Anttthaltungsbsatt des Honviiri £ Nr. 158. Freitag, den 17. August. 1900 (Nachdruck verboten.) ig] Die Fanfaee. Noman von Fritz Mauthner. Richard hatte nicht viel Zeit zu seinen wachen Traumen. Leontine zog ihn immer wieder ins Gespräch und stellte ihn immer wieder vor, wobei sie sich darin gefiel, herzliche Be- Ziehungen zwischen sich und dem jungen Manne ahnen zu lassen. Umsonst berief sich Richard darauf, daß ihm der Sinn sur die bildende 5iiinst mangle, daß er wenigstens sicherlich ausstellungsblind sei, umsonst wappnete er sich gegen die vielen neuen Bekanntschaften mit kühler, ja unfreundlicher Haltung, er wurde am Ende doch in das allgeineine Ge- schwätz hineingezogen. Leontines glückliches Aussehen kam wesentlich von dem stolzen Gefühle, heute zum erstenmal als junge, schöne, reiche Witive, frei und geachtet, bewundert und unabhängig unter den Menschen zu erscheinen, die ihr das Empor- kommen so schwer gemacht hatten. Heute zum erstenmal genoß sie die reine Freude über den Tod des alten Pitersen; noch nie war sie so siegesbewußt gewesen. Und wie es ihr eben jetzt gelingen wird, ihren Richard Mettniann plötzlich, ohne ein Wort zu sprechen, für immer von dem Mädchen zu trennen, das sie haßte, iveil er es geliebt hatte, so schien ihr die Zukunft nach allen ihren Erfolgen so gewiß wie ihre Schönheit. Mit ruhiger Freundlichkeit, im Stile ihrer Tranerkleidnng, plauderte sie init aller Welt ohne Geist, ohne Beschränktheit, spielte sie daS unendliche Spiel des geselligen Fragens und Antlvortens. Wäre ihr Mmid weniger fein geschnitten gewesen, hätte ihre Sprache nicht den melancholischen Wohllaut gehabt, man hätte den Worten vielleicht angehört, daß sie fast immer gedankenlos zurücktönten. „Ich danke Ihnen— das Leben stellt seine Ansprüche— ich führe nur den letzten Willen des Verstorbenen aus, wenn ich mein Haus den Künsten auch»ach seinem Tode nicht ver- schließe. Sehen Sie doch, lieber Mann, diesen köstlichen Knaus —„Tic Sehnsucht" von Disselhof? Ich mag den Maler nicht, er ist mir zu frivol. Ich»verde das Bild schon sehen uiüsfeu. Aber wir haben kein Eile, nicht wahr, lieber Metlmann?— Ein Mißerfolg? Gottlob Tragödien sollten immer durchfallen." Als Graf Tricnitz die schöne Leontine erkannte, näherte er sich ihr rasch mit seinem schwerfälligsten Tänzeln und plauderte mit ihr etwa zehn Minuten über das Wetter und über seine Sommcrreise, als hätte er sie nicht erst gestern gc- sprachen. Tann machte er ihr und ihrer Gesellschaft eine charmante Ver bcngung und zeigte deutlich, daß er»licht ge- frört sein wollte, wie er auch die andern ihrer Art des Kunst- gewisses überließ. Mit Leontine und Richard drängte sich jetzt eine Gruppe von zehn Personen von Bild zu Bild. Der alte Kunstkritiker batte sich angeschlossen, dicht hinter ihm hielt sich, mit einem Notizbuch in der linken und einen goldenen Taschenbleistift i» der rechten Hand, Herr Puikus. Er hatte alle Necenscnten „lieber Herr Kollege" angesprochen, hatte den Versuch gc- macht. Leontine Pitersen und Richard Mettinann vertraulich zu begrüßen, überall war er abgefallen. Aber er wich nicht von der Stelle. Die laut gesprochenen Urteile deS alten Kritikers, die er rasch für seinen Gebranch notierte, tvareu ihm zu lvertvoll. Richard wurde von Leontine geschickt gezwungen, in dem Schwann neben ihr weiter zu gehen. Er»var»virklich ansstellnugsblind. Als würde den Gc- »näldcu durch die vielen neugierigen Augen ctlvas von ihrem Farbcnglanze genommen, so verblaßt schauten sie ihn an. Auch von den Reden, die einander kreuzten lvie Meeres- wellen beim Umschlagen des Winds, vernahm er nicht viel. Immer nur,»venu der Name Disselhof an sein Ohr schlug, ärgerte ihn ctlvas. Sein Bild gefiel der Menge offenbar am besten: überall war davon die Rede. Nur der gräfliche Kenner und Käufer war, ohne stehen zn bleiben, daran vorüber- gegangen, hieß es.„Er will den Preis drücken," sagten die Männer der reichgekleidcten Frauen. Auch der alte Kritiker riet dazu,, jetzt DisselhosS„Sehnsucht" anzusehen, und lobte die feine Linie des Kopses. „Aber das mag das Verdienst des Modells sein," fügte er hinzu!