Anterhaltungsblatt des Horwäris Nr. 93. Dienstag, den 15. Mai. 1990 (Nachdruck verboten.) söi Auferstelzung. Roman von Leo To.lsto j... ,.Kast Du daS Feuer wirklich nicht angezündet?" „Nicht in Gedanken, Herr. Der Bösewicht mutz cS selbst angelegt liaben. Man sagte, er sei eben erst versichert. Aber von der Mutter.und mir hietz cS,. wir hätten ihn. bedroht. Das ist archt, geschimpft habe ich ihn damals, ich hielt's nicht länger aus. Aber das Feuer angelegt, das habe ich nicht. Ich war gar nicht da, alS das Feuer anfing. Er hat eS ab- sichtlich au diesem Tage so abgcpatzt, datz ich mit der Mutter da war. Er hat eS selbst angezündet, wegen der Versicherung. und uns dann genannt." „Wahrhaftig?" „Bei Gott, ich sage die Wahrheit, Herr. Seid mein lieber Vater l" Er wollte zur Verehrung auf die Erde niederfallen: Nechljudow hielt ihn mit Mühe zurück.„Helfen Sie mir; ich gehe um gar nichts zu Grunde," fuhr er fort. Und plötzlich fingen seine Wangen an zu zucken, und er begann zu weinen; dann streifte er den Aermel des Sträflings- rocks auf und trocknete die Augen mit dem schuiutzigen Hemds- ärmel ab. „Sind Sie fertig?" fragte der Inspektor. „Ja. Also grmnt Euch nicht: wir thun, wa-? wir können", sagte Nechljudow und trat hinaus. Menschow stand in der Thür, so datz der Ausseher ihn mit der Thür stietz. als er sie zuschlug. Während der Aufseher das Schlotz an der Thür zuschlotz, schaute Menschow durch das Loch in der Thür. Ei n u n d f ü n f z i g st e S Kapitel. Während Nechljudow auf dem breiten Korridor(es war Mittagszeit und die Zellen waren geöffnet) zwischen den Leuten in hellgelben. Gefünguisröckcn. kurzen weiten Hosen und Lederschnhen hinging, und die Leute ihm gierig nach- blickten, empfand er ein sonderbare? Gefühl des Mitleids mifi den Menschen, die da satzen, und des Schmfens und Nicht vcrstehenkönnenS in Bezug auf das Benehmen der hier ein- gesperrte» und festgehaltenen Menschen, sowie der Scham darüber, datz er das ruhig mit ansähe. . In einem Korridor"lief jemand mit den Lederschnhen klatschend au die Zellenthür, und es traten Leute heraus und traten Nechljudotv in den Weg und verneigten sich vor ihm. „Befehlen Euer Gnaden... ich weitz nicht, wie ich Sie neuneu soll, datz wir abgeurteilt werden." „Ich bin kein Vorgesetzter, ich weitz von gar nichts." „Einerlei, sagen Sie es irgend einem Vorgesetzten," sagte eine unzufriedene Stimme.„Wir habe» nichts gethan und leiden schon ztvei Monate." „Was? Warum?" fragte Nechljudow. „Ja. wir sind in's Gefängnis gesperrt. Sitzen schon im zweiten Monat und wissen selbst nicht, warum." „Das ist wahr: ein Zufall," sagte der Gehilfe dcS Inspektors,„die Leute sino wegen Unordnung in ihren Papieren festgenommen: man hätte sie in ihr Gouvernement schicken müssen, aber dort ist das Gefängnis abgebrannt, und die Gouvernements- Verwaltung hat sich an uns gewandt, datz wir sie ihnen nicht zuschicken. Aus allen andern GonvernenientS haben wir sie fortgeschickt, aber diese behalten wir hier." „Was, nur deswegen?" fragte Nechljudow und trat in die Thür. Ein Haufen von etwa vierzig Menschen, sämtlich in Gcfaugcuenkleidung. umringten Nechljudow und den Gehilfen. Mehrere Stimmen sprachen auf einmal. Der Gehilfe unter- brach sie:„Einer von Euch soll reden." Aus dem Haufen trat ein hoher, wohlgebauter Bauer von fiinfzig Jahren hervor. Er erklärte Nechljudow, datz sie alle verschickt' und ins Gefängnis gesperrt witren, weil sie keinen Patz gehabt hätten. Sie hätten Wohl einen Patz, aber der wäre seit vierzehn Tagen abgelaufen. Das wäre jedes Jahr so geschehen, und niemand hätte danach geforscht, aber diesmal wären sie festgenommen, und würden schon im zweiten Monat hier eingesperrt gehalten wie Verbrecher. „Wir sind alle Stcinarbciter, alle in einer Gewerkschaft. Es heitzt, im Gouvernement ist das Gefängnis abgebrannt. Wir find doch. nicht schuld daran. Zeigen Sie uns Gottes Barmherzigkeit."■'., Nechljudow hörte zu und begriff fast gar nicht, wa?.der alte wohlgebaute Mann sagte, weil seine ganze Aufmerksam- keit von einer grotzen. dunkelgrauen Laus in Anspruch ge- nommen war, die zwischen den Haaren auf der Wange deS wohlgebauten Steinarbeiters kroch. .'