Unterhatlungsblatt des Horwärks ?!r. 149� Freitag, den 3 August 1900 (Nachdruck verboten.) Die Fanfctve. Nomon von Fritz M a tt t h n e r. Tor. Verleger hatte seinen Sohn losgelassen und rieb sich aufgeregt die Hände. „Foto Morgana." rief er laut,„Fata Morgana, Fata Morgan«! Du hast Talent, mein Junge! Was für ein Titel! Das läßt nian nicht drucken, das lügt man aufführen." Und mit drei langen Schritten hatte er die Ehrentafel er- reicht, während Richard erschreckt stehen blieb. „Meine Herren," ries der Vater von seinem Platz aus, indem er mit einer leeren Champagnerflasche auf die Tisch- platte donnerte.„Meine Herren, ich habe Ihnen eine merk- würdige Entdeckung mitzuteilen. Unsre Beratung über das neue Theater ist zu Ende, wir richten ein Opernhaus ein, so rasch wie möglich. Und sowie es mir trocken ist, wird es er- öffnet mit der Oper Fata Morgana, der Oper Fata Morgana von..." Die Finger des Verlegers zitterten auf der Tischplatte. „Die ersten Autoritäten von England haben sie für ein Meisterwerk erklärt, der Erfolg ist sicher, der Titel und die Musik sind gut. Das wird Sie alle freuen, denn jeden Tag lvird es auf dem Theaterzettel heigeu: Fata Morgana, grosze Oper von Richard Mettinann, von Richard Mettmann, von..." Die Stimme des Redners überschlug sich. Die Zu- Hörer standen wie gebannt. Da rief Pinkiis von unten her: „Ein Opernhaus, ich habe es immer gesagt, und Richard Mcttmaun soll lebe», hoch!" Wie plötzlich bezwungen, erhoben sich alle Herren der Ehrentafel und schrien durcheinander: „Ein Opernhaus, das muff ziehen! Fata Morgana ist sehr gut! Mcttmaun junior hoch! Die„Fanfare" lvird Ar- beit kriegen!" Auch die Herren an den Tischen im Garten waren fast überall aufgesprungen. Der Jubel der Geldmäuner auf dem Vorbau nahm den Bann von ihnen, und plötzlich setzte sich alles in Bcwegmig. Als ob ein Preis darauf gesetzt wäre, wer den Komponisten und seinen Vater zuerst erreichte, so drängten sich Sänger. Musiker, Baumeister und Kunstfreunde die Stufen empor, und wer den alten Mettmann oder den jungen nicht gleich erreiche» konnte, der schüttelte den Aktiv- innen die Hand, und in einem Chaos von Stinunen drang der Rausch des ersten Erfolgs beglückend zu Richard empor. Er fühlte sich beengt von der Menge, die ihn selbst mit Glückwünschen umschwärmte, aber er sah froh daL lachende Haupt seines Vaters aus einem andern siegesgewissen Haufen hervorragen und hörte auch von den fremden Leuten an der Ehrentafel Accorde wie Triumphgesänge zu sich herüber- schallen. Plötzlich entdeckte er Walter Bode, der abseits an einem verlassenen Tisch gelehnt, mit verschränkten Armen, dem Sturm der Begeisterung zusah. Er drängte sich rasch zu ihm hindurch, faffte seine beiden Hände und rief:„Es sind doch gute Menschen!" „Gewiff," sagte Bode und erwiderte herzlich den Hände- druck.„Man scheint viel Vertrauen in Sie zu setzen. Ich bin nur begierig, die Oper selbst kennen zu lernen." III. Bode hatte sein Amt als verantwortlicher Redacteur des Morgenblattcs am Montag angetreten. Trotzdem Gottlieb Mettmamr als Verleger eine wenig ermutigende Erscheinung war, ging der neue Redacteur fast nmtigen Herzens an die Arbeit. Sein Vorgänger übergab ihm freilich die Geschäfte mit dem bedenklichen Ausspruch: „Sie sind ein anständiger Mensch, Sie haltcn's nicht lange aus." Bode lieff sich davon nicht anfechten. Was kümmerte ihn des Verlegers mangelhafte Schulbildung oder auch sein zu weites Gewissen? Wenn Bode sich nur selbst die Finger rein hielt— und seiner selbst war er sicher— so mochte Gott- lieb Mettmann sich beschmutzen, soviel er wollte. Bode verlangte von ihm nichts weiter, als daff er ihm sauberes Papier für seine Zeitung zur Verfügung stellte. Auch den Verkehr mit seinen neuen.Kameraden hatte sich Bode nicht so nett vorgestellt, wie er sich jetzt gestaltete. Das waren ja vielfach gebildete, geistreiche, vor allem aber lustige Menschen, welche die Amtsstunden wie eine vergnügte Sitzung im Kaffcehnnse behandelten und das Blatt munter genug in der letzten Stunde eilig zusammenstellten. Es war eine von Bodes ersten Aufgaben, hier Wandel zu schaffen, aber er überzeugte sich bald, daff die Verhältnisse des jungen Blatts viel kleinere waren, als die marktschreierischen An- küudigungcn des Besitzers vermuten lieffcn.