes Exempel auf. Die„Franks. Zeitung" berechnet die Höhe der Emissionen in Deutschland im Jahre 1896 auf 2088 Millionen Mark, der„Deutsche Oekonomist" mif 1858 Millionen Mark, wovon 1290 Millionen auf deutsche, 568 auf fremde Papiere entfallen. Herr May ist bescheiden; er begnügt sich mit rund 1000 Millionen. Ferner sind in Preußen im Jahre 1895/96 rund 950 Millionen Mark in Hypotheken angelegt; das macht für das Deutsche Reich, nach der Bevölkerungszahl berechnet, 1596 Mill. Mark. Davon gehen ab nach May für Psandbrief-Emissionen 450 Millionen, bleiben noch 1146 Millionen Mark, die Herr May wiederum be- scheidenen Gemüts auf 1000 Millionen Mark reduciert. Am weitesten aber treibt er seine Bescheidenheit, wenn er das von den deutschen Kapitalisten im Jahre 1896 auf Erweiterung ihrer Betriebe verwendete bezw. in geschäftlichen Unter- nehmungen neueingeschossene Kapital anch nur auf 1000 Millionen Mark einschätzt, also noch nicht mal in der Höhe der von ihm berechneten neuen Hypothekeinlagcn. 2)azu kommen dann noch in Preußen 345 Millionen Mark an neuen Sparkasseneinlagen, macht für Deutschland 580 Millionen, die Herr May in seiner Generosität ebenfalls auf 400 Millionen herabsetzt. Demnach sind im ganzen im Deutschen Reich 1896— 3400 Millionen Mark erspart worden, wovon, wie unser Rechenkünstler einfach ohne den geringsten statistischen Anhalt annimnit, 2700 Millionen auf die Einkommen über 3000 bezw. 3750 entfallen und nur 700 Miillonen auf die Einkommen unter 3750 M. Da nun aber, wenn man die preußischen Verhältnisse auf das Deutsche Reich übertragt, sich die Gesanitsunime der deutschen Ein- kommen über 3000 M. auf 5887 Millionen Mark beläuft, so ergiebt sich, daß die Steuerpflichtigen der höheren Klassen nur etwas mehr als die Hälfte ihres Einkommens verbraucht haben, nämlich 3187 Millionen Mark. Sicherlich wird mancher Leser, der in die Geheimnisse der höheren Mayschen Statistik noch nicht genügend ein- gidruugen ist, fragen, warum Herr May hiermit einem Male überall reduciert und zu niedrig einschätzt, während er doch vorhin so wohlwollend die Dienstmädchen, Näherinnen, Lauf- bursche», Altersrentenempfänger mit einem Jahreseinkommen von 700 Mark ausstattete. Die Sache ist nicht schwer zu erklären. Wäre nämlich Herr May splendider gewesen, so würde sich leicht ergeben haben, daß die höheren Klassen fast die ganze Summe, die sie verbrauchten, für Lohn und Beköstigung ihrer Dienstboten ausgegeben haben, also persönlich mit ihren Faniilienangehörigcn von der Luft lebten, und dieses Ergebnis u iirde denn deck) selbst dem Blödesten die Augen über den Wert der famosen Rechcnkunstleistnngen des Herrn May ge- öffnet haben. Also mußte, um die Sache nicht gar zu im- wahrfchciulich zu machen,„a bisset gekniffen" werden. Doch so leicht ist Herr May nicht zu schlagen; er hat einen Beweis. Nach den preußischen Veranlagungen zwecks Erhebung einer Ergänzungssteuer betrug 1896/97 das Ver mögen der preußischen Eensiten mit über 6000 M. Vermögen rund 64 024 Millionen Mark, im Jahre 1897/98 hingegen 65 676 Millionen Mark. Das ist eine Steigerung für Preußen von 1652 Millionen, also für. Deutschland, nach der Kopfzahl berechnet, von 2777 Millionen Mark, lind nachdem Herr May dieses Resultat gefunden, erklärt er mit Genugthuuna:„Wir haben jedoch eine solche(Vermögenszunahme) von 3000 Mill. berechnet. Das ergiebt eine Differenz von rund nur 200 Millionen Mark. Solche Differenz muß sich aber auch ergeben, wenn unsere Berechnung richtig sein soll. Diese 200 Millionen sind aufgebracht worden von der Vermehrung der zahlreichen deutschen Kapitalien unter 600 M., resp. von neu gebildeten Kapitalien, die zu einem großen, wenn nicht zum größten Teil aus Ersparnissen der Einkommen unter 30OO M herrühren. Hier wiederum stellen das größte Kontingent die Einkommen der zahlreichen noch unverheirateten jungen Leute. die noch keine Verpflichtungen haben und für spätere Zeiten zurücklegen, und ferner die billigenHaushaltungen auf demLandc und in kleinen Orten, wo eine nicht zahlreiche Familie selbst bei 3000 Einkommen und darunter ganz gut leben und noch etwas zurücklegen kann." Die ganze Beweisführung kennzeichnet aufs treffendste Herrn Mays Verfahren. Erstens ist die Vermögcnszunahme im Sinne der preußischen Veranlagung durchaus nicht identisch mit der Sunune, die dem individuellen Konsum enk zogen wird; so stellen z. B. Villen, Gewächshäuser, Parks:c., die der Kapitalist sich zu seinem Vergnügen kauft oder her richten läßt, im Sinne des Gesetzes einen Vermögenszuwachs dar, schwerlich aber wird Herr May behaupten wollen, daß die dafür ausgegebenen Summen nicht zum Verbrauch des Kapitalisten gehören. Zweitens aber, was' soll die in den letzten Sätzen der vorstehenden Darlegungen des Herrn Mav enthaltene Gleichstellung der Besitzer von Kapitalien über 6000 M. mit den Einkoinmensteuer Zahlenden, deren Einkommen über 3000 M. beträgt? Sind beide Gruppen von Personen identisch? Das wird selbst Herr May nicht behaupten wollen, denn nach der Veranlagung von 1895/96 gab es beispielsweise 1 152 332 Personen in Preußen, die ein Vermögen von über 6000 M. hatten, aber nur 324 294, die über 3000 M- Einkommensteuer zahlte». Was soll aber dann die ganze sinnlose Argumentation des Herrn May? Wenn etwas aus diesen Zahlen hervor geht, dann doch nur. daß nicht nur die oberen 324 294 Personen gespart haben, die über 3000 M. Ernkomme» steuer entrichteten, sondern mindestens auch über 830000Personcn der niederen Einkommensteuerstufen,— daß es also einfach lächerlich ist, wenn Herr May oben erzählt, die 200 Millionen Mark Differenz rührten zum größten Teil aus„Ersparnissen der Einkonimensteuer unter 3000 Mark" her. Nein, ver ehrter Herr Raphael May, auch die anderen 2777 Millionen Mark stammen, wie Sie sehen, zum wesentlichen Teil aus solchen„Ersparnissen". Das genügt zur Eharaktcristik der wissenschaftlichen Leistung des Herrn May; erwähnt sei nur noch, daß er auf Grund dieser seiner statistischen Eqnilibristik schließlich zu dem famosen Resultat kommt, daß die oberen 324 294 Steuerzahler nur den siebenten Teil der nationalen Produktion verbrauchen. Aber selbst angenommen(wenn auch nicht zugegeben), die ganzen kuriosen Voraussetzungen mid Annahmen des Herrn May wären richtig; was beweisen die preußischen Einkommen Verhältnisse für die englischen? Weit eher können die Ein kominen-Verhältnisse des Hamburgischen Staates, in deni ja Herr May lebt, als Beispiel gelten; hier wie dort spielen Handel und Industrie gegenüber der Landwirtschaft die Hauptrolle. Nach den vom statistischen Amt der Steuev Deputation veröffentlichten Nachweisen(jüngst vom„Hanl burger Korrespondent" in Nr. 429 reproduziert) entfielen in Hamburg auf die einzelnen Steuerstufen: Demnach hatten im Jahre 1895— 35 184 Steuerzahler ein Einkommen von rund 294 Millionen Mark und 93 462 ein Einkommen von 116 Millionen Mark. Rechnen wir ebenso wie vorhin(obgleich gerade für Hamburg und seine höheren Eiukomnien dieser Zuschlag viel zu niedrig ist) nur 25 Proz. Avance, so erhalten wir: Einkommen 35 134 Steuerzahler hatten insgesamt 3s7Vi Mill. Mark, »3 462...„ 145 Nach Herrn Mays Angaben— die wir im Augenblick nicht nachprüfen ivollen— betrug die Anzahl aller Erwerbs- thätigen Hamburgs(mit Einschluß der Pensionäre, Alters- und Jvalidenrentuer) 310 942 Personen, es bleiben also nach Abzug obiger 128 646 Steuerzahler noch 182 296 Personen (Männer, Frauen und eriverbsthätige Kinder), die keine Einkommensteuer zahlten. Stellen wir deren Durchschnitts- einkommen mit 500 M. in Rechnung, so ergiebt das 91 Millionen Mark. Demnach hatten in Hamburg 1895: 93 462 Personen ein Einkommen von 145 Millionen Mark 182 296„„„„ 91 275 758 Perioncn ein Einkommen von 236 Millionen Mark Dagegen hatten: 35 134 Personen ein Einkommen von 367 Millionen Mark, das heißt ein Neuntel(nicht ein Fünftel) der Be- völkerung Hamburgs steckten über zwei Drittel des Gesamt- einkommens ein. Und noch günstiger für Marx' Annahme stellt sich das Verhältnis für 1896! Uebrigens fordert es geradezu zum Spott heraus, wenn Herr Raphael May(S. 46 seiner Schrift) meint, durch seine sonderbare Leistung die UnHaltbarkeit der„Marxistischen Doktrin" bewiesen zu haben. Ob in England 1865 ein Fünftel ver Bevölkerung zwei Drittel, drei Fünftel oder auch nur ein Drittel der Gesamtproduktion konsumierte, nimnit der Marxschen Lehre noch nicht das Tipfelchen vom i. Aber jeder, der auch mal an der Nationalökonomie gerochen hat, macht heute in Marxvernichtung, von den Wencksternen bis zu den Mays. Herr May ist nur ein Typus dieser Sorte. Cn. Nolikische Llcbrvlllhk. Berlin, den 18. September. Unzeitgemäße Gesundheitsrücksichten. Herr Lieber, des Centrums führender Kühhändler, hat es zwar noch nicht bis zum Minister gebracht, aber doch schon zu den Gesundheitsrücksichten, die sich bei scheidenden Ministern zu entwickeln Pflegen. „Alle Mutmaßungen über die beabsichtigte Reise Dr. LieberS dürften sich als gegeiistandslos erweisen angesichts der Thatsache, daß die Reise einem rein gesundheitlichen Zwecke dienen soll. Herr Lieber, dessen Gesundheitszustand ohnehin schon seit langer Zeit viel zu wünschen übrig läßt, bedarf nach den Anstreuguilgcn der letzten Session einer gründlichen Erholung bei absoluter Ruhe und Ausspannung, und zur Erreichung dieses Zweckes ist ihm von ärztlicher Seite eine längere Seereise empfohlen ivorden. Für die Wahl des Reisezieles dürfte wohl in erster Linie der Umstand maßgebend sein, daß er bei dieser Gelegenheit seinen Bruder besuchen will, den er seit langen Jahren nicht mehr ge» sehen hat und welcher in holländischen Diensten auf einer der Sunda-Jnseln das Amt eines Gouverneurs bekleidet." Eine Seereise hätte Herr Lieber auch schon im Sommer antreten können, und Gesundheitsrücksichten dürfte gerade das gefährliche Klima von Deutsch-China, wohin er reist, sehr wenig zuträglich sein. Herr Lieber reist einfach nach China, weil das so hübsch weit ist, daß er erst heimkehren kann, wenn sich die unbehaglichen Dinge bei uns ein Stück weiter entwickelt haben. Freilich ist keine Gefahr, daß der vor- handene Vorrat von Unklarheit und Wirrnis dann schon er- schöpft ist. Im Gegenteil, die Lage dürfte bei seiner Rückkehr sogar noch unklarer und wirrer sein. Herr Lieber aber darf dann wenigstens seine Hände fromm in Unschuld waschen: Er war ja nicht dabei gewesen, kein Wunder also, daß die Dinge sich derart verhedderten I Herr Lieber flüchtet aus moralisch-politischen Gesundheits- rücksichtcn. Er wird, fürchten wir, noch kränker zurück- kehren.—_ Die Antwort Transvaals. Aus Pretoria wird vom 18. d. M. gemeldet: In ihrer Antlvort auf die Depesche des Ministers Chainberlain vom 12..Sep-- tember bedauert die Regierung der südafrikanischen Republik, daß England mit vollständig neuen Vorschlägen hervorgetreten sei. Sie Iveist darauf hin, daß die jetzt ivegfallendcii Vorschläge Transvaals, nämlich: Erlangung des Wahlrechts nach fünf' Jahren, vermehrte Vertretung der Goldfelderbezirke und das Verlangen, daß England nicht weiter auf der Suzeräuitat bestehe, das Ergebnis von An- rcgnugc» gewesen seien, die von dem britischen Vertreter aus« gingen und auf die hin Transvaal in gutem Glauben gehandelt habe. Die Regierung von Transvaal beabsichtigte nicht, ohne Not die Frage des politische» Status des Landes wieder aufzuwerfen, sondern wünschte lediglich mit Unterstützung des britischen Agenten die gespannte Lage der Dinge zu beenden. Die Regierung habe ivohl gesehen, welche Schivicrigkeiten der Annahme ihrer Vor« schlüge durch das Volk und' den Volksraad entgegenstünden, aber sie ivagte es, dieselben zu machen infolge ihres aufrichtigen Wunsches nach Frieden und weil Chamberlain versichert habe, daß ihre Vorschläge nicht als eine Ablehnung seiner Vorschläge angesehen, fondern nach ihrem sachlichen Wert erledigt werden sollen Die Regierung von Transvaal halte ihre Zustimmung zu der vorgeschlagenen gemeinsamen Kommission aufrecht, sie könne aber nicht einsehen, ivarum die britische Regierung jetzt die Wahl« rechtserteilnng nach siebe» Jahren ohne solche vorgängige Unter- snchung der Frage für unangemessen halten sollte. Die Depesche fährt dann fort, es müsse ein Mißverständnis sein, wenn Eng« land annehme, daß Transvaal bereit fei, die Vorschläge, betreffend die Wahlrcchtserteilmig nach fünf Jahren und Einräumung von einem Viertel der Sitze an die Goldfelder dem Volksraad zur be» diiiguugsloseii Annahme vorzulegen. Die Regierung habe keinen Vorschlag betreffend den Gebrauch beider Sprachen in den Volks- raaden gemacht, weil sie diese Maßnahme für unnötig und nicht w ü n s ch e n s>v e r t halte. Die Regierung von Transvaal 'ei nicht abgeneigt, auf die vorgeschlagene Kon« e r e n z einzugehen, doch erhebe sich eine Schwierigkeit, weil die Annahnie des Vorschlages davon abhängig gemacht worden sei, daß die Transvaal-Regierung vorher Bedingungen annehme, welche sie dem BolkSräade nicht unterbreiten könne. Die Regierung hege den begierigen Wunsch nach schiedsgericht« licher Entscheidung und nehme solche freudig an, da sie fest entschlossen sei, die Bedingungen der Konvention von 1884 einzu» halten. Die Depesche schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die britische Regierung bei nochmaliger Prüfung keine weiteren drückenden Vorschläge' machen. sondern ihren eigenen Ursprung» lichen Vorschlag betreffend eine gemeinsame Kommission festhalten werde. «»* » Diese vorsichtig abgefaßte Note bedeutet die Ablehnung der englische» Vorschläge.' Nach den drohenden Bemerkungen der letzten Chamberlainschen Depesche iväre damit die Kriegsgefahr in die be« denklichste Nähe gerückt. Es ist anzunehmen, daß der KabinettSrat in London um Mitte dieser Woche zur Beschlußfassung über die Antwort Transvaals zusammentreten wird. Es ist zweifelhast, ob nochmals neue Verhandlungen eingeleitet werden oder ob die englischen K r i e g s r ü st u n g e n mittlerweile weit genug fort« geschritten sind, um den Ucberfall zu beginnen. Die englische Presse hetzt eifrig zum Kriege, dieselbe Presse, welche der Haager„Friedenskonferenz" zujubelte. Die„Times" sagte, alles, was das Reich und die Nation von ihren Leitern verlangen, ei. daß es jetzt keinZögern, kein Zurückblicken mehr gebe. Die Regierung habe die Hand an den Pflug gelegt, sie müffe nun vorwärts gehen.„Mornina Post",„Daily Mail". Standard",„Daily Telegraph' mahnen die Regierung ebenfalls zu thatkräftigen Schritten. Rur der radikale»Daily Ehronicle' befürwortet weitere Geduld, da ein Krieg mit Transvaal moralisch abscheulich sei und politisch tit feinem B e r hiä I t ii i s z u der Not Iv endigfeit des Falles stehen würde.- #•# Deutsches Weich. . Tic Politik des UihligS. Die„Poscncr Zeitung" hatte be richtet, daß der Wortlaut des Schreibens, das den fanalgegne- rischcn Hof Würdenträgern zugegangen ist, nicht eine zeit- weilige Verbannung, sondern eine endgültige Enthebung von der octreffenden Stellung zum Ausdruck bringe. Diese Mitteilung ent spricht, so meldet die„ K r e u z- Z e i t u n g", nicht den Thatsocheir Nichtig ist nur, daß den Kammerherren upv.. die als Abgeordnete gegen den Kanal gestimmt haben, vom Oberstfäinmcrer die Abschrift einet f ö n i g l i ch e n Kabinettsordre zugegangen ist, durch welche dieselben, weil sie sichnicht nur zur Staatsrcgierung, sondern auch zur Person des Königs i» Widerspruch gesetzt» bis auf weiteres vom königlichen Hoflager verbannt werden. . Diese Kabinettsordre entspricht zwar jenen nichtkoustitutionellen Niiichainingen, die von den Könservativen bisher vertreten worden sind, sie steht aber in Widerspruch mit jener jetzt von den Agrariern verfochtenen fonftitutionellen Ausfassung, daß eine Opposition gegen eine Regierungsvorlage ausschließlich einen Widerspruch gegen die Regier u n g bedeutet. Natürlich faim aber dem König nicht das Recht bestritten werden, daß er mit den politischen Gegnern seiner Regierung keinen persönlichen Umgang haben will.— Reckes Asyl. Wie die„Berliner Politischen Nachrichten" hören, hat der Kaiser den früheren Minister des Innern, Freiherrn V. d. Recke, zum Oberpräsidenieu der Provinz Westfalen ernannt. Herr v. d. R e ck e ist bereits nach Münster abgereist. Das glückliche Westfalen I— Kousliktlüftchcu. Die„Köln. Z t g." schreibt unter der uebcrschrift:„K l a r zum Gefecht":„Wir haben in Preußen einen Konflikt, daran'läßt sich nicht drehen und deuteln. Dieselbe Regierung, die noch vor Jahresfrist mit leichtem Herzen die Politik der Sammlung zu erreichen suchte, scheint in schwerer Täuschung zu leben über das Maß und die Vedcutnng des Widerstandes, der ihr von beiden agrarisch.fviiservativeii Gebieten gegenübersteht. Mau wird bald erfahren, daß in Wahrheit eine Haupt- und StaatSaftion hereingebrochen ist und ein gewaltiges Ringen um Prineipien be» ginnt. Der preußische Staat steht wieder einmal vor einem langen, schweren Kampfe, in dem er seinen Berns bewähren soll zur höchsten Anspannung aller irdischen und geistigen Kräfte, die Bändigung partiklilaristischcr Interessen zu erzwingen." Der liberale Illusionismus ist das einzige Unsterbliche an dieser Bourgeoisie. Wenn einst der letzte Liberale vom Schlagfluß betroffen ist, wird er in dem Gestammel deS Todes noch von' dem gewaltigen Ringen um Prineipien, von dem Triumphe des Liberalismus, von der Unterjochung des JuufertuinS schwärmen. In der Parteipolitik ein im Irrgarten der Hoffnungen taumeln der romantischer Narr, in der Profitsucht ein niedriger Realist— ist daS liberale Bürgertum Don Quichotte und Sancho Pausa in einer Person._ In den Bahnen der Kiihneniäuner. Der„Deutsche Arbeitgeber-Bund für d a S©an« k! e w e r b e" versendet soeben ein Rundschreiben an die Vorstände der Arbcitgeber-Verbände im Baugewerbe, in welchem er die einzelnen Korporationen zur Errichtung von„nnparitätischen Arbeitsnachweisen" mit gleichzeitiger Einführung von„Entlassungsscheinen" auffordert. Alle vorhandene Arbeit soll durch die einseitig von den Unternehmern verwalteten NachweiSstellen vermittelt werden; ohne Entlassungsschein soll kein Unternehmer einen Arbeiter annehmen dürfen. Genau nach dem Muster der Arbeitsnachweise der Metall- Industriellen soll auch in den Bureaus der Bau-Unternehmer Buch geführt werden über jeden Arbeiter, sein Verhalten in- und wohl auch außerhalb der Betriebe. Umsonst müht sich Herr Fetisch in dem Rundschreiben ab, glauben zu machen, es handle sich hier nicht um die Eiusührnng von„Schwarzen Listen".