Mnterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 114 Freitag, den 15. Inn! 1900 (Nachdruck verdaten.) eil Auferlkelzunia. Noinan von Lco T o l st o j. „Ach Fürst 1" rief die Frau mit der Brille und trocknete dabei die Hände an der Schürze ab.„Wie kommen Sie die Hintertreppe herauf, Sie, unser Wohlthäter b Ich bin ihre Mutter. Man hat mir mein Kind fast ganz zu Grunde gerichtet. Sie sind unser Netter," sagte sie lind griff nach Nechljndoivs Hand und bemühte'sich, sie zu küssen.„Ich war gestern bei Ihnen. Die Schwester hatte mich so dringend darum gebeten. Sie ist hier. Hierher, hierher, bitte, mir nach." sagte die Mutter der Schustowa und geleitete Nechljudow durch die enge Thür und einen kleinen dunkeln Korridor, indem sie unterwegs bald das aufgeschürzte Kleid, bald ihr Haar in Ordnung brachte.„Meine Schwester ist die Kornilowa... Sie haben sicher von ihr gehört," fügte sie in» Flüsterton hinzu und blieb vor einer Thür stehen.„Sie war in eine politische Affaire vertvickelt. Ein sehr verständiges Weib." Die Mutter der Schustowa öffnete die Thür vom Korridor aus und führte Nechljudow in ein kleines Zimmer, wo vor einem Tisch auf einem kleineu Sofa ein nicht großes, starkes Mädchen in gestreifter.Kattnntaille und blondem Lockenhaar saß. das ihr rundes und sehr blasses, dem der Mtter ähnliches Gesicht umrahmte. Ihr gegenüber saß in einem Sessel zu- laniiueugekrümnit ein junger Mensch im russischen Hemde mit gesticktem Älrägen. Er trug einen schwarzen Schnurrbart und Vollbart. Die beiden jungen Leute waren augenscheinlich so in ein Gespräch vertieft, daß sie erst dann aufsahen, als Nechljudow schon in der Thür stand. „Lida, Fülft Nechljudow, derselbe.. Das blasse Mädchen sprang erregt in die Höhe, schob eine Haarlocke, die sich hinter dem Ohr hervorgedrängt hatte, zurecht und heftete ihre großen, grauen Augen erschreckt auf den Eintretenden. „Also Sie sind das gefährliche Mädchen, für da? Wjera Iefremowna gvie sie sagte,- ohne jedeit Grund eingesperrt."- „Das ist so," sagte die Taute,„ein schrecklicher Streich! Sie hat eigentlich meinetwegen gelitten." „Ganz und gar nicht, Tante," sagte Lydia.„Ich hätte auch ohne Dich die Papiere genommen." „Erlaub' schon, daß ich das besser weiß." fuhr die Tante fort.„Sehen Sie," fuhr sie, an Nechljudoiv gewandt, fort,' „die ganze Geschichte ist daher gekonimen, daß eine Person mich bat, ihre Papiere eine Zeitlang aufzubewahren! ich aber brachte sie, da ich keine Wohnung hatte, zu ihr. Und bei ihr wurde in derselben Nacht eine Haussuchung an- gestellt und sie samt den Papieren festgenommen. Dann hat man sie bis jetzt gefangen gehalten und von ihr verlaugt, daß sie sagen soll, von wem sie die Papiere erhalten hat." „Da? habe ich aber doch nicht gesagt," begann Lydia schnell und zupfte an einer Locke, die sie gar nicht störte. „Ich behaupte auch gar nicht, daß Du eS gesagt hast," erwiderte die Tante. „Wenn Mitin festgenomnien ist, so ist das durchaus nicht durch meine Vermittlung geschehen," sagte Lydia errötend lind schaute unruhig um sich. „Sprich doch nicht davon, Lydotschka," sagte die Mutter. „Warum nicht; ich will es erzählen," sagte Lydia schon nicht mehr lächelnd, sondern rot und strich ihre Locke schon nicht mehr znrecht. sondern wickelte sie um ihren Finger und schaute fortwährend um sich. „WaS ist doch gestern passiert, als Du davon zu reden anfingst?" „Gar nichts... Laß. Mama. Ich habe nichts gesagt. sondern nur geschwiegen. Als er mich zweimal nach Tante und Mitin fragte, sagte ich gar nichts und erklärte ihm, ich würde keine Antwort geben. Da begann dieser Petrow..." „Petrow ist ein Spion, ein Gendarm und Lumpenhund". fügte die Tante ein, um die Worte ihrer Nichte Zn erläutern. „Da begann dieser Petrow mir zuzureden. Alles, waS Sie mir mitteilen, sagte er, kann niemand schaden, sondern im Gegenteil... Wenn Sie sprechen, so befreien Sie Un- schuldige. Ich sagte aber trotzdem, daß ich nichts verraten würde. Da meinte er: Nun schön, dann saget» Sie nichts, aber machen Sie mir auch keine Vorwürfe, wenn ich Ihnen ettvas sage. Darauf begauu er Namen zu nennen und nannte Mitin." „Sprich doch nicht davon," sagte die Tante. „Ach. Tante, störe mich nicht.. und sie zerrte unauf- hörlich an ihrer Locke und sah sich fortwährend um„und plötzlich, denken Sie sich, am nächsten Tage erfahre ich— man teilte es mir durch Klopfen mit—. daß Mitin verhaftet ist. Nun denke ich. ich habe ihn ausgeliefert. Und das begann mich so