Matt des Mittwoch, den 6, Juill. 1900 (Nachdruck verboten.) 47) aufctUcIjuitfl. Noiiiaii von Leo T o l st o j. „Nun sck'vn: ich Witt atteS versuchen," sagte sie und trat leicht in den weich federnden Wagen, dessen Lack an den Seitenwänden im Sonnenschein glänzte: dann spannte sie den Schirm auf. Der Lakai sehte sich auf den Bock und gab dein Rutscher das Zeiche», abzufahren. Der Wagen sehte sich in Be- weguilg, aber im selben Augenblick tippte"sie mit dein Schirm gegen den Rücken des Kutschers und die schlaiikfnszigen, hübschen, englisch gestutzten Stuten blieben stehen, zogen die hübschen, mit Stangenzäumen bespannten Köpfe an und traten mit den zarten Füße» abwechselnd hin und her. „Kommen Sie aber, bitte, ohne eigennützige Absichten," sagte sie und lächelte mit einem Lächeln, dessen Stärke sie Wohl kannte. Als wäre die Vorstellung nun beendet, ließ sie den Vorhang herab, senkte den Schleier über das Gesicht. „Nun vorwärts." Sic berührte wieder mit dem Schirm den Kutscher. Nachljndolv lüftete den Hut. Die Vottblut-Fuchsstuten aber schlugen schnaubend mit den Hufeisen daS Psiastcr und die Equipage rollte schnell dahin und hüpfte mit ihren neuen Federn nur hier und da bei Nnebenheiten dcS Weges. Sechzehntes.Kapitel. Als Nechljudolv an das Lächeln dachte, welche?, er mit Marietta gewechselt, schüttelte er über sich selbst den Kopf. „Man kann kaum einmal Umschau halten, so tvird man schon wieder in dieses Leben hineingezogen, dachte er und enipfaud Ziviespalt und Zweifel, die durch die Notwendigkeit hervorgerufen wurden, sich bei Leuten einschmeicheln zu müssen, vor denen er keine Achtung hatte. Nechljudow überlegte, wo- hin er zuerst und wohin er später fahren könnte, um nicht nach Hanse zurückzukehren, und begab sich zuerst in den Senat. Hier wurde er in die Kanzlei geführt, wo er eine riesige Menge übermäßig höflicher und sauberer Beamte»» in einem Prächtigen Raum erblickte. Die Bcamtell erklärten Nechljudoiv, die Bittschrift der MaSlowa sei eingelaufen und zur Durchsicht und zum Referat eben dem Senator Wolf überlviesci» worden, an den er eine» Brief vom Onkel hatte. „Die Scnatssitzung findet in dieser Woche statt und der Prozeß der MaSlowa lvird kaum in dieser Sitzung vor- kommen. Wenn man aber darum einkommt, so steht zu hoffen, daß der Prozeß am Mittwoch eingeschoben wird," sagte einer. Iii der Senatökanzlei hörte Nechljudow, während er auf Abfertigung wartete, wieder eine Unterhaltung über das Duell und eine eingehende Schilderung, wie der junge KamenSti getötet war. Hier erfuhr er zum erstenmal die Einzel- heiten dieser ganz Petersburg interessierenden Geschichte. Es ivar so zn gegangen, daß Offiziere in einem Austernkeller ge- gesscu und»vie immer viel getrunken hatten. Einer that dann eine absprechende Aeußening über das Regiment, in dem Kamenski stand; KamenSki nannte den Betreffenden einen Lügner. Der versetzte Kamenski einen Schlag. Andern Tags wurde der Streit ausgefochten. KamenSki erhielt eine 5iugel in den Bauch und starb zwei Stunden darauf. Posen und die Sekundanten wurden festgenommen und auf der Hanptwache eingesperrt, aber nach vierzehn Tagen freigelassen. Von der Senatskanzlei fuhr Nechljudow zur Kommission für Bittgesuche und zum Baron Worobjew, der großen Einfluß auf die Konimission besaß. Er hatte eine Prächtige Wohnung in einem Staatsgebäude inne. Der Portier und ein Lakai erklärten Nechljudoiv strenge, der Baron wäre an andern als den Empfangstagcn nicht zir sprechen. Ätcchljlidow übergab seinen Brief und fuhr zmit Senator Wolf. Wolf hatte soeben gefrühstückt; er war dabei, die Verdauung durch das Rauchen einer Cigarre und durch einen Spaziergang durch das Zimmer zu beförden». So empfing er Nechljtidoiv. Wladimir Wassiljcwitsch Wolf war wirklich ein Mann eorrnns il taut, und diese seine Eigenschaft stellte er höher als alle andren, sah voit der Höhe derselben auf alle andren Menschen herab und konnte gar nicht anders, als diese Eigenschaft hoch stellen, weil er dank ihr eine glänzende Carrierc gemacht, eben die, welche er gewünscht, das heißt, durch eine Heirat ein Vermögen erworben, das achtzchntansend Rubel Zinsen trug; durch eigene Arbeit aber hatte er den Posten eines Senators erreicht. Er hielt sich nicht nur für einen Mann commv il faut, sondern auch für einen ritterlich ehrenhaften Menschen. Unter Ehrenhaftigkeit verstand er die Eigenschaft, sich von Privatpersonen nicht heimlich bestechen zu lassen. Sich aber alle möglichen Sporteln, Tantiemen und Ncbeneinnahmcn zu verschaffen und dafür alles zn thun, ivaS immer die Regierung von ihm verlangte, hielt er nicht für unehrenhaft. Hunderte von unschuldigen Menschen wegen ihrer Liebe zum Volke und zur Religion ihrer Väter zu Grunde zu richten, ihre Einkerkerung und Ver- bannung zu veranlassen, wie er eS als Gonverneur in einem Polnischen Gouvernement gcthan— hielt er nicht für