.Wie ist das? Ist das wirklich der einzige Grund?" sagte Nechljudow an den Inspektor gewandt. „Ja, man mutzte sie fortschicken und an ihren Wohnort schaffen," sagte der Gehilfe. Er hatte kaum ausgesprochen, als auS dem Haufen ein kleiner Mensch, ebenfalls in Gcfangcnenkleidung. vortrat und mit sonderbaren Mundvcrzerrungen zu erzählen begann, datz sie hier ohne jeden Grund gequält würden. „Wir werden schlechter als Hunde behandelt.. begann er. „Nu nu, mach keine überflüssigen Redensarten! schweig schon, sonst weißt Du..." „Was weitz ich," fuhr der kleine Mensch verzweifelt fort. „Haben wir denn irgend etwas verbrochen?" „Halts Maul l" rief der Vorgesetzte, und der kleine Mensch verstunimte. „Was ist daS nur?" sagte sich Nechljudow, alS er auS der Zelle trat und nun von Hunderten von Augen verfolgt wurde, die aus de« Thüren sahen, und durch die Arrestanten. die ihm begegneten, glcichsaiu Spietzruten lief. „Hält man denn tvirklich in der That so unschuldige Leute einfach fest?" sagte Nechljudow, als sie aus dem Korridor traten. „Was soll man denn dabei machen? DaS einzige ist, datz viele lügen. Wenn man sie hört, sind alle unschnldig," sagte der Gehilfe des Inspektors.„Freilich kommt es auch vor, datz sie ohne jeden Grund sitzen." „Diese Leute haben doch gar nichts verbrochen." „Diese wohl: aber das Volk ist sehr verdorben. Ohne Strenge kommt man nicht zurecht. Es giebt verzweifelte Kerle, denen man nicht über den Weg trauen darf. So waren wir gestern genötigt, zwei zu bestrafen." „Wie zu bestrafen?" fragte Nechljudow. „Sie sind vorschriftsmäßig mit Ruten gepeitscht." „Aber körperliche Strafen sind doch abgeschafft?" „Nicht für Leute, denen die bürgerlichen Ehrenrechte ab- erkannt sind. Die unterliegen ihnen." Nclchjudow'erinnerte sich an alles, was er gestern, als er im Flur ivartetc, gesehen hatte und begriff, datz die Züchtigung gerade während der Zeit vor sich gegangen war, wo er ge- wartet hatte, und ihn befiel mit besonderer Heftigkeit dasselbe nnbeslimnite Gefühl von Neugierde, Gram, Uncntfchlossenheit und moralischem Sich schlecht befinden, das fast in körperliches überging, wie er es schon früher, wenn auch nicht in diesem Matze empfunden hatte. Ohne auf den Gehilfen des Inspektors zu hören und ohne um sich zu sehen, ging er schleunigst aus dem Korridor hinaus und wandte sich ins Bureau. Der Inspektor war im Korridor und hatte über einer andern Sache vergessen, die Bogoduchowskaja herauszurufen. Sein Versprechen fiel ihm erst dann wieder ein, als Nechljudow ins Bureau trat. „Ich schicke sofort nach ihr: setzen Sie sich bitte," sagte cr. Z w e l u n d f ü n f z i g st e s Kapitel. DaS Bureau bestand aus zwei Zimmern. Im ersten Ziinmer mit einem grotzen. vorspringenden, abgeblätterten Ofen und zwei schmutzigen Fenstern stand in einer Ecke eine schwarze Metzvorrichtung znni Messen der Größe der Arrestanten; in der andern Ecke hing ein großes Christusbild, das ständige Attribut aller Orte, an denen das Volk ge- martert wird.. In diesem ersten Zimmer standen einige Auf- scher. Im andern Zimmer aber satzen. an der Wand in einzelnen Gruppen oder in Paare» tvohl zivanzig Manns- und Weibspersonen und sprachen halblaut miteinander. Am Fenster stand ein Schreibtisch.„,-:. — 3' Der Insprftor setzte sich ai» den Schreibtisch und bot Ncchljudow einen Stuhl a», der cbendort stand. Nechljudow setzte sich und begann die Leute zu betrachten, die im Zimmer waren. Vor allent erregte seine Ailfmerksamkeit ein junger Mensch im kurzen Jackett mit angenehmem Gesicht, der vor einem Ge- fangenen in Sträflingskleidung und einem neben ihm sitzenden Mädchen stand und ihnen eifrig mit Handbewegnngen etwas erzählte. Daneben saß ein alter Mann mit einer blauen Brille und hörte unbeweglich zu. wobei er ein junges Weib in Arrestantenkleidung an der Hand hielt, die ihm etwas er- zählte. Ein Knabe. Realschüler, mit starrem, erschrecktem GesichiSausdruck schaute den Alten an. ohne ein Auge von ihm zu verwenden. Unweit von ihnen, in einer Ecke, saß ein Liebespaar, sie war ein kurzgeschorenes, blondes und liebliches, ganz jnngeS Mädchen mit energischem Gesicht in modernen» Kleide: er— ein hübscher Jüngling mit feinen Gesichts- zügen und wolligem Haar im Arrestantenrock. Sie saßen in der Ecke und flüsterten, augenscheinlich vor Liebe ver- gehend. Am allernächsten Tisch aber saß ein graues Weib im schwarzen Kleide, offenbar eine Mutter. Sie schaute un> verwandt aus einen schwindsüchtig aussehenden jungen Mann in Guttaperchajacke und wollte etwas sagen, konnte aber vor Thränen nichts herausbringen; sie fing an und hörte wieder auf. Der junge Mann hielt ein Blatt Papier in der Hand, wußte offenbar nicht, was er tbun sollte, knickte es ein und zerknitterte es. Neben ihnen saß ein volles, roteS hübsches Mädchen mit sehr vorstehenden Augen im grauen Kleid und mit einer Pelerine. Sie saß neben' der weinenden Mutter und streichelte ihr zärtlich die Schulter. Alles war hübsch an diesem Mädchen; ihre großen weißen Hände, und ihr welliges geschorenes Haar und ihre starke Nase und die Lippen; aber den Hauptreiz ihres Gesichts bildeten die kastanienbraunen, runden, guten, aufrichtigen Augen. Ihre hübschen Augen wandten sich von dem Gesicht der Mutter in dem Augenblick ab. als Nechljudow eintrat, und begegnete seinem Blick. Aber sie sah sofort zur Seite und begann der Mutter etwas zu sagen. Unweit von dem Liebespaar faß ein schwarzer, rauhaariger Mensch mit finsterem Gesicht; er sprach ärgerlich mit einem bartlosen Besucher, der einem Skopzen glich. An der Thür selbst stand ein junger Mensch in Guttaperchajacke, der offenbar mehr mit dem Eindruck beschäftigt war. den er auf die Zuschauer machte, als mit den Worten, die er sprach. Nechljudow setzte sich neben den Inspektor und schaute mit gespannter Neugierde um sich. Ein kleiner kurzgeschorener Knabe erheiterte ihn. Derselbe trat zu ihm und richtete mit seinem zarten Stiminchen die Frage an Nechljudow: „Auf wen warten Sic denn?"