zil quälen, das quälte mich dermaßen, daß ich fast um den Verstand gekommen wäre." „Und dabei zeigte sich, dast er- durchaus nicht deinetwegen verhaftet war.'l sagte die Tante. „Ja, aber das wußte ich doch nicht. Ich denke, ich habe ihn verraten. Ich gehe und gehe von einer Wand zur andern und muß fortwährend daran denken. Ich denke:„Dil hast ihn verraten". Ich lege mich hin, decke mich zu nud horche— da flüstert mir jemand ms Ohr:„Hast ihn verraten, ver- raten— hast Mitin, � Mitin verraten". Ich weiß, daß das eine Hallncination, und kann doch nicht anders als zuhören. Ich will einschlafen— das kann ich nicht. Ich will nicht daran denken— das kann ich auch nicht. Es war schrecklich!" sagte Lydia, mehr»lud mehr in Erregung geratend, wickelte eine Haarlocke um den Finger und»vickelte sie wieder los und schaute fortwährend um sich. „Lydotschka, beruhige Dich".» wiederholte die Mutter und berührte sie an her Schulter:-.- Aber Lydotschka konnte schon nicht mehr an sich hatten, j „Das ist deswegen schrecklich"', begann sie Wiederl-sprang dann aber, ohne zu Estde zu reden, schluchzeud vom Sosa auf. hakte dabei an einem Sessel- fest und lief aus dem Ziinmpr. Die Mutter stand auf, um ihr nachzugehen. 1 „Mußten aufgehäugt werden, die Schufte l" rief der Gyninasiast, der auf der Fensterbank saß. „Was denn?" sagte die Mutter. „Ich sagte nur... O nichts." antwortete der Gymnasiast. griff nach einer Cigarette ans dem Tisch«nd begann zu rauchen...........- Sechsundzwcinzigstes Kapitel. „Ja. die Einzelhaft ist schrecklich für die Jungen," meinte die Tante kopfschüttelnd und zündete sich ebenfalls eine Ciga- rettc an. „Ich würde sagen: für jeden," erwiderte Ncchljndow. „Nein, nicht für jeden," antwortete die Tante.„Für richtige Nevolutionäre, hat nian mir erzählt, ist es eine Ruhe und Erholung. Jemand, der von der Polizei gesucht wird, lebt in ewiger Angst, in niaterieller Not und Furcht für sich, für andre und für die Sache. Wird er endlich festgenommen— ist alles vorbei, alle Verantwortung von seinen Schultern genonunen, er kann dasitzen und ausruhen. Man hat mir erzählt, es sei geradezu ein freudiges Gefühl, wenn man festgenommen wird. Aber für die Jungen, die Un- schuldigen(man ninimt immer erst die Unschuldigen fest, wie Lydia)— für die ist der erste Chok fürchterlich. Nicht daß man der Freiheit beraubt wird, schlechte Nahrung, schlechte Luft erhält— das macht nichts aus. Man würde drei- mal so viel Entbehrungen leicht ertragen, wenn nur nicht der moralische Ehok wäre, sobald man zum erstenmal ver- hastet wird. „Haben Sie das erfahren?" »Ich?" Ich habe zweimal gesessen," antwortete sie mit einem traurigen, angenehmen Lächeln.„Als ich zum ersten- mal verhaftet wurde, hatte ich nichts verbrochen. Ich war 22 Jahre alt. hatte ein Kind und erwartete ein zweites. Wie schlver der Verlust der Freiheit, die Trennung von meinem Kind und Gatten mir damals auch fallen mochte, es war doch nichts im Vergleich mit dem Gefühl, das ich empfand, als mir klar wurde, dast ich aufgehört hatte, ein menschliches Wesen zu sein und eine Sache ge- worden war. Ich wünschte meiner kleinen Tochter Lebe- wohl zu sagen. Man sagte mir, ich sollte gehen und mich in den Wagen setzen. Ich fragte, wohin ich gebracht würde. Die Antwort war, das würde ich erfahren, wenn ich dort sei. Ich fragte, welches Vergehens ich beschuldigt sei, erhielt aber keine Antwort. Nachdem ich verhört war, nian mich entkleidet und mir das Sträslingskleid mit einer Numnier angezogen hatte, brachte nian mich zu einem Ge- wölbe, öffnete eine Thür, stieß mich hinein und ließ mich allein: eine Schildwache schritt mit geladenem Gewehr vor meiner Thür auf und ab und blickte bisweilen durch eine Spalte hinein— ich fühlte mich schrecklich niedergedrückt. Was mich damals am meisten erschütterte, war, daß der Gendarmerie-Offizier. der mich verhörte, mir zu rauchen an- bot. Er wußte also, daß die Leute gern rauchte», und mußte folglich auch wissen, daß sie Freiheit und Licht lieben, daß Mütter ihre Kinder, Kinder die Mütter lieben. Wie konnte man mich dann aber so unbarmherzig von allem losreißen, was mir lieb und teuer, und mich wie ein wildes Tier einsperren? So etwas kann nian nicht ohne böse Folgen ertragen. Wenn jemand an Gott und Menschen glaubt und daran, daß die Menschen sich gegenseitig lieben, so hört er nach diesem auf. daran zu glauben. Ich habe seit der Zeit aufgehört, an die Menschheit zu glauben und bin verbittert," schloß sie mit einen: Lächeln. Schustowas Mutter trat durch die Thür ein, durch welche ihre Tochter hinausgegangen war. und sagte, Lydia sei ganz außer sich und würde nicht herauskommen. „Warum ist dieses junge Leben nur zu Grunde gerichtet?" sagte die Tante.