Unehren« Haft, sondern für eine edle. Patriotische Mannesthat. Er hielt nicht einnial für itnchrcnhaft, daß er seine in ihn ver- liebte Frau und seine Schwägerin ausgeplündert hatte. Im Gegenteil, er hielt daS für eine wohliveise Einrichtung seines Familienlebens. DaS Familienleben Wladimir WassiljeivitschS umfaßte feine selbstlose Frau, seine Schwägerin, deren Vermögen er ebenfalls in die Finger bekommen hatte, indem ihre Besitzung verkauft und das Geld auf seinen Namen eingetragen ivar, ilnd eine sanfte, schüchterne, wenig hübsche Tochter, die eine einsame schwere Existenz führte, und Zerstreuung erst in der letzten Zeit im Evangcliumglaubcn,— in den Versammlungen bei Aline mid bei der Gräfin Katerina Jivanoivna— ge- funden hatte. Der Sohn Wladimir WassiljeivitschS aber, ein gnfinütiger, schon mit fünfzehn Iahren bärtiger Bursche, der von jener Zeit an zu trinken und zn bummeln begann,»vas er bis zlnn zwanzigsten Jahre fortsetzte— ivar aus dem Hause gejagt, weil er nirgends eine Schule absolvierte, in schlechte Ge- scllschaft geriet, Schulden machte imd den Vater kompromittierte. Der Vater hatte eiuinal 230 Rubel. ein andres Mal 000 Rubel Schulden für seinen Sohn bezahlt,- ihm dann aber erklärt, das sei das letzte Mal; wenn er sich nicht besserte, würde er ihn ans dem Hause jagen»nid seine Beziehnnge» zu ihm einstellen. Der Sohn besserte sich nicht nur nicht, sondern machte noch tausend Rubel Schulden obendrein und nahm sich heraus, den» Vater zu sagen, es sei für ihn so wie so eine Qual, zn Hause zilleben. Da erklärte Wladimir Wassiljewitsch seinem Sohn, er könne sich fortscheren, wohin er»volle, er sei nicht mehr sein Sohn. Von der Zeit an that Wladimir Wassiljeivitsch. als»venu er keinen Sohn mehr hätte, und von den HauSangehörigen wagte niemand, vor ihm von dein Sohn zu sprechen, lind Wladimir Wassiljeivitsch ivar vollkommen überzeugt, daß er sein Familien- leben auf die beste Weise eingerichtet hätte. Wolf hielt mit einem fmindliche» und etwas spöttischen Lächeln— er hatte diese Manier an sich: sie ivar der univill- kürliche Ausdruck des Beivnßtseins seiner eomms il kaut Ucbcr- legenhcit über die Mehrzahl der Menschen— in seinem Spaziergang durch daS Zimmer inne, begrüßte Nechljudoiv und las sein Schreiben. „Bitte ergebenst, setze» Sie sich und entschuldigen Sie mich. Ich gehe ans und ab, wenn Sic gestatten." sagte er. steckte die Hände in seine Jackentaschen nnd schritt mit leichten, weichen Schritten in der Diagonale dnrch das große, stilgerechte Kabinett.—„Freut mich sehr. Ihre Bekanntschaft z« machen nnd dem Grafen Iwan Michailowitsch einen Gefallen criveisen zu können." sagte er, ließ den wohlriechenden, bläu- lichen Rauch ausströmen und nahm die Cigarre vorsichtig vom Mlinde, um die Asche nicht fallen zw lassen. „Ich möchte nur darum bitten, daß der Prozeß bald zwr Verhandlung kommt, da es ivünschensivert ist. daß die An- geklagte. Wenn sie nach Sibirien zieht, möglichst früh hin- gelangt, sagte Nechljudow. „Ja, ja, mit dem erste» Dampfer aus Nishni; ich iveiß." sagte Wolf mit seincin gönnerhaften Lächeln, das immer alles vorher wußte,»vas man ihn» erst z» sagen begam». „Wie ist der Name der Angeklagten?" „MaSlowa." Wolf trat zum Tisch und schaute in ein Papier, das auf einem?lktenbehälter lag. „So. so; Maslowa. Schön. Ich werde die Kollegen bitten. Wir nehmen den Prozeß anr Mittwoch vor." „Kann ich also meinem Anwalt telegraphieren?" „Sie haben einen Anwalt? Wozu das? Aber wenn Sie wollen, warum nicht." „Die Gründe zur Kassation können ungenügend sein." sagte Ncchljudow,„aber aus der Sache selbst, denke ich, geht hervor, daß die Anklage die Folge eines Mißverstand- nisses ist." »Ja, ja, das niag sein; aber der Senat kann den Prozeß nicht nach dm Wesen der Sache revidieren," sagte Wladimir Wassiljewitsch streng mit einem Blick auf die Asche.„Der Senat giebt nur auf die korrekte Anwendung des Gesetzes und seine Auslegung acht." »Hier scheint aber ein außergewöhnlicher Fall vorzu- liegen." „Kenne ich, kenne ich. Alle Fälle sind außergewöhnlich. Wir thun, was unsre Pflicht ist. Damit Punktum." Die Asche hielt sich immer noch, bekam aber schon einen Riß und war in Gefahr, abzufallen.„Sie sind wohl selten in Peters- bürg?" fragte Wolf und hielt die Cigarre so, daß die Asche nicht fiel. Sie kam dennoch ins Schwanken und Wolf trug sie vorsichtig zu einem Aschbecher, wo sie zusammenbrach. „Was ist das doch für ein schrecklicher Vorfall mit Kamenski," sagte er.