Anterhaltungsbl Nr. 131. Dienstag, tNachdmit verboten.) AufevPtekzunN. Noman von Leo T o l st o j. Cr hatte jetzt ein Gefühl für sie. das er früher niemals empfanden hatte. Dieses Gefühl hatte nichts gemein weder mit der ersten poetischen Zuneigung, noch gar mit der sinn- lichen Verliebtheit, die er dann empfanden hatte, noch etiva mit dem Gefühl von Pflichterfüllimg im Verein mit Eigenliebe, in dem er nach der Gerichtsverhandlung beschlossen hatte, sie zu heiraten. Dieses Gefühl wat ganz ciafach das Gefühl dcS Mitleids und der Rührung, die er zum erstenmal beim Zusammentreffen niit ihr im Gefängnis und dann mit neuer Macht»ach ihrem Aufenthalt im Kränkenhause erfahren hatte, lvo er. seinen Abscheu übeNvindend, ihr die eingebildete Geschichte mit dem Feldscher verziehen hatte(deren Unwahrheit sich dann herausstellte); es war ganz genau dasselbe Gefühl, nur mit dem Unterschiede, daß es damals zcitlveilig erschien, jetzt aber beständig in ihm blieb. Woran auch immer er jetzt dachte, was auch immer er that. seine Gesamtstimmung bestand in diesem Gefühl des Mitleids und der Rührung nicht nur gegen sie. sondern gegen alle Menschen. Dieses Gefühl brachte in Nechljudoivs Seele gleichsam den Strom der Liebe zu Tage, der früher keinen Ausweg gesunden hatte, sich jetzt aber gegen alle Menschen lvandte, mit denen er zusammentraf. Nechljudow fühlte sich während der ganzen Reise in dem erregten Zustande, in ivelcheni er unwillkürlich teilnahmsvoll und aufmerksam gegen alle Leute war. vom Fuhrmann und Eskortesoldaten an bis zum GefänguiSdirektor und Gouverneur, mit denen er zu thun hatte. In dieser Zeit wurde Nechljudoiv infolge der lieber- sührung der MaSlowa zu den Politischen mit vielen politischen Strafgefangenen bekannt. zuerst in Jckaterinenburg, wo sie alle zusammen in einem großen Raum sehr frei untergebracht waren, und dann uuteiwcgS mit jenen fünf Männern und vier Frönen, denen die Maslowa zugesellt ivar. Nachdem Nechljudoiv sie näher kennen gelernt, gewann er die Ueberzeugnng, das; es keine ausgesprochenen Böseivichtcr waren, als welche viele sie sich vorstellten, und keine aus- gesprochenen Helden, für welche die Angehörigen seiner Sphäre einige von ihnen hielten, sondern ganz gewöhnliche Menschen. unter denen sich wie überall gute und schlechte und in der Mitte stehende Wesen befanden. Es waren unter ihnen auch Leute, die sich von selbstsüchtigen, ehrgeizigen Motiven leiten ließen; die Mehrzahl aber hatte sich durch den Nechljudow vom Kriege her bekannten Wunsch. Gefahren zu bestehen, etwas zu ric-liere», durch das Vergnügen, das sie daran empfanden, ihr Leben aufs Spiel zu setzen— lauter Gefühle, die der allergelvöhnlichsten energischen Jugend eigen sind—, hinreißen lassen. Nachdem Nechljudow sie näher kennen gelernt, überzeugte er sich. daß es eben solche Menschen wie alle andern wären, nur mit dem Unterschied, daß diejenigen von ihnen, die sich über das Durchschnittsmaß erhoben, sich weit darüber erhoben, die aber unter dem Durchschnitt blieben. weit darunter blieben und eine Korporation von nnaufrichtigen. sich verstellenden und gleichzeitig selbstbewußten, stolzen Leuten bildeten. So kam cS, daß Nechljudow einigen seiner neuen Bekannten gegenüber mehr als gleichgültig blieb, andre aber von ganzer Seele liebte. Besonders liebte Nechljudow einen zur Zwangsarbeit ver- schickten schwindsüchtigen jungen Mann, Krylzow. der in der Abieilnng ging, zu der die Maslowa gesellt war. Nechljudow hatte ihn schon in Jekatcrinenburg kennen gelernt und ihn dann ans dem Marsch einigemal gesehen und sich mit ihm unterhalten. Einmal im Sommer an einem Rasttage auf einer Station hatte Nechljndow fast den ganzen Tag mit ihm verbracht, und Krylzow hatte ihn: in der Nnterhaltnng feine Geschichte erzählt. Diese Geschichte vor seiner Ein- sperrnng war sehr kurz. Sein Vater, ein reicher Gutsbesitzer in einem südlichen Gouvernement, ivar gestorben, als Krylzow »loch ein Kind war. Er ivar der einzige Sohn, inid die Mutter erzog ihn. Er lernte leicht auf dem Gymnasiinn wie aus der Universität und absolvierte die Universität als erster Kandidat der iiiatheinatischen Fakultät. Man schlug ihin vor, sich an der Universität zu habilitieren und ins Ausland zu t des vorwärts 10. Juli. 1900 reisen. Aber er zögerte. Es gab ein Mädchen, da? er liebte. und er dachte an eine Ehe und Thätigkeit auf dem Lande. Er wollte alles und entschied sich für nichts. Um die Zeit baten Universitätskollegen ihn um Geld für eine gemeinsame Sache. Er wußte, was das für eine gemeinsame Sache war, und interessierte sich damals ganz und gar nicht dafür, gab aber aus kollegialem Gefühl und ans Eigenliebe, damit man nicht dächte, er fürchte sich, das Geld her. Die es in Empfang ge- nommen hatten, fielen herein; man fand ein Schreiben, auS dem hervorging, daß das Geld von Krylzow stammte: er wurde verhastet und erst auf die Wache, dann ins