Inlerhaltungsvlatt des Horwärts Nr. 163� Freitag, den 24. August 1900 sSiachdrui! verboten.) 21] Die Jfonfavc, Roman von Fritz M a u t h n c r. X. Richard verbrachte die beiden Feiertage mit Besuchen»nd tvicdcrholien Proben zum großen Quintett.?lber im Hinter- gründe aller Thätigkeit lauerte ein Gedanke, der ihn immer wieder überfiel, so oft er einen Augenblick allein war. Er wurde nicht frei, so lange das freche Bild Johannas ans der Welt war. Er muhte es vernichten, so oder so. In der?sacht vor der Probe- Aufführung seiner Oper hatte er die Kiste, ohne sie zu öffnen, verbrennen wollen. Er vermochte es nicht. Er redete sich ein, er dürfe ein Kunstwerk nicht zer- stören. Am Morgen des dritten Feiertags— er wollte sich für die Provc-Anfführnng bei Leontine einen freien 5topf schaffen— faßte er einen raschen Entschluß. Er schrieb an Disselhof, daß der Besitzer der„Sehnsucht" mit dem Maler wegen eines Auftrags sofort zu sprechen wiiiische. Gegen zwei Uhr ließ sich Disselhof bei Richard Mettmann melden. Seltsam stach sein Landknechtskopf von der tadellosen, heute fast geckenhaften 5lleidn»g ab. Und unter der genialen Künstlertolle blickten die kleinen Kansmannsangen kluger als je hervor. „Sie sind cS also gewesen, der dem ruppigen Kerl meine „Sehnsucht" abgekauft hat? Das A... hat fast die ganze Vinte eingesteckt. Zka, Sie wollen wahrscheinlich zwei so'nc Mvrdstnckcr haben. Pendant nachbestellen? Leicht wird's nicht sein. Solche Modelle findet man nicht auf der Straße." Richard tonnte sich nicht entschließen, sofort seinen Wunsch auszusprechen. Der Maler sollte weiter plaudern, vielleicht entschlüpfte ihm ein Wort über Johanna. Richsrd schämte sich seiner Rolle, aber er konnte die Gelegenheit nicht im- benutzt lassen. „Es muß tvohl schwer sein, gute Modelle zu finden," sagte er zögernd.„Sic rauchen doch?" „Solches Kraut sonst nicht, lieber Mettmann. Ja. die Modelle, das ist ein ekliges Kapitel! Die Luders, die auf dem Markt zu haben sind, haben keinen Zoll gesnndcs Fleisch und Gesichter wie die Meerschweine. Es geht uns Künstlern wie Euch jungen Herren. Wer was Apartcs zum Knacken haben will, muß es mühselig selber aufsuchen. Und dann! Fürs Gesicht und für die Arme ist zur Rot noch einmal eilt anständiges Frauenzimmer z>l haben, aber wo sollen wir das übrige Fleisch hernehmen? Die Puppen thun ja, als wollten wir sie spießen. Und wenn sie es auch her- gäben, es ist nichts. Es giebt keine schöne Brust mehr, in Europa gewiß nicht, in Berlin wenigstens nicht— den schönen Frauculeib hat nicht Gott geschaffen, sondern ein Maler." „Das ist wohl auch der Grund, weshalb Sie Ihre Figuren immer bekleiden?" ..Notdürftig, lieber Mettmann, notdürftig! Kleider bis an die Ohren hinauf will das Publikum nicht haben, und Balltoiletten, die zn viel und zu wellig zeigen, sind scheußlich. Eill Kenner wie sie hat am liebsten ein offenes Hemdchen, hinter dem er sich alles viel schöner denken kann, als er es verdient. Wo hängt oder steht meine Kleckserei eigentlich? Richard wurde verlegen. „Sic haben mich nicht zu Worte kommen lassen," sagte er.„Ihr Bild liegt noch in der Kiste. Ich finde den Kopf entzückend, die Bekleidung jedoch.nicht... nicht nach der Natur gemalt." Und Richard holte die Kiste unter dem Schreibtisch hervor. Disselhof blinzelte ihm nach. Was war das? Dieser junge Mann nahm ein eigentümliches Interesse an dem Bilde. Unklar dämmerte es dem Maler auf, daß der alte Mettmaun seine eignen Pläne verfolgt hatte, als er ihm so schlau das schöne Modell verschaffte. Das mußte Geld einbringen. „Sie haben eine feine Nase," sagte er, lvährcnd er die Kiste rasch ans Richards Häildm nahm und mit einem bronzenen Aschenbecher, den er als Steiulneisen benutzte, den Teckel losbrach.„Die Dame, nach der dies Bild gemalt ivnrde, ist selbstverständlich kein gcivöhnlicheS Modell. Armer Adel, aber anständig. Das Hemd und das Korsett ist aus meiner Phantasie. Eine Sauerei! Nicht»palst. Sic »vünschen ein geivöhnlichcs Hanskleid darüber gemalt?" Disselhof hatte das Bild hcrvopgelangt und kratzte mit den Fingernägeln. ärgerlich an der roten und weißen Farbe herum. Ganz in der Tiefe seiner Seele freute sich etivaS über den Auftrag Richards, aber vor allem mußte die Sache Geld einbringen. Richard stand errötend vor dem Maler. „Sie haben nleincn Wnilsch erraten", sagte er stockend, „das 5tlc!d muß ja nicht gleich bis an die Ohren reichen." Und mit plötzlich hervorbrechender Leidenschaft rief er:„Da? Bild ist eine Beleidigung... Nein. Verzeihung, Herr Disselhof. ich bitte Sic. übermale»» Sie die Gcwandnng." Disselhof nickte niit dem Kopf. „Eine Sauerei, habe ich ja selbst gesagt. Hören Sie. lieber Mettmann,»vollen Sie sich's noch tausend Mark kosten lassen, dieser armen jungen Dame ein Kleid zu schaffe»», i» »velchem sie sich sehen lassen kann?" Das Blut stieg Richard zu Kopf, als er rief: „Gern! Ist das Geschäft abgemacht?" „Abgemacht, Sie Verschwender," sagte Diffelhof, während er das Bild wieder in die Kiste legte und die abgebrochenen Teile des Deckels»nit de»n Aschenbecher zuhämmerte.