„Es thut mir besonders weh, weil ich die unsreiwillige Veranlassung war." „Gott wird geben, daß sie in der Landluft Besserung findet," sagte die Mutter;„wir wollen sie zum Vater schicken." „Ja, ivenn Sie nicht wären, wäre sie ganz zu Grunde gegangen," sagte die Tante.„Ich danke Ihnen. Sehen wollte ich Sie deswegen, um Sie zu bitten, daß Sie Wjera Jefremowna einen Brief übergeben," sagte sie und zog ein Schreiben aus der Tasche.„Der Brief ist nicht versiegelt; Sie können ihn durchlesen und zerreißen oder übergeben, was Sie mit Ihrer Ueberzeugung am besten vereinigen," sagte sie.„Es steht nichts Kompromittierendes in dem Brief." Nechljudow nahm den Brief und versprach, ihn zu über- liefern. Dann stand er auf, verabschiedete sich und trat auf die Straße hinaus. Den Brief versiegelte er, ohne ihn durchgelesen zu haben, und beschloß, ihn an seinen Bestinimungsort zu be- fördern. Siebenundzwanzig st es Kapitel. Die letzte Angelegenheit, die Nechljudow in Petersburg festhielt, war die Sache der Sektierer, deren Bittgesuch er durch seinen früheren Regimentskameraden, Flügeladjutautcn Bogatyreff, den: Zaren persönlich überreichen lassen wollte. Er kam an: Morgen zu Bogatyress und traf ihn zwar im Begriff auszugehen, aber noch beim Frühstück. Bogatyreff war ein nicht großer, aber stämmig gebauter und un- gewöhnlich kräftiger Mann(er konnte Hufeisen gerade biegen). Dazu freundlich, rechtschaffen, offenherzig und sogar liberal. Trotz dieser Eigenschasten war er bei Hofe beliebt, war ein großer Verehrer des Zaren und seiner Familie und brachte es wunderbarerweise fertig, bei seinem Verkehr in diesem höchsten Kreise nur das Gute zu sehen und an dem Schlechten und der Korruption nicht teilzunehmen. Er venirteilte nie- nials weder einen Menschen noch eine Maßregel, verhielt sich schweigend oder sprach mit lauter, kühner Stimme, schrie fast, was er zu sagen hatte, und lachte oft übermäßig stürnüsch. Und das that er nicht aus diplomatischen Gründen, sondern weil sein Charakter so beschaffen war. „Ah, das ist nett, daß Du zu mir kommst I Willst Du nicht etwas frühstücken? Setz Dich, das Beefsteak ist famos I Ich fange immer mit etwas Kräftigem an— sauge damit an und schließe ebenso. Ha I ha! ha I Gut, dann trinke ein Glas Wein," schrie er. auf eine Karaffe Rotwein deutend.„Ich habe an Dich gedacht. Ich will die Bittschrift überreichen. Werde sie eigenhändig überreichen. Du kannst darauf rechnen. Mir ist nur der Gedanke gekommen, daß es für Dich am besten ist. Dich an Taporow zu wenden." Nechljudow machte bei Erwähnung Taporows ein schiefes Gesicht. „Von ihn: hängt alles ab. Seinen Rat muß man jeden- falls einholen. Vielleicht kann er schon Deine Wünsche bc- friedigen." „Wenn Du mir dazu rätst, will ich hingehen." „Das ist schön. Na, und wie wirst Du denn mit Peters- bürg fertig?" schrie Bogatyreff.„Erzähle, ah I" „Ich fühle, daß ich einer Hypnose verfalle," erwiderte Nechljudow. „Hypnose verfalle!" wiederholte Bogatyrefi und brach in ein schallendes Gelächter aus.„Niminst Du etivas? Gut, ganz ivie Du willst," und er wischte seinen Schnurrbart mit der Serviette ab.„Also Du wirst hingehen, ay? Wenn er es nicht will, so gieb die Bittschrift mir, und ich werde sie morgen schon überreichen. Nachdem er diese Worte heraus- geschrien, stand er auf, bekreuzigte sich ebenso unbekümmert, wie er sich den Mund gewischt, und begann den Säbel um- zuschnallen. „lind nun leb' wohl; ich muß gehen." „Wir gehen beide," sagte Nechljudow, schüttelte Bogaty- reffs kräftige, breite Hand und trennte sich in dem ange- nehmen Gefühl, welches der Eindruck von etwas Gesundem und nnbeivußt Frischem ihm stets erlveckte, an der Thür- schwelle von Bogatyreff. (Fortsetzung folgt.) t$onig. Vielen ist der Honig nur dem Nomen noch bekannt: andre da- gegen genießen mitunter ein Erzengniö, welches zwar den Noinen Honig führt, aber auf denselben gar keinen Anspruch machen kann. Was wirb nicht alles heutzutage dem Publikum als Honig unter einem gutklingenden Titel angeboten: Schweizer-Taselhonigf Alpen- kräuter- Honig. Schlcsischer Fenchelhonig, Chilchonig, Galizischer Honig, Amerikanischer Honig n»d wie die vielfach' angepriesenen Surrogate alle heißen mögen. Keines dieser