Zlnterhaltmlgsblatt des Worwäris Nr. 151. Dienstaq. t>en 7. August 1300 lNachdruci verboten.» Die Äanfnev. Roman von Fritz Mauthner. Richard fühlte das Bedürfnis, den Redactcnr um seine Frermdschaft zu bitten. Er hatte früher mit Verehrung zu dem Studenten aufgesehen, der die lateinische und selbst die schwierige griechische Grammatik verstand, die Richard so mühsam lernte; der Altersunterschied war verwischt, aber er hatte immer noch das Gefühl, Dr. Bode müßte sich herab- lassen, um seine innige Neigung zu erwidern. Da ging man miteinander abseits vom Meiischengetriebe durch die Nacht und schenkte einander sein Bestes, man bewies seine Freund- schaft und ivolltc doch daS Wort nicht aussprechen. Das ver- damnitc nüchterne Jahrhundert! Bode ging unnierklich schneller. Käthe wartete schon lange und war um so früher glücklich, je früher er kam. Sie kreuzten die endloseil Seitenstraßen der Vorstadt und gelangten bis zu der stillen Allee der Bülowstraße, in welcher jetzt nur noch einzelne Paare auf den entfernten Bänken saßen. Richard konnte nicht länger schweigen und begann, nur um ein vertrautes Gespräch anzuknüpfen: „Hier haben»vir uns eigentlich zuerst gesprochen. Wissen Sie iloch, als»vir zusammen von Havenows kanien I Ich war tags drauf wieder dort, um Fräulein Johanna von meiner Oper und deren Aussichten zu sprechen. Ich habe niemand zu Hause getroffen, llnd als ich wieder nachfragte, hieß es — die Damen wären verreist." „Ich weiß." sagte Bode zerstreut. Er sehnte sich nach der Niedern Stube in der Großgörschenstraße, nach dem runden Tisch unter der Hängelampe und nach den triumphierenden Aligen, mit denen Käthe den Deckel von der Schüssel hob. Richard hielt beinahe erschreckt in»e. «Ich habe nicht erfahren können, wohin die Damen ge- fahren sind. Sic haben kcineli Menschen benachrichtigt." Richard sagte das so ängstlich. Es that ihm weh, daß Bode mehr über Johanna wllßte als er. Der aber fühlte sich durch Richards llnsicherheit fast in seiile frühere Rolle zurückversetzt, da er dein Knaben als Lehrer gegenüberstand: und nicht ohne Härte sagte er: „Die Danleu waren bis jetzt auf einem Gute des Grafen Tricnitz, sie hatten den Onkel Major zu pflegen, den Sie ans sciilem Hanse Vertrieben haben. Bitte, ich kann eS mir denken, daß alles ganz gesetzlich zuging. Aber ich möchte Ihnen doch raten, sich einige Zeit in der Alvenslebeustraße nicht blicken zu lassen. Mau kolnmt in diesen Tagen zurück, ist aber nicht gut ans Sie zu sprechen." Richard blieb erschrocken stehen. So hatte er den Hans- kanf seines Vaters nicht angesehen. Zögernd fragte er: „Sind denn die Verhältnisse der Damen nicht geordnet?" „Oh, äußerst geordnet l" rief Bode säst heftig.„Fräulein Johanna muß zlvar ein wenig mithelfen. Aber es ist ein lustiger Berns! Sic hat jetzt Beschäftigung bei einem Maler, bei Dissclhof. Sie würden mit dem Reichtum Ihres Vaters gar reinen Eindruck machen!" Bode wollte weiter gehen; Richard aber rührte sich nicht von der Stelle. „Wird Ihnen der Weg zu weit?" fragte Bode lächelnd. „Wenn Käthe und ich Freunde hätten, es würde ihnen nicht leicht fallen, uns zu besuchen." „Ich bin wirklich müde geworden. Gute Nacht, Herr Doktor!" „So plötzlich! Nun, wie sie wollen. Gute Nacht!" Und sie trennten sich rasch. Während Richard langsani zur Stadt zurückging, schritt Bode hastig den letzten Hänsern Berlins zu. „Der Narr!" dachte er bei sich.„Er gefällt mir gut, und ich wäre im stände, manche Thorheit für ihn zu thun. Aber den Kuppler spiele ich nicht. Werde Du nur mit Dir selber fertig." Bode wurde plötzlich ärgerlich ans sich selbst und auf Richard, während er mit noch jrascheren Schritten nach Hause eilte. Ihm fiel das Geschwätz der Redaktion ein, daß der junge Mettmanu die schöne Leontine heiraten werde, welche nun endlich Witwe geworden war. Der Bericht der heutigen Morgenausgabe über das Begräbnis des Kommerzien- rats ivar allerdings ein wenig lang und schmeichelhaft aus« gefallen. Er war nachdenklich bis vor sein Häuschen gelangt, als er plötzlich erschreckt zurückfuhr. Aber schon ertönte hinter dem Busch das Lachen seiner Käthe. Natürlich hatte sie den Jasminzweig geschlendert, der ihni so empfindlich die Wange getroffen hatte. Noch über den Zaun hinweg gab sie ihm den ersten Kuß. „Nein," sagte er, während er ihr Haar streichelte,„für „Blindekuh" ist es zu spät geworden. Wir wollen lieber „Tischlein deck dich" spielen. Was hast Du mir heute für eine Ucberraschung gekocht, Frau Käthe?" IV. An einem der ersten Tage des August war Herr Kommerzienrat Pitersen plötzlich gestorben. Noch gegen Abend hatte man den gelähmten Mann auf den Balkon seines Hauses gefahren, und hier hatte er zu Leontine die letzten, nur für sie verständlichen Worte gesprochen: „Der junge Mann nebenan im Garten, was hast Du mit ihm?" Und bald nach Mitternacht hatte ein Diener sie mit der Meldung wecken lassen: „Unser gnädiger Herr sind gestorben." Heute lag alles Bängliche und Häßliche hinter ihr. Eben war sie vom Matthäi Kirchhofe heimgekommen; draußen tobte noch das Unwetter, deffen erster Donnerschlag die Rede des Predigers abgekürzt hatte. Leontine hatte ein Bad ge- uommen, um nachher nicht mehr eine Linnenfaser der Ge- wänder an sich zu haben, in denen sie vom Sarge hatte Abschied nehmen müssen. Sie saß in einem weiche» Lehnstuhl ihres Gartenzimmers und blickte mit kalten, zufriedenen Augen auf den nächsten Baum des Parks, eine hohe, rund- gekrönte Linde, deren Blätter sich unter den Peitschenhieben des strömenden Regens senkten und wieder hoben. Was wußten diese gesunden, dunkelsaftigen Blätter von dem Ehr« begriff, welchen die Menschen sich selber zur Qual ans die Schultern banden? Rücksichtslos seine Nahrung nehmen, woher auch immer, so lange wir jung sind, und den peitschenden Regen abschütteln und uns noch strammer in die Höhe richten, das heißt noch leben, wie die Pflanze es uns lehrt, die echte Natur. Und als wollte Leontine ihre Jugend prüfen, so schnellte sie empor, und vor dem Spiegel wiegte sie sich in den Hüften und reckte die vollen und doch feinen Schultern und sachte aus ihren großen dunklen Augen. Dann kehrte sie ihrem Spiegelbildc den Rücken und murmelte:„Kindereien!" Sie öffnete ihren Schreibtisch, dem man es ansah, daß er nicht bloß zur Zierde des Zimmers diente. und entnahm dem Mittelfach ein großes versiegeltes Schreiben. Es war das Kodizill zu dem Testament ihres ver- storbcnen Gatten. In seinem letzten Willen, den er vor Jahr und Tag bei Gericht niedergelegt hatte. Ivar sie zur alleinigen Erbin eingesetzt worden. Dann war er mitunter mürrisch und mit ihr unzufrieden gewesen, und in seiner Hilflosigkeit konnte er sich für ihre Ungeduld nicht anders rächen, als indem er nach jedem Aerger entfernten Ver- wandten oder wohlthätigen Stiftungen stattliche Legate aus« setzte. Die Summe war gewaltig angewachsen, und hier in dem versiegelten Schreiben wurde sie ihr entzogen. Leontine hatte die Urkunde noch in der Sterbcnacht, während sie ans ihren Wunsch mit dem Toten allein blieb, an sich gebracht. Jetzt wollte sie diesen stummen Dieb ihres Vermögens vernichten. Das verstand sich von selbst. Im Kamin brannte kein Feuer, und es am Licht zu ver- brennen, wäre unvorsichtig gewesen. Pah.� der Sturm und Regen draußen mußte ihr behilflich sein. Sie rijj_ den Umschlug auseinander und begann sofort den großen, eng- beschriebenen Bogen in kleine Papierschnitzel zu zerpflücken, die sie durch das geöffnete Fenster einzeln dein wirbelnden Winde preisgab. Sie wollte die Bestimmungen des Toten nicht einmal lesen. Wozu auch? Am Ende hätte sie noch Reue empfinden können, und das fiel ihr gar nicht ein. Das Vcruichtnngswcrk dauerte ihr zu lange, �oeit einer Viertelstunde gab sie dem Winde Papierflockcn zu spielen, und noch war das Kodizill nicht zur Hälfte vernichtet. Hörten denn die Legate. immer noch nicht auf? Unwillkürlich warf sie einen Blick auf die nächste Zeile, und ihre vollen weichen Wangen wurden um einen Schatten blasser. Da stand mit Piterfens zitternder Hand geschrieben: „Dem armen Musikanten Gruber, dem ersten Gatten meiner Frau Leontine. vermache ich eine lebenslängliche Ztente von zweitausend Mark. Seinem Knaben, wenn derselbe noch lebt—" Leontine schauerte zusammen und hatte Lust, das Fenster zu schlichen. Wie aus einer Versenkung stieg die Vergangen- heit vor ihr aus. Wie eine kahle Wirtstafel hatte sie ihren Mann und ihr Kind verlassen, um als reiche Frau Pitersen in einem glänzenden Hause zu leben. Und das Abenteuer war nicht ohne Unglücksfälle abgelaufen. Sie hatte einen Ge- liebten gehabt, und der verbrachte jetzt sein Leben dort hinter der