„Das Geld wird schnell zu verdienen sein, das Modell steht mir jederzeit zur Verfügung. Sie hat gerade an.»vas ich brauchen kann: dunkelbraune Wolle mit blanken Knöpfen, es»vird sich hier unten iin Schatten gegen den Ton des Gesichts vor- züglich machen. Ich lasse die Kiste noch heute abholen." Als Richard allein war, überkam ih»» ein beklemmendes Gefühl. Gewaltsam hatte er sich von den» Zauber Johannas losgeriffen um ihrer Schande willen. Und»vas»var von dieser Schande noch übrig? War Johanna vcrantlvortlich für die Roheit eines geldgierigen Malers? „Armer Adel, aber anständig!" hatte Disselhof gesagt. Freilich auch:„da?. Modell steht mir jederzeit zur Ver- fügung". Als der alte Mottmann nach Hanse kam, fand er seinen Soh»» nicht in der crtvünschten Stimmung. Er hatte es eilig. Bevor er sich wieder zurückzog, empfabl er de»n Sohne Pünktlichkeit und übergab ihn» einige Briese unter der Chiffre L. R., die sich während der Feiertage in der Expedition an- gesammelt hatten. Vor den» Feste waren schon gegen fünfzig Angebote eingelaufen und Richard hatte nicht ohne Wehmut in all das Elend geblickt, das sich z»lr traurigen Arbeit de?. Noteuschreibens»neldete. Run nahm er. fast gleichgültig durch seine»» eignen Kummer, die Nachzügler vor und öffnete eii» Schreiben nach dem andren. Da meldete sich in trockeilen» Kanzleistil ein Schilllehrer zur Arbeit, dort bettelte ciilc alte Sängerin, deren Namen einst alle Welt gekannt hatte, um das Brot. Als er den dritten Brief öffnete, starrten ihm die Buchstaben U. R. widerwärtig entgegen. ES»var doch schäm- los vom Vater gelvesen, diese Chiffre zu»vählen und schamlos von ihn», daß er nicht»vidersprochen hatte. Verstimmt schlug er das Blatt auseinander. Plötzlich schrie er laut auf und schlug die Hände vors Gesicht. Er hatte nur die Unterschrift gelesen. DaS Blatt enthielt»venige Zeilen. „E>v. Wohlgeboren erlaube ich mir auf Ihre Annonce meine Dienste anzubieten. Für alle schriftlichen Arbeiten. auch für das Notenschreiben stehen mir gute Zeugnisse aus den letzten Jahre»» zur Seite. Ich habe z»var einige Stunden des Tags durch andre Arbeiten besetzt,»verde mich aber be- mühen, E»v. Wohlgeboren durch Sauberkeit»ind Schnelligkeit der Abschrift zufrieden zu stellen. Ergebcnst I. v. Havenow. Berlin W., Alvcnslcbenstraße 23 a, 2 Treppen." Lange saß Richard in seinen» Schmerz versunken ui»- beweglich da. Dann sprang er plötzlich ans und schloß de»» Brief ängstlich in seinen» Schreibtisch ein. Er war froh, daß er diese Zeilen nicht mehr zu sehe»» brauchte, die ihn anklagten, ihn und das Schicksal. Doch ihn ungerecht! Das»var die leibhaftige Not, die ihn fliigcnifen hntkc, und von der Not der Geliebten hatte er nichts gclvnßt. Sein ganzer Zorn wandte sich gegen die Mutter und den Bruder der Unglückliche», welche müßig gingen, während Johanna ihrer Hände Arbeit ansbot, sich für Schreiberdienste verdingte. Mit widerstreitenden Gefühlen schritt er heftig in seiner Stube ans und nieder. Nun war ja das Unverständliche er- klärt, mm war der sittliche Makel von ihr genominen. Warum stürzte er nicht zu ihr, warnur faßte er nicht ihre Hände und nef:„Verzeih mir, Johanna, Dein Stolz und Dein Schweigen haben mich irre gemacht, ich habe den Verlcnmdnngeu geglaubt, aber nun ist alles wieder gut, iveim Du mir verzeihst! Klage nur Deine harte Not. erzähle mir. wie Tu Dir � Deine kleinen Füßchen tvnnd gelaufen hast in der Sorge um das Brot Deiner Mutter, und ich will Deine Mutter zu- friedeil stellen und Dir selbst will ich einen Teppich von Rosen- blättern unter die Füße legen." Auf und med erstürmend rief Richard einzelne Worte seines Selbstgesprächs laut hinaus. Er wollte sich überreden, daß er ans der Stelle zu Johamia eilen müßte. Wenn man ihm aber dort zur Ailtivort gab:„Johanna steht eben jetzt Modell bei diesem oder jeneni Maler!"... war es genügend, daß er sie loskaufte? Konnteil ihre Augen noch so unschnldig sein wie einst, jetzt, Ivo sie täglich die kalten Blicke der Künstler ans sich gerichtet sah? War ihr jnngfräulicher Leib noch rein, seitdem die Augen der alten und der jungen Maler jede Linie durchspäht hatten, wie die Seziermesser der Stiideiiten die Leichen der Anatomie? Und wenn sie hellte noch die strengen Gewohnheiten der Erztehnng festhielt und sich im Atelier nicht auskleidete wie jede Dirne, war es nicht auch schamlos, sich im Hemd und Korsett malen zu lassen, auch wenn man nnnahbar daneben stand, mit dem ehrbaren Wollkleid angethan. Nein, nein und tausend- mal nein!