Mnterhaltuttgsblatt des Worwärts Nr. 113. Donnerstag, den 14. Juni. � 1300 iNnchdruck verboten.) es] Nnfevflelzttttg. Roman von Leo T o l st o j. Nechlsndow beqrü�te die Danicn und sehte sich zu ihnen. Er wollte gerade Dcarietta wegen ihres Leichtsinns Vorwürfe machen, als sie, seinen ernsten und ganz wenig unzufriedenen Gesichtsausdruck wahrnehmend, sofort, um ihm zu gefallen— gefallen wollte sie ihm von dem Augenblick an, wo sie ihn sah—, nicht nur ihren Gesichtsansdriick, sondern ihre ganze Gemütsverfassung veränderte. Sie wurde Plötzlich »!> s, unzllfricden mit ihrem Leben— sie suchte, strebte nach etvas und that nicht etwa so, sondern machte sich wirklich die Gemütsverfassung zu eigen— wenn sie auch durch Worte durchaus nicht ausdrücken konnte, worin diese bestand—, in der Ncchljudow sich in diesem Augenblick befand. Sie fragte ihn, wie er seine Angelegenheiten zu Ende gebracht hätte. Er erzählte von seinem Mißerfolg im Senat und seinem Zusammcntreflcn mit Seljonin. „Ach, diese reine Seele! Der wahre Ritter ohne Furcht und Tadel. Die reine Seele!" gaben beide Danre» Seljonin . das Epitheton, unter dem er in der Gesellschaft bekannt war. „Was ist mit seiner Frau?" fragte Nechljndow. „Die? Nun, ich will sie nicht verurteilen. Aber sie versteht ihn nicht. War denn wirklich auch er für Ablehnung fragte sie mit aufrichtigem Mitgefühl.„Das ist schrecklich. Wie thut sie mir leid!" fügte sie mit einem Seufzer hinzu. Er machte ein finstres Gesicht und begann, im Wunsche, das Gespräch zu ändern, von der Schustowa zu reden, die in der Festung gefangen gehalten und auf ihr Betreiben frei- gelassen worden lvüre. Er dankte ihr in Gegenwart ihres Manns für ihre Bemühungen und wollte darüber reden, wie schrecklich der Gedanke sei, daß dieses Mädchen und ihre ganze Familie nur deshalb schwer gelitten hätten, weil niemand an sie dachte; aber sie ließ ihn nicht zu Ende kommen und gab selbst ihrer Unzufriedenheit Ausdruck. „Sprechen Sie mir nicht darüber," sagte sie. Als mein Gatte mir erzählte, daß sie freigelassen werden könnte, da war ich einfach kmisterniert! Warum hat man sie denn im Gefängnis festgehalten, wenn sie unschuldig ist?" Sic wandte gerade den Ausdruck an, den Nechljndow gebrauchen wollte. „Das ist empörend, empörend!" Die Gräfin Jekatenna Jwanowna sah, daß Marictta mit ihrem Neffen herumkokettierte, und das machte ihr Ver- guügeu. „Weißt Du was?" sagte sie, als jene schwiegen.„Komm morgen abend zu Alme. Kiesewetter ist bei ihr. Und Du komm auch." wandte sie sich an Marietta. „Er hat Dich wohl bemerkt," sagte sie auf französisch zu - ihrem Neffen.„Er meinte mir gegenüber, daß alles, was Du sagtest— ich habe es ihm erzählt—, ein gutes Anzeichen wäre, und daß Du sicher zu Christus kommen würdest. Geh' auf jeden Fall hin. Sag' es ihm, daß er kommt, Manetta. Uud komme selbst auch." „Ersrens, Gräfin, habe ich keinerlei Recht, dem Fürsten etwas zu sagen," begann Marictta mit einem Blick aus Neckstjudoiv uud stellte durch diesen Blick gcwisscrinaßen vollständige Nebereinstimnnmg zwischen ihm und ssich in Bezug auf die Worte der Gräfin und überhaupt aus den Evangeliumglaubcu fest,„uud zlveiteus liebe ich eS nicht, wie Du weißt..." „Ja. Du machst doch immer alleS umgekehrt, nach Deinem eignen Slops." „Wieso nach meinem Kopf? Ich habe einen Glanben wie die allereiufachste Frau," sagte sie lächelnd.„Und drittens," fuhr sie fort,„fahre ich morgen ins französische Theater..." „Ach! Hast Du die... nun, wie heißt sie noch— ge- sehen?" sagte die Gräfin Jekaterina Jwanowna. Marietta ergänzte den Namen der bemhmten französischen Schauspielerin. „Fahr auf alle Fälle hin; sie ist wunderbar. „Wen soll ich denn zuerst sehen, liebe Tante, die Schau- spiclerin oder den Prediger?" fragte Ncchljudow lächelnd. „Bitte, mach mich nicht mit meinen eignen Worten lächerlich." „Ich denke, zuerst den Prediger und dann die französische Schauspielerin, damit ich nicht jeden Geschmack an der Predigt verliere," sagte Nechljudow. „Nein, Sie beginnen besser mit dem französischen Theater und thnn dann hinterher Buße," sagte Marietta. „Wagt es nicht. Euch über mich lustig zu machen. Ein Prediger bleibt immer ein Prediger, und das Theater— Theater. Um seine Seele zu retten, braucht man durchaus nicht immer Trübsal zu blasen und fortwährend zu weinen. Man muß nur glauben, dann wird man fröhlich." „Du verstehst besser zu predigen als alle Prediger mit- einander, liebe Tante." „Wissen Sie was?" sagte Marietta nach kurzem Nach- denken.