Hnterhaltungsblatl des Horwürls Nr. 124." Freitag, den 29. Juni. 1900 —, tNachdruik verboten.) vtz Aufeeflehung. Roman von Leo T o l st o j. Ncchljltdow war noch keine hundert Schritt weit gefahren, als ihm wieder ein von einem Eskortesoldaten mit Gewehr ge- leiteter Lastwagen begegnete, auf dem ein andrer, augenscheinlich schon gestorbener Sträfling lag. Der Sträfling lag rücklings auf dem Wagen und sein rasierter Kopf mit schwarzem Bart, von der pfannkuchenfönnigen Mütze bedeckt, die bis zur Nase ins Gesicht gerutscht war, wurde bei jedem Stoß des Wagens geschüttelt und gestoßen. Der Lastwagenkutscher in dicken Stiefeln lenkte das Pferd, indem er nebenher ging. Hinten schritt ein Polizist. Nechljudow berührte seinen Kutscher an der Schulter. „Was ist?" sagte der Kutscher und hielt das Pferd an. Nechljudow stieg aus dem Wagen und trat hinter dem Lastivagenkutscher an dem Feuerwchrdepot vorbei wieder in den Hof der Polizeiwache. Die Feuerwehrleute auf dem Hof hatten das Waschen des Wagenraumes schon beendet: an ihrer Stelle stand ein hoher, knochiger Brandmajor mit blauem Mützcnstreifen. Er hatte die Hände in die Taschen gesteckt und schaute strenge auf einen falben Hengst mit zerbissenem Halse, den ein Feuerwchrniann ihm vorführte. Der Hengst lahmte auf einem Vorderftlß und der Brandmajor sagte ärgerlich etwas zu dem ebendaselbst stehenden Tierarzt. Der Rcviervorstand war auch zugegen. Als er den zweiten Toten erblickte, trat er zum Lastwagen. „Wo habt ihr ihn aufgenommen?" fragte er, mißbilligend den Kopf schüttelnd. »In der Alten Gorbatowskaja ," antwortete der Polizist. „Ein Sträfling?" fragte der Brandmajor. „Jawohl, so ist es." „Der zweite heute," sagte der Reviervorstand." „Sind das Zustände! Und dann das Volk!" sagte der Brandnmjor, wandte sich dein Feuerwehrmann zu, der den lahmen Falben herangeführt hatte, und schrie:„Bring ihn in den Eckstall. Ich werd' Dir frechem Kerl schon zeigen. tvie man Pferde zu Schanden treibt, die teurer sind als Ihr, Spitzbuben!" Den Toten hoben Polizisten ebenso wie den ersten vom Wagen und brachten ihn ins Anfuahnrezimmer. Nechljudow ging wie hypnotisiert hinterher. „WaS wünschen Sie?" fragte ihn ein Polizist. Er ging ohne eine Antwort zu geben dorthin, wohin der Tote gebracht wurde. Der Verrückte saß auf der Schlafbank und rauchte gierig die Cigarette, die Nechljudow ihin gegeben hatte. „Ah. sind zurück." sagte er und lachte. Als er den Toten erblickte, machte er ein finsteres Gesicht.„Wieder mal." sagte er.„Das wird langweilig. Bin doch kein Knabe. uicht wahr?" tvandte er sich nut fragendem Lächeln an Nechljudow. Nechljudow sah unterdessen den Toten an, den jetzt nie- wand mehr verdeckte und dessen vordem von der Mütze be- decktes Gesicht vollständig sichtbar war. Wie jener erste Sträfling mißgestaltet gewesen war, so war dieser im Gesicht und am ganzen Körper ungewöhnlich schön. Er war ein Mann in voller Blüte der Kraft. Ungeachtet der vom Rasieren entstellten Kopfhälfte war die nicht hohe, steile Stirn mit Erhöhungen über den schwarzen, jetzt leblosen Augen sehr hübsch, ebenso wie die kleine gebogene Nase über dem seinen, schwarzen'Schnurrbart. Die jetzt bläulichen Lippen waren zu einem Lächeln zusammengelegt: das kleine Bärtchen umrahmte nur den unteren Teil des Gesichts, und auf der rasierten Seite des Schädels war ein hübsches Ohr zu sehen. Der Gesichtsausdruck war ruhig und streng und gut. Ganz abgesehen davon, daß nmn an diesem Gesicht erkennen konnte, welche Möglichkeiten geistigen Lebens mit diesem Menschen vernichtet worden waren— war an den feinen Knochen der Hände und der zusammengeschmiedeten Füße und an den starken Muskeln aller wohlproportionierten Glieder zu sehen, was für ein schönes, starkes, geschicktes Menschen- kind das gewesen, das schon als Lebewesen in seiner Art eine größere Vollkommenheit darstellte, als der falbe Hengst. über dessen Beschädigung der Brandmajor so böse war. Aber dabei hatte man ihn verhungern lasten, und es empfand nicht nur niemand mit ihm als Menschen Mitleid— nein, es fühlte nicht einmal jemand soviel Bedauern mit ihm, wie mit einem unnütz zu Grunde gerichteten Arbeitstier. Das einzige Gefühl, ivelches durch seinen Tod in allen hervorgerufen wurde, war ein Gefühl des Aergers über die Widerwärtigkeiten, welche die Notwendigkeit verursachte, diesen mit Zersetzung drohenden Körper zu beseitigen. In das Empfangszimmer traten der Doktor mit dem Feldscher und ein Revierbcamter. Der Doktor war ein stämmiger, untersetzter Mann in rauhgekrempelter Jacke und eben solchen Beinkleidern, die seine muskulösen Schenkel um- spannten. Der Revierbeamte war ein kleiner, dicker Mensch mit kugelförmigem, rotem Gesicht, das durch seine Gewohn- heit, Luft in den Backen zu sammela und sie langsam heraus- zulassen, noch runder wurde. Der Doktor setzte sich auf die Schlafbank zu dem Toten, berührte ebenso wie der Feldscher die Hand, horchte auf den Herzschlag und stand auf, indem er seine Hose zurechtzog. „Der ist mausetot," sagte er. Der Revierbeamte nahm einen Mund voll Luft und ließ sie langsam ausströmen.