„Sic steht jeden Augenblick zur Versügnug!" Richard empfand es doch als einen Raub an seinem Heilig- tum. Da ließ sich nichts abmarkten und nichts verwischen. Und Richard Mettiiiann, der Sohn eines ehrlichen Vaters, hatte nicht drei Jahre in England gelebt, um nach seiner Rückkehr das Lebeil an ei» Malermodell zu hängen. Ans ihm sprach ja auch mir das Mitleid. Ans ihrem Briefe hatte ihn ahnungslos die herbe Not angernfen mid das Bild zniil letztenmal kinportanchen lassen. bevor es für immer versank. Es war ja vorbei. Er hatte sie beinahe schon vergessen. Seine Jngendthorhcit war Johanna gewesen — hatte er sich nicht so gesagt? Jetzt aber war dieses annc Mädchen verdrängt von der glänzenden Leontine. Ah, Richard war kein Hallnnke, der nach dem Geld des Weibes fragte, aber die Ueppigkeit im Hanse der schönen Witive war doch nicht ohne Reiz. Voll daher wird er niemals solche Herz- stoße empfangen, wie eben jetzt durch den Brief der armen Johanna. Er konnte ja nichts dafür, daß er in der Aesthetik des Wohlstands unterrichtet war. Es mochten nuter den M alermodellen Berlins gar viele brave Mädchen fein, die nur ans Not zil dem Gewerbe kamen, aber warum sollte gerade er eine Gattin ivählcii, die auf dem Markt gestanden hatte und die von den rohen Blicken der Maler entkleidet »vorden»var. Doch so viel Mühe Richard sich auch gab, Johanna ins Unrecht zu setzen, immer»vieder erblickte er sie, sehnsuchtsvoll herübei starrend, von Sonnenstrahlen»vie von einem Glorien- schein nmgeben, schon bekleidet mit dem einsache» Wollkleid?, und er sah nebe» ihr,»vie in der Ausstellung, die prächtige Komnierzienrätin in ihren ansgekliigeltcn Getväudern, und Johanna siegte, mochte ihre Nebenbuhlerin noch so höhnisch mit den Lippen zucken. Gegen sechs Uhr kam der Vater im Gesellschastsanzng, um Richard zur Eile zu mahnen. Er mußte rasch die Kleider Ivcchscln und mit dem Vater hinübergehen. Der Alte glaubte die Aufregung, die Schlvcigsamkeit seines Sohnes zu begreifen. Die Liebe der reichen, schönen Frau und den Erfolg eines großen Werks sich an Einem Abende zu sicheni, das konnte so einen jungen Mann schon »virbelig machen. Ihn selbst freilich hätte die doppelte Ans- gäbe nicht um den Verstand gebracht,»venu er so frisch und so hübsch gewesen wäre»vie sein prächtiger Junge da. Er hätte die schöne reiche Frau und das ganze Bettelvolk von Musikanten mit fester Faust angepackt und sich nicht so viel in seiner Gemütsruhe stören lassen. tFortsctznug folgt.) Die Etttpkvhttttg«ud Deehükttttg Die allcrgcwLhnlichfte Ursache des Haarausfalls ist die An- steckuilg durch einen andern, der bereits au Haarschwuud leidet. Das kann bei», Friseur oder Barbier eutsiehe», aber auch durch Ansteckung in der Familie selbst. Gelegentlich des Haarschueideus und des Rasicrcus kommt, so schreibt Dr. S ch e r b c I in der Wochenschrift „Haus, Hof und Garten", das Handwerkszeug der Friseure und Barbiere ohne Auswahl mit dein Haarbodcu und dein Haare gc- suuder und haarkrauker Personen in Berührung. Je leichter der Haarbcstaud dcS ciiizelue» wird, um so häufiger besucht er zum Zweck der Haarpflege den Friseur, und setzt sich nicht allein selber de» dort herrschenden austrckeiiden Einflüssen immer wieder- aus, sondern trügt auch seine eignen ans- fallenden Haare und Schuppen in das von allen und für alle gemein- sani benutzte Knunnzeng hinein. Dieses letztere aber ist von seinen Anhängseln kaum mehr ganz z» befreie». Wenn man bedenkt,»velche Mühe es macht, die ärztlichen Instrumente von Krankheitskeime» frei zu� hakten, kann man sich eine Vorstellung machen,>vie schwer es ist, Kämme und Bürsten, namentlich die großen, von einem Rade gc- tricbcncn, sogenannten mechanischen Bürsten vollständig zu reinigen oder gar zu desinfizieren. Deshalb sollte jeder nur seine eignen Kämme und Bürsten benutzen und auch diese nur in sorgfältig gereinigtem Znstmrde, und sollte dieselben auch von seinem Friseur gebrauchen lassen. Wer dies nicht thnt, der beobachte Ivenigslens die Vorsicht, bald»ach dein Haarschnciden oder Rasieren eine gründliche Waschung mit Seife und mit einer ärztlich zn verordnende» Desinfektionsflnssigkeit folgen z» lassen. Die großen mechanischen Bürsten, die Walzen usw. lasse mau in den Frisierstube» nicht an seinen Kopf heran. Die Barbiere und Friseure aber sollten einer strengen Beaussichlignng dahinunter- worfcii werde», ob sie ihre Kämme, Bürsten, Nasiermesscr usw. sorgfältig rein halten und nach dem Gebrauche desinfizieren. Das Pnbiikmn selber sollte eine scharfe Kontrolle niisiiben und„verdächtige" Barbier-»nd Frisierstuben ganz meiden. Man gewöhne ferner die Kinder früh a» ein sauberes Verfahren auch in Bchaiidlmig ihrer Kämine und Bürste», und besonders möge eine Mutter, die mit schuppender Kahlheit behaftet ist, sich hüte», mit ihrem Kannnc auch die Haare ihrer 5t in der zn ordnen. An» besten reinigt man die Kamme durch Bürsten mit Seife, durch Waschen mit Salmialgeist oder durch Einlegen in eine Desinfeklionsflüssigleit mit nachfolgender Abspülnng. Jede„Gütergemeinschaft" in