- In den Aufrufen an die Leser und an die Inserenten betrug die Auflage fünf- zehntausend. In Wahrheit wurden von jeder Nummer nur fünftausend Stück abgezogen und auch die nicht bis zum letzten abgesetzt. „Schaffen Sie mir wirkliche fünfzehutausend Abonnenten, und Ihr Gehalt soll verdoppelt werden." Mit diesen Worten hatte Mettmaun ihn in das Rcdaktions- zimmer eingeführt. Und zu den Herren gewandt, hatte er hinzugefügt: „ES muff alles anders werden und an dem Tage, wo ich zehn Seiten bezahlte Inserate drucken kau», gebe ich Euch ein Fest, daff Berlin wackeln soll." Die Inserate, das sah Bode freilich vom ersten Tage, waren die ewige Sorge des Besitzers, und in andrer Weise auch die der Redaktion. Tie„groffe Fanfare", die internationale Jnscrateuagentur auf Aktien, war rasch zu stände gekommen und spielte die Herrin gegenüber der Zeitung, der„kleinen Fanfare". Seitdem Gottlieb Mettinann das weitere Unter- nehmen unter seinen Hände hatte, tvar er plötzlich ein so leidenschaftlicher Anzcigenhäudler geworden, wie er früher ein waghalsiger Waldkäufer und ein erfindungsreicher Papier- fabrikant gewesen war. Das Blatt war nur noch der Inserate wegen da. So oft der kleine Pinkns nach einer längeren Beratung ans Mettmanns Zinnuer heraustrat und Mettmann bald darauf einem der Redacteure seinen Besuch abstattete, gab es einen kleinen Sturm. Jeder der Herren wehrte sich mehr oder weniger gegen die Zumutung, hier eine Bank anzu- greifen, dort eine andre zu loben, hier sich mit einem Theater, einem Gasthof, einer Eisenbahn, einer Buch- Handlung, ja selbst mit einem Wohlthätigkeitsnntcrnehmen freundlich oder feindlich zu beschäftigen, je nachdem das kleine Morgenblatt mit Inseraten bedacht wurde oder nicht. Fast jedesmal ging das Inserat als Sieger ans dem Kamps hervor. Der Grundsatz des Herrn Pinkns war: je schlechter der Ruf. desto mehr Inserate. Glücklicherweise stellte Herr Mett- mann den Satz gegenüber: je besser der Ruf, desto teurer die Inserate. Und so waren nur der lokale Teil und das Börsenblatt völlig den Geschäften des Herrn Pinkns unter- worfen, das Knnsturteil und die innere Politik konnten der wichtigen Lehre des Besitzers manches Zugeständnis ab- trotzen. Bode lachte zu viel über die Thorhcit der Welt und über die brutale Schlauheit Mettmanns, als daff das Entsetzen, das ihn hie und da packte, ihn zu einem raschen Entschlüsse, zu einer Niederleguug des kaum übernommenen Amtes hätte bringen können. Die einzelnen Redacteure, welche nut ihm so offen, bald lustig, bald ärgerlich, über die Schamlosigkeit des Verlegers sprachen, waren ein jeder für sein Gebiet moralisch verantwortlich, und an Bode selbst, den Leiter des politischen Teils, trat nichts Häffliches heran. Von der hohen Diplomatie verlangte selbst Herr Pinkns keine Inserate; sie durfte darum ganz unabhängig nach der lieber- zeugung des Chefredacteurs behandelt werden. Weltfragen inter- essiertcn die Jnseratenagentur nicht. Als Bode noch kaum acht Tage ini Anit war, brachte er einmal als Leitartikel den dringenden Ruf nach Schutzmaffregeln gegen die Cholera, welche im Süden Europas aufgetreten war. Da schlüpfte der kleine Pinkns zu ihm hinein, versuchte ihm die Hand zu drücken und rief: „Recht haben Sie gehabt! Wozu haben wir eine Regie» rnng, wenn ich an der Cholera sterben soll? Greifen Sie die Cholera mir scharf an; sie kann ja doch nicht bei nnS inserieren." Wenn Bode ain späten Abend sein Pult verschlosz und über' den schmutzigen engen Hof— das Blatt wurde in einem alten Hintergebäude der Maucrstraße her- gestellt— dem äußersten Westen der Stadt zuschritt, danir hatte er bald die Erinnerung an Mettmanns kleine und große„Fanfare" und damit alle Fragen seines unruhigen Gewissens abgeschüttelt. Dort in der Großgörschenstraße, wo die letzten Häuser Berlins vom Botanischen Garten zu den Kirchhöfen hinführten, wo neben den rasch in die Höhe ge- schosfenen und mitGenisten unigebenen Mietskasernen nocheinige einstöckige Häuschen wie vergessene Dorfidyllen sich hinter altem Buschwerk und modernden Zäunen verbargen, dort war er hingeslüchtet. In einer der letzten Baracken, in deren erstem Stockwerk der Besitzer, der Maler Disselhos, allerlei Knnstware fabrikmäßig herstellen ließ, dort hatte er Käthes Glück verborgen. Käthes Glück! Er selbst suchte und wußte kein Glück für sich auf der Welt, wie er sehr selbstbewußt von sich glaubte. Ein ivenig zu forschen, ein wenig zu lachen, die karge Mög- lichkeit bot das Leben von selbst. Und wenn er jetzt harte Dienste annahm, um das kindliche Geschöpf, die Käthe, die so mutterseelenallein in der Welt stand und in ihm wurzelte, wie die Blume in Scherben— wenn er sich ein bißchen als Sklave verkaufte, um seiner Blume für ein paar Tage Duft und Glanz zn erhalten, wen ging es was an? Für ein paar Tage! Die Kirchhöfe lagen so nahe, und das Häuschen war so baufällig; morgen schon wurden sie vielleicht auf die Straße gesetzt, ihr Häuschen wurde abgebrochen, der Jasmin und der Flieder wurde ans- gerodet, und vier Stock hoch tünn.ten sich die Qualen der Großstadt über das Mundvoll Glück seiner Käthe. Und schon