meist ausländischen Erzengnisse, welche dnrchiveg künstliche Fabrikate sind, denen des Geschmacks wegen ein kleiner Prozentsatz Honig beigemischt ist, haben die medizinischen Eigenschaften, ivelche nur dem echten, reinen Naturhonig eigen sind. Reiner Natnrhonig besteht vorzugswcise ans Trauben- und Fruchtzucker niit etlvas Rohrzucker, sämtlich in feinster, durch die Pflanzenorgane bereiteter Beschaffenheit; außerdem enthält er noch ätherische Oele, die ihm in Verbindung mit etwas Ameisensäure das köstliche Aroma und den eigentümlichen Honiggeschmack geben. Gegen dieses Natnrcrzeugnis stehen alle fabrikmäßig hergestellten Zuckerarten weit zurück. Berühmte Aerzte haben in trefflichen Schriften nachgewiesen, daß reiner Honig, mäßig genossen, weit leichter verdaulich ist als der Zucker. Letzterer niuß erst im Magen einen schlvierigen VerdauungS- Prozeß durchmachen, ehe er aufsaugefähig wird, er muß nämlich vor« her im Magen erst- in Honigzucker(Trauben» und Fnichtzucker) um- gewandelt iverden. Honig ist aber schon gewissermaßen verdaute Nahnnig und kann als solche ohne weiteres vom Magen aufgesogen und ins Blut übergeführt Iverden. Guter reiner Schleuderhonig geht daher tvie das Wasser unmittelbar � in das Blut über, ohne den geringsten Riickstond im Mögen und Dlumkmml z» hiuterloffcn. Dmcius erklärt sich l»ich die kräftigende Wirkung guten Honigs. Er dient in hohem Grude dein menschlichen Körper bei seiner chemischen Unigcstaltung zur Er- wärmnng und zur Eutwickclung seiner Kräfte und ist somit, wenn er mich nicht dos Leben für sich oNein zu erhalten vermag, einer der onsgczcichnetsten Nährstoffe, die mir kennen. DaS lvusiten die alten Deutschen besser, die Massen von Honig verzehrten und gesund und alt wurden. Wegen der vorzüglichen Eigenschaften, welche der Honig allen künstlichen Zuckerfabrikatcn gegenüber voraus hat, sollte bei Kindern und erwachsenen Personen, die an Verdauungsschwäche leiden, zur Verfügung der Nahrung immer nur Honig statt Zucker zur Ver- Wendung kommen. Als Nahrnngsinittel für die kleinen Säuglinge ist der Honig von anßerordentlichein Wert, indem derselbe im Magen des Kindes ohne jeden Zcrsetznngsprozcsi aufgelöst wird. Bei Kinderkrankheiten ist daher zn cmvfchlc»,' die Nahrung der Kleinen mitHouig zu ver- fügen. Ein besonderer Borzug der Honigversüsiung liegt noch darin, dasi durch denselben weder Gärung noch Sünrcbildnng erregt wird. Reiner Schleuderhonig in geringen Mengen mit Kaffee, Milch oder Brot genossen, wird selbst vom schwächsten Magen ertragen; er er- zeugt rasch ei» behagliches Gefühl von Wohlbefinden und regelt und befördert die Verdauung. Selbst zum Versüffcn der einzuniachcndcn Früchte, des Backwerks und dergleichen ist Honig dein Zucker vor- zuziehen. l'lls Heilmittel leistet der Honig ausgezeichnete Dienste. Der Kranke sucht Hilfe, Ivo er kann. Mancher trinkt oft die fadeste Brühe von abgekochten Wurzeln oder sonst von Blüten und Pflanzen- teilen, um wieder zu genesen, und in dem Honig besigen wir das Feinste, Aroinatijchlc und Heilsamste vereinigt, was uns die Pflanzenwelt bietet. Honig birgt in sich jene Pilz- und bacillcnstörende Ameisensäure, durch iv'clche er auf alle Organe, mit denen er in direkte Bc- rührimg kommt, also auf Mmidhöhle, Rachen, Kehlkopf und Magen, sowohl aseptisch, d. h. jeder Pilz- und Baktericnbildnng vorbeugend, als auch antiseptisch, d. h. etwa vorhandene Wnchernngen zerstörend und vernichtend, wirken mutz. Für Orte, ivelche ärztliche Hilfe nur in stundenweiter Entfernung und unter großen Gcldopfeni erlangen könne», ist der Honig ein geradezu unschätzbares Gut. Mit einem Eimer Waffer kann ein im Entstehen begriffenes Schadenfeuer gelöscht, mit einem Glas Honig manche keimende Krankheit unterdrückt werden. Hat das Uebcl aber um sich gegriffen, so kommt oft alle Hilfe zn spät. Wie mailches Kind aus entlegenem Dorfe hätte der mörderischen Tiph- theritis entrissen werden können, wenn rasch Honig zur Hand gewesen wäre. Während der letzten Influenza- Epidemien verspürten die Kranken auf den Honiggenntz sofort Linderung, und viele Personen schreiben es dem häufigen Genuß von Honig zn, daß sie von dem lästigen und gefährlichen Uebcl verschont blieben. Blutarmen und Kcrdanungsfchlvachen leistet der Honig besonders gute Dienste, und auch auf Nervenschwache übt er einen überaus au- regenden und stärkenden Einfluß auö. Er ist das beste Hciznngs- Material für den menschlichen Körper, und wem es an der