„Ein so netter junger Mann. Einziger Sohn. Besonders die Lage der Mutter," sagte er und wieder- holte fast Wort für Wort alles das, was damals alle Welt in Petersburg über Kamenski erzählte. Nachdem Wladimir Wassiljewitsch noch über die Gräfin Jekaterina Jwanowna und ihre Hinwendung zur neuen religiösen Richtung gesprochen, die er nicht verurteilte und nicht verteidigte, die aber bei seiner comme il faat-ljcit augenscheinlich überflüssig für ihn war, klingelte er. Nechljudow verabschiedete sich. „Wenn es Ihnen genehm ist, kommen Sie zum Mittag- essen," sagte Wolf und reichte ihm die Hand,„eüva am Mittwoch. Ich werde Ihnen dann ausfiihrlich Antwort geben." Es war schon spät, und Nechljudow fuhr nach Hause, das heißt zu seiner Tante. Siebzehntes Kapitel. Zu Mittag gegessen wurde bei der Gräfin Katerinv Jwanowna um halb acht, und die Speisen wurden auf eine neue, Nechljudow noch unbekannte Art gereicht. Das Essen wurde auf den Tisch gesetzt, und die Diener gingen sofort wieder hinaus, da die Speisenden sich selbst die Gerichte nahnien. Die Herren ließen aber nicht zu, daß die Damen sich durch übermäßige Bewegung anstrengten, und nahmen als stärkeres Geschlecht die ganze Last auf sich, den Damen und sich selbst vorzulegen und einzuschänken. Wenn aber eine Schüssel leergegessen war, drückte die Gräfin auf den Knopf einer elektrischen Glocke am Tisch, und die Lakaien kamen schnell herein, räumten schnell auf, tauschten die Bestecke um und brachten den folgenden Gang. Das Essen war exquisit; ebenso die Weine. In der großen hellen Küche arbeitete ein französischer Koch mit zwei weißgekleideten Gehilfen. Man aß zu sechsen. Der Graf, die Gräfin, ihr Sohn: ein mürrischer Garde-Offizier, der die Ellbogen aus den Tisch stützte, Ncchljudow, eine französische Vorleserin und der vom Lande in die Stadt gekommene Hauptverwalter des Grafen. Die Unterhaltung drehte sich auch hier um das Duell: man äußerte seine Meinung, wie der Kaiser über den Fall dächte. Es war bekannt, daß der Kaiser viel Mitgefühl mit der Mutter hatte, und so hatten alle Mitgefühl mit ihr. Ebenso war aber bekannt, daß der Kaiser nicht strenge gegen den Mörder vorzugehen beabsichtigte, der die Ehre seiner Uniform verteidigt hatte, und so waren alle milde gegen den Offizier gestimmt, der die Ehre seiner Uniforni verteidigt hatte. Nur die Gräfin Katerina Jwanowna gab in ihrer freien, leichten Denkart einer Verurteilung des Mörders Ausdruck. „Sich betrinken und ordentliche junge Leute niederschießen — das entschuldige ich auf keinen Fall," sagte sie. „Das verstehe ich nicht," sagte der Graf. „Ich weiß, Du verstehst niemals, was ich sage," meinte die Gräfin und wandte sich an Nechljudow.„Alle Welt ver- steht mich— nur mein Mann nicht. Ich sagte: mir thut die Mutter Leid; ich will nicht, daß jemand tötet und noch dabei zufrieden ist." Jetzt trat der bis dahin schweigsam gebliebene Sohn für Posen ein, fiel über seine Mutter her und setzte ihr ziemlich grob auseinander, daß ein Offizier nicht anders handeln könne, da sonst das Ehrengericht ihn aus dem Regiment ausstoßen würde. Nechljudow hörte zu, ohne in die Unter- Haltung einzugreifen und verstand als früherer Offizier die Argumente des jungen Tscharski wohl, wenn er sie auch nicht billigte; gleichzeitig stellte er aber unwillkürlich mit dem Offizier, der einen andern getötet, den hübschen jungen Sträf- ling zusammen, den er im Kerker gesehen hatte und der wegen Totschlags im Streit zu Zwangsarbeit verurteilt worden war. Beide waren durch das Trinkeil zir Mördern geworden. Der Bauer hatte in augenblicklicher Erregung einen Menschen getötet, war von seiner Frau und seiner Familie getrennt, in Ketten gelegt und geschoren worden und ging jetzt zur Zwangsarbeit nach Sibinen. Der Offizier dagegen saß in einem feinen Zinmier auf der Hauptwache, aß ein gutes Mittagessen, trank gilteu Wein, las Bücher llnd würde in ein, zwei Tagen in Freiheit gesetzt werden, um so zu leben wie früher, nur mit dein Unterschiede, daß er durch die Afsaire interessant gelvorden war. lFortsetzniig folgt.) ÄVenn jentnnv eine Nrise khuk. Einige Winke für 9t e i s e» d e nach Paris. Als ich vor kurzem ans besonderem Anloß mit nnsreu» alten Freniid Liebknecht znsannncntraf, erzählte er mir, daß er bereits vielfach Anfragen von Parteigenossen und deren Angehörigen empfangen habe, die ivi Ileus wären, nach Paris zu reisen. Da ich von mir dieselbe Erfahrung zu berichten hatte, schlug mir Liebknecht als alter Reisepraktikn« vor. allen rciselnsternen Lesern uusres Blatts aus meiner Kenntnis der Verhältnisse heraus mit einigen praktischen Winken an die Hand zu gehen, was hiermit gern geschehen soll.