HlnterhaltungMatt des Horwärts 137. Mittwoch, den 18. Juli. 191,0 lNachdruck otibottn.) 77] Attforlkchuttg» No»ian von Leo T o l st o j. Mnija Patvlowna wurde von der Frage hingerissen, da sie über ihr Lieblingsthema sprach. „Aber was soll ich thnn?" fragte Nechljndow. „Ich denke. Sie müssen es ihr sagen. Immer besser, daß alles klar ist. Sprechen Sie mit ihr, ich rufe sie. Wollen Sic?" sagte Marja Pawlowna. „Bitte," sagte Nechljndow, und Marja Pawlowna ging hinaus. teilt sonderbares Gefühl bemächtigte sich NcchljudowS, als er in der kleinen Zelle allein blieb und den leisen, selten von Gestöhn nntcrbrochenen Atem Wjera JcfrcmownaS und das nnunterbrochen hinter beiden Thüren ertönende Getöse der Sträflinge hörte. Was Simonson ihm gesagt hatte, machte ihn frei von der übernommenen Verpflichtung, die ihm in Augenblicken der Schwäche schwer und schrecklich schien, und dabei war ihm nicht nur angenehm, sondern sogar weh zu Mute. In diesem Gefühl lag auch das, das; Simonsons Antrag in seinen Augen und in denen fremder Leute den Preis deS Opfers, das er brachte, verringerte:»venu ein Mensch, tmd zwar ein so guter, durch nichts an sie gebundener, sein Schicksal mit dem ihrigen zu vereinen wünschte, so war sein Opfer schon nicht mehr so bedeutend. Vielleicht war auch einfach ein Gefühl der Eifersucht im Spiel: er war so an ihre Liebe zu ihm gewöhnt, daß er es nicht zugeben konnte, daß sie einen andern liebte. Es lag darin ferner auch die Zerstörung des einmal festgestellten Planes: bei ihr zu leben, so lange sie die Strafe verbüßte. Wenn sie Simonson heiratete, wurde seine Gegcnlvart unnötig, und er mußte sich einen neuen Lebensplan zusammenstellen. Er hatte noch nicht mit seinen Gefühlen ins Reine zu kommcti vermocht, als ein verstärktes Stiinmcngetöse der Sträflinge in die geöffticte Thür drang (bei ihnen war heute etwas Besonderes los) und Katjnscha in die Zelle trat. Sie trat mit schnellen Schritten an ihn heran. „Marja Pawlowna hat mich geschickt," sagte sie, nachdem sie sich dicht neben ihn gestellt. „Jg. ich muß Sie sprechen. Sehen Sie sich, Wladimir Jtvanolvitsch hat nnt mir gesprochen." Sie saß da, hatte die Hände ans dem Schoß gefaltet und schien ruhig aber sowie Nechljndow den Namen Simonson aussprach, wurde sie purpurrot. „Was hat er Ihnen denn gesagt?" fragte sie. „Er hat mir gesagt, daß er Sic heiraten lvill." Ihr Gesicht schrumpfte plötzlich zusammen und drückte Leiden aus, aber sie sagte nichts und wandte nur die Augen ab. „Er hat tun meine Znstimmnng oder uieinen Rat gebieten. Ich habe gesagt, daß alles von Ihnen abhängt, daß Sic die Entscheidung treffen müssen." „Ach, was ist das? Warnut?" brachte sie heraus und blickte mit dem sonderbaren, stets besonders stark atif Nechljndow wirkenden, schielenden Blick in seine Augen. Einige Sekunden schauten sie einander schweigend in die Augen. Und dieser Blick sagte dem einen und dem andern viel. „Sic müssen entscheiden," wiederholte Nechljndow. „Was soll ich entscheiden?" sagte sie.„Es ist ja längst alles entschieden. Nein, Sie tnüsfen entscheiden: nehmen Sie das Anerbieten Wladimir Jlvanowitschs an?" fuhr sie fort, die Stirn runzelnd. „Ja. aber wenn nnit die Begnadigung erfolgt?" sagte Nechljndow. „Ach, lassen Sie mich. Es ist nichts- tttchr zu reden," sagte sie, stand ans und ging ans der Zelle. Achtzehntes Kapitel. Als Ncchljndow hinter Katjnscha in die Mätttterzelle zurückkehrte, waren dort alle in großer Erregung.?iabatolv, der überall herum ging, mit allen in Verkehr trat, alles beachtete, hatte eine Nachricht gebracht, die alle überraschte. Die Nachricht bestand darin, daß er an der Wand einen Zettel gefunden hatte, der von dem zu Zwangsarbeit der- tirteiltcn politischen Verbrecher Petlin geschrieben Ivar. Alle nahmen an, daß Petlin schon längst in Kara sei. und nun erwies sich plötzlich, daß er erst unlängst auf demselben Wege allein nnt gewöhnlichen Verbrechern vorübergezogen war. „Am 17. August," hieß es auf dent Zettel,„wurde ich allein mit gelvöhnlichen Verbrechern expediert. Nclvjerow lvar bei mir, der hat sich in jtara int Jrrcnhanse aufgehängt. Ich bin gesund und mutig und hoffe alles Gute." Alle erörterten die Lage Petlins und die Ursachen von Newjerows Selbstmord. Krylzow aber schwieg mit ge- spatintem Ausdruck und blickte mit starren, glänzenden Augen vor sich hin. „Mein Mann hat mir gesagt, daß Nclvjerow schon früher Erscheinungen gehabt hat," sagte die Ranzewa. „Ja, ein Poet und Phantast, solche Leute halten die Einzelhaft nicht rnts," sagte Nowodworow;„wenn ich in Einzelhaft geraten bin. habe ich tneiiicr Einbildungskraft nicht gestattet zu arbeiten, tind meine Zeit auf die aller- stlstematischste Weise eingeteilt. Dadurch habe ich es auch immer gut ertragen." „Was ist dabei zu ertragen? Ich bin oft einfach froh getvesen, wenn man mich einsperrte," sagte Nabatow in mutigem Ton, offenbar int Wunsche, die finstere Stimmung zu verscheuchen.„So hat man alles zu befürchten; daß man selbst hineinfällt, daß man andre hineinlegt nitd die Sache verdirbt; sobald man aber sitzt, hat die Verantwortung ein Ende, und man kann ausruhen. Da sitzt man eben«nd trinkt ab und zu einen." „Hast Du ihn näher gekannt?" fragte Marja Pawlowna, mit einem unruhigen Blick auf das plötzlich veränderte, ein- gefallene Gesicht Krylzows. „Ncwjcrow ein Phantast?" begann plötzlich Krhlzoiv, schwer atmend, als wenn er lange geschrieen oder gesungen hätte, und hustete plötzlich stark, indem er ganz rot wurde; dabei stürzte Blut aus seinem Munde. Nabatolv lief hin, um Schnee zu holen. Marja Pawlowna holte Baldriantropfen hervor und bot sie ihm an; er aber schloß die Augen, stieß sie mit seiner tvcißen, abgemagerten Hand zurück und atmete schwer und schnell. AlS der Schnee tmd kaltes Wasser ihn etwas beruhigt hatten, und er für die Nacht gebettet worden war, verabschiedete Ncch- ljudow sich von allen und ging tnit dem Unteroffizier, der ge- kommen lvar, um ihn zu holen, und der schon lange ans ihn wartete, zum Ausgang. Die gelvöhnlichen Gefangenen waren jetzt still geworden. und die Mehrzahl schlief. Trotzdem sie in den Zellen auf Pritschen und darunter und in den Durchgänge» lagen, hatten nicht alle Platz finde» können, und ein Teil von ihnen lag auf dem Fußboden im Korridor, die Köpfe auf die Reisesäcke gebettet und tnit den nassen Sträflingsröcken bedeckt. Ans den Zellcnthürcn und im Korridor ertönten Ge- schnarch. Stöhnen und schläfriges Gespräch. Ueberall waren dichte Knäuel menschlicher Gestalten sichtbar, die mit Röcken bedeckt waren. Nur in dem Raum für ledige gewöhnliche Verbrecher schliefen einige Leute nicht; sie saßen in einer Ecke um einen Lichtstnmpf, den sie beim Anblick des Soldaten auslöschten. Die verpestete Luft des Raumes für die politischen Sträflinge erschien rein im Vergleich mit dem schivülen Ge- stank, der hier herrschte. Die blakende Lantpe lvar wie durch Nebel hindurch sichtbar, tmd es lvar schwer zu atmen. Um im Korridor vorwärts zu schreiten, ohne mit dem Fuß auf einen der Schläfer zu treten oder ihn anzustoßen, mußte man sich vorher einen leeren Platz ausersehcn und, nachdem man auf ihn einen Fuß gesetzt, Platz für den andern ausfindig machen. Drei Menschen, die offenbar auch im Korridor keinen Platz gefunden hatten, lagen im Vorraum unmittelbar neben dem stinkenden Abortkübel. Einer von diesen Leuten war ein Irrsinniger— ein Greis, den lllechljudoiv oft auf dein Marsch gesehen hatte. Der zweite lvar ein zehnjähriger Knabe; er lag zwischen zlvei Sträflingen, hatte die Hand unter die Wange gelegt tmd schlief auf dem Fuß des einen von ihnen. Als Nechljudolv ans dem Thor hinaustrat, blieb er stehen und atmete, mit aller Lnngeukraft die Brust dehnend, lange die Frostluft ein. Neunzehntes Kapitel. Draußen war es ftcrrtenftov. Nechljudow kehrte auf dem gefroreneu, nur hier und da noch sich durchdrängenden Schmutz in seine Herberge zurück und klopfte an das dunkle Fenster. Ein breitschultriger Arbeiter öffnete ihm barfuß die Thür und ließ ihn in den Flur. Aus dem Flur ertönte rechts das laute Schnarchen von Fuhrleuten in der Rauchhütte; vorn vor der Thür auf dem Hof hörte man das Haferkauen einer großen Menge Pferde. Links führte eine Thür in die Gast- stube. In der Gaststube roch es nach Wermut und Schweiß, hinter einem Verschlag ertönte gleichmäßiges schlürfendes Schnarchen aus mächtigen Lungen, und in rotem Glase brannte ein Lämpchen vor dem Heiligenbilde. Nechljndoiv entkleidete sich, breitete auf deni Wachstuchsofa sein Plaid und sein ledernes Kissen aus und legte sich hin, indem er alles, was er am heutigen Taqe gesehen und gehört hatte, noch einmal in Gedanken durchging. Trotz der unerwarteten und wichtigen Unterhaltung heute abend mit Simonson und Katjuscha blieb er bei diesem Er- eignis nicht stehen; sein Verhältnis dazu war allzu kompliziert und gleichzeitig unbestimmt, und deshalb verscheuchte er die Gedanken hieran von sich. Aber um so lebhafter erinnerte er sich an das ungeheuerliche Bild dieser Unglücklichen, die in der erstickenden Luft schwer atnieten, und besonders wollte ihm der Knabe mit dein unschuldigen Gesicht, der auf dem Fuß eines Zwangsarbeiters schlief, nicht ans dem Kopfe. Als Nechljudow erwachte, waren die Fuhrleute schon längst fortgefahren, die Wirtin trank Thce, rieb niit einem Tuch den dicken schweißigen Hals ab und kani, unr zu melden, daß ein Stationssoldat einen Brief gebracht hätte. Dieser Brief war von Marja Pawlowna. Sie schrieb, die Anfälle Krylzows seien ernster, als sie geglaubt hätten.„Eine Zeitlang wollten wir ihn zurücklassen und bei ihm bleiben, aber das erlaubte man nicht, und so nehmen wir ihn mit, befürchten aber das Schlimmste. Bemühen Sie sich, es in der Stadt so einzurichten, daß, wenn man ihn zurück- läßt, jemand von uns bei ihm bleibt. Wenn dazu nötig ist, daß ich ihn heirate, so bin ich selbstverständlich dazu bereit." Nechljudow schickte den Kleineu nach Pferden ans die Station und begann schleunigst zu packen. Er hatte noch nicht das zweite Glas Thce getrunken, als eine Troika zum Umklappen, mit dem Glöckchcn läutend und mit den Rädern auf dem gefrorenen Schmutz wie ans Pflaster raffelnd, an die Treppe heranfuhr. Nechljudow bezablte der dickhalsigen Wirtin seine Schuld, trat schlennigst hinaus, nahm auf dem Quersitz des Reisewagens Platz und befahl, so schnell wie möglich zu fahren, da er den Zug wieder einholen Ivollte. Unweit der Thore am Zaun holte er wirklich die Wagen ein, die mit dem Gepäck und mit den Kranken beladen waren und auf dein gefrornen Schänitz rasselten, der anfing weich zu werden. Der Offizier war nicht da— er war vorausgefahren. Die Soldaten hatten äugen- scheinlich getrunken und gingen fröhlich schivatzend hinten auf beiden Seiten des Wegs. Es waren viele Wagen. Auf den vordem saßen dicht gedrängt sechs Mann schivacher, ge- wohnlicher Gefangenen, auf den drei Hinteren fuhren je drei politische Gefangene mit Bauernpferden. Im aller- letzten Wagen saßen Nowodworow, die Grabez und Kondratjew, auf dem zweiten die Ranzewa. Nakata w und die schwache Frau mit Rheniiiatismiis, der Marja Pawlowa ihren Platz abgetreten hatte. Auf dem dritten lag auf Heu und Kissen Krylzow. Auf dem Kutscher- fitz neben ihm saß Marja Pawlowna. Nechljudow ließ den Fuhrmann bei Krpzlow halten und trat zu ihm. Der an- getrunkene Eskortesoldat schwenkte die Hand gegen Nechljudow, abr, Nechljudow trat, ohne ihn zu beachten, zum Wagen und ging neben ihm, indem er sich an der Wagenstange hielt. Krylzow erschien im Schafpelz und in der Lammfcllmütze mit einem um den Mund gebundenen Tuch noch magerer und blasser. Seine schönen Augen schienen besonders groß und glänzend. Von den Stößen, die der Wagen verursachte, schwach hin und her geschaukelt, schaute er Nechljudeiv unver- Ivandt an und schloß ans die Frage nach seinem Befinden nur die Augen und schüttelte ärgerlich den Kopf. Seine ganze Energie ging anscheinend im Ertragen der Stöße des Wagens auf. Marja Pawlowna saß auf der anderen Seite des Wagens. Sie wechselte mit Nechljudow einen bedeutsamen Blick, der ihre ganze Unruhe' wegen Krylzows Lage ausdrückte, und begann dann sofort in fröhlichem Ton «u reden.(Fortsetzung folgt.) jnick«»boten.) Vvtt dvv SDelknus�trllunrz» (Das Maschinenwesen.) Bon Franz Woas- Wiesbaden. Eiumalhnnderttansend Maschinen oder vielleicht noch mehr mögen sich auf der Ansstellnng befinden, und viele werden mit vollem Recht von Fachmännern und Richt-Fachmännrnr angestaunt und bewundert — aber unter ihnen allen ist auch nicht eine einzige Maschine, die wirklich neu ist. Andre Ausstellungen haben soiche wirklich neue Maschine» gebracht, wie z. B. den GnS- und den Elektromotor, den Pulso- meter, die Schnellpresse, dnS Fahrrad— aber diesmal ist nichts Derartiges da; kein»euer Motor, keine neue Arbeitsmaschine; olles schon dagewesen. Auch was äußerlich neu erscheint, ist nichts andres, als eine geschickte neue Gruppierung längst bekannter Maschinenelemente oder aber die Ausführung bekannter Maschinen ins«ngehcncr Große oder ins ungewohnt Kleine. Namentlich das Große spielt seine Nolle. Es ist, als ob sich ein neues Geschlecht von Cyklopcn und Titanen auf den Bau von Maschinen verlegt und sie hier auS- gestellt hätte I Ins llngcmessene gehen die Dampfinaschinen und die dazu gehörigen Dampfkessel, und Schwnngräder sieht man und hört man sich drehen, die sich haushoch zu deil Dächern der Maschinen- hallen erheben. Die nicisteit von all den großen Maschinen, die hier Dampf er- zeugen oder in Kraft umsetzen, dienen auch hier ans der Ausstellung schon bestimmten, wirtschaftlichen Zwecken; sie sind Ausstellungsgegenstände, die sich gleichzeitig im Betriebe befinden, hin der Ausstellung die gewaltige Menge von Kraft zu liefern, der sie bedarf. um sich überhaupt sehen lassen zu können. Man spanne einmal- hunderttausend Pferde an eine und dieselbe Deichsel, man lege dann einen Block auf den Wagen, der eine halbe Million Zentner wiegt, und lasse anziehen— das ist dann etwa die gleiche Kraft, wie sie sich die Ausstellnngsdirektoren im voraus als nötig ausrechneten und die nachher— doch nicht zulangte. Fast die volle Gesamtheit dieser Kraft sollte zur Beschaffung von Licht dienen, denn wenn bei weitem auch nicht die ganze Beleuchtung elektrisch sein sollte, so waren doch viele hnnderttanscnd elektrische Lichter neben de» unzähligen Gas- flammen vorgesehen. Es war nnn überraschend, was sich sehr bald zeigte, nämlich, daß sowohl die Franzosen— die es im eigenen Lande doch am bc- qucmsten gehabt hätten—, als auch die Engländer von.denen man nnbesehe» immer meint, sie betrachteten es als ihre Speeialität, unglaublich große Maschinen auszuführen— daß beide Nationen sich außer stände zeigten, die hier notiveudigen großen Dampf- Maschinen rechtzeitig zu liefern. Erst dadurch, daß sich 36 französische Maschinenfabriken mit 6 deutschen Firmen znsaunncn« thatcn, war die erforderliche Dampfkraft der Ausstellung gesichert. Bon England traten dann noch weitere 6 Firmen hinzu, die aber nur unwesentliches an Kraft beitrugen Insgesamt lieferten 9 Länder Daiupfinaschinen, nämlich Frankreich, Deutschland, Großbritannien. Belgien, Oestreich, Italien, die Schweiz, llngnrn und die Niederlande. Von den erforderlichen 30 009 Pfcrdckrüftcn stellte Frankreich 12 000 und Deutschland 6000, letzteres also den fünften Teil der Gesamtheit und mehr als das Doppelte von dem, ivas jede der übrigen Nationen stellte. Dabei aber ist es be- merkenswert, daß Deutschland nur hervorragend große Maschinen stellte, keine unter>000 Pferdekräfte; während Großbritannien bis zu durchschnittlich 300 Pferdelräften hinunterging. DicseS Verhältnis giebt einen deutlichen Wink über die Leistmigs- fäbigkeit im Maschinenbau; viel Neues ist darin eben nicht mehr zu leisten; so entscheidet heute die Größe und Masseiihaftigkeit, und es wird damit nicht nur die Kraft und Leistungsfähigkeit dieser oder jener Werke, sonder» die ganze innere Kraft und wirtschaftliche Stärke einer Nation dargcthan. Deutschland ist auf diese Weise ganz vorzüglich auf der AuS- stcllung vertreten. Wie das Verhältnis der einzelnen Länder zu einander bezüglich der Kraftleistnng für die Ausstellung ist. wird ja dem Besucher nicht ersichtlich. Dieser sieht aber in den Hallen der Ausstellung die ungeheuren Massen von Eisen und Stahl aufgebaut, sieht riesenhafte Schwungräder sich bewegen und vergleicht alles nn- willkürlich mit den kleineren Maßen, die ihm drüben, in andren Abteilungen gezeigt werden: sein Urteil ist damit unbewußt und doch sicher gemacht, Deutschland hat die Führung. Man muß aber auch wirklich diese Ungetüme von Dampf- Maschinen gesehen haben, um es für möglich zu halten, daß dergleichen Maschineu gebaut und betriebe» werden. An erster Stelle steht hierin die Maschiuenbangesellschast, zu der sich die beiden großen Maschinenfabriken Augsburg und Nürnberg zu einer einzigen Firma vereinigt habe»; diese Firma hat nicht weniger als vier große Dampsniaschiuen gestellt, von denen die größte 2000 Pfcrdekräfte stark ist. In drei Stockwerken erhebt sich diese Maschine mit ihren drei großen Dampfcy lindern fast bis an den First der Maschinenhalle. Wie eine Festung aus Eisen und Stahl steht sie da und fesselt unwillkürlich Auge und Sinn eines jeden, der vom Dampf nur gerade so viel weiß, daß er sehr heiß ist und Maschinen treibt. Eine Viertelmillion Kilo wiegt die Maschine; je 20 000 Kilo Iviegen allein die beiden Schwungräder, so daß sie allein schon zivci normale Eisenbahnwagen zu ihrer Ber- ladung gebrauchten. Die gesamte Maschine aber Ipiirde 25 solcher Wagen. also einen vollen Exti'azng für sich brauchen. Wahrlich, das sind Zahle», die auch den. Fachmanne Ncspelt ein» flöhen. Gern soll jedoch zngcgcl'en werden, dah noch ein andres Land ans solche Weise durch die Großartigkeit seiner Maschinen ficht- lich zu seinen Gnnstc» wirkt, und zwar ist dies die Schweiz, die durch eine Züricher Finna ans das gliidflichstc vertrete» ist. Auch diese Maschine ist für die Lieferung von elektrischem Licht eifrig thätig, ohne daß jedoch sicher der volle Bedarf an Licht gedeckt werden konnte. Ein wnndrr Punkt der Ansstcllnng war es von Anfang an und ist cS eben noch heute, daß sich Bedarf an Kraft und Leistungsfähigkeit nicht so recht decke». Es scheint, daß sich die Ingenieure der Ausstellung von vornherein etwas verrechnet haben. Eins Folge davon ist cS leider auch, daß so sehr wenige der vielen Arbritsmaschinen der Ausstellung im Betriebe zu sehen sind! es mangelt an der nötigen Betriebskraft, wenigstens dort, Ivo die Aussteller nicht für die Beschaffung besonderer Kraft gesorgt haben. So ist die große Halle a» der Westfront des Hanptansstellnngs- gebändcs, unweit der Avenue Sasfran und in der unmittelbaren Nachbarschaft des„Spatei'.brcui", bisher ohne Betrieb gewesen, und doch würde es sich wahrhaftig gelohnt haben, daß gerade die Maschine dieser Halle recht bald in Betrieb gekounne» iväre, denn diese Halle ist ein Ergänzmigsban, der ausschließlich für deutsche Maschincnfabrikanten bestimmt ist. Fast alle Gebiete des MnsanncnbanS sind hier vertreten. Näh- und Sticlmaschinen, Pressen und Pumpen, Hobel- und sonstige Hvlzbcarbcitnngs-Maschinen, Stanzwerke und Blechprcssen, Malzenstiihic, Röstapparate, Ecntrifngen, Walzenmühlen, Knetmaschinen, Kalander, Maschinen zur Bearbeitung von allem und jedem Material, Leder, Papier, Pappe, Ccllnlose, Teig und Milch; Maschinen zur Herstellung von Knöpfen und Zündhölzchen— kurz, kam» ein Gebiet des maschinellen Gewerbes giebt es, das hier nicht seine Vertretung gefunden hat. Die Halle, die all diese Maschinen in sich ansgenomnien hat, ist ein umfangreiches Gebäude, in zivei Stockwerken nnd drci- schiffig ganz ans Eise» nnd Glas gebaut, luftig, hell nnd Übersicht- lich, dabei zweckentsprechend ausgeschmückt, nur freilich ein wenig abseits nnd doch wieder nicht ungünstig gelegen. Denn eS liegt, wie schon gesagt, unweit der Bierhalle, die Gabriel Sedlniaher ans München für sein„Spatenbrän" hier errichte» ließ. Wer aber den Weg zn einem Schoppen.Spatenbräu" findet— und das sind ihrer doch recht viele!— dem kann auch die deutsche Maschinenhalle nicht entgehen, nnd iver es umgekehrt macht, der findet im.Spatcnbrän" seine Belohnung. Die Ansstellnng ist bekanntlich so angelegt, daß i» der Haupt- fache Gleichartiges ohne Stücksicht auf die Herkunft neben einander gruppiert worden ist. Somit ist es leicht, sich alsbald von de» Maschine» deutscher Herkunft zu denjenigen ans andern Ländern zn begeben, um einen Vergleich anzustellen. Es kann dies getrost geschehen, denn nirgendwo wird Dentschland übertroffen, selbst von Frankreich nicht, das doch in so großer nnd überwiegender Masse ausgestellt hat. Worin dies Land vielleicht andern Länder», selbst waS de» Maschinenbau betrifft, ein wenig voraus ist, das ist die ge- fällige Art, in der sich eine französische Maschine präsentiert. Im übrigen darf man den Franzosen ein besonderes Geschick, den lnnd- wirtschaftlichen Maschinenbau z» Pflegen, nicht abstreiten. Auch Deutschland ist gerade hierin recht glücklich vertreten, aber es macht immerhin de» Eindruck, als baute ninn hier mir Maschinen für die Nittergntcr Ostclbiens, während die Franzosen es an ihren Maschinen deutlich zeigen, daß sie es wohl verstehen, auch für de» kleinsten Bauer eine geeignete Akaschine zu bauen; bis auf die Obstdörr-Apparatc hinunter entwickeln sie auch auf diesem Felde die Gabe glücklichster Konibiniernng. Nur ei» einziger Gedanke der heutigen Techniker ist wirklich neu, und gerade er fand auf der Weltausstellung keine oder doch keine genügende Darstellung, der Gedanke nämlich, auS Elektricität Gas zu machen. In der That ist das Acethlen so gut wie unvcrtrctcu geblieben, weil es»och nicht erfunden war, als die Ausstellungs- gegenstände gruppiert und klassifiziert wurde»; späterhin aber ließ es sich nicht mehr passend einrangiere», so daß eine besondere Acetylcn-Ansstellung, die demnächst in Paris statlsindeu soll, nur als ein Anhängsel zur Weltansstellung angesehen werden kann. Gas ans Elektricität zn mache»; abgelegene Wildbäche zn zwingen, einen Stoff zn fabrizieren, der viele tausend Meilen davon dein Bewohner der Tropen die Nacht zum Tag macht— wahrlich, das war ein neuer Gedanke, geeignet, den erfinderischen Geist des modernen Maschiiicn-JirgcnieurS wieder in Bewegung zu fetzen.— Kleines Isenillekon. ck. Wetter und Charakter. Die außerordentliche Hitze der letzten Tage hat in New Dork, eine Art Selbstmord- Epidemie hervorgerufen; eine ungewöhnlich große Anzahl von solchen wird jetzt täglich in de» Zeitungen gemeldet; am Donnerstag passierten z. B. mehr als 10 Fälle in New Jork nnd der nächsten Umgebung. Ein Ncgierungsbeamter, der diese Thatsachen genauer beobachtet hat, ver- öffentlicht darüber einige interessante Daten. Er hat gefunden, daß die meisten Selbstmorde merkwürdigerweise an schönen Tage» stattfinden. Schönes Wetter scheint eine äußerste Mntlosig-' keit hervorzurufen, während trübes regnerisches Wetter einen bcsänsligendcn Einfluß hat. Der größte Teil der Selbstmörder erschießt sich, danach wird am häufigste» das Leuchtgas, serner Gift, vorzugsweise Karbolsäure oder Nattengift verwendet. Deutsche und Dcntsch-Amcrikancr stellen die größte Anzahl Selbstmörder in Rciv Dork,»ach diesen kommen Amerikaner von englischer Ab- stammung, Russen, zuletzt Oestreicher. Amerikaner selbst sind ver- hällniSmäßig selten darunter. Gerade in Amerika sind die Psychologen durch solche Erscheinungen auf das Problem, welchen Einfluß das Wetter ans das psychische Verhalten der Menschen ausübt, besonders ansmcrksam geworden. Neuerdings hat, wie die soeben erschienene.Revue philosophigue" mitteilt, der amerikanische Psychologe Edivard Grnnt Texter allgemeine Untersuchungen über diese Frage» auf statistischen Grundlagen angestellt. Durch Fragebogen verschaffte er sich die Beobachtungen einer großen Zahl von Schul- direltoren und Leitern von Strafanstalten. Dann zog er die Statistik der Arreste und Selbstmorde in New Jork zn Nate, prüfte die Fehler in den Stechnungsbüchern der Banken, nnd daneben immer die meteorologischen Berichte. Dexlcr denkt daran, seine bisherigen llnterstichunge» demnächst noch zu erweitern nnd zu ergänzen. Er ist zu Resultaten gelangt, die nicht immer die bisher herrschenden Vorstellungen bcsläligen. Die Ilntersnchnligcn waren kompliziert, weil man, besonders in den Schulen, leicht zn Fehlerquellen kommen konnte und für die Wirkung des Wetters hielt Iva? andern Gründen znznschrcibcn war. Nachdem diese Fehlerquellen möglichst exakt ausgemerzt worden sind, glaubt Texter mit Bestimmtheit behaupten zn können, daß die Empfindlichkeit für die atmosphärischen Schwankungen mit zi»leh»ic»dc»! Alter wächst, nnd daß von Kindheit an die Mädchen empfindlicher dagegen sind als die Knabe». Im allgemeinen liegt die günstigste Temperatur zwischen 50 Grad bis 70 Grad?. Größere Kälte ist für geistige Thätigkcit günstiger als größere Hitze. So sind auch die Strafen i» der Schule unter 45 Grad F. auf einem Minimum, sie steige» dagegen über 05 Grad F. Wenn man die Siegel» Mäßigkeit des SchnIbesilchS als Maßstab nimmt, so sind die Monate Oktober»nd November, März»nd April am bevorzugtesten. Der Wind wird gewöhnlich als»»günstig betrachtet. Die llntersnchungen des amerikanischen Psychologen aber haben zn dem überraschenden Resultat geführt, daß der Wind keinen Einfluß übt, und das psychische Verhallen bei diesem nicht anders ist als a» windslillen Tage».— Musik. Die europäische Wclipolitik der Operette läßt ebenso wie die der Staaten kaum mehr irgend eine Kultur in Ruhe. Vom alten Griecheulaiid über das„Grvßherzogtmn Gerolstein" zur Räuber« romantik der Abrnzzcn, von der Türkei geradenwegs via Judianer- lnnd zum Mikado nnd zum Tschin-Tschin-Tschcinämä»; so wird auf der Bühne das Unvornrhmste, was nur da habe», ebenso zn Attacken a»f fremde Länder beniitzt, wie es seitens der Politik in der Wirklich- keit geschieht. Das neueste der Saison ist hier nicht China, sondern das alte Jerusalem. In Ungarn, wenn ich nicht irre, hat sich eine„o r i c n- talischc Operette»-Gesellschaft" gebildet, die sich als eine„eigenartige Kiinstlerschar" mit großen Vndapestrr Erfolgen ankündigt und ihre Kompositione» orientalischer Opern und Operette» „unter Benutzung eines althebräischen Qnellenmaterials entstanden" sein läßt. Woher sie dieses hat, sagt sie nicht; schade— den» wir wußten bisher von allhebraischcr Musik nichts rechtes. Am Sonn- abend begann die Gesellschaft ihr erstes Dclmt i» Deutschland ans der Bühne des Thalia-Theaters durch die hiesige Erstaufführung der historisch-vricnlalischcn Operette:„Die Tochter Jerusalems", deren Komponist, Eh. W o l f s t h a I. selbst einer der Leiter der Gesellschaft ist. Man darf sich mm unter einem solchen Stück ebenso ivenig eine Erwecknng altertümlichen Lebens vorstellen, wie sonst unter den aNcrmeistcii archorisicrende» Opern»nd Operetten. Die Hauptsache ist vielmehr ein. wahrscheinlich gemeinsam für Antisemiten nnd Philosemitcn zubereitetes Ragout von richtigem Hochdeutsch, von falschem Hochdeutsch, von Jüdisch-Dcntsch und von noch einigen ähn- lichcn Sprachen, im Dialog schwer, im Gesang fast gar nicht zu verstehen. Inhalt: eine Wcchsclfolge von Chören, Posscnsccnc», Solisten-Nnmmern nnd wiederum Possensccne». Daß die Tochter des königlichen Schatzmeisters von Jerusalem sich in einen heidnischen Hirten verliebt n»d ihn zuletzt mittels eines Scheintodes, dem eine Sccnc auS„Romeo und Julia" vorhergeht, wirklich kriegt, thnt nichts zur Sache. Das„Allhebräische" scheint ein Vorwmid zn sein, daß die Musik in einförmigen Tonfolgen bleiben kann, an denen br- sonders eine hänsige Zusammensetzung ans zwei- und dreiteiligem Takt auffällt, und unter denen die Hanptnummer eine lcicr- mäßige acccntverdrehende Mollmelodie mit Tanz:„Ich will mir lieben dich allein", von der Onvcrtnre an bis zum letzte» Finale nnd noch weit darüber hinaus sich in nnser Gehör eingräbt. Im übrige» giebt es immerhin einiges, das zu einem Potpourri von Melodien ausreicht; und keineswegs soll vom Besuch des Stückes abgeraten werden, auf daß die heutige Generation dereinst ihre» Nachkommen. inmitten einer erhofften Blüte der heitere» musikalischen Dramatik erzählen kann, wie Iveit es anno 1900 mit der Opcrettciilveltpolitik gekommen war... Die Aufführung wurde, nach dem zweiten Abend zn urteilen, von einem dünnen UnterhaltnngSpndlikmn mit obligater Be- ungeistenmg aufgenommen. Die Gesellschaft selber steht in den ersten Anfängen des theatralischen Könnens. Nur die zivci Damen Läwitz«nd M e l l c r spicltk»«vcniiiswiiS so qut. sic wotzl»och eiuinal zu der Hohe ciucr künsllcrisch?» Ow'vctle nufjlci�cu löuiicu. Gesaiicilich ficl Herr Silbert aus durch seine weiche, da-? Piano gut beherrschende Tenor- oder Trnorbnrtztou-SIiuuiie, die cbcusallS noch einmal besser berweudet lorrdeu kauu. � n. Ans der Pflanzenwelt. — Der T u l p c u b a u in. Tic Heimat de-? TnIpenbanmeS sHirioäonärvQ tnlipikera) ist Nordamerika und Neu- England bis Nordflovida. Er tvird dort 80 bis 1-iO Fust hoch und hat einen Siannn von 1>/2 bis li Fast Dnrchmcst'er. Er ist ein Baum von ganz ctaenarkigcr Schönheit. der in der Blattform nicht seines gleichen hat. Tic dichte breite Krone, die hellgrüne Belanblnig. die Fülle herzlicher Blüten im Juli und Ärignst sind seltene und vor- ziigliche Eigenschaften. Ter Tnlpcnbnnm kommt überall in Dcntschland fort, wenn die Lage nicht besonders rauh ist. Er »rächt nur mästige Bodenansprüchc, glcichmästig feuchter rrnd namentlich mürber Lehmboden sagen ihm sehr zu. Gegen Kälte micnrstfindlich und stnrmfcst. Ivüchst er schneller als Eiche und Buche. Während er freistehend schöne mächtige Kronen bildet, geht er im Schlust schlank und gerade empor. I» Sophicnrnh bei Kiel steht ein Niese mit einem Stmnrnuulfang von nicht weniger als l?1 2 Meter, während die Höhe bis zur Krone 7 Meter beträgt. Gleichtvohl tvird der seltsam hübsche Barrni viel weniger in Deutschland erzogen, als er nach Schönheit und wegen de? wertvolle» Holzes verdiente. Tnilscnde von Menschen haben ihn niemals gesehen, oder verwechseln die gänzlich verschiedene Magnolie damit. Na- mcntlich»inst man sich ivimdcrn, dast von forstwirtschaftlicher Seite so wenig für ihn geschieht m>d deS wertvollen Holzes fast niemals Erivähnnng gclhan wird. DaS leichte, iveiste Holz ist in Amerika sehr geschätzt, auch für Möbel sehr beliebt,»nd in der Politur prachtvoll wegen der grünlich braunen Farbe. Staunen imist man in der That, dast ein so vortrefflicher Baum so selten ist. Der Tnlpcnbanm kann durch Samen und durch Ableger vermehrt»Verden. An Dcntschland gewachsene Samen sind manchmal nicht keimfähig. Man bezieht daher den Samen, wenn nicht ans dem Baterlaudc Nordamerika, am besten an? südlichen Gegenden, auch Sämlinge sehr preiswürdig aus oberitalicuischen Baum- schulen. Die Samen werden an» besten in Kasten aus- gesäct und die Sämlinge nach Erstarkmig und Abhärtung in die Baumschule gepflanzt. Für Ablegervernichrnng richtet man Mutter- bcctc in gutem Boden mit buschigen Epemplarrn her, die alljährlich kräftige Schöstlingc treiben. Man legt sie im Kreise um den Mutter-' ftoek ab. schneidet sie nach genügender Beivnrzelnng und verpflanzt sie. Die jungen Exemplare sind gegen strenge Kälte zu schützen, bis da? Holz erstarkt ist; dann sind sie ganz ivinterhart. Man setze die Tnlpenbänme stets jung an den Platz und zwar im Frühjahr, kurz vor Entwicklung des junge»» Triebs, da alsdain» der Baun» sofort freudig fortivächst. Weil die Wurzeln fleischig sind, tritt bei grösteren Exemplaren lcichtWurzelfänIniS ein, am meisten bei dcrHerbstpflaiizmig. Z Nr Bcrnieidnng mngicbt nian die Wnrzcli» mit Sand. Aeltere Bäume vertrage»» da? Ablverfen der Aeste gut, können auf die Wurzel gesetzt Werden und bilden dann in enicin Sominer mächtige Triebe. Man schneide dünne Aeste,»n» einen Stamm zu bilden, in» März ab und verstreiche die glaltgeschnittenen Wunden mit Bann»- wachs. Die abivcichenden in Kultur gewönne»?»» Formen des Tnlpenbanms ivcrden am besten im Frühjahr im BerinehrnngShausc auf kräftige, bleistiflstarke Sämlinge veredelt»nid nach Abhärtung in die Baumschule ausgepflanzt. Schöne durch Beredelnng gc- tvonnene Formen sind varietas anrea mit goldgelben Blüten, riore lutea mit hellgelben Blüten, flore nibro mit»»ehr roten Blüte», leneantku» mit Iveiste» Blumen»md lvt. amoomilißinati? mit gold- gerandeten Blättern.—(„Kölnische Lolkszeitnng".) Technisches. — liebet d i e Veredelung dcS Wasser da mpfcS durch II e b c r h i tz c» sprach, wie der„Prometheus" der„Zeit- schrift dcS Vereins deutscher Jiigenienre" ciitiiiiinnt, A. Hering im Fräulisch-Oberpfälzische» Bezirksverein deutscher Angcnicnre. Der unter nonnnlen Verhältnissen erzeugte Dampf befindet sich in» Znstande der Sättigung, also so im Gleichgewichte, dast»hu» bei gleichbleibender Spämning keine Wärme entzogen»verdcn kam», ohne dast ein Teil in den tropfbar flüssigen Zustand übergeht. Da- her hat selbst in den günstigsten Fällen der in gewöhnliche» Dampfkesseln erzeugte Dampf ciiien, wenn auch geringen Feuchtigkeitsgehalt. Zum Abscheiden des vo»» diesem Rohdampf»litgerissencn Wassers und seines eigenen CondcnsationsivasscrS bat man auf dem Wege zur Vcrivciidnngsstcllc oder kurz davor CondcnsationS- apparatc eingeschaltet. Diese Eiiirichtiingcu»verde»» aber von dem Teile des Wassers, der sich in fei»» zerstäubtem Znstande im Dampfe befindet, durchströmt. Zndcn» kommt nicht nur das aus dem Kessel »»itgcrisscne und in der Rohrleitung niedergeschlagene Wasser in Bc- bracht, sondern auch das sich in» Danipfcylinder bildende. In, Cylinder schlägt sich da? Wasser teils ivährcnd des DaniPfeintritteS, teils während'der Expansion des Dampfes nieder. Zur Beseitigung dieses IlebelstandcS hat man die Mchrfachexpansionsmaschincn und das Dampfhcnid eingeführt, ohne einen vollen Erfolg erzielen zu können. Seit ungefähr acht Jahren hat man dam, mit der Ber- edelnng des RohdaiiipfcS in Ueberhitzern begonnen, die teils mit nnmitlelbarcr. d. h. besonderer, teils mit niilielb.irer, in den Gang der Kefielfenergafe eingebauter Hciz»uig versehen sind. Tic»miniltelvare Heizung lästt sich vcgnc»! in der Nähe der BerwendmigSstellc des Danipfo»iifftellen. ist aber öfter reparaturbedürftig und»veniger wirtschaftlich, cinvfiehlt sich deshalb nur für lange Dnnipfrohc- Leitungen, während sonst die mittelbare Heizung, bei der die lieber- hitzcr in die.Kesselzüge selbst eingebaut werden, vorzuziehen ist. Selbstverständlich darf die LeislnugSfähiakeit der Kessel nicht darunter leiden. In den Ueberhitzern»inst eine Tcniparatnr von 800 Grad(?. und mehr begnen» erzeugt und sicher reguliert»verdcn köuuei». Die Vorteile des überhitzten Dampfs bestehe» darin, dast er kein mit- gerissenes Kcsselwasser enthält, dast seine hohe Temperatur ein Nieder- schlagen von Wasser in der Leitung und in» ÄrdeitSc»)lindcr verhindert, denn seine überhitzte Temperatur kann auch den uiiycrmcidlichcn Wärincvcrliist a»f d'cn» Wege durch Abliihlung an den Chlindcr- »vändcn und bei der Expansion hinter dem Kolbe», erleiden, ohne unter den Sättigungspunkt des?tohdan>PfeS herabzusinken oder ihir zn erreichen. Am Dampf wird durch bessere Venvertung bis zu 20 Proz. gespart. Deshalb kann bei Veredelung de? DmnpfcS durch Ikeberhitzer die Zahl der Kessel im Verhältnis von 4: 5 vermindert werden,»vodiirch eine Ersparnis an Brcnnniaterial möglich wird. Tie Wärme der Heizgase»vird dm'ch den zwischen Kessel und Schorn- stein eingebauten Ikeberhitzer besser anSgenntzt. Ansterdem kann bei den mit überhitztem Dampfe gespeiste» Hochdrücke», linden» der Dauipf- inantel entbehrt Werdens Iva? eine Verbillignng der Dampsnlaschinc zur Folge hat.— HnmoristifcheS. — Vor der E i 11 s ch i f f n n g nach E b i n a. P» e n st e: „Na, ihr bayrischen Tickköppr, habt ihr ooch'nc Ahnung,»velche frosten uationale» Ausgaben»vir in Ostasien zu löse» haben?"— Bayer:„Jawoll, rasfa dcrf ma, nu wer'» nct g'strast." — R a ch d c r V e r h a n d l n 11 g. iVäiicrin zu»» Baner.s„Dös SchU'vr'n Hab' i dick; da stehst all iveil niit van Hax'u im Zucht- haus."— — Nach V c r d i e 11 st. Erziehe r lzuui kleine» Prinz«,, der die Schwäne fütterts:„Hoheit, gebe» Sie doch das andre Brot dieser arme»» alte»» Frau, die hat auch Hunger."— Prinz: „Artsch,— die kann'S aber nick mit'n Maut anssangen."— („Simpl."» Notiz c«. — Björnstjcrnc Björns on hat au die Redaktion der „Franlf. Ztg." folgendes Schreiben gerichtet:„Hochgeehrte RedaktionI Wieder sehe ich in Ihren» Blakt einen nenen Beweis für den Undank der Deutschen gegen ihren grosten Lyriker, den cigenlüin- lichsten von allen, Heinrich Heine. Austerhalb TcnischlaiidS gicbt es kann» einen litterarisch gebildeten Maiin oder eine solche Frau, die nicht über die Blindheit empört sind, mit der Nim» den grosten Mann aus seinen ivcuig glücklichen Verhältnissen. anS seiner Zeit»nid ihrer Denkart hinanSgerürkt. um ihn dann zu vcr- urteilen»nd zu»>crdainlucn. Ich»vill nicht die verschiedenen Anklage- punkte durchgehen, aber einer ist dariuitcr, den ich. soweit ich sah, nicht gcimg widerlegt gefunden habe. Es ist der Vomuirf gcgcir Heine, dast er sein Vaterland„verhöhnt" habe. Kann jemand sagen, lvclch' bedeutenden Anteil gerade die Judignatioi» eincL grosten Geistes über das damalige Teuischland a» dessen schlief', lichcn» Wieder- alifvan gehabt hnt'� Bjvrnstjerne Bjönison.— Nach einem alten Sprichwort hat der Prophet noch niemals elwaS in seinem Vater- lande gegolten.— — Ein Schiller-Theater-Ber ein hat sich nun auch in Kiel gebildet, um dort ei» Kuiistiiistitut»ach den» Borbilde des Berliner Schiller-Theaters ins Lebe» zn rufen.— — Die Ausführung de? Einakters in Versen„ S n s a n n a im Bade" von Hugo Salus durch die Berliner ScccssionSbühne, ist in Wien von der Censur verboten»vordcn.— — Ein Preisausschreiben für einen Plakat« c n t w n r f hat daS Komitee der„Jntcrnatioualeu Ansstelluug für Feuerschutz und Fcucrrettungswesen Berlin 1001" erlasse».— — Ein Schiffsarzt in Antwerpen soll ein Heilserum gegen die Tuberkulose entdeckt und damit bereits niehrere Lmigen- schivindsnchlige geheilt haben. Der Erfinder, Dr. Freysse, »vird seine Versuche im Pasteurschen Institut in Paris fortsetzen.— t. Ein g r 0 st e r S 0 n n e u f l e ck ist an» 17. Jnni von dem Astronomen M 0 r e 11 x bei Paris beobachtet»md nnSgcmcsscn»vorde». Nach einer darauf bezügliche»» Abhaiidlimg, die der Pariser Akademie der Wissenschaften überreicht»vnrde,»»»st der Soimenfleck einen Durchmesser von:lü OOO Kilometer besessen haben, also ctiva das Zivcieinhalbfache des Erddurchmessers. Moreux schreibt die Ent- stehniig dieses Vorgangs auf der Sonne einer llcberhitzmig der be» treffende»» Souiiciigegend zu.— Berantwortliche: Rtdaeteu;: H»igo Poeusch in Berlin. Druck uno Venaj von Max Badra»»u Berlin.