morgen vielleicht wurde ihm sein neuer Beruf unerträglich, und er kehrte verdüstert zn seinen alten Römern zurück, über die er mit Käthe nicht sprechen konnte. Einmal hatte Käthe tagsüber seine Bücher abgestäubt und war dabei auch über die angefangene Arbeit geraten. „WaS ist das?" hatte sie gefragt. „Ein gelehrtes Werk, das Du nicht verstehen würdest." „Wer hat das abgeschrieben, Walter?" „Eine schöne und brave junge Dame, welche die wenigen Pfennige sammelte, um die Eitelkeit einer alten Frau zn unterhalten." „Könnte ich das nicht für Dich schreiben?" Und die Frage klang rührend und eifersüchtig zugleich. „Nein, mein weises Kind. Ich habe es aufgegeben, weil Dn lebendig bist und die alten Römer tot sind. Frage mich nicht mehr darnach." Aber den Sonntag darauf brachte er ihr aus der Stadt einen großen flaumigen Pfirsich mit und dazu einen Hals- schmuck von geschliffenen böhmischen Granaten. Wie sie jubelte und den Geliebten küßte! „Wo nimmst Du nur das viele Geld her?" „Ich stehle es täglich, damit ich Dir eine Freude machen kann." Wie sie lachte? Die Idylle in der Großgörfchcnstraße sollte keinen Zeugen haben. Niemand sollte Käthe die Augen öffnen darüber, daß zu ihrem Glücke vielleicht doch noch eins fehlte— das Glück des Mannes. Niemand Fremdes sollte mit der Hand nach der Niedern Decke eines der drei Räume fassen und ihren bröckelnden Mörtel mit den stilgemäßen Rosetten der neuen Häuser vergleichen. Niemand sollte die Laube betreten, die so dnstig, früher unter dem Flieder, jetzt im heißen Sonnner unter dem Jasmin, so duftig in Berlin nicht wieder zu finden war. Nur zn Richard hatte er mit hingeworfenen Worten wenigstens die vollzogene Ehe erwähnt und die abgelegene Wohnung, die sich für die Vollendung einer wissenschaftlichen Arbeit so vortrefflich eignete. Er halte einen freundschaft- lichen Verkehr mit ihm anzubahnen gesucht, und wenn er einen seiner Bekannten hätte in sein Hans fiihrcn wollen, so wäre es Richard gewesen. Aber der war imiuer noch in seinem Rausche besangen, als hätten ihn die begeisterten Zu- rufe der Gesellschaft im Wirtsgarten zum berufenen Künstler gemacht. Bode beobachtete den jungen Freund, so oft er ihn flüchtig sah. Richard hatte sich aufgeregt in die Arbeit gestürzt, den letzten Akt seiner Oper zn orchestrieren. Er sprach mit Bode nicht über sein Werk, aber dieser ersnhr von vielen Besuchern der Redaktion, von den Kameraden, von Mcttmann und Haffucr, daß die Arbeit rasche Fortschritte machte und daß der Komponist gerne einzelne Nummern der Oper am Klavier vorsang und vorspielte. Die Urteile, Ivelche Bode zn erfahren sich bemühte, gingen nicht so weit auseinander, als es oft scheinen wollte. Die Boshaften nannten Richard einen Dilettanten, seine Oper Kapellmeistermnsik eines Mannes, der nicht einmal für einen Kapellmeister genug nuisikalisches Wissen besäße. Die nähern Freunde des alten Mettmann schwuren darauf, die Oper müßte Glück machen, weil sie gar zn leicht war. Und die Einsichtigen nannten sie ein gefälliges, aber unbedeutendes Werk. Richards Denken mußte jedoch noch von einer andren Sorge eingenommen sein. Die künstlerische Thätigkeit, so anstrengend sie sein mochte, konnte ihm unmöglich die Schwer- mut aufgeprägt haben, die nun seit Wochen mit der gesteigerten Aufregung seiner frohen, künstlerischen Envartungen ab- wechselte. Bode, der in seinem ironischen Sinne die Leiden- schaft der Liebe kaum kannte, erriet dennoch, daß Johannas plötzliche Abreise mit der traurigen Stinnnnng Richards zusammenhing. Er hätte ihm gern Gelegenheit gegeben, sich auszusprechen. Einen besseren Vertrauten konnte ein Ver- liebter gar nicht finden, als den jungen und doch allezeit kaltblütigen und skeptischen Bode. lFortsetznng folgt.) Aebrrkrcrbuttgvtt in drv spräche. In keiner Sache ist der Mensch ein größerer Vcrschlvender, als in de» Worte» der täglichen IlmgangSspeachc. „?!a. Ivic geht's, wie steht's?" reden toir erfreut einen Freund auf der Straße a». „Ach. ganz scheußlich!" sagt er, so daß ivir erschreckt ihn von Kopf vis zu Fuß unisteru und voller Teilnahme fragen:„Ilms Himmels willen, was ist de»», was hast Du Wir sind auf das Schlimmste gefaßt. Er aber mitwortct:„Ach, ich werde de» Schnupfen gar nicht los!" Das klingt wie eine Fopperei und ist auch eine Fopperei. dach eine durchaus ernstgemeinte, eine ganz niiveabsichtigte. Ans diese Weise foppen wir nirs gegenseitig fortwährend. Was finden ivir nicht alles„furchlvar",„großartig",„kolossal",„schnnderhast",„wnndcr- voll",„miserabel",„entzückend",„niederträchtig" usiv.! Dergleichen Ausdrucke rollen»»s und auch den jungen Damen, seit sie bnrschilvs verfahren, in allen möglichen Levenslagen, bei den denkbar NN- passendsten