Mnkerhaltungsblatt des Jorwäris S Nr. 136 Dienstag, den 17. Juli. 1900 Mach druck»erdoUu.) 76] Auferlkvh«ng. Roman von 2eo T o l st o j. Die Gefährten verehrten ihn wegen seiner Kühnheit und Entschiedenheit, liebten ihn aber nicht. Er seinerseits liebte niemand und verhielt sich gegen alle hervorragenden Leute wie gegen Nebenbuhler. Er hätte gern allen Berstand und alle Fähigkeiten bei andern Leuten herausgerissen, wenn sie nur nicht das Offenbarwerden feiner Fähigkeiten verhinderten. Er benahm �ich gut nur gegen Leute, die sich vor ihm ver- beugten. So benahm er sich jetzt unterwegs gegen 5kondratjew. gegen Wjera Jcfremowna und gegen die hübsche Grabez, die alle in ihn verliebt waren. Obgleich er siriucipicll auch für die Frauenfrage war, hielt er doch in der Tiefe seiner Seele alle Frauen für dumm und unbedeutend, mit Ausnahme der- jeuigen, in die er oft seutnncntal verliebt war, wie jetzt in die Grabez; dann hielt er si-> für ganz ungewöhnliche lveib- liche Wesen, deren Vorzüge zu orfawn er allein im stände war. Die Frage des Verkehrs der beiden Geschlechter ihm. wie alle Fragen, sehr einfach und klar: sie wurde durch Stucrkenuuiig der freien Liebe vollständig entschieden. Er besaß ein Weib, mit dem er in Scheinehe lebte, und ein zweites»virkliches Weib, von der er geschieden war. nach- dem er sich überzeugt, daß kerne wahre Liebe zwischen ihnen existieren könnte, und beabsichtigte jetzt, eure neue freie Ehe mit der Grabez einzugehen. Ncchljudow verachtete er wegen dessen„Gcthue", wie er sich ausdrülkte, mit der Maslolva und besonders deswegen, weil dieser sich erlaubte, über die Mängel der be- stehenden Ordnung und die Mittel zu ihrer Besscruug nicht nur nicht Wort für Wort so zu denken, wie er Nowod- worow, darüber dachte, sondern sogar ans seine eigene Manier, fnrstenmäßig, das heißt wie ein rechter Dummkopf. Nechljndow kannte dieses Verhältnis Nowodworolvs zu seiner Person und fühlte zu seinem Kummer, daß er ihm trotz der seelenguten Stimmung, in der er sich wählend der Neise befand, mit gleicher Münze heimzahlte und auf keine Weise die übermächtige Antipathie gegen diesen Menschen besiege» konnte. Sechzehntes Kapitel. In der Zelle nebenan ertönten Stimmen von Vorgesetzten. Alles verstummte, danach trat ein Feldwebel mit Eskorte- foldaten ein. Das war die Kontrolle. Der Feldwebel zählte alle, indem er auf jeden mit dem Finger deutete. Als die Reihe an Nechljndow kam. sagte er vertraulich zu ihm: „Jetzt dürfen Sic nicht mehr bleiben, Fürst, nach der Konwolle. Sie müssen fort." Itechljndolv, der wußte, was das heißen sollte, trat zu ihm und steckte ihm bcreitgchalteue drei Rubel zu. „Ja, was soll man mit Ihnen machen I Daun bleibe» Sie noch." Der Feldwebel wollte gehen, alS ein andrer Unteroffizier eintrat und hinter ihm ein hoher, magerer Sträfling mit blau- geschlagenem Auge und spärlichem Bartwuchs. „Ich komme wegen der Kleinen," sagte der Sträfling. „O. da ist mein Papa.!" ertönte plötzuch ein Helles Kinder- stimmchen, und ein weißhaariges Köpfchen erhob sich hinter der Ranzewa, die mit Marja Pawlowna und Katjuscha dem kleinen Mädchen ein neues Kleid aus einem von der Nanzewa geschenkten Rock nähte. „Ja, Kindchen, ich bin eS," sagte Bnsowkin freundlich. „Ihr geht's hier gut," sagte Marja Pawlowna mit einem schmerzlichen Blick auf das zerschlagene Gesicht Busowkius. „Lassen Sie sie bei uns." „Die Fräuleins nähen mir ein neues Kleid." sagte das Mädchen und zeigte dem Vater die Arbeit der Ranzewa. „Hübsch und fein," lispelte sie. „Willst Du bei uns schlafen?" fragte die Nanzewa, das Mädchen liebkosend. „Ja. ich will. Und Papa auch." Die Nanzewa strahlte in ihrem Lächeln. „Papa darf nicht," sagte sie.„So lassen Sie sie hier." wandte sie sich an den Vater. „Meinetwegen lassen Sie sie da," meinte der Feldivcbel, der an der Thür stehen geblieben war, und ging mit dem Unteroffizier hinaus. Sobald die Eskortesoldatcn draußen waren, trat Nabatow zu Busowkin und sagte, indem er ihn an der Schulter berührte: „Sag, Freund, ist es wahr, daß man Karmanotv bei Euch vertauschen will?" Das gutmütige, freundliche Gesicht Busowkius wurde plötzlich traurig, und seine Augen bedeckten sich gleichsam mit einem Häutchen. „Davon haben wir nichts gehört. Wohl kaum", sagte er und fügte, ohne das Häutchen von seinen Augen zu entfernen, hinzu:„Nun, Aksiutka, Du wirst Dich sicher wohl fühlen bei den Damen," und ging eiligst hinaus. „Alle Welt weiß es, und es ist auch wahr, daß sie ihn vertauscht haben," sagte Nabatow.„Was wollen Sie machen?" „Ich sage es dem Kommandeur in der Stadt. Ich kenne beide persönlich," antwortete Nechljndow. Alle schwiege», offenbar aus Furcht vor Erneuerung deS Streits. «j-'tnjtfpn, der die ganze Zeit geschwiegen, die Hände unter den Kop, s-nchluugeii hatte und so in einer Ecke auf der Pnffche lag, erhob n� �tichlosse», ging Vorsichtig um die Dasitzenden herum und trat zu tHuv'whüiu. „Können Sie mich jetzt anhören?" „Versteht sich," sagte Nechljndow und stand auf, um ihm herzugehen." Als Katjuscha sah. wie Nechljndow sich erhob und ihm mit den Augen begegnete, errötete sie und schüttelte gleichsam verständnislos den Kopf. „Mein Anliegen an Sie besteht in folgendem," begann Simonson, als er mit Nechljndow in den Korridor hinaus» getreten war. Im Korridor war das Getöse und Geschrei der gewöhnlichen Verbrecher besonders hörbar. Nechljndow machte ein finsteres Gesicht; Simonson aber wurde dadurch offenbar nicht gestört. „Da ich Ihr Verhältnis zu Katerina Michailotvna kemie", begann er eindringlich und ohne Umschweife, mit seinen guten Augen Nechljndow in das Gesicht blickend;„so halte ich mich für verpflichtet," fuhr er fori, mußte aber innehalten, weil umnittelbar an der Thür zwei Stimmen auf einmal schrieen. die sich über etwas stritten. „Sag' Dir, Du Aas, schimpf nicht!" schrie eine Stimme. „Erstick, Du Teufel," kreischte eine andre. In diesem Augenblick trat Marja Pawlowna in den Korridor. „Wie kann man hier sprechen." sagte sie.„gehen Sie dorthin, da ist nur Wjerotschca." Und sie schritt vorauf zu einer winzig kleinen Thür nebenan, die offenbar zur einzigen Zelle führte, welche jetzt den polirischen weiblichen Gefangenen zur Verfügung stand. Auf einer Pritsche lag bis an den Kopf zugedeckt Wjera Jefremowna. „Sie hat Migräne, sie schläft und hört nichts;„ich aber gehe fort," sagte Marja Pawlowna. „Im Gegenteil, bleib hier," sagte Simonson.„ich habe vor niemand Geheimnisse, am allerwenigsten vor Dir." „Nun schön," sagte Marja Pawloivna, bewegte sich nach Kinderart mit dem ganzen Körper von einer Seite ans die andre und setzte sich durch diese Bewegung tiefer auf die Pritsche; dabei schickte sie sich an, zuzuhören, indem sie mit ihren hübschen, runden braunen Augen irgendwohin in die Ferne blickte. „Also mein Anliegen besteht darin," wiederholte Simonson, „daß ich mich bei meiner Kenntnis von Ihrem Verhältnis zu Katerina Michailowna verpflichtet fühle, Ihnen mein Verhältnis zu ihr zu erklären." „Und das wäre?" fragte Ncchljudow, der rmwMürlich an der Einfachheit und Aufrichttgfeit, mit der Simonson zu ihm sprach, Gefallen fand. „Daß ich Katerina Michailolvna heiraten möchte..." „Wunderbar!" sagte Marja Pawlowna, deren Blick auf Simenson ruhte. „Und entschlvssen bin, sie b.'rnm znbiUni, daß sie vaeiuc grau wird," fuhr Simonson fort. „Was kann ich dabei machen? Das hängt von ihr ab," sagte Nechljudoiv. „Ja, aber sie ivird die Frage nicht ohne Sie entscheiden." „Warum?" ''„Darum, iveil, solange die Frage Ihres Verhältnisses zu ihr nicht endgültig entschieden ist, sie nicht wählen kann." „Meinerseits ist die Frage endgültig entschieden. Ich möchte das thnn, was ich für meine Pflicht halte, nnd außerdem ihre Lage erleichtern; ich möchte ihr aber um keinen Preis irgendwie im Wege sein." „Ja. aber sie will Ihr Opfer nicht." „Hier ist von keinem Opfer die Rede." „Und ich>veiß, daß dieser ihr Entschluß nnabäiider- lich ist." „Nun also, was reden Sie dann mit mir?" sagte Nechljudow. „Sie hat das Bedürfnis, daß auch Sie das anerkennen." „Wie kann ich anerkennen, das ich das thnn muß, ivas ich für meine Pflicht halte. Das einzige, was ich sagen kann, ist, daß ich nicht frei bin, sie es aber ist." Simonson schwieg und überlegte. „Gut, das werde ich ihr sagen. Glauben Sic nicht, daß ich in sie verliebt bin," fuhr er fort.„Ich liebe sie als ein schönes, seltenes Wesen, das viel gelitten hat. Ich habe von ihr nichts nötig, habe aber den sehnlichen Wunsch, ihr zu helfen, ihre Lage zu erleich.. Nechljudow erstaunte, als er Simonsons Stimme zitl-"-» hörte. .. ihre Lage zu erleichtern" f"?* Snnonson fort. ..Wenn sie Ihre Hilfe"übt-""�Men wlll� s'enieme annelnnen Wen*1 einwilligt, mochte ich bitten, daß man mich n-'ch Verbannungsort schickt. Vier Jahre— sind *v.iiie Ewigkeit. Ich würde neben ihr leben und vielleicht ihr Los erleichtern..." Wieder stockte er vor Erregung. „Was soll ich dazu sagen?" sagte Nechljudow.„Ich freue mich, daß sie einen Beschützer wie Sie gefunden hat.. „Das ist es gerade, was ich wissen muß," fuhr Simonson fort.„Ich möchte wissen, da ich sie liebe und ihr Bestes will, ob Sie ihre Ehe nnt mir für ihr Glück halten." „O ja," sagte Nechljudow bestimmt. „Ans sie kommt alles an, ich möchte mir, daß dieses Serz, das so viel gelitten hat, zur Ruhe kommt," sagte imonson nnd blickte Nechljudow mit so kindlicher Zärtlichkeit an, wie niemand von diesem finster aussehenden Menschen hätte erwarten können. Simonson stand ans, ergriff Nechljndows Hand, beugte sich niit deni Gesicht zu ihm nieder und küßte ihn, verschämt lächelnd. „Das, also das werde ich ihr sagen," sagte er und ging hinaus. SiebzehntesKapitel. „Nun, was meinen Sie dazu?" sagte Marja Palvloivna. »Verliebt, total verliebt. Das hätte ich nun vollends niemals erwartet, daß Wladimir Simonson sich ans diese ganz dumme knabenhafte Manier verliebte. Wirklich ein Wunder und, ich sage die Wahrheit— ein Jammer," schloß sie seufzend. „Aber wie ist's mit ihr, Katja? Wie, glauben Sie, wird die sich dazu verhalten?" fragte Nechljudow. „Die...?" Marja Pawlowna stockte, augenscheinlich im Wunsche, möglichst genau auf diese Frage zu antworten. „Die? Sehen Sie, sie ist trotz ihrer Vergangenheit von Natur eines der allennoralischsten Wesen... und hat so ein feines Empfinden... Sie liebt Sie— liebt Sie sehr und ist glück- lich, daß sie Ihnen wenigstens das negativ Gute erweisen kann, Sie nicht mit sich z» ziehen. Für sie wäre eine Ehe mit Ihnen ein schrecklicher Fall, schlimmer als alles Frühere, und deslvegen wird sie niemals darin einwilligen. Gleichzeitig be- unruhigt Ihre Gegenwart sie." „Also was— soll ich verschwinden?" sagte Nechljudow. Marja Pawlowna lächelte mit ihrem lieben Kinder- lächeln. »Ja, zum Teil." „Wie kann man denn zum Teil verschwinden?" „Ich habe dummes Zeug geschwatzt; aber in Bezug ans sie wollte ich Ihnen sagen, daß sie wahrscheinlich das Thörichte seiner gewissermaßen verzückten Liebe sieht(er hat ihr nichts �ovon gesagt) und sich davon geschmeichelt fühlt und sich vor r fürchtet. Sie wissen, ich bin nicht konrpetent in diesen Dingen, aber mir scheint, daß aus seiner Seite ein ganz gewöhn- liches männliches Gefühl, wenn auch maskiert, vorliegt. Er sagt. diese Liebe erhöhe in ihm die Energie, und die Liebe sei— platonisch. Aber ich weiß wohl, daß, wenn dieses ausschließ- lich Liebe ist,— daß ihr dann trotz alledem sicher etwas Häßliches zu Grimde liegt... Wie bei Nowodworow mit Ljnbotschka." (Fortsetzung folgt.) kNodidnlck verboten.) Eittv dentsche Datt- AttsNellung. Eine Ausstellung, die dos deutsche Bnutvesen veranschaulichen soll, ist am 1. Juli in Dresden feierlich eröffnet worden, nnd da sie vis zum 15. Oktober geöffnet bleiben wird, so ist hier eine gute Gelegenheit zum Studium der Baukunst und der Bauwissenschaft gegeben. Wenngleich konstatiert werden kann, daß die Dresdner Bau- ansstcllung nur Eröffnungstermine„im großen und ganzen" fertig Ivar, so machte es doch keinen besonders angenehmen Eindruck, daß an den ersten Tagen nach der Eröffnung, an ivelche» wir diese Schaustellung eingehend besichtigten, hauptsächlich die im Freien placierten Objekte noch stark in der Herstellung begriffen waren nnd daß auch weiter in den Hallen einzelne Aussteller überhaupt erst anfingen, ihre Erzengnisse aufzustellen. Gewiß wird bei einem solchen Nuternehme» immer etwas»och nach der Eröffnung vollendet werde»; doch in Dresden innre'ß wohl möglich gewesen, die Arbeiten rechtzeitig durch riojttge Disposition seitens der AuS- stcllcr zu vau...oen. Diese Forderung muß»ins olliehr erhoben Merde» 014 ja nicht nur das Studium eines solchen Unternehmens .»cieNtkich erschwert wird, wenn man in den ersten Tagen ein unfertiges Bild der Ausstellung sieht, sondern weil auch der Besuch der Veranstaltung darunter leidet, wenn es erst bekannt wird, daß „die Ausstellung natürlich noch nicht„ganz ifertig" ist". So zeugt es gewiß nicht von besonders großer» DiSpositionStalent, weiur selbst bekannte(Elektricitäts-) Firmen an den erster« Tagen der Ausstellung überhaupt erst beginnen, ihre Ausstellungen vorznnehlneri. Die deutsche Bau-Ansstellung ist in der Dresdener städtischen Ausstellungshalle untergebracht; da uätürlich dieses Gebäude nicht zureichte, so ist es durch hölzerne Anballten ec. ergänzt worden. Die Ausstellung hat folgende Abteilungen: Staatsbauwesen, Privat- Architektur, Bau-Litteratur, Ban-Jndustrie, Technik, Kunst- und Bau- haudrverk, sowie Landivirtschaftliche Baukunst. Die hochinteressante große Abteilung„StaatsbarNvescn"»in- faßt mehrere Säle mit allein 663 Nmmner». Pläne, Photographien, Modelle, Materialien ec. aus den meisten deutschen Ländern sind hier vor« den Staatsbehörden ausgestellt ivorden. Namentlich die hochinteressanten Modelle von Brücken zeigen die bedeutsamen Fortschritte der Technik auf diesem Gebiete. Der Besuch dieser Abteilung ist auf jeden Füll anregend, wem« man auch der Ausstellungsleituug den Borwurf machen muß. das Verständnis gerade dieser Abteilung ganz unnötigeriveise erschwert zu haben. Schlägt man nämlich den allgemeinen Katalog, der 75 Pf. kostet, auf, so steht unter Abteilung I zu lesen: Staatsbauwcscn siehe besondern Katalog. Bemüht man sich nun zu einer Verkaufs- stelle, so erfährt man, daß dieser Speeialkatalog noch 2 M. extra kostet. Jedenfalls werden von den AuSstell ungsbesuchern nur äußerst ivenige sich dazu verstehen', noch diesen Katalog zu kaufe». Hier hätte die Ausstellungsleitung von vornherein Mittel und Wege finden müssen, um für den allgemeinen Bedarf eine Erläuterung der Abteilung Staatsbauivesen zu beschaffen; das hätte sich z. B. bequem in einer kurzgefaßten Uebersicht machen lassen, die cntiveder dem allgemeinen Katalog eingeordnet, oder für vielleicht 23— 50 Pf. als besondere Ausgabe hätie zugänglich sein müssen. Eine solche Unterstützung des Vcr- ständnisses für diese ivichtige Abteilung hätte gciviß ihren Ziveck erfüllt nnd auch dem Laien ein gewisses Eindringen in die Fragen der Baukunst dieses Gebietes und damit eine gewisse Vorstellung von den Auf- gaben, Schwierigkeiten und Fortschritten derselben ermöglicht. Für die Fachle»!te hälte es ja dann trotzdem noch einen teuern und um- sangreichen Katalog für diese Abteilung geben können.— ' Die AbteilungP r i v a t-A r ch i t e k t u r bringt durch Zeichnungen, Photographien und Modelle die mannigfachsten Banteu zur Dar- stellnug. Private sowieSöffentliche Gebäude und Denkmäler verschiedener Art uiid für alle möglichen Zlvecke können hier stiidiert werden. Zu dieser Abteilung gehören die reichhaltigen KöllektivänSstelluugen der „Vereinigung Berliner Architekten", des„Dresdener Architekten- Vereins", der„Donnerstag-Vcrciiiiguug Dresdener Architekten", sowie der Architekten von Haniwvcr und von München. Das auf- merksame Durchstreifen dieses Teils der deutschen Bau-Ausstellung ist in mancher Hinsicht anregend; das Verständnis für moderne'Bau- weifen und ziveckmäßige Einrichtungen der Bauanlagen wird gewiß geweckt, und auch die Vergleichung von Baustilen wird ivohl unzweifelhaft dazu führen, daß die sogenannte öffentliche Meinung die Leistungen des Architekten, der den Aufgaben seines Fachs unter Berücksichtigung der modernen Anforderungen seiner Zeit gerecht zu werden sncht, mehr und mehr würdigen lernt. In der III. Abteilung haben zunächst mehrere bekannte Ver- lagsfirmen eine große Anzahl von Werken der Baulitterat nr zur Ausstellung gebracht, wobei gleich hervorgehoben werden soll, dah die Leitung dee Bnu-AnssteNung selbst insofern eine glückliche Idee hatte, als sie über die bantechnische Litteratur der letzten Jahrzehnte ein Verzeichnis zum Preise von 75 Pf. herausgegeben hat, das gerade für die Kreise der Fachwelt groben Wert besitzt. Zu diesem Teil gehören einige Sonderausstellungen. Zunächst sind die verschiedenen Pläne ans der Sammlung für vmilundc an der technischen Hochschule zn Dresden beachtenswert, die sich mit der Gc- schichte der sächsischen Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts be- schäftigen s es folgen dann die interessanten Aufnahmen k., durch die Dr. F. Sarre unsre Kenntnisse von der mittelalterlichen Backstein- Architektur in Vorderasicii und Persien bereichert. Den Schlub in dieser Abteilung»nacht die Sonderansstellung des Verbands deutscher Architekten und Ingenieure Dresdens, die das Vmiernhans in Deutschland und seinen Grenzgebieten veranschaulicht. In der groben Abteilung: Bauin dnstri e sind namentlich die wichtigeren Baumaterialien unsrer Zeit dargestellt; zum groben Teil hat man den zwcckmäbigen Weg gewählt, die Rohprodukte sowie die Erzeugnisse nach den diversen Phasen der Verarbeitung bis zum fertigen Baumaterial durch entsprechende Proben aus- zustellen, um so dem Publikum Gelegenheit z» gebe», gewisser- »»abcn die Fabrikation kennen und würdigen zu lernen. Dieser Zweck wird aber in vielen Fällen besser erreicht werden, wenn Photographien, oder noch besser: Modelle der Fabriken etc. selbst ausgestellt werden, so dab auch der Arbeitsprozetz übersichtlich er- kennbar gemacht wird. Achulich wie man die bekannten Bergwerks- Modelle hat, lieben sich mit entsprechenden Modifikationen lebendige Darstellungen der Fabrikationen mancher Baumaterialien geben.— Einen recht toten Eindruck bekommt man jedenfalls, wenn man z. B. einige Cementfässcr aufgestapelt und dann daneben �auf einem Tisch ein Gefäfi mit Cement sieht. Der Laie Ivird jedenfalls durch eine solche DarsteNung keine blasse Ahnung von der Cementfabrikation und damit auch kein Verständnis für dieses Baumaterial bekommen. Die Konstruktionen von Wänden, Decken von groben Spann- weite», Treppen jc. mit den Hilfsmitteln der heutigen Banindnstric sind fast durchweg in sehr verständiger Weise zur Ausstellung gebracht. Auch die heutzutage zn»» Bau benutzten mannigfachen Natur- und die immer zahlreicher werdende» Kunstprodukte sind reichhaltig ver- treten. Die B a u- T e�ch n i k ist zahlreich beschickt; sie zeigt, Ivas unser hetliigesBauivesen den Leistungen derMaschiueu-.Heiznugs-.Liiftungs-. Belenchtungs- und Mctalltechnik verdault. Natürlich kann dieser Teil nicht vollständig sein, denn die Zahl der wichtigen technischen Er- rungenschaften, die für das Bauwesen in Frage kommen, ist so grob, das; es schwer. fallen wird, jemals hier alle Wünsche in Bezug ans Vollständigkeit zn befriedigen.- Es sind allerdings in dieser Ab- teilnng viele Dinge ausgestellt, deren Zusammenhang mit dem A a it Wesen sz. B. Schreibuiaschiuen zc.) nian nicht recht einsehen kann, während andre ungemein wichtige Neuheiten, die hierher gc- horte», vom Fachniaun sehr vcriuibi werden'; dazu kommt, dab man leider eine für den A r b e i t e r s ch» tz im Baufach instruktive llutcrabteilung überhaupt vergeblich sucht.— Das K» n st- und B a n h a u d>v e r k zeigt seine Leistungen in mitunter beachtenswerten und eigenartigen Arbeiten, die ein er- freillicheS Bild von dem Streben und Können DentschlandS auf diesen Gebieten friedlicher, nützlicher und künstlerischer Kulturarbeit geben. Die letzte Abteilung,„ L a n d>v i r t s ch a f t l i ch e Banknude", wird hauptsächlich durch ein gut' und zweckmäßig eingerichtetes Mustergehöft dargestellt, daS denn auch ein Anziehungspunkt für die AilSstcllungSbcsnchcr ist, zumal dieser kleine Gntshof gcwissermabcn b c- trieben wird, d. h., daß man Gelegenheit hat, landwirtschaftliche Prdukte (Milch zc.) sofort zn lonsumicrcn. Auch sonst zeigen viele der Objekte dieser Abteilung, wie die technischen Fortschritte mehr und mehr auch den reaktionärsten Landbewohner zwingen, die altväterlichen,»n- praktischen Einrichtungen und Hilfsmittel aufzugeben, um dafür die besseren Errungenschaften unsrer Tage anzuwenden. Wenn wir nun auch im Vorstehenden gewisse Mängel dieser Veranstaltung scharf hervorgehoben haben, so wollen wir doch nicht anstehen, zum Schluß ausdrücklich zu betonen, daß der Besuch dieser deutschen Banansstcllung dennoch lohnend ist, dab fie jedem denkenden Kulturmenschen Anregungen und Vennehrung seines Wissens bringen dürfte!— Mit der Ausstellung ist ein Vcrgnügungs-Eck verbunden, welches eine deutsch-römische Greuzansiedeluug in Verbindung mit diversen Baulichkeiten andern Charakters darstellt. Aus diesem Vergnüguugs- Eck erhebt sich ein Turin, der Reichsbau, dem ivohl eine gute Idee: nämlich der deutsche, kräftig in die Höhe sircbende Eichbaum zu Grunde liegt, der aber doch nicht gerade als gut gelungen in den Formen seiner Ausfühnmg gelten kann. P. M. G r c m p e. Kleines �euillekon. — Üeber Entstehung und Verbreitung dcö Papiers handelt ein soeben erschienenes Buch von A u g u st i u B l a n ch e t, dem die „Frankfurter Zeitung" folgende Daten entnimmt: Der Anfang des Papiers ist im chinesischen Bambnsblatt zu suchen, auf welches mit glühendem Eisen die Figuren der chinesischen Sprache eingeätzt wurden; um diese Figuren dauerhafter zu machen, druckte mau sie auf Seide. Ungefähr 100 Jahre nach Christi Geburt erfand der Hof- beamte Jsai-Lom» das eigentliche Papier, ein.Gemisch aus Baumrinde, alten Lumpen, Pflanzenfasern und Hanffäden. Neber Korea kam das Papier nach Japan, um 603 verbesserte cS der Weise Doncho, bald darauf Prinz Shotoku durch Auweiidinig der Rinde des Maulbeerbaumes und des Hanfes. 806 bis 807 errichtete der Staat selbst Papierfabriken, wo man fünf Arten erzeugte:„Nakusbi" ans Hanfspitzen,„mashishi" aus Haufriudc,„kokusni" und„danshi" aus Manlbcerbaumrinden, „hishi" ans den Fasern der Kdgeworthia papyiifera. Ins Abendland wurde die chinesische Erfindung durch die Araber gebracht. Durch die Almohaden kam die Kunst nach Fez, Marokko und Spanien, Ivo sich bei Valencia im Städtchen lkativa die erste Papiermühle erhob, der mehrere in Katalonien folgten. Das arabische Papier kam bald auch in die Seestädte Italiens und nach Sizilien; in Fabriano arbeiteten 1307 � bis 1324 nach Angabe des Forschers onghi sechs Mühlen. Venedig ritz den ganzen Papierhandel durch nhrhuuderte au sich. Wo die erste Mühle in Deutschland stand, war lange strittig, die einen verlegten sie nach Augsburg(1488), die andren nach Regens- bnrg(1539). Die neue Forschung entdeckte sie in Glcismühl bei Nürnberg, wo sie schon 1390 unter Leitung Illman Strömers arbeitete. I» der Schweiz weisen die ersten Spuren auf das Dorf Praroman bei Freiburg(1411), dem 1440 Basel folgte; in England errichtete John Täte zu Stcveuage in Hcrfordshire die erste Mühle 1494, die ziveite 1507 bei Hartfort. In Oesterreich ließ Karl IV. ans Italien „Papiercr" kommen, die 1370 in Egcr eine Mühle bauten; im 10. Jahrhundert entstanden in Böhmen Fabriken zu Trnntcnau (1505), Bensen bei Tctschcu(1500), Friedland(1590). Der dreißig- jährige Krieg zerstörte diese Etablissements, neue erhoben sich zn Weijz- Wasser(1000) und Hoheuelbe(1607). Mähren hatte zwei Mühlen, zu Jglnu(1530) und zu Ol, nütz(1576), in Riedcr-Ocstreich errichtete das Stift Hciligcnkreuz 1616 eine Fabrik zu Lecsdorf, die 1633 von den Türken samt den Arbeitern verbrannt, 1688 vom Stifte Melk restauriert wurde. Karl VI. berief, um die Fabrikation zu heben, Arbeiter aus Deutschland und der Schweiz, doch hatten sie wenig Erfolg. In Holland beschränkte man sich bis 1636 auf den Handel mit französischem und italienischem Papier, bis am 26. April deö- selben Jahrs der Herzog von Leicester die Dordrcchter Bürger HanS von Aelst und Jean Lupaert zur Errichtnng zweier Mühlen autorisierte; neue Konzessionen folgten für Alckmaar, Zeland, Aruheini. doch hielten sie sich nicht lauge. 1613 errichtete der Franzose Martin Oeges eine Mühle zn Apcldoorn und ward der eigentliche Begründer der Papier- Industrie in Holland, welcher die Erfindung des„rollenden Cyliuders zur Zerfaserung des Stoffs" neues Leben gab. Diese neue Erfindung— der Erfinder ist unbekannt geblieben— machte der deutsche Architekt Lconhardt Christoph Sturm 1697 durch eine ausführliche Beschreibung bekannt, als er Sanrdam besuchte. In Rubland wird einer Mühle 1676 Erwähnung gcthau, die Fcdor Saviue„am Bache Otticha" errichtete und nach deren Muster der Patriarch Nikon eine Fabrik zu Moskau bauen ließ. Praktischen Wert erhielt die Industrie erst durch Peter I., der selbst zu Saardnm gearbeitet hatte und zn Douderhof bei St. Petersburg die holländische Erfindung benützte. In der Türkei entstand i» der Nähe Koustantiuopels die erste Mühle 1745 durch den Direktor der kais. Druckerei Abraham Efeudi, in Nord- amcrika errichtete der 1600 ausgewanderte Holländer und Anhänger der Meimonitcn-Sckte William Rittinghuyscu im Verein mit dem Drucker Bradsord die erste Fabrik in der neue» Welt.— Litterarisches. Lust» n d Leid. Novelle» von Georg Freiherr v. Ompteda. Fontaue n. Co. Berlin.— Eigentlich sind es keine Novellen, sondern slott hingeworfene Skizzen oder flott erzählte Geschichten, in denen freilich hanfig ein novellistisches Motiv steckt, Am höchsten dürfte wohl die erste zu stellen sein, die einen milden, resignierenden Mann zeichnet, der von seiner Frau verlassen wird. Sein Schicksal cnt- faltet sich sehr lebendig vor nusreu Augen, auch die Naturschildernug kommt nicht zu kurz. Was trotz alledem die Arbeit nicht zur Novelle emporwachsen lädt, ist die fehlende psychologische Tiefe. Schließlich sind es doch nur die Vorgänge, die Ereignisse, die Katastrophen, die wir erfahren. Eine Handlung wird geschickt und spannend erzählt, aber sie steigt nicht aus den Tiefen der menschlichen Seele. Von der Frau, die zunächst ihren Manu innig liebt und ihn dann verläßt, erfahren wir bei- spielsweise so gut wie gar nichts. So bleibt schlicblich daS Ganze doch in der Erzählung stecken.~ Am kurzweiligsten vorgetragen ist vielleicht die„kleine Tänzerin". Auch ei» hübscher Schimmer von Poesie fliegt über die Zeilen. Nur ist das Motiv so grell, dab rs störend wirkt. Man denke: eine kleine Tänzerin hat das Unglück stumm zu sein. Auf ihren ein« samen Spaziergängen im Stadtpark trifft sie einen Maler, der ihr der Reize der Landschaft cuthüllt. Sie hört immer zu, nur ihre Augen fprechen, und so merkt er zunächst nicht, daß sie stumm ist. Als sie auf eine Frage den Kopf schüttelt, glaubt er, daß sie eine Ausländerin ist, die lein Deutsch versteht. Die Spaziergänge werden dann in derselben Weise fortgesetzt. Schließlich verläßt der Maler den Ort. Die kleine Tänzerin, die ihn liebt, wird von einem wilden Entsetzen gepackt. Sie strengt sich krampfhaft an, um nur das Wörtcheu„Bleib" zu sage», aber sie bringt nichts heraus, als ein tierisches Lallen.' Der Künstler flieht entsetzt vor dem armen Wesen, das wie eine Wahnsinnige vor ihm steht. Das ist in jeder Beziehung ein häßliches Bild, das durch keine künstlerische Tugend erträglich wird. Wirluugs« voll ist es ja in einer Weise, aber es ist die Wirkung, die man Effekt«cimt. DaS fraiizvsische Wort bezeichnet übrigens den Ursprung deS Genre». ES ist nicht alle» gut. was unsre Schrift- steller von den Franzosen lernen. Ein diskreter, aber gerade darum Ivirkungsvollcr Humor liegt in den beiden Skizzen„D a s M o r a li s ch e" und„Quass ei- k o p p«Herr Nan ni a n n' schildert eine» Künstler, der als Klavierspieler in einer fragwürdigen Kneipe verkommen ist. Fast jede der kleinen Erzählungen behandelt ein Motiv, das nachdenklich stimmt. Dabei langweileu sie nie und so kann die Lcltürc immerhin empfohlen werden.— E. S. Völkerknude. — Kannibalismus in Europa. Im Jnniheft der „Deutschen Nnndschau siir Geographie und Statistik', spricht Dr. Alfr. Pnrtschcr kurz davon,>vie auch der Kannibalismus in Europa vormals nicht fehlte. Bon den Ivcstlichcn Slaven erzählt, wie wir der„Miinchener Allgemeinen Zeitung' entnehmen, Zeiler: „ES ist ein ehrlicher Brauch im Wagerlande, gleichwie in andren Wendlnnden gewesen, daß die Kinder ihre altbctagten Eltern. Blntsfreunde und andre Verlvandte», auch die, die nicht mehr zur Arbeit dienstlich, töteten, danach gekocht und grgeffen.... Dieser Brauch ist lange Zeit bei etlichen Wenden geblieben, insonderheit im Liincbnrger Lande." Auch ans einem griechischen Klcphtciilicde will Pnrtschcr herauslesen, das; da? Anffreffe» getöteter Feinde Kraft und Stärke giebt. Ein bulgarischer Folklorist. K. A. Sapkarev, erzählt von dem Abschlachten alter Leute, das in alter Zeit im Cchivange gewesen sein soll. Dazu bemerkt Dr. Fr. Kraust:„Man tan» ruhig behaupten, dast bei den Süd- slaven sowohl wie bei den Nengncchcii das Menscheufleisch- Fresse» mis religiöse» Motiven fast noch in nnsern Tagen vorgekommen sein nmst. �)er Kopf getödletcr Feinde diente zuweilen zur Zauber- verspeisnng, durch die man die Erwerbung der Eigenschaften des Verstorbenen für sich und durch weitere Vererbung für seine Nach- kommen erhoffte." Auch in einem Gnslarenkiede ist von eigentlichein Kamnbalisiilns berichtet. In dem Märchen vom Machandelboom (Grimm), haben wir eine dein Kaimibalisnnis ganz ähnliche Ge- schichte, doch trank man bei den Gcrinaneii höchstens von dem Blut derjenige», die man sich z» Fremide» machte, der„Blutsbruderschaft." Nur die Slavm scheinen„ach Purtscher Kaunibalisinns getrieben zu haben.— ZluS dem Tierleben. --SeltsanreBrutpflegebeiWasserwanzen. ES war bereits bekannt, dast gewisse Wasserwanzen ans der Tnippe der Beloswuliden nach Art mancher Frösche und Kröten ihre Eier bis zum Ausschlüpfen der Larven ans dein Rücken trage». Man hatte allgeniein angcnonuncn, dast es daS Weibchen sei, welches die Eier bis zu ihrer Lleife muherschleppte. Nach den Beobachtnugcu aber, die Fräulein Floreiicc WellS Slatcr im entomologischen Laboralorimu der Eornell-lluivcrsität in Jthaka ausgeführt hat, ist das Weibchen, schreibt der„Proincthens", nicht die Eierträgerin, sondern daS Männchen mnst gezwnngenermasten diese schillere Last ans sich nehmen. Demi die Eier sind verhäünisiuästig grast und ihre Zahl steigt auf 75 bis 83 Stück, welche in rcgclmästigen Diagonalreihen über die Flügelobcrseite der Männchen gelegt werden, so dast diese sonst leb- Haft hin- und herschiestendc» Insekten dadurch am Fliegen gehindert Iverden und nun ruhig ans dem Blatt einer Wasserpflanze sihend, ihr Schicksal tragen nnd sich kaum gegen Angriffe verteidigen, weil ihnen, Ivie es scheint, unter ihrer Bürde ihr Leben leid ist. Natürlich mnst daS Weibchen dem Männchen die Eier mit Gewalt aufzwingen, und da die Eiablage vom Juni bis Ende Sngust währt, hatte Frl. Slatcr wiederholt Gelegenheit, den Borgang vo» Anfang bis zn Ende zu beob- achten. Es dauert manchmal ziemlich lange, lii-Z es dem Weibchen gelingt, da-Z Männchen zu fangen und sestznhalten, denn dasselbe bleibt auf seiner Hnt und weist manchen Versuch abzuschlagen. Einmal dauerte cS fünf Stunden lang, bis es dem hartnäckigen Weibchen gelungen war, daS Mämichcn zn fangen. ES nähert sich ihm manchmal bis auf einige Zoll und wartet vielleicht eine halbe Stunde auf den günstigen Augenblick, ihm auf den Rücken zu springen. Aber der Bersnch niistglnckt häufig, nnd da» Weibchen thnt dann, als ginge es mir seiner Nahrung nach, worauf es nach einiger Zeit iviedcr eine» Versuch macht und vielleicht wieder zurückgeschlagen wird, bis es ihm endlich glückt. DaS Männchc» wird dann unbarmherzig so lange festgehalten, bis seine ganze Rückenseite, die Flügel und der Hinterleib dicht mit Eiern beliebt sind, waS oft 5 bis V Stunden dauert. Das Männchen verflicht auch dann noch oft, sich die anfangs gelben, bald grau werdenden Eier mit den Beinen vom Rücken zu streife» oder zu stosten»nd manchmal gelingt cS ihm. Solch« von ihrer Last befreiten und ihrer nmviirdige» Rolle entgangenen Männchen schösse» dann wieder frei und lustig umher. Die mideni finden sich schließlich in ihr LooS nnd manchmal er- wachen sogar väterliche Jnstinlte in ihrer Brnst. Sie bürsten dann mit Hilfe ihres dritten BeiiipaareS, welche? mit langen Haaren ver- sehen ist, sorgsam über ihre Eiladmig bin, um sie sauber zu halten nnd von Frenidkörperil zu befreien, die sich darauf eiiigefimdeu habe». ES wiederholt sich also hier im Jnsektenreich, ivas»um bei so vielen Fischen und Aniphibicn beobachtet. Das Männchen ivird an der Brnlpflege beteiligt nnd imist wobl oder übel jehieuTril zur Aufbrnigimg der Nachkoinmenschast auf sich nehmen.— Beiavlwortlicher Neoaueu:: Hugo Poetisch i» Verl Geologisches. — DaS Zurückweiche,, der Gletscher. Nach den Mit- teilimgen des Jahrbuchs des schiveizerischen Alpenklubs wurde» letztes Jahr in der Schiveiz 73 Gletscher beobachtet. Bon diese» haben 10 zugenommen, 03 sind zilrückgegaiigen. Die Vernrinderungs- tendcuz der Gletscher hat sich verschärft. Diejenigen Gletscher, die im Jahre 1303 zngeiioimncil haben, sind im Laufe des Jahres 18SS stabil geblieben. Es ist möglich, dast das uiiterbliebenc Wachsen dem prächtigen Sommer von 1890 zuzuschreibeii ist. Vo» alle» Gletschern zeigt ein sicheres,»»zweifelhaftes Wachstum einzig der Boveyre« Gletscher im Kanton Wallis. Beim Nosenlanigletscher< Berner Oberland) war im Jahre 1897 nnd 1808 ein Wachsen beobachtet worden, das im letzte» Jahr jedoch nicht angedauert hat. Die beiden Grindeltvaldgletschcr, die bis jetzt entschieden stationär geblieben ivarcii, fangen a» abzunehmen, der untere Aargletscher, bis 1803 stationär geblieben, ist 23 Meter zurückgegangen.' Zum erste»», al, seitdem er gemesscu»vird, ivurde mich am Eigergletjcher ein Zurück- weichen lvahrgciioniinen, dieser Gletscher ist teilweise 70 Meter zurück- gegangen. Der Kandergletschcr ging ebenfalls zurück. Im Wallis ging der Rhonegletschcr ctlva O'/e Meter zurück, der Durandgletscher ist in den letzten acht Jahren 350 Meter zunickgewichen. Die Gletscher im Rhoiiethal gingen alle zurück. Der Gletscher des Tonr ist gegenwärtig ein Kilometer von der früheren Moräne entfenit. Der Gletscher Argentiere verlor in einem Jahr 60 Meter. Der Bericht weist auf den BieSgletscher(Wallis) hin. der das Unglück von Rauda herbeigeführt hat, ferner ans den Gletscher von Gietroz, durch dessen Vernndernngcn sich ein See bildete, der am 16. Juni 1818 ausbrach, dabei das ganze Bagncthal bis Marti» nach entsetzlich verheerend. Der Bericht betont, diese beiden Gletscher sollten fortwährend anfinerkfani beobachtet iverden, damit man über die thatsächlicheu Beründeriiugei, ins Klare komme. Von 30 in de» Wallijer Alpen beobachteten Gletschern zeigten 22 ein bestimmtes Zilriickwcichcn, 3 zeigten ein ivahrscheinliches Zurückweichen, 4 ein wahrscheinliches„nd 1 ein bestimmtes Wachsen.— Hmmorlstisrffed. — E r berichtigt sich. Elsa:„Wie geht's Deinem Man»?" Grete:„Ach, der arbeitet an seinen» Werk über Ebcrecht!" Elsa:„Aber das Ivar doch bereits vor Eurer Hochzeit er- schienen?" Grete:.Allerdings, aber er will jetzt eine veränderte, neue Auslage veranstalten!"— — Ein Z lv e i f l e r. Fräulein:„Acki, Herr Claas«», nehmen Sie mich doch mal mit misS Meer... ich möchte so gern ivissen, Ivie Sic die Netze auswerfe»!'— Schiffer:„Na„a, Frölen!... und bat sollten Sä„ich werten?l"—(„Luft. Bl.") Notizen. — Ein iiiter nationaler Verlegerkongrest wird vom 0.— 12. Juni 1001 in Leipzig stallfindcn.— — G„ st a v von Moser hat einen neuen Einaller„Ohne Konsens" beendet, der im Warmbrunner Kurthcater bereits in diesen Tagen aufgeführt tverdcu wird.— — Ein Mecklenburger B a n e r n- E u s e m b l e gedenkt der Rcuter-Juterpret l�tto Fritzschc ins Leben zu rufen. DaS Ensemble wird zuerst in Berlin gastieren.— — Gabriele d' A n» u» z i o S Tragödie„Glorio" soll mit Adele Saudrock in der Tiiclrolle in der komuieudeu Saison iu einem Berliner Theater ausgeführt iverden. Ein iiencS Drama, an dem d'Ailnnnzio gegenwärtig arbeitet, wird gleichfalls in Berlin, und zwar unter Milwirkiuig der Eleonore Düse, seine Eistanfsühr, mg erleben.— ar, I n der Berliner S e c e s s i o n s- A n S st c l I n n g sind neuerdings Werke von Hcruiiulu Hendrich, Oskar Frenze!. Franz S k a r b i n a, Hans T h o m a, Georges Griveau, Miix Liebennann(„Badende Jinigcn"). L» d iv i g Dill. Ludwig v. Hof- mann(..Sonnenstrahl"). Walter Lcistikow(.Hafen") und zwei weitere Wiederholungen der Bronze„Europa" vo» Georg Wrba in Privat- besitz übergegangen.— t. Der zweite wissenschaftliche K o n g r e st für Amerika wird vom 20.—31. Marz 1901 in der Hauptstadt von Ilniguay abgehalten iverden. Die Verhandlungen sollen nach de» verschiedenen Wisjenschafteil in neu» Abtcilnngen erfolgen— — Gegen Schlange»bist wird, wie der«Praktische Wegweiser", Würzburg, mitteilt, in Amerika ein sehr einfaches Mttcl angcivcndet. Es tvird nämlich das verletzte Glied in Kerosin oder Petroleum eingetancht. oder, wenn dies nicht thunlich, ein Lappe» mit dein Ort getränkt nnd ans die Wmidc gelegt und lange darauf liegen gelassen: geschieht dies so bald wie möglich, unbedingt innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Berwnudiing, so wird der Bist einer jeden Schlange, einschlicstlich der Mokassinschlange, da- durch»»schädlich gemacht.— — Der Besitzer der F i s ch z ü ch t e r e i e n in Beffemont, Herr de Marcillar, hat mit dem beste» Erfolg die Regenbogen- f o r e l l e aus Kalifornien(Salmo iridius) in Frankreich eingeführt.___________ n. Druck uuo Beuaj von■i.Hai Äasuig m Berlin.