NnterhaltmigMatt des vorwärts Nr. 129 Freitag, den 6� �ult. 1900 «Nachdruck verbalen) 09] Auferlkehttng.\ Nomon von Leo T o l st o j. ES wurde der MaSlowa gestattet, auf den Stationen niit den politischen Verbrechern zusammen zu wohnen■, marschieren mußte sie aber als gesundes Weib mit den Strftflingem So marschierte sie die ganze Zeit von Tomsk ab. Mit ihr gingen ebenfalls zu Fuß zwei Politische: Marja Pawlowna Schtsche- tinina, eben das hübsche Mädchen mit runden braunen Augen, welches Ncchljudow beim Zusaninientrefsen mit der Bogo dlichotvskaja so iiberrascht hatte, und ein in den Bezirk Jakutsk verbannter gewisser Simonson, derselbe schlvarze, rauhharige Mensch iitit tief in den Hohlen liegenden Äugen, den Ncchljudow ebenfalls bei jenem Zusammentreffen wahrgenommen hatte. Marja Pawlowna ging zu Fuß.»veil sie ihren Wagenplatz einen» schwangeren Sträflingsweib abgetreten hatte: Simonson aber, weil er es für unrecht hielt, irgend einen Standesvorteil zu benutzen. Diese drei machten sich, getrennt von den andern politischen Verbrechen!, die später ans Wagen nachfuhren, frühniorgenS mit den gewöhnlichen Verbrechern auf den Weg. So war es auch auf der letzten Station vor einer großen Stadt, bei der ein neuer Eskorte-Offizier den Zug übernahm. ES war frühmorgens an einem Septembertage mit Schlackerwetter. Bald schneite und bald regnete es mit kalten Windstößen. Der ganze Gesangenenzug: vierhundert Männer und gegen fünfzig Frauen standen schon auf dem StationShof und umringten teils den Transportführer, der Fouragcgeld für zweimal vierundzwanzig Stunden an die Aeltcsten ver teilte, teils kauften sie bei Handclsfrauen, die man in den Hof hineinaolasscn hatte, Eßwaren. Es ertönte Stinimen- gewirr voit�träflingen, die ihr Geld zählten und sich Vorrat kauften, und die kreischenden Stimmen der Hökerinnen. Katjuscha und Marja Pawlowna— beide in Stiefeln und Halbpelzen mit Tüchern um den Mopf— traten aus dem Staiionsranin auf den Hof und begaben sich zu den Höke- rinnen, die zum Schutz vor dem Winde an der Nordseite der Pfähle saßen und eine vor der andern ihre Waren vorlegten: frisches Brot. Pasteten, Fisch, Nndeln, Buchweizengrütze, Ge- bäck. Rindfleisch. Eier. Milch: eine hatte sogar ein gebratenes Spanferkel. Simonson in einer Gnttaperchajacke und Gnmmigaloschen, die über den»vollenen Striünpfcn mit Bindfaden befestigt waren(er war Vegetariäucr und gebrauchte kein Fell von irgend einem getöteten Tiere), stand ebenfalls auf dem Hof und wartete ans den Abgang des Zuges. Er stand an der Treppe und schrieb einen Gedanken, der ihm gekommen war, in sein Tagebuch. Dieser Gedanke bestand in folgendem: „Wenn eine Bakterie"— schrieb er—„den Nagel eines Menschen untersuchen und beobachten würde, würde sie ihn für ein anorganisches Wesen halten. Genau so halten auch wir die Erdkugel, indem wir ihre Rinde beobachten, für ein anorganisches Wesen. Das ist nicht richtig." Die gekauften Eier, ein Bündel Kringel, Fische und frisches Weizenbrot, alles das that die Maslolva in ihren Reiscsack; Marja Pawlowna aber rechnete mit den Hökcrfrancn ab. als unter den Sträflingen eine Bcivegrnig stattfand. Alles verstummte, nild die Leute begannen sich aufzustellen. Ein Offizier trat heraus und erteilte die letzten Befehle vor dem Abmarsch. Alle? verlief wie geivöhnlich: die Sträflinge wurden gezählt, die Ketten nachgesehen und die Paare zusaminengcthan, die in Handfesseln gingen. Aber plötzlich ertönte der zornige Kommandoschrei eines Offiziers und das Weinen eines Kindes. Alles verstummte für einen Augenblick: dann lies ein dumpfes Murmeln durch den ganzen Haufen. Die Maslowa und Marja Pawlowna begaben sich an den Ort, von dem der Lärm ausging. Zweites Kapitel. Als Marja Pawlowna und Katjuscha an diesem Ort an- gekommen waren, erblickten sie folgendes: der Offizier, ein stämmiger Mann mit langem blondem Schnurrbart, machte ein finsteres Gesicht und stieß Schimpftvorte ans. Vor ihm stand iin kurzen Sträflingsrock»ntd noch kürzeren Hosen ein langer, magerer Sträfling mit halb rasiertem Kopf: er trug ein kleines Mädchen, das in ein Tuch eingewickelt war und durchdringend kreischte. „Ich wcrd' Dir die Erwäguirgen schon austreiben; giebst es den Weibern!" schrie der Offizier.