! Nechljudow wunderte sich über die Frage, aber nach einem Blick auf den Knaben und sein ernsthaftes, verständiges Gesicht mit aufmerksamen, lebhaften Augen, erlviderte er ihm ernst, er warte auf eine Bekannte. .Was ist sie, Ihre Schwester?" fragte der Knabe. „Nein, das nicht", erwiderte Nechljudow erstaunt.„Aber «nit wem bist Du hier?" fragte er den Knaben. „Mit meiner Mama. Sie ist eine politische Gefangene", sagte der Knabe stolz. „Maria Pawlowna. nehmen Sie den Kolja weg!" sagte der Inspektor, da er wahrscheinlich die Unterhaltung Rechljudows mit dem Knaben ungesetzlich fand. Maria Pawlowna. dasselbe hübsche Wesen, ivelches NechljudowS Aufmerksamkeit erregt, erhob sich mit ihrem ganzen hohen Wüchse und trat mit lrästigen. weiten, säst männlichen Schritten zu Nechljudow und dem Knaben. «Was fragt er Sie, wer Sic sind?" fragte sie mit leichtem Lächeln ihrer schön geschwungenen Lippen und einem zuvor- sichtlichen Blick ihrer vorstehenden, guten Augen so einfach, als ob gar. kein Zweifel darüber herrschen könnte, daß sie in einfachem, freundlichem, brüderlichem Verkehr mit allen Menschen stände und stehen müßte.„Er muß alles wissen." sagte sie und lachte dem Knaben mit einem so guten lieben Lächeln ins Gesicht, daß der Knabe wie auch Nechljudow, beide bei ihrem Lächeln unwillkürlich mitlächelten. „Ja, er hat mich gefragt, zu wem ich will." „Maria Pawlowna, Sie dürfen nicht mit fremden Personen sprechen. Das wissen Sie doch," sagte der In- spektor. „Gut, gut," sagte sie. nahm den Kolja. der kein Auge von ihr verwandte, mit ihrer großen weißen Hand an seinem Händchen und lehrte zur Mutter des Schwindsüchtigen zurück. 0— „Wessen Knabe ist das?" fragte Nechljudow jetzt den Inspektor. „Einer politischen Gefangenen; er ist im Gefängnis ge- boren." sagte der Inspektor in vergnügtem Tone, als freute er sich, eine Seltenheit seiner Anstalt zeigen zn können. „Wirklich" „Jawohl, und zieht jetzt mit seiner Mutter nach Sibirien." „Aber jenes Mädchen?" „Ich kann Ihnen nicht antworten," sagte der Inspektor achselzuckend.„Da ist die Bogoduchoivskaja." (Fottsetzung folgt.) Die Skeittdbeeg-Nlnkittcc. tResidenz-Thealer.) Ich Ivcitz nicht, ob Herr Lautenlnirg mitunter liitcrori scheu Ehrgeiz hat. jedenfalls aber Hai er— freilich in langen Zivischeinäliiucn — den Wunsch, ein liiterarischeS Pnblikom in seinem reizend intimen Theater z» sehen. Vielleicht ist das eine rei» menschliche Schwäche. die sich aus jenen Tagen hcrjchreibt, in denen Halbes„Jugend" unter seiner Direktion gespicll wurde. Wir wünsche», daß ihm diese kleine Schwäche recht lauge erhalten bleibe» möge. Sein Theater und seine flott eingespielte» Schauspieler eignen sich vorzüglich zu bestimmten litterarischen Experimenten Daß nebenher die Presse ausführliche Berichte bringt, braucht ihn nicht abzuschrecken»nd wird ihn vermutlich auch nicht abschrecken Die drei Einalter von Striudverg, die Sonntag gegeben wurden. füge» dem Bild des Dichters leinen neuen Zug hinzu und zeigen auch nicht die bekannten Zuge in neuer Beleuchtung. Wer von Slriudberg nur diese drei Ernakter kennt, wird seinen Änlnn schwer- lich begreifen, und auch wer mehr kennt, wer nieinciwcgcn alles kennt, kann noch stutzig werden. Slriudberg wird mit andern Worten in Deutschland üderichäpt Der skandinavische Wind. der eine Zeitlang ersrnchcnd«vre Deutjchland fuhr, hat ihn hcrgeiveht. Eine gewisse Paradvxie der vedenSvetrachtnng verblüffte und prägte sich ein. Seine'S illnug, zu!» Weil» beispielsweise war kenieSwegs ne», nicht iheorelisch und auch nicht einmal litierarijch. Er betonle sie aber so scharf, sprach sie so riicksichslos aus und legte ihr vor allen> eine io eminente Bedeutung bei. daß er ciueii Erfolg davontrug Man kann auch durch Nebensachen berühmt werden Wenn man nur die propherischc Tugend hat, die Well von idne» abhängig zu machen Schliesilich kommt noch hinzu, daß es sich ihn das Geschlechtsleben handelte, fiir das ja auch die Mcnichen Interesse habe», die sonst kaum irgendwie mit den» Lebe» zuianimen« hängen. DaS alles hat— neben andren Faktoren— zur Ucl-er- schätzung StriiidbergS geführt. Da er aber