1$ Donnerstag, den 16 August IfiOO «Nachdruck netdoien.) 15] Die Nomon von Fritz M a u t h n e r. Vöde hatte dos Schreiben schon mit ärgerlichen: Lochen beiseite gelegt und noch einem amtlichen Schriftstücke gc- griffen, dos ihn näher anging. Es war eine Vorladung auf den Sonnabend; sein Prozeß sollte verhandelt werden. Er ging mit dieser Mitteilung in Mcttmonns Schreibstube und nahm den Brief des Anserotenogenten gleich niit. Die Prozeßongelegenheit»vor rnsch erledigt. Mettmanu betrachtete jede gerichtliche sluscinandersetznng als eine wohlfeile Reklame, selbst dann, wenn eine Verurteilung erfolgte; weil aber eine Freisprechung noch wirksamer und wohlfeiler war, so stand er nicht an, in solchen Fällen die Kosten für einen der besten Verteidiger Berlins zu bestreiten. „Machen Sie sich keine Sorge," sagte er gemütlich,„und wenn Sic doch nach Plötzensee kommen sollten, so haben Sie dort die beste Gelegenheit, öfter einen Ihrer ausgezeichneten Leitartikel zu schreiben. Wirklich, lieber Herr Bode, ich bin mit mir sehr zufrieden, daß ich Sie herausgefunden habe. Sie glauben gar nicht, in ivns für Kreise die Zeitung schon eindringt. DaS ist Ihr Verdienst. Gestern zum Beispiel hat ein Hofbuchbinder inseriert." Als Bode jedoch die Angelegenheit des Herrn Pinkus rasch abthnn wollte, da wurde Mcttmann ernsthaft. Der bisherige Kunstkritiker sei ein Pedant, der. nicht das mindeste vom Geschmack des Publikums verstehe. Ein altes Bild, das eine halbe Million gekostet, hatte er für unecht gehalten, also habe er auch nichts gelernt. Und kurz und gut, über die akademische Ausstellung und über die alten Bilder mag der Herr Professor ineinetlvegcn weiter schreiben und schimpfen. Die Kunsthändler aber, die bei mir inserieren, müsse» geschont werden. Sie verdienen es, das versteht der Herr nicht. Pinkus wird sich schon niachen, lassen Sie das meine Sorge sein." Bode hatte sich von seinem Stuhl erhoben und wechselte die Farbe. Zum erstenmal hatte Mcttmann ihm gegenüber die Maske völlig fallen lassen und die Obergewalt des Inserats über die Redaktion in dürren Worten ausgesprochen. Bode sagte sich, daß ihn die Gesinnung Mettmanns nicht überraschte, daß ihn eigentlich nur die Roheit des Eingeständ- uisses erschreckte. Er hatte sein Gewissen einschlummern lassen, oder auch unklar gehofft, mit kleinen Zugeständnissen von hüben und drüben das Blatt langsam aus seiner' Tiefe zu erheben; aber nicht über eine gewisse Grenze hinaus. Diese Grenze war überschritten, wenn einem Pinkus der Zutritt geöffnet wurde. Er mußte diesmal auf seinem Recht bestehen, doch nur zögernd und schonend sprach er seine wahre Meinung aus. Er gab dem Geschäfts lnanue darin recht, daß sür sein Gebiet die Geldfrage entscheidend sein müsse, aber jeder Beruf habe seine eigne Ehre. Der Jnscratenhändlcr dürfe ruhig von jedermann Geld nehmen, der Redacteur dürfe nichts davon wissen. Mettmann hörte vcrstinimt zu. Bisher hatte sich das Per- hältucs zwischen ihm und Bode so angelassen, daß er auf einen Bestand hoffen konnte. Weil der Redacteur den Frieden wollte und sich bisher immer geiu hatte täuschen lassen, hielt ihn Mettmanu für einen schlaffen Schönheitler, ja sogar sür einen cinfältigen Narren, der das Jnseratentreiben des Blatts ruhig dulden würde, so lauge er persönlich keinen andren Vorteil davon hatte als sein schönes Gehalt und seinen Ein- fluß. Mettmann gestand sich, daß er einen so umgänglichen Ehrenmann nicht hätte durch die grobe Wahrheit erschrecken sollen. Aber eS war am Ende doch langweilig, mit seinem eigenen Angestellten wie mit einem Untersuchungsrichter vorsichtig verkehren zu müssen. „Ich habe mich wahrscheinlich falsch ausgedrückt, lieber Herr Bode," sagte er und zuckte mit den Schultern.