Gefängnis gebracht. Nach seiner Entlassung ans dem Gefängnis reiste er bald nach dem Süden, bald nach Petersburg, bald ins Aus- land. bald nach Kijew, bald nach Odessa. Der Mann aber, auf den er vollkommen vertraute, verriet ihn. Er wurde ver- haftet, vor Gericht gebracht, zwei Jahre lang im Gefängnis festgehalten und zur Todesstrafe verurteilt, die dann in lebens- längliche Verbannung umgeändert wurde. ' Im Gefängnis entstand bei ihm die Schwindsucht. und jetzt hatte er in der Umgebung, in der er sich befand, augenscheinlich nur noch einige Monate zu leben. Und das wußte er. Sechstes Kapitel. An dem Tage, an ivelchem beim AnSniarsch von der Station der Znsammenstoß des Eskorte- Offiziers mit den Sträflingen wegen des Kindes stattfand, erwachte Nechljudow, der in einer Herberge übernachtet hatte, spät und machte sich dann noch an einige Briefe, die er nach der Gouvernements- stadt abschickte. So kam es, daß er später als gewöhnlich aus der Herberge fortsuhr und den Zug nicht wie früher unterwegs einholte, sondern erst in der Dämmerung in dem Dorfe ankam, neben dem die Zwischenstation lag. In der Herberge, die eine Witwe, ein bejahrtes dickes Weib mit ungewöhnlich weißem dickem Halse, hielt, zog Nechljndow zunächst trockenes Zeug an, trank dann in dem sauberen, mit einer großen Menge von Heiligen- bildern und Gemälden ausgestatteten Gastzimmer Theo und eilte auf den Stationshof zum Offizier, um diesen um Gewährung einer Zusammenkunft zu bitten. Ans den sechs vorhergehenden Stationen hatten die Eskorte- Offiziere, trotzdem sie ivechsclten, sämtlich Nechljudow nicht in den Stationsranm hineingelassen, so daß er Katjuscha über eine Woche nicht gesehen hatte. Diese Strenge rührte daher, daß man die Durchreise eines hohen Gefängnisbeamtcn er- wartete. Jetzt war der Beamte aber durchgereist, ohne die Stationen besichtigt zu haben, und Nechljudoiv hoffte, daß der Eskmte Offizier, der morgens den Zug übernommen, ihm wie frühere Offiziere die Erlaubnis zu einer Zusammenkunft mit Katjuscha erteilen würde. Die HerbergSmutter bot Nechljndow einen Reisewägen an, um zur Zivischenstation, die am Ende des Dorfs lag, hinzufahren: Nechljudoiv zog es jedoch vor, zu gehen. Ein junger, kleiner, breitschultriger Bursche, ein Arbeiter, in großen, frisch mit duftendem Birkenteer geschinierten Stiefeln. übernahm die Führung. Vom Himmel sank Nebel herab, und es ivar so dunkel, daß. wenn der Kleine nur drei Schritte an solchen Stellen, wohin kein Licht aus den Fenstern fiel, zur Seite trat, Nechljudoiv ihn schon nicht mehr sah, sondern nur das Schmatzen seiner Stiefel in dem zähen, tiefen Schmutz hörte. Nachdem man einen freien Platz mit einer Kirche und eine lange Straße mit Hänsern, deren Fenster hell erleuchtet waren, überschritten hatte, gelangte Nechljudoiv hinter seinem Führer an das in völlige Finsternis gehüllte Ende dcS Dorfs. Aber bald wurden auch in dieser Finsternis Lichtstrahlen von Lateriien sichtbar, die bei der Stakion brannten. Die rötlichen Feuerslecke wurden innner größer und heller; die Pfähle der Umzännnng wurden sichtbar, die schivarze Gestalt der Schild- wache ans ihrem Posten, der gestreifte Wegpfahl und daS Schilderhaus. Die Schildwache rief die beiden beim Näher- kommen mit dem gewöhnlichen„Wer da?" an, und erwies sich. als sie erfahren, daß es keine Kameraden waren, als so streng, daß sie sie nicht einmal neben dem Zaun warten lassen wollte. Aber Nechljudows Begleiter ließ sich durch däS strenge Benehmen der Schlldwache nicht verblüffen. — 5! «Ei, Bursch, was bist Du böse!" sagie er ihm.„Nnf Deinen Feldwebel, wir werden schon warten." Die Schildwache gab keine Antwort, rief ctlvas in die Pforte hinein und blieb stehen, indem sie unverwandt zusah, wie der breitschultrige Kleine im Schein der Laterne Nechl- judows Stiefel mit einem Holzspan von dem Dreck reinigte, der an ihnen hörigen geblieben war. Hinter den Pfählen der Umzäunung war ein dumpfes Getöse von Männer- und Frauenstimmen zu hören. Nach drei Minuten erklang die Glocke, die Pfortenthür öffnete sich, und aus der Dunkelheit trat ins Licht der Laterne ein Feldwebel im umgeworfenen Pelz und fragte, was man wolle. Nechljudow übergab seine bereitgehaltene Visitenkarte mit einer Aufschrift, in der erbat, ihn in einer persönlichen Angelegenheit zu empfangen, und bat, die Karte dem Offizier zu übergeben. Der Feld- wcbel war weniger streng als die Schildwache, dafür aber besonders neugierig. Er wollte unbedingt wissen, ineshalb Nechljudow den Offizier sehen müßte und wer er sei; offen- bar witterte er eine Beute und wollte sie sich nicht entgehen lassen. Nechljudow sagte, es wäre eine Privatangelegenheit, er würde sich dankbar erweisen und bäte, den Brief zu übergeben. Der Feldwebel nahm das Schreiben und ging kopfschüttelnd fort. Einige Zeit nach seinem Weggange klingelte die Pforte wieder, und es traten Weiber aus ihr heraus mit Körben, länglich-runden Gefäßen aus Birkenrinde, irdenen Töpfen und Säcken. In ihrem eigentümlichen sibiri- schen Dialekt laut schwatzend, überschritten sie die Pfortenschinelle. Alle waren nicht ländlich, sondern städtisch in Paletots und Pelze gekleidet; die Röcke waren hoch aufgeschürzt, um den Kopf hatten alle Tücher gewickelt. Sie sahen im Schein der Laterne Nechljudow und seinen Begleiter voll Neugierde an. Eine aber, die sich anscheinend über die Begegnung des breit- schultrigen Kleinen freute, fing sofort an, ihn auf sibirische Art freundschaftlich zu schelten.