in der Tbat ein origineller Geist ist(oder wenigstens warj brauchen wir uns tvcitcr nicht zn grämen. ES ist immer noch besser, daß die fremden Autoren b. uns überschätzt werden. als daß man sie garnicht schätzt. National- Beschränktheit hat gerade»> der Kunst den fatalsten Beigeschmack. Wenn so ei» Bicden»«»»(ich an die Brust schlägt, in der sei» deutsches C.müt. sein treneS Herz und die übrige» Naritätcn sitzen.' snhll man imnier eine imsiillvarc Sehnsucht nach einem ll>-Zng-Billct, oder»ach Meuchen. die in nationaler Beziehung weniger tugendhaft sind. An sich ist ia die Tugend eine sehr schöne Sache, aber man taim sie mißbrauchen. wie die lex Heiiize zeigt. Die drei Einalter. die im Residenz- Theater gespielt Iviirdeu. haben alle einen gemeinsamen Zug. Man lönnte jagen: Strindberz demaskiert. Das Leben hat ja einige Aehnlichkeit mit einer Maskerade. nur. dotz cS im allgemeine» nicht ganz so lustig ist. Dafür ist eS aber feiner. unendlich viel feiner und dauert ja auch etwas länger, um keinen Vorzug zu vergessen. Neberdics gnd die MaSken interesiantcr. als im Ballinal nnd haben daneben die eigentümliche Eigenschaft, sich für wirkliche Menschen z» halten Der Clown des Ballsaats ist nicht halb so spaschasl. wie mancher Mär- tyrer des Lebens. Da schleicht so einer durch de» Tag und della- iniert stockernst gegen dir NücksichlSIostgkeit. weil es ihm im cnt- scheidenden Augeiidlick seines Lebens nicht gelang, eine» rücksichtS» losen Mensche» rücksichtslos zu bändigen. Ei» andrer verachtet den Erfolg, weil et»le einen hatte, nnd ein Dritter bat sich eine Philosophie ohne Geld zurecht gemacht, weil ihm so die magere Kost am besten mnndet Wer nun Sinn für Humor bat. braucht keine» Lustspieldichter. DaS Leben hat auch de» besten Bühne eine» Vorzug voraus— es wird bester gespielt; cS wird to sei» gespielt das, eigentlich von einem Spiel gar keine Rede Niehl sein kau». Die Phanlasievollste» sterben togar kür ihre Jlluston. Humor hat nun Slrmdberg eigentlich nicht, wenigstens hier nicht. Ee lagt nicht„ja"»nd lacht, er sagt aber auch nicht.nein' und flucht. Wie der Humor, fehlt auch der Ingrimm, fehlt die temperamelitvolle Kriegserklärung, fehlt de« haßerlüllle Racheichwur. Strindderg läßt den Menschen die MaSke nicht, odschon sie doch so hübsch tst. viel hübscher, als daS wirkliche Gesicht Er i e i tz t sie ihnen aber auch nicht herunter, er kost sie sozusagen höflich und zeigt dann mit der Ruhe des NatnrtoricherS den wahren Sachverhalt. Er moralisiert nicht, weint nicht, lacht nicht— er zeiqt. Er vermutet nichts und setzt nichts voraus— er setzt auseinander. .Für" einen Dichter ist diese Gelehrtenlöstinci nicht gan� ehi' wandsfrci, und wie die Lösung sind auch die Arbeiten. Es steckt viel theatralische LebenSkenntnis in ihnen, die leider auch lheoretisch an de» Man» gebracht wird. Jrinncr wieder habe ich bei Striildbcrg das Gefühl,»üt eine», aiialysicrendcir Forscher. nicht aber mit einem Dichter zu verkehren Wenn ich nicht irre, hält er s i ch ja auch selbst sür einen grotzen Chemiker, was psycho- logisch manches erklärt, ivie viel, oder besser wie wenig nun iniincr daran sein mag Es zieh! sich ein Mangel an Gestaltnngslraft durch seine ganze Prodnltio» Die Freude am Tollen und Starten weicht der Freude an scharfsinnigen Anöcinandcrsctzungcn und unbarm- herzigen Schnitten. Das zeigt sich nicht zum mindesten in den drei Einaktern, mit denen viele es heute zu thnn haben. Strindberg verleugnet sich selber in sofern nicht als er immer ein Problei» giebt. das des besten Denkers würdig ist. Leider aber giebt ei es ivie ei» Denker und nicht wie ein Künstler. Wer am Problem selbst, an den Ge- danken und Auseinandersetzungen sei»? Freude nickt haben kann, kommt schwerlich ani sciiie Kosten Ich bekenne gen», das; ich mich gefreut habe Abci ichliestlich war es kein ästhetischer, soiideni ein intellektueller Genns; Nach einander werden drei wncktige Stofsc fragmentarisch, aphoristisch, i» lonzentriertc» Ans- tiiiandersetznnge» abgctha» In den.Parins" Ivird ein Mensch, der einiiial fabrkä'isig gcivtc» hat. einer Terbrechernalni gegenübergestellt. und der moderne gcschärstc Verstand trinniphirrt über die Anschläge nnd Kiiisse eines degenerierten Gehinis. Wie»ran sieht: ein Stöfs, der eine Welt von Frage» in sich fatzt. In der.Mutterliebe" wird ei» zweiselhaftcS Franenziminer gezeigt, das sciiie iimge Tochter so lange.erzogen" rind unterjocht hat. datz sie den Käfig nicht verlassen kann, alö ihr endlich die Thür gcössiici ivird I».Debet und Kredit" endlich handelt cS sich um einen z» Mackt gelangten Mann, dein seine.Gläubiger" gegenüber- treten. ES sind das all die Wesen, die er ans seinem Lebenswege niclsicktsloS benutzt hat und die er vielleicht— ich sage vielleicht, weil