grauen Häuscrmasse in der Heilanstalt auf dem Schöne- berger Hügel. Ihren ersten Mann hatte ein stilles, reines Wesen geliebt� das hatte sich im ersten Entsetzen den Tod ge- geben, als die Schreckgestalt Leontinens ihr zum erstenmal in vollem Tageslichte begegnete. Und nun war auch Piter-sen tot, und er war der Vater deS stillen, reinen Wesens. Drüben, nur durch den öden Hof von ihr getrennt lag die Stnbe, aus der man den Sarg der Tochter getragen hatte— wenn die Blätter fielen, wurden es drei Jahre— ans derselben Stube hatte man heute den Sarg des Vaters langsam hinaus- gebracht. Damals war nur Leontine thränenlos geblieben, heute hatte niemand geweint. So boshaft also konnte Pitersen sein, dast er sie zwang. ihrem verlassenen Gatten eine Rente auszuzahlen. Und ihrem Kinde?, Sie zögerte ein Weilchen; dann legte sie das-Blatt zweimal, viermal, achtmal übereinander und mit einem scharfen Rist. löste sie acht kleine Pahiersetzen lo?. die der Wind im Nu über die hohe Linde hinwegsührte. Und ruhig fuhr �sie in dem Werke fort lind atmete erst ans, als der letzte /Rest des Blattes wie ein verlorcikkr Schmetterling im Hofe umherwirbclte und endlich müde in einer Wasserlache Unterging. Nun lehiite sie sich in ihren Stuhl zurück und baute wieder einmal in Gedanken an der Zukunft ihreS Lebens. Sie schloß die Augen und lächelte wie in glücklichen Träumen. Noch niemals hatte sie sich so frei und reich und schön gefühlt wie heute, noch niemals so die Herrin ihres kommenden Schicksals. Ter Regen hatte längst änfgchört. die Abendsonne glitzerte rötlich in den fallenden Trochcn der Lindenblätter und Leontine fast noch immer einsam in ihrem Lehnstuhl, während ihre Vorstellungen von Sieg zu Sieg flogen und vor ihrer Schönheit und ihrem Reichtum die Flügelthürcn aller Luftschlösser aufsprangen. Vor ihr und vor ihm. dem Jüngling, den sie endlich gefunden hatte»ud der durch sie. für sie einerlei, der mit.ihr hohen Zielen zustreben durfte. den sie im Parlament aufregende Reden halten hörte, während sie beneidet ans der Tribüne stist, der mit ihr in einen Miuistcrpalast einzog und den es freute, wenn Berlin sich vorder schönen Frau Ministerin neigte, oder der als berühmter Komponist in allen Residenzen Europas wie ein König ge- feiert wurde. Leontine blätterte unter den Karten und Briefen, die angekommen waren. In Gedanken ordnete sie die Leute. Mit diesen wollte sie sofort brechen, mit andern langsam den Verkehr aufgeben. Die Gesellschaft des Kommerzienrats Pitersen sollte nicht auch die ihre bleiben. Sie wollte höher hinaus. Und den Vorzug unter den neuen, vornehmen Freunden sollten diejenigen erhalten, welche ihn, den Jüngling, fördern konnten. Auch Graf Trienitz hatte seine Karte geschickt. Leontine wußte, dast der kranke Graf ans jeden eifersüchtig war. der seine Plauderstnnde in ihrem Boudoir auch nür um die Stelle eines Stuhles störte. Aber er sollte dennoch gezlvungen lverden, ihr und ihrem Erwählten zu dienen. Leontine bedauerte nur. dast ihr Sviel mit diesen Menschen nicht sofort beginnen konnte. Und doch— Ihr Mädchen schlich so leise herein, wie es sich für ein Trauerhans schickte. Herr Verleger Mettmann sei da und frage nach dein Bc- finden der gnädigen Frau. Leontinens Augen leuchteten auf. Der Besuch schmeichelte ihrem Aberglauben! jedenfalls lvar er ein gutes Vorzeichen für ihre Träumereien „Saget! Sie Herrn Mettmann, ich sei gefaßt. Er solle doch so freundlich sein, bald wieder vorzusprechen.— Nein, führen Sie ihn ins Balkonzimmer, ich will ihn empfangen." Langsam ordnete Leontiile vor dem Spiegel ihren Trauer- anzng. Sie setzte ein einfaches schwarzes Häubchen auf und legte ein schwarzes Kaschmirtuch um ihre Schultern; dann noch etlvas Puder mis ihre Wangen. An der Thür kehrte sie um»>ld nahm mit verächtlichem Achselzucken ein Taschentuch, das sie rasch zerknitterte, in die Hand. So schritt sie gemessen mit gesenktem Kopfe bis in den reichen hellen Raum, wo der alte Mettmann sie stehend erwartete. „Meine arme Freundin." rief er und faßte ihre beiden Hände,„wir habeil alle Ihre Haltung am Grabe bewundert. Ich habe gar nicht zu glauben gewagt, daß Sie mich empfangen werden." „Man niilß versuchen, die schwersten Stunden so schnell wie möglich durchzumachen," sagte sie feierlich. Mettmann nickte beistiuimend. Sie fuhr fort: „Meinem guten Maim war die Erlösung von seinen lang- jährigen Qualen wohl zu gönnen." Sie hob die Hand mit dein Taschentuch ein wenig nach den Augen, ließ sie aber ans halbem Wege ivieder sinken. „Sein Tod zwingt mich, ganz gegen meine Neigung, mich un! allerlei geschäftliche Dinge zu bekümmern. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich mit Ihrer männlichen Ersahrnng unterstützen wollten. Eine allein- stehende Witwe—" Wieder zuckte die Hand mit dem Taschentuch.(Fortsetzung solgt.) Iüdiflsze Kolonien in Der ,, K ö I n i s ch c ii Zeitung" wird geschrieben: Als Ende der siebziger Jahre die Verfolgung der Inden in Nntzland einen.immer größeren Umfang annahm, wurden zahllusa Israeliten zur Slnswandernng aus Rußland getrieben. Die Mehr- zahl wandte sich»ach Amerila, nur ein kleinerer Teil siedelte sich in Palästina an. und ihnen schloß sich cmc Anzahl Inden, die ans gleichen Gründen ans Rninänien anslvanderteii. an. Die ersten Jahre ihres AnfenthallS in Palästina warm keine glücklichen. Sic lvehrten sich zwar tapfer ans ihren von den einheimischen Bauern verlassenen niid von ihnen käuflich erkvorbencil Bcsitzuiigcii zu MulebbcS»lud Uchudieh bei Jaffa und zu Saniarin und Jaune in Galiläa gegen die Augriffe der einheiuiischelr Bauern und Beduinen; aber sie verstanden nichts vom Ackerbau l ihr Betriebskapital reichte nicht ans, niid die rnsfisch-jüdischcn Stildenteli, die sie anfänglich ans Be- gcisternng für dir Sache begleiteten und bei ihnen Tagelvhnerdienste verrichteten, erkalteten bald in ihrem Eifer und wurden schließlich 1884 lelbsländig in Chadra in der Schsela zur Gründung ciuec Weinbau-Kolonie angesiedelt. Angesichts der wachsenden Nottage brachten zunächst einige reiche Glanbeiisgeiiossen ihnen beträchtliche Gcldopfcr, bis dann schließlich Baron Edmund v. Rothschild in Paris Interesse an dem Koloiiisationswerke gewann und dafür große Geldbeträge zur Verfügung stellte. Man spricht davon, daß er im Laufe der letzten etwa 17 Fahre nach und nach eine Suinmc von zwischrn 35— 45 Millionen Franken für dieses Werk flüssig gemacht hat. Aber trotz der Anfivtilduiig dieser großen Summen kann noch heute nicht gesagt werden, daß die unterstützlcu jüdischen Kolonien ans eigenen Füßen stehe»; vielmehr ist die Mehrzahl von ihnen noch heilte i» hohem Grade ziischußbebürftig. Die beste Kolonie ist ivohl die 1882 gegründete Rischon le Zion, die sich durch einen guten Weinbau hcrvorthnt. Die Kolonie, lvclche etwa 520 Seelen zählt, verfügt über sehr schöne Bauten lBerlvaltiiilgsgebäuVe. Schule, Synagoge) und ansgedehnte Kellereien! die dort gekelterten Weine geiueßen unter den strenggläubigen Inden und den Zivilisten besonderen Zuspruch. Ein großer Teil der Weine gebt von Rischon le Zion zmiächst nach einem in Hamburg errichteten Transit-Kcller. in dessen kulilerer Temperatur sich die Qualität des WeinS ivescntlich verbessern soll. Im vorigen Jahre sollen ans der Kolonie 22 000 Hektoliter Wein ausgeführt ivorden seil«. Für den Verlauf des Weins haben sich besondere Gesellschaften gebildet. Andre jüdische Kolonicu in der Nähe von Jaffa sind Petnch Tikivah(MnlebbeS) mit 776 Seelen, und Maskeret Balja mit 150 Seeleu. das alte Etron der Philister. In der letzteren Llolome mußte der anfäuglich befriedigende Ackerbau ein- geschränkt lverden, als die Kolonisten sich mit Rücksicht ans das siebente Rnhejahr weigerten, die Felder z» bestellen, obwohl hervorragende Ravbnier ihnen die Erlaubnis gewährten. Dafür wurden um so mehr Baumpslanzungen nnd Oränge-Gärten, solvie in MnlebbeS zur Verbessernug der GestmdheitSverhältirisse iveitlänsige Eukalyptus- Anlagen gemacht.- Die Kolonie Sichron Jakob bei Tantnra mit 1080 Seelen hatte zunächst guten Erfolg mit Weinbau, verfügte auch über große Kellereien; aber neuerding-Z hat die Reblaus die französischen Reben zerstört, und jetzt müssen amerikanische Reben neu angepflanzt werden. Die Kolonie Rosch Pinah bei Sasel) in Galiläa mit 3l5 Seelen hat sich vorzugsweise auf Maulbec» pflaiizuiigoi mit Seidenziichtcrei und auf Nosiiienbereitung(aus MnltMtraubeu) c�eivorfen, während die beimchbnrte Kolonie-Jesiood Hcnnaolah nnt 128 Einwohnern vorwiegend BlninenknltnreN(be- sonders Germiunn)'lind eine Fabrik von Parsinucrie- Essenzen be- treibt. Schließlich sei noch die an der Nordgrenze