„Tic Arbeitsnachweise sollen lediglich dazu dienen, Angebot und Nachfrage nach Ar- beitSkräften in möglichst einfacher, schnellster und unparteiischer Weise zu vermitteln. Es wird sich mithin um die Einführung eines Systems handeln, durch welches den Arbeitgebern die ge- wünschten Arbeitskräfte, den Arbeitnehmern die Arbeitsgelegenheit am leichtesten zugewiesen werden kann". Dieses Ziel>ei, so wird weiter argumentiert, am besten durch die Arbeitgevernachweffe zu erreichen. DaS„künstlich erzeugte Mißtraueu der Arbeitnehmer »nparitätischen Arbeitsnachweisen" gegenüber glaubt der Bund be- festigen zu können. Wenn der Bund das Mißtrauen der Arbeitnehmer gegen die Unternehmer und deren Arbeitsnachweise ernstlich beseitigen will, dann gicbt es nur ein Mittel und das ist: die Heranziehung der Arbeiter zur Verwaltung des Arbeitsnachweises. Mit viel größerem Recht können die Arbeiter sagen, daß die Ver- niittlung der Arbeitskraft in ihre Hände gehöre. Errichten aber die Unternehmer einen solchen, so haben sie, falls ihnen auch nur noch ein Funken Gerechtigkeitssinn innewohnt, unbedingt den Arbeitern einen Einfluß auf die Verwaltung zu gestatten. Aber es ist eben eitel Heuchelei, wenn der Bund eingangs seines Rundschreibens sich so energisch gegen den Einwand wehrt, daß ihr Bureau ein Maßregelungsbureau ä la Kühnemann werden könnte. Denn weiter unten heißt eS:»Der deutsche Arbeitgeber- buud für das Baugewerbe ist gegründet, um der gewaltigen und festgcschlossenen, zu den größten Opfern bereiten Organisation der Arbeitnehmer im Baugewerbe eine gleich starke Organisation der Arbeitgeber gegenüberstellen und die unerhörten und unerträglich gewordenen Ansprüche und Zumutungen der s o c i a l i st i sch e n Führer zurückweisen zu können. Es ist Aufgabe des Bundes, die sich häufig als socialdem akratische Machtproben darstellenden Arbeit Sein st ellun gen zu bekämpfen. Um dies mit besserem Erfolge als bisher zu erreichen, dazu sollen die Entlassungsscheine dienen." Die andere Argumcntatton zu Gunsten der„unparitätischen Arbeitsnachweise" ist ganz und gar im Sinne der Kühncmännerei gehalten. Es sei nötig, daß der Unternehmer„ H e r r im eigenen Haus e" bleiben müffe, er habe die Verantwortung für den Betrieb, eine Gleichbcrechtigniiq sei dem Arbeiter in der Politik bedingungslos zugebilligt, iu„wirtschaftlicher und socialer Beziehung" müsse sie aber ausgeschlossen sein. Der Uiitcriiehiucr-Verband mag sich drehe» und wenden wie er will, der Hauptzweck der Errichtung einseitig verwalteter Arbeits- nachweise kann nur der sein, das System der Schwarzen Listen zur Durchführung zu bringen, ein Maßregelungs-Bureau zu erhalten, das ihnen nach und nach eine Macht über die Arbeiter, deren Thun und Gesinnung geben soll, gegen die der„Terrorismus der Arbeite r" leicht wiegt, wie eine Feder, Und das sind die Leute, welche den ersten Anstoß zum Zucht- hausgesetz gegeben; ihr heißes Bemühen um das Zuchthaus ver- anlaßte den Herrn v. Posadolvskh zu seinem Geheimerlaß, der nichts weiter darstellte, als eine Abschrist der Anlagen, welche die Bau- Unternehmer in ihrer Eingabe an den Minister über die Arbeiter vorgebracht hatten.—_ Eine Schtveinbllrgerei. Die„Berliner Politischen Nachrichten" reden der Berliner Stadtverwaltung ins Gewissen, doch nicht so--- revolutionär zu sein. Die Gemeinde- Organe überschritten fortgesetzt ihre gesetzlich gezogenen Schranken, indem sie versuchten, gegen die selige Umsturzvorlage zu petitionieren und die Märzgefallenen zu ehren. Ja, es walte eine geradezu a ntt- monarchische Tendenz in dem Verhalten der städtischen Organe, namentlich der Stadtverordneten. Um die Abscheulichkeit dieses Beginnens recht zu kennzeichuen, giebt der Schweinburg einen historischen ExknerS, der gar erbaulich zu lesen: „Man wuß fich vergegenwärtigen, daß Berlin nicht nur die Haupt« und Residenzstadt des'Reichcs und Preußens ist. sondern auch seine Größe und wirtschaftliche Bliitx in erster Linie den Herrschern auS dem Hohcnzollcrnhanse verdankt. Insbesondere datiert Berlins Entwicklung zur Weltstadt und zu einem Handels- und Geldplatze ersten Ranges erst von der Wiedererrichtung des Reiches unter Kaiser Wilhelm dem Großen. Demgegenüber muß es allerdings im höchsten Matze befremden, wenn man den hartnäckigen Eifer der Stadtverordneten sieht, ihre Autonomie gerade mit einer scharfen Richtung gegen die monarchischen Traditionen, an denen die Träger der Hohenzollemkrone stets unverbrüchlich festgehalten haben, und noch dazu mit persönlichster Zuspitzung zu bethätigen. Iu letzterer Hinsicht mag unter anderem auch nodj auf die Wahl deS S o c i a l d e'm o k r a t e n Singer in die Schuldeputation und auf den als Chikane eiiipfnudcuen Widerstand der städtischen Ver waltung gegen manche Pläne zur Umgestaltung der Umgebung des königlichen Schlosses hingewiesen sein. Schweinburg kommt zu dem Schlüsse, die Bürgerschaft Berlins soll Einkehr und Umkehr halten, damit wieder»ein vertrauen»- und verständnisvolles Zusammenwirken von Staat und Stadt unter den Auspizien des Laiivesherrn" hergestellt werde.' Es ivird die Berliner MagiftratSliberalen vielleicht wundern, also als revolutionSvcrdächtia und monarchiefeindlich eiiiacschätzt werden. DaS haben diese Brave» nicht verdient. Sie'haben die Verflüchtigung des Liberalismus und sür die Stärkung der StaatSbureaukratte sowie für die Schonung monarchischer Wünsche so vielgethau, daß ihnen zu thun kaum etwas übrig, bleibt. Sic haben es vollbracht, die Freiheitskämpfer, deren Kampf in Wahrheit die große wirtschaftliche Entsaltniig auch Berlins sicherte, zu verleugnen Ob das sanfte Schweinburgwerben sie noch weiter lockern wird? Ob sie schließlich vielleicht sogar zu dem Glauben bekehrt werden, daß die Größe und wirtschaftliche Blüte einer Weltstadt»in erster Linie" einem Herrscherhause geschuldet werden könne?— AnS dem Centrnmslager. Zu der China-Reise LieberS hebt die„Post" hervor, daß die„Köln. VollSztg." im Eingang ihrer Bemerkungen über die Reise in der Abendmimmer vom Sonnabend selbst zugiebt, daß sie noch nicht einmal wisse, ob die Nachricht richtig sei. Da es sich um eine Rivalität zwischen Dr. Bachem und Dr. Lieber in der Führung der Partei handeln soll, ist es nicht verwunderlich, daß das sonst gut unterrichtete Blatt der Familie Bachem über Dr. LieberS Pläne nicht informiert wurde. Auffällig mußte es auch erscheinen, daß ausdrücklich bei der Mitteilung von der geplanten Reise darauf hingewiesen wurde, beim Wiederbeginn der Reichstags Verhandlungen werde der CentrumSführer nicht mehr in Deulschland sein. Ferner erinnern wir unS, daß schon einmal ein Centrums- sührer, nämlich Dr. Bachem, den Winter an der Rlviera verbrachte, als er mit großer Hitze stck in eine Opposition gegen die Marine� Pläne gestürzt hatte und keinen Zoll breit weichen wollte. Es war das im Herbste 18S7. Dr. Lieber, welcher ein Entgegenkommen in den Marineplänen für das beste hielt, hatte gesiegt. Diesmal scheint min Dr. Bachem die Mehrzahl hinter sich zu haben, und Dr. Lieber reist." Die„Post scheint vor dem minder sanftlebigen. demokratisch gerichtete» Bachem, als Centrumsführer, einiae Besorgnis zu hegen — was uns nicht hindert, trotzdem mißtrauisch zu bleiben.— holt sich die„Deutsche Socialdemokraten Ge folgende Bemerkung der zu einem Bericht über eine Verhaftung halbwüchsiger In ihrer Prügelbegeisterung Tageszeitung" sogar von den finmingshilfe. Das Blatt citiert Sächsischen Arbeiterzeitung wegen Maiestätsbeleidigung erfolgte Jungen: „Nach unserer Meinung wäre die ganze Sache besser und würdiger zu erledigen gewesen, wenn man, anstatt den ganzen kostspieligen Justizapparat in Bewegung zu setzen, den Burschen für ihre Unart da» Leder werk ordentltchange strichen hätte." „Ganz unserer Meinung", jubelt die»Deutsche Tageszeitung nicht nur in diesem, sondern auch in allen ähnlichen Fällen I Die Vernunft bricht sich endlich doch Bahn, auch in einem zielbewußten Kopse. Was werden aber die Partcihäupter dazu sagen? Werden sie den armen Dresdener Untergenossen nun auch lütgenauen? Wir vermuten, daß sich die fragliche Bemerkung einfach aus einem allgemeinen Reporterbericht eingeschlichen hat und keine redaktionelle Anschanuilg darstellt. Das hätte die„Deutsche Tagcö zeitting" auch voraussetzen sollen, die bisher merkwürdigerweise nicht !>en chinesischen Brauch eingeführt wissen will, durch Stockprügel rebellierende Beamte zu bessern.— Schutz den Arbeitswillige». Im Frühjahr dieses JahreS hatten die Ziegelarbeiter von Ueckermünde und Umgegend einen heftigen Lohnkampf zu bestehen, der nach wochenlanger Dauer in- olge der Erschöpfung der Kaste ungünstig für die Arbeiter verlief. Der Leiter des Streiks, W. Mülling, befand sich eines Tages mit seinein Schwager auf dem Heimwege, als er von zwei«Arbeits willigen" angerempelt wurde. M. und sein Schwager ließen sich mit den beiden in keinen Handel ein und setzten ihren Weg ruhig fort, wntden aber trotzdem von diesen weiter verfolgt. Zu ihrer Abschreckung schoß der Schwager seinen Revolver in die Luft ab. Jetzt stürzten sich die beiden Arbeitswilligen wütend auf Mülling und seinen Schwager, wobei Mülling, ein ruhiger, friedfertiger Mann, zu Boden stürzte. Sein Schwager ergriff einen in der Nähe liegenden Bootshaken und durch ein paar Schlage mit diesem befreite er M. von dem einen Angreifer, während der andere durch herzu- eilende Leute vertrieben wurde. Am andern Tage wurden M. und sein Schwager in Unter« uchungshaft genommen. Mülling wurde, nachdem die Beschwerde bis vor das OberlandeSgericht gegangen war, nach Iv Tagen reiaelaff'en; der Schwager aber blieb bis zum Tage der Ver- hanolung vor dem Landgerichte Stettin, bis zum 4. September, das sind fast fünf Monate, in Nntersuchnngshaft. In der Verhandlung bekundeten alle Zeugen ohne Ausnahme den geschilderten Thatbeftaiid, so daß sich selbst der Staatsanwalt veranlaßt sah, zu erklären, hier liege ein bedauerliches Versehen vor, er beantrage Freisprechung und sofortige Hast- entlassung, denn die Angeklagten hätten zu Unrecht auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, eigentlich gehörten die beiden Zeugen auf dieselbe. Die beiden Angreifer waren nämlich noch als Belastniiaszeiigen geladen, natürlicki— aber nicht erschiene»; trotz öffentlicher Ladung und Bekanntmachung war ihr Aufenthalt nichl zu eimitteln gewesen. Beide hatten Uukermünde nach ihrer That schleunigst den Rücken gekehrt; das konnten sie auch, denn ein Haftbefehl war gegen sie nicht er- lassen worden. Der Verteidigung blieb bei der Sachlage nichts weiter Lbtig, als den Antrag zu stellen, daß auch die Ver- t ei d i g u» g S ko st en auf die Staatskasse übernommen werden müßten, da ja eine Entschädigung für unschuldig Inhaftierte nicht bestände. Das Gericht schloß sich diesem An- trage an. Der eifrig propagierten Idee von der Notwendigkeit des Schutzes der Arbeitswilligen hat der Unschuldige seine 5 Monate Untersuchungshaft zu verdanken.— Eine staatliche Hilfsaktion. Das Hochwaffer der letzten Tage hat auch in Bayern gewaltige Verheernngen angerichtet— Hab und Gut Hunderter, vielleicht Tausender ist vernichtet.— Da hält es auch die bayrische Staatsregierung für ihre selbstverständliche Pflicht, helfend einzugreifen, um die Wunden zu lindern, die die entfesselten Naturgewalten dem Wohlstande der Bevölkerung ge- schlagen. Die kgl. bayrische Staatsregierung hilft— aber fragt mich nur nicht wie! Das königliche Staatsministerim hat eine Konferenz abgehalten mit verschiedenen anderen hohen Beamten und hat beschlossen: An Se. Kgl. Hoheit den Prinzregenten die Bitte um Ee- nehmigung einer Haussammlung zu richten Ein Hilfskomitee zu bilden, das einen Aufruf zu Gaben erlassen und Sammelstellen schaffen soll. Um einen Anhalt dafür zu gewinnen, ob und inwieweit außer- dem noch eine staatliche Intervention nötig ist, sollen die Ver- waltungZbehvrden beauftragt werden, nach Ablauf der Hochwasser eine amtliche Schadenerhebung vorzunehmen. 1 Die Stoatsregieruiig beschränkt fich also darauf, die private Wohlthütigkeit anzurufen und zu organisieren und wartet das übrige in Ruhe ab.— Wir halten es für die Pflicht des Staates, in solchen Fällen sofort öffentliche Gelder zur Verfügung zu stellen. Zeigt sich der kapitalistische Staat schon unfähig. durch umfangreiche Kulturarbeiten den verheerenden Wirkungen der Wasserfluten nach Möglichkeit vorzubeugen, so sollte er wenigstens, wenn das Unglück geschehen ist, mit seinen Mitteln zur Linderung der Not sofort eingreifen und die Geschädigten nicht der entwürdi- genden und immer unzulänglichen Privatlvohlthättgkeit überlassen. Nürnberg, 17. Scptbr.(Eig. Ber.) Nürnberg wird mehr als irgend eine andere süddeuffche Stadt in der famosen Denkschrift zur Begründung der Zuchthausvorlage erwähnt. Es ist deshalb interessant, auS der eben erscheinenden Festschrift zur 24. Versammlung des deutschen Verein« für öffentliche Gesundheits- pflege einige Stellen über die Wirksamkeit der Nürnberger Arbeiter- organisationen anzuführen. Es heitzt da auf Seite 142, baß„durch eine sehr thätige Arbeiterorganisation vieles" in Bezug auf die Hygiene der Arbeit, Arbeitsräume, Arbeitszeit, Sonntagsruhe. Arbeit von Frauen und Kindern gebessert wurde. Der Fabrikinspektor macht in dem Bericht die Bemerkung, daß„die Arbeitszeit in den Nürnberger Fabriken eben infolge der sehr energischen Arbeiterorganisation von Jahr zu Jahr zurückgeht". Diese Bemerkungen der Festschrist sind deshalb wichtig, weil die- selbe zum größten Teil auf Grund amtlicher Materialien und mit finanzieller Unterstützung der Stadtverwaltung, da sie auch Polizeibehörde ist, publiziert wurde.— München, 18. September. Die 71. Versammlung deutscher Naturforscher uud Aerzte wurde heute mit einer großen Sitzung im Hosthcater eröffnet. Kultusminister v. Landmann begrüßte die. Versammlung im Namen der Staatsregierung und betonte dabei, welchen Auffchwung Wissenschast und Kunst im ganzen Deutschen Reiche genommen haben. Nach weiteren Begrüßnngsaiisprachen von Vertretern der Stadt München und der Akademie der Wissenschaften, der Universität und der technischen Hochschule hob der Vorsitzende der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte Wirtl. Geheimrat Professor Neu- inayer-Hamburg hervor, welchen Vorteil der polittsche Aufschwiuig Deutschlands auch der Naturforschung gebracht_ habt, indem jetzt deutsche Expeditionen zur Erforschung der Tiessee, der Polar- gegenoen usw. auSgesandt werden. Von lebhaftem Beifall cnivfangen betrat hierauf Professor Dr. Frithjof Nansen die Reonerirlbüne und führte in längerem Vottrage und an der Hand von zahlreichen Lichtbildern die wissenschaftlichen Resultate seiner Nordpolfahrt auf dem Gebiete der Geographie, Meteorologie, Zoologie usw. vor. Außerdem sprach in der heutigen Sitzung noch Geheimrat Professor von Bergmann- Berlin über die An- Wendung der Röntgenstrahlen für die moderne Chirurgie und Gebeimrat Förster- Berlin über die bis jetzt beobachteten und gemessenen Bewegungserscheinungen in den Sternenräumen.