a»Ä Strindberg es sagt— Hot beirutzen »nissen. Aeslhetisch> ragen alle Arbeiic» das. bereits ge- schilderte Gepräge Ich persönlich kann an sie nicht derile». lau» an Strindbergs Knnst Überhaupt nicht denken, ohne ein sein ge- arbeitete« Jirstrrnncnt vor mir z» sehe», das der Wisjeiischast dient. Man freut sich über die exakte Arbeit der Räder und Räderchen, über das blanlgcschlisscne Metall nnd über die stählerne Energie der Feder Man dcnlt an all' die inielligenteir Be- reckriniigen. die in der» blitzenden Ding stecke» nnd denkt besten- falls cm die rastlose Gedankenarbeit dcS Mciischcrigeiftes. Das; darin ein ganz besondrer, seiner, rasfinicrtcr Genns; liegt, soll»rit Freuden zugegtbeu iverden. nrchr aber karr» mit dem beste» Willen auch unter keinen Urnstäudr» zugesichert werden. In der Poesie darf inan uu» einmal die Schrauben und Räder nichi sehen— Erich S ch I a i k j e r. Die Nttnlt dcv Diskttsfio». (Herr Dr. Conrad Schrnidt.) Ich habe mm die Rcceirfioncn. die ans da? Schillcr-Theater Oeziig haben, durchgelesen und kann Herrn Schmidt mit Thatsachc» dienen. Lvweiiscld erösstrrte mit„Iphigenie" rind lies; dann ziinächst .Die Ehre" und.Viel Lärm um Nichts" folgen Alle drei Vor- stellnngcn scheiden ans. da nicht ich, sondern»nein Kollege— oe— sie besprochen hat. Erivähnt sei immerhin, das; die Necensionen. iveriigftcnS in den beide» ersten Fällen sehr sremidlich gehalic» waren. Der Marin hatte osfenbar ein Stück in, Kasten. Die Vorstcllmigcn. die ich in, Schillcr-Theater bcsncht uud gelobt habe, heistcn:„Nora".„Richter von Zalainea"..Jungfran von Or- leans",.Rätchcn von Hcilbrom»",.Macbeth" nnd.Brand". Nicht etiva als ob ich diese Vorstellungen nnbedrngl gelobt hätte. O ncin l In„Nora" lehnte ich zivri Leistungen völlig ab und gegen eine dritte mochte ichnreine abweichende Anssassring geltend. Gegen den„Richter von Zalamco" erhob ich den Vorwurf, datz Calderon den Konstikt nicht durchgefochten habe, sondern ihm vteliiichr in der Person des weise» und gerechten Königs ausgewichen sei. In der„Jungfran" lehnte ich die Jung- fran ab. waS ja immerhin von cntscheidcilder Bedeutung ist. Gegen Kleists liebreizendes Käichc» mochte ich den grundlegende» Emwand Hebbels geltend, im„Macbeth" genügte mir der Macbeth mcht. und„Brand" behandelte ich mit all der Reserve, mit der eine philosophische Dichtring iin Theater behandelt werden nrufi. Herr Schmidt mag nun selbst darüber nackstiincii. wo hier die.cxceptionelle Färbung" des Lobes zu finde» ist. Seit wann ist es„rxccptioiiell", das; man Ibsen, Cnldcrori. Schiller. Kleist und Shakespeare lobt und mit heller Freude behandelt? Bei mir wenigstens ist cS die Regel, wovon Herr Schmidt sich überzetigen kann, wenn er meine übrigen Rezensionen liest. An leichterer Ware brachte daSSchiller-Thcatcr.Cypneirne". Gebildete Meirichen".„Niobe" nnd Goldonis„Diener zweier Herren". Sardou schätzte ich als einen— unter llmstände»— seinen Thealcrhaiidiverker ein. nicht ohne zu bemerken, das; die Franzosen viel bessere haben..Gebildete Menschen" iimnile ich eine.drircharrs respektable und unterhaltende Arbeit", wiederum nicht ohne zn bemerken, das; sie ganz»ach der alten Methode dcS VolkSstiickS gejchasse» sei.»Onkel Toni", daS kürzlich von de» Wienern gegeben wurde, ist beträchtlich schlechter, nnd doch liest ich das Stück passieren, obtvohl— erstannen Sie— das Volks-Theater meinen.Hinrich" in Rücksicht aus den Wiener Geschmack abgelehnt hat„Niobe" überging ich. ivährend ich an dein naiven Hrunor der alten Goldouische» Posse meine Freude hatte und haben nrustte. Ztvei Stücke von Blunrenthal, die ebenfalls in» Sckillcr- Theater gegebe» ivnrdcn. schwieg ich cinsoch tot und bildete damii allerdings insofer» eine A»s»ahme, als andre Kritiker nicht versäumten, die Socke in einige» fremrdlichc» Zeilen zu empsehleu. Dast indessen Löwenfcld über diese.excepiionclle" Bchandluiig besonders glücklich gervesen sein sollte, beziveifle ich billig. A» Novitäten in, engeren Sinn wurde» geflcben die»Richterin", .Freudvoll uud leidvoll"..Fröschiveiler"..Hinrich Loriisen" und .Amphitryon" Die drei erste» Stücke Hobe ich negativ kritisiert, dos vierte besprach ein andrer und nur de» einen„Amphitryon" habe ich gelobt, was mir hofsentlich auch bei Herr» Schmidt nichts schaden wird Und trotzdem.alles Licht" im Schiller-Thealer? Darf ich srogc» Ivo nun eigentlick die.exreptionelle" Färbung deS Lobs und de, Anerlenming steckt? Bierbankgerede. Herr Doktor! Alt- weibergeichtvätz. sofern eS nichts schlimmeres ist Soive't zur Sache, die„rit dieser Feslstellimg deS Thatbcstandcs für mich und überharivt sür jeden anständigen Menschen abgcthan ist. Nur einige Kleinigkeiten zürn Schlust In einer Diskirssiou über die.Frei« Volksbühne" bringt Herr