„Aus welchem Gefängnis?" wandte er sich an den Eskortesoldaten. Der Soldat antwortete und erinnerte an die Fußfesseln. die an dem Toten waren. „Ich werde sie abnehmen lasten. Schmiede haben wir Gott sei dank," sagte der' Rcvicrbeamte. trat wieder, die Backen aufblasend, zur Thür und ließ die Lnft aus- strömen. „Woher kommt denn das?" wandte sich Nechljudow an den Doktor. „Woher was kommt? Daß man am Hitzschlag stirbt? Kommt daher, daß sie den ganzen Winter ohne Bewegung, ohne Licht dasitzen. Dann geht's plötzlich in die Sonne, noch dazu an solchem Tage wie heute; man marschiert im Haufen; Luftzug ist nicht: da tritt dann Hitzschlag ein." „Aber warum verbannt man denn die Leute?" „Danach müssen Sie sie selbst fragen. Was jsind Sie eigentlich für ein Mensch?" „Ich? Ein ganz Unbeteiligter." „A— ah! Empfehle mich, habe keine Zeit," sagte der Doktor, zog ärgerlich die Hose zurecht und begab sich zu den Schlafbänken der Kranken. „Na, was macht Deine Geschichte?" wandte er sich an den Schiefmäuligen init verbundenem Halse. Der Verrückte saß unterdessen auf seiner Schlafbank und spuckte, nachdem er aufgehört zu rauchen, nach dem Doktor hin. Nechljudow stieg in den Hof hinab und ging an den Fcuerwehrpferden und Hühnern und einer Schildwache in kupfernem Helm vorbei durch den Thorweg, setzte sich in seinen Wagen, dessen Kutscher wieder eingeschlafen war, und fuhr zum Bahnhof. Achtunddreißigstes Kapitel. Als Nechljudow auf dem Bahnhof ankam, saßen die Ge- fangenen schon sämtlich in den Waggons hinter Gitterfenstern. Auf dem Perron standen einige Leute, die sie begleiteten: man ließ sie nicht an die Waggons heran. Die Eskortesoldaten waren heute besonders in Sorge. Auf dem Wege vom Ge- fängnis zum Bahnhof waren außer den beiden Menschen, die Nechljudow gesehen hatte, noch drei hingefallen und am Hitz- schlag gestorben; einer wurde ebenso wie die ersten beiden auf die nächste Polizeiwache gebracht und zwei fielen noch hier auf dem Bahnhof zu Boden. Die Eskortemannschaft war nicht etwa deswegen besorgt, weil unter ihrer Begleitung fünf Mann gestorben waren, die am Leben hätten bleiben können— das machte ihnen keine Sorge, sondern sie machten sich nur Sorge darum, daß sie alles erfüllten, was das Gesetz in solchen Fällen verlangt: die Toten, ihre Papiere und Sachen gehörigen Orts abzugeben und sie von der Liste der- jenigen zu streichen, die nach Nishnij überführt werden mußten. Das war sehr mühsam, namentlich bei dieser Hitze. Eben hiermit waren die Eskortesoldaten beschäfttgt und eben deswegen ließen sie auch, so lange das alles nicht er- ledigt war, Nechljudow und die andern, die darum baten, nicht an die Waggons heran. Nechljudow aber wurde den- noch herangelassen, weil er einem Eskorte-Untcrosfizier Geld gab. Dieser Untcrosfizier ließ Nechljudow durch und bat ihn nur, sich schnell auszusprechen und dann fortzugehen, damit der Vorgesetzte es nicht sähe. Waggons waren im ganzen achtzehn da, und alle, außer einem für die Behörde, waren dicht gedrängt voll Sträflingen. Beim Vorüber- gehen an den Fenstern der Waggons horchte Nechljudow auf das, was in ihnen vorging. In allen Waggons ertönte Kettengeklirr, Getümmel, Gerede mit sinnlosen Zoten, aber nirgends wurde, was Nechljudow erwartet hatte, von den unterwegs umgefallenen Kameraden gesprochen. Die Unterhaltung betraf mehr die Säcke, das Trinkwasser und die Wahl der Plätze. Als Nechljudow in eins dem von Waggon- fenstern hineinblickte, sah er in der Mitte desselben, im Durchgang, Eskortcsoldaten, die den Gefangenen die Handfesseln ab- nahmen. Die Gefangenen streckten die Arme aus, und ein Soldat schloß mit einem Schlüssel das Schloß an den Handschellen auf und nahm sie ab. Ein ändrcr sammelte die Handschellen. Nach- dem Nechljudow an allen Männcrwaggons vorübergegangen war, trat er zu denen der Frauen. Aus dem zweiten dieser Waggons ertönte das gleichmäßige Stöhnen einer Frau mit dem Aus- ruf:„O-�o— o! Meinj�Gott, 0—0—0! mein Gott!" Nechljudow ging vorüber und trat auf den Hinweis eines Soldaten zum Fenster des dritten Waggons. Sobald Nech- ljudow seinen Kopf dem Fenster näherte, schlug ihm heiße Luft, die mit dem schweren Geruch menschlicher Ausdünstungen ge- sättigt war. entgegen, und deutlich ertönten kreischende Weiber- ftinimcn. Auf allen Bänken saßen gerötete schweißige Weiber in Röcken und Leibchen und unterhielten sich laut miteinander. Das