— Ausland. Verurteilung wegen Pflichterfüllung. Ms Rom wird uns geschrieben: Wegen Veröffentlichung ge- heimer Dokumente des Eisenbahn-Departemeiits standen am 18. d. M. der socialistische Abgeoronete Nofri und Giacomo FriSciottt, Ex- beamter der Eisenbahn- Abteilung vor Gettcht; ein dritter Angeklagter, der frühere Beamte im Archiv d»S Eisenbahn-JnspektoratS Giacomo Picchetto, auf dessen Lügengewebe sich die ganze Anklage aufbante, ist flüchtig geworden und mußte im Kontumazverfahren abgeurteilt werden. Der Anklage lagen folgende Thatsachen zu Grunde: Im April I8S8 richtete der Abgeordnete Nofri in der Kammer ciiie Aufsehen erregende Anfrage an die Regierungs- Vertreter über die geheimen Verbindungen zwischen der Regierung und den Eiseubahli-Gesellschaften; die Regierung, sagte er, habe aus politischen Gründen von der Verwaltung der Mittelmeerbahn und der Adriatischen Bahn die Strafversetzung von Beamten verlangt. Um seine Behauptung zu bekräftigen, verlas Noftt mehrere Geheim- dokumente, welche deutlich bewiesen, daß da» Mmistettum des Innern und das der öffentlichen Arbeiten mit nicht sehr noblen Praktiken einen starken Druck auszuüben suchten, um die Versetzung von Beamten(Nofri nannte Namen), die der socialistischen Partei angehörten, zu erlangen; diese» Ansinnen ist von den Bahngesell- schafteN energisch zurückgewiesen worden. In der Beantwortung der Interpellation erklärten die Minister, daß bei den Bemühungen um die Bersetzungen politische Motive nicht mitgesprochen hätten; die Regierung habe nur„im Interesse des Dienstes" jedes Hindernis" entfernen wollen. Die Minister bedauerten es dann lebhaft, daß von Beamten das Amtsgeheimnis verletzt worden sei, indem man dem Abgeordneten Nofri geheime Dokumente in die Hände gespielt habe. BaldZ darauf wurden in den Blättern„Avanti", Jtalia del Popolo" und„Lega bei ferrovieri' neue Geheimdokumente des Eisenbahn-JnspektoratS veröffentlicht. Die Regierung ordnete eine llNke rstichung an und man fand in den Redaktionsräumen des „Avanti" und in der Wohnung de? Abgeordneten Noftt Aufzeich- nungen, Briefe und Telegramme, die angeblich gestohlen sein sollten. Der'UntersiichungSttchter klügelte aus, daß der ungetreue Beamte, der die Dokumente gestohlen habe, der Beamte Picchetto war; der Beamte FriSciottt habe Beihilfe geleistet und der Abgeordnete Quiriuo Nofri sei der Anstifter des Diebstahls gewesen. Picchetto habe von Nofri mid Frisciotti als Belohnung 100 Lire erhalten, waS er selbst mündlich und schriftlich zugegeben habe. Picchetto, so heißt es weiter in der Anklageschrift, habe als Archivbeamter Gelegenheit gehabt. geheime Schriftstücke, die sich auf die socialistische Propaganda unter den Eisenbahnbcamten bezogen, nach Hause mitzunehmen und sie bei Nacht zu kopieren. Anfangs leugnete Picchetto jede Schuld, dann aber erfand er das Märchen von der Anstiftung durch Noftt und Frisciotti. die ihm gesagt hätten, daß sie aus den Dokumenten nur ersehen wollten, ob unter den socialistischen Eisenbahnbeamten ein Verräter wäre. Da mehrere Brüder Picchettos zur socialistischen Partei gehören— einer Ivar in der Expedition deS„Avanti" an- gestellt—, schenkte man seinen Denunziationen vollen Glauben. Eines Tages aber war der Kronzeuge spurlos verschwunden und es darf als sicher bezeichnet werden, daß man ihn mit Fleiß hat verschwinden laffe». weil man ihn gar nicht zum Prozeß festhalten wollte. Gegen Noftt und FriSciottt aber, die Picchettos Anilage als grobe Lüge bezeichneten, wurde das Straf- Versahren eröffnet. Noftt erklärte, daß die Dokumente ihm frei- willig von Personen angeboten worden seien, die er nicht nennen wolle; von Belohnung und Anstiftung kämie nicht die Rede sein. Der Prozeß verfiel mehrere Male dem Schicksal der Vertagung, weil der„Hauptangeklagte" Picchetto zum Scheine ordiiuugsmäßig vor- geladen werden mußte, was sich, oa er sich irgendwo im Auslaiide 'eines Daseins freut, nur schwer bewexkstelligen ließ. Endlich war alle» gesetzlichen Formalien Genüge gethan, und die große Prozeß- komödie konnte beginnen. Die Angeklagten wurden von dein Ad- vokaten Lollini und dem Abgeordneten Professor Fertt verteidigt. Der Angeklagte Frisciotti sagte aus:„Eines Tages wurde ich zufällig mit Giacomo Picchetto bekannt, den ich bis dahin nicht gekannt hatte. Er aber behauptete, daß ihm mein Name nicht neu fti, da er ihn auf der Liste der Beamten gesehen habe, die auf Wunsch des Ministers versetzt werden sollten, weil sie öcialistische Agitatoren seien. Picchetto brachte mir dann Abschriften der Briefe des Ministers und das Antwortschreiben der Eisenhahn- direktion; mit diesen Abschriften ging ich zu dem Abgeordneten Noftt und forderte ihn auf, die Sache in der Kammer vorzubringen. Picchetto gab mir sväter noch andere Dokumente. ohne daß ich ihn darum ersucht hätte: Geld hat er von mir nie verlangt oder er« halten/' Nofri erklärte, daß er die Dokumente über die un« gesetzliche Einmischung der Regierung von mehreren Personen er- halten habe; einige Schriftstücke habe ihm Frisciotti gegeben. Bald nach seiner Interpellation in der Kammer sei er infolge der Mai-llnruhen verhaftet worden. Ein Polizei-Jnspektor habe seine Wohnung in Turin durchsucht und ein Bündel von Dokumenten in Beschlag genommen. Diese Dokumente bewiesen, daß er an den Mai-Unruhen nicht beteiligt gewesen sei, weshalb man ihn wieder freilassen mußte; dafür hatten sie ihn aber zu diesem Prozesse ge- führt. Die Anklage sei ganz absurd; er habe mit Picchetto nichts zu thun gehabt. Er habe Dokumente erhalten und es als Abgeordneter für seine Pflicht gehalten, in der Kammer darüber zu sprechen. Er würde das, was er gethan habe, noch einmal wiederholen, wenn sich die Gelegenheit dazu böte. Die Belastungszeugen, lauter würdige Herren aus dem Eisenbahndepartcment mit ehrfurchtgebietenden Titeln und funkelnden Ordensternen erzählten ein langes und breites von den„Geständnissen" des flüchtigen Bieder- mannes Picchetto. Professor Ferri verzichtete auf die �Vernehmung eines der Entlastungszeugen, des Advokaten Ciraolo, der die Ver- teidigung Picchettos abgelehnt hatte, weil der ehrliche Kronzeuge sich bereit erklärte, gegen eine Belohnung von 5000 Lire seine Zeugenaussage zu Gunsten Nofris abzuändern. Der Staatsanwalt bean- tragte gegen jeden der drei Angeklagten zwei Jahre Zuchthaus und 1000 Lire Geldstrafe. Nach einer glänzenden, von den Zuhörern mit stürmischem Beifall aufgenommenen Verteidigungsrede Ferris, der mit Energie für die Unschuld und die Freisprechung der Angeklagten eintrat, verurteilte das Gericht„unter Zubilligung mildernder Um- stände" die drei Angeklagten sPicchetto wurde anstandshalber mit verurteilt, weil es ihm nicht schaden kann) zu 11 Monaten und 20 Tagen Gefängnis. Die Verurteilten haben gegen dieses unsinnige Urteil sofort Berufung angemeldet.— Beleidigung des SultauS. Im Juni d. I. hielten, so lesen wir im„Hamb. Echo", die Herren Ahmed Riza und Anmeghian, der erste ein Jungtürke, der zweite ein Anncnier im Haag eine Versammlung ab, womit sie die Aufmerksamkeit der Friedenskonferenzler auf die Lage in der Türkei lenken wollten. Diese Versammlung wurde präsidiert vom Genossen Van Kol, Mitglied der Zweiten Kammer. Er nannte bei dieser Gelegenheit den Sultan einen„Usurpateur"(Ueberwälttger) und citierte die Worte Gladstones, wobei dieser den Grotztürken einen„Groß-Mörder" nannte. Gegen Genossen Van Kol ist nun eine Strafverfolgung eingeleitet wegen Beleidigung des Sultans I l In der That, die niederländischen Minister, die durch den Sultan dekoriert wurden, müssen dafür schmutzige Dinge zulassen I— Frankreich. PariS, 13. September. Zwei von den Personen, die Gusriu zu verproviantieren suchten, wurden Sonntagvormittag durch die Polizei verhaftet. Der eine davon ist der Sohn eines ehemaligen Polizeikommissars. Wie„Siöcle" erfährt, wurde der Senator Scheurer« Kestner von einem ziemlich heftigen typhösen Fieber befallen. Earmaux, 17. September. Bei einem Bankett der Socta- liste«, dem viele socialistische Deputierte beiwohnten, hielt Laurös eine Rede, in welcher er Abschaffung der Kriegsgerichte und Rehabilitation von DrehftlS forderte. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, in welcher die Ausführungen Jaurss gebilligt wurden. Spanien. Ovort», 17. September. In der letzten Woche sind zwei neue Fälle von Pesterkrankungen und drei Todesfälle vor- gekommen.— Madrid, 17. September. Heute find 24 Typhusfälle vorgekommen. Ein Fall endete tödlich.— Rußland. AnS Finnland. Das russische Ober- Verwalttingsamt für Preßangcleg e n heilen hat an die fiunländischen Zeitungen Rundschreiben erlassen, in denen jede Mitteilung über Mit- g l i eder der kaiserlichen Familie, die nicht in den offiziellen russischen Organen erschienen oder vom Generalgouvcrneur im voraus gebilligt worden ist, den Zeitungen strengstens untersagt wird. Der Generalgouvenieur hat ferner die Bestimmung getroffen, baß in jedem finnischen Gouvernement einem fest angestellten Beamten die Aufficht und Ueberwachung der Presse aufgetragen werden solle.— Amerika. New Dork, 17. September. Eine Depesche deS„New York Herald" aus Caracas �Venezuela) vom 17. September besagt, die Revolutionäre hätten ein Gefecht in der Nähe vonjTacuyo gewonnen, und bestätigt die Eroberung von Valencia und Puerto Cabello. Man schätzt die Verluste an Toten und Verwundeten auf 1600 Mann. Wie ferner berichtet wird, soll der Kriegsminister Ferrer gefallen sein und General Lndrade sich auf Caracas zurückziehen. NÄrket-Vschvichkens Poliscilichvs, Orrichllitfies nfw. ~ Das„öffentliche Wohl" i» Sachsen-Wcimar. Nachdem bereits seit einer Woche die behördliche Genehmigung zu der am 17. September in Stadt-Sulza einberufenen Krets'konferenz deS 1. Weimarischen Wahlkreises erteilt war und am Sonntag auch die Delegierten, Genossen au« den verschiedensten Orten des Wahl- kreiseS, erschiene» waren, wurde dieselbe„aus Gründen deS öffent- lichen Wohls" untersagt. An der EingangSthür zum Saal nagelte der Polizeidiener das betreffende Verbot noch besonders an.— Hätte das öffentliche Wohl nicht wenigstens ein rechtzeitiges Verbot gerecht- ferttgt? Berlin und Umgegend. Achtung, Holzbildhauer! Wegen Nichtbewilligung der ge- stellten Forderungen sind Kollegen folgender Werkstätten in den Ausstand getreten: Bcnsing, Andreassir. Ig; Peth, Mcmelerstr. 31: Lehmann, Weberstr. 13; Göhre, Wasserthorstr. 22; Seifert u. Wolf (Vourgett), Fruchtstr. 36; Kümmel. Frankfurter Allee 117a; Brunzlow. Neue Königstr. 16; Schulz. Ziegelstr. 30; Jaquemm, Alte Jakobstr. 88; Kirschner, Adalbertstr. 42; Grix, Pallisadenstr. 57; Kramer, Koppcnstr. 60; Solontz, Rixdorf, Knesebeckslr. 115; Fiedler. Loulscn-Ufer 12; Schoy, Mariannenstraße; Brandenburg. Wilhelm- strafe 124. Es wird ersucht, diese Werkstätten sireng zu meiden. Meldungen, auch der Finnen, welche bewilligt haben, sind umgehend an die Lohnkommission, Köpenickerstr. 62 sRestaurant Spielbera, Telephon Amt VII 3932), in der Zeit von S— 1 und 3—7 zu richten. Die Lohnkommission. Achtung, Ciselcure! Bei den Firmen Engel u. Hegewald (Fnster), Lindenstraße 23, Speck, Dresdenerstraße 36, Genie(in Firma Metjen u. Co.), Sebastianstraße 20, haben die Kollegen wegen Nichtbewilligung des Neunstundentages die Arbeit niedergelegt. Die Firma Engel und Hegewald bemüht sich nun, ihre Arbeiten bei Klernmeisteru unterzubringen und ist es ihr auch gelungen, einigen derselben Arbeit zuzuweisen. Es sind dies folgende Firmen: Fischer. Wienerstraße 2g. Greulich. Adalbertstraße 75. F. Hankel, Luisen- Ufer 34, Rother, Kottbuserdamm 21. Trotzdem bei allen diesen Kleinmeistern eine Arbeitszeit von neun Stunden und darunter besteht, scheuen sich dieselben nicht, die Arbeiten für solche Werkstätten anzufertigen, Ivo unsere Kollegen im Kampfe um Verkürzung der zehnstündigen Arbeitszeit auf täglich neun Stunden stehen. Von allen diesen Werkstätten ist deshalb der Zuzug strengstens fernzu- halten. Die Kommission. Achtung, Buchbinder! Kontobuch-Arbeiter! In der Buch- binderei und Kontobuch-Fabrik von Moriz u. Kummer, Lands« bergerstr. 72, haben am Sonnabend sämtliche Kollegen und Kolleginnen wegen Lohnreduttionen die Arbeit niedergelegt. Trotz mehrmaliger Versuche seitens der betreffenden Arbeiter und der Organisation, eine Einigung herbeizuführen, mutzte, nachdem die Firma jedes Entgegenkommen in dieser Richtung ablehnte, die Arbeit niedergelegt werden. Nachdem die Firma gesehen hatte, daß sämt- liche Arbeiter und Arbeiterinnen an der Arbeitsniederlegung teil- nehmen wollten, wandte sie den schlauen Kniff, an, das gesamte Personal zu entlassen. Jedenfalls glaubten die Herren Chefs, daß verschiedene Kollegen und Kolleginnen nun um ihre Weiter- beschäftigung bitten würden. Darin haben sich aber die Herren ganz gewaltig gerauscht. Verdienen doch die Arbeiterinneu in dieser Werk- stube so schon wenig genug, und es wäre traurig, wollten dieselben ihre Löhne noch weiter herunterdrücken lassen. Sämtliche Kollegen und Kolleginnen Berlins aber ersuchen wir, den Zuzug nach der Firma Moriz u. Kummer streng fernzuhalten. Die VertrauenSpersonen. Zur Sohnbewegimg der Posaiiieiittere wird mitgeteilt, daß folgende Firmen noch nicht bewilligt haben: Bünger Ww., Wendel u. Comp., H. Plischke, E. Gustedt. Köstermann u. ZarenzanSki, Sachs u. Schwarz, W. u. G. Keßler, A. Sinfel, Hofsmann u. Weiland, Th. Wagler, Reiß u. Burmeister, E. Hoppe, P. Hoppe,. Eisner u. Häusig, Przygode, Vollmer, H. Brehnter, H. Schmidt. Wir bitten die Kollegen, sämtliche angeführten Werkstätten zu meiden. Die �ohnkommissiow Achtmta, Nabitzspanner! Folgende Firmen haben die Forde- rungen der Rabitzspaniier bewilligt: Zöllner u. Co., Kraus. Ehlert u. Gollnak, Platz, Müller u. Co., Dittmann, Bräuer, Passarge, Cassur u. Co. Bei folgenden Firmen bleibt die Sperre weiter de« stehen: Schulz, Charlottenburg; Wageuknecht; Schmid u. Weimar; Stiewe; Günther und Sollwede. Die Lohnkommission der Bauarbeiter Berlins und' Umgegend. Achtung, Sattler? In der Militäreffekten-Fabrik von Ludwig, Liudenstratze 93, haben sämtliche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die AgitationS-Kommission. Verkürzung der Arbeitszeit in den Holzbearbeitungs- Fabriken. Der F r a i s e r e i b e s i tz c r- V e r e i n hat den auf H o l z p l ä tz e» und a» Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten Arbeitern die geforderte 52 Stundemvoche zugestanden; dieselbe tritt mit dem 1. Oktober in Kraft. Den Unter- nehmern, die dem Verein nicht angehören, wird die Forderung der Arbeiter schriftlich unterbreitet werde». An die arbeitende Bevölkerung Charlottenburgs! Nach Beschlutz deS Bauarbeiter Schutzkongresses sollte an jedem Ort eine Kommission gewählt werden, die der General- kommission Material giebt beircffs Schutzvorrichtimgen auf den Bauten. Eine solche ist in der letzten öffentlichen Versammlung, be« stehend aus folgenden Personen gewählt, worden: Maler Otto tlemming, Schlüterstr. 71;' Zimmeret Fritz Fleischer, chillerstraße 90; Zimmerer Ernst H e e s ch k e, Grolmann- straße 17; Maurer Albert Bernsee, Scharreustraße S; Bauarbeiter Leopold Sablotzkie, Weimarerstraße 31. Nachdem nun die Kommissson den O. Flemming als Obmann er- nannt hat, sind alle ungenügenden Vorrichtungen auf den Bauten an selbigen zu melden; es wird gebeten, eiftigst Malerial zu sammeln. Des ferneren sei noch bekannt gegeben, daß Protokolle vom Ge- Werkschaftskongreß sowie Listen für die streikenden Arbeiter jeden Montag-, Mittwoch- und Freitagabendkvon 6—8 Uhr beim Genossen Bleeck, Pestalozzistr. 22,}b. 2 Tr. bei Pankow zu haben sind. Der Vertrauensmann der Gewerkschaften Charlottenburgs. Deutsches Reich. Zum Krefelder Färberstreik wird uns von dort geschrieben: Die Situation hat sich mit einem Schlage geändert. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß in mehreren Färbereien gearbeitet wird für die Finnen, deren Arbeiter sich im Ausstände'besiuden. Die Arbeiter dieser Färbereien erklärten sich mit ihren streikenden Kollegen solidarisch und stellten die Arbeit ein. Die Zahl der Ausständigen dürfte damit die Zahl von 2000 erreichen. In einer Filiale der in Frage kommenden Firmen in C o m o sJtalien) treten die Arbeiter ebenfalls in den Ausstand. Soforttge Hilfe ist dringend notwendig. Krefeld, den 16. September' 1809. GewerkschaftS-Kartell. Zuschriften richte man an R. P eullmaiins, Geldsendungen an E. Winterberg, beide Kronprinzenstr. 122, Krefeld. Der Frankfurter Zimmererstreik ist endlich, nach zwölf- wöchentlicher Dauer, beendigt, nachdem eine Einigung mit dem Unternehmcrverbande erzielt' Ivordeu ist. Danach ist die Ar- beitszeit auf zehn Stunden festgesetzt mit einer Lohn- entschädigung von 48 P f. pro Stunde für jeden Zimmer- gesellen. Der Leipziger Formerstreik und die Hirsch-Duuckerscheu. Die„Leipziger Volkszeitung" schreibt:„Einen eklatanten Beweis ihres � festen Rückgrates haben, wie daS Hallesche„Volksblatt" mitteilt, die Hirsch- Dunckerschcn auch in Bitterfeld gegeben. Die Martlnsche Eisengießerei nahm Leipziger Streikarbeit an. Der Borarbeiter und die Former weigerten sich ursprünglich dieselbe anzilfcrtigen. Der Gewerlvereins-Kassterer, der um seine Meinung ersucht wurde, ermahnte die Arbeiter, unter keiner Be- dingung fragliche Arbeit zu machen. Er gab auch seiner Freude Ausdruck, daß Hirsch-Dunckersche sich mit den Kollegen vom Former- verband solidarisch erklären sollten. Nach Empfang dieser Nachricht erklärte der Vorarbeiter Germer nochmals, daß die Arbeit ank keinen Fall gemacht werde. AIS aber Herr Marttn jun. die Former vor die Alternative stellte, entweder die Arbeit zu machen oder zu gehen, da fiel den Hirschen das Herz in die Hosen und sie machten sich an die Arbeit. Eine prächtige Illustration, wie sehr die Gewerkvereiue die Berechtigung verloren haben, sich Arbeiterorganisationen zu nennen. HauSindnstrlelle Kinderarbeit. Für das Herzogtum Sachsen- Coburg-Gotha hat der Fabrittnspettor eine Erhebung über die in der Hausindustrie beschäftigten Kinder unter 14 Jahren angestellt. Die Erhebungen beziehen sich auf 86 Schulorte. In 63 dieser Orte wird Hausindustrie getrieben. In den Schulen dieser Orte werden 20 183 Kinder unterrichtet und von diesen sind 5455, also über ein Viertel, gewerblich thätig. Der Prozentsatz der gewerblich thätigen Kinder stieg in den einzelnen Schulen bis zu 86,4 Proz. an. Die tägliche Arbeitszeit steigt von 8 Stunden bis zu 9 bis 10 Stunden an. Interessant find auch die Angaben deS täglichen Verdienstes in den verschiedenen Erwerbszweigen. ES werden täglich verdient in: Knopf- industrie in 2 Orten 25 und 80 Pf., in 3 Orten nur 4 und 5 Pf., in den übrigen Orten 10, 12. 15 Pf.; Puppeiiindustrie in 4 Orten 50, 60, 70 und 80 Pf., in den meisten Orten 18, 24, 30 Pf., in einigen Orten aber nur 10 und 12 Pf.; Spielwaren- Industrie im Gothaischen 8 bis höchstens 30 Pf., im Koburgischen meist 20 bis 50. sogar 60 Pf.; Papierarbeiten(Masken, Kattonnagen. Laternen) an 1 Otte 4 Pf., sonst aber 20. 30. 