„wenn ich nur wüßte,»ver ihm gesessen hat. Ich kenne doch sonst alle besseren Berliner Modelle seit dreißig Jahren so genau»vie die Tänzerinnen der Hofoper. Na, viel- leicht kennt es ein andrer der Herren. Es hängt nebenan in der elektrischen Koje." Diesmal wagte sogar Pinkus, sein Wort dazlvischen zu rufen: „Sie soll zum crsteninal gesessen haben! alter Adel, armer Adel, Gott erbarm!" Mit Ausnahnre von Richard lachte oder lächelte alles. Noch für einige Minuten drängte die lärmende Schar de« Grafen Trienitz von den» kleinen Fritz Werner fort, dann bog inan geräuschvoll um eine der verstellbaren Wände in einen kleinen Raum ein. der sein grelles Licht von einer elektrischen Lanipe erhielt. Richard ließ die übrigen vorangehen und hatte Lust, den Ranin gar nicht zu betreten. Schon hörte er durch daS Scharren der Füße und Rauschen der Frauenkleider einige Ahs der Belvunderung. „Bitte, nach Ihnen," sagte da der Kunsthändler zu ihm, und er mußte, wollte er nicht auffallen, vortreten. Er war auch völlig geblendet und sah im ersten Augenblick nur goldene Rahmen und farbige Tupfen ii» einem Wirbel von verletzendem Lichte. Plötzlich sah cr's. Er mußte die Augen schließen, um nicht nmznsinken, um nicht aufzuschreien, um nicht vorzn- stürzen, das Bild von der Wand zu reißen und den schweren Rahmen als Waffe zu schlvingen gegen all die lächelnden Gesichter, die hinstarrten. „Sic sehen»vie ein Toter aus, Herr Mettniaini," flüsterte der Kunsthändler neben ihm.„Ja, das elektrische Licht hat seine Schattenseiten. Verzeihen Sie das Witzchen. Es ist recht, zuerst die Augen zu schließen. Sie sind ein feiner Kenner." Langsam blickte Richard»vieder auf. Johanna l Wenn jemand sie erkannt hatte,»venu jemand ihren Namen nannte, so»nußte er etivas Entsetzliches thun, und wäre eS die schöne Leontine selber gcivesen, die dem Gemälde ain nächsten stand und jetzt mit feiner Miene den Kopf wiegte. Aber niemand nannte den Nan»e>l. Man hörte zu.»vie der alte Kritiker und ein junger Maler von der naturalistischen Schule über Disselhof stritten. Die„Sehnsucht" stellte in der süßlichen Art des Meisters. der aber diesinal in der Thah sein Bestes geleistet hatte, das Profil eines Mädchenkopfs dar, der ans herrlichen braunen Augen irgend einen unnilsgesprochencn Wunsch in die Welt hinauszusenden schien. DaS Disselhofsche Kunststück bestand diesmal darin, daß der 5lopf niit seiner feinen, bräunlichen Farbe sich dunkel von einem offenen, sonncnüberflnteten Fenster abhob. Die Fenstcrbrüstung schnitt den Hals durch, und nun stach»vieder von der dunkelbraunen Tapete das grell»vciße Hemd des Mädchens ab, das vorn kaum merklich geöffnet, nur eine Ahnung des Busens schauen ließ. Mit einem roten Atlasmieder, von dem kaum eine Handbreit gemalt»var, schloß die Figur ab. Auch von den Armen»var nicht viel ausgeführt. Richard hatte sich auf den überflüssigen Stuhl nieder- gelassen, den das Gedränge der Besucher langsam nach hinten vor ein Architekturbild geschoben hatte. Als hätte ihn die Todesnachricht von seinem Liebsten plötzlich getroffen, so hoffnungslos saß er da. Er mußte an sich halten, das fühlte er»vohl, er durfte nichts thun. Er durfte nicht der erste sein, der de»» Name»», des armen, armen Mädchens öffentlich aus- rief. Wenn Johanna in der Gesellschaft verkehrt hätte, man hätte sie ans den ersten Blick erkannt. Die Achnlichkeit»var zu treu, zu gut, zu schön. Vor dem Bilde stritt man noch immer. Der alte Kritiker rühmte die Mache,»vährend er dabei die Linien des Mädchenkopses»int seinem Zeigefinger iir der Luft nach- zog. Er lobte die Sinnlichkeit des Werkes, das doch keinen frivolen Zug hätte. Wie keusch wäre das Hemd bis oben ge- -schlössen! „Wenn das nicht frivol ist, so»vill ich. Disselhof heißen!" rief der juiige Naturalist, der sich immer mehr geizen den Maler ereiferte.„Es'ist gemein t Gemein sind die Lichteffekts und gcincin bis zum Ekel ist die Bekleidung. Warum in: Hemd und iiu roten Korsett? Warum ist dieses vornehme junge Fräulein nicht anständig angezogen? Das Korsett ist unmotiviert, höchst unmotiviert!" „Als Naturalist haben Sie sich um die Motiviening der Kleider nicht zn bekümmern," rief der Kritiker lachend. „Als Naturalist." rief der andre,„Hab' ich die Lüge heraus- gefühlt. Sehen Sie nur," und ertappte mit den Fingern gefährlich um das Bild herum—„alles ist nach Modell gearbeitet, das Haar, das Fenster, dieser merkwürdige Raum zwischen Nase und Mund, sogar das Spiel der Adern unter dieser köstlichen Haut. Für das Schönste hat er ein Modell gehabt, für das Gemeine nicht. Sehen Sie nur hier, das Hemd ist auS den» Kopf gemalt und die Brust ist ge- logen." Leontine mischte sich ins Gespräch. „Sie beleidigen mich, wemr Sie noch länger so heftig tadeln," sagte sie freundlich.