Gesicht NechljudowS, das sich dem Fenster näherte, erregte ihre Aufmerksamkeit. Die zunächst Sitzenden vcr- stummten und rückten an ihn heran. Die Maslowa saß nur im Leibchen und ohne Kopftuch am Fenster gegenüber. Näher von hier aus saß die weiße, lächelnde Fedosia. Als sie Nechljudow erkannt hatte, stieß sie die Masiowa an und deutete mit der Hand auf das Fenster. Die Maslowa stand schnell auf, wars das Kopftuch über ihr schwarzes Haar, trat mit belebtem, rotem, schwitzendem, lächelndem Gesicht ans Fenster und hielt sich an dem Gitter. „Ist das aber heiß." sagte sie freudig lächelnd. '"„Haben Sie die Sachen erhalten?" „Jawohl 1 danke schön." „Haben Sie nicht etwas nötig?" fragte Nechljudow und fühlte dabei, daß die Hitze aus dem glühend heißen Waggon wie ans dem Dampfloch eines Badstubenofens ausströmte. „Ich habe nichts nötig, danke." „Vielleicht etwas zu trinken," sagte Fedosia. ,,Ia, zu trinken," wiederholte die Maslolva. «Haben Sie denn kein Wasser?" „Wird hingestellt, aber es ist alles ausgetrunken." „Ich will sofort einen Soldaten bitten," sagte Nechljudow. „Jetzt werden wir uns bis Nishny nicht mehr sehen." „Wieso? Fahren Sie denn mit?" sagte die Maslowa, als ob sie nichts davon wüßte, und blickte Nechljudow freudig an. „Ich fahre mit dem folgenden Zuge." Die Maslolva sagte nichts und seufzte erst nach einigen Sekunden tief auf. „Herr, ist denn das wahr, daß sie zwölf Mann Gc- fangenc umgebracht haben?" sagte eine alte mürrische Gc- fängcnc nnt grober bäurischer Stimme. Das war die Korablewa. „Ich habe nicht gehört, daß es zwölf sind. Ich habe zwei gesehen," sagte Nechljudolv. Man sagt, zwölf. Geschieht ihnen denn dafür gar nichts? Das sind doch Teufel!" „Von den Frauen ist niemand erkrankt?" fragte Nechljudow. „Weiber sind zäher." sagte eine andre kleine Gefangene lachend:„nur eine hat den Einfall gehabt, zu gebären. Da singt sie," sagte sie und deutete auf den Wagen nebenan, aus dem fortwährend dasselbe Gestöhn ertönte. „Sie sagen, ob wir nichts nötig haben," sagte die Mas- Iowa und bemühte sich, das freudige Lächeln von den Lippen fernzuhalten,„kann man nicht die Frau hier lassen? Sonst quält sie sich so. Das könnten Sie wohl dem Vorgesetzten sagen." „Ja. ich werde es sagen." „Und dann noch eins: kann die da nicht Targß, ihren Mann zu sehen bekommen?" setzte sie hinzu und deutete mit den Augen aus die lächelnde Fedosia.„Er fährt ja mit Ihnen." „Herr, Sie dürfen da nicht sprechen," ertönte die Stimme eines Eskorte-Unterosfiziers. Es war nicht der. welcher Nechljudow hinzugelassen hatte. Nechljudow trat fort und ging auf die Suche nach dem Vorgesetzten, um ihn wegen des gebärenden Weibes und wegen Taraß zu bitten. Er konnte ihn aber lange nicht finden und keine Antwort von den ESkortesoldateu erhalten. Sic waren sehr beschäftigt: die einen führten irgend einen Gefangenen irgendwohin, die andern liefen hin, um sich Vor- räte einzukaufen, und brachten ihre Sachen in den Waggons unter; die dritten bedienten eine Dame, die nnt einem Eskorte-Offizicr fuhr, und gaben aus Nechljudows Fragen ungern Antwort. lFortsctzung folgt.) Die ErfittÄnttg des �heemiks. Ingenieur Alois Weiskopf schreibt in der„Neuen Freien Presse": Thermit! Heute noch oielen ein neues Wort, ein un- bekannter Begrifi. Aber bald Ivird der Name Thermit sowohl im Munde des forschenden Gelehrten wie des Handwerkers ein ge- läufiger Ausdruck sein. Bereits vor zwei Jahren inachtc in den wissenschaftlichen Fachorganen die Mitteilung die Rrmde. daß es Dr. Haus Goldschmidt in Eisen gelungen sei. durch eine Mischung gcivisscr, Sanersiofs abgebender chemischer Verbindungen mit Alumininn« jene Wärme frei zu machen, Ivelche zur Erzeugung deS Aluminiinns nötig war. Diesen steilvcrdenden kalorischen Efickt benutzte Goldschmidt dazu, chenrisch reine Metalle resp. Metalllegierungen darzustellen, deren Herstellung früher nur mit großen Mühen und Kosten»nöglich«var. Bekanntlich stand seiner Zeit der Fabrikation des metallischen Aluminiums der Umstand im Wege, daß man nicht im stände ivar, die zur Losung des Aluminiums ans seine«« in der Natur massenhaft vor- kommenden Verbindungen notwendige Temperatur billig zu erreichen. Nach den neuesten, bei Krupp in Essen' vor- genommene«« Untersuchungen sind 7140 Caloricn nötig, um Thon- erde(2 Teile Aluminium und 3 Teile Saucrstofi) zu«netallischenr Alnininiun« zn reduzieren. Diese Wärn«c»nenge erzengt«»an heute bei der chemischen Darstellung deS Aluminiums mittels deS elck- irischen Lichtbogens. Genau dieselbe calorischc Energie ivird«viedcr frei,«venn der umgekehrte Vorgang, die Oxydation des reinen Aluminiums zu Alinniniumoxhd, das' ist zur Thonerde, Korund, ein- tritt. Das Aluminium bildet also gelvisserniatzei« eiiien