„Du, Waldteufel, sag', was machst Du hier?" wandte sie sich an ihn. „Ich habe einen Fremden hergeführt," antwortete der Kleine.„Was hast Du gebracht?" „Fleisch und Milch; haben uns schon morgens her- befohlen." „Und die Nacht über nicht dabehalten?" fragte der Kleine. „Ei, daß Dich— schwatzt der Unsinn zusammen l" rief sie lachend.„Komm mit zum Dorf, bring uns hin." Der'Führer sagte ihr dann noch etwas Derartiges, daß flicht nur die Weiber, sondern auch die Schildwache lachte, und wandte sich an Nechljudow: „Findet Ihr auch allein hin? Werdet Euch doch nicht verirren?" „Nein, nein, ich finde schon hin." „Wenn Ihr an der Kirche vorbeikonimt, vom zwei- stöckigen Haus rechts der zweite Weg. Da ist Euer Freund", sagte er und übergab Nechljudow einen mehr als manns- langen Stock, mit dem er gegangen war, und verschwand mit den riesigen Stiefeln klatschend samt den Weibern in der Dunkelheit. Seine Stimme klang, von Frauenstimmen unterbrochen, noch im Nebel, als die Pforte wieder klingelte und der Feld- webel heraustrat. Er forderte Nechljudow auf, mit zum Offizier zu kommen. Siebentes Kapitel. Die Halbstation lag ebenso wie alle Voll- und Halb- stationen auf dem Wege nach Sibirien auf einem von zu- gespitzten Pfählen umschlossenen Hofe. Sie bestand aus drei ein- stöckigen Wohnhäusern. In einem, dem größten, mit vergitterten Fenstern, waren die Gefangenen untergebracht. Im zweiten befand sich die Eskorte-Abteilung, im dritten der Offizier und die Kanzlei. In allen drei Häusern brannte jetzt Licht und verhieß wie stets, besonders aber hier, trügerisch etwas An- genehmes. Gemütliches in den erleuchteten Räumen. Vor den Haustreppen brannten Laternen; außerdem brannten noch etwa fünf Lampen an der Wand und erhellten den Hof. Der Unteroffizier führte Nechljudow auf einem Brettersteg zur Treppe des kleineren Hauses. Nachdem er die drei kleinen Stufen hinangestiegen war, ließ er ihn zuerst in den von einer Lampe erhellten und von dunstigem Rauch erfüllten Flur ein- treten. Am Ofen stand ein Soldat in grobem Hemd, mit Halstuch und schwarzen Hosen, in nur einem Stiefel mit gelbem Schaft, und fachte vornübergebeugt mit dem andern Stiefel einen Samowar an. Als er Nechljudow erblickte, ließ er den 2— Samotnar stehen, nahm Nechljudow den lcderueu Nock ab und ging in den inneren Raum. „Er ist da, Euer Wohlgeboren." „Nun, so ruf ihn her!" ertönte eine ärgerliche Stimme. „Treten Sie näher", sagte der Soldat und machte sich sofort wieder an den Samowar. Im zweiten Zimmer, in dem eine Hängelampe brannte. saß hinter einem mit� den Ueberbleibseln vom Mittagessen und zwei Flaschen besetzten Tisch der Offizier in einer öst- reichifchen Jacke, die seine breite Brust und Schultern um- schloß. Er hatte einen langen blonden Schnurrbart und ein sehr rotes Gesicht. tFortsetzung folgt.) EhinrJtMrs. Dos ostosiotnchc Ricsenreich. dos gegenwärtig die Aufmerksoin- keit aller der Stotione» auf sich gelenkt hat, die.kolonisatorisch- veredelnd", sei es durch Missionare, sei es durch Pochtnngcn, nnf den„gelben Mann" einivirken wollen, bietet im Abspielen der Lebenssunktionen seiner Einwohner viel Interessantes und Eigen- artiges. Der„Kölnischen Zeitung", die über Land und Leute in China plaudert, entnehmen wir folgendes: Das häusliche Leben des Chinese» ist nntzerst einförmig. DerManngchtscinenGeschäfteiinach. die Frau verrichtet dazwischen ihre Arbeit, die in der Pflege der Rinder, im Zubereiten der Mahlzeit und im Instandhaltcn der Kleider be- steht. Beim Heiraten konnnt nur der Wille des Manns in Betracht. Das Mädchen wird meist als Kind verlobt; das besorgen in der Regel die Heiratsvermittlerinnen, worauf der Bonze sein Horoskop stellt, um den giinstigen Zeilpunkt zu bestimmen. Iii solchen Fällen lernen sich die Brautleute erst anr Hochzeitstag kennen. Man heiratet in China beispiellos früh, der angehende Gatte zählt oft nicht einmal 12 Jahre, die Braut kaum V Jahre. Die Männer ziehen Frauen mit kleinen Fiitzcn vor, und daraus wollen einige die Unsitte erklären, den Mädchen vom fünstcn oder sechsten Lebens- jähre an die Flitze zu verkrüppeln, bis sie die widerliche Klumpen- form zeigen, die man mit den, landläufigen Ausdruck„goldue Lilien" bezeichnet. Eine verheiratete Frau darf nicht mehr mit einem andren Mann und sei er auch ihr leiblicher Bruder