nötigen Körperwärme inangelt, der genieße viel Honig, er wird die belebende und wännende Kraft desselben bald spüren. Aclteren Personen, Rekoubalescenten, Wöchlieriniien und allen Personen, welche an Leibesversiopsnug leiden, dient der Honig als ein vorzügliches naturgemäßes Neguliermigsmittel des Stuhlgangs, tvcil er die Schleimhäute der Därme ivohllhätig anregt. Für unlnstige, schwächlich und bleich aussehende Kinder, die ja immer gern Süßigkeiten lieben, wird Honig in Milch oder auf Brot ge- reicht, bei anhaltendem Gebrauch bald seine belebende und kräftigende Wirkung zeigen. Zur Heilung äußerer Verletzungen, Wunden und Geschwüre hat der Honig ebenfalls sehr gut sich bewährt. Frische Schuittlvimden, gleich mit Honig verbunden, heilen in kürzester Zeit; für äußere Ge- schwüre bereitet»in» eine vortreffliche Honigsalbe. Man nimmt halb Honig, halb Woißmehl und rührt die Mischung durch Zugießen von wenig Wasser gut durcheinander, bis sie zähe Ivie Salbe ist. Läßt man einen Kaffeelöffel Honig in Vr Liter Wasser aufkochen und abkühlen. so erhält man ein vorzügliches Gurgelwasser gegen Beschiverden beim Schlucken oder bei sonstigen Halsleideu. Selbst kleinere Magengeschwüre soll Honig rasch zusammenziehe», reifen und ausheile». Ein Glas Honig- Wasser oder Wein- oder Rumgrog mit Honig bereitet belvirkt eine» ruhigen Schlaf. Die geschilderten Eigenschaften und Wirkungen besitzt allerdings nur das echte und naturreine Bieuenerzeugins, nicht auch jene minderwertige Ware, die zu billigen Preisen in der Tagespresse an- geboten wird. Wer daher vor Schaden belvahrt bleiben will, kaufe nur bei Imkern oder solchen Händlern seinen Honigbedarf ein, die ihre Ware direkt von Imkern bezichen und Gelvähr für Echtheit und Ratnrreinheit desselben leisten. Reiner Honig hat die Eigenschaft, daß er zur kalten Jahreszeit gleichmäßig krystallisiert— ein untrügliches Kennzeichen von seiner Echtheit—, während die andern unter dem Namen Honig an- gepriesenen Surrogate diese Eigenschaft nicht besitzen. DaS Honig- verbrauchende Publikum gelvöhne sich deshalb daran, den Honig nur in krystallisiertem Zustande zn kaufen und niache denselben durch Einstellen der Büchsen und Gläser in warmes Wasser selbst flüssig vor dem Genuß. Wer ganz sicher gehen will, ob er reinen Natur- Honig hat, löse eine kleine Menge'Houig in reinem Spiritus ans; denn echter, naturreiner Honig löst sich völlig darin anf, ohne einen trüben Niederschlag zn hinterlassen. Die Farbe des Honigs ist kein entscheidendes Merkmal der Echtheit und Gute desselben. Sie ist bedingt durch die Blüten, von denen derselbe gesammelt ivorde» ist, auch von der Bodenbeschaffenheit des Staudorts der honigenden Pflanzen. Bei der Beurteilung des Honigs muß daher die Farbe unberücksichtigt bleibe» und der Geschmack entscheidend sein.— („Kölnische V o l k s z e i t u» g Kleines Fenillekon. — Ein sonderbarer Eisenbahnversuch vor mehr alS 70 Jahren. Der Mechaniker John Vallanre ans Brighton hatte, wie„Tho Engeneer" erzählt, ein Patent anf eine pncmnalische Röhreneisenbahn genommen. Im Jahre 1826 baute er auf dein Dcvonshire-PIatz, oder in seinem dortigen Garten, anS Holz ein Rohr von 2,S Meter Weite und 46,2 Meter Lange, dessen Enden mit entfcrnbarcn Glasthnren geschloffen waren. In diesem Rohr lief auf Schienen ein kleiner Wagen, der einen senkrechten, die Rohrlvandnngen fast berührenden Holzschild trug. Durch Dampfpumpcn wurde die Lnft vor dem Schilde aus dein Rohre ge- saugt, wobei dieser Rohrtcil geschlossen gehalten, der andre aber ge- öffnet wurde. Dadurch tvurde eine geringe, für Menschen nicht wahrnehmbare Lustdruckdisferenz erzeugt, die zur Bewegung des Wagens nach der Seite der verdünnten Luft und des verminderten Luftdrucks genügte. Durch Umstellung von Klappen und durch ent- gegengesetztes Schließen und Ocffuen der Röhrenden wurde die rück- läufige Wagenbetvegnng erzielt. Eine Anzahl Parlamentsmitglieder bc» fahr diese Röhrenbahn, ivar vom Versuch sehr befriedigt und erklärte die Reisemethode für günstig, wenn man sie auf mcilemvcite Entfermmgen ausdehnen könne. Ein gewisser Conling, wie es heißt ein russischer Jngcnicnrosfizier, berichtete die Erfindung seiner Regierung in sehr lobenden Worte» und empfahl dringend, den Bau einer solchen Röhreneiscnbahn für Wagen mit Rädern von 3—4 Meter Durch- messcr von St. Petersburg nach dem Schwarzen Meere, wobei er die Erreichung einer Fahrgeschwindigkeit von 160 Kilometer in der Stunde als sehr