Wärmc- Accuinulator, der die große Menge von Arbeit,«velchc bei seiner Abscheidung anfgetvendet lvurde, in sich trägt, und diese soll»un zn jeder Zeit und an allen Orte»«nit Leichtigkeit abgegeben«verde««, Schon früher haben verschiedene Forscher an den Pforte«« dieses großen Wärmemägazins gerüttelt, um die darin aufgespeicherte Energie zu chemischer, elektrischer oder mechanischer Arbeit zi« vcr» ivcndcn. Dcville. die Gebrüder Tissier und ganz besonders Wühler haben sehr eingehende Versuche zur Verivcndnng des AlnininiumS als Reduklionsinittel gcniacht. Sie alle haben so gearbeitet, daß sie das RealtionSgemisch durch eine Gesäßivand hindurch, also von außen erhitzten,«vodurch eine so heftige Eintvirkung entstand, daß unter fcueriverkähnlichen Erscheinungen Gefäß und Inhalt allSeinandcrgingen, und sich im besten Fall bloß geringe Mengen von Aluminirnn-Legierungc» bildeten. Claude Vautii«, Greene und Wahl kamen der Lösung der Aufgabe näher, und letzterem gelang es auch, Mangan,«venn auch nur in geringen Mengen. darz««stellcn. Erst Goldschniidt fand den Schlüssel zur Er- schlietzung dieses Problems. Er erkannte die«vichtigc Thatsache, daß es durchaus nicht notlvcndig sei, das Reaktionsgcrnisch in allen seinen Teilen aus die Entzündungstemperatur zu bringen, sonder» daß man die Erhitzung nur a» einem Punkte vorzunehmen brauche. Durch die entstehende hohe Verbrcnnungslvärme pflanzt sich die Er- hitznng von selbst in das Innere fort. Aus dem exothcrinischen Prozesse ist ei» endothermischcr getvorden; während bei den früheren Versuchen Wärme gebraucht wnrde, wird jetzt Wärme ge- liefert. Von dieser Thatsache ausgehend, gelang es Goldschmidk, den„Hochofen in der Westentasche" zu schaffen. Durch die reduzierenden und zugleich Wärme abgebenden Reaktionen, die durch die Verbrennung des Aluminiums hervorgerufen«verden, lösen sich die Metalle aus ihren Verbindungen und«verde» in ihrer reinsten und vollkommensten Forin. frei von allen Bestandteilen, die nach den früheren Erzeugungsmethoden nicht zu eliminieren Ivarcit, als König, als Rcgnlus,' abgeschieden. Auf diese Weise stellte Goldschmidk vollständig rein und kohlenstofffrei dar: Chrom, Mangan, Nickel. Vanadin»md Jerrobor. Diese Elemente spielen eine besonders«vichtige Rolle als Zusatz zum Stahl, dem sie gewisse günstige Eigen- ichaften verleihen. Sie gehen entlvedcr Legierungen mit deiir Eisen eil«, welche die Qualität des Materials verändern oder sie Ivirkcn bei der Erzeugung von Stahl desoxydierend auf das Metall- bpd. Es ist nicht gleichgüstig, ob die zuzusetzenden Materialien srei ron fremden Bestandteilen und speciell frei von Kohlenstoff sind. welcher die Härte deS Eisens beeinflußt. ES waren von jeher die Bemühungen der Eisenhiitten-Leute darauf gerichtet, kohlenstofffreies Chrom. Mangan usw. darzustellen, und es hat durch die Erfindung Goldschmidts namentlich die Eisenindustrie ein wertvolles Hilfsmittel gefunden. Die Herstellung dieser Körper ist eine sehr einfache. In nur 20— 25 Minuten kann ein Rcgulus von 50 Kilogramm abgeschieden werden. Als Schlacke erhält man geschmolzenes Alumininm-Oxyd, welches beim Prozesse die wichtige Aufgabe erfüllt, den Regnlus vor Oxydation beziehungsweise Verbrennung zu schiihen. indem es als specifisch leickckerer Körper oben schwimmt und dem Sauerstoff keinen Zutritt gewährt. Der Korund(Alumiinuinoxyd) ist außerdem ein geschätztes Nebenprodukt, welches als'Schleifmittel mit Vorteil ver- wendet wird. In der vom 6. bis 0. Juni d. I. in Hannover stattgehabten Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker brachte Goldschmidt iveitcre technische Anivendungen des Verfahrens, hohe Temperaturen mittels Aluminiums zu erzeugen, zum Vortrag, der ebenso wie die begleitende» Experimente auf alle Anwesenden eine nachhaltige Wirkung ausübte, da man sich der Ueberzeugnng nicht entziehen konnte, daß die Aluminothennie für alle Ziveige der Technik von Ivcittragender Bedeutung sein und auf manche» Gebieten Umivälzuiigen hervorrufen wird. Kommen bei der Darstellung reiner Metalle die reduzierende und kalorische Wirkung des Aluminiums vereint zur Geltung, so Ivirlt in einer zweiten Änwcndung, in der Schivcißung schiniedeciserncr Röhren, Schienen usw. der Wärme-Effekt allein. Die älteste Schwcißniethode besteht darin, daß man die zu schweißenden Gegenstände durch ein Kohlcnfeucr ans die nötige hohe Temperatur bringt und die beiden Stücke durch Schlag und Druck mit einander verbindet. Mit deni Fortschritt der Zeit wurden anstatt des Kohlenfeuers Wasscrgas, Knallgas und der elektrische Strom benutzt, um die Schiveißtemperatur hervorzubringen. In allen Fällen ist jedoch die manuelle Fertigkeit und die Verläßlichkeit des Arbeiters das wichtigste Moment.' Bei dem