— Mit den» Reisen in Ländern, deren Sprache niaii gar nicht versteht, ist es natiirlich ein eignes Ding: gewiß sind die Reisenden heute dank der Organisation des internationalen Verkehrs vor schweren Nachteilen im allgemeinen geschützt, aber ohne allerhand kleine Unbequemlichkeiten geht es ja doch natiirlich nicht ab. Es wäre natürlich lächerlich, wollte nian Lcnte, die mit Ach und Krach einninl die Mittel zn einem kurzen Ausflug nach Paris zusammengescharrt haben, ans ein voranfgchendes Studium der französischen Sprache vcriveisen; immerhin sollte aber doch jeder, dem es irgend möglich ist, sich eine leidliche Sicherheit im Gebranch der überall zu habenden kleinen Sprachführer aneignen. Ist auch das nicht möglich, dann heißt es eben, forsch auf alle Schwierigkeiten losgehen und sich so gut verständlich zu machen, wie es eben gebt. Wo die Not am größten, da ist ja bekanntlich innner die Hilfe am nächsten. Aber gleich hier die Regel: gegen hilfsbereite Lands- lente sei zivar nicht unhöflich abweisend, aber sehr zugeknöpft, besonders was den Geldbeutel anbetrifft I Sechs Dutzend SicherhcitS- nadeln sollte jeder mitnehmen, der eine größere Reise antritt: Mit einigen versckiließe er sorgfältig seine Taschen, mit andren nicht minder sorgfältig seinen Mund': nur Augen und Ohren nmß man in fremden Ländern gehörig weit aufsperre». Trotz der großen Hilssinittel, über die Paris verfügt, um den Pflichten der Gastfreundschaft gegen seine vielen Besuckcr gerecht zn werden, wird doch bei dem ungeheucren Zusammenfluß der Fremden das Leben in dieser Stadt während des Sommers ein schwer zu lösendes Problem sein; man weiß noch nicht, wie eigentlich de» ungeheuer gesteigerten Ansprüchen an die Transportmittel, die Woh- nnngen, die Nahrungsmittel und auch die Vergnügungen Rechnung ge- tragen werden soll. DerErfolg der bisherigen Pariser Weltausstellungen hängt nicht zuni wenigsten von dem Umstände ab, daß auch Leute mit schnialem Geldbeutel die Reise und den Bestich wagen durften, weil sie sicher waren, in der Riesenstadt ihren Mitteln einsprechende Unterkunft und Nahrung zu finden. Das dürfte auch jetzt noch der Fall sein: Paris ist keine Räuberhöhle, und man kann da bei mäßigen Ansprüchen recht wohlfeil leben; teuer sind eigentlich nnr die Zimmer, und da kann man auch gar keinen Rat geben, weil sie mit ivachsender Nachfrage sehr stark im Preise steigen. Das an» scheinend so einfache und einleuchtende Mittel, möglichst weit von der Ausstellung entfernt Wohnung zu nehmen, hat auch wieder seinen Haken, denn einmal sind auch in den entfernteren Quartieren die Zimincrpreise durch die in der Nähe der Ausstellung ausgemieteten Pariser teuer gemacht worden, und zweitens muß man bei weiten Entfernungen wieder gar zu viel Geld für Transportmittel aus» geben— und verliert seine Zeit noch überdies. Zeit aber ist das kostbarste, worüber man überhaupt in Paris verfügen kann. Die ins Unendliche wachsenden Reisen von einem Punkte der Stadt zum andern nehmen dem Besucher täglich viele Stunden weg und ermüden ihn außerordentlich; deshalb soll man stets mit Hilfe eines Plans eine genaue Tages- einteiliing machen, um unnötige Wege zn sparen. Ueber die Ver» kehrsmittel, die eine Schande für Paris sind, will ich mich hier nicht lange aufregen,— das besorgt schon jeder, der hierher kommt, auf eigne Faust gründlich. Da man aber nun mal nicht ohne Omnibus und Pferdcbnb» fertig werden fnuit, so suche man sich ans dem Stadtplan die richtigen Linien immer sorgfältig heraus, oder er- kundige sich und vergesse nicht, dag man sich in den Bureaus der Omnivusgesellschaft, die sich bei jeder Haltestelle vorfinden, eine Platzkarte holen muß: erst wenn die betreffende Nummer aufgerufen wird, hat man das Nccht, den Wagen zu besteigen. Unten im Wagen oder auf den Perrons kostet die Fahrt dnrchgeheuds 30 Cts., also drei große Kupferstücke, oben auf dem Verdeck IS Cts., also drei kleine Kupferstnckc(sous). Umsteigebillets sind oben und unten für 30 Cts. zu haben. Droschken kosten(zwei Personen) pro Tour am Tage 1,S0 Fr., nachts(von 12'/z— 6 Uhr) 2,25 Fr. pro Stunde beträgt der Preis 2 Fr. bezw. 2,50 Fr. Man giebt den geplagten Kutschen» in der Regel ein Trinkgeld von 25 Cts. Ztveckinäszig giebt man zur Vermeidung von Irrtümern den Kutschern die Adressen immer schriftlich. Was nun die Nahrung anlangt, so finden Reisende mit bc- schcidcnen Ansprüchen überall in Paris, auch während der Ansstellnngs- zeit, volkstümliche Restaurants sEtablisseinsiUs de bouillon und MaicLands de vin traiteurs), i» denen man schon für 1—1,25 Fr. ganz gut essen kann. Die Franzose» pflegen im allgemeinen nur ziveimal am Tage zu speisen, zivischen 11 und 1 Uhr mittags nehmen sie das sogenannte Dejeuner ein und zivischen 6 und 8 Uhr abends das Diner.' Diesen» Gebrauch paßt sich der Fremde am besten an, denn sonst bekonnnt er thatjächlich für mehr Geld Schlechteres. Man gehe also in solche Wirtschaften, in denen der Preis der Mahlzeiten nebst Wein fest angegeben ist; dort ist»»an keinerlei Uebcrraschnngcn ausgesetzt und führt meist gut dabei. Mit dem leidigen TrinkgeldiiMvescn mug mm» natürlich auch in Frankreich rechnen: Man»nag darüber dcnlcn»vie ma»»»vill, jedenfalls steht das fest, dast die nnfioarleiiden Proletarier darauf angcivieseu sind; in der Regel giebt»nair bei Beträgen unter 1 Fr. 10 Cts. und bei höheren Beträgen 20 Cts. Run zur Ausstellung. Eintrittskarten»»ist man sich vor den Eingängen bei fliegenden Händlern kaufen; sie kanten auf 