den Familien in Bezug auf Kännne, Haarbürsten usw. ist zu verwerfen, und besonders gefährlich scheinen die Taschciibürstcn zn sein, die sich oft schon äußerlich i» einer sehr zlveifelhasten Verfassimg präsentieren und eine wahre Vnilstältc von allerhand Pilzen darstellen. Wir erwähnten vorhin die„schuppende Kahlhcit", und in der That sind die Kopfschnppcn oder der Kopfichinn eine der häniigslen Ursachen des Haaransfalls. Die Kopfschnppcn enlstchen durch eine zn starke Absondennig der in der Kopfhaut gelegenen Talgdrüseu. Diese„Talgdrüsen„produzieren" für gewöhnlich den jedem Haar nötige» Felistoss, und der geringe Grad von settigein Ilc Verzug, den jedes Haar besitzt, verschalst ihm den schönen Glanz, die Geschmeidigleit und Frische. Sondern dlc Talgdrüsen aber zn sMtck ab, so ist dies „vom llebel". Es eiitstcheii dann die genannten Kopfschlippen, oder cS kann sich bei höheren Graden dcS krankhafte» Prozesses der so- genannte Schmerfluß der Kopfhaut auSvilden, ivobei die Kopfhaut und daS Haar nbennäßig fettig erscheinen. Als Aeglcilcrscheinnng kommt gewöhnlich ein ganz leichtes, kann» vernehmbares, an den Grenzen des Fühlbaren stehendes, aber oft auch recht nnangcnehmcs Jucke» in der 5lopfhaiit vor. Es ist dies immer ei» Zeichen, das beachtet werde» soll(mich wen» es in» Barte sich bc- mrrlbar niachl) und das darauf hinweist, daß etwas in der Haarpflege nicht in Ordnung ist, oder daß der Haarboden und das Haar direkt erkrankt sind. Wenn manche Lente sagen, sie litte» schon so viele Jahre an Schiimbitdimg, ohne daß cS ihnen bisher geschadet, dann lobe» sie den Tag vor dem Abend. Der Haarausfall selbst macht sich dabei erst allmählich bemerkbar und ivird dann von manchen als ein naturgemäßes Vorkommnis aufgefaßt. DicS trifft jedoch nicht z». AnS einem sorgfältig gc- haltenen und gesunde» Haarboden geht(abgesehen von dein physiologischen, regelmäßigen»nd periodischen Haarwechsel, wobei das„lebenSschwach" gewordene Haar durch neues ersetz� wird— ein immerhin wenig anffalleuder Vorgang) kein einziges Haar ans, außer bei niigcschicktem Kämme»»nd Bürsten. Die Kopsschuppenbildimg und den Schmerflnß der Kopfhaut nebst dem daran sich anschließenden Haarausfall zu behandeln, ist Sache des Arztes. Es läßt sich in solchen Fällen keine„schabloncii- mäßige" Heilmethode angeben, denn jeder Fall will, je nach den» Alter' des Patienten, seinem sonstigen Gesuiidheitszustandc usw. besonders behandelt sein, znmal wenn sich, wie eS ziemlich oft vor- komnit, noch Pilzwncherinig in der Kopfhaut, in der Haarwurzel und im Haare damit verbtindcn hat. Denn die Kopfschnppcn bilden eine»„fetten" Nährboden für Eutwickelnng von Pilzen, ivelibe im übrigen leicht durch Ansteckung von einem Haar a»fS andre über- trage» werde» und, wenn sie erst einmal sich eingenistet haben, oft schwer zn beseitigen sind. �, Daraus ist also schon zu erkennen, daß es ein sicheres Mitlei gegen Haarausfall nicht geben kann. Je nach den Ursache» müsse» auch die Mittel verschieden sein. Ost sind eS direkte ErkraNkimg«» der Kopfhaut, wie Flechte», Pilzwiichermigcii, welche den Haar- schwimd bedingen, g. V. bei der.scherenden Flechte", welche kreis- runde, kahle Stellen in Oriifee eines Thalers und darüber hervor- rnft, wobei die erkrankte» wie„alKjebrochencn", glanzlosen Haare einzeln ausgezogen nnd pilzzcrstvrcnde Mittel angewendet werde» nnisscn, während bei dem„fleckiveisen Haarschwund«" die scheiden- förmigen Stellen des Haarbodens oft weih und glatt wie die Ober- fläche einer Billardkugel sind. Run unterliegt eS ja keinem Zweifel, dah Haarausfall auch vor- kommt, ohne dah die Kopshaut selber dabei irgend welche krank- haften Veränderungen zeigt. So tritt nach schweren Allgemcinleidcn, z. L. Tpphns, Diphtcntis, schwerer Influenza, hochgradigen Nerven- leide» usw. oft starker Haaransfall ein. Ferner ist darauf hinzuweisen, das; der Haarausfall in manchen Familien erblich ist, und daß in nicht weuigen Familicn die Nei- g»»g zum vorzeitigen Haarschwund« ebenso vorhanden ist, wie die Neigung frühzeitig grau zu iverdcn. AndrerscUs wirke» oft auch nervöse Einflüsse mit, aufreibende Thntigkeit, unsolide Lebensweise, zu grosze Vorliebe für geistige sdas heisst alkoholische) Genüsse, wenn auch oft der schwere Kampf ums Dasein und die nbergrogcn Aufordennigen, die das Leben stellt, dabei in Betracht zu ziehen sind. Ein andres Biiltel, den NuSfall des Haares zn verhüten, als eine von Kindheit an sorgsam geübte Haarpflege giebt es nicht. Wer sich von Jugend an sein Haar verimnftgemäß und nach den allgemeine» Vorschriften der Gesundheitslchre gepflegt hat sdurch öfteres Waschen dcS HaarbodenS und des Haars mit guter Seife, sorge dafür, das; dem Haar Licht nnd Lnft nicht fehlen, Vermeidung von Frisuren, bei denen das Haar zn sehr geknickt und gezerrt wird, Vermeidung übermäßiger Einfettung dcS Haars, Vermeidung starken Brennens