„Kommen Sie morgen zu mir in die Loge." „Ich fürchte, ich kann nicht..." Die Unterhaltung wurde durch einen Lakai unterbrochen, der einen Besucher meldete. Es war der Sekretär einer wohl- thätigen Gesellschaft, deren Vorstand die Gräfin bildete. „Na, das ist ein langwelliger Mensch. Ich will ihn lieber dort empfangen. Dann komme ich wieder zu Euch. Setz ihm Thee vor, Marietta", sagte die Gräfin und ging mit ihren schnellen, unruhigen Schritten in den Saal. Marictta zog ihren Handschuh ans uud entblößte eine energische, ziemlich flache Hand, deren Ringfinger mit Ringen bedeckt war. „Wünschen Sie?" sagte sie und griff nach der silbernen Theckanne auf der Spiritusslaiume, wobei sie den kleinen Finger sonderbar wegstreckte. Ihr Gesicht wurde ernst und traurig. „Es thut mir immer sehr, sehr weh, zu denken, daß Leute, bereu Meinung ich schätze, mich mit den äußeren Um- ständen verwechseln, in denen ich mich befinde." Sie war dicht davor, bei diesen letzten Worten in Thränen auszubrechen. Und wenn die Worte auch fiir den, der sie genau untersuchte, gar keinen oder einen sehr unbestimmten Sinn hatten, erschieueu sie Nechljudow doch als ungewöhnlich tief, aufrichtig»lud gütig— so sehr zog ihn dieser Blick der glänzenden Augen, der die Worte der jungen, hübschen und gut gekleideten Frau begleitete, an. Nechljndow schaute sie schweigend an und konnte die Augen nicht von ihrem Gesicht losreißen. „Sie denken, ich verstehe Sie nicht und alles das, was in Ihnen vorgeht? Ist doch das, was Sie gethan, aller Welt bekannt. Es ist ein öffentliches Geheimnis. Ich bin hingerissen davon und billige Ihr Thun vollkommen." „Dazu ist aber wirklich kein Grund Vorhände»; ich habe noch so wenig ausgerichtet." „Das ist ganz einerlei. Ich verstehe Ihre Gefühle und verstehe auch jene...— gut, gut, ich werde nicht darüber reden", unterbrach sie sich selbst, da sie Unzufriedenheit in feinem Gesicht bemerkte;„aber ich verstehe außerdem auch, daß Sie nach dem Anblick all der Leiden, all der Schrecklich- leiten, die im Gefängnis vor sich gehen", sagte Marietta nur in dem Wunsche, ihn au sich heranzuziehen, wobei sie mit ihrem weiblichen Instinkt alles erriet; was für ihn wichtig und teuer war:———„Sie wollen Leuten Helsen, die leiden, schrecklich unter der Gleichgültigkeit und Grausamkeit der Menschen leiden... Ich verstehe, wie man dafür fein Leben hingeben kann, und würde es selbst dafür hingeben. Aber jeder hat nun einmal sein bestimmtes Los..." „Sind Sie etwa mit dem Ihrigen nicht zufrieden?" »Ich?" fragte sie. gleichsam von Erstaunen überwältigt. daß man danach fragen könne.„Ich m u ß zufrieden sein— und bin zufrieden. Aber hier drinnen sitzt ein Wurm, der bislveilen erwacht..." „Und den man nicht wieder zur Ruhe kommen lassen darf I Man muß dieser Stimme glauben," sagte Nechljudow, der ihrem Betrug vollständig unterlag. Später dachte Nechljudolv oft voll Scham an seine ganze Unterhaltung mit ihr zurück, dachte an ihre weniger lügen- haften, als ihm zu Gefallen gesprochenen Worte und de» Gesichtsausdruck einer Art gerührter Ansmcrksamkeit, mit der sie ihm zuhörte, als er ihr von den Schrecken des Gesänguisscs und seinen Eindrücken auf dein Lande erzählte. Als die Gräfin zurückkehrte, unterhielten sie sich nicht nur wie alte, sondern wie zwei ganz intime Freunde, die sich allein inmitten des großen Haufens, der sie nicht begreift, gegenseitig verstehen. Sie sprachen von der Ungerechtigkeit der Starken, den Leiden der Unglücklichen, der Armut des Volks, aber in Wirk- lichkeit fragten ihre Augen, die sich gegenseitig anschauten, im Geräusch der Unterhaltung unaufhörlich:„Kannst Du mich lieben?" und antworteten:„Ich kann." Und der Geschlechts- trieb, der ganz unerwartet die buntesten Farben annahm, zog sie zu einander hin. Beim Abschiede sagte sie ihm, sie sei stets bereit, ihm, wie sie nur könnte, behilflich zu sein, und bat ihn, morgen abend unbedingt, wenn auch nur auf einen Augenblick, zu ihr inS Theater zu kommen, wo sie mit ihm über einen wichtigen Gegenstand sprechen müßte. „Ja, und wann werde ich Sie wieder sehen?" fügte sie mit einem Seufzer hinzu und begann vorsichtig den Handschuh über die ringbedeckte Hand zu ziehen.