40, 50 Pf.; Korbflechterei in 1 Otte 60 Pf.; sonst nur 15 bis 30 Pf.; Holz- und Schnittarbeiten in 1 Ott 80 Pf., in den übrigen 20, 40, 60 Pf.; Metall-Verarbeitungen 17—35 Pf. Die Untersuchung giebt auch zu, daß in vielen Fälle schwere Schädigungen dtr Kinder an Körper und Geist aus dieser Be- schästigung folgen. Die Untersuchungen zeigen, wie dringend nötig die Unterstellung der HauSindusttte unter die Gewerbe-Jnspektton ist. Arbeiterschutz tn Schweden. Im Civildepattement ist e» neue» Schutzgesetz für Minderjährig« ausgearbeuet worden, da» aber auf eine. Rückwättörevidierung hinausläuft. So sollen auch in Zu- kunft die Sägewerke Kinder unkontrolliert beschäftigen dürfen und die Arbeitszeit der Minderjährigen ist in einigen Be- trieben erhöht. In Bergwerksgruben dürfen Mädchen von 14 Jahren ab benutzt werden. Die Strafen für die Uebettretungen sind g e- mildert! Versa ntntUmgvn. Dke Marmor-Arbeiter hielten am Sonntag wieder eine stark besuchte Versammlung ab. Die Arbeiter der Marmorwerke von C. Fink waren hierzu besonders eingeladen. Gersten berger erstattete den Bericht der Lohnkommission über die Verhandlungen mit den Unternehmern. Wenn es auch nicht gelungen sei, alle in dem von den Arbeitern aufgestellten Lohntarife genauer hezeichnete» Forderungen von den Unternehmern zu erlangen, so könne man doch mit einer gewissen Befttedigung auf den Verlauf der Lohnbewegung zurückblicken, da im Gegensatz zu den früheren Lohnverhältnissen eine bedeutende Aufbesserung er- reicht worden sei. Bei den Schleifern ist eine Lohn- erhöhung bis 13 Proz.. für A r c o r d arbeiten, die leider, weil zu tief in den Verhältnissen wurzelnd, noch nicht beseittgt werden können, sogar Aufbesserung bis zu 40 Proz. erreicht worden. Die Haue r(Steinmetzen) haben ebenfalls bedeutende Lohiiaufbesserungen erzielt. Zwei Finnen, K n o r r und Hangen, weil nicht zum Uuternehmerverband gehörig, weigerten sich, diese getroffenen Ver- einbarungen anzuerkennen, mußten aber später doch nachgeben. Nur die Firmen Fink und Strehlen verharren noch bei hartnäckiger Ablehnung. Auch die Organisation der Marmorarbeiter wurde von dem Unternehmerverband anerkannt dadurch, daß nach gegen- fettiger Uebereinkunst eine gemeinschaftliche Kontroll- kommission von 8 Personen, je 4 Unternehmer und Ar- beiter, die Ueberwachung für Durchführung des vereinbarten Lohn- tarifs bis zum 1. März 1901, sowie zur Entgegeiiuahme von Beschiverden und Beseitigung von Mißständen in den Betrieben, ge- wählt wird. Dieser Umstand kann als ganz besondere Errungen- schaft und Anerkennung für die Macht der Organisati o n bezeichnet werden I Aufgabe dieser Kommission werde es in Zukimft auch sein müssen, die bei einzelnen Berliner Firmen ein- gerissene Hausindustrie möglichst auszurotten, weil diese Ar- beiter weder einen bestimmten Arbeitstag noch genauere Lohnsätze kennen und demzufolge auch von der Organisation nichts wissen wollen. Beide Parteien sind nun übereingekommen, daß der ver- einbarte Tarif, dessen einzelne Punkte der Redner nochmals verliest, vom Montag, den 18. September, ab zur Geltung kommt und die gegenseitige schriftliche Anerleiiuuug erfolgt, ohne daß es bei der gegenwärtigen günstigen Geschäftslage zur Arbeitseinstellung führt. An den Arbeitern würde es »unmebr liegen, diese Forderungen auch festzuhalten. Im Verlauf der Besprechung wurde von einigen � Rednern der 19. September als Termin gewünscht, da erst am 13. die Unterschrift erfolgt. Ueberall, wo die Forderungen nicht anerkannt werden sollten, habe sofort die Arbeitseinstellung zu erfolgen; dies sei namentlich bei der Firma Fink der Fall, der es wohl keine acht Tage werde aushalten können. Die Arbeiter würden entweder unterstützt oder anderwärts untergebracht werden. Das Verhalten einer Anzahl Kollegen, die während der Essenpausen fast. immer durcharbeiten, wurde scharf getadelt. Die getroffenen Verein- barungen wurden nunmehr, mit dem 18. September als Geltungstermin,> « i n st i m m i g angenommen, desgleichen ein Antrag, gegen die Firma F i n k; unverzüglick besonders vorzugehen. Ein Arbeiter- hatte bereits am Sonntag früh die Entlassung zugeschickt er- halten. Als Mitglieder der Kontrollkommission werden Gerstenberger, Wolfs, Schütz und P r i b e n o w gewählt.' Nachdem Gerstenberger noch zum Anschluß au die Organisation der Steinarbeiter. Filiale II(Marmorarbeiter), aufgefordert, wurde noch mitgeteilt, daß in der am D i e n S t a g, den 19. September, abends, stattfindenden V e r s a m m- lun g die Ergebnisse über die Bewilligung der Lohntarife mitgeteilt werden sollen. Die Posamentiere hielten am Sonntag bei Feuerstein, Alts Jakobstraße, eine Versammlung ab, in der über den Ausstand und die weiteren Schritte beraten wurde. Der Referent Klein berichtete über die Thätigkeit der Lohnkommission. Die Firma Gebr. Prinz hat die Forderungen bewilligt. Bei der Firma Reis u. Burmeister hatte man dem Versuch eutgegentreten müssen, die Accordarbeit an Stelle der Lohnarbeit durchzuführen. Von den anderen Arbeitgebern wird hier aller mögliche Druck aus- geübt, um einen Erfolg der Arbeiterschaft zu vereiteln; am Montag soll eine Versammlung der Arbeitgeber noch stattfinden. Die Frage der Accordarbeit fühtte zu einer längeren und teilweise erregten Debatte; der Bemerkung eines Redners, daß ein Arbeiter im Accord bis zu 11 M. schon verdient habe, wurde mit Recht entgegengehalten, daß das ein Ausnahmefall sei lind ein Ausfall an Verdienst notivendig darauf folgen müsse. Auch sei doch das allgemeine Bestreben darauf gettchtet, die Accord- arbeit zu beseitige» und nicht neu einzuführen und auch der leistungsfähigere Arbeiter müsse sich dem im Interesse der Solidarität anschließen. Die Verhältnisse bei der Firma Krause u. D a m n i t s ch führten alsdann zu einer längeren Besprechuiia, bei der darauf hingewiesen wurde, daß daS von den Inhabern derselben zuerst ehremvöttlich und schließlich durch Unter- schritt vollzogene Abkommen sowohl in Bezug auf Accordarbeit, als die Bezahlung von Ueberstunden nicht innegehalten worden sei. Die Lohnkommission wurde mit bezüglichen Schritten hiernach von der Bersainmlmig beauftragt. Der Vorsitzende giebt hierauf von mehreren von außerhalb ihm übersandten Schreiben Kenntnis, wonach die Arbeitgeber unter allen möglichen Versprechungen, jedoch vergeblich, Arbeitskräfte von Harn- bürg, Magdeburg usw. heranzuziehen suchen. M a I k e bemerkt, daß die Bewegung von dem ganzen Textilarbeiter- Verband und im Notfalle von den Berliner Gewerkschaften unterstützt werde, waS die Unternehmer jedenfalls nicht erwartet hätten. Letztere thätcn besser, den inneren Markt durch Kräftigung des Arbeiter- standeS zu stärken, statt Kolonialgründungen zuzujubeln; wo kein Konsum ist, da ist auch keine Produttion. Folgende Resolution gelangt zur Annahme:„Die heute ver- sammelten Posanientenarbeiter Berlins erklären sich mit den Mit- teilungen der Lohnkommission einverstanden. Sie erblicken in der Einigkeit die beste Gewähr, zum Siege zu gelangen, und erklären, zum Streik fest zusaninienhalten zu wollen."— Mit einem Hoch auf die Bewegung wird die Versammlung hierauf geschlossen. Zur Lohnbewegung der Klempner. In einer stark besuchten Versammlung, die am Sonntagvormittag bei Keller, Koppenstraße, tagte, berichtete O. Rüther über den gegenwärtigen Stand der Bewegung. Danach sind in einer großen Anzahl von Betrieben die Forderungen bewilligt worden, ohne daß die Arbeit eingestellt werden brauchte. In 23 Betrieben mit etwa 570 Klempnern wurde die Arbeit niedergelegt. Von diesen haben aber auch einige bereits bewilligt, so daß zur Zeit schon in 52 Betrieben 494 Klempner zu den neuen Bedingungen arbeiten. Ein- zelnen Unternehmern sind allerdings in Rücksicht auf besondere Unistände kleine Konzessionen gemacht worden. Ausständig sind zur Zeit noch 350 Klempner in 17 Betrieben. In einigen Fällen, wobei etwa 120 Klempner in Betracht kommen, schweben gegenwärttg Verhandlungen und werden dieselben in den nächsten Tagen zum Abschluß kommen. Bisher haben sich mehr als 950 Maiin an der Bewegung beteiligt, doch dürfte sich diese Zahl noch erheblich vergrößern, da verschiedenen Firmen erst im Lauf«- dieser Woche die Forderungen unterbreitet werden. Bei Vs der in Frage kommenden Betriebe kommt die Forderung der Arbeitszeit überhaupt nicht mehr in Betracht, da in diesen bereits die neun- stündige Arbeitszeit eingeführt ist. und eS handelt sich hier nur um die Lohnforderung. In verschiedenen Werkstätten, und zwar sind dies fast nur kleinere, sind infolge der Uneinigkeit bezw. der Gleichgültigkeit der daselbst beschäftigten Arbeiter noch gar keine Forderungen gestellt worden. Andererseits sind an der Bewegung «ine Anzahl Betriebe beteiligt, auf welche vordem nicht gerechnet wurde. Die Vereinigung der Metallwarenfabrikanten und die Klempner- Innung haben beschlossen, keine Verkürzung der Arbeitszeit und auch den Minimallohn nicht zu bewilligen. Auf diesen Beschluß haben sich auch einige Unternehmer berufen, und obwohl sie zugeben müssen, daß die gegenwärtigen Löhne zu gering und aufbesserungsbedürftig sind, haben sie doch die gestellten Forderungen abgelehnt und die begonnenen Verhandlungen schroff abgebrochen. Vielfach be- rufen sich die Unternehmer auch darauf, daß diese oder jene Konkurrenzfirma noch nicht bewilligt hat. Durch dieses Vorgehen wird die Beseitigung der Differenzen in einigen Fällen verzögert. aber die Unternehmer werden angesichts der günstigen Konjunktur und nachdem sie einsehen, daß sich die notwendigen«Arbeitswilligen" nicht finden, doch zum Nachgeben gezwungen sein. Aus den Reihen der Ausständigen ist bis jetzt noch kein einziger Streikbrecher zu ver» zeichnen und allem Anschein nach wird dies auch bis auf weiteres zutreffen, da unter den Ausständigen völlige Einmütigkeit herrscht. Der allgemeine Stand der Bewegung ist infoigedessen ein verhältnismäßig recht günstiger. Das erwartete Resultat ist jetzt schon in mancher Beziehung ttbertroffen und wird zweifellos im Laufe der Woche noch ein besseres werden, besonders dann, wenn in der bisherigen Weise weiter verfahren wird und die gefaßten Beschlüsse überall genau be- achtet iverden. Wie Rüther noch mitteilte, werden von' nun an nur noch diejenigen Firmen veröffentlicht, bei welchen die Arbeiter ausständig sind. Hierauf berichteten zahlreiche Redner über die mit den Unternehmern gepflogenen Verhandlungen und über die Ver- Hältnisse in den einzelnen Betrieben. Hierbei wurde bemängelt, daß die mit den Klempnern zlffammenarbcitenden Schlosser. Dreher, Drücker usw., die ebenfalls an der Forderung: Einführung der neunstündigen Arbeitszeit, interessiert sind, in einigen Betrieben noch keine Stellung genommen haben bezw. in Aktion getreten sind. In der weiteren Diskussion wurde von mehreren Rednern, die ebenfalls alle den Verlauf der Bewegung als einen günstigen bezeichneten, zum einheitlichen Handeln und zum festeil Zusammenschluß in der Organisation aufgefordert. In seinem Schlußwort wies Rüther noch darauf hin, daß in allen Werk- stellen, wo dies bisher noch nicht geschehen ist, Vertranensmänuer gewählt werden müssen, und daß jeder arbeitende Klempner gemäß einem früheren Beschluß verpflichtet ist, pro Woche 50 Pf. an den Unterstützungsfouds abzuführen. Außerdem verwies er darauf, daß der Arbeitsnachweis in der Alexandriuenstraße von allen Arbeitslosen, und zwar in ihrem eigenen Jirtereffe, streng zu meiden ist. Mit einem begeisternden Hoch auf das Gedeihen der Bewegung fand die imposante Versammlung ihren Abschluß. Die in Metallgießereien Beschäftigten und die Gießerei- Arbeiter hielten am Sonntag im Louisenstädtischen KonzcrthauS eine gut besuchte Versammlung ad, um zu besprechen, wie die äugen- blicklich sehr günstige Konjunktur ausgenutzt werden kann. Das Re- fcrat hatte Alwin K ö r st e n übernommen. Er führte ans, daß die Former jetzt, wo auf die Ilnternehmer ein Goldregen herniedergehe, auch wieder einmal an die Verbesserung ihrer Lage denken müßten. Als die Verteuerung des Metalls eingetreten sei, hätten die Metallwaren- Fabrikanten zc. bald ihre Waren- preise um lv Proz. erhöht. Das sei eine gute Lehre für die Former und Gießerei-Arbeiter, wie man die jeweilige Situation auszunutzen habe. Freiwillige Geschenke würden den Arbeitern von den Unter- nehmern nicht entgegengebracht. Die Löhne seien zum Teil sogar niedriger wie früher. Die Abmachungen vom Jahre 13vö würden vielfach nicht mehr gehalten. Am meisten litte» darunter die Hilfs- arbeiter. Damals hätte» selbst die Meister einen Minimallohn von 21 Mark für die erwachsenen Gießerei- Arbeiter als durchaus gerecht bezeichnet. Jetzt iverde oft iveniger be- zahlt, und auf Vorhaltungen erklärten die Arbeitgeber, daß die Hilfsarbrbeiter nicht mehr verlangten. Pflicht der Former Iväre es, sich der Hilfsarbeiter anzunehmen. Vor allem müsse an die allgemeine Einführung dcS neunstündigen Arbeitstages und an eine entsprechende Lohnerhöhung gedacht werden. Eiii Ucbelstand sei auch das Zwischcnmeistcrsyftem. das sich im Berufe breitmache. — Die Schlaffheit, die in den letzten Jahren die Kollegen beherrscht habe, sei ivohl darauf zurückzuführen, daß ihnen der große Metall- industrielleil-Verband gegenüberstehe. Das brauche aber die Kollegen aus den Metallgießereien am allcrivenigsten zu beunruhigen. Die Sektion der Metallwaren- Fabrikanten mit ihrem Arbeitsnachweis in der Alexandrinenstraße habe auf dem Arbcitsmarkt lange nicht den Einfluß, wie die eigenilichen Kühnemänner im Norden. Und selbst diese hätten die Macht der Arbeiterorganisation in letzter Zeit an- erkannt, indem sie deren Vertreter in ihre Eisengießereien hinein- gelassen hätten, damit sie sie nach Leipziger Streikarbcit durchforschen konnten. Wenn die Kollegen eine Lohnbewegung durchführen wollte», dann müsse sich diese aber auch auf die groffen Metallwaren-Fabrikcn und nicht blos auf die Gießereien erstrecken. K ö r st e n schlägt dann im Einverständnis mit der Agitations- kommission folgende Resolution vor:„Die Versammelten erklären, daß sie getvillt sind, in eine Lohnbetvegung einzutreten. Es sollen gefordert werden die neunstündige Arbeitszeit und 1» Proz. Zuschlag auf den Lohn und Verdienst. Von dein Zuschlag sind auszunehmen die Gießereien, die in letzter Zeit entsprechende Ausbesserungen haben eintreten lassen. Ferner ist zu fördern die Durchführung des IKLb anerkannten Minimallohnes von 21 M. für erwachsene Gießereiarbeiter. Zum Zweck einer friedlichen Lösung wählt die Versammlung eine Kommission, welche mit den Meistern und Fabrikanten in Ver- Handlung zu treten sucht. Die Kommission erstattet in der nächsten sin einer Woche stattfindenden) Versammlung Bericht und es wird in dieser Versammlung endgültig über die Ausfnhrungsbedingnngen Beschluß gefaßt."— Es folgte eine recht lebhafte Debatte. Die meisten Redner sprachen sich für die Wahl einer Kommission aus, die den Versuch machen solle, mit den Unternehmern zu verhandeln. Mau ivar sich darin einig, daß spätestens i» acht Tagen der Kampf eröffnet iverden müsse, ivenn bis dahin keine friedliche Einigung erzielt worden sei. Als recht unwürdig wurden die Verhältnisse in den Fabriken von B u tz k e und von Joseph bezeichnet. Ferner nannte man als Betriebe, welche eine besondere Beachtung verdienten, die von S ch ä f f e r u. O e l in n» n und von I ü r st. Bei Jürst sollen vor allem die Hilfsarbeiter niedrige Löhne und eine recht lange Arbeitszeit haben. S t o b s a k venvies darauf, daß die Fomicr in solchen Werkstellen nach der Resolution für die Hilfsarbeiter mit ein- treten müßten. Zu der Resolution giebt K ö r st e n noch einige Er- läuterunge». In verschiedenen Betrieben seien in letzter Zelt von den Kollegen Lohnanfbesserungen durchgesetzt worden. Dort solle nun»ach der Resolution der Aufschlag nicht gefordert iverden, wen» die Aufbesserung 10 Proz. des vorherigen Verdienstes ausmache. Betrage sie nur 5 Proz., dann seien ivcitere 5 Proz. zu fordern. Redner wendet sich gegen den Vorschlag, da eine Lohn- erhöhung nicht zu fordern, wo schon der Reuustundeutag durchgeführt sei u n d gute Preise gezahlt würden. Auch in derartigen Betrieben s e i der Zuschlag zu fordern, und es könne nur davon abgegangen iverden, wo ganz b e- sonders günstige Lohnverhältnisse existierten." Darüber sei aber von Fall zu Fall zu entscheiden, und zwar mitZustiminnng der Kommission. Hierauf winde die Resolution einstimmig a n g e n o m m e n. Mit den Verhandlungen wurde die Agitations- kominission betraut. Ferner wurde beschlossen, daß in den ersten Tagen der Woche überall Werkstätten- Versammlungen abzuhalten seien, damit die Werkstatt- Vertrauensleute die Kommission in der Vertrauensmänner- Konferenz, welche Mitte der Woche stattfindet, über die Stinimnna und über die Absichten der Kollegen unterrichten könnten. Zu der Konferenz wird im„Vorwärts" noch besonders eingeladen iverden. Der Verein der Lithographen, Steindrncker»nd Berufs- genoffen(Zahlstelle III) hielt seine Monatsversammlung am 13. September im Dresdener Garten ab. Kollege Tischen- d ö r f e r weist auf die Volksmusik-Aufführung„Die Schöpfung" von Haydn und die jetzt wieder begimienden Volks- Hochschnlkurse hin. Gegen die neu aufgenommenen Mitglieder findet kein Einivand statt. Der interessante Vorwog„Moderne Richtungen in Kunst und Kunst- gewerbe" des Herrn Dupont fand qußerordentlichen Beifall. In der Diskussion bemerkt K. Tischendörfer, daß die Arbeiterschaft die Macht hätte,. beim gegenwärtigen Bau des Gewerkschasts- Hauses einen den Arbeitern genehmen Stil zu verwenden oder es mit Darstellungen aus dem Arbeiterleben auszuschmücken. Die Namen der 35 Kongreßdelegierten werden verlesen, lieber circa 537 Berliner Lithographen haben wir auf Grund von ausgegebenen Listen Auf- schluß über ihre Arbeitsverhältnisse erhalten. Der Kongreß wird dieses Material weiter verarbeiten. M ö h r i n g und Dübelt finden es. nach dem vorausgegangenen Bericht Tischcndörfers über die beiden Leipziger Versammlungen mit den Sonderbestreblern, nicht richtig, daß dort die Steindrucker mitstimmten. Tischendörfer bemerkt dazu, die Versammlung war eine öffentliche, folglich waren die Drucker berechtigt mitzustimmen, anderenfalls wäre die erste Ver- sammlung und das Referat unmöglich gewesen. Die Freie Vereinigung der Bnnarbciter Berlins und Um- gegcnd hielt am Sonntag, den 17. d. M., im„Englischen Garten", Alcxanderstr. 27 c, eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab Zu Punkt 1 der Tagesordnung hielt Genosse Regierungsbaumeister Keßler einen*/* stündigen Vortrag über Gewerkschafts- Organisation, welcher mit Beifall anfgenommen wurde. In der Diskussion sprach Wernau im Sinne des Referenten und ermahnte die Kollegen, an der Organisation festzuhalten.