ivahrschemlich hinstellte. I» dem Versnchsrohr war die Fahr- gcschlviudigkeit eine nur geringe. Vallauce machte weitere Versuche mit einem großen Wagen, der 20 Personen faßte. Die Versuche gelangen. Eines Tags verivandelte er seinen Wagen in einen Speisewagen, in dem die Passagiere ein reichliches Mahl einnehmen konnten, und hatte die Einführung von Polstersitzen und allerlei Bequemlichkeiten im Auge. Als erste, lfl/s Kilometer lange Linie sollte eine Rohren- bahn von Brighton nach dem Hafen Shoreham gebaut werde». Weil in der Versuchsstrecke die Verminderung des Luftdrucks so gering ivar, glaubte man. das kilometerlange Rohr aus einer billigen dünnen Holz- oder Zicgeluunvanduiig herstellen zn können, ohne zn bedenken, daß solch leichter Bau unter der Erschütterung einer schnellen Fahr- bewegnng der Wagen zusammengebrochen wäre, und daß eine so geringe Differenz des Luftdrucks unmöglich eine Steigung von über 55 Meter überwunden hätte, von denen noch dazu 46' Meter auf die Stadt Brighton zusammengedräligt waren. Der Bau sollte 1 500 000 M. koste», der Gütertarif 3 M. für die Tonne bei 1 M. Selbstkosten betragen. Vorausgesetzt tvurde ein jährlicher Waren- transport von 75000 Tonnen. Der Personentarif sollte sich anf 5 M. für Hin- und Rückfahrt stellen. Der ErfinderoptinnsmnS VallanceS und seiner Frennde ging weiter. Sie planten für 10 000 000 M. eine Röhrenbahn von Brighton nach London mit starkem Verkehre und sahen scholl eine London— Brighton— Shorchamcr Luftdruck- Transportgesellschaft, der sie eine Jahresdividende von 25 Proz. herausrechneten. Allein aus allen Plänen wurde nichts. Die Idee, in Röhren z» reisen, fand keinen Beifall, obwohl der Erfinder den Wünschen»ach Licht dadurch ent- gcgenkonnuen ivollte, daß er die Rohrwandimgen mit Fenster» zu versehen versprach. Vallauce und seine Freunde hielten trotzdem noch jahrelang an der Erfindung fest und hofften, noch ihre An- tvcndung auf Kanälen und Eisenbahnen zu erlebe», nnd schlugen auf Grund ihres pneumatischen Systems Untergrundbahnen vor. Die Idee geriet dann gänzlich in Vergessenheit, bis nach Jahrzehnten der Luftdrucktransport in veränderter Gestalt in den Rohrposten Gestalt und Leben geivann.—(„Prometheus'). Medizinisches. n. Die Wirkungen des Pilzgiftes treten an einem Beispiel klar hervor, daß kürzlich von Hegt an der Medizinische» Klinik der Universität Zürich behandelt nnd später in dem„Deutschen Archiv für klinische Medizin" beschrieben wurde. ES handelte sich nm einen Vater nnd drei Kinder, die eines Tags zum Mittagessen Pilze gehabt hatten, die allen gut mundete». Die Pilze waren für echte Champignons gehalten, waren bis auf die grüne Oberseite dcS Hutes ganz weiß, auch blieb die Bruchstelle au der Lust unverändert. Die Aehnlichkeit mit dem echten Champignon wurde der Familie verhängnisvoll, denn der Pilz mar kein solcher, sondern von der höchst giftigen Art.Amajiita. virescenz, Fliegeuschwamm. Denselben Tag verbrachten Vater und Kinder' noch bei völlige»» Wohlsem, 13 Stunde» nach der betreffenden Mahlzeit aber meldete sich die Erkrankung. 36 Stunden danach starb zuerst der löjährige Sohn, 57 Stunden danach der 10jährige Sohn, 73 Stunden danach die 13jährige Tochter, und nur der sehr kraftige 3gjährige Vater kam mit dem Leben davon. Auffallend ist die lange Zeit, die zwischen dem Gcnusic der Pisze und dem Auftreten der Erkrnuknnq verstrich. Dcis chrankheitSlntd besiemd im übrigen nus Vterkmalcu von Daruwntziiudung. die gnuz plötzlich einsetzte, unlöschvorem Durst, Wadcukrämpfen und schlicblich Schlnfsncht. Der ältere Sohn slnrd in tiefster Ohnmacht, und die übrigen Erscheinungen waren denen der Cholera täuschend ähnlich: Vlanfärbnng und Mälte der Glied er, ein leichenfardeneS Gesicht, kalter Schweis;, hohe Stimme ec. Bei den andren beiden-Kindern ließen die Üciöfchmcrzcii noch einmal nach, und sie schienen sich ans dem Wege der Besserung zu befinden, als plötzlich in beiden Fälle» Bcivnsztlosigkcit eintrat. Die Pupille deS AngeS wurde iveit und starr, es folgten Krämpfe am ganzen Körper und dazm eine tiefe Ohstmächt und schließlich der Tod durch Lähnnmg des' Atenicentrums. Während die Kinder derart auf schreckliche Weise umkamen, litt der Vater nur an geringen, nervösen Erscheinungen, auch zeigten sich keine Veränderuugc» deS Bluts. Die Körper der verstorbenen Kiudcr wurden einer eingehenden Untersuchung unterzogen, die einiges Licht über die Wirkung des Pilzgiftes auf die verschiedenen Organe