sprechen. und darf auch nach dem Tode ihres Gatten nicht mehr heiraten. Fragt man einen Chinesen nach der Zahl seiner Kinder, so gicbt er nur die mäim- lichcn Sprötzlinge an, denn„ein Knabe gilt zehn Mädchen" im Lande der Mitte. Die Geburt eines Mädchens betrachtet man in der Familie als ein grotzes Unglück und häufig lätzt man das be- klagenswerte Geschöpf, wenn man sich seiner nicht sofort ans die eine oder andre Weise entledigt, in Kuabcnkleidern gehen— besonders in reichen Familien— um sich wenigstens mit der Täuschung zu trösten. Den Erzeugnissen der chinesischen Küche dürfte ein Europäer wenig Geschmack abgewinnen, und wen» auch Rnttenrippen, Kapenragout und Hundcfilet, in Oel gebraten und mit Knoblauch zugerichtet, auf der chinesischen Speisekarte nicht so häufig sind, wie man vielfach behauptet, so verzeichnet sie doch Gerichte genug, die uns ein gelindes Gruseln bereiten, so SchncckenmuS mit gedämpften Lilienwurzeln, eingesalzene, wochenlang in der Erde vergrabene Enteneier, Scetangsalat, Fisch» kicnien n. dergl. Die Hauptznspeise besteht ans Reis. Schweine- fleisch wird ebenfalls viel genossen. Bein, Essen bedient sich der Chinese zweier dünner Stäbchen, mittels deren er mit bewuiidemiigs- würdiger Fertigkeit seine Brocken ans dem Napf in den Mund hin» einführt. Als Tischgetränk dient Wasser, oft mit Honig vermischt. An berauschenden Getränken hat man im südlichen China einen durch Gährung erzielten ungebrannten Reisschnaps. Der Chinese ist sehr arbeitsain, im allgemeinen auch anSdanernd und ist geivöhnlich friedsamen Charakters. Auch ist er bis zur Uebcr- treibung höflich. Er ist fenier ein geborener Handelsmann, pfiffig und verschlagen, wo es sich dämm handelt, einen lohnenden Gcivin» herauszuschlagen, im höchsten Grade geldgierig, und wuchert, pvo sich ihm die Gelegenheit bietet. Im Auslande ist er als sehr sparsam bekannt, und es ist Thatsachc, datz er, wenn er im fremden Laude ein Vermögen erspart hat, so schnell als möglich wieder nach der Heimat zurückkehrt. Denn der Chinese hängt mehr wie irgend ein andres Volk an dem Lande seiner Geburt, und überall im Auslande schlicht er sich seinen Landsleutcn an, wohnt in eigenen Stadtvierteln und hält getreulich zu den Sitten und Gebräuchen seiner Väter. In bezng auf die Schulbildung der Chinesen gilt es als be- zeichnend, daß Zählen und Rechnen über allen andren Lehrfächern steht. Uebrigeus ist Sprechcnlernen und Zählenlernen bei dem angehenden Weltbürger gleichbedeutend. Sobald solch ein Knirps den Pinsel halten kann, fängt er schon an Zahlen zu malen, und in allem, was den Handel angeht, ist er schon in frühester Jugend gewandt. Man kann ein Kind getrost in den Kaufladen oder ins Pfandhaus schicken, es lätzt sich sicher nicht betrügen, so sagt ein chinesisches Spn'ichlvort. Gelesen wird viel im Reich der Mitte, aber die Fertigkeit im Schreiben, wenigstens in der wissenschaftlichen Schreibweise, beschränkt sich meist auf die Gelehrten, denn man bedenke nur, was es heitzt, eine Schrift, die nicht weniger als 20000 verschiedene Zeichen hat, zu beherrschen! Das; daS Studium der chiiiesislvtii Wisscuschafte» aber auch»och mit ander» Schivierigkeitc» verknüpft ist, beiveist uns ei» Blick in die Priifuugshalle» der Stude«tcii. Die„Kungjuin" zu Kauto» zum Beispiel vestcbt aus etiva 7SuO vo» einauder abgeschiedenen Zellen, die mit den Prüfungssälen ein großes Viereck bilden. Jede dieser Zellen ist vier Fuß lang, drei Fuß breit und kaum so hoch, daß ein Erwachsener aufrecht darin stehen kann. Die ganze Slusstattung be- steht ans zlvei Brettern, wovon das eine als Schemel und das andre als Eß- oder Schreib- und Stndiertisch dient. In dem durch das Viereck gebildeten Hofraum gehen ohne Unterbrechung Soldaten auf und ab. die darauf zu achten haben, das; die eingeschlossenen Studenten nicht miteinander sprechen oder sonstwie verkehren können. Die Prüfungen find sehr schwierig, und es soll vorkommen, daß Enkel und Großväter sich zu gleicher Zeit um deitselben Ivissenschastlichen Grad bewerben. Ganz verschieden von den Münzen andrer Länder ist das Geld der Chinesen. Gold und Silber werden nicht in Münze geprägt; ja China besitzt überhaupt kein eigenes Geld, wenn man von dem Kosh absieht. Letzterer ist eine aus einer Mischung von Kupfer und Zinn hergestellte messingfarbene Münze, etiva so groß wie ein deutsches Markstück, und hat in der Mitte ein viereckiges Loch, damit man die Münzen auf eine Schnur ziehen kann. Tausend derselben machen«inen Tael sellva 6 M.). Der Tael gilt allgemein als Rechinnigseinbeit, ist jedoch ein Gelvicht, keine Münze. Im finanziellen Verkehr find BankbilletS im Umlauf, zahlbar an den Inhaber- Außerdem spielt der mexikanische Piaster eine große Rolle. Auch dieser mexikamsche Dollar lvird gewogen, daher zmveilen in Hälften, Viertel und selbst Achtel zerschnitten. In Bezug auf die Rclbtspflege siebt China noch tief unter dem Niveau des Mittelalters. Bei Kriininalgerichtssitzungcn komnit die ffolter häufig zur Anivendung. Auf Verbrechen steht meist die Todesstrafe, leichtere Vergehen werden durch Stockpriigel geahndet. Die Gefängnisse find Pcsthöhlen im buchstäblichen Sinne des Worts; die Sträflinge iverden oft in einen schweren hölzernen Halskragen gezlvängt, so daß sie sich nicht einmal niederlegen können, da das fürchterliche Instrument sie erdrosseln würde. In seinen Gcbetsübnngen ist der Chinese kcinesivegs übereifrig. Die Wohlhabenden dingen sich oft einen Stellvertreter, der für sie ihre Andacht verrichtet,' da das„Aichin Jos", die Anbetung des Götzen, sehr unbequem ist. Sie besteht in mehrmaligem Sichniedcr- tverfen, wobei der Kopf auf die Erde geschlagen werten muß;_ auch giebt es in diesem Lande der Handarbeit— eine Gebetmaichine. Die Gebctzettel— sie müssen rot gedruckt sein— werden in beliebig großer Anzahl auf mächtige Walzen geklebt, die durch Kulis oder Wind oder Wasser, jetzt vermutlich auch durch Dampfkrafl ge- dreht iverden. Fast jeder Chinese hat seinen Götzen zu Hause, manch- nial hält er sich aiich mehrere. Vor jeder Mahlzeit werden ihm einige Reiskörner und Thce als Opfer hingelegt. Sonst bringt man meistens Rauchopfer, indem man rote JoSstäbcheu, die in einem Gefäß neben dem dickbäuchigen, langohrigen Fetisch aufbewahrt werden, verbrennt. Will man Geld opfern, so wird vorsichtigeriveise Gold- oder Silberpapier verbraunt. In jedem Hanse findet man einen Ahnenaltar, und auch auf diesem iverden Naucbopfcr dargebracht. Der Chinese stellt sich die Höllenqualen noch weit fürchterlicher vor als ein gläubiger Europäer, denn er hat gleich sieben heiße imd sieben kalte Höllen, in deren jeder er viele Jahrtausende lang die schreck- lichsten Martern erdulden muß. Bei religiösen Festen giebt es Um- züge, die mehr an einen Maskenzug als an eine kirchliche Prozession erinnern. Ungeheure Drachen, unter denen sich oft an die fünfzig Menschen befinden, um das Monstrum vorWims zu bewegen, und sonstige Ungeheuer, groteske Götzenbilder, gute und böse Dämonen versinnbildlichend, und eine Unmasse roter Fabnen ragen über der Kopf an Kopf gedrängten Menschenmasse hervor. Zu alledem gehört eine entsetzliche Musik, der betäubende Lärm der Gongs, Becken und Trommeln und daS Kreischen der Flöten, die meist von Knaben gespielt werden. Zum Schlüsse mag noch der Soldateska in Kürze Erwähnung geschehen. Die Uniform der Soldaten, die in einem blauen oder roten Kittel(Kea) mit auf der Rückenseite in weißem Felde angebrachter Bezeichnung des Llegiments, und in weiten, duukelfarbne» Beinkleidern, die oberhalb der Fußknöchel mit Tnchstreifcn umtvickelt sind, besteht, hängt schlotternd am Leibe, die Bewaffnung be- stand noch im Krieg gegen Japan in einem Gewehr irgend eines Modells mit Bajonett. Auffällig ist, daß die Chinesen, sobald der Feind herannaht, eine Unmasse papicrner roter Fähnchen mit großen schwarzen Lettern die ganze Front ihrer Stellung entlang in die Erde stoßen. Schreiber dieser Zeilen sah in den Kämpfen um Langson auf den von den Chinesen besetzten Berghöhen ungeheuer lange Reihen solcher Flaggen. Er kann sich dies nicht anders erklären, als daß die rätselhasten Dinger Gebet- zettel sind, die den Schutzpatronen ihrer Träger geweiht sind; ihre große Zahl schließt die Annahme aus, daß es Feldzeichen sein könnten. Jedenfalls ist dieser seltsame Brauch für den Gegner aus leicht be- greiflichen Gründen von großem Vorteile. Des weitern fiel ihm die Art und Weise auf, wie diese gelben Marsjiinger ihre Signale geben. Dies geschieht durch schnell aufeinanderfolgende Hornstöße— das Signalhorn ist ein drei bis vier Fuß langes Messinginstrnment, dessen obere Hälfte sich in die untere einschiebe» läßt � die in einem langgezogene» Tone ansklingen.— Kleines �enillekon. — Wie viel kostet die Pariser Welt-Anöstcllnug? Der „Bossische» Zeitung" wird geschrieben: Die Rechenansgabe über den Wert, den die Pariser Welt-Ausstellnng darstellt, läßt sich an« nähernd lösen. Durch Gutscheine sind 6g Millionen aufgebracht worden, Stadt und Staat haben 40 Millionen zugeschossen. Die einzelnen Ministerien und staatlichen Verwaltungen, ebenso die Stadt Paris sind ebenfalls Aussteller, sie haben dafür zusammen 20 Mill. ausgegeben, ihre sonstigen durch die AnSstellnng verursachten Ans« gaben eingerechnet. Macht zusammen 129 Millionen. Die ans» wärtigen Regierungen habe» sich sehr ungleiche Kosten auferlegt, von 100 000 Fr. bis zu sieben und selbst acht Millionen. Vielfach haben Nachbewilligungen stattgefunden. Znsammen kommen niindestens achtzig Millionen heraus, das macht insgesamt mehr als 200 Millionen. Auf jeden der 66 000 Aussteller muß durchschnittlich mindestens 4000 Fr. Auslagen gerechnet werden, wodurch 224 Millionen herauskommen. Selbst tvenn wir 260 Millionen ansetze», bleiben wir eher noch hinter der Wirklichkeit zurück. Somit stehe» Ivir schon auf 460 Millionen. Der Wert der ausgestellten Gegenstände ist am schwersten, auch nur annähernd, zn berechnen. Ein Pariser Edelschmicd hat allein für zwei Millionen Kostbarleite» und Edelsteine ausgestellt; ein Händler für ebenso viel oder noch mehr Diamanten. An Schmuck und Edelsteinen, Gold- und Silberarbeiten hat Paris allein für mindestens 60 Millionen ausgestellt. Die Porzellanmanufaktnr zn Berlin hat u. a. drei Vasen zu durchschnittlich 10000 Frank, ihre Ausstellung ist verschiedene Hunderttausende ivert. Betriebsinhaber, die für 10000 bis 100000 Frank Sachen ausgestellt haben, zählen nach Tausenden. In einer Abteilung der englischen Sicdclländer befindet sich ein riesiger Schaukasten, dessen Herstellung 760 000 Frank kostete. Zwei andre Schaukästen kosteten zusammen wohl ebenso viel. Die Kunst- werke in dem Grand Palais und im Petit Palais sind niehrere zehn Millionen wert, ganz abgesehen von der Falconnetschen Uhr, von welcher ausposaunt wnrde, ein Engländer habe 1260000 Fr. dafür geboten. Sie ist.»ach dem Preisstand des Kunstmorkts, 100000—160000 Fr. wert. Hiernach ist es keine Ucbertreibung, den Wert sämtlicher ausgestellten Gegenstände auf 600 Millionen anzusetzen. Damit haben wir die Milliarde überschritten, stehe» auf 1060 Millionen und sind noch nicht zn Ende. Für die auf Teilscheine gegründeten Gesellschaften zum Betrieb von Theatern und Schaustellungen wurden schon vor sechs Monaten 53 Millionen zusammengerechnet, ohne daß auf Voll- ständigkeit hätte Anspruch erhoben werden können. Dazu eine Menge von einzelnen oder durch Teilhaber gegründeten Unternehmungen. Die elektrische und die Rollbahn, welche die Esplannde, die Völker- straße und das Mörsfeld mit einander verbinden, arbeiten mit vier Millionen, ebenso viel sind schon vor zlvei Jahren für das große Scbaukclrad verausgabt worden. Hundert Millionen für die in und neben der Weltausstellung angesiedelten Schanstellnngen und Theater jeder Gattung sind daher ganz angemessen. Wirtshäuser und Schankstätten sind fast 600 in der Ausstellung selbst und noch einige Schock rund herum, die von früher her bestehenden nicht inbegriffen. Jede nur zn 10000 Fr. gerechnet, würde die 60 000000 schon er- geben. Wird doch selbst eine einfache Schankstätte, ein Kiosk, gezeigt der 36 000 Fr. Bodenpacht und auch wohl 8—10000 für den Bau und Einrichtung kostet, freilich an einer besonders günstigen Stelle sich befindet. Wir stehen also jetzt auf 1200 Millionen. Sollten sich noch einige Lücke» in dieser runden Summe finden, so können die kleinen Kanfbuden aller Art, zusammen wohl zweitausend, die 250 Zeitungs- und Drucksachcn-Äioske, sowie die Rollstühle und andre kleine Unternehmungen sie stopfen. Für einzelne dieser Buden sind je einige, selbst bis 5—6000 Fr. angelegt worden, für andre natürlich viel weniger. Die Verwaltung kann die Tageslosten mit den 12—16 Millionen Bodenpacht bestreiten, welche die Theater, Schanstellnngen, Wirtshäuser usw. ihr erlegen mußten. Kurz, die 1200 Millionen sind nach den zuverlässigsten Ausschlüssen und Wahrnehmungen vollauf gerechtfertigt.— LitterarischeS. A n a n i a n. Drama in drei Akten von Kurt Ära m. Pier» sons Verlag.— Der Verfasser ist durch eine gute Komödie<„A g r a r- kommis'sion"), ein talentvolles sociales Drama(„Wetter- leuchte n") und einen Band Gedichte bekannt. Die vorliegende Dichtung spielt an der persisch-tiirkischen Greirze und behandelt den Gegensatz zwischen Christen und Kurden, samt all den Greueln, die er im Gefolge hat. Die Christen werden von den Andersgläubigen gequält, ge- foltert, niedergemetzelt und drohen unter dieser Schreckensherrschaft zu verkommen. A n a n i a n, dem die Leiden seines Volks zn Herzen gehen, faßt den Entschluß, ihre schlummernde Energie z» wecken. Er will den Kurden eine Schlacht liefern, nicht um zu siegen(wozu der Augenblick noch nicht gekommen wäre), sondern nur um seinen Leuten Gelegenheit zu geben, unerhörte Tapferkeit und heroische Aufopferung zu zeigen. Wie ein Feuer soll sich die Kunde von ihrer ruhmvollen That verbreiten und die Geister entzünden. Der große Enschluß fordert die Vernichtung der Seinen und seinen eignen Untergang. Insofern ist er tragisch zu nennen und insofern ist das Stück eine Tragödie, obwohl Ananian im Glanben an seine Sache fällt. Das Stück enthält drei groß angelegte Charaktere: den kurdi- schen Statthalter, den Kurdenfürsten Mommedacha und — 5: Sf n out n it. Der lc�tcr« erbebt sich in einigen Seenen zu echter trngischer Grösze. Hier»utd da reflektiert er etlvas zu viel, zu scharf und zu geistreich. Auch das Bild, dessen er sich bei dieser Gelegenheit bedient, wird etlvas laug ansgesponuen und schliesslich zu Tode gehetzt. Unter allen Umständen aber muß man sich den Namen dcS Dichters merken, der die Ananiansceneu schreiben kounte. Den Statthalter kann man als einen groß gedachten und groß