1 Fr., tosten aber mir 60—70 Cts. Wie das zusammenhängt, davon plaudern wir vielleicht ein andermal. Wichtig ist zn»vissen, da» man von 8—10 Uhr morgens und von 6 Uhr abends ab zivei Eintrittskarten braucht;»vcnn»»»an sparen»vill, gehe man also z'w i s ch e n 10 und 0 Uhr hinein— natürlich kann man sich dann die Herrlichkeit besehen, so lange Licht und Lust anhalte». Damit hätten»vir»vohl das»vichtigste berührt. Aber auf einiges sei noch aufnicrkfam gemacht: Man scheue sich niemals zn fragen und immer wieder zu fragen, geduldige Leute erhalten stets Aus- kunft. Das Geld, das»na» niitgenoninien hat, verwahre man sorgsam, aber»jemals alles an einer Stelle, sonder» nur etivas im Portemonnaie und das andre in der durch Sicherheitsnadeln gc- schützten inneren Brnsttasche. Bei den Zoll- und Mautstationen versuche man niemals zn mogeln; man kann sich dadurch— abgesehen von der ethischen Seite der Sache— den grv»ten Unannehmlichkeiten und sehr erheblichen Geldbußen aussetzen. Bor allen» aber verschaffe man sich vor Antritt der Reise ein gültiges Lcgitiniationspapier, d. h. einen Pa» oder ivcnigstcns eine Pasflarte. Ohne Papiere ist nun einmal heutzutage der Mensch überhaupt gar lein Mensch, sondern höchstens ei» Jndividunin, und zivar ein ver- dächtiges. Wenn man das Bedürfnis iii sich fühlt, gegen de» burcau- kratische» Zopf und Zivang zu protestieren, so thue man das zu Hause, aus Reisen zahlt es sich nicht recht ans. Die dentschsprcchciidcn Parteigenossen in Paris verkehren Sounabendabeuds in der Brasserie des trois Suisses(Wirtschaft zn den drei Schtveizeru); dort werden deutsche Socialdemokratcn stets freundlichen Rat und gute Auskunft erhalten. Das Haus liegt: Rue Notre Dame de Nazareth 82, nicht weit von den sogenaniiten grotzcn Boulevards, bei der Porte St. Martin. Wer in der klassischen Litteratur bewandert ist. kennt eine Stelle, die lautet:.Mein Sohn, thue Geld in Deinen Beutel"-- den Rat darf»»an z» gutcrletzt den AiiSstellungsfahrcrn auch»och geben. Aber die Hauptsache zum genuhreiche» Reisen ist doch ein fröhlicher Sinn und ein frischer Mut' Wer ,»iit ihnen in die Welt hinausgeht, der kann, glücklich heimgekehrt,»virklich„was erzählen".— S. Kleines Lenillekon. — Die letzte Soiinrnfinsternis, ihr Kommen»nid Gehen, schildert ei» Mitarbeiter der„Kölnische» Zeitung", der sich nin 28. Mai in Argamasilla de Alba(Spanien), befand, Ivo die Finsternis eine totale war, folgendennaffen: „... Dann kam der grosse Augenblick, wo die Verfinsterung begann. Zuerst merkte das nubetvasfucte Auge nichts Ungewöhn- lichcS. Nur vcrniittels farbiger Gläser sah man, wie sich die Soinienscheibe allmählich verkleinerte. Auch das Thermometer fiel langsan». Aber die Helligkeit war ungefähr dieselbe wie zuvor. Dann aber, als der Mond etwa die Hälfte des Tagesgestirns ver- deckt hatte, änderte sich auf einmal die Scenerie. Die Sonne verlor ihren Glanz, und gleichzeitig begann das sonst so bewegte Leben der Natur zu stocken. Man sah, wie die Singvögel und Schivalben ängstlich flatternd ihre Nester aufsuchten, die Tmiben ihren Schlag und die Hühner den Stall, wie Hunde und Katzen sich verkrochen. Die Schafe blökten kläglich, während unsre Wagcnpferde unruhig wurden und gehalten werden mnßten. Nur eine Heerde Esel, die bekanntlich zu den klügsten Tieren gehören, graste auf einem benach- barten Acker ruh ig ivciter. Es wurde mittlertvcile immer dunkler und die Sonnensrchel i»»n»er kleiner. Ein kalter Luftzug erhob sich, und ein fahler Schein hüllte nach und nach die Landschaft ein. Die Gesichter der llmstcheuden nahmen eine bleiche Farbe an. als ob sie gerade dem Grab entstiegen wären. Selbst die Allerkühlsten, die in den» vollen Bewnfftscin hierhergekommen waren, einem nach festen, unabänderlichen Gesetzen sich regelnden Vorgang beizutvohnen, konnten sich einer gewissen Belvcgnng nicht entziehen, und manch einem mag der Gedanke durch den Kopf gegangen fein:»vas»vürde ans der Erde»md ihren Bewohner» werden, wenn das Sonnenlicht nicht mehr wiederkehren würde. Gespannt betrachtete ich den bis zu einen» feinen Streifen zusaminengeschrnmpften Soinicnrand, um de»» Moment nicht zu verpassen, Ivo sich die berühmten„Perlen" zeige»» »»utzteii, angeblich durch die letzten Sonnenstrahlen, die sich i!och durch die Thäler der Mondobcrfläche zu uns hiuabstehle», hervor- gerufen. Die merkwürdige Erscheinung schien mir, allerdings nur für den Bruchteil einer Sekunde, wahrnehmbar. Während dessen huschten seltsame wellenförmige Schatten, deren Ursprung noch nicht ergründet, über die Erde hin. Gleich darauf, mit einen» Schlage. befanden wir uns in der Totalität der Verfinsterung. Der Anblick des Firmaments war unbeschreiblich großartig. Rings um die rabenschwarze Mondscheibe züngelten glänzende feurige Wolke», die Protuberanze». während sich»veiterhin die hellen Strahlen der Korona»vie ei»»viinderbarer silberner Heiligenschein in das Acthernieer ergossen. Zahlreiche Sterne tauchten auf. dar- unter Venns und Merkur, Aldebaran und SirinS; ringsum zeigte der Horizont ein gelblichcs-Zwiclicht. Tiefes Schweigen herrschte; alle waren von dem grandiosen Schauspiel ergriffen und standen regungslos. DaiinKbeganncn sich wieder die phantastischen, vagen Halbschatten über den Boden zn schlängeln, und dann— dann schoß plötzlich wieder der erste blendende goldene Soiineiistrahl zur Erde hctuuter, Ivo er mit lautem Jubelgcschrei begrüßt wurde. Die Hähne auf den Gehöften fingen an zu krähen, und cS schien, als ob für die Erde ein neuer Tag anbräche."