Gelegenheiten von der Zunge. Ohne Steigerung ist nicht nnsznkonvnen, denn das Lebe» ist voll Abstufungen; Iver in seiner Rede nicht den Eindruck eines hilf, losen Gestammels»lachen will, muß die nnterschicdlichcn Begriffe auch imtcrichiedlich anSdriickeu. Weit aber, wie bemerkt, Wörter, die eigentlich Begriffe höchsten Grades bezeichne», derart im täglichen Gebrauch sind, daß sie nachgerade für solche angesehen werden, die Begriffe einfachen Grabes bezeichnen, hilft man sich, so gut cS gehl, mit andern Worten, es greift Willkür Platz. Oder ist es nicht Will- liir, die de» Geist der Sprache ivie einen cnthrontc» König bc« handelt, wenn Man, um Bcgrissssteigermigcn zn schaffen, einfach Fremdwörter nnd ausländische Wörter entsprechender Bedeutung heranzieht? Ein Beispiel. Niesig ist von Hanse ans nliberkciinbar ein bc- grifflich er Superlativ, indem man das über das gcivöhnlichc Maß weit HiiiauSrcichende damit bezeichnet, wie eben ein Riese die normale Gestalt dcS miSgewachseiim Menschen beträchtlich überragt. Man nennt deshalb den Maranon einen Nicscnstrvi». den Montblanc einen Ricsenbcrg. waS ja so viel bedeutet, ivie ein riesiger Strom, ein riesiger Berg. Heutzutage jedoch findet man so ziemlich alles„riesig", was einigermaßen ins Auge fällt oder irgendwie voll Gewicht ist. Für die meiste» jungen Damen ist ein netter junger Mann„ein riesig netter Mensch", mit dein man sich„riesig amüsiert"; freilig hat er bisiveilen„riesig viel Schulden", aber er hat auch„ein riesiges Glück", denn er macht eine»riesig gute Partie"»nd begründet einen„riesig feinen Hausstand". Infolge solcher breiten Bcttclsiippc», die man mit dem an sich gewiß starken Wort zn kochen liebt, muß dieses Wort unter Ilniständen als zn schwach einpsnnden werden. Superlativische Begriffe sind ja ihrer Natur»ach Seltenheit c», Ausnahme»; die Wörter, die sie bc- zeichnen, dürfen daher nicht zn den gewöhnlich und regelmäßig in den Mund gciiommeuen gehören. Was»lachen? . Nnu, man hat auch nicht umsonst seine Bildung. Flugs er'- innert ninn sicki des berühmten römischen Riesenbaues, dcS Kolosseums. mich eine dunkle Erinnerung an den Koloß zu Rhodus ist ans der Schulzeit glücklich geblieben— so überkrumpft man denn riesig mit kolossal. Freilich ist kolossal so„kolossal" schön, daß man es ivie riesig nicht oft genug gebranchen kann. Zum Glück liegt hinter dem fernen Rom das noch fernere Pharaonenland mit feinen lollafsalen Phwmiden. iinb so geht man dazu über, ein„pyramidal" zu setzen, ivcnii cS nämlich de» Gipfelpunkt der Gefühle aufzuzeigen gilt. Schließlich bleibt für besondere Fälle immer noch der Cbimbo- rasso. Ter Schreiber dieser Zeilen hörte einmal jeniand sagen: »Der Chimborasso meiner Wünsche ist, daß»nein Sohn nicht studiert!" Mit andern ebenso oft gehörten Redensarten liegt die Sache ganz ähnlich:„Wir haben uns krank(oder gar halbtot) gelacht!" erzählt einer.„Ich bekain meine Wäsche fürchterlich mißhandelt wieder", klagt ein Junggeselle.„Niederträchtige Bummelei", ruft ein dritter, wenn der Zug einige Minuten zu spät abfährt.— Eine junge Dame kommt aus einem Vortrag, in dem sie manches nicht verstand, und hat sich dann„entsetzlich gelangweilt." Andre lieber- treibungen, wie„kollossaler Reinfall", hört nian ebenso oft, wie „scheußliches Wetter" und„niederträchtige Gemeinheit". Ein Kauf- inann, dem eine Unternehnmng gelingt, hat„fürchterliches Glück". In Romanen ist es sehr beliebt, einen Schnellzug durch die Nacht«dahin- rasen" zu lassen, ivobei es sich dann gar schön liest, wenn in„toller Fahrt" Häuser und Bäume„vorüberfliegen". Wie wenigen Lesern aber kommen diese Uebcrtreibungen überhaupt noch zum Bewußtsein? Welcher Mißbrauch wird mit dein Worte„himmlisch" getrieben! Kommt ein junges Mädchen am Tage nach dem ersten Ball zu ihrer Freundin, so hat sie sich„himmlisch amüsiert", und dergleichen. Niemand wird verlangen, daß die Umgangssprache den Charakter der Schriftsprache annehme, daß sie so regelrecht wie diese verfahre, oder vielmehr wie diese eigentlich verfahren niüßte. Die Schrift- spräche ist das Ergebnis eines Prozesses, der sich im Gebiete der Reflexion abspielt; da wird erst gesiebt, geklärt, gekühlt, was in die Erscheinung treten soll. Die Unigangssprache dagegen ntinet die Wänne des bunten, reichen Lebens, das ist ihr unbestreitbares Recht; darniii wird sie innner starke Ausdrücke haben und an Uebcrtrcibungcn wird es ihr niemals fehlen. So lange ein gc- snndcr Sprachgeist iin Volke ivaltet, übt die Volkssprache cine ver- jungende Wirkung auf die Schriftsprache aus; sie bereichert, erfrischt und belebt jene. Wie ist es henke? Ohne Zweifel liefert die Sprache des Volks. wie sie in den Mundarten blüht, der Sprache