des Haars nsw.), wer ferner allen Erkrankungsnrsachcu, »amrnllich den Anslecknngsgelegenheiten ans den« Wege geht, über- Haupt mit seinem Haar so sauber und vorsichtig umgeht, wie er eS mit seiner Haut thut oder thun soll, der kann sich seine Haarsülle ungeschmälert bis ins späte Aller bewahren. Derjenige aber, dessen Haar ausfällt oder sonstige krankhastc Er- scheinnugeu zu zeigen beginnt s Ergraue», Spallung, Brüchigkeit. über- mäßige Trockenheit usw.), möge ohne Säumen einen Arzt bc- fragen. Möglichst srühzeilige Hilfe tau» hier schwerere» Schäden vorbeugen. Namentlich versäume man keine Zeit mit der Nnlvcndnng von «Haarwuchsiniltel»", die»ach den Versicherungen einer geschäftigen Reklame Wunder der Haarerzeugung verrichten nnd selbst den kahlsten, hoffinnigsloscstcn Schädel noch mit üppigem Haarwuchs bedecken „sollen". Sie helfe» in den wenigste» Fällen, ja verschlimmern oft das den» Haarausfall zu Grunde liegende Leiden; denn es giebt, wie schon oben bemerkt, ebenso wenig gegen Haarleiden ein„Universal- mittel" wie gegen andre Krankheiten des Menschen.— Kleines Ilenillekon» ie. Die grösste» Elcfanteuzahnc sind gegeniväriig in New Dort ausgestellt. Sie habe» einem einzigen Tiere gehört und wiege» ÜS5 bezw.'230 Pfund. Die Länge beträgt dein» einen 10 Fuh nnd 3/< Zoll, beim ander» 10 Flitz und Zoll, der Umfang 23 beziv. Zoll. ES ist merkwürdig, daß ein Zahnpaar fast niemals gleich ist, sondern der eine ist beim ansgewachsenc» Elefanten immer ctiva 10 Pfund schlverer als der andre. Die beschriebenen Zähne müssen in der That von ganz ungewöhnlicher Größe sein, da sogar der durch seine umfassenden Nesse»»nd mit Leidenschast betriebenen Elcfantenjagdc» berühmte Samuel Baker»jemals solche von ähnliche» Maße» gesehen hat. Die größten Zähne, die dieser beobachtet hat, wogen mir 138 bezw. 172 Pfund, und nach seinen Angaben Iväre daS Durchschnittsgewicht für ein paar Hauer des afrikanischen Elefanten sogar nur 140 Pfund. Auffallend und gänzlich»c» ist der Umstand, daß die Zähne des ansgestorbcnen Mammut, das man sich doch stets als ein im Vergleich zum heutigen Elefanten noch besonders riesenhaftes Tier vorstellt, ein ge- ringercs Gewicht besessen z» haben scheinen. Der mittlere Mammut« zahn soll 7 bis 9 Fuß lang sei» und 90 bis 80 Pfmid wiegen, nnd einer der größten, wenn nicht überhaupt der größte Zahn dieses ausgestorbenen TiercS, der nnlangst von Alaska nach den Vereinigte» Staaten gebracht urnrde, wog trotz der migeheiirc» Länge von 12 Fuß 10 Zoll nur etwa 200 Psnnd. also nicht mierheb- lich weniger als die jetzt in New Dork ausgestellteil Elefantenzähn«, Iveil der Umfang mir 22>/s Zoll betrug. Die Haner eines andren ansgcstorbencii Ahlicn des heutige» Elefantciigeschlechts, des Maslodon, sind etwas kräftiger als die des Mammut, spitze» sich aber schneller z». Ein großer Mastodouzah» hat die Länge von 9 Fuß 4 Zoll nnd einen größten Umfang von 23 Zoll. Ein großes Lager fossiler Knoche» ist jüngst bei dein Orte KinmiSwick im Staate Missouri entdeckt und durch eine Gesellschaft ansgebciitet ivordr», worin sich viele Knoche» und Zähne des Maslodon»cbst solchen vom Bison nnd andren Tieren gefimdeil haben. Ueberhaupt sind Neste deS Mastodon in ciszeillicheii Ablageriiiige» Nordamerikas nicht selten.— Lcnails Grab. Die Grabstätte des Dichters, dessen Todestag sich soeben zn»i SO. Male criienert hat. wird von dein Wiener Journalisten- und Schrislstcllcrvcrcin„Eoiicordia" sorgfältig gehütet und gepflegt. Die„Concordia" wurde im Jahre 1S9S durch die Nichte LenaiiS. Frau Katharina Manch, geb. Schurz, darauf anfinerksaui gemacht, daß das Grab Lcnaus auf dem Osifricdhofe in Weidling am Bach der Vernichtuug anhciiiiziifalleii drohe, da die Frist, für Ivelche die Grabstätte erworben war, längst abgelaiifen sei, und der Ramn» inaiigcl die Fncdhofsverwaltung zwinge, die alten Gräber für nene Grabstätte» frei zn machen.'Die„Concordia" hat auf diese Mitteilung hin unverzüglich Verhandlniigen init dem Pfarramt Weidling am Bach eingeleitet und den von diesem Pfarramt geforderten Betrag erlegt, mil das Grab Lenans ffir alle Zeiten zn erhalten. Die genannte Nichte Lenans hat mit eincni Schreiben vom 10. Juli 1895 das Grab Lcnaus„dem Schutz inid der Pflege für jetzt und fernere Zeiten" der„Concordia" übergeben. Seither hat die„Concordia" für die Erhaltung und J»staiidsctz»ng des Grabes fortgesetzt ge- sorgt, die Bestelliliig des erforderlichen BlnnicnschnnickS veraiilaßt nnd alljährlich an, Allcrseeleutage einen Kranz niedergelegt. Im heurigen Frühjahr wurde überdies ans Veraiilassiiiig der„Concordia" das Grilftgitter restauriert und die Aufschrift uen vergoldet und außerdem neuerlich Borsorge für die Erhaltung des Grabes ge- troffen. Von einer Uebertragnng der sterblichen Neste Lcnaus auf den Cenlralfriedhof ivurde Abstand gcnouuiicu, Iveil Lenan selbst gc- wünscht hat, an der Stelle