Schmidt einige sehr dunkle An- deutlirigen an. die- noch seiuenr eigene» Geständnis— mit der Sache nicht das mindeste zu thun haben Wie ich ihn stelle, erklärt er mit der ganzen Unickuld sciiicr guten Seele, das; er das Eist ja mir„beiläufig" hineingethan habe und vcrgirstt einige KrokodilSthräuen, weil er nunmehr„deutlich" Iverden nnrst. Hätte ich den rnir zu- gedachter« Trank ge■-rt. iväre ich also nur„beiläufig" krepiert, lvas sür meine Hiuterbtrevene» ja inrnrerhirr ein Trost gewesen wäre. Herr Schmidt erklärt weiter, dast ich ein ehrlicher Mann bin, findet aber leider, dast meine Kritiken genau so anSsehen, als hätte ein Schuft sie geschrieben. Mit andern Worten: er entzieht sich dem Strofrichtcr und bringt doch meine Leistungen in Mistkreoit. Das; mir das sonderlich imponiert, könnte ich nicht behaupten. Wenn ich dieselbe Methode aiiweiide» wollte, könnte ich ihn in einer Bc- lerichtung zeigen, die ihm doch nnangehnchni sein dürfte. Ich ver- zichte darauf, nicht um Herrn Schmidts willen, dem ich ja zn Dank verpflichtet bin— ich verzichte im Interesse der polemischen Sitten. Wenn eS allgemeiner Brauch werden sollte, vor dem Kampf die Klinge zu vergift-n. dürste die Polemik bald zu einem zweifelhaste» Handwerk heräbsinkel'. Erich Schlailjer. Kleines Ileuilleton. — Der Wald al? Onrllcnipcnder. Uebcr die ivcsenlliche Fördminq. die in unser» Wäldern die Bildnng nnd Speisung der Quelle» durch das verwesende Wnrzelgeivebe der Waldbäurne erfährt, änster» sich Dr Karl v. Fischbach i» einen, Ansjatz der ,M. Allgem. Flg".Es lästt sich leicht erkcmieir". heistt es da..dast die Hariptstränge öer Wurzeln mit ihren vielen Verzweigungen bis z»»» feinste» Faiernetz die ihirc» zugänglichen. oft sehr tief liegende» Bodenschichten nach aller,' Nicht, iiigcn hin durchdringen. Stirbt »in, cur Bau», ab oder wird gefällt, so vcrtvcse» die Wurzeln»nd in den dadurch ciitftehenden Kanälen finden die Meleorwafler Zutritt in weit gröstere Tiefen als bei allen sonstigen Knlturartcn. Schon bei dein ganz sich selbst übcrlaficncir Walde vermindert sich mit fort« Ichrertendem Alter die Zahl der Bäume, weil sie zu ihrer regelmästigen Entwicklniig von Jahr zn Jahr eine» gröstere» Slam» bedürfen Im gepflegte» Zlutzivalde sind es die in Pansen von fünf bis zehn Jahren wiederkehrenden Durchforfirmgen. bei denen die überzähligen Stämme hcrariSgenoininen iverden. Die zurückbleiben- de» Stöcke verliere» bei», Laubholz infolge von»»genügender» Licht ihre Ärisfchlagfähigkert schon nackt ein oder zivcr Jahre» und ihr ganzes Wmzclsqstcin versällt dann der Verwesung; bei Nadelholz tritt dieser Zustand schon unmittelbar nach der Fällung deS Stamms ein. Mit Begtn» der Verwesung löst sich zunächst die Rinde von dem Holzkörper der Wurzel und schon hierdurch wird dem Wasser ein erleichterter Weg tu die Tiefe cröfinct. Die sort- schreitende Fäulin» greift später auch das Holz o». von dem die widerstcuidSiädigeren Gefästdündel»ich zwar am längsten er- halten, demiiiigeachte« aber trühzeltig scko» ans ihrer sesten Ver- bindung>tck lolen ivell das zwischenliegendc Zcllgctvcbe raichcr in Fäuliris übergeht, wodurch dem einsickernden Wasser zahl- reiche neue Wege in weitere, ihm seither verschlossene Tiefen geöffnet werden Mii fortichreriender Verwesung wird die Verbiridnng immer lockerer es erweitern iich diese ZuleitungSkanälc,»nid wen» auch nicht gerate anzunchmeii>st. dost nach jeder versaulten Wurzel eine gle'ch weite Sivhce osten bleibt. sondern dast der leere Rarurr sich allmählich wieder ausfüllen wird teils durch die Veränderungen, welche der Winlerfrosl in den ihm zugängliche» Vodenschichlen hervor- bringt. teils durch chemüchc VerwrtlerungSvorgänge, die der VerweiiingSprozest hervorruft oder begünstigt, teils durch das einsickernde Wasser rnro die sich arlsbreitenden Wurzel- systenre der lebenden Bäume, durch Regenwürnrer. Käferlarven usw. und vielleicht irech durch manche aiidcei, Ursachen, welche nach und nach die entstandene Slöhre wieder verschwinden machen— so ist es - O 7."> — cr/J— k>o�> nudÄ cticnfo sicher, dtisi keine dieser Ursachen für sich allein, oder in, Ziisainincnivirkcil mit den andren ei» sofortiges plötzlicheSVcrschwinde» der freigelvordcncn Gänge herdcifiihre» kann! dieses erfordert stets eine längere Zeit, und ivährend dieser Zeit bleibt dem einsickernden Wasser jedenfalls sein Ivesentlich erleichterter Zugang in die tieferen Schichten frei. Diesen hat eS nur den eingedrungenen Banmwnrzeln gü verdanken, Ivclche ja bekanntlich auch bei den sogenannten flach- ivnrzclnden Bäumen in Tiefen sich erstrecken, die von andren Gclvächsen niemals erreicht werden. Und gerade darin liegt die hnnptsächlichste Bedeutung dieser dem Tageslicht entzogenen und , detchnlh bisher.noch