des Poeten noch innucr wertvolles Material. Kein Dichter, der zu Ehren gelangt ist, in dessen Sprachschatz sich nicht seiner heiniatlichen Mundart entslanimeiide Sprnchpcrlcn nachweise» ließen. Doch die Sprache, dir auf � die breite Masse der Litteralnr zurückwirkt, auf Zeitung, Broschüre, Ronian, Drama, ist nicht die Sprache des Volks, nicht die Mundart, cS ist die Umgangssprache der Gebildeten. Ja, wenn diese in jenem Walde wohnlen, wo der schöpferische Sprachquell fort und fort fröhlich sprudelt! Allein sie wohnen in einer engen Stube. Harmlos wäre die Sache, wenn nicht das Unbclvußte und Un- beabsichtigte ins Spiel käme, wenn das Sprachlebc» nicht der-' selben Auftcckiingsgefahr»mterworfcu wäre, wie jedes andere Leben. Ein Beispiel möge daS erläutern. Der Ausdruck „tadellos" für alles, was einigermaßen schön, gut, nützlich, schinackbast usiv. ist, der wahrscheinlich von der Bierbank einer lliiiversiilit ausgegangen war und sich i»it Windesfchnclle über daS ganze Land verbreitet halte, war noch nicht ins Ausland zn den dort woh»c»den Denlschen gedrungen. Da brachte ihn eines TagS riiier mit, und so crftnnnt und belustigt über daS fortwährende „tadellos" zunächst jcdcnnann war, bald eigucts cS sich der ciue, bald der andre an, und zivar»»gewollt, einfach angesteckt von dem Blödsinn, und allmählich hallte die ganze Kolonie von„tadellos" wieder, so daß der Zusaunnenhang mit den» Mutterlande auch hier wieder einmal hergestellt war.— („Kölnische VolkSzeitung.") Mleittes �«rnilleZon. cß. Criitc Ballonfahrt im Gewitterstnrm machten, wie ans London berichtet wird, kürzlich drei Engländer, der Liiftschifler Spcnecr, der Admiral Sir Edninnd Frcuiantle und John M. Bacon. Sie stiegen von Neivbnry auf und landeten bei Savcrnake, nach einer außerordentlich stünnischeil Fahrt, die Bacon folgeiidcrniaßcii schildert: Bald nach niisrem Aufstieg gerieten wir mitten in ein schreckliches Hagelwetter, das nnsre Kragen mit Eiszapfen füllte und die Ausrüstung im Korbe bedeckte. Unsre Lage während der nächsten halben Stunde war unbeschreiblich. Wir waren AXX) Fuß hoch in der Lust und hatten etwas wie cine» dichten Londoner Nebel um uns herum. Unzählige Blitze schösse» fortwährend wie Schlangen durch diesen Nebel, jeder einzelne von einem lauten Donnerschlag begleitet; sie schienen alle von einer»mfichtbaren Batterie»ach uns gezieit. Jeden Augenblick glaubten wir, eine einzige noch besser gezielte Ladung würde unser» großen Ballon in der Mitte durchbohren n»d uns wie Kiesel aus einer Wurfinaschine zur Erde hinabschleudcrn. Lange sprachen wir kein Wort. Wir waren von dem, was sich um uns abspielte, wie betäubt. Unser Aercmant, Mr. Spencer, brach endlich daS Schweigen:„Wir sollten sehe», hier fortzukommen," sagte er. DaS war eine Bestätigung uusrcr uuauSgesprocheiicu Befürchtungen durch den Fachmann.„Könnte» wir nicht höher hinauf, um über diese Wolke zn gelangen?" fragte der Admiral Fremantle, der au der aufregende» Sccucrie Vergnügen zn finocu schien. Während er sprach, flog eS wie feurige Bänder um uns herum. Spencer war gegen jeden Versuch, höher hinauf vor« zubringen.„Wir können uns glücklich schätzen, wem, wir hiuab- kommeu, bevor wir über den Wald von Savemake gelangen", sagte er, das Ventil öffnend. Gerade unter uns war aber bereits der Wald vo» Savernake, der ungefähr 2 Meilen breit ist und sich zehn Meilen lang nach rechts und links erstreckt. Da entdeckte Spencer eine Lichtung vo» ungefähr IVO Iard im Umfang, in der es uns gelang, ohne Unfall zu landen.„Wie sind Sie nur jenen Blitzen eiitgangen?" war der erste Gruß, den wir von den Leuten erhielten. die herbeiströmten.„Als wir Sie sahen, schien eS gerade, als ob nichts Sie retten könnte, Sie waren wie von Blitzen eingerahmt". Auch Spencer, einer der erfahrensten Luftschiffer in England, erklärte, daß er niemals etwas Aehnliches erlebt habe. Er wäre schon häufig bei Gewitter» aufgestiegen und hätte Blitze rund um den Ballon spielen sehen, aber diesmal wäxe doch alles übertroffen,>va6 ihm bisher vorgekommen ist.