Pallistinas, eine Stunde von Jedeida, 18Ö6 errichtete Kolonie Metnllah mit 302 Seelen crivähilt, in der es bisher gelungen ist. guten Tnbak zu ziehen. Bei andern ungefähr gleichzeitig von Rothschild erworbenen Dörfern(Diolan und Bctinta) hat die türkische Nc- gierung die Ansiedlnng jüdischer Kolonisten noch nicht gestaltet. Die erworbenen Besitzungen sind daher einjtivcilen an einheiniische Baüern verpachtet. Unabhängig von diesen Kolonien haben sich andere Kolonien entwickelt, welche von der Gesellschaft der Freunde Zions(LKovevs Ziou) gegründet sind. Sie ist vor noch nicht ganz zwanzig Jahren im Anschluß an die russischen Judenvertreibungen errichtet worden, um jüdischen Ackerbau und jüdischen Gelverbefleiß in Palästina zu fördern. Ihr Hauptsitz ist Odessa, und im Jahre 1890 ist es ihr gc- lnngen, die Genehmigung der russischen Behörden für ihre Thätigkeit zu erlangen. Inzwischen haben sich zu demselben! Zweck ähnliche Vereinigungen in Deutschland, Ocstreich, England und Nordamerika gebildet" die jetzt eine gemeinsame Spitze in einem von Herrn Narcisse Leven geleiteten Ccntralkoinitee in Paris haben. Diese „praktischen Zivilisten" haben aber nichts mit den politischen Zionistcn(den Anhängern des Dr. Herzel) zu thun. Zu den von dieser Gesellschaft gegründeten jüdischen Kolonien zählen Chadrn. unweit Ekron, mit 130 Seelen und starkem Weinbau, und Kastinjch bei Askalon mit 118 Seelen und trefflich entwickelte»! Feldbau (Getreide und Sesam), sowie kleinere Kolonien zu Esra, Machnain, Buch, Jchuda und Mozah, welch letztere Kolonie von dein Verein zur Niiterslützuug jüdischer Ackerbauer in Palästina und Syrien zu Köln einen Jahreszuschuß erhält. Schließlich seien noch die- jcnigcn Kolonien envähnt, die von besonderen Genossenschaften in'Bulgarien und' in Warschan gegründet sind, oder von der Jclvish Cokonisation Association in London erhebliche Zllschüsse erhalten. Dazu gehören Artus in Judaa(58 Seelen), Rechoboth bei Ekron(283 Seelen), Wadi Hanin(117 Seelen), Mischmar Hajarden am Jordan(72 Seelen), Sedjara, erst 1899 gegründet, um tüchtige jüdische Tagelöhner der andern Kolonien und Zöglinge der jüdischen Ackerbauschufe in Jaffa dort anzusiedeln,-endlich Chcdcira bei Cäsarca t3/» Kilogramm, Bleie, Schleie, Quappen und Stichtinge. Karpscnbrut war nicht aufgekommen, In de»! so- genannten Loch, wo höhere Wasserpflanzen geduldet werden, wurden hauptsächlich Schleie gefangen, die sich hier augenscheinlich gut ver- mehren, daneben Karauschen, kleine Hechte und Barsche." Äußer diesen Fischen kommen noch verschiedene Weißfische vor, die hier laichen. Von den ausgesetzten Higois und Regenbogenforellen wurde nichts bemerkt. In den Gräben finden sich wegen des Mangels an Licht und Sonnenschein weniger Fische. Die ausgesetzten Aale waren wohl alle ausgewandert. Besonders ertragreich ivnr der Neue See; hier wurden an einer Stelle auf einen Zug 65 Karpfen, an einer andren Stelle 50 Kilogramm Plötzen gefangen.— Ter Tabaköban in Niifilalid. Die„Chemikerzeitung" be- richtet nach der Landwirtschafllichcn Beilage der„St. Petersburger Zeitung": Angebaut werden in Rußland zwei Arten Tabak: klicotiana Tabacurn und Nicotiaua ru&tica, welche aber wieder in verschiedenen Abarten auftreten. Erstere Sorte giebt die feineren Tabakssorten, welche hauptsächlich zu Cigarettentabak verarbeitet werden. Brauchbaren Cigarrentpbak giebt. es in Rußland überhaupt wenig,.obgleich es nicht ausgeschlossen erscheint, ihn erzielen zn können. Angebaut wird die Nicotiana Tabacurn in Bessarabien, Cherson nnd iin Kaukasus, aber auch ausnahmsweise im Gouvernement Tschernigolv und Ssamara m» Lauf der Wolga. Die besten Sorten„Trapczunt, American" zc. stammen aus dem süd- östlichen Teil der Krim. Auch der„Djubct" und andre feine nnd wohlriechende Sorten werden gewonnen, erreichen aber an Qualität die kleinasiatischen und maccdonischen Fabrikate gleichen Namens nicht. Die gemeine Mcotiaua rustica wird in Tschernigolv, Poltaiva und von den deutschen Kolonisten Südrnßlands angebaut. Sie giebt fast nur niedere Sorten(Pfeifentabake). Be- sonders verbreitet ist die„Muchorka", von der es auch recht gute Sorten giebt.