„Anschließen I" Der Offizier verlangte, daß diesem Gemeindeverbrccher, der in die Verbannung ging und den ganzen Weg das kleine Mädchen auf dem Arm getragen hatte, welches ihm seine in Tomsk ant Typhus gestorbene Frau hinterlassen hatte. Hand- fesseln angelegt würden. Die Entschuldigung des Sträflings. daß er mit Handfesseln da? Kind nicht tragen könnte, brachte deil Offizier, der nicht bei Stimmung war, ungemein auf. Vor dem Sträfling standen ein Eskortesoldat und ein andrer stämmiger, schwarzbärtiger Sträfling, dem die Hand- schellen an einer Hand angelegt waren, und der in der Er- Wartung, daß der Sträfling mit dem kleinen Mädchen ihm angeschlossen würde, den Offizier unter gerunzelten Brauen finster aitblickte. Der Offizier wiederholte den Befehl an den Eskortesoldaten. das Mädchen wegzunehmen. Das Ge- murmel in den Reihen der Sträflinge wurde immer lauter und lauter. „Sind von Tomsk an gegangen und nicht angeschlossen l" ertönte eine schrille Stimme aus den Hinteren Reihen. „Ist doch kein Hund, sondern ein Kind!" „Wo soll er denn mit dem Mädchen hin?" „Das ist ungesetzlich," sagte noch jemand. „Wer tvar daS?" schrie der Offizier wie von einer Tarantel gestochen und stürzte auf den Haufe» zu.„Ich werd' Dir das Gesetz schon zeigen I Wer hat das gesagt? Du? Du?" „Alle sagen es. Deshalb.. sagte der untersetzte Sträfling mit dem breiten Gesicht. „Wollt rebellieren? Ich werd' Euch zeigen, wie man rebelliert! Nimm das Mädchen!" Der Haufe verstummte. Ein Eskortesoldat riß das ver- zweifelt schreiende Mädchen fort, ein andrer begann dem Sträfling, der gehorsam seine Hand hinhielt, die Handschellen anzulegen. „Bringst eS zu den Weibern!" schrie der Offizier den Eskortesoldaten an und brachte seine Säbelkoppel in Ordnung. Das kleine Mädchen bemühte sich, die Händchen aus dein Tuch herauszubekommen und kreischte unaufhörlich mit blut- nnterlalifenem Gesicht. Aus der Menge trat Marja Pawlowna hervor und ging zu dem Offizier. „Herr Lieutenant, erlauben Sie, daß ich das Mädchen trage." Der Eskortesoldat blieb mit dem Mädchen stehen. „Wer bist Du?" fragte der Offizier. „Eine Politische." Augenscheittlich übte das hübsche Gesicht Marja Pawlownas mit den schönen, hervorstehenden Augen eine ge� wisse Wirkung auf den Offizier aus, der sie schon bei der Aufnahme gesehen hatte. Schweigend blickte er sie alt, als erwäge er etivas. „Ist mir egal: tragen Sie sie, wenn Sie wolle». Sie können schön Mitleid mit ihnen haben, weim aber einer ausreißt, wer kommt dann dafür auf?" „Wie kann er mit dem Mädchen weglaufen?" sagte Marja Pawlowna. „Ich habe keine Zeit, mich mit Ihnen zu»litterhalten. Nehmen Sie sie, wenn Sie»vollen." „Befehlen Herr Lieutenant, sie abzugeben?" fragte der Eskortesoldat. „Gieb sie hin." „Komm zu mir," sagte Marja Pawlowna und gab sich Mühe, das Mädchen an sich zu locken. Aber die Kleine strebte aus den Händen des Soldaten zu ihrem Vater hin und»vollte nicht zu Marja Pawlowna. „Warten Sie. Marja Patvlowna, sie kommt zu mir," sagte die Masloiva und holte die Krrngel aus ihrem Sack hervor. Die Kleine kaunte die Maslowa. und als sie ihr Gesicht und die Kringel sah. ging sie zu ihr. Alles wurde still. Das Thor»vurde geöffnet, der Zug trat hinaus, stellte sich auf, die Eskortesoldaten überzählten die Sträflinge»viederum, verpackten die Reisesäcke und placierten die Schwachen. Die Maslowa stellte sich mit dem Mädchen auf; deni Arm zu den Frauen neben Fedosici. Simonson, der die ganze Zeit den Vorgängen gefolgt war, trat mit großen, entschlossenen Schritten ans den Offizier zu, der alle An- ordnungen getroffen hatte und sich schon in seinen Reisewagen setzte. „Sie haben schlecht gehandelt. Herr Offizier," sagte Simonson. „Scheren Sie sich auf Ihren Platz! Ist nicht Ihre Sache!" „Es ist meine Sache, Ihnen das zu sagen, und ich habe es Ihnen gesagt," erwiderte Simonson und schaute unter seinen dichten Brauen dem Offizier angestrengt in das Gesicht. „Fertig? Abteilung marsch!" schrie der Offizier, ohne Sinionson zu beachten, berührte den Kutscher, einen Soldaten, an der Schulter und stieg in den Reisewagen. Der Zug setzte sich in Bewegung, dehnte sich aus und trat auf den schmutzigen, auf beiden Seiten von Gräben eingeschlossenen, ausgefahrenen Weg, der durch dichten Wald führte. Drittes Kapitel. Nach dem üppigen und verweichlichenden Leben der letzten sechs Jahr in der Stadt und den beiden Monaten im Ge- sängnis unter Sträflingen erschien Katjuscha das jetzige Leben mit politischen Verbrechern trotz der bedrückenden Lage, in der sie sich befand, sehr schön. Die Fußmärsche von zwanzig bis dreißig Werst, bei gutem Essen, bei eintägiger Ruhe nach zwei Marschtagen, kräftigten sie körperlich; der Verkehr mit neuen Gefährten aber erweckte Lebensinteresse in ihr, von denen sie früher keinen Begriff gehabt hatte. Sie war von all' ihren neuen Bekannten entzückt; am allermeisten aber von Marja Pawlowna, und war nicht nur von ihr entzückt, sondern liebte sie mit ganz besonderer ehr- erbietiger und begeisterter Liebe. Es verwunderte sie, daß dieses hübsche Mädchen aus reichem Generalshause, die drei Sprachen sprach, sich wie eine ganz einfache Arbeiterin be- nahm, alles, was ihr ihr reicher Bruder schickte, andern gab und, was Kleidung und Schuhwerk betras, nicht nur ärm- lich erschien, fondern überhaupt keine Aufmerksamkeit