— - Wirtshansgiiste«ud ihre Niiarte» werden in der„Frank- fnrter Zeitung" folgendermaßen geschildert: Der Speisesaal ist sehr elegant ausgestattet, die Tischwäsche und Service von blendender Reinheit und blitzblank. Die Kellner sind artig, der Restanrateur zu- vorkommend. Sehen wir uns ein wenig die Gäste an. Der be- leibte Herr säubert nnt minutiösester Peinlichkeit Messer. Gabel und Löffel, indem er mit der Serviette an ihnen herumreibt, als sei er zum Eßzeugpntzer geboren. Erst eine Generalinspektion durch die Gläser seines Zwickers beruhigt ihn, und nun sieht er erlvarttmgs- voll der Suppe entgegen. Schön ist dieses Eßzeugpntze» nicht, und zuträglich für die Serviette auch nicht, aber es niag»och hingehen. Und dort der alte elegante Herr nnt der großen Glatze beim Wand- spiegel, ein Stammgast unbedingt nach dein Benehmen des Wirts und der Kellner. Er hat bestellt' und eiitfaltet jetzt die schneeweiße Serbiette. Er atmet tief auf, es ist heiß, und die Schweißtropfen perlen auf seiner hohen Stirn. Und jetzt, jetzt reibt er sich die triefende Glatze ganz»»geniert und gemütlich mit der Serviette! Nun, man kann den Restanrateur um die Geduld beneiden, init der er das appetitliche Manvper des Herrn mitangejehen hat, allerdings nicht ohne ein ärgerliches Räuspern. So geduldig gegen die Un- arten seiner Gäste war jener andre Hotelier schon nicht, der, als ein Herr bei der Table d'hßte sich die Serviette um das feiste Kinn band, daß die Zipfel des Knotens hinter den Ohren abstanden, ruhig de», betreffenden Herrn sagte:„Ich bitte, Sie werden bei uns nicht barbiert!" Ja, eine Tablo d'höte ist überhaupt eine gute Schule der Selbstbeherrschung und der guten Lebensart. Bei einer Tab!« d'höte würde auch der junge Main, dort es kau», wage», mit der Gabel in der Serviette' hernmzustcchen. Ist das nicht ein Van- dalismus? Die Cigarette legt er. die brennende, nicht etwa ans die Aschcnschale, die in der Mitte des Tisches steht, sondern, wahrscheinlich ,»» sie beqneiner zur Hand zu haben, rechts neben sich ans den Rand des Tisches. Man kam, ordentlich berechnen, wann das giimmeiide Ende das Tischtuch erreichen»nd ei» Loch oder zn», mindesten einen braunen Fleck hiiicinbrennei, wird. Glaubt der Jüngliiig, wirklich das Recht zu haben, weil er 1 M. 50 Pf. für fein Diner ausgiebt, de», Wirt an der Tischwäsche um doppelt so viel z» schädigen? Und der Wirt, die Kellner sind wehrlos gegenüber diesen Unarten der Gäste, dem, wehe ihneir, wem, sie den Ungezogene» zurechtweisen. Jemand war einmal Zeuge einer Scene, ais ei» Wirt sich darüber aiifhielt, daß der Gast bei», Abschied den Zahnstocher- Behälter ausleerte,»in, wahrscheinlich seincii Hansrat zu vermehren. Dieser Wirt war sehr unvorsichtig gewesen, darüber eine Vemcrknng zn machen, das konnte er ans der Entrüsimig seiner Gäste entnehnien, die ans- »alnnslos für den Mann mit der Zah»ftocher-Klcptoma»ie Partei „ahmen!"— < Kunst. — D i e B i l d st ö ck e in U„ t e r f r a n k e n. In der Zeit- schrift„Die Denkmalpflege" schreibt Prof. Dr. O. Brenner:„Im katholischen Dentschland gicbt eS cine zahlreiche Gruppe von Denk- »uiler» der Bildhauerkunst, die sich der Aufmerksamkeit fast ganz entziehen, die der Schonnng und Erhaltung aber ebenso bedürftig als wert sind: die sogenannten Bildstöcke oder Marterln. Meist kennt der Reisende nur die oberbayrischen und Tiroler Marterln, Zeugnisse roher Malknnst und recht unsreiwilJgei, Humors. Ganz anders die Bildstöcke im katholischen Franke,,. Von Würzburg her ist die Bildhauerei in weiter Um- grbung angeregt worden,»nd bei einiger Aufmerksamkeit lan» man ans einer Wanderung in Würzbnrgs äußeren Straßen und von da in weitem Kreise durch ganz Unterfrankel, Hunderte von steinernen Säulen mit aufgesetzten Rcliefbikder» und zum Glück für den Forscher mit Inschriften und Jahreszahlen finden. Ich bin von Seite der Volkskunde diese» Denkmälern alten Kunstsinnes nähergetreten. Für mich war die erste Frage: Welche religiösen Gedanken sollen de», Volke— zumal den, Landvolke— durch die Bildstöcke nahe- gelegt werden? Und dam,: Welche künstlerischen Ansprüche hat das Volt i» älterer Zeit erhoben? Wenn man, umzeitliche Bildstöcke in allernächster Nähe der Stadt Würzburg mit den alten vergleicht, er- keimt man in letzterer Beziehung eine» hin,», ekwcitcn Unterschied. Die Umrahmung ist architektonisch meist sehr harmonisch z» de», Bilde gcstinmit. Für die Stilgcschichte, glaube ich, sind diese Denk- »ikler eine wertvolle Ergänzung der Kirchenbildwerkkunst. Es ist jedenfalls anziehend. zu verfolge», ivie einzelne Fornieii sich von den Mittelpunkten der Kunst im flachen Lande verbreiten und allenfalls»»»formen. Die Bildstöcke stehen frei draußen au der Lnndftrnbe, ill Garkiimaltern ciüIülnsseii, koch oben mif Weiiibergs- tiiniici-n, innucr Wind und Wetter tmsgesetztt Viele sind deshalb arg verivittert, zumal der Sockel, der denn auch oft erneuert ivordcu ist. Wo die Neuheit sich der Neliefbildcr annehmeu zu uiüssen glaubte, ist es in der bekauute» Weise geschehen. Das Glimpflichste ist noch, ivenu mir die alte Bcmalung nach Kräften erneuert>vurdc. Ein Teil der Bilder— oft auf allen vier Seiten des Stockes angebracht — ist nämlich ursprünglich bemalt gewesen; in einem engeren Bezirk faud ich zahlreiche Bildstöcke mit reichem GoldWag."