— — Tic Rauchsäule dcS Manna Loa anf Hawaii hat ge- lcgentlich des jüngsten Ausbruchs dieses Vulkans eine merkwürdige Erscheinung dargeboten. Nach dem Bericht voi» Lyons stieg dieser Rmich bis zu einer Höhe von etwa 10000 Meter ziemlich senkrecht empor. In jener Höhe geriet er aber in den oberen, aus Südwest wehenden Passat, wurde zn einer flachen Schicht nnseiiiander ge- wickelt und fortgeführt. Dabei senkten sich die Ascheteilchen, aus denen die ungeheure Rnnchmasse bestand, allmählich herab und kamen in einer Enlfernnng von V00 bis 1000 Kilometer Nordost- »värtS von Hawaii»vicder nahe auf den Meeresspiegel herab. Dort geriet die Ranchmasse in den unteren oder Nordost-Pnssat und wurde von diesem»ach den Hawaii-Jnseln zurück- getragen, so daß diese 14 Tage nach dem Ausbruch des Vulkans aber- malS in Ranch gehüllt waren, nachdem letzterer einen Weg von fast 2000 Kilometer zmückgelegt hatte. Dies ist übrigens»icht das einzige bekannte Beispiel, daß vulkanische Raiichinassen in das Gebiet des obere» Passats geschlendert worden sind. Dem» 1835 fiel nach einem furchtbare» Ausbruch dcS Cofegrina in Centralamerika ein Aschenregen bei Kingston anf Jainaica nieder, und 1815 erreichte die vom Tomboro auf Sumatra ausgeworfene Asche das 1900 Kilometer östlicher gelegene Amboina, trotz des unten herrschenden Südostwinds. Dagegen steht das vom Mauna Loa dargebotene Schauspiel, daß die vulkaiiischeii Rnuchinassen vom oberen Passat 1000 Kilometer weit fortgetragen, vom unteren Passat aber wieder nahe zu ihre»»» Ans- gaugspunkt zurückgebracht wurden, einzig da.— Völkerkunde. cd. HochzcitS-Katzcnniusik. Der Ursprung der„Katzenmusik� geht auf einen Gebranch zurück, der bei der Eingehung von Ehen mit Vorliebe ausgeübt wurde. Diese weit verbreitete uralte Sitte wurde in den französischen Diöcefanstatnten und Synodalbeschlüffen des 14. und 15. Jahrhunderts als„Chnrivari" bezeichnet und ver- boten. Vor der Wohnung des jungen PaarcS oder auch während der Traunug in der ktirche selbst fanden Ansammlungen von ge- wöhnlich Vermummten statt, die die jungen Eheleute mit Spott und Schimpf angriffen. Ganz besonders fanden diese mit dein Tosen lärmender Geräte verbiindeiien Insultationen bei der Hochzeit vo>r Witwen statt. Die Kirche schritt gegen den Unfug streng ein, aber ohne Erfolg. Schließlich wurden anf einer Synode von Rarbonne im Jahre 1609 Geldstrafen und Exkommiinikation über die Teilnehmer an dem Charivari verhängt. Auch in Spanien, Italien, Flandern und England laßt sich die Sitte nachweisen. Ucber ihre Verbreitung in D e»'» t s ch l a n d, für die sich noch heute Bei- spiele finden lassen, macht Karl Wcinhold in der soeben erschienenen „Zeitschrift für Volkskunde" interessante Mitteillingen. Auch in Deutschland war es eine uralte Sitte, daß vermunnnte Personen, die ursprünglich wohl als Vertreter der Hnusgeistcr gedacht waren. bei der Hochzeit erschienen. Der Lärm, der mit schallenden Geräten, Glocken, Schüsseln, Töpfen, die auch zerschlagen wurden, gemacht wurde, sollte ursprünglich die bösen Geister erschrecken und verjagen. Das beschränkte sich nicht auf die Wiederverhciratnng von Witwen, gegen die im Volk eine Abneigung bestand, sondern fand bei Eheschließungen überhaupt statt. Diese Bräuche arteten sehr oft in schlimme Formen ans. In Westfalen versammelt sich noch heute am Abend der Verlobung, oder wenn die Verlobten zum erstemnale von der Kanzel verkündet werden, das nuverheiratete junge Boll und macht vor den Häusern der Brautleute mit Peitschen, Blcchkannen, Topfbcckcln einen Hölseniänn: mich Schlisse faffcit. Die Verlobten iniisscn die nnlicbscnnen Gäste mit Brmnitivein bewirten. In thüringischen Orten ist das Zerbrechen von irdenem Zeug unter Lärm und Lachen ganz allgemein, oft mich mit Peitschenknallen und Schieben verbunden. Im westlichen Teil des obcrvstrcichischen Hnnsrnckkreises ist am Tage nach der Hochzeit ein dein Charivari sehr ähnlicher Brauch verbreitet. Ein Zug von verkleideten Knabe», Burschen und Männern in Weibcrkleidcrn, in dem sich auch die beiden letztjiingsten Ehemänner, die schon Väter sind, befinden, zieht, von einem Hauptmann geführt, zum Hanse des neuen Paares, bespritzt es oder bewirft es mit Schnee, während die