„Also sagen Sie, daß Sie kommen." Und er gab das Versprechen. Als Nechljudow in dieser Nacht in seinem Zimmer allein war, sich ins Bett legte und das Licht auslöschte, konnte er lange nicht einschlafen. Als er an die Maslowa, die Ent- schcidung des Senats und daran dachte, daß er trotzdem ent- schlössen war, ihr nachzureisen, und ihm endlich sein Verzicht auf das Land einfiel, erschieß Plötzlich, als Antwort auf diese Fragen, vor ihm Mariettas Gesicht, ihr Seufzer und Blick, als sie sagte:„Wann sehe ich Sie wieder?" Und ihr Lächeln erschien mit solcher Deutlichkeit, daß er es gleichsam vor sich sah und selbst lächelte. Thue ich gut daran, nach Sibirien zu fahren? Und gut daran, mich meines Reichtums zu be- rauben?" fragte er sich. Und die Antworten auf diese Fragen waren in der hellen Petersburger Nacht, die durch die nicht ganz dicht zugezogenen Vorhänge hindurchschimmerte, unbestimmt. In seinem Kopf ging alles durcheinander. Er rief die frühere Stimmung wieder in sich hervor und dachte an seinen früheren Gedanken- gang, aber diese Gedanken hatten schon nicht mehr die frühere Ueberzeugungskraft. „Ich habe nur das alles ganz plötzlich zurecht gemacht, aber bin nun nicht im stände, danach zu leben; ich bereue, was ich Gutes gethan habe," sagte er sich und besaß nicht die Kraft, auf diese Frage zu antworten. Er empfand ein Gefühl des Kummers und der Verzweiflung, wie schon lange nicht mehr, und schlief denselben schweren Schlaf wie einst nach großen Verlusten im Kartenspiel. Fünfundzwanzig st es Kapitel. Das erste Gefühl Nechljndows, als er am nächsten Morgen erwachte, war, daß er gestern irgend eine Gemeinheit be- gangen habe. Er begann nachzudenken: eine Gemeinheit war es nicht und ein schlimmer Streich auch nicht; aber es ivaren Gedanken, schlimme Gedanken darüber gewesen, daß all seine gegen- wältigen Absichten— die Heirat Katjuschns und die Ab- tretung des Lands an die Bauern— unausführbare Träume wären, daß er alles das nicht aushielte, daß alles künstlich, unnatürlich sei, und daß er weiterleben müsse, wie er bisher gelebt. Eine schlechte That war das nicht, aber es war dasjenige. was weit schlimmer ist als eine solche: es waren die Gedanken, aus denen alle schlechten Thaten hervorgehen. Eine schlechte Handlung kann man nicht wiederholen und kann sie bereuen; schlechte Gedanken aber gebären alle schlechten Thaten. Schlechte Handlungen ebnen nur den Weg zu schlechten Handlungen; schlechte Gedanken aber ziehen einen unaufhaltsam auf diesem Wege fort. Als Nechljudow sich morgens in seiner Vorstellung die gestrigen Gedanken wiederholte, wunderte er sich darüber, wie er ihnen auch nur eine Minne hätte glauben können. So neu und schivcr dasjenige auch war, was er auszuführen be- absichtigte, so wußte er doch, daß dieses das einzige für ihn jetzt mögliche Leben war; und wie leicht und der Gewohnheit entsprechend es auch schien, zu dem früheren Leben zurück- zukehren, so wußte er doch, daß dieses für ihn den Tod bedeutete. Die gestrige Verführung erschien ihm jetzt als eben das, was mit einem Menschen geschieht, der zu lauge geschlafen hat, und der dann, wenn nicht noch schlafen, so doch sich»och im Bette räkeln und'ich angenehme Augen« blicke verschaffen will, trotzdem er weiß, daß es an der Zeit ist zur Erledigung einer wichtigen und sieudigen Angelegen» heit, die auf ihn wartet, aufzustehen. An diesem Tage, dem letzten seines Aufenthalts in Petersburg, fuhr er morgens nach der Wassilij Ostrow zu Schustowa. Schustoivas Wohnung lag im zweiten Stock. Nechljudow geriet auf Anweisung des Hausknechts auf den Hinteraufgang und trat von der geraden, steilen Treppe direkt in die heiße, stark nach Essen riechende Küche. Ein bejahrtes Weib mit aufgekrcmpten Aermeln, in einer Schürze und mit einer Brille stand am Herd und rührte etwas in einem dampfenden Topf um. „Wen wünschen Sie?" fragte sie strenge und schaute über die Brille hinweg den Eintretenden an. Nechljudow hatte kaum seinen Namen genannt, als das Gesicht der Frau einen erschreckten und freudigen Ausdruck annahm. (Fortsetzung folgt.) < tNflchdmck bcrtolen.) Das Vepte«nd ViNigfle. Von Hans Ostlvald. Gönz vergnügt ritt er die große Poppel-Allee hinunter, die vom Dorf nach dem Bahnhof führte. Auf allen Feldern bückten sich Frauen und Mädchen und häufelten Kartoffeln. Die Wiese dahinter, die den Weiher einsäumte. glühte im sanften Braungrün des Sauerampfers— der Nachtregen hatte die Pflanzen mit Saft gefüllt, die Morgensonne heizte niit hellen Strahlen, daß die Triebe schösse», und die Blüten platzten. Wie die Feuchte der Wiese vollen Duft herüberwehte I Und da, jcn- seits des Sees, die braunroten Stammrcihen des Kiefernwaldes mit Sonncnglanz übergoldet I Selbst die gleichmäßig, träge und flach rollenden Wellen schleppen Licht und Gold mit sich. Er sab das— und ihm schien, als sei es zu seiner Stimmung, zu seineu Empfindungen geschaffen. In diesem Augenblick ertönte hinter dein Bahnhofsgebäude das gellende Pfeifen des einfahrenden Zuges. Da konnte er also gleich noch die ankommenden Reisenden konlrollieren, ob etiva ein fragwürdiges Individuum darunter war, das von ihm, dem Gendarmen des Orts, beobachtet werden