„Also der Kunsthändler m u ß nicht gelobt werden, aber es wäre mir lieb. Und»venu der Professor die Winterausstellinig »licht schön findet, so wird eben ein andrer darüber schreiben, der sie niit gtitem Gewissen loben kann." Und mit einem festen Blick auf den Redacteur fügte er hinzn:„Ihr Freund oder Ihr Hauswirt Disselhof soll ein sehr schönes Bild da haben, einen Frauetckopf. Es heißt:„Die Sehnsucht" und lvird großes Aufsehen machen. Da werden Sie doch gewiß selbst den Wunsch haben, daß das Bild nicht zu kurz kommt. Und wer weiß, ob die Sehnsucht gerade nach dem Geschmack des Professors ist." Mettmann versuchte über die Bezeichnung dcS Gemäldes einen Witz zu reißen. Bode aber verzog den Mund nicht einmal zu einem Höf- lichen Lächeln. Er fuhr mit der rechten Hand durch die Luft, als wollte er reinen Tisch machen zwischen sich und seinem Blatte. Dann sagte er mit fester Stimme: „Sic haben mir die Leitung der Fanfare überlassen. Herr Mettmann. Wenn Sie unzufrieden sind, so steht cS Ihnen ja frei, mir von heute auf morgen zu kündigen. So lange dies nicht geschieht, leite ich die Zeitung nnab- hängig. Und wenn Sic mit dem Sittengcsetz des Inserats kommen, so stehe ich Ihnen nicht Rede." Mettmanu war ruhig anfgestauden und hatte mit den Händen die Lehne seines Stuhles umklammert. Schwer stützte er sich nieder, daß die Fugen des Eichenholzes ächzten. Sein erstes Gefühl war, diesen widerspenstigen Menschen ans dem Hanse jagen zu lassen wie einen Tagelöhner, der seine Hand gegen die Herrschaft aufzuheben Ivagte; aber seine Selbstbeherrschung siegte. Die plötzliche Entlassung Bodes und ihre Gründe konnten dem Blatt mehr schaden, alS die bisherige Wirksamkeit dieses Herrn Gelehrten genützt hatte. Man mußte Bode ins Unrecht setzen, für den Bruch eine rühmlichere Gelegenheit abwarten. Ueberdics gehörte ja ein gewisser Grad von Unbestechlichkeit zum Handwerkszeug der Redacteure. Mettmanu hatte mit denjenigen, die ihn: persönlich nnangcnchm waren, bisher noch die besten Geschäfte gemacht, und bei andren Zeitungen hatte er dasselbe Gesetz beobachtet: die besseren Redactenre waren diejenigen, die mit ihrem Brotherrn in beständigem Krieg lebten. Nur durfte die Widersetzlichkeit nicht bitterer Ernst werden; so lange es ein Scheinkampf war, der nur zirr sittlichen Stärkung der Mit- arbeiter und zur Lust der Leser ausgeführt wurde, so lange mochte es noch hingehen, aber dieser Mensch sah gar nicht spaßhaft ans. Mettniann glaubte ihn durch seine Vorschüsse und durch die steigenden Bedürfnisse der jungen Ehe voll- kommen unterworfen zu haben. Wollte Bode sich immer noch frei bewegen und hielt ihn Mettmanu trotzdem für einen Gewinn des Blattes, so mußte er diesen festen Willen durch noch härtere Mittel brechen. Und langsam, während er die Hände von der Stuhl- lehne löste und seinem Redacteur mit gleichgültigen Worten die gewissermaßen auch vorhandenen Rechte eines Verlegers vorhielt, überdachte er die Möglichkeit, seinen Plan mit Dissel- hoss Bilde durchzusetzen, dem inserierenden Kunsthändler daS verlangte Lob zu spenden und dennoch init Bode vorläufig nicht zu brechen. Der Rechtsanwalt des Blattes hatte ja voil der Möglichkeit einer Gefängnisstrafe gesprochen. Es konnte dein jungen Ehrenmann nicht schaden, wenn er für ein paar Wochen in Plötzensee kalt gestellt wnrde. Als Bode den Verleger nach einiger Zeit verließ, hatte er das behagliche Gefühl, mit seinen ehrlichen Absichten einen schwierigen Sieg über die unsauberen Geister des Geschäftes davongetragen zu haben, und heiterer als gewöhnlich blickte er in die Zukunft. VII. Um zehn Uhr vormittags war die WintcrauSstellung eröffnet worden. Die beiden Säle des bekannten Hauses Unter den Linden waren durch verstellbare Holzwände in zahlreiche Kammern abgeteilt, so daß an den ge- wonneuen Flüchen weit über huildcrt Gemälde Platz gefnnden hatten. Noch war die Ausstellung wenig besucht. Nur einige Journalisten giiigcn lebhast umher, machten sich Notizen in die kleinen Kataloge und sprachen mit den halben Worten an- erkannter Sachverständiger über einzelne Bilder und über Ereignisse des. Tags. Gestern war im Schauspielhaitse die Tragödie eines bekannten Lyrikers abgelehnt worden, und heute früh hatte man erfahre», daß Doktor Bode von der Fanfare wegen Gotteslästerung und Schmähung derEinrichtnngcn der katholischen Kirche zu zehn Wochen Gefängnis verurteilt Ivar. Die Gespräche gingen wir durcheinander. Der schlaue Kirnst» Händler, der jedem der Herren mit lauernder Vertraulichkeit die Hand drückte und dabei die Miene eitles uneigennützigen, begeisterte» Kmistfremides festzuhalten Ivufzte. ging von einein zni» ander»,»i» die Aufnierksanlkeit innner wieder auf seine Ausstellung zu lenken. „Es ist nur gelungen, diesen kleinen Menzel zu erwerben. Ich bitte, Herr Doktor, sehen Sie nur links unten dieseMonstranz an, nur die Monstranz! Wie das ans dein Dinikel hervorlenchtet!" „Der Bode soll ein ganz anständiger Mensch sein. Er wird sich hüten, noch einmal mit der katholischen Kirche anzu- binden: die schenkt keinem was." „Ach, das ist freundlich, bester Herr Doktor, das; Sie kommen. Aha. Ihr Kennerblick hat den Meiizel schon bemerkt. Diese Monstranz! Was?" „Donnerwetter, dieser Disselhof wird Glück inachen. Ich sehe den Kopf schon in allen Schaufenstern der Friedrichstraße hängen. Wenn ich mich nur an das Modell erinnern könnte. Ich muß es schon irgendwo gesehen haben." „Mein Disselhof. liebster Doktor? Sie haben einen Kennerblick I Das ist ein Geheimnis, ein Rommi, was weiß ich; eine Dame aus der hohen Aristokratie. Doktor Bode könnte was davon erzählen." „Er wird ja in Plötzensee Zeit haben, den Noman niederzuschreiben." „Die Strafe für Bode war doch«ngewöhillich hart." „Dieser Gardist von Fritz Werner! Die reine Madonna. wie mein Freund Meyer sagen würde. Einfach klassisch und er war immer noch nicht zufrieden, ich mußte ihm das Bild fast ans den Händen reißen." „Das mit der Verurteilung von Doktor Bode hatte einen Haken, sage ich. Der Leibverteidiger der Fanfare, der ihn gewiß herausgezogen hätte, war im letzten Augenblick verhindert, durch eine Konserenz mit Mettmann selbst, heißt es, wegen der Gründung der zweiten Oper, Sie wisse». Bode war gar nicht vorbereitet, und der Vertreter des sauberen Herrn Verteidigers hat solche Dummheiten gemacht, daß der Genchtshof noch über den Antrag des Staatsnnwalts hinausging. Ter arme Kerl!" „Wahrhaftig, Disselhofs„Sehnsucht" ist ein Treffer, wir müssen irr unsrcm Blatt einen Holzschnitt davon bringen." Erst gegen Mittag begannen sich die Räume zn füllen. Es erschienen die ersten Dame», schöne, reiche Frauen, bei denen die ausstellenden Künstler zu verkehren pflegten. Einige Maler, die nicht vertreten waren, traten ein. spielten die Hausherren, begrüßten die Journalisten und srichten Ve- nierknngen über einzelne Bilder aufzufangen. „Disselhof hat wieder einmal Glück gehabt," sagte fast jeder von ihnen. Graf Trieuitz, der Freund der Kommerzienrätin Piterse», schlich bescheiden herein und ging dann langsam, unauffällig von Bild zu Bild. Er spielte sonst gern, trotz seiner Kraft- losigkeit und seines schweren Nervenleidens, den jugendlichen Stutzer und suchte durch tänzelnden Gang frisch zn erscheine»; nur beim Anblick von Kunstwerke» fand er etwas wie natürliche Wärme und Beweglichkeit wieder. „Der Graf hat gewiß die zehntausend Mark schon bei sich, die er hier ausgeben will." Er pflegte am Eröffnungstage seine Wahl zn treffen und liebte es nicht, auf seinen Reichtum und ans seine Kenner- schaft angesprochen zn werden. Der Kunsthändler schonte seine Gelvohnheit, hielt sich aber gespannt in seiner Nähe auf. Schwatzend bummelten zwei Diplomaten Hill lind her. Sie sprachen vom gestrigen Souper mit Tolka und rissen ihre Witze über eine nackte weibliche Figur, die in einem großen Böcklin verzeichnet war. Vor Disselhofs„Sehnsucht" flüsterten sie miteinander und lächelten unverschämt. Gegen 1 Uhr erregte plötzlich unter der Menge, die sich jetzt drängte, die Erscheinung Leontinens Aussehen. An ihrer Seite ging Richard Mettmann. Tie schöne Witwe sah glück- licher aus, als es zn ihren schwarzen Gewändern paßte. Aber auch der matte Glanz der Stoffe und der Schnitt des Umhangs, der sich so weich und lüstern um ihre Schultern legte und fast zu knapp die Hüften umspannte, das alles, die ganze herausfordernde Schmucklosigkeit sprach deutlich, wie änßerlich ihre Trauer war. „Das ist eine Saisonfrage für sie," stüsterte der älteste der noch anwesenden Kunstkritiker, der schlanke Manu mit dem grauen Satyrkopf.„Wenn sie einen Mann verloren oder verlasseil hat, so trägt sie ein halbes Jahr Trauer, wie man in den Monaten ohne r keine Austern ißt." Leontine kannte hier jeden ziveiten Menschen. Richard trat oft beiseite, um nicht durch allzu viele Vorstellungen be- lästigt zu werden. Ihm war unheimlich zu Mute. Warum ließ er sich auch herfuhren?