Angegriffenen sich in gleicher Weise verteidigen, dann werfen die als Weiber verkleideten Männer aus ihren Tragkörben Topfe lind Schüffrln gegen daS HauS; andre Vermnmmnngen lrcten anf und fchlieblicb wird daS HnnS ge- stürmt. Die beiden jüngsten Ehemänner tragen ein Gebäck in Form einer Wiege mit 5iind in die Stnbe und Beivirüing. Gesang n»d Tanz bilde» den Schluff. Ein Rest des alten HochzeitS-Chnrivari ist auch daS lärmende Abendstiindchcn, das man im Wippthale in Tirol heute noch den Neuvermählten nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise darbringt. In der ersten Nacht nach der Rückkehr ziehen die Burschen des Dorfs mit Lärininstruinenten ausgerüstet vor daS HnnS und singen daS Lied:»DaS faule Weib", das im Volk überhaupt viel gesungen wird. Nach je zwei Strophen fällt ohrenbetäubend die Katzenmusik ein. Das Thema dieses LiedeS: ein Mann ersehnt die Erlösung von seinem alten Weib, aber hat nachher von dem zweiten, jungen viel Schwereres zu leiden, ist in volkstümlichen Liedern beliebt. Trotzdem der Inhalt des Liedes eher geeignet ist, als Ausdruck der Verachtung»nid des Volksunwillcns zu gelten, würde jedes neu vermählte Paar eS als bittere Kränkung und Zurücksetzung empfinden, weim diese zarte Aufmerksamkeit unterbliebe. Auch sonst finden sich in Tirol, Ivo die Ehen mit Vorliebe in der Faschingszeit geschloffen werde», ähnliche Hochzeitsbränche.— Meteorologisches. — Die periodische Wiederkehr von Hochfluten Nässen»ind D»i r r e n behandelt Stephan Zach in» Prograu»»» des deutschen StaatSghinnasiums in BudweiS(1899). Dieser Arbeit »st zu entnehmen, dafj die Wiederkehr der Hochfluten in Mittel- Europa an die Periode» im Durchschnitt von 229, 119 und 53 Jahren geknüpft ist wie der Sonnenflcckeuwcchsck, die Rordlichterscheinungen und die Acndcningen des Erdmagnetismus. In gleicher Weife be- folgen die Pegelstände an den grötzcrcn Flüsse» Mitteleuropas einen parallelen Gang»»it den Sonnenflecken, und ihre Rkaxinia fallen mit den Maxiiiiis der Souucnflccken znsannnci», oder unmittelbar wie die Nordlichtmaxima nach diesen. Die Hochfluten treffen in der Regel nach dem Maximum der Sonncuflccke ein. Die Hochwasser rühren von denselben Ursachen her, welche die Sonnenflecken und Nordlichter erzeugen, sind also»vcscntlich kosmischen ltrsprilngs, d. h. aufzerirdische» Ursprungs und wahrscheinlich Wirkungen der periodisch»vechseludcn Plaucteükonstellation. Die Planeten- stcllnngcn von Jupiter und Saturn scheinen eine»» wesentliche»» Einflufi auf die an der flüssigen Sonnenhülle beobachteten Stönnigen, welche die Sonnenflecken im Gefolge haben, nach Art uusrer Ebbe und Flut auszuüben: danach dürften wir auch einen Zusanuneuhaug mit den Wasserphänoinenen al>f unsrer Erde verniulen, Ivorin wir durch den Umstand bestärkt»Verden, das; nicht nur ganze Serien von Sonnenflecken und Nordlichterscheinungen, sondern auch von Hochfluten den Quadraturen des Jupiter und Saturn entsprechen,»vofiir Verfasser eine Reihe von Beispielen anführt. Die VorauSbestimuiuug der Hochfluten erster 5klasse, welche bei Beginn der 229jährigen Periode regelniäfiig eintreten, ist mit gröfierer Sicherheit möglich als die Wetterprognose, für die übrigen Hochfluten zweiter und dritter Klaffe immerhin»»och mit derselben Wahrscheinlichkeit wie die Wettervoraussage. So konnte Reiz in Mainz bereits 1889 ui»sre»äffe Zeit in ihrem ganzen Verlauf bestiinnien. Doch läszt sich die Dauer dieser Nässeperiode nur auf 14 Jahre vor»nid 14 Jahre nach dem theoretischen Maxim»»»» angeben. Genauere Angaben ergeben sich erst ans sichere» Theorien über die Art des ZusannnenhnngS der Hochflute»» und Sonnenflecken.—(»Globus".) Technisches. — Eine g r o s; e unterseeische Sprengung lvurde neuerdings in der Bucht von San Francisco vorgr>io»n,»en. Es befand sich dort der„Shag'-Felseu, der jedem in diesen Gcivässcrn bctvandertc» Schiffer bekannt war. Dieser lag nach einer Mit- teilmig des Patcntbureaus von Pataky(Berlin) ungefähr 2 Kilo- »nctcr nordlvestlich von der„Alcatraz"-Juscl direkt in» Fahrwasser der oberen Bucht. Der Felsen war bei Hochflut beinahe über- schtvemint und kaum sichtbar, während er bei niedrigster Ebbe eine Bank von ungefähr 69 Meter im Durchmesser erblicken licfi. Die so gebildete Felsenbank, verbunden mit den starken Flulströnnnigen in diesen» Teile der Bucht, machte den Felsen zu einer Gefahr, die jeder Schiffer bemüht »var zu vermeiden. Obwohl die Regierung der Ver- einigten Staaten schon lange gedrängt»vorden Ivar, diesen Felsen zu cntferucn,»vnrde doch erst vor etivas über eiueu» Jahr eine systc- niatische und genaue Peilung desselben vorgenommen, infolge derein Kontrakt behufs seiner Entferining innerhalb ztveier Jahre zu einem Kostenpreis von 232 999 Dollar geschloffen wurde. Die Spreu- g»ng ivnrdc tvie folgt belvcrkstelligt: Ein Flog im Durchinesicr von 69 Meter, das sich um einen kolossale» Mast