aluminothermischcn Verfahren ist man nicht nur nach dieser Richtung vollständig unabhängig, sondern man kann die Schlveißnng jederzeit ohne Schivierigleit außerhalb der Werkstatt und in jeder beliebigen Lage des Arbeitsstücks ausführe». Man braucht zur Ausübung dieses Verfahrens bloß einen Tiegel, «inen einfachen Apparat zum Festhalte» und Aneinauderpressen der Schmiedestücke und eine gewogene Menge Thermit, welche je»ach der Größe der zu verschweißcndcn Gegenstände wechselt. In den Tiegel werden einige Löffel Thermit ge- gössen und auf dieses ivird sodann etwas Entziindnugsgemisch gestreut. Durch einen glühenden Stab oder noch viel ein- jacher mittels eines gewöhnlichen Sturmstrcichholzes wird die Reaktion eingeleitet. Das Gemenge gerät sofort unter Eut- Wicklung eines nur minimalen Dampfes zur lebhaften Verbrennung. Es wird mit' einem Löffel gleich weiter Thermit dazu geschüttet, ivelches sich sofort entzündet und weiterverbrennt. Nur muß man stets so viel Thermit nachschütten, daß die Glut bedeckt bleibt. Nach dem Eintragen deS letzten Körnchens Thennit ist der Tiegel mit einer feurigflüssigen Masse gefüllt, die mit einer Temperatur von mehr alS 3000 Grad ihrer Bestimmung zugeführt werden kann. Die ganze Operation nimmt zwei bis drei Minuten in Anspruch und verläuft so schnell, daß die äußere Tiegcllvandnng kalt bleibt und der Tiegel samt Inhalt in die bloße' Hand genomnien werden kann— ein Experiment, welches jeden Zuschauer frappiert, lim die Schweihung auszuführen, ist es nötig, daß die Flächen gut aufeinander passen und durch einen Klemm- apparat gegen einander gepreßt iverde», so daß dieselben in unver- rückbarcr Lage bleiben. Durch eine aus Schmicde-Eisen hergestellte Eisengußform, welche von außen mit gut angefeuchteter Gartenerde, Formsand oder sonst dergleichen umkleidet ist, wird der Tiegelmhalt um die Berührungsflächen gegossen, und der Klcnnnapp'arat ivird von Zeit zu Zeit nachgezogen, und zwar in dem Maße, als die Schweiß- stellen erhitzen. Wie schon erwähnt, besteht der flüssige Tiegeliuhalt aus zwei Schichten, dem specifijch leichteren Korund, der obenauf schwimmt, und dem aluminothermischen MetallregnlnS. Beim Ein- gießen fließt erst der Korund aus, erstarrt mit dein Augenblick, da er auf die kalte Wandung der Arbeitsstücke kommt, und bildet eine schützende Schicht, welche das Schmelzen des Materials verhindert, hingegen so viel Wärme durchläßt, als zur Schlveißnng erforder- lich ist. Die Festigkeit der so hergestellten Schweißungen ist eine so vorzügliche, daß sie den höchsten Anforderungen entspricht. Die Zerreißprobe eines schmiedeeisernen Stabes ergab folgendes Resultat: Das ungeschlveißte Material hatte eine Festigkeit von 35,8 per Ouadratmillimetcr und eine Dehnung von 15 Proz. Nach dem Schlveißen war die Festigkeit 36,8 per Quadratmillimcter und die Dehnung betrug 11,5 Proz.' Beim Zerreißversuch blieb die Schweißstelle vollkommen intakt und der Bruch entstand an einer andern Stelle. Rohre, welche so geschweißt wurden, haben nach wiederholt angestellten Versuchen einer Druck von 400 Atmosphären ausgehalten, und beim Flachschlagen an der Schweißstelle hat eS sich gezeigt, daß die Rohre eher nach der Längsrichtung platzten, als daß die Querschweißung nachgiebt. Auch lassen sich nach diesem Ver- fahren geschweißte Rohre' mit jedem beliebigen Radius in kaltem Zustand an der geschweißten Stelle biegen. Jedermann, der mit Rohren und Rohrverbindungen umzugehen hat, wird bald erkennen, ivelch ausgezeichneter Behelf durch diese Art von Schweißuug gefunden ist. Der Acrger mit undichten Muffen und Flanschen, welche Dampf, Gas und Flüssigkeit durchlaffcn, fällt ganz weg. Abgesehen davon, daß eine Flanschen- und Muffen- Verbindung zumeist nur 16—30 Atmosphären Druck anShält, find die Kosten der Rohrschweihung nach Goldjchmidt erheblich billiger alS genannte Verbindungen.... Die dem Thermit in feurigflüssigem Zustande innclvohneude Wärme ist so bedeutend, daß beim Aufgießen auf ein Metall letzteres cbcuso geschmolzen Ivird wie ein Eisblock unter der Einivirkung von siedendem Wasser. Von diesem Standpunkt aus gewinnt das Bild einer Zukunftsseeschlacht ein eigenartiges Aussehen. Die mit einem festen Panzer gegürteten Kriegsschiffe, welche der Perknssionskrast der stärksten Geschosse Widerstand leisten, werden durch das mit Thernnt gefüllte Projektil, welches sich im Moment des Austreffens in feurigflüssige Masse verwandelt, bis zum Holz- körpcr durchbohrt, der sich dann infolge der ungeheuren Wärme- Entwicklung entzündet.