gestattete. DaS Gehirn war ausfallend weich, in der Lcbdr und den Nieren waren Veränderungen sichtbar, wie sie bei der unter der Bezeichnung deS gelbe» Leberschwuuds bekannten Krankheit aufzutreten pflegen. Von besonderer Wichtigkeit wäre es gewesen, wenn sich eine �cr- setzung des Bluts durch das Pilzgift hätte feststellen lassen, dies war aber nicht der Fall. vielmehr erschien daS Blut sowohl hinsichtlich der Zahl der roten Blutkörperchen als deS Gehalts an rotem Blutstoff ganz normal s das Blut schien nicht ungewöhnlich verdünnt. A»S diesem Grunde ist Dr. Hcgi zu dem Schlüsse gekommen, daß die Theorie, derznfolgr der Tod an Pilzgift durch eine Blutzersetzung herbei- geführt würde, nicht richtig ist. In welcher Weise nun aber das Pilz- gift thatsächlich auf de» Organismus wirkt, hat sich nicht feststellen lassen, obgleich Dr. Hcgi diescrhnlb einige Tierversuche vorgenommen hat. Es sei»och bemerkt, daß das Gift des Fliegeuschivamms durch die Hitze des kochenden Wassers nicht zerstört wird, ebensowenig durch absoluten Alkohol. Astronomisches. b. kl e b e r die Beobachtung der totalen Tonnen- fi nstörni S, der er ain 28. Mai in Algier beigewohnt hatte, sprach am Mittuwch Herr A r ch e n h o l d im Gebäude des Treptower Fern- rohrS. Die Erlebnisse seiner Reise schilderte er in laimigcr Weise. Das Hanptintercsse war natürlich der Finsternis selbst zugewandt und der im Monient der Totalität erscheinenden Corona.' Dieser die Sonne umgebende Lichtschimmer, der nur bei einer solche» Gelegenheit sichtbar loird, ist in seinem Wesen»och vollständig uncr- gründet. Viele vermuten einen Zusammcuhaug zlvischen seinem AuS- sehe» und der Periode der Sdnncnflccken, derart, daß während cineS Maximums der Sonnenflelkeii der Schimmer um die Sonne gleichmäßig verteilt ist, während er zur Zeit eines Minimums der Flecken im Aeqnator der Sonne am hellste» ist. Diesmal fiel die Finsternis in die Zeit eines FlcckenmimnmmS. und thatsächlich erstreckten sich einige Strahlen der Corona'weit hinaus in äquatorialer Nichtimg. während um die Pole der Sonne sich nur ein leichter Schimmer zeigte. Die Soniienfinstcrnis von 1903. die in Spanien wieder als totale zu beobachten sein wird, fällt in die Zeit eines FlcckenmaximnmS, und wird daher erlauben, die Richtigkeit der Annahme über das Aussehen der Corona zu prüfe». Bergbau. — DerSalzberg von Cardona. Bei Cardona in der spanischen Provinz Catalonien erhebt sich ans einer weiten Ebene ein bizarr geformtes Gebirge, welches mit seine» kahlen, nackten Zinnen und Graten und mit den tiefen Rinnen und Schluchten, die es durchfurchen, ganz und gar dem Modelle eincS alpinen Hochgebirges gleicht. Aber diese? Gebirge erhebt sich nur etwa' 10Ö Meter über seine Umgebung, und die gesamte Fläche, die es bedeckt, besitzt nur ciuc Stund« llmsang Seine Berühmtheit aber verdankt dieses Miniatur- Gebirge seiner mineralogische» Zusammensetzung; wir haben hier, schreibt die Zeitschrift„Hinimel und Erde", einen Berg vor uns, der fast ganz ans reinem Steinsalz besteht. Während sonst fast überall das Salz aus den Tiefen der Erde emporgefördert wird. Ivo es in eine» wasserdichten Mantel von thonigcn Gesteinen eingebettet ist, erhebt es sich hier in mächtige», weißen, gelben und rötlichen Felsen, auf deren Oberfläche das Regenwasscr durch teilweise Auflösung deS SalzcS von scharfen Graicn begrenzte kleine Wasserrisse erzengt hat. Ein Bach salzige» Wassers fließt nach starken Regengüsse» bon de» Gehängen des Salzbenzes ab, dem nahe, vorbcifließenden Cardonero zu. Neben dem' zu teil böllig svasserkkaren. in großen Würfeln brechenden Steinsalze finden sich nur noch bunte,'tonige Zwischenlagen, die hänsig gipshaliig sind. Das Cardona-Snlz lnldet eine Einlagerung in thouigö» Gesteinen der Tertiärformatiou und wird in seinen reinen Varietäten in großen Steinbrüchen ausgebeutet, die jährlich über eine Million Centner produzieren. Das'Salzgebirge ist natürlich vcgetationsleer»ud hebt sich mit seinen kräftigen Farben nur um so wirkungsvoller von den braunen Tönen der angrenzenden Ebene ab.