drehte, lvurde an die Stelle gebracht. Von dieser Plattform Ivnrdc» hierauf nnter Zuhilfe- nähme der ans einer Barke befindlichen Dampfkrnst innerhalb eines Monats ungefähr 39 Locher in den Felsen gebohrt, deren jedes einen Durchmesser von 29 Eentimetcr hatte und die sich bis zu einer Tiefe von 11 Meter unter den Wasserspiegel der niedrigst«» Ebbe er- streckten. Diese Löcher wurden mit Gelatine- Dhnainit gefüllt und mit einer elektrischen Batterie verbunden. Nahezu ztvei Tonnen Sprengstoff Ivnrden zur Füllung der Löcher verwendet. Im gc- gebencn Moment»vnrde die Bucht im Umkreise von etwa zwei Kilometer freigemacht und die Sprengladung durch elektrische Kabel mit einer Batterie verbunden, die sich an Bord eines Bootes befand, das in einer Entfernung von cttva 2999 Meter verankert»var. Durch Druck anf einen Knopf wurde sodann der elektrische Strom geschlossen und die gewaltige Masse des Sprengstoffes entzündet. Die Sprengung bot ein wunderbares Schauspiel dar. ES wurde kaum ein To» gehört»ind wenig Erschütterung »vahrgcnoinmcn. aber eS erhob sich ans dem Grunde der See eine mächtige Wassersäule, die bis zu einer Höhe von mehreren hundert Meter stieg und aus der in verschiedenen Höhen Ab- ziveigungen stattfanden. Es schien nnr eine Explosion stattzufindei». und alles war in wenigen Sekunden vorüber. Das Waffe r wurde bald wieder ruhig und die Anzeichen der Sprengung verschwanden schnell, nur das zerrissene Wrack der Plattfonn und einige tote Fische, die an der Oberfläche des WafierS schwaminen, gaben Zeugnis von dem mächtigen Ausbruch. Peilungen ergaben, dafi der Ztveck der Arbeit vollständig erreicht war, indem inmmcbr der höchste Punkt des Grunds 18 Fufi nnter niedrigstem Wasser lag. Die Hauptmasse» des Felsens scheinen in tiefe« Wasser geschlendert zu sein; kleine übriggebliebene Reste können durch Baggern leicht cnt- fernt werden.— Humoristisches. — Die junge HauS fr au. Jnnge Frau(mit dem Malen eines Bildes»Brennende Scheune" beschäftigt):»Ist das nicht natnrivahr? Man glaubt ordcnllich da? brennende Stroh zu riechen!" M a n n(trocken):»Bewahre, das ist unscr Mittagessen, welches in der Küche anbrennt!"—(»Lust. Bll") — K e n n z e i ch c>». A.:»Die Gans ist gut»ind frisch, die Dn da gekauft hast!" V.:»Woran erkennt»»an da??" A.:»Einfach daran, ob die Händlerin grob oder höflich tvar. Bei Dir ivar sie b o h n e n st r o h g r o b— erFo ist die GauS g n t l"— Notizen. — I in Verlage deSBibliographischen Instituts in Leipzig erscheint demnächst eine neue Ausgabe von W i e l a n d s Werken in 4 Bänden.— — Eine Gesamtausgabe von Friedrich Nietzsches Briefen, die»»ehrcre Bände»nnfaffen soll, beginnt im Herbst d. I. in» Verlag von Schuster u Loeffler zu erscheinen.— — Für die L a m e y- P r e i s- S t i f t u n g stellt die Universität Slrahburg folgende Ausgabe:„Die anakreontischc Poesie de? acht- zehnten Jahrhunderts in Deutschland in ihrem Verhältnis zur französischen Gcsellschaftspocsie." Der Preis beträgt 2499 M. Die Arbeite» müssen vor dem l. Januar 1991 eingeliefert sei». Die Ver- teiluug erfolgt am 1. Mai 1901.— — I m Wiener Bnrgtheater sollen künftig alle A n- s ä» g e r. die auf Eiigagemciit reflektiereii, vor den» Regiekollegium Probe spielen. Bei günstigem Erfolge treten sie in den Genuß einer Sllsteutationsgage imd»verde» zur weiteren Ausbildung an Provinzbilhiic» entsendet. Das Bnrgtheater will sich dmih diese Reii-Eimichlimg. für die 0999Kroi!cii in Anschlag gebracht sind, eine»» talentvollen NnchivnchS sichen».— — Max Klinge r hat seine»strenzigmig", die sie in Hannover nicht haben»ooNtcn, zurückgekauft.— — E i n G o e t h e- D e i» k n» n l»vird in Düffeldorf errichtet werden; eine Schenkung von 15 999 Marl soll den Grundstock bilden.— — Die München er K ü» st l e r g e n o s s e n s ch oft hat am 1. Jnni ihre I n h r c s a n s st c l l n n g in» GlaSpalnst eröffnet. Zur Ausstellung- gelangt sind nahezu 2999 Objekte, darunter 1132 Oel- und Tcmperageinäldc.— — Z»iv In»»»» n t vi t»tlo t i on bei der U n i v e r s i t ä t Jena sind laut Bekanntinachnng de? weimarischei» Staats- niinistcrinniS solch« Volksschnllehrcr fortan zugelassen, die..in der EntlassmigS- nnd AnpellnngSprüfiing die erste Censur erhalten haben.— — Eine K o p e>» b a g e n e r A k a d e m i k e r f a h r t nach Island»vird für de»» diesjährigen Hochsommer vorbereitet. Dlirch diese Reise soll der geistige Znsamnienbang zwischen Däneinark nnd Island Iviedcr gestärkt werden. Pribatsaininlungen sind in» Gange. »in» anch iveniger bemittelten Studenten die Teilnahme an der Tour zn ermöglichen.— — Die erste technische Hochschule in Norwegen wird demnächst iit D r o»» t h e i m errichtet werden.— — Ameise n vertreibt man an» besten ans M i st b e e t k a st e n durch Ausstreuen von Kampfer.—_ Bercnirivonliivcr Reoacieur: Paul John tu Berlin. Dnut uno Venaz von Ptax Ladt»« in Benin.