— Ans dem Tierlebe». t. P i lz z ii ch t e u d e Anreisen. Die Holznnreise überzieht die Wände ihrer unterirdischen Räume mit Pflanzenteilchen, die sie vorher genügend zerkleinert hat und danir mit einer aus gewissen Drüsen fliebeuden klebrigen Flüssigkeit znsammenpappt. Ans dieser merkwürdigen Tapete lassen sich nun regelmäßige Pilze in braunen Fäden, deren Gestalt einer Perlcuschunr ähnlich sieht, nieder. Der Pilz ist sorgfältig untersucht ivorden und hat den Namen des„anieisenfreundlichen Wandvilzes" erhalten. Er bc- deckt die Knmmerwänoe des Ameisenbnues wie mit einem samtähnlichen Flaum, der ans langen hnarähnlichen Wucherungen besieht. Der Botaniker Lagcrheim hat neuerdings Kulturen dieses Pilzes gezüchtet und seine eigentümlichen Wachstnmsfornien unter- sucht. Es ist nun die Frage, was die Ameisen mit diesen Pilze» an- fangen, denn sie müssen doch irgend eine Liebhaberei für sie haben. Nächstliegend würde die Verinnttmg sei», daß sie sich von seinen Fäden nähren, aber wahrscheinlich ist dies nicht der Fall, da sich die Holzameisen so reichlich Nahrung an Pflanzcusamen und an kleinem Getier zusammenschleppen, daß sie den Pilz kaum in erheblichein Maße alS Speise in Anspruch nehmen durften. Lagerheim ist vielmehr zu der Aunahme gelangt, daß der Pilz den Ameisen für ihre Tapete aus Pflanzenstückchen gleichsam den Kleister liefern muß, indem die Drüsen der Ameisen nicht genug Klebestoff dazu hergeben. Die Pilzwucherungen sondern einen zähen Schleim ab, der jedenfalls bedeutend dazu beiträgt, die Pflanzenteilchen, auf denen er wächst, zusannncn zu kitten, und so die Wandungen der von den Ameisen bewohnte» Räume zu verfestigen. Außerdem dürste der eigenartige vom Pilz gebildete Flaum de» Ameisen das Entlanglaufen und Emporkriechen au den steilen Wänden erleichtern. Nebenbei möge» sie wohl auch etwas von den Pilzfäden naschen, da man sie gelegentlich an ihren Wänden hat nagen sehen. Der Pilz zieht seinerseits von der Freundschaft mit den Ameisen den Vorteil, einen gedeckten Tisch zu finden, da ihm die von den Tieren herbeigeschleppten Pflanzcnteilchen und der an ihnen sitzende Aineiseuspeichel zur Nahrung dient.— Aus dem Gebiete der Chemie. — Die Photographie in natürlichen Farben. In einem von der„Chcmiker-Zeitnng" veröffentlichten Artikel über „Neuerungen auf dem Gebiet der Photographie" von Hermann Schnauß wird über die Fortschritte der Farbenphotographie gc- schrieben:„Der gegenwärtige Stand der Farbenphotographie ist im großen und ganzen derselbe, wie er in unserem letzten Jahres- berichte geschildert wurde. Hinzugekommen sind seitdem zwei neue Verfahren, welche Beachtung verdienen. R. W. Wood veröffentlicht eine Methode, bei welcher die Farben des photographischen Bildes durch Lichtbcnguug erzeugt werden. Wie bei allen Dreifarben- verfahren sind zunächst drei nach Maßgabe der drei Grund- färben angefertigte Negative nötig, nach denen Diapositive hergestellt werden. Diese drei geometrisch kongruente», aber in Bezug auf die de» Grundfarben entsprechenden JutcnsitätSverhültuisse verschiedenen Diapositive werden der Reihe nach samt drei trans- parenten Bewegimgsgitter» von verschiedenem Abstand der Linien auf eine mit Bichroinat-Gelatine sensibilisierte Glasplätte kopiert, derart, daß die drei Teilbilder sich genau decken. Nach dem Entwickeln dieser Platte m warmem Wasser und dem Trocknen derselben erhält man ein transparentes Bild, welches, vor einer Sammellinse aufgestellt und durch eine schniale Licht- quelle beleuchtet, die natürlichen Farben zeigt, falls es vom richtigen Standpunkt ans betrachtet wird. Ein Vorteil dieser Methode ist es, daß sich die Chromogramme leicht vervielfältigen lassen. Die andre, von A. Hofmann herrührende Methode ist eine Vereinfachung des schon bekannten Dreifarbcn- Kopierverfnhreus mit verschiedenfarbigem Pigmentpapier. Die nach Maßgabe der drei Grundfarben erzeugten, drei Negative werden auf entsprechend farbiges Pigmentpapicr kopiert, worauf man die drei einfarbigen Einzelbilder übereinanderlegt und genau zur Deckung bringt. Infolge dieses llebereinauderlegens bilden sich Mischfarben, welche bei guter Ausführung den Naturfarben sehr nahe kommen. Das Verdienst A. Hofmanns besteht darin, daß er die zur An- fertigung der Einzelbilder erforderlichen Apparate und Gebrauchs- gegenstände den Interessenten bequem zugänglich gemacht und eine Methode angegeben hat. nach welcher das Uebereinandcrlcgcn der drei Einzelbilder, welches bisher Schwierigkeiten bot. in einfacher Weise gelingt."