angelegten Cyniker bezeichnen Der Dichter hat schon früher satirisches Talent bethätigt. aber so glanzvoll wie im Statthalter hat es sich noch nie bewährt. Das will um so mehr sagen, als es sich hier nicht nur kleine satirische Streiflichter,' sondern «m eine große satirische Aufgabe handelte, die als gelöst bezeichnet werden muß. Der Statthalter ist der Charakter, der am reinsten heranSgekommen ist. Cr versagt nirgends, tvas der Ananian in einigen Seenen immerhin thnt.' Auch der grausame Kurdeitfürst Mommedacha ist eine sehr tvirkungSvoll'e Skizze. Allerdings »licht mehr. Im Interesse der Oekonomie dcS Stucks wäre er besser weggeblieben. Den Raum, den er einnimmt, hätte Ananian recht gut brauchen können. Außerdem verkörpern sich die gegensätzlichen Wellanschaiinngen erschöpfend in Ananian und dem Statthalter. An eine Biihnenznkunft der Dichlnng vermag ich leider nicht zu glaube«. Der Autor hat eine» Fehler begangen, der nicht nur öühnentechnisch, sondern auch ästhetisch ein Fehler ist. Cr hat ein fremdartiges Milien benutzt, ohne es genügend zn erläutern. Er hat Greuel, die in diesem Milieu selbstverständlich sein »nöge», allzu unbekümmert übernommen. Ob eine breitere Schilderung des polittschc» Hintergrundes genügt hätte, da? Stück auch dem Theaterpublilnm zugänglich zu machen, tveiß ich nicht. Sotvie die Dinge liegen, würden die eingelegten KriegStünze und manche? andre desselben Genres befremden. Man würde sie als äußerlichen Pomp empfinden und sie würden sicher die Poesie des Stücks zn einem guten Teil überivnchern. Für diejenigen aber, die da? Wesent- liche vom Unwesentlichen zu scheiden wissen. liegt eine Dichtnng vor. die echte tragische Töne enthält und von glänzenden satirischen Adern durchzogen wird. Gegen ..Wetterleuchte n" ist ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Freilich nicht im Sinne der Theaterdirektoren, aber doch im Sinne der Aesthetik. Die tragische Auffassung ist tiefer geworden, die ffoin- position geschlossener, die Sprache fester und klangvoller, der drama- tische Stil persönlicher. Die»ritik wird gut thnn, die ferneren .dramatischen Produktionen dcS Dichters im Auge zu behalten. E. 8. Kulturgeschichtliches. w Chinesische Wasserbauten Als Maschinen für Wasserbau kamen beim Bau der großen chinesischen ftmiäle, so schreibt M 11 r t Merkel in seinem Buch:„Die Fngeiiieiirtechnik im Alter. tinn* lBerlin, Julius Springer) unter den Wasserhcbnugs-Maschiiicii banpisächlich das Schöpfrad, das Schaufel- und Paternostcrtverk in Anwendung. Man schätzt das Alter der letzteren Vorrichtung außer- ordentlich hoch, wie den» überhaupt die Ehincscii vielfach für die Er- findcr derartiger Vorrichtungen gehalten werden. In den chinesischen Schrisien, so im Khao-hmig-ki, finden sich über die Ausführung der einzelnen technischen Arbeiten sehr eingehende Beschrcibiuigcn,' von driicn einige hier angeführt werden mögen:„Trifft mau bei der Anlage eines Äannls l.ffon) ans«ine Höhe, so ist dies ein Anhalts- Punkt. Bei den Kanälen mit geradem Stamme verdoppelt man alle :!0 Li die Breite. Um dnS Wasser in Bewegung zu setzen und zurück- zuhalten, giebt man seine»» Laufe eine Biegung in Form deS Äffig «eines Mnfifsteins), denen zivei Arme sich verhalten wie 3; 5. Die Cristenz jedes Kanals muß ans die Wasserkraft gegründet sein, die jedes Damms dagegen auf die Kraft der Erde. Ei» schöner.Kanal wird anSgeränmt durch das Wasser, ein schvner Damm bcsesligt durch die Äblagermigcn des Wassers. Legt man einen Damm an, s» muß seine Höhe und Breite gleich sei». Die RednkUo» der 5i rö- nung beträgt ein Drittel) bei großen Dämme» macht man die Basis breiter." Die Bewässerung der Reisfelder erfolgte in der Weise, daß der T a o- j i n lReismaint) das Wasser in einem Reservoir sammelle und es durch eine Barre abhielt. Ein kleiner Äanal nahm das Wasser am Ansang jedcS Feldes ans. Derselbe besaß Abläufe, damit man daS Wasser über die Felder rieseln lassen konnte. Am untere» Ende befand sich, wie bei dem modernen Berieselimgsshstem, ein großer Abzugskanal, in den daS Wasser abfloß. Was die Bermeffungsarbeiten anbetrifft, so hieße» diejenigen, die sich mit der Wissenschaft der Meßinstrumente beschäsligien, um den Schatten der Sonne zu bestimmen mid das Land zu messen, T-n- s a n g- s h i. Diese Veaniteii hatten anck Meliorationen ans- zugeben. In der Schrift ans der Feit der Tjoku-Dffnastic wird bei einer Erwähnung von Landkarten gesagt: Bei der Anlage einer .Hauptstadt nivellieren sie(d. h. die Beamten) das Terrain mit Hilfe des Wassers und der Lolleffic. Mit Hilfe der Lotleiuc errichten sie einen Pfosten fwornnter jedensalts der Bertilalslab des Gnoiiwn gemeint ist. der 8 Fuß Länge battc). Schon früh bestand ein kartographisches Amt. Nach dem Tschen-li besaß der Ta- ssetu(Oberdircltor der Menge) die Karten über dnS Gebiet der Reiche und die Fahl ihrer Bewohner.