— Kleines Feuillekon. — Chinesische Läufer. Läufer für den Nachrichtendienst spielen in China eine große Rolle. So bedient sich das chinesische Post- Wesen ihrer bei der Postbeförderung zwischen den verschiedenen Städten des Reichs in ausgedehntem Nmfang. Trotz dieser primitiven Einrichtung ist die Post in China sehr gut organisiert, arbeitet mit großer Sicherheit und wird daher auch viel von den Eingcbornen benutzt, nicht zum wenigsten für Beförderung von Wertsendungen, da der Staat volle Gewähr für die Versendung Übernimmt. Es giebt im Innern Chinas in jeder Stadt Postexpeditiouen, die innerhalb eines bestimmten Gebiets die Verbindung aufrechterhalten, und auf diese Weise sind zwischen den verschiedensten Städten stets Postboten unter- Wegs, die gute Läufer sein müssen. Jeder Läufer trägt auf dem Rücken Postsachen im Gewicht bis zu 40 Kilogramm, womit er so schnell wandert, daß die Post verhältnismäßig schnell von Ort z» Ort kommt. An seiner Endstation liefert der Bote die Postsachen ab, die nach der Umsortierung von einem andern, bereits wartenden Postboten in Enipfang genommen werden. Der eben angekommene oder auch ein andrer Postbote kehrt mit den aus andrer Richtung eingetroffenen Postsachen zurück, so daß eine unaufhörliche Post- beförderung stattfindet, ob es Tag oder Nacht, gutes oder schlechtes Wetter ist. Bei der planmäßigen Einrichtung der Marschlinien werden solcherart Briefe usw. auf den kürzesten Wegen und ohne Unterbrechung durch das ganze Reich befördert. Daß dieser Dienst sehr anstrengend ist, liegt'auf der Hand, daher muß der chiuefische Postbote auch vor allem ein kräftiger Mann sein, der im stände ist. einen langen Weg täglich mehrmals in ununterbrochenem Marsch und dazu mit einen, Gewicht, das nur selten das Meiftgewicht von vierzig Kilogramm nicht erreicht, zurückzulegen. Zudem kommt es fast täglich vor, daß der Postbote eine» Marsch in vollem Trab machen muß, denn die Zeit ist knapp berechnet! wird der Bote durch den einen oder andren Umstand aufgehalten, muß er das Versäumte durch beschleunigte Gangart wieder einholen. Um stets für seinen Beruf befähigt zu sein, ist der chinesische Postbote genötigt, seinen Körpcr in einem besonders trainierten Zustand zu erhalte»! so findet man auch unter diesen Läufer» die Eigeutünilichkeit. daß sie sich nie völlig satt essen, weil sie meinen, ein voller Magen sei außerordentlich schädlich. Ganz nüchtern treten sie aber keinen Marsch an. viel«, ehr ist Regel, nur so viel zu essen, daß ver Hunger einigermaßen gefüllt ist. Im allgemeinen hegen die Chinesen eine große Scheu vor der Nacht, da sie glauben, daß dann die bösen Geister und Kobolde ihr Unwesen treibe». Aber ein Postbote darf keine Angst haben, er muß mutig sein, um Räubern. die au den Landstraßen in China nicht selten sind� energisch entgegentreten zu können. Eigentümlich ist die Probe, die der Postböte vor seiner Anstellung durchzumachen hat, um seine Fähigkeit für diesen Beruf zu zeigen. An einer wagerechten, in ziemlicher Höhe angc- brachten Stange hängen an längen Seilen eine Menge schwerer Sandsäcke, und der Kandidat hat nun unter diesen Platz' zu nehme» und durch kräftige Stöße sämtliche Säcke in heftige Schwingungen zu versetzen. Dann soll er schnell zwischen den Säcken hindurch- laufen, ohne diese zu berühren. Wird er getroffen, würde ihn der Schlag nicht bloß zu Boden strecken, sondern er könnte sich auch als durchgefalle» betrachten. Nur der stärkste und gewandteste Prüfling wird als Postbote angenommen.— Physiologisches. Das Gewicht- und Längen-Wachstum des Menschen hat Dr. W. Camerer eingehend untersucht; die Er- gebnisse dieser Untersuchungen werden in der„Wiener klinischen Rundschau" mitgeteilt. Für das Gewicht am Ende des ersten Lebensjahres ist nicht sowohl die Art der Ernährung als vielmehr das Geburtsgewicht von Einfluß. Dieser Einfluß erstreckt sich noch weit ins Kindesalter hinein. Die schädliche Wirkung der künst- lichen Ernährung im ersten Vierteljahr wird durch stärkere Gewichtszunahme im zweiten Vierteljahre und den folgenden Wochen ausgeglichen. Die Zunahme von Länge und Gewicht geht im ganzen zusammen. Bei Knaben tritt nach dem raschen Längen-Wachstum der ersten Jahre vom 4.— 12. Lebcirsjahre eine Verlangsamung ein. Die jährliche Zunahme beträgt in dieser Zeit ca. 5 Ccntimeter. Vom 12.— 16. Jahre aber steigt sie wieder auf 6.5 bis 7 Centimeter jährlich. Mit dem 17. Jahre ist bei Knaben das Längen-Wachstum im wesentlichen vollendet. Bei Mädchen be» — 496— cSodBtct man bo5 tjcrinqflc Längen-Wachstum(4—5 Centimetcr jährlich) vom 5.— 10. Lebensjahre. Vom 10.— 14. Jahre nimmt es »nieder zu und beträgt jetzt ca. 6 Centimeter jährlich. Im ollgemeinen hört bei Mädchen schon nach dem 15. Lebensjahre das Längen-WachStnm auf. Wie erklärt es sich dann aber, dah eine ganze Anzahl von 5tnaben und Mädchen auch nach dem 17. beztv. 