gar nicht beachteten Funktion dcS Walds, Obgleich'nun jcderinän» weiß, das; ein Wald ans vielen Bäumen besteht, so wird cS doch zu näherem Verständmö der behandelnden Frage dienlich sein, hierfür»och einige Anhaltspunkte in Zahle» z» geben, Der anS Naturbesamung hervorgegangene Bestand zählt im Alter von lö Iahren oft mehr als 80 000 und 40 000 junge Stäunnchen auf einen Hektar, In» hiebreifen 100jährigen Bestände genügen je nach der Bodcngiite und Holzart 000 bis 1000 Stäuimr. um die Nnchcneittheit vollstäiidig zu bestocken und anSznnüNcn. I» einer künstlich yngepflanzten Jungknltur kamen früher bis zu 12 000 und 10 000 Pflänzlinge zur Verivcndung; neuer- dings begnügt man sich meistens mit 5000 bis 0000. Davon müssen also auch noch 4000— 5000 ollmählich herausgenoinnien»verde», deren Wurzeln im Boden zurückbleiben und in der geschilderten Weise die Wnflerznlcitung in die tieferen Schichten erleichtern. Wenn nun auch von den ungezählten einzelne» Wurzelsträngcn der allmählich aiiSscheideudeii Bäume ein Teil die geschilderte Wirkung nicht sollte änsicrn können, so bleiben immer noch reichlich genug übrig. um jene» günstigen Einflnst auf da?»mterirdijche Wasterregime zu sichern."— Ttieater. S ch a n sp i elh a»i s: S ch>v arin g c i st e r. Tragödie von Carl Weitbrecht: daS Stück hat fünf Alte. Ich iveii;»licht. »vohcr es kommt, aber schlechte Tragödien haben iuuuer fünf Alle. Der Dilettantismus, der sonst alles schuldig bleibt, zahlt in diejein Punkt init einer unheiurlichen Geioisicnhafligkcit, lieber den Inhalt ist nichts zu sagen, als das; Michael itohlhnas im BUttelPunIt steht. Wenn man die Psychologie des DilettaiiliSumS nicht keimte, könnte .man sich über die Stosfivahl entrüsten. So aber»ms; man sie ganz in der Ordmntg finden. Die Dilettanten dichte» immer au dem herum, das schon vou ander» gedichtet ist. EinDilcltaut aber ist Herr Weitbreckit, und nicht cimnal einer der angenekinisten. Für einen Dichter wäre es schon eine Aufgabe gewesen, den Kohlhaäs auf die Kuiee zu stelle», Herr Wcitbrecht aber, der die Tragweite seiner Handlungen nicht kennt,»ms; auch noch den Luther dazu nehme». Wenn ein Dilettant.Luther" sagt und ans einige historische Facta anspielt, glaubt er in all seiner Raivetät, dag»vir»n» auch.Lutber" rnipsiudcn. Leider empfnideii wir aber nichts als de» unendlich peiuliwen Gegen- sah zwischen Wollen und Können. Leider seh«»»vir nichlS al» das »»itleiderregcnde Schauspiel,»vie ein gebildeter Manu Schiffbruch erleidet, Manthncr, der im Stück iinmer noch einige Gedanke» findet, mag vo» ciueu» bestimmte» Staiidpmikt aus gar nicht so unrecht haben. Ich zweifle gar nicht daran, das; Weitbrecht über seinen Stoff eine atiregende Abhandlung schreiben könnte,»vie»ch auch von der Chrlichkcit feiner Begeisterung fest überzeugt bin. Gedanken»nid Begeistening sind aber»nhloS versMivendet.»venn »ticht die künstlerische GeftnltimgSkraft hinzukoilunt. II»d die bleibt leider völlig aus. So elithäli das Siück beikpielstveise- ein Weib daß fortwährend die unhaltbare Behanptniig- ansflcllt, das; der.Geist" ans ihr spriiche. Als Wcitbrecht ein solches Weib in das Leben des Kolill'aas bringen wollte, liatw er eiüen ganz geschridten Gedanke», In» Lrbei, seb. vieler bedeutender Mäuuer sindc» sich die Dame» ein, die vou».Geist" schwärmen, am liebsten aber dow recht silmliai behandelt sein»vollen. Der Gedanke»var also so übel nicht, um dnst das Weib ausblieb. Wcitbrecht bringt nur eine läö rlichc 5rarikati»r zu stände und diskreditiert dadurch den— an sich— richtigen Gedanken in furchterregender Weise. DaS ganze Stück ist eben ein Oberlehrer- Drama, das ans dem fatalen Migverständni beruht, als genügten litrerarische Begeifternng und litttrarischc Bildung zun» Dichten. Den Autoren solcher Tranicn lau» nmn»'ergebet», denn sie»visici» nicht,»vaS sie tbn». Die ganze Schärfe des Bonviirs»»miß»»»an qegen das Schanjpielbo'iS richten, taS einen» naiven Menschen z»» einem Mißerfolg verhilft und seinen» Pn!>>il>m daS Leben vergällt.— lö. K. Akts dein Tierleben. — Ncbcr da? Tierleben in Acquatorial-Ostafrika hielt L. G. Schillings in Köln einen Portrag. Einem Bericht der.Köliiifchen Vokkszcitinig" cutneinnc»»vir folgendes: DaS Tierlebe»»st in Ostafrika zwar äußerst innnnigfaltig. aber nur in seltenen Fällen findet man. entgegen der gc- »vöhulichcu Vorstellung, größere Anhäufungen von Tieren. Be- lnmit ist, daß der dortige Elefant mit absoluter Sicherheit auf dem Aussterbe- Etat steht, und der Vcruichtuugskampf»vird auch»ich! aufhören, so lauge die Europäer noch 15 bis 20 M. Schußprämie für das Pfund Elfenbein bezahlen. Allein nach Sansibar gelaugte» 1898 75 000 Pfund Rbiuoceroöhöriier.»vooou vier Fünftel aus Dentfch-Osiafrika stamnnen. Von Flnsgifcrdc» mußten