auf ihr Aeußeres verwandte. Dieser Zug, das vollkommene Fehlen von Koketterie, verwunderte die Maslowa ganz besonders und zog sie desivegen an. Sie sah, daß Marja Pawlowna wußte, und daß es ihr Vergnügen nwchte, zu wissen, daß sie hübsch war; daß sie sich über den Eindruck aber, den ihre Schönheit auf Männer machte, nicht nur nicht freute, sondern sich darüber ängstigte und direkt Widerwillen und Scheu vor der Liebe empfand. Ihre Gefährten, Männer, die das wußten, erlaubten sich, auch wenn sie sich zu ihr hingezogen fühlten, dennoch nicht, das zu zeigen, und verkehrten mit ihr wie mit einem männlichen Kameraden. Aber fremde Leute setzten ihr oft zu, und vor diesen rettete sie, wie sie erzählte, ihre große Körperkraft, auf die sie stolz war.«Einmal bedrängte mich." erzählte sie lachend,„auf der Straße ein Herr und wollte um keinen Preis von mir ablassen; da habe ich ihn dann so gerüttelt Und geschüttelt, daß er erschrak und von mir weglief." Sie erzählte, wie sie von klein auf Abscheu vor deni Leben feiner Leute und Zuneigung zu dem Leben einfacher Menschen empfunden hätte, und wie sie deswegen immer ge- schölten worden wäre, weil sie sich im Mädchenzimmer, in der Küche, im Stall, aber nicht im Besuchszimmer auf- gehalten hätte. „Ich war mit Köchinnen und Kutschern vergnügt, bei unfern Herren und Damen dagegen war nur langweilig," erzählte sie.„Als ich dann anfing zu begreifen, sah ich, daß unser Leben ein ganz schlechtes war. Eine Mutter hatte ich nicht mehr, den Vater liebte ich nicht; mit neunzehn Jahren ging ich nüt einer Freundin aus dem Hause und trat als Arbeiterin in eine Fabrik ein." lFortsetzung folgt.) Mttpve Meisen. Der harte Winter, schreibt die Wochenschrift„Haus, Hof und Garten", bringt in unsre Höfe und Gärten gar manchen Vogel, den »vir zu andrer Jahreszeit drangen in Wald und Flur zu sehen ge- wohnt waren. Der Hunger läßt sie, die heiteren, fröhlichen Be- »vohner des Walds, die Nähe menschlicher Mohnstätten aufsuchen, der Hunger, der ihnen die Kraft raubt, der flälte zu widerstehen, ist ihre Beweguugsfähigkeit lähmt, der si» der Gefahr des Er- frierens aussetzt. Vor der Kälte»visseu sich unsre gefiederten Freunde wohl zu schütze», wenn die Ernährungs- und Blut« erzeugungs-Organe in Thätigkeit bleibe» können und den, Körper die notwendige Wärme zuführen. Deutschland beherbergt eine ganze Reihe verschiedener Arten ans der Familie der Meisen, von denen für uns nur folgende sechs in Betracht kommen: Kohl-, Tannen-, Sumpf-, Blau-, Hauben- nnd Schwanzmeise, während die Beutel- und die Bartnieise, sowie die prächtige Lasurmeise seltene Gäste in Deutschland sind. Die beiden erstereu bevorzugen südlicher gelegene Landstriche, die letztere bewohnt das nördliche Rußland. Die Meisen sind unsre„Garten-, Feld- und Waldhüter" im vollen Sinne des Worts. Da sie bei uns Jahresvögel sind, d. h. Vögel, welche das ganze Jahr hindurch in ihrer Heimat bleiben, und zn ihrer Ernähr, mg fast ausschließlich der Insekten und deren Eier be- dürfen, so liegt der Nutzen klar auf der Hand, besonders, wenn man erwägt,»velche Unmenge von Kerfen sie vernichten müssen, um die ewig hungrigen Schnäbel ihrer zahlreichen Nachkommenschaft zn sättigen._ Macht ihnen die Jagd auf Kerbtiere in der wärmeren Jahreszeit keine Schwierigkeit, so liegen die Verhältnisse in, Winter ganz anders. Jetzt heißt es die Insekten nnd deren Brut aus allen niöglichcn Schlupfwinkeln hervorzuholen. Und da? verstehen die Meisen ausgezeichnet. Jeder Riß in der Baumrinde, jeder Ast wird untersucht, dürre Blätter werden um- gewendet, die Ziveige werde» von allen Seiten besichtigt, kurz, es bleibt nichts unberücksichtigt, Ivo sich nur irgend ein Insekt verborgen halten oder die Brut abgelegt haben könnte. Ihre Gestalt ist kräftig und gedrungen. Der spitze, nageiförmige Schnabel ist am First gebögen und an der Wurzel mit feine» Borsten besetzt. Die kräftigen, mittellangen Füße sind mit starken, ge- krümmten Nägeln bewehrt, die es ihnen e,-möglichen, an der Rinde der Bäume zu klettern und sich zu halten, zur Bewegung ans dein Erdboden aber iveniger geeignet sind. Ihre kurzen, gerundeten Schwingen deuten darauf hin. daß sie keine besonders guten Flieger sind. Sie fliegen in kurzem Bogen von Ast zn Ast, von Baum zn Baum, längere Strecken fliegen sie nur gezwungen und ungern. Der Sprung ist meist kurz, bei einigen Arten stufenförmig ver- läugert. Ihr bevorzugter Aufenthalt ist der Wald, der Nadclholzwald. Hier verbringen sie ihr Leben in beständiger Jagd ans Kerbiiere, daS Geäste kletternd durchsuchend. Dabei ist es ihnen gleich, ob sie auf den Ziveig sitzen oder an ihm hängen, der Kopf unten oder oben ist. In jeder Stellung verrichten sie ihr Tageiverk. Mit Ans- »ahme der Brutzeit leben sie in Familien vereinigt, die sich im Herbst zn größeren Verbände» zusammenscharen, um gemcinsanr uniherzu- streichen. Zn ihnen gesellen sich häufig Vögel, die ähnlichen Lebens- hedingnngen unterliegen, wie Kleiber, Bauinlänfig, Zauntönig, Gold- Hähnchen' nnd die kleineren Spechte. Auf diesen Streifzügen über- lassen sie sich gern der Führung eines größeren Vogels, meist eines Spechtes, eine Erscheinung, die häufig im Leben der Vögel beobachtet wird.