15. Lebensjahre noch erheblich an Längen-Wachstum zunehmen? Dieses verspätete Längen-Wachstum ist man nach Dr. Camerer ge- zivnngen, auf Wachstnms-Störungen zurückzuführen, die in der Zeit des physiologischen Wachstums eingetreten ivaren.— Auch die Vermehrung des Gcivichts ist, soweit sie dem eigentlichen Wachstum zuzuschreiben ist, bei Knaben mit dem 13. bis IS' Jahre, bei Mädchen mit dem 15. bis 16. Jahre vollendet: von da ab steht das Gewicht, tvenigstens in de» nächsten 8 bis 10 Jahren, ganz unter dem Einflntz zufälliger Momente.— Alls deui Tierleben. — Gesellige Spinnen. Die Spinne ist der ThpnS eines einsiedlerischen Tieres, das niemals seine Nahrung mit andren zusammen sängt, niemals hilft oder sich helfen lätzt. Indessen ist auch hier keine Regel ohne Ausnahme, und es giebt selbst bei uns einige Arten, die eiilcn mäßigen Grad von Geselligkeit aufweisen.— Viel ausgeprägter ist diese indessen bei einigen Gattungen der' heißen Länder, wie Henry Conpin in der„Äature" berichtet. Azzara erzählte von einer schwärzlichen, etwa erbsengroßen Spinne in Paraguay, der Epeira socialis, die zu Hunderten zusammen leben und ein gemeinsames Nest, größer als ein Hut, bauen, daS sie an einem Baum oder Dach geschützt aufhängen i von da gehen dicke, weiße Fäden aus. 15 dies bis 20 Meter lang sind. Eugen Simon hat neuerdings in Venezuela einige Fälle von Geselligkeit unter sehr verschiedene» Arten beobachtet. Die' Geselligkeit ist übrigens nicht gleichmäßig, bald ist sie auf die Fortpflanzungsperiode beschränkt, bald auch dauernd. Das eine Mal wird jede Arbeit vou allen Tieren genieinsam aus- geführt, das andre Mal thut jedes Individuum auch außerdem eine gewifle Arbeit für sich. Für den ersten Fall eitiert Simon eine Spinne, der er den Namen Epeira Eanäolieri gegeben hat. Im gewöhnlichen scheint sie sich vou andren Tieren ihrer Gattung nicht zu unterscheiden. Sie webt daS übliche Netz ganz allein, aber zur Zeit der Eiablage vereinigen sich»nehrcre Weibchen und spiuneu geineinsam an einem Strauch ein großes gelbliches Gehäuse, in das sie sich einschließen, um die Eier abzulegen und um ihre Cocons zu spinnen. Der sehr eng gewebte Cocon ist auf der einen Seite gewölbt, auf der andern fast ganz flach gegen einen aiidem gedrückt und au der Scheidewand durch einen ganz kurzen Stiel an das Gcsamtgehäuse geheftet. Ju einem solchen findet man 5 oder 6 Weibchen, die Wache halten. viel geselliger lebt �nelosimus socialis. Man findet häufig Hunderte, ja Tansende dieser Art genieinsam ein leichtes, durchsich- tiges Netz lvcben. Das Netz hat keine bcstiinmte Form und erreicht manchmal enorme Dimensione»; es kanu einen ganzen Kaffee- bäum»nnhüllen. Beim ersten Blick macht es den Eindruck eines Gewebes von Spinnen- und Klcinschinctterlings-Naupcn: wenn man die äußere Hülle zerreißt, sieht man das Innere durch ein gleiches Gewebe in sehr unregelmäßige Kammern geteilt. Darin spazieren die Spinnen frei nmher, beivcgen sich, betaste» sich wie die Ameisen und verzehre» häufig eine gemeinsam erhaschte Beut«. Die Eiercocons sind rundlich, grau und nicht durch Stiele, sondern durch ausstrahlende Fäden im Neste befestigt. Noch vollkommener erscheint die Ausbildung des Staatswesens bei der Uloborns republicacus, von der mehrere Hundert ein großes gemeinsames Nest bewohne», auf dcfleu Mittelteil sich vor- zugölveise die Männchen anfhaltcn, ivährend in den großen Zivischen- räumen ztvischen den Masche» Weibchen runde Netze weben, die nur von ihnen bewohnt»Verden. Von Zeit zu Zeit kann man eine Spinne sich von der Hauptgruppe absondern sehen, um sich ein Plätzchen für das eigene runde Netz zu suche»». Die Männchen sind besonders zahlreich in dein Mittelnetz. Das Eierlegen scheint bei den Weibchen einer Kolonie fast gleichzeitig zu erfolgen und— in dein Augenblick sind die Männchen vcr- schivunden: die Weibchen haben' aufgehört zu spinne», sie hallen sich in dem Zentralnetz auf, eines von dem andren einige Centi- »neter entfernt, und jedes helvacht»mbeweglich seiiren Cocon. Der Cocon selbst ist höchst eigentüinlich und ähnelt mehr einem Pflanzen- thcil, der zufällig hingefallen ist, als dem Netz einer Spinne. Er ist länglich, brau», schmal, abgestumpft und ein wenig ausgeschweift ou der Basis, die dllrch Fäden»nit ihren Ecken verblinden sind.— (»Unischlm.1 Aus dem Pflanze», leben. — D i e Lebensdauer der Bäume in Paris. In der Pariser Sorbonne hielt Mangin einen Vortrag über die Lebensdauer der Pariser Bäume, dein der«Prometheus" folgendes entnimmt: Wen»» man bedenkt, daß e8 in Paris,»ach Abzug der Bäume auf Begräbnisplätzei». Schulhöfen und in Parkanlagen, rund 90 000 Bäume giebt. daß ferner jeder Bauin der Stadt iin Durchschnitt 150—175 Fr. gekostet hat, alle Bäume zusammen mithin ein Kapital von etiva 15 000000 Fr. repräsentieren, so leuchtet es ein, daß die erörterte Frage nicht nur ein»vissenschaft- licheS, sondern auch ein recht wirtschaftliches Interesse hat. Unter den Bäumen fanden sich 26 237 Platanen, 17 176 Kastanien, 15 596 Ulinen. 