(Fortsetzung folgt.) Nnkurwissottschnftlilsze Ltebcvflidjk. Von C n r t G r o t t e Iv i tz. Die Grniidstoffe, ans denen die ganze Welt znsainmengesetzt ist, bestehen nach allgemeiner Ainiahme im letzten Grunde ans unendlich kleinen, gleichförmigen, unteilbaren Teilchen, den Atomen. Niemand hat noch je ein Atom gesehen oder sonstwie ivahr- genoininen, aber die Annahine solcher letzten kleinsten Teilchen cnt- spricht so sehr unser», wissenschaftlichen Gedankenkreise, und sie ist so bequem für den Aufbau eines chemischen Lehrgebäudes, daß man ivohl mit Atomen operieren würde, selbst Ivenn ihre Nichtexistenz erwiesen wäre. Mail kann gegen die Atomtheorie schon" jetzt mancherlei Einwendungen machen. ES ist sehr iiinoahrscheinlich, daß alle diese Atome der verschiedenen Elemente, ja selbst die Atome eineS Elements»nter sich vollständig gleich seien, �war nimmt man an, daß diese Ur-Te!lchcn von verschiedenen Grundstoffen im Gewicht verschieden find. Aber man setzt doch voraus, daß alle von gleicher Größe und alle unteilbar seien. Für die chemischen Vcrech- innigen ist diese Voraussetzung außerordentlich praktisch, aber mit der Wirklichkeit wird sie wohl kaum übereinstimmen. Warm» � sollte» nicht die Atoinc von sehr verschiedener Größe sein können? Es ist ja richtig, daß sich ei» ganz bcstimnlter Gctvichtstcil eines Elements mit einem wiederum ganz beslimmteii lind immer glcichbleibeiiden Geivichtsteile eines andren Elements verbindet. Aber warum soll ein nnd derselbe GewichtSteil immer gleich viele Atoinc enthalten? Rehinen wir aber an, daß wirklich der niedrigste Gewichtstcil eines Elements, der sich mit dem niedrigsten Gelvichtsteil eineS andren Elements Verbinder, nur ans einem Atom besteht, so ist iminer noch kein Grund vor« Händen, dieses Atom als unteilbar anzunehincn. Es ist in chemiseber Hinsicht allerdings eine Einheit, aber wenn die Chemie auch keine Gelegenheit hat oder hatte, Teile dieser Einheit in Nechnung zu ziehen,— existieren können sie trotzdem. Nnd sie existieren l Bei den berschiedenen elektrische» Erschei- liunge» ist man z» der Neberzeugnng geko»»»eir, daß die Träger der kleinsten elektrischen Einheit ivinzige Kvrperchen sind, die söge- nannten Jonen, die je nachdem mit positiver oder negativer Elektri- cilät geladen sind. Es ist nun sogar gelnngen, die Größe dieser Joiic» zn messen. Wenn ein Gas sich ausdehnt, so wird Kälte erzengt; dehnt sich Luft aus, so scheidet sich ans ihr ein gewisses Quaiitnin von Wasser ab, weil die Lust bei sinkender Temperalnr nicht mehr so viel Wasserdampf in sich anfnehme» kau» wie vorher. Werden nun durch die Luft bei dieser Ansdehnimg Nöntgeustrahlen hiiidnrchgesandt, so entsteht eine Wafferlvolke. Man nniß annehmen, daß die durch die X-Strahlen in der Luft hervorgerufene Eleklrieität, das heißt die Jonen, als VcrdichliingSlcrn wirke», an denen sich das Wasser niederichlägt. Es entstcht so eine Wolke kleiner Wassertropfen, die durch ein besonderes Verfahre» in ihrer Anzahl bestimmt, und da die Quantität des Wassers bekannt ist, auch in ibrcr Größe gemessen werden können. Ans der Anzahl und Größe der Wassertröpfchen ließ sich aber auch die Anzahl und Größe der Jonen bereanien. I. I. Thomson hat nnn sPhilosophical Magazine 1899 Ser. 5 Bd. 48) weiterhin bc- rechnet, daß die Masse eines durch Röntgenstrahlen in Gase» cr« zeugten Jons viel kleiner ist als die Masse eines WasiekstoffatomS. Ans diese Berechnungeil kann hier wegen ihres großen llmfangS nicht näher eingegangen iverden, doch sei soviel gesagt, daß sie keineswegs bloße Schätzungen, keine WahrscheinlielikeitS» annahmen find, sondern daß sie ans genanen phhsikalischen Methoden beruhen. Thomson kommt mm infolge dieser Berechnungen zu der Anschannng, daß das Atom eine große Menge von kleineren Körpern.Korpuskeln" eulhält. die einander gleich sind. Tie Masse eines solche» Korpuskels ist gleich der Masse eineS negativen JoiiS, wie solche in einem Gase bei niedrigem Druck, z. B. durch Röntgenstrahlen, hcrvorgernsen Iverden kann. Für getvöhnlich sind die Korpuskeln im Atom enge vereint, sie bilden in ihm ein System, das elektrisch neutral ist. Wenil ilml in einein Gase Elektricität erregt wird, so kommt diese dadurch zur Wirkung, daß einige Atome des Gases aufgespalten werde», d. h. daß sich je ei» Korpuskel von einigen Atome» loslöst. Die losgelösten Korpuskeln führen eine Ladung negativer Elektricität bei sich, sie sind also schließlich nichts andres als negative Jonen, sie tragen die Eleklrieität von einein Atom zum andren, und je nach ihrer Bewegung von einem Atom iveg oder zn ihm hin wird die Substanz negativ oder positiv elektrisch. Das Interessanteste für die atontistische An« scha nnng ist jedenfalls daS Ergebnis, daß es kleinere Teile als die Atome gicbt, Teile, die eine strenge physikalische Beständigkeit be- Haupte». Wie in diesem Falle die Verbindung von chemischer rnid physikalischer