zu ruhen, wo er jetzt ruht. — Bartbinden, die neueste Errniigcilschaft europäischer Kultur, hat es. ivie dem„GlobnS" geschrieben wird, schon im alten Japan gegeben. Wie»mit an eitlem im alten Mnsem» für Völkerkunde z» Berlin befindlichen Exemplare sehen kau», sind diese itudasi ans einem linealsörinigeii Stück Holz in der Weise ausgehöhlt, daß in dem mittlere» Drittel desselben ein Zivischeuraum vorhanden ist, groß genug, lim den Schnurrbart darin lmterzubringe». Die auf der liördjapanischen Insel Jcso wohiienden Aiuvs bcimtzlen diesen Barthalter hauptsächlich beim Essen, weil sie einen äußerst starken Bartwuchs aufzuweisen hatten. Dies erklärt sich Übrigens ans dem Umstände, daß nach Ainobrauch der Mann seinen Bart, der das Privileg der Erwachsenen ist ivie in China das der Greise, erst mit 30 Jahren stehen lassen darf. Darum ist die Bartbinde nötig und —„es ist erreicht".— Theater. Lessiug-Theater. Ei» Zug edler Menschlichkeit ging gestern von der Direktion aus, was bei dreißig Grad Hitze doppelt erguickend wirkte. Sticht etwa, daß Herr Neumaim-Hofer dem spärlich versammelte» Publikum das Haus gar nicht erst aiifgeiliacht hatte; aber er vcr- schonte es doch weiiigstens mit den Blumeiilhalscheu Unerträglich- leiten und ließ, da nun einiual gespielt werden sollte, A n z c n- gr nbers„Pfarrer von Kirchfeld" aufführen. lind zwar in durchweg guter, vcrsläudig abgetönter Darstellung, in die sich selbst' die ncneu, noch nicht recht sattcl- festen Mitglieder der Bühne zn schicken wußte». Einer dieser nenen war Herr Joseph Klein, der Darsteller der Titelrolle. Als solcher that Herr Klein, was nach Lage der Umstände für einen nicht mit der Siegessicherheit des Genies bchaslctcn Mann dn-Z gescheiteste sein mochte; in Sprache und Spiel wohl abgemessen, hütete er sich auch dort aus sich herauszugehen, wo es angebracht gewesen wäre. Kurzum. Herr Klein spiellc korrekt. Ob er mchr taim als dies, ob er ein»virllichcr Künfilcr ist, daS soll sich erst bei späterer Gelegen- heit zeigen. Recht drollig, wenn auch nicht gerade im Sinne Anzengrubers, war es. wie Fräulein Glümer der Hcrziniiigkeit des lieben Land- mädels Anna einen guten Schuß bedenklich weltstndtischer Gefallsucht hinzuthat; uameutlich zn Ansang wollte es uns scheinen, als ob »ick' die verarmte Waise ans der Einöde, sondern ein etivnS dct.ailicrtcS Bcamtentöchtcrchcn im Hanse dcS Pfarrers sein Heil versuchen wollte. Wahrhaft groß war Herr C o n n a r d als Wurzelsepp; ein prächtiges Kabinettsslück wußte Herr Pagah ans der Nolle des alle» Pfarrers von St. Jalob zu machen.— oe— Hygienisches. — Z i n n g c h a I t der Konserven. Sowohl Fleisch- als auch Gemüsekonserven greifen den Zinnüberzng der Jnnciiwänd« ihrer Weißblcchdosen an. Die Gemüse erhalten dadurch vst eine» feinpnlvcrigcn schwarzen Beleg anS Schwefclzinn. der sie widerlich nnd mivcrtniiflich macht nnd schon zu vielen Sireitsällen zwischen den Fabrikanten von Konserven und ihren Büchscnlicfcrantcn einer« seits nnd ihren Knnden andrerseits Anlaß gegeben hat nach den von A. Rössing vor einigen Jahren angestellten Erinittclnnge» gilt als Schnldling in diesen Fällen der in vielen Früchten, z. B. Erbsen, cnlhaliene Schwefel, doch lasse sich die Entstehung von Schwefelzinn hintaichalten, wenn man zn Konserven keine Über- reisen Gemüse verwende. Bei Fleischkonserven hat F. W i r t h l e, der eine größere Zahl von solchen, die 1—5 Jahre lang in Weiß- blrchdosen aufbewahrt gewesen waren, ans ihre» Zinngchalt nntcr- sucht und hierüber in der„Chemiker-Zcitiing" berichtet, nur in einem Falle ciiicii dünnen, nicht abschabbarcn schwarzen Schwcfclzinn-Belag der Innenwand beobachtet', trotzdem Ivurde» alle geprüften Fleisch- konserven. und zwar, insoweit Fleisch und Brühe stiebst dem Haupt« teil des FclteS gesondert untersucht wurden, beide Teile zinnhaltig gesunden. Bei 10 Proben Ivurde die Größe des Ziiiiigchallcs «inaiititativ beslimint und zn 0,00! 1—0 014 Proz. der Brühe nnd 0,0014—0.0325 des Fleisches lRindfleisch. Gonlajch, Filel) be- smide». Ans G.uud der nuSgesührten Bcstimiiinnge» läßt sich — 652— fnciett, daß bei den in Weibt'lecl/dosen anfbewnhrten Fleisili- kvnserve» init der Dauer der AnfbeivahruNst im all�cineiiien eine Zunahme im ZiinMhalte stnt!fi»det und das; hierbei das Fleisch verhältuisniäsjig elivn das Doppelte bis Dreifache von der in die Brühe cinciehenden Mcns>e von Zinn aufinmint. Es galt nun aber auch,.