dorr in» selben Iahte 10 000 daS Leben lassen. Der Elefant kömue,»vie der indische, ganz'leicht ge.zähmt und zu Kulürrarbeiten verwendet werden; stationäre Elefanten giebt es aber in Deutsch-Ostäfrika schon gar nicht»nchr, sondern nur noch permanent gehetzte. In der trocknen Zeit lebt der Elefant in einer Höhe von 1800 bis 2400 Meter, weil dort dnrchgcheiids noch Regen fällt nnd er sein Futter findet: zur Regenzeit kommt er hinab in die Ebene. Wenn er eine mcilschliche Spur findet, so nimmt er den Grund mit dem Rüssel auf. beriecht ihn und verlegt seinen Standort da»»» nach einen» entfernten Orte. Der Elefant ist ein sehr guter Bergsteiger»md teilt diese Fähigkeit mit dem ziveihvriiigcn Rhinöcerös. DaS letzlere, von dem»nan sich nach den Exemplaren der zoolognchcn Gärten eine falsche Vorstellung»nacht, gehört zu den gewandtestei» nnd schiiellstei« Tieren, und mir einem Pferde von größter LeistmigSfähigleit gelingt eS, ihm aufzublcibxn. Zu den gefährlichsten Tieren gehören der männliche afrikanische Elefant und die Büsielkuh, Der Lvive ist, lvcnn gesättigt, ein feiges Geschöpf: auch der männliche Büffel»st, »venu er aufgcstört»vird, ein beachtenswerter Gegner, sonst aber ist er nicht gefährlich. Wo die Europäer sich niederlassen, da ver- schwindet das Wild: denn die Kultur kann schädliches Wild nicht dulben. In»ügrbeüeren Massen ist in Ostafrika»och daS Zebra vorhanden: cS Iäs;t sich leicht zähmen, ist aber zur Arbeit nicht zn gebrauchen, da eS bald eingeht.— «duinorntifcheL. — D a»l e r h a f t e W a r e. Herr(im Laden):.Haben Sie Schaukelpferde?" Fabrikant:.Iewii; doch, diese? kleinere hier kostet fünfzehn Mark nnd dct jroße dort fünfitndzlvanzig," Herr:.Ach. für»»einen Jungen genügt»vohl das kleine, der Bengel ist erst vier Iabre alt," Fabrikant:.Ick rate I- neu. nehmen Sc det jrößrre, det is vine d'nechaflcr jearbeitet. Da hat er»vat vor'S janze ,Le b e n I"— — G e f cki ä f t S st i l. Herrn Rndc's Mayer, hier. Iür geeheieS I ü n g st e S kreuzte sich»nit uieinein ergebene!» A l e» ch a l» r i g e»» I— (.Lttst. Bl.') Notizen. — Im Deutschen Theater kommt am Sonnabend da? viet'asiige Maslenipiel.König Harlekin" von l.udolf Lothar zur ersten Anffübrnng.— — Das Gastspiel der Berliner. S e c e s s i o II s b ü h II c" ani Jose» hsiädlcr Tllentc» in Wien»vird m» 2 Juli d. I. mit.Komödie der Lielw" von Il sen beginne». DaS G.astipiel» ird auch noch „Brand" von Ibsen, zlvee Stücke von Maeterlinck und eins vo» Knut Hams»» bringen.— — Drehe r s. Probekau didat" hat in Wien fast noch mehr Beifall gefimden als in B riin.— —.In» Wiener-.Liaimund-Tbeatcr" bat ein Zeitbild an? den Wiener Klrinl nrgerkrei'eii �Der Na'gcl im Herzen" von Plaiikenberg und Kivg-BeikaL gr/unde.!.— — Dc»n rnWcl ei> Dia'ter Jivan Turgenjew wird in semer Vaterstadt Orr! ei» Tenki. il enichiet werde».— — Ter seist'a'eeX-wn.e-rai-SOisilcireltor Her man n Levi ist am Sonntag in München gestorben.— »r. Di; zweite Kunstmtsjleüüiist der Berliner Seeessio« bat e e.ste» Berlä-ffe n veiz-ei.bucn. Außer andern Werke« a.vyrde g.tzt» eii.e Radieruiig»Zerircteu" vou Käthe Kolltvitz r erlaust.— — Ein ncncr Dürer in der Berliner Galerie. Ans einer Pariser Auktion vou Zeirbi nu. n nnd Geinälden er» stand die Direktion. deS Berliner Musen ms ein Bildnis lZeimmmg» von Al'b reckt D ü»er. das de» Nürnberger Senator Pirtheiiuxr darstellt, für 17 500 Fr.— c. Aus cmer Versteigeriiug in London brachte» zivci Porträ-s von Van D y ck aus der Peelscheu Faminciisaumüung iöüVvt) Mark.— — Pro ssor E r» st H ä ck e l in Jena tvill trotz seiner 00 Jahre nn nächst.)» Herbst eine Reise nach Ostindien»lnternehmc», um den Winter i Studicuzweckcu auf Java nnd CclebrS zu verbringen.— — T i' N a t u r f o r s ck e u V e G e s e t l i cb a f t zu D a u z i g bat eiueu' Preis von!0<>0 M. für die beste Origmalarbeit über die » o r d d e u t s ck c» D i l u v i a l g e s ch i e b e mit besonderer Be- rücksichtigung des in Weschreiißc» vorkommenden Materials auS- gesetzt: die Arbeite» sind bis zum 1. April 1902 au den Sekretär der genamiteu Gesellschaft einzuliesorn.—, — Im Londoner Zoologischen Garte n lebten am 81. Januar dr? letzten JabreS. 2753 Tiere, darmitcr 821 Säugcliere, 1071 Vögel, und 401 Reptilien und Ainphibieu. Nur 13 Tiere tvur» den ais volllommene Neuheiten der Samiirlmig hinziigcfügt.— — Die Gründung einer Fachschule für Seiler als Ab- tciknng der höheren Textilsrunle in So ran darf, nach einer Mitteilung der»Dlsch. Seilcr-Ztg." als gesichert angesehen werden,— Im Süden von D e n t s ch- O sta f ri ka find reiche Funde bon Granaten gemacht worden, die anFarbeurcinheit mid Größe die. bvhniischeit übertreffen sollen,— V-rainwerütaier•Jteoacteu:: Paul John in Berlin. Draa uno Serrag von Stax-Vaving in Bcrim.