— Astronomisches. — Die Anzahl der täglich auf die Erde nieder- fallenden Meteore, die im Laufe der Zeiten ihr Gelvicht nicht unerheblich vermehrt haben müssen, ist mehrmals der Gegenstand von Schätzungen verschiedener Forscher gewesen. Man wußte, daß die Zahl sich zwar vor und nach Mitternacht ziemlich gleich bleibt, daß sie sich aber in der zweiten Hälfte des Jahres er- heblich vennehrt, weil wir dann verschiedenen Mcteorschwärmen begegnen, die komctcnartig den Raum durchtvandcrn. Die Mehrzahl aller dem bloßen Äuge sichtbar werdenden Sternschnuppen (etwa 70 Prozents erreicht höchstens die Helligkeit von Sternen vierter Größe und nur 3 Prozent sind heller als Sterne erster Größe. Der amerikanische Astronom H. A. Newton batte, nach dein„Prometheus", die Zahl der täglich niedergehenden Meteore, fotvcit sie dem un« bewaffneten Auge sichtbar werden, auf 10 bis 25 Millionen geschätzt. während die in eniem großen Teleskop erkennbare Zahl natürlich sehr viel ansehnlicher ausfallen muß. Nunmehr hat Dr. G. I. See durch längere Zeit fortgesetzte Beobachtungen an einem Teleskop von vierimdzwrnizig Zoll Objektiv-Durchniesser festgestellt, daß in dem Gesichtsfelde von nur ö Bogcnminuten in einer Nacht durchschnittlich 5 Meteore erscheinen. Daraus ließ sich schließen, daß, wenn der ganze Himmel mit solchen Fernröhren überwacht werden könnte, 1200 Millionen in 24 Stunden sichtbar sein würde». Nun verbrennen vielleicht die meisten vollständig in nnsrcr Atmosphäre zu Staub, der mit den unverbrannt hcrabkommenden Massen unser Ge- wicht alljährlich um ansehnliche Beträge vermehren wird. Man dachte sonst, daß solche ans der Sonne niedergehende Meteorschaucr die ausgegebene Sonncnwärme ersetzen könnten. Doch wird das jetzt nicht mehr für wahrscheinlich gehalten.— Hnnioristisches. — Chinesische Wirren. E r st e r Lieutenant: „Keine Lust mit nach China?" Zweiter Lieutenant:„Bcdanre, habe zu Hanse schon gefährlichen Kampf mit Zopf und Drachen."—(„Jugend.") — B a l s a m. Alte Frau(die ein Radier umgefahren hat): mich alte Frau so anzufahren, Sie— Sic--" Radler:„Trösten Sic sich; ich habe heute schon zwei über den Haufen geworfen, die waren noch viel älter als Sie."— — Raffiniert. Freundin:„Schließen Sie denn die Speisekammer nicht ab, wenn Sie spazieren gehen?" Hausfrau:„Ach nein i mein Dienstmädchen hat ja ein falsches Gebiß... das schließe ich ein!"— Notizen. — Unter dem Titel„ K lieg" hat Ernst Preczang soeben eine Dichtung erscheinen lassen, deren zorndurchglühlc Strophen sich gegen de» organisierten, osfizicllen Männermord wenden, seine Ver- leidiger brandmarken und ihrem kulturfeindlichen Treiben die. Be- strebungen der völkerbefreienden Socialdemokralic gegenüberstellen. Es ist Zug und Klang in den Versen. Das in Form eines Flug- blatts gedruckte Gedicht kann zum Preise von 10 Pf. durch die Buch h a n d l n n g„ B o r w ä r t s" bezogen werden.— — Der bisherige Dramaturg des Denlschen Landeslheatcr? in Prag. Herr Heinrich T e>v e l e S, ist als Chcfrcdacteur in die Redaktion des„Präger Tageblatts" eingetreten.— — Anfangs des achtzehnten Jahrhunderts erschien zu Boston die erste amerikanische Zeitung, die„News Lette r". Man sucht jetzt das genaue Dalum ihres ersten Erscheinens zu ermitteln, in» an diesem Tage den 200j ä h r i g e n Geburtstag der amerikanischen Journalistik feierlichst zu begehen.— —„Der AnSflng ins Sittliche". Komödie m vier Akten von Georg Engel, wurde für die vereinigten Theater in Hamb n r g und Altona angenommen.— — Die Dramatiker des Carl Weiß-TheaterS kommen an Fixigkeit nahezu den Jonrualisten gleich. Augenblicklich hat einer von ihnen die„Boxer von China" zu einem Stück verarbeitet. Die Dircktton hofft vermutlich, daß die„Boxer" auch an der Kasse ein lebhaftes Boxen hervorrufen.— — Ein Wettbewerb für den Renbau der Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel ist unter den in Deutschland ansässigen Architekten ausgeschrieben. Es sind vier Preise im Betrage von 3500, 2500, 1500 und 1000 M. ausgesetzt. Der Eiulieferungstcrnün ist der 15. Januar 1V01.— u. Das Licht der Sterne macht ans den Bcschaiier. im Gegensatz zum Sonnenlicht, einen durchaus kalten Eindruck. Auf gewöhnliche Quccksilberthcrmometer wirken die Sterne gar nicht. Es bedurfte der Anwendung der feinsten, erst in der nenestc» Zeit erfundenen Jnstnimente um festzustellen, daß Fixsterne, also Sonnen, die außerordentlich viel weiter von uns entfernt sind, als nnsre Sonne, auch noch zu uns Wärme senden. Einer der be- kamitcstcn Sterne ist die Wega, die von uns so weit entfernt ist, daß ihr Licht etwa 20 Jahre gebraucht, um zu uns zu gelangen; sie wirkt auf uns allerdings auch nicht stärker erwärmend, als eine Kerze, die in einer Entfernung von 20 Kilometern aufgestellt ist.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblatts erscheint am Sonntag, den 5. August.___ Verauttvortlicher Redacteur i Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.