Zlnterhaltungsbsatt des vorwärts Nr. 135 Soittlwg, den 15> Juli 1900 lRachdruck verbotcu.) 751 Attfet-'Nehnna. Roman von Leo T o l st o j. Arylzow liebte die Pawlowna. wie Männer Frauen lieben, aber da er ihr Verhältnis zur Liebe kannte, verbarg cr sein Gefühl geschickt unter der MaSke der Freundschaft und Dankbarkeit dafür, daß sie ihn mit besonderer Zärtlichkeit verehrte. Rabatow und die Ranzewa waren durch sehr komplizierte Liebcsbeziehnngen miteinander verbunden. Wie Maria Pawlowna ein vollständig keusches Mädchen war, so war die Nanzewa die vollständig keusche Frau eines Mannes — als Weib. Mit sechzehn Jahren, noch ans dem Gymnasium, hatte sie Ranzew, einen Studenten der Petersburger Universität, lieb- gewonnen rind ihn mit neunzehn Jahren geheiratet, als cr noch ans der Universität war. Im vierten Kurse wurde ihr Mann, der in eine Universitätsgeschichte verwickelt war, aus Petersburg verbannt. Sie ließ die medizinischen Vorlesungen, die sie hörte, im Stich und zog ihm nach. Wenn ihr Mann nicht der Mensch gewesen wäre, den sie für den allerbesten, aller- verständigsten von allen Leuten auf der Welt hielt, so würde sie ihn nicht liebgewonnen und ohne Liebe nicht geheiratet haben. Nachdem sie aber einmal den nach ihrer Ueberzeugung allerbesten icnd-verständigsten Menschen von der Welt lieb- gewonnen und geheiratet hatte, faßte sie natürlich das Leben und seinen Zweck genau so auf, wie es der allerbeste und-ver- ständigste Mensch von der Welt auffaßte. Er faßte das Leben zuerst so ans, daß man lernen müsse, und sie faßte es ebenso auf. Sie konnte sehr gut darthnn, daß die bestehenden Verhältnisse unmöglich wären, und daß die Pflicht jedes Menschen darin bestände, gegen sie zu kämpfen und den Versuch zu machen, die Lebensorditling einzuführen, bei der die Persönlichkeit sich frei entfalten könnte und so»veiter. Und es schien ihr, daß sie wirklich so dächte und fühlte, in Wirklichkeit aber dachte sie nur, daß alles das, was ihr Mann dächte, die wahre Wahrheit wäre, und suchte nur eins: volle Uebereinstimmnng, Verschmelzung mit der Seele ihres Mannes, was ihr allein sittliche Befriedigung verschaffte. Die Trennung von ihrem Mann und Kind, das ihre Mutter zu sich nahm, wurde ihr schtver. Aber sie ertrug diese Trennung fest und ruhig im Bewußtsein, doß sie sie für ihren Mann und für die Sache ertrüge, die unbedingt gut war, weil er ihr diente. Sic war immer in Gedanken bei ihrem Menne, und wie sie früher niemand geliebt hatte, so konnte sie auch jetzt keinen andern lieben als ihren Mann. Aber die ergebene und reine Liebe Nabatows zu ihr rührte und erregte sie. Er, ein moralischer und starker Mensch, Freund i''res Mannes, bemühte sich, mit ihr wie mit einer Schwester zu verfchrea: aber in seinem Benehmen gegen sie kam noch etwas mehr zum Vorschein. und dieses etwas Mehr cr- schreckte sie beide und verschönte jetzt gleichzeitig ihr schweres Leben. So waren also vollkommen frei von Verliebtheit in diesem Kreise nur Marja Pawlowna und Koudratjew. Vierzehntes Kapitel. In der Hoffnung, mit Katjuscha allein zu sprechen, wie cr gewöhnlich nach dem gemeinsamen Thce und Abendbrot gcthan, saß Nechljudow neben Krylzow und unterhielt sich mit ihm. Unter andrem erzählte cr ihm von dem Benehmen Makars gegen ihn und teilte ihm die Geschichte seines Ver brcchens mit. Krylzow hörte aufmerksam zu und ließ seinen glänzenden Blick auf Nechljudows Gesicht haften. „Ja." sagte er plötzlich,„mich beschäftigt oft der Ge danke, daß wir hier zusammen mit ihnen, neben ihnen gehen, mit wem?— mit eben den Leuten, derentwegen wir auch in die Verbannung ziehen! Abeb dabei kennen wir sie nicht nur nicht, sondern wollen sie gar nicht kennen. Sie aber, noch schlimmer als da?. Haffen uccs und halten uns für ihre Feinde. Das ist schrecklich." „Gar nicht schrecklich," sagte Nowodworow, der dem Ge spräch zugehört hatte.„Die Masse ist stets roh und un entlvickelt," sagte er mit seiner zittrigen Stimme. In diesem Augenblick ertönte hinter der Wand ein Plötz licher Ausbruch von Geschimpfe, das Stoßen von Menschen. die sich an der Wand prügelten, Kettengeklirr, Gekreisch und Geschrei. Jemand Wierde geschlagen, man schrie:„Hilfe f" „Sind das Tiere! Was kann zwischen ihnen und unS ür eine Gemeinschaft bestehen?" sagte Nowodworow sruhig. „Du sagst: Tiere. Aber Nechljudow hat hier soeben von einer Handlung erzählt," sagte Krylzow erregt und erzählte, wie Makar sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, um eine» Landsmann zu retten.„Das ist schon nicht mehr tierisch. ondern heldenhaft." „Sentimentalität l" sagte Nowodworow ironisch.„Für uns ist es schwer, die Gemütsbewegungen dieser Leute und die Beweggründe ihrer Thaten zu verstehen. Du siehst hier Großmut, es kann aber eben so gut Neid gegen den Zwangs- arbeiter sein." „Daß Du doch nie an einem andern Gutes sehen willst," meinte mit plötzlichem Eiser Marja Pawlowna(sie stand mit allen auf dem Duzfuß). „Ich kann nicht sehen, was nicht da ist." „Wieso nicht da ist, wo der Mensch einen schrecklichen Tod riskiert?" „Ich denke," sagte Nowodworow,„daß, wenn wir unsre Aufgabe vollbringen wollen, die erste Bedingung die ist" (Koudratjew legte das Buch hin. das er bei. der Lampe las, und hörte seinem Lehrer aufmerksam zu),„daß wir nicht daraus los phantasieren, sondern die Dinge so ansehen, wie sie sind. Thun muß man alles für die Massen, aber nichts von ihnen erwarten; die Massen bilden den Gegenstand unsrer Thättg- keit, können aber, so lange sie träge sind wie jetzt, nicht unsre Mitarbeiter fein," begann cr, als hielte er eine Vorlesung. Und deswegen ist cS vollkommen illusorisch, von ihnen Unter- stützung zu erwarten, bevor der Entwicklungsprozeß vor sich gegangen ist, der Prozeß der Entwicklung, auf die wir sie vorbereiten." „Welcher Entwicklungsprozeß?" begann Krylzow, rot im Gesicht werdend.„Wir sagen, wir wären gegen Willkür, aber ist das nicht die allerschrecklichste Willkür?".> „Nein, keine Gewalt," antwortete Nowodworow ruhig. Ich sage nur, daß ich den Weg kenne, den das Volk gehen muß, und ihm diesen Weg zeigen kann." „Aber warum bist Die überzeugt, daß der Weg, den Du zeigst, der richtige ist? Ist das nicht Despotismus, aus dem die Jnguisitton und die Hinrichttmgen der großen Revolution hervorgegangen sind? Sie kannten auch durch die Wissen- schaft den einzigen wahren Weg." „Der Umstand, daß sie sich geirrt haben, beweist noch nicht, daß ich mich irre. Und dann ist ein großer Unterschied zwischen den Hirngespinsten der Ideologen und den feststehenden Ergebnissen der ernsten Soeialökonoime." Die Stimme NowodworowS erfüllte die ganze Zelle. Er allein sprach, alle andern schwiegen. „Immer streiten sie," sagte Marja Pawlowna, als er für einen Augenblick verstummte. „Wie denken Sie selbst denn über den Fall?" fragte Nechljudow Marja Pawlowna. „Ich denke, daß Anatol recht hat, daß man dem Volk nicht unsre Ansichten aufdrängen darf." „Sonderbare Vorstellung von unfern Aufgaben," sagte Nowodworow und begann, böse, schweigend zu rauchen. „Ich kann nicht mit ihm reden," sagte Krylzow im Flüster- ton und verstummte. „Ist auch weit besser, nicht reden," sagte Nechljudow. Fünfzehntes Kapitel. Obgleich Nowodworow von allen politischen Verbannten sehr verehrt wurde, und obgleich er sehr gelehrt war und für sehr verständig galt, rechnete Nechljudow ihn zu denjenigen Wesen, die in Bezug aus ihre sittlichen Eigenschaften unter dem Dnrchschnittsmaß stehen und zwar ganz beträchtlich. Die geistigen Kräste dieses Menschen— sein Dividend— waren groß; aber seine Meinung von sich— sein Divisor — war ganz unverhältnismäßig größer und überwog bei weitem seine geistige Kraft. Er war ein Mensch von ganz entgegengesetzter geistiger Beschaffenheit wie Simonson. Simonson war einer von denjenigen Leuten(vorzugsweise männlicher Gattung), bei dttien die Handlungen aus der Thätigkcit der Gedanken ausfließen und von ihr bestimmt werden. Nowodworow dagegen gehörte zu der Kategorie von Leuten(namentlich tveiblichcr Gattung), bei denen die Gedanlenthätigleit teils aus Erreichung der vom Gefühl hingestellten Ziele, teils aber aus Rechtfertigung- der von den Sinnen hervorgerufenen Handlungen gerichtet ist. Die ganze Thätigkcit Nowodworows stellte sich, trotzdem er sie mit schönen Worten und mit sehr überzeugenden Argumenten zu erklären verstand, für Nechljudow im Grunde genommen nur als Prahlerei dar, als Wunsch, vor den Leuten die erste Rolle zu spielen. Tank seiner Fähigkeit, sich fremde Gedanken anzueignen und sie genau wiederzugeben, hatte er anfangs, während der Lehrzeit inmitten von Docenten und Schülern. wo diese Fähigkeit hochgeschätzt wird(Gymnasium, Universität, Magistcrwürde), diese erste Rolle inne und er war befriedigt. Als er aber das Diplom erhielt und aufhörte zu studieren, da hörte dieser Vorrang aus, und er änderte— wie Krylzow, der Nowodworoiv nicht liebte, Nechljudowfcrzählte—, um in derneucn Sphäre den Vorrang zu erhalten, plötzlich seine Ansichten voll- ständig und wurde aus einen« gemäßigten Fortschrittlcr ein Radikaler. Dank der Ablvesenheitmoralischcrund ästhetischcr Charakter- eigenschafte««, die Zweifel und Schwanken hervorrufen, nahm er sehr bald die seine Eigenliebe befriedigende Rolle eines Parteiführers an. Nachdem er einmal die einzuschlagende Richtung gefunden hatte, zweifelte er,'schwankte er nicht mehr! und War deswegen überzeugt, daß er sich niemals irrte. Alles schien ihm ungewöhnlich einfach, klar und keinem Zweifel unterworfen. Und bei der Beschränktheit und Einseitigkeit seines Blicks war»virklich alles einfach und klar und war, wie er sagte, es nur nötig, logisch zu sein. Sein Sclbstver- trauen war so groß, daß es die Lclite mir entweder von (ich abstoßen oder sich unterordnen konnte. Und da seine Thätigkcit unter sehr jungen Leuten vor sich ging, die sein unbegrenztes Selbstvertrauen für Tiefsinnigkeit und Sfleisheit hielten, so ordnete die Mehrheit sich ihm unter, und er hatte großen Erfolg. ......... iForlsctzuiig folgt.) Sonntttgsplnttdevei. DaS lvare» glückliche Zeiten, als ich von der ganzen chinesischen Sprache, Geschichte und Geographie, Religion und Philosophie, Kiwst und Technik, Verfassung und Rechtspflege nichts weiter wntzte als den einen leuchtenden Name»— Tacu-Ar-Hce. In der Leipziger- straßc zu Berlin hatte er geivohnt, in den Fensterscheiben der Pferde- bahnen war sein Raine eingebrannt, und eine holde Legende ging von Mund zu Mund, daß sparsame Töchter von Konnnerzienrätcn die zinnernen Kapseln von Weinflaschen pfundweise an ihn vcr- lauften und in diesem Handel eine getviiiirbringende Beschäftigung faiiden. Das war die Maienblüte meiner chinesischen Unschuld, als sich meii« ganzes Wissen in dem Namen Tncn-Zlr-Hce erschöpfte. Aber allmählich verwandelte sich unter dem Zwang der Verhältnisse meine göttliche Nnivissenhcir. Mein Sprachschatz bc- reicherte sich— Li-Hung-Tschang— Kiautschou— Tsingtan— -Zaifun— Ko-nitz— Ti-len— Mi-kel--- kurz ich begann ein Fachkenner zu werden. Und heute weiß ich so viel von China, daß ich mir in schwache» Stunden übertriebenen Selbstbewußtseins sogar einbilde, ich wüßte fast so viel wie der Graf Bülow. Freilich, wenn ich mir die Ulystände vernünftig überlege, so sehe ich ein, daß solches unmöglich der Fall sein könne, weil nur ja meine chinesische» Kenntnisse nicht mit 50 000 M. jährlich honoriert werden ivie den« großen Bülow, der dafür nur zwei bis drei Witze im Jahre,.wenn auch solche von viel-tauscndjähriger Kultur, zu machen braucht. Aber ob der Graf Bülow schon einmal den„Pekinger Lokal- Anzeiger" und„Antifrcnidenblatt" gelesen hat— das möchte ich doch beziveifeln. Ich aber habe neulich einen älteren Jahrgang durchblättert!! Dies Pekinger Organ unterscheidet sich vorteilhaft von den curopäisch-berlinisch'cn Prcßerzeugiiissen. Tagesncuigkeitcn verschmäht rS mitzuteilen: die Vorgänge der abendländischen Politik werden nur flüchtig unter Verbrechen und Unglücksfällen, mitunter auch unter .den VichniarktSbcrichte» notiert: Morde, Diebstähle, Ehebrüche und gefallene Rosse finden überhaupt keine Würdigung. Dagegen gicbt man sich eifrig philosophisch-inärchcuhaftcn Betrachtungen hin, spekuliert über die ewigen Dinge dieser Welt, und ist bemüht, die Menschen zur Vernunft und Tugend zu erziehen,«velch letztere 'Eigentümlichkeit denn besonders grell zeigt, Ivie rückständig diese Pekinger Journalistik ist. In welcher Weise meine chinesischen Kollege» ihr Handwerk auffassen«nid ausüben, dafür seien nachstehend ein paar Proben bei- gebracht. Für die Uebersetzung übernehme ich gern die Verantwortung. Lagcacn möchte ich meine Leser' mit der ehrenvollen Vcrantivortung für den Inhalt betrauen. Erwähnt sei noch, daß ich die kleine Sammlung dem lokalen Teil des Pekinger OrganS entnommen habe. •*** Mittel gegen schlechten Geruch. Vor eurer Woche gingen, als die leuchtende Blume des Lichts am Himmel vor der Nacht den Kelch zu schließen anhnb, ein chinesischer Mann und ein Fremdling über ein ivcites Feld. Das weite Feld, aber war bedeckt mit den Leichnamen gelber Soldaten. Tie Geier fraßen an ihren Körpern und dicke, lange Würmer krochen aus Augenhöhlen, Mund und den blutenden Pforte» geschnellten Bleies. Der chinesische Mann, als er dies sähe, senkte sein Haupt und seufzte: Meine Brüder! Der weiße Man» aber, der durch die Lande wandelte, und dem Volke den süßen Honig der Nächstenliebe verkaufte, ivie sie die er- habene Wissenschaft Jc-Schu's den leidenden Sterblichen kündet, hob stolz das Haupt und sprach: Zeugen unsrer Tapferkeit! Unsre Jungen sind feste losgegangen. sDaS Original bedient sich hier dcS Pekinger Dialekts. Anmerkung des Verfassers.) Der chinesische Mann aber sprach ernst: Ich armseliger Staub unter den goldnen Sohlen Deiner Herrlichkeit, frage Dich, Du strahlender Fremdling aus dem weisen Paradiese dcS Westens: Wie straft man bei Euch die Unholde, die Menschci» töten mit gespitztem Metall aus der Ferne, nur weil sie ihrer Unersättlichkeit nicht zu Willen waren? Da lachte der weiße Sendbote der Satzungen Je- Schubs und sprach: O Tu kleiner Schäker von Schlitzaug' und Hängezopf I Strafen sollen wir die Helden, die ihr Recht wahrten gegenüber dem gelben Gesindel! Der chinesische Mann aber sprach ernst: So belohnt man bei Euch also ivohl die, die mciner unwürdigen Brüder jammervolle Geschöpfe zertreten, wie die wimmelnden' Aineisen des dürren Bodens. „Aber natürlich!" erwiderte da fröhlich der Weiße. Wir habe» für so ivas'»e Art Tarif. Per fünfzig Tote gicbt's immer einen höheren Orden. Mit dem Eidechsenschwanz beginnen die AuSzcich- »ungcn, dann steigen wir über den Krokodillcnorden mit Drachen- zähnen empor zu dem Stern der vierfachen Klapperschlange."(Der Pekinger Lokalreporter scheint sich in der abendländischen Ordens- tcchnik nur mangelhaft zurccht zu finden. Ann«, des llebcrsctzcrs.) Da senkte der gelbe Mann sein Haupt noch tiefer und fragte den Fremdling:„Und so befahl Euch Jc-Schu?" „Allemal und kräftig"— antwörtcte heiter der Weiße.„Gicbt's denn eine edlere Aufgabe, als diese schinutzigen Hcidcir von der Erde Gottes auszutilgen\" Der gelbe Mann aber senkte die Stirn fast bis zun« Bode» und schivicg. Zu dieser Stunde begab es sich, daß eine weiße Jungfrau über das Feld lnstlvairdeltc:' sie glänzte aber seiden von Haar und Augen und Lippen und Gewand und junger Kraft. Und in ihrer Stinünc war der Schein des Mondes zur Zeit der Sonimerdüfte. „Was verschafft mir die Ehre. Eomtcssc," sprach der weiße Mann zu der Jungfrau, die leiden glänzte von Haar und Augen und Lippen und Gclvand und junger Kraft. „Ach,- ich wollte mir nur mal das Lcichenseld anschn. Hoch- würden, das ist so interessant", flüsterte sanft die Jnngsran und spähte eifrig, wie die dicken Würmer über die schwarzen Zöpfe glitte» Ivie Wagen ans Schienen. Indem stieg ein Wind auf und trieb herüber von dem Lager der Bcrweseiiden. Die Jungfrau aber, schrie jäh auf und umkrampfte mit behenden schlanken Fingern die zarte weiße.. Nase)„Pfui, Ivie das riecht I Kommen Sie schnell fort, Hochivürdcn!" Da richtete sich der gelbe Mann empor aus tiefer Versunkenheit und sprach:„Gegen diesen Geruch, tveiß ich ein Mittel, o wunder- schöne Jungfrau."....... Neugierig näherte sich die Jungfrau dem gelben Mann, der aber schwang hastig sein Schwert und seine Stimme sauste wie der Stahl, als er schrie:„Du.wirst unsere. Verwesung nicht mehr riechen, weiße Jnngsran." Da hieb er die Nase ab von dem Antlitz, daS seiden glänzte an Haar und Augen und Lippen und junger Kraft! Die Jungfrau jedoch und der weiße Mann begannen zu schmähen:„Ö Du Barbar, Du Unhold. Du grausamer Schänder!" „Lehrtest Du mich nicht so. Du erhabener Sendbote Jc-Schus, daß das Schwert das Wesen aller Dinge sei, uiid das Mittel, schlechten Geruch zu bannen," sprach der gelbe Mann, und sein Gesicht Ivar verzerrt. Der iveiße Mann aber fuhr fort, zu jammern und geifern:„O Du blinder, blutgieriger Heide! So fällst Du, Undankbarer, über uns her, da ivir Dich unser Bestes zu lehren strebten—— die N ä ch st e n l i e b e Je-SchuS."... Das gelbe H er z. Im rohen und rauhe» Westen der Erde. so künden uns wohlerfahrene Reisende, hausen die Völker in den dunklen Höhlen des Aberglaubens. Ihr Geist- hat keine gläsernen Fenster, durch die' das Licht scheint. Mit rostigem Eisen sind die Luken deS Lichts vcrschmicdet. Diese Völker glaliben, daß e§ unter den Menschen Kasten giebt, die von Geburt göttlich begnadet sind. Und in den Adern dieser Menschen der ersten Kaste, so meinen sie fest, rinnt nicht rotes, sondern Blut von der Farbe des Indigo. Noch nnwiffender und abergläubischer jedoch sind ihre Ansichten Do» 11116 Söhne» der Sonne, die wir die Mitte der Welt beherrschen. Weil ivir gelb sind von Haut, glauben sie, dast auch unser Herz gelb sei, und weil unser Herz gelb ist, so fühlt und schlägt es anders— so meinen sie— ivie ihr eigenes Herz und jedes Meilschenherz, das unter dein Licht des Himmels das Leben hämmert. Das ist ein gefühlloses Herz, meinen sie, dieses gelbe Herz, unfähig hoher Empfindungen, stumpf gegen Kränkungen und feig und'duldsam jedem Schimpf. lind weil sie an dies anders geartete gelbe Herz glauben, so überfielen sie eines Tags eine Provinz des Reichs, das' die Sonne liebt. Und sie zerhieben mit dem Schivert einen Sohn des Reichs, also, daß sein Herz auS der Hut des Leibes hervorquoll. Als sie nun aber gewahrte», dast auch das Herz des gelben Menschen rot sei, wie ihr eigenes, erschraken sie heftig und flohen von dannen, und kamen um. In den dunklen Hohlen des Aberglaubens hausen die Völker im rohen und rauhen Westen, so künden uns wohl erfahrene Reisende. D i c K n n st z n r c g i e r e n. In einer südlichen Provinz des Reiches, das die Sonne liebt, war einst ein Schulze. ES lag nun das Dorf an den Ufern des Flusses und hohe Dämme sicherten es gegen die lebenhassende Flut. EineS Tages aber, da der Sommer glühte, berief der Vcrivalter des Dorfes die Acllestcn zii sich und sprach:„Seht, diese Dämme verlveigern den Blicken die Aussicht auf die Schönheit des Wassers. Reiben wir sie ein, auf dab>vir sehen können." Der Allers- Aclteste per Aelteften warnte vor der drohenden Regenzeit. Der Berlvaltcr aber lachte und sagte: Sommer ist's und keine Wolke unter der Sonne, und der Regen ist ein Gespenst, daS tapfere Männer nicht schreckt. Da ginge» sie hin und rissen die Dämme ein und alles erfreute sich an der Änsschan auf die Weite des Wassers. Es ging aber der Svnnner voi'über, und es begann die Regen- zeit. Furchtbare Ströme entsandte endlos der triefäugige Himmel, und die Flut fchlvoll und drohte dem Dorf und den Reisfeldern. Schon spickte das tobende Wasser an den Grenzen und schiveinnitc die Ernte in seinen Schob- Die Frauen und Männer und Kinder des Dorfes licfcnv angstvoll und schrien um Hilfe. - Da ging der Verlvalter mit sich zu Rat und berief die Aeltesten und sie verhandelten lange. Es wurden aber Schleier ausgebreitet über daS Hans, in dein der Verlvalter mit den Aeltesten sab, also, dab jeder im Dorfe glaubte,'die Weisheit selber sitze zu Gericht und alle Gefahr sei vorüber, lind das Volk ward ruhig und jauchzte über die Klugheit seiner erfahrenen Obrigkeit. In Wirklichkeit aber sabcn der Vcrivalter und die Aeltesten stumm bei einander und lvnbte keiner ein Mittel der Rettung. Doch als sie den ganzen Tag über so miteinander geschwiegen, vcrfassctcn sie ein Protokoll und lieben es durch daS Dorf ausrufen. Die Bot- schaff aber lautete: „Wir, der Vcrivalter dcS Dorfes und die Aeltesten des Dorfes, sind zu Rate gegangen ob der Wassergefahr, die unsrc Hütten gefährdet, nnsre Rciscrntc imd imser Leben. Wisset aber, dah ivir alle zn völliger Einstinnnigkeit über Ursache, Wesen und Ab- wehr solcbcr Not gediehen sind. Beliebet also ruhig zu sein und nichts zu besorgen I Dcr� Vcrivalter der Gemeinde und. alle Aeltesten der Gemeinde sind einmütigster Ileberzeugiing, dah die Not ihre Ilrsach und ihr Wesen habe in dem Waffer, ipift sagen in dem iFlnh und in dem Regen. Einmütig sind ivir ferner der llcberzeuglnig, dab wir der weise» Eingebung des Verwalters Daiik schuldeten, der uns ver- anlabtc, die Dämme am Flusse einzureiben, dieiveil wir sonsteu nicht einnial— mangels der Aussicht— die drohende Gefahr zu sehen vermocht hätten, ivas ivir jetzt nach Beseitigung des Hinder- nisses klar und hell vermögen. Weiter aber sind wir�dcr einhelligen Ansicht, dab geboten ist, alle Interessen glcichermabcn wahrzunchmcn, niemand zn schädigen', und in Ilebereinstinmumg und allseitiger Berücksichtigung dessen, ivas in Anbetracht der Verhältnisse nach reiflicher lieber- Icgmig als notivendig erscheint, ans einer mittleren Linie mabvoll aber energisch vorzugehen. Endlich haben ivir einmütig beschlossen, dab der Rege» aufzuhören habe, und ivir iverden nicht verfehlen, gleichzeitig Sühne und Gcnugthnnng in den gebührenden Grenzen aber mit allem Nachdruck von dem Element zu fordern. Derniabcn sind sämtliche Schwierigkeiten zur Befriedigung gelöst und die patriotische Gemeinde blicke vertrauensvoll in die Zukunft!" Nachdem das Volk diese Botschaft der Weisheit und Rettung vernommen, veranstaltete es ein Freudenfest und brachte dem Per- Walter und den Aeltesten einen Fackelzug. Als aber die Fackeln fröhlich brannten, kam die Flut über das Dorf und löschte alle Fackeln, Häuser, Felder und Leben.... So las ich iin Pekinger Anti-Frcmdcnblatt. Ich bereue nicht, chiuefisch gelernt zn haben..Joe. Kleines JleuMekon» er. Nach Tegel. Am Oranienburger Thor stiegen noch mehr Passagiere ei». Der Wagen Ivar jetzt ganz besetzt, nn Mittelgang standen sogar ein paar Ucberzählige und auch auf dem Hinterperron mutzte man sich drängen. Die Fahrgäste ertrugen es mit lachendem Hmnor. Die beiden jungen Mädchen rückten»och enger zusammen, ihr Begleiter trat dicht an die Barriere: um noch einen, Reu- anköminling Platz zu mache», nur die alte Dame verzog das Gesicht und sprach etivaS von„zu enge". „Nach Tegel ist es immer so voll!" sagte der Herr nnt der goldnen Brille.„Kommen Sie nur erst mal Sonntags her. dann taim man froh sei», wenn man überhaupt noch mitkommt. Neulich Hab' ich vier Wagen müsieii vorbeifahren lassen."„Ah— ch, das kann man in der Woche auch erleben", ivarf der Begleiter des jungen Mädchens ein,„noch dazu bei dem Wetter, jetzt ist's ja noch früh— aber warten Sie nia» noch so zwei Stunden, ich sage Ihnen— die reine Völkerivandcrniig!"„Tegel ist aber auch ivundcrvoll I" sagte das blonde, junge Mädchen. „Na und ob."— Der Herr mit der Brille lächelte geschmeichelt, er ivar offenbar ein Eingeborener und empfand das Lob seiner Hennat, als' wäre es ihm selber gespendet.„Wo haben Sie denn überhaupt noch solche Wälder? Den ganzen Gruneivald gebe ich hin für Tegel." „Besonders die Partie nach Hciligcnsee zu—" pflichtete der junge Mann bei—„diese Hügel und Thälcr und der Boden ganz voller Erd- nnd Heidelbeeren, so etivas hast Du überhaupt noch nicht gesehen!" Er nickte dem brünetten jinigen Mädchen zn. Die Blondine stimmte ihn, lachend bei:„Ja, Du ivirst Augen machen, Trude, diese Bäume, alles ivahre Riesen nnd das Unterholz so dicht— man hat nianchmal Mühe durchzukommen. Wcitzt D», noch Fritz, den Weg am Fliest entlang?"— sie sah zn dem Bruder ans und wandte sich dann ivieder zu ihrer Freundin—„da steht nämlich alles voller Hopfen. Bis in die Baumkronen rankt er hinauf, und ivenn man hindurch ivill, mub man ihn zurückschlagen>vic eine Gardine. Da wollen ivir auch wieder hin heut, ja Fritz? Das mutz Trude sehen." „Na. da zeigen Sie nur den» Fräulein zuerst de» See— fiel der Herr niit der Brille irneder ein•—„der See ist doch die Perle von Tegel!" „Ja, da ivollel, ivir auch zuerst hin", sägte der juilge Mann— „Weitzt Dn"— er wandte sich ivieder an seine Schivester—„Ivir fahren dann mit dem Dampfer nach Tegclort und gehen nachher durch den Wald»ach Tegel zurück. Am Nachmittag sind Ivir in, Schlobgartcn und zeigen Trude die Lindenallee und das Httniboldt-Dciiknial, und Ivenn Ivir nicht zn müde sind, strolchen ivir gegen Abend noch die Wälder an, Flicb ab, oder gehen nach Weidmannslust hinüber." �„In, das wollen wir machen," erwiderte die Schwester.„Wir können ja von WcidniannSlnst zurückfahren." Dann schob sie den Arn, unter den der Freundin und zog sie aufjubelnd nn sich heran. „Nein, ivie ich mich freue, dab ivir ivieder nach Tegel kommen,— Tegel ist ein Paradies— sage, ich Dir— Tegel ist entzückend— ach. ich meine, cS mutz für jeden Menschen ein' Fest sein, ivenn cS heitzt: nach Tcgtl." „N.a, ich bin wirklich gespannt,"— entgegnete die Freundin. „Sic iverden Ihre kühnsten Erivartungcn noch übcrtroffen finden—", meinte der Herr mit der Brille. .„Weit übertroffcn—" stimmte der junge Märni ihm bei, dann waiidtc er plötzkich den Kopf:„Na. was kvinint denn da?" Eft, dunkler Schatten fiel über de» Perron, ein anderer Stratzcn- bähnwagcn wiirde dicht hinter dem ersten sichtbad/ Es stand aber kein Passagier darauf, anch war kein einziges Fenster daran zu sehe». dunkelgrüne Wände schlössen das Innere von oben bis unten, gegen jeden»engicrigen Blick. Auf dem Perron erhob sich ein allgemeines Gelächter: „Die grüne Minna!" rief ein halbwüchsiger Junge. „Windheinis Kinderwagen!* „Er fährt nach Plötzensee, nicht ivahr?" fragte das blonde Mädchen. Der Bruder beugte sich seitwärts zum Wagen hinaus und las die Inschrift ans der Seitenivand des Grünen, dänn wandte er sich ivieder um und sagte mit einem Blick über de» Perron:„Nach Tegel!" Das Lachen nnd Schwatze» ucrstuinmte für einen Augenblick, alle Blicke hingen an den, Grünen, dann schauderte das blonde Mädchen plötzlich zusannnci, und die feine Tüllboa fester um den Hals ziehend sagte sie:„Nein, ivaS ist das? mich friert, ist cS denn mit einem Mal kälter geivordcn?"— Musik. Nur wenige Worte feien einer abermaligen Neucinstudiernng eines älteren Werls in der»nermüdlichen M o.r w i tz- Oper gc- widmet.., Dinorah oder Die Wallfahrt, nach P l o e r m e l", eine„Komische"(das heitzt eine nicht„seriöse". nicht im.„grotzen Stil" gehaltene) Oper von Meyerbcer aus seiner letzten Zeit, war 1859 zn Paris und dann n,it obligatem Jubel auch an deutschen Opernbllhnei, aufgeführt worden. Die Hcrvorziehung eines Stücks ivie dieses in»nsrcr Zeit bietet Gc- legenheit,»och einmal zu prüfen, ob wir dem als Höchst- konminndicrcndcr alles Effekts crkaiinlen Meyerbcer nicht — 510— bort) Unrecht fifltjnn haben tmb ob er sich nicht im leichte» (SJcnvc von Hess ereil Seite» zeigt. � ÄerIevens! Gerade eine solrt>e Vorsnhrnng, n» die»in» mit so inbifsereutrin Urteil beieintritt, verrät be» Meister der siir die voniehme Gesellschaft tranchierte» Zlnust erst reiht als solche». Das gesiirchtele Verderben jeder liiiinst: das; nämlich nicht die Teile deni Ganzen zuliebe da sind, sondern das Ganze seinen größeren Teilen nnd diese himvieder ihren noch kleineren Teilen znlicbe— das hat sich lvicder mit dein Erfolg einer Langclvcile gezeigt, die m» so granenhnster ist, je reicher die Intcressantheiten gehäuft sind. Vergessen wir aber,' nicht, daß der Grnndzng nnsres heutigen Mnsiktreibens in Oper und Konzert kninn etwas VcssercS ist als eine solche Mcycrbeersche Konzertoper mit Hirtengcsäiigen und Srtialnieien und einem„Schattcntanz" nnd einer Ziege und einer Vision nnd einer Harfe nnd einer Nacht- ftinnnnng nnd einem Briickenstnrz nnd einem Gebet nnd einem Wahnsinn— fehlt mir noch eine Einlage ans Richard Wagner und eine ans Rossini und ein Schimmel. Die Anssiihrnng interessierte vornehmlich durch die Trägerin der Titelrolle. I o s e s i» e T n s ch c r. Sie hatte sirti neulich als Baronin im„Wildslhlito� nach anfänglichem Srtilvanken recht gut gemacht nnd zeigte sich diesinnl als gewandte Koloratursängerin und im Spiel Ivenigsteus als tüchtige Mimikerin. Sic möge sich jedoch geraten sein lassen, ihreEcsnngsknnst nnd daneben anchnoch den plastischen Teil ihrer Spiclkunst eifrig weiter zu bilde». Vorerst fehlt's noch am festen Tressen nnd an der gleichmäßigen Dnrchbildnng der Stimme; mit der Zeit kann sie eine Größe des lyrischen GcsangS lverden. Eine Weiterbildung dürfte auch für Herrn Joseph F a n t a, zunächst im Sprechton, rätlich sei»; und der Requisitennieister oder der Regisseur sollte doch dem Jäger nicht ein Horn geben, daS unmöglich die dazu ans dem Orchester zu hörenden Klänge erzengen kann.— sz. Aus dem Tierleben. — Z Iv e i V ö g e I auf eine m N e st. Die„Tägl. Rundsch" Iveiß einen Fall zu erzählen, Ivonach zwei verschiedene Bogelpaare ans einem Rest nisteten. Der Beobachter entdeckte das Nest in einem Rhododendrongebüsch, als eS erst halb fertig tvar. Nach den Bau- stoffni, die zum Nest verwandt waren, mußte das Nest einem sehr gewöhnlichen Bogel, den» Grankchlche»» oder der Brannelle s-Aeceutor modolaris) gehöre», aber nach seiner Größe nnd nach deirZioeigcn und Kräutermassen, die auch darin sichtbar ivnreu, hätte es auch das Werk eines andren Vogels sein können. Der Nestbau schritt von Tag zn Tag borloärts nnd gewann mehr nnd mehr das Aussehen eines Amselnestes. Schließlich tvar eS fertig; ein paar Tage darauf lag schon ein Ei darin, da? sicher ein Grankchlchen-Ei»var. In den nächsten Tagen enthält es ein zivcitcs Ei. ebenfalls ein Graukehlchen- Ei. am nächsten Tage ein drittes, das seinen» äußeren Ansehen nach mir ein Amsel-Ei sein konnte. Die Eizahl in den» Nest wurde allniählich grüße»', und schließlich bestand das ganze Gelege auS 4 Graukehlchen-»md 4 Ainsel-Eiern. Als Brutvogcl saß zuerst eine Ainsel auf dem Nest; aber die Grankehlchen-Eier Ivarcu für sie zn viel, nnd sie zerdrückte zwei. Da hinderte der Beobachter den iociteren Brntversuch. indem er sich des Restes beinächtigte nnd so die niiglcichen Paare zum Bau zioeier getrennter Neste» zwang, da ja vorauszusehen war, daß die Einlracht,»nit der sie das alte Nest hergestellt hatten, für das Brutgcschäst nicht vorhielt, so daß den» Gelege des einen oder audcni Teils Vernichtung bevor- stand. Aber innncrhin bleibt die Thatsache beachtenswert, daß zivei verschiedene Vogelartc», uachdeii» sie beide dieselbe Stelle für einen Nestbau gccigiict gefnuden hatten, auch beide zusarninen dort in aller Eintracht, aber jeder nach seiner Eigenart, seinen Teil mn Nest baut und es belegt.— Aus der Pflanzenwelt. Petunien. W. Weißenborn schreibt in der Wochenschrist ..NcrthiiS": Im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts»oar es. als man»nit loohlriechendcn, iveißblüheuden Peturüa nyetagmi- flora nnd der schön dnnkelkarnioisimotci», aber geruchlosen' Potunia xlloemeea Lindl, künstliche Besrnchtnugsvcrsuche»nachte. Als man dann die Mannigfaltigkeit der Farben, die Größe mrd den Bau der Blumen kennen' lernte, fanden sich Gärtner, die diese Pflanzen in Specialkultur nahmen. Reue Farben und Zeichnniigen tauchten ans. eS kamen die geäderten, die grünrandigen, eine kanuin- rote»nit weiß nnd' hellrot gestricheit und gespritzt, der dann »oeiß und rot gestreifte nnd im Jahre 1358 die erste gefüllte bni»te folgte»». So ging es fort Jahr für Jahr, so daß i»'ir heute über eine Unzahl Hybriden verfügen, die es nnS ermöglichen, für jeden Zioeck, für jeden Platz die passende Petunie auswählen zn können. Wir haben niedrige, buschig Ivachsende, halbhr'he und in der »enesten amerikanischen Züchtung Howard's Star-Pctnnia, eine l1/»' Meter hochwachsendc, besonders zur Bekleidung von Balkons, Lauben-c. geeignete Petunie. Obgleich man bei den anderen Pflanzen- arten die Beobart'tnng machen kann, daß die gefüllt blühenden Sorten einen gewissen Vorzug genießen, so hat sich doch bei den Petunien immer noch die einfache Blume einer großen Beliebtheit zu erfreuen. Viel»nag dazu beitragen, daß die aus Samen ge- zogeneu Pflanzen nur etwa zu einen» Drittel gefüllte Blumen bringen. Dann sind aber auch die einfachen großbllimigen, ncrnent- lich die gcfranzten Sorten, von so großer Schönheit, und be» de»» kleinblumigen Arte» zeigen sich die Bllimen von so großer Fülle. was man von den gefüllt blühende»» nicht immer sagen kann. Was die Blütenfarbe belrisst, so haben Nur heute sämtliche Farben nnd Zivischenfarben im Handel, ansgenommeu die gelbe nnd auch diese wird vielleicht in nicht allzuferner Zeit gezogen»verde», haben»vir dort» jetzt schon eine Züchtung mit gelblichem Schlund. Die Aussaat geschieht zeitig im Frühjahr in lamoarine Beete oder Töpfe, doch hat auch eine Aussaat direlt ins srcie Land bei einzelnen Arten Erfolg; eine regelmäßige Feuchtigkeit ist Bedingung. Die Vetmebrnng kann auch durch Stecklinge gcsrt)chc>i. die»»an' vom Frühjahr bis zum Herbst»rächen kann, in» Ängttst für die zu über- »ointernden. Das Gießen hat in» Winter nur mäßig zu geschehe»». Es gicbt»vcnig 5!»lturpflaiizen, mit denen sich eine so große Wirkung erreichen läßt, sie siird z»ir Ansschninckniig unserer Gärte»», Terrassen, Veranden, Balkonc»ncnlbehrlich geworden durch ihre große BlühU'illigkcit, ihre wechselnde» Farben und vor allem durch ihre großen,»veithin leuchtenden Blüten. In Amerika sind sie be- sonders beliebt als Einfassuirgspflanzeii für Stauden und Gehölz- g nippen, geben aber auch einen voniehmcn Basenschmuck ab.— Physikalisches. — Eine interessante Beobachtung an sen- s i b l e» Flau» n» e n, über die N. Schmidt in den Berhand- lungen der deulschen Physikalischen Gesellschaft berichtete, teilt die Wochenschrift„Mutter Erde" niit: Läßt man mis einen» senkrechte»» Glasröhre, dessen oberes Ende»»an zn einer Spitze ausgezogen oder bis auf eine 1 bis t'/, Btillimetcr»veite Oeffnnng z'ngeschinolzcu hat, Leuchtgas unter dem Drucke einer cttva 15 Ce»ltin>eter hohen Wassersäule misströmci», so erhält»»au eine 40—00 Centimetcr lange, schlanke, rnhig brennende Flaunne. Wird in deren Nähe cur Geräusch oder ein hoher Ton erregt, so beginnt sie zn zischen oder zu brausen nnd verkürzt sich zugleich nahezu>»»» die Hälfte. Läßt man ztvci hohe Töire, etwa aus zwei Galton-Pfcisrt>en, die»nit- einander im Einklänge stchen, erklingen, so tritt die gleiche Er- scheinung ans,»vie»vcnn nur einer dieser Töne auf die Flamme einwirkt. Verändert mau nun die Tontiefe des einen Pfeifchens, so verliert sich die Forin»md wird zugleich z»»»« kräftig wirkende»» Resonnator auf den Differenztou beider. Sind die beiden Töne»nr mn wenige Schwingnngeii verschieden, so hiipst der obere Teil der Flaimne in» Takte der Tonschläge a»f und nieder. Beim allniählichen Wachsen der Differenz beider Töne zuckt die Flaunne zunächst immer schneller ans nnd nieder; später hört man den Disserenzton von der Tiefe ans rollend emporsteigen und kann ihn deutlich verfolgen, bis seine Höhe 2—3000 Echwinguiige» beträgt.— Humoristische». — Fatal. Junger Arzt(der bisher vergeblich auf Patienten gewartet nnd zil seiner Frcnde eines Tages doch einen Kranken im Sprechzinimcr findet):„Nim, was fehlt Ihnen,„»ein Lieber?* Michelbaner:„Ach, ich wollt' mir fragen. Herr Doktor. ob Sic mir nicht die Adress' von Jhr'n» Vorgänger sagen könna?' — In der Rührung. Bräutigam snach der salbuugs- vollen Tranrcde dem Geistlichen gerührt die Hand reichend):„Ich danke Ihnen sehr für die trostreichen Worte, Herr Vicar!' — Empfehlung.„.... Sie»vollen als Hansmeister bei nur eintreten?.. Verstehen Sie dem» auch alle häuslichen Arbeiten— z. B Feuer machen?" „Und ob! Ich Hab' schon eiimial ein ganzes Hans an- ge z»i n d e t I* („Fliegende Blätter.') Notizen. — Henryk Sienkiewicz, der polnische Romanschriftsteller, soll zn seinem im November stattfindendeil Schriftsteller- Jubiläum von seinen Verehren» ei» sehr praktisches Geschenk er- halten. In Warschau haben die Sammlungen schon begomici» nnd man hofft, dein Liebling der Ration ein Landgut dar- zubriilgei». Anch in Deutschland ist»»ituiiter für eine», betamite» Dichter gesammelt ivordei», so beispielsweise für Li l i e u c r o u. Das Ergebnis>var leider lein Landgut, soliden» eine nationale Blamage.— — Ei i» e Dante- Feier veranstaltete die Draniatische Gesellschaft Bonn ain 10. Juli in Ermnerung an den van Dante selbst in das Jahr 1300 gelegten Beginn seiner Wanderung durch das Jenseits.— — Das Aint als ständiger Syndikus der B ii h n e n- G c- n o s s e» s ch a f t hat Landgerichts- Direktor H a p p e(B e r t i n) übernommen und»vird dasselbe am 1. September d. I. antreten.— — DaS Dresdener Schauspielhaus plant für den Begiini der nächsten Saison einen Grillparzer-EyklnS, der niit den» dramatischen Märchen„Der Traum ein Leben" an» 8. Sep- tcinber seinen Anfang nehmen soll.— e. In L o n d o» kommen in diesen Tage» wertvolle R c- liquien des Schauspielers nnd Bühnenleiters David Garrick (geb. 1710. gest. 177ch zur Versteigerinig.— ar.©ii» neue» Planetoid wurde,»vie der Astronom Barbarich in der„Rat»>r>vissc>»schastlichen Rundschau" mitteilt, von den Herren Wolf nnd Sch w a ß in a n n in Heidelberg Photo- graphisch entdeckt. VeramwonUqicr fteoseseur: Hugo Poebsch in Berlin. Druck und Benag von Dtar Babing»n Berlin.