„Ich hätte Lust, das Bild zu kaufen, wcnir der Preis nicht zu hoch ist. Disselhof ist doch ein ganz hervorragender Meister." Richard sprang vom Stuhl auf. Der Kunsthändler'nebcn ihnr betrachtete eine kleine Bronzefigur so liebevoll, als ginge ihn das Geschäft gar nichts an. Der alte Kritiker antivortete für ihn, während der Naturalist ärgerlich fortging. „Wenn Sie das Vervielfältigungsrecht nicht auch eriverben wollen, wird es nicht zu teuer sein. Die illustrierten Blätter und die Photographen werden die Hälfte des Preises zahlen müssen." Richard zog den Kunsthändler am Arin einige Schritte zurück und flüsterte rasch: „Ich habe das Bild gekauft." „Ah, ein Geschenk für die schöne Frau Kommcrzien- rätin?" „Wie tencr ist das Bild? Ich meine, wie teuer mit allen Rechten?" „Für Sie fünftausendfünfhundert Mark, weil ich iveisj, daß die Fanfare—" „Es ist gut. Ich kaufe es, aber unter der Bedingung, daß das Bild heute nachmittag nni drei Uhr, sofort nach Schluß der Ausstellung, wohlvcrpackt in meine Wohnung gebracht wird." „Lieber Herr Mettinann," rief der Kunsthändler über- rascht,„das würde mich tausend Mark an Eintrittsgeld kosten." „Also sechs tansendfnnshundert Mark?? Der Kniisthändler verbengte sich zum Zeichen der Zu- stimmung. „Und Sie wollen gegen jedermann darüber schlveigen, daß ich das Bild gekauft habe?" „DaS bleibt Geschäftsgeheimnis." vm. Doktor Bode war wirklich wegen seines Kirchenartikels zn zehn Wochen Gefängnis verurteilt worden. Gottlieb Mctt mann und der sonst so betvährte juristische Beirat des Blattes rieten ihni, die Strafe sofort abzubüßen, weil der Versuch einer Revision bei der herrschenden Stimmung für ihn noch ungünstiger ausfallen würde. Bode empfand es Wie einen Verrat der beiden Leute, aber seine eigene Ueberzengung sagte ihm, er habe ohne Zögern die Buße auf sich zn nehmen, wenn durch ihn die Gesetze des Staats verletzt worden seien. Und in diesem Gefühle seiner Verpflichtung ergab er sich darein, sich ohne Aufschub im Gefängnis von Plötzenscc zu stellen. Nur zlvci Tage brauchte er zn seiner Vorbereitung. Er mußte die Geschäfte in der Redaktion einem Genossen über geben; da er aber nur das wichtigste erledigte und das kleine Blatt ohnehin von der Hand in den Mund lebte, so war er mit diesen Anordnungen bald fertig. Mehr Zeit ver- wandte er auf eine andere Sorge: Käthe, deren Znstand die größte Schonung verlangte, über den Grund seiner Abreise zn täuschen. Nach einigem Schwanken entschloß er sich dazu, ihr eine plötzliche Erholungsreise nach Italien vorzulügen. Einer seiner ehemaligen Arbeitsgenossen, ein Professor, stand im Begriffe, nach Mailand, Verona nsiv. bis Neapel zn fahren; er hatte, einer längst verjährten Verabredung getreu, Bode benachrichtigt und ihn ansgenimitert,„gemeinsam die klassischen Stätten wieder zn betreten." Käthe fand es ganz natürlich, als ihr Mann vorgab, der Einladung folgen zu wollen. lForlsetzmig folgt.) (Nachdruck verboten.) MegviLbttisfereelichslriken in dHiinau Ans dem Englischen von I. C a s s i r e r. Liegt in China jemand im Sterben, so lvill es der Brauch, daß der älteste Sohn den Sterbeullen ails seinem Bett in das beste Zimmer des Hauses trägt und ihn dort so ans den Fußboden nieder- legt, daß seine Füße gegen die Thür gelehrt sind. I» der Provinz F»h-Kicii pflegt man dem mit dem Tode Ringenden ein Stückchen Silber in den Mund zn stecken, damit er Geld habe, um seine Reise nach dem Jenseits zn bezahlen; auch stopft man ihm sehr sorgfältig Nase und Ohren zu. In gewisse» Fällen macht man auch ein Loch in das Dach des Hanfes, um den Geistern bei ihrem Scheiden ans dem Körper den Weg zn erleichtern. Man glaubt nämlich, daß jeder Meiisch außer sieben thierischeu Sinnen, die mit ihm sterben, auch drei Seelen besitzt; die eine geht ins Jenseits, um dort über ihr Thun in dieser Welt Reche»- schaft abzulegen, die zweite nimmt bei der Eriinierungstafel, die man dem Verstorbenen zum ennge» Gedächtnisse errichtet, ihren Aufenthalt, und die dritte verweilt im Grabe. Der Tod des Fannlieiihanptcs wird mit der größtmöglichsten Geschwindigkeit sämtlichen Verwandten mitgeteilt lind die Angehörigen des Hausstands kleiden sich in Weiß, der Trauer- färbe in China, llimiittelbar nach dein Eintritt de» TodcS wird nach Priestern und Klageweibern gesandt, die ans der Trauer um den Toten ein Gewerbe machen. Bei ihrer Ankiiuft ist bereits ein Tisch gedeckt, auf dem neben brennenden Kerzen allerlei Fleisch und Früchte stehen, zur Ergötzung der Seelen des Dahingeschiedenen. DaS Weinen und Jammern der Klageiveibcr nimmt nun seinen Anfang, und nur ab und zu Ivird cS durch die eintönigen Gebete der Priester oder das unharmonische Tam-tam der Musiker»irtcrbrochc». Es scheint, als ob bei diesen Lamentationen der Priester die Rolle des Kapellmeisters spielt; erst fängt hier nnd da einer zn seufzen und zu schluchzen an, dann fallen die andren mit ejn, darauf folgen die mit näselnder Stimme von» Priester vorgetragenen Gebete und die kurzen Zwischenpausen iverden durch das ohrzerreißcnde Tam-tam der„Musik" ausgefüllt. EttvaS, was mir bei der Trauerfeierlichkeit sehr sonderbar vor- kam. war der Umstand, daß vor dem Sterbchanse ein Gerüst er- richtet wurde. Es sollte dazu dienen, nn» die eingesargte Leiche ans die Straße zn befördern. Da das Hans dreistöckig ivar und die Leiche in einem Zimmer des oberste» Stockwerks lag. so mußte dieses Gerüst, das eine Art Rutschbahn darstellte, nicht nnr hoch, sondern auch fest gebaut iverden. Meines Wissens nach