—? Der Tabaksanbau ist je nach der Sorte und den klimatischen Verhältnissen verschieden. Meist wird dazu der beste Boden ausgeivählt nnd die Kultur einige Jahre ohne Unterbrechung betrieben: entweder wird der Tabak gesät, oder cS werden Setzlinge, die bereits 3—4 Blätter haben, gepflanzt. Diese werden gewöhnlich im Treibbeet aufgezogen. Die Pflanzen feinerer Sorten läßt man so lange wachsen, bis 12— 16 Stamm- blätter erreicht sind. Die Blüten werden vor der Reife der Blätter gepflückt. Der„Muchorka" werden nur 4—7 Blätter gelassen und die Spitzen und die Blütenknospcn nach vollster Entwicklung der Blatter abgerissen. Die Stärke der TabakSgattnng hängt von der Zahl der zurückgebliebenen Blätter ab. Bei anderen Sorten werden meist alle Blätter auf einmal geerntet. Eine allgemeine Art der Verarbeitung feiner gelber Tabakssorten giebt es kaum, sie hangt mehr von den äußeren Umständen ab, doch läßt sich sagen, daß gewöhn- lich die gesammelten Blätter in einem verdeckten Raum aufgestapelt werden, bis sie welk geworden sind; dann werden sie. auf Schnüren gereiht, draußen getrocknet nnd im Herbst wieder in eine gedeckte Scheune zurückgebracht; sie haben alsdann eine gewisse Feuchtigkeit und werden in Packs zu 8 bis 30 Blätter zusammen gebunden. Je einfacher die Sorte, um so mehr Blätter kommen ans einen Pack. Die feinsten Sorten werden in kleinen Päckchen in Leinwandbezug aufbewahrt. Große Packs, bis zn Meter Höhe, werden alsdann zwei Wochen lang oder sogar den ganzen Winter hindurch gepreßt. Im März oder April wird der Tnbak einem Gährnngsprozcß unterworfen und geht dann wieder umgepackt in die Fabriken. Die Be- reitung des schwarzen Cignrrentabaks unterscheidet sich dadurch, daß er nicht dem Sonnenlichte ausgesetzt wird, sondern in geschlossenem Raimie banscnwcisc zn 100 bis 300 Pnd einem GährnngSprozeß unterworfen wird.— Erziehung und Unterricht. — Zn der Frage, ivie wir z w e i st e l l i g c I a h l e n anS- sp r e ch e n s o l l e n, äußert sich der Direktor der Berliner Sternwarte Prof. Dr. Förster in der„Zeitschr. f. math. n. iiatijrwiss. Unterricht". Beim Schreiben setzen wir sinngemäß die Zehner vor die Einer, beim Spreche» dagegen stellen wir die Einer voran und lassen die Zehner folgen. Wir schreiben z.B. 46, aber wir lesen nicht „vierzig sechs", sondern„sechs und vierzig". Förster bezeichnet das als einen groben Nebelstand. Es sei zlveisello-Z, daß gerade bei schnell rechnenden Personen durch diesen Wiederspruch zwischen Schreibe» und Sprechen viele Rechenfehler verursacht werden. Erfahrungen und Nachweisungen seien dafür in Fülle vorhanden. Man könne geradezu behaupten, daß Deutschland bei seiner wissenschaftlichen imd technischen Rechenarbeit in dein Wettbewerb mit andern Völkern, deren Sprachen diesen Mangel nicht habe», im Nachteil sei. Förster hält es für wünschenswert, daß man in der Schule endlich anfange, zweckmäßiges und sinngemäßes Zählen zu lehren.. Er schlägt vor, vom �ahre 1901 ab die Abe-Schiitzen statt„sechs und vierzig" sage» zu lassen„vierzig sechs", wie wir ja auch sagen„hnndert zwei" oder „hundert und drei". Folgerichtigerweise soll dann auch statt„drei- zehn",„vierzehn" usw. gesagt werden„zehn drei",„zehn vier" usw. Nur„elf" und„zwölf" will Förster beibehalten wissen.— Aus der Borzeit. ll. lieber eine wichtige Entdeckung berichtet D. Nuesch in dem soeben erschienenen„Anzeiger für schweizerische Altertumskunde". Vor einigen Jahren wurde bei den Ausgrabungen der prähistorischen Niederlassung am Schweizerbild ein Begräbnisplatz mit viele» Gräbern ans der neolithische» Zeit entdeckt. ES befanden sich darin Skelettreste von 27 Menschen der neolithische» Steinzeit, die zu einer älteren Nasse, als die bisher bekannten Pfahlbauern gehörte». Die Skelettreste gehörten 1t erwachsenen Mensche» und 13' hindern unter 10 Jahren an. Unter den Erwachsenen ivaren 5 Skelette von ungewöhnlicher Kleinheit. Der Anthropologe Professor Dr. Koll- mann in Basel stellte nun fest, daß diese kleinen Skelettreste nicht von Kindern, wie man ursprünglich annahm, herrühren konnten, sonder» von erwachsenen, vollständig ausgebildeten, kleinen Menschen, von Pygmäen. Zum erstenmal ivaren hier also Pygmäen aus der neolithischen Epoche der Steinzeit aufgefunden worden. Der Fund erregte Aufsehen, aber, da er vereinzelt dastand, konnten immer noch Zweifel an der Existenz einer besonderen kleinen Rasse in dieser grauen Vorzeit aufkommen. Dr. Nnesch hat mm neuerdings eine Entdeckung gemacht, die