mußte. Der Zug fuhr schon weiter— noch kam kein Nciscnder-, aber Eilgüter schienen angekommen zu sein. Der Bahnhofsvorsteher stand auf dem Bahnsteig mit Zetteln in der Hand. Als der Gendarm vorüberritt, winkte er lachend: »'ne feine Sache I Fünf Fässer Cognac I Für jeden Gastwirt eins I" Des Gendarmen Gesicht, daS so rotgebrannt war, wie die Rinde der Kiefern, leuchtete. Da hatte er einmal einen Erfolg I Vor einigen Tagen war ein Destillateur im Dorf gewesen, der hatte früher geäußert:„Ja, es ist wirklich das einzige, daß wir Socialdemokraten werden. Die nndcni wollen doch immer nur ihre Sippschaft hochbringen. Bei den Roten aber kommt jeder gleich dem andern weg." Wie das nun im Dorfe ist: der Gendarm wußte bald darum, und er konnte bald an den Herrn Landrat melde», daß die Gast- Wirte in gemeinsamer Besprechung— er hatte sie angeregt— dicfe Besprechung— 0 ja, den Ruhm konnte ihm niemand nehmen.... Was Brauner?— er klopfte dem Pferd auf den glatten Hals— Was Brauner, das war mal'n Stück, die Gastwirte heimlich, wie'n Gesandter die fremden Minister, rnmznkriegen und dem Destillateur das Geschäft zu verderben I Sic hatten fest gelobt, von dem Roten leine» Tropfen zu beziehe». Was überdies so'» wohlhabender Geschäftsmann bei denen zu suchen hatte? Dem sollte die Rebellionslust verdorben werden. Denbel noch eins, wenn der nu zu Grunde ging und er ihn mal so als Landstreicher erwischte— die Hosen ans- gefranzt, das dreckige Hemde oben am Hals hervorlugend, als«volle es die Schande heimlich hinausschreien!... Er hatte seine VormittagStoür hinter sich. Beim Frühstück sah er, daß der Schnaps auf die Neige ging. Da � konnte er ja gleich mal sehen, was für'ne Sorte heut früh almekommen war. Im ersten Laden war es still. Die Dörfler waren noch auf dem Felde; der Wirt, der zugleich Kanfmannsivaren, Farben, Ge- schirr und Eisengerätefführte, kam erst nach einer ganzen Weile vom Hofe herein. Als. er die Flasche sah, lachte er, seine wässrigen Augen verschmitzt zusammenkneifend: „Aha— Sic haben wohl gesehen, Herr Wachtmeister?" „Ja, sehen Sie, das ist vernünftig von Ihnen, daß Sic nich mehr von dem Roten beziehen. Wie- der spucken wird, was, wenn er hier nich mehr ankommen kann I... Und— sageil Sie mal, liefern nich andre auch'n.juten Droppeit?" Er Ivar so im Eifer, daß er die forschendei», abwartenden Blicke, das veränderte, zurückhaltende Gesicht des Wirts nicht be- merkte..< »Gewiß l Na ja— wie niau'S nimmt 1" aniwortcte der — 45 Wirt.„Aber wir wollen uns doch nicht die Vrine in den Lcil>' stehen I* Und sie setzten sich, kosteten und probten. Noch einer längeren Pause beugte sich der Wirt vor und sagte: „Aber— eins habe ich doch noch—'ne feine Sorte. Da, kosten Sie mal." „Ja," schmatzte der Wachtmeister,„nicht ochne l" Und heimlich flüsterte er ihm ins Ohr: „Ja, wenn er ooch rot is, den feinsten Schlnck liefert er doch, der Destivatenr. Aber Verschwiegenheit! Wachtmcisterchen! Vcr- schwiegenhcit!.. Das ist nur für meine Vorzugskunden. Es bleibt ja doch das beste und billigste. Da kann ich die Flasche um fünf Groschen billiger geben..'.. Man muß ja manches thnn,»m sich seine Kunden zu erhalten.... Und solch' Tropfen— was, da war' man doch wert, sein ganzes Leben lang Wasser saufen zu müssen, wie'n Frosch I..." Der Wirt brach jäh ab sein Gast war plötzlich auf- gesprungen: � „Na— warum sollen Sie denn auch nicht ans diese Weise den andern die Kundschaft wegzichn!?... So'n heimlichen, feinen Tropfen, da kommen ja alle nach... Ans diese Art erfährt nian Wenigstens, wer sein Wort damals ernst meinte I" Die letzten Sätze sprach er schon ans der Straße. Na— eine Griebe macht den Kohl nicht fett, und ein so'n Kerl is ja schließlich inimer darunter. Dem hatte er die längste Zeit was abgekauft I So philosophierte er vor sich hin bis zum zweite» Wirt. :Der ließ ihn auch erst proben. Und plötzlich überkam den Wacht- nicister das Mißtrauen. Es Ivollte ihm nichts mehr schmecken. Sein Mißtrauen drohte: „Das ist doch nich etwa vom Noten 1" -„I— du lieber Himmel I" lachte der Wirt vergnügt.„Nich dran zu denken I" Und mit einem verstohlenen Blinzeln, ganz verständnisvoll: „Denken Sie, Wachtnicisterchc», bei»nr kömmt so was vor?... Ich habe ja hier allerdings was Frisches, heut früh angekommen. Das iverden Sie ivohl bei mir bloß allein finden. Ganz was Be- solideres. Das billigste und beste, ivas man sich denken-- Ja, aber Wachtmeisterchcn, lvas rennen Sie denn davon? Na— jui— so Ivas 1" Er sah dem zornig die staubige Straße Hinabeilenden verwundert und verletzt»ach. Nun hatte er es so gut mit ihm gemeiiit I Der Wachtmeister pnstete vor sich hin: „Hä. das hätte ich mir Ivohl denken können, daß dieses"— die , Schimpfwörter schluckte er hinunter—„dieses... dieses... dieses sich nicht rein hält!... Wie einem das Proben zu Kopf steigt I— So,'n bißchen langsamer geh'»— da— im Schatten. Aber das is im' ganz gleich— Schnaps wird jetzt geholt. Und wenn ich's ganze Dorf rum sollte, irgendwo krieg ich doch Reinen, der nich vom Roten stammt." Und er ging zum dritten— lief im Zickzack zum vierten— und kam endlich beim fünften hcrnns, schnalzte und lallte: „Wirklich was Besonders.