— Zu Punkt 3 Unsere Lohnforderung und die Zugeständnisse des Arbeitgeber� bundes, teilte der Vertrauensmann Fritz Krüger den Lohntarif tvelcher vom Arbeitgeber-Bund ausgearbeitet, jedoch nicht an- zenommen worden ist, mit. Es soll von feiten der Arbeitnehmer ein Tarif ausgearbeitet und dem Arbeitgeber-Bund unterbreitet werden. Es wurde darauf eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher die Anfrechterhalwng der Forderungen beschlossen wird. Der ans- zuarbeitende Lohntarif soll vervielfältigt und jedem Verbands Mitglied zugestellt werden. Zu Plinkt Sammel- und llnterstützilngs- Wesen, wurde der Antrag angenommen, daß jeder Kollege 16 Marken in seiner Karte haben muß, um unterstützungsberechtigt zu fein. Sodann wurde Sack als erster, Franz Tischler' als stellvertretender Gewerkschaftskartell-Delegierter gewühlt. Eine öffentliche Versammlung der Bauarbeiter, die am Sonntag in Cohns Festsälen stattfand, beschäftigte sich mit der Be- schliißsaisung über die Vorschläge der Nennerkömmission von feiten der Arbeitgeber. Als Referent fungiert N o a ck. Derselbe berichtet über die Unterhandlungen mit der Unternehmerkommission, die teil- weise einen stürmischen Eharakter trugen. Die Kommission der Bau- arbeiter schlägt folgenden Tarif, der ein wenig über die Zugeständnisse der Unternehmer hinweg geht, als maß- gebend vor: Minimallohn für Arbeiter 40 Pf., für Wasser- träger und Nüsiungbaner 45 Pf., für Steine- und Kalkträger in den unteren Etagen 50, in den oberen Etagen 60 Pf. Im Accord sollen an Steineträger gezahlt werden für 1000 Steine im Keller 2,50 M.. für jede Etage ein Zuschlag von 25 Pf. pro Meter erreichter Bau- höhe. Die Unternehmer wollten sicki das Recht vorbehalten, an „ungelernte" Bauarbeiter einen niedrigeren Lohn zu bezahlen. Darauf können natürlich die Arbeiter nicht eingehen, höchstens können sie zugestehen, daß invalide Arbeiter eine geringere Eiitlohnung er- halten. Schließlich fordern die Arbeitgeber die Einbehaltung einer Kantion von 25 Pf. pro 1000 Steine bis zur Beendigung des Accords, sowie Abrechnung am Freitag. In der sehr lebhaften Diskussion machen sich viele Stimmen gegen die Mcterberechnung geltend, da dieselbe für die Bauarbeiter viel zu kompliziert erscheint. Die meisten Redner verlangen einen Accord von 2.50 M. im Keller und einen Zuschlag von 1 M. für normale, d. h. nicht über 4 Meter hohe Etagen. Es' wird dann folgender Antrag angenommen:„Da die Berechnung der Ilnternchmer für viele Bauarbeiter zu kompliziert ist, die Verechnnng auch im wesentlichen unseren Fordcrnngcn ent spricht, ist unsere Forderung srcsp. Tarif) hochzuhalten und mit allen Mitteln für deren Durchführung einzutreten. Ebenso verwirft man die Forderung der Kautionsstellung und das Verlangen der Arbeitgeber, nach ihrer Ansicht»linderwcrtigcn Arbeitskräften einen geringeren als den tarifmäßigen Lohn zu zahlen.— Alsdann mird an Stelle des bisherigen Kommissionsmitgliedes B o g a n d e i Oelschläger gewählt. Unter„Verschiedenes" macht Noack einige Mitteilungen über die Betvegnngen der Pntzerträgcr und der Rabltzspanner, deren letztere Belvegnng mit einem Siege endete. Zur Sprache kommen dann noch die Verhältnisse auf verschiedenen Bauten und die Frage, ob die Kollegen, welche ans den Nachbarorten hier arbeiten, ebenfalls zum BcrlinerStreikföuds zu steuern haben. Trotz der gegenteiligen Meinung des Hauptvorstandcs hält die BersamM- luug dies für berechtigt. Angeschnitten Ivird auch die Frage einer Organisation der Abrißarbeiter. Ivobei die überraschende Mirteilnng seitens des Vorsitzenden gemacht wird, daß solche Organisation bereits vorhanden sei, die sich leider nicht auf dem Boden der modernen Arheiterbetvegung befindet. DaS Bureau dieser Organisation ist in der Marienburgerstr. 31, vorn 1 Treppe. Mit einem Hoch auf das Gedeihen der Banarbeiterbewegnng schließt der Vor- sitzende die Versammlung. Tic selbständigen Bildhauer erklärten sich in einer Versanun- lung, die am Montag stattfand, einverstanden mit den zlviscken den beiderseitigen Lohnkommissionen getroffenen Abmachnngen hinsichtlich der Lohnbewegung der Holzbildhauer. Wie Herr W e st p h a l in der Versammlung mitteilte, haben die Gehilfen angetiindigt, daß sie im nächsten Jahre gemeinsam mit den' Tischlern die achtstündige Arbeitszeit einzuführen denken. Herr Westphal schlug vor, eine Organisation der selbständigen Bild- Hauer zu gründen, denn den Lohnkämpfen könne nur dann die bittere Spitze abgebrochen werden, wenn auf beiden Seiten Organisationen bestehen, die sich gegenseitig respektieren.— Es soll ein Cirknlar an alle Tischlereien und Bangeschäfte Versand werden. ivodnrch die selbständigen Bildhauer mit Rücksicht ans die den Ge- Hilfen gewährte Lohnerhöhnng eine 10prozentige Erhöhung der Preise fordern. Verein der selbiiiindigen Fensterpiltzer. DienSwg abends 8 Uhr, Eeneralversämmittilg und Vorstandsivahl bei Mehrwald, Alte Jalobstr. 54/55. Das Koutplott gegen die Nepnblik. Vor dem als Stnatsgcrichtshof versannnelten Senat begann Montagnachmittag der Prozeß gegen die rohalistischen Verschwörer. Zur Ausrechterhaltung der Ordnung in der Umgebung des Palais du Lnxemboitrg sind strenge polizeiliche Maßregeln getroffen ivorden. Eine große Menschenmenge bewegt sich in den Straßen. Der Teil des Gartens, der sich in unmittelbarer Nähe des Palais du Luxem- bourg befindet, ist für das Publikum abgesperrt. Im Sitzungssaal sind die für das Publikum bestimmten Tribünen und Galerien ge- drängt voll. Um zwei Uhr erklärte der Präsident F a l l i ö r e s die Sitzung fiir eröffnet. Nach der Verlesung des Einbernfnngsdekrets verlangt de L a m a r z e l l e das Wort. Der Präsident verweigert ihm dieses. Da de Lamarzelle weiter zu sprechen verlangt, fängt die Linke an, mit den Pnltdeckeln zu schlagen. Schließlich wird zum namentliche» Aufruf geschritten, ivorauf der O b e r st a a t s- a n w a l t beginnt, die A n k l a g e s ch r i f t zu verlesen, In der Anklageschrist werden die vom Untersuchungsrichter Fabre festgestellten Thatsachen dargelegt. Es wird zunächst darauf hin- gewiesen, daß die verschiedenen Ruhestörungen in den Jahren 1893 und 1899 auf eine Verschwörung zum Zwecke einer Abände- rung der Regierungöform Aurückznsuhren sind. Nach den weiteren Ausstihrungeii des Oberstaatsanwalts sind zivei Gruppen zu unterscheiden: 1. Die Patriotenliga, welche an Stelle der parlamentarischen Regiernng eine konstitutionelle setzen will. 2. Die Antisemitenliga Guerins, der die Rationalisten, Royalisten und Imperialisten zum Zwecke eines Aufstandes vereinigt, D u b u e, der Leiter der antisemitischen Ligen, bildet das Bindeglied zwischen der Patrioten- und Antisemitenliga und unter- stützt die rohalistischen Umtriebe des Ponteves-Sabran, der mit den Komitees in Eaen und Havre korrespondiert. Von besonderer Wichtigkeit sind die Enthüllungen über eine lebhafte Korrespondenz, die zwischen dem L erzog von Orleans und seinem Vertrauensmann» Büffet ge- führt wurde. Der Herzog schreibt im Juli 1893, daß eine gewisse Persönlichkeit ihm die U n t e r st ü tz n u g zahlreicher Ar- beitersyndikate zugesichert habe, 300 000 Franken würden ge- nügen. Bald folgen der Streik der Erdarbeiter im Oktober 1893 und die von der Patriotenliga im Saale Charras ins Werk gesetzte Versammlung vom 20. Oktober. Auf eine Depesche Büffets kommt der Herzog von Orleans am 23. Januar nach Brüssel, Ivo er am 25. Januar den Besuch Guerins empfängt. Am 13. Februar empfängt der Herzog in San Remo die Royalisten. Am 23. Februar erfolgt die Verhaftung Der gute des in der Kaserne. Die Royalisten setzten ihre Treibereien fort, alles ist für den Fall eines glücklichen Ausganges bereit, die Beamten sind designiert. Am 1. Juni telegraphiert Büffet dem Herzog von Orleans, es sei nötig, daß er in der Nähe sei, am 3. Juni telegraphiert er dem Herzoge, die Ereignisse seien für eine lange Abwesenheit zu ernst, und am 4. Juni findet die Kundgebung der Antisemiten statt. Der Staatsanwalt erinnert sodann an die Aufforderungen Dsronlödcs in St. Cloud vom 2. Juli und im Theatre de la Re- publique vom 16. Juli. Seit April d. I. hatte Glien» Gelder und richtete sich in der Rue Chabrol ein. Dubuc betrieb die Agiiation in der Provinz. So standen die Dinge, als die Untersuchung eingeleitet wurde. Die vorgekommenen Haussuchungen bestätigten alle Verdachtsmomente. Infolgedessen ersucht der Prokurator den � Staatsgerichtshof, das Verfahren gegen 22, Beschuldigte zu eröffnen. Ein einziger Zwischenfall ereignete sich bei Verlesung der An- klageschrift. Als der Prokurator die seit einem Jahre veranstalteten Knndgebnngen aufgezählt, wird er von Lanierzelle und Le Provosi de Launay unterbrochen. Die Linke protestiert und überschreit die Unterbrecher. Nach der Verlesung der Anklageschrift muß das Publikum die Tribünen verlassen. Der Senat tritt sodann zu einer Beratling mit Ausschluß der Oeffentlichkcit zusammen. Nach längerer Beratung beschloß der Staatsgerichtshof auf An- trag des Angeklagten, daß diese während der Untersuchung von ihren Anwälten unterstützt werden sollen. Hierauf wurde mit 234 gegen 32 Stimmen die Anklageschrift zur weiteren Prüfung an die Ilntersiichungs- Kommission verweisen. Die Beratung, über die Kompetenzfrage wurde nach dem Schluß der Untersuchung vertagt, welche von der Kommission de? Gerichtshofs demnächst eingeleitet wird. Auch die Frage, ob die Angeklagten und ihre Ver- tcidiger der Beratung über die Kompetenzfrage beiwohnen sollen, wurde vorläufig zurückgestellt. Beim namentlichen Aufruf antworteten 270 Senatoren. Trarieux und Döres erklärten sich fiir unbefugt, als Richter zu fungieren, da sie Verwandte von Angeklagten seien. (Trarieux will mit Dsroulöde verwandt sein.) Die Sitzung wurde dann um 7-/4 Uhr ohne Zwischenfall aufgehoben. ** * Unter den beschlagnahmten Dokumenten sollen sich solche be- finden, aus denen die Nolle des Klerus bei dem Komplott und die Organisation und Agitation hervorgeht, welche die Haupt- sächlichsten Klosterkongregationen seit drei Jahren betrieben haben, seit welcher Zeit sie mit der staatlichen Besteuerung unzufrieden sind. Es wird darin der Beweis erbracht, daß die Klostcrorden beträcht- liche Summen für eine äußerst lebhafte Propaganda gegen die republikanischen Institutionen ausgeworfen haben. Neben dieser direkten Agitation haben die Kongregationen eine ganze Anzahl von Specialzeitnngcn gegründet, die durch sie inspiriert und subventioniert wurden und eine mächtige Verbreitung im Lande fanden. Wahlresultat aus dem VIII. sächsischen Wahlkreis. Pirna, 18. September.(Pribatdepesche deS„Vorw/Z Bei der heutige» Nachwahl erhielten Stimmen: Frästdorf (Soe.) 11364, Antisemit 10 447, Freisinn 1787 Stimmen. Einige Orte stehe« noch aus, die das Resnltat aber nicht becinslnssen. Stichwahl sicher. Wahlbeteilignng viel stärker alS 1898._ Uetzke Mschrichken und Depefchou« Frankfurt a. M., 13. September.(B. H,) Die„Franks. Ztg," meldet ans New Dork: In Carterville(Staat Illinois) wurden bei einem Kampfe zwischen weißen Bergleuten und schivarzen Streikbrechern sieben der letzteren getötet. Chemnitz, 18. September.(B, H.) Größtes Auffehen erregt das Verschwindeit des Stadtrats Winkler. Derselbe hatte sich gestern abend um W Uhr ans seiner Wohnung entfernt, um noch einen Spaziergang nach der Theaterstraße zu machen und dann in das dortige Kasino zu gehen. Er ist daselbst jedoch nicht angelangt und auch' nach.seiner Wohnung nicht zurückgekehrt. Die Chemnitzer Polizei ersticht, alle Nachrichten über das Verbleiben des Stadtrats ihr znkonnnen zu lassen. Laibach, 13. September.(B, H.) Heute früh 7V2 Uhr wurde ein heftiger Erdstoß verspürt, welcher eine große Panik hervorrief, jedoch keinen Schaden anrichtete. Kopenhagen, 18. September.(W, T, 33.) Der König empfing heute den Bauldirektor Heide, das Mitglied des Folkethings Trier und den Bankier Bing in besonderer Audienz und sprach denselben seine Anerkeniiting aus für ihre energischen uncigen- nützigen Bestrebungen für de» nimmehr erfolgten Abschlnff der großen Arbeiterspcrre. London, 13. September.(B. H.) Wie in Negiernngskreisen verlautet, wird Präsident Krüger von einer europäischen Großmacht zum Widerstände aufgemuntert. Infolgedessen tvird der am Mitt- woch stattfindende Kabincttsrat bedeutend erweiterte Forderungen in Form eines UltimatuinS beschließen. Rom, 18. September.(W. T, B.) Der socialistischc Deputierte Prampolini, gegen den wegen der Beschädigung der AbsttmmnugS- Urne» in der Kammersitzling vom 30, Juni Anklage erhoben ist. hat sich hier der Behörde'gestellt. Die übrigen Angcschtildigtcn Brisolati, de Felice und Morgan befinden sich im Auslände. Belgrad, IS.September.(Meldung desWienerKorresp.-Btireaus,) Hochver'ratsprozeff. Nachdem das Verhör beendigt, hält der Ge- neralproknrator feine Anllagerede. Er weist gegenüber dem Leugnen der Angeklagten darauf hin, daß Knezewitsch auS eigenem Antrieb Kovazewitfch und Dimitfch als Anstifter bezeichnet habe. Die Auf- ordenliig Paschitschs zur Steuerverweigerung sei sträflich, da sie die Gährnng in der Bevölkerung erwecken und die Aufgabe der Be- Hörden'vereiteln konnte: alles habe auf Erregung einer Revolte abgezielt. Der Prokurator legt Iveitcr dar. die Slnklage gegen Paschitsch und Tauschanowitsch sei nicht entkräftet worden. Letzterer sei der Autor revolutionärer Aufzeichnungen. Die antidynaftischeii andlungen des ErzPriesters Gjarik seien allbekannt, MilenkowitschS ehanptnug. die Korrespondenz mit Karageorgewitsck habe sich auf eine'Geldforderung zur Begründung eines BlntteS be- chränkt, fei hinfällig. Milenkowitsch hätte ein solches Ver- langen an den König und nicht an einen Prätendenten stellen müssen, Die Anklage gegen' Zivkowiisck sei nicht entkräftet worden, es ei bewiesen, daß Zivkowitsch antidynastisch-revolntionäre Broschüren verfaßte und seinen Haß gegen die Obrenowitsch bei dem Leichen- begängnisse Catischs kund gab. Der Proinrator iveist ferner ans die Verbindungen Zivkowiischs mit»knezewitsch und Nkontenegro hin und betont, die Anklage bezüglich der übrigen Angeschlitdigten sei durch nichts widerlegt worden; er verlangt die Anwendimg des Gesetzes und die Verurteilung der Angeklagten zum solidarischen Ersatz der Gerichtskosten.____ Veraunvortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Linierateitteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von 23t nx Babing in Verlin. Hiertu 2 Beilagen»nd Ilnterhaltuiigsblatt. üt. 219. i6. IlihMg. i, jeüdjje Die Ermordung des Bildhauers Baletltini. Ein in seinen Einzelheiten noch nicht aufgeklärter Mord ist in der Nacht zum Montag in dem Hause Wilhelmstrabe 118, gegen- über der Puttkamersträbe, verübt worden. Es wird darüber be- richtet: Im Nebenhause, Wilhelmstr. 117, befindet sich die 27. und 44. Gemciudcschule. In dem Hause No. 118 ist der bekannte Ball- saal und das Wirtshaus von F. Rosche. Auf dem zweiten Hofe, der von den beiden benachbarten Grundstücken leicht zu erreichen ist, wohnte der Modelleur und Vergolder Luiqi Valentini seit dein Jahre 1886. Im Erdgeschoß waren die Geschäftsräume und im ersten Stock die Wohnräume des 4S Jahre alten ledigen Italieners. Dieser wurde gestern früh gegen 7 Uhr von einem Hausdiener und einem Arbeiter des Valentini ,m Erdgeschoß vor einem abgelegenen Ort ermordet vorgefunden. Valentini lag mir dem Gesicht auf der Erde. An der Stirn zeigte sich eine klaffende Wunde, der Hopf war dick geschlvollen und der Tote kaum zu erkennen. Die beiden Arbeiter schlugen gleich Lärm und benachrichtigte» uuvcrziig- lich die Polizei, die das Grundstück sogleich absperrte. Es besteht aus einem Vorderhause, einem linken Seiteuflügel und einem großen Quergebäude, die einen große» asphaltierten Hof um- schließen. Nach der Gemeindeschule zu wird das Grundstück von einer niedrigen Mauer begrenzt. Ein zweites kleineres Qucrgcbäude befindet sich auf dem zweiten Hose, der von einer »iniiiishohcn Mauer umschlossen wird. Sie bietet keinerlei Schwierig- leiten beim Ueberstcigcn. Im ersten Quergebäude ist ein Saal erbaut, weshalb der Durchgang über den Hof, sobald der Saal geöffnet ist, stets offen ist. Der Eingang nach dem zweiten Hofe ist nur am Tage geöffnet und schließt sich an de» Durchgang an. Der ermordete Italiener pflegte die Thür zu dem zweiten Hof regelmäßig selbst zu schließen. I» dem zweiten Quergobäude, auch Gartenhaus genannt, befindet sich zu ebener Erde ein großes dreifenstrigcs Zimmer, das als Werkstatt benutzt wurde, daran schließen sich noch andere Räume, die Geschäftszwecken dienen. Im ersten Stock bewohnte Valentini ein größeres zur Auf- bcwahrung von Mustern dienendes Zimmer, ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer, sowie eine Küche. Im Erdgeschoß neben der Treppe vor cineni abgelegenen Ort wurde Valentini in seinem Blute liegend gesunden. Die Leiche war schon kalt, was darauf schließen läßt, daß der Tod schon einige Stunden vorber eingetreten sein niuß. Valentini, der in der Regel 8—10 Personen, meist Deutsche, aber auch Italiener und Franzosen beschäftigte, wird von den einen als ein sehr solider Mann, von den anderen als ein Don Juan geschildert. Sein Vermöge» soll er stets in einem Lederbeutel auf der Brust getragen und bares Geld in mehreren Börsen bei sich gehabt haben. Seine Lebensweise wird als eine geregelte geschildert, und sein Geschäft wurde als blühend angesehen. Mehrere tansend Mark soll V. stets mit sich herum- getragen haben. Diese Eigentümlichkeit war nicht nur seinen Ar- bcitern, sondem auch seiner Aufwartefrau und den Hausbewohnern und Geschäftsfreunden bekannt. Erst vor acht Tagen Ivar er von einer Reise nach Rom zurückgekehrt. Ueber den Leichenfund wird berichtet, daß Valentini förmlich in seinem Blut geschwommen habe. DaS Klosett, vor dem er lag, war gewaltsam geöffnet, die Wände mit Blut bespritzt. Die Wunden, die V. durch ein stumpfes und ein spitzes Instrument erlitten haben muß, sind sofort tödlich gewesen und sind ihm wahrscheinlich von zwei Personen beigebracht worden. Innerhalb des Klosetts lagen der Hut und ein Schirm des Ermordeten, der dort überfallen ist. In den