�u enniiteln,»velche Art von Verbindung das die Konserveu verunreinigende Zinn eingegangen sei. Zu diesem Zivcck Ivurden die noch 5»r Vcrsügnng stehenden Büchscu der Länge nach aufgeschnitten und deren Inhalt vorsichtig von de» Wänden gc- lost: eS fanden sich da die Jnuenflächrn der Büchsen fast ans- schlieglich an denjenigen Stellen angefressen, denen sich Fett an- gelagert hatte, während sich die mir Leun in Berührung gewesenen Stellen blank zeigten. Bei den älteste» Konserven bedeckte die an- gefressenen braunen Stelle» ein tvciger Belag, von dem die vor- genounnenen Reaktionen lehrten, das; er ans basischem Zinnchlorür bestehe. Demnach lägt sich annehme», dag alles in den Konserven enthaltene Zinn sich mit Chlor verbunden hat und dah an der Ein- lvandernng des Zinns das Kochsalz die Schuld trägt, das auf die Verzinnung der Büchsenivände ciulvirken konnte. Da jedoch die Prühe der Konserven immer erheblich zinnärmer befunden ivurde als das Fleisch, obivohl sie, ivie bei allen Fleischspeisen, salzreicher sein dürfte als dieses, darf man wohl veriuute». das; hier keine direkte Ber- bindung von Chlor und Zinn stattgefunden hat. sondern zu- nächst organische Zinnsnlze entstehen, die sich darauf mit dem Kochsalz z» basischem Zinnchlorür und dem Natrimnsalz der organi- scheu Sauren umsetzen; hierfür durfte mich der llmstand sprechen. das; die Annagimg der Jmienwände je nach der Art der angelagerten Konserventeile verschieden weit fortgeschritten gefunden ivurde. Schließlich erübrigt noch die Frage, ob sich der Einivandcrung von Zinn in die Konserven nicht entgegenwirke» lasse. Rössing hat bei der oben erlvahntcn Gelegenheit in empfehlender Weise ans das Verfahren der niederländischen Regierung hingeiviesen, die für die Weißblcchbüchsen der für den Bedarf ihrer Armee und Marine nötigen Gemüsekonserven einen Firnisüberzng der Innemvände fordert: es fragt sich aber, ob ein solcher a»ch bei Fleischkonserven anwendbar wäre.— Mekcorologisches."• ar. Zur Frage der ,. g e st r e» g c n He r r e n", die all- jährlich ihr Wesen treiben, macht Pros. B. G. Hell in a n n- Berlin in der„Meteorolog. Zeitschrift" nnf ein n e u c S Iv i ch t i g c S Moment aufmerksam. ES ist bisher ganz übersehen ivorden, das; die Mehrzahl der Welter- und Bauernregeln viele Jahrhunderte alt ist, und daß ihre Entstehimg v o r die gregorianische Kalenderreform zurückreicht. Infolgedessen haben alle Regeln, Ivelche an bestimmte ilalenderheilige geknüpft sind, eine zei tliche Wersch ic bnn g erfahren, denn jene Reform bestand unter anderm darin, daß man 10 Tage ausließ und vom ö. Oktober 1582 gleich zum 15. Oktober überging. Der neue gregorianische Kalender ivar somit dem alten oder jnlianische» um.10 Tage voraus. Da nun auch die K a l e n d e i h c i l i g e n den früheren Daten verblieben, so hatten die für sie geltenden Regel» natürlich ihre Bedeutung verlöre». DaS gilt auch von dem gestrengen Herrn Servatius,' der damals noch nicht in Begleitung von Mamertus und Pankratius auftrat. Die durch den gregorianischen Kalender bewirkte Ber- schiebnng des Eisheiligen hin 10 Tage nach vorwärts ivurde vom Landinnnn kaum störend vernierkt, denn auch am 8. Mai(akkcti Stils) ivar die Wahrscheinlichkeit für einen KälterückfaN nicht gc- ringcr als am 13. Will man aber den allen Eisheiligen retten, so muß die moderne Ilntcrsuchnng deii A n f a n g des Mai in Betracht ziehen, wahrend die Ergebnisse der reichen Arbeiten über die Tage des 11.— 13. Mai dem alten Urban(23. Mai) zu Gute kommen. Ans allen Wetterregeln in Bezug auf den Wonnemond ist der ein- fackic Schluß zu ziehen: Räch alter volkStünilicher Aussassnng und Erfahrung uinß man sich lvahrend deS ganzen Monat? Mai noch auf Frostivcltcr gefaßt machen,— AuS dem Gebiete der Chemie. — K r t> st a I l i s i e r t e P o r z e I l a n g l a s n r e n. Man bc- gegnet seit einige» Jahren oft Porzellangegenständen, die sich nicht init der einfachen oder mehrfachen Färbung ihrer Glasiiren in Mustern oder einfarbigen Flächen genügen lasseu, sondern die i» der Glasur selbst eine häufig sehr wirkungsvolle llnglcichniäßigkeit aufwciscu, indem in der sonst durchsichtigen Schicht große oder kleine, meist schuppen-, feder- oder flockenartig gruppierte Kryslalle sichtbar sind. Diese am besten mit Eisblumen vergleichbare Glasur wird nach der„Technischen Rnndschan" in vorzüglicher Schönheit bon der nltbcrühinteu Porzellanniaiinfaktiir in Svvrcs ausgcsiihrt, und lvie man bisher glaubte, ivurde sie hier auch erfunden. Wie aber „La Ceramiquc" mitteilt, sind auf Grund der Nacliforschiinge» BigotS lveder die matte» noch die kuistallisierle» Glasuren neue Entdeckungen. Es existieren in den japanischen Sammlunge» Stücke aus dem 17. Jahrhundert, ivelche lange goldene Nadeln anfweiseii, und seit dem 12. Jahrhundert hat man in gewissen Provinzen Japans Glasuren hergestellt, welche in kleinen Nadeln krhstallisiere». Daraus geht hervor, daß auch hierin die Japaner iinsre Lchrmeister waren und das; die Erfinonng längere Zeit zurückliegt, als man bisher aiizuiiehmeii pflegte. Weiter ist zu erwähnen, daß. lue»» nnch Sövres die Nackersinderin der alte» japanischen krhstnllisicrtcn Glasuren war, die Glasuren doch eine wirkliche Verwertung im großen zuerst durch die Kopenhagener Porzellanmaiinfaktur gefunden haben. Die ersten Versuche