— So'ne Gesellschaft l Haben sie doch alle miteinander bloß den vom Roten I Na, sollen's merken I" Rührung quoll ihm hoch:„Aber— wenn man im nischt andres kriegen kann... Es ist ja auch schließlich wahr— das Billigste und Beste— soll man— nich vcrschmähn... Da müßte man— wirllich— det janze Jahr � Wasser saufen—— Wasser— saufen I— Söm— r 1..." Kleines Iseuillelon» — Seltene Bäume. Ans Paris wird der„Straßburger Post" berichtet: Unter den Bäumen in den Gärten der Welt- nnSstellung sind einige besonders erwähnenswert, denn sie gehören nicht zu den einheimischen, sondern sind nur für kurze Zeit aus Treibhäusern oder ans dem Siiden hierher verpflmizt. So eine Art der Arankaria-Tannc, deren Zweigen die schnppenartig ans- liegenden Blätter das Aussehen von dicken Schiffstanen geben. Ein ans China stammender Bainn ist der Giekgo, Lali'ckmria biloba, und unter den Nadelbäumen gelten für besonders beachtenswert eine Ceder des Atlas, eine Weißtanne, abies cranstoniana, und ein Mammutbanm, sequivia pendula, die weniger durch Schönheit als durch Seltsamkeit auffallen. Die Weiß- tonne gleicht mit ihrem hohen Stanime, von dem einige dünne Zweige ausgehen, einem großen Skelett; der Mammutbaum hat viele Zweige, die aber nach Art der Trauerweiden herunterhängen. Ein ganzer Wandelgang ist von kleinen Dattelpalmen, pboemx canariensis, eingefaßt. Die Dattelpalmen, Phoenix dactylifera, in I e_■ Avenue fticolas II. sind aus Nizza gekommen. Schon vor achtzehn Monaten wurde», dort Vorbereitungen getroffen, um Ver- schickung und Verpflanzung nach Paris zu ermöglichen. Rings um de» Baum zog man einen Graben, schnitt in einer Tiefe von anderthalb bis zwei Metern die Wurzeln durch und schob einen Boden aus Staketen darunter, fügte die Seitenwände hinzu und bildete so eine Kiste, in welcher der' ganze Baum stand. Dann wurde der Graben mit der besten Erde angefüllt und reichlich begossen, und als im Frühjahr die Wurzeln neu ausschlugen, da fanden die jungen Fasern ihren Weg durch die Zwischenräume der Kiste in die frische .!— ! Erde. So standen die Bäume bis zum Augenblick der Abfahrt nach Paris, als man sie mit der sie umgebenden Erdmasse Heraushob und mit Hilfe von Krahne» in die Wagen verlud. Zwei dieser Dattel- Palmen sollen je mit Kiste und Erde ein Gewicht von 7500 Kilogramm haben.— Psychologisches. ck. Unter welchen Erscheinungen tritt d i e V e« t ä n b u n g ein? Der französische Psychologe I. Philippe hat, nach einem Bericht der soeben erschienenen„Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane", über die Formen, in denen die völlige Empfindungslosigkeit infolge von Einatmen durch Chloroform und Acther eintritt, Untersuchungen angestellt. Die durch den Aether allmählich eintretende Anästhesie sEmpfindungslosigkcit) zieht zuerst die Atmung, durch die die Dämpfe ins Blut dringen und die Nerven beeinflnsse», in Mitleidenschaft. Der Atcmrhythmus wird vom Be- ginn des Einatmens des Aethers an beschleunigt. Unregelmäßig aber wird er erst dann, wenn die intellektuellen Funktionen schon angegriffen sind. Dann wird die Ausatmung passiv. Im Gehirn verlangsamen sich die arteriellen Pulsschläge; das Gehirn wird blutlos, und die Temperatur sinkt mit der Anästhesie. Das Blut wird schwarz. Es erfolgt eine Verminderung der roten Blutkörperchen zu Gunsten der weißen, ein Zeichen der Anämie. Zuerst verliert sich die Haut- empfindlichkeit, dann die Feinheit der Tastempfindung, darauf die Empfindlichkeit für den Schmerz, und später erst die für den Druck. Die Empfiiidmigslosigkeit ergreift also zunächst die am wenigsten durch Erziehung ausgebildeten Sinneseindrnckc. Zuerst wird die Hand unempfindlich, dann steigt die Unempfindlichkcit. Sie weicht nicht an beiden Seiten zugleich, sondern zuerst ander linken. Reste freilich von Beriihrnngsempfindnngen bleiben noch zurück und äußem sich besonders in Kratzgc fühlen. Die Auflösung der Muskel- beweglichkcit vollzieht sich ungefähr in derselben Reihenfolge, wie der Verlust der Empfindlichkeit. Am längsten intakt bleiben die Kontraktion der Kauwerkzeuge und der Pupillarreflex, In