oberen Räumen waren die Behälter erbrochen und teilweise durchwühlt. Die Mörder hatten den Inhalt untersucht und vieles davon heraufgezerrt. Der Fußboden war damit bedeckt. Es ist an- zunehmen, daß ein Raubmord vorliegt, doch ist es auch nicht ausgeschlossen, daß eS sich um einen Racheakt handelt. Die im Borderhause wohnende Tochter des Wirts, Fräulein Rosche, hat um'/ei Uhr, als Valentini nach HauS kam, mit ihm gesprochen und mit ihm einige Scherzworte am Schanktisch gewechselt. Der Hausdiener hat gegen 2 Uhr die Hunde auf de» ersten Hof gelassen und den Durchgang geschlossen. Er hat dabei zwei Männer getroffen, die das Haus verließen, aber sich weiter nichts dabei gedacht. Mutmaßlich sind diese beiden Männer die Thäler, von denen der Hausdiener aber leider keine bestiinmte und genaue Beschreibung geben kann. Der Mord wird schon deshalb mit ihnen in Verbindung gebracht, weil»m diese Zeit der Mord aller Wahrscheinlichkeit nach ausgeführt worden ist. Die Unbekannten werden beschrieben als zwei mittelgroße Männer im Alter von 25— SO Jahren. Die Männer dürften bei einem Diebstahl von Valcnttni � überrascht worden und dann gleich über ihn her- gefallen sein. Nach den Blutspuren zu urteilen, müssen die Mörder auch verletzt sein. Man fand Blutflecke nicht allein auf dein zweiten Hof, fondern auch auf dem ersten Hof. Wahrscheinlich haben sich die Mörder sogar dort am Brunnen gereinigt. Ii» der Wohnung hat nian keine Blutspuren wahrgenommen. Wieviel und was die Mörder geraubt haben, ist noch nicht festgestellt, doch fehlt der Beutel, den Valentin auf der Brust getragen' haben soll. Die Brust war aufgerissen und die Kleidung zerrissen. Bemerkenswert ist, daß bei den« Gastwirt F. Rosche im Vorderhause in der letzten Zeit nicht Iveniger als sechsmal eingebrochen worden ist. Rosche ist »ichrcremale bcstohlcn und vor den Spitzbuben gewarnt worden. Allgemein wird angenommen, daß nur solche Personen den Mord verübt haben können, die mit der L e b e n s w e i s e des Valentini und seinen Verhältnissen genau vertraut waren. Die beiden verdächtigen Männer sollen dunkle Jackettanzüge und Hüte getragen haben. Nach einer gestern gegen Abend an den Anschlagsäulen erschienenen Bekanntmachung, in denen die Polizei auf die Ergreifung der Mörder 1000 Mark Belohnung aussetzt, ist Valentini am 20. Juni 1854 zu Novara in Italien geboren. Z w c i P e r s o n e n wurden in, Laufe des TagcS als ver- h ä ch t i g eingezogen und ans deni Polizeipräsidium eingehend ver- bort. Die Vernehmungen waren am Spätnachmittage noch nicht beendet.. Vom späten Abend ivird noch berichtet: Die Ermittelungen haben bisher nur sehr wenig Anhaltspunkte zur Entdeckung der Mörder zu Tage gefördert. Der Einzige, der diese gesehen hat. ist der Haus- dicner Schwnndlkc und der kann leider keine auch nur einigermaßen ftcmiiic Beschreibung von ihnen geben. Es wäre wünschenswert, wenn Leute, die sich in der kritischen Zeit in der Gegend des Thatortcs, des Halleschen Thorrs zc. bewegt haben, sich ihre Beobachtungen in das Gedächtnis zurückrufen und gegebenen Falles der Kriminalpolizei ibrc Wahrnehmungen mitteilen wollten. Die bisher sistiertcn Personen find wieder entlassen worden. Kriminalkommissar v. Böck- mann hat gestern nachmittag alle Gehilfen und Gehilfimicn, die bei Valentini beschäftigt tvarcn, vernommen. Dabei hat sich heraus- gestellt, daß der Ermordete eine silberne R c m o n t o i r- ll h r trug. Diese ist ebenfalls geraubt. Leider kennt man ihre Nummer nicht. Es ist eine Uhr mit Doppelkapsel und G o l d r a n d. Ob der Hintere Deckel glatt oder verziert ist oder eine Gravierung enthält, weiß man nicht. Das weiße Zifferblatt aber trägt in blauer Schrift den Namen L i u g i Valentini. Die Chatelaine ist anscheinend au? Nickel oder vernickelt, sieht aber schon etwas gelblich ans. Die Psandleihcr und Trödler lvollen gut thun, nachzusehen, ob ihnen im Laufe des gestrigen Tages eine solche Uhr oder eine Uhr ohne Zifferblatt angeboten worden ist oder scharf darauf zu achten, I ob sie ihnen künftig vorkommt und eventuell der Kriminalpolizei unverzüglich Mitteilung zu machen. Die Anschlagsäulen mit der Bekanntmachung ivaren gestern abend in allen Stadtteilen ununterbrochen förmlich belagert des Lmitls" Voksle-s. Ueber die Arbeiter-Krankenverficherung Berlins im Jahre t8S8 werden vom„Statistischen Amt der Stadt Berlin" Tabellen veröffentlicht, die aus den Mitteilungen der Krankenkassen an die Aufsichtsbehörden zusammengestellt sind. Wir geben daraus die fol- genden Hanptzahlen. Im Jahre 1898(bezw. im Vorjahre 1897) war die durchschnittliche Mitgliederzahl: bei 56 sbezw. 63) Orts-Kranken- lassen 233 879<224,304) männliche. 120 631<111312) weibliche; bei 32 sbezw. 33) Betriebs- Krankenlasscn 50 311<43 929) männ- liche, 5597<4790) weibliche: bei 19varen lebendig voll von Maden; wenn die Säcke ausgeschüttet waren, saßen noch mehrere hundert Maden an einem Sack; der Sack wurde dann ausgebürstet. In den acht Tage», da der fragliche Posten Mehl verarbeitet wurde, waren in dem Teige immer Maden." � Bäckergeselle E. Müller sagte ebenfalls aus, daß Maden verarbeitet seien und daß Vahlbruch gesagt habe, das sei das„Fett". Zwei weitere Zeugen bekunden ebenfalls, daß im vorigen Herbst Maden im Teig gefunden worden seien. Polizeikommissar Apfelbaum- Linden hat die Brot- fabrik Iviederholt revidiert, aber„immer alles sauber und in bester Ordnung gefunden". Desgleichen Gewerbe Inspektor Müller. Der Staatsanwalt hielt die Angeklagten schuldig und beantragte gegen Direktor Thoma 60 M. und gegen die beiden Oberbäcker je 30 M. Geldstrafe. DaS Gericht sprach indes samt- liche Angeklagte frei, indem es nicht al« erwiesen annahm, daß die Maden„ru größerer Anzahl" vorgekommen seien. Jeden- falls sei nicht festgestellt, daß der Direktor Thoma um da« Bor« handcnsein der Maden gewußt habe. Nach einem solchen Urteile hätten die biederen Bäckermeister eigentlich kaum noch nötig, sich darüber beschwert zu fühle», daß die Gesellen trotz alledem das Interesse des Publikums wahrzunehmen sich unterfangen. Völlig wird sich die Madenfrciheit in der Back- stube allerdings wohl erst unter dem ZuchthauSgesctz entwickeln können. Darum her mit der Vorlage, die dem Arbeiter gründlich den Mund sperrt. Gegen die Sonntagsruhe. DaS hiesige Schöffengericht hatte sich gestern mit der Frage zu beschäftigen, ob der Besitzer einer obergähr ige n Brauerei, der am Sonntag Flaschen spülen läßt, um an: Montag das bestellte Flaschenbier versenden zu können, damit gegen 8 105d der Gewerbe-Ordnung, erster Absatz, verstößt. Der Staatsanwalt beantragte, diese Frage zu bejahen, da nach Z 105b im Betriebe von Fabriken Arbeiter an Sonn- und Fest- tagen nicht beschäftigt werden dürfen und die Brauerei als eine Fabrik anzusehen sei. Hiergegen machte der Verteidiger Rechts- auwalt Runge geltend, daß es sich hier nicht um eine Fabrik- thätigkeit, sondern um eine Thätigkeit im Handelsgewerbe handle. Die Fabrikthätigkeit der Brauerei sei mit der Her« stellung des Bieres zu Ende, das Versenden und die dazu nötigen Vorarbeiten seien unbedingt als eine Beschäftigung im Handelsgeiverbe zu betrachten. Wenn in einer Brauerei ober- gährigen Bieres am Montag das Flaschenbier versendet iverdcn soll, so sei es ununigänglich, das Spülen der Flaschen am Sonntage vor- zunehmen, und es liege deshalb eine der Ausnahmen des§ 105c vor, bei welchen der§ 105 b keine Anwendung finden soll.— Der Gerichtshof hielt ein nach dieser Richtung hin angebotenes Sach- verständigen-Gutachten nicht für erforderlich, sonder» sprach die An- geklagten frei, weil auch nach seiner Ansicht dieses Flaichenspülen eine Beschäftigung im Handelsgewerbe sei. Die Streitfrage wird noch die Instanzen beschäftigen. zu dem Mord an dem jüngsten Kinde angeleitet, sie hat den beiden Spielzeug versprochen, wenn sie das kleine Würmchen umbringen würden I Und die Kinder waren folgsam und thaten, was ihnen die Mutter befohlen hatte. Sie trugen das Kind in den Wald und zertrümmerten der Kleinen den noch weichen Schädel. Das un- natürliche Weib wurde verhaftet. In Madrid sind Sonntag 24 Typhukfälle vorgekommen. Ein Fall endete tödlich. Ans Turin wird berichtet: Sonntag früh stieß auf dem Bahn» Hof zu Novi ein nach Mailand bestimmter Zug mit zwei Lokomo- tiven zusammen. Eine Person wurde getötet, zehn sind verletzt. I» Laibach wurde Montag früh 6'/« Uhr ein mehrere Stunden währender, ziemlich starker Erdstoß verspürt, der Übrigens keinen Schaden verursachte. Ein Fall Kirchhoff in Tnrkestan. AuS Taschkent wird berichtet: Der Redacteur und Herausgeber der Zeitung„Das russische Turkcstan", Smorguner. wurde in der Kanzlei des Kreisgerichts von den« Oberst Staschewski erschossen, weil er in seinem Blatte das Regiment de« Obersten beleidigt hatte. Eine starke Erderschiittcrnng wurde in Kapstadt am 15. Sep- tember, 25 Minuten nach 12 Uhr gefühlt. Die ersten Stöße spürte man in Simonsstadt, 25 Meilen südlich von Kapstadt. In Kapstadt selbst und Umgebung dauerte die Erschütterung mehrere Sekunden und war so heftig, daß eine Anzahl von Leuten zu Boden geivorfen wurde. Auch in mehreren öffentlichen Gebäuden, ivie im Parlament und im Gerichtsgebäude, ivurde die Erschütterung stark gespürt. Ein Erdbeben dieser Art ereignete sich in der Gegend nicht seit 1857. Das Wetter blieb während der Erschüttcruna schön. Nur eine drückende Schivlile machte sich bemerkbar. Aeußerlich wurde verhältnismäßig wenig Schaden angerichtet. Marktpreise von Berlin am 4«. September nach Erlpiltcluugen des tgl. Polizeiprilsidiuins Schwciiiesteisch Kalbfleisch HllNiuielslelfch Butter Eier D.-Elr. "sWeizen »)Roggc>, Fntier-Äerlle« Haser gut, „ mittel„ „ gering, Richlslroh. Heu, )Erb>eil» öSpeisebohlien» ZLinscn. Kartoffel», iieue„ Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ *) Eruiittelt pro 15,40 15, 20j 13,40 15,20 14,50 13,801 3,82 6,30 40,- 60,- 70- 7.- 1,60 1,20 Tonne 14,40 13,80 12,50 14,00 13,90 1kg Künste» Aale Kaub» Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 bg per Schock 1890 1,60 1,601 1,00 2,60 4,50 2,20 2,80 2,60 2,20 1,80, 2,50l 1,40 12,- 1,- 2,- 2,60 1,20 1,20 0,90 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- 13,30 360 3,70 25,— 25,— Iii pro Auiuie von der Sentralslell« der Prenh, Landivirt- (chastSlaiinnern— RottermigSsiell«— und uiilgerechiict vom Polizeipräftdium für de» Toppel-Eentiicr. f) Kleinhandelspreise. Prpdukteu markt vom 18. Sept. 1899. Für Weizen zeigte sich weniger Frage doch tonnte sich derselbe im Anschlutz an Roggen gut be- haupicw"'""- Locoware. unverändert, inuoor augeuuitu uiiu———_____ markt zeichnete sich durch lebhaste Kauflust aus. Behandelt wurden 20 000 Liter 70er Locoware, die mit 44,20 M.(+ 0,50 M.) schlank Käufer fanden. Termine auf Synditatskäufe um ca. 40 Pf. höher. September notierte 47,30 M. Kartosfelfabrikate. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. 20,75 M, do. Supra 2l,50 M., do. Sclunda 15—18 M. Prima Kartoffel- mehl per 100 Kg. 20,75 M, do. Supra 21,50 M., do. Sekunda 15,50 bi« 18,50 M. Feuchte Karloffeistärle per 100 Kg. 11 M. iSitteruugSiiberstcht vom 18. September 190». moraen»» lldr Stationen 0 s - 5 s e gi 750 SW 749. SW 752 SW 756 SW 761, SW 759 WNW 1»* L Witter tu'. Regen 5,616 beb 3, Regen 3 wollig 4bcdeckt 2, wölken! Statllnlen Lv 0£ Ig Haparanba Petersburg Cork Aberdee» Paris 781 741 761 NW ,W SW Swliiimd«, Hamburg Berlin Wiesbaden Müuchei» Wien. BZetter- Prognose für Tienstag. de» 10. September 1800. Ein wenig kühler, zeilweife heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen- schauem und starken westlichen Winden, m-vlin«! Melterburea». I§ SS 750 SO Wetter , 4 wolkig 1 öwollig 8hlb.bcd 3wollig 10 VevmiMztese I Aom Hochwasser l, folgende Meldungen vor: München, 17. September. Der jl..,..j.er de? Innern Freiherr von Feilitzsch hat heute in Begleitung des Regicrungspräsideiiien von Oberbayern von Auer eine Dienstreise in die durcki Hochwaffer geschädigten Bezirke angetreten. Au8 Dresden wird amtlich gemeldet: Der llmschlagverkehr ani Elbquai in Riesa, Drcsden-Altstadl und Dresden- Neustadt ist ivieder aufgenommen. Der Verkehr von Kufsteiu, Mühldorf und Holzkirchen nach Rosenheim, ferner von Mühldorf nach Simbach und Nenmarkt a. Rott und von Plattling nach Paffau ist unterbrochen. Die Beförderung nach Siiddeutschland erfolgt über Gmünd. BlidweiS und Pilsen bezw. Eisenstein oder Fürth. Nach Siiddeutschland und der Schweiz erfolgt die Beförderung auch über Marburg— Franzens- feste— Innsbruck oder Leoben— Villach— Innsbruck,— Salzburg. 17. September. Die Salzach ist gestern gefallen, heute steigt sie langsani, da wieder Regeufälle eingetreten sind. DaS Hoch- wasser richtete in vielen Gemeinden Salzburgs sehr großen Schaden an, Verluste an Menschenleben sind nicht z« beklagen.— Wien, 17. Septeniber. Die Donau dürfte tu den heutigen Rach- mittagSstunden mit 5,65 Meter über normal den höchsten Stand er- reicht haben, Wielvohl derselbe beträchtlich höher ist, als der höchste Stand von 1897, ist der in der Nähe von Wien durch die lieber- schtvenimung angerichtete Schaden doch geringer, als im Jahre 1897, Nach allen bedrohten Ortschaften wurden Pioniere entsandt. Bisher ist kein Verlust an Menschen zu verzeichnen.— Wien, 13. September. Die Donau hat gestern abend mit 5,66 Meter über normal den höchsten Wasserstand erreicht. Im Laufe der Nacht ist der Wasser- stand um 2 Centimeter gefallen. In der Brtgittenau wurden gestern abend viele StraßenteUe vom Waffer erreicht. SchiffSunglülk. Aus Wilhelmsbaven wird berichtet: Der Pasiagierdampfer„LachS" vom Norddeutschen Lloyd wurde von dem Küstenpanzer„Siegfried" angerannt und schwer be- schädigt. Brudermord. In Sondernach(Münsterthal) gerieten drei Brüder auS geringfügiger Ursache in einen Streit, der bald in Thät- lichkeiten ausartete. Zwei Brüder standen gegen den dritten, den sie so schwer am Kopfe verletzten, daß derselbe kurz darauf starb. Der Getölete genoß freilich keinen guten Ruf, denn er hatte bereits eine 2�/sjährlge Gefängnisstrafe absolviert, weil er im Streite«ine Kugel auf seinen Vater abgeschossen hatte. Ein« Rabenmutter. In Walburgskirchen wurde ein sechs Wochen alles Kind ermordet aufgefunden. Ueber diese That ist jetzt ein entsetzliche» Licht verbreitet worden: Die eigene Mutter hat ihre beiden Kinder, die Sjährige Theres und die vjährige Hedwig, kvejsltlemoki'lltisdler Wttlilvvmn f. den 6. Berliner Reielisiags- Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler Ott« KuiUter, Metzerslraye 14, am Sonnabend verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. September, nachiiiittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes zu Weivensee(Jalkeuberger Chaussee) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht »vi- Vor«tnn,I. Zentscher Mmbetter- Verband. De» Mitglieder» zur Nachricht, daß der Kollege, Tilchler Ott«]iSLi»titt«»' am 16. September verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch- nachmittag b Uhr von der Leichen- balle de« Bartholomäus-KirchhoseS in Falkenberg aus, statt. Um rege Beteiltgung ersucht Die Ortsderivaltung. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler(26586 Otto KnUtter nach kurzen Leiden sanst entschlasen ist. Wir bringen ihm hiermit den Nach- ruf, daß er stets ein aufrichtiger, streb- samer Arbeiter gewesen ist, und ehren ihn durch ein dauerndes Andenken. Dl« Kollegan der Firma Courtol«. Anband he�Möbcholiner. De» Kollegen zur»enutnis, daß unser Mitglied 147/13 Gustav Ernst am 16. September gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienst tagnachmittag 5 Uhr von der Leichen- halle des Neuen Jerusalems- Kirch- hofeS w Ripdorf statt. Um zahlreiche« Erscheinen bittet Vvo Toratand. Todes-Anzeige. Nach schweren kurzen Leiden verschied unser Kamerad iupst Hamann am 16. September. 255/4 Die Beerdigung findet am 19. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe deS Neuen Rixdorfer Kirchhofs auS statt. Der Centralverband der Zimmerer Deutschlands (Zahlstelle Rixdorf). Am Sonnabend, den 16. d. M., nachmittags 2 Uhr, entschlief sanst nach kurzen, schwerm Leide» mein innig geliebter Mann, unser guter Bnter, Schwiegervater, Großvater, der srühcre Schankwirt(2659b Karl Wnttke im 50. Lebensjahre. Ilm stilles Beileid bitten Die t.'auerudc» Hiiiterbliebenen. Die Beerdigung findet statt am Mittiroch, den 20. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Drei- salttgleitS- Kirchhofes, Bergmann- straße 39—41. Verband derTapezierer. Kiliule Xord. Ten Mitgliedera zur Nachricht, daß unser Mitglied(178/5 Hermann Droese nach langen Leiden im Alter v»l» 34 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, de» 19. Sevtember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de« Himmel- fahrtö-KirchhoseS in Nieder- Schön» Hausen ans stall. Um rege Beteili- gimg bittet_ Ter Vorstand. DiinUaagmix;.(25V4L Für dir vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Zlai-lv«i-uup« sage allen Verwandten und Bekannten, sowie dem Verbände der Schneider und Schneiderstmeu mrd dem Ackerpächtcr. verein Nordend meinen herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. JuHu« Crupp* u. Familie. W"»i 1. Wahlkreis. AM«! Dienstag, den IS. Ieptbr.. abends«>/, Uhr. in den ArminhaKea Komlnandantenstr. 20: Versammluiig des Wahlvereins, Tages-Ordnung: t. Bortrag des Genossen Rechtsanwalt lle. Karl Usblenoclit über „Kommunismus und Frauenrecht in der Entwicklungsgeschichte der Mensch ijeit". 2. Dislussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 236/9 Der Vorstand. SolmlüemokraMer Mahlverem für dtlt 3. Perliuer Reichstags-Wahlkreis. Mittwoch, den SV. September, abends 8'/? Uhr, IsW"-WZ im„Mchpalast", Alexandrinenstrahe Nr. t lv, l. Tr. Tages-Ordnung: t. Vortrag deS Reichstags- Abgeordneten RloKard Fischer über:.Zeitfragen und Klassenkampf.» 2 Dislussion. 