MnlerhaltungMatl des Worwürts Nr. 143� Donnerstag, den 26� Juli. 1900 (Nachdruck verboten.) ij Die FanfAve. Non?an von Fritz Mauthner. I. Seit wenigen Tagen erst war Richard Mettmann wieder in Berlin. Drei Jahre lang hatte er in England gelebt, erst in London, dann in Manchester, um ein tüchtiger Maschinen- bauer zu werden, insbesondere aber um die Geheimnisse der neuen Schnelldruckmaschincn genau kennen zu lernen. So war sein Wunsch mit dem des Vaters übereingekommen. Gottlieb Mettmann, der Vater, dessen Hüitengcstalt noch nicht gebeugt, dessen buschiger Schnurrbart noch nicht ganz grau geworden und dessen kurz geschorenes helles Haar noch gar nicht ergraut schien, war durch eines seiner weit- aussehenden Geschäfte damals plötzlich in den Besitz einer großen Druckerei gekommen. Er mußte immer solche neue große Unternehmungen anfangen, um den Glauben an seinen Reichtum aufrecht zu erhalten. In seinem cigent- lichen Gewerbe, einem ausgedehnten Holzhandel, war ihm eine neue Papierfabrik zugefallen, weil sie bei ihm Schulden gemacht hatte. In ähnlicher Weise hatte er dann die Druckerei crlvcrben müssen, uni sich vor Schaden zu bewahren. Und sofort hatte er, nnt leidenschaftlichem, ja phantastischem Plan- entwerfen eine Vereinigung der verwandten Erwerbszweige in Aussicht genommen schon waren die ausgebreiteten Liefern- und Buchenwaldnngen eines Magnaten für Jahre hinaus gepachtet, die Papierfabrik sollte die ungeheure Holzmasse in unendliche Rollen schlechten Druckpapiers verwandeln, und die zauberhaften Rotationsmaschinen seines Sohnes mußten wieder aus dein schlechten Zeuge die gewaltige Auflage einer»vohlfcilcn Zeitung herstellen. Unmittelbar nach des Sohnes Abreise hatte er mit großem Lärm und zum Aergernis der alten und vornehmen Berliner Blätter eine wohlfeile Tageszeitung,„Die Fanfare", herauszugeben be- gönnen. Richard Mettmann war es von Jugend auf gewöhnt, daß sein Vater nicht viel mit ihm sprach. Nach der ersten herz- lichen Begrüßung lvar auch jetzt sofort ausgeführt worden, wovon in ihren seltenen Briefen schon lange die Rede gewesen war. Richard trat in die Maschinenfabrik von Behrend u. Eoiiipagnic ein, bei welcher der Vater auch wieder irgendwie beteiligt war, und welche niit in den Kreis der großen Unter- nehmungen gezogen iverden sollte. So hatte der Sohn im Handumdrehen sein Leben neu geordnet, ohne daß eS zwischen ihm und dem Vater zu einer richtigen Aussprache gekommen wäre. Richard behielt infolge- dessen ein schlechtes Gewissen. Er hatte zwei tiefe und ernste Neigungen über die Nordsee mitgenommen, die eine galt einein armen Mädchen, die andre einer brotlosen Kunst. Richard mutmaßte, daß sein Vater beiden Gefühlen nicht das wünschenswerte Verständnis entgegenbringen würde; und so fiihlte er sich wie von einer Schuld bedrückt, so lange er zu einem offenen Geständnis nicht den Entschluß finden konnte. Auch Gottlieb Mettmann, dem die Leute sonst alles, nur nicht Schüchternheit nachsagten, konnte in Gegenwart seines Sohnes eine ungewohnte Scheu nicht los werden. Kein Mensch auf der ganzen Welt hätte es wagen dürfen, ihn einen Spieler und seine vielen aufeinander getürmten Geschäfte einen Schwindel zu nennen. Gottlieb Mettmann hatte nicht die Schwäche, aus welchem Grunde immer erröten zu können. Seinem hübschen Jungen aber hätte er nur mit Erröten gestehen mögen, daß er die Zukunft des einzigen Kinds nicht gesichert habe, daß er mit jeder neuen Gründung nur die Gefahren der letzten überbrücke. Darum hatte er dem heimkehrenden vierundzwanzigjährigen Sohn sofort das L.eine mütterliche Erbteil angewiesen, darum sollte Richard durch dt? glänzendste Heirat sichergestellt werden, darum hatte er ihr. sofort bei der schönen Nachbarin, Frau Lcontine Pitcrsen, vorgestellt. Der Kommerzienrat Pitersen war dem sicheren, raschen Tod so nahe, daß seine junge, be- strickende Gattin beinahe schon wie eine Witwe betrachtet wurde. Und es war kein Zufall, daß Richard gerade um diese Zeit aus England zurückkommen mußte. Neben dem gediegenen Wohnhause des Kommerzienrats Pitersen bewohnte Mettmann längst, seit dem Kricgsjahre 1866, welches ihm die erste große Spekulation glücken ließ, das zweite Geschoß eines Hauses der Tiergartcnstraße, draußen nicht weit von der Hofjäger-Allee. Es war eins der ältesten Häuser dieser Parkstraße, nur vier Fenster breit, und hatte damals dein alten pensionierten Major von Havenolv gehört. Richard war einmal dabei gewesen, und Johanna von Ha- venow-Tricnitz, die Nichte des Majors, mußte es auch gehört haben, wie der verbitterte Mann zu Gottlieb Mettmann gesagt hatte: „Alle HavenowS gehören in den dritten Stock! Und da das Haus hier nur zlvci hat, werde ich Wohl noch vor meinem Tode hinaus müssen." Die Schwägerin des Majors wohnte damals, vor drei Jahren, mit ihrer Tochter und mit ihrem Söhnchen in dem Gartenhause auf dem Hinterland des Havenowschen Bodens, das sich von der Tiergartenstraße immer breiter und mächtiger bis zum Kanal erstreckte. In dem großen dreieckigen Garten hatte Richard, oft gegen den Wunsch seines Vaters und gegen den Befehl ihrer Mutter, mit Johanna manche Stunde verbracht und hatte zwische» den Kronen der alten Vlatanen ein Stück Berliner Himmel geschaut. Nun ja, im Sommer war es nur ein ganz kleines Stückchen. dann waren die Bäume belaubt und Havenows mit dem Major auf dem Lande; aber im Winter sah man durch die entblätterten Kronen sehr viel Himmel,— wenn das Schlittschuhlaufen anfing. Jetzt war alles anders geworden. Das Gartenhaus war verschwunden. Auf dem breiten Hinterland, nicht weit von der Lützowbrücke, war ein großes Luxusgebäude aufgeführt worden; das Richtfest stand bevor, aber man wußte noch nicht, ob die Festräume der gemeinen Unterhaltung oder einem neuen Theater dienen sollten. Der Garten, sein und ihr Garten, wurde zu einem großartigen Bierausschank umgestaltet. Und Richards Vater lvar die Seele der Aktien-Gesellschaft, welche das Alles betrieb. Auch das alte Vorderhaus gehörte nun nicht mehr dem Major. Richard fand seinen Vater im ersten Stockwerk ein- gesessen, als ob er dort seit Jahren gewohnt hätte, und im zweiten Stock lvar für ihn selbst eine hübsche Junggesellen- Wohnung eingerichtet. Der Vater hatte ihm nach England nicht nur selten, sondern auch einsilbig geschrieben. So erfuhr Richard erst jetzt, daß der Major, über und über verschuldet, den letzten Rest seines Besitzes vor wenigen Wochen an Göttlich Mettmann hatte überlassen müssen, und daß er seit dieser Zeit, da auch das Haus sofort hergerichtet werden mußte, recht krank auf dem Gute des Grafen Tricnitz lebte. Der Vater erzählte seinem Sohne nicht, daß die Kriegs- rätin von Haveuow mit Johanna seit zwei Jahren. seit der Gründung jener Aktiengesellschaft, beim Onkel Major gelebt und den schwerkranken Herrn gepflegt hatten, daß er mit der höflichsten Härte den ehemaligen Besitzer und seine armen Verwandten gezwungen hätte, das Haus vor Richards Ankunft zu räumen. Wozu brauchte auch der Vater selbst das und anderes zu berühren, was der Sohn früh genug erfuhr. Hoffentlich war Richard in der Fremde ein praktischer Mensch geworden und dachte über Geld und Welt nicht mehr so jugendlich wie einst. Beide vermieden also eine Aussprache. Außer bei dem vornehm späten Mittagessen sahen sie einander kaum; und so still ging es selbst dabei zu, das Gottlieb Mettmann wohl Recht hatte, lvenn er einmal seiner Sehnsucht nach einer an- mutigen lebhaften Schwiegertochter Worte lieh. Er sprach dann etwa noch von der unvergleichlichen Schönheit der Frau Leontine Pitersen und von dem Werte des Grundstücks welches die Nachbarhäuser vereinigt bilden würden. Aber auch auf solche Reden antwortete Richard nur wie einem Fremden. Und wenn er näheres über die Fannlie Havenow erfahren wollte, dann verstummte wieder der Vater. So nahte der Monat Juni seinem Ende. Richard war schon vierzehn Tage in Berlin, bevor er von einem gefälligen Briefträger erfuhr, daß die verwitwete Kriegsrätin von Havenow- Triettltz mit ihrer Tochter seit kurzem Alvenslebenstroße 23s wohute, am Ende der Welt, dort, wo die Schienen der Pots- damer Bahn vorüberführten. Richard sagte dem Vater bei Tische nichts von der Ab- ficht, die Jugendfreundin noch heute aufzusuchen. Aber Gottlieb Mettmann erging sich, als er nur den Namen Havcnow ausgesprochen hatte, in allgemeinen Schmähreden gegen den hochmütigen, verbummelten Adel, der die bürger- lichc Arbeit verachte, weil er für sie unfähig geivorden sei. Als Richard verstunimte und zornig vor sich hinsah, erhitzte sich der Vater noch mehr und prahlte damit, daß er diesen Mafor aus seinem letzten Grundbesitz vertrieben habe. Gott- lieb Mettmann war heute in sichtlicher Erregung, weil das Richtfest eben vorüber war und zur Nachfeier desselben Abends ein großer„Zauber" im neuen Garten stattfinden sollte. Richard war doppelt froh, als der Vater ihn verließ. Das Gerede gegen den Adel stimmte wenig zu den Gefühlen, mit welchen er sich zu seinem Gang nach der Alvensleben- straße anschickte. Johannas Bruder, der kleine Kadett, hatte lvohl mitunter eine drollige Havenowsche Gönnermiene auf- gesetzt, die Frau Kriegsrätin, die er nur aus der Entfernung kannte, ivar die Unnahbarkeit in Person, aber was ging das Johanna an? Freilich war er seit drei Jahren ohne jedes Lebenszeichen von ihr und konnte nicht wissen, ob sie so u n veränderlich ihm zugewandt geblieben war, wie er in der Frxnide dein lieben Mädchen, das er als seine Braut betrachtete, seit dem einen, einen Kusse. Wenn das aber nur eine närrische Einbildung voir ihm war, wenn sie sich ihrer jugendlichen innigen Freundschaft nicht erinnern ivolltc, sich gar ihrer schämte, was dann? Vor der Thüre der Wohnung, deren Inhaber durch keinen Schild verraten wurden, mußte er innehalten. War es allein die Mühe gewesen, drei Treppen hoch zu steigen? Sein Herz klopfte bis zum Halse hinauf und hörte nicht auf zu klopfen, als er endlich auf die Klingel drückte. Die Kriegsrätin öffnete selbst. „Bist Du es. Achim?" rief sie mit ihrer weichsten Stimme und fuhr wie beleidigt zurück, als sie einen fremden Herrn vor sich sah. Richard nannte seinen Namen und bat um die Erlaubnis, den Damen nach jahrelanger Abwesenheit wieder seine Auftvartung machen zu dürfen. Die Kriegsrätin steifte sich in ihrem alten schwarzen Scidenkleide und machte keine Anstalt, die Thürspalte für de» Besucher weiter zu öffnen. Da erschien mit der Frage:„Ist es Achim?" ein lebhafter, kleiner Herr neben der Hausfrau und rief mit verlegener Herzlichkeit, als er Richard erkannt hatte: „Sie sind es, liebster Herr Mettmann? Ach ja, die Freunde unsrer Freunde!" Nun mußte die Kriegsrätin den Gast wohl oder übel eintreten lassen, aber mit keiner Miene, nur mit einigen öden Worten hieß sie ihn willkommen. Richard erkannte in dem kleinen Herrn einen Geschäfts- freund seines Vaters, Herrn Haffner-von-Herne. Er war Haupt-Aktionür der Gesellschaft, welche auf dem früher Havenowschcn Grundstücke den Bierschank eröffnete. Auch bei andern Unternehmungen des Vaters mochte Haffner- von-Hcrne. ohne einen der schönen Namen herzugeben, be- tetligt sein. Er war von Geburt der Mitbesitzer einer bekannten großen Brauerei in Bayern und lebte in Berlin als reicher Müßiggänger. Richard erinnerte sich aber, daß sein Vater ihm allerlei Aufklärungen über Herrn von Herne gegeben hatte. Vor allem hieß das geschniegelte, etwa vierzigjährige Männchen, dessen blondes Lockenhaar und gleichfarbiger Mosaikbart wie vom Theaterfriseur auf- geklebt schienen, trotzdem beide echt waren— vor allem hieß er einfach Haffner, wie denn auch in den großen Inseraten der Brauerei inimer nur von Haffncrschem Krastbier die Rede war; dieser Mann hatte sich aber von einem alten, kinderlosen, bettelhaften Herrn von Herne adoptieren lassen und trieb sich seitdem als Haffner- von-Herne oder lieber noch als schlichter von Herne in der Welt herum. Seine Aufgabe in Berlin war es, vornehm aufzutreten, viel Geld auszugeben, einflußreiche Bekannt- schaften zu machen und dadurch die verschiedenen Pläne der Haffnerschen Erben wirksam zu unterstützen. Er selbst sollte womöglich Abgeordneter und einer seiner Brüder Konsul oder so etwas Aehnliches werden., lFortsetzung folgt.) M v. (Schluß.) Die Großschlächter haben auf dein Schlachthof alle ihre gepach teien Schlachtkammem und Ställe. Auf dem Rinderschlachlhof ist die Einrichtung so getroffen, daß zur Rechten eines stratzenlaugeii und breiten Hofs sich der Rinderstall mit den einzelnen Abteilen der Schlächter befindet, zur Linken das Rinder' schlachthaus mit den Schlachtknmmern. Das Thor der Kammer fuhrt auf den Hof, während nach dem Innern des Hauses, durch welches ein breiter mit Eisenbahngeleiscn versehener Flur sich zieht, sich die vergitterten Scharren des(Brotzschlächters befinden, in welchen das Fleisch für die Ladcnschlächter zum Einkauf aushängt. Dergestalt giebt es auf dem Rinderschlachthof drei Schlachthäuser und vier Rinderställe. Es ist alles peinlich sauber gehalten. Die insgesamt 137 nbcrivölbten und unterkellerten Schlachtkammern habe» alle mit iveitzc» Mettlacher Thonplatten ausgelegten Fntzbodcn. Fliegen giebt es in den Kammern nicht, die' starke Ventilation verhindert ihre Ansammlung. Eben hat ein Geselle ans der Stallung ein Rind am Strick über den Hof in die Schlachtkamnier geführt. Dort steht bereits ein andrer Geselle, die nackten sehnigen Arme auf den langstieligen Hammer gestützt. Der eine hält das Rind beim Kopf, zieht den- selben etlvas zur Seite und blitzschnell und mit furchtbarer Wucht hat der andere den Hammer auf die Stirn des Tieres niedcrfauscn lassen. Es fällt hin ivie ein Sack. Noch ein Schlag, und es rührt auch kein Glied inehr. Mittlerlvcile hat der zlveite Geselle den Strick um einen Fiitz des Tieres gelegt, während der andere auf ihm kniet, ihm das Messer in den Hals bohrt und, nach- dem es getötet ist, den Kopf bis zum Nacken abtrennt. Dann haben sie es auch schon gemeinschaftlich auf den„Schrägen" gebracht, ihm die Haut aufgeschnitten und abgezogen und sind nun im Be- griff, es zu zerteilen. Das alles geht mit solcher Schnelligkeit und Sicherheit vor sich, wie sie eben nur die tägliche Schulung,' gepaart mit großer Korperkraft, möglich macht. Und angestrengt sind diese Gesellen I Ein Grotzschlächtcr hat in der Regel zwei bis drei, wenn'L hoch konimt, fünf Gesellen. Zwei Gesellen, die wir hier bei der Arbeit sehen, schlachteten in der Zeit von nachmittags 2 Uhr bis nachts 12 Uhr 50—60 Rinder fix und fertig zum Verkauf I In dein letzten der Gebäude des Rinder-Schlachthofs befinden sich im zivcitcn Stocklverk acht Säle: Bureau, Direktion, tierärztliche Ziinmer, pathologische Sammlung zc. des städtischen Fleischbeschanamts. Neben den» Obcr-Tierarzt arbeiten dort über 20 Tierärzte und 25 Stcmpler. Außerdem sind in besonderen Räumen auf dein Schtveinc-Sckilachthof über 200 Mikroskopiker, darunter über 100 Damen und über 70 Probenchiner mit der mikroskopischen Fleischbeschau beschäftigt. Wir sind nun hinüber gegangen auf den Klcinvieh-Schlachthos. In der Kälber- und Hannncl-Schlachthalle sehen ivir, wie diese Tiere abgeschlachtet werde». Die Arbeiter machen mit ihnen tvcnig Umstände. Sie legen sie seitwärts auf den Schrägen und binden ihnen einen Strick fest um den Leib, damit sie nicht hcrabspringcn können, Bei den Hammeln iverden die Hinterfüße zusammengebunden, und der sogenannte Hängcstock hindurchgezogen. Dann ivird, ohne vorherige Betäubung, der Hals abgeschnitten, das Tier zuckt noch einige Male und schon ist der Geselle dabei, das Fell abzuziehen. Kurze Zeit später hängt das getötete und auSgeiveidcte Tier fix und fertig zum Verkauf da. Die Hammelschlächter haben eine tägliche Arbeitszeit bis zu 18 und 19 Stunden und eine ihrer lebhaftesten Klagen besteht darin, daß sie auch Sonntags von 5— 10 Uhr morgens schlachten müssen. Haben sie sich daii» von ihrer blutigen Arbeit abgewaschen, so lässt der Meister noch immer nicht Sonntagsruhe tvalte»! dann iniiß der Geselle oft noch bis nachmittags 3, ja' 5 Uhr bei den Ladenschlächter» kassieren gehen. Was bleibt unter solchen Umständen vom Sonntag übrig, der der einzig wirkliche Ruhetag der Woche ist? Die Haimnel- schlächter sind deshalb auch in eine Betvegung eingetreten, die die Einführung vollständiger Sonntagsruhe zum Ziele hat. Es ist ihnen die Erreichung derselben um so mehr zu wünschen als sie bei einer in den frühesten Morgenstnnden beginnenden Arbeitszeit e6 nur auf einen Höchstlohn von 30 M. pro Woche bringen. Wie wir auf den Schweineschlachthof hinübergehen, müssen Ivir an dem mittleren Kleinvieh-Schlachthans vorbei und ein infernalischcr Gestank verrät uns, daß hier die Abfälle gebrüht werden, das Ge- schlinge, die Füße und Köpfe, von deren'Weiterverkauf wieder be- sondere Gewerbetreibende, die sogen. Kramhändler, ihre Existenz haben. Dann kommen wir rechts an der Koch- und Sterilisieriings- anstalt vorbei, in welcher in mächtigen Kesseln das Fleisch leicht kranker Tiere einem hohen Hitzegrad ausgesetzt wird, durch den die Krankheitserreger abgetötet iverden. Dieses Fleisch gelangt später in großen Stücken zum Preise von 60— 80Pf. pro Kilogramm zum„Selbstverbranch in der Familie" zum Verkauf und es ist ein Beivcis für das entsetzliche Elend, ivelches sich in den Hinerhänsern der Micts- kasernen, der Kellerwohnungen und der DaHkanlincrn verbirgt, daß sich für dieses Fleisch zahlreiche Abnehmer finden. Linker Hand haben wir eine Alb»in.'nfabrik vor uns. Sic kauft das Blut der Schlachttiere auf, eutzsehf jh», das Eiweiß und verwendet dicS zur HcrsteNunq unechter Farben für Knttnndruckereien, während der verbliebene Nüctstcnrd, mit SHübenincIofic gemischt, getrocknet und gepulvert als sogenanntes Blntkrciftfnttcr oder allein getrocknet und nut Phosphaten vermischt, als Kunstdünger Verivcndnng findet. Eine Talgschmelze erzeugt Stearin, Seifen-, Licht- und Spcisetalg. eine Znriihterei reinigt, trocknet und sortiert die Schweinsborsten, eine Tarmschlcinicrci reinigt die von den Grofischlächtcrn cnvorbcncn Gedärme vom Schleim, salzt, bündelt, trocknet sie, uin sie an die Wurst- niacher zu verkaufen, während in einer andren Anstalt der ciclhaftc Schleim sterilisiert und verdichtet ivird. So ist auch die Bcrwcrtmig der Abfälle heute vervollkommnet und fabrikmäßig eingerichtet Ivorden. Vorbei an den Kohkcnlagerplätzcn find wir auf dem Schweine- schlachrhos angelangt. Ans.incr in llkücksicht auf die Gernchsn.'r.cn gebotenen iverten Entfernung sehen wir noch das an» Valnrgelcise gelegene Dunghaus, Ivo der schlcinrigc Inhalt der Dungkästcn ans Eisenbahnwagen verladen und nach der Düngerstellc dcö Viehhofs geschafft wird. Dort wird er mit Strohdüngcr vermengt und ab- gelagert, nm dann ein gesuchter Kaufsartikel der Rittergüter zn sei». Dtitt..'» zwischen den Schtveineschlachthänsern liegt ein Kesselhaus nrit zehn riesige» Cvrnwallkcsscln von je lCO Quadratmeter Heizfläche. Sie bereiten dcir Dampf für das Kühlhaus, die Eis- Maschinen, die Briihboltiche nsiv. Als Ivir in eines der großen Schtvcincschlachthäuscr treten, treibt man cbcir in die mit Eisenwörrdcn verkleideten Buchten Schweine ein. Die Schlächter nennen sie Totschlagcb �chtcu. In eine Bucht, iir welche vier Schweine eingetrieben sind, tritt eben ein nut dem langen Totschlagchammer bewaffneter junger Geselle. Die Tiere rennen guirkcnd an den Wänden hin, aber gelassen wartet der junge Mensch. bis ihm eir.S der Tiere sicher steht. Dann drückt cr'S mit dem Knie gegen die Wand, zwei wuchtige Schläge vor den Kopf und das Schwei» liegt regungslos da. Schon hat er ihm einen bcreitgehaltcncn Flcischaken ins Maul gesteckt und schleift es a»ö der Bucht heraus in den sauber gepflasterten Brühraum. Dorl ivartet bereits ein anderer, der ans dem leblos da- liegenden Tier binknict und ihm das Messer in die Halsader bohrt. Das Tier schlägt noch ein paar Mal mit den Hinterfüße», während das schwarzrote Blut ans der tödlichen HalStvuudc dick und mächtig bervorschießt, als ob man den Hahn einer Wasserleitung weit geöffnet habe. Das Blut wird in einem flachen Blcchkaftcn anfgr- fangen und in einen Saniinclciincr gegossen, so daß fast kein Tropfen verloren geht. Während dieser Minute hat der Geselle bereits die drei übrigen Schweine betäubt, so rasch nud sicher geht ihm die häßliche Arbeit von der Hand. Die Tiere flüchten schließlich gar nicht mehr, so hat sie der Schreck gelähmt. Mit großen angstvollen Angcn zur Seite stierend, liegen sie an den Wänden und empfangen wehrlos den betäubenden Schlag. Halb- dnßendweise werde, die anSgeblntelcn Tiere in die Brühbuttiche gc- Ivorfcn, riesige Kessel, deren Dampf durch de» breiten Nanchfang abzieht. Siedendes Wasser ist im Au vorhanden. Ein geöffneter Hahn laßt das kalte Wasser ansströmen, ein andrer giebt voni Boden den Dampf in den Bottich nnd bringt das Wasser fast schneller als man cS schildern kann, n»f den Siedepmilt. Sind die Tiere gebrüht, so werden sie abgekratzt, ans den Schrägen geworfen, abgehört, am Hängestock aufgezogen und „aufgebrochen". Die Ei gewcidc kommen in die anstoßende„Knttclci", der sauber hcrgerichtcte Kadaver in die Fleischkammer dcZ Meisters oder in das Küh hans. In den Schweine- Schlachthäusern arbeiten ca. gl) Groß- nnd ca. 80 Lohnschlächtcr, denn die Schlachthäuser sind groß genug, daß nian darin täglich e.wa GOOll Schweine schlachten kann. Auch diese Echiocine-Schinchtergesellen habe» einen schweren Arbeitstag. Tas Kcsscihans giebt schon von morgens- 5 Uhr Dampf bis abends 7 Uhr. ES beginnt also»in bisse Zeit auch das Schlachten in kaum unter- brochcncr Thäligkcit. Die beiden Gesellen, die wir hier beobachten, schlachten in einem Nachmiitag, von 1—7 Uhr, Lb— 30 Schweine. eingeschlossen Brühen, Enthaaren und Aufbrechen I Wir werfe» noch einen Blick ans die ganz nördlich an der Lands- berger Allee gelegene Verkaufshalle für ausländische Schweine, auf das Gebäude der mikroskopischen Fleischschan, auf die Remise und dergleichen, dann sind»vir am Ende nnd wandeni langsani zurück. Dabei sehen Ivir, wie auf die Bevölkerungsvermehrnng Berlins Rücksicht genommen ist. Der durch die Bolksverinehning steigende Fleischverbrauch Ivird fortlaufend Vergrößcnnige» der Riesenanlagc notivendig machen. Entsprechend dem ist ans dem Schlachthof ein -bedeutender Komplex für die Anlage neuer Rinder- und Schweine- schlachthäuser reserviert. Man hat es bequemer,»venu man bo» dem Haiiptein- gang an der Eldcnacrstraße mit der elektrische» Straßenbah» in die innere Stadt zurückfährt, Ivir durchwander» zurückgehend jedoch noch einmal die ganze Anlage nnd überblicken sie von der "Fußgängerbrücke zum Ringbahnhof. Es sind insgesamt 7l Gebäude, die dort weitläufig bor nns liegen, alle sich ähnlich in dem sauberen massiven Baustil»fit gelben und roten Vcrblcndftciiicn. Schiefer« oder geteerten Pappdächern, gepflasterten Straße». Die Gesamtlänge der Straßen beträgt 11207 Meter— fast l1/» deutsche Meilen. Wonn der Abend hereingebrochen sei» wird, iverde» 28 500 Meter Gasrohr nnd ca. 6500 Flammen die Beleuchtung liefern, wofür die städtischen Gasanstalten jährlich ca. 900 000 Knbik- mctcr Gas produziere». Die ungeheuren Wassermasse». die hier verbraucht Ivcrdcn, werden aus 26 000 Meter Rohren geliefert, die 750 000 Kubikmeter Wasser jährlich befördern, während die Abwässer durch ca. 1.800 Gullics aufgciionnncn und nach den Rieselgütem Malchow, Falkenberg uslv. gedrückt Ivcrdcn. 80 000 Ccntner Heu, 10000 Eentnrr Stroh, 30000 Ccntner Gerste und Schrot. 7000 Centner Lioggenlleic. einige laufend Ccntner Hafer, Erbsen, Kartoffeln, werde» alljährlich hier verbraucht. Im letzten Jahre, über welches. Zahlen vorliegen, wurden ans dem Viehhof nnfgetrieben: 211195 Rinder. 856 859 Schweine. 162612 Kälber. 574 805 Schafe. Davon wurden auf dem Schlachthof geschlachtet: 150 6l1 Rinder, 657 059 Schweine. 137 829 Kälber. 404 300 Schafe; der Rest ward nach auswärts exportiert. Von ivelch" riesenhaften» Umfang dieses städtische Unternehmen ist, zeigen auch die Baukosten. 10 Millionci» Mark kostete die An- läge des Schlachthofs, 8 Millionen diejenige des Viehhofs. Die Jahrcsrechnnng balanciert in Einnahme nnd Ausgabe mit ca. 4bc Millionen Mark. Die glänzende, ins Kolossale gehende Organisation, welche die inodcrnen Großstädte dem ehemaligen Kleinbetrieb in der Lebens- .ittelversorgniig, der Schlächterei, gegeben haben, zeigt zu ihrem Teile am besten den inianfhallsainen Fortschritt der menschlichen Prvdi'kfioiistvcise bis zur höchstmöglichen Form des Großbetriebs.— Kleines �enillekon. — Was wird Brnidi'# In Bandis Elternhanse war große Gesellschaft ans der kühlen Veranda versammelt. Ivo über die Vor- gange in China lonbersiert lvnrdc. Die Gesellschaft konstatierte ein- hellig, daß die tu Peking residierenden europäischen Gesandten leine Ahnmig von der Gefahr gehabt hätten, welche sie bedrohte nnd welcher sie znu» Opfer gefalle» waren. Die Unterhaltung wurde durch Band! gestört, der lveincnd hinzu- kam. Die Kleider des Kerlchens waren besudelt nnd zerrisse», sei» Gesicht zeigte Kratzspurc»,»nd er machte den Eindruck, als sei er tüchtig gcschopfbcntclt worden. Es lvar überaus offenbar, daß lnr Knirps durchgeprügelt worden sei, und noch dazu weidlich. Als er sich ansgepliuit hatle, nahm man ihn ins Gebet nnd Band! trug den Fall folgendermaßen vor: „Der Papa kanftc mir gestern eine Angelrute und ich tvar zum Teich gegangen.»»» zn fischen. Pepi, dem ich ans der Straße begegnete, saglc mir, ich solle nicht zinii Teich gehen, denn die Buben hätten sich gegen mich verschworen und würden mich dn»-ch- prügeln. Pepi hatte mir aber lange gut reden, denn ich ging doch nach dem Teich." .Haltest Du keine Angst, daß die Buben Dich wirklich durch- hauen V" „Silin. Der Herr Lehrer hatte ihnen ja das Nansen ver- boten. Als ick» Über das letzte Hans hinaus nnd ans dem freien Feld angelangt war, bemerkte ich, daß Hansi, Stcphi nnd Jmre mir nachhnmpcli» und daß sie Stocke in Händen haben. Und dann sah ich. daß auch von der andern Seite her sich mir Buben näherte», »nd daß auch die Stöcke hatten." „Auch da ahntest Du noch nichts?" „Sluch da nicht. Ich dachte mir. sie seien böse aufeinander nnd würden sich selber hauen. Ich ging ruhig weiter nach den» Tcich. Auf halbem Wege kam mir nnscr Gärtner entgegei» nnd hielt mich an. Er sagte, die Buben sprächen davon,»nick« zu prügeln. Und er empfahl mir, mit ihm nach dem Dorfe zuriut» zukehren, er würde es nicht zugeben, daß sie mich dnrchblänen." „lind warum bist Du nicht unigckchrt?" „Aber, ich bitt' gar sehr, ich Hab' doch von den acht Jungen nicht voraussetzen können, daß sie mich Wehrlosen überfallen würden? Und dann konnte doch auch jeder wissen, daß er, wen» ich geprügelt würde, vom Herrn Lehrer. streng bestraft wird." „Run, nnd hast Dn richtig gedacht?" „Unrichtig Hab' ich gedacht. Die Buben, als sie mich»rnzingelr hatlcn nnd mir schon nahe genug»unten, brachen in ein Schlacht- gehen! ans nnd schrien:„Haut den Spitzbuben!* „Dn bist Du aber denn doch schon erschrocken, tvas?' „Roch nicht. Ich dachte mir, irgendwo in der Stahe sei ein Spitzbube versteckt, und dem wollten sie nun zn Leibe. Ich war so ruhig, daß icki mich sogar umsah, Ivo denn der Spitzbube sei, der Haue kriegen sollte. So sehr ich aber auch zusah, außer den Buben konnte ich niemand entdecken." „Sia. und?" „Und? Und dann weiß ich nicht recht, was weiter geschah, denn sie begannen von allen Seiten ans mich loszudreschen. Sic schlugi n mich zu Loden und trampelten ans mir umher. Ich sah nichts mehr, ich fühlte nur, daß ich geprügelt wurde nnd daß die Prügel Ivehc thatcii." Bandis Papa, der seines Sohnes Erzählung nm anfnierksamstc» zugehört und den die treuherzige Einfalt seines cinzigcii Sprößlings tief erbittert hatte, rief mit außerordentlicher Besorgnis aus: «Bandi, ums HiniiiielStvillen, was soll denn ans Dir werden?* Der Junge, der, wie es scheint, schon längst ini klaren darüber tvar, welchen'Berns er wähle» müsse,»ahm die Frage sehr ernst und antwortete auch sehr ernst: -Ich, Popa,>ch»verde Diplomat. Ich geh' als Gesandter nach Peking." (.Relies Pester Journgl.") Kunst. — D i e G o e t h e st i f t u n g des„K» n st>v n r t s'. In« letzten Heft erfährt man genaueres über die kunstpolitische Gründung, die die angeschene Dresdener Zeitschrift ins Leben rufen will- Es sollen die wirklichei» Dichtungen in ihrem Wettbewerb mit der bloße» Unterhaltungslitteratur unterstützt werden. Die Goethestiftnng erwirbt durch eine Rente für den Dichter oder durch einmalige Ab- findung das Urheberr-eckt an sein Buch, das sie dann herausgiebt, unter Umständen zum Selbstkostenpreis. Um das zu können, will sie vom Staat eine jährliche Unterstützung von 250000 M. und außerdem soll das Urheberrecht nicht mehr nach dreißig Jahren erlöschen, sondern auf die Goethe- st i f t u n g übergehen. Der Gewinn, den verstorbene berühmte Autoren abwerfen, soll nicht mehr ganz in private Taschen fließen, sondern auch zum Besten der Litteratur verwandt werden. Natürlich soll das Urheber- recht die Goethestifwng keineswegs dazu befugen, die Herausgabe der Werke verstorbener Dichter zu hindern. Dieselben bleiben wie bisher der Unteriiehmiingslust der Verleger freigegeben. Die Goethe- fiiftung soll nur einen gesetzlichen Anspruch auf eine geringe Ge- w innbeteilig u ii g haben, etwa ans 2 Proz. des Reinertrages. Um die Interessen des Verleger zu wahren, soll das Urheberrecht erst nach dem 1. Januar 1910 an die Goethestiftnng übergehen. Uebcr Einrichtung und Verwaltung der Stiflung entscheiden Sach- verständige, die zur Hälfte vom»Deutschen S ch r i s t st e l l c r- verband" zur Hälfte von der„S ch i l l e r st i st u n g" gestellt werden. Der»K u n st w a r t" hofft, daß die geplante Gründung im Reichstag und in der Presse reichlich erwogen werden wird.—" Ans dem Gebiete der Chemie. — H e r st e l l u n g des T h l o l i t h s. In der„Technischen Rundschau" wird die Herstellung des Zsyloliths oder Steinholzes be- schrieben. Die Masse besteht im Wesentlichen aus Magnesit und Sägespähuen. Gebrannter Magnesit wird in einem Mahlwerke zu feinstem Mehl pulverisiert, um sodann durch ein Naßmischwerk unter Zusatz der entsprechenden Farbstoffe und einer Clormagnesiiim- lösung zu einer dickflüssigen Masse gemengt zu' werden. Diese Masse gelangt durch Nohrlcituiigen als Beimischung der Sägespäne in ein Trockcnmischwerk, welches, um ein gründliches Befeuchten der Sägespäne zu erwirken, außerdem mit einem Pochwerk versehen ist. Von demselben geht die Mischung noch durch ein Schlenderwerk, um etwa zusammengeballte Theilcheu zu lösen und zu zersetzen. Die vorbereitete Masse wird in Formen ein- gebracht und durch genaues Innehalten der Lehren die Hohe der einzubringenden Menge bestimmt, die erforderlich ist, um die ge- wünschte Plattcnstärke nach Einwirkung des nun hierauf kommenden Drucks zu erzielen. Die wagerechte Scheidung der einzelnen Schichten wird durch Zwischcnlegen von entsprechenden Stahlplattcn bewirkt. Mittels Wagen werden die Formen unter eine hydraulische Presse befördert und einem Druck bis zu 300 Atmospären ausgesetzt. Um die zusammengepreßte Masse nicht während der ganzen Dauer des hierauf folgenden Bindeprozesses der einzelnen Stoffe unter der hydraulischen Presse belassen zu müssen, sängt man den darauf ruhenden Druck durch starke Verschranbungcn ali, und es beginnt der chemische Bindeprozcß unter Beibchaltuug des bestehenden Druckes. Dieser Vorgang benötigt etwa 24 Stunden bis zu seiner Vollendung. Nach Lösimg der Formen gelangen die fertigen Platten zur Ent- feruung alles überschüssigen Chlormagnesiunis in ein Wasserbad, in welchem sie rund drei Tage verbleiben müssen, um sodann in Trockenräumen bei mäßiger Wärme getrocknet zu werden. In den Bearbeitiingsräumcn werden die Platten, je nach Art und Weise ihrer Verwendung zu entsprechenden Plättchcn, Nieinen usw. der er- forderlichen Größen geschnitten.— Technische?. — Wieder eilt neues Flugprojekt. Neben den Erfindern, die sich mit der Konstruktion eines lenkbaren Luftballons abniühen. ist seit einigen Jahrzehnten eine Anzahl von Ingenieuren eifrig bestrebt, nur diirch Motore, Luftschrauben und Flügel Auftrieb und Fortbewegung zu erzielen. Zu diesem Zweck haben sie entweder wie der unglückliche W. Lilienthal eingehend den Vogelflug studiert und suchen nun auf ihren Veobachtnugeii ihr Prinzip aufzubauen, oder sie konstruieren Apparate, welche die Bewegungen des Kinder» Papierdracheus etwa ausführen sollen. Zu den letztgenannte» Projekten gehört das dcS östreichischen Ingenieurs Kreß, dessen Luftschiff in' der Nähe der Stadt Wien bereits fertig liegt und seinem ersten Ausflug entgegen- harrt. Bei der Station Iluter-Tullnerbach befindet sich das große Staubassin der Wien, eine ziemlich bedeutende Wasserfläche, und an seinem südlichen User erhebt sich eine Hütte von mäßigem Umfang, welche den Apparat beherbergt. Dieser ist im Vergleich zu dem Luftschiff des jüngst viel genannten Grafen Zeppelin geradezu ein Zwerg zu nennen; wenigstens hat er nach den Angaben von »Diuglcrs Polytechn, Journal" eine LängenauSdehniing von mehr als 40 Metern. Er besteht in seinem iiutcren Teil ans einer Art Schlitten, weshalb ihn der Erfinder auch.Automobil-Schlittenboot" getauft hat. Zwei ziemlich dicke Aluminiumkufcn mit gut gleitenden unteren Flächen sind durch Querleisten mit einander verbunden. Das Schlitieuboot kann ebenso auf dem Wasser schwimmen, wie sich auf jeder halbwegs glatten Fläche lz. B. auf einer Wiese) Verantwonliwer iHeeacteuz: Hugo Poeysch in Verl mit ziemlich großer Geschwindigkeit fortbewegen. Auf der erwähnten Unterlage ist nun ein großes aber leichtes Gerüst montiert, auf welckem sich der Raum für die Luftfahrer befindet; dort wird auch der Benzinmotor von 20 Pferdekräfte» angebracht werden, der die Luftschraube bewegen soll. Diese Schraube ist etwa wie eine Schiffs- schraube konstruiert, nur besteht sie aus leichterem Material: starke Leinewand auf einen Rahmen gespannt. Ihre Auftriebskraft ist hauptsächlich dazu bestimmt, das Fahrzeug in die Luft zu heben. Drei große Flügel— Kreß nennt sie„Drachenflächen"— sind quer über dem Boot festgelegt; sie wirken wie Fallschirme und werden den Apparat in der Luft tragen. Das Hintere Ende des Boots bildet ein bewegliches Horizontal« stcner. Die Luftschraube erhält vom Motor durch eine Transinissionskette eine Umdrehungsgeschwindigkeit bis zu 120 Touren in der Minute. Ucber dem Sitz des Lufffchiffcrs befindet sich ein Apparat, der durch wenige Handgriffe alle Teile der Flugmaschine in Bewegung setzt. Der Erflnder will einstweilen mit feinem Apparat so lange auf dem Wnffer manövrieren, bis er alle Teile völlig ausprobiert hat; dann will er einen Aufstieg unter- nehmen. Hierzu wird er einer Anfangsgeschwindigkeit von 10 Meter bedürfen; sobald diese erreicht ist. soll sich da» Schiff aus dem Wasser erheben. Die Lnftschranbe treibt in schräger Richtung in di« Höhe, und je mehr es sich auS dem Wasser hebt, desto geringer wird die Adhäsion zwischen Wasser und Boot, desto weniger Tragkraft braucht der Motor zu entwickeln. Danach beruht also die Erfindung durchaus auf dem Princip des Papierdracheus: Das Kind läuft, und wenn es rasch genug läuft, hebt sich der Drache in die Lüfte; nur vertritt bei dem Drachen« flieger des Ingenieurs die Luftschraube die Stelle des laufenden Knaben.— Der Apparat wiegt etwa 200 Kilogramm; mit Motor und Vemannuiig wird sein Gewicht im ganzen 000 Kilogramm betrage».— Humoristisches. — A ni Ziel. Vater:„Nun, Franz. nnt Deinen Wissen« schaften sieht es aber ganz bedenklich aus; Du kommst ja jeden Tag um einen oder zwei hinunter." Franz:„Das kommt von jetzt ab nicht mehr vor. Papa I" Vater:„Nun, das soll mich freuen; so sicher ist das aber wohl nicht?" Franz:„Doch Papa; ich bin heut der letzte geworden I"— — Sekundärbahn-Jdyll. A.:„Sagen Sie nur, Frau Bahuwärterin, wie stelle» Sie es nur eigentlich an, daß Ihre Kinder alle so zeitig laufen lernen?" B.:„Sch'n S' Frau Posthaltcr, das giebt sich bei uns hier ganz von selbst, die Kleinen halten sich hinten am Ziigle an und weuii'S losfährt, laufen s' halt mit l" — Schätzung. Wirt szum Kellner):„Wissen Sie nicht, ob der Herr auf Nummer vierzehn noch längere Zeit da bleibt?" Kellner:„Gewiß I Er hat noch ein zweites Hemd mit!"— („Megg. Humor. Bl.") Notizen. — H o l g c r D r a ch ni a n n hat ein neues fünfaktigcS Drama „Halfred" vollendet. ES behandelt eine alte isländische Sage und wird diesen Winter in Kopenhagen und Christinnia aufgeführt werden.— — Für daS Berliner Opernhaus ist der lyrische Tenor des Hamburger Stadt-Theaters Herr Jörn engagiert worden.— — In„Virchows Archiv"(Band 100 Heft 1. 1900, ist folgendes zu lesen:„Aron hat einem gesunden Menschen einen Troikar, welcher mit einem Manometer verbunden ivar, in die Pleurahöhle eingeführt und den Druck direkt gemessen. Er fand im Mittel bei ruhiger Atmung für den intraplcnralcn Druck auf der Höhe der Inspiration— 4,04 und auf der Höhe der Exspiration — 3,02 Millimeter Quecksilber."— Wieder ein Fall, in welchem einem gesunden Menschen nur zu„wissenschaftlichen" Unter« suchungen die Brusthöhle eröffnet wird.— — Der Forscher Ernst v. Hessc-Wartegg ist soeben von seiner dritten Reise um die Welt nach London zurückgekehrt. Er be- suchte Holländisch-Jndien. vornehmlich Java und Celebes, dann die Molukken. bereiste Neu-Guinea und den Bismarck- Achipcl, nahm an der ersten Expedition nach der Admiralitätsinsel St. Matthias teil und fuhr hierauf nach Samoa, dessen beide Inseln er als erster Forschungs« reisender mehrmals durchquerte.— — Ein neuer b e l I e r Komet ist am 23. Juli auf dem Smith-Observatory in Geneva im Staate New Aorl eindeckt worden. Er bewegt sich nordwärts durch das Sternbild des Widders.— t. Die ofsiciellen Abkürzungen für d i e M a ß« e i n h e i t c n sind gelegentlich der letzten Sitzung des Internationalen Komitees für Maße und Gewichte folgeudcrmaßcn festgesetzt worden. Längenmaße: Kiloineter üm., Meter m., Decimeter ckm.. Ecntimeter om, Millimeter mm. Flächenmaße: Quadratkilometer üm�, Hektar üa, Ar a, Quadratmcicr m2, Quadratdecimetcr dm2, Quadratcenti« meter cm2. Quadratmillinieter mm2 Raummaße: Kubikmeter m2. 1 Ster lals Holzmaß gleich 1 Kubikmeter) s, Äubikdecimeter dra5, Kubikeeiitimeter cm2, Kübitmillimeter mm2. Hohlmaße: Hektoliter KI. Dekaliter dal, Liter I., Deciliter dl, Centiliter cl, Milliliter ru'i. Gewichte: Tonne t, Metercentner q,(nach dem französischen quir.tal). Kilogramm kg, Gramm g, Decigramm dg, Centigrainm cg und Milligramm mg./ N. Druck uro Verlag von sDtoi Boving tu Berlin.