werde» derartige Gerüste ans zlvci Gründen ansgesiihrt: Erstens, weil andre Familien, die mit der deS Dahingeschiedenen in demselben Hause Ivohnen, aus Aberglauben es niemals gestatte» würde», daß die Leiche durch eins ihrer Zimmer getragen werden dürfe, zweitens aber auch, weil cS nicht gut möglich wäre, ciiien schivcren chinesischen Sarg eine solch' enge nnd geivundene Treppe, wie sie viele dortige Hänser bc- sitzen, himmter zn schaffen. Ans einem ähnlichen Grunde darf auch keine Leiche, die von cincr Gegend Chinas nach einer andern tranS- portiert wird, um dort begraben zn werde», eine Stadt passieren, die mit einer Mauer umgeben ist. Auch darf niemals eine Leiche ans einen Laiidiingsplatz oder durch ein Thor gebracht iverden. wenn irgendlvie die Möglichkeit vorliegt, daß jemals der Kaiser diese Stätten betreten könnte. Die öffentlichen Feierlichkeiten des Leichenbegängnisses, dem ich i» Hongkong bcizmvohiic» Gelegenheit hatte, begaiineii damit, daß sich ans den» Sterbehaufe heraus eine feierliche Prozession beivegte. Sic ging„das Waffer kaufen", und zwar das Wasser, mit dem der Körper des Berschirdencn gewaschen werden sollte. Erst kam die„Musik". dann folgte ein Priester; er imir in ein Gewand von dmikelroter Farbe gehüllt, und ans dem Kopfe hatte er eine Art Mütze, wie sie die englischen Stndcnteir zu tragen pflege». Den Schluß machte das in Weiß gclleidcte Trancrgcfolge. Ans dem Fcsllande ivürdc diese Prozession ivahr- scheinlich dem nächstgclegencu Flusse, dem ersten besten Brunnen oder vielleicht auch nnr einem feuchten Graben das Wasser ent- nonmicn haben; solche Gelegenheiten sind aber i» Hongkong sehr selten, und das schmerzerfüllte Trancrgcfolge sah sich daher genötigt, seine Schritte zil dem Hydranten� der staatlicheil Wasscrlcitniig zn lenken, die an» andren Ende der Straße lag. Wie gewöhnlich ivar auch hier die Hauplperson beim„Wasserkanfen" der älteste Sohn des Berstorbeneil, ein Junge von etwa sieben bis acht Jahre». Trotz seiner Jugend führte er aber seine Rolle uiit einer Sicherheit und Gewandtheit durch, die er sich nnr durch sorgfältige vorherige Unter- iveisuilg angeeignet haben konnte. In der Hand einen uiit a»s-gczacktcm weißen Papier überzogenen Stab haltend, zu beiden Seiten von einem Iveiblichen Familiemnitgliede gestützt, und zum Beiveise seines auf- richtigen Schmerzes fast znfamiilcnsinkelld, schritt dieser jugendliche Sprößling des Verewigien langsam nnd feierlich dem Hydranten zu; »lid ihren„Tam-tams" und einem Jnslrmiienle, daZ dem schottischen Dndclsack recht ähnlich ist. machte die Musikkapelle eiiicii Heidenlärm. Bei dem Hydranten aiigekoinmeil, kniete der ganze Zug im Kreise nni diese nützliche Vorrichtung herum nieder; die Musiker ver- doppelten ihre Äustrengungcn, der Priester seine Gebete; noch mehr Weihrauch tvnrde verbrannt, und ans der Tranerversaininlinig stieg ein mark- und beincrschiittcmdcs Klagen»nd Jammern zum .Himmel empor. Während dessen füllte der Knabe, von dem ich vorhin gesprochen habe, als Haiiptlcidlragcnder mit entsprechender Feierlichkeit und unter vielen Verbeugungen ein Becken mit Wasser aus dem Hydranten. Als Zahlung hierfür verstreute er einige Münzen auf den Boden, denn es ist bei dieser Cerenionie von grostter Wichtigkeit, dast das Wasser auch bezahlt ivird. Dann kehrte die Prozession wiederum in das Trauerhaus zurück. Nachdem die Leiche gewaschen, werden ihr die besten Kleider, die der Verstorbene bei Lebzeiten getragen, angezogen. Ein Hut wird ibm aus den Kopf gesetzt, ei» Fächer in die Hand gegeben, die Fitste werden ihm mit Schuhen bekleidet, denn man glaubt, dast der Tote in diesem Anzüge ins Paradies eingehe» wird; es wird daher groster Wert darauf gelegt, dast er bereits durch seine änstere Erscheinung dokumentiere, dast er ein achtbares Mitglied der besseren Gesellschaft ist. Während dieser und der folgenden Ceremouien wird Gold- und Silber- papier, das man in die Gestalt von Münzen und Silberbarren, die als gesetzliches Zahlungsmittel dienen, geschnitten hat, verbrannt; man glaubt nämlich, dast dieses papierne Geld den Toten auf seiner Reise ins Jenseits begleitet und sich dann dort in wirkliches Gold riud Silber verwandelt. Aber nicht nur Geld, sondern auch mtf dieselbe Weise präparierte Kleider, Möbel, Sänften, Büffel und Pferde, die ebenfalls sich diesem merkwürdigen UmwandlnngSprozest nutcr- zichen sollen, werden dem Dahingeschiedenen ans seiner Reise in das „bessere Land" mitgegeben. Durch das Fenster wurde sodann die Leiche auf das erwähnte Gerüst gebracht und dort in den Sarg gelegt. Bei reicheren Chinesen ist es Sitte, die eingesargte Leiche naher Verivandter lange Zeit, oft Jahre hindurch, bei sich zn behalten. In diesem Falle geschah das jedoch nicht, sondern unmittelbar nach der Cerenionie des.Wasserkanfens" fand