Beziehung zu den physiologischen Phänomenen stehen bestimmte psychologische Empfindungen. Die Einatmung ruft zunächst einen angenehme» Geruch und aromatischen Geschmack hervor. Bei zunehmender Anästhesie wird die Illusion erivcckt, als ob man langsam ans einer schiefen Ebene hcrabglitte, bis zu dem Moment, wo man die Erde berührt und das Bewußtsein verliert. Dann fühlt man eine angenehme Wärme sich des Körpers bemächtigen. Der Kopf wird schwer, und man beginnt schläfrig zu werden. Das Ein- schlafen fängt bei den Zehen an und schreitet allmählich zum Rumpf fort. Es wird dabei das Gefühl der Vibration hervorgerufen. Schmerzempfindnngen sind jetzt nicht mehr möglich; man hört ans zunächst die Form der Gegenstände z» unterscheiden, dann ihr Ge- wicht, dann ihre Temperatur. Man wird nun sür Stiche unempfind- lich. Es beginnen Vibrationen innerhalb des Gehörgangs. Man hört Glockengcläute, Lokomotivcnpfeifc», Kaskadenspringcn. Allmählich wird dieses Geräusch leiser, und das Gehör schläft ein. Ein leichter Schleier scheint sich vor die Außenwelt zu legen. Auch die andren Sinnesthätigkeiten, Geschmack, Geruch zc. verschwinde». Die Anästhesie dringt nun auch iir das eigentlich Physische. Durch die zunehmenden akustischen Erregungen schwindet die Anfmerlsamkeit. Die Worte entschwinden, und mich die Gedanken. Das Bewußtsein verliert sich. Dieser Moment ist bei den verschiedenen Menschen mit verschiedenen Empfindungen verknüpft. Einige habe» das Gefühl der abnehinenden Aufmerksamkeit, der Nnmöglichkeit zu fixieren. Andre haben die Empfindung einer„absoluten physiologische» Unmöglichkeit"; ihnen ist zu Mlit, als ob ihnen alle Glieder fortgenoinmen und alle physischen und moralischen Akte unmöglich wären. Die Wieder- kehr der Empfindlichkeit vollzieht sich nicht in derselben Weise wie das Entschwinden; sie vollzieht sich zuerst an den Teilen, die am nicisten vom Gehirn entfernt sind. Meteorologisches. ie. Die Revolution in der Atmosphäre. Das Luft- meer ist vergleichsweise Iveit beweglicher als der Wasscroccail und wenn das menschliche Auge die Umwälzungen. die sich nahezu dauernd in der Atmosphäre vollziehen, sehen kömite, wie es die Wogen der See sieht, so würde sich ein ungeheures Schauspiel vor unsrem Blick enthüllen. Da nun aber die Luftströmungen un- sichtbar bleiben, so muß der Mensch ans andre Wege denken, sich einen Begriff von ihnen zu mache». Zu den Hilfsmilteln, die Entwicklung und den Verlauf der atmosphärischen Bewegungen zu studieren, ist seit einiger Zeit bekanntlich auch der Flugdrache getreten, der besonders seitens der ämerikänischen Meteorologen eine hervorragende Vervollkomm- »iiiig und Verwendung gefnuden hat. Vorzüglich beschäftigt sich die Wetterwarte auf dem Blauen Hügel bei Boston mit der Erforschung der höheren Luftschichten und der in ihr sich abspielenden Vorgänge durch Vermittelung des Drachenflugs, und der Begründer dieser wertvollen wissenschaftlichen Arbeit, H. Clayton, hat jüngst in eiüer Zuschrift an die Londoner„Natnre" einige wichtige Schlüsse aus den bisherigen Ergebnissen zu ziehen versucht. Es handelt sich für ihn uni keine geringere Aufgabe, als die Eni- fcheidung der Frage, wie die großen Wirbel im Luftnieer entstehen, die in der Wittcrungskimde gewöhnlich als Cyklonen oder Mininm bezeichnet werden. Der letztere Nanre ist von der Thnt- fache hergekommen, daß innerhalb eines solchen Wirbels das Baro- mctcr einen Tiefstand aufweist. Clayton unterscheidet nun nach den Ergebnissen der Forschuiigen seinerÄetterlMtp tziex Ästest öqu Vvj» fliiußcn im Liistmeer, die �iir Enistchiinß derartiger Nevolulioncü führen, wie sie in der Entwicklniiß von Crilloneii und Tornados eine stürmische Entladmig finden. Selbstverständlich mutz das Gleich- ßelvicht der Massen innerhalb des Lnftmecrs cins'findlich gestört sein, wenn derartige Umwälzungen eintreten sollen, und dies kann nach Clayton ans vierfache Weise geschehen. Wenn an einem Sommertage die Sonne heitz vom tvolkenloscn Himmel ans die Erde »liederstrahlt, so erhitzen sich die unteren Luftschichten am stärksten, weil sie der von der Erde ividergestrahlten Wärme am stärksten ans- gesetzt sind. Da nun aber die Luft ivährcnd der Erhitzung sich ans- dehnt und leichter wird, so erhält sich das Bestreben, in die Hohe zu steigen. Daraus entwickelt sich ein Gegensatz zwischen den unteren und den höheren Schichten des Lusturcers, indem letztere, tveil sie kälter sind, auch schwerer auf den darunter liegenden Schichte» lasten. ES tritt demgemäß in der Atmosphäre eine Spanrnmg ein, als ob eine fseder unter einem Druck zusammengepreßt wurde. Wird nun dieser Druck, d. h. in jenen» Fall das Gleichgewicht der oberen kältere» Luftschichten, durch irgend eine Ursache aufgehoben, so schnellt die Feder, d. h. die er- hitzten unteren Luftschichten, gewaltsam in die Höhe. DicS ist eine »vährend der heißen Jahreszeit ungemein häufige Revolution in der Atmosphäre, die zur Entstehung von unruhigem, »vindigem Wetter Veranlassung zu geben pflegt. Eine andre Nem'lntion entsteht, wenn durch irgend eine Ursache große Massen ivarmer Lust ans einem Gebiet in ein andres ge- fährt iverden, Ivo die Lust bedeutend kälter ist, oder»venu»»»ge- kehrt kalte Lnftschichten sich mit plötzlich zuströmender ivarmer Luft vermischen. Es ist bekannt, daß sowohl plötzliche Abkühlungen als auch plötzliche starke Erhitzungen der Atmosphäre in unruhiges Wetter ausschlagen. Ein solcher Fall lvird z. B. eintreten, wenn durch einen laug andauernden Südwind große Mengen wanner Luft in den kälteren Norden geschafft werden. Eine dritte sehr lvichtige Revolution benihtanfder Ansammlung vonWasserdampf in den»»tcrenLnslschichtcn. Wenn der Wasserdampf sich allmählich als Regen zur Erde niederschlägt, so wird die dadurch entlastete Luft aufsteigen. Je«lehr von dem Wrisser- dampf sie jedoch abgiebt, desto stärker erwärmt sie sich, weil bei der Verwandlung des Wafserdampfs in den Regeutropscn dieselbe Summe von Wärme frei wird, die vorher zur Verwandlung des Wassers in Wasserdampf, d. h. zur Verdunstung verbraucht worden ist. Die Luft wird also durch die Abgabe von Regen erwärmt, muß »viederum in die Höhe steigen und dort auf kältere Luft tresicn, und aus dem Zusanunentresien von kalter«nd warmer Lust entsteht stets ein Kampf, der seinen Ausdruck in stürmischer Bewegung im Lnst- »ucrr findet. Endlich gicbt eS noch ein viertes revolutionäres Ereignis für die Atmosphäre, daS dort eintritt, wo ein gleichmäßig wehender Wind, z. B. ein sogenannter Passat, in ein Gebiet gelangt, wo er sich durch andre Bewegung im Lnflmcer in der Fortsetznng seiner Bahn anfgehalten sieht. Dann kommt es wieder zn lebhaften AnSeinandersetzl'mgcn und einer starken Aufregung und Durch- einauderrüttelung' der Luftschichten. Welche dieser vier Arten von revolntioiiären Geschehuissen am häufigsten der Anlaß zur Einstehuug von Cyklouen und ähulicheu Liiftwirbel» wird, die die' Acudening des Wetters zum größten Teil bc- dingen, darüber besteht noch keine einstiinnlige Ansicht unter den Gelehrten. Nach den letzten Forschlingen ist es vielleicht wahrscheinlich, daß die erstgenamite Art der Revolution, d. h. das Aufsteige» stark erhitzter unterer Luftschichten die gewaltigen Luftivirbel erzeugt, die als Eh klone Tauseude vo» Meilen zurücklegen, ehe sie zur iUuhe kommen oder in neue ähnliche Belvcgnngen übergebe». Die Bahn, die von den Cyklouen verfolgt wird, lvird durch die Ereignisse der vierten Gattung bestimmt. Die zlveite und dritte Art der Revo- lutionen geben den mehr örtlich auftretenden Ereignissen, den Gewitterstüriueil und Tornados die Entstehung./— Technisches. — Hartlöten von Gußeisen. Bisher war es schwer möglich, Gußeisen hart zu löten, ivährend das Hartlöten von Schmiedeeisen mit irgend einer Kupferlegienmg keine Schwierigkeiten niacht. Friedrich Pich-Berliu ging von dem Gedanken ans, daß das Hartlöten vo» Gußeisen genau ebenso gut ivie das Hartlöten vo» Schiniedeeis«« im offene»! Schmiedefener gelingen müsse, wenn eS möglich wäre, die zusamiueilzillötendeii Gußciseuflächen während des Lötprozesses von Graphit zu befreien und gleichzeitig das geschmolzene HaAlot mit diesen sich in Rotglut befindenden graphitsrcieu Flächen des Gußeisens Hilter Luftabschluß in innige Berührung zu bringen. Dieses neue Verfahren besteht nun nach der„Technischen Ruiidschau" in folgendem: man reinigt die zusanimenznlöteiiden Stellen des Gußkörpcrs durch eine Säure, wie gebräuchlich, befestigt dann diese Teile an cinaiidcc»ud uiii- giebl oder bedeckt darauf die Lötstelle mit eiiicin Gemisch aus rohen Salierstoffverbindlingen der Metalle(Kupfer, Eisen oder Silbers, welche geeignet sind, dem Gußeisen den Kohlenstoff zn entziehen, und einen» Metalloxyd absorbierenden Flußmittel s Borax. Glas, Waffcrglas usw.), worauf das Ganze der Rotglühhitze ausgesetzt wird. Ein Mittel der fraglichen Art bildet eine Paste ans Kupfer- oxydul und Borax. Diese Paste stellt mau sich dadurch her, daß nirni Kupfcroxhdul und Borax oder ein andres Flußmittel, wie Glas, Wasserglas usw., so innig mischt, was am beste» durch Zu- sarnmcnkochen geschieht, daß das Kupstroxydul mit einer Oxyd auf- nehmenden Schicht umgeben wird, welche die Einwirkung der Luft auf das Kupferoxydul bei dem zum Löten erforderlichen Glühprozeß ausschließt. Der Borax schmilzt beim Hartlöten des Gußeisens, schützt, wie belannt, die gereinigte Oberstäche des Gußeisens gegen Oxydation, befreit dieselbe von noch vorhandenem Oxyd und schützt das Kupferoxydul gegen Einwirkung des Luftsauerstoffs. Die Folge hiervon ist, daß das ebenfalls in Glühhitze geratende Kupferoxydul seinen Sauerstoff an die glühenden Gnßeisenoberflächen abgiebt und dieser sich mit dem das Gußeisen charakteristerendcn Bestandteile von Graphit zn Kohlenoxyd bezw. Kohlensäure verbindet, während das metallische Kupfer in sehr fein verteiltem Zu- stände frei wird. Gleichzeitig fügt man das betreffende Hartlot bei. Da nrni bei diesem Glühprozeß das dem zu lötenden Gegen- stand zugefübrte Hartlot ebenfalls geschmolzen ist, so legiert sich dies mit den glühenden Kupfcrpartikelcheu, und diese neue Legieruiig verbindet sich sofort mit der von Graphit bcsreitcu, glühcudcn Lot- stelle des Gußeisens. Wie wichtig bei der Lötung das Vorhandensein des aus dem Metalloxydul reduzierten, fein verteilte» Metalls ist, beweist der lim- stand, daß bei dem vorstehend beschriebenen neuen Lölverfahren der Prozeß noch schneller und ebenmäßiger vcrlünft, wenn mau der Paste fein gepulvertes, graphitfreies Eisen oder dergleichen zu- setzt. Das Lot fließt dann auch in die feinsten Fngcu der Löt- stelle und verbindet sich mit dem Gußeisen zu einer vollkommenen Hartlötung.— HumoriftischcZ. — Unüberlegt. RaturgeschichtS-Professor: .Müller, beschreiben Sie mir einmal die Gestalt des Kamels." Müller:„Entschnldigen Sie, Herr Professor, ich habe noch nie ein Kamel gesehen." Professor:.Was, Sic fauler Kerl? Und das sagen Sie mir i n s G c s i ch t I" — Sein Hab u n d Gut. Vermieterin(zum schon nnzähligcmat vergeblich gemahnten Studenten):„Herr Pnmper, wenn Sie heute abend Ihr Z ahn bür fiel am Gangfenster finden, brauchen Sie sich nicht mehr weiter bemühen."— — Druckfehler. Geld ist oft das Lcimmotw der Ehe.— („Meggeud. Humor. Bl.") Notizen. — D r. O t t o B r a ii», der kmigjähnge frühere Chestedacteur der„Münchencr Allgemeiiien Zcitinig", ist in München gestorben i in den letzten Jahren redigierte er den Eotta'schen Mnsciialnianach. Hans und Besitz hatte er vor Jahr und Tag der denischcn Schiller- stistlliig vermacht.— — Die Goethe-Gesellschaft zählt gcgemvärtig 27lX1 Mit- glicdcr und besitzt ein Vermöge» von 77 028 M. Die letzte General- Versammlung hat 1000 M. für das Straßburger Goethe-Denkmal gewidmet.— — Im Neuen Theater eröffnet am Sonnabend Hnnsi Niese ihr Gastspiel mit ben» Ensemble des Theaters in der Josefstadt in Wien. Zur Anfführnng gelangt der vieraktige Schwank„Flitterwochen" von Arthur Pferhofer.— — Das Theater des Westens wird die Enulchtniig der Sonnabend-Vorstellungen z» h a i b c u Preisen auch während der Sominersaiiou beibehalten.— ar. Wenn es dem Verein Berliner K ii II st l e r nachgeht, werden zur n ä ch st j ä h r i g e n Großen Berliner K n n sl- A ii s st c l l n n g, die eigentlich eine internationale sein sollte, Einladniigen an auswärtige Künstler nur insofern ergehe», als es sich nm zweifellos bedeutende Werke handelt,»nid den Berlinern der Ptatz durch diese Einladungen nicht unnötig be- schränkt wird.— — Die„Entdeckung" des Professors F. Fitliea. daß Arsen gar kein Element, sondern eine Eiickoxydiilvcrbiiidung des Phosphors sei, wird von Professor Clemens Wiukler energisch b e st r i t t e u.— — Der e r st e R n f st i e g d e S Z c p p e l i n s ch c n Luft- s ch i s f S über den Bodens« wird in der letzten Woche dieses Monats erfolgen; am 25. lvird mit den Vorbereitungen, Ballon- süllmig usw. begonnen.— — In den bisher ivescntlich politisch geführten Streit über die „norwegische Volkssprache" im Unterschied von dem über- wiegend dänischen Schriftiiorivcgisch hat kürzlich Dr. Alfred Torp eine lilterurhistorische Argument attou hineingebracht; in einer gegen den Hanptvertreter des BolkSnorwegischen Arne Garborg gerichteten Ausführung iveist er nach, daß der dänische Litteraturcinflnß aus Norwegen im Grunde erst nach 1814 als dem Jahr der politischen Trennung beider Völker begonnen hat, da die Kultur in beiden Ländern während des 13. Jahrhunderts eigentlich wesentlich deutsch war. Ein Zengnis für die Künftlichkeit des gesamten vermeintlich altnordischen Dniientnms von einer Seite, von der man eö wohl nicht crivartct hatte.— — In e i n e in T a u b c n h a b i ch t s n e st im Sicheugebirge wurden fünfundsiebzig B r i e f t a n b e n f ü ß e mit Andringen gefunden.— Veramiovriliwe: Reoacreirr: Paul John in V.iu.ii. Druck und V-tlag von LKax Badtng iu Berlin.