Forschung zu einem wichtigen Resultat führte, so sind diesem Znsainnieinvirkcn beider Wiffeuschaslen eine Menge der glänzendsten Entdeckungen zn verdanken und da diese.phyjiialische Chemie" noch ziemlich jung ist, so kann man von ihr»och viel Aufschluß gerade über die letzten Einheiten und innersten Kräfte der Materie erivartc». So ist man mit ihrer Hilfe auch zn einer natürlicheren Anschannng über die Znsammensetznng von Atomen zn Molekülen gelangt. Man muß nämlich ans verschiedenen Gründen annehmen, daß die Atome sich in chemische» Vcr» bindnngen nicht in beliebiger Weise aneinander reihen. sondern daß sie dadei geivisse geometrisÄe Foniicn bilden. So hat es van't Hoff ivahrsliicinlick-zemacht. daß in vielen Köhlen- stoffverviudnngen das Molekül ei» Telrnedee bildet, in dessen Centrnin das Kohlcnstoffatoni liejit. während die mit ihin ver- bundeiien Atome der andren Elemente sich so anreihen, daß sie die vier Ecken des Tetraeders bilden. Nun kommt es vor, daß die beiden Atome, Ivelche zwei Ecken eines solchen Moleküls ausfülle». ihre Plätze vertanscheu können. Es emsteben alsdann zivei verschiedene Arten von Molekülen in derselbe» Koblen- stofsverbindung. Beide bilde» zivar gconietriseb gleiche Figuren, aber was bei der einen Figur rechts ist, das ist bei der andern links. Diese gleiche und doch nicht vollständig identische Ver- halten der Moleküle einer Verbindung niacht sich zwar nicht wcmisch, aber doch optisch bemerkbar. Die Kvhleiistoffverbittdungcn, die nur die eine Art von Molekülen enthalten, drehen die Polarisationsebene des Lichts nach rechts, wahrend die, welche die andre Art enlhalten, jene nach links drehen. Da aber, wo beide Moleküle gemischt sind, verhält sich die Kohleiistoffverbindnng optiick neutral, sie besitzt, wie man sagt, keine optische Aktivität. ES ist Nim öfters ge- lnngcn,' solche optisch inaltiven Berbindnngen in ihre beiden„optischen Antipoden" zu zerlegen, das heißt, in zlvci chemisch gleiche«eibindimgen, von denen die eine rechtsdrehcnd, die andre iinksdrcbend ist. So hat Emil Fischer jüngst wieder(Bericht der Ehem. Gesellschaft 18S9, Jahrgang XXXII) verschiedene Kohlenstoff- Verbindungen. die bei der Zersetzung von Eitveißkörpcrn durch Fäulnis entstehen, in ihre optischen Antipoden zerlegt. Interessant ist dabei, daß jene Verbindungen. wenn sie ans natürlichem Wege entstehen, optisch aktiv find,' daß sie dagegen. wenn sie künstlich im Laboratorium hergestellt werden, optisch inaktiv sind. Um aus den letzteren die beiden optischen Antipoden zu erhalten, muß die Verbindung zerspalten werden. Es giebt verschiedene Mittel hierzu und Eniil Fischer hat sogar ein neiieS angewandt, indem er die Ver- bindnng erst in eine viel kompliziertere überführte, die sich aber leichter in ihre optischen Antipode» zerspalten läßt. Nachdem die letzteren gewonnen waren, wurde aus jedem einzelnen die einfachere nripriinglichc Verbindung wieder abgespalten, das heißt aus der rcchtSdrehendcn komplizierten ivitrde nun die rechts- drchcnde einfache Verbindung gewönne» und dasselbe war der Fall mit der linksdrehcnden. Merkivürdig ist, daß auch durch Mikroorganismen die Spaltung von Verbindungen in ihre optischen Antipoden erfolgen kann. Manche dieser kleinen Lebewesen vernichten nämlich bei ihren? Lcbensprozcß alle links drehenden Moleküle und lassen die rcchtsdrchendcn übrig. ES läßt sich kaum vorstellen, welches der Grund sein mag. wann» ein Lebewesen eine Auswahl unter diesen chcinisch vollständig gleichen und nur optisch von einander verschiedenen Molekülen trifft. Aber es zeigt doch, daß wir die Körper keineswegs kennen, wenn wir bloß die Zusaimnen- setzung ihrer Moleküle ans bestimmten Atomen berücksichtigen. Diese Er- schciiinng weist aber deutlich darauf hin. daß die Atome eine ganz bestimmte Anordnung im Ramne haben muffen. Das Molekül dcS kohleiffanren Kalks besteht zwar, wie wir wissen, aus je eincnr Atom Calcium und Kohlenstoff und drei Atomen Sauerstoff, aber diese Atome müssen eine ganz bestimmte Lagernng im Ranine haben. Der Ilmstand aber, daß kohlensanrcr Kalk in zwei ganz verschiedenen Krhstallfonnen allstritt, deutet darauf hin. daß bei dieser Verbindung die Atome zwei Möglichkeiten der Anordnung haben und daß je nach der Art dieser Anordiinng zwei vetschiedene Formen bei demselben chemischen Gehalt entstehen. Eine sehr iiitcrcfsante Aufgabe findet die vereinigte Forschung von Chemie und Physik ferner in der Erforschung der sogenannten radioaktiven Körper, d. h. der Substanzen, die den Ziöntgenstrahlen iii mancher Hinsicht ähnliches Licht aussenden. Bekanntlich hatte im Jahre 1896 Bacgneret«ine neue Art von Strahlen entdeckt, die, von Ilransalzen ausgehend, durch verschiedene dunkle Stoffe, schwarzes Papier, verschiedene dünne Metallplatten, Schwefel ec. hindurchdringen und auf eiuer hinter diesen Stoffen befindliche» photographischen Platte sich abzeichnen. Das Ehepaar Curie hatte nun ans«ran- baltigcn Substanzen zwei Stoffe isoliert, welche die radioaktiven Eigenschaften in außerordentlich viel höherem Maße zeigen als die Körper, die Bccquercl benutzt hatte. Diese beiden Stoffe wurde» stir zwei neue Elemente— Radimil und Polonium— angesehen, obwohl sie sich chemisch ganz ähnlich den schon bekannten Elementen Bariuni »nd Wismnth verhalten. Kürzlich ist es aber Bcla v. Leugyel(Bc- richte der chei». Gesellschaft 19va den halben Weg hinter»ins nnd fuhren eben de» Berg hinan, als die ftiiidcr plötzlich wie ans eine», Munde riefen: „Father Bosch I Fathcr Bosch I" Erstaunt schonte ick um, rekoanoscierte die ganze Gegend hinter mir. sah aber»ichiS.»Wo denn?" fragte ich verlvnndert,„wo denn in aller Welt seht Ihr Father Bosch?" Ein Fingerzeig„ach einen, ferne» Hügel, auf dessen Höhe ich einen schivarzen Punkt entdeckte, Ivar die kurze Antivort..Father Bosch?" fragte ich wieder,», Aber ivohcr ivißt Ihr denn daS?"„Wir sehen ihn," sagten sie, .Ihr seht ihn? Wie ist dies möglich?" Ich trage nn» allerdings eine Brille, aber bisher habe ich kann, einen Weißen getroffen, der ohne Brille besser sah. als ich mit letzterer. Ich setzte daher Zweifel in die Behauptung der Kinder und fragte mich vergewifscriid weiter: „Was hat er de»,, für einen Wagen?"„Einen Zwei- spänner."„Und welche Pferde?"«Spot»md Point."„Und welche Kleidung?"„Einen weißen Staubmantel n»d � einen Strohhut." Es wurde mir niibeimlich, denn ich sah nock immer bloß einen schwarzen Punkt.„Xons ven-ons", dachte ich. DaS Gefährt war endlich nahe genug,»m, von mir erkannt zu werden. und— in der That: die Kinder hatten recht, recht in allein! Auf den» Rückweg obiger Fahrt verloren wir ciue Schraube, welche die Zugleine hält und ohne die ich den Wagen nicht handhaben konnte. Ich sprang also ab nnd begab mich ans die Suche, bedurfte aber keines lange» SilcheuS; denn schon rief mir von, Wagen aus ein Indianern, ädchcu zu, eS sehe sie. Sie lag einen halben Steinwurs weit vom Wagen, war nur einen Finger lang und dazu noch mit Staub bedeckt. Ein andres Beispiel. Wir ließen einmal nnsern Kindern eine ZaLvervorstellnug getieit. Bei dkrnrligen Borsiellim�en ent- geht hekaiintlich vieles de» Annen infolsie der schnellen Leivesinnsi und erzielt so den Effekt des Wundervarein Bei erwähnter Vor- stellinisi blieb dieser Effekt onch nicht ans, wenisisleiis nicht bei mir »nd de» iibrisien PotreS, wiewohl wir in der ersten Neihe dicht vor der Bühne saßen. Nffe mußten wir daher erstaunen, als wir nach der Borstelliiusi vernahmen, daß den Aiisie» unserer Siindee kaum eine Bewesiinisi entsiansien war und sie von fast allen Kuustsiriffen den Hergansi wußten. Wie das Ausie, so ist auch das Gehör de? Indianers zu siroßer Vollkonnnenheit anssiebildet, was zu ersahren ich leider tasitäsilich in der Schule Gelesienheit habe. DaS Norsnsien der Kinder während des IlnterrichiS ist wohl ein allsiemeines Kreuz der Lehrer, allein die Art und Weise, wie imsre Indianer das Vorjasien betreiben, ist wohl nicht al!sie»iein. Beiffebt man sich selbst in die Nähe des Kindes, das man frasit, und beobachtet scharf die Plauder- mänlchen der ganzen Interessensphäre rinsisherm», so ivird man doch in vielen Fällen nicht verhindern können, daß der Gefragte seine Aat- wort ans der Nachbarschaft bezieht. Der Fragesteller vernimmt dabei höchstens einige feingeslästerte„S"-La>ite, sonst nichts. Der Gefragte aber hat alles verstanden. Dieser Sinnenschärfe entspricht auch scharfe Beobachtungsgabe. Schon Kinder fassen die äußeren Umrisse von Tieren, Bäumen rmd ähnlichen Gegenstände» so scharf ins Auge, daß sie»ntLeichtig- keil dieselben zu zeichnen vermögen. Der hiesige Boden hat, wenn angefeuchtet, eine vorzügliche Eigenschaft, sich plastisch formen zu lassen. AbZ eS kürzlich stark geregnet hatte, brachten alsbald die Knabe» uns eine förmliche AnSstellnug von Tieren aller Art. die sie höchst naturgetreu a»s jenem Lehm gebildet hatten. In dasselbe Kapitel der Sinnenlhätigkeit schlägt auch die Fertigkeit der Indianer, ihre Reden mit entsprechenden Gesten zu begleiten. Lehtere sind originell und stellen in sinnfälliger Weise den Gegenstand dar, über den der Redende sich gerade verbreitet.— Kulturhistorisches. — K ii n st l i ch e Höhlen in Bayern. Von einer be- merkenswerten Entdeckung macht Dr. Bayer! in den soeben er- schieireuen„Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns" Mitteilung. Es handelt sich um künstlich angelegte Höhlengänge, die in der Gegend südlich der Donau in den Bezirks- ämterii Griesbach und VilShofen aufgefunden wurde». Sie sind meist in mimiltelbarer Nähe eines Gebäudes in Berge mit FlinS oder Flugsand, der sich gut miniere» läßt und demnach dauerhafte Gänge ermöglicht, eingebaut. Sie sind sämtlich sehr exakt mit scharfen Kanten und Ecken und schöne» Spitzböge» nach oben, am Boden vbal angelegt. An de» Wänden finden sich öfters Nischen eingeschnitten, die fast gar nicht abgeimtzt«si»d. Die Höhlengänge in Bergham bei Grnhdorf, in Berg- ham bei Aidenbach und in Weng bei Griesbach sind alle drei nach gleichem Priiicip angelegt. Die Eingangsschachte waren nicht versteckt es Ware» ziemlich große viereckige Schachte von 1.2 Meter im Quadrat »nd in unmittelbarer Nähe deS Gehöfts angelegt. Selten sind die Hänge über 1—1.2 Meter hocki. 80— W Centiineter breit, die Sclilnpf- löcher, die in höher gelegte Gänge führen, sind so eng, daß ein starker Mann nicht mehr hindurchschlüpfe» könnte. Nirgends fanden sich Funde von Knoche» oder Gebrauchsgegenständen. Bei den engen Gängen, in denen kaum zwei Personen sich ausweichen konnten, war Ivohl an Verstecke für Vorräte nicht gedacht. Dagegen spricht auch der große,»iiversteite, senkrechte Eingang. Am wahrscheinlichste» ist hie Annahme, daß die Gänge religiösen Zwecken gedient haben, und daß sie in die Zeit der Nöiiierherrschasl sallcn.— Geographisches. — Der„GlobnS I a g e l l o n i c u S". llnter den SehenZ- Würdigkeiten, die sich in der Ingellomschen Universitäts-Bibliothek in Krakau befinden, nimmt wohl die erste Stelle eine schöne Uhr anS de» ersten Jahren des KZ. Jahrhunderts ei», in deren Innerem sich ei» äußerst interessanter Globus befindet, über den merkwürdiger- weise bisher noch nichts bekannt geworden ist. Im„Anz. d. Akad. d. Wiffeusch. zn Krakau" macht im» TaddänS Estreicher über diesen „GlobnS JagellonienS" einige interessante Mitteilungen. Er besteht aus zwei halbkugeligen Ealotlen anS Kupferblech, die außen stark vergoldet sind und deren Durchmesser 73y's Millimeter beträgt. Im Juuern des Globus befindet sich das Uhrwerk, das die Achse des Globus bewegt. Die Oberfläche ist durch Meridiane und Parallel- kreise in Abständen von je 10 Gr. geteilt. Die Meridiane von 170 Gr. und 320 Gr. östlich von Ferro, die zusanmien einen KreiS bilden, bilden zugleich die BerühnnigSstelle beider GlobNSealotten. Die EntstehuiigSzeit dieses Globus dürfte mit Sicherheit das Jahr 1510 sein. Hiernach ist er neben dem Leiiox-Gkobus der älteste nachkolnmbische GlobnS, da er etwa m» fünf Jahre älter ist als der nächste, nämlich der Frankfurter GlobnS von I. Schöner aus dem Jahre 1515. Er ist auch der älteste von allen, die irgend- welchen Teil der neuen Welt aufweise», und auch der erste, der das südamerikanische Festland nicht verbunden mit Asien darstellt, wie es nach ColmnbuS Meinung sein sollte und wie es auch öfters nach dem Jahre 1526 gezeichnet wurde. Außerdem ist Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Schröder in Wilu der. Globus JagellonienS" der älteste von allen, die irgendwo den Namen Amerika tragen. und er unterscheidet sich von allen andren Karten und Globen ans jener Zeit dadurch, daß ans ihm der Name Amerika sich ans einer ganz falsche» Sielle befindet, nämlich südlich von Indien, eiwa zwischen 110 bis 160 Grad östlicher Länge und 25— 60 Grad südlicher Breite. Hieraus geht hervor, daß Amerika zu jener Zeit dorthin verlegt wurde, als die Kenntnis von seiner Zugehörigkeit noch nicht allgemein verbreitet war. Da die anonymen, von einigen Waldseemüller zugeschriebenen GlobiiSsegmeiite, die angeblich ans dem Jahre 1500 stammen, ivabr- scheinlich jünger sind als der„Globus Jagelloniens", so»mibe hiernach diesem die Ehre zufallen, Amerikas Namen überhaupt zum ersten- mal aus einer Karte zu erwähne».— Technisches. — Fabrikation des B a n m w o l l ö l S. lieber die zu großer Aasdehmmg gediehene amerikanische Baumwollöl-Jndiistrie giebt C. Pietrusky-C hikago in der„Chemischen Industrie" anssühr- iiche Angaben, denen die„Tech». Nimdschnu" folgendes entnimmt: Der Samen wird zunächst mittels einer ipeciell für diesen Zweck konstruierte» Maschine, des„Imtsr", von den ihm»och anhaftenden kurzen Wollfasern, ebenfalls„Unters" oder„short lints" genannt, befreit. Hierauf gelangt er in den„Unller", eine Maschine. Ivelche die äußere Schale(UuII) eutfemt. und sobald letztere in einem Separator ausgeschieden, unter schwere Kalander- Pressen, um die Oelzellen zn zermalmen. Preßt man ohne weitere Vor- bereitnngen das Lel aus dem so präparierten Samen, so erhält ma» das sogenannte„coid drawn eil", ein hochgradiges Oel. DaS gewöhnliche Verfahren geschieht indessen in der Weise, daß man den Samen ungefähr*'2 Stunde lang erhitzt, um die ölhaltige» Gesäße in dein Saineufleisch auszudehnen und dadurch das Oel stüffiger zu machen und feine Ausscheidung zn erleichtern. Gleichzeitig wird auch hierdurch etwa noch in dem Fleisch enthaltene Feuchtigkeit anS dem- selbe» entfernt. Die richtige Abmesjiing der Erbitzuugsdnuer ist von großer Wichtigkeit, da soivvhl zn kurze wie zu lauge Zeit die Produktionsmenge beeinträchtigt. Die Ansscheidnng der Feuchtigkeit aber ist deshalb nonvendig. weil etwa zurückbleibendes Waffer die kostspieligen Preß- tücher leicht zum Platzen briiigt, außerdem aber auch ein schnelles Verderben des Mehles verursacht. Ist das„Kochen" beendet, so wirb der Samen»uter dem„Former" in feste Knche» geformt unb sodann unter die Pressen gebracht, wo er einem Druck von bis zu 3500 Pfund pro Quadratzoll ausgesetzt ivird. Das ans den Pressen abfließende Oel hat ein dunkles, trübes Aussehen, lim dieses rohe Produkt zn rafsiiiiereii, läßt man zmiächst die in demselben suspendierte» Ilmrinigkeiteu sich in großen Reservoirs setzen uuö zieht darauf das klare, oben schwimmende Oel ab. Hierauf giebt mau dem letzteren, je nach seiner Natur. 10 bis 15 Proz. Aetziuuron zn. rührt die Mischung bei 100-111 Grad F. gut um und erlaubt 6 bis 30 Slmiden zum Setzen. In den Rückitänden. die zur Her» ftellinig von Seife, Stearin ze. verwandt werden, setzen sich die in dem Oele noch enthalten gewesenen albmninösen und schleimigen Stoffe ab, ebenso die Farbstoffe, so daß wir nach Ausscheidung derselben ein Oel von heller Strohfarbe erhalten. Dieses hellgelbe Oct ivird weiter gereinigt, indem man es erhitzt nud sich abermals setzen läßt oder filtriert. Man geioiiml auf diesem Wege das „Summer z-ellow oil".„Winter yellow oil" erhält man, indem man das erstere abkühlt, bis eS teilweise krystallifiert, und das sich bildende Stearin(etwa 25 Proz.) nuSichcidcl. Dieses letztere Produkt bildet das echte„Cotlcm Seed Stearin"; es findet anSgedehme Ver- Wendung als Surrogat für Butter und Schmalz, sowie zur Herstellung von Kerzen. Einen andren ebenfalls, jedoch mit Unrecht. „Cottouseed-Stearin" genannte» Artikel gewinnt ma». indem man die Mischnng organischer Säure, welche sich bei der Behandlung der bei dem Reiuigungsverfahreu des Cottonseed-OeleS erhaltene» „knot«" mittels Miueralsäure bilden, mit überhitztem Dampf destilliert, unl» ans dem Destillat nach eingetretener Abkühlung und Hartwerden dnS„Qloin" auspreßt. Ilm schließlich das«Weiße Oel" deS Handels zu erhalte», schüttelt man daS gelve Oel imter Znfiigmig von 2 bis 3 Proz Walkererde gut durch und filtriert daraus.— HumoristislfieS. — Fürchterliche Rache. Zeisigbastel ist eben von» Amts- gerichl ivegen Vogelstellerei zit vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt worden imd kommt wütend beim. „Weißt Alte, wer mir die Suppe ein'brockt hat?— Der Loko- motivsiihrer an der Älingelbahn, der mi g'feh'ii hab'n will.— Aber — i nehm' inei' Nach',— paß ans!" „Ilm Gottes lvill'n, do»et an der Bahn?" „G'rad' an der— denken sollenS an mi— daS schwör i— in alle Blätter muß'S kommen!" „Bastei l— Das thnst»et---" „J thu's— in der Nacht noch--- schmier' i inciii ganze» Vogelleim— auf d' Schien'» l"— — AnS einem Kolportage-Roman.„Mit rohem Griffe packte der Wüterich die zarte, holdselige Komtesse, daß ihr die Schwarte knackte.—(„Meggend. hum. VI.") ersdors. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.