— Technisches. — Die lithographische Schnellpresse. Der.Frank- fnrtcr Zeilimg" wird geschrieben: Bei der bevorstehenden Giitenberg- Feier wird man sich mich wieder der Erfindimg AkoiS Seiicfclder?, des eisten Lithographen, erinnern und der Schwierigkeiten gedenken, die der Popnlnrisiernng dieser Kunst früher entgegenstanden. Bis zum Fahre 1850 konnte man niemals mehr als SOV Drucke in Miltelformat, bei kleineren mehr, bei größeren weniger, von einem Stein pro Tag herstellen. Diese geringe Anzahl Abdrücke ans der bis 1850 nllgeinci» verwendeten lithographischen Handdruckprcsse verhinderte, daß die Lithographien zu solch' billigem Preis hergestellt»verde» konnten, Ivie Bilder auf der Buchdruckerpresse. Da lies; Herr Guescu in Paris im Jahre 1849 die erste lithographische Schnellpresse konstrilieren, auf der nicht nur Abdrücke in seiner, sondern auch in mehreren Farben nacheinander gedruckt Iverden konnten. Diese Schnellpresie ermöglichte die Herstellung von mehreren tausend Abdrücken sca. 8—4000) täglich und erhielt auf der Londoner Ansstellnng 1851 die goldene Medaille, lieber volle zehn Jahre blieb die lithographische Schnellpresse die einzige. Im Jahre 1861 ließ sich der bedeutendste Etikettcn-Drnckcr in Paris, Herr Riffvii. von dem Associo deS Herrn Gnesini, Herrn H. Flcgeiiheinicr, die lithographische Schnellpresse zeigen und er- klären. Seine Zivcifcl lvnrden behoben: Man lieferte ihm zur Probe 10 000 dreifarbige Lithographien in kürzester Zeit und z» einem Viertel deS Preises, den die Herstellung auf der Handpresse erfordert hätte. Daraufhin ließ Herr Nissan 9 Schnellpressen herstellen, die wohl noch heute im Betrieb sind. Damit war der Anfang zur Ans- breitung dieser Mnschiiicnindustrie, die 1870 auch nach Deutschland übergriff, gegeben und heute werden ivohl in jeder lithographische» Anstalt nur lithographische Schnellpressen verwendet,— HumoristisldeS. — Seine Fähigkeiten..Also, der junge Schmidt hat endlich einen Beruf erwählt," „So, was ist er denn geworden?" .Dichter.".. „Naiiii 1 Hat er denn die Fähigkeiten dafür?" .Gewiß i sogar die allerhedenteiidslen— er hat einen Erbonkel!"— — Grausam. Meyer(erregt):.De».Dummkopf" lasse ich nicht auf mir sitzen l" Schulze:.Dann lassen Sie'n sich doch abschneiden!"— — Im H ei ra t S b ii r ea n. Heiratskandidat:.Und ivie slchl's»im den Ruf dieser Dame?" Vermittler:.Ich sag' Ihnen. sie trieft von U n- schuld!"—'(..Jugend.") Nötige»». e. D i e L o n d o n e r T h e a t e r richten sich für de» Sonnner ein. Bei der Hitze, die gegenlvärtig in London herrscht, findet ein Gedanke viel Anklang, tw» dem seit Jahren schon in London die Rede ist, für die HmidStage. S o in in c r t h e a t c r im Freien emzurichten, wie sie auch jetzt wieder in Ncw-Dork eröffnet wnrdcii. Die Eröffnung deS ersten dieser Art steht schon für die nächsten Tage bevor.— — Theater bezirk. Die Magistrate der SIndle Elmshorn, Itzehoe, Wilster, Glückstadt, Bornstedt und Uetersen sind zu einem gemeinsamen Thcaterbczirk znsammengetrctcii. De» Vcrbandliiiigen lag eine von der Stadt Elmshorn niisgearbcitctc Geschäftsordniinq zu Grunde. Als Gcivährleistmig wurden 80 000 M. festgesetzt, zu deren Aufbriugnug die einzelnen Städte nach ihrer Eimvohnerzahl und Zahl der Spielabende beitragen sollen. ES entfallen auf Elmshorn mit 36 Spiclabcndcii 9913 M., auf Itzehoe mit 86 Spiclnbende« 11 171 M., auf Glücksladt mit 26 Spielnbendeii 3318 M., auf Ucterscu mit 26 Spiclabcndcii 3l00 M., auf Wilster mit 13 Abenden 1331 M. und auf Bornstedt mit 13 Abenden 1122 M.— — Glucks..Iphigenie in T a» r i s" ist in der Be- arbcitimg von Richard Strauß am Sonnabend im Weimarer Stadt- thcater anläßlich der diesjährigen Goethe-Tagc aufgeführt»Vörden. Das Werk hat allgemein einen tiefen Eindruck gemacht.— — Das erste deutsche Bachfest wird vom 2t. Pis 24. März in Berlin gefeiert werden. ES wird bei dieser Gelegenheit an drei Tagen eine Auswahl ans dem Schönsten, was Bach der Welt geschenkt hat, zur Wiedergabe gelangen, und zwar sollen diejenigen Werke, tvekche, wie die Matthäns-Passion und in neuerer Zeit amh die L-moll-Messc, zu den bekannteren zählen, nicht auf dem Programm erscheinen. Die Aiifführmlgcu Iverden meltliche und geistliche Werke vokaler und iiistrmnenlaler Art in reichster Answahh bringen.— — Anton von Werner will im nächsten Jahr da? Amt eines Vorsitzenden.des. B e r e i u S Berliner Kn n stier nicht mehr übcrnchincn.— — Bei A» s s ch a ch tu n g S a rb e i tc n in Beirut fand man ein'Gefäß mit etwa tausend Stück M ü n ze». meist Bionzc. aber auch Gold, mit den Bilduiffen Alexander des Großen und seines Vaters Philipp; der Fund»vird dem Beirnler Wiusenm ein- verleibt iverden.— Die nächste Nummer des NiiterhaltungSblattS erscheint am Sonntag, den 17. Juni. Ptiamivorilicvcr Revacreu:: Paul John, in Berlin. Druck und V-acca von Atax Badtns in Berlin.