3. Vereins angelegenheiten. Gäste willkommen Regen Besuch erwartet 240/1? _ Der Vorstand. Sosialdemokratischtr Wahlvemn für den 4. Bert. Reichstags-Wahlkreis lSöd-U Am Dienstag, den 10. September, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Graumann, Naunynstraße Nr. 27: Vevfmmuluttcj. Tages-Ordnung: V Vortrag des Genossen Vh. Metzner über:„Die Sittlichkeit der heutigen Gesclljchast» 2 Diskussto». 3. Vereinsangelegenheiten Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Gäste willkommen 243/19 Deiitscher Holzarbeiter-Verband. Heule, Dienstag, den IS. September, abends S1/: Uhr. im Lokal von Zöls(„Fürsteuhof"), Küpinckerstr. 1517—188, an der Äiipiiicter Brücke: VvÄNckenVersmttntltmg kt Piililoiilechailik-Arbtiter nni)-Arbeittrinneil. Tages-Ordnung: 1. Unsere gegenwärtige Lage und wie verbeffern wir dieselbe? 2 Ver- bandsangelegenheiten und Verschiedenes Kollegen und Kolleginnen I Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller in dieser Branche Beschäftigten Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet._ Mittwoch, den 20. September, abends 8'/. Uhr, im Lokal deS Herrn Cohn, Bcuthstr. 20/21: Vertranensmänuer-Versammlung für sämtliche Bezirke und Branchen. Tages-Ordnung: 1. Anträge betreffend Unterstützung bei Streik?. 2. Die Lohnbewegung in verschiedenen Branchen der Holzindustrie. 3. Werkstattftreiks und Difse- renzen.— Jede Werkstatt muß vertreten sein. 121/13 Die Ortsverwaltnne. DtuWr Rixdorf. iolWiMr-Uttlmd. i�- Miitttlirdev�VorfnmnLtttNg VW Sa8t».Dtbn««fl: 121/14 1 Vortrag. 2. Verschiedenes. mprtrauensmanneriSi�uug. aäeu Dienstag vor dem 1. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vcrwaltanssstelle Berlin. Mittwoch, de» 20. September, abends SVa Uhr. im Lokal des Herrn Granmann, Nannyustraße 27: Kollferellz ki BettrmWechm für heu Süben. MT" Da sehr wichtige Angelegenheiten erörtert werden, ist daS Er- scheinen aller Vcrtrauensleuie erforderlich. Achtnug, Klempner! In nachstehenden Werkstätten befinden sich die Kollegen im Ausstand: Dereche, Grand, Vogt A Verpmann, Hille, Bauer, Kunitz, Thum, David Grovc, Basse, F. F. A. Schalze, I.nckhnrdt, IVcndt, Pfuhl, Slefert. Scheidler. 114/3 Die Ortsverwaltung. Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 20. September, abend? 8 Uhr: Oenernl- Versttmmlung in den„Zlrniinhnllcn», Koniinandanteniir. 20. Tagesordnung: Kassenbericht und Bericht des Vorstandes. Diskussion. Wahl der Ortsvenvaltuug. Anträge der Mitglieder. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.— Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller Kollegen zu erscheinen. 26ü<)b Her Voratanck. Achtung! I»,»!««!'. Acht«»«! Dirnstag, den 10. September, nachmittags Z'/s Uhr, im Lokal des Herrn Keller, Koppenstraße 20: Grohc öffentliche Urrfammlnng der piitzkr Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 191/10 Bericht über den gegenwärtigen Stand des Streiks. BerbattdderFabrik-,Land-,Hilfsarbeiter uud-Zlrbeiterittuen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Donnerstag, den 21. September 1800, abends 8 Uhr, im Kolbcrger 8aIon, Kolbergcrstr. 23: Mitglieder- Versammlung TagiS-Ordnung: 1. Vortrag der Aenolstn Frau Mescb über:„WaS hat die Arbeilerin zu thu», um eine menschenwürdige Existenz zu erringen? 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiteii. 2SSIb KV" Gäste sind sehr willkommen."Mg Um zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen, ersucht Dle Ortsvcrwnltnng. Achtung!"MS Achtung! Rabitzputzer und Plattenauffteller. Mittwoch, den Sti.gSeptember er., abends 8 Uhr» im Lokal des Herrn Zubeil, Lindcnstrafte 100: AI t t A 1 t v Ä S r- V« r 8» n» in 1« i» x der Zahlstelle Berlin III. des ZentralverbaudeS deutscher Maurer. Tages- Ordnung: 1 Situationsberschi über den Stand unserer Lohnbewegung 2 Welche Stellung gedenlen die Plattenaussteller einzunehmen? 3. Verbaudsange- legenheiiea. 252/20 Die(trtüche Verwaltung. AAung! Textilarbeiter A�mto! (Filiale I. Berlin). Am Mittwoch, den 20. September, ahendS 8 Uhr, im Lokal „Königsbauk", Gr. Frankfurterstrake 117: WtFm VersLttNtnlung."Wl TageS-Ordnung! 1 Bericht der Fachlommission über die Verhandlung mit den Fabrikanten 2 Diskiission 3 Berschiedenes 272/11 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. Achtimg! Töpfer. Allitimg! Mittwoch, den 20. September, abends 0 Ilhr Lefsentl. Aersiunmlllilg ki Töpfer Berlins unb Umgegend bei Stecbert, Andreasstrahe Nr. 21. Tagesordnung: Der Putzerstreik und die Folgen Unsrer Lohnbewegung 193/14 Die Lohnkommtsfio«. I. A.:». vavtck 'int«' Marmorarbeiter Berlius u. Uma Heute, Dienstag, de» 10. September, abends 8 Uhr, in Kl Ausschank, Alte Jakobstrafte 83: Oeffentl. yersarnmlung. Tagesordnung: Der Stand unserer Bewegung. Verschiedenes. 274/12 Die Dartskommtslion. Vkrein l..xlihogWiikn.M»i>rMer und Berufsgen. Deutscht.(Filiale Berlin 1). Donnerstag, den 21. September 1800. abends 8»/, Uhr: AußerordeM. Ckilernlversammlung im»Englischen Garten", Alcxauderftr. 27 e. Toges-Ordnung: I Geschäftliches 2 Kassenbericht. 3. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten. 4 Beschluhsnsinng über da? fernere Bestehen des Beretns- bureaus 5 Verschledeneö. Die Mligiieder der Zahlstelle II und III sind eingeladen. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches gestattet 9S/l7 Um pünktliches und zahlreiches Erscheine» ersucht Die Verwaltung. Verein deutscher Schuhmacher (Bezirk Osten). Mittwoch, den 20. September er., abends 8>/i Uhr: Bezirks-Versammlung bei Vriiire, AndreaSstrafte Nr. 26, TageS- Ordnung: 1. Bortrag 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Wir ersuchen die Kollegen um zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Die Versammlung wird vräcise eröffnet. 170/8 >10. Sonntag, de» 22. Ollober, nachmittags 4 Uhr, findet ein Urania- besuch statt. Billets a 60 Ps. sind im Bureau, Dragonerstr. 15, zu haben. Ifranta-Hntei'stüt�anAsbiinä der Schneider (Filiale Berlin). DicnStag, den 10. September, abends 8'/« Uhr, im Lokale „Arminhallcn", Kommandantenftrafte 20:___ WM"' Versammlung-WF Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1899. 2 Bericht über bte am 7. August 1899 in Hamburg statigefundene Generalversammlung des Verbandes freier Hilsslaffen. 3. Berschiedenes. 187/2 __ Die Ortsvcrwaltiing. Freireligiöse Gemeinde. (Zum Keklen des Kaufsnds.) Sonnabend, den SO. September d. I., abends, in KellerSs groftcm �-estsaal, Koppcnstraße 20: Direktor F. S. Archenhold (Treptow-Sternwarte): „Der Welten Entstehen nnd Vergeben". Croßer afirmmisdier Pttjektioils-Mtrag mit zahlreichen unel Drehbildern. -- Vor dem Bortrag, während der Pansen und nach dem Vortrag:-- WrmkM- n. öoliül-ftoiurrt unter Mttwirlung des gemischten ChorS der Freireligiösen Gemeinde. mr Nachher: TANZ.-MW Ansang des Konzerts 8 Uhr, des Projektions-Vortrages O Uhr. Einlaftkarte» a 2S Pf. sind in den belannten mit Plakaten ver- s«Heven Billetoerkaufsstellen der Freireligiösen Gemeinde, sowie bei folgenden Miialiedcrn der Baukonimisston zu haben: A. H o f f m a n n, Blumenstr. 14: W. Mohß, Am Oberbanm 2� S Paege, Rlldcrsdorserstr. 48 sS2/4 Zahlstelle Berlin. -rs' Am Sonnabend, den 28. September, abends 8 Uhr, in Kellers Gesamt-Festraumcn, Koppcnstrafte 20: 7. Stiftungsfest bestehend in ««KONZERT«« ausgesührt vom Neue» Berliner Konzert-Orchester, Dir. Bnd. Tletn (40 Mann starte Kapelle) unter gütiger Mitwirkung der Opernsangerin Frau Clara Urban und des Berliner Männer-Quarteits„Harmonie". Nooiteikionvn: Herr Heinr. Wibker. = Grosser Ball.= Das Rauchen ist nicht gestattet.— Während des Kouzerts bleiben die Saal- ihüren geschloffen; ebenfalls muh jede Störung vermieden werden. Die Kollegen werden gebeten, sich rechtzeitig mit Billets zu versehen, an der Kontrolle werden keine verkauft. Billets sind auf allen Zahlstellen und auf dem Bureau, Annenstraffe 39, zu haben. Ansang 8 Uhr.«ntree i Herren SO Pf., Damen 30 Pf. Tanz frei.*�8 AM" Programm gratis. 121/0 Das Komitee. Ich bin von der Reise zurückgekehrt. 112/13_ Dr. A. Blaschko. Technikum Eutin. Hascbinenbau-, Bangewerk-, Tiefbau-, Wege- und Bahuiuelster-Schule mit Prnktiknm. Abiturienten anderer Bauschulen finden im oberen KursnS weitere Ausbildung. Special- urse zur Verkürzung der Schulzeit. Programm kostenlos durch Dir. KlUebsr. Unterrichten Sie sich! as Mietsrecht nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Erschöpsende ist hierüber giebt die Broschüre: sffblOL» Me Rechte«.* Pflichten w Mieters von Rich. Lipinßki. 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Sept.: Grosse Vorstellnug. (Messsel, Pieiro. Vrition, Sleidl, Krone, K i r ch in a y e r, Schneider und Schräder). Zum Schluß, neu: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. MZk» Tonor Böckniann (Wachtel redivivus). Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11— 1 Uhr. Die Plätze zu den numcrierten Sitzen sind stets 8 Tage vorher zu haben! Variete I. Ranges Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Auftreteil höh absolut erKklassigeu Specklitiiteil Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. 23688*] Die Direktion: Bichard Winkler. R. BallBchmieders „Eastaaienwaldclien" ÄOKjertprten it. Wtsiilr ßadstr. 16, Gesundbrunnen. Badstr. 16 Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Tonnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Großer Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- ichteiten. B. Ballschmieder. Victoria-Brauerei Lüssowstrasse 111/112. Jeden Montag. und Freitag: /? Nordd. Jeden ganger (Rlhrmann, Horst, Walde). Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Donnerstag: Vir. B»ll. Anfang 8 Uhr.— Entree 30 Pf. Haehrs Theater Oranienstr. 24. Der Herzverführer. Operette in 1 Alt v. Leopold Elp. Brothers Bunge. preres Alexandre. Franziska Held. Else Messer. Trudo Bürgel. Gustav Eulenburg. Paul Frey etc. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. VorzngSlartcn an Wochcniagen gültig Kottlinscrsti'. 4 a. Täglich außer Sonnabends Hoffmanns Nord- deutsche Sänger. Ansang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tnniz-RR'iin�clicn. Ul Trinkt vom Fass!; 24808« Goldklares Weissbier ans der Weiftbier Brauerei„Fricdrichstadt" FnliNS Nene Königstraße ST/32, Es ist das beste Weißbier und wird stets ohne Waster;«satz verkauft? 113300 775 842 43 974 81 8» 11»047 78 146 83[20 246 76 881 89 918 ,14337 78 432 60 687 768 11619 280 504 780 88 964 1 10006 31 88 199 269 428 76 80 537 49 93 637 705 63 117085 195 268 310 90 453 778 840 1200) 55[200) 118040 192 81 9 46 73 332 6» 582 760 967 79 83 119024 173 207 11 359 94 472 501* 647 823 931 13O304 452 57 63 64 610 36 67 634 732 71 880 908 131036 52 138 42 322 528 79 616 51 9.68 133283 438 50 86 671 99 670 759 883 937 1 311216 339 475 970 134157 265 1300] 330 443 588 1200) 760 806 933 41 135112 80 93 1500) 486 624 70 817 943 98 1 30012 64 65 121«) 86 211 83 540 762 909 1 37060 65 194 255 65 70 331 82 837 ,38006 186 234 719 1 39009 85 136 339 65 560 803 22 IHOOOS 237 47 820 400 97 659(2001 88 940 1S1039 190 474 570 931 1H3056 57 104 9 110 0 00) 33 402 IS 505 891 138058 385 515 722 817 ,»4015 123 276 684 789 55 968 ,»5194 324(2001 803 47 917 13608» 190 514 610 867 924 137097 110 57 61 241 311 583 6üS 1300) 68 847 66 74 95 908 l»H0l8 117 437 47 692 892 994 13V096 109 253 69 673 747 61 820 53 140085 100 848 609 12 86 841 908 1 41016 63 134 239 91 385 425 61 526 86 712 21 30 43 143055 681 922 1 43022 182 302 10 468 524 608 61 76 746 67 95 832(200) 85 1 44254 368 428 87 56» 76 601 723 145022 118 71 331 69 500 666 761 816 42 73 8 t 944 64 140024 Ul 562 791 943 99, 47005 47 206 368 474 572 76 799 807 980 1 48126 211 883 438 50 657 731 140145 226 632 80 738 867 150375 510 686 783 834 65 1 51066 263 450 551 709 12 825 906 69 1 53144 57 206 77 319[2l«) 442 533 15S278 377 605 856 922 89 1 54005 140 898 565 763 979 1 56105(200) 40« 38 45 79 579 610 710 81 867 89 979 84 1 50083 223[200) 4« 64 801 31[200) 981 157005 59 82 158 254 74 94 735 68 826 56 995 481 I5H563 623 26 92 836 76 994 50 1 59139 212 68 84 412 17 531 750«5 867 84 100063 114 86 78 83 223 74 462 71 664[2001 88 640 812 57 61 10,047 255 802 989, 03365 469 699 970 10»012 1200) 62 79 388 600 95 817 730»34 932 1 04103 314 415 98 603 694 731(500) 955 1 05014 64 150 527 71 90 871 89 100270 546 54 897 970 IOT514 24 70 620 717 842(200) 43 907 108030 198 368 663 735 8s« ,09199 363 580 710 45 97 835 88 190185 233 96 510 42 612 30 76 758 842 958 ,71173 223::67 666 969 1 7 3060 95 136 286 429 38 513 608 43 657743 75 1?»038 65 329 39 519 714(200] 925 70 I 7406Ü 34& 751 889 175022 257 94 404 56 630 732 877 95» 82 176007 34 89 146 87 92 260 584 760 70 997 1 77072 188 349 805 946 76 1 78143 121«) 89 316 610 36 788 17#035 74 357 61 629 819 68 915 36 180322 734 89 836 944 181012 102 517 727 822 60 945 78 76 183078 161 79 343 609 713 58 1 8»013 112 98 242 71 342 60 87 442 616 760 67 1300) 83 99 184089 143 91 807 481 514[3001 78» 974 1 83022 132 446 606 51 91 708 39 841 180239 317 542 1300J 52 662 73 779 8t)0 65 968 1 87420 45 70 94 599 627 78 862 188023 36 170 376 423 74 561 791 861 77 954 92 189223 32 83 300 15 813 ,#0062 65 286 693 603 752 903 97 1»1076 402 51 943 193209 82 472 96 1300) 621 58 745 59 84 808 37 956 58»6 ,98048 157 92 279 444 710 74 908 25 38 52 19449» 743 76 825 33 OJOOJ 52 1 95049 882 60 389 446 600 1 56 970 72 190311 457 663 95 621 22 707 996 197068 265(3001 323 90 472 86 91 506 636 46 713 953 198168 229 30 91 577 641»76 199019 22 99 244 470 75 664 79 858 985 300006 114 86 582 88 752 883 941 301089 148 342 466 523 72 621 852 68 30«033 209 61 382 432 85 bo7 904 60 30» 129 69 357 86 546 54 839 93 912 76 31,4249 91 336 601 47(200) 686 705 3 05033 13000) 53 95 152 91 326 485 620 719 8O0O8O 181 215 310 1200] 66 461 544 81 676 769 801 951 30700.7 12 89 130 256 7« 561 620 90 9 3 765 877 996««8099 156 94 200 97 327 641 300286[2001 352 426 49 56 571 79 880 986 97 81 0053 121 26 51 76 559 99 681 1200} 898 916 31,152[2001 266 87 431 529 35 96 648 779 96 81« 3,3010 43 94 302 40 620 89 625 878 071«13018 Ibil 203 309 433 61 794 800 36 83 030 314110 204 09 303 659 95 715 062 3 1 5025 62 320 4L 530 860«10126 68 463 622 806 935 87 3 1 7077 114 215 843 92 878 «18119 62 95(57 671«1#035(91 106 362 557 628 775 977 330579 742 48 828 908 17«3 1019 115 89 202 314 444 62 536 76 604 774 3 33154 277 312 419 39 60«1 816 89 33S2U 308 11 44 51 75 830 94 961 334153 88 200 55 310 489 609 29 846 47 335060 9? 370 89 418 56 643 98 610 Im Gewinnrate v.rblieben- 1«ewiim zu 4Z0«> 1 III 16 000«(., 2 1U 5000 Sil., 1 m(DUO m, n zu UMO Sil, 14 zu 500 fit. 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Wenn wir die Frauen aufklären und für uns gewinnen wollen, dann müssen»vir besondere Fraucn-Versammlungcn abhalten. Wir wissen, daß, wenn es sich um allgemeine Versammlungen handelt, die Herren Männer in der Familie von ihrem Hcrrenrccht Gebrauch machen und die Frau vom Besuch der Versanimlung abhalten, um elber hingehen zu können. Unser Antrag würde nicht nötig sein, wenn unsere männlichen Genossen schon so ivcit aufgeklärt ivären, daß sie für die Aufklärung ihrer Frauen sorgen und dieselben zun: Versannnluugsbesuch anhalten würden. Weil dem aber nicht so ist, darum fordern wir von der Kommiffion, daß sie für die Aufklärung der Frauen Sorge trage. H a r n d t- Berlin ersucht, den Antrag Berlin III aus praktischen Gründen anzunehmen und den Antrag der Frauen abzulehnen. Lademann- Wittenberge: Ich bin auch dafür, daß die Frauenbewegung vorwärts kommt, aber ich glaube, durch die vor- liegenden Anträge geschieht das nicht. Frau Braun hat ja auf einem früheren Parteitage eine energische Resolution zu Gunsten der Frauenagitation vertreten, aber gethan hat sie nichts für dieselbe. Ich habe mehrmals an Frau Braun geschrieben, um sie als Refercntin zu geioinnen, aber gekommen ist sie nicht. Wer Resolutionen bcfür- ivortet, der solle doch auch demgemäß handeln. S t a d t h a g e n: Ich bin kein Anhänger der platonischen, sonder» der wirklichen Liebe(Heiterkeit) und bitte gerade deshalb um Ablehnung der zu diesen: Punkt vorliegenden' Anträge, weil durch die Annahme derselben nicht das erreicht ivird, was die Antrag- steller wollen. Ich kann von der Ägitationskommission sagen, daß sie nicht nur nicht gegen die Frauenagitation ist, sondern daß sie für dieselbe gethan hat, was in ihren Kräftei: steht. Es sind Agitationstouren veranstaltet worden, und in der Lausitz haben 13 Versammlungen stattgefunden. Natürlich hat die Kommission nicht immer bestimmte Rednerinnen, die gewünscht werden, zur Ver- fügung, und wem:, wie es geschehen ist, eine für die Tour be- stimmte Rednerin im letzten Augenblick erkrankt und deshalb absagen muß, dann kann doch die Kommission nicht dafür sorgen, daß die Referentin gesund Ivird. Was nützt es, wem: der Kommission die Pflicht auferlegt ivird, in jeden: Kreise Versammlungen abzuhalten. und die Genossen nicht dafür sorgen können, daß Lokale in: Orte vorhanden sind und Frauen, weiche die Versammlungen besuchen. Sie können die Anträge ablehnen, die Kommission wird nach wie vor ihr möglichstes für die Fraucnagitation thun. S a l o::: o n- Wrietzen: Wie kann man die Kommission ver- pflichten, in jedem Kreise jährlich zwei Frauenversammlungen abzuhalten. In vielen Orten ist ja für uns nicht einmal ein Saal zu haben, und wo uns ein solcher zur Verfügung steht, ist unser Anhang so gering, daß besondere Frauenversammlungen sehr schlecht besucht iverden würden. Wir sind gewiß für die Frauenagitation, aber durch die Anträge ivird dieselbe nicht gefördert. Pens- Brandenburg: Die Anträge können nur eine Anregung für die Kommission sein, damit sie den Anforderungen der Frauen entgegenkommt. Die Franenversammlungcn haben bisher wenig Erfolg gehabt, weil es an Rednern fehlt, die sich mir den Frauen verständlich machen können. Die meisten Redner und auch die Rednerinnen, die aus den Großstädten kommen, sprechen so, wie sie zn Männern zu reden ge- ivohnt sind. Das gilt auch von unserer Presse. Wir müssen be- denken, daß das Verständnis der Frauen meist noch recht unzulänglich ist. Diesen: unzulänglichen Verständnis der Frauen müssen wir in unserer Agitation Rechnung tragen. Besondere Franenversammluirgen halte ich nicht für notwendig. Ich verlasse mich, was die Verbreitung von Aufklärung betrifft, mehr auf die Presse, wie auf Versäum:- lungen. ' Q u i n t i n g- Berlin empfiehlt den Antrag der Frauen. Stahl- Potsdam ist für Frauenversammlungcn mit weiblichen Nefcrcnten, meint aber, die Versammlungen allein thun es nicht, es müsse mehr Wert auf die Presse gelegt iverden. lim 2 Uhr 20 Minuten tritt eine Pause ein. Nach Wiedereröffnung um 3 Uhr 10 Minuten wird die Debatte fortgesetzt. T> e l o r- Forst cmpsiehlt, die Anträge der Agitationskommission als Material zu übertveisen. Er führt iveiier aus, daß Frau Lily Braun eine Agitationstour, die bereits festgesetzt ivar, nicht aus- geführt habe, ivcil sie angeblich plötzlich erkrankt sei. An solche plötzlichen Erkrankungen glaubt Redner nicht. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Der Antrag der Gcnossiuncn Berlins, ebenso der gleichlautende des Kreises Telioiv-Beeskow ivird zurückgezogen und folgender von Ottilie Baader eingebrachter Antrag wird mit einer Mehrheit von einer Stimme angeiiommcn: Die Agirationskvmmission ivird beauftragt, für systematische Fraueiiagiimiol: in der Provinz zu sorgen und zn diesen: Zivcck in jedem Kreise, wo es möglich ist, Frauenversanunlungei: mit weiblichen Referenten zu veranstalten. Damit ist der Antrgg von Berlin III sowie dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Der 3. Punkt der Tagesordnung: Die Zuchthausvorlage, wird zurückgestellt und über die Anträge, welche sich auf die Presse be- ziehen, debattiert. Es sind dies die Anträge Nr. 2 und 3 des Kreises Teltow, Nr. 1 und 2 des Kreises Niederbarnin:, der Antrag der Kreise Königsberg N.-M. und Berlin IV, sowie der Antrag Salomon-Wriezen, der jedoch vom Antragsteller zurückgezogen ivird mit dem Antrage, daß er der PreßkouiMission, der Illcdaklioi: de? „Vorwärts" und den: Antragsteller zur geineinsamen Beratung über- wiesen werde. Znbcil: Auf allen Provinzial-Parteitagcn ist bis jetzt be- antragt Ivorden, ein monatliches Organ für die ländlichen Kreise herauszugeben. Die Anträge sind bisher stets wegen des Kostenpunktes abgclehur worden. Wir im Kreise Teltoiv-Beesköiv sind gewiß für die Agitation unter den Landarbeitern, aber wir sprechen der Ägitatious- kommission das Recht ab, selbständig und ohne den Parteitag zu befragen ein Preßorgan herauszugeben. Nach unserer Ileberzengung ist das eine Beschncidung der Rechte der Delegierten aus der Provinz, und ich ersuche dieselben, deshalb für unseren Antrag zu stimmen. Der Antrag Saloinou-Wriezcn ist auch in der veränderten Fassung nicht zu empfehlen. Kotzke: Wir haben gar keine Veranlassung, die Rechte der Delegierten zu verkürzen. Zubeil müßte doch wissen, daß die Gc- nossen in der Provinz sich fast überall für die Herausgabe der Zeitung durch die Kommission erklärt haben. Wem: wir über die Köpfe der Delegierten hinweg hätten handeln wollen, dam: hätte» wir das Organ längst erscheinen lassen können. Wir haben aber das Er- scheinen der ersten Rümmer bis heut hinausgeschoben. Zubeil hat sich doch früher auch für die Schaffung eines solchen Organs erklärt. Ich muß nüch daher über seine und des Kreises Teltow Stellung ivundcrn. Wem: wir in der Kommission überzeugt sind, daß ein solches Organ in: Interesse der Agitation notwendig ist, dann mußten ivir auch die erforderlichen Schritte zur Schaffung desselben thun. Dem Dclegicrtentag liegt heute die Probenummer vor, und sie iverden sich hoffentlich dahin entscheiden, daß die Kommission recht ge- handelt hat. Q u i n t i n g- Berlin: Wenn die Koinmission etwas thun will, dann möge sie 4>ie bestehenden Provinzblätter auSbancn. aber den- selben nicht durch ein neues Organ Konkurrenz schaffen. Weiter frage ich, welcher Landarbeiter wird denn für eine solche Nmimicr, wie die vorliegende, 10 Pf. zahlen? Wenn das Blatt in die Massen dringen soll, dann müßte es billiger sein. G l n s h a g e n- Berlin spricht gegen den Antrag, welcher wünscht, daß die„Neue Welt" der„Märkischen Volksstimme" bei- gelegt ivird. Die Kommission habe nicht die Mittel dazu. K ö sl er- Schöneberg führt aus, die Kommission hätte dem Parteitag erst den Vorschlag machen sollen, ein Blatt herauszugeben, che sie selber das Blatt crschcinci: ließ. Wem: wir bedenken, daß das Blatt, welches während der Wahlen wöchentlich erschien, mit süufzchn Pfennig für vier Nummern bezahlt wurde, dann müssen wir doch fragen— obwohl der Ausdruck nicht parlanientarisch ist— wo sollen wir die Duminen finden, die für das neue Blatt zehn Pfennig zu zahlen bereit sind. Die Probenummer entspricht nicht den Anforderungen, die wir an ein gutes Blatt für die Landarbeiter stellen iniissen. Hoppe- Nixdorf: Wir wünschen, daß die Ägitationskommission noch mehr thue wie bisher, aber das vorliegende Blatt ist nicht geeignet, unsere Bewegung besonders zu fördern. Wer die ländlichen Verhältnisse kennt, der wird wissen, daß ein Blatt unter der Land« bevölterung nur dann Verbreitung findet, wenn es unentgeltlich ver- teilt wird. Ich zweifle daran, daß die„Fackel" eine Zukunft hat, denn die wenigen Abonnenten, die das Blatt finden wird, können eS nicht hochhalten. Solomon- Wriezen: Wenn die Agitationskommission mit i cm Nuckgcat der Berliner Genossen ein Organ Herausaeben will, so können wir das dankbar annehmen. Wenn die Kommission aber die Zuitimmnng des Parteitages wünscht, dann hätte sie mit ihrem Vor- haben früher hervortreten müssen, damit die Kreiskonferenzen dazu Stellung nehmen konnten. Das ist aber nicht geschehen. Ich frage, wer soll denn das Blatt verbreiten? Wir haben schon Schwierig- iciteu, um die erforderlichen Kräfte zur Verbreitung des Kalenders und der gelegentlich erscheinenden Flugblätter heranzuziehen. der»ins vorliegenden Probenuinmer kommen so viele Fremdwörter vor, daß das Volkslexikon noch bedeutend vergrößert werden müßte, damit die Arbeiter»nt Hilfe resiclben im stände sind, die„Fackel" auch zu verstehen. Der Zuhält der vorliegenden Probenuminer ist ein derartiger, daß ihn die ttandarbeitcr, die bekanntlich kein Gymnasium besucht haben, mcht verstehen können. Zur Begründung seines Antrages bezüglich des„Vorwärts" führt der Redner aus, er habe einmal an den „Vorwärts" einen Aufruf gesandt, der die auswärtige», in Berlin aroeitenden Maurer vor dem Besuch eines gesperrten Lokals in seinem Krclie warnen sollte. Der„Vorwärts" habe den Aufruf nicht ver- vitent licht, fondern ihn an Silberschmidt gesandt und der Zweck des Aufrufes sei dadurch vereitelt worden. Der Wiederholung solcher Vorkommnisse solle der Antrag vorbeugen. S t a d t h a g e n: Es ist hier gesagt worden, die AgitationS- tommissio» habe sich, indem sie die Herausgabe der„Fackel" beschloß, Rechte angemaßt, welche ihr nicht zustehen. Dem gegenüber be- merke ich. daß eS Aufgabe der Kommission ist. alles zu thun, was sie nn Interesse der Agitation für notwendig hält, insbesondere auch vklugblattcr erscheinen zu lasse». Die„Fackel" ist aber nichts anderes als ein periodisches Flugblatt, und die Kommission hat durch die Herausgabe des Blattes gcthan. was ihre Aufgabe ist. Ich verstehe es nicht, wie man als Socialdemokrat gegen ein nützliches Unter- nehmen keine anderen als burcankratische Einwände machen kann. Wir wollen ja von den Kreisen nicht verlangen, daß sie uns daS Blatt abnehmen. Die Aufbringung der Kosten des Blattes ist ge- sichert, selbst wenn eS keinen einzigen Abonnenten finde» sollte. Nun kommen die Genossen aus Rixdorf und anderen ländlichen Orten und erklären auf Grund ihrer Kenntnis der ländlichen Ver- Hältnisse, ein solches Blatt sei nicht nötig. Kennen Sie denn die zahlreichen Zuschriften, die uns aus Landkreisen zugegangen sind und die Heransgabe eines solchen Blattes wünschen? sguruf.) Ja. das Blatt soll nicht nur der Agitation dienen, es soll mich die Organisation fördern, die in' de» Landkreisen eine Rot- weudigkeit ist. Ich sage es frei heraus: Sie sollen endlich erzogen werden, praktische Organisationsarbeit zn treiben, anstatt bloß Redensarten zu machen. Es ist schon genug gerodet worden, jetzt gilt es, Organisationen zu schaffen. Wir müssen dem kleinen Mann, beni ländlichen Arbeiter und Handwerker etwas bieten. Das soll durch die„Fackel" geschehen. Wir wollen damit den Wünschen der Schnitter, der Wanderarbeiter und der sonstigen gedrückten Schichten der Landbevölkerung entgegenkommen. B r n n z e l- Berlin wünscht, daß durch Äbstinunung darüber Klarheit geschaffen werde, ob die Delegierten mit der Herausgabe der„Fackel" einverstanden sind. F a b e r- Frankfurt a. O. hält die beantragte Beilegung der „Neuen Welt" zur„Märkischen Volksstimme" aus praktischen Gründen nicht für ratsam._ Wenn es den Genossen um weitere Verbreitung der„Marl. Volksst." zn thnn sei, so könnten sie dafür sorgen, auch ohne daß die„Neue Welt" beigelegt wird. Die Verbreitung der „Märk. Volksst." würde eine größere sein, wenn daS Blatt täglich erscheinen könnte. Ich komme nun zu der„Fackel", dem sogenannten Bauernblatt oder Bauernsänger lHeiterkeit). Der vorigeParteitaghatdie Herausgabe einer periodischen Agitationsschrift abgelehnt. Ich bin dagegen, daß man jetzt auf Umwegen das Blatt ins Leben zn rufen sucht. Ich bin der Meinung, daß die„Fackel" in der Form, wie sie uns vorliegt, nicht die ihr gestellte Aufgabe erfüllt. Wenn man den Landarbeiter mit solchem Blatt gewinnen will, dann müßte die Tagespolitik möglichst aus dem Spiel gelassen und dem Leser ein Gesamtbild unserer Bestrebungen gegeben werden. Ein Hindernis für die Verbreitung ist eS auch, daß am Kopfe fettgedruckt steht: Preis 10 Pf. Ich ersuche Sie, dem Antrage zuzustimmen, welcher sagt, die Kommission hat kein Recht, periodische Druckschriften ohne Zustimmung des Parteitages herauszugeben. Schmidt- Sonnenburg ist mit dem Erscheinen des Blattes einverstanden, wemi es nur als Flugblatt gedacht ist. Weiter be- merkt Redner, daß der von ihm vertretene Kreis der Herausgabe des Blattes nicht zugestimmt habe, der Vertreter der AgitationS- tommission, der auf der Kreiskonferenz anwesend war, habe vielmehr gesagt, über das Erscheinen des Blattes sei nicht mehr zu beschließen. denn das habe die Kommission bereits beschlossen. Redner ist für das Erscheinen der„Fackel", meint jedoch, die Kommission hätte nicht eigenmächtig vorgehen dürfen. K r a s e m a n n- Neu-Ruppin: Unser Kreis hat schon im März von der beabsichtigten Herausgabe des Blattes gewußt und derselben zugestimmt. K o tz k e: Es wurde hier die Frage aufgeworfen, wie sich unsere Provinzpresse znr„Fackel" stellt. Die„Brandenburger Zeitung" hat sich zustimmend geäußert und sich bereit erklärt, die „Fackel" ihren Lesern als Beilage zu geben. Daß wir mit dem Blatte der Provinzpresse oder gar dem„Vorwärts" Kon- kurrenz machen, davon kann gar keine Rede sein. Man sagt, die Provinzpresse sollen wir ausbauen. Das haben wir gethan. Man sollte sich hier nicht von burcaukratischen Erwägungen leiten lassen, sondern einem Unternchmen zustimme», welches sich als not- wendig erwiesen hat. Sfi d o w, Vertreter der„Brandenburger Zeiwng", spricht für das Erscheinen der„Fackel". Wir sehen in dem Blatt nicht ein Konkurrenzunternehmen, sondern wir sind vielmehr der Meinung, daß die„Fackel" die Landleute an socialdcmokratische Lektüre ge- wöhnt, und daß uns dadurch Leser zugeführt werden. Wir sind der Kommission für ihr Unternehmen dankbar. Lassen Sie dasselbe nicht an formalen Bedenken scheitern. Daß wir die„Fackel" der„Branden- burger Zeitung" beilegen wolle», ist ein Irrtum des Genossen Kotzke. Es handelt sich nur um den Wunsch eines Kreises. Roth- Berlin: Die Agitationskonnnission hatte nicht daS Recht, mit einem fertigen Unternehmen vor uns hinzutreten. Sie hätte uns vorher davon in Kcnntuis setzen sollen, llebrigens ist daS vorliegende Blatt nicht geeignet für die Landagitation. Der Autrag Saloinon ist nicht genügend begründet. In dem von Salomon angeführten Falle hat die Redaktion des„Vorwärts" richtig ge- handelt. Ein Schlußantrng wird angenommen. Der Antrag Nr. 1 des Kreises Niedcrbannm Ivird angenommen. Damit ist, wie das Bureau auf eine Anfrage Kösters konstatiert, die Herausgabe der„Fackel" durch die Agilationskonimission genehmigt. Der Antrag Nr. 2 des Kreises Niederbarnim ivird angenommen, ebenso der folgende, im Lanfe der Debatte eingegangene Antrag: Die Agitationskommission wird beauftragt, das Organ„Di« Fackel" den materiell schwachen Landkreisen unentgeltlich zur Ver- fügung zu stellen. Der Antrag Nr. 2 des Kreises Teltow ist zurückgezogen, die übrigen zu dietem Punkt vorliegenden Anträge werden abgelehnt. Es folgt die Beratung der noch übrigen, sowie einiger während der Verhandlungen eingegangener Anträge. Bohne- Berlin begründet den Antrag deS ersten Berliner Kreises und empfiehlt denselben im Interesse der Agitation. B u d e r- Forst empfiehlt den Antrag Sorau- Forst und Berlin IV. Kotzke ist ebenfalls für Annahme dieses Antrages, ersucht aber um Ablehnung des Antrages Berlin I. Z u b e i l: Die Reichstags- Fraktion gicbt ja alljährlich einen Thätigkeitsbericht heraus, der als Flugblatt gedruckt und verbreitet werden könnte. Peus- Dessau: Dieser Bericht ist nicht für die Landagitation geeignet, weil er sich mehr an die überzeugten Genossen wendet. Hierauf wird der Antrag Berlin I abgelehnt, der Antrag Sarau- Forst und Berlin IV angenommen, und der Antrag Guben abgelehnt. Der Antrag Nr. 2 des Genossen Salomon wird zurückgezogen. Nach kurzer Begründung seitens der Antragsteller werden folgende Anträge dcbattelos angenommen: Der Provinzal- Parteitag möge beschließen, daß in die Brandenburger Agitationskommission ein Pole aufgenommen wird, der in einer polnischen Versammlung der Provinz Brandenburg zu wählen ist. Die Berliner Lokalkommission beantragt: Der Beschluß der Parteikonferenz vom 11. September 1898, betreffend Aufnabme sämtlicher Kreise der Provinz Brandenburg in die Lokalliste, s»wie Bei- legung derselben in der Parteipresse, ist wieder aufzuheben. Die Zeit ist inzwischen so weit vorgerückt, daß der Saal ge- räumt werden muh, und der bis jetzt zurückgestellte Vortrag Stadt- Hägens über die Zuchthausvorlage nicht mehr gehalten werden kann. Stadthagen begründet kurz folgende Resolution: Die Parteikonferenz für Berlin und die Provinz Brandenburg verlangt Ablehnung des unter dem Titel„Gesetz-Entivurf zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" dem Reichstag vor- gelegten neuen, thatsächlich gegen die Ausübung des Koalitions- rechts und des Vcrcinigungsrechts der Arbeiter gerichteten Aus- nahmegesetzes. Die Parteikonferenz verlangt Schutz des gewerblichen Arbeits- Verhältnisses durch gesetzliche Arbeiter-Schutzbe st im- m u n g e n und durch ein uneingeschränktes, ge- s ch ii tz t e s Koalitionsrccht. Insbesondere verlangt die Konserenz ausdrückliche, reichsgesetzliche Beseitigung der Schranken, welche dem Koalitionsrecht vor allem der ländlichen Arbeiter durch Landesgesctz und durch Rechtsprechung gezogen sind. Es ist Pflicht der Parteigenossen, die der Socialtiemokratie noch fernstehenden Arbeiter und Mittelschichten über die Gemeingefährlich- keit der Bestrebungen aufzuklären, ivelche auf Beseitigung des Vereinsrcchts der arbeitenden Bevölkernng abzielen. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Koblenzer giebt der Erwartung Ausdruck, daß die heutigen Verhandlungen zum weiteren Gedeihen unserer Be- strebungen i» der Provinz beitragen werden und schließt den Partei- tag mit einem dreifachen Hoch aus die Socialdemotratie._ B, Gunzel. Lothriugerstr. 52.*L0"rä»J ..' a socialnmcher Fulner," �aswU c, Mavj k. in Eigarrcinpjtzeii, Picifen, Nadeln, Bloche», Kiiövse». Büsten Bildern u. dgl., sowie jede Drechölenvaarc u. Rcpar.(Mau ml. 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Die Werkstellcn Fechner und Basedow in S»i»drtchShage» ' m im Streik. 121/12 uzug fernhalten. W». Holzarbeiter! In der Möbelfabrik v.«ol».«vsllsvb, Rigaerftraste»S/VK. habe» 31 Tischler. Drechsler, Bild- Hauer, Möbelpolierer und Ma- schjnrnarbeiter wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Desgleichen in der LurnSinöbelfabrik von OUrachncr, Reichenberger- ftrafte 57, wo nach mehrmaligem Verhandeln ein« Elntgung nicht er- zielt wurde. W% iÄa,3? Slnnahme- Stellen für„Kleitte Anzeigen". Oaton: Stöbert WeugelS. Fruchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe., Koppenstr. 83. Chr. Schultz, Blumenstr. 14. 91or<1o«t«n: I. Reul, Vanümstr. 42. ltzorfloa: W. Gastmann, GA'mthalerstr. 65. Karl Mars. Kaftanien-Allec 95/96. Emil Stolzenbnrg, Wiesenstr. 14. L. Dechand, Nuheplatzflr. 24. H. Bogel, Dommiuerstr. 32. A. Tietz, Jnvalidenstr. 124. lüto>-ck«'v»t«ai Karl Anderö. Salzwcdelerstr. 8. KUeleoatoa: F. Ohnesorg». Bergmannstr. 23, H.II t), Schröder. Kreuzbergsir. 15. i4U«Ion: Hans Vaake, Dresdenerstr. 52/53. F. Gntschmidt. Kottbuscr Damm 8. ffzUtloaton: Fritz Thiel, Slalitzcrstr. 35. W. Gesche, Wrangelsir. 58. Martl» Mescha, Adalbertstr. 24. O«»t»>eia: P. Harsch, Gipsftr. 27. «. Tietz. Breitestr. 23. ClMu-Iottoada»-«: Gust. Scharnbcrg, Schtllerstr. 24 1 DVloNonaa: H. Bernsee, Kirchstr. 15. rrkv,li'loIi»I»ov»: Auto« Kapp, Friedrich Karlstr. 4. »«enKo'v-.�. Kümmert. Kaller Friedrichstr. 15. Ulxtlore: E. Ostcrman». Erckstr. 6. G. Retzera«. Herniamistr. 50. gehtfneberg: Wilh.Bä»mler.AposteIPaul,i»str13. WolBHenace: Heinrich Bachmann. Lehderftr. 1. JulinS SchiUert. Köiiiachausse« 39a. Rob. Liebschwager. Guslav-Adols' straße 16. 2 cranlwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentetl verantwortlich: Tb. Gl»«t« in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlw.