gsölatt des Worwüris Nr. 148 Doimerstag. den 2. August. 1S00 (Nachdnicl verboten.) o, Die �ankaee. Roman von Fritz Mauthner. An den Stufen des Vorbaues empfahl sich Pinkus bescheiden; Haffner und der Verleger kamen ihnen entgegen und der letztere rief sofort: „Was ist denn das, Richard? Du suchst jede Gelegenheit, mir zu eutkominen. Die junge Freundschaft mit Herrn Doktor Bode scheint mir ja gefährlich zu Iverdcn." Aus der Stimme Mettmanns sprach wirkliche Zärtlichkeit für seinen Sohn; und Richard beeilte sich, seinem Vater gute Worte zu geben. Doch mißtrauisch ließ der Vater die Augen von einem zum andern schweifen. „Nicht wahr. Du hast Herrn Doktor Bode heute abend bei Deinen adeligen Bekannten wieder angetroffen? Ich wußte nicht, daß Du diese Leute wieder aufgesucht hattest." Richard war empört über den Vater und über den Schwätzer von Haffner. Was hatte dieser über seinen Ver- kehr mit Johanna zu erzählen? Welche Beobachtungen und Vermutungen mochte er dem Vater mitgeteilt haben? Und niit welchem Rechte sprach dieser so wegwerfend von„diesen Leuten"? „Du kennst diese Familie von Häven ow gar nicht," sagte er einlenkend. Es ist alles ein und dieselbe Wirtschaft. Der Besitzer dieses Grundstücks hier>var auch ein Haveuow, ein von Ha- Veuotv, ivenn Dn so sörnilich bist." „Ist es nicht indiskret, Papa..." „Ach was, wir sind ja hier unter uns I" „Das finde ich eben nicht, Papa." „Na. wenn Dir schon bei diesen gleichgültigen Dingen unsre Freunde unbequem sind, so werben ivir uns für das, Was ich Dich fragen ivill, ein»venig zurückziehen müssen." Und er führte seinen Sohn zu einem Nebcntischchen, das in einer Nische deS Vorbaus gegen das Wehen der Nachtluft geschützt war. Und er ließ vom Kellner den besten herben Champagner bringen, nötigte Richard zum Trinken und reichte ihm eine Cigarre aus der kleinen Tasche, aus der er sonst nur sewst zu rauchen pflegte. Dann erst, als Vater und Sohn einander wie gute Freunde gegenübersaßen, begann der Alte init seiner mildesten Stimme, während seine schwere rechte Hand ans dein 5l>üe des©ohne» lag, als ob er den Fliehen- den zurückhalten wollte: „Richard, ich härte es mir vorher denken sollen. Du bist als ein Mann ans England zurückgekommen. Ich habe Dich zu lange wie einen Knaben behandelt. Es ist das erstemal, daß wir miteinander rauchen und Sekt trinken." Richard verstand die Absicht des Vaters und sagte lächelnd: „Wenn Dn die Flasche und die Cigarre symbolisch nehmen willst und von nun an mit mir wie ein Freund zum Freunde sprichst, so Ivill ich Dir dankbar dafür sein." Der Verleger preßte liebevoll Richards Knie und rief mit Stolz: „Du sprichst besser als ich, sogar Deine Stimme klingt gebildeter als meine. Das soll so bleiben. Ich will stolz daraus sein, wenn mein Sohn mehr geachtet wird als ich. Aber eines habe ich doch vor Dir voraus: Geschäftserfahrungen oder, was dasselbe sagt: Menschenkenntnis. Ich«sehe Dir nun seit vierzehn Tagen zu. Ich wollte erst morgen mit Dir darüber sprechen, am Sonntag. Doch der Haffner hat sich über Dich beklagt, da wollen wir gleich ins Reine kommen. Hierbleiben mnß ich ja doch und spreche lieber mit Dir als mit dem ganzen übrigen Pack." Richard hatte den Kopf zurückgeworfen. „Ich wüßte nicht." sagte er,„welche Rücksichten ich auf Herrn Haffner zu nehmen hätte." Gottlieb Mettmann zog die Augenbrauen leise zusammen und legte die rechte Hand zur Faust geballt aus den Tisch. Nach einer kurzen Weile sagte er: „Ich hatte so meinen Plan mit ihm. Du bist nicht um- sonst drei Jahre in England gewesen. Du hast das große politische Geschäft kennen gelernt. Du mußt ins Parlament. Von meinen Bekannten ist Haffner der einzige, der Dich dabei unterstützen kann." Richard lachte hell auf. „Verzeihung, Vater, aber diesen Plan hättest Du mir früher mitteilen müssen. Ich denke nicht im Traume ans Parlament. In London bin ich nicht ein einziges Mal im Hause der Gemeinen gewesen und habe niemals auch nur einen Bericht gelesen. Mich würde die Politik entsetzlich langweilen." Der Vater pochte niit den Knöcheln der Faust dreimal langsam auf den Tisch. „Ich bin nicht eigensinnig, Richard. Ich gebe meine Ab- ficht sofort auf. sobald ich sehe, daß ich mich geirrt habe. Es thnt mir sehr leid, daß Du nicht ins Parlament willst, sehr leid, aber der Haffner verdient auch sonst Deine Rücksicht. Wir ziehen geschäftlich an einem Karren. Wenn er Geld verdient, so muß er's mit mir teilen. Und vielfach arbeite ich ohnehin schon mit seinem Vermögen. Heute nachmittag, kurz bevor Du ihn dort bei den Damen trafst, haben wir mit den meisten dieser Herren hier eine große Sache gegründet. Wir haben die„Fanfare", die bisher mir eine Zeitung war, zu einem Geschäft erweitert, das mich zum Millionär machen muß."» „Was ist es?" „Für mich ein Mittel, meiner Zeitung Inserate zu schaffen; für die Herren eine Kapitalanlage, für Haffner die Aussicht, sein Kraftbier in allen deutscheu Zeitungen gelobt zu sehen. Die neue„Fanfare" ist eine großartige Inseraten- agcntur auf Aktien. Ohne Haffners Hilfe hätte ich das nie zu stände gebracht. Und eine Stunde darauf trittst Du ihm auf einem Gebiet in den Weg, wo selbst der nicht Spaß ver» steht." Eine rote Flamme schlug Richard ins Gesicht. „Auch ich nicht, Papa!" rief er. Der Alte faßte beruhigend mit seiner vor Erregung zitternden Hand nach der des Sohnes. „Ich bin nicht eigensinnig, Richard," sprach er leise. „Doch wenn ich etwas für Dein Bestes erkannt habe und be- stimmt weiß, daß ich mich nicht irre, dann dulde ich keinen Widerspruch." „Und Du wolltest wie mit einem Mann, wie mit einem Freund mit mir sprechen! Papa, werde ruhig! Ein heftiges Wort über gewisse Dinge könnte viel zwischen uns verderben. bevor wir noch so mit einander stehen, wie wir doch beide wollen." Der Vater nickte Richard zweimal zu, aber seine kalten Augen blieben ungerührt. „Warum hast Du Frau Kommerzienrat Pietersen nicht wieder aufgesucht? Ich hatte Dir dringend dazu geraten." „Sie gefällt mir nicht. Nein, das wäre eine Ausrede. Ich fürchte mich vor ihr." „Sie ist eine der schönsten Frauen Berlins." „Ich dachte nicht an ihre Schönheit." „Dn kannst durch diese Frau Dein Glück machen. Sie ist entzückt von Dir, und so gut wie Wittwe." „Papa, mein Glück? Dn meinst mein Vermögen? Und durch eine solche schöne Frau? Papa, Du hast mich daran gewöhnt, daß ich mich als den Sohn eines wohlhabenden Mannes betrachte. Du hast mich verzogen, bist allen meinen Wünschen zuvorgekommen, und nun soll ich auf einmal tiefer sinken, als— nein laß mich so häßliche Dinge nicht aus- sprechen, nicht denken. Du hast mich so viel lernen lassen, daß ich mein Brot ehrlich verdienen kann." „Dein Brot, Richard! Aber Dn sollst reich sein! Ich arbeite ja nur für Dich. Ich hoffe für Dich als ein reicher Mann zu sterben, aber ich spiele va banque, Dir kann ich es sagen, was sonst niemand weiß. Meine Zeitung ist immer noch ein verzweifeltes Geschäft. Wenn die Inserate binnen Jahr und Tag sich nicht verdoppeln, so bricht es zusammen. Nein, Du brauchst nicht zu erschrecken, ich zweifle nicht am Erfolg. Aber Du sollst auf eignen Füßen stehen." „Das sind zwei völlig getrennte Dinge. Meine Zukunft und die Art Deines Geschäfts sollen nichts mit einander zu thun haben. Ich will wirklich auf eignen Füßen stehen!" „Richard, als ich Dir vor wenigen Tagen Dein kleines mütterliches Erbteil sicher stellte und Dir die Anweisung auf den Bankier gab, da hieltest Du das für eine leere Form. Es war Angst um Dich. Wenn die neue„Fanfare" nicht zu . staube gekommen wäre, und jetzt noch, wenn eS nicht glückt, ist die kleine Summe das einzige, womit Du ins Leben trittst. Ich kann von heute auf morgen ein bankrotter Mann sein. Dein Erbteil würde dann nicht genügen, den Gläubigern auch nur ein Prozent zu bezahlen/' Und Mettinanu trank den Geldlcuten, die am Ehrentisch sasjeu. luftig zu. Richard stürzte ein Glas Wein hinunter. „Ich bin Tic zu vielem verpflichtet, Papa, Vor allem aber zur Offenheit. Und diese Pflicht will ich erfüllen und wenn keine andre sonst. Seitdem ich wieder bei Dir bin, seitdem Du mich einen Blick in Dein geschäftliches Treiben hast werfen lassen, sehne ich nüch nach Selbständigkeit. Die Mitteilung, daff Dein Unternehmen gefährdet ist, könnte mich dem Blatte nur nähern. Aber das Gemisch von hohem und niederem, welches Dein Zcitungswesen bildet, stößt mich ab. Ich will meinen eignen Weg gehen und ich danke Dir dafür, daß es Dein Wunsch ist." Der Vater hörte scheinbar ruhig zu. „Und was willst Du eigentlich machen?" Richard rückte erregt näher. .Ich habe bei Behrendt u. Co. eine schöne Stellung. Aber da ist noch etwas. Ich habe den Lebensplau verfolgt, den Du mir vorgezeichuct hast. Mit Neigung und mit genügendem Fleiß habe ich Maschinenbau studiert und werde in meinen: Fach meinen Mann stellen. Aber noch niöchte ich nicht auf alles andre verzichten. Papa, ich habe niein Geheinmis heute schon einem Menschen anvertraut, du sollst wenigstens der zweite sein. Bevor ich mich bescheide, mein junges Leben einer prak- tischen Thätigreit zu widmen und bis an niein Ende in einem beschränkten Wirken niein Genügen zu finden, möchte ich nur ein einziges Mal öffentlich die Frage stellen, ob ich ein Künstler bin, ob ich zu einem freien Berufe ebensoviel Begabung wie Lust habe." Der Vater hatte nüt gespanntester Aufmerksamkeit ge- lauscht. Jetzt erhob er sich schwerfällig von seinem Stuhle, und— die Hände auf den Tisch gestemmt— fragte er leise: „Dn willst von Deiner Feder leben, wie meine Leute da unten?" Auch Richard erhob sich, und mit gesenktem Kopf sprach er zögernd: „Dafür fehlt nur wohl alles. Du weißt, ich habe es in der Musik weiter gebracht, als der Durchschnitt. Ich hatte immer große Freude am Phantasieren." „Ja, ja. das hast Tu von Deiner Mutter, den Sinn fürs Höhere. Sic wollte aus Dir einen Gelehrten machen." „Ich glaube, in der Musik sollte mir etwas gelingen." „Musikant also?" „Koniponist. Ich spreche nicht von bloßen Vorsätzen, ich habe eine ganze Oper von England fertig mitgebracht." Der Verleger machte einen großen Schritt um das Tischchen herum und faßte seinen Sohn freudestrahlend bei bei» Schultern. „Eine Oper?" rief er glücklich lachend.„Eine Oper, die einen Winter lang hunderttnal aufgeführt werden kann? Wo unser Name jedesmal auf dem Zettel steht? Eine wirkliche Oper, die Dich niit einem Schlage reich machen kann? Eine Oper mit Chören und Orchester und mit einer großen Arie für die Primadonna? Aber, Junge, wie hast Du das ferttg gebracht?" „Ich hatte nicht viele Briefe nach dem Kontinent zu schreiben, und Träumen nachzuhängen ist keine ernste Be- schäftigung. Meine Oper ist fertig, nur noch nicht vollständig orchestriert." „Was heißt das. das verstehe ich nicht, und wie heißt die Oper?" „In zwei bis drei Monaten kann„Fata Morgans" bis auf die letzte Note vollendet sein. Ein armer Oestreichcr, der in England deutschen Unterricht erteilt, hat mir den Text ge- schrieben. Ich möchte wohl den Versuch wagen,„Fata Mor- gana" drucken zu lassen."(Fortsetzung folgt.) Klus dev Opevekkenzeik. Es ist immerhin ein Trost, daß wir aber- und abermals an das Weiterleben der Operette gemahnt werden. Neue Kompositionen ans dieser Kunstgattung erscheinen allerdings nicht; und Ankündigungen und Anpreisungen von Fortschritten, wenigstens in der Pflege der Operette, tauchen zwar immer wieder auf, haben uns jedoch längst skeptisch gemacht. Von einer eignen„Berliner Operette", vertreten durch Paul Liucke, war bereits lebhast die Rede; der Rest ist Schiveigen oder Barietö. Dann wurde erzählt von der„spanischen Operette", der„Zarzucla", die seit zwei bis drei Jahrhunderten als ei» Spiegel- bild des spanische» Volkslebens— reich an nationaler Melodik und Rythmik in Madrid heimisch, im übrigen Ausland be- kannt, in Deutschland noch unbekannt sei und mm auch hier vor- geführt werden sollte. Es kam nichts. Jetzt heißt es, unser altes Friedrich Wilhelmstädtisches Theater werde umgebaut und werde im Herbst als eine„Operetten- und Possenbühne großen Stils" wieder- erstehen. Das„und" zivifchen der Operette und der Posse mögen andre verzeihen; uns läßt es.tief blicken". Jiizwische» pflegt die im Theater des Westens spielende Abteilung des Ensembles vom Central-Th eater wenigstens die ältere Tradition Iveiter. Als Verlängerimg eines schier eivigen Intermezzos läßt man sich eine Neu-Aufführnng des„Ober- st e i g e r s" von Z e l l e r und des„Boccaccio" von S u p p ö ganz wohl gefallen. Suppös Blütezeit fiel in die 60er und 7l)er Fahre des 19. Jahrhunderts, sein Anfang und künstlerischer Ursprung liegt den Auslänfcru der italienischen und französischen Spielop'er nahe; Liedmufik, Buhnengrazie und Lächer- lichkeit sind ebenso sein Element, ivie das Element der späteren Partie der Wiener Operette Tanzmnsik, Kompositionsgrazie und »och mehr Lächerlichkeit sind. Hier ist seit den 7()er Fahren Johann Strauß der Anführer, und andre sind die Angeführten— Karl Zeller nicht der letzte. Alle diese süid für nachsichtige Ansprüche eine Er- quickung gegen die englische und neuerdings anch gegen die nngrische Operetten- Invasion;' und für ebensolche Ansprüche sind die Dar- bietnilgeil i» jenem Theater befriedigend genug. Beidemal trat ein Trio von Sängeriimcn bemerkenswert hervor: Luise Albes, Therese D e l m a und Hennh Wildner. Jene(als Elfriede im„Obersteiger"»nd als Peronclla im„Boccaccio") eine im besten Sinn komische Alte, deren volle und gntgcbildete Stimme auch im Dialog beachtenswert ist; die zivcitgenaimte sdort als Komtesse, hier als Jsabella) eine tnchtig-züchtige RepräsentationS-, Ehe-, Zank- und Sopranfrau; die letztgenannte sRellh. Fiamctta) ein richtige Soubrette, deren gesangliche Vorzüge und Mängel wir bereits neulich angedeutet haben. Es verlohnt sich, diese Sängerin noch aufmerksam zu machen, daß sie im Singen auch nicht gut genug, zumal nicht weich genug ansetzt und mit zu viel und zu häufigem Atemholen arbeitet; von ihre» Partnerinnen könnte sie beides lernen. Im „Boccaccio" war die Hauptperson des Abends Frau S e l m a Schober vom kaiserlichen Theater in Petersburg. Es handelt sich um eine routinierte, wahrscheinlich an den Operngesang gewöhnte Sängerin und Spielerin, mit voller kräftiger Stimme, deren gute Schulung und Ucbung doch auch ein Ivenig durch nicht vollkommeu glatte Ansätze und durch einen Mangel an ganz festem„Sitzen" der Töne gestört wird. Wenn wir unter den Sängern Richard Lenz und etwa Max Heller sowie den derb- wirksamen Komiker Rudolf Ander nennen, so reicht es ivohl. lieber die Gesanitbchandlnng der Werke wäre freilich viel und vieles zu sagen; doch was läßt sich da hosten? Wie hier, so würde anch sonst stillresignierte Ruhe die erste Kunstrefcrcntcn-Pflicht sein, falls wirtlich alles Hoffen in den Strom. des KnnstgeschäftS und der Geschäftskimst versenkt werden müßte. In einsamer Stube kann der Mufikreferent Berichte über Volks- konzcrte in London, im Kopcnhagener„VolkshauS"»nd andcrsivo sammeln und wehmütig wieder lesen, wenn er vom„K r o I l" zurückkehrt. Wie leicht hätte es doch die Leitung unsrcr königlicken Oper, diese ihre Filiale zu einem Versuch wirklicher Volks- tonzerte in vornehmem und doch populär- pädagogischem Sinne zu benutzen! Theaterbaus und Garten lassen ja an angemessener Größe und Bequemlichkeit nichts zu wünschen. Einst- weilen blieb»ns nichts übrig, als uns zwischen einem Plibliknin des Amnfcnicnts zu dränge», da wir den Amerikaner S o u s a und seine Orchestertruppe, die von der Pariser Weltausstellung zurück- gekehrt waren,»och einmal höre» wollten, wähnend, daß wir auf eine» Nachtrag zu nnsrem neulichen Bericht über diesen AmerikaiiisimiS nicht gut verzichten könnten. Und allerdings soll man sich die Lehren aus solchen Eindrücken recht oft vorführen. In manches Garlcnbicr schon ist Richard Wagner hineingesprndelt tvorden; doch so cyniich ausgepeitscht, so überflutet von Trampelmärsche», Piccolo- SoloS und Operettenfctzeii ivie diesmal tvird ihn nicht bald jemand gehört haben. Ist das»nr amerikanisch? Ist es wesentlich anders, wenn»nsre gesellschaftlich höchststehenden Konzerte ein„beliebtes" Stück aus einem Wagnerschen Drama herausreißen und zivischen einem Violin- oder Klavierkonzert und einer Programnimnstl d e m Publikum vorführen, das künstlerisch.viel eingebildeter ist, als das von Sommersonntags Gnade»?... Jedem Winter schlägt manche Hoffnung entgegen, daß jetzt, jetzt endlich ein Umschwung kommen iverdc. Aber wahrscheinlich werden ihn erst andre Mächte bringen als der Kunstfreunde fromme Wünsche und bittere Konzertflut-Flüche, und als Projekte wie das vor einiger Zeit aufgetauchte von einem„Sängerhaus, das ein Mittelpunkt für alle Sangeskulist-Bcstrebungeu Berlins" werden soll, und von dem mm auch Ivieder nichls mehr zu hören ist. Vielleicht bleibt niebtS übrig, als immer tiefer und tiefer hinein zu rennen in das Musik» geschäft, auf daß doch endlich genug Augen geöffnet werde.«, sz. Kleines Feuillekon» — Ueber Vert'ielfaltignng von Zeichnungen«»t> Schrift- stücken bringt die„Techiuschc Rundschau" einen Aufsatz, dem wir folgendes entnehmen: Zur Ausübung deS Lichtpauseprozesses ge- brnucht mau einen Kopierrnhmen. Derselbe besteht aus eiuem festen Holzrahm«»» in weichein sich eine herausnehmbare dicke Spiegelglns- scheibe befindet- Ferner liegt auf der Rückseite ein mit Filz überklebtes mehrteiliges Brett, in sich durch Charuiere verbmide», welches mittels Hoizleisteir und Spauufederir fest gegen die Glasscheibe gedrückt werden kann. Zwischen Klappbrett und Scheibe wird beim Kopieren das Original und das präparierte Papier so eingelegt, dah das Original der Scheibe zunächst liegt und nun daS Ganze dem Sonnen- oder zerstreuten Tageslicht auS- gesetzt ist. Das Licht scheint durch die hellen Stellen des Originals und wirkt chemisch auf die darunter befindliche Schicht des Kopier» Papiers, dieselbe derart verändernd, dafi eine genaue Kopie resultiert Bei den meiste» Lichlpauspapieren würde man nach Belichtung unter dem Original nicht dunkle Linien auf Hellem Grunde, sondern umgekehrt, helle Linien auf dunklem Grunde erzielen. Da dies nicht angenehm ist, so fertigt man sich ein Negativ als Original an, indem die Zeichnung oder Schrift mit anio- resp. lithographischer Tusche auf gutem dünnen Postpapier gefertigt und dann über das Ganze mit breitem weichen Pinsel flüssige schwarze Tusche gestrichen wird, natürlich nur auf einer Seite. Wenn dieser Anstrich vollständig trocken ist, giesst man Petroleum oder Terpentin auf das Ganze und wischt mit einem alten Lappen darüber. In überraschender Weise treten plötzlich die Linien des Originals hell aus dem dunklen Grunde hervor und ein tadelloses Negativ ist fertig. Vorausgesetzt ist, dag gute saftige Striche gezeichnet resp. geschrieben Ware», tveil sonst dieselben rissig unterbrochen er'cheineu. Das Papier mich bei allen diese» Manipulationen mit Hestzwecleu ans ein Rechbrett oder dergleichen gespannt sein. Mit diesem klaren Negativ, welches eventuell»och mit Oel oder einer Mischung von 32 Teilen Alkohol und 1 Teil Nieimisöl durchsichtiger gemacht werden kan», werden die Kopien schön dunkel ans helle»! Grunde erscheine». Auster dem Kopierrahmen gebraucht mau noch eine flache Schale bou lackiertem Blech oder Popiermachee, auch Cellnloid; doch kann»w» auch eiue ganz flache Holzkiste vertvendcir, welche gut ausgelittet ist und auf allen Seiten dick mit Asphalt oder Schellack nusgegofieu wurde. Ebenso ist eine Pinceite von Hartgummi oder lackiertem Holz empfehlenswert.— — Japanisches Porzellan. Die Wochenschrist„Mutter Erde" schreibt: Seit iiudenkliche» Zeilen sind die Japaner bemüht gewesen, ihre« Kuuslsinn in besonderer Pflege der Keramik, der Formimg. Bremitmg und Bemaliing von Base» Ansdruck zu gebe». Aach»nd »ach hat fich aber hierbei ei» derartiger spekitlativer Geist bemerkbar gemacht, dast es nicht ohne Interesse sein dürfte, die alte gute Ware als echte von der Fülle der nenen Nachahmimgeli kennen zu lerne» und zu unterscheiden. Insbesondere kommen sechs Provinze» Joipaus in Betracht, welche noch vo» der Invasion der Massenprodulle frei find und nach altem Stil weiter fabrizieren. Vor allem ist es die Provinz Hizen, welche die berühmten„Salsnma und Jmari", jene meist pompöse», i» tausend Farben schillernden, kunstvollen groste» Vasen fabriziert. Ihr Ruhm datiert seit dem l(5. Jahrhundert. Die Porzellanerde erhält einige uns»iibekaiinte Mischungen, welche ihr nach mehrfach wiederholte» Prozeduren der Aeinignng und Trocknung eine groste Homogenität beileibe n. Einen besondere» Glanz erhält sie dnrcl ein Pulver, das aus einer Art Bimstein, Kaseda genannt, mit Asche aus hartem Holz veriuischt, gewonnen wird. Beimiiidernswert sind die wie mit bliuten Glass orten anfgekeglen Dekorativiieu und die scheinbar echt geformten Gold- und Silberstücke. Dabei sind die Farben so haltbar wie der Stein selbst, denn vor dem Koche» waren sie bereits der Masse beigefügt. Die „Jmari" Ivare» von einem Koreaner um 1590 eingeführt»nd dmin von einem Japaner ans Jmari zur Blüte gebracht. Er beuntzte »amentljch Oxyde von Eise», Blei. Kobalt»nd Srtttuefel zur Farbeir- tömMg. Diejenigen Produkte, welche meist ichablonemnästig, immerhin doch sehr kunstvoll, mit Rot und Gold ausgestattet sind, stammen ans„Katani", einer Stadt, deren Erde sich hervorragend zimi Brenne» eignet. Die„Anata" habe» eine Znsammensetzimg ans 9 Teile» S ilieimn und 1 Teil Ali»uiiii»»l niit geringem Zusatz von Eisenoxydi sie sind zumeist mit Kupferoxyd und Gvldchloriir dekoriert. Unter de» Speeialitätcn von Kioto verdienen die„N»kil"-Porzella»e Erwähnittig, da sie das Monopol einer Töpserfamilie bilden, die seit 1l Generatione» ihr Kmisrhandwerk betreibt; einer ihrer Chefs erhielt einst von einem japanischen Kaiser einen goldene» Orden mit der Inschrift„Raku", d. h.„Freude". Seitdem sühre» alle ans dieser Fabrik stanmiendeu Waren als Fabritltmrke die vier Bttchslaben e a k u. Zumeist bestehen die Produkte ans sehr feinen, sich weich anfühlende» Thee- tasfil» ans einer Porzellansvrle, welche eine schlechte Wärmeleiteriii ist. Ihre Paste wird ans einer roten Erdart, japanisch„Akatsucki", welche Eisen- und Kohlenoxyd enthält und mit weißer Erde- ver- mischt wird, geknetet. Ans der Provinz Kage staiimieii die„Rntani",. die sich durch rote und grüne Färbunge» auszeichnen. Aus Mino und Oivari sind die Porzellansorten mit blauer Färbniig aus weistei» Grunde. Mit dem 8. Jahrhuudert blühte die Keramik in der Provinz Seto, wo sie heute»och am mächtigsten ist: in Japan lemil man die Produkte mit der einsachen Bezeichuung Seiomoiie, d. h. Sache» aus Seto.— Litter arisches. D a s s i u d nun d i e Kinder von Jeanne M a rni. München bei A l b e r t L a» g e n. Eine ganz gewöhnliche Speknlcition ans die schlechtesten Instinkte des Publitums. Es ist schwer zu sagen, was den angesehenen Verlag des„Simplieijsimn?" veranlaßt hat, dieses Buch in Deutschland einzuführen. Der litterarische Wert kann -- k hABlHfiBHättaüti&iääHaL!..s»' es unmöglich geweseil sein. Die Skizzen, die hier gesammelt find, offenbaren die blanke Ohnmacht. Sie verzichten ans jede künstlerische Wirkung, um dafür durch— andre Dinge die Nerven zu stacheln. In der Hauptsache wenden sie sich wohl au die Kokotten und alternde Lebemänner. Selbst aber bei diesem Publikum dürsten sie nur mästlges Entzücken herborrnfen. Nicht etwa weil sie allzu schiiclitern in der Wahl ihrer Mittel ivären— im Gegenteil! Was irgendwie perverse Triebe entflaininen lami, ist unbedenklich angewandt. Nur dast eben das Talent fehlt, dast auch zu solchen Dingen nötig ist. Die geschickte Mache, die hier nnd da vorhanden ist. laiin das nicht ersetzen. So iverden vermutlich selbst Kokotten lind alternde Lebemänner das Buch gähnend aus der Hand legen. Ihr Geschmack kommt bei andern besser auf seine Nechmnig, als bei Madame Jeanne Mar» i. Uebrigens; ob wirklich eine Dame die Schuldige ist? Vielleicht hat mau den weiblichen Namen nur aufs Titelblatt gesetzt, um die Pilanlerie zu erhöhen.— E. 3. Kttustgewerbe. — Die.Herstellung künstlicher Edelsteine au9 Glas. Schon in sriihen Zeilen suchte man, wie das„Polytechnische Eentralblatl" schreivt. Edelsteine auf tünstliche Weise herzustellen. Seneen berichtet, dast ein gewisser Denwkriios Smaragde fast tänschend nachgeahmt habe nnd Heractins nnd Theophilus erzählen, dast in JttUien zu ihren Zeiten die Verwendung des Bleigases zur Nach» ahninng künstlicher Edelsteine bekannt mar. Im Mittelalter haben sich besonders die Jude» mit der Herstellung der künstlichen Edel- steine befaßt. Im Iveileren Verkauf der Zeiten tritt die Vertvendiing des Bleiglases immer mehr in den Vordergrund, bis es gegen Ende des 18. Jalst Hunderts dem Wiener Juwelier Joseph Straßer gelang, einen für diese Zwecke sehr geeigneten Glasfluß zu finden, welcher späterhin nach ihm auch den Namen Straß erhielt. Seiner Znsammensetzilng nach bildet der Straß ein sehr bleireiches Glas, welches sich durch ein sehr hohes speeifisches Gewicht und großes Lichtbrechnngsvermöczen auszeichnet. Alle knnstlicheu Edelsteine besitze» in der Thal eine» anßerordeiitlicheii Glanz, aber ein großer Nachlest, der in den Eigenschaften des Glases begründet ist, wird die iniechte» Steine niemals zu einer allgemeinen Verwendung kommen lassen, denn das bleireiche Glas ist zu weich, es widersteht also nicht längere Zelt der Aburitznirg. Außer den Ed elfte m- imskationen werden mich med»irch sichtige Glaspasten hergestellt, welche nach den Steinen bezeichnet find, denen sie gleichen, z. B. Avcntnrin, Lasmslein, Ehrysopas, Türkis, Obsidian»sw. Zu diese» Fabrikate» werden ganz besonders reine Matericstien. wie sie zn de» wesentlichsten Bestandteilen der Glas- inasse» gehören, verwendet, und inaii setzt denselben noch bestimmte Menge» Mennige und Borax zn. Die Rohmaterialie» zur Her- stelluiig von künstlichen Edelsteinen find reinste Kieselerde, nnd zwar in der Regel fei» gemahlener Bergleysiall; auch weißer Sand nnd Quarz, die selbst bei höherer Temperatur rein iveiß bleiben, können benutzt werden. Dem künstlichen Borax giebt man den Vorzug, da der natürlich vorkoimncnde häufig organische Substanzen enthält, die das Glas färben. Kohleusanrcs Blei- vxyd oder Mennige müssen vollständig rein sein und kein Oxydul enthalten, denn dadurch wird das Glas trüb grün- lich gefärbt. Bleilveist nnd Mennige müssen sich in ver- dnnnter Salpetersänre vollständig löse», ohne einen Rückstand zn hinterlassen; die i»ä glichst neutralisierte Löfinrg darf durch Bklit- langenfatz nicht rot werde». Im ersteren Fall ist Zinn, im zweiten Knpstr vorhanden. Arsenige Säure und Salpeter müssen vollkommen rein sein»nd dienen zur Zerstörung der organischen Substanzen. Die Materialien ohne das färbende Oxyd liefer» die Ansgangsmenge zur Herstellung von künstliche» Edelsteine», mid derartige Glasflüsse bezeichnet mau, wie schon bemerkt, als„Straß". Der Smaragd, ein Edelstein von grüner Färbung, wird durch das Einschmelzen von 1000 Teilen Straß, 8 Teilen Chromoxyd erzengt. Ancb durch Kupfer- imd Eisenoxyd erhält man künstliche Smaragde ans 43,84 Gramm Bergkrystall, 21,92 Gramm trockenem kohlensaurem Natron, 7,2 Gramm gebranntem nnd gepnlvertent Borax, 7,2 Gramm Mennige, 3,65 Gramm Salpeter, 1,21 Gramm rotem Eisenoxyd nnd 0,6 Gramm grünem kohlensaurem Kupfer- oxyd. Achate ahmt man nach, indem man Bruchstücke von verschieden gefärbte» Flüssen zusammenfließen läßt»nd während des Flusses rührt. Em Amethyst wird ans künstlichem Wege hergestellt, indem man 300 Gramm einer Glasststte mit 0,6 Gramm Granmanganerz versetzt, oder ans 300 Gramm Frille, die 0,8 Proz. Manganoxyd erhält, 36.5 Gramm Salpeter. 15 Gramm Mennige»nd 15 Gramm Borax, Ader einen schönen Amethyst erhält man durch Zusmnmen- schmelzen von 1000 Teilen Straß, 3 Teilen Mangan oxyd, 5 Teilen Kobalroxyd nnd 2 Teilen Goldpurpnr. In letzter Zeit versucht man auch, sebr harte Gläser zur Edelstein- Imitation aus Thonerde und Borax mit de» dazu gehörigen Färbemitteln herzilstellcu.— Psychologisches. ss. Die Wirkling der verschiedenen Farben auf die Nerven ist, einer Nachricht des„Pharinacentical-Journal" zufolge, durch genaue Experimente untersucht worden. Seit langem schreivt der Sprachgebrauch den verschiedeiicu Farben eine bestimmte Wirkung auf das Empfinden des Menschen zu, man spricht von Ivanneil Farbe», worunter mau besonders Rot versteht, ferner von Blau als einer kalten Farbe, von Gelb als einer belebenden Farbe usw. Eigentlich macht jeder feinempimdende Mensch täglich d!e Beol'ilchtliiig,&n& die eine F>ivl>e«»igene�m und die nndre»nan- sicuehm ouf ihn inii'ft, und diNi» licgtja dereits die Beeinflussung der Nerven. Der Physiologe de Pnroille Hot»un durch znhllose Ver- suche festgestellt, daß das rote Ende eines Spektrums die Nerven er- regt, lvährend das entgegengesetzte Ende mit den Forben grün, blau und violett sie beruhigt. Dr. Bonza geht»och iveiter, indem er gc- tvisie nervöse Krankheiten durch Amvendmig bestimmter Farben zu heilen gedenkt. Schwermut behandelt er mit Not, Wahnsinn mit Blau, nervöse Depressionen mit Violett. Jedoch wird dieser Arzt es nicht immer leicht haben, da sich eine schon nervöse Fron zweifellos dagegen sträuben wird, sich eine Farbe verschreiben zu lassen, die ihr nicht' stehr. Ein andrer Physiologe Hot durch Auwendung von roten Lichtern ein Schivindelgefiihl künstlich erzengt und Hot tviedenim durch Abwechselung von roten und grünen Strahlen solche Symptome zum Verschtviuden gebracht. In einer großen Fabrik für photographische Platten soll sich die Stimmung der Ar- beiter tvescutlich verändert haben, seit statt rotem Licht grünes zur Beleuchtung der Arbcitsrnnme benutzt ivird. Früher saugen und unterhielten sich die Arbeiter auf das lebhafteste während der Arbeit, während sie jetzt nur in ruhiger Weise mit einander verkehren. Außer acht zu lassen ist die Hygiene der Farben bei nervösen Krank- heiten jedenfalls nicht, und eS mag ein richtiges Prineip darin liegen. wenn in einem bekannten Kurort diejenigen Krauken, die einer Bc- ruhignng bedürfen, stets ein Zinnner mit dunklen, namentlich violetten Farben erhalten, während man solche, die augeregt werden sollen, in einem roten Zimmer unterbringt.— Geographisches. — Für die großen E i s s ch w i e r i g ke i t e n bei Spitz- bergen in diesem Sommer liefert, nach der.Vossischen Zeitung", die neue Reise des.Rurik", eines Schiffes der russischen Grad- mcssungs- Expedition, daS gestern in TromSö eintraf, abermals einen Beiveis. Wie seinerzeit gemeldet worden, hatte sich zu Bc- ginn des Souuners die Hauptabteilung der russischen Gradmessung mit den Schiffen.Bakan" und„Ledokol II" nach Spitzbergen be- geben und an verschiedenen Stellen im Storsjord, der großen Bucht zwischen der südlichen Cstlüste und Staus Forelnnd, einige ivissenschaftlichc Abteilungen gelandet. Der Dampfer „Rurik", der die Aufgabe hatte, die Verbindung zwischen Norwegen und den Nüssen auf Spitzbergen zu unterhalten, war es bei einer bald danach angetretenen Reise weder geglückt, mit den gelandeten Abteilungen noch mit der Ueberwiutcrungsstation der auf Spitzbergen gebliebenen Russen, die ain Hornsnnd ein großes Gc- bände besitzen, in Verbindung zu kommen. Vor etiva 14 Tagen trat der„Rurik" von Trvnisö aus eine neue Reise nach Spitzbergen an, aber auch diese gestaltete sich tviedcr sehr schivierig. Das Schiff ging erst zum Eisfjord. In der Billcnbai, am Ende des Eisfjords, lagen der„Bakan" solvie das schivcdische Kanonenboot„Swensksnnd", das in diesem Sonuner bereits eine zweite Steife nach Spitzbergen gemacht hatte. ,n» mit dem Winterquartier der schwedischen Gradnrcffnngs- Expedition, das sich bei der Treurenbergbai, an der Nordküste, be- findet, in Verbindung zu konnneu. Aber alle Anstrengungen Ivaren Ivieder vergeblich, und so weiß man bis zur Stunde noch nicht, wie die lleberivintcrung der Schiveden an ihrer im äußersten Spitzbergen belegenen Station verlaufe» ist. Der„Rurik" arbeitete sich durch das schwere Eis, das überall im EiSfjord lag, be'uchte die Adveutbai und ging dann zum Hornsund, den ninn nach Ll Stunden erreichte und Ivo alles Ivohl ivar. Nachdem es hier Eises Heilder iVs Tage gelegen, forcierte es, innner durch Eismassen, um das Südkap, die Südspitze Spitzbergens, um zum Storsjord zu komme». Am Krilhansberg, in der Nähe deS Südkaps, sollte sich der „Ledokol" befinden, doch sah man von ihm keine Spur. Inzwischen tvnrde das Eis so undurchdringlich. daß der „Rurik" umkehrte und nach Tromsö fuhr, Ivo er gestern eintraf. Die Russen sind im Süden von Spitzbergen mit ihren Grad- mcssungSarbeiten fertig. Gegenwärtig befinden sich noch die vorhin erwähnten Abteilungen im Storsjord, nämlich bei Whales Head, am südlichen Teil der Ostküste, und bei dem gegenüber auf StauS Forelaud liegenden Wdalcs Point, wo die Avteilimgeu noch sechs Woche» bleiben. Die Russen sollen eine groß- artige Arbeit ausgeführt haben. Im Eissjord ivar während des Aufenthalts des„Rurik" dort eine Abteilung vom„Bakan" im Begriff, mit 18 Hunden den CbydeuiiiSbcrg zu besteigen, und 40 Matrosen des„Bakan" brachten Proviant und Instrumente zum Nordeusliöldgletscher hinauf, Ivo der Weitertransport mitHunde» geschieht. Die aus dem EiSniecr heimkehrender Fangsaüsfer berichten gleichfalls von so schwierigen Eisverhältuissen, wie sie seil lauge» Jahren nicht dagewesen sind. Für die Fangtbätigreit ist das massenhafte Eis sehr hinderlich. Es wird behauptet, das die feste Kaute des PolareiseS schon fünfzig Meilen von Tromsö liegt und den Zu- gang zur Bäreninsel hindere. Unter solche» Verbällnisscn wird eS erklärlich, daß das nördlichste Norwegen in diesem Sommer einen Lverans kühlen Sommer har und sich vcrschiedentlicher Schneefälle erfreute.— Ans dem Pflanz enleben. lle. Ein z» g e w a ch s e n c r See. In der nächsten Nähe von Wanusee, östlich von den verschiedenen Bahndämuien, die sich dort vereinen, liegt ei» von Wald und Erdgebüsch anmutig um- rahintes Wasserbeaen, der Nicolassee. Nähert mau sich im Spätherbst oder im Frühling seinen Ufern, so gelvahrt man eine ziemlich ansehnliche Wasserfläche. Im Sommer aber erkennt man den See kaum wieder, man ninß die Blicke umherschweifen lasse», ehe man an einer Stelle noch etivns offenes Wasser aufblitzen sieht. Der ganze übrige Teil des Wasserspiegels har sich in eine ebene grüne Wiese verwandelt, d. h. er ist infolge der mißerordentlich üppigen Vegetation einer Wasserpflanze gewissermaßen zugewachsen und besteht mm aiiS zahllosen Exemplnrcn der sogenannten Wasscrschere, die im Volk auch iiiiter dein Namen Siggel oder Sichelkohl bekannt ist. Am bezeichiiendsten ist aber jedenfalls ein andrer Name für das betreffende Gewächs: Wasieralos, denn die äußere Aehnlichkcit mit dem Geschlecht der Aloön ist in der That sehr groß. Wie bei den Aloön, so entspringen auch bei imsrer Pstanze ans einem Punkt eine größere Anzahl rosettenförmig gestellter, dunkelgrüner Blätter, die lang und schmal zugespitzt, recht starr und stark stachelig gezähnt sind. Die Blüten sind ziemlich groß, lveiß und nach dem Dreizahl-Typns gebaut; sie sind im übrigen sehr rasch vergänglich, nicht inimer sichtbar und für die ganze Pflanze bei weitenr nicht so charakteristisch, ivie der äußere vegetative Nufban, nach welchem die Wasieralos i» der heimischen Flora ganz einzig dasteht. Bei ihrer Vermehrung komme» die Blülen ebenfalls wenig in Betracht, vielmehr spielen die Ausläufer und Wintcrknospen der Pflanze dabei die größte Nolle. Sie teilt diese Eigenschaft mit andern Wasserpflanzen, z. B. mit dem verioandte» Froschbiß, mit dem sie stets in Gesellschaft vorkommt inid der ebenfalls größere Strecken mit seinen ganz besonders ge- formten rmidlichen Schwimniblättcni zn bekleiden vermag,— Wenn im Spätherbst die nahende Winterkälte sich bemerkbar macht, beginnt bei den schwimmenden Wasserpflanzen eine allgemeine„Flucht in die Tiefe". Die schivimnienden Teile sterben ab. nachdem sie vorher kurze gedrängte Sprossen cutwickelt haben, die dazu bestimmt sind, die Art zn erhalten. Diese Winter- sprossen sinken z» Boden, ruhe» ans dem vergleichsweise warmen Schlammboden d-n Winter über a»S, um schließlich in der wärmeren Frühjahrszeit sich zu beleben, Wurzel zu schlagen und neue Pflanzen nach der Oberfläche des Wassers zu senden. Nach diesen! ver- breiteten Muster verfährt auch die Wasieralos und damit ist auch die auffallende Erscheininig des freien Wasserspiegels vom Spätherbst bis zu»! Frühjahr und das allmähliche Zuwachsen des Nikolas-Sccs und manwer andre» Gewässer in der übrigen Jahreszeit erklärt. Bekanntlich ist es etwas Häufiges, kleine Teiche ganz von den kleinen Schildche» der Wasserlinse überzogen zu sehen i allein diese Decke ist sehr beweglich und bietet z. B. Wasservögeln kein Hindernis, während die starren Wiesen der Wasieralos den Wasserspiegel— einem Stacheldrahtzaim nicht ganz iinähnlich— für Wasservögel und auch für Menschen niiliebsam absperre». Der Mem'ch hält sich gewöhnlich dadurch schadlos, daß er die Pflanze in großen Massen ans Ufer schleppt, um sie dann als Schivcinesntter oder als guten Dünger ftir die Felder zu verwenden.— <>unit>rntlffties. —„S i e" hat gekocht. Vater:„Wer hat denn diesen Pudding zubereitet?" Mutter(ihre Töchter der Reihe nach ansehend):„Ich dars'S nicht sagen, die Verfasserin wünscht anoiiym zu bleiben!"— — D a n n k a u u' s g e h e n. A,:„So. Du glaubst, das Paar. paßt gut znsammeu?" B.:„Ja, e r hat genügend b l a n e S B l u t und sie— genügend blaue S ch e i n e I"— — Kin d e rinn ii d. Onkel:„Jetzt will ich Dir einmal eine kleine Lektion in der Höflichkeit geben. Sag einmal, warum kehre ich zum Beispiel einer Dame so wenig als irgend möglich den Rücken zu?" Häuschen:„Damit sie Deine Glatze nicht sehen soll, Onkelchen."— i„Mcggend. BL") Notizen. — Die UniversitätS»Bibliothek ist de? ErweiternngS- bans und Umzugs wegen vom 6. August bis 8. September geschlossen.— — In Wien führte die Berliner S e c e s s i o n S b ii h n e bei schwach besetztem Hans zum erstenmal Knut Harusums„ A n des Reiches Pforten" erfolgreich ans.— — M. B. H. Hite, an der„Station of cxperimental agri- cnltnre of West-Virginia" hat kürzlich eiue Reihe von Versuchen ge- macht, ans denen hervorgeht, daß Wasser bei sehr hohem Druck z u s a in ni e n d r ü ck b a r ist. Bei einem Druck von 4600 Kilo auf de» Ouadraicentimetcr vermindert sich das Volumen des Wassers um 10 Proz. seines iirspeiniglichen Nanmiiihalts.— — Der schwedische König erhielt von Sven H e d i n ein Schreiben, das am 25. Februar von Jnngi Köll in der Nähe von Lob Nor im Innern Asiens abgesandt ist. Der Forscher beschreibt in dem Briefe eine dreimonatige Fahrt längs des Flusses Narkilitdaria sowie eine in 20 Tagen ausgeführte Wiistenrcise von 50 Kilometern.— — Neue Gold Iv äschereien sind in der Gegend von C a r a h u e entdeckt worden, und zwar am Collico, einem Zufluß des Damas, der sich bei Carahue in den unteren Cautin ergießt. Verantwortlicher Siedactcur: VÄilhelm Schröder in Wilmersdorf. Druck und Verlag von Akax Babing in Berlin.