9769 Erlen, 6050 Ahorne, 5125 Platanenahorne, 4027 Pseudo-Akazien, 222 Linden und 1034 PaulowniaS. Im all- gemeinen ist die Sterblichkeit der Bäume in der inneren Stadt beinahe doppelt so groß, wie in den äußeren Stadtteilen. Im Gesamtdnrchschnitt kamen auf jene Baumarten die folgenden Werte nach den Ergebnissen der letzten Jahre: Eingegangen find jährlich von Mittlere Lebensdauer 100 Kastanien... 0,37 115 Jahre 100 Platancnahornen. 1,44 69, 100 Platanen... 1,63 61»/-, 100 Erlen..... 1,84 54„ 100 Ulmen.... 2,06 48l/2. 100 Ahorncn.... 2,26 44„ 100 Pseudo-Akazien. 2,35 42-/-« 100 Linden.... 4,06 24-/-« 100 Panlowmas.. 7,27 14„ Am besten gedeihen danach i», Paris Kastanien, Platanenabome, Platanen und Erlen. Doch»vird es aiif den Standort der Bäume, ob sie auf hochliegendein oder tiefliegendem Boden stehen, ankommen. In der Pariser Umgegend ist die Lebensdauer der Bäume merklich größer. Für das frühere Zugniiidegehen der Bäuine in der Stadt führt Mangin die bekaimten Gründe an: Staub. der die Blätter bedeckt und die Atmung hemmt! die von den Hänsern reflektierten Sonnenstrahlen, die das Streifigiverden»md frühe Welken der Blätter fördern! Rauch und schädliche Gase in der Stadtluft: Verletzungen von Stamm und Westen infolge des Verkehrs! Mangel an Ans- dünstimg der unterirdische»: Pflanzenorgane»Nld den reichlichen Ge- brauch von Salzen beim Schneeschinelzei»»in Winter.— Humoristisches. — Vor d e in T h e a t e r- E i n g a n g. Herr:»Du gehörst wohl auch zum Theater?" Kleiner Junge:«Ree, meine Mutter." Herr:«Was ist sie denn?' Junge:„Logeuschließerin." Herr:«Und äuf die»vartest Du jetzt?" Junge:«Nee, auf meine Großmutter." Herr:«Und»vaS ist denn die?" Junge:«Die ist bei's Ballett."— — Druckfehler. Der Raubmörder wurde nach verzweifelter Gegenwehr von den vier Schutzleuten ttberlvältigt und in die Woche geschleppt.—(«Jugend'.) Notizen. — Die diesjährigen B ü h n e n- F e st s p i e l e deS Rheinischen Goethe-Vereins finden in der ersten Juliivoche in» Stadt-Theater zu Düsseldorf statt. Die Anfführuugeii beginnen am 1. Juli niit der W a l l e n st e i n- T r i I o g i e. Es folge»...Kabale und Liebe" und ,.V r a>» t von M e s s i u a". de» Beschluß bildet«FieSeo". Die Darstellung geschieht durch erste deutsche Schauspielkräste.— —«Die E i n» a h in e von T r o j a", der erste Teil deS Berliozsche» Operuwcrkes„Die Trojaner", hatte in Leipzig eine» großen Erfolg.— — Die Wiener«Vereinigung östreichischer bildender Künstler und Künstlerin»«»»" bereitet in I n n S b r n ck eine K u n st-> u s« st t l l.u n g vor.— t. Einen nenen Erfolg der Kälte-In d ustr i e hat ihr berühmter Schöpfer Prof. Raonl Pictct in seinem Laboratorium in Genf erzielt. Es handelt sich um nichts Geringeres als um die Zerlegung der Lust in großem Maßstäbe, so daß deren Bestandteile durch ein Verfahren von unerhörter Billigkeit geivomien»verde» können. Die Luft wird bei geivöhulichem Druck iu einen Apparat eingeführt, der von flüssiger Luft unigebcn ist. Die so erzeugte niedrige Temperatur»virkt derart auf die eingeschlossene Liift, daß sich deren Sauerstoff und Stickstoff nach ihrer Schivere von einander trennen. Der Sauerstoff»vird aus dem Boden des Gefäßes ab« geleitet, der Stickstoff aus dessen oberem Teil. Die in der Luft«nt- Halteue Kohlensäure»vird bei der»icdrigeu Temperatur flüssig und seitlich auf Röhren abgezogen.— — N i ck e l- A l u in i n i u m, eine Legierung aus Aluminium, Kupfer und Nickel, dürfte in nächster Zeit als G l o ck e n m e t a l l zur Verivendllng kommen. Es ist fast nur ein Drittel so schiver als Bronze. Seine»vichtigste Eigenschaft als Glockeumetall. die Klang- schöilheit, soll die der Bronze durch größere Weichheit des Tons übertreffen. Jedenfalls soll die Klangivirkung mindestens ebenso schön»vie die der Bronze und ftir das Ohr»veit angenehmer sein als der schrille Ton der Stahlglocke, die mit dem Neben- ton disharinonisch erklingt. Weiter soll die Wetterbeständig- keit des Metalls besser sei»», als die von Stahl und Bronze, Iveil Nickel- Aluminium»veder in der Luft noch mitcr der direltcn Berührung mit Wasser oxydiert, während die beiden andern Metalle sehr rasch in freier Luft oxydieren, und die Bronze bei starkem Frost»vohl auch springt,— — Blumenbeete werden jetzt auch nach der Mode der Secession(Schnörkel-Schnurkel-Schnorlelleia!> eingerichtet.—_ Die nächste Nummer de? UnterhaltungsblattS erscheint am Sonntag, den 1. Juli. «eraBtioortlich« Keoaam: Heinrich«Senker in Grob-Lichterselde. Druck und Verlag von Mar Babing m Berlin