Hlnterhaltungsblatt des Hsrwürts Nr. 134. Freitag, den 13. Juli. 1900 Machdnick verboten.) 741 Auferstehung. Roman von Leo T o l st o j. Nach der zweiten Gefängnisstrafe wurde er i» das Gouvernement Perm verschickt. Von dort entfloh er. Man nahm ihn wieder fest und verbannte ihn nach siebcnmonatiger Haft in das Gouvernement Archangelsk. Dann wurde er zur Deportation in den Bezirk Jakutsk verurteilt. So kam es. dafj er die Hälfte seiner besten Jahre im Gefängnis und in der Verbannung zugebracht hatte. All diese Wanderungen hatten ihn durchaus nicht verbittert oder auch nur seine Energie geschwächt, sondern sie eher entfacht. Er war ein lebhafter"Mensch mit gesunder Verdauung, immer gleich- zmijsig thätig. fröhlich und mutig. Er bereute niemals ctioas und bestimmte nichts weit im voraus, sondern wirkte mit aller Kraft seines Verstandes, mit seiner ganzen Geschicklichkeit und praktischen Auffassungsweise in der Gegenwart. Wenil er frei war, arbeitete er für das Ziel, das er sich ge- steckt, nämlich: Aufklärung. Organisation des Arbeiterstaudcs, namentlich des Landvolks: weim er aber unfrei war. strebte er ebenso energisch und praktisch nach Verkehr nüt der Außenwelt und nach Dnrchfiihruiig des unter den. gegebenen Verhältnissen besten Lebens nicht für sich allein, sondern auch für seine llmgcbung. Er war vor allen Dingen ein Gemeinschaflsmensch. Für sich selbst hatte er seiner Meinung nach nichts nötig: er konnte sich mit einem Nichts begnügen! aber für die Geuicinschaft seiner Gefährten verlangte er viel und konnte er jede körperliche und geistige Arbeit leisten, ohne die Hände sinken zu lassen, ohne Schlaf, ohne Essen. Als Bauer war er fleißig. scharfsichtig, geschickt bei der Arbeit, von natürlicher Enthalt samkcit und zwanglos bescheiden, aufmerksam nicht nur auf die Gefühle, sondern auch auf die Meinungen andrer. Seine alte Mutter, eine Baucrnwitwe, die nicht lesen und nicht schreiben konnte und voller Aberglauben steckte, war noch am Leben und Nabatotv nnterstühtc sie und besuchte sie, tveun er in Freiheit war. Während seines Aufenthalts z» Hause ging er ans die Einzelheiten ihres Lebens ein, half ihr bei der Arbeit und brach die Beziehungen zu seinen früheren Gc fährten, den Dorfkindcru nicht ab i rauchte mit ihnen aus Hundekuochen Baucrutabak. boxte mit ihnen und plauderte mit ihnen. Nach scineni Dafürhalten durfte man die Grund formen des Volkslebens nicht verändern— darin stimmte er mit Rowodworow und Nowodworows Anhänger, Marcell Kondratjew, nicht überein— durfte nicht daS ganze HauS niederreißen, sondern nur die Inneuräume dieses schönen, starken, ungeheuren, von ihm heißgeliebten alten Gebäudes anders verteilen. In religiöser Beziehung war er ebenfalls ein typischer Bauer: dachte nienials an übersinnliche Fragen, an den An sang alles ScinS und das Leben im Jenseits. Gott ivar für ihn dasselbe wie für Arago— eine Hypothese, die er bis jetzt nicht nötig gehabt hatte. Er hatte nichts damit zu thnn, wie die Welt begonnen hatte, nnd die Lehre Darwins, die seine» Genossen so wichtig schien, war für ihn ein Ge- dankenspiel. Ihn nahm die Frage, wie die Welt entstanden, nicht in Anspruch, weil die Frage, wie man besser in ihr leben könne, stets vor ihm stand, lieber das zukünftige Leben dachte er «Ebenfalls niemals nach, er trug in der Tiefe seiner Seele die von den Vorfahren ererbte,'feste, ruhige lleberzeugung, die allen Landlcuten eigen ist. daß, lvie im Tier und Pflanzenreich nichts aufhört, sondern- beständig aus einer Form in die andre übergeht— der Mist in das Korn, das Korn in das Huhn, die'Kaulquappe in den Frosch, der Würm in den Schmettcrlnig. die Eichel in den Eichbaum—, so auch der Mensch nicht zu'Grunde geht, sondern sich nur Verändert. Er glaubte daran und schaute deswegen mutig und selbst heiter beständig dem Tode ins Gesicht und ertrug standhaft die Leiden, welche zu ihm hinführen, liebte und verstand aber nicht, darüber zn reden. Er liebte die Arbeit und ivar stets mit praktischen Dingen beschäftigt und drängte seine Genossen zu ebensolchen praktischen Dingen hin. Zwölftes Kapitel. Der zweite politische Gefangene in dieser Abteilung aus dem Volk, Marcell Kondratjew, war von andrer Beschaffen« hcit. Mit fünfzehn Jahren war er an die Arbeit gegangen und hatte zu rauchen und zu trinken begonnen, um ein»n« bestimmtes Schaingefühl zu ersticken. Diese Scham hatte er zum erstenmal empfunden, als man zu Weihnachten sie, die Kinder, zum Christbaum führte, der von der Frau des Fabrikanten aufgeputzt war. Da wurden er und seine Kameraden mit einer Pfeife für eine Kopeke, einem Apfel, goldnen Rüssen und Feigen beschenkt: die Fabrikantenkinder aber erhielten Spielsachen, die ihm wie Feengeschenke erschienen und. wie er dann erfuhr, mehr als fünfzig Rubel kosteten. Er war zivanzig Jahre alt. als ein intelligentes Mädchen als Arbeiterin in die Fabrik eintrat, die die hervor- ragenden Fähigkeiten Kondratjews bemerkte, ihm Bücher und Broschüren zu geben anfiitg, mit ihm sprach, ihm seine Lage und deren Ursachen, wie auch die Mittel, sie zu verbessern. erklärte. Da trat ihin die Möglichkeit vor Augen, sich und die andern aus der Lage zu befreien, in der sie sich befanden. Es war ihm aber unklar, auf welche Weise die Bertvirklung seines Ideals mit Hilfe des Wissens vor sich gehen sollte. Er glaubte nur. daß ebenso, wie das Wissen ihm die Ungerechtigkeit der Lage gcoffenbart, in der er sich befand, er mit ihm auch die Ungerechtigkeit ab- helfen würde. Außerdem hob ihn das Wissen seiner Meinung nach über die andern Menschen empor. Deswegen hörte er auf zu trinken und zu rauchen und gab sich während der ganzen freien Zeit, die ihm, nachdem man ihn zum Schließer gemacht, in reicherem Maße blieb, dem Lernen hin. Das Mädchen unterrichtete ihn und geriet in Erstaunen über die wunderbare Fähigkeit, mit der er unersättlich alles Wissen verschlang. In zwei Jähren studierte er Algebra, Geometrie, Geschiche, die er besonders, liebte, und las die ganze künstlerische und kritische Litteratur und namentlich die socialistische durch. DaS Mädchen wurde verhaftet und Kondratjew mit ihr. Er wurde ms Gefängnis geworfen und dann ins Gouverne- ment Wologda verbannt. Dort machte er die Bekanntschaft Nowodworows, las noch viele Bücher, memorierte alles und wurde noch mehr in seinen Ansichten bestärkt. Er entfloh aus der Verbannung, wurde ergriffen und zum Verlust der bürger- lichen Rechte und neuer Verbannung verurteilt. Er war Asket aus Gewohnheit, begnügte sich mit dem Allerwenigsten und konnte, wie jeder von klein auf an Arbeit gewöhnte Mensch mit entwickelten Muskeln leicht, viel und geschickt arbeiten und jede Art körperlicher Arbeit verrichten, schätzte aber am allermeisten die Muße, um im Gefängnis und auf den Marschstationcn sein Studinnr fortzusetzen. Er lernte jetzt den ersten Band von Marx auswendig nnd be- wahrte dieses Buch mit großer Sorgfalt wie ein kostbares Kleinod in seinem Reisesack auf. Gegen alle Gefährten benahm er sich zurückhaltend, gleichgültig, mit Ausnahme von Rowodworow, dem er besonders ergeben war und dessen Urteil in allen Dingen er für unwiderlegliche Wahr- heit hielt. Gegen lveiblichc Wesen aber, die er als ein Hindernis in allen»otwcndigeil Angelegenheiten betrachtete, nährte er eine unbestimmte Verachtung. Die Masloiva that ihm indessen leid, und er war freundlich gegen sie, die er als sprechendes Beispiel der Ausbeutung der unteren Klassen durch die oberen ansah. Ans diesem Grunde liebte er auch Nechljudoiv nicht, war nicht gesprächig gegen ihn und drückte seine Hand nicht, sonder» hielt nur seine ausgearbeitete Hand zum Druck hin. wenn?iechlj»do>v ihn begrüßte, Dreizehntes Kapitel. Der Ofen ivar heiß und ivärmte: der Thee ivar gekocht. ül Gläser und Becher geschenkt und mit Milch verdünnt': die .Kringel, das frische, süßsaure Weizenbrot, harte Eier, Butter, Kalbokopf und Kalbsfuße ausgekramt. Alle waren auf ihren Platz an der Pritsche gerückt, die als Tisch diente, tranken. aßen und unterhielten sich. Die Nauzciva saß ans einer Kiste und goß Thee ein. Um sie herum drängten sich alle übrigen, mit Ausnahme von Krylzow, der seinen feuchten Halbpelz abgenommen, sich in ein trockenes Plaid gewickelt hatte und auf seinem Platze lag und mit Nechljudow sprach. Nach der Kälte und Feuchtigkeit während des Marsches, nach dcni Schmutz und der Unordnung, die sie hier vor- gefunden, nach der Mühe, die darauf verwendet war, alles in Ordnung zu bringen, nach dem Genuß von Speise und heißem Thee waren alle in der angenehmsten, fröhlichsten Stimmung. Was hinter der Wand an Lärm, Geschrei und Schimpf- Worten der gewöhnlichen Verbrecher ertönte und sie gleichsam an ihre Umgebung erinnerte, verstärkte noch das Gefühl der Behaglichkeit. Wie auf einer kleinen Insel im Meer fühlten diese Menschen sich eine Zeitlang frei von den Erniedrigungen und Leiden, die sie umringten, und befanden sich infolgedessen in gehobener, erregter Stimmung. Sie sprachen über alles, nur nicht über ihre Lage und über das, was ihrer wartete. Außerdem waren, wie das stets zwischen jungen Männern und Mädchen ge- schieht, namentlich wenn sie durch Zwang vereinigt sind, wie diese Leute es waren, zwischen ihnen harnionische und dis- harmonische, verschieden miteinander verflochtene Beziehungen entstanden. Sie waren fast alle verliebt. Nowodworolv war in die hübsche, lächelnde Grabez verliebt. Diese Grabez war eine junge Studentin, die sehr wenig dachte und ganz gleich- gültig gegen die Politik war. Aber sie ordnete sich der Zeit- strömung unter, kompronnttierte sich durch irgend etwas und wurde verschickt. Wie in der Freiheit das Hauptinteresse ihres Lebens in Erfolgen bei Männern bestanden hatte, genau so blieb es auch bei den Verhören, ini Gefängnis und in der Verbannung. Jetzt, während des Marsches, tröstete sie sich damit, daß Nowod- worow von ihr hingerissen war, und verliebte sich selbst in ihn. Wera Jefremowna, die sehr verliebter Natur war und keine Liebe einflößte, aber stets auf Gegenseitigkeit rechnete, war bald in Nabatow, bald in Nowodworow verliebt. Etlvas der Verliebtheit Aehnliches war bei Krylzow der Marja Pawlowna gegenüber vorhanden. iFortsetzung folgt.) Nindcrmilch. Zu einer z>veckmätzigen und gedeihlichen Ernährung der Säug- linge in den Fällen, schreibt die Wochenschrift.Haus, Hof und Garten", wo man statt der Muttermilch Kuhmilch darreichen mutz, gehört es nicht nur, datz man gute und baktcrieusreie Milch ver- wendet, sondern es sind dabei anch«och verschiedene' Punkte zu be- riicksichtigen, die, so nebensächlich sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, dennoch in Wirklichkeit von der grötzten Bedeutung sind. Oft genug sieht man denn auch ein Kind in der Entivicklung zurück- bleiben oder gar erkranken, obgleich die beste Milch verabreicht wird, und vergebens fragen sich dann die Mütter, worauf diese beunruhigenden Erscheinungen zurückzuführen sind. So ist es schon von grotzer Wichtigkeit, datz die Milch, die das Kind trinkt, die richtige Temperatur besitzt. Die Durchschnitts- temperatur des menschlichen Körpers beträgt 37,3 Grad Celsius. Diese Temperatur besitzt auch die Muttermilch, und deshalb mutz sie anch die Kuhmilch, die dcni Säugling als Ersatz für die Muttermilch dargereicht wird, haben. Schon wenige Grade darüber oder darunter vennögen das Wohlbefinden des KindeS, dessen Vcrdannngsorgane äutzcrst empfindlich sind, schädlich zn beeinflussen. Als Beleg hierfür mag ein kleines Beispiel mitgeteilt werden. In einer Familie Ivar die Ernährung des Neugeborenen einer alten Kinderfrau, deren Sorgsamkeit schon vielfach erprobt worden war. anvertraut worden. Man bezog die beste Milch, sterilisierte sie sorgfältig und beobachtete auch sonst alle in Betracht kommeirden Vorschriften genau. Gleichwohl wird die Gewichtszunahme des KindeS nicht nur sehr gering, sondern es wurde auch unruhig, schlief schlecht und zeigte eiiie immer stärker werdende Mattigkeit und Welkheit. Der Hausarzt untersuchte die Milch, die sich als vortresslich ergab, und schärfte nochmals der Kinderfrau alle Vorschriften ein. Trotzdem besserte sich der Zustand des Kindes nicht. Da war eines Tages der Arzt zufällig zugegen, als dem Kinde die Flasche gereicht werden sollte. Er fühlte sofort, datz die Milch nn- gewöhnlich hcitz war, und als er die Temperatur mit den, Thermometer matz, stieg derselbe ans 41 Grad Celsius. Die sonst so sorg- liche Kinderfrau hatte die Temperatur der Milch immer nur nach Gutdünken abgeschätzt. Von jetzt ab ivurde streng auf die Einhaltung einer Temperatur von 37,3 Grad Celsius gesehen, und alsbald zeigte sich auch der Erfolg dieser Aendcrung. Das Kind wurde frisch und lebhaft und wies andauernd die erforderliche Gewichtszunahme auf. Ebenso kann, wie schon angedeutet, eine zu niedrige Temperatur der Milch Gesundheitsstörungen nach sich ziehen. Beträgt die Temperatur der Milch nur 33 oder 34 Grad Celsius oder gar noch weniger, so wird sie von de» Vcrdauungssästen des Magens und Darms nur unvollkommen umgesetzt und ausgenutzt, es bleiben Milchgerinsel lange Zeit im Ver- dauungs- Apparat liegen, reizen die Schleimhäute und geben dadurch den Anstotz zur Entstehung des gefürchtetcn Magen-Dann- katarrhs. Ans diesen Gründen sollte es sich eine jede Mutter zur strengen Pflicht machen, die Teniperatnr der Milch jedesnial genau zu prüfen. Hierfür genügt es aber nicht, datz man die Milch', wie es gewöhnlich geschieht, kostet. Der Erwachsene gcnietzt oftmals heitze Getränke und Suppen, die eine Tempcrawr von 43 Grad und mehr haben, ohne Schaden. Jnfolgedesscu ist seine Zunge gegen höhere Temperaturgrnde ziemlich abgestumpft, aber auch wenn sie dieses nicht ist, ist sie doch sicher nicht feinfühlig genug, um einen Unterschied von einigen wenigen Graden zu erkennen. Darum soll' die Temperatur der Milch stets mit dem Thermometer gemessen werden. An, cinfachsten geschieht dieses in der Weise, datz man an die Wand der mit der hcitzcn Milch gefüllten Flasche die Queck- silbcrkugel des Thermometers fest anlegt und nun das all- mähliche Steigen des QuecksilberfadenS verfolgt. Sowie derselbe bis ans 37,5 Grad CclsiuS emporgcgaugcn ist, giebt man die Flasche dem Kind zum Trinken. Schafft män sich einen einfachen Glastherino- metcr ohne jedes Gehäuse an, den man in eiiie Papphiilse stecken kann, so wird man die Messung auch autzerhalb des eignen Heims jederzeit unschwer vornehmen können. Ein andrer Punkt, der die grötzte Beachtung verdient, ist die Fenihaltung aller Veruiireiniglingcn. Es wurde soeben dargclhan, datz das Kosten der Milch, um die Teniperatnrhöhc zu prüfen, unzu- länglich ist. Dagegen lätzt sich das Koste» nicht umgehen, wenn man erkennen will, ob die Milch wohlschmeckend und nicht etwa im Sauerwerden begriffen ist. Aber man soll dabei nicht so verfahren, wie es vielfach geübt wird, datz mau die Flasche an den Mund setzt und daraus eine» Schluck trinkt. Zahlreiche Untcrsnchnngcn haben ergeben, datz sich im Mund der Erwachsenen auch bei reinlichster Mundpflege eine Menge Bakterien vorfinden, die zn», Teil Krankheitserreger, zun, Teil Gärungserrcger sind. Trinkt ,»», die Mutter oder die Pflegerin ans der Milchflasche, so liegt die Gefahr vor, datz derartige Keimpilze in die Milch und mit dieser in den kindlichen VcrdauungS- npparat geraten und hier zu Gcsundheitsstörungc» der Anlatz werden. Aber wenn man selbst die Uebcrtragung von Bakterien in die Milch ganz aus de», Spiel lätzt. so ist doch zu bedenken, datz der Erwachsene im Lauf des Tages Speisen und Getränke von sehr verschiedenartiger Zusammensetzung und vielfältigem Geschinack gcnietzt. Auch hiervon können Teile mit den, Speichel in die Milch Übergehn, u», dann später die Verdaniingsarbcit des kindlichen Körpers mehr oder weniger zu beeinträchtigen. Will man daher die Milch auf ihre Beschaffenheit kosten, so hat man aus der Flasche einen kleine» Teil in eine Tasse zu gietzen und auS dieser zu trinken. Ein etwa übrigbleibender Nest darf natürlich nicht wieder in die Flasche gegossen werden. Ferner ist stets für eine peinliche Sauberkeit der Flasche Sorge zu tragen. Mau sollte mindestens zwei Flaschen zur Verfügung haben. Sowie eine Flasche gebraucht worden, ist sie mit heitzciu Wasser zn füllen und das Innere init einer Bürste von allen anhaftenden Milchteilche» zu reinige». Hat man sie darauf mehrere Male ausgespült, so ist sie vo»»eiic», mit heitze», Wasser zn füllen und mit eine», Pfropfen zu verschlietzcn. Man kann dann überzeugt sein, datz sich weder Schimmelpilze in der Flasche ansiedeln, noch sich Gärungen in etwa doch noch zurückgebliebenen winzigen Milchreste» bilde». Behandelt man beide Flaschen ans diese Weise, so wird man jeder Zeit eine völlig saubere Flasche zur Verwendung haben. Ans denselben Gründen empfiehlt es sich. auch den Sangpfiopfen nach einer jedesmaligen gründlichen Reinigung in einem Gefätz mit Wasser aufzubewahren.— Endlich müssen auch die Zusätze zu der Kuhmilch, um sie der Muttermilch möglichst ähnlich zn machen, genau ge- regelt werde». Man setzt der Kuhmilch deshalb Wasser zu, weil ihr Gehalt an Eiwcitz und Salzen ein zu hoher ist. Gleichzeitig dürfen aber auch die Fettstoffe nicht zu sehr verringert werden, damit die Milch dem Säugling nicht z» wenig Nährstoffe darbietet. Die nachfolgende Zusammenstellung mag zeige», in welchem Verhältnis MiMj und Wasser zn verwenden sind. Es sind zn mischen: Am 1. und 2. Lebenstage 1 Teil Milch mit 3 Teilen Wasser, vom 3. bis 30. Lebenstage i Teil Milch mit 2 Teilen Wasser, vom 30. bis 60. Lebenstage 1 Teil Milch niit 1 Teil Wasser, vom 60. bis 180. Lebenstage 1 Teil Milch ,nit 3/* Teilen Wasser, von» 180. bis 230. Lebenstage 1 Teil Milch mit Va Teil Wasser, bon» 280. Lebens- tage ab kann man dem Kinde»„vermischte Milch reiche». Da antzerden, die Kuhmilch mir 3.7 Proz., die Frnncnmilch aber 3 Proz. Zucker enthält, so ist, wie bekannt, zur Kuhmilch ein Zusatz von Zucker nötig. Doch auch hier mutz das richtige Matz ein- gehalten werden. Das Verhältnis ist daher so zn gestalten, datz in 1 Liter unverdünnte Milch 3 Theelöffcl gewöhnlicher Zucker geschüttet werden. Durch die Einführung der Stcrilisations-Apparate sind in der Er- nährung der Säuglinge sehr bedeutsanic Fortschritte gemacht worden. Aber nicht jedermann ist in der Lage, sich einen derartigen Apparat aiizuschaffen. In diese» Fällen mutz dam, um so genauer darauf ge- achtet werden, alle Fehler in der Ernährung der Säuglinge zn ver- nieiden, denn gerade hier zieht leicht ein kleines Versehe» die ernstesten Folgen»ach such.—_ Kleines Feuillelon» — Die Kautsch, ikindustric vo» Para. Die Art und Weise, wie die Kautschukwälder'ausgebcutct werden, könnte, schreibt Eugen A ck e r», a»I» in der„Fcauksurter Zeitung", als eine gute Illustration des LcbeiiSkamvfcs überhaupt dienen. Man sieht, wie der Arbeiter jüt den Besitzer des WnldcS schafft, wie dieser Besitzer von Leute» avhängt, die ihn, das notwendige Geld geben, endlich wie letztere ganz von dein„Befrachter" abhängig sind. Der Besitzer eines Waldes beginnt recht häufig mit Schulden,' gicbt alles, was er besitzt und borge» kann, ans, um seinen Arbeitern etwas Geld geben zu können, um sie von der Küste nach dem fJunern zu befördern und um den notwendigen Vorrat an Lebensmitteln usw. verschaffen zu können. Sobald der Besitzer eine hinreichende Handarbeit ge- sammelt hat, oder wenigstens sobald er gesammelt hat, lvas er finden kann, da hat er nun manche Quadratkilometer von sumpfigen Teilen auszubeuten. Merkwürdig und zugleich uiiangenehin ist die Tbatsache, daff die beste Qualität und der höchste Erlrag blost in solchen Wäldern, die am sumpfigsten und ungesundesten sind, vor-- kommen. So an den Flüssen Madeira, Purus und Javary ist der Kautschuk vortrefflich, aber die Sterblichkeit unter dm Arbeitern ist auch eine sehr hohe. Zwar ist cS richtig, da st, wenn Kautschilk- bäume in verhältnismästig begrenzten Räumen gepflanzt Ivcrden, man ja mehr Gelegenheit hat, die Arbeiter zu kontrollieren, deren Flucht zu vermeiden und hygienischen Bedingungen gerecht zu Iverdcn. Gewöhnlich aber ist das der geringste Kummer eines Wald- bcsitzcrs. In einer Periode von ungefähr sieben Monaten arbeitet jeder Mann auf ungefähr 100 Bäumen, die mehr oder minder von einander entfernt liegen. Daraus kann er 400—800 Kilogramm Kautschuk erhalten. Sobald eine solche 100 Bäume enthaltende Parzelle begrenzt ist, kommt der Arbeiter mit seinen Lcbeusmittclir und beginnt zu arbeiten. Die Arbeit ist zivar keine austcrordentlich harte. Morgens werden die Bäume gezapft und nachmittags wird der Kautschuk weggenommen. Aber im allgemeine» ist der Arbeiter recht schlimm daran, da er in einem sumpfige» Walde und in einem armseligen Häuschen ans Pfahlftcllung zu leben hat. Dieses Häuschen besteht zum grostei» Teil ans Rinden und Palinblättern. Nur selten' kommt der Arbeiter heraus, um das Kautschuk in das Magazin oder Depot zu bringen, das am Flusse entlang sich befindet, da man so viel ivie möglich die Arbeit des TranSporls zu vereinfachen sticht. Aber in der Nähe der Flüsse befinden sich auch die ungesundesten Teile. Wenn der Arbeiter in seinem Sumpfe stirbt, so stirbt er eben und niemand kümmert sich darum. In den Kautschnktväldenr des Parastaatcs ist der Arbeiter eine bloste Maschine. Obwohl den Unternehmern der Verlust an Geld und Vorrat für diejenigen Arbeiter, die gestorben oder ansgcriffcn sind, manchmal recht fühlbar wird, so ist der Gewiun im ganzen recht annehmbar. Was ivird nun aus der Ernte? Ei» Teil, maiichmnl die Hälfte des Kautschuks, wird Eigentum des Arbeiters. Davon wird aber eine bestimmte Menge für gelieferte Lcbensinitlcl und für das Geld, das der Arbeiter erhalten hat. abgezogen. Auster- dein aber wird ei» anderer Teil für de» Vorrat der nächsten Periode znrückbchalte». Schlicstlich erhält der Arbeiter wenig Geld, da ja das, lvas er besitzen könnte, für eine neue Periode abgezogen wird. und da er so fast gezwungen ist, weiter zu arbeiten. Da es nuster- dem der Besitzer ist, der die äquivalente Menge des Kautschuks für die verschiedenen Waren, Lebensinittel u. s.>v. feststellt, so sichl man. dast der Arbeiter nicht gerade reich iverdcn kann. Wenn die Arbeitspcriode zu Ende und es durch die eintretenden Ilcbcrschwcmninngcn unmöglich wird, in dem Walde weiter zu arbeiten, dann ist der Kautschukarbciter glücklich, ivenn er im stände ist, nach der Küste zu gehen, wo er mit dem Wenige», das er erspart hat. leben kann. Dann hat er aber nichts mehr, wenn die neue Arbeitspcriode ansängt und diese neue Periode gleicht genau der vorhergehenden. Man hört oft sagen, dast der Kautschuk durch die Erschöpfung der Wälder immer seltener werde und dast, um seinem Verschiviride» entgegenzutreten, es notwendig sei, Pflanzungen zu entivickeln. Die Sache verhält sich aber anders. Es ist nicht der Kautschuk, der selten wird, aber eS sind die Arbeiter, die zu dessen Gewimirmg fehlen, oder fehlen werde». Seit einigen Jahren vermehrt sich der Gebrauch des Kautschuks. Die produzierte Menge dagegen ist nicht hinreichend sür den Bedarf. Für die letzten sechs Monate betrug das exportierte Kautschuk 000 Tonnen iveniger als das der vorhergehenden Periode. Diese 600 Tonnen mögen gering scheinen, aber es darf nicht über- sehen ivcrden. dast die Ware recht teuer und dast infolge des zu- uchmcndcn Gebrauchs des Kautschuks leiiic Abnahme, sondern stets nuahmc des Exports stattfinden sollte. Durch den Mangel an rbeitern ivcrden Besitzer von grosten Wäldeni verhindert, allen Kautschuk zu gewinnen. Am Anfang nahm die Kautschukiudnstrie alle Arbeiter der andern landivirtschaftlichen Industrien in Dienst. Das genügte vor manchen Jahren, deckt aber jetzt nicht Mhr den Bedarf.— Nene Folge chinesischer Sentenzen. Interessante Sprüche und Aphorismen enthalten die„Sprüche dcS Mcng-tse", sowie die „Sprüche des Lnotse". Ans dem Buche des Mcng-tse stammen die folgenden beiden Scutenzen: Der König sprach:„Ich begehre aufrichtig Deinen Lehren zu folgen." Meng-tse antivortcte ehrfurchtsvoll:„Einen Mensche» mit einem Stock oder einem Degen töte», findest Du darin einen Unter- schied?" Der König sprach:„Mit nichtcn."—„Ihn töten mit einem Degen oder durch eine schlechte Vcrivaltnng. findest Du darin einen Unterschied?" Der König sprach:„Ich finde darin keine» Unterschied." »« Wenn man Gefechte liefert, um Gebiet zu gewinnen, so werden die getöteten Menschen daS Gefilde bedecken; wenn man Gefechte liefert, um eine Stadt zu nehmen, so ivcrden die getötete» Menschen die gcnoininenc Stadt erfülle». Dies heißt, die Erde das Fleisch der Menschen frcffen lasse». Dieses Verbrechen wird durch den Tod nicht genugsam gesühnt. Deshalb sollten die, ivelche alle ihre Tugenden dahin einsetzen, dast sie Krieg führen, mit der härtesten Strafe büsten. •• » Die folgenden beiden Sentenzen stammen aus dein Buche dcS Laotse: Mit Gerechtigkeit und durch Geradheit lvird ein Land am besten regiert.-- Woher wisse» wir wohl, dast das in der Welt so ist?— Dadurch: Je niehr das freie Wort und die Handlungen der Menschen im Staate durch Verbote beschränkt sind, desto mehr vcr- annt das Volk. Je mehr Waffen ein Volk hat, je händelsüchtiger iliid ränkesüchtiger Iverdcn die kleinen Fürsten.... Je mehr Verbote und Verordnungen herausgegeben werden, je größer ist die Anzahl der Gaunereien und Diebstähle. Deshalb sagt ein weiser Slegent:.... Ich werde Geist und Gemüt der Menschen zum Gegenstand meiner Bearbeitung mache», so wird das Volk in jeder Weise für sich selbst sorgen können. Die alten Gottcsgclchrten stelle» den Gnindsatz auf, daß es nicht nötig sei, göttliche Güte durch Aufklärung des Volks zu ver- breiten; sondern man würde dies besser dadurch erreiche», dast man das Volk in seiner Unwissenheit belasse; denn ein Volk, daS zu viel wisse, sei schwierig zu regieren.... llnergründliche Tugend, ja, wahrhaftig, sehr tiefe, aber auch ebenso weit,— nämlich weit ab vom richtigen Standpunkt, und dem, was man der Menschheit schuldig ist, was sie erwarten kann, geradezu entgegen!— Geogritphisches. — 1l e b e r seine Reisen im Nyassagcbiet sprach in der letzten Sitzung der„Gesellschaft für Erdkunde" Dr. E. Fülle- b o r n; einem Bericht der„Vossischen Zeitung" über diesen Vortrag entnehmen wir folgendes: Die Gegend, durch die der Marsch ging. war meist Steppe oder Buschwald; angebautes Land traf man, angesichts der gegenwärtigen Entvölkerung des Landes, nur ausuahms- ivcise a». Hohes Büschelgras bedeckte große Flächen; herrliche Fächerpalmen ragen hier und da über den sonstigen Pflanzen- bestand hinaus. In der trocknen Jahreszeit ist das Land- schaftsbild am mittleren Rowinna unsrer heimische» Land- schaft, wie sie sich unmittelbar nach der Schneeschmelze im Frühjahr darstellt, täuschend ähnlich. Die Bäume sind kahl; das Gras ist verbrannt und sieht aus. wie bei uns der nackte Erdboden. Wie fruchtbar dennoch die Gegend ist, zeigt die Ncgerhirse, die zwei- bis dreimal so hoch ivird wie ein Mann, nicht minder das wild- wachsende Bambusgebüsch, daS bis 20 Meter hoch aufschießt, also bis zur Höhe eines vierstöckigen Berliner Hanfes. Landschaftlich ist übrigens der südlickie Teil des Landes überhaupt sehr iiitercffant. Aus dem flachen Gelände steigen überall schroffe Bergkcgcl auf, und es scheint, als sei ursprünglich daS ganze Gebiet so hoch geu>escn. wie die Kuppen dieser Kegel, die als„Zeugen" schließlich stehen blieben, als alles andre verwittert und abgeschwemmt war. Sie sind meist kahl. Ein Bedarfsartikel für die Bevölkerung iie das Salz. Stellenweis wittert es aus dem Erdboden ans und wird dort mit Muscheln zusammen- gekratzt und durch llmkrchftaNisicrung gereinigt, enthält aber»och immer viel fremde Salze, namentlich doppeltkohlensaures Natron. Ileber die Mangoui, die so viel Unheil im Lande angerichtet haben, wußte Vortragender manches Jntcreffante zu sagen. Sie sind geschickte Schmiede und verstehen das zur Anfertigung ihrer Waffe» nötige Eisen selbst aus dem Erz zu schmelzen. Unähnlich der sonst fast durchgreifenden afrikanischen Gepflogenheit räumen sie ihren Frauen eine recht achtungswcrte Stellung ein, hören auf ihren Rat selbst bei Kriegszügen usw. Sic sind von der Westseite des Sees gekommen und um die Nordspitze herum zur Ostseitc gezogen, alle'Vö.kerschaftcn unterwerfend, die sie auf ihrem Zuge berührte». Sie bieten so ein Beispiel der große» Völkerverschiebnngcn, die i» großen Teilen Afrikas stattgefnudc» haben und die ethnologische Forschung so schwierig- machen. Unglaublich ist ihre Leistungsfähigkeit im Vertilgen von Hirscbicr, und die Massen von Hirse, die sie zur Herstellung dieses Getränks gebrauchen, setzen einen eifrigen Laudivirtsschaftsbctricb voraus. Die früher sehr umfangreiche Viehzucht des Stammes hat gelitten. Das Fetlhöckerrind. das sie züchten, ist an Zahl stark zurückgegangen; mehr noch findet man Ziegen und Schafe. Der Sitz der Mangoni, das Gebiet von Songea au der Quelle des Rowuma ist ziemlich gut bevölkert. Die Leute wohnen in Häusern mit spitzen, bis zur Erde herabgcheuden Dächern. Fenster sind nicht vorhanden, das wenige Licht, das den Jmienranm.rhellt, fällt lediglich durch die geöffnete Thür. Im Innern findet unn nur die einfachste Aus- ftattnng. So enthält das HanS des Sultans, dessen Inneres Vor- tragender photographiert hat, nur Schild und Speere des Besitzers, einen Korb, in dem sich der Schatz an Stoffen u. dgl. birgt, Koch- löffcl au der Wand befestigt, einige Krüge und Schalen, sonst nichts. Von Uugoni, dem Lande der Mangoni, kam Vortragender nach Uhehe, dem Sitze der Wahche. Die Hauptstadt des Landes liegt in Trümmern. Man erkennt aber noch die Stärke der ehemaligen Befestigungen. Die Perle aller Landschaften im Nyassagebiete ist aber daS Kondeland an der Ni'rdspitze des See?. Neichlich Vrlvnsscrt, dicht bevölkert>l»d lvohl- gebcint, inncht c? einen vorzsiglichen(hndriicb Die hübschen Hcinser >nit ihren cniS zierlichem Flechtwerk in geschnurckvolle» Mustern bestehenden Wänden liege» i» Ivohlgcpflcgten Bancnicnhe.iiien, die sich stnndeiilnng an de» Wasserläufen hinziehen. In den Häusern herrscht so peinliche Sauberkeit, daß man sich schcnh mit beschmutzten Stiefeln einzutreten. Die Leute leben fast nur von Bananen und Milch. Bei der Wohlhabenheit der Gegend entwickelte sich bald ein reger Handelsverkehr, der Verkehr geht aber wegen der Schwierigkeit des Land Wegs über den See m'.d' dann de» Schire und Sambesi hinab zur Msle.— Aus dein Tierreiche. � Gleichfarbige Lokalformen b e i Feld- H e u s ch r c rk e n. Es ist wiederholt bemerkt worden, daß die Hintcr- fliigel bei Feld-Henschrecken sAkridierns manchmal blntrot oder himmelblau oder gelb vorkommen, und daß auch vcrschiedcuc Arten der- selbe» Ocrtlichkeit cutu»eder zinnoberrote oder blaue Flügel haben. Im Mesilla-Thal von Neu-Mcxiko sind rot- und gcibflügclige Arten gemein, aber nicht iveit davon in den Organ-Bergcn fand T. D. A. Cockerell in großen Mengen zwei uutcr einander total verschiedene Arten, welche beide blaue Flügel hatten und auch sonst ähnlich gefärbt l erschienen. Es lvaren I-eprus "Wheeleri und eine noch unbeschriebene l'rimerotropis-SIrt. Da es sich deutlich um Pigmentfarben handelte, kam Cockerell auf die Idee, daß cS sich, wie beim Blumenblau, Lackmus und andern organische» Farbstoffen, um die durch Einlvirlung von Säuren und Alkalien er- zengbarcn beiden Modifikationen eines und desselben Farbstoffes baitdeln möchte. Er biclt einen der blauen Flügel von I-eprus >Ll,eeIeri in heiße verdünnte Salzsäure und der Flügel Ivnrde in der Thät sogleich rot, kehrte aber durch Kalilauge nicht in Blau zurück, sondern wurde darin gelb, ivahrscheinlich infolge einer Zersetzung des Pigments. Der Schluß liegt nahe, anzunchme», daß die Note oder Bläue der Flügel, die bei unsrer veäipocka min lata und O. coemlescens ebenfalls sehr lebhaft hervortritt, mit irgend einem örtlichen Charakter, z. B. dem Safte der verzehrten Pflanzen, zu- sammenhäugt, da die blauen oder roten Flügel bei mehreren Arten und Gattungen derselben Oertlickikeit vorkommen. Wahrscheinlich gilt nicht das nämliche für die Farbcnähnlichkeit der Flügeldecken und des Körpers der in derselben Landschaft znsaniuicnlelwnde» verschiedeneu Arte», die sich vielmehr als durch Auslese cntstaudenc sogenannte sympathische Farben den Tönen des Bodens oder Feld- grnndeö anschließen, so daß diese Tiere schwer sichtbar sind, bis sie plötzlich ihre blutroten oder himmelblauen Flügel entfalten und da- vonfliegen.—(„Prometheus".) Physikalisches. b. E l c k t r i s ch e W i r k u n g c n u n s i ch t b a r e r S t r a h l cn führte Dr. A schki ua ß am Mittivoch in der Trcptoiv- Stermvartc vor. Die sichtbaren Strahlen, die Lichtstrahlen, machen sich dem Auge bemerkbar und geben uns so durch ihre Lichtivirknng einen ganz unmittelbaren BeivciS von ihrem Vorhandensein: die Lichtfülle und Farbenpracht, ivelche sie rings verbreiten,»lachen die Erde zu dem schönen Wohnplatz, der sie ist oder viclinehr sein könnte— wenn nicht der Niensch durch seine Habgier und Herrschsucht Jammer und Elend verbreitete. Wissenschaftlich interessanter als das in die Augen fallende Sichtbare ist das geheiinuiSvolle Unsichtbare, welches den» körperlichen Auge verborgen durch daö iveit schärfere geistige Auge erschlossen Ivird. Läßt man die Sonnenstrahlen, ivelche die Empfindung des Hellen und Weißen in uns hervorrufen, auf ein Prisma fallen, so erfahren sie eine Ablenkung von dein geraden Wege, außerdem aber wird die in ihnen enthaltene Menge von Strahlen auseinandergelegt. Die Ablenkung vom geraden Wege ist für alle Strahlen verichieden. und deshalb erscheinen sie einzeln »eben einander: auf daö Auge wirken sie, indem sie verschiedene Farbenempfindung hervorrufen, und zwar sind dierotcn Strahlen die am ivenigsteu abgelenkten, und dann geht dieFärbung des sog. Spektrums durch alle Farben des RegenbogeuS bis zum Violett hin, wie die am meisten abgelenkten Strahlen erscheinen. Dem Auge verraten sich keine lveiteren Strahlen in der von der Sonne oder andeiu Lichtquellen kommenden Strahlung: aber ein empfindlicher Thermo- meter wird auch in dem dunklen Teile des Speltrums jenseits des Noten erwärmt. ES giebt also Strahlen, die noch iveniger abgelenkt werden als die roten und nicht für das Auge, wohl aber für einen Thermometer bemerkbar sind. Auch jenseits dcS violetten Endes des Spektrums macht sich eine Strahlung bemerkbar, und zwar verraten sich diese ultravioletten Strahlen durch ihre Wirkung auf die photographische Platte sowie dadurch, daß sie F l u o r c S c c n z hervorrufen, d. h. unter ihrer Einwirkung strahlen manche Stoffe (sogenannte Leuchtfarbe») ein eigentümliches Licht auS. In den letzten Jahren hat die Erforschung der unsichtbarenZTtrahlen sehr erhebliche Fortschritte gemacht. Wie ihre Wirkung, so weist auch ihr Ursprung auf die E l e k t r i c i t ä t hin. Zunächst sei hier an die Kathoden- strahlen erinnert, die bei elektrischen Entladungen in Näumen mit verdünnter Luft austreten. Die atmosphärische Luft setzt den Ausgleich der Elcktricitiit ein starkes Hindernis entgegen,— eine Lust- strecke von Via Millimeter Länge verhindert bereits das Neberspringen elektrischer Funken, wenn die Span n u n g eine geringe ist. Freilich kau» man durch besondere Vorrichtungen, z. B. i» den Induktionsapparaten, die Spamumg gelvaltig steigern und elektrische Funken von 50 Ecntimctcr Länge und darüber er- halten: läßt man aber die Entladung in einer Röhre mit ver- dünnter Luft vor sich gehen, so geht sie durch meterlange Strecken hin- durch, wobei die Luft in prachtvolles Leuchten gerät. Bei sehr starker Berdüinumg hört die schöne Lichterscheinung auf, und man könnte meinen, daß eine elektrische Entladung nicht mehr vor sich geht. Aber das ist durchaus nicht der Fall. Der K a t h o d e gegen- über, d. i. der Stelle gegenüber, wo die negative Ekektricität in die Röhre eintritt, leuchtet das Glas in eigentümlich schönem FluorcScenz- licht. Die K a t h o d c n st r a h l e», ivelche dieses Leuchten hervor- rufen, können durch elektrische und magnetische Kräfte von ihrem geraden Wege abgelenkt werden. Andre dunkle Strahlen sind die Röntgenstrahlen, welche von den Kathodcustrahleu. wo sie auf Glas oder Platin treffen, hervorgerufen werden: ferner die Bicquerel-Strahlen, welche von uranhaltigen Substanzen ausgehen. Alle diese, sowie die vom Radium und Polonium ausgehenden Strahlen haben sich durch fluorcScicrende Wirkung ver- raten. Aber sie alle bringen, wie auch die ultravioletten Strahlen, mannigfache elektrische Wirkungen hervor: Ein negativ geladner Konduktor verliert seine Elcktricität unter dem Einfluß solcher Be- strahlimg: die Luft ivird leitend für die Elcklricität und zerstreut die Ladung in den Raum. Gelviffe leichte 5törpcrchcn fange», von diesen Strahlen getroffen, an sich zu bewegen.— Humoristisches. — I n der Probe. K a p e l l m e i st e r(zu einem Violi- nisten): Meier, greifend doch uct so saumäßig unrein l Meier: Ja, Herr Kapellmeister, dafür kann i nix. Weun's Eahna ner rein g'nng ist,— dem Steinen is alles rein I — Entschuldigung. Ans einer Schmiere wird Schillers „Tcll" gegeben. Tell schießt auf den Apfel, aber der Apfel fällt nicht. Das Publikum lackst und der Direktor ist in Vcrziveiflimg. Rasch aber faßt er sich, tritt vor die Rmnpe und spricht:„Hochverehrtes Publikum, haben Sic innigen Dank dafür, daß Sie so zahl- reich erschienen sind, daß, wie Sic sehen, nicht einmal ein Apfel zur Erde fallen kann." Händeklatschen und Bravornfe criönten, und der„Tell" war gcrcllcr.— — Gute Erklärung. Lehrer: Definiere da? Wort Witwe. Was ist eine Witwe?" Schüler:„Eine Witwe ist— eine Frau—" Lehrer:„Gut, weiter." Schüler:„Eine Frau, die sich wieder verheiraten möchte."— („Jugend".) Notizen. — Adele Hartwig vom Braunschweigcr Hosthcatcr ist für das Berliner R e s i d e n z- T H e a t e r engagiert worden.— — Da?„Elsässische Dialekt-Theater" hat einen Gastspielvertrag, der es für die Zeit vom 15. April bis 15. Mai näckistcu Jahres für das„Berliner Theater' verpflichtet, av- geschlossen.— — In München hat sich ein Konsortiiun gebildet, das die Einrichtung ciucS neuen Theaters nack dem Muster dcS S ch i l l e r- T h c a t e r S iu Berlin l>cz>r>«ckt.— — Strindbergs„Rausch" wird, zun, erstenmal in deutscher Sprache, im BrcSlauer„Rem» Sonnner-Theater" in Scene gehe».— — A», Straßbnrgcr Stadtthcater erzielte„Das Ber- h ä n g n i s". Drama in drei Aufzügen von K. M ä n d l e», einen starken Erfolg.— — Eine kaiserliche Subvention wurde für das neu zu erbauende Stadt-Theater z u K i c l bewilligt. Die Subvention beträgt 15 000 M jährlich und ist für fünf Jahre zugesagt. De» Rrnba» ivird der Berliner Architekt S e h r i n g ausführen.— — Demnächst wird die„Gesellschaft zur Heraus- gäbe von Denkmälern der Tonkunst in Bayern' mit dem ersten Jahrgang ihrer Publikatioucii hervorlrctcu, tvelcher Kompositionen des kurfürstlichen Konzertmeisters E. v. F. Dall' A b a c o(t 1712) enthält.— c. Ein„neues K l o n d y k c" Ist in Nieder- Kalifornien eist- deckt ivordcn. Drei Goldgräber find in, Besitz von Goldstanb im Wert von 800 000 M.. den sie in wenigen Monaten auf den Gold- feldcrn gefunden haben. Ei» Mexikaner brachte Gold im Wert von 400000 M. mit, das er im Lauf ciues Jahres gewomwn hat. Die Goldfelder im, soffen ein Gebiet von 250000 Acres. Es giebt bisher nur wenige Goldgräber am Platz»uid alle erwerben sich in kürzester Zeit ein Vermögen.— Die nächste Nummer des llnterhattiiiigsblattS erscheint am Sonntag, den 15. Juli.___ Vercniuevrilicver Acocicteur! Hugo Poclststi in Berlln. Druck mro Vercaq von Max Boving m Berlin