zur Herstellung von krhstallisierten Glasuren in Sovres sind in den Jahren 1347 bis 1852 von Ebclmen vorgenoinine» worden. Diese Versuche wurde» später von Lauth und Dutaillh fortgesetzt, ivelche da? Zinkoxyd bcnntzten, um ein Krystalli- sieren der Glasuren zu bewerkstelligen. Da dieses Orhd der Glasur nur wenig größere Schinelzbaricit verleiht, komiten sehr basische Glasiiren hergestellt ivcrdtn, ivelche ivährend de? Abkühlens in ihrer Masse kleine Krhstalle von Silikaten oder Orhd bilde». Bon großer Wichtigkeit ist es, daß die Glasur sehr langsam abkühlt. Die scinsten Krhstalle ivurden in einer Glasur aus folgender Mischung, bei 1350 Grad Celsiiis geschmolzen, geivoinren: Pegiiintit 55,60, Saud 16,00, Kaolin 4,40, Kreide 12,00, Zinkoxhd 18,00. Clement in Kopenhagen brannte eist eine streugflüssigc Glasur und dann eine ziveite auS Zinksilikat auf und zwar iii vollständig oxhdierendem Feuer. Ganz ab- gesehen davon, daß es schiver ist, eine geivisse Regelmäßigkeit und Gleichmäßigkeit ans eine große Fläche zu erzielen, iverden sich die hier enlslehenden Krhstalle fast stets um gewisse Mittelpunkte gruppieren und in Form von mehr oder weniger große» Blättern austreten, die, unregelmäßig über dein Gefäßkörper zerstreut, nicht immer fesseln. Im Gegensatz hierzu sindet bei der Aiuvcuduug der krhstallisierlen Glasuren für kleinere Gesäße die AuSscheidiing der Krhstalle in wesentlich andrer Weise statt und während wir es vorher mit großen, meist aufdringlich hervortretenden Blättern zu lhiui ballen, schießen nunmehr die Krhstalle nach Art der fein ge- fiederten Schneeslocken an und rufen eine nugleich zartere und vor- »ehmere Wirkung hervor.— Hnmoristischei. — P a s s e n d st e P e r tv e n d u» g.„Was fange» Sie denn mit den vielen Nulle» in Ihrem Offizier corps an?" fragte einmal eine Dame ihr vis-a-vis. einen englischen General. „Die hängen wir an die Verl n sl z i ff ern de r Boeren," bekannte der General freimiitig."— — Roh!„Jossas. Jenas! Jetzt malt der Mensch schon wieder mit dem teuren Kobaltblau. Ja, denkst deuu D» gar»et an D e i Familie?"— — Ach. so. Schriftsteller: Mein letztes Werk verkauft sich gut, das freut mich. Verleger: Ja, haupisächkich auf den Bahnhöfen. S ch r i f t st e l l e r: Oh. ich bin glücklich. Verleger: Ja, aber man hat bemerkt, daß eS nur von Reisenden gekauft wird, die den Schlafwagen benutzen wollen. („Jugend".) Notizen. — Die Freie V o l k s b ü h» e beginnt ihre Wintersaison mit Tolstoj?„Macht der Finsternis". Die Tichtimg wird vom 2. Septeüihcr ab au sieben hinterciuaiidec folgenden Sonntagen im L e s f i n g- 7 h e a t e r mikcr der Leilmig des Obcrregisseiirs Witte-Wild gespielt. Die Darstelter gehören. dem Lessing- Theater an. Für die zweite S c r i e�der Vorstelkiingen tvird inite« Leitung des Obeiregissems Adolf Stein ort BjörnsonS Schauspiel, II c b e r u» s r e Kraft I. Teil, für die dritte Serie der II. Teil d c r s e l b e n D i ch t n n g vorbereitet.— — Ein Drama„Sturm" von Friedrich I a k v b s e n wurde im Deutschen Vottsthegler in Wie» beifällig aufgenouime«, DaS Stück behandelt einen Chelouflikt.— — Leopold T hnr n e r, bisher Mitglied des„Schiller- Theaters", wurde für die S e c c s s i o» s b ü h» e engagiert.— — Im T h a l i a- T h c a t e r habe» die Proben für die Er- öffunugsvorsiellung begönne». Es soll eine A n s st a t t u n g s p o s i e aegcbeii iverden.' Ausstatlmigsposien Ivirkeu im allgemeinen durch viel Fleisch und wenig Geist.—.•„• — In der von der Lociote des Etndes bistoriques i» Pari? herausgegebenen Sammlnug kritischer Bibliographien ist soeben eine solche über Franz Schubert erschienen. Sie ist vom Archivar der rlrclüves uatiousles. Herrn Dr. Henri d e Cnrzo», verfaßt und gicbt eine gute kritische klebersicht Über die verschiedenen Ans- gaben der Werke Schuberts sowie über die wichtigsten Schritte», die den Komponisten behandeln.— — Der Verlag der„Propaga n d a". Berlin u.. Kothener- straße 41, eröffnet einen Wettbewerb für die besten Inserate. Die Beteiligimg ist jedermann gestattet.— �_ — Aus Experimente», die an der Universität Genna gemacht wurden, geht hervor, daß der Genuß von Zucker eine Erhöhung der K ö r p e r t e m p e r a t ur hervorruft.— — Dem französischen Forstiuspektor L e H a 1 l iit es geliuigeu, Holz zu schmelzen. Der neu ciitsteheude Körper ähnelt ellva der Kohle und läßt sich in beliebige Formen pressen.— — In einer Sitzung des elektrischen Kongresses m Paris hielt Direktor Piuter einen Vortrag über eine neue Ber- v o l l k o m m u u ii g de? P o l l a k-V i r a g sch e ii S ch>i e l l- Tele- graphcu, durch welche der Apparat mit B u ch st a b e u schreibt. Der Vortrag erregte Sensation.—___ Die nächste Nummer des Unterhaltungsblatts erscheint am Sonntag, deii 20. August._ Leraukwortlicher Redacteur: Svilhelm Schröder in Wilmersdorf. Druck»»» Verlag von?1tax Babing tu Berlin.