diese Annahme bestätigt. Er fand im Museum von'Schaffhansen in einer Schublade Skelettreste. die vor 26 Jahren von Dr. v. Mandach in der Grabhöhle zum Dachsenbüel, die sich zwischen den beiden prähistorische» Stationen der Schweiz, dem Keßlerloch bei Thayuge» und dem Schweizerbild befindet, ausgegraben worden, aber bisher unbeachtet geblieben waren. Die beiden menschlichen Skelette wnrden in beinahe völlig ausgestreckter Lage in einer gemauerten Steinkiste gefunden, deren inneres Maß 1,5 Meter Länge auf 0,4 Meter Breite betrug. Die vorhandenen Knochen, besonders die Röhrenknochen sind ziemlich gut erhalten und zeigten nach der Untersuchung des Dr. Nnesch auffallende Uebereinstimimmg im Bau und in der Länge mit denen des Schweizerbildes. Eins der Pygmäenskelette vom Schweizerbild gehörte einem Menschen von 1500 Millimeter Höhe an, der Oberschenkelknochen hat eine Länge von 393 Millimeter. Ihm entspricht das eine Skelett der Steinkiste vom Dachsenbüel, dessen Oberschenkelknochen eine Länge von 335 Millimeter hat, was auch auf eine geringe Körperhöhe hinweist. Auch hier handelte eS sich nicht um verkümmerte Individuen der großen Menschenrassen, sondern um ausgewachsene Menschen einer kleinen Nasse. Aus diesen Funden erhält die Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine» neue» Hintergrund. Die fast in allen Ländern verbreitete Sage, daß in frühen Zeiten ganz kleine Menschen, Zwerge, Bergmännchen i» den Höhlen und im Berginnern hauste», scheint dadurch zur historischen Thatsache zu werden, und die Pygmäen der neolithischen Zeit scheinen eine' der Erstlingsformen des MenschentypnS darzustellen.— Aus dem Tierleben. — Der G a rt e n lau b v o g ei, auch Bastard- Nachtigall, Hagspatz, Tpöttcrliug, großer Spötterling, gelber Spötterling ge- nennt, gehört, wie fast alle unsre kleineren Sänger, zu der Ordnung der Sperlingsvögel und zu der speciellen Familie der Säuger oder Laubsänaer. Er wird ungefähr 14 Centimeter groß, die Flügelbreite beträgt fast das Doppelte, die Schwanzlänge etwa 5 Centimeter. Die Oberseite des Gefieders ist grünlichgrau von der Stirne an über Scheitel, Genick und Nacken bis zum Rücken, die Unterseite ist blaß- gelb, ins schmutzig Weiße überspielend, die Flügel sind dunkelbraun. In Mitteleuropa fühlt er sich am wohlste»: er fehlt aber ebensowenig in Schweden wie in Italien. Der Wald ist nicht sein eigentliches Revier, wenigstens nicht der ausgedehnte Hochwald; am häufigsten im Wald ist er im niedrigen Gemisch von Laub- und Nadelholz anzutreffen. Sonst liebt er die Nähe der Menschen und ihrer An- Pflanzungen, besonders die Gärten, Alleen, Anlagen und Obst- Pflanzungen. Sieht man aus der Ferne ein Dorf oder Städtchen inmitten ragender Bäume und versteckt im Grün von Busch und Obst- bäumen daliegen, so darf man ziemlich sicher sei», daß sich ei» oder mehrere Pärchen von Gartenlaubvögeln dort eingenistet haben. Er liebt die schwindelnde, schwanke' Höhe der'Baumkronen und wenn er hoch auf dem' Zweiglein sitzt und zu singen be- ginnt, wirft er sich in die Brust und hebt sein KLpstein. Auch im Strauchwerk und Busch bestreicht er die obere» Teile. Wenn man in der Frühe am Bachesiaum von Ellern und Pappeln herab lnierniiidlich i» wechselnden Tönen angesungen wird, wenn man durch die Alleen schreitend von einem vorspringende» Zweiglein der Baumkrone mit Trillern und unerschöpflicher Musik begrüßt wird, so kann man meist ganz bestimmt sagen: das ist der Spötter- ling. welcher so prächtig schmettert, daS kleine Vöglein mit dem großen Liederreichtnni. Der Spötterling ahmt die' Strophen der meisten ihm benachbarten Vögel nach und verflicht sie kunstvoll in seine eignen Weise». Und die sind so schön, daß er unbedingt als einer unsrer allerbesten Sänger zu bezeichnen ist. Von der Morgen- dämmerung an singt er bis in den hellen Mittag hinein, je nach Stimmung, in einem fort. Sein Lied ist, wie es ein Fachmann schildert, ein schnell vorgetragenes Allegro, worin die lieblichsten Strophen mehrmals lvied'erholt werden, ehe eS fortgeführt wird, und voll von den an- genehmsten Abwechselungen. Der Schlag wird ohne Pause» zwischen den Strophen schnell hergeleiert und die a» sich schon melodienreiche Musik häufig mit fremden Tönen ausgeschmückt. Wenn er jedoch andre Vögel, zum Beispiel Staare, Rauch- schwalben, Wasser- und Sumpfvögel nachahmt, so merkt man stets dabei die ihm eigentümliche Modulation und Toubeschasfeuheit. Was seine sonstige» Lebensgewohnheiten anbelangt, so pflegt er sei» wichtigstes Geschäft, das Brüten, bis ziemlich spät iir den Frühling hinein aufzuschiebe» und dann auch mir einmal jährlich vorzunehmen. Sein Nest gehört zu den kunstvollsten unter- allen Vogelarten, steht gewöhnlich 0—12 Fuß vom Erdboden entfernt, niemals in Dornhecken und stacheligem Strauchwerk, sondem auf dichten Bäninen, auf Hollimder, Hartriegel und sonstigen Hecken mit glatter Rinde. Das Flechtwerk ist kunstvoll verschlungen und meisterhaft i»ei»a»der gefestigt. Die vier bis sechs Eier schinnnern schwach in Rosa und haben schärfer und dunkler gefärbte Tupfen. Der Spötterling gehört zu de» Fleischsresser», ist jedoch zugleich auch. wie die meisten unsrer fleischfressenden Sänger, ziemlich eifriger Vegetarianer. Demgemäß frißt er Käfer, Spinnen, Fliege», kleine Raupen in beschränkter Zahl, und dazu auch Kirschen. Holluuder- und Johannisbeere». Sein Nutzen springt ans diesem seinem Küchen- zettel in die Augen. Schade, daß der erprobte Säuger als Käfigvogel sehr weich und besonders zur Winterszeit empfindlich ist. Zur all- geineiiieren Stubenzucht erweist er sich also als nicht geeignet.— („Köln. BolkSztg.") Humoristisches. — D i e n e u e W ü r d e. A.:„Habe Sie lange nicht gesehen, lieber Freund, wie geht es Ihnen?" B.:„Danke, gut. Sie wisse» doch, daß ich jetzt zu den Vätern dieser Stadt gehöre?" A.:„Sind Sie in den Magistrat getvählt ivorden?" B.:„DaS nicht, aber meine Frau hat mir ein Kind geschenkt."— — Das E r k c» n n» g S w o r t.(Intermezzo von der Pariser Weltausstelluug.s An einem der kleinen Tische in einem Bouillon Dnval sitzen sich zwei Ausstellnngsbesncher gegenüber. A.:(hat sich einen Syphon bestellt und drückt beim Einscheuken so ungeschickt auf den Hebet, daß daS Wasser in breitem Strahl über deii Tisch saust und B. über und über naß spritzt.) B.:(ein Berliner, wischt sich ärgerlich ab und erwartet von seinem Gegenüber eine Eutschnldigiuig. ES erfolgt aber nichts, und da er in der Bespritzimg eine» absichtlichen Racheakt eines französischen Chauvinisten erblickt, macht er seinen Unmut in dem halblaut hervor- gebrachten Schnieichelwort„ S t i e s e l"! Luft.) A.:(freudig aufspringend)„Stiesel? Gott sei Dank'. ich kann nämlich nicht französisch. Aber d i e Sprache versiehe ick. und nun darf ich mir wohl erlauben, Sie um Enschuldigung zu bitten l"—(„Lust. Bl."> Notizen. — Vom 1. Okt. 1900 an erscheint in Hamburg unter dem Titel „Der Lotse" eine Zeitschrist, die von Karl Möuckeberg(Kunst und Wissenschaft) und Dr. S. H e ck sck e r(Volkswirtschaft und Politik» herausgegeben wird. In dieser Zeitschrift„soll zum erstenmal von Hamburg aus die Entwicklung deS gesamten deutschen Lebens verfolgt... werden". Die Hamburger„Freie Volksbühne" hat früher einmal ein Drama von Möuckeberg aufgeführt.— — Behufs Einführung einer einheitlichen amtlichen Orthographie hat im preußischen Kultnsministeriilm eine Konferenz stattgefunden, an der u. a. Dr. W i l m a n n s(der Vor- sitzende des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins), Oberbaurat Sarrazin und Dr. Duden teilnahmen.— — Einen neuen Barl) ton großen Stils will man bei der Verteilimg der Preise im Pariser Konservatorium entdeckt haben.— — Die W i e d e r h e r st e l l u n g des verstümmelten New Dorker Heine-Denkmals soll, ivie der dortige Stadtrat be- schlössen hat, nicht dem besten Künstler übertragen werden, sondern dem b i l l i g st e n.— — In dem Großherzogtum Hessen sollen jetzt auch von Staats wegen meteorologische Beobachtungen eingerichtet und unterhalten werden. Das vollständig neu einzurichtende Netz wird aus drei Stationen zweiter Ordnung, drei dritter Ordnung und 27 Regenstatiouen bestehen, wozu noch eine Anzahl sogenannter freiwilliger An schl n sjstätioi te n treten werden.' Der Anfang der Beob- achtuugen ist auf den Beginn des neuen nieteovologischen Jahrzehnts, den 1. Januar 1901, festgesetzt worden.— c. lieber große Dia»i ante n f.u n d e im Massarimi-Distrikt in B r i t i s ch- G u i a Ii a berichten englische Zeitungen.—_ Verantwortlicher Redaetenr: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Druck uns Verlag von Max Bndiug in Berlin.