das Begräbnis statt. Graste Stimmen geben die Bcivohner dcS Reichs der Mitte auf ihre Särge aus, und ein guter Sohn sorgt dafür, dast seine Eltern noch bei Lebzeiten in den Besitz eines solchen kommen. Gefertigt werden die Särge aus vier bis fünf Zoll starken schweren Brettern. Auste» find sie abgerundet. so dast sie beinahe ivie ein polierter Baumstamm aussehen. Innen werden sie mit einer Art Mörtel überzogen, und mit einer ähnliche» Substanz werden sämtliche Fugen sorgfältig verschmiert; im Teckel des Sargs, den: Gesicht der Leiche gegenüber, wird ein kleines Loch gebohrt, damit die Geister bcgucmcn Ein- und Ans- tritt haben. Es machte einige Schwierigkeit, den Sarg vom Gerüst ans die Rutschbahn hinunter auf die Straste zu befördern, aber schliestlich gelang es doch ohne Unfall. Mit einem criieute» Jammer-Ausbruch der Klageweiber, mit„Tatn-tam"-Schlägcu und dem Spielen aller Musikinstrnmcnte ivurde die Ankunst des SargcS nntcn begrüstt. Auch einige zwanzig schön geschnitzte und reich vergoldete Sänften, die nur bei derartigen Gelegenheiten benutzt werden, ivartetc» unten. In reichster Fülle waren in diesen Sänften Fleischspeisen, Früchte und Kuchen, teilweise als Atrappe», zum Teil aber in Wirklichkeit, aufgetragen. Unter andern schönen Sache» waren auch zlvei vorzüglich zubereitete Spanferkel vorhanden. Zwei oder drei Altarblätter, die den Namen und das Alter des Verstorbenen aufwiesen, ivnrdc» im Zuge mitgeführt, ebenso mehrere Fahnen, die EriniternngStasel' an den Toten, sein Bild und verschiedene andre Gegenstände; die Teilnehmer am Begräbnis waren sämtlich mehr oder weniger in Trauer gekleidet. Bevor sich jedoch der Zug nach dem Begräbnispiatz auf dem Monnt Davis in Be- wegimg setzte, erfolgte erst noch ein verstärkter Ausbruch des Weh- klagcns; und abermalige Gebete des Priesters und erneute Räncherimgen gaben der tiefen Trauer wiederholte» Ausdruck. Zuletzt ilmschritten noch alle Leidtragenden den Sarg, und dann nahm der feierliche Zug, in dem der Sarg den Schlust bildete, seinen Anfang. Ans dem Monnt Davis wurde der Sarg unter verstärlten Trauer- knndgebmigeii undWeihrauchräuchcrmigcn der Erde übergebe». Zwischen den Ecrcmonic» am Grabe, soweit dabei der Priester, die Leid- tragenden nnd die Musik in Betracht kamen, mid den im Laufe deS Tags vorher nusgcsührtcn schien weiter kein Unterschied zu sein. In seierlilbem Zuge wurde sodann die Eriuuermigstafel in das Trancrhaus zurückbegleitet, Ivo sie zusammen mit andren Erinnenmgs- tafeln an fn'iher verstorbene Familienmitglieder in einem eigens zu diesem Zwecke reservierten Zimmer aufbewahrt wird. Bor diesen Erinncriingstafcln wird tägnck, Weihrauch verbrannt nnd gebetet. Die im Trauerzuge iiiitgefiihrteii, oben erwähnten Speisen werde» für gewöhnlich iiiitcr die Annen verteilt, mitunter wird auch ein kleiner Teil davon im Traucrhanse verzehrt. Bisweilen wird auch die Slätte, in die der Verstorbeuc zur letzten Ruhc gebettet werden soll, von Zauberern oder Geister- beschlvöreni ausgesucht; handelt es sich um eine reiche Familie, so verursacht diese Wahl wohl auch viele Schwierigkeiten und grostc Gcldkostcii. Besonders innst darauf geachtet werden, dast der Geist vom Grabe ans eine gute Aussicht hat. Der Abhang eines Hügels, der einen Ausblick auf Wasser eröffnet, ein nahe am Gipfel eines Hügels gelegenes Gehölz oder ein ebenda besindlichcr Hohlweg gelten daher als sehr beliebte Grabstätten. Gegen den 5. April eines jeden Jahres kann man die Landbevölkerung scharenweise zn den Gräbern ivnllfahrcn sehen, um sie in den Stand zn setzen, zn säubern nnd ans ihnen Opfer darzubringen. Im südlichen China hat ein Grab fast immer in seinem Längcndnrchschnilt die Form eines gncchisckcu Omega, die gröstercn Gräber haben eine gcivisse Aehn- kichkeit mit einem ungeheure» Lehnsessel mit ruiidem Rücken, indessen Sitz dann der Sarg gebettet ist.— Kleines �sniklekon» — Nur ein Dichter. Arnold Garde schreibt in der„Frank- furter Zeitung": In dem hellen, warmen Sonnenschein der wenigen schönen Tage, die der Mai brachte, schlenderte ich in Detmold herum nnd weidete mein Auge an den schmucken Häuschen nnd an den still und vornehm daliegenden Villen. Welche Ruhe, welcher Friede in den sauberen Alleen und Strasteu nnd in den kleine» Gassen I Dann und wann traf man ein paar ältere Herren; ein einsamer Lieutenant ritt mit seinem Diener nach dein herrlich bewaldeten Büchenberg hinaus; dann und wann raffelte einmal ein Hotel-Omnibns zum Bahnhofe, um nach einer Weile wieder ohne Gast zurück- zukommen. Die Kastanien hatten ihre hohen Kerzen aufgesetzt, die Buchen und Ulmen standen im frischeste», saftgrünen Laube. Schön ist die breite, aristokratische Alleestraste mit dem Bach, der aus de» Bergen kommt und zur Mühle rauscht. Emsig treibt das niedrige klare Wasser über Tang und Algen dahin. Weiter in der Stadt hockten Frauen und Kinder am Ufer und spülten Wäsche, die sie dann daneben auf dem grünen Nasen bleichen licsten. Ein Garte» träumte wie verzaubert neben dem andern und alles war ein Vlütcnmcer, Märchenarchitckturen mit Tausenden von Rundbogen und Kuppeln, schneeweih mit Rosa nnd Grün. Wolken von Vlütendüften schwammen in der kauen Luft. Ich trat in eine Buchhandlung und fragte, ob irgend ein Bild oder eine kleine Büste von T h. D. G r it b b e zn haben sei. Grabbe, Grabbe? Wer war der Mann? „Nur ein Dichter." „Ah! Ganz recht, der hat ja Gedichte gemacht l" Sprach's und schlug den dicken Katalog auf. Nein, Bilder und Büsten gab es nicht, aber die Ncktamsche AnS- gäbe seiner Werke, die vernnillich fein Bildnis enthalten würde, könnte mir besorgt werden. Ob dagegen vielleicht ein Bild von Freiligrath gefällig wäre? In der Nähe'war noch eine Buchhandlung. Auf dieselbe Frage sagte mir der Herr lächelnd: O. gcivist! und bot mir eine NnjichtS- Postkarte, die— den Graf-Regenten zeigte. „Ach so! Verzeihen Sie. Grabbe I Nein, leider nicht. Grabbe, Grabbe? habe den Namen doch schon mal gehört..." Kurz und gut, ich fragte überall vergeblich, llud Wenn wirklich einmal jemand etwas von Grabbe wustle, so hiest es regeluuistig: „Jaja, von Grabbe(sprich„Chrabbe") Hab' ich schon was gehört; ach warten Sie mal, ich glaube, der Mann hat so fiirchterlich ge- trunken." Auf dem Rathause hängt eine hübsche, zarte Lithographie, imtcr Glas und Nahmen, das Brustbild Grabbes darstellend, und auf der Fürstlichen Landesbibliothek steht Grabbes Büste von Bändel. Die mächtige Stirn, die grasten Augen verkünden daS Genie, ein dünner Flaum läuft bei den Ohren an den Wangen herab, sonst ist das Antlitz bartlos; Mund und Kinn ganz fraueilhast.... b. Ponlsens Telegraphou. Eine sehr mekwürdige Erfindung ist dieser Apparat, der am Mittwoch im Verein von Freunden der T r c p t o>v- S t e r u w a r t e von Herrn Ruh in c r erläutert wurde. Um die Einrichtung dieses neuen Jiistrilments, das vielleicht eine groste Zukunst hat, zu verstehen, inüsscn wir an das Telephon nnd das Mikrophon erinnern. Beim Telephon befindet sich eine Plalie von Eisenblech vor einem Magneten, der durch die Schwingungen der Platte bald stärker, bald schwächer erregt wird; in einer um ihn gewickelten Drahtrolle eutstehen dann elektrische Ströme, sogenannte Jnduktionsströme, von abwechselnder Richlnng und Stärke, die zn einem zweiten Telephon geleitet, dessen Magneten in demselben Rhhtuius erregen; daher ivird die vor diesem stehende Platte ans Eisenblech bald stärker bald schwächer angezogen, so dast sie die Schwingungen der Platte, gegen die man spricht, wiederholt, die hineiiigegcbciien Töne also durch die zweite Platte wiedergegeben werden. Als Hörapparat hat das Telephon sich vortrefflich bewährt; als Sprechapparat oder Sender dagegen ist es durch das Mikrophon bedeutend überholt worden. Dieses besteht im wesentlichen ans einem Koniakt mehrerer Kohlestückchcn, die mir lose einander bc- rühren; spricht man gegen eine Platte, so wird durch deren Schwingimgen die Berührung der Kohlestückchen bald mehr, bald weniger fest; ein hindnrchgeleiteter elektrischer Strom erleidet da- durch Schwankungen seiner Intensität, wird er zu einem Telephon geleitet, so giebt dieses die in daS Mikrophon hinein- gcgedcncii Töne in sehr guter Weise wieder. Nun denke man sich den schwankenden Strom eines Mikrophons anstatt zu einem Telephon zu einem hufeisenförmigen Elektro- inagnetei! geleitet. Zwischen den Polen desselben entsteht dann ein magnetisches Feld von abwechselnder Stärke. Zieht man durch dieses Feld einen Stahldraht oder ei» Stahlband, so werden die das Feld passierenden Stellen nach einander magnetisiert, und zwar Werden sie verschieden stark magnetisiert, da ja die Intensität des magnetisch«» Feldes eine rasch wechselnde ist. So wie man bei der Morse- Telegraphie auf einem Papierstrcifen Punkte und Striche hervor- bringt, hat man hier ans dem Stahlstreifen die verschiedenen Töne durch verschieden starke Magnetisierung fixiert. Das so fixierte(festgehaltene) Gespräch kann mm beliebig oft von dem Stnhlstreife» abgehört werden. Zieht man nämlich den Streifen zwischen den Polen eines zweiten Eleklromagneten hindurch, der dem Schrcib-Eleklromagncten ganz analog gebaut ist, so werden in diesem je mich der mciflnctischen Stärke der Stelle deS Stahl- lnuids, tvelche vor den Polen vorbeigeht, elektrische Ströme von ver- schiedcner Stärke induziert! ist nun dieser Hvr-Elcktromagnet- »itt einem Telephon verbunden, so kann moii nm Telephon mit fliösitcr Deutlichkeit das Gespräch hören. Das Anwendungsgebiet dieser Erfindung verspricht sehr gros; zu lvcrden. Um nur eins zu erwähnen: Ich rufe tclcphonisch einen Bekannte» an! er ist nicht zu Hause, aber das Telcphounmt schaltet einen Elekromagneieu ein, an welchem durch ein Uhrwerk das Stahlband vorbeigezogen wird. Beim Nachhausekommen schaltet er durch eine einfache Bewegung seine» Elektromagneten mit seinem Telephon zusammen, lägt das Stahlband ablaufen und kann so mit größter Begriemlichkeit alle während seiner Abwesenheit eingegangenen Mit- teilungen abhören, Leider konute Herr R u h m e r einen solchen Apparat in Thätig- kcit nicht vorführen! doch soll sein Funktionieren nach Berichten von der Pariser Weltausstellung, Ivo er aufgestellt ist, ei» tadelloses sei», so daß die Hörer von der Deutlichkeit der Wiedergabe aller Töne ganz überrascht sind.— Kulturgeschichtliches. — Wie in der guten alten Zeit die Hausordnung in einer Heil- anstatt beschaffen war, geht aus folgenecn„Baad- und A u f- f ü h r u n g s r e g e I n des Gesund- und Heil- Baads S ch a u e n b u r g° hervor, die von einem Forscher im Baseler Archiv aufgefunden worden sind, Sie lauten der„Straßb. Post" zufolge: Des Morgens von 7 bis 8 Uhr sollen sich sämtliche Baad- Gäste mit ihren Euren, als besonders Thec, Cafsee, Chocolade, Wcin- Waaren, Saurbrunnen, Braut-, Kachel- und Blatten-Mueß, Butter- Schnitten, und was dergleichen mehr ist, in dem große» Saal sich einfinden.— Von 8 bis 9 Uhr gehet man in das Baad,— Von 9 bis 19 Uhr ist zum Ausdünsten und Anziehung säuberlicher Kleidern bestiuiint.— Die, so nicht in das Baad gehen, sollen sich während diese» zwo Stnudeu still, ehrbar und bescheiden auf- fuhren und mit etwas Nützliches sich beschäftige».— Von tv bis 12 Uhr ist zum Spazieren beh schönem Wetter, und behtn Regen zum spielen, couversiren oder anderen unschuldigen Belustigungen gewidmet.— 12 bis 1 Uhr zum Mittag- Esse»,' doch solle auf eine Viertelstunde mehr oder weniger nicht aukomme».— 1 bis 2 Uhr, zum Kaffee, wer aber keines nicht trinket, mag sich indessen mit etwas anders erquicken, doch ist in dieser Stund der Schokolade gänzlich vcrbotteu, — 2 bis 3 Uhr, allgemeine Konversation,— 3 bis 4 Uhr, in das Baad,— 4 bis 5 Uhr, in das Bett, und nach Beliebe» zu ge- brauchen.— ö bis 8 Uhr, zu einem Spaziergang vor die ganze Gesellschaft, wann aber wider alles Erwarten ein Regen einfiele, so könnte aus Dcsperation gespielt werden,— Von 8 bis 9 Uhr zum Nacht-Essc».— Von 9 bis 11 Uhr, wäre ent- Iveder der Tag mit einem Ehrcu-Tänzlin, oder einer andren an- gemessenen Ergötzlichkeit zu beschließen.— Um 11 Uhr sollen alle und jede, sich in das Bett verfügen, und eine allgemeine Stille regieren, besonders wann sich jemand unter den Baad-Gäslen nicht wohl auf befinden thäte. Weiter heißt es u, a,: Alle Ohrenbläser, Sonderling und Murrolfen sollen gänzlich von hinnen vcrbamüsiert sehn, es sehe dann Sach daß sie Besserung versprechen.— Und endlich, weile» der ganzen Ehren-Coinpagnie daran gelegen, daß sie weder Nachtzeit»och an der Tafel, durch Hünde nicht beunruhigt werden, als solle ein jeder Ehren-Gast, welcher solcher Thiere» mitbringe, gehalten sehn, selbige an gc- hörigem Ort verwahren zu lassen. k�L. Was die Strafe dieser Ordnung anbelangt, so könnte der Uebertretcr derselben an Gcldt, das Francnznniner aber am Leib abgestraft werden, welches aber billichcrinaßeii der Ehrcn-Compagnic zur Decision überlassen wird.... Also gegeben und vor der ganzen Ehren-Gcscllschaft genehmigt den 17. Heumonat 1702 und erneuert len 13. August 1764. (�i. S.)' S ch a u e u b u r g. Physiologisches. ie. Die. S ä n g e r k» ö t ch c n". Auf dem soeben beendeten Internationalen Medizinischen Kongreß in Paris ist in der Abteilung für Laryngologie eine krankhafte Erscheinung ausführlich von Auto- ritäten mehrerer Länder behandelt worden, die von besonderem Juter- esse für Sänger und Sängerinnen ist: sie hat in der Wissenschaft die etwas merkwürdige Bezeichnung der„Sängcrknötcheu", der Stimm- bandknöichcn erhalten. Nach der„Wiener Medizinischen Presse" bc- sprach der Wiener Larhngologe Ehiari die Beschaffenheit solcher Gebilde. Sie sind rund oder etwas länglich, und sitzen am freien Rande der unteren Stimmbänder gewöhnlich zu beide» Seiten, Die Farbe ist gelblich- oder rötlich-weiß, die Größe gleicht der eines Stecknadelkopfs, Sie gehen nie in Geschwüre über, erleiden aber glücklicherweise nicht selten eine Rückbildung. Sie sind viel häufiger bei iveiblicheu als bei männlichen Personen beobachtet worden und bei Sängern und Sängerinnen wiederum sehr viel öfter als bei andre» Menschen. Sie entstehen durch starke Anstrengung der Sliminc, vielleicht auch durch fehlerhaftes Singen, Meist werde» sie als eine Wucherung der oberflächlichen Faserschichten deS StimmbandS erklärt. Nach Professor Krause-Berli» werden sie lediglich durch den Mißbrauch des StjnunorgauS beim Singen, nicht beim Sprechen her- vorgerufen. Die durch sie veranlaßten Störungen bestehen darin, daß die GcsaugSstimme in gewissen Lagen erschwert wird, Iveil daS schadhaft gewordene. durch die verdickten Wucherungen stellenweise ersetzte elastische Gewebe die Hervorbringnng des Piano und der Mittellage nicht mehr gestattet, eine fernere Folge ist der baldige Eintritt von Ermüdung bei allen Gesangsleistungen, Der Sauger ist somit genötigt, für die ausfallenden Register Ersatz zu schaffen, und er kann dies nur durch eine stärkere Anspannung der Stimmbänder erreichen, wobei jedoch der Ton begreiflicherweise an Schönheit und Weiche einbüßt. Er bekommt entweder einen kehlenden Lllang, weil er zu sehr im Kehlkopf selbst erzeugt wird, oder der Bnistton beginnt zu überwiegen, wodurch die Ansdrncksfähig- feit beeinträchtigt wird. Ferner kommt es noch durch die stärkere Spannung der Stimmbänder zur Bildung weiterer Ver- dickungeu, zunächst au den Säugerknötchen selbst, dann an denjenigen Stellen, die durch stärkere Reibung besonders mitgenommen werden, Als Behandlung empfiehlt Krause zunächst besonders Ruhe und Verbot des Singens, um die Knötchen zur Rückbildung zu bringen. Wenn jedoch dadurch keine Beseitigung erzielt werden kann, und da? Interesse des Kranken die Wiederherstellung der Stimme gebieterisch fordert. so muß die Operation eintreten, selbstverständlich unter möglichster Beschränkung auf die kleinen Auswüchse selbst,— Ans dem Pflanzcnlebc». � D i e E r d b e e r e gedeiht bei mir geringer Aufmerksamkeit prächtig, Z» ihrer Kultur ist ein jeder gute Gartenboden geeignet. Doch thnt man gut, zu leichten Boden mit verwittertem Lehm oder gut gelagerter Schlammerde zu verbessern. Ein tiefes Graben des zur Erdbeerknltnr bestimmten Bodens ist unbedingt erforderlich, Zur Düngnug wähle man Rindcrdünger, ivelchen man jedoch mindestens 1 Jahr vor der Pflanzung dem Boden mitteile» muß. Die Anpflanzung geschieht am besten im August! man bringt die jungen Pflanzen auf einen Abstand von 99 Centimetcr z» einander. Bei Monatserdbeercn genügt ein solcher von 39 Centimctcr, Festes Andrücken beim Pflanzen sowie tüchtiges Angießen, welches bei trockner Witterung auch öfters, besonders des Abends zu wiederholen ist. befördern daS Anwachsen sehr. Während der weiteren 5lultnr hat mau die Beete öfter zu behacke» und von llukraut frei zn hallen, Bei Trockenheit gicbt man ihnen reichlich Wasser, Während der Blute sind sie nur mir dem Rohre der Gießkannen, niemals aber mit der Brause zu gießen. Vor der Blüte bedeckt man die Beete zwischen den Pflanzen mit kurzem verrotteten Dünger oder Komposterde, was den Boden am Austrocknen verhindert. Da die Erdbccrpflanze von August an alle Kraft für die nächstjährige Vegetation sammelt, so ist cS nötig, zu dieser Zeit alle der Mutterpflanze die Nahrung weg- nehmenden AnSlänfer mit de» Rauken dicht am Mnttcrstockc ab- zuschneiden, keinesfalls aber abzureißen, da hierdurch die Mutter- pflanze zu ihrem Schaden gelockert wird. Nach Ablauf von vier Jahren ist man genötigt, zur Nenanlage zu schreiten. Auch darf man auf derselben Stelle, ans welcher Erdbeeren gestanden, vor Ablauf von sechs Jahren keine solchen anpflanzen,— („HanS, Hof, Garten") Hnmoviftisckieö. � Kinder m n n d, M a m a:„Hau?, was Ihust Du denn mit dem Glase Wasser?" HanS:„Ich will eS Georg bringen. Er hat so viele Thräncu vergossen, daß er inwendig ganz trocken sein muß,"— — E i n Paria. H c r r H u b c r:„Wo ist denn Ihr Vereins- lokal?" Auti-Alkoholi st:„Wir haben keiuS— wir werden näm- ich bei jedem Wirt nauSgeschmisse» l"(„Jugend.") Notizen. — Nobel! Von einer Berliner Frauenzeitung geht n»S eine Notiz zu, die von einem„P l a k a t- P r e i S- A u S s ch r e i b c>r" handelt. Wir unterlassen de» Abdruck, iveil die Notiz mit dem Satze schließt:„Die abgelehnten Cutwürfe werden auf b e- sonderen W u u s ch der Einsender portofrei zurückgesandt!"— — S n d e r m a u» s neues Drama„I o h a n n i S f e n e r" wird am 29. September im Lejsing- Theater seine Erstaussühruug erleben.— —„5löuig Teja", ein neues Drama von Adolf Wilbraudt, ivird in den ersten Monaten der-ncucn Saison auf der Bühne de?„Berliner Theater?" zum ersteumalc erscheinen.— — Im M ü n rti euer Volkstheater hat Haus ReiiertS Volksstück „D e r T h r o l e r Franz l" bei seiner Erstaufführung freundlichen Beifall gefunden.— — Rund 493 099 M, a n T a» t i e in e n hat das M ii n ch euer H o f t h c n t e r bis heute an Richard Wagner resp. deffe» Erben bezahlt.— — DaS Orientalische Seminar in Berlin bat, den Wünschen zahlreicher Kaiislente entgegenkommend, beschlossen, zweimal in der Woche abends unentgeltlichen Unterricht in der chinesischen Sprache zu veranstalten.— Verautiv örtlicher Retzacteur: BSithelm Schröder in Wilmersdorf. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.