— Die Verbreitung der Meisen erstreckt sich ans den nördlichen Teil der Erde, aber anih in Afrika, Australien.und Indien finden wir Vertreter des Meisengcscklechls. Ihr Gesang ist von geringer Be- deutung. Die Töne, meist spitz pfeifend, werden kurz hervorgestoßen, ähnlich dem Pfeifen der Mäuse, mit denen sie wohl aus diesem Grunde, wie aus der hurtigen Art, mit der sie sich zu verbergen ver- stehen, den Namen gemeinsam haben. In der Kohlmeise, der größten deutschen Art, Ivohl auch der bekannteste», finden wir die Eigenart des McisengeschlechtS nach allen Richtungen hin verkörpert. Sie ist im Wald und Garten eine geivöhnliche und gen» gesehene Erscheinung und ein schmucker Vogel. Wegen ihres' Lockrufs„Pink-Pink" heißt sie im Volksmunde auch Finkmeise. Ihr im Frühjahr häufig vorgetragener Gesang wird mit den Worten„Wetz' die Schar"(Pflugschar) wieder- gegeben. Der Kopf ist bis auf die weißen Backen glänzend schwarz. Schwarz ist auch em beim Männchen breiterer, beim Weibchen schmalerer Streif längs der Mitte der gelben Brust und des gleich- falls gelben Bauches. Letztrcr wird nach dem Schwanz hin schwärzlich. Die Oberseite ist olivengrün, der Nacken zeigt einen helleren Fleck. Alte Krähennester dienen ihnen häufig zur Anlage der Stiststätte. Höhlungen in der Erde, Mauerlöcher, alte Brnnnenrohre werden an- genommen, selbst in Briefkästen und Blnnienvasen hat man ihr Nest gefunden. Die Höhlung Ivird mit Moos, Haaren. Federn und seinen Wurzelchen ausgepolstert zur Aufnahme der Eier, deren Zahl bei jeder Brut, in der Regel finden jährlich zwei Brüten statt, häufig auch drei, zwischen 8 und 14 schwankt. Mit Hilfe dieser Zahlen kann man sich ein Bild machen von der großen Menge Ungeziefers. daS nur ein Paar Kohlmeisen zur Aufzucht der Brüten verbraucht und unschädlich macht. Die Blaumeise gehört zu den am prächtigsten gefärbten Vögeln Deutschlands, vielfach wird sie die„schönste" unsrer Meisen genannt. Das ist eben Geschmacksache, die farbigste ist es auf jeden Fall. Die Flügel und der Schivanz der Blaumeise sind schön blau gefärbt, auf dem Flügel befindet sich eine lveiße Querbinde. Der Rücken ist olivengrün. Die himmelblaue Kopfplatte ist ringsherum weiß eingefaßt. Von der Schnabelwurzel durch das Auge bis zum Nacken geht auf beiden Seiten ein blauschwarzes Band.'Ein Ebensolches begrenzt die schneelveißen Wangen. Die Unterseite ist gelb. Die Tanne nmeise hingegen ist oberhalb dinikelbrann nach dem Steuer zu Heller werdend. Die Wangen, die Halsseiten nnd ein Fleck im Nacken sind weiß, sonst ist der Kopf tiefscknvarz gefärbt. Die Unterseite ist weißlich. In der Ansivahl der Nistplätze ent- wickelt sie dieselben Neigungen wie die Kohlmeise, bevorzugt aber Höhlungen in alten Baumen. Bei oberflächlicher Betrachtung äußerlich ähnlich, aber be- deutend zarter wie die Tannemneise ist die Snmpfmeise. das „Weiße Hämmerlein' des Volks. In den Niederungen, an de» Bächen und Seen mit schilsbestandeuen Ufern, im Weidendickicht und im Erlenbrnch. an lichten Stellen des Waldes und ini sonnigen Obstgarten, überall ist es zu finden, das liebe zierliche Vögelchen. Immer geschäftig und flink, mit den neugierig fragenden Augen alles beschauend und durch Beklopfen mit dem Schnabel genauer untersuchend. Der starke Schnabel leistet ihr hierbei vorzügliche Dienste. Ueberall wird angepocht, nnd mit wuchtigem Schnabelhieb werden selbst hartschalige Sämereien geöffnet, um zu dem genieß- baren Kern zu gelangen. Wer sie gern in der Nähe sehen will, der hänge reife Souncnblumeukvpfe vor sein Fenster, und bald werden'sich, falls sie überhaupt in der Gegend vorkommen, die Smnpfmeisen einstellen, um einen Kern nach dem andern zu holen und auf dem Gar-teuzann oder dem nahen Obstbaum den mit den Zehen gehaltenen Kern zu spalten und zu ver- zehren, was daran genießbar ist. Die Sumpfmeise ist die au- mutigste, gewandteste und keckste der ganzen Sippe. Das Nest wird gern in den Höhlungen alter Weidenstämme angelegt, diese Höh- luiigcn sind meist sehr groß und werden deshalb voii den Vögelchen mit' Moos und Gräsern angefüllt, bis sie geeignet erscheinen, ein warmes Obdach für die Brut zu geiväbren. Bietet eine kleinere Höhle dagegen nicht genügend Ranm.tz so wird mit dein Schnabel darin hernnigemeißelt und gehäinuiert, bis der Naum die gewünschte Größe erreicht hat. Die Haubenmeise ist die charakteristische Bewohnerin des Nadeiholzwaldes, den sie in aimmtiger Wciic belebt. Sie ist es, deren Beobachtung besonders im Herbst de», Raturfreund vielen Gc- miß bereitet. Ist sie auch vorsichtig und läßt sich nicht allzu nahe koiiiinen, so kann man sich ihr doch mit Leichtigkeit genügend nähern, so daß sie sich noch sicher fühlt und nicht ängstlich davon fliegt. Die großen Scharen von Meisen, welche im Herbst unsre Wälder durch- streifen, bestehen zu einem sehr großen Teil aus Haubenmeisen. Diese ivie die Taiineinneiscn überlassen sich bei ihren Streifzügen gern der Führung eines größeren Bogels. So lange der Wald nicht verlassen ivird, sölge» sie ohne Bedeiilen. Geht aber der Führer in den nahen Obstgarleir am Waldesrande, oder untersucht er gar die morschen Balken der Scheune, so zögern besonders die Haubeu- meisen ihm zu folgen und fliegen ängstlich am Waldesrand muher. Der Wald giebt ihnen Schutz und Deckung vor den gefiederten Siäubern. In übergroßer Furcht vor diesen lind im Bewußtsein der nicht allzngroßeu Kraft ihrer Flügel verlassen sie ungern den schützenden Wald. Die Nahrnng der Hanbenmeise besteht ans- schließlich in Insekten, deren Eiern, Puppen und Larven. Durch unablässige Bertilgiing der Eier der Noniie und des Kiefern- spiinicrs ist sie neben der Tanneiimeise eine der größten Wohl- thäteriiinen des Nadelwaldes. In ihm baut sie denn auch ihr Nest. Ansgefanlte Höhlungen alter Bäume, aber auch verlasse»? Spcchthöhlcn bieten ihr gute Gelegenheit dazn. In Er- niangelung dieser benutzt sie aber auch das dichte Gelvirr von Siaubvogeihorstcn, Krähen- mid Eichhörnchen- Nestern, selbst ein Haufen aufgeschichteten Reisigs genügt ihr im Notfall. Die hübsche. gran-brauue Färbnug des Gefieders mit dem helleren Kopf und der langen Spitzenhaube geben ihr ein recht drolliges Ansehen. Diezarteste der deutschen Meisen ist die Schwanzmeise „das Pfanneustielchen". Sie weicht nicht nur äußerlich von dein TypnS der geschilderleii Waldmeisen ab, sondern auch in ihrer Lebcusivcise, der Art ihres Wohiibezirls und vor allem im Steftban. Sie ist Höhlenbrütcrin tvie die Waldinciseu. Aber während diese vorhandene Höhlungen ansbaueir und für das Brutgeschäft zurechtmachen, er- baut die Schwaiiziiieise die Nisthöhle selbst. Sie fertigt aus Moos, Flechten, Halmen, kleinen Rindeustückcn eine dichtivandige eiförmige Höhlung, deren JnnercS mir Tierhanre» und Feder» weich gepolstert ist; die Baustoffe sind durch Spinnengewebe, Pflanzen- wolle und dergleichen aneiiiander geheftet. Das Rest hängt an einem Aste und wird gern durch darunter befindliche Aeste ge- stutzt. Oben seitlich zeigt es eine runde Oeffnung, das Schlupfloch. In der äußern Erscheinung gleicht das Nest der Farbe und Struklnr des Baumes, an dem es hängt. Das Nest ist ziemlich eng und genügt vorerst der jungen Brut. Bald aber ist es für die zahlreiche langgeschwänzte Nachkoinnienschast zu klein, nnd die unruhigeii Vögelchen haben bald an einigen Stellen die Nistwand gelockert und durchbrochen und stecken nun die laugen Schwänze, die in der enge» Kinderstube überall hinderlich sind, durch diese Oeffuuugeu. Die Schwanznieise ist wie die Halibemneise ausschließlich auf Insekten- Nahrung' angewiesen und ist infolge dessen recht nützlich, zumal in der Nistzeit. Ivo sie stets 8 bis 15 hungrige Schnäbel zu sättigen hat. Sie hält sich gern an Waldrändern, kleinen Gehölzen und in Parks auf. Ii» Herbst konlint sie häufig in Gärten und in die Nähe menschlicher Wohiumgeil.— Kleines Fenillekon» 16. Der letzte Schultag. Glühend lastet die Jnlisomie auf dem kiesbestreuten Schulhof; der Kühlung bringende Wasierschlauchstrahl des pustenden Schnldieners hat ihrer Wirkung keinen Abbruch thun können. Die schlanken, jungen Nüster», die sich Mühe geben, durch ihr Grün die Einförmigkeii des Platzes ein wenig zu verwischen, lasten müde und matt ihre dünnen Aestchen hängen. Der letzte Schultag vor den großen Ferien! Heute geht es' ganz besonders laut zu, und das Lehrerkollegium, das gerade heute sich iroch so viel zu erzählen, so viel zu frage» hat, muß mehr als gewöhnlich zur Ruhe auffordern. In kleineren oder größeren Gruppen stehen die schwadronierenden Mädchen zusammen, nur die ganz kleinen laufen und haschen sich, bis sie der Mahnruf eines Lehrers zur Ruhe bringt. Langsam stellt sich eine Klasse nach der andren an," und als die Glocke zur letzten Schulstimde ruft, verteilt sich der lange Zug der Kinder in die einzelnen Klasse». Die Kleinen sitzen mit gefalteten Händen nnd warten auf „Frollein". Kugelrunde, pausbackige Mädclchen mit lachende» Augen, mit rotem Plappermäulchen und hellen, luftigen Kleidern sind be- deutend weniger unter der kleinen Gesellschaft vertreten, als die dunkel gekleideten Kinder mit den großen erwachsen-ernsten Auge», die schon so jung de» Mund fest zn schließen verstehen und in deren schniale, blasse Wangen selbst die brennende Sonne nicht ein bißchen Rot bat bringen können. Wie alle Jahre um dieselbe Zeit erzählen die roten Mündchen leise ihre» jeweiligen Nachbarinnen von der schöne» Reise, dem großen Wald, den vielen Kirschen mid Beere», der guten Großmutter, und die frohen Augen werden noch lachender; und dann werden stets ihre enisten Schwester» noch älter, müder; nur manche unter ihuc» blitzen auf und ein junger Wille, eiue jmtge Kraft wird sich dann seines Werts bewußt. Nachdem die Lehrerin das Schulzhmner betreten und die Kleinen aufgefordert hat, auseinanderzurücken und schön Richtuug zu nehme», damit sie nicht noch heißer werden, teilt sie der mit viebem Schurren und Lärmen ihrer Aufforderung nachkommenden kleine» Gesellschaft mit, daß Heft und Feder ruhig in der Mappe bleiben können; zum Schluß will sie ihnen noch eine Geschichte erzählen. Mäuschenstill sitzt die kleine Garde und lauscht dc>n:.Es war einmal. nnd sperrt Augen und Ohre» auf. als die wunderbaren Kräfte des.Tischlein— deck— dich' an die Reihe komme». Lächelnd fragt die Lehrerin:„Wer kau» mir beim einige Sachen aufzählen, die wohl auf dein Tischchen standen Und viele Aermchcn, runde und magere, erheben sich, um die Aufincrksamkcit ans sich zu lenken. Die Lehrerin läßt ihre Blicke über die kleine Schar gleite», bis sie auf einem seininelbloudeii, blasse» winzigen Ding haften bleiben.„Aber Anna, Du meldest Dich ja gar nicht! Ist Dir nicht wohl, Kind?' Die Kleine erhebt sich langsam, indem sie sich mit den llutcranne» ans die Tischkante stützt, ihre Augen sehen die Lehrerin fragend an und der blasse Mund öffnet sich zu einem tiefen Atemzuge.„Frollein, ich weiß was se hat. die wird ivoll wieder kein Frühstück mitjehabt haben, gestern Hab' ich se auch schon von meine Stulle was abgegeben. Nn Hab' ich nichts mehr, ich habe noch ein Slück für die Vögel hingelegt.' Ans die Frage der Lehrerin bestätigt das kleine Mädel mir mil einem müden, der- schämten Ricken die Erzählmig ihrer Genossin. Der Lehrerin sind derartige Sccnen nichts Seltenes, sie nimmt ihre Semmel ans dem Kathcd'erpnlt und reicht sie ohne ein Wort deur Kinde, das zaghaft hineinbeißt. Die angefangene Geschichte lvird zn Ende erzählt, nnr über die leckeren Speisen auf dem Zaubertischchen erfahren die Zuhörcrinnen nichts Genaueres. Der Lehrerin ist die Stimmung verdorben und die Lust zum Erzähleil vergangen. Sie hat schon mehreremal die Uhr ans dem Gürtel heransgenestelt. Es will aber auch heute mal wieder gar nicht läuten. Das juuge Mädchen denkt an den Exiraziig, der es noch am Abend nach den bayrischen Bergen bringen soll, und mit froher Miene erklärt es seinen Schützlingen den Zweck der Ferien. Es weiß sehr wohl, daß die wenigsten der Kleinen die rußige, heiße Stadt verlassen. Der kleine Beamte nnd der Arbeiter kennen kein Heringsdorf oder Harz- bnrg. Das eine oder das andre Kind hat draußen eine Großmutter oder Tante, bei der es die Ferien zubringen kann nnd nur sehr lvenige kommen in die Ferieiikolonie. Darum er- zählt das Fräulein auch nnr von den Großmüttern in Naueii oder Tegel, eriiiiicrt die paar kleinen Bleichgesichter, die mit nach Freienivalde in die Ferienkoloui!: kommen, ja recht artig und gehorsam zu sein»nd erkundigt sich dann teilnehmend nach den Fericiifreudcn der zu Hause Bleibenden. Das am meisten bevorzugte Vergnügen bildet bei der kleinen Gesellschaft das„Jn-den-Ham- gehen', wo man im Sand buddeln kann. Aber auch diese kleine Erholung ist noch nicht für alle ihre Zöglinge, wie die Lehrerin weinerlichen Lippen vernimmt. Manche sind der angestrengt z» Hause arveitenden Mutter willkommene Wärterinnen der noch jüngeren Geschwister, sie müsse» das Arbeiten und Cutbehren frühzeitig lerne»... Da endlich ertönt die Sckmlglockc für längere Zeit zum letztenmal. Gleickigültig gehen die meisten und nur wenige der Kleinen freudig in die Ferien. Was ist diese» bleichen Gcsichtchen der letzte Schultag, lvas der erste Fericutag?— Beide Tage bedeute» ihnen alte Not und alte Arbeit.... w. Die Entstellung derM'Nwatte. Uel'cr dieKmtt'atte schreibt H. Leisching in der„Zeitschr. b. Vereins deutscher Zeichenlehrcr": Der Ursprung und der Name der Krawatte ist ans die Kroaten znrnckznfnhren, deren Volkstracht sich noch henrzutage durch prächtige Halstücher auszeichnet. Kroatische Soldaten in französische» Diensten sollen am Ende deS siebzehnten Jahrhunderts den Aiistoj; gegeben haben, solch' prunkvoll farbige Halsbinden in Westeuropa all- gemein zu tragen. Ilrsprünglich war die Krawatte ein vorn zn einer Schleife zusammengebundenes Halstuch der Männer � heutzutage ist es freilich zu einem nur kläglichen Anhängsel ohne eigentlich ästhetischen oder praktischen Zweck geworden: höchstens den: das in uiisrcn Rauch- und Ru.ststädten nie ganz reine Hemd zu verdecken. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts knüpfte und knotete man die Krawatte selbst, wodurch die Eigenart des Trägers recht zur Geltung kain. Ein gewisser Brumme! erhob sich durch seine Fertigkeit darin und seinem Geschmack dabei zu einer europäischen Berühmtheit ersten Ranges. Bei Alt-Hannoverancrn, namentlich bei Pastoren, kann man»och die alte Form sehen: eS sind ziemlich steife, mit eigner Hand gebundene, weihe Halstücher. Vor achtzig Jahren trug man sie so ganz allgemein.—- Geologisches. — Die Entstehung der Düne n. Bisher wurde in geographischen Schriften die' Bildung der Dünen fast durchweg in der Weise erklärt, daß der Wind überall dort, wo feiner lockerer Sand in ausreichender Menge vorhairden ist, also besonders an Meeresküsten und in Sandwüsten, diesen emporwirbelt, die feineren Körner mit sich fortführt und, wen» er sich an einer kleinen Uneben- heit des Bodens, einem Stein, einem Grasbüschel oder einem andern Hindernis staut, den Sand dort in eigenartiger Weisc� anhäuft. Durch diese Sandauhäufnng wird da? Hindernis vergrößert, und dies führt»nn zu immer stärkeren Windaiistannngen. infolgedessen zu vermehrter Saudablagernug. bis diese Sandhiigcl schliesslich zu solcher Größe anlvachfen, dast sie sich zu Düncnzügcn vereinigen. Der Meteorologe B a s ch i n hat im», so schreibt Kahscr in der „Umschau", in überzeugender Weise dargethan, dast die regelmässige. wellenförmige Anordnung des Sands, welche die Grundlage für die Regelmäßigkeit»veitercr Sandanhäufnngen schafft und schlresslich zur Dünenbildimg führt, sich aus dem Bestreben zur Bilduug einer Helmholtzschen Wellenfläche erklärt, d. h. dieselbe Ursache bat, wie die Bildung der Wasserwellen. Dieselben physikalische» Gesetze lassen sich nämlich auch ans beweglichen Sand anwenden. Weht der Wind nämlich über eine voll- kommeue starre, zum Beispiel mit ASphaltpflastcr bedeckte ebene Fläche, so wird dieses Bestreben zur Bildung einer WcNcnfläche sich nur in periodischen Aendernngen deS Luftdrucks bemerkbar machen, die natürlich unsichtbar bleiben. Diese Lnftdriickänderungen werden sichtbar, wenn die Fläche mit feinem Sand bestreut wird, der sich sofort wellenförmig anordnet, indem er sich an den Stellen geringeren Drucks in lange» Linien anhäuft, während er auf den Linien höheren Drucks, die den Wellenthäleni der Wassertvellcn entspreche», fort- geblasen wird. Man kann auf jeder asphaltierten Strafe beobachten, daß der Staub sich in diesen Wellenformeir anordnet, wenn der Wind darüber hinweht, vorausgesetzt, daß derselbe nicht eine solche Stärke erreicht, daß er den Sand in laugen, seiner eignen Richtung parallelen Streifen vor sich herfegt. Ein großer Unterschied gegenüber den Wasserwelle» bleibt nntnr- lich bestehen, das ist derjenige, der seine Ursache in der Verschieden- heit des Stoffs hat. So leicht beweglich auch der feine Snndstnnb ist, so hat er doch lange nicht dieselbe leichte Beweglichkeit wie eine Flüssigkeit, und dies hat zur Folge, daß nach dem Aufhören der wirkenden Ursache die in Wellenform gelegte Oberfläche sich nicht wieder glättet wie da? Wasser, sondern daß die einmal gc- bildeten Unebenheiten bestehen bleiben und nun allerdings als Hindernisse tvirkcn und zur Wirbclbildnng und zu dadurch ver- nrsachter iveiterer Saudanhäufung führen können. Eine Iveitere Wirkung dieser Verschiedenheit des Stoffs aber besteht darin, daß die Sandwcllen, so lange sie noch klein sind, mit dem Winde sich ziemlich schnell vorwärts bewege», ähnlich wie Wasscrwcllcn, daß die? aber aufhört, sobald sie eine beträchtlichere Größe erreicht haben. Der Grund diese? eigentümlichen Verhaltens ist darin zu suchen, daß die Fortbewegung der Sandwellcn einer Massenbewegung entspricht. die nur so lange mit einiger Geschwindigkeit vor sich gehen kann, als es sich um imbeträchtliche Massen handelt, während bei den Wasier- Ivellen die einzelnen Wasscrtcilchen keine ivesentliche Vorwärts- bewegnng in wagerechtcr Ricktung erfahren, sondern unr schivingcndc Bewegungen an' Ort und Stelle ausführen. Während bei ganz kleinen Sandrippcln noch beinahe die ganze Sandwcllc in ihrer Gc- sanithcit sich vorwärts bewegt, lh-steht die laugsame Fortbetvcgung der Dünen darin, daß die vom Wind vorwärts getriebenen Sand- törner den sanften, der Luvseite zugewandten Abhang bis zur Kamm- liirie hinaufgetrieben werden, um au der steilen Leeseite herab- zufallen, ivo'zn noch durch Wirbelbildung an der Leeseite einige Rebenbetvegungen kommen. Durch diesen linterschied in der Art der Fortbewegung von Wasser- und Sandwellen erklären sich auch die meisten andern Unterschiede zwischen beiden, zum Beispiel die von der Form der Wasserwelle verschiedene Form der Düne mit ihrem bezeichnenden Unterschied zwischen Luv- und Leeseite, die Schichtung der Düne» und vieles ondre. Technische:. — U e l> e r d i e V e r w e u d u n g von Erdöl beim Wege- b a n schreibt der„Prometheus", In Nordamerika ist der Gebrauch von Petroleum auf Bahngclciscn zur Staubverhütuiig schon länger üblich. In letzter Zeit ist man nun dort auch dazu übergegangen, daS Erdöl beim Wegbau zu verwenden. Im diesjährigen Bande von Maryland Geological Survey erörtert Arthur Newhall Johnson die Anlage und Instandhaltung der Vcrkchrslvcge und erwähnt dabei auch die Erfolge, die man mit der Amvcndung des Petroleums beim Wegebau erzielt hat. Es handelte sich auch hier in erster Linie um Staubvcrhürung und um Bindung des losen Staubes. Eincn neuen festen Macadanuvcg nnt Erdöl zu übergießen, um einer Staubbildung vorzubeugen, erwies sich als zivecklos. Petroleum- bcgicßung ist angebracht, ivenn bereits eine Staubschicht zum Binden vorhanden ist. Freilich genügt es nicht, nur die oberste Schicht des StaubeS mit dem Erdöl auziiseuchten, da die Wagenräder sie sofort wieder zerbrechen und den Staub frei machen würden. Die ganze Staubschicht muß vielmehr mit Oel durchtränkt tverden. Für Macadamwege hat es sich bewährt, eine Mischung von schwerem Rohöl und Erdpech, in parallelem, etwa 15 Eent- metcr von einander enlferuten Streifen in hinreichender Menge über die Wegfläche zu gießen, die Staubmasse kräftig durchzuharken, mit Wasser zu besprengen und glatt zu walzen. Bei einer ungefähr 12 Millimeter hohen Staublage genügen zur Bearbeitung von lOZlr Wegfläche rund 35 Liter Erdöl. Der so gewonnene Weg ist glatt. staubfrei, bietet dem Auge mit seiner dunklen Farbe einen wöbl- thucnde» Anblick und läßt bei hinreichender Wölbung das Wasier abfließen. Zudem ist er haltbarer, da die Niederschläge nicht in ihn eindringen und ihn lockern können. Aus diesem Grunde tvird der Gebrauch der Oeltränkinig schon während der Anlage des Macadams empfohlen. Wird die Packung auch in den nulcru Schichten mit Petroleum behandelt, so bildet' sich nach Fertigstellung des Wegs eine feste, wnsscrnndnrchlässige. dauerhafte und außerordentlich tragfähige Unterlage, was in manchen Bodenarten, ivie in schiverem Thonboden, sehr wertvoll ist. Auch für Straßcnpflastcr wird Oelanfgnß gelobt. weil er de» lockeren Staub in den Fugen festhält und die Steine dadurch vor dem Losewcrden schützt. Für die Eutivicklimg der Obst- und Fcldfrüchte läinss der Wege hat sicy die Verhinderimg der Staub- cutwickluiig sehr vorteilhast erwiese».— HnmoriftischeS. — Der geeignetste Stuhl. Dame:„Ich brauche eine» hübschen Stuhl für mein Besuchszimmer." Tapezier:„Da kann ich Ihnen ctivaS Vorzügliches anbieten. Bitte, nehmen Sie auf diesem Stuhl Platz" .Dame:„Aber der ist ja entsetzlich unbequem. Auf dem kann man nicht fünf Minuten mit Behagen sitzen." Tapezier:„DaS ist ja eben das richtige. Der Stuhl ist doch für ein Besuchszimmer bestimmt."— — I m m e r K a v a l i e r. In der Pferdebahn überläßt ei» Herr einer altern Frau seinen Platz. Sofort setzt sich ein in der Nähe stehender Herr darauf nieder.„Bitte, stehen Sic auf", sagte der Herr,„ich habe meinen Platz für diese Dame aufgegeben." „Schon gut," erwiderte der andere, sie ist meine Frau."—' Einigkeit. Einig seid Ihr über Ehiua, Mächte! Da ist keine, die nicht Ehina möchte. („Jugend."» Notizen. — Die Witwe des verstorbenen Dichters R. W. Gogol hat die Anregung ziir Errichtung eines Denkmals für ihren ver- siorbeiieu Gemahl in Moskau gegeben, hat sich aber die Aus- arbcitimg des Projekts und alle näheren Einzelheiten vorbehalten.— — Das Helsingforser Philharmonische Orchester trifft am 18. In Ii früh zu seinem eisten Konzert in der Philharmonie hier ein.— — An dem Gebnrtshause Hans von B ü l o w s in D r e S d e n- N e ii st a d t ist eine von Hamburger Verehrern und Verehrerinnen gestiftete Gedenktafel feierlich enthüllt ivorden. � — Heinrich Sütel tvird am Montag in der Mortvitz-Oper als Manrico(Troubadour) gastieren.— — V o m IG. bis 19 September tvird in Lübeck ein i n t e r ii a t i o n a l e r k u n st h i st o r i s ch e r K o n g r e ß abgehalten werden.— — Die neue Wetterwarte ans der S ch n e e k o p p e, die jetzt eröffnet wird, trägt die herrliche Inschrift:„ M c t e o r o- logisches O b f e r v ä t o r i ii m". Die Bezeichiiniig ist zwar häßlich, klingt dafür aber sehr gelehrt.— — Ein Mann, der auf der Geflügel- und Kaiiiiichen-AilSstellmig in A a r a n ein gefärbtes Kaninchen ausstellte, ist bom Bezirksgericht Aara'u zn 15 Fr. Buhe und Tragmig der Kosten ver- urteilt ivorden.— Die nächste Nummer de» Unterhaltimgsblatts erscheint am Sonntag, den 8. Juli. Viranr>olltt!l»e: Rzoaeicur: Hugo Poefesch in Berlin. Druck un» Periag vor. Svcax Babtita m Berlin.