„Er kennt so Länge und Breite des Gebiets der ncncn Provinzen, unterscheidet die Namen nud Produkte der Berge, Wälder, Wasscrlänfe. Seen. große lind 4— kleine Hügel. Flußnfer, Hochebenen, Niedernngen und Sümpfe, unterscheidet die Reiche und Grenzen, bestimmt die Grenzen des KaisergebictS und fixiert sie durch Kanäle und Dämme." Schon in den ältesten Feiten ivurde der Boden der verschiedenen Provinzen »ach der Beschaffenheit und den Produkten abgeschätzt und klassifiziert. Hiernach wnrden die Abgaben bestimmt, und der Vorstand der Ar- bciteiiabteilinig hatte für das Kataster der Ländercien zu sorgen.— Akts dem Tierleben. Fählebigkeit der Reptile. Viele Tiere sind be- kanntlicki überaus widerstandsfähig gegen extreme Kälte- und Hitze- grade, Trockenheit. Hunger, Durst und Verlctzniigen. Wir wissen, daß manche niedere Tiere nach längeren! Anstrocknen, Einfrieren ic. wieder aufleben, also daS Leben nicht verloren hatten, obwohl ihre Lebensorgane monate- und selbst jnbrelang nicht fungieren konnten. Würmer, Insekten usw. tviinen enthauptet und zerstückelt werden und doch noch längere Feit weiter- leben, ja nicht wenige ergänzen sich nach Verletzungen wieder zu vollständigen Tieren. Wir erklären unS diese Widerstandsfähigkeit durch eine gewisse Einfachheit ihres Baues und ihrer Funttionen. aber bei höheren Tieren erscheint nns eine ähnliche Lebenszähigleit sehr anfsältig. Sie ist aber noch bei den Reptilen sehr groß: die Stücke einer enthaupteten oder zerteilten Eidechse oder Schlange leben»ach der Voltssage noch bis zum Sonnen- untkrgaug. in Wirklichkeit fahren sie noch länger fort, sich zu be- wegen. Ein abgeschnittener Schlangcukopf versucht noch zn beißen. und Schildkröten sind sali nicht„totzukriegen". Schon vor mehr als zwei Jahrhunderten sah Redi eine Schildkröte, der er ihr ganze? Gebirn ansgclösfclt hatte, noch sechs Monate weiterleben, nnd Kersten hat die Schwierigkeiten geschildert, die c? den Zoologen macht, diese Tiere mit möglichster Schonung ihres Aenßeren für Sammlungen zu präparieren. Er versuchte es erst, durch Einführung einer dicken Nadel zwischen.Kopf und dem ersten Halswirbel das Hirn vom Rückenmark zu trenne», aber daS genierte daS Tier ebenso wenig, wie tagclauges Untergetaiickithaltrii im Wasser, die Schildkröte blieb völlig munter. Versuche, sie mit Alkohol oder selbst mit Cytniknli umzubringen, blieben erfolglos, und das einzig« schneller zum Fiele führende Mittel, welches er entdecken konnte, ivar daS Uiitertauäien in eine Kältciiiischnitg; einer so starken Wärmcentzichung vermochten dies«„Kaltblüter" ans die Dauer nicht zn widerstebrn. („Prometheus".) HtimaciftifdieS. — In Könitz.?l.: Sie sind fremd hier, tvie ich sehe, mein Herr. Da werden Sie einen schönen Begriff von unsrer Stadt kriegen. ' B.: Abgesehen von den blutigen Exceffen. die ich tief beklage, bin icki mit dem Fnstand der Stadt ganz zufrieden. A.: Dan» sind Sic am Ende ein antisemitischer Agitator? B.: Das nicht, aber ein G l a? V e r s i ch e r n» g s- A g e» t. — Teils— teils. Kritiker: Sagen Sie mal, ist dieser Raubmörder, den Sie in den Mittelpunkt Ihres Dramas stellen, Wahrheit oder Dichtnng? �.... Dramatiker: Beides, er ist zur Hälfte dem Zuchthaus in Sonnenbnrg und zur Hälfte meiner Phantasie entsprungen.— — Fatale Bestätigung. Verkäufer: Nim, war das Diaiimnlschwarz in meinen Strümpfen nicbt waschecht? Knude: Sehr echt,— man lriegt's garnicht wieder runter von de Fiiß!— — Druckfehler.(RnS einer medizinischen Zritstbrift.)„Der Paiient erklärte, daß er sich unter keiner Bcdingimg sein vorletzte» Ben: amputieren lasse."—(„Lust. Bl") Notizen. — Die Zeitschrift„D er K n n st g e s a n g" wird wegen Erblindung ihres Herausgebers nnd Redactcnrs. des Herrn Schultz«- Strelitz, bis auf iveiteres ihr Erscheinen einstellen— — Josef T r u c b w a s s e r s bierakiigcs Schauspiel„Der Herr Meiste r" wurde bei der Erstanfführnng im M ü n ch e n e r VolkStheater mit sremidlichen» Beifall anfgenommcn.— — Die A u f f n h r n n g der„Dame v o n Maxim" im Kölner Flora-Thcater ist' anS„SittlichkeitSgrnnden" verboten worden.— — c. Der k a n g c r f c h n t e„Goldregen" hat für die Pariser T h c a t e r w e l t endlich eingesetzt. Der Monat Juni hat ihnen diesmal fast doppelt so h o h e Eimiahmen gebracht tvie 1889. Damals Ivarrn die Pariser Theater im Monat Juni auf 1 200 000 Fr. gekommen, in diesem Jähre habe» sie die Summe von 2 200 000 Fr. überschritte» An der Spitze der erfolgreichen Theater marschiert die Oper mit einer Einnahme von mehr als 400 000 F-r.; da die Oper zu den Pariser Sehenswürdigkeiten gehört, die jeder Fremde„gesehen haben muß", so ist die? Iveiter nicht merkivnrdig. Nach der Oper kommt als meislbegünstigstes da? Sarah Bernhardt- Theater mit 320000 Fr.— — Der bekannte Porträtmaler. Professor Max K o n e